Im Jahre 1965 produzierte Arthur Brauner im Zuge der Karl-May-Welle zwei Spielfilme zu je ca. 100 Minuten, die von vorneherein als Fortsetzung gedacht waren. Sie spielen in der damaligen Zeit vor hundert Jahren während der französischen Intervention in Mexiko. Regisseur war der bekannte Robert Siodmak, der drei Drehbuchautoren zu Hilfe nahm. Als Zugpferd besetzte man die Rolle des Haupthelden Dr. Sternau wieder mit Lex Barker. Auch andere bekannte Schauspieler kamen zum Einsatz. Ralf Wolter darf als Andreas Hasenpfeffer wie üblich den humoristisch gemeinten Sidekick für Barker geben, Gustavo Rojo spielt Leutnant Potoca, einen idealistischen Revolutionär. Weiter ist Teresa Lorca als schöne und auf den falschen Liebesweg geführte Indianerprinzessin Karja zu sehen, Hans Nielsen als Gutsverwalter Don Arbellez und Alessandra Panaro als dessen hübsche Tochter Rosita. Der Amerikaner Kelo Henderson ist der Darsteller des Revolverhelden Frank Wilson. Das waren, mal ganz grob gesagt, die Guten. Und es gibt auch eine beachtliche Anzahl Bösewichter. Allen voran Hauptmann Verdoja, eine Paraderolle für den auf solche fiesen Schurkengestalten festgelegten Rik Battaglia. Gerrard Barray taucht als nichtsnutziger Sohn Graf Alfonso eines reichen Adligen auf, seine rücksichtslose und fast noch verderbtere Geliebte Josefa Cortejo wird von Michèle Girardon gespielt. Der französische Oberbefehlshaber Marschall Bazaine wird von Jean-Roger Caussimon verkörpert. Natürlich gibt es noch jede Menge weitere Charaktere. Gedreht wurde in Jugoslawien, Spanien und Deutschland und viel im Atelier.
Der Schatz der Azteken
Im Jahre 1864 kommt es zu einem denkwürdigen Treffen, das wohl in kaum einem Geschichtsbuch bisher seine Würdigung gefunden hat. Der persönliche Leibarzt des Grafen Bismarck, Dr. Karl Sternau, hat eine Audienz beim amerikanischen Präsidenten Lincoln. Was auffällt, der spätere „Eiserne Kanzler“ der Deutschen muss zu dieser Zeit zumindest eine eiserne Gesundheit haben, wenn sein Leibarzt daheim so wenig zu tun hat, dass er in Sondermissionen in der Weltgeschichte herumgondeln kann. Sternau bittet Lincoln um Unterstützung für den Freiheitskampf der Mexikaner gegen den Erbfeind Frankreich. Der „ehrliche Abe“ überlegt fieberhaft. Bürgerkrieg daheim hin oder her, aber schließlich kann man nicht dulden, dass sich im eigenen Vorhof die Europäer breitmachen und ihre Diktatoren installieren. Das macht man schließlich lieber selbst! Also schreibt er seinem mexikanischen Amtskollegen einen Brief mit allerlei Versprechungen, das kostet nichts und hält den anderen noch eine Weile bei der Stange. Sternau, der preußische Geheimagent in internationalen Gewässern, betätigt sich als Geheimkurier, um die Botschaft an ihren Empfänger zu bringen. Der Ärger lässt nicht lange auf sich warten. Im krisengeschüttelten Mexiko wird Sternaus Kutsche von Rebellen angehalten und wenig sanft durchsucht. Die Unterwäsche der mitreisenden Damen bildet für die rauhen Kerle samt ihres Anführers Verdoja eine besondere Attraktion, wobei man schnell mitbekommt, dass Weiberröcke eine besondere Schwäche des Letzteren sind, denn er möchte eine junge Dame aus der Gesellschaft gleich gänzlich für sich behalten. Natürlich wirft sich da ein Kerl vom Schlage Sternaus sofort in die Bresche, und der Samen für eine lebenslange Männerfeindschaft ist gelegt. Nur durch das Eingreifen des unverwüstlichen Kuckucksuhrenvertreters Hasenpfeffer und eines gutartigen Leutnants Potoca wird Sternau vor der Erschießung gerettet und zu Benito Juarez gebracht. Der zylinderbewehrte mexikanische Präsident gibt gerade ein Lehrstück in alttestamentarischer Gerechtigkeit, als Sternau eintrifft und Lincolns Geheimschreiben überbringt. Nun hat der blonde deutsche Hüne eine neue Mission, er soll mit dem alten Don de Rodriganda einen Kontakt herstellen, da dieser reiche Mann die Juarez-Truppen mit Geld und Sachwerten unterstützen will. Auf dem Wege trifft man einen weiteren Helden der mexikanischen Lande, Frank Wilson, und es werden gleich noch zwei Damen aus höchster Not aus den Händen der grausamen Chichimek-Indianer gerettet. Eine davon ist Karja, die letzte Hüterin des legendären Goldschatzes der Azteken. Doch leider hat sie ihr Herz an den Falschen verloren, der Sohn