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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 559 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Savini Offline



Beiträge: 1.051

21.02.2026 12:28
#16 RE: Karl May - Reise ins Pulverfass Balkan Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
Der wie aus dem Nichts auftauchende räuberische Abu Seif, gespielt von Sieghard Rupp, ist eine gelungene Bereicherung, der fast das Zeug hat, dem Machretsch die Show zu stehlen.

Tja, wenn es zwei in Sachen Rollenumfang und Charakterlosigkeit ungefähr gleichwertige Schurken gibt, muss natürlich einer von beiden vor dem "eigentlichen" Showdown ins Gras beißen - so wie bei der "Pyramide". Trotzdem interessant, dass man sich nicht mit dem Mahretsch allein begnügte: Einsicht, dass es ansonsten etwas zu eintönig werden könnte?
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
Schlechte Kerle gibt es auch noch andere, den als die rechte Hand des Machretsch‘ dienenden Durek zum Beispiel, der sich auch aus dem Kurdistan-Film herübergerettet hat und nun die gefangene Ingdscha im Auftrag seines düsterblickenden Herrn und Meisters bewachen soll. „Wir sind hier auf arabischem Gebiet. Hier sagt nur der Mann etwas, die Frau schweigt.“, fasst Durek für heutige Zeiten politisch vollkommen unkorrekt die Verhältnisse im dortigen Ländle zusammen, woran sich seine kratzbürstige Geisel natürlich nicht halten will. Kurz darauf gibt sie ihm bei erstbester Gelegenheit eins über die Rübe und flüchtet, nur um dem um die nächste Ecke kommenden Abu Seif in die Arme zu reiten. Falls es Durek gelingen sollte, ohne sein geklautes Pferd aus der kargen Steppe zu kommen, dürfte er einer der wenigen größeren Schurken sein, die auch mal einen Karl-May-Film überleben, jedenfalls hört man nichts mehr von ihm. Solche Nebendetails fallen einem nur auf, wenn man mal drauf achtet.

Bei der erneuten Sichtung neulich fiel mir das auch auf: Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass Abu Seif Durek ebenfalls aufgelesen hätte (die erneute Gefangennahme Ingdscha erfolgte ja nicht so wet entfernt) und war überrascht, dass die vorherige rechte Hand des Mahretschs gar nicht mehr vorkam. Oder sollte er in der Wüste verdurstet sein? Das wäre eigentlich ziemlich hart.
Eine kleine Kuriosität: Durek wird (wie viele andere Bösewichter im Karl-May-Universum) von Rainer Brandt synchronisiert, Ingdscha von Ursula Heyer, mit der er damals verheiratet war und es bis zu seinem Tod 2024 blieb. Bei hörte man auch im "Schut" (für Rik Battaglia und wieder Marie Versini) und im ertsen "Winnetou" (für Mario Adorf und Dunja Rajter). Tja, solche "Szenen einer Ehe" können vorkommen, wenn der Mann in dieser Reihe meist entweder den Oberschurken oder einen von dessen Leuten synchronisiert und die Frau ebenfalls in der Branche tätig ist!
Da wir beim Thema "Synchronisation" sind, wollte ich eine kleine Kuriosität erwähnen: Der uns allen wohlbekannte Wolfgang Lukschy wurde in "Kurdistan" von einem anderen Sprecher (Joachim Nottke) synchronisiert (er war wohl gerade verhindert). Im "Löwen" spielte er nicht mit, war dafür dort akustisch vertreten: aus dem Mund von Antonio Casas
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
Bei ihrem Marsch etwa durch die Salzwüste haben Kara und seine Mannen auch noch einen gefangenen Räuber bei sich, der aber nach dem Überfall plötzlich verschwunden ist. Haben die den armen Kerl einfach zurückgelassen, Gauner hin oder her? Wäre gar nicht so edel wie sonst immer.

In den letzten Minuten von "Feuerball" scheinen Bond und Domino ja auch den Physiker Kutze völlig vergessen zu haben, obwohl sie beide ohne dessen (selbstloses!) Eingreifen nicht überlebt hätten.

Insgesamt würde ich den "Schut" zwar vorziehen, aber eine Stärke hat der "Kurdistan"-Zweiteiler im Vergleich immerhin: Die Szenen bei Nacht und in der Dämmerung fallen diesmal deutlich überzeugender aus!

Savini Offline



Beiträge: 1.051

21.02.2026 12:50
#17 RE: Karl May - Reise ins Pulverfass Balkan Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #14
Teufel noch Mal, da hatte man doch gedacht, dass die rabenschwarze Seele des Machredschs von Mossul nach seinem tiefen Fall jetzt in der untersten Etage der Dschehenna schmachten muss. Dabei hat der Finsterling glatt und unbeschadet überlebt. Nur mit den genreüblichen Gummiknochen ist das alles nicht zu erklären, die anderen Organe müssen auch eine immense Verschleißfestigkeit aufzuweisen gehabt haben.

Erklären kann ich mir das eigentlich nur damit, dass er sich an irgendetwas (einem Zweig oder Felsvorsprung) festhalten konnte, da er nicht einmal eirgendeine ernsthafte Verletzung zu haben scheint.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #14
doch der Machredsch zieht gerade einen schlauen Coup durch. Er wirft sich dem alten Padischah zu Füßen, schiebt alle Schuld der Vergangenheit auf den ungläubigen Allemannen und schwört alle Eide, die dem zweifelnden Oberhaupt der Gläubigen gerade einfallen. Letzterer ist wohl doch ein wankelmütiger Geselle oder er hat einfach einen schlechten Tag, jedenfalls kann der Machredsch jetzt wieder in vollen Amt und Würden und blitzblanker neuer Uniform an der Spitze einer Reiterschar Soldaten von dannen reiten. „Nur wer die Tiefe kennt, weiß die Höhe zu schätzen.“, gibt der alte weise Gebieter dem in jeder Hinsicht gefallenen Manne noch mit auf den Weg, aber bei dem sind ja solche Reden komplett verschwendet ! Seine Handlung ist es nun, seinen Erzfeind Kara Ben Nemsi von Zedar ausliefern lassen und zum Padischah zurück zu schleppen. Kara ist böse in der Klemme, aber ein Gottesurteil, das Allah, der Unfehlbare, zugunsten des deutschen Musterhelden ausfallen lässt, bringt wieder eine Wende, die alten Verhältnisse von Gut und Böse sind wiederhergestellt. Kara darf jetzt wieder offiziell seinen ewigen Widersacher jagen.

Über diesen Handlungsstrang muss ich immer wieder den Kopf schütteln: Dass der Padischah sich durch Zeugenaussagen von der Schlechtigkeit des Mahredsch überzeugen lässt, diesen entmachtet und sogar "zu Tode peitschen lassen" will - in Ordnung. Aber dass er sich danach allein (!) durch dessen Beteuerungen vom Gegenteil überzeugt, den Degradierten vollständig rehabilitiert und sich gegen seinen früheren Freund Kara Ben Nemsi wendet, ohne auf die Idee zu kommen, das Urteil anderer Personen einzuholen, lässt doch an seiner Menschenkenntnis und Urteilsfähigkeit zweifeln. Ähnliche Beispiele im Bereich der Karl-May-Filme wären der Richter in "Unter Geiern" und der alte Häuptling im "Ölprinzen".

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