Thema von Fabi88 im Forum Aktuelle Filme (DVD, K...
Da dieser für Netflix produzierte Film ja zumindest halbwegs in unser Ressort fällt und ich durchaus positiv überrascht war, erstelle ich nach Ewigkeiten auch mal wieder einen eigenen Thread. Ich versuche über den Inhalt nicht zu viel zu verraten, handelt es sich doch um einen waschechten Whodunit!
Für den "Wixxer"-Inspektor, "Kein Mucks"-Moderator und ausgewiesenen Krimi- und Wallace-Fan Bastian Pastewka ist hier wohl ein Traum in Erfüllung gegangen, als er für diesen Film als deutsche Poirot-(oder zeitgemäß eher Benoit Blanc-)Version angefragt wurde. Die Variante, die man sich hier überlegt hat, nämlich einen berufsmäßigen Betrüger zufällig in einer von der Außenwelt abgeschlossenen Villa landen zu lassen, in der schließlich ein Mord unter den Gästen aufgeklärt werden muss, sorgt für einen sympathischen Einstieg. Wir erleben Pastewka zuerst als Masseur, dann als Immobilienmakler, schließlich als Fotograf, ehe er sich ausgerechnet als BKA-Beamter ausgibt und nach einem Mord schließlich den Erwartungen der anderen Gäste entsprechend ermittelt. Dass seine wirklichen Ziele dabei rein monetärer Art sind und er sich eigentlich nur das Kunstobjekt krallen möchte, dass parallel zum Mord eine große Rolle spielt, macht das Ganze dramaturgisch recht interessant. Es macht durchaus Freude anzuschauen, wir kommen dem eigentlich Charakter der Figur (die im Grunde immer "namenlos" bleibt) aber auf diese Weise nie wirklich nahe. Pastewka spielt "jemanden, der immer jemanden spielt". Das bietet Pastewka natürlich die Möglichkeit in viele verschiedene Rollen zu schlüpfen, aber warum seine Betrügerfigur es schafft, als Makler hochseriös zu wirken, hochintelligent in Poirot-Manier einen komplexen Fall zu deduzieren, technisch versiert den Strom zu kappen und durch technische Gerätschaften das Mobilfunknetz zu stören, aber als Fotograf trottelig durch die Gegend tapst und kaum ein halbwegs sauberes Foto schießen kann, erschließt sich nicht recht und wurde offensichtlich so hingebogen um ein paar mehr Gags einbauen zu können. Ganz gemäß den offensichtlichen Vorbildern - historisch natürlich so etwas wie die Christie-Verfilmungen mit Peter Ustinov, visuell und humortechnisch aber viel deutlicher den ersten beiden "Knives out"-Filmen - handelt es sich jedoch um einen Ensemble-Film und hier hakt es leider ein wenig. Während man mit Barbara Philipp, Bernhard Schütz und Ercan Durmaz durchaus bekannte (TV-)Film-Gesichter an Bord hat, wurden die anderen Rollen mit (zumindest mir) unbekannten Gesichtern besetzt. Die ein oder andere Schauspielleistung ist da leider nicht hundertprozentig auf den Punkt. Obwohl alle Charaktere eigentlich als Karikaturen, zumindest überspitzte Typen angelegt sind, werden viele nie wirklich greifbar. "Unverbrauchte" Gesichter zu wählen, halte ich grundsätzlich für die richtige Entscheidung - auch wenn Star-Ansammlungen wie bei Christie ebenfalls ihren Reiz haben - aber das Drehbuch gibt einigen von ihnen zu wenig Material an die Hand, so dass es bei der ein oder anderen Figur so scheint, als wäre sie nur da um das Bild zu füllen. Was grundsätzlich aber wiederum überzeugt, ist die visuelle Seite. Zwar schreit fast Alles "wir machen Szenenbild und Kostüme einfach genauso wie beim ersten "Knives out", okay?", aber das ist dann zumindest wirklich gut umgesetzt worden. Auch die Kameraarbeit von Paul Pieck ist ohne Einschränkungen gelungen. Das Setting lässt dankenswerterweise die Arbeit mit farbigem Licht sowie ein paar eingestreute visuelle Spielerein zu und man hat sich getraut im Grading (Farbkorrektur) einen markanten Filmlook zu schaffen, der in ein paar guten Momenten mehr nach Kino als Fernsehen aussieht. Dass der Kriminalfall selbst gut konstruiert, aber so oder ähnlich auch schon 100x in Literatur und Kino präsentiert wurde, kann man dem Film kaum vorwerfen. Dass ein Whodunit (noch dafür produziert für den schnellen Konsum bei einem Streamingdienst) das Genre nicht neu erfinden kann, liegt auf der Hand. Was Whodunit-Fans eher stören dürfte, ist, dass nur ein paar der Rätsel sich durch aufmerksames Schauen vom Zuschauer selbst lösen lassen und die Auflösung am Ende zum Teil auf Hinweisen basiert, die der Zuschauer kaum oder gar nicht präsentiert bekommen hat. Unter dem Strich steht ein Film, der von der reinen Prämisse, Szenenbild und Kameraarbeit durchaus auch Potential für eine Kinoauswertung gehabt hätte, jedoch teilweise beim Drehbuch und stärker dann bei Besetzung und Inszenierung seine TV-Film/Streaming-Herkunft offenbart. Für einen verregneten Sonntagnachmittag gute Unterhaltung, aber - sofern man nicht totaler Pastewka-Fan ist - Nichts, woran man sich in fünf Jahren noch lebhaft erinnert. Der Verzicht auf Stars (neben Pastewka), der Dreh mit lettischer und litauischer Crew und andere Aspekte weisen auf ein enges Budget hin. Daher ziehe ich eher den Vergleich zu ARD- und ZDF-Fernsehfilmen und früheren RTL- und Sat1-Eventfilmen als zu Kinofilmen. Und da schlägt sich der Film dann doch ganz gut.
Interessant sind übrigens die Produktionshintergründe. Gedreht wurde in Lettland und ein Teil dann noch in Litauen unter dem sogenannten "Lithuanian Film Tax Incentive", was sich scheinbar recht nah an dem auch als "Stupid German Money" bekannten Medienfonds-Modell bewegt, dass als Steuersparmodell bis 2005 vor allem ansonsten eher unfinanzierbare Hollywood-Projekte oder Direct-to-DVD-Filme ermöglichte. Das litauische Programm ermöglicht eine Steuerrückerstattung von bis zu 30 % der in Litauen getätigten Produktionskosten. Dabei handelt es sich um eine Steuergutschrift, bei der private Geldgeber (eben auch Unternehmen wie MGM, bzw. Amazon Prime) in eine Filmproduktion investieren und im Gegenzug ihre Körperschaftssteuer senken können. Dieses Modell nutzten auch bekannte Serien wie "Chernobyl" von HBO.
P.S.: Mir ist bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass man hinter dem Titel der Kategorie "Aktuelle Filme" auch mal "Streaming" in Klammern ergänzen könnte.
