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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 584 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Georg Offline




Beiträge: 2.998

06.01.2013 10:56
Bewertet: "The Sinister Man" (1961, Merton Park) Zitat · antworten

The Sinister Man
Großbritannien 1961
Regie: Clive Donner, Buch: Robert Stewart,
Darsteller: John Bentley, Patrick Allen, John Glyn-Jones, Jacqueline Ellis, Wilfrid Brambell, Brian McDermott u. v. a.

An einem schönen Sommertag treibt ein verschnürtes Bündel in der Themse. Der Mitarbeiter eines Staudamms fischt dieses aus dem Fluss und macht eine grausige Entdeckung: es handelt sich dabei um einen toten Mann. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich dabei um einen ca. Fünfzigjährigen handeln muss, der mindestens zwei Wochen im Fluss trieb und durch einen gezielten Schlag ums Leben kam. Ein Hinweis führt Superintendent Wills von Scotland Yard in die Botschaft eines asiatischen Staates. Die Identität kann so geklärt werden: der Tote war ein Archäologieprofessor an der Oxforder Universität, der gerade wichtige Ausgrabungen leitete. Wills setzt seine Untersuchungen am Institut der Uni fort und hat es bald mit der nächsten Leiche, die aus dem Fluss gefischt wird, zu tun. Dann ist auch bald die Todesursache klar: beide Männer starben durch einen gezielten Karateschlag. Wills nimmt als Verdächtigen einen asiatischen studentischen Mitarbeiter des Professors fest. Dieser ist aber offensichtlich unschuldig ...

Der Film soll auf dem Roman Der Unheimliche (The Sinister Man) beruhen, hat damit aber so gut wie nichts gemeinsam. Das (bedrohliche) asiatische Element, das Wallace ja öfter verwendet hat, ist zwar vorhanden und der Inspektorenname erinnert immerhin an den Ermittler Wille im Roman. Gespielt wird Superintendent Wills sehr gut von John Bentley, der mir als grandioser Paul-Temple-Darsteller in Erinnerung ist. Die Geschichte selbst beginnt spannend, verliert sich dann aber leider in zahlreiche fast belanglose Gespräche und Verhöre, hat dafür zwischendurch aber auch ganz gute Momente, wirkt insgesamt jedoch etwas unausgegoren. Großer Pluspunkt aller Merton-Park-Filme ist natürlich das schöne britische Krimiambiente. Immerhin bietet The Sinister Man ein hübsches Whodunit, das jedoch in meinen Augen zu früh aufgelöst wird (15 Minuten vor Ende). Dafür gibt es eine viel zulange Szene im Karateklub, bei der sich der Inspektor mit dem Mörder auf einen (leider teilweise fast unfreiwillig komisch wirkenden und slapstickartig geratenen) Kampf einlässt. Bedauerlich, dass man nicht auf die Mordmethode aus dem Roman (asiatisches Messer mit Inschrift) zurückgriff.
Insgesamt kein großer Wurf, aber sicherlich auch nicht besonders schlecht. Guter Durchschnitt.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.775

21.07.2013 14:24
#2 RE: Bewertet: "The Sinister Man" (1961, Merton Park) Zitat · antworten



The Edgar Wallace Mysteries: The Sinister Man
Kriminalfilm, GB 1961. Regie: Clive Donner. Drehbuch: Robert Banks Stewart (Buchvorlage „The Sinister Man“, 1924: Edgar Wallace). Mit: John Bentley (Superintendent Wills), Patrick Allen (Dr. Nelson Pollard), Jacqueline Ellis (Elsa Marlowe), John Glyn-Jones (Dr. Maurice Tarn), Brian McDermott (Sergeant Stillman), Gerald Anderson (Major Paul Amery), Wilfred Brambell (Schleusenwärter), Edward Atienza (Angestellter), Eric Young (Johnny Choto), Robert Lee (Mr. Nam Lee) u.a.

