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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 2.094 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
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Fabi88 Offline



Beiträge: 4.146

26.11.2025 13:37
#16 RE: Große Pause bei den BEW-Filmen Zitat · Antworten

Ja, das ist wohl auf den Punkt gebracht die Kurzfassung.
Aber da kommt noch ein wichtiger Aspekt dazu:
Die BEW-Filme waren von Beginn an (aus Produzenten- und Verleiher-Sicht) der bloße Versuch sich an die Rialto-Erfolge anzuhängen - inklusive ähnlicher Gestaltung der Plakate und zwischenzeitlichem Versuch den Namen "Bryan" auf "B." abzukürzen.
Das Geschäft war gut, solange die Originale 2-3 Millionen Zuschauer erreichten und man mit (mindestens auf den ersten Blick) ähnlichen Filmen zumindest noch 1/3 bis die Hälfte dieser Zahlen erreichte.
Nur brachte die Rialto-Reihe dann ja selbst nur noch sehr selten Zuschauerzahlen weit über 1,5 Millionen zu Stande, da lohnte sich eine Nachahmung um so weniger - zumal das Publikum zu diesem Zeitpunkt dann wohl auch schon besser zwischen Original und Epigone unterscheiden konnte, bzw. auch noch Weinert-Wilton und Co als zusätzliche Konkurrenz auf den Plan getreten waren. Agentenfilme und Co waren "neue" Trends, die anfangs wohl auch lukrativ waren. Der Zirkus zog also weiter, was ja auch Brauners Entschluss die Mabuse-Filme mit europäischen Co-Produzenten Richtung Eurospy zu schieben und die parallelen Starts neuer Reihen wie Fu Man Chu, Kommissar X und Co zeigen.
Eine "Weiterführung" der BEW-Reihe gab es ja im Grunde auch gar nicht. "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", "Die neunschwänzige Katze" und "Das Geheimnis des gelben Grabes" waren ja eher Verleih-politische Entscheidungen, nur "Der Todesrächer von Soho" war noch einmal ein von Beginn an als solcher geplanter BEW-Film. Das Drehbuch war da, man hatte noch die Rechte, Franco drehte brutal günstig und die Rialto-Reihe war eingestellt, da war die Idee wohl eine ähnliche wie Jahre zuvor bei "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten".

Ich persönlich finde die Einstellung der BEW-Reihe durchaus schade, da ich dem ernsteren Ton der Filme wie "Der Henker von London" oder "Das Phantom von Soho" als Gegenpol zu den bunten, selbst-ironischen Vohrer-Filmen ganz gut fand. Abwechslung in Punkto Handschrift gab es bei der Rialto selbst ja leider zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, da wäre sie zumindest extern ja nett gewesen. Brauner ließ Autoren und Regisseuren durchaus ein wenig freie Hand sich ein wenig von der Rialto zu entfernen und (in Maßen) Eigenständiges zu liefern, solange zentrale Verkaufsargumente erfüllt wurden. Wenn die Rialto schon nicht dazu bereit war, hätte zumindest Brauner in seinen günstigeren Epigonen weiterhin junge Filmemacher ranlassen können - so wie Edwin Zbonek (damals 35). Der Versuch Leute wie Klaus Lemke oder Roland Klick auf England-Märchen-Krimis loszulassen ist im Rückblick recht verlockend. Aber vielleicht hätten die da auch gar keinen Bock drauf gehabt...

Georg Offline




Beiträge: 3.336

26.11.2025 18:19
#17 RE: Große Pause bei den BEW-Filmen Zitat · Antworten

Ich denke, man darf einen Faktor nicht vergessen, der auch in der Literatur oft nicht berücksichtigt wird: Das Fernsehen! Seit 1963 gab es auch das ZDF und das lieferte ständig spannende Krimis fürs TV: "Die fünfte Kolonne", "Das Kriminalmuseum" und viele weitere Einzelstücke. Hinzu kommt, dass es in ARD/ZDF im Jahr ca. jeden 3. Tag einen eigenproduzierten TV-Krimi gab, Filme wie "Freitag muss es sein" mit Brigitte Grothum und Günther Ungeheuer oder "Hinter diesen Mauern" mit Fritz Wepper und Max Eckard wurden sogar an Originalschauplätzen in London gedreht (auch mit Spielhandlung) und vermittelten mehr Brit-Flair, als die Wallace-Krimis im Kino. Von Durbridge & Co. brauchen wir nicht zu sprechen. Und im Vorabend ermittelten "Kommissar Freytag" & Co.
Andererseits ist Artur Brauner auch ab 1963 auf die TV-Schiene aufgesprungen und hat mit seiner CCC Television GmbH zahllose TV-Filme produziert, die bei den Kosten wohl weitaus günstiger waren als seine Kinofilme, aber mit Sicherheit auch ein gleich großes Publikum erreichten: Tanz- und Musikfilme, Komödien, Verfilmungen damals erfolgreicher Theaterstücke wie "Der Kaiser vom Alexanderplatz" mit Rudolf Platte (Regie: Erik Ode) oder eben auch TV-Krimis wie "Doppelspiel" oder R. A. Stemmles historische Kriminalfälle à la "Der Fall Rohrbach", "Der Fall Jakubowski" usw.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.146

27.11.2025 10:20
#18 RE: Große Pause bei den BEW-Filmen Zitat · Antworten

Absolut richtig, das ist quasi das Glied in der Kette vor den abstürzenden Zuschauerzahlen bei der Rialto-Wallace-Reihe.
Das Kino hatte keine andere Wahl als mit Farbe, Breitwand und mehr Action zu reagieren - sprich mehr Aufwand und höhere Budgets. Das lohnte für Filme, die eher nur innerhalb Deutschlands ihr Publikum hatten weitaus weniger als für Filme, die sich international vermarkten ließen, bzw. auch Co-Produzenten aus Italien, Frankreich oder Spanien interessierten.

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