Es kommt natürlich auch immer auf das Budget an, ob Autoren noch während der Arbeiten am Werk sind. Das gehört - neben Probentagen, Teilnahme von Oberbeleuchter oder Szenenbildner an Locationbesichtigungen sowie Techniktests immer zu den ersten Kostenfaktoren, die gekürzt werden. Da war man früher ganz einfach noch freigiebiger. In Hollywood ist es noch immer Standard, dass die Autoren noch beim Dreh involviert sind - besonders große Auswirkungen dieser Tatsache sieht man bei "Ein Quantum Trost", wo der Drehbuchautoren-Streik während der bereits laufenden Produktion zu tatsächlichen Lücken im Buch führte und man dies im Schnitt dann später über Hektik versuchte zu kaschieren. In Deutschland fehlt für eine Weiterbezahlung der Autoren nach Abgabe des fertigen Drehbuchs aber meist das Geld. Ich kenne aber auch konkrete Beispiele relativ aktueller TV-Filme, wo die Autoren noch bei Probelesungen und Co dabei waren und zumindest bis zur ersten Klappe in sämtliche Änderungen involviert waren. Deswegen kann man da so eine eher simple "Früher-Heute"-Thematik gar nicht so gut aufmachen. Die Edgar Wallace-Filme beispielsweise sind ja auch so ein Fall, wo die Autoren das Buch abgaben und keinerlei Kontrolle mehr darüber hatten, was bestimmte Regisseure dann daraus bastelten. Vohrers Einfälle, für die die Filme heute so bekannt sind, gingen so gut wie nie auf Autorenideen zurück. Und beispielsweise Gottlieb legte die Freiheiten bei seinen "Regiefassungen" hin und wieder sehr großzügig aus. Andersherum könnte man durchaus behaupten, dass Autoren durch den heutigen (vielleicht bereits auch wieder abebbenden?) Serienhype vielleicht sogar so viel Macht über die fertigen Ergebnisse haben, wie selten zuvor. Dass das für Vorabendserien und andere Produktionen, die eher für den einmaligen, schnellen Konsum gedacht sind, eher nicht so oft der Fall ist, steht aber auch außer Frage.
Solche Schauspieler-Autoren-Paarungen wie hier mit Ode und Pillau sind übrigens Gang und Gäbe - auch heute noch! Dass Drehbuchautoren Darsteller vorschlagen, ist auch nicht komplett verschwunden. Da hat es nur natürlich auch viel mit dem Ego des Regisseurs/der Regisseurin und der finanziellen Machbarkeit zu tun, ob diese auch erhört werden (können).
Morley war sicherlich nicht der wandelbarste Schauspieler aller Zeiten, aber ich freue mich immer, wenn er auftaucht - vor allem in seinen Rollen in "African Queen", "Topkapi" oder "Der Wachsblumenstrauß" bleibt er mir im Gedächtnis. Dass er bei der "Nonne" auch dabei war, hatte ich schon fast wieder vergessen. Erst kürzlich habe ich den James Bond-"Konkurrenten" "Das Mörderschiff" mit Anthony Hopkins gesehen, wo er quasi den "M" gibt - etwas näher am Geschehen als dieser, aber auch eher wieder als britisch-snobistische, dickliche, trottelige Karikatur angelegt.
Danke für Dein Mitleid, denn ich bin definitiv keiner der "ganz Großen" und im Gegensatz dazu, wie viele Beiträge scheinbar auf andere wirken, halte ich mich auch nicht dafür. Ansonsten sehr viel Text um zu sagen, dass man Nichts mit dem Verlag zu tun hat. Die Info hätte ja absolut gereicht. Frische Anmeldung und etwas zu viel Begeisterung lassen da halt schnell Zweifel aufkommen. Mir erschließt sich beim besten Willen nicht, wie man dieses Cover als "richtig gut!" bezeichnen kann, ohne da selbst involviert gewesen zu sein, tut mir Leid!
Naja, wenn jemand sich extra unter einem 08/15-Namen im Forum anmeldet um eine auffallend begeisterte Romanbeschreibung loszulassen und dabei auch noch explizit das Cover lobt, das aus einem KI-generierten Foto und (wohl in Word oder Paint eingesetzten) Schriftzügen in fünf (!) verschiedenen Schriftarten besteht, dann bin ich eher skeptisch und tippe auf (mehr oder weniger) versteckte "Werbung in eigener Sache". So etwas kann man, finde ich, auch ruhig offener machen und sich und den Verlag hier offiziell vorstellen - zumal ja auch andere Veröffentlichungen hier möglicherweise interessiert aufgenommen werden? Aber wenn beim Cover schon so gearbeitet wird, gehe ich auch bei der "Übersetzung" stark von KI aus. Robert Mainz scheint allein hinter dem "crime berlin Verlag" zu stecken und im Prinzip sind es wohl dann größtenteils Neuauflagen von Kriminalromanen, an denen schlicht die Rechte abgelaufen sind und Berlin-zentrierte Romanen von ihm selbst unter Pseudonym(en) verfasst oder gar von KI generiert. Man muss leider mittlerweile sehr vorsichtig sein - selbst bei Amazon werden massenweise von der KI erstellte Romane verkauft.
Zitat von Havi17 im Beitrag #8Ich glaube Aussagen zu tollen Zusammenlegungen nicht (mehr) und dass die wirklich guten Filme und Beiträge aus One im kulturellen Abwärts des ZDF Platz keinen finden werden.
Die Zusammenlegungen wurden niemals als Verbesserungen oder als "toll" verkauft, sondern als Reaktion auf Einsparprozesse. Einige dieser Einsparungsprozesse sind extrem kurzfristig gedacht und werden am Ende wahrscheinlich wiederum teurere Nachwirkungen haben. Der WDR beispielsweise will das Produktionsgelände in Bocklemünd auflösen und müsste dann folglich für künftige Sendungen immer fremdanmieten. Bei der Konsolidierung auf dem Markt wird dort die Anzahl der Anbieter schrumpfen und die Kosten steigen. Gut möglich, dass man in 20 Jahren dann denkt "Mist, hätten wir mal die eigenen Studios behalten."
Zitat von Havi17 im Beitrag #8Doch ich bin sicher es werden weiter Kosten gespart und das bei gigantischen Einnahmen, so hoch wie nie zuvor. Die Frage ist nur was ist diesem Sender so viel wichtiger und wo landen diese ...
Die Inflation macht auch vor Produktionskosten nicht Halt. Selbst bei Beibehaltung des aktuellen Stands müssten die Rundfunkgebühren steigen und weil dafür in der Bevölkerung (zum Teil verständlicherweise) die Bereitschaft fehlt, müssen die Sender sparen. Bei den Produktionskosten selbst geht dies nicht mehr (es gibt Bereiche, wo die Honorare seit 10-20 Jahren gar nicht, bzw. kaum gestiegen sind), also muss man beim Angebot einsparen. Das trifft natürlich dann vor allem Nischenprogramme - und solche sind die Spartensender ja sogar laut eigener Benennung. Führt wahrscheinlich wieder (zu) weit weg, aber das ist eine ähnliche Diskussion wie bei den Steuereinnahmen. In absoluten Zahlen sind diese so hoch wie nie zuvor (und nur über diese sprechen konservative bis rechte Medien), aber in Relation kommt dann zum Vorschein, dass die Sozialausgaben beispielsweise 2002 bis 2022 nur 26 Prozent gestiegen sind (64 Prozent in der Schweiz, 83 Prozent in den USA, 126 Prozent in Polen, usw.), aber beispielsweise zwischen 2000 bis 2005 der Spitzensteuersatz schrittweise von 53 Prozent auf 42 Prozent gesenkt wurde und Kapitalerträge seit 2009 nicht mehr mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. In absoluten Zahlen nimmt der Staat soviel ein wie nie zuvor, gleichzeitig gibt es Bevölkerungsgruppen, die (bei massiven Einkommenszugewinnen) prozentual immer weniger Steuern zahlen und ebenfalls prozentual wächst der Anteil der Ausgaben im Bereich der Sozialleistungen gar nicht - bzw. "nur" bei der Rente - und dort massiv. Wieder zurück zu den Einnahmen der Öffentlich-rechtlichen: Gemessen an der Entwicklung des Durchschnittseinkommens zeigt sich, dass die Belastung durch die Rundfunkgebühren für Haushalte über längere Zeiträume tendenziell sogar gesunken ist. Interessant in diesem Zusammenhang ist natürlich die jüngst gelaufene Volksabstimmung in der Schweiz zu den Rundfunkgebühren. Dort hat sich eine Mehrheit von über 60 Prozent gegen die Senkung der Rundfunkgebühren und die Befreiung von Unternehmen ausgesprochen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk damit klar gestärkt. In Deutschland wäre das undenkbar. Die Schweizer zahlen übrigens aktuell etwa 30 Euro im Monat, die Abstimmungsinitiatoren forderten eine Absenkung auf etwa 18,41 - und damit ziemlich exakt unseren aktuellen Satz.
