Zitat von Giacco im Beitrag #344Auch wenn mir der Stoff noch nicht ausgegangen ist, möchte ich das Thema aus verschiedenen Gründen hiermit abschließen. Gruß Giacco.
Ich war jetzt so lange nicht mehr hier und dann direkt diese Hiobsbotschaft.
Ich kann nur sagen, dass mir dieser Thread sehr viel Inspiration gegeben und dabei einiges an Neugierde fabriziert und meinen filmischen Horizont bei dieser Gelegenheit bedeutend erweitert hat. Gleich der damalige Startpost hat mir mit "Für zwei Groschen Zärtlichkeit" ein besonderes Filmerlebnis beschert. Auch wenn die Suche nach Produktionen aus diesem Thread manchmal alles andere als einfach und nicht selten sogar aussichtslos verlief, etliche der hier vorgestellten Filme standen erst durch Deine unermüdliche Arbeit auf meiner Agenda. Auch wenn der Vorhang jetzt fallen soll, der Thread wird mir auch weiterhin als Nachschlagewerk und Ansporn dienen, irgendwann das sehen zu können, was ich mir hier bereits hinter die Ohren geschrieben hatte. Naja, und da ich lange nicht mehr reingeschaut hatte, habe ich einiges nachzuarbeiten.
Vielen Dank an Dich, Giacco! Ich schätze Deinen sachlichen, mit Informationen aufgeheizten und fundierten Stil sehr und hoffe, dass das Einstellen des Threads keinen generellen Schlussstrich darstellt, denn neben den Beiträgen hier konnten zahlreiche Deiner anderen Filmvorstellungen oft den gleichen Effekt der Neugierde hervorrufen und letztlich eine Sichtung nach sich ziehen.
Vielen Dank für Eure positiven Kommentare. Wenn der Thread für den ein oder anderen weiterhin als "Nachschlagewerk" dienen könnte, würde ich mich freuen. Ein "genereller Schlussstrich" ist nicht geplant, aber man wird sehen.
Ich lese erst jetzt, dass Du, @Giacco, diesen Thread einstellen willst. Das finde ich in der Tat sehr schade, da er das Forum sehr bereichert hat - und ich denke, dass jeder den einen oder anderen Film dadurch kennenlernte, der sonst an ihm vorbeigegangen wäre. Na, ich hoffe, dass früher oder später doch noch einiges hier zu lesen sein wird. Danke jedenfalls für Deine tolle Arbeit!
Ich habe ja an der Resonanz gesehen, dass es durchaus Interesse gab für diesen Thread und freue mich nun umso mehr über das positive Echo. Momentan kann ich aber nichts versprechen. Außerdem heisst es ja: Aufhören wenn´s am schönsten ist.
Um die Reihe angemessen zu beenden, habe ich einen österreichischen Film ausgewählt, der mir dafür geeignet erscheint.
DER WEIBSTEUFEL Österreich (1966) - R: Georg Tressler - DE: 30.6.66 - Berliner Filmfestspiele / 29-4-66 Österreich Prod.: Vienna-Film, Wien (Otto Dürer) Darsteller: Maria Emo, Sieghardt Rupp, Hugo Gottschlich, Vera Comployer, Richard Tomasella
Droben auf dem Berg liegt der Hof Geiernest. Dort lebt der alte Bauer mit seiner bedeutend jüngeren Frau. Es geht karg und bescheiden zu, aber man ist zufrieden. Man hat sich arrangiert. Sie hat einen Versorger und er eine Frau für Heim und Herd. Körperliche Nähe scheint es nicht zu geben. Der Bauer hat Pläne. Er möchte den Dorfgasthof übernehmen und hat schon eine stattiche Summe dafür zurückgelegt, die er durch Schmuggel im großen Stil erworben hat. Der junge Gendarm, der plötzlich auf dem Hof auftaucht, will ihm das Handwerk legen, um endlich befördert zu werden. Er versucht sich mit der Frau zu verbünden, damit sie sich gegen ihren Mann wendet. Doch der hat längst gemerkt, dass der Gendarm den Reizen seiner Frau nicht abgeneigt ist. Er setzt sie unter Druck, damit sie mit ihm anbandelt. Doch beide haben bei ihren Plänen nicht an die Frau gedacht, die nun zwischen zwei Stühlen sitzt. Sie ist es, die eine Entscheidung trifft.
Das Bühnendrama von Karl Schönherr wurde bereits vorher mehrfach verfilmt. 1966 war es ausgerechnet Georg Tressler, der den Stoff neu bearbeitete und in die damalige Gegenwart verlegte. Tressler galt eigentlich als Regisseur des modernen, zeitbezogenen Fims ("Die Halbstarken", "Endstation Liebe", "Noch minderjährig"). Er hatte sich vom Produzenten die Zusage geben lassen, bei der Inszenierung freie Hand zu haben und keine Konzessionen machen zu müssen. Gedreht wurde ab Januar 1966, wobei die Atelieraufnahmen in Salzburg-Parsch entstanden. Indem er das harte und karge Leben in den Bergen beschreibt, noch dazu in kaltem Schwarzweiß, schuf Tressler eine Art Anti-Heimatfilm. Die Dreiecks-Story lebt natürlich nicht nur von der unwirtlichen Winterlandschaft, sondern auch von ihren Darstellern. Die österreichische Schauspielerin Maria Emo, in erster Linie auf den großen Theaterbühnen zuhause, erweist sich als herbe Schönheit und ihr feinfühliges Spiel macht sie zur Idealbesetzung für die Rolle der zerrissenen Frau. Sieghardt Rupp hatte zwar schon in trivialen Heimatschnulzen vor der Kamera gestanden, doch auch er glänzt hier mit sensibler Schauspielkunst. Der Film nahm als österreichischer Wettbewerbsbeitrag an den Berliner Filmfestspielen teil, ging aber mehr oder weniger unter. "Werkgetreue Verfilmung des Dramas von Schönherr". Er fand keinen deutschen Verleih. Nicht einmal künstlerisch ambitionierte Firmen wie z.B: die "neue filmform" zeigten Interesse.
"Kein kitschiges Berg-Idyll, sondern tödlicher Machtkampf. Tresslers vielleicht interessanteste Regiearbeit, die zu den bemerkenswertesten Filmen zählt, die das Österreichische Kino der Nachkriegszeit hervorgebracht hat." (film.at)