Keine Versicherung gegen Mord – Tell It To The Birds (1963)
John Anson ist ein erfolgreicher Versicherungsvertreter, der die Früchte seiner Arbeit jedoch für Weib und Glücksspiel verschleudert. Durch seine Schulden sitzen ihm zwei Buchmacher im Nacken, der brutale Geldeintreiber Sailor Hogan hat ihm schon eine schmerzhafte Warnung verpasst. Da trifft er bei einem Vertretertermin auf die attraktive Meg Barlowe, die offenbar durch und durch unzufriedene Ehefrau eines unscheinbaren Verkäufers für Gartenbedarf, dessen ganze Leidenschaft in seine Gärten fließt. Scheinbar zufällig stößt sie Anson förmlich mit der Nase auf eine Möglichkeit für einen raffinierten Versicherungsschwindel bei dessen Arbeitgeber, wobei Ehemann Fred Barlowe das Zeitliche segnen soll. Unter vollem Körpereinsatz überzeugt die Dame den geldsorgengeplagten Anson, ein Komplott für eine Endsumme von 50.000 Dollar zu entwickeln. Einmal auf die schiefe Bahn geraten, gibt es für den Delinquenten kein Zurück mehr, er erschießt sogar bei einem Tankstellenüberfall einen Polizisten. Doch spielt die femme fatale ein falsches Spiel, denn da gibt es noch einen Mann im Hintergrund… Und Fred Barlowe ist auch nicht ganz so der harmlose Gartenfreund, er hat auch seine Geheimnisse. Ein rücksichtsloser Sexualverbrecher macht plötzlich die Gegend unsicher, die beiden Versicherungsbetrüger wollen jetzt ihm ihr eigenes Verbrechen in die Schuhe schieben. Der Plan scheint erst mal aufzugehen, doch schon längst hat Versicherungsprüfer Maddox seinen besten Mann, Detektiv Steve Harmas, auf die Sache angesetzt. Unerbittlich zieht sich die Schlinge um die Hals der Ganoven immer enger zu, es gibt für sie alle keinen Ausweg…
Eine kleine gemeine schmutzige Geschichte, typisch J.H. Chase, leider in der der Ullstein-Übersetzung merklich auf nur 140 Seiten Text zusammengekürzt. Wieder mal ein Zoo der Gierigen, Bösartigen, Perversen, ein Suhlen im Schmierigen und im menschlichen Elend. Alle sind Täter und auch Opfer, vor allem ihrer Sucht nach Geld und ihrer oft schon krankhaften Leidenschaften. Letztlich ist es immer auch die Sehnsucht nach Liebe, die alle antreibt und die sie tragischerweise immer bei dem oder der Falschen suchen. Alle führen ein Doppelleben und hintergehen sich, nur Steve Harmas, der es als Serienfigur in ein halbes Dutzend Titel von Chase geschafft hat, ist verheiratet und scheint so was wie eine tatsächliche normale bürgerliche Existenz zu führen. Der Plan zur Erschleichung der Summe aus einer Lebensversicherung klingt anfangs ganz gut, doch ist schon eine Menge Glück und Wagnis dabei, viel zu viel, wie man sieht. Sympathieträger hat die Story eigentlich keine, allen geht es nur ums Geld, wobei einem Anson oder auch Meg manchmal schon fast leid tun können, so wie sie letztlich von anderen ausgenutzt werden. Fred Barlowe bringt mit seinen perversen Heimlichkeiten zusätzlich eine bizarre Note ein. Steve Harmas leistet tatsächlich auch richtige Detektivarbeit, Reifenspuren werden verglichen, Telefonanrufe zurückverfolgt und Projektile aus zwei Revolvern sichergestellt, die Vergangenheit der Beteiligten durchleuchtet. Im Grunde macht er die Arbeit für den etwas schwerfälligen Polizeileutnant Jenson. Am Ende steht eine geschickt aufgebaute Falle für die betrogenen Betrüger, deren Schicksal unausweichlich besiegelt scheint.
Der New Yorker Kriminalreporter Sladen (als Ich-Erzähler) bekommt zusammen mit seinem Kollegen Bernie Low den Auftrag, für das Magazin Crime Facts die verschwundene Revuetänzerin Fay Benson aufzuspüren. Die beiden reisen ins kalifornische Welden, wo sie in dem 14 Monate alten Fall bald auf erste Spuren stoßen. Die leichtbekleidete Dame war wohl aus ihrer Garderobe entführt worden. Man findet die Namen potenzieller Zeugen, die aber allesamt an seltsamen Unfällen gestorben sind. Fays Schicksal steht bald fest. Nun gibt es handfeste Drohungen von Seiten finsterer Gangster, aber mit Unterstützung des kooperativen Polizeichefs Creed überlebt Sladen einen Mordanschlag. Während der ängstlichere Bernie zurück in die Heimat dampft und von da aus weitere Schützenhilfe leistet, geht Sladen Hinweisen nach, die zum benachbarten nach Tampa führen. Dort ist die Polizei aber berüchtigt, Creed warnt den Reporter nachdrücklich, der beim dortigen Ex-Polizeichef und ein paar Außenseitern Unterstützung findet. Er stößt auf ein zurückliegendes Verbrechen, dem der reiche Industrielle van Blake zum Opfer fiel, auf dessen schöne Witwe und jede Menge fragwürdige Zeitgenossen. Die Spesenrechnung heftig überziehend, führt er anspruchsvolle Damen in noble Clubs aus und gerät in Schlägereien. Bald schon sitzt er arg in der Klemme, er wird eines Doppelmordes verdächtigt, vom brutalen Sergeant Lassiter gejagt und die Kugeln fliegen ihm wieder um die Ohren. Aber es gelingt ihm, mit Mut, List und einer großen Portion Glück, ein teuflisches Komplott aufzudecken, dem in Welden und Tampa eine Menge Menschen zum Opfer fielen. Am Ende triumphiert er über alle Schurken und kann eine saftige Zeitungsstory schreiben.
Eine Geschichte, die wirklich mit atemberaubender Geschwindigkeit abläuft. Wo die Polizei über ein Jahr nicht vom Fleck kam, hat Sladen innerhalb eines Tages schon die halbe Miete in der Tasche. Es geht natürlich alles viel zu schnell und zu glatt, red herrings gibt es auf dem Weg zur Wahrheit nicht. Dafür jede Menge schießwütige Gangster, zum Schweigen gebrachte Zeugen, einzementierte Leichen, reizende Ladies, gute korrekte Cops und hässliche korrupte Bullen, sinistre Unterweltgestalten, kauzige Einzelgänger und viel Alkohol. Das Handlungsgerüst erinnert plotmäßig an Die Katze im Sack und ähnliche Titel, falsche Identitäten, opferreiche Vertuschungen und die Hatz nach dem ganz großen Geld inbegriffen. Das Buch ist in einem Rutsch lesbar, kann sich aber dem Eindruck einer offensichtlichen Oberflächlichkeit nicht erwehren, mehr vielleicht als in anderen Werken von Chase. Hauptsache, es knallt irgendwo. Der Held des Geschehens hat diesmal den Vorteil, kein schlechtbezahlter und auf dem letzten Loch pfeifender Privatschnüffler zu sein, sondern der bekannte Reporter eines angesehenen Kriminalmagazins. Das gibt ihm einen gewissen Rückhalt, denn mit der Presse will es sich niemand so ganz verderben. Und er kann großzügige Bestechungsgelder verteilen und noch großartigere Versprechungen für verstockte Zeugen machen. Bemerkenswerterweise siedelt Chase die Stadt Tampa in Florida in der Nähe von San Franzisco an (sowas hat ihm von Kritikern viel Tadel eingebracht). Ansonsten eignen sich die etwa 190 Seiten für einen Interessierten gut dafür, einen Einblick in Chase‘ Form der Privat-Eye-Story zu bekommen, auch wenn es sich, wie erwähnt, um einen Journalisten handelt.