Zitat von Ray im Beitrag #5Aus genanntem Hintergrund sicher nachvollziehbar, aber trotzdem bedauerlich, weil dort die letzten Jahre reglmäßig Serien-Klassiker wie "Drei Engel für Charlie", "Hart aber herzlich", "Rockford", "Straßen von San Francisco", aber auch deutsche Krimiserien wie "Hamburg Transit" ausgestrahlt wurden. Habe dadurch die ein oder andere der genannten Serien für mich entdecken können. Wäre schön, wenn diese Sparte im gemeinsamen Neo-Sender aufrechterhalten bleiben könnte.
Die Hoffnung teile ich ehrlich gesagt nur zu einem kleinen Teil. Sowohl "One" als auch "Neo" sind von ihren Sendern ursprünglich ja als Sender für eine Zielgruppe von etwa 25- bis 49 an den Start geschickt worden. Neo hat das zeitweise eingehalten, indem man mutige, kleine Serienprojekte und Experimente wie "Kessler ist …" oder "Das Kneipenquiz" produzierte. Sogar (mittlerweile) relativ zentrale ZDF-Formate wie "Bares für Rares" und Böhmermann sind ursprünglich bei ZDFneo an den Start gegangen - wobei man schon bei Horst Lichter über die Zielgruppe streiten kann. Unter diesen Eigenproduktionen waren viele Sachen, die prämiert wurden und tatsächlich einige Sachen, die ich persönlich super fand - "Komm schon", "Die Snobs", "Bad Banks", (nicht vollständig gelungen: "Eichwald, MdB), "Kessler ist..." und andere. Selbst "gescheiterte" Experimente wie "Stuckrad Late Night" waren unterhaltsam und trauten sich etwas, was man im Hauptprogramm vermisste. Das große Problem war aber natürlich, dass man damit kein Vollprogramm füllen kann. Und genau darin liegt der Punkt begründet, warum ZDFneo irgendwann dazu übergangen ist, Kult-Serien zu wiederholen. Bei der Original-Star Trek-Serie erfolgte hier die TV-Erstausstrahlung der restaurierten Fassung und brachte starke Quoten. Auch Magnum und Wickie laufen oder liefen da mal. Deswegen vermute ich ehrlich gesagt eher, dass man so viele Wiederholungen von Fremdproduktionen oder ZDF-Formaten aus dem Programm werfen wird, dass die Eigenproduktionen von "One" ihren Platz finden. Da weiß ich ehrlich gesagt aber gar nicht, was es da in den letzten Jahren gab. Scheinbar war "One" da bei Eigenproduktionen eher im Reportage- und Dokumentar-Bereich unterwegs als bei Serien und Filmen. "Das Institut – Oase des Scheiterns" ist beispielsweise eine Serie, die ich in der Erinnerung immer bei ZDFneo verortet hätte, die aber tatsächlich von der ARD kam - allerdings nicht etwa von "One", sondern von BR, NDR und WDR, die sie auch in ihren Landesprogrammen ausstrahlten. So etwas hätte künftig natürlich eher einen Platz bei dem neuen "OneNeo"-Kanal. Meine größte Hoffnung ist daher, dass sowohl "One" als auch "Neo" die Anzahl ihrer Eigenproduktionen gar nicht herunterfahren, sondern nur in einem Programm bündeln. Dann gäbe es aber natürlich kaum Sendeplätze für 70s-Serien. Da wäre mein persönlicher Wunsch auch eher, dass man die Sachen vermehrt auch für die Mediathek einkauft. Aktuell liegt meines Wissens nur "Petrocelli" dort. "Magnum", "Hart aber herzlich" und Co dürften noch zu attraktiv für Streaminganbieter sein, so dass weder ZDF noch ARD da die Lizenzen so günstig hinterhergeworfen bekommen wie für Ausstrahlungen im linearen TV. Wenn am Ende weiter alte Serien wiederholt würden, hieße das, dass "One" und/oder "Neo" die Eigenproduktionen massiv zurückfährt und das wäre für den Mediennachwuchs in diesem Land die schlechteste aller möglichen Nachrichten.
Zitat von Georg im Beitrag #3Praxis war damals, das Livespiel während der Ausstrahlung mit einer Filmkamera von einem Monitor abzufilmen. Ampex gab es noch nicht. Auf diese Art wurde z. B. auch der 1956er-Hexer konserviert.
Danke für die Erinnerung, gelesen hatte ich so etwas auch irgendwann mal, aber vergessen. Dennoch interessant, dass es keine Wiederholungen gab in den letzten 74 (!) Jahren.
Unglaublich vor allem, weil das Fernsehspiel 1952 live gesendet wurde! Entweder hat man in weiser Voraussicht selbst damals das Sendesignal mitgeschnitten oder die Info von wegen "Live" war falsch und das Ganze wurde doch zu erst einmal auf Film gedreht. Angesichts fehlender Wiederholungen und der Praxis Bänder zu überspielen scheint die "Mitschnitt"-Variante eher unwahrscheinlich. Private Quellen scheiden wohl in der Zeit klar aus. Das Foto auf der NDR-Seite könnte zwar gut ein mit längerer Belichtungszeit geschossenes Foto aus den Proben sein, aber die Bewegungsunschärfe bei Alfred Schieske könnte auch zu Bewegtbild aus einem 35- oder 16mm-Film passen. Man wird es an der Qualität sehen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #281natürlich in Form der ungekürzten MCs mit der Original-Musik.
Da werde ich hellhörig. Als Jugendlicher habe ich damals die CD-Neuveröffentlichungen gekauft, mich aber nie um Vergleiche mit den Erst-VÖen gekümmert. Da wurde also tatsächlich gekürzt usw.?
Ob es da irgendwo eine Gegenüberstellung der Folgen gibt (wie die Schnittberichte-Seite für Filme), weiß ich nicht. Für die "Drei ???" oder "Larry Brent" gibt es das glaube ich... Aber prinzipiell hatten durch den Rechtsstreit mit Christian Bohn (ab spätestens 1988) so ziemlich alle Europa-Hörspiele aus der Zeit zwischen 1978-1985/86 bei Wiederveröffentlichungen Probleme, weil so viel Musik von ihm zum Einsatz kam. Es gab wohl so gut wie keine getrennten Bänder mehr - auf den Mastern lagen Musik, Sprecher und Geräusche auf einer Spur. In der Regel war das kein Problem, weil Europa (besonders Heikedine Körting) ja Musik oft als Trenner und seltener als Szenenuntermalung nutzt. Zwischenmusik konnte man gut austauschen, sobald diese aber im Hintergrund vom Dialog oder Erzählertext ein- oder ausfadet, wurde es schon schwierig, so dass hier und da beispielsweise bei Peter Pasettis Erzählerparts für "Die drei ???" mal was weggeschnitten werden musste. Auch, wenn man (zumindest bei den "Drei ???") auch die Chance genutzt hat ein paar alte Fehler auszubügeln und durchgehende Nebenrollen mehr vereinheitlicht hat, indem deren Stammsprecher Parts für alte Folgen neu aufgenommen haben, ist es in erster Linie eine Geschmacksfrage, ob man bei den ersten Folgen der "Drei ???" oder "TKKG" und anderen Hörspielen aus den späten 70ern und frühen 80ern wirklich nachträglich eingesetzte Musik aus den 90ern hören will. Als Fan der "Drei ???" kann ich mir die Neufassungen der ersten 39 Folgen allein deswegen nicht anhören. Bei den 12 Edgar Wallace-Hörspielen ist auf jeden Fall extrem viel Carsten Bohn-Musik drin. Die neuen Fassungen kenne ich daher gar nicht und kann nicht beurteilen, was für Musik da nun zum Einsatz kommt und ob die Stimmung noch annähernd die selbe ist (was ich aber bezweifle). Ich habe auf hoerspiel.de einmal exemplarisch die Angaben zu den ersten drei Folgen als MC und CD gecheckt, aber bin bezüglich möglicher Kürzungen nicht viel schlauer geworden: "Die toten Augen von London" lief auf MC ca. 48 Minuten und auf CD 48.19 - das klingt ungekürzt. Aber der Kommentar von einem "oli.w" klingt wenig positiv: "Hier ist der Anteil der neuen Musik sehr viel größer als beim FROSCH (2), was leider völlig unangemessen ist, weil die Musik nicht paßt. Richtig schlecht ist dabei, daß sie zumeist erst ausgeblendet wird, wenn der nächste Dialog schon einige Sekunden andauert (LASST DAS!)" Dass die (neue) Musik sehr oft in die nächsten Dialoge hineinlappt, hat einfach damit zu tun, dass sie ja auch Reste der alten Musik noch "verdecken" musste. Das führt dann wohl zu dem, was ein "tuwdc" anmerkt: "Dafür ist die Musik hier ein richtiger Murks weil man trotz der (unpassenden) neuen die alte noch hören kann. Zwei Musiken auf einmal nervt halt total und ist kontraproduktiv für den Hörspielegenuss." - da frage ich mich auch allein juristisch wie das sein kann, da man die Bohn-Musik ja gar nicht mehr einsetzen durfte. "Der Frosch mit der Maske" lief auf MC ca. 42 Minuten und auf CD 41.36 - wahrscheinlich auch ohne Kürzungen? Hier gab es dann wohl auch im Original mehr Anteile von Beurmanns klassischen Stücken und Musik von David Allen (?) und anderen. "Der Hexer" lief auf MC ca. 38 Minuten und auf CD 37.41 - da kann auch nicht viel fehlen... Vielleicht hätte ich es vorsichtiger mit "natürlich in Form der unveränderten MCs mit der Original-Musik" formulieren sollen?
