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  • James Hadley ChaseDatum09.07.2026 14:28
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema James Hadley Chase

    Tote reden nichtSafer Dead (1955)

    Der New Yorker Kriminalreporter Sladen (als Ich-Erzähler) bekommt zusammen mit seinem Kollegen Bernie Low den Auftrag, für das Magazin Crime Facts die verschwundene Revuetänzerin Fay Benson aufzuspüren. Die beiden reisen ins kalifornische Welden, wo sie in dem 14 Monate alten Fall bald auf erste Spuren stoßen. Die leichtbekleidete Dame war wohl aus ihrer Garderobe entführt worden. Man findet die Namen potenzieller Zeugen, die aber allesamt an seltsamen Unfällen gestorben sind. Fays Schicksal steht bald fest. Nun gibt es handfeste Drohungen von Seiten finsterer Gangster, aber mit Unterstützung des kooperativen Polizeichefs Creed überlebt Sladen einen Mordanschlag. Während der ängstlichere Bernie zurück in die Heimat dampft und von da aus weitere Schützenhilfe leistet, geht Sladen Hinweisen nach, die zum benachbarten nach Tampa führen. Dort ist die Polizei aber berüchtigt, Creed warnt den Reporter nachdrücklich, der beim dortigen Ex-Polizeichef und ein paar Außenseitern Unterstützung findet. Er stößt auf ein zurückliegendes Verbrechen, dem der reiche Industrielle van Blake zum Opfer fiel, auf dessen schöne Witwe und jede Menge fragwürdige Zeitgenossen. Die Spesenrechnung heftig überziehend, führt er anspruchsvolle Damen in noble Clubs aus und gerät in Schlägereien. Bald schon sitzt er arg in der Klemme, er wird eines Doppelmordes verdächtigt, vom brutalen Sergeant Lassiter gejagt und die Kugeln fliegen ihm wieder um die Ohren. Aber es gelingt ihm, mit Mut, List und einer großen Portion Glück, ein teuflisches Komplott aufzudecken, dem in Welden und Tampa eine Menge Menschen zum Opfer fielen.
    Am Ende triumphiert er über alle Schurken und kann eine saftige Zeitungsstory schreiben.

    Eine Geschichte, die wirklich mit atemberaubender Geschwindigkeit abläuft. Wo die Polizei über ein Jahr nicht vom Fleck kam, hat Sladen innerhalb eines Tages schon die halbe Miete in der Tasche. Es geht natürlich alles viel zu schnell und zu glatt, red herrings gibt es auf dem Weg zur Wahrheit nicht. Dafür jede Menge schießwütige Gangster, zum Schweigen gebrachte Zeugen, einzementierte Leichen, reizende Ladies, gute korrekte Cops und hässliche korrupte Bullen, sinistre Unterweltgestalten, kauzige Einzelgänger und viel Alkohol. Das Handlungsgerüst erinnert plotmäßig an Die Katze im Sack und ähnliche Titel, falsche Identitäten, opferreiche Vertuschungen und die Hatz nach dem ganz großen Geld inbegriffen. Das Buch ist in einem Rutsch lesbar, kann sich aber dem Eindruck einer offensichtlichen Oberflächlichkeit nicht erwehren, mehr vielleicht als in anderen Werken von Chase. Hauptsache, es knallt irgendwo. Der Held des Geschehens hat diesmal den Vorteil, kein schlechtbezahlter und auf dem letzten Loch pfeifender Privatschnüffler zu sein, sondern der bekannte Reporter eines angesehenen Kriminalmagazins. Das gibt ihm einen gewissen Rückhalt, denn mit der Presse will es sich niemand so ganz verderben. Und er kann großzügige Bestechungsgelder verteilen und noch großartigere Versprechungen für verstockte Zeugen machen. Bemerkenswerterweise siedelt Chase die Stadt Tampa in Florida in der Nähe von San Franzisco an (sowas hat ihm von Kritikern viel Tadel eingebracht). Ansonsten eignen sich die etwa 190 Seiten für einen Interessierten gut dafür, einen Einblick in Chase‘ Form der Privat-Eye-Story zu bekommen, auch wenn es sich, wie erwähnt, um einen Journalisten handelt.

  • James Hadley ChaseDatum06.07.2026 16:18
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema James Hadley Chase

    Keine Versicherung gegen MordTell It To The Birds (1963)

    John Anson ist ein erfolgreicher Versicherungsvertreter, der die Früchte seiner Arbeit jedoch für Weib und Glücksspiel verschleudert. Durch seine Schulden sitzen ihm zwei Buchmacher im Nacken, der brutale Geldeintreiber Sailor Hogan hat ihm schon eine schmerzhafte Warnung verpasst. Da trifft er bei einem Vertretertermin auf die attraktive Meg Barlowe, die offenbar durch und durch unzufriedene Ehefrau eines unscheinbaren Verkäufers für Gartenbedarf, dessen ganze Leidenschaft in seine Gärten fließt. Scheinbar zufällig stößt sie Anson förmlich mit der Nase auf eine Möglichkeit für einen raffinierten Versicherungsschwindel bei dessen Arbeitgeber, wobei Ehemann Fred Barlowe das Zeitliche segnen soll. Unter vollem Körpereinsatz überzeugt die Dame den geldsorgengeplagten Anson, ein Komplott für eine Endsumme von 50.000 Dollar zu entwickeln. Einmal auf die schiefe Bahn geraten, gibt es für den Delinquenten kein Zurück mehr, er erschießt sogar bei einem Tankstellenüberfall einen Polizisten. Doch spielt die femme fatale ein falsches Spiel, denn da gibt es noch einen Mann im Hintergrund… Und Fred Barlowe ist auch nicht ganz so der harmlose Gartenfreund, er hat auch seine Geheimnisse. Ein rücksichtsloser Sexualverbrecher macht plötzlich die Gegend unsicher, die beiden Versicherungsbetrüger wollen jetzt ihm ihr eigenes Verbrechen in die Schuhe schieben. Der Plan scheint erst mal aufzugehen, doch schon längst hat Versicherungsprüfer Maddox seinen besten Mann, Detektiv Steve Harmas, auf die Sache angesetzt. Unerbittlich zieht sich die Schlinge um die Hals der Ganoven immer enger zu, es gibt für sie alle keinen Ausweg…

    Eine kleine gemeine schmutzige Geschichte, typisch J.H. Chase, leider in der der Ullstein-Übersetzung merklich auf nur 140 Seiten Text zusammengekürzt. Wieder mal ein Zoo der Gierigen, Bösartigen, Perversen, ein Suhlen im Schmierigen und im menschlichen Elend. Alle sind Täter und auch Opfer, vor allem ihrer Sucht nach Geld und ihrer oft schon krankhaften Leidenschaften. Letztlich ist es immer auch die Sehnsucht nach Liebe, die alle antreibt und die sie tragischerweise immer bei dem oder der Falschen suchen.
    Alle führen ein Doppelleben und hintergehen sich, nur Steve Harmas, der es als Serienfigur in ein halbes Dutzend Titel von Chase geschafft hat, ist verheiratet und scheint so was wie eine tatsächliche normale bürgerliche Existenz zu führen. Der Plan zur Erschleichung der Summe aus einer Lebensversicherung klingt anfangs ganz gut, doch ist schon eine Menge Glück und Wagnis dabei, viel zu viel, wie man sieht.
    Sympathieträger hat die Story eigentlich keine, allen geht es nur ums Geld, wobei einem Anson oder auch Meg manchmal schon fast leid tun können, so wie sie letztlich von anderen ausgenutzt werden. Fred Barlowe bringt mit seinen perversen Heimlichkeiten zusätzlich eine bizarre Note ein. Steve Harmas leistet tatsächlich auch richtige Detektivarbeit, Reifenspuren werden verglichen, Telefonanrufe zurückverfolgt und Projektile aus zwei Revolvern sichergestellt, die Vergangenheit der Beteiligten durchleuchtet. Im Grunde macht er die Arbeit für den etwas schwerfälligen Polizeileutnant Jenson. Am Ende steht eine geschickt aufgebaute Falle für die betrogenen Betrüger, deren Schicksal unausweichlich besiegelt scheint.

  • Frohe OsternDatum03.04.2026 21:17
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Frohe Ostern

    Vielen Dank. Dir auch.
    Ostern kann man auch ohne viele tolle Filme feiern - einfach mal raus in die Natur gehen, in den Garten, schöne Musik hören, zusammen was tun... und mal gründlich Hausputz machen.
    Aber klar - schöne nostalgische Filme angucken geht auch.

  • Der Frosch mit der Maske (1925)Datum06.03.2026 14:11

    Ein paar Anmerkungen zur Ausgabe von Der Frosch mit der Maske im Coppenrath Verlag, über die an anderer Stelle schon hingewiesen wurde:

    The Fellowship of the Frog wurde ja in den zwanziger Jahren das erste Mal für den Goldmann-Verlag von Alma Johanna Koenig ins Deutsche übertragen. Diese Übersetzung behielt man nach dem Krieg in einer etwas neuartigeren Fassung bei. Leider war der Text von Beginn an mit manchmal recht drastischen Kürzungen versehen, beispielsweise fehlt die gesamte Einleitung. Später gab es auch noch neue, aber ebenfalls nicht vollständige Übersetzungen für den Scherz-Verlag und den Heyne-Verlag.

    Coppenrath hat jetzt die Koenig-Übersetzung als Grundlage für eine vollständige Textfassung nach Wallace‘ Vorlage verwendet, die fehlenden Passagen neu und meistens passabel übersetzt sowie den restlichen Beitrag nochmal strikt modernisiert, mitunter sind die Abweichungen schon größer. Die eingedeutschten Bezeichnungen für Straßen, Herr und Frau in der Anrede und ähnliches wurden wieder „verenglischt“, was ein großer Vorteil ist.
    Es ist schon beachtlich, was bisher so alles gefehlt hatte, größere Passagen wie Vorwort, Maitlands überraschender Besuch in der Oper oder der geheimnisvolle „Besucher“ in Mr. Johnsons Wohnung können da als Beispiel gelten, aber auch sonst sind viele zusätzliche Sätze zu finden. Das Geschehen wird jetzt tatsächlich viel „runder“.
    Die knapp 400 Seiten sind liebevoll und farbig illustriert in einen schönen Einband eingefügt, es gibt ein Dutzend Extra-Einlagen zwischen den Seiten, die sich ebenfalls bebildert auf Ereignisse im Buch beziehen.
    Es wirkt ansprechend und nicht kindisch.
    In der Ausgabe sind auch hier leider die bei Neuauflagen mittlerweile schon obligaten Druckfehler vorhanden, allerdings noch im durchaus verträglichen Maß.
    Das Buch ist nicht billig, aber für Nostalgie-Fans sicher ein Geschenk.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum20.02.2026 21:37

    Bewertung:

    War der erste Teil um die Saga um den Kampf zwischen dem Machredsch einerseits und Kara Ben Nemsis andererseits noch über den Titel Durchs wilde Kurdistan mit dem Orientzyklus Karl Mays verknüpft, so ist der Nachfolger Im Reiche des silbernen Löwen zwar ebenfalls im Namen identisch mit einer späteren Buchreihe des sächsischen Erfolgsschriftstellers, welche allerdings in anderer Zeit und Grundhandlung angesiedelt ist, obwohl dort auch Kara und Halef mitspielen. Außer ein paar Namen soll es überhaupt keine Ähnlichkeit mehr mit der Buchvorlage geben. Was es mit dem „silbernen Löwen“ wohl auf sich hat, bleibt ewig ein Rätsel. Aber darum geht es ja auch nicht bei der Art von Filmen.
    Die Entscheidung, ob nun der erste oder der zweite Teil (die im Fernsehen auch mal für sich alleine gezeigt wurden) besser ist, fällt bei mir je nach Wochentag und Jahreszeit anders aus. Tendenziell aber geht die Vorliebe doch eher in Richtung auf den Silberlöwen.