des alten Rodriganda Alfonso ist ein Taugenichts und Glücksspieler, der ihr Liebe heuchelt, um an das Geheimnis des Schatzversteckes zu kommen. Alfonsos hübsche aber skrupellose Geliebte Josefa unterstützt ihn darin und beginnt zunehmend, ihr eigenes Süppchen zu kochen. So geht es weiter, der alte Rodriganda enterbt kurz vor seinem Tod seinen treulosen Lendenspross, der dafür Sternau die Schuld gibt, während Josefa ein Verhältnis mit dem französischen Marschall Bazaine beginnt. Auf der Hacienda von Rodriganda mit dem Verwalter Don Arbellez geraten Sternau und Verdoja im Zank um die aparte Rosita wieder heftig aneinander, Sternau wird gefangengenommen, befreit und es kommt zu wilden Kämpfen. Sternau kommt verletzt in der Schatzhöhle zu sich – eigentlich droht ihm als Mitwisser des Geheimnisses der sichere Tod, aber es gibt ja noch einen zweiten Teil…
Der bewusstlose Dr. Sternau wird von der Indianerin Karja unter kritischer Aufsicht des Oberschatzhüters Flathouani gepflegt und irgendwann wieder „ausgesetzt“. Prompt wird er von den Chichimeks wieder gefangengenommen, von seinen Kumpels wieder befreit und auf die Hacienda gebracht. Auch hier gibt es keine Ruhe. Verdoja, mittlerweile aus Juarez‘ Diensten verstoßen und nun im Solde Bazains, überfällt mit seiner Bande die Besitzung, wobei er allerdings festgenommen wird, bald darauf wieder befreit von Josefa Cortejo, deren unstillbarer Appetit nach Mann und Macht nun auch den rüden Gesellen erreicht hat. Ein ewiges Hin und Her. Noch ein Versuch, die Hacienda zu kapern, verläuft erfolgreicher. Währenddessen ist Alfonso endlich erfolgreich, er hat Karja das Mysterium entlockt, wie er zum Aztekenschatz kommen kann. Sie entkommt ihm mit knapper Not, nachdem er ihr seine eigentliche, finstere Seele enthüllt hat. Verdoja hat sich mit den Chichimek verbündet und sein Hauptquartier in einer alten Pyramide aufgeschlagen. Dorthin verschleppt er die überfallenen Freunde nun, denen er ein schlimmes Schicksal zugedacht hat. Roswita will er sich gefügig machen, doch kommt ihm nun wieder Josefa dazwischen, die daraufhin eine unsanfte Begegnung mit alter Aztekentechnologie bekommt. Viel Geschrei und Hasterei, Leutnant Potoca und seine Leute stellen die Banditen in einer wilden Schießerei, während Verdoja und die Indianer dem unzuverlässigen Alfonso folgen. Der trifft nochmal auf seine schmählich getäuschte Karja, es wird dramatisch. Nun kommen auch noch die Banditen. Wie immer bei Karl May, so bringt das Gold die Übeltäter schier um den Verstand, als dann auch noch die Lava in die Schatzkammer ausbricht, weiß der Zuschauer endgültig, dass das Böse auch diesmal wieder nicht gesiegt hat.
Literaturvorlage
Was dem zwanzigsten Jahrhundert das Groschenheft, das war dem 19. Jahrhundert der Kolportageroman. Als Schund gebrandmarkte Schriften, die meist in langen Fortsetzungen liefen und wöchentlich geliefert wurden. Die Literaturkritik rümpfte die Nase darüber, galt es doch nur als sensationelle Unterhaltung für die niederen Klassen. Was ihrer Popularität selbstredend keinen Abbruch tat. Karl May hat in seiner früheren Phase in rascher Folge unter einem Pseudonym ebenfalls einige Kolportageromane verfasst, am bekanntesten und weitaus erfolgreichsten wurde aber der Anfang der achtziger Jahre geschriebene allererste derartige Zyklus um das Waldröschen. Das klingt wie Heimatschnulze, ist aber eine „Rächerjagd rund um die Erde“, mit insgesamt je nach Druckbild und Ausgabe 2500 bis über 3000 Seiten, zusammengefasst in fünf oder sechs Bände. Hier tritt eine Unzahl von handelnden Personen auf, die sogar über Jahrzehnte miteinander oder besser gegeneinander agieren. Zentrales Thema, das sich in allerlei Nebenhandlungen verästelt, ist die Fehde der Familie Cortejo gegen die vornehme Sippe der Rodriganda. Es gibt Unmengen von Intrigen, falschen Identitäten, untergeschobenen Kindern, Verbrechen und Kämpfe, wobei der Schauplatz wechselt von Mexiko, Spanien, Deutschland, aber auch nach Afrika und auf eine einsame Insel in die Südsee, wo die Helden der Geschichte erst mal für sechzehn Jahre festgesetzt sind. Berüchtigt wurde das Werk einerseits wegen der zahlreichen mitunter rohen Gewaltdarstellungen, es soll wohl nach einer Untersuchung über 2600 Getötete geben, daneben