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Dieses Thema hat 49 Antworten
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 Romane
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Savini Offline



Beiträge: 1.026

28.07.2025 18:47
#46 RE: Stilelemente in Wallace-Romanen Zitat · Antworten

Eine Diskussion über manche Punkte wäre sicher interessant; aber dafür würde sich ein anderer Thread eher anbieten.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 721

02.12.2025 19:45
#47 RE: Stilelemente in Wallace-Romanen Zitat · Antworten

Die Monster des Edgar Wallace – und ihre diabolischen Meister

Die Mitte der zwanziger Jahre war für Wallace wohl die produktivste Zeit mit den phantastischsten Handlungen in seinen Büchern. Hier hat er seinen Stil gefunden, ohne in zu große Routine abzugleiten und die amerikanischen Einflüsse auf sein Werk waren auch nicht so stark.
Auffällig ist in drei aufeinanderfolgenden Jahren bei je einem Buch eine gewisse Konstellation von Handlungsmustern, die zu seinen bekanntesten, möglicherweise schaurigsten und vielleicht auch besten Romanen führte.

In dem 1924 erschienenen Thriller Die toten Augen von London tritt dem Leser das erste Mal ein menschliches „Monster“ in Gestalt des Blinden Jake entgegen. Im Jahr darauf übernimmt diese Aufgabe Der Neger Juma oder Der Unhold, unter welchen Titeln das Buch vor dem Krieg in Deutschland verkauft wurde (seitdem leider nicht mehr.) Schließlich trieb im Jahre 1926 im Krimi Die Tür mit den sieben Schlössern eine schaurige Kreatur namens Giacco ihr Unwesen. Gemeinsam ist allen diