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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 363 mal aufgerufen
 Giallo Forum
argento92 Offline



Beiträge: 80

12.06.2009 10:17
Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten

Ein Film vom Sohn des großen Giallo-Meisters Mario Bava, Lamberto Bava. Ich finde den Film eher durchschnittlich, anscheinend hat sich der gute Herr Bava gedacht: "Besser gut geklaut als schlecht erfunden". Ja, so in der Richtung wird er wohl gedacht haben. Einige Filmszenen wurden aus anderen (besseren) Gialli übernommen, z.B. "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" oder "Torso" (vor allem der Schluss mit den drei Mädchen ...). Die Musik ist typisch 80er Jahre.

In Sachen Spannung und Morde kann er einigermaßen überzeugen. Man wird zwar, was den Mörder angeht, ziemlich verwirrt und kann sich nie ganz sicher sein, wer es nun gewesen ist oder eher doch nicht.

Aber wenn man "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" kennt, dann müsste trotz aller Verwirrungen klar sein, wer der Mörder in Wahrheit ist.

Bewertung: 6 von 10

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

12.06.2009 10:30
#2 RE: Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten

Ein besserer 80er-Giallo. Nicht so gut wie Bavas "Blade in the Dark", aber durchaus einen Blick wert.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Fabrizio Maurizio Offline



Beiträge: 53

12.06.2009 22:28
#3 RE: Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten

Ich habe diesem Film viermal eine Chance gegeben, aber Spannung, die mich fesselt, ist bei mir nicht eingetreten. Er konnte mich nicht überzeugen - von der Atmosphäre her und von den Darstellern.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.392

03.06.2018 14:15
#4 RE: Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten



Midnight Killer (Morirai a mezzanotte / You’ll Die at Midnight)

Kriminalfilm, IT 1986. Regie: Lamberto Bava. Drehbuch: Dardano Sacchetti, Lamberto Bava (Story: Dardano Sacchetti). Mit: Paolo Malco (Inspektor Piero Terzi), Valeria d’Obici (Anna Berardi), Lara Wendel (Carol Terzi), Leonardo Treviglio (Nicola Levi), Barbara Scoppa (Sara Levi), Lea Martino (Gioia), Eliana Miglio (Monica), Dino Conti (Kriminalassistent), Marcello Modugno (Alberto), Peter Pitsch (Franco Tribbo) u.a. Uraufführung (IT): 3. Mai 1986. Uraufführung (BRD): Mai 1987.

Zitat von Midnight Killer / Midnight Ripper
Aus Eifersucht hätte Nicola Levi beinah seine untreue Ehefrau umgebracht. Den schmutzigen Job nimmt ihm jedoch ein unbekannter Killer ab. Nicola wendet sich vor Verzweiflung an die befreundete Polizeipsychologin Anna Berardi, die sofort Parallelen zu einem einige Jahre zurückliegenden Fall zieht. Der damalige Killer Franco Tribbo sei bereits tot, heißt es. Stimmt das wirklich? Nach Sara Levi fällt noch eine ganze Reihe weiterer Frauen dem Messermörder zum Opfer. Unter anderem scheint dieser es auch auf die Tochter des Inspektors Terzi abgesehen zu haben, die gerade eine Studienarbeit über den Fall Tribbo schreibt. In einem einsamen Hotel lauert der Mörder Carol Terzi und ihren Freundinnen auf ...


Freilich wird es einem Krimi schwerfallen, nach siebzehn Jahren kontinuierlichen Giallo-Outputs der italienischen Filmbranche das Rad noch einmal neu zu erfinden, sodass Lamberto Bavas „Midnight Killer“ ohne Zweifel nicht der innovativste oder überraschendste Vertreter seiner Art sein wird, den man je gesehen hat. Das Mitraten um „Tribbos“ wahre Identität sowie das durch die zahlreichen Morde immer hohe Tempo machen jedoch gemeinsam mit den offenkundigen Anspielungen an bekannte frühere Filme von Argento oder Martino aus seinem 1986er-Werk eine unterhaltsame Angelegenheit, die auf jeder Giallo-Checkliste eine vorbildliche Punktzahl einfahren würde. Ohne Frage ist dies auch ein Verdienst des Drehbuchautors Dardano Sacchetti, der über die Jahre immer wieder die Vorlagen zu klassischen Genrevertretern schuf („Die neunschwänzige Katze“, „Im Blutrausch des Satans“, „Die sieben schwarzen Noten“, „Das Haus an der Friedhofsmauer“, „Der New-York-Ripper“). Hier lieferte er ein Drehbuch mit Liebhabercharakter, das Bava – nicht zuletzt durch seinen Vater, der ja ebenfalls in langer Giallo-Tradition stand – mit entsprechender Sicherheit umsetzte:

Zitat von Antonio Bruschini, Antonio Tentori: Italian Giallo Movies, Profondo Rosso, Rom 2013, S. 130f
The evidence seems to point at Franco Tribbo, a notorious psychopath who supposedly died in a fire, and Bava effectively suggests three possible explanations: the “ghost” of a ruthless murderer (as in the scene where he emerges from the fog like a phantom, looking for his latest victim), a fanatic and equally bloodthirsty copycat, or the real Franco Tribbo, who might still be alive. The situation gets even more complicated by the fact that the leading heroine is working on a thesis on the deceased psycho, under the guide of a female criminologist who’s convinced of Tribbo’s existence, leading reality and fantasy to overlap. Chilling atmospheric scenes and settings alternate with the more violent murders: the killer pursues and kills a woman in a deserted theatre, a natural history museum suddenly becomes menacing, a boutique becomes the setting of another murder, a morgue lab, a deserted beach in winter covered by fog … As with A Blade in the Dark, Bava uses shots of a knife thrusting into a door, terrorizing the victim on the other side. […] Visionary moments (the girl who dreams she is killed with a razor) are followed by realistic parts, inspired by true crime (the shred of human flesh in the cop’s pipe recalls the case of the “monster of Florence”).




Während „Tribbo“ immer weitere Opfer fordert, findet Bava einen gesunden Mittelweg, mit dem Giallo-Störfaktor Polizei umzugehen. Einerseits mokiert er sich zwar über die chaotischen Zustände auf dem gerade umgezogenen Revier, in dem sich auch nicht die lebensnotwendigsten Utensilien finden lassen; andererseits stellt er der Behörde mit Paolo Malcos Inspektor Terzi einen stabilen und verlässlichen Charakter voran, der mit den korrupten, faulen oder dummen Ermittlern früherer Gialli wenig zu tun hat. Dass trotzdem Elemente der üblichen Zutaten (der bzgl. des ersten Mordes unschuldig Verdächtigte und die aus privatem Interesse nebenher ermittelnden Amateure) eingestreut werden, liegt vor allem daran, dass Bava die Spekulationen und Gefahrensituationen der eigenwilligen Polizeipsychologin und ihrer Schülerinnen in der zweiten Hälfte des Films immer deutlicher in den Mittelpunkt rückt. Das sorgt für zwei für Genreverhältnisse ausgesprochen vielseitige Frauenrollen, die von Valeria d’Obici und Lara Wendel couragiert dargestellt werden. Insbesondere Wendel sorgt für echten Nervenkitzel, da sie nicht dem üblichen Scream and Run-Ideal entspricht, sondern sich dem Killer mit mutigen und cleveren Einfällen entgegenstellt, als dieser sie nach der Ermordung ihrer Freundinnen durch das verlassene Hotel verfolgt.

Interessant ist, dass Lamberto Bavas zweiter Beitrag zur gelben Serie sich von einem zentralen Prinzip seines Vorgängers recht deutlich verabschiedet: Stand in „A Blade in the Dark“ sogar noch mit titelgebender Bedeutung die unheilvolle Dunkelheit Pate für Gefahr und Gewalt, so finden die großen Angstszenen in „Midnight Killer“ kurioserweise (mit „mezzanotte“ ist es also letztlich nicht weit her) überwiegend am helllichtem Tage in vergleichsweise großzügiger Ausleuchtung statt. Bava gelingt auf diese Weise ein recht ansprechender Realismus, zumal er das in „Blade“ bereits wirkungsvoll eingesetzte Spiel mit den sich an der Wand abzeichnenden Schatten auch hier trotzdem mehrfach ohne Weiteres wiederholt. Während sich musikalisch in diesem Achtzigerkrimi wenig Herausragendes ereignet, überzeugt also die Kameraarbeit (Gianlorenzo Battaglia) wieder mit Gespür für Atmosphäre. Ebenfalls bemerkenswert erscheinen die teilweise gelungen modernen, teilweise zeitlos klassischen Kostüme von Oscar Capponi – ein ungewöhnliches Lob in Anbetracht eines Genres, bei dem es nicht selten eher ums gewaltvolle Ausziehen geht ...