    Der wie aus dem Nichts auftauchende räuberische Abu Seif, gespielt von Sieghard Rupp, ist eine gelungene Bereicherung, der fast das Zeug hat, dem Machretsch die Show zu stehlen. Schlechte Kerle gibt es auch noch andere, den als die rechte Hand des Machretsch‘ dienenden Durek zum Beispiel, der sich auch aus dem Kurdistan-Film herübergerettet hat und nun die gefangene Ingdscha im Auftrag seines düsterblickenden Herrn und Meisters bewachen soll. „Wir sind hier auf arabischem Gebiet. Hier sagt nur der Mann etwas, die Frau schweigt.“, fasst Durek für heutige Zeiten politisch vollkommen unkorrekt die Verhältnisse im dortigen Ländle zusammen, woran sich seine kratzbürstige Geisel natürlich nicht halten will. Kurz darauf gibt sie ihm bei erstbester Gelegenheit eins über die Rübe und flüchtet, nur um dem um die nächste Ecke kommenden Abu Seif in die Arme zu reiten. Falls es Durek gelingen sollte, ohne sein geklautes Pferd aus der kargen Steppe zu kommen, dürfte er einer der wenigen größeren Schurken sein, die auch mal einen Karl-May-Film überleben, jedenfalls hört man nichts mehr von ihm. Solche Nebendetails fallen einem nur auf, wenn man mal drauf achtet. Bei ihrem Marsch etwa durch die Salzwüste haben Kara und seine Mannen auch noch einen gefangenen Räuber bei sich, der aber nach dem Überfall plötzlich verschwunden ist. Haben die den armen Kerl einfach zurückgelassen, Gauner hin oder her? Wäre gar nicht so edel wie sonst immer.
    Lord Lindsay und sein Butler sind wie immer für ein paar Scherze gut. Der Lord ist immer noch auf der Suche nach der Arche Noah, die er aus irgendwelchen Gründen an der einen oder anderen Stelle dieser wilden Gegend vermutet, seine oder besser gesagt Archies Ausgrabungen führen allerdings zu gar keinem Erfolg. Der arme Dienstbote schwankt zunehmend zwischen Auflehnung und Resignation im Dienste seines spleenigen und stets besserwisserischen Herren, irgendwie machen sich erste Auflösungserscheinungen an seiner britisch-korrekten Fassade bemerkbar. Dagegen harmonieren Kara und Halef immer besser miteinander, der arabische „Beschützer“ seines verehrten Idols macht tatsächlich im Laufe der drei Orient-Filme eine Art Entwicklung durch und erweist sich tatsächlich als nützlicher Gefährte, ein wahrscheinlich eher unbewusster Anklang an Karl Mays Bücher. Außerdem hat ja "Karl, der Sohn des Deutschen" bei seinem langen Marsch in der Fremde auch noch einen richtigen Deutschen Schäferhund an der Seite, fast schon eine Begleitung symbolhaft-mythischen Charakters, die vielleicht mal eines Tages noch irgendein Filmfreund entschlüsseln kann, aber auf jeden Fall ein sehr nützliches und treues Geschöpf.

    Die über hundertjährige Marah Durimeh, die im letzten Orient-Streifen ihren Auftritt gibt, hatte für ihren Schöpfer Karl May offenbar eine größere Bedeutung, sie erscheint immer wieder in den literarischen Orient-Werken und hilft Kara Ben Nemsi mit Weisheit, Güte und Toleranz oft weiter. Ist ihr filmischer Widerpart nun dementsprechend? Um das zu wissen, müsste man die ganzen Orient-Bücher gelesen haben, was bei mir (leider ???) nicht der Fall ist. Aber die Frau im Film sprüht geradezu vor Menschenliebe, Gläubigkeit, Vergebung und Toleranz, ganz im Gegenteil zu Abu Seif etwa, der die einzige Bastion der Christenheit weit und breit am liebsten auch noch islamisieren will. Natürlich geht es ihm aber genauso wie dem Machretsch in erster Linie um den Schatz, der dort bewahrt wird, für seine Bewacher ein hoher ideller Wert, für das Raubgesindel nur eine Menge Gold, Silber und Edelstein. Immerhin beweist der Machretsch als Muselmann doch eine gewisse Bibelfestigkeit, denn der Trick mit den Haustieren, die das Feuer in die Behausungen ihrer Besitzer schleppen, stammt in seinen Grundzügen aus dem Alten Testament. Als letzte Untat schießt er die arme Marah Durimeh noch aus nächster Nähe in den Kopf, nur gut, dass es in den sechziger Jahren noch keinen Splatteranteil in Filmen gab, aber trotzdem richtig brutal. Die Vergeltung lässt nicht lange auf sich warten. Beim Endkampf mit dem verhassten Kara in der Gondel über dem Abgrund hat der Unmensch einmal eine Mütze auf und bei den Nahaufnahmen nicht, das ist wirklich dämlich, aber Mütze hin oder her, beim Abgang nach unten hilft die halt auch nicht viel.
    Zum Schluss dann gibts nochmal viel Positives zu sehen, Freundschaft zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Liebe zwischen Christen und Arabern, genauso märchenhaft schön und wirklichkeitsfern wie die Erlebnisse des großen Helden in den Ländern des roten Mannes auf der anderen Erdseite. Aber man kann ja immerhin mal von einer schöneren Welt träumen, oder?

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum20.02.2026 19:45

    Im Reiche des silbernen Löwen (1965)

    Handlung:

    Teufel noch Mal, da hatte man doch gedacht, dass die rabenschwarze Seele des Machredschs von Mossul nach seinem tiefen Fall jetzt in der untersten Etage der Dschehenna schmachten muss. Dabei hat der Finsterling glatt und unbeschadet überlebt. Nur mit den genreüblichen Gummiknochen ist das alles nicht zu erklären, die anderen Organe müssen auch eine immense Verschleißfestigkeit aufzuweisen gehabt haben.
    Leider hat der Himmelssturz nicht wie bei anderen Betroffenen wie etwa Gandalf oder James Bond zu einer geistigen Neuorientierung oder gar Läuterung geführt, nein, der Machredsch bleibt weiter durch und durch böse und meuchelt erst mal zwei arglose Reisende, die gerade vorbeikommen. Mit deren Sachen macht er sich auf zu neuen Untaten.
    Von all dem wissen die Chaldäer noch nichts, die zu Ehren Kara Ben Nemsis und ihren Gästen und nach all den bestandenen Gefahren des Vorgängerfilms ein großes Fest geben. Hier ist erst mal heftige Menschelei angesagt. Die schöne Ingdscha klimpert beim Tanze ihren Reisegefährten Ahmet el Corda mit ihren Schmachtaugen an, dass es nur so knistert, Kara Ben Nemsi kommt ihr wohl doch etwas zu platonisch vor. Lord Lindsay möchte unbedingt die Geheimnisse des Orients in Gestalt der bezaubernden Dienerin Brenda in aller Tiefe ergründen - ausgelassene Fröhlichkeit allüberall. Mittenhinein platzt allerdings leider ein Kundschafter des Stammes mit schlechter Kunde. Er hat den Räuber Abu Seif und einen vorläufig noch Unbekannten belauscht, die ausgerechnet jetzt den Schatz der christlichen Chaldäer aus dem Berg Nedjir klauen wollen. Und die Leiche des Machredsch‘ ist immer noch nicht gefunden – Kara schwant auch hier Übles.
    Ein neues Abenteuer mit viel Gefangennehmen, Befreien, Kämpfen, Pläne schmieden kann beginnen.

    Bald wird nun zur Gewissheit, dass der Totgeglaubte noch weiterhin sein irdisches Dasein fristet und sich mit dem „Herrn des Säbels“, Abu Seif, verbündet hat. Kara, Halef, Ahmet und Ingdscha werden auf ihrem Weg zur Chaldäerfestung bald auch von Abu Seif in eine Herberge gelockt, überfallen und die junge Prinzessin wird entführt. Die restlichen Gefährten machen sich auf zur Durchquerung einer Salzwüste, auch hier lauern ihnen die Schurken unter Führung des Machredsch auf. Nach einem Schusswechsel ziehen die Angreifer in der Sonnenglut wieder ab, die anderen werden dem Verschmachten überlassen, wie sie glauben. Nicht nur wurde Ahmet verwundet, auch der Führer ist tot, doch der treue Schäferhund Dorjan, der Kara schon die ganze Zeit begleitet, versucht nun, die Zurückgelassenen aus der Todesfalle herauszuführen. Dieser Teil der Erzählung ist meiner Ansicht nach am besten geraten, zumindest sind es diese Bilder, die in Erinnerung bleiben. Glücklicherweise werden die fast Verdursteten von vorüberziehenden Reitern unter Führung von Scheich Zedar gefunden und wieder gesundgepflegt.
    Indes haben Abu Seif und der Machredsch das Problem aller Silberrücken-Schurken. Zwei sind schlichtweg einer zuviel, man misstraut sich heftig, der Machredsch entführt Ingdscha, mit der er ihre Großmutter Marah Duhrimeh, die Hüterin des Chaldäerschatzes, alleine erpressen will. Irgendwann fällt sie dann doch wieder in des Säbelmannes Hände, doch der Machredsch zieht gerade einen schlauen Coup durch. Er wirft sich dem alten Padischah zu Füßen, schiebt alle Schuld der Vergangenheit auf den ungläubigen Allemannen und schwört alle Eide, die dem zweifelnden Oberhaupt der Gläubigen gerade einfallen. Letzterer ist wohl doch ein wankelmütiger Geselle oder er hat einfach einen schlechten Tag, jedenfalls kann der Machredsch jetzt wieder in vollen Amt und Würden und blitzblanker neuer Uniform an der Spitze einer Reiterschar Soldaten von dannen reiten. „Nur wer die Tiefe kennt, weiß die Höhe zu schätzen.“, gibt der alte weise Gebieter dem in jeder Hinsicht gefallenen Manne noch mit auf den Weg, aber bei dem sind ja solche Reden komplett verschwendet ! Seine Handlung ist es nun, seinen Erzfeind Kara Ben Nemsi von Zedar ausliefern lassen und zum Padischah zurück zu schleppen. Kara ist böse in der Klemme, aber ein Gottesurteil, das Allah, der Unfehlbare, zugunsten des deutschen Musterhelden ausfallen lässt, bringt wieder eine Wende, die alten Verhältnisse von Gut und Böse sind wiederhergestellt. Kara darf jetzt wieder offiziell seinen ewigen Widersacher jagen.
    Wie man sieht, das übliche Her und Hin. Lord Lindsay und Archie trotteln sich auch immer mal durch die Szenerie, stoßen aber am Ende nach vielen herrlichen Abenteuern zu den Guten. Abu Seifs erste Attacke auf den heiligen Berg der Christen geht daneben und er selber muss den Löffel abgeben, doch die geschlagenen Überreste seiner Banditen verbünden sich erneut mit dem Machredsch, der sie jetzt zusammen mit seinen Truppen zum Zielort der Wünsche zurückführt. Mit List und Tücke versucht er noch einen brutalen Angriff auf Marah Durimehs Felsenburg, doch glücklicherweise ist noch rechtzeitig die kluge Schmetterhand aufgetaucht und erweist sich als guter Stratege, so dass der Oberschurke wieder alleine um sein Leben flüchten muss. Noch ein Zweikampf der Giganten schließt das Abenteuer ab, diesmal stürzt der Bösewicht so unglücklich, dass ihm die Gummiknochen nichts mehr helfen können – ein wohlverdientes Ende. Nach ein paar schönen und rührseligen Worten und Verabschiedungen ist auch diese Geschichte ausgestanden.