Ich habe gerade spaßeshalber in "Die toten Augen von London" reingehört, bzw. der "Spaß" dauerte nicht lang... das ist mir schon nach den ersten 2-3 Szenenwechseln zu grausam! Nicht nur, weil die neue Musik jegliche Stimmung killt (teilweise nur technoides Gestampfe oder Musik, die ich viel zu sehr mit TKKG-Folgen aus den späten 90ern, frühen 2000ern verbinde), sondern vor allem auch, weil tatsächlich permanent noch Fetzen von Bohns Musik durchschimmern, weil es wohl nicht anders ging.
Das klingt wirklich gut! Vor allem schön, dass scheinbar sogar die Kinosynchro von 1947 aufgetaucht ist! c.n.-tonfilm hatte in irgend einem Thread mal etwas zu der Synchro geschrieben, zu der es ansonsten nirgendwo im Internet Infos zu geben scheint. Ich bin gespannt, welche Schauspieler zu hören sind und wie der Erhaltungszustand der Tonspur ist. Er kann ja eigentlich nur von einer Kinokopie stammen, TV-Ausstrahlungen und Ähnliches gab es meines Wissens ja auch nie?
"Der Schut" ist in sofern auch ein spannendes Projekt, weil er mit über 3 Millionen Besuchern nachwies, dass Karl May im Kino auch ohne Winnetou funktioniert. Brauner machte ja direkt Nägeln mit Köpfen und ließ nicht nur Siodmak mit "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes" direkt einen Zweiteiler in einem wiederum neuen Karl May-Setting drehen, sondern beauftragte auch Franz-Josef Gottlieb mit zwei Orient-Fortsetzungen. Da auch die Rialto selbst zu dieser Zeit noch etwa zwei-drei Karl May-Filme im Jahr in die Kinos brachte, gab es definitiv schon ein Überangebot an Karl May-Filmen. Dazu kamen ja auch noch die Wolf C. Hartwig-Western "Die Goldsucher von Arkansas" und "Die schwarzen Adler von Santa Fe" sowie andere Epigone und nicht zuletzt begann ja auch die Welle der Italo-Western mit Leones "Für eine handvoll Dollar". Ich überlege manchmal, was gewesen wäre, wenn es Brauners May-Filme nicht gegeben hätte und sich die Rialto auf einen Karl May-Film im Jahr beschränkt hätte. Vielleicht wäre selbst parallel zu den Italo-Western eine lang laufende Winnetou-Reihe möglich gewesen? So hat man sein Pulver quasi aus allen Rohren innerhalb von knapp fünf Jahren verschossen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #2Die Zuschauerzahlen gaben Brauner und Co Recht und an so etwas wie Wiederaufführungen, TV oder gar VHS, DVD, Blu-Ray oder Streaming dachte damals niemand, sonst hätte man vielleicht hier und da ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen.
Zumindest Wiederaufführungen dürfte man damals aber schon fest einkalkuliert haben, gerade weil die anderen von dir aufgezählten Einnahmemöglichkeiten noch nicht zur Debatte standen und nicht vorstellbar waren.
Es gab damals Nachspielkinos oder Zweitverwertungen in Bahnhofskinos und Co, wo bestehende Kopien für verschwindend geringe Eintrittspreise kaputt genudelt wurden. Aber wirkliche Wiederaufführungen im Sinne von relativ flächendeckenden Großeinsätzen mit neu gezogenen Kopien, teilweise neu erstelltem Werbematerial und Co waren längst nicht Gang und Gäbe. Bei den Rialto Karl May-Filmen startete man ja 1971 - 3 Jahre nach "Im Tal der Toten" als letztem neuen May-Film im Kino - eine Wiederaufführungswelle. In diesem Zuge kam dann auch "Der Schut" noch einmal zu einer Wiederaufführung - aber erst 1977 und wohl (erneut) nur als Reaktion auf Rialtos Erfolge. Das dürfte bei der Produktion 1964 also noch nicht Teil der Kalkulation gewesen sein. Kinofilme wurden bis in die 70er so kalkuliert, dass sie ihre Kosten bei der Erstauswertung an der Kinokasse einspielen konnten, bzw. dort Gewinne machten. Für die Produzenten von Filmen der 50er und 60er Jahre waren/sind Wiederaufführungen, TV-Auswertungen und Super8, später VHS, Laserdisc und Co Bonus. Zumal zumindest bei TV und Heimkino ja wiederum Kosten für die Erstellung neuer Master anfielen/anfallen. Die Kosten für Werbematerial und neue Kopien trugen ja in der Regel (zum Großteil) die Verleiher. Phänomene wie "Der weiße Hai" der in den Jahrzehnten nach seiner Erstaufführung 1975 weiterhin ständig in Programmkinos, Filmreihen und Co lief oder "Blade Runner", der im Kino floppte und erst im Zuge der VHS-Veröffentlichungen sowie des späteren Director's Cuts zum Kultfilm wurde (und jede Menge Geld einspielte) gab es erst später.
Eine treffende Kritik - "schluderig inszeniert" ist tatsächlich das Stichwort. Man merkt dem Film leider an, dass Robert Siodmak hier bereits 64 Jahre alt war und nur noch unregelmäßig Filme drehte - vor allem keine in dieser Größenordnung. Bereits bei "normalen" Szenen gibt es etliche Anschlussfehler und Holprigkeiten (die teils auch schlicht nicht einmal mehr mit "sorgfältigerer Schnitttechnik" zu retten gewesen wären), bei den Action-Szenen entgleitet ihm vieles dann leider komplett. Ob der eigentlich vorgesehene Jürgen Roland das besser im Griff gehabt hätte? Dass die Produktionsumstände und Brauners bekannter Sparzwang nicht gerade halfen, ist aber auch klar. Beispielsweise nahm man für Nachdrehs im Berliner Studio dann einfach ein braunes Pferd als Rih. Im Endeffekt ist der Film aber das, was er sein sollte - Familienunterhaltung mit opulenter Kulisse, allen wesentlichen Stars der Rialto-May-Reihe und recht kurzweilig. Die Zuschauerzahlen gaben Brauner und Co Recht und an so etwas wie Wiederaufführungen, TV oder gar VHS, DVD, Blu-Ray oder Streaming dachte damals niemand, sonst hätte man vielleicht hier und da ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen. Die Logiklöcher stören mich bei dieser Art Film zum Beispiel gar nicht. Solange es zügig erzählt ist, man markanten Schauspielern zuschaut und es Schauwerte gibt, denke ich nicht mehr als nötig über die Handlung nach.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148Schon da hat sich das Bild einer vermeintlichen "Mehrheit" verfestigt, am Ende waren es bei den Demos zu Spitzenzeiten zwar immerhin auch mal 20.000 Leute, aber selbst im Vergleich zu so etwas wie den Bauernprotesten war die Beteiligung gering. Im Vergleich zu einer wirklich großen Mehrheitsbewegung wie den Demos zur "Brandmauer" dann sogar marginal.
