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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Filmbewertungen
Gubanov Offline




Beiträge: 16.119

12.07.2013 15:37
Bewertet: "Urge to Kill" (1960, Merton Park) Zitat · Antworten



The Edgar Wallace Mysteries: Urge to Kill
Kriminalfilm, GB 1960. Regie: Vernon Sewell. Drehbuch: James Eastwood (frei nach Edgar Wallace). Mit: Patrick Barr (Superintendent Allen), Howard Pays (Charles Ramskill), Terence Knapp (Hughie), Ruth Dunning (Tante B.), Anna Turner (Lily Willis), Christopher Trace (Sergeant Willis), Margaret St. Barbe West (Mrs. Willis), Yvonne Buckingham (Gwen), Laura Thurlow (Jenny), Ken Midwood (Sergeant Brigs) u.a.

Zitat von The Edgar Wallace Mysteries: Urge to Kill
In einem grauen Arbeiterstädtchen gehen Gerüchte um: Die Pubbesucher halten den zurückgebliebenen Hughie für fähig, den Mord an jenem Mädchen begangen zu haben, das in der Nacht zuvor mit einer Glasscherbe getötet worden ist. Der Stein mit der Botschaft „Mörder“, der daraufhin durch Tante B.s Pensionsfenster fliegt, ist noch das geringste Problem der Vermieterin und ihres Ziehsohns, denn eine zweite Leiche lässt nicht lang auf sich warten. Während die Stimmung im Ort immer gereizter wird, schlägt ein Mieter düstere Wege ein ...


Um die Zugehörigkeit dieses Films zur Merton-Park-Reihe gibt es immer wieder Unstimmigkeiten. Die Fakten sprechen immerhin eine klare Sprache gegen die Autorschaft Edgar Wallace’ – der Adaption lag kein Roman aus der Feder des King of Crime zugrunde, sondern das Theaterstück „Hand in Glove“ sowie die Erzählung „Hughie Roddis“ von Gerald Savory. Häufig wird auch berichtet, der Film laufe mit einem neutralen Vorspann und böte keinerlei Hinweise darauf, dass man ihn zur Serie zählen dürfte. Nachdem Network „Urge to Kill“ nun aber als regulären Bestandteil in die Box-Sets aufgenommen hat, war ich neugierig darauf, herauszufinden, ob letzteres tatsächlich zutrifft. Die Überraschung: Auch „Urge to Kill“ eröffnet mit der traditionellen Büstensequenz und unterscheidet sich damit nur marginal von den anderen Teilen. Auch der sich anschließende Film verbreitet ein wohliges Gruselflair, das irgendwo zwischen Edgar Wallace und Alfred Hitchcocks „The Lodger“ angesiedelt werden kann.
Der Eröffnungsszene entnimmt man die Theatervorlage besonders klar: Als Hauptschauplatz wird das Wohnzimmer einer düsteren kleinen Pension eingeführt, in dem reges Kommen und Gehen herrscht. Das Setting ist insofern hervorzuheben, als die allermeisten der Merton-Park-Krimis in eleganter Londoner Umgebung spielten, während hier der schale Anstrich des einfachen Lebens deutlich zu spüren ist. Das macht die Stimmung umso authentischer und lässt stellenweise echtes Mitleid mit den Charakteren aufkommen. Auch wenn die Idee, einem geistig behinderten jungen Mann Verbrechen in die Schuhe zu schieben, so alt wie die Welt ist, ergreift sie doch hier auf besondere Weise. Die krude Liebenswürdigkeit des verhuschten Hughie und die Fürsorge, mit der Auntie B sich um ihn kümmert, lässt die Morde in einem besonders abscheulichen Licht erscheinen und pumpt das Adrenalin in den Adern des Täters gleichzeitig zu immer neuen, wagemutigen Höchstwerten.
Einen besonders einprägsamen Auftritt hält die Geschichte für den jungen Howard Pays bereit, der zunächst durch seine joviale, freundliche Art einen völlig unschuldigen Eindruck hinterlässt. Mit den verstreichenden Minuten weicht das restlose Vertrauen jedoch immer weiter: Es beginnt mit zusammengekniffenen Augen und schmallippigen Ausflüchten und kulminiert schließlich einer hochspannenden Mordszene, deren Ausleuchtung spüren lässt, dass hier bei allem B picture charme brillante Techniker am Werke waren. – Auch dass die Handlung beinahe in Echtzeit verläuft, zeichnet „Urge to Kill“ als besonders raffiniert aus. Unterstützt von treibender Musikuntermalung behalten auf diese Weise auch längere Filmsequenzen ihren Reiz.


„Urge to Kill“ beweist: Es braucht keine Effekte, keine aufsehenerregenden Kulissen, keine Weltstars. Ein Thriller kann manchmal viel spannender sein, wenn er sich aufs Wesentliche konzentriert und dem Zuschauer einfach Schauer über den Rücken jagt. Vernon Sewell und Howard Pays ist das ohne Frage geglückt. 5 von 5 Edgars.

Daniel86 Offline



Beiträge: 667

12.07.2013 16:41
#2 RE: Bewertet: "Urge to Kill" (1960, Merton Park) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #1
Häufig wird auch berichtet, der Film laufe mit einem neutralen Vorspann und böte keinerlei Hinweise darauf, dass man ihn zur Serie zählen dürfte. Nachdem Network „Urge to Kill“ nun aber als regulären Bestandteil in die Box-Sets aufgenommen hat, war ich neugierig darauf, herauszufinden, ob letzteres tatsächlich zutrifft. Die Überraschung: Auch „Urge to Kill“ eröffnet mit der traditionellen Büstensequenz und unterscheidet sich damit nur marginal von den anderen Teilen.

Das ist interessant! Die mir vorliegende Kopie hat tatsächlich einen anderen Vorspann. Die DVD-Veröffentlichung zeigt also einmal mehr, dass offenbar tatsächlich "fremde" Filme einfach mit Wallace-Vorspann versehen wurden. Mindestens auch für "Crossroads to Crime" gilt dies.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.119

12.07.2013 17:12
#3 RE: Bewertet: "Urge to Kill" (1960, Merton Park) Zitat · Antworten

Der Vorspann könnte tatsächlich nachträglich einmontiert worden sein. Die Musik bricht relativ unvermittelt ab und die Schriftart ist außer für die Titeltafel eine andere als bei den anderen Titeln der Reihe.



Kannst du demgegenüber vielleicht den Originalvorspann schildern? Eventuell sieht man in deiner Fassung mehr von der Eröffnungsszene.

Daniel86 Offline



Beiträge: 667

16.07.2013 13:01
#4 RE: Bewertet: "Urge to Kill" (1960, Merton Park) Zitat · Antworten

Das Bild ist im Originalvorspann halbiert. In der linken Hälfte werden die Credits eingeblendet, während in der rechten Hälfte langsam eine Frau näherkommt. Nach Nennung des Regisseurs vergrößert sich die rechte Bildhäfte auf die ganze Breite. Die Gute hat dann noch drei Sekunden, bis ihr jemand an die Kehle geht. Dann Schnitt, ein Teekessel pfeift.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.119

16.07.2013 13:10
#5 RE: Bewertet: "Urge to Kill" (1960, Merton Park) Zitat · Antworten

Danke für die Schilderung. Dann verhält es sich tatsächlich wie angenommen. In der Fassung mit dem Wallace-Vorspann bleiben dem ersten Mordopfer nicht mehr als die von dir angesprochenen drei Sekunden, weshalb der Einstieg etwas holprig wirkt. Macht aber am Ende nicht viel aus, denn der Vorspannwechsel ist wohl eher als alternative Filmfassung denn als Cut-Version anzusehen. Man hätte das verbleibende Schnipsel der Eröffnungsszene schließlich auch ganz unter den Tisch fallen lassen können.

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