    Fortsetzung folgt

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum19.02.2026 11:34

    Durchs wilde Kurdistan (1965)

    Handlung:

    Kara Ben Nemsi macht nochmal kurz Zwischenstopp beim Padischah, dem großen und gütigen Herrscher aller Rechtgläubigen in diesem Teil der Welt. Er bekommt viel Lob für seinen Sieg über den bösen Schut und gleich mit eine wohlgeformte Tänzerin als zusätzliches Reisegepäck zugeteilt. Kara, der feinfühlige Diplomat, verschiebt die Mitnahme seines delikaten Präsents auf den nächsten Besuch, doch eine andere Schöne in Gestalt von Ingdscha, der Tochter eines Chaldäerführers, bekundet ebenfalls Interesse am hübschen blonden Mannsbild. Aber der begibt sich erst mal weiter alleine durchs Wüstenland zu seinem Freund Halef, bevor es endgültig zurück in die alte Heimat gehen soll. Leider hat sich gerade Schlimmes ereignet. Ahmet el Corda, der Sohn des Scheichs von Halefs Stamm der Haddhedin und altem Freund von Kara, wurde bei einer Auseinandersetzung um eine Wasserstelle vom türkischen Machredsch von Mossul gefangengenommen und soll bald hingerichtet werden. Da muss der große Allemanne eben seine Heimfahrt nochmal verschieben und sich ins nächste Abenteuer stürzen. Mit einem Sohn seines erschossenen Hengstes Rih unter dem Hintern und seinem Kumpel Halef an der Seite geht es los. Mohammed Emin, der Vater Ahmets, kommt mit.
    Sie begegnen recht ungeschickten Jesiden, die sie unbegreiflich mühelos übertölpeln können, und nochmal taucht ein alter Freund vom Kara auf, der Chef des Stammes. Man erfährt, dass auch der im Clinch mit dem ungehobelten Machredsch liegen. Dieser will ungesetzlicherweise viel zu viel Steuern für die eigene Tasche abpressen und bei erfolgter Verweigerung am besten den ganzen Stamm mit Kanonen zusammenschießen. Glücklicherweise platzen die beiden ulkigen Briten Lord Lindsay und Butler Archie in die Vorbereitungen, werden gefangengenommen, versuchen sich zu befreien und können immerhin ungewollt Kara und die Seinen vorm bevorstehenden Angriff warnen. Die Kanonen wechseln bei einem Überfall die Besitzer, und der eigentliche Angriff des Machredschs gerät unter Kara Ben Nemsis weiser und tapferer Führung zum Fiasko für die Türken. Wutschnaubend zieht der Machredsch von dannen und lässt sich von seinem fiesen Mitstreiter Durek überreden, lieber nicht zum Padischah zurückzukehren und fürderhin von inoffiziellem Raub und Mord zu leben. Da wird erst mal wieder eine Reisegesellschaft überfallen, die Engländer werden wieder mal überwältigt und tun sich mit Ingdscha und ihrer Dienerin zusammen, die zufällig auch grade alle vorbeikamen… usw. Die Abfolge von Gefangennahmen, Befreiungen, Überfällen und Wiedergefangennahmen ist schon beachtlich, einen roten Faden hierbei im Gedächtnis zu behalten gar nicht so einfach. Jedenfalls treffen die drei hauptsächlichen Helden irgendwann in Borusco ein, wo el Corda im berüchtigten Gefängnis sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Kara schleicht sich in das Vertrauen des von Werner Peters drollig gespielten Mütesselins ein, so eine Art örtlicher Polizeipräfekt. Der Bursche scheint sich nicht alle Weisungen des Propheten zu Herzen zu nehmen, seine maßlose Trunksucht aber ermöglicht es den Verschwörern, Zugang zu Ahmet zu finden und ihn letztlich auch buchstäblich schon mit dem Strick um den Hals aus den Klauen der Türken zu befreien. Die sich auch hier wieder unglaublich dämlich anstellen, wie konnten die wohl ein so großes Reich erobern, wenn sie sich von nur drei beherzten Burschen ihren wichtigen Gefangenen vom Schafott weg entführen lassen?
    Ach ja, vorher mussten auch Mohammed, Halef und ihr Anführer nochmal kurz eine Falle des abtrünnigen Machredsch überstehen, ein Wirrwar, das nun nicht besser wird, denn nach ihrer Flucht zu den Chaldäern werden sie auch hier auf perfides Betreiben des abgesetzten Machredsch gefangengesetzt, vor Gericht gestellt und blicken schon wieder auf die Henkerschlingen eines Galgens. Gottseidank kommt nun wieder im letzten Moment die smarte Ingdscha angeritten, die sich auch zusammen mit Dienerin, Lord und Butler aus einer x-ten Gefangenschaft befreit hatte. Der Machredsch ist nun selber in der Klemme und wird von Kara bei einem wilden Faustkampf einen Felsen hinuntergeworfen. Ob das nun das Ende ist?


    Bewertung:

    Der Orient will den guten Kara Ben Nemsi einfach nicht gehen lassen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass sich kaum nach Erledigung des superschurkischen Schut schon wieder ein neuer Übeltäter findet, der es im Laufe der Zeit durchaus schaffen kann, in die Fußstapfen des „Gelben“ treten zu können. Die beiden Antipoden Kara Ben Nemsi und Machredsch von Mossul treffen denn ein erstes Mal aufeinander, es steht fest, das Großosmanische Reich ist zu klein für alle beide. Hinterhältigerweise kann sich der Bösewicht diesmal lange Zeit noch auf seine Uniform eines hochrangigen Befehlshabers der türkischen Armee berufen, um seine Ziele zu erreichen. (Der Jugoslawe Djordje Nenadović mit dem vornehmer klingenden Pseudonym George Heston gibt einen ganz passabel auftretenden Hauptgegner ab). Kara Ben Nemsi versucht es erst mal mit so einer Art Schadensbegrenzung, nachdem man in einem doch ziemlich brutalen Massaker einen Teil der Soldaten des macht- und geldgierigen Offiziers hingemetzelt hatte. Natürlich vergeblich, der schlechte Kerl wird jetzt auch noch von Rachsucht angetrieben und versucht immer wieder, seinen Feinden eins auszuwischen. Damit vergeht eigentlich, wie schon weiter oben beschrieben, die Handlung des Films. Gefangennehmen, Befreien, Freunde treffen, ein paar Menschen umbringen, … dann alles wieder von vorne. Der eigentliche Zweck von Karas Mission wird zwischendurch auch noch abgehandelt und Ahmed el Corda befreit, bald darauf muss dessen Erzeuger bei einem Überfall ins Gras (oder besser Sand) beißen, so dass wieder ein Trio unterwegs ist.
    Die Tölpelhaftigkeit vieler gegnerischer Krieger und Soldaten ist wirklich auffällig. Und der britannische Lord mit seinem Getreuen ist wieder unterwegs und sorgt für einige Lacher. Der liebe Herrgott scheint die beiden Faxenmacher auch besonders zu lieben, so oft, wie sie allerlei Überfälle und Gefangennahmen ohne einen Kratzer überleben. Und immer die rechte Haltung bewahren. Diesmal allerdings hat man es doch zu weit getrieben. Das anachronistische Grammophon im Gepäck wurde ja schon mal weiter oben im Threat erwähnt, ebenso das anfängliche Auftreten der beiden Helden im Schottenrock, wobei sie doch stets als „Engländer“ bezeichnet werden. Darüber kann man sicher getrost wegsehen. Aber die Mary-Poppins-Zaubertasche, die die beiden mit sich führen, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man einen eigentlich gelungenen Running Gag totreiten kann. Natürlich weiß jeder, dass nicht alles in die Tasche passen kann, was da so im Laufe der Zeit herausgeholt wird, doch in einem verträglichen Rahmen sorgt so ein harmloser Nonsens eben doch für ein paar wohlwollende Schmunzler. Wenn aber dann ein kompletter Heißluftballon einschließlich Gondel, Sandsäcken und sonstigem Zubehör ausgepackt wird, ist das einfach nur kompletter Blödsinn. Mit einem Blasebalg wird dann schnell noch das ganze Ding aufgepustet, los geht’s… Hätte man sich nun wirklich schenken können, die sehr billig wirkenden Trickaufnahmen machen den Quatsch auch nicht besser.
    Positiv dagegen ist hier das Zusammenspiel zwischen Barker und Ralf Wolter als „Siddhi“ und „Beschützer“. Die Stimmung zwischen beiden ist nicht so gereizt wie beim Schut, sondern viel harmonischer, Kara ist einiges gelassener, und Halef macht nicht ganz so viel Unsinn. Dessen hochgewachsene Frau Hanneh und eine ausgelassene Kinderschar kann man anfangs auch bestaunen, es gibt noch ein Leben für den Wüstensohn abseits seines bewunderten Freundes. Apropos „Wüstensohn“, eigentlich stammt der literarische Halef ja aus Afrika, trotzdem ist er dann schnell im weit entfernten Kurdistan, irgendwie seltsam.
    Die Ingdscha, die den Shatterhand-Kara-Kämpfer mit einem schnellen Ritt vor der Hinrichtung bei ihren eigenen Leuten bewahren will, dürfte für die Schauspielerin Marie Versini ein Deja-vu-Erlebnis aus einer ähnlichen Szene beim ersten Winnetou-Teil sein.
    Rosenbergers Filmmusik ist auch so was, was man unter „Geschmackssache“ verbuchen kann. Dass in Spanien gedreht wurde, kommt der Authentizität der Landschaft durchaus zupass.
    Der Film an sich ist ganz unterhaltsam, aber meiner Ansicht nach kein Vergleich zu den meisten Winnetou-Streifen.

  • Eddi ArentDatum13.02.2026 20:29
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Eddi Arent

    Sehr schön.
    Der Eddi hat den Blacky ja gar nicht zu Wort kommen lassen.
    Den Film, auf den sich die beiden am Anfang bezogen haben, hab ich vor kurzem erst mal wieder gesehen...

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum09.02.2026 16:38

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
    Die Logiklöcher stören mich bei dieser Art Film zum Beispiel gar nicht. Solange es zügig erzählt ist, man markanten Schauspielern zuschaut und es Schauwerte gibt, denke ich nicht mehr als nötig über die Handlung nach.

    Ja, das braune Pferd zum Schluss ist auch so ein Ding. Ich muss sagen, dass mich diese ganzen extrem offensichtlichen Fehler schon als Kind mächtig gestört haben, obwohl ich da nun wesentlich unkritischer war.
    Irgendwie lässt man sich ja auf die im Grunde gut gemachte Illusion des Filmes ein, und dann führen einen im Prinzip solche Schnitzer in die Wirklichkeit zurück...
    Zitat von Savini im Beitrag #3
    Ebenso wie beim Azteken-Zweiteiler lassen sich der "Schut" und seine beiden Nachfolger (deren Handlung offenbar nur kurze Zeit danach spielt) damit auf ein konkretes Jahr datieren, in diesem Fall 1869. Einerseits bedeutet das, dass zumindest "Winnetou I" (und "Old Firehand" klar davor eingeordnet werden müssen; andererseits ist Lindsays Grammophon dadurch natürlich ein fetter Anachronismus.

    Ja, wohl wahr. Kann sich zu dem Teddy in Winnetou 2 gesellen. Wobei dort die gezeigte recht professionelle Ölproduktion in dem bezeichneten Gebiet der nördlichen-mittleren Staaten der USA auch schon geschichtlich gesehen recht dünnes Eis sein dürfte.
    Generell denke ich mal, dass viele Waffen zu der Zeit, gerade im Orient bei den dort wohnenden Stämmen, noch Vorderlader waren, Halefs alter Prügel mit Sicherheit (und auch Shatterhands/Karas Bärentöter). Man sieht sie aber nie beim Nachladen von vorne Kugeln stopfen, wenn überhaupt, hantieren sie mit Patronen herum. Die in der Form von Metallhülsen auch noch recht selten waren. Das findet man aber häufig in Filmen.

  • Licht und Schatten Mainstream TVDatum06.02.2026 14:22

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #148
    Schon da hat sich das Bild einer vermeintlichen "Mehrheit" verfestigt, am Ende waren es bei den Demos zu Spitzenzeiten zwar immerhin auch mal 20.000 Leute, aber selbst im Vergleich zu so etwas wie den Bauernprotesten war die Beteiligung gering. Im Vergleich zu einer wirklich großen Mehrheitsbewegung wie den Demos zur "Brandmauer" dann sogar marginal.

    Du willst hier ernsthaft behaupten, die "Mehrheitsbewegung gegen die Brandmauer" hätte mehr Leute auf die Beine gebracht als die Corona-Demos? Mit Verlaub, aber das ist schon eine sehr steile These. Ich habe von so einer Bewegung noch nie was gehört, was nun aber nichts heißen will, da ich aus einer ganz anderen "Blase" komme.
    Ich wohne in einer nach außen hin sehr linksgrün dominierten Gegend, aber letztlich bleiben die dauernden Demos der Linken definitiv hinter der Masse der Leute zur Corona-Zeit zurück, es sei denn, sie werden massenweise mit Bussen von sonst woher herangekarrt. Eigene Anschauung hilft hier mal deutlich, irgendwelche Propaganda von welcher Seite auch immer als solche zu erkennen.

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #148
    ...die im Interesse bestimmter Parteien, Interessensgruppen oder Nationen wie Russland, den USA, China oder sonstwem die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen wollen.

    Das mag nun alles sein oder auch nicht. Versuchte Einflussnahme auf die alternativen Medien über ausländische Geldgeber ist mit Sicherheit gegeben. Das würde ich gar nicht abstreiten. Fakt ist aber auch, dass unsere Staatsmedien (als die betrachte ich die ÖR) schon lange Zeit durch die ständigen Verflechtungen in der sogenannten Atlantikbrücke im Sinne der angelsächsischen Mächte beeinflusst werden. Ebenso, wie die großen Medienkonzerne Springer, Bertelsmann, Burda usw. Hier eine Unabhängigkeit in der Berichterstattung zu sehen, ist auch fragwürdig, die gab es in dem Sinne noch nie.

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #148
    Gibt es keine zweite Quelle, kann in vielen Fällen (erst einmal) zu bestimmten Themen von seriösen (!) Medien keine Berichterstattung erfolgen oder eben nur mit Einschränkungen.

    Wenn ich schon "seriöse" Medien lese. Es gibt interessante Literatur von Insidern dazu, wie es in der "seriösen" Medienwelt mittlerweile zugeht und wie weit man sich von Standards entfernt hat, die es da früher mal gab. Alleine der Rechercheaufwand wird auf Minimum runtergefahren, es werden nur die vorgefertigten Texte von Organisationen, Politikern oder was auch immer übernommen. Deswegen klingt auch alles gleich, was du so zu lesen oder zu hören kriegst. Mal abgesehen davon, dass auch die Nachrichten im ÖR gerne mal auf Bilder oder Filme zurückgreifen, die es schon vor zwei Jahren gab. Hauptsache irgendwo brennt ein Auto, und schon hat man Bilder über den Aufstand im Lande Irgendwo.
    Das Wort "seriös" ist sehr schwammig und lässt sich meiner Ansicht nach für einige (nicht für alle) alternative Medien wesentlich besser anwenden als die Mainstream-Medien. Ansichtssache.

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #148
    damit die veröffentlichte der (angenommenen) "öffentlichen Meinung" entspricht?

    Immer wieder die "öffentliche Meinung". Was ist das überhaupt und wie entsteht die? Schon vor hundert Jahren haben sehr einflussreiche Propagandisten wie Lippmann oder Bernays darüber geschrieben, wie man "die öffentliche Meinung" im Sinne einer "gelenkten Demokratie" über die Medienmacht beeinflussen kann. Selbstverständlich war bisher genug Zeit, die Dinge noch zu verfeinern und durch die technischen Möglichkeiten ist es auch leichter geworden.
    Man sollte sich bei allem fragen, ob es tatsächlich die eigene Meinung ist, die da im Kopf ist, worauf die Meinung beruht und wie vertrauenswürdig die Quellen sind und mit eigenem Erleben deckt. Das ist natürlich unbequem und anstrengend. Irgendwas zu glauben ist dagegen leicht.

    Ja, und da wir die Zeit des Nationalsozialismus ständig aufs Brot geschmiert kriegen, die Mehrheit hat ja nun offenbar an das geglaubt, was "von oben" vorgegeben wurde - wie so oft-, und lag falsch damit. Noch weiter zurück haben die Leute an Hexen, Fegefeuer und ähnliche Dinge geglaubt, die ihnen sehr medienwirksam von der Kirche präsentiert wurden, und wir tollen aufgeklärten Jetztzeitler machen uns darüber lustig.
    Was die "gelenkte" Mehrheit denkt, muss also nicht unbedingt richtig sein. Das war früher so, ist heute so, und wird auch in Zukunft so sein. Jedenfalls ist es sicher kein KO-Kriterium.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum03.02.2026 15:24

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Gerrard Barray taucht als nichtsnutziger Sohn Graf Alfonso eines reichen Adligen auf, seine rücksichtslose und fast noch verderbtere Geliebte Josefa Cortejo wird von Michèle Girardon gespielt.Nicht nur "fast", da sie im ersten Teil durch Verstellen der Uhr und Fälschen eines Briefes dafür sorgt, dass Graf Fernando sich anstelle seines Sohnes duelliert und dabei tödlich verwundet wird. Die Verachtung, die Sternau und der Diener Alfonso danach entgegenbringen, trifft diesen also zumindest teilweise unverdient. Eigentlich fast überraschend, wenn man bedenkt, wie s/w die Karl-May-Filme ansonsten sind.

    Dieses Handlungselement ist aus der Romanvorlage entnommen. Josepha verhindert das Duell, an dem Alfonso teilnehmen soll, weil sie in ihn verliebt ist. Das Gefühlsmäßige bleibt allerdings eine einseitige Sache, Karl May formuliert es sogar so in die Richtung, dass Josepha als verschmähtes Weib so extrem bösartig geworden ist, andernfalls sie sich doch eher der guten Seite zugewandt hätte. Im Buch gibt es dann ein Degenduell, wobei der alte Graf schwer verletzt wird und später aufgrund von Cortejos Ränken in eine Art Scheintod versetzt wird. Alfonso ist tatsächlich nicht sein richtiger Sohn, sondern der von Cortejo mit einer seiner Geliebten, der dann dem Adelsgeschlecht untergeschoben wurde, der richtige Sohn sollte eigentlich beseitigt werden, ist aber irgendwie bei einer Räuberbande aufgezogen worden...
    Ich muss sagen, ich habe richtig Lust bekommen, den Waldröschen-Zyklus mal wieder in Angriff zu nehmen. Leider ist es zu viel Lesezeit. Auch als Hörbuch für lange Autofahrten - das reicht noch für alle Urlaube bis zur Rente... Schade, mal sehen.

    Zitat von Savini im Beitrag #7
    Eigentlich hätte man auf diese Figur im Film auch völlig verzichten können, da sie zur Handlung nichts beiträgt. Ob Cortejos Part in einer früheren Drehbuchversion noch größer war?
    Interessanterweise scheint man sich hier nicht nicht entschieden zu haben, ob nun Verdoja, Don Alfonso oder Josefa die Rolle des Hauptbösewichts spielt. Ich würde zu Letzterer tendieren, da sowohl die beiden anderen Figuren als auch Bazaine ja über weite Strecken von ihr manipuliert und beeinflusst werden.

    Pablo Cortejo ist der aktive Hauptbösewicht der Kolportageromanreihe, der sozusagen als Oberintrigant hinter allem steckt. Sein Part im Film wirkt irgendwie so, als hätte man ein schlechtes Gewissen gehabt, ihn ganz wegzulassen und ihm dann doch noch einen kleinen und überflüssigen Platz eingeräumt.

