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Dieses Thema hat 76 Antworten
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Edgar007 Offline




Beiträge: 2.630

24.07.2025 07:24
#31 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von MrTwelve im Beitrag #29
Und von den Übertreibungen der späteren Filme á la Sir Arthur z. B. noch weit entfernt.

Was aber sicher dem Zeigeist der späten 60er Jahre geschuldet ist...

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

25.07.2025 09:57
#32 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #30
Ist eben nur etwas für Menschen die wirklich guten Humotr verstehen, das sind leider die Wenigsten.


Die Güte von Humor ist wohl Definitionssache.

Die toten Augen von London oder: Das hat er nun vom Naschen.

Mit den toten Augen sind wir vorlagenmäßig wieder zurück bei Egon Eis (unter Dialogmitarbeit von Wolfgang Luckschy), was man auch sofort merkt. Die unterhaltsame Figur ist nun kein "deus ex machina" (danke, Savini) mehr, sondern ein sinnvoll in die Handlung integrierter sowie durchaus kompetenter und glaubwürdiger Kriminalbeamter. Sunny Harvey kann daher als konsequente Weiterführung von Sergeant Haggett gelten, an einigen Stellen scheint die Vorgängerfigur tatsächlich auch noch durch. Sunny ist jedoch durch sein Handarbeitshobby und mehr Gelegenheit zu menschlich-empathischer Interaktion mit den anderen Sympathieträgern des Films offener und freundlicher gezeichnet.

Sunny, Holt und Nora bilden dabei ein wirklich sehr sympathisches Ermittlertrio, das es spielend schafft die Gunst der Zuschauer für sich zu gewinnen und ein nötiges Gegengewicht zur Düsternis des Films zu schaffen. Das erste Treffen von Nora und Holt entstammt dabei dem Roman, fällt allerdings deutlich kürzer und pointierter aus. Auch Sunny ist keine Neuerschaffung des Drehbuchautors, sondern eine Verschmelzung zweier Original-Wallace-Figuren. Man hielt sich also weiterhin grundlegend an die Vorlage. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll Flimmer-Fred als schlagfertiger Gauner, dem Harry Wüstenhagen ein sympathisches Gesicht gibt. Überhaupt konzentriert man sich hier wieder hauptsächlich auf Schlagfertigkeit, trockene Repliken und Dialogwitz. Da könnte man fast schon von einer Eis'schen Handschrift sprechen, wenn man mit dem Frosch und dem Kreis vergleicht.

Doch auch Vohrer als Regisseur setzt hier seine Duftnoten. Sei es der makabre Zigarettenspender in Judds Büro oder der impossible shot mit der Munddusche. Besonders erwähnenswert finde ich hier die Taktung der Szenen. Zum Beispiel wie die Szene vor Noras Haus (wo man schon fast eine love triangle zwischen Nora, Holt und Sunny befürchten muss; aber nein, natürlich wird der Sergeant kein Rivale um die Gunst der schönen Frau, sondern bleibt ein treuer Freund) einen Entspannungsmoment schafft, bevor mit dem unheimlichen Treppenhausüberfall, dem grausamen Fahrstuhl-Mord und der Todesermittlung von Lew Norris der Atem des Zuschauers wieder ins Stocken gerät. Nur unterbrochen durch ein kurzes Schmunzeln über Sunny im Hinterhof, ehe dann der brutale Tod des blinden Jack folgt. Erst jetzt kommt wieder eine Szene zum Atem holen. Zwischen Sunny und Holt im Büro menschelt es sogar so gewaltig, dass man als Zuschauer fast schon ahnt, dass es danach noch einmal ganz besonders dick kommen muss. Und das tut es im Finale dann ja auch. Selbst Sunnys Scherz über die Pension des Inspektors nach dem Leichenfund bei der Greenwich wirkt da schließlich nur noch wie eine Schutzbehauptung, weil er selbst Angst um den Vorgesetzten und Freund hat. Die Spannungsschraube wird konstant und ohne Störung weiter gedreht, bis sich tatsächlich alles zum Guten wendet und uns eine humorige letzte Szene mit einem guten Gefühl aus dem Film entlässt. Was bleibt einem da als Fazit anderes zu sagen als: Geradezu mustergültig! Kein Wunder, dass der Film von vielen Fans als bester Wallace angesehen wird.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

25.07.2025 11:11
#33 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #32
Die Güte von Humor ist wohl Definitionssache.

Oh, ja!
Zitat von Count Villain im Beitrag #32
Die unterhaltsame Figur ist nun kein "deus ex machina" (danke, Savini) mehr, sondern ein sinnvoll in die Handlung integrierter sowie durchaus kompetenter und glaubwürdiger Kriminalbeamter. Sunny Harvey kann daher als konsequente Weiterführung von Sergeant Haggett gelten, an einigen Stellen scheint die Vorgängerfigur tatsächlich auch noch durch. Sunny ist jedoch durch sein Handarbeitshobby und mehr Gelegenheit zu menschlich-empathischer Interaktion mit den anderen Sympathieträgern des Films offener und freundlicher gezeichnet.

Interessant, dass du hier eine "Weiterführung" siehst! Mal sehen, ob Arents spätere Diener-Rollen dann auch "Weiterführungen" von James sein werden.
Wobei ich finde, dass Harvey hier schon deutlich verschrobener gezeichnet ist. Ein strickender Mann dürfte 1961 SEHR sonderbar gewirkt haben; aber interessanterweise soll das die Figur nicht einfach skurril wirken lassen, sondern hat eine sinnvolle Funktion, wie wir gegen Ende erfahren. Auf der Minusseite verbuchen ich leider zwei Sprüche, die bei mir eher Kopfschütteln bis Fremdscham auslösen: Einmal der von dir zitierte mit dem "Naschen" (der Jahre später im "Gorilla" recycelt wurde) und die völlig deplatzierte Bemerkung, nachdem der Fund von Gordon Stuarts Leiche erwähnt wurde.
Was die Interaktion mit positiven Hauptfiguren angeht, so war dies beim "roten Kreis" in der Form nicht möglich, da es dort solche nicht so zentral gab; das war allerdings der Romanvorlage geschuldet, da der "Kreis" (anders als viele andere Wallace-Bücher) keine durchgehende Identifikationsfigur bietet, sondern eher multiperspektivisch erzählt wird.
Zitat von Count Villain im Beitrag #32
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll Flimmer-Fred als schlagfertiger Gauner, dem Harry Wüstenhagen ein sympathisches Gesicht gibt.

Man merkt es Harry Wüstenhagen an, dass er vom klassischen Boulevardtheater kam. Interessant, wie sympathisch er seine Gauner-Rollen mitunter machte, selbst einen eigentlich schmierigen Erpresser wie Flimmer-Fred.
Zitat von Count Villain im Beitrag #32
Doch auch Vohrer als Regisseur setzt hier seine Duftnoten. Sei es der makabre Zigarettenspender in Judds Büro oder der impossible shot mit der Munddusche.

Seine Handschrift ist hier schon deutlich erkennbar, wenn auch (erfreulicherweise!) dezenter als bei vielen späteren Filmen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #32
Kein Wunder, dass der Film von vielen Fans als bester Wallace angesehen wird

... oder zumindest als einer der Besten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

25.07.2025 11:28
#34 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #33
Auf der Minusseite verbuchen ich leider zwei Sprüche, die bei mir eher Kopfschütteln bis Fremdscham auslösen: Einmal der von dir zitierte mit dem "Naschen" (der Jahre später im "Gorilla" recycelt wurde) und die völlig deplatzierte Bemerkung, nachdem der Fund von Gordon Stuarts Leiche erwähnt wurde.


Da sind wir wieder beim Thema "Humor ist subjektiv". Mich stören die beiden Stellen überhaupt nicht. Das ist natürlich schwarzer Humor, der eher an einen Schurken denken lässt (siehe "Dann macht es eben ein anderer" im Frosch), passt aber meines Erachtens durchaus zu Vohrers makabrer Note.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

25.07.2025 11:55
#35 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #34
Mich stören die beiden Stellen überhaupt nicht. Das ist natürlich schwarzer Humor, der eher an einen Schurken denken lässt (siehe "Dann macht es eben ein anderer" im Frosch), passt aber meines Erachtens durchaus zu Vohrers makabrer Note.

So "makaber" oder schwarzhumorig finde ich es jetzt nicht, als erste Reaktion auf die Nachricht von einer Themseleiche empört zu fragen, ob denn "niemand mehr erschossen" würde.
Und bei der Szene mit dem vergifteten Kuchen hätten die Bemerkungen über den "Sünder" und dessen "klebrige Finger" sowie das Nehmen mit einer Zange völlig gereicht, der pseudo-pädagogische Sprach war mir dann doch zu viel.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

25.07.2025 12:27
#36 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #33
Man merkt es Harry Wüstenhagen an, dass er vom klassischen Boulevardtheater kam. Interessant, wie sympathisch er seine Gauner-Rollen mitunter machte, selbst einen eigentlich schmierigen Erpresser wie Flimmer-Fred.


Ich war auch sehr überrascht, wie bedrohlich er in der ersten Szene in Judds Büro wirkt, wo man ihn vom Gesamteindruck her doch eher als eine Art loveable rogue im Gedächtnis hat.

Zitat von Savini im Beitrag #33
... oder zumindest als einer der Besten.


Da die Augen fast jeden Foren-Grandprix gewonnen haben (2005, 2007, 2014, 2019; sowie Platz 2 in 2009) habe ich mich hier bewusst für den alleinigen Superlativ entschieden.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

25.07.2025 12:56
#37 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #36
Ich war auch sehr überrascht, wie bedrohlich er in der ersten Szene in Judds Büro wirkt, wo man ihn vom Gesamteindruck her doch eher als eine Art loveable rogue im Gedächtnis hat.

Wieder interessant, wie unterschiedlich Eindrücke ausfallen können! Als "bedrohlich" habe ich Flimmer-Fred in dieser Szene nicht empfunden, eher als "ölig".
Zitat von Count Villain im Beitrag #36
Da die Augen fast jeden Foren-Grandprix gewonnen haben (2005, 2007, 2014, 2019; sowie Platz 2 in 2009) habe ich mich hier bewusst für den alleinigen Superlativ entschieden.

Ich hatte dabei jetzt nicht nur die Forumsmitglieder im Auge, die sich an den den Abstimmungen beteiligt haben, sondern eher die Fangemeinde insgesamt, die sich sicher auch woanders äußern kann (Forumsdiskussionen, Urteile in Fernsehzeitschriften oder Fachbüchern).

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

28.07.2025 09:17
#38 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #37
Wieder interessant, wie unterschiedlich Eindrücke ausfallen können! Als "bedrohlich" habe ich Flimmer-Fred in dieser Szene nicht empfunden, eher als "ölig".


Sagen wir mal so: Gefährlicher als ich ihn in Erinnerung hatte. Ölig ist er natürlich auch.

Das Geheimnis der gelben Narzissen oder: Der sicherste Ort auf der Welt.

Oder eher: Der nüchternste Rialto-Wallace der Welt. Zumindest bis jetzt. Viel gibt es zu dem Film nicht so sagen, denn viel ist nicht zu finden. Im Zuge eines Humor-Durchgangs wird man bei der ersten deutsch-englischen Koproduktion ziemlich im Stich gelassen. Anscheinend war die Reihe zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht soweit, dass man als deutsche Produktionsgesellschaft auch international Arent bzw. eine Arent-typische Figur durchdrücken konnte oder wollte. Selbst Ling Chus chinesische Weisheiten fühlen sich nicht wirklich an wie eine entspannte Auflockerung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man es mit einem Charakter zu tun hat, der weder vor Folter noch Blutrache zurückschreckt. Seine klugen Sprichworte dienen eher dazu, den Charakter mit dieser Marotte glaubhaft - teilweise auch stereotyp - als Asiaten zu definieren, und umschreiben zudem oftmals auf pointierte Weise sehr ernste Angelegenheiten. Da müsste man eigentlich auch noch einmal den Roman zur Hand nehmen, um zu vergleichen, wie Ling Chu dort ausgestaltet ist.

Was bleibt noch? Die einzige Stelle, die ich zum Aufatmen ausmachen konnte, ist letztendlich die Musiknummer, die sehr revue-artig daherkommt. Und selbstverständlich ist nicht nur Ling Chu schlagfertig, auch Whiteside kann bisweilen ganz schön spitzfindig sein. Sein Verhältnis zu Tarling, das anfangs noch ganz leicht auf einen unterhaltsamen Konkurrenzkampf hindeutet, wird allerdings ziemlich schnell kollegial. Insgesamt gesehen ist der Film also eher eine sehr trockene Angelegenheit. Sei es wegen trocken-pointierter Dialogzeilen oder weil man in Sachen Humor gleich ganz auf dem Trockenen sitzen gelassen wird. Das ist nicht das, was das Publikum mittlerweile erwartet und - glücklicherweise? - auch nicht das, was es in Zukunft bekommen wird.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

28.07.2025 10:44
#39 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #38
Der nüchternste Rialto-Wallace der Welt. Zumindest bis jetzt.

Schon sehr bald sollte er in dieser Hinsicht durch den "Fälscher" Konkurrenz bekommen. Aber soweit sind wir ja noch nicht ...
Zitat von Count Villain im Beitrag #38
Selbst Ling Chus chinesische Weisheiten fühlen sich nicht wirklich an wie eine entspannte Auflockerung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man es mit einem Charakter zu tun hat, der weder vor Folter noch Blutrache zurückschreckt. Seine klugen Sprichworte dienen eher dazu, den Charakter mit dieser Marotte glaubhaft - teilweise auch stereotyp - als Asiaten zu definieren, und umschreiben zudem oftmals auf pointierte Weise sehr ernste Angelegenheiten. Da müsste man eigentlich auch noch einmal den Roman zur Hand nehmen, um zu vergleichen, wie Ling Chu dort ausgestaltet ist.

Dort ist Ling Chu relativ wortkarg und hat (bis zur Folterung) praktisch nur Interaktion mit Tarling. Zunächst erweckt er diesem gegenüber den Eindruck, kaum Englisch zu verstehen, weshalb sie meist Kantonesisch miteinander sprechen. Erst in der Mitte des Romans dämmert es dem Detektiv, dass sein chinesischer Diener (das ist er dort eher) die Sprache fließend beherrscht.
Die "alten chinesischen Sprichwörter", die im Film zitiert werden, sind dagegen eine Hinzudichtung des Drehbuchs und zugleich ein Indiz dafür (ich weiß, Wiederholung), dass dieses lediglich von der Rialto übersetzt wurde und ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum stammte. Denn dort war man es durch Charlie Chan gewohnt, dass ein chinesischer Detektiv so redete; das hiesige Publikum kam mit dieser Figur dagegen erst in den 70ern in Kontakt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #38
Und selbstverständlich ist nicht nur Ling Chu schlagfertig, auch Whiteside kann bisweilen ganz schön spitzfindig sein. Sein Verhältnis zu Tarling, das anfangs noch ganz leicht auf einen unterhaltsamen Konkurrenzkampf hindeutet, wird allerdings ziemlich schnell kollegial. Insgesamt gesehen ist der Film also eher eine sehr trockene Angelegenheit. Sei es wegen trocken-pointierter Dialogzeilen oder weil man in Sachen Humor gleich ganz auf dem Trockenen sitzen gelassen wird. Das ist nicht das, was das Publikum mittlerweile erwartet und - glücklicherweise? - auch nicht das, was es in Zukunft bekommen wird.

Auch wenn es nicht direkt zum Humor-Spektrum gehört, bekam auch Fuchsbergers Rolle hier einige sehr pointierte Dialoge in den Mund gelegt (meist gegenüber Lyne, aber zumindest einmal auch gegenüber Anne), wie man sie in dieser Hinsicht eher von Heinz Drache gewohnt ist.
Was das von dir beschriebene Verhältnis zwischen Tarling und Whiteside angeht, so gab es eine ähnliche Konstellation ein paar Jahre später auch in "Ich, Dr. Fu Man Chu": ebenfalls eine deutsch-britische Produktion und ebenfalls mit Fuchsberger und Lee.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

28.07.2025 11:14
#40 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #39
Auch wenn es nicht direkt zum Humor-Spektrum gehört, bekam auch Fuchsbergers Rolle hier einige sehr pointierte Dialoge in den Mund gelegt (meist gegenüber Lyne, aber zumindest einmal auch gegenüber Anne), wie man sie in dieser Hinsicht eher von Heinz Drache gewohnt ist.


Ich musste beim Anschauen ebenfalls zwischenzeitlich an Heinz Drache denken und dass seine Kombo mit Sabina Sesselmann besser funktioniert hat. Jetzt weiß ich auch warum.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

28.07.2025 12:20
#41 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #40
Zitat von Savini im Beitrag #39
Auch wenn es nicht direkt zum Humor-Spektrum gehört, bekam auch Fuchsbergers Rolle hier einige sehr pointierte Dialoge in den Mund gelegt (meist gegenüber Lyne, aber zumindest einmal auch gegenüber Anne), wie man sie in dieser Hinsicht eher von Heinz Drache gewohnt ist.


Ich musste beim Anschauen ebenfalls zwischenzeitlich an Heinz Drache denken und dass seine Kombo mit Sabina Sesselmann besser funktioniert hat. Jetzt weiß ich auch warum.

Vielleicht trug dazu daneben noch bei, dass das Verhältnis zwischen Anne Rider und Jack Tarling (abgesehen von dem Abschiedskuss am Bahnhof und den letzten Sekunden des Films) eher kühl-distanziert bleibt und Tarling zusätzlich auch keine Kampfszene hat?

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.413

28.07.2025 19:52
#42 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Ich würde dennoch sagen, wenn ich mich in meine Zeit als junger Wallace-Novize versetze und mich an die Erstsichtung erinnere, dass man Christopher Lee und seine Sprüche als durchaus amüsant empfunden hat und trotz der durchaus rauen Foltermethoden den Charakter schon als klassischen comic relief interpretierte. Überhaupt ging es zumindest mir so, dass man das unterschiedliche Naturell der Filme zunächst gar nicht so bewusst wahrnahm: die Narzissen kamen mir längst nicht so nüchtern und düster vor wie sie vergleichsweise natürlich schon sind, wie auch zum Beispiel umgekehrt der Bogenschütze zunächst weitaus weniger parodistisch wahrgenommen wurde. Beide Filme gehören aber nach wie vor von Angang an zu meinen Favoriten, so unterschiedlich sie auch sein mögen…
Der einzige Film an dem ich mich erinnern kann, der bei der Erstsichtung gleich bereits einen (leider eher unangenehmen) anderen Eindruck hinterließ war tatsächlich die Gruft mit dem Rätselschloss (die zum Teil deutlich abweichenden Farbfilme wie Nonne und die Giallos jetzt einmal außer Betracht gelassen). Diesen Film fand ich irgendwie bedrückender als die anderen…
Ging Euch das auch so, dass man anfangs weniger unterschied?

Savini Offline



Beiträge: 1.051

29.07.2025 08:27
#43 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #42
Ich würde dennoch sagen, wenn ich mich in meine Zeit als junger Wallace-Novize versetze und mich an die Erstsichtung erinnere, dass man Christopher Lee und seine Sprüche als durchaus amüsant empfunden hat und trotz der durchaus rauen Foltermethoden den Charakter schon als klassischen comic relief interpretierte.

Trotz des Unterhaltungswerts seiner Sprüche (die ja durch die Blumen stets etwas einen Bezug zum Fall oder konkreten Situationen hatten) habe ich die Figur eher als "mysteriös" empfunden, da man Ling Chu öfter bei seinen Ermittlung sah und es schnell klar wurde, dass er einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Figuren hatte und wohl auch eigene Pläne verfolgte.
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #42
Überhaupt ging es zumindest mir so, dass man das unterschiedliche Naturell der Filme zunächst gar nicht so bewusst wahrnahm: (...) Ging Euch das auch so, dass man anfangs weniger unterschied?

Mir war zumindest lange nicht bewusst, wie viele verschiedene Regisseure es in der s/w-Phase der Serie gab; das wurde mir erst klar, als ich anfing, die Filme aufzuzeichnen und genauer auf die Angaben im Vorspann achtete. Und noch später kam bei mir dann der Gedanke, was für den jeweiligen Regisseur typisch sein könnte.
Die "Narzissen" habe ich relativ früh als etwas "härter" empfunden, wozu neben dem geringen Humoranteil auch die teilweise sehr düstere und bedrohliche Musik beitrug. Der "Bogenschütze" wirkte auf mich schon früh eher paroistisch, gerade in Bezug auf die Art, wie die Vertreter von Scotland Yard (natürlich abgesehen von Featherstone) dargestellt wurden.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.785

29.07.2025 12:32
#44 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Damals hat man die Filme ja meist wild durcheinander kennengelernt und sich auch nicht so die großen Gedanken dazu gemacht. Es waren halt interessante Krimis, mal etwas lustiger, mal etwas spannender, mal etwas unheimlicher. Wenn man sich die Filme nun zum x-ten Male, dann auch chronologisch anschaut und womöglich noch mit speziellen Hintergedanken, dann hat man natürlich einen etwas anderen Blick darauf, achtet auf andere Dinge.

Der Fälscher von London oder: Verzeihen Sie, Sir, darf ich mich entfernen?

Hatte ich beim Vorgängerfilm noch geschrieben, dass man Arent nicht durchdrücken konnte oder wollte, war es in der Eigenproduktion wieder möglich. Und genauso wirkt es auch: Durchgedrückt. Das scheint nun wirklich der Punkt zu sein, an dem man sich sagte: Ohne Arent geht es nicht. Also flugs eine Figur ins Skript geschrieben, die an sich unnötig ist (den Zeitungsartikel im Schrank hätte man auch anders finden können) und auch nur zwei kleine Szenen hat. Und die erste davon sogar erst nach über 70 Minuten Film. Immerhin erhielt Arent für diesen gefühlten Gastauftritt in den Credits erstmalig (?) eine "sowie" Nennung. Ähnlich wie in den "toten Augen" erfüllt auch hier eine besonders humorvolle Szene - in diesem Fall in Form reinen Slapsticks - die Funktion eines Entspannungsmoments kurz vor dem dramatischen Finale.

Doch wie sieht es davor aus? Hat man Arent oder generell humoristische Einschübe in dem Film vermisst? Erstaunlicherweise nicht. Während in den "Narzissen" noch Ling Chus chinesische Weisheiten für willkommene Auflockerung im nüchternen Kriminalfall sorgten, ist hier die Grundatmosphäre gleich eine ganz andere. Mir kam sie wärmer und herzlicher vor. Dies mag an der Bildgestaltung liegen, an der Musik, aber auch an den Charakteren, nicht zuletzt natürlich Janes liebevoller Hingabe. Neben einigen - für Wallacefilme mittlerweile fast schon obligatorischen - schnippischen und spitzfindigen Dialogen (z. B. zwischen Hale und Peter oder auch Janes Replik auf Wells), die viele der Charaktere prägen, ist es aber vor allem der gewitzte Bourke, der ruhig und besonnen über den Dingen zu stehen scheint und der von Lowitz mit viel Charisma und Spielfreude verkörpert wird, der den Zuschauer aufatmen lässt und ihm ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Wiewohl man sich als kundiger Wallace-Fan am Anfang noch fragt, ob er tatsächlich "ein Freund des Erbschleichers Peter Clifton" ist, man denke nur zurück an den "Frosch" ("Ein sympathischer Kerl!" - "Sympathisch war der mir nie.").