Zitat von The Edgar Wallace Mysteries: The Sinister Man
Als der Schleusenwärter eine Leiche aus der Themse zieht, kann er noch nicht ahnen, welches Aufsehen der Tote noch erregen wird. Es handelt sich um Professor Neil Rayburn, der an der Universität von Oxford eine pikante Forschungsaufgabe leitete, die sich mit uralten Steinplatten befasst. Von den Befunden des Wissenschaftlers hängt das Wohl eines ganzen asiatischen Staates ab; nur sind die fraglichen Untersuchungsgegenstände spurlos verschwunden! Superintendent Wills muss sie wieder auftreiben – ebenso wie den Mörder ...


Wie bereits angemerkt, blieb von der Wallace’schen Grundlage „Der Unheimliche“ außer den Namen der Protagonisten nur wenig übrig. Das ist aber nur für Eingeweihte zu erkennen, weil die abstruse Konstruktion eines macguffin tatsächlich ein mehr als lupenreines Trivialkrimi-Feeling versprüht. Das imaginäre Land Cowabunga – pardon: Kytang – muss sich zwischen gierigen Annexionsmächten behaupten und kann dies nur schaffen, wenn die altertümliche Kultur mittels dreier bisher unerforschter Steinplatten nachgewiesen werden kann. Für einen Fu-Man-Chu-Film sicher keine schlechte Ausgangsbasis, für die „Edgar Wallace Mysteries“ eher wackelig.
Bevor das Problemkonstrukt enthüllt wird, gelingen dem Film die schönsten Momente. Er beginnt mit einer sehr ausgedehnten Sequenz, die an der oberen Themse an der Schleuse von Marlow gedreht wurde (im Hintergrund klar zu erkennen Marlow Bridge und die ausgesprochen wohlproportionierte All Saints Church) und in ihrem kleinstädtischen Idyll prägend für „The Sinister Man“ ist. Der Film spielt nämlich auch zu großen Teilen in der berühmten Universitätsstadt Oxford, ohne jedoch die sich daraus ergebenden optischen Möglichkeiten auch nur annähernd auszukosten. Leider verharren zu viele Szenen in einem eher rumpeligen Raum, das für ein Forschungslabor eindeutig zu wohnzimmerhaft eingerichtet wurde.

Clive Donner bemühte sich, der manchmal etwas trägen Handlung durch pfiffige Schnitte Leben einzuhauchen. Diese fallen ebenso positiv auf wie die kunstvolle Überblendung von einer rotierenden Schallplatte hin zu einem Roulettekessel in voller Bewegung in „The Man Who Was Nobody“. Auch ein Gespür für Dramatik lässt „The Sinister Man“ nicht vermissen, als die Folge den liebenswerten alten Schleusenwärter dem Spannungsbogen opfert. Dass man nicht sieht, wie er stirbt, erweist sich als zentral, denn die Mordmethode wurde diesmal besonders ausgefallen gewählt. Leider gehört sie zu jenen, die auf dem Papier „mordsmäßig genial“ wirken, in visueller Umsetzung aber letztlich ein wenig lächerlich daherkommen – was dem Finale eindeutig an Wirkungskraft nimmt.
Gegen die Gefahr aus dem Osten kämpft John Bentley tapfer an. Seit er gleich dreimal in die Fußstapfen des berühmten Durbridge-Detektivs Paul Temple treten durfte, sind einige Jahre ins Land gezogen (diese Filme entstanden zwischen 1948 und 1952), aber die jugendliche Frische erhielt sich Bentley dennoch, sodass er als strahlender Titelheld ohne Fehl und Tadel seine Rolle immer noch wie maßgeschneidert ausfüllt. Vom supporting cast gibt es eher durchschnittliche Leistungen.


Ein schönes Umfeld allein macht einen etwas abstrusen Krimi noch nicht zu einem Highlight – vor allem, wenn die Konkurrenz so stark ist wie bei den frühen „Edgar Wallace Mysteries“. „The Sinister Man“ krankt leider auch daran, dass der Mörder ab seinem allerersten Auftritt offensichtlich ist. 3 von 5 Edgars.

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