Du willst hier ernsthaft behaupten, die "Mehrheitsbewegung gegen die Brandmauer" hätte mehr Leute auf die Beine gebracht als die Corona-Demos? Mit Verlaub, aber das ist schon eine sehr steile These. Ich habe von so einer Bewegung noch nie was gehört, was nun aber nichts heißen will, da ich aus einer ganz anderen "Blase" komme. Ich wohne in einer nach außen hin sehr linksgrün dominierten Gegend, aber letztlich bleiben die dauernden Demos der Linken definitiv hinter der Masse der Leute zur Corona-Zeit zurück, es sei denn, sie werden massenweise mit Bussen von sonst woher herangekarrt. Eigene Anschauung hilft hier mal deutlich, irgendwelche Propaganda von welcher Seite auch immer als solche zu erkennen.
Ja, die eigene Anschauung hilft sehr - sprich weg vom Handy/Internet, raus aus (digitalen) Blasen und mal raus auf die Straße. Oder Zahlen zur Hand nehmen, die nicht von den Veranstaltern selbst herausposaunt werden. Die Google-KI fasst wie folgt zusammen: "In Deutschland haben seit Anfang 2024 Millionen von Menschen unter dem Motto der „Brandmauer“ gegen Rechtsextremismus demonstriert. Hier sind die aktuellen Zahlen im Überblick: Gesamtzahl (bis Mitte 2024): Bis Juni 2024 nahmen bereits über drei Millionen Menschen an mehr als 1.200 Kundgebungen teil, was diese Proteste zur größten Demonstrationsserie in der Geschichte der Bundesrepublik macht. Großdemonstrationen 2024: Ein zentraler Höhepunkt war die Aktion „Wir sind die Brandmauer“ im Februar 2024 in Berlin, bei der über 150.000 Menschen eine Menschenkette um das Reichstagsgebäude bildeten. Protestwelle 2025: Nach einer gemeinsamen Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag flammten die Proteste Anfang 2025 erneut auf. Am ersten Februarwochenende 2025 demonstrierten bundesweit etwa eine halbe Million Menschen. Allein in Berlin versammelten sich Anfang Februar 2025 rund 160.000 Menschen (laut Polizei) bzw. bis zu 250.000 (laut Veranstaltern) für den Erhalt der Brandmauer. Kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 waren an einem einzigen Wochenende rund 315.000 Menschen bundesweit auf der Straße." Veranstalter schönen ja gern Zahlen, da sprach man an einigen Tagen gern sogar von insgesamt über 1 Million Menschen auf den Straßen, für die es aber keinerlei Belege gibt. Aber als jemand, der berufsmäßig auf Demos gegen Corona, Gaza-Krieg und vieles mehr war, kann ich sagen, dass ich bisher in NRW keine größere Demo erlebt habe, als die "Brandmauer"-Demo, an der ich selbst im Februar 25 in Köln Teil genommen habe. Es gab übrigens große Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern, die Brennpunkte zu Bauernprotesten und Co sendeten, bei den Brandmauer-Demos aber lapidar von "zehntausenden auf den Straßen" berichteten. Dass es sich da um die größten Demonstrationen seit Bestehen der Bundesrepublik handelte, sah, las und hörte man so gut wie nie. Das auch einmal zur Einordnung, Kritik an den ÖR gäbe es nur von rechts.
Bei den Corona-Demos hingegen kam es besonders zu Beginn des Jahres 2022 bei den Teilnehmerzahlen zum Zenit. An einzelnen Montagen im Januar demonstrierten bundesweit zwischen 300.000 und 350.000 Menschen gleichzeitig an hunderten verschiedenen Orten. Ich korrigiere mich also gern, das war schon eine große Menge an Menschen. Da ging es wohl ganz explizit um die "Impf-Pflicht"-Thematik, womit auch ein breiteres Klientel mobilisiert werden konnte. Gegen andere Maßnahmen, bzw. im Zeitraum 2020/2021 gab es zwar über 2.700 einzelne Demonstrationen gegen die Corona-Politik, Teilnehmerzahlen lassen sich dazu jedoch kaum finden, was für eher geringe Teilnehmerzahlen bei vielen, verstreuten Demos spricht. Das kommt natürlich zum Teil auch durch Verbote und Auflagen zu Stande, das will ich gar nicht negieren. Hinzu kommt aber auch noch, dass potentielle Gegendemos, die eine tatsächliche öffentliche Meinung differenziert möglich machen würden, rein logisch nicht möglich waren. Wer nicht gegen die Maßnahmen war, hielt sich ja einfach dran und blieb zuhause, das kann man aber in Zahlen schwerlich messen. Verbürgt ist jedenfalls eine große Diskrepanz zwischen (online) verlautbarter Bereitschaft zum Demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen und den dann tatsächlich auf den Straßen zu findenden. Von den 10-15 Prozent, die bei Abstimmungen Unzufriedenheit äußerten, war man bezüglich der Beteiligung bei Demos weit entfernt. Ich kann da leider nur anekdotische Stichproben bieten: In meiner Geburtstagsstadt Jever (Familienmitglieder kamen wegen Einkauf und Co an den Demos vorbei) nahmen 20/21 etwa 5-10 Leute an den Demos Teil, hier in Köln Ehrenfeld auf dem Neptunplatz standen in dem Zeitraum mal 10-20 Leute vor einer Bühne mit Lautsprecher. Auch bei den Demos, die ich beruflich begleitet habe, waren es keine Massen an Teilnehmern. Und hier kommen wir dann wieder zur Diskrepanz Social Media-News und polizeilich ermittelte Zahlen: Einzelne Großdemonstrationen, wie etwa in Berlin im August 2020, sorgten für stark voneinander abweichende Angaben. Während die Polizei von rund 17.000 bis 38.000 Teilnehmenden sprach, behaupteten Veranstalter teils Millionenwerte, was jedoch von Faktencheckern widerlegt wurde. Einigen wir uns also darauf, dass ich die Zahlen unterschätzt habe. Von einer Mehrheit ist das Alles aber wirklich weit, weit entfernt. Die Mehrheit hat die meisten Maßnahmen toleriert bis begrüßt. Und bei der "Impf-Pflicht", die im Übrigen wohl nie ernsthaft auf dem Tisch lag, wäre auch ich dagegen gewesen. Ich glaube übrigens, dass Du intelligent genug bist, dass Du es nicht nötig hättest solchen Unsinn wie "Busse, die bezahlte Demonstranten herankarren" weiterzuerzählen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148...die im Interesse bestimmter Parteien, Interessensgruppen oder Nationen wie Russland, den USA, China oder sonstwem die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen wollen.
