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 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

17.08.2011 00:11
J.M. Simmel: Die Kaviar-Filme mit O.W. Fischer Zitat · Antworten

Es muss nicht immer Kaviar sein (Pourquoi toujours du caviar)
Diesmal muss es Kaviar sein (Top secret – C‘est pas toujours du caviar)


Kriminalkomödien, BRD / FR 1961. Regie: Géza von Radványi. Drehbuch: Henri Jeanson, Paul Andreota, Jean Ferry (Buchvorlage: Johannes Mario Simmel). Mit: O.W. Fischer (Thomas Lieven), Eva Bartok (Vera), Senta Berger (Chantal), Jean Richard (Siméon), Geneviève Cluny (Mimi), Viktor de Kowa (Loos), Geneviève Kervine (Nancy), Werner Peters (Zumbusch), Fritz Tillmann (General von Felseneck), Peter Carsten (Bastian) u.a.

Zitat von Es muss nicht immer Kaviar sein


Thomas Lieven personifiziert Harmlosigkeit. Als kleiner Angestellter einer Bank verdient der Engländer mit deutschen Wurzeln drei Pfund pro Woche und erfreut sich als Hobbykoch vor allem an schmackhaftem Kaviar im Schlafrock. Weniger der Zweite Weltkrieg an sich als vielmehr die Tatsache, dass er durch puren Zufall als Agent zwischen alle Fronten gerät, vergällt ihm seine private Idylle. Doch Lieven ist mindestens genauso geschickt wie ahnungslos und meistert damit jede noch so prekäre Situation …


Durch den Kauf der „Senta Berger Jubiläumsedition“, eigentlich motiviert von meiner jüngsten Begegnung mit „Lange Beine – lange Finger“, konnte ich als hübschen Nebeneffekt nun auch zum ersten Mal seit Jahren die beiden „Kaviar“-Filme mit O.W. Fischer und Senta Berger wiedersehen. Die spritzigen Komödien haben so ziemlich nichts mit dem Simmelkino der Siebzigerjahre zu tun – wo später das geschildert wurde, was die Roxy-Film für bierernste Realität hielt, trat zu Beginn der unbeschwerten Sixties eine völlige Überspitzung und Komisierung des Simmel’schen Illustriertenromans in den Vordergrund. Einige Simmelfans freut das nicht, sehen sie die Verfilmung als „lächerliche Schmonzette“ mit zu wenig Originalbindung an. Vergessen wird dabei: Im Kino jener Zeit kam es weniger auf Originalbindung als vielmehr auf Originalität an. Originalität kann man der CCC-Produktion durchaus bescheinigen. Artur Brauner ließ als Produzent beide Filme gleichzeitig produzieren, um die Geschichte, deren Ursprung als Fortsetzungsroman man noch deutlich spürt, in zwei Teilen möglichst rasch und zueinander passend in die Kinos zu bringen. Dieser Schachzug stellt sich als äußerst klug heraus, sorgt er doch nicht nur für ungleich bessere Continuity als bei den meisten „losen“ Serienproduktionen der Sechziger, sondern auch für das Gefühl, einen „Mehrteiler auf Kinoniveau“ zu sehen.
Da die Filme in Koproduktion mit Frankreich hergestellt wurden, bieten sie optisch exzellente Genüsse. Lustspielprofi Géza von Radványi (zwischenzeitlich durch eine beim Dreh einfallende Mauer verletzt und durch Helmut Käutner und Georg Marischka vertreten) bürgte für eine amüsante und leicht dahinfließende Inszenierung wie auch für das optimale Inszenesetzen der Schauplätze, die sich laut Story in Deutschland, England, Frankreich, Gibraltar und Portugal befinden. Gedreht wurde unter anderem in Nizza, aber auch „zu Hause“ in Berlin, wo zum Beispiel der Turm auf dem CCC-Studiogelände und das Jagdschloss Glienicke zu sehen sind. Letzteres befand sich nur wenige Meter von der Potsdamer Enklave Klein-Glienicke und damit von DDR-Terrain entfernt und es darf als interessanter geschichtlicher Zufall gelten, dass die dortigen Dreharbeiten am 10. August 1961 stattfanden.

