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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Filmbewertungen
Gubanov Offline




Beiträge: 14.505

25.03.2013 00:30
Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten



Die Kammer des Schreckens (The Door with Seven Locks)
Kriminalfilm, GB 1940. Regie: Norman Lee. Drehbuch: Gilbert Gunn, Norman Lee, John Argyle (Buchvorlage „Die Tür mit den sieben Schlössern“: Edgar Wallace). Produzent: John Argyle (John Argyle Productions / Pathé Pictures International). Mit: Leslie Banks (Doktor Manetta), Lilli Palmer (June Lansdowne), Romilly Lunge (Dick Martin), Gina Malo (Glenda Baker), Richard Bird (Inspektor Sneed), David Horne (Edward Havelock), J.H. Roberts (Silva), Cathleen Nesbitt (Ann Cody), Harry Hutchinson (Bevan Cody), Phil Ray (Cawler), Robert Montgomery (Craig), Aubrey Mallalieu (Lord Selford), Ross Landon (John Selford).

Zitat von Edgar Wallace: Die Kammer des Schreckens
Zehn Jahre, nachdem der alte Lord Selford gestorben ist, steht die Volljährigkeit seines Sohnes bevor. Zu diesem Anlass soll die Familiengruft mit sieben Schlüsseln geöffnet und die dort verborgenen Familienschätze übergeben werden. Bevor die rechtmäßige Person das Erbe antreten kann, beginnt eine wilde Jagd auf die sieben Schlüssel, bei der hinterhältige Interessenten sogar über Leichen gehen ...


Wer neben der 1962er-Verfilmung der Rialto auch den Roman „Die Tür mit den sieben Schlössern“ gelesen hat, weiß, dass sich die Adaption von Harald G. Petersson, Johannes Kai und Gerhard F. Hummel einige Freiheiten gegenüber ihrer Vorlage herausgenommen hat. Nun darf man aber nicht erwarten, dass man in dieser früheren Umsetzung eine werkgetreuere Version finden wird, denn auch die hier waltenden Drehbuchautoren (wieder drei an der Zahl) schoben dieses und jenes von A nach B, zwischen die Zeilen hinein oder aus dem Blickfeld hinaus. Man kann folgern, dass beide Filme die Handlung des Originals deutlich wiedererkennen lassen, die ideale Adaption aber auch nach Begutachtung dieses weniger bekannten Streifens noch auf sich warten lässt.
Dem Roman entsprechend funktioniert die Bildung der Schlüsseltruppe – am Totenbett Lord Selfords, manche mehr und manche weniger besorgt um das Schicksal seines Nachwuchses. Lopez Silva erhält im Norman-Lee-Film eine deutlich größere Rolle als nur tot im Flugzeug herumzuliegen, auch wenn ihn letztenendes ein ähnlich unschönes Schicksal erwartet.
„Die Kammer des Schreckens“ – es verwundert, dass Savoy den Film nicht unter dem bekannteren Romantitel vermarktet – überzeugt als klassischer Gruselkrimi und nimmt dabei viel von der Grundstimmung des Buches auf, in dem die düstere Atmosphäre auf und rund um Selford Manor und das Galgenhaus im Mittelpunkt steht. Der damaligen Produktionszeit geschuldet, investiert der Film blindes Vertrauen in den Umstand, dass sich das Publikum vor einem alten Schloss schon gruseln wird, wenn man es nur in dunkles Licht taucht und einige merkwürdige Gestalten darin umherirren lässt. Weitere Zutaten auf der Schockerliste: die Totengruft (eine sehr memorable Szene des Romans, in der Dick Martin, Sybil Landsdown und Mr. Haveloc in der Gruft eingeschlossen werden, wurde sehr gut in den Film übertragen), der Affe Dr. Manettas, die Sammlung von Folterinstrumenten, ständige Bezüge auf die spanische Inquisition und der stumme Diener, der seinerseits aber wie der blinde Jake in „Der Würger von London“ den Vergleich gegen Ady „the monster“ Berber haushoch verliert.