Das mag nun alles sein oder auch nicht. Versuchte Einflussnahme auf die alternativen Medien über ausländische Geldgeber ist mit Sicherheit gegeben. Das würde ich gar nicht abstreiten. Fakt ist aber auch, dass unsere Staatsmedien (als die betrachte ich die ÖR) schon lange Zeit durch die ständigen Verflechtungen in der sogenannten Atlantikbrücke im Sinne der angelsächsischen Mächte beeinflusst werden. Ebenso, wie die großen Medienkonzerne Springer, Bertelsmann, Burda usw. Hier eine Unabhängigkeit in der Berichterstattung zu sehen, ist auch fragwürdig, die gab es in dem Sinne noch nie.
Ich finde den Zirkelschluss "ÖR=Staatsmedien" immer etwas schwierig, weil laute Kritik ja gerade von der Union kommt, die nun einmal leider selbst aktuell regiert. Scheinbar ist dort sehr vielen der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht staatsnah, bzw. wohlwollend genug. Mir sind viele Berichte auch zu wenig regierungskritisch, dass man da aber nur 24/7 Merz' oder Spahns Agenda sendet, sehe ich wiederum auch nicht. Es stellt sich dann ja auch die Frage, was daraus folgt, wenn man endlich regierungskritischer ist, bzw. die Themen tiefer beleuchtet. Das würde eher nicht der AFD helfen, die in vielen Punkten der CDU ja sehr nahe steht, nur weitaus drastischere Lösungen bevorzugt. Und was die von Dir angesprochene Amerika-Nähe betrifft: Ich empfinde die Berichterstattung von ARD und ZDF zu Trump und Co zunehmend kritischer. Man leistet durchaus einen Beitrag zur angemahnten Eigenständigkeit von Europa. Dass man da (noch immer!) im Sinne der Atlantikbrücke arbeitet, sehe ich also nicht unbedingt. Springer (BILD, Welt und Co) tanzt da mittlerweile relativ einsam auf weiter Flur. Die Unabhängigkeit der Öffentlich-rechtlichen war zeitweise übrigens zumindest so groß, dass die CDU unter Helmut Kohl unbedingt ein privates Fernsehen für Gegenstimmen etablieren wollte, es hat sie also definitiv mal gegeben.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148Gibt es keine zweite Quelle, kann in vielen Fällen (erst einmal) zu bestimmten Themen von seriösen (!) Medien keine Berichterstattung erfolgen oder eben nur mit Einschränkungen.
Wenn ich schon "seriöse" Medien lese. Es gibt interessante Literatur von Insidern dazu, wie es in der "seriösen" Medienwelt mittlerweile zugeht und wie weit man sich von Standards entfernt hat, die es da früher mal gab. Alleine der Rechercheaufwand wird auf Minimum runtergefahren, es werden nur die vorgefertigten Texte von Organisationen, Politikern oder was auch immer übernommen. Deswegen klingt auch alles gleich, was du so zu lesen oder zu hören kriegst. Mal abgesehen davon, dass auch die Nachrichten im ÖR gerne mal auf Bilder oder Filme zurückgreifen, die es schon vor zwei Jahren gab. Hauptsache irgendwo brennt ein Auto, und schon hat man Bilder über den Aufstand im Lande Irgendwo. Das Wort "seriös" ist sehr schwammig und lässt sich meiner Ansicht nach für einige (nicht für alle) alternative Medien wesentlich besser anwenden als die Mainstream-Medien. Ansichtssache.
Du sprichst da viele wichtige Punkte an. Vor allem sehe ich endlich einmal Argumente und konkrete Handlungsvorschläge! Man hat sich zu sehr von Standards entfernt? Dann muss man sich ihnen wieder annähern um die selbstbehauptete Seriösität auf stabile Beine zu stellen. Dass der Rechercheaufwand heruntergefahren wurde, stimmt und hat vor allem seine Gründe im dauernden Sparen. Will man Kosten senken, ist dies bei Infrastruktur, Technik und Pensionsansprüchen und Co kaum möglich. Jede Einsparung findet im laufenden Programm statt. Die Folge sind nur noch freie Autoren (teils auch für andere Sender oder private Unternehmen tätig) und Honorare, bei denen Langzeit-Recherchen kaum finanziell angemessen abgebildet werden. Natürlich ist es dann leicht einfach einen Print-Artikel aus einer großen Tageszeitung zu bebildern - überspitzt formuliert. Man kann dann aber leider nicht steigende Effizienz und weniger Finanzbedarf fordern, aber gleichzeitig höhere Qualitätsanforderungen etablieren. Dies ginge nur, wenn man sich beispielsweise entscheiden würde, teure Sportrechte fallen zu lassen und das Geld in Information umzuschichten. Über so etwas darf man diskutieren, ich habe aber leise Zweifel, weil die Werbeeinnahmen in diesem Umfeld sehr hoch sind und sich der ÖR mit den hohen Quoten dort in gewisser Weise ja auch seine Daseinsberechtigung legitimieren kann. Wenn Recherche und eigener (!) Themensetzung eine weitaus gewichtigere Rolle zukommen würde, würde ich das sofort unterschreiben. Dass man Archivbilder wie ein brennendes Auto unmarkiert als neues Material für neue Ereignisse verwendet, ist dann aber wieder ein haltloses Fake News-Gerücht. Das lässt kein CVD durchgehen und falls doch, gibt es Rügen vom Presserat und man würde öffentlichkeitswirksam davon erfahren. Natürlich können auch alternative Medien "seriös" sein. Wie Du aber richtig schreibst, gehören dazu die Einhaltung von Pressestandards und viel Recherche. Beides kostet Erfahrung und Geld - etwas, was alternative Medien nur selten haben. Dass die wenigsten Blogs oder Social Media-Journalisten über Infrastruktur und Kapital verfügen um Orte des Geschehens selbst aufzusuchen und Recherchen an diversen Orten durchzuführen, liegt auf der Hand. Dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung oder FAZ gut recherchiert ist, daher auch. Am Ende ist dann also, wie du sagst, Ansichtssache. Wenn man etwas glauben möchte und es gut ins Weltbild passt, kann man natürlich sogar XY bei Twitter oder NIUS für seriös halten.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148damit die veröffentlichte der (angenommenen) "öffentlichen Meinung" entspricht?
Immer wieder die "öffentliche Meinung". Was ist das überhaupt und wie entsteht die? Schon vor hundert Jahren haben sehr einflussreiche Propagandisten wie Lippmann oder Bernays darüber geschrieben, wie man "die öffentliche Meinung" im Sinne einer "gelenkten Demokratie" über die Medienmacht beeinflussen kann. Selbstverständlich war bisher genug Zeit, die Dinge noch zu verfeinern und durch die technischen Möglichkeiten ist es auch leichter geworden. Man sollte sich bei allem fragen, ob es tatsächlich die eigene Meinung ist, die da im Kopf ist, worauf die Meinung beruht und wie vertrauenswürdig die Quellen sind und mit eigenem Erleben deckt. Das ist natürlich unbequem und anstrengend. Irgendwas zu glauben ist dagegen leicht.
Ja, und da wir die Zeit des Nationalsozialismus ständig aufs Brot geschmiert kriegen, die Mehrheit hat ja nun offenbar an das geglaubt, was "von oben" vorgegeben wurde - wie so oft-, und lag falsch damit. Noch weiter zurück haben die Leute an Hexen, Fegefeuer und ähnliche Dinge geglaubt, die ihnen sehr medienwirksam von der Kirche präsentiert wurden, und wir tollen aufgeklärten Jetztzeitler machen uns darüber lustig. Was die "gelenkte" Mehrheit denkt, muss also nicht unbedingt richtig sein. Das war früher so, ist heute so, und wird auch in Zukunft so sein. Jedenfalls ist es sicher kein KO-Kriterium.
Ich habe mich explizit auf Julia Klöckners Aussagen bezogen. Sie sprach von diesem diffusen Schlagwort "öffentliche Meinung", daher habe ich selbst es in Anführungsstrichen verwendet. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie die "öffentliche Meinung" ebenso wenig wie es eine "politische Mitte" gibt. Ansichten wandeln sich quasi minütlich - was heute gesellschaftlich Standard ist, kann morgen schon (wieder) verachtet werden. Und es gab wohl nie so viele veröffentlichte Meinungen wie heute, wo es keine Gatekeeper mehr gibt, die mit Druckerpressen oder der Kontrolle der Ausspielwege entscheiden welcher Journalist etwas schreiben/sagen kann und welcher nicht. Der Endnutzer ist heute auch gleichzeitig Redakteur - und das macht das Ganze so problematisch, weil Medienkompetenz in weiten Teilen der Bevölkerung nicht existent ist und viele nicht in der Lage sind, den Wert einer Statistik des Bundesamts von einer Wordtabelle in Comic Sans aus der Telegram-Gruppe zu unterscheiden. Eigene Anschauung schön und gut, aber man kann von einer alleinerziehenden Mutter, die Schichten an der Kasse des Discounters schiebt und sich Abends kurz informieren will, nicht erwarten, dass sie sich durch Print-Medien, öffentlich-rechtliches Angebot und "Alternativmedien" wühlt um zu irgendeiner Erkenntnis zu gelangen. Dass Medien auch heute (wie in der NS-Zeit) eine große Rolle beim Umbau von Staatsformen spielen, sehen wir eindrücklich in den USA. Wenn auch hierzulande Angriffe von Politikern auf Medien gefahren werden, sollte uns das Sorgen machen. Für mich ist das eher ein Appell die von Dir angesprochenenen Kritikpunkte beim Öffentlich-Rechtlichen nachzubessern, weil wir ihn vielleicht stärker brauchen denn je. Politiker raus aus den Rundfunkräten, Kürzen bei Unterhaltung, mehr Geld in Information und die Standards bei Recherche und Co erhöhen - Alles Punkte, die ich sofort unterschreibe.
Bei der Neugestaltung unserer Küche habe ich erneut damit angefangen die Europa-Wallace-Hörspiele zu hören - natürlich in Form der ungekürzten MCs mit der Original-Musik. Mir fiel erneut auf, wie stilsicher die Folgen umgesetzt wurden. Parallel entstanden ja (sowohl beim Script (H.G. Francis) wie auch am Mischpult und an den Mikrofonen quasi mit dem selben Personal) im selben Studio auch Reihen wie "Die drei ???" oder "TKKG" und doch hat jede Reihe eine klare eigene Handschrift und wirkt "wie aus einem Guss" mit seinen ganz eigenen Markenzeichen. Das fängt bei Edgar Wallace an mit der stimmungsvollen Titelmusik (die allerdings auch bei Europas "Sherlock Holmes"-Reihe mit Peter Pasetti zum Einsatz kam) und geht weiter mit Horst Naumann als Erzähler, der wunderbar knarrig durch die Fälle führt. Die Dialoge sind meist straff geführt, komödiantisch gedachte Szenen wie in "Die toten Augen von London" das Kennenlernen von Inspektor Holt (Günther Ungeheuer) und Diana Ward (Pia Werfel, sie wiederholte die Rolle auch bei Maritim), nachdem ihr Chef sie mit falschen Informationen übereinander gefüttert hatte, sind charmant gelöst und wirken selten unfreiwillig komisch oder ein wenig aufgesetzt wie manchmal bei Maritim und Co. Die Musik (Mischung aus orchestraler Musik von Beurmann selbst und Carsten Bohns Jazzz-Rock) ist immer passend eingesetzt und sorgt für eine sehr eigenwillige Stimmung. Sobald ich die Kassetten einlege, fühle ich mich Zuhause. Die ganze Umsetzung erzeugt ebenfalls ein märchenhaftes, gruselig-nebliges London, aber dabei mit ganz eigenen Werkzeugen als es die Rialto-Filme der 60er Jahre taten. Die Inspektoren sind hier in der Regel keine energiegeladenen Jungspunde, auch die klaren komischen Sidekicks sind eher selten. H.G. Francis hat es geschafft, die Romane auf das wesentliche Einzudampfen, ohne, dass es zu platt wirkt oder wichtige Elemente wegfallen. Die Hörspiele gehören definitiv nicht zu den Umsetzungen, bei denen es hilft die Romane gelesen zu haben. Etwas schade ist, dass man sich erst in der zweiten Staffel (Folgen 1-6 erschienen auf einen Schlag 1983, die Folgen 7-12 dann noch im selben Jahr) traute mit "Der Engel des Schreckens" und "Die drei Gerechten" unverfilmte Stoffe umzusetzen. Ersterer gehört für mich zu den stärksten Folgen (vor allem, wenn man es ohne Kenntnis des Romans zum ersten Mal hört), zweitere gewinnt mit jedem Hören bei mir. Das Zusammenspiel von Hannes Messemer, Balduin Baas und Henning Schlüter funktioniert prächtig und es entwickelt sich zeitweise so etwas wie ein "Drei ??? als End-Fünfziger"-Drive. Nie aufgefallen war mir übrigens bisher, dass Horst Naumann bei "Der rote Kreis" neben seiner Erzählerrolle auch noch Inspektor Parr spricht. Wie er diese Rolle anlegt ist aber ganz großes Kino. Man hat den Eindruck, er muss jedes Wort unter der Bürde jahrzehntelanger harter Polizeiarbeit ächzend und stöhnend herauspressen.
Nach 12 Folgen war leider Schluss. So gut die Idee war, die "Kassettenkinder", die man seit den frühen 70er Jahren als Kunden eingesammelt hatte mit erwachseneren Stoffen bei der Stange zu halten, so verzettelte man sich wohl auch mit zu vielen neuen Reihen parallel. Es gab ja noch Sherlock Holmes, Gruselserie, Larrry Brent, Macabros und und und. Da kamen am Ende wohl zu hohe Produktionskosten zusammen, während man eigentlich Alles für ein und die selbe Zielgruppe produzierte. Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten wie das Aufkommen der Spielkonsolen dürften ebenso ein Rolle gespielt haben wie hippe TV-Serien wie "Miami Vice" und Co. Der Kollaps für den Hörspielmarkt erfolgte dann ja endgültig in den 90ern mit dem "Gameboy"-Knick.
Diese 12 Folgen sind jedenfalls für mich persönlich die Essenz unter allen Wallace-Hörspielen und behalten immer einen festen Platz im Regal.
Leider zu weit weg. Die Besetzung ist ja vielversprechend. Interessant finde ich, dass man sich (erneut) für "Die seltsame Gräfin" entschieden hat. Es gab ja bereits eine Live-Hörspiel-Veröffentlichung des Romans - produziert an verschiedenen Locations in Hamburg mit dem Ensemble des Imperial-Theaters und Jürgen Thormann als Erzähler. Ich bin auf Berichte gespannt! Vielleicht findet ja sogar das selbe Script Verwendung?
Zitat von rasira im Beitrag #149Bitte bitte dieses ausschweifende Geschwurbel aus dem Grünen-Ortsverband einstellen. Es passt nicht in dieses Forum und ist einfach nur haarsträubend.
Weil ich Äußerungen von Julia Klöckner (die unter anderem Kirchen kritisiert, weil sie doch bitte nur Trost und Stabilität spenden sollen) nicht gut heiße, bin ich also ein "grüner Schwurbler"? Und Kritik an Julia Klöckners Äußerungen passen nicht in das Forum, Julia Klöckners Äußerungen aber schon? Ich habe es schon an diversen Stellen geschrieben: Entweder man stellt diesen ganzen Thread ein oder diskutiert wirklich offen (wofür bei den hitzigen Gemütern teilweise aber ein starker Moderator nötig wäre). Dieser komplett inhaltsleere, rein diffamierende Einzeiler ist ja nun wirklich auch nicht geeignet eine Diskussion aufzuwerten.
Zitat von Havi17 im Beitrag #132IZahlreiche ehemalige "Tagesschau"- bzw. "Tagesthemen"-Moderatoren sind in den vergangenen Jahren z.B. zur privaten Konkurrenz abgewandert: Patrik Baab, Alexander Teske, schrieben auch Bücher darüber. Marc Bator ging zu Sat.1, Linda Zervakis wechselte zu ProSieben und Pinar Atalay zog es zu RTL. Der jüngste prominente Abschied war jener von Constantin Schreiber: Im Mai verließ der Journalist die "Tagesschau" und wechselte zu Axel Springer, https://www.wunschliste.de/tvnews/m/uebe...source=nw260109
Bei Frau Klöckner würde ich weniger von Wasser reden als von Dampf oder auch heißer Luft. Es ist ja bereits länger bekannt, dass die Union medientechnisch scheinbar grottenschlecht beraten wird und sich vor allem Landesverbände und Abgeordnete (teils von einzelnen!) Twitter- oder Instagram-Posts leiten lassen. Wenn man Social Media wirklich ernst nimmt und glaubt, dort würde 1:1 die "öffentliche Meinung" abgebildet, ist das erste Problem natürlich schonmal die jeweilige Bubble in der man sich bewegt und zweitens die Tatsache, dass geschätzt mindestens 20-30 Prozent (!) der dortigen Aktivitäten durch Bots erfolgt. Drastisch war dies beispielsweise während der Corona-Zeit. Die Carnegie Mellon University hat 2020 in einer Studie mehr als 200 Millionen Tweets mit Corona-Thematik analysiert. Von den 50 einflussreichsten Retweetern waren 82 Prozent und von den 1000 Top-Retweetern immerhin noch 62 Prozent Bots. Schon da hat sich das Bild einer vermeintlichen "Mehrheit" verfestigt, am Ende waren es bei den Demos zu Spitzenzeiten zwar immerhin auch mal 20.000 Leute, aber selbst im Vergleich zu so etwas wie den Bauernprotesten war die Beteiligung gering. Im Vergleich zu einer wirklich großen Mehrheitsbewegung wie den Demos zur "Brandmauer" dann sogar marginal. Das erklärt übrigens auch, warum das allgemeine Interesse an "Corona-Aufklärung" so gering ausfiel und fällt. So laut in den sozialen Medien und bestimmten Kreisen geschrien wurde, so leise war das tatsächliche Interesse daran in der Bevölkerung. Damit will ich nicht sagen, dass es in der Zeit Versäumnisse, Fehleinschätzungen und Co gab, die aufgearbeitet gehören! Aber das zieht sich durch viele weitere Themen - Social Media-Kommentare werden eben nicht von Otto Normal geschrieben, sondern von Leuten mit (zu viel) Zeit oder ganz klarer (beruflicher?) Agenda oder eben Bots, die im Interesse bestimmter Parteien, Interessensgruppen oder Nationen wie Russland, den USA, China oder sonstwem die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen wollen. Frau Klöckner gehört scheinbar zu denen, die dem Ganzen zu viel Bedeutung beimessen und sich zu wenig auf der Straße mit realen Menschen unterhalten. Wenn "Medien" wie NIUS und Co sich dann anschicken diese geglaubte Mehrheitsmeinung, das Geraune und Operieren mit Lügen und falsch verstandenen Fakten aus Social Media als "seriösen Journalismus" getarnt in die analoge Welt zu schießen, dann macht es das nicht besser. Zwei wichtige Anmerkungen: 1. Neutralität ist zuerst einmal unmöglich und steht zweitens auch nirgendwo im Rundfunkstaatsvertrag. Gerade Julia Klöckner als Bundestagspräsidentin steht ja außerdem selbst so stark wie kaum ein/e Vorgänger/in bezüglich der Neutralität in der Kritik. 2. Eine Grundregel des Journalismus ist das Zwei-Quellen-Prinzip. Es ist allein aufgrund der Veröffentlichungsfrequenz Bloggern, Social Media-Kommentatoren und Co gar nicht möglich dieses anzuwenden - vieles basiert daher auf einzelnen Quellen (um nicht zu sagen, oft sogar nur auf Hören-Sagen). Gibt es keine zweite Quelle, kann in vielen Fällen (erst einmal) zu bestimmten Themen von seriösen (!) Medien keine Berichterstattung erfolgen oder eben nur mit Einschränkungen. In der Praxis wird Ausgewogenheit bei Themen außerdem dadurch verfolgt, indem man Experten für beide Seiten eines Themas sucht. Auch dies hat Grenzen. Um ein Extrembeispiel aufzumachen: Bei einer - einmal hypothetisch angenommenen - nicht-Grundgesetz-konformen Meinung, die die "öffentliche Meinung" zur Zeit darstellt, wird sich kein Jurist, Menschenrechtler, Hochschulprofessor oder Ähnliches finden, der diese im Rahmen eines Berichts einnehmen wird. Was tun wir dann? Soll gegen Rundfunkstaatsvertrag und vielleicht sogar das Grundgesetz verstoßen werden, damit die veröffentlichte der (angenommenen) "öffentlichen Meinung" entspricht? Das, was Frau Klöckner da geäußert hat, ist keine Kritik, sondern ein inhaltsleeres Geraune mit gefährlichen Schlagworten.
Um einen aktuellen - wenngleich auch sehr subjektiven - Vergleich in einem noch dazu eher unbedeutenden Feld zu ziehen: Ich bin Werder Bremen-Fan und daher auch Follower vieler Werder-Kanäle. Die Stimmung im Worum (dem größten Fan-Forum) wie auch bei Social Media war die letzten Wochen bis Monate verheerend. So gut wie keine positive Stimme war zu lesen. Man hätte glauben können, die Zuschauer würden mit Mistgabeln zu den Spielen gehen und das ganze Spiel lang mit Bannern, Rufen und Pfiffen den Rauswurf der sportlichen Führung fordern. Was aber war das tatsächliche Bild, das Handeln der realen Menschen, der "Mehrheitsmeinung", wie sie sich im Verhalten der Stadionbesucher zeigte? Unterstützung für die Mannschaft, lautes Rufen des Trainer-Namens bei der Verlesung der Aufstellung, usw. Im "echten" Leben war keinerlei Hass, Häme oder laute Kritik zu hören. Erst beim vorletzten Spiel gab es schließlich ein kritisches Banner Richtung Geschäftsführer Sport und beim letzten Spiel Pfiffe nach einem enttäuschenden 1:1, nach dem schließlich der Trainer entlassen wurde. Soll heißen: die veröffentlichte Meinung der Medien (ruhige Berichtserstattung, wenn überhaupt nur wenig und dazu sachliche Kritik) entsprach nicht der gefühlten (!) öffentlichen Meinung, wenn man sich in "alternativen" Medien umschaute. Sie deckte sich aber im Endeffekt dann wohl doch sehr gut mit der tatsächlichen öffentlichen Meinung.
Und noch eine formale Anmerkungen: Der Autor Thomas Pillgruber bezieht sich ja mit seinem gesamten Artikel nur auf ein Interview der FAZ und Klöckners Äußerungen gegenüber der Bild am Sonntag, aber prinzipiell ist web.de als Quelle natürlich auch mit Vorsicht zu genießen. Die United Internet AG hat 2024/2025 mit einer Großoffensive eine komplette Nachrichtenredaktion aufgebaut - inklusive einzelnen Ressorts und Auslandskorrespondenten. Es handelt sich also (egal, wie alt web.de als Firma sein mag) im Grunde um ein junges Medienunternehmen mit großen Ambitionen. Man will über web.de und gmx.de viele Menschen erreichen und sieht daher (wie RTL, BILD und Co) die Öffentlich-rechtlichen mit ihrer (scheinbar einfacheren) Finanzierung als großen Gegner. Ich persönlich lese Medienkritik dann doch lieber von alteingesessenen Medienhäusern, die sich in der Co-Existenz eingerichtet haben und entsprechend fundierter zur Sache gehen. Da gab es beispielsweise in der RBB-Causa, dem Reichelt-Skandal und Co sehr viel handfesteres.