Zitat von Diesmal muss es Kaviar sein


Nachdem er in den Diensten der Deutschen, der Briten und der Franzosen stand und eine Liste mit den Namen aller französischen Geheimagenten als effektives Mittel benutzte, um auch der ausweglosesten Lage zu entkommen, stellt Thomas Lieven fest, dass eben jene Liste die größte Gefahr für sein Leben ist. Auf einer Bootsfahrt entsorgt er sie im Mittelmeer, um im neutralen Portugal mit der schönen Chantal wieder ein ruhiges Leben zu beginnen. Natürlich kommt alles anders – und die beiden landen in einem Gefängnis nach dem anderen …


O.W. Fischer ist für die Hauptrolle des Thomas Lieven bestens geeignet. Der Österreicher, der später auch bei Louis Weinert-Wilton bewies, dass er nicht auf den Mund gefallen ist, schlägt sich zunächst als wandelndes Missverständnis und mit jeder weiteren Filmminute mehr und mehr als versierter Doppel-, Dreifach- und Vierfachagent durch die Abenteuer, die ihm in die Arme und oft auch in den Rücken fallen. Seine Rolle erfordert weniger Agieren als vielmehr das Reagieren auf die Gefahren, die seine Gegner und Auftraggeber für ihn ersinnen. Vor allem treten diese Gefahren, aber auch Lievens zahlreiche Chancen und glückliche Zufälle in der Gestalt schöner Frauen auf. „Es muss nicht immer Kaviar sein“ und „Diesmal muss es Kaviar sein“ sind Femme-fatale-Filme und damit in einer Senta-Berger-Edition gerade richtig aufgehoben. Aus ihren französischen Kolleginnen sticht die wie Simmel in Wien und wie Fischer in Österreich geborene Berger mit ähnlich durchtriebener Liebenswürdigkeit wie in „Lange Beine – lange Finger“ hinaus. Auch hier nimmt sie es mit der Wahrheit und den Besitzrechten für Schmuck und Edelsteine nicht ganz so genau, weiß aber, den Zuschauer trotzdem oder gerade deswegen elegant um den Finger zu wickeln. Im Kontrast dazu steht Eva Bartok. Sie agiert auf der Seite der Gestapo und erhält damit die Rolle der intriganten Schlange zugeteilt.
Nicht nur aufgrund der südländischen Sonne und der gutaufgelegten Darsteller zauberte der Doppel-Film in einem verkorksten Sommer wie diesem Lachen und Lächeln auf meine Lippen. Die Drehbuchautoren stammen aus Frankreich und es gelingt ihnen, abseits von den allzu abgegriffenen Klischees deutscher Lustspiele eine etwas freizügigere, doppelzüngige Art von Humor einfließen zu lassen, die nicht davor zurückscheut, die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und die Nazis mit einer augenzwinkernden Note zu versehen. Dazu trägt auch der süffisante Erzählerkommentar aus dem Off bei, der von Hans Nielsen gesprochen wird. Abgerundet wird das Filmvergnügen von einer Ohrwurm-Musik von Rolf Wilhelm.

Sicher nicht mehr als leichte Unterhaltung, doch genau in dieser Funktion empfehlenswert. Die Kaviar-Filme belegen, dass Simmel nicht immer schwermütig und problembeladen sein muss, und enden doch mit dem lehrreichen Ausgang, dass man, wenn man erst im Morast steckt, meist vom Strampeln nur noch tiefer hineinsinkt. 5 von 5 Punkten – nicht zuletzt für ein Wiedersehen mit Schauspielern wie Werner Peters, Viktor de Kowa, Karl Schönböck, Peter Carsten, Karl John, Bruno W. Pantel und anderen mehr.

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