    Zitat von Count Villain im Beitrag #8
    Zitat von Savini im Beitrag #5Jedenfalls waren auch diesmal die Abgänge von Alfonso sowie Verdoja und den Chchimeks wieder absolute Lachnummern.Ich habe mir das Finale jetzt auch mal angeschaut und dachte, ich wäre im Schlefaz.

    So schlecht finde ich das Ende der Bösewichter gar nicht, im Gegenteil, finde es sogar recht gut gemacht.
    Ich muss sagen, dass mir die Mexiko-Filme sogar besser als die Orient-Filme von Brauner gefallen.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum26.01.2026 13:31

    Bewertung:

    Von diesem Waldröschen-Mammutwerk von Mays Sturm-und-Drang-Zeit hat tatsächlich einiges Eingang gefunden in die beiden Mexiko-Filme der sechziger Jahre. Man hat wohl aus den ersten beiden Bänden, die später bearbeitet als Schloss Rodriganda und Die Pyramide des Sonnengottes verkauft wurden und Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts spielen, die hauptsächlichen Elemente übernommen und in der Zeit der späteren Mexiko-Episoden angesiedelt, einschließlich der dortigen Grundzüge um den Kampf von Juarez um die Unabhängigkeit des Landes von den Franzosen. Dr. Sternau ist gleich von Anfang an mit dabei, wobei er literarisch erst etwas später nach einigem Vorgeplänkel in Europa zu den Abenteuern der Helden in Mittelamerika dazustößt. Auf alle Fälle ist Alfonsos Liebesheuchelei zu Karja Bestandteil der Literaturvorlage, ebenso das Duell des alten Rodriganda mit (Schein-) Tod und Enterbung. Die Befreiung der zwei Frauen aus den Fängen feindlicher Indianer ist auch im Roman zu finden. Ebenso tritt Hauptmann Verdoja auf, ein übler Haudegen und Gehilfe der Cortejos, wenngleich kein Hauptschurke wie im Film. Er wird aus Juarez‘ Diensten ausgestoßen, verschleppt auch die Helden der Story in „seine“ Pyramide, wo er mit den entführten Frauen schlimme Dinge vorhat. Sternau kann ihn, ähnlich wie im Film, auf seiner Flucht ernsthaft am Auge verletzen. Auch einige andere Personen treten literarisch in ähnlicher Weise wie auf der Leinwand auf, etwa der Haciendabesitzer Don Pedro und seine Tochter, die aber Emma (wie Mays erste Frau) und nicht Rosita heißt. Frank Wilson, genannt Donnerpfeil, heißt in den Büchern Anton Helmers, neben Sternau eine positive Hauptfigur, der dann auch die Emma-Roswitha abkriegt, nachdem er lange Zeit im Delirium verbracht hat. Erwähnenswert ist vielleicht noch die weibliche Schurkenrolle Josefa. Sie ist in den Texten die Tochter des Hauptbösewichts Pablo Cortejo, der im zweiten Film ja einen nur nebensächlichen und unmotivierten Auftritt hat. Im Buch schlägt zwar ein durchaus leidenschaftliches Herz in Josefas Körper, dieser ist aber nach seinen Beschreibungen wenig dazu geeignet, die Männer reihenweise um den Verstand zu bringen. Somit verschmelzen in der Filmfigur offenbar andere Frauengestalten der Vorlage, obwohl sie die Bösartigkeit des Originals „geerbt“ hat.

    Wie man sieht, gibt es bei diesen Filmen mehr Übereinstimmungen mit Karl Mays geistigen Ergüssen als bei den meisten Winnetou-Streifen. Trotzdem ist ihnen der große Erfolg versagt geblieben.
    Dabei beginnt das Ganze recht vielversprechend. Die Handlungsorte sind abwechslungsreich, die Schauspieler gut, die Kostümierung sorgfältig. Generell ist erfreulich viel Farbe zusehen. Die Filmmusik kann sich hören lassen, besonders das „Schatzthema“ klingt sehr einprägsam. Auch die zunehmend dramatischer werdende Handlung um den labilen und egoistischen Alfonso weiß zu gefallen. Immerhin treten drei historisch verbürgte Charaktere auf, Lincoln, Juarez und Bazaine, welche ihren historischen Vorbildern vom Aussehen her sogar sorgfältig nachgemacht sind. Aber für viele dürfte wohl der Woltersche Andreas Hasenpfeffer zuviel des Guten sein, eine Figur, die zur Entwicklung heftiger Vorurteile gegen die schwäbische Minderheit sorgen könnte. Wenn man die Gegend ums schöne Plochingen am Neckarstrand mal bereist, wird man erleichtert feststellen, dass die dortigen Bewohner keinesfalls hinter jedem Buch arglosen Reisenden auflauern, um ihnen penetrant schwäbelnd Schwarzwälder Kuckucksuhren aufzuschwatzen. Wobei man sich die Frage stellen muss, warum nun ein Kuckucksuhrenvertreter sein Glück ausgerechnet im bitterarmen, von Bürgerkrieg und Gesetzlosigkeit heimgesuchten Mexiko versucht. Hat der Plochinger Schachverein etwa mit finsteren Hintergedanken die Honoratioren der friedlichen Stadt bestochen, ihr etwas nervtötendes Mitglied auf diese weite und gefahrvolle Reise mit wenig Erfolgsaussichten zu schicken? Man weiß es nicht. Der Gerechtigkeit halber muss aber erwähnt werden, dass Hasenpfeffer ein treuer und wackerer Kamerad ist, welcher dem fast übermenschlichen Doktor-Heroen wirklich auch aus der Patsche hilft, wenn es erforderlich ist. Der Lex-Barker-Supermann namens Sternau ist wieder mal mutig-männlich bis zum Abwinken, mit einer etwas überheblichen Attitüde. Ein Allrounder, unverschlissen im Dauerfaustkampf mit seinem fiesen mexikanischen Gegner in Uniform. Urzeitliche Aztekentechnologie ist ihm wohlvertraut, er drückt nur ein paar Knöpfchen und ist schon wieder draußen aus der verwinkelten Pyramide, in welchem er von Verdoja samt seinen Gefährten für die Ewigkeit zurückgelassen werden sollte.
    Man merkt deutlich, dass einige Szenen im Atelier entstanden sind. Das wirkt fast schon surrealistisch, ist aber mengenmäßig zu geballt. Das schlechte Wetter in der schnöden Realität soll daran schuld gewesen sein. Die aus Dokumentarmaterial eingestreuten Pyramiden-Bilder sind in Wirklichkeit Maya-Bauwerke, aber wer kennt schon den Unterschied? Im Original geht es schließlich auch um einen Goldschatz der Miztecas, doch dieses Volk des alten Mexiko dürfte sich allgemeiner Unkenntnis erfreuen, im Gegensatz zu den viel bekannteren Azteken mit ihrem dramatischen Schicksal. Weswegen der erste Film wohl auch Der Schatz der Azteken heißt. Aber es wurde auch innen und außen eine Kulisse für Verdojas Privatpyramide errichtet. Ebenso die Schatzhöhle, die final mit etwas missglückt aussehender Lava geflutet wurde.

    Ein Manko sind mit Sicherheit die schluderigen Kampfszenen. Wie es die revolverschwingenden Helden trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder ohne eigene Verluste schaffen, Gefangene aus den Händen grimmiger Indianer, Franzosen oder sonstiger Übeltäter zu befreien, das grenzt schon an mehr als ein Wunder. Nur erklärbar durch die absolute Tölpelhaftigkeit ihrer Gegner, die schon massenhaft alleine ohne fremdes Zutun vom Pferd fallen oder über ihre Füße stolpern. Nur die letzte Schlacht von Potocas Mannen gegen die Desperados im zweiten Film ist einigermaßen gelungen, sogar ein Pferd stürzt kopfüber in einen Fluss (ich hoffe sehr, das arme Tier hat keinen Schaden genommen).
    Entscheidender Makel der beiden Filme, besonders des zweiten, ist die wirre Handlungsfolge. Beginnt der erste Teil noch einigermaßen stringend, zerfasert sich das Geschehen bald in kaum mehr zusammenhängende Schlaglichter. Überfälle auf die Hacienda, Schießereien, Gefangennehmen und Befreien, immer mal Alfonsos falsches Werben um Karjas Gunst, das sind so die Elemente. Um den Schatz wird viel Tamtam gemacht, er spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Ganz zum Schluss entsinnt man sich seiner wieder, er ist dann noch für die langerwartete Abrechnung mit den Bösewichtern gut.
    Von der Skandalosität von Mays Kolportageschrift ist nichts mehr zu erahnen, zwar verfrachtet der brünftige Verdoja die keusche Roswita in seine dunklen Pyramidengänge, wo er das holde Kind sogar vor den Augen ihres Liebsten schänden will, stellt sich dabei aber so dämlich an, dass der festgekettete Nebenbuhler vorher schon in Ohnmacht fällt, worauf der dem Wolllüstling gewaltig den Spaß verdirbt. Auch das kurz darauf erfolgende unsanfte Ende der tobenden Josefa in einer stacheligen Foltervorrichtung der Azteken kommt in seiner Machart mehr als zahm herüber und raubt keiner zartbesaiteten Seele den Schlaf.
    Der Zuschauer kann durchaus den Eindruck gewinnen, die Hazienda, die Schatzhöhle, die Sonnenpyramide und die Hauptstadt liegen nur jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt, so oft wie der Schauplatz gewechselt wird und die Figuren mal hier und mal da grad auftauchen. Was natürlich Unsinn ist. Das ist sehr schade, man hätte mit mehr Sorgfalt richtig was aus dem Stoff herausholen können.