Auch wenn es der „Midnight Killer“ nicht ganz auf die Augenhöhe von „A Blade in the Dark“ schafft, so legte Lamberto Bava mit diesem Film dennoch einen ebenfalls sehr kurzweiligen und spannenden Krimistoff vor, der vom kritischen Betrachter als Rip-off angesehen werden mag, tatsächlich aber eher den Charakter einer Hommage an Giallo-Stereotype und einige konkrete Genre-Klassiker hat. Dementsprechend ist das Flair weniger eighties-lastig, als man vermuten müsste. Das Trio aus Malco, d’Obici und Wendel leistet überzeugende Arbeit. 4 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.514

26.07.2018 14:25
#5 RE: Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten

BEWERTET: "Midnight Ripper" (Morirai a mezzanotte) (Italien 1986)
mit: Valeria d'Obici, Paolo Malco, Leonardo Treviglio, Dino Conti, Lara Wendel, Lea Martino, Eliana Miglio, Barbara Scoppa, Loredana Romito, Marcello Modugno, Loredana Guerra, Peter Pitsch u.a. | Drehbuch: Dardano Sacchetti, Lamberto Bava | Regie: Lamberto Bava

Kriminalkommissar Piero Terzi glaubt zunächst nicht an die Theorie der Polizeipsychologin Anna Berardi, dass die jüngsten Frauenmorde auf das Konto des berüchtigten Franco Tribbo gehen. Dieser kam vier Jahre nach seiner Inhaftierung bei einem Brand in der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses ums Leben. Dennoch wird er von mehreren Zeugen in der Nähe der Tatorte gesehen. Konnte Tribbo, der das Feuer damals selbst legte, entkommen? Oder hat jemand sein Erbe angetreten und begibt sich nun auf einen mörderischen Rachefeldzug?



Die Zutaten für einen gelungenen Giallo kennt Lamberto Bava aus dem filmischen Werk seines Vaters. Die Ungewissheit, die Verunsicherung und die Demütigung durch Angst spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Atmosphäre einer permanenten Bedrohung legt den Grundstein für das Gelingen des Films, der nach "A Blade in the Dark" (1983) erneut auf ein zurückliegendes Trauma baut und die tödlichen Folgen eines nicht aufgearbeiteten Verbrechens aufzeigt. Die Faszination, die rätselhafte Serienmorde mitbringen, entsteht in regelmäßigen Abständen immer wieder neu, besonders, wenn Daten unter Verschluss gehalten werden oder das Thema wegen neuer Taten wieder aktuell wird. Dabei sieht es zu Beginn nach einem klassischen Fall von Eifersucht aus, der häusliche Gewalt provoziert und deren Verlauf den Ehemann zum Tatverdächtigen Nummer Eins werden lässt. Die Tatsache, dass es sich dabei um einen Polizeibeamten handelt, wird nicht übermäßig ausgeschlachtet, um ein negatives Bild der Ordnungskräfte zu zeichnen, wie es in vielen Gialli der Fall ist. Im Gegenteil sehen wir mit Paolo Malco als Hauptermittler einen besonnenen Mann, der sich der aufkommenden Hysterie um die Rückkehr des Mörders Franco Tribbo verschließt und wissenschaftliche Ergebnisse höher bewertet als Spekulationen über ein Phantom. Eine besondere Note erhält die Handlung durch Terzis Tochter Carol, die von Lara Wendel mit sympathischer Ausgewogenheit dargestellt wird. Sie recherchiert den archivierten Fall Tribbo als Studentin der Kriminalpsychologie und zieht ihre eigenen Schlüsse. Sie bewahrt auch die Nerven, als sie selbst in Gefahr gerät und sich die Schlinge immer fester um ihr Umfeld zusammenzieht. In diesem Zusammenhang gibt es erneut eine Referenz an "A Blade in the Dark" (1983), als eines der Mädchen einen Roman mit dem Titel "Blood" liest, dessen Titelbild ein Messer zeigt, das durch eine Hand sticht. Ebenso erinnern die weitläufigen Gänge des wegen Saisonende geschlossenen Hotels an die Abgeschiedenheit des "Hauses mit dem dunklen Keller".