sehr viele Fälle von Misshandlungen und Verletzungen. Diese Zahlen sind mit Sicherheit maßlos übertrieben, doch tatsächlich gibt es viele Beispiele für Grausamkeiten, Folter und Verstümmelung. Zum anderen vermeinte man dem Buch eine Sammlung von „Schlüpfrigkeiten“ nachzuweisen. Lüsterne Unholde dringen in die Schlafgemächer von leicht- oder auch mal ganz unbekleideten Schönheiten ein, und verführerisch-berechnende Frauenzimmer versuchen, mit „schwellenden Busen“ und anderen Reizen die Männer von ihren mehr oder weniger ehrenwerten Pfaden abzubringen. Zum Äußersten kommt es hier natürlich nie (nach heutigen Maßstäben ist alles harmlos), aber May hat nach der unfreiwilligen Lüftung seines Inkognitos kurz nach der Jahrhundertwende diese Passagen schlichtweg geleugnet und sich generell von seinem Waldröschen-Epos so weit wie möglich distanziert. Wollte er doch im Alter als ernstzunehmender Schriftsteller wahrgenommen werden, dessen Jugendsünden hier nur stören konnten. Die Schriften um seine weltweite Rächergeschichte wurden in etlichen Versionen, Bearbeitungen, Kürzungen und Umdichtungen immer wieder veröffentlicht, wobei kaum noch zu sagen ist, was noch Original-May ist und was nicht. Eigentlich schade. Ich habe vor langer Zeit mal das erste Werk, Schloss Rodriganda gelesen. Tatsächlich war ich fast abgestoßen von den Grausamkeiten, die in der Episode spielten, die in Mexiko handelte. Die Gegner, meistens Comanchen, wurden stets massenweise abgeschlachtet, sogar mit Kanonen wegkartätscht. Die (indianischen) Helden waren fast noch grausamer als die Schurken, die Feinde wurden lebend skalpiert, den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen und Gefangene kaltblütig erschossen. Von der späteren Humanität eines Winnetous noch keine Spur. (Diese Begebenheiten wurden von Karl May später nochmal als „Königsschatz-Geschichte“ im zweiten Surehand-Band eingefügt, mit einem versöhnlicheren Ende).
Von diesem Waldröschen-Mammutwerk von Mays Sturm-und-Drang-Zeit hat tatsächlich einiges Eingang gefunden in die beiden Mexiko-Filme der sechziger Jahre. Man hat wohl aus den ersten beiden Bänden, die später bearbeitet als Schloss Rodriganda und Die Pyramide des Sonnengottes verkauft wurden und Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts spielen, die hauptsächlichen Elemente übernommen und in der Zeit der späteren Mexiko-Episoden angesiedelt, einschließlich der dortigen Grundzüge um den Kampf von Juarez um die Unabhängigkeit des Landes von den Franzosen. Dr. Sternau ist gleich von Anfang an mit dabei, wobei er literarisch erst etwas später nach einigem Vorgeplänkel in Europa zu den Abenteuern der Helden in Mittelamerika dazustößt. Auf alle Fälle ist Alfonsos Liebesheuchelei zu Karja Bestandteil der Literaturvorlage, ebenso das Duell des alten Rodriganda mit (Schein-) Tod und Enterbung. Die Befreiung der zwei Frauen aus den Fängen feindlicher Indianer ist auch im Roman zu finden. Ebenso tritt Hauptmann Verdoja auf, ein übler Haudegen und Gehilfe der Cortejos, wenngleich kein Hauptschurke wie im Film. Er wird aus Juarez‘ Diensten ausgestoßen, verschleppt auch die Helden der Story in „seine“ Pyramide, wo er mit den entführten Frauen schlimme Dinge vorhat. Sternau kann ihn, ähnlich wie im Film, auf seiner Flucht ernsthaft am Auge verletzen. Auch einige andere Personen treten literarisch in ähnlicher Weise wie auf der Leinwand auf, etwa der Haciendabesitzer Don Pedro und seine Tochter, die aber Emma (wie Mays erste Frau) und nicht Rosita heißt. Frank Wilson, genannt Donnerpfeil, heißt in den Büchern Anton Helmers, neben Sternau eine positive Hauptfigur, der dann auch die Emma-Roswitha abkriegt, nachdem er lange Zeit im Delirium verbracht hat. Erwähnenswert ist vielleicht noch die weibliche Schurkenrolle Josefa. Sie ist in den Texten die Tochter des Hauptbösewichts Pablo Cortejo, der im zweiten Film ja einen nur nebensächlichen und unmotivierten Auftritt hat. Im Buch schlägt zwar ein durchaus leidenschaftliches Herz in Josefas Körper, dieser ist aber nach seinen Beschreibungen wenig dazu geeignet, die Männer reihenweise um den Verstand zu bringen. Somit verschmelzen in der Filmfigur offenbar andere Frauengestalten der Vorlage, obwohl sie die Bösartigkeit des Originals „geerbt“ hat.
Wie man sieht, gibt es bei diesen Filmen mehr Übereinstimmungen mit Karl Mays geistigen Ergüssen als bei den meisten Winnetou-Streifen. Trotzdem ist ihnen der große Erfolg versagt geblieben. Dabei beginnt das Ganze recht vielversprechend. Die Handlungsorte sind abwechslungsreich, die Schauspieler gut, die Kostümierung sorgfältig. Generell ist erfreulich viel Farbe zusehen. Die Filmmusik kann sich hören lassen, besonders das „Schatzthema“ klingt sehr einprägsam. Auch die zunehmend dramatischer werdende Handlung um den labilen und egoistischen Alfonso weiß zu gefallen. Immerhin treten drei historisch verbürgte Charaktere auf, Lincoln, Juarez und Bazaine, welche ihren historischen Vorbildern vom Aussehen her sogar sorgfältig nachgemacht sind. Aber für viele dürfte wohl der Woltersche Andreas Hasenpfeffer zuviel des Guten sein, eine Figur, die zur Entwicklung heftiger Vorurteile gegen die schwäbische Minderheit sorgen könnte. Wenn man die Gegend ums schöne Plochingen am Neckarstrand mal bereist, wird man erleichtert feststellen, dass die dortigen Bewohner keinesfalls hinter jedem Buch arglosen Reisenden auflauern, um ihnen penetrant schwäbelnd Schwarzwälder Kuckucksuhren aufzuschwatzen. Wobei man sich die Frage stellen muss, warum nun ein Kuckucksuhrenvertreter sein Glück ausgerechnet im bitterarmen, von Bürgerkrieg und Gesetzlosigkeit heimgesuchten Mexiko versucht. Hat der Plochinger Schachverein etwa mit finsteren Hintergedanken die Honoratioren der friedlichen Stadt bestochen, ihr etwas nervtötendes Mitglied auf diese weite und gefahrvolle Reise mit wenig Erfolgsaussichten zu schicken? Man weiß es nicht. Der Gerechtigkeit halber muss aber erwähnt werden, dass Hasenpfeffer ein treuer und wackerer Kamerad ist, welcher dem fast übermenschlichen Doktor-Heroen wirklich auch aus der Patsche hilft, wenn es erforderlich ist. Der Lex-Barker-Supermann namens Sternau ist wieder mal mutig-männlich bis zum Abwinken, mit einer etwas überheblichen Attitüde. Ein Allrounder, unverschlissen im Dauerfaustkampf mit seinem fiesen mexikanischen Gegner in Uniform. Urzeitliche Aztekentechnologie ist ihm wohlvertraut, er drückt nur ein paar Knöpfchen und ist schon wieder draußen aus der verwinkelten Pyramide, in welchem er von Verdoja samt seinen Gefährten für die Ewigkeit zurückgelassen werden sollte. Man merkt deutlich, dass einige Szenen im Atelier entstanden sind. Das wirkt fast schon surrealistisch, ist aber mengenmäßig zu geballt. Das schlechte Wetter in der schnöden Realität soll daran schuld gewesen sein. Die aus Dokumentarmaterial eingestreuten Pyramiden-Bilder sind in Wirklichkeit Maya-Bauwerke, aber wer kennt schon den Unterschied? Im Original geht es schließlich auch um einen Goldschatz der Miztecas, doch dieses Volk des alten Mexiko dürfte sich allgemeiner Unkenntnis erfreuen, im Gegensatz zu den viel bekannteren Azteken mit ihrem dramatischen Schicksal. Weswegen der erste Film wohl auch Der Schatz der Azteken heißt. Aber es wurde auch innen und außen eine Kulisse für Verdojas Privatpyramide errichtet. Ebenso die Schatzhöhle, die final mit etwas missglückt aussehender Lava geflutet wurde.
Ein Manko sind mit Sicherheit die schluderigen Kampfszenen. Wie es die revolverschwingenden Helden trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder ohne eigene Verluste schaffen, Gefangene aus den Händen grimmiger Indianer, Franzosen oder sonstiger Übeltäter zu befreien, das grenzt schon an mehr als ein Wunder. Nur erklärbar durch die absolute Tölpelhaftigkeit ihrer Gegner, die schon massenhaft alleine ohne fremdes Zutun vom Pferd fallen oder über ihre Füße stolpern. Nur die letzte Schlacht von Potocas Mannen gegen die Desperados im zweiten Film ist einigermaßen gelungen, sogar ein Pferd stürzt kopfüber in einen Fluss (ich hoffe sehr, das arme Tier hat keinen Schaden genommen). Entscheidender Makel der beiden Filme, besonders des zweiten, ist die wirre Handlungsfolge. Beginnt der erste Teil noch einigermaßen stringend, zerfasert sich das Geschehen bald in kaum mehr zusammenhängende Schlaglichter. Überfälle auf die Hacienda, Schießereien, Gefangennehmen und Befreien, immer mal Alfonsos falsches Werben um Karjas Gunst, das sind so die Elemente. Um den Schatz wird viel Tamtam gemacht, er spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Ganz zum Schluss entsinnt man sich seiner wieder, er ist dann noch für die langerwartete Abrechnung mit den Bösewichtern gut. Von der Skandalosität von Mays Kolportageschrift ist nichts mehr zu erahnen, zwar verfrachtet der brünftige Verdoja die keusche Roswita in seine dunklen Pyramidengänge, wo er das holde Kind sogar vor den Augen ihres Liebsten schänden will, stellt sich dabei aber so dämlich an, dass der festgekettete Nebenbuhler vorher schon in Ohnmacht fällt, worauf der dem Wolllüstling gewaltig den Spaß verdirbt. Auch das kurz darauf erfolgende unsanfte Ende der tobenden Josefa in einer stacheligen Foltervorrichtung der Azteken kommt in seiner Machart mehr als zahm herüber und raubt keiner zartbesaiteten Seele den Schlaf. Der Zuschauer kann durchaus den Eindruck gewinnen, die Hazienda, die Schatzhöhle, die Sonnenpyramide und die Hauptstadt liegen nur jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt, so oft wie der Schauplatz gewechselt wird und die Figuren mal hier und mal da grad auftauchen. Was natürlich Unsinn ist. Das ist sehr schade, man hätte mit mehr Sorgfalt richtig was aus dem Stoff herausholen können.
So bleibt eben leider nur bestenfalls Mittelmaß, das man um seiner Sache als exotisch angehauchter Karl-May-Film selbst schätzen kann, viel Aktion und bunte Kulisse, aber wenig sinnvolle Handlung und oft eher unfreiwilliger Humor. Bemerkenswerterweise hat auch die DDR nach dem Aufheben ihres Banns über den sächsischen Erfolgsautoren einen Zweiteiler Präriejäger in Mexiko drehen lassen, der sich offenbar wesentlich näher am Originalstoff orientiert hat und keinen Goldschatz-Bezug mehr hat, dafür mehr den Freiheitskampf der Mexikaner thematisiert. Karl-May-Wiki vermeint große Gemeinsamkeiten mit dem zweiten Siodmak-Film zu erkennen, was mir schwergefallen ist.
Ah, die erwartete "eigentliche" Besprechung dieser Trash-Perle! Ein Film, den man sich durchaus mal ansehen kann, wenn man sich herrlich unfreiwillig amüsieren will: In der Figurenzeichnung so schwarz/weiß und stereotyp wie nur möglich, in den Dialogen teilweise unglaublich platt, mit zwar markanten, aber dafür penetrant wiederholten Musikstücken und Kulissen, die geradezu nach Pappe riechen - was will man mehr?
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Wie man sieht, gibt es bei diesen Filmen mehr Übereinstimmungen mit Karl Mays geistigen Ergüssen als bei den meisten Winnetou-Streifen. (...) Immerhin treten drei historisch verbürgte Charaktere auf, Lincoln, Juarez und Bazaine, welche ihren historischen Vorbildern vom Aussehen her sogar sorgfältig nachgemacht sind.
In Bezug auf die Winnetou-Filme habe ich schon öfter auf einen Rezensenten verwiesen und diesen teils verlinkt, später dann aus dem Gedächtnis zitiert (seine Besprechungen stehen leider nicht mehr online). Über den ersten Film meinte er, dieser enthalten neben "Kitsch und hanebüchenen Dialogen" auch immer wieder "einen Brocken Karl May", außerdem würden "achtbar dargestellte Historische Personen" auftreten, die "durchaus ambivalent gezeichnet" seien. Der Hauptdarsteller wirke "wie eine Marmorstatue", sei aber "leicht überfordert", wenn es um etwas mehr Schauspiel ginge. X meinte (über den ersten Teil), das würde "nach einem ziemlich miesen Film" klingen, dieser sei aber trotzdem "sehr unterhaltsam". Ein Urteil, dem ich kaum widersprechen könnte!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3welcher dem fast übermenschlichen Doktor-Heroen wirklich auch aus der Patsche hilft, wenn es erforderlich ist. Der Lex-Barker-Supermann namens Sternau ist wieder mal mutig-männlich bis zum Abwinken, mit einer etwas überheblichen Attitüde. Ein Allrounder, unverschlissen im Dauerfaustkampf mit seinem fiesen mexikanischen Gegner in Uniform. Urzeitliche Aztekentechnologie ist ihm wohlvertraut, er drückt nur ein paar Knöpfchen und ist schon wieder draußen aus der verwinkelten Pyramide, in welchem er von Verdoja samt seinen Gefährten für die Ewigkeit zurückgelassen werden sollte.
Wobei das mr Übermenschlichkeit und Unbesiegbarkeit im Kampf in erster Linie für den ersten Teil gibt: Im zweiten Teil ist Doktor Sternau lange Zeit bewusstlos bzw. erholt sich von seinen Verwundungen; danach läuft das Geschehen bis zum Handlungsstrang in der Pyramide weitgehend ohne seine Einmischung ab. Ein zeitgenössischer Rezensent lästerte, der formale Held werde hier "zu einer Statistenrolle" degradiert; Michael Petzel meinte ähnliches, und zwar dass Lex Barker im zweiten Film im Grunde nur ein paar Gastauftritte habe.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Man merkt deutlich, dass einige Szenen im Atelier entstanden sind. Das wirkt fast schon surrealistisch, ist aber mengenmäßig zu geballt. Das schlechte Wetter in der schnöden Realität soll daran schuld gewesen sein. Die aus Dokumentarmaterial eingestreuten Pyramiden-Bilder sind in Wirklichkeit Maya-Bauwerke, aber wer kennt schon den Unterschied? Im Original geht es schließlich auch um einen Goldschatz der Miztecas, doch dieses Volk des alten Mexiko dürfte sich allgemeiner Unkenntnis erfreuen, im Gegensatz zu den viel bekannteren Azteken mit ihrem dramatischen Schicksal. Weswegen der erste Film wohl auch Der Schatz der Azteken heißt. Aber es wurde auch innen und außen eine Kulisse für Verdojas Privatpyramide errichtet. Ebenso die Schatzhöhle, die final mit etwas missglückt aussehender Lava geflutet wurde.
Böse Zungen könnten hier an gewisse Geschichten über Sparzwang und Zeitdruck bei der CCC denken ...
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Ein Manko sind mit Sicherheit die schluderigen Kampfszenen. Wie es die revolverschwingenden Helden trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder ohne eigene Verluste schaffen, Gefangene aus den Händen grimmiger Indianer, Franzosen oder sonstiger Übeltäter zu befreien, das grenzt schon an mehr als ein Wunder. Nur erklärbar durch die absolute Tölpelhaftigkeit ihrer Gegner, die schon massenhaft alleine ohne fremdes Zutun vom Pferd fallen oder über ihre Füße stolpern.
Da fällt mir ein Spruch aus dem Badmovies-Verriss eines anderen Filmes ein: Kein Wunder, dass das Gute gewinnt, wenn das Böses dieses Personal hat! Was die Tölpelhaftigkeit angeht, so denke man nur an die (teilweise auch im Trailer zu sehende) Szene, als französische Soldaten sich von Hasenpfeffer und Wilson mit billigsten Tricks überwältigen lassen.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Nur die letzte Schlacht von Potocas Mannen gegen die Desperados im zweiten Film ist einigermaßen gelungen, sogar ein Pferd stürzt kopfüber in einen Fluss (ich hoffe sehr, das arme Tier hat keinen Schaden genommen).
Tja, damals musste man eben noch nicht zur Beruhigung "No animals were harmed!" einblenden.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Entscheidender Makel der beiden Filme, besonders des zweiten, ist die wirre Handlungsfolge. Beginnt der erste Teil noch einigermaßen stringend, zerfasert sich das Geschehen bald in kaum mehr zusammenhängende Schlaglichter. Überfälle auf die Hacienda, Schießereien, Gefangennehmen und Befreien, immer mal Alfonsos falsches Werben um Karjas Gunst, das sind so die Elemente.
Allerdings weist Petzel darauf hin, dass auch Karl May öfter den Faden verloren habe; und in seinen Büchern nehmen Gefangennahmen, Befreiung, Belauschen der Gegner etc. ja auch viel Raum ein, wie du selbst in einem anderen Thread bemerkt hast.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3zwar verfrachtet der brünftige Verdoja die keusche Roswita in seine dunklen Pyramidengänge, wo er das holde Kind sogar vor den Augen ihres Liebsten schänden will, stellt sich dabei aber so dämlich an, dass der festgekettete Nebenbuhler vorher schon in Ohnmacht fällt, worauf der dem Wolllüstling gewaltig den Spaß verdirbt.
Naja, im ersten Teil hatte er mit ihr ja auch schon etwas Ähnliches versucht, bevor es durch heldenhafte Eingriffe verhindert wurde.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Auch das kurz darauf erfolgende unsanfte Ende der tobenden Josefa in einer stacheligen Foltervorrichtung der Azteken kommt in seiner Machart mehr als zahm herüber und raubt keiner zartbesaiteten Seele den Schlaf.
Als Kind fand ich diesen Mord ziemlich heftig, obwohl natürlich keine Details zu sehen sind. Aus heutiger Sicht wirkt es eher lächerlich, dass die zuvor so selbstbewusste Josefa sich so schlicht überwältigen lässt. Man hat den Eindruck, die Drehbuchautoren wollten die Figur loswerden, da sie für die Handlung nicht mehr wichtig war; und das sollte eben möglichst "spektakulär" geschehen.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Der Zuschauer kann durchaus den Eindruck gewinnen, die Hazienda, die Schatzhöhle, die Sonnenpyramide und die Hauptstadt liegen nur jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt, so oft wie der Schauplatz gewechselt wird und die Figuren mal hier und mal da grad auftauchen. Was natürlich Unsinn ist.
Gleiches könnte man aber auch z. B. "Winnetou I" über das Pueblo der Apachen, Roswell und das Camp der Eisenbahner sagen. Oder bei "Unter Geiern" über Baumanns Farm, das Hauptquartier der Banditen und den Trek.
Nachdem mein Appetit durch die Besprechung geweckt wurde, habe ich mir den Zweiteiler nach vielen, vielen Jahren wieder gegönnt.
Zitat von Savini im Beitrag #4Wobei das mit der Übermenschlichkeit und Unbesiegbarkeit im Kampf in erster Linie für den ersten Teil gibt: Im zweiten Teil ist Doktor Sternau lange Zeit bewusstlos bzw. erholt sich von seinen Verwundungen; danach läuft das Geschehen bis zum Handlungsstrang in der Pyramide weitgehend ohne seine Einmischung ab. Ein zeitgenössischer Rezensent lästerte, der formale Held werde hier "zu einer Statistenrolle" degradiert; Michael Petzel meinte ähnliches, und zwar, dass Lex Barker im zweiten Film im Grunde nur ein paar Gastauftritte habe.
Diesmal habe ich genauer darauf geachtet: Zwischen Sternaus Szenen im zweiten Teil vergehen immer wieder 10 oder sogar 15 Minuten in denen alle möglichen anderen Figuren im Mittelpunkt stehen - nur er nicht. Was seine Aktivität angeht, so beschränkt er sich in diesem Film darauf, sich einmal mit Verdoja zu prügeln, diesem bei anderer Gelegenheit einen Splitter aus dem Auge zu holen, danach die Flucht zu ergreifen (!), um Hilfe zu holen, und später in der Pyramide Potoca Tipps zum Öffnen der Geheimtür zu geben. Wirklich sehr wenig für den formellen Helden der Geschichte!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3Ein Manko sind mit Sicherheit die schluderigen Kampfszenen. Wie es die revolverschwingenden Helden trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder ohne eigene Verluste schaffen, Gefangene aus den Händen grimmiger Indianer, Franzosen oder sonstiger Übeltäter zu befreien, das grenzt schon an mehr als ein Wunder. Nur erklärbar durch die absolute Tölpelhaftigkeit ihrer Gegner, die schon massenhaft alleine ohne fremdes Zutun vom Pferd fallen oder über ihre Füße stolpern.
Da fällt mir ein Spruch aus dem Badmovies-Verriss eines anderen Filmes ein: Kein Wunder, dass das Gute gewinnt, wenn das Böses dieses Personal hat! Was die Tölpelhaftigkeit angeht, so denke man nur an die (teilweise auch im Trailer zu sehende) Szene, als französische Soldaten sich von Hasenpfeffer und Wilson mit billigsten Tricks überwältigen lassen.[/quote] Zum letzten Punkt eine kleine Selbstkorrektur: Es ist Hasenpfeffer allein, der die Soldaten austrickst und überwältigt. Bei der Szene, in der das geschieht, scheint man sich nicht recht entschieden zu haben, ob es Tag oder Nacht ist - es wechselt von Einstellung zu Einstellung. Und dass von einem Siodmak, der jahrzehntelang in Hollywood (!) gearbeitet hat! Was die "Wunder" auf Seiten der Helden angeht, so scheinen dazu auch deren Handfeuerwaffen zu gehören, die eine für 1864 rekordverdächtige Treffsicherheit und Reichweite haben; man achte nur darauf, wie viele Banditen beim zweiten Angriff auf die Hazienda damit abgeschossen werden!
Was Handlungslöcher angeht, so fällt noch auf, dass Juarez Doktor Sternau nach der Entlassung von Verdoja einen Spionageauftrag erteilt, der für die weitere Handlung aber keine Rolle mehr spielt. Wollte man einen Grund dafür nennen, dass der Arzt nicht nach zwei Dritteln des ersten Teils abreist? denn nachdem er dafür gesorgt hatte, dass Juarez durch das Erbe von Graf Fernando unterstützt wurde, war seine Mission eigentlich erfüllt. Theoretisch hätte er natürlich auch während der Heinreise festgenommen werden können, da seine Gefangennahme und die Anklage ja nichts mit seinem zweiten Auftrag zu tun hatten. Seltsam erscheint auch die Dialogstelle, in der Roswita meint, da Sternau Verdoja nicht "anschwärzen" wolle, müsse sie das tun: Einmal ist versuchte Vergewaltigung kein Kavalierdelikt, weshalb eine Meldung nichts mit "anschwärzen" zu tun hat; außerdem wäre der Doktor nach den damaligen Moralvorstellungen (soweit ich weiß) sogar verpflichtet, darüber zu sprechen, damit Roswita als Dame das nicht selbst tun muss. Statt es bei einer unehrenhaften Entlassung zu belassen, wäre eine Anklage vor dem Kriegsgericht eigentlich berechtigt gewesen; aber dann hätten wir im weiteren Verlauf einen Antagonisten weniger. Jedenfalls waren auch diesmal die Abgänge von Alfonso sowie Verdoja und den Chchimeks wieder absolute Lachnummern.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Gerrard Barray taucht als nichtsnutziger Sohn Graf Alfonso eines reichen Adligen auf, seine rücksichtslose und fast noch verderbtere Geliebte Josefa Cortejo wird von Michèle Girardon gespielt.
Nicht nur "fast", da sie im ersten Teil durch Verstellen der Uhr und Fälschen eines Briefes dafür sorgt, dass Graf Fernando sich anstelle seines Sohnes duelliert und dabei tödlich verwundet wird. Die Verachtung, die Sternau und der Diener Alfonso danach entgegenbringen, trifft diesen also zumindest teilweise unverdient. Eigentlich fast überraschend, wenn man bedenkt, wie s/w die Karl-May-Filme ansonsten sind.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Was auffällt, der spätere „Eiserne Kanzler“ der Deutschen muss zu dieser Zeit zumindest eine eiserne Gesundheit haben, wenn sein Leibarzt daheim so wenig zu tun hat, dass er in Sondermissionen in der Weltgeschichte herumgondeln kann.
Vielleicht hatte er auch mehrere Leibärzte?
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Der „ehrliche Abe“ überlegt fieberhaft. Bürgerkrieg daheim hin oder her, aber schließlich kann man nicht dulden, dass sich im eigenen Vorhof die Europäer breitmachen und ihre Diktatoren installieren. Das macht man schließlich lieber selbst!
Solche Aktionen der USA lagen 1864 allerdings noch in ferner Zukunft, die Monroe-Doktrin dagegen gab es schon. Jenseits davon hatte Lincoln aber auch realpolitische Gründe (auch wenn diese im Film natürlich nicht angesprochen werden): Die Sympathie Napoleons III. galt durchaus den Südstaaten.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Also schreibt er seinem mexikanischen Amtskollegen einen Brief mit allerlei Versprechungen, das kostet nichts und hält den anderen noch eine Weile bei der Stange.
In der historischen Realität sollten allerdings durchaus Taten folgen: Sobald der Bürgerkrieg im eigenen Land gewonnen war, gab es eine massive amerikanische Unterstützung für Juarez, so dass dieser Maximilian 1867 besiegte und wieder Präsident wurde.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3des Hauptbösewichts Pablo Cortejo, der im zweiten Film ja einen nur nebensächlichen und unmotivierten Auftritt hat
Eigentlich hätte man auf diese Figur im Film auch völlig verzichten können, da sie zur Handlung nichts beiträgt. Ob Cortejos Part in einer früheren Drehbuchversion noch größer war? Interessanterweise scheint man sich hier nicht nicht entschieden zu haben, ob nun Verdoja, Don Alfonso oder Josefa die Rolle des Hauptbösewichts spielt. Ich würde zu Letzterer tendieren, da sowohl die beiden anderen Figuren als auch Bazaine ja über weite Strecken von ihr manipuliert und beeinflusst werden.
Zitat von Savini im Beitrag #6Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1Gerrard Barray taucht als nichtsnutziger Sohn Graf Alfonso eines reichen Adligen auf, seine rücksichtslose und fast noch verderbtere Geliebte Josefa Cortejo wird von Michèle Girardon gespielt.Nicht nur "fast", da sie im ersten Teil durch Verstellen der Uhr und Fälschen eines Briefes dafür sorgt, dass Graf Fernando sich anstelle seines Sohnes duelliert und dabei tödlich verwundet wird. Die Verachtung, die Sternau und der Diener Alfonso danach entgegenbringen, trifft diesen also zumindest teilweise unverdient. Eigentlich fast überraschend, wenn man bedenkt, wie s/w die Karl-May-Filme ansonsten sind.
Dieses Handlungselement ist aus der Romanvorlage entnommen. Josepha verhindert das Duell, an dem Alfonso teilnehmen soll, weil sie in ihn verliebt ist. Das Gefühlsmäßige bleibt allerdings eine einseitige Sache, Karl May formuliert es sogar so in die Richtung, dass Josepha als verschmähtes Weib so extrem bösartig geworden ist, andernfalls sie sich doch eher der guten Seite zugewandt hätte. Im Buch gibt es dann ein Degenduell, wobei der alte Graf schwer verletzt wird und später aufgrund von Cortejos Ränken in eine Art Scheintod versetzt wird. Alfonso ist tatsächlich nicht sein richtiger Sohn, sondern der von Cortejo mit einer seiner Geliebten, der dann dem Adelsgeschlecht untergeschoben wurde, der richtige Sohn sollte eigentlich beseitigt werden, ist aber irgendwie bei einer Räuberbande aufgezogen worden... Ich muss sagen, ich habe richtig Lust bekommen, den Waldröschen-Zyklus mal wieder in Angriff zu nehmen. Leider ist es zu viel Lesezeit. Auch als Hörbuch für lange Autofahrten - das reicht noch für alle Urlaube bis zur Rente... Schade, mal sehen.
Zitat von Savini im Beitrag #7Eigentlich hätte man auf diese Figur im Film auch völlig verzichten können, da sie zur Handlung nichts beiträgt. Ob Cortejos Part in einer früheren Drehbuchversion noch größer war? Interessanterweise scheint man sich hier nicht nicht entschieden zu haben, ob nun Verdoja, Don Alfonso oder Josefa die Rolle des Hauptbösewichts spielt. Ich würde zu Letzterer tendieren, da sowohl die beiden anderen Figuren als auch Bazaine ja über weite Strecken von ihr manipuliert und beeinflusst werden.
Pablo Cortejo ist der aktive Hauptbösewicht der Kolportageromanreihe, der sozusagen als Oberintrigant hinter allem steckt. Sein Part im Film wirkt irgendwie so, als hätte man ein schlechtes Gewissen gehabt, ihn ganz wegzulassen und ihm dann doch noch einen kleinen und überflüssigen Platz eingeräumt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #8Zitat von Savini im Beitrag #5Jedenfalls waren auch diesmal die Abgänge von Alfonso sowie Verdoja und den Chchimeks wieder absolute Lachnummern.Ich habe mir das Finale jetzt auch mal angeschaut und dachte, ich wäre im Schlefaz.
So schlecht finde ich das Ende der Bösewichter gar nicht, im Gegenteil, finde es sogar recht gut gemacht. Ich muss sagen, dass mir die Mexiko-Filme sogar besser als die Orient-Filme von Brauner gefallen.
Danke für die Angaben zur Figurenkonstellation der Vorlage! Das könnte wirklich ein Indiz dafür sein, dass der ursprüngliche Drehbuchentwurf (vermutlich der von Marischka) noch enger an Karl May orientiert war und man manches noch aus diesem übernahm, obwohl es im fertigen Film (aufgrund sonstiger Veränderungen) unpassend erschien (etwa die Figur des alten Cortejo).
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10So schlecht finde ich das Ende der Bösewichter gar nicht, im Gegenteil, finde es sogar recht gut gemacht.
Es wirkt auf dich nicht albern, wenn Alfonso nach einer leichten Explosion erschrocken aus der Schatzhöhle herausläuft, dort so lange in die Lava starrt, bis er durch eingeatmete Dämpfe das Bewusstsein verliert und hineinstürzt? Und wenn die verbliebenen Bösewichter sich im Angesicht des Goldes wie kleine Kinder verhalten?
Beim erneuten Sehen wurde mir erst klar, wie dreist man hier beim Finale des "Silbersees" abgekupfert hat: Bösewichter, die angesichts des Goldes infantil werden, übereinander herfallen und sich gegenseitig zu töten beginnen, bis ein alter Indianer einen Mechanismus auslöst, der nicht nur die verbliebenen Schurken, sondern gleich auch noch den Schatz vernichtet.