    So bleibt eben leider nur bestenfalls Mittelmaß, das man um seiner Sache als exotisch angehauchter Karl-May-Film selbst schätzen kann, viel Aktion und bunte Kulisse, aber wenig sinnvolle Handlung und oft eher unfreiwilliger Humor.
    Bemerkenswerterweise hat auch die DDR nach dem Aufheben ihres Banns über den sächsischen Erfolgsautoren einen Zweiteiler Präriejäger in Mexiko drehen lassen, der sich offenbar wesentlich näher am Originalstoff orientiert hat und keinen Goldschatz-Bezug mehr hat, dafür mehr den Freiheitskampf der Mexikaner thematisiert. Karl-May-Wiki vermeint große Gemeinsamkeiten mit dem zweiten Siodmak-Film zu erkennen, was mir schwergefallen ist.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum23.01.2026 18:41

    Die Pyramide des Sonnengottes

    Der bewusstlose Dr. Sternau wird von der Indianerin Karja unter kritischer Aufsicht des Oberschatzhüters Flathouani gepflegt und irgendwann wieder „ausgesetzt“. Prompt wird er von den Chichimeks wieder gefangengenommen, von seinen Kumpels wieder befreit und auf die Hacienda gebracht. Auch hier gibt es keine Ruhe. Verdoja, mittlerweile aus Juarez‘ Diensten verstoßen und nun im Solde Bazains, überfällt mit seiner Bande die Besitzung, wobei er allerdings festgenommen wird, bald darauf wieder befreit von Josefa Cortejo, deren unstillbarer Appetit nach Mann und Macht nun auch den rüden Gesellen erreicht hat. Ein ewiges Hin und Her.
    Noch ein Versuch, die Hacienda zu kapern, verläuft erfolgreicher. Währenddessen ist Alfonso endlich erfolgreich, er hat Karja das Mysterium entlockt, wie er zum Aztekenschatz kommen kann. Sie entkommt ihm mit knapper Not, nachdem er ihr seine eigentliche, finstere Seele enthüllt hat.
    Verdoja hat sich mit den Chichimek verbündet und sein Hauptquartier in einer alten Pyramide aufgeschlagen. Dorthin verschleppt er die überfallenen Freunde nun, denen er ein schlimmes Schicksal zugedacht hat. Roswita will er sich gefügig machen, doch kommt ihm nun wieder Josefa dazwischen, die daraufhin eine unsanfte Begegnung mit alter Aztekentechnologie bekommt. Viel Geschrei und Hasterei, Leutnant Potoca und seine Leute stellen die Banditen in einer wilden Schießerei, während Verdoja und die Indianer dem unzuverlässigen Alfonso folgen. Der trifft nochmal auf seine schmählich getäuschte Karja, es wird dramatisch. Nun kommen auch noch die Banditen. Wie immer bei Karl May, so bringt das Gold die Übeltäter schier um den Verstand, als dann auch noch die Lava in die Schatzkammer ausbricht, weiß der Zuschauer endgültig, dass das Böse auch diesmal wieder nicht gesiegt hat.


    Literaturvorlage

    Was dem zwanzigsten Jahrhundert das Groschenheft, das war dem 19. Jahrhundert der Kolportageroman. Als Schund gebrandmarkte Schriften, die meist in langen Fortsetzungen liefen und wöchentlich geliefert wurden. Die Literaturkritik rümpfte die Nase darüber, galt es doch nur als sensationelle Unterhaltung für die niederen Klassen. Was ihrer Popularität selbstredend keinen Abbruch tat.
    Karl May hat in seiner früheren Phase in rascher Folge unter einem Pseudonym ebenfalls einige Kolportageromane verfasst, am bekanntesten und weitaus erfolgreichsten wurde aber der Anfang der achtziger Jahre geschriebene allererste derartige Zyklus um das Waldröschen. Das klingt wie Heimatschnulze, ist aber eine „Rächerjagd rund um die Erde“, mit insgesamt je nach Druckbild und Ausgabe 2500 bis über 3000 Seiten, zusammengefasst in fünf oder sechs Bände. Hier tritt eine Unzahl von handelnden Personen auf, die sogar über Jahrzehnte miteinander oder besser gegeneinander agieren. Zentrales Thema, das sich in allerlei Nebenhandlungen verästelt, ist die Fehde der Familie Cortejo gegen die vornehme Sippe der Rodriganda. Es gibt Unmengen von Intrigen, falschen Identitäten, untergeschobenen Kindern, Verbrechen und Kämpfe, wobei der Schauplatz wechselt von Mexiko, Spanien, Deutschland, aber auch nach Afrika und auf eine einsame Insel in die Südsee, wo die Helden der Geschichte erst mal für sechzehn Jahre festgesetzt sind.
    Berüchtigt wurde das Werk einerseits wegen der zahlreichen mitunter rohen Gewaltdarstellungen, es soll wohl nach einer Untersuchung über 2600 Getötete geben, daneben sehr viele Fälle von Misshandlungen und Verletzungen. Diese Zahlen sind mit Sicherheit maßlos übertrieben, doch tatsächlich gibt es viele Beispiele für Grausamkeiten, Folter und Verstümmelung. Zum anderen vermeinte man dem Buch eine Sammlung von „Schlüpfrigkeiten“ nachzuweisen. Lüsterne Unholde dringen in die Schlafgemächer von leicht- oder auch mal ganz unbekleideten Schönheiten ein, und verführerisch-berechnende Frauenzimmer versuchen, mit „schwellenden Busen“ und anderen Reizen die Männer von ihren mehr oder weniger ehrenwerten Pfaden abzubringen. Zum Äußersten kommt es hier natürlich nie (nach heutigen Maßstäben ist alles harmlos), aber May hat nach der unfreiwilligen Lüftung seines Inkognitos kurz nach der Jahrhundertwende diese Passagen schlichtweg geleugnet und sich generell von seinem Waldröschen-Epos so weit wie möglich distanziert. Wollte er doch im Alter als ernstzunehmender Schriftsteller wahrgenommen werden, dessen Jugendsünden hier nur stören konnten.
    Die Schriften um seine weltweite Rächergeschichte wurden in etlichen Versionen, Bearbeitungen, Kürzungen und Umdichtungen immer wieder veröffentlicht, wobei kaum noch zu sagen ist, was noch Original-May ist und was nicht. Eigentlich schade. Ich habe vor langer Zeit mal das erste Werk, Schloss Rodriganda gelesen. Tatsächlich war ich fast abgestoßen von den Grausamkeiten, die in der Episode spielten, die in Mexiko handelte. Die Gegner, meistens Comanchen, wurden stets massenweise abgeschlachtet, sogar mit Kanonen wegkartätscht. Die (indianischen) Helden waren fast noch grausamer als die Schurken, die Feinde wurden lebend skalpiert, den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen und Gefangene kaltblütig erschossen. Von der späteren Humanität eines Winnetous noch keine Spur. (Diese Begebenheiten wurden von Karl May später nochmal als „Königsschatz-Geschichte“ im zweiten Surehand-Band eingefügt, mit einem versöhnlicheren Ende).

    Fortsetzung folgt

  • Licht und Schatten Mainstream TVDatum13.01.2026 21:26

    Zitat von Havi17 im Beitrag #136
    Sorry er ist nicht zu den Privaten gewechselt, sondern hörte einfach auf und verarbeitete, wie auch weitere Kollegen vor und nach ihm, seine persönlicen Erlebnisse in einem Buch.
    Bei dem was er durchgemacht hatte kann ich das auch verstehen.


    Es sind doch nun schon einige diesen Weg gegangen. Oder gegangen worden.
    Ich erinnere mich noch an den Riesenskandal um die Tagesschausprecherin Eva Herman. Was hat man der armen Frau alles übergebraten. Oder Uwe Steimle, im Osten ein sehr beliebter Schauspieler und Moderator - war dem MDR nicht mehr genehm. Oder Katrin Huß, auch eine langjährige MDR-Moderatorin, auch gegangen. Alle diese Leute haben (sicher subjektiv) über ihre Erlebnisse berichtet. Kleiner Spoiler: Die Systemmedien sind nicht sonderlich gut weggekommen.

  • Neue Wallace-Buch-AusgabenDatum13.01.2026 16:13
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Neue Wallace-Buch-Ausgaben

    Das ist echt was für Freaks , aber der "Frosch" wäre es mir wert.
    Die Heyne-Übersetzung hat schon die eine oder andere Abweichung zu Goldmann gezeigt. Besonders prägnant der fehlende Prolog in der König-Übersetzung, und auch die Erklärung für Mr. Johnsons nächtlichen Besucher im Mittelteil.
    Ansonsten schießt ein Lakai des Frosches mit einer leeren Patrone auf Johnson, bei Heyne holt Elk die Kugel (die es eigentlich gar nicht gibt)?) aus einer Mauer?
    Wie ich es sehe, ist es bei Cloppenrath auch nicht die Original-Übersetzung von Alma Johanna König aus den zwanziger Jahren (wie bei Weltbild), sondern die etwas glattere der Neuauflage nach dem Krieg. Man kann nur hoffen, dass die neu hinzu gekommenen Passagen auch in der altmodischen Art und Weise übersetzt sind. In einer Beispielseite: "Er steht auf sie", dachte Elk... - hätte das im Original auch so gestanden? Naja, wie auch immer, ich werde mir den Prachtband wohl besorgen.

  • Im Schatten von Soho (Roman - 1968)Datum12.01.2026 16:30

    Seltsamerweise ist in der vorliegenden Buchübersetzung nicht direkt von einem "Zopf" die Rede, sondern "Haarteil" oder so ähnlich. Ich habe erst gedacht, dass die bedauernswerte Selby eine Perücke aufhat.
    Das schwache Ende - ja, prinzipiell ist ja gegen ein knalliges Ende nichts einzuwenden, wie bei "Tim Frazer weiß Bescheid" zum Beispiel. Nur hat es da eben dazu gepasst.
    Beim hiesigen Titel haben die Hiltons ja nicht nur einen Einbruch, sondern wenigstens gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge begangen, schwerlich glaubhaft, dass sie sich einfach so ins Auto setzen und unbeschwert einem neuen Familienglück entgegenfahren können. Natürlich ist es für einen Film geeigneter, da fallen Logikfehler sowieso nicht so auf...

  • Ed McBain (1926-2005)


    Der Autor und seine Bücher:

    Salvatore Albert Lombino wurde am 15. Oktober 1926 in New York geboren und wuchs in ärmeren Stadtvierteln auf. Er diente in der Navy, studierte und arbeitete in verschiedenen Jobs, auch als Lehrer und Journalist. Schon frühzeitig begann er mit dem Schreiben. Er gab sich einige Pseudonyme, besonders oft verwendete er den Namen Evan Hunter. Neben Romanen schrieb er auch Drehbücher.
    Als Ed McBain veröffentlichte er die langjährige Serie um das 87. Polizeirevier, mit der er sehr bekannt wurde. Die über 50 Bücher darüber sind nur die Hälfte seines Gesamtwerkes.
    Privat war der Autor drei Mal verheiratet, aus der ersten Ehe stammen drei Söhne. Er starb im Jahre 2005 an Kehlkopfkrebs in Weston, Connecticut.



    Leseempfehlungen:

    Polizisten leben gefährlich (Original: Cop Hater - Erstveröffentlichung: 1956)

    In der hitzegeplagten Stadt Isola wird ein Polizist brutal erschossen. Bald folgt ein zweiter, die Kollegen um Steve Carella ermitteln fieberhaft, um den Cophater zu stellen. Da sie menschlich sind, haben sie auch ein Privatleben und sind Irrungen und Wirrungen ausgesetzt. Doch der Killer schlägt wieder zu, und auch die Verlobte eines Polizisten gerät in sein Visier. Wird man ihn stellen, hat er ein Motiv? Der erste Band um das 87. Polizeirevier ist immer noch ein sehr bekannter Titel, im Grunde bietet er eine Variation eines altbekannten Themas und einen guten Einstieg in die Welt der imaginären Polizeimannschaft.