Hatte ich die "Narzissen" in Sachen Humor als den nüchternsten Wallace bezeichnet, so würde ich den "Fälscher" als den Wallace-Film mit dem leisesten Humor benennen wollen. Trotz der plakativen Nachbar-Stone-Szene. Aber Ausnahmen bestätigen schließlich nur die Regel.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

29.07.2025 14:05
#45 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Also flugs eine Figur ins Skript geschrieben, die an sich unnötig ist (den Zeitungsartikel im Schrank hätte man auch anders finden können) und auch nur zwei kleine Szenen hat.

Ganz streng genommen gibt es auch im Buch einen Nachbarn, der den Mörder nach der Tat durch den Garten gehen sah; aber das sind wirklich nur ein paar Sätze.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Ähnlich wie in den "toten Augen" erfüllt auch hier eine besonders humorvolle Szene - in diesem Fall in Form reinen Slapsticks - die Funktion eines Entspannungsmoments kurz vor dem dramatischen Finale.

Noch stärker als in den "Augen" reißt mich diese Szene bei jeder Sichtung erneut raus, weil sie einfach nicht in den Film passen will; der "Fälscher" ist (soweit man das bei dieser Reihe überhaupt sagen kann) in Sachen Geschichte und Figurenzeichnung relativ realistisch, hier gibt es keine übermenschlichen Handlager, skurril kostümierte Verbrecher oder bizarre Mordmethoden.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Doch wie sieht es davor aus? Hat man Arent oder generell humoristische Einschübe in dem Film vermisst? Erstaunlicherweise nicht.

So "erstaunlich" finde ich das nicht (siehe oben). Ein Arent als Assistent von Bourke oder Butler auf Longford Castle hätte die Stimmung in den entsprechenden Szenen zu sehr gestört.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Während in den "Narzissen" noch Ling Chus chinesische Weisheiten für willkommene Auflockerung im nüchternen Kriminalfall sorgten, ist hier die Grundatmosphäre gleich eine ganz andere. Mir kam sie wärmer und herzlicher vor. Dies mag an der Bildgestaltung liegen, an der Musik, aber auch an den Charakteren, nicht zuletzt natürlich Janes liebevoller Hingabe.

Wobei diese "Herzlichkeit" erstmals so richtig in der (ansonsten nicht unbedingt nötigen) Szene offen durchkommen, als Peter zu sich kommt und sie sich um ihn kümmert (nach über zwei Dritteln des Films). Zuvor verhielt sie sich in den gemeinsamen Szenen mit ihm teils distanziert, teils verunsichert.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
ist es aber vor allem der gewitzte Bourke, der ruhig und besonnen über den Dingen zu stehen scheint und der von Lowitz mit viel Charisma und Spielfreude verkörpert wird, der den Zuschauer aufatmen lässt und ihm ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Nachdem er i der Mitte des Films (etwa ab der "Hausdurchsuchung") den Fall übernimmt, kann man (ebenso wie Jane) nur erleichtert aufatmen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Wiewohl man sich als kundiger Wallace-Fan am Anfang noch fragt, ob er tatsächlich "ein Freund des Erbschleichers Peter Clifton" ist, man denke nur zurück an den "Frosch" ("Ein sympathischer Kerl!" - "Sympathisch war der mir nie.").

Es sei denn man kannte (so wie ich) die Buchvorlage schon vor dem Film.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44
Hatte ich die "Narzissen" in Sachen Humor als den nüchternsten Wallace bezeichnet, so würde ich den "Fälscher" als den Wallace-Film mit dem leisesten Humor benennen wollen. Trotz der plakativen Nachbar-Stone-Szene. Aber Ausnahmen bestätigen schließlich nur die Regel.

Ehrlich gesagt, ist für mich eher der "Fälscher" der "nüchternste" Film der Reihe bzw. der mit dem geringsten Humoranteil ("leise" finde ich in dieser Hinsicht z. B. eher den "Kreis").

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