Valeria d'Obici als Anna Berardi gibt in der Spurensuche nach dem Phantom mit dem Eispickel die Richtung vor. Ihr Beruf verlangt nach distanzierter Analyse, doch nun vermischen sich Dienstliches und Privates und ein guter Freund von ihr steht unter dem Verdacht, ein Mörder zu sein. D'Obici zeigt ihre Anna als pragmatische Frau, die man nicht so leicht erschrecken kann und sie scheint trotz der Gedanken, die sie sich um die neue Mordserie macht, sehr gefasst. Dennoch hat der Fall Tribbo, der bereits über zehn Jahre zurückliegt, Eindruck auf sie gemacht und beschäftigt sie auch außerhalb der Arbeitszeiten, wenn sie sein Gesicht plötzlich im Spiegel ihres Wohnungsflurs sieht. Zum ersten Mal verliert sie ihre Beherrschung, doch da sie bald wieder sachlich über den Fall diskutiert, vergisst man den kurzen Moment ihrer Agonie wieder. Anna ist der Ruhepol im aufgeregten Umfeld ihrer Studenten und Berufskollegen und der Zuschauer merkt zunächst nicht, dass sich die Identifikation von Anna auf Carol verlagert, so subtil geschieht es. Mit dem Schauplatzwechsel in das "Hotel Progresso" wird die Spannungsschraube noch einmal fester gezurrt und die jungen Mädchen als verlockende Beute für einen gestörten Killer werden dem Monster sozusagen auf dem Präsentierteller angerichtet. Er kann nun seelenruhig eine nach der anderen töten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, da die Abgeschiedenheit des geschlossenen Raums ihm Schutz vor Strafverfolgung bietet und er keinen anderen Gegner zu fürchten hat als sich selbst. Dennoch lässt die Anspannung nicht nach, weil die Heldin des Films generell unter dem sprichwörtlichen Schutz des Zuschauers steht, der um sie bangt. "Midnight Killer" scheint hier den Weg bis zum Ende gehen zu wollen und obwohl die Morde im Vergleich mit anderen Genrevertretern nicht übermäßig brutal ablaufen (man denke etwa an "Body Puzzle" oder "Bay of Blood"), sorgen die gelungenen Kameraeinstellungen für gleichbleibenden Nervenkitzel.

Die Geschichte um den unheimlichen Franco Tribbo wartet mit überzeugenden Darstellern und einem flüssigen Plot auf, der aus den klassischen Versatzstücken des Genres einen grundsoliden und ansprechenden Beitrag gestaltet und erneut unterstreicht, dass Lamberto Bava einer der begabtesten Regisseure auf dem "gelben" Stuhl ist. 4,5 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 15.392

28.07.2018 15:20
#6 RE: Midnight Ripper / Midnight Killer (1986) Zitat · antworten

Ich freue mich über deine lobenden Worte zum Film. Auch für mich war "Midnight Ripper" eine lohnende Entdeckung.

Zitat von Percy Lister im Beitrag #5
Die Zutaten für einen gelungenen Giallo kennt Lamberto Bava aus dem filmischen Werk seines Vaters.

Doch kurioserweise scheinen mir die Filme des Sohnes deutlich konventioneller zu sein als die des Vaters, der kaum einen wirklich waschechten Giallo gedreht hat, wenn man sich nach der engeren Begriffsdefinition richtet. Lamberto Bava hingegen bringt hier alles zusammen, was einen "typischen Giallo" ausmacht (außer vielleicht Tier und Farbe im Titel ). Es ist erstaunlich, wie wenig der Film sich nach den späten Achtzigerjahren anfühlt - man könnte ihn ohne größeren Bruch zusammen mit den Klassikern von Argento oder Martino sehen. Deinem Fazit kann ich mich folglich nur anschließen. "Midnight Ripper" ist ein Geheimtipp für alle Giallo-Freunde - und sollte gerade nach "Das Haus mit dem dunklen Keller" eigentlich Pflichtprogramm sein.

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