    King’s Lösegeld (Original: King’s Ransom- Erstveröffentlichung: 1959)

    Douglas King ist ein Selfmademann, der einen Großteil seines Vermögens für einen Aktienübernahme plant, um an die Spitze seines Unternehmens zu kommen. Gerade jetzt will ein Kleinkriminellen-Trio seinen Sohn entführen, erwischt aber den Spross des Chauffeurs. Sie wollen das Geld trotzdem, King denkt aber nicht daran, zu zahlen… Während die Polizisten des 87. Reviers das Leben des Kindes retten wollen, stellt McBain allerlei Fragen über Moral, Geschäft und Menschliches, ohne erhobenen Zeigefinger. Ein wirklich gelungener Krimi, der ohne Leichenberge die Spannung bis zum Schluss halten kann.


    Neun im Fadenkreuz (Original: Ten Plus One– Erscheinungsjahr: 1963)

    In kurzer Folge werden einige Menschen aus dem Hinterhalt von einem Scharfschützen erschossen. Die Polizeibeamten des 87. Reviers müssen gegen die Zeit kämpfen, denn der Täter macht fast täglich weiter. Bei der Ermittlung stoßen sie irgendwann auf eine lange zurückliegende Theatergruppe von College-Studenten. Liegt hier das Motiv für den Killer? Zahllose Befragungen laufen auch mal ins Leere, irgendwann wird der sniper aber unruhig, man scheint ihm nahezukommen… Sicherlich einer der spektakuläreren Fälle um Carella und Co, mit einer recht eigenwilligen Auflösung des Dramas.





    Buchbesprechung: Der Blitz schlägt zweimal zu


    Originaltitel: Lightning
    Erstveröffentlichung: 1984



    Hauptpersonen:

    Steve Carella – Polizeidetektiv
    Bert Kling – Polizeidetektiv
    Meyer Meyer – Polizeidetektiv
    Cotton Hawes- Polizeidetektiv
    “Fat” Ollie Weeks – Polizeidetektiv
    Arthur Brown – Polizeidetektiv
    Eileen Burke – Polizeidetektiv
    Annie Rawles – Polizeidetektiv
    Leutnant Byrnes – Vorgesetzter des 87. Polizeireviers
    Mary Hollins – Vergewaltigungsopfer
    Henry Lytell – ehemaliger Spitzenläufer
    Arthur Haines – Lehrer

    sowie

    viele andere Zeugen, Opfer, Täter, Polizisten…


    Handlung:

    Es ist eine bewegte Nacht für die Detektive des 87. Polizeireviers. Zwei aus ihrer Garde finden die an einem Laternenpfahl aufgehängte Leiche einer jungen Frau. Ihr wurde das Rückgrat gebrochen. Und eine andere junge Frau wird das dritte Mal vergewaltigt – noch dazu vom selben Täter. Viel zu tun für die Wächter von Recht und Ordnung in ihrem Bereich. Das ist vor allem eine feste Riege von wiederkehrenden Charakteren. Steve Carella, der fast ein wenig asiatisch aussehende besonnene Familienvater, verheiratet mit einer Taubstummen, Sympathieträger und so eine Art Hauptfigur. Bert Kling ist ein anderer gutaussehender Bursche, engagiert und irgendwie nicht so glücklich in der Auswahl seiner jeweiligen Bräute. Weiter der jüdische Meyer Meyer mit der Engelsgeduld ob seines seltsamen Namens und Cotton Hawes, der Casanova im Team. Und natürlich auch noch jede Menge andere Typen, einschließlich des Chefs, Leutnant Byrnes. Selbstredend gibt es auch weibliche Gesetzeshüter, etwa die mit Bert Kling liierte Eileen Burke. Neu dazu kommt Annie Rawles, die gleich ein Verhältnis mit ihrem Kollegen Hawes anfängt. Denn menscheln tut es immer mächtig im Revier der fiktiven Großstadt Isola, die letzten Endes aber doch nur New York darstellen soll. Ein nicht geringer Teil des Buchinhaltes wird so auch verwendet, um die Beziehungen der Polizisten zueinander oder auch zu ihren Familienangehörigen zu beschreiben. Das artet glücklicherweise nicht den mittlerweile üblichen Psychostriptease allerlei gebrochener und sozial gestörter Gesellschaftsopfer aus. Denn McBain stellt seine Mannschaft im Grunde noch ziemlich normal hin, trotz der Schwere ihres Berufsstandes.
    Die Ermittlungsarbeit und die Polizeimethoden werden (darauf weist man auch gerne immer mal hin) realistisch dargestellt. Im Falle der ermordeten Frau stellt man fest, dass sie Sportstudentin war und als Läuferin trainierte. Persönliche Beziehungen werden durchleuchtet. Dabei trifft man auf allerlei mehr oder weniger angenehme Zeitgenossen. Ein sehr unangenehmer Mietspekulant beispielweise verärgert Carella und Hawes nachhaltig. Und einer älteren Frau, deren Mann schwerkrank im Hospital liegt, müssen sie noch mitteilen, dass ihre Tochter umgebracht wurde. Der rücksichtslose Mörder hatte nämlich nochmal zugeschlagen und wieder eine Läuferin präsentativ aufgehangen. Man sucht nun nach Gemeinsamkeiten der Opfer. In Verdacht gerät ein Sportreporter, doch ist er auch wirklich der Täter…? Und im Hintergrund geistert eine bedrückende Befürchtung durch die Polizeistation – ist der berüchtigte „Taube“ wieder am Werk?
    Eine andere Spur im zweiten Fall verfolgen vor allem die beiden Frauen, Burke und Rawles, auf der Suche nach dem Serienvergewaltiger. Mary Hollins, das letzte Vergewaltigungsopfer, ist nicht die einzige, die mehrfach missbraucht wurde. Was treibt den Täter an, und vor allem, wonach wählt er die Opfer aus und welches zeitliche Muster verfolgt er?
    Die Kollegen um Carella haben indes eine sehr heiße Spur aufgenommen, sie verfehlen den Killer mit seinem potenziell nächsten Opfer nur um wenige Minuten. Leider findet man eben noch eine Ermordete, da das im benachbarten Revier geschah, bringt das den Ermittlern das zweifelhafte Vergnügen einer Zusammenarbeit mit Fat Ollie Weeks, der „Schande“ der Polizei von Isola. Wobei es nun wirklich vorwärtsgeht, die nächste Sportlerin, auf die es der Mörder abgesehen hat, ist schon in großer Gefahr, werden sie es diesmal schaffen? In der Sache des brutalen Frauenschänders versucht Annie Rawles mit allerlei Tabellen und neuartiger Computerunterstützung den Weg zum Täter zu finden, während ihre Kollegin Eileen den Lockvogel spielt…ein gefährlicher Job, den sie lieber nicht angenommen hätte…
    Zwei Fälle, die wie so oft nebeneinander gelöst werden müssen, manchmal sind sie stark oder schwach miteinander verwoben, oder eben auch mal gar nicht, wie hier.
    Am Ende sind die Verbrechen aufgeklärt, die Detektive haben wieder mal in menschliche Abgründe geschaut, das Böse ist so trivial wie unmenschlich. Die Helden des Siebenundachtzigsten machen weiter.


    Bewertung:

    Nach dem zweiten Weltkrieg begann sich eine neue Stilrichtung in der Kriminalliteratur zu etablieren. Das sogenannte police procedural machte seine ersten eher unbemerkten Schritte in seiner Karriere in der Buchseiten-Welt von Räuber und Gendarm. Nicht mehr der übermenschliche Lehnstuhl-Detektiv oder auch der hartgesottene Privatschnüffler sollte fiktive Kriminalfälle aufklären, sondern die Ermittlungsarbeit wurde jetzt von einem Team von erfahrenen Polizisten durchgeführt, wie in der realen Welt. Es sollte noch gut zehn Jahre dauern, bis Ed McBain mit seinem ersten Roman um einen Copkiller im 87. Revier und den Folgebüchern diesem Subgenre zum Durchbruch verhalf. Bis zu seinem Tod hat er in fünf Jahrzehnten fast sechzig Bücher alleine über das 87. Polizeirevier geschrieben.
    Held der ersten Stunde ist Steve Carella, der sich fast als einziger über all die Jahre immer noch eine hohe Feinfühligkeit bewahrt hat, Skrupel über Fehler bei der Arbeit, Mitgefühl mit den Opfern und Entsetzen über die begangenen Untaten sind ihm nicht fremd. Neben ihm und einigen anderen Figuren des positiv besetzten Stammpersonals gibt es auch eher negative, faule, unfähige, brutale und korrupte Kollegen, die letzten Endes doch nicht den guten Gesamteindruck der Polizeimannschaft trüben können. Manche von ihnen finden gar ein vorzeitiges Ende zwischen den Buchseiten der erdachten Fälle in Isola City. Das Privatleben seiner staatlich sanktionierten Ordnungshelden spielt schon immer eine größere Rolle im Schaffen von McBain, in den deutschen Ausgaben häufig brutal herausgekürzt. Wichtig war dem Schriftsteller auch immer eine realitätsnahe Beschreibung der Mordopfer, also viel Blut, Gedärm und Verwesung statt „schöne Leichen“ wie im Kuschelkrimi. Man kann wohl sagen, dass seine Reihe Vorbild für viele Nachfolger gewesen ist, in Amerika genauso wie in Europa, wo mir da gleich die berühmten Schweden-Krimis von Sjöwall und Walhöö einfallen.

    Der vorgestellte Roman des Siebenundachtzigsten ist in seiner „zweiten Periode“ geschrieben, wie es manche Fans bezeichnen. Wenn McBain auch nie einen Zweifel am ausgedehnten Liebesleben seiner Protagonisten gelassen hat, so hat er es dahingehend am Anfang doch eher bei Andeutungen gelassen, nun, in den achtziger Jahren, nimmt er die vornehme Zurückhaltung weg. Man bekommt einen, mitunter zu ausgiebig ausgeschmückten Eindruck davon, dass Männlein und Weiblein in der oft hitzegeplagten Riesenstadt auch ein sehr feuriges Geschlechtsleben führen, in vielen Details, die ein geradezu voyeuristisches Interesse verraten können. Auch die geschilderten Sexualverbrechen versetzen den Leser in ihrer Schilderung, den anschließenden Untersuchungen auch direkt an den Opfern sowie der Täterpsyche in die Position eines vielleicht nicht ganz freiwilligen Beobachters. Die sehr ausführlich beschriebene brutale Vergewaltigung einer als Lockvogel dienenden Polizeibeamtin fällt darunter, obwohl man natürlich durchaus auch zugestehen muss, dass dieser Naturalismus dazu angetan ist, das Leid der Opfer zu verdeutlichen und nicht wie oft zu verharmlosen. Ebenso ist es mit den Fällen der maßlos grausamen Tötungsverbrechen an den jungen Sportlerinnen, die sehr detailverliebt daherkommen, einschließlich des lauten Knackens des gebrochenen Rückgrats. Der Autor lässt nie außer Acht, dass es hier um Menschen geht, mit Träumen und Hoffnungen und Angehörigen.
    Nebenher übt McBain auch überraschend deutliche Kritik an den sozialen Zuständen außerhalb der „besseren“ Gegenden. Er berichtet über Stadtviertel außerhalb jeder öffentlichen Ordnung, in denen Obdachlose, Rauschgiftsüchtige und Verelendete leben müssen – und sterben. Das hat sich wohl bisher nicht groß geändert.
    Etwa seltsam mutet das ewige Hadern der Polizisten mit ihren Namen an. Sei es der geplagte Meyer Meyer mit seinem doppelten Namen, der ihn sein Leben lang begleitet hat und sogar den Charakter formte. Oder Cotton Hawes, der seinen Namen im Allgemeinen und den Vornamen („Baumwolle“) im Besonderen hasst. Und Arthur Brown ist tatsächlich von der Hautfarbe her auch dunkler und ist mit dem „Brown“ unzufrieden. Und so weiter. Wirklich lustig wird es, als der kahlköpfige Meyer ein Toupet trägt und ihn seine Kollegen scheinbar nicht mehr „erkennen“. Sonst haben die Burschen vom Siebenundachtzigsten nicht viel zu lachen, sitzt ihnen doch der Schreck in den Knochen, dass der „Taube“ wieder aufgetaucht ist, der fast schon überirdische Superschurke in der ansonsten schnöden Mord-und-Totschlag- Welt von Isola.
    Der übliche Auftritt von zwei Angehörigen der Mordkommission mit stets dummen Sprüchen steht wie ein Running Gag am Anfang der Ermittlungen, doch Unterstützung bei der Arbeit gibt es dann von anderer, noch unerwünschterer Seite. Fat Ollie Weeks, eine erst spät eingeführte Figur, ist voll mit lautstarken sexuellen Anzüglichkeiten, rassistischen Vorurteilen und genereller Bösartigkeit, seine Ermittlung basiert auf Einschüchterung und Gesetzesübertretungen. Er ist fett, egomanisch und stinkt. Doch er ist trotzdem kein schlechter Ermittler, tatsächlich kann er gerade wegen seiner Methoden den Untersuchungen entscheidend zum Erfolg verhelfen. Interessant ist der Gegensatz der good guys unter den Polizeibeamten gegenüber Weeks durchaus.

    Der Erfinder der ganzen Szenerie stattet seine Helden mit Stärken, aber auch Schwächen aus, oft wird ins Leere ermittelt, oder einfach auch geschlampt. Eine Telefonmitarbeiterin gibt eine wichtige Nachricht aus purer Unlust nicht weiter, obwohl es buchstäblich um Leben und Tod geht, wie sich zeigen soll. Da helfen dann auch die neuen Computer nicht viel, aber die ehrgeizige Annie Rawles schafft es dann durchaus mit Zuhilfenahme der neuen Technik, ein Muster in den Vergewaltigungsorgien des Serientäters zu finden, was sie zu einer katholischen Organisation und dann noch weiter in eine Schule führt. Nebenbei bemerkt, die Potenz des Unholds scheint schon fast übermenschlich zu sein, und wie er die ständige Beobachtung seiner Opfer, die Vorbereitung und Ausführung seiner Taten mit seiner normalen bürgerlichen Existenz vereinbaren kann, geht über die Grenze der Glaubwürdigkeit hinaus.
    Kann man auf einer abstrakten Ebene die Begründung für die begangenen Untaten zumindest nachvollziehen, ist das bei der Motivation des anderen dingfest gemachten Täters, des Mehrfachmörders an den jungen Läuferinnen, wohl kaum mehr möglich. Beide Verbrecher sind offensichtlich extrem gestörte Narzissten, die jede Menschlichkeit abgelegt haben. Bedrückend, aber wohl durchaus realistisch.

    Der besprochene Kriminalroman bietet einen oft gelungenen realistischen Einblick in die trotzdem etwas verklärte Welt eines amerikanischen Polizeireviers, mit viel Sex and Crime, einer gewissen Länge im Mittelteil, viel Menschelei und einer guten Dosis Spannung zum Schluss.
    Persönlich haben mir die bisher gelesenen Bücher der Reihe aus der Anfangszeit mehr zugesagt, Geschmackssache halt.


    Leseexemplar:

    Knaur-Verlag ; 1989 ; ca. 280 Seiten

    Das Buch wurde von Wolfdietrich Müller aus dem Amerikanischen übersetzt und liest sich flüssig und modern. Später wurde der Krimi nochmal unter dem Titel Der letzte Sprint auf Deutsch veröffentlicht, wohl auch unter anderer Bearbeitung.


    Verfilmung:

    Unter dem Originaltitel gab es 1995 eine US-Verfilmung, die Teile des Romans um den Mörder der Läuferinnen aufgreift und die hier als Wettlauf mit einem Mörder herausgekommen ist. Die Kritiken für den Film sind nicht sonderlich schmeichelhaft.

  • Ja, ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr allen Foristen!

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum10.12.2025 15:55

    Zitat von Savini im Beitrag #48
    Kurz kam mir der Gedanke, ob auch Bhag aus dem "Rächer" in diese Kategorie fällt. Er ist zwar im Roman ein Orang-Utan, wird dort aber als extrem menschenähnlich und seinem Herrn absolut hörig beschrieben.

    Bhag würde in Richtung Tierhorror gehen, also Der Hund der Baskerville und solche Sachen. Aber letztlich passt er nicht ganz in das Konzept. Er ist zwar der sklavisch ergebene Diener seines nicht sehr positiv dargestellten Herren. Andererseits hat er aber tatsächlich keinem etwas getan, nur dass er am Ende sogar den eigentlichen Schurken des Stückes richtet und nebenbei Held, Heldin und Herrchen davor rettet, kopflos zu werden.
    Bhag ist nicht wirklich böse, er bleibt auch am Leben. Die Struktur des Romans Der Rächer ist auch ganz anders als die der drei betrachteten Titel.

    Zitat von Savini im Beitrag #48
    Und ob der zweite Kopf in der "Tür" wirklich "bedeutender" als Staletti ist? Beim Roman hätte ich da Zweifel, weil der Doktor gegen ihn (auch jenseits der gemeinsamen Verwicklung) in der Hand hat, was umgekehrt nicht der Fall ist.

    Der Anwalt ist sowohl in Buch und Film eine Figur, die eher im Hintergrund agiert. Staletti ist eher der für die Morde aktiv verantwortliche, im Buch kommt "der zweite Mann" eher am Ende hin mehr aus der Versenkung, als er einen doppeltpistoligen Feuerüberfall auf den Inspektor und seinen Begleiter eröffnet und dann auch noch das alte Familienschloss abfackelt. Seine Position bleibt weniger greifbar, auch aufgrund seiner sehr bodenständigen Fassade, dank seines Berufes hat er es sicher auch leichter, sich aus der Affäre zu ziehen. Im Film ist ja die Dramatik auf die letzten Minuten gelegt, wo er auch da sein väterliches Gehabe ablegt. Für mich schon irgendwie die überlegene steuernde Figur.

  • Der viereckige Smaragd (1926)Datum03.12.2025 12:40
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der viereckige Smaragd (1926)

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Kürzlich hatte ich endlich Gelegenheit, diesen oft gelobten Roman zu lesen.
    Wirklich eine interessante Lektüre, da der Autor hier in manchen Punkten von seinem üblichen Schema abwich bzw. dieses originell variierte!


    Tatsächlich ein außergewöhnlicher Roman von Wallace. Ich habe den bisher zweimal gelesen, beides vor längerer Zeit, meine Erinnerung ist nicht mehr so ganz genau. Kann mich nur erinnern, dass beim zweiten Mal der Glanz ein wenig verblasste, da mir zahlreiche typische Schwächen aufgefallen sind. Dazu zählt der von Dir angesprochene sehr unwahrscheinliche Zufall mit dem Haus von Inglethorne. Wallace-Typisch!
    Leslie Maugham ist nach der inoffiziellen Polizeiagentin Thalia Drummond im Roten Kreis sicher die erste oder einer der ersten weiblichen Polizisten, die von Edgar Wallace ins Rennen geschickt worden. Auch bei Das Verrätertor gab es eine ältere langjährige und erfahrene Polizistin, Mrs. Ollroyd, und irgendwie auch später noch tauchte der Typus Kriminalbeamtin bei Wallace auf, ich glaube z.B. in Der Dieb in der Nacht. Wobei man sagen muss, dass Ermittlerinnen im Dienst der Polizei oder auch privat damals kein literarisches Novum waren. Die Romane von Anna Katherine Greene, Mary Roberts Rinehard, Patricia Wentworth fallen mir da ein, sicher gibt es noch sehr viele andere und mittlerweile vergessene Beispiele.
    Interessant finde ich auch die Figur von Peter Dawlish, der männliche Hauptdarsteller auf der guten Seite. Ein geschiedener Mann, sogar Vater einer kleinen Tochter, wie sich herausstellt, der auf dem besten Weg ist, ins komplette soziale Abseits abzurutschen und sich erst mal selber fangen muss. Gewissermaßen schon ein gebrochener Held und kein Superstrahlemann-Scotland-Yard-Inspektor. Oder die von einer weiblichen Hauptperson abhängige Gesellschaftsdame, deren Verhältnis zueinander der Autor gut eingefangen hat.
    Die schlechte Behandlung von Kindern, mit diesem Thema war es Wallace wohl wirklich ernst. Das eigene, meist gut verdrängte Elend des in einfachsten Verhältnissen aufgewachsenen Adoptivkindes muss ihn wohl beschäftigt haben. Seinen eigenen Kindern scheint Wallace ja bei allen seinen Fehlern ein liebevoller Vater gewesen zu sein. Und im selben Jahr, in dem er The Square Emerald schrieb, veröffentlichte er auch einen skandalumwitterten Artikel, in welchem er den sexuellen Missbrauch von Kindern im damaligen Showbiz anprangerte. Die Reaktionen waren entsprechend, er schien wohl einen Nerv getroffen zu haben.
    Die Beschreibung einer Frau, welche sich lange Zeit in verantwortlicher Position als Mann tarnt, hat Wallace schon in seinem frühen Werk Kerry kauft London eingesetzt. Mir ist das persönlich mangels Glaubwürdigkeit immer etwas seltsam, überhaupt mag ich Verkleidungen usw. in Büchern nicht allzusehr. Hier im besprochenen Roman finde ich es auch etwas merkwürdig.
    Die Indonesier als Helfershelfer der verbrecherischen Hauptfigur sind mal eine gute Abwechslung zu den ausgereizten Chinesen, die es sonst so gibt. Sie geben dem ganzen eine exotische Note, aber ich kann deine Kritik schon nahvollziehen, dass sie eher aus Thrill-Gründen eingesetzt worden, als das es sie wirklich nötig gehabt hätte.
    Ansonsten, die Drahtschlinge der Weißen Spinne wurde schon von Weinert-Wilton so ersonnen. Vielleicht hat der sich ja diesbezüglich von Wallace inspirieren lassen?

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