Es gelingt dem Film, eine angenehme Spannung aufzubauen, wenngleich dies noch besser funktioniert hätte, hätte man auf den recht ausgeprägten Humor verzichtet bzw. ihn dezenter gestaltet. Insgesamt macht „Kammer des Schreckens“ aber einen Eindruck, als wären verschiedene Szenen nicht optimal ausgekostet bzw. aufeinander abgestimmt worden, was gemeinsam mit dem Humor dem sehr guten Stoff mehr Trivialität als nötig verleiht.
Die Besetzung der Hauptrollen ist sehr ansehnlich. Romilly Lunge und Lilly Palmer sind als abenteuerlustiges Ermittlerpaar zu beobachten, das am Ende einem Happy-End entgegenfahren darf. Die beiden stehen ihren Kollegen aus den 1960er Jahren in nichts nach und machen sich gewitzt und mit vollem Einsatz ans Werk. Wie Bela Lugosi in „Der Würger von London“ tut sich aber auch hier besonders der doktortiteltragende, aus dramaturgischen Gründen umbenannte Schurke hervor, der als Quell allen Bösen eine rundum verdammenswürdige Gestalt abgibt. Bei Dr. Manetta handelt es sich um die für den Film aufgearbeitete Variante Dr. Stalettis, der sich von Tierversuchen auf das Sammeln alter Foltergeräte verlegt hat und von Leslie Banks ein sehr beeindruckendes Gesicht verliehen bekommt. Es gibt Szenen, in denen Banks sowie seine Handlangerin Cathleen Nesbitt, die spätere Lady Emberday in der Rolle der Mrs. Cody, die Leichtigkeit der Inszenierung aufbrechen und tatsächlich nicht nur Schauerromantik, sondern echte Düsternis durchbricht. Diese Momente lassen erahnen, welches Potenzial „Die Tür mit den sieben Schlössern“ eigentlich besitzt.

Nicht immer ganz sauber gearbeitete Wallace-Adaption, deren Sichtung sich aber nicht nur aus Vollständigkeitsgründen lohnt. Chilliger Gothicgrusel, ein guter Plot und überzeugende Schauspieler lassen mich 4 von 5 Punkten ziehen. Dieser Film kann auch bei Einsteigern Appetit auf weitere Wallace-Adaptionen der 1930er und 1940er Jahre wecken.

Britmovie.co.uk meint:

Zitat von The Door with Seven Locks, Quelle
Screwball horror yarn loosely based on Edgar Wallace’s novel ‘The Door With Seven Locks’, it was the second Wallace adaptation by producer John Argyle following The Dark Eyes of London (1939). This low-budget B-Picture is dripping in atmosphere, adding all our favourite trappings – fog, torture chambers, rats, coffins and more into a good old-fashioned murder mystery.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.269

16.05.2013 18:44
#2 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Habe die DVD gestern erhalten und den Film mittlerweilen gesichtet. Für einen Krimi von 1940 finde ich den Film ziemlich gelungen, obwohl er schon, wie o. von Gubanov angemerkt, einige Schwächen aufweist. Die Synchronisation dürfte ja neu sein, da der Film angeblich vorher nie in Deutscland lief. Sie passt aber ziemlich gut zum Film, wobei ein paar Sprecher doch arg übertrieben haben bzw. ziemlich dämliche Stimmen haben.

Was mich an der Veröffentlichung stört ist das stümperhate Cover bzw. die Inhaltsangabe. Hier wird Dr. Manetta doch tatsächlich zur Frau. Auch die Beschreibung mit den nach und nach eintreffenden Erben ist falsch und würde eher für eine Version vom indischen Tuch passen. Es wäre sehr hilfreich, wenn man den Film gesehen hat, bevor man eine Inhaltsangabe schreibt.

horatio Offline




Beiträge: 577

16.05.2013 20:37
#3 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #2
Was mich an der Veröffentlichung stört ist das stümperhate Cover bzw. die Inhaltsangabe. Hier wird Dr. Manetta doch tatsächlich zur Frau. Auch die Beschreibung mit den nach und nach eintreffenden Erben ist falsch und würde eher für eine Version vom indischen Tuch passen. Es wäre sehr hilfreich, wenn man den Film gesehen hat, bevor man eine Inhaltsangabe schreibt.

Habe den Film heute mittag auch gesehen und bin ganz deiner Meinung,Edgar.Schon irritierend,wenn man eigentlich etwas anderes erwartet.Trotz allem hat er mir gefallen. Ein paarmal ist der Film hängengeblieben,war das bei euch auch so oder lag´s vielleicht an meinen Player?

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Josh Offline




Beiträge: 7.827

16.05.2013 20:43
#4 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Zitat von horatio im Beitrag #3
Habe den Film heute mittag auch gesehen und bin ganz deiner Meinung,Edgar.Schon irritierend,wenn man eigentlich etwas anderes erwartet.Trotz allem hat er mir gefallen. Ein paarmal ist der Film hängengeblieben,war das bei euch auch so oder lag´s vielleicht an meinen Player?

Meiner ist problemlos durchgelaufen. Der Film hat mir auch sehr gut gefallen, ich fand den sogar besser als die Rialto-Verfilmung.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.505

16.05.2013 20:43
#5 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Ich kann mich nicht an einen Aussetzer der DVD erinnern.
Der tatsächliche Inhalt sollte aus dem Edgar-Wallace-Lexikon ja bekannt gewesen sein. Die abgedruckte Inhaltsangabe auf dem DVD-Cover ist dagegen tatsächlich ein richtiger Griff ins WC. Da wusste wohl der Verantwortliche nicht, dass Leslie, der Vorname des Hauptdarstellers Banks, nicht nur ein Frauen-, sondern auch ein Männername ist.

Ich finde den Film eine schöne Ergänzung zum 62er-Klassiker. Beide haben sehr schöne Gruselszenen, aber auch einen Ticken zuviel Humor.

horatio Offline




Beiträge: 577

16.05.2013 20:46
#6 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Tja,dann sollte ich das Buch mal wieder zur Hand nehmen.

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.269

17.05.2013 07:16
#7 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Auch meine DVD lief (am PC) problemlos durch

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

01.06.2014 20:59
#8 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Über Lilli Palmers Dreharbeiten zu "The Door with Seven Locks" (dt.: Die Kammer des Schreckens) berichtet Heike Specht in ihrer Biografie "Lilli Palmer - Die preußische Diva" (Aufbau Verlag 2014) auf S. 104 ff. folgendes:

Als der Zweite Weltkrieg begann, hatte Palmer gerade 'The Door with Seven Locks' unter der Regie von Norman Lee abgedreht. Ihr Agent hatte diese Hauptrolle für seine Klientin ergattert, die kurz zuvor mit 'Little Ladyship' ihren ersten großen Bühnenerfolg gefeiert hatte. Die amerikanische Schauspielerin, die die Rolle der June Lansdowne hätte spielen sollen, war wie viele US-Amerikaner im Frühjahr und Sommer aus Angst vor einem europäischen Krieg in die Heimat zurückgekehrt. Harry Ham hatte sofort zugegriffen. Er benachrichtigte Lilli, die gerade mit Rolf Gérard in Südfrankreich Ferien machte, und versuchte, ihre Beziehung zu kitten. Palmer kehrte umgehend nach London zurück und stand bald vor der Kamera, aber angesichts der allgemeinen Anspannung erschien ihr das ganze Unterfangen sinnlos: "Der Film war sowieso Mist, die Dekoration unmöglich, das Drehbuch schwachsinnig. So schien es uns jedenfalls am Morgen des 3. September 1939." Um elf Uhr, Schauspieler und Crew saßen noch bei der obligatorischen Teepause, ertönte die Stimme des englischen Premierministers aus dem Radio und verkündete, dass Deutschland dem englischen Ultimatum, seine Truppen aus Polen abzuziehen, nicht nachgekommen sei und sich England demzufolge im Kriegszustand befinde.

Markus Offline



Beiträge: 600

30.12.2016 18:05
#9 RE: Bewertet: "Die Kammer des Schreckens" (1940, Außer der Reihe) Zitat · antworten

Das amerikanische Label Kino Lorber bringt den Film am 21. März 2017 auf BluRay - mit neuem HD-Master und Audiokommentar.
Leider wird die Scheibe sicher Code A haben, also nur auf amerikanischen und codefree-Playern abspielbar sein.
http://www.blu-ray.com/news/?id=20507

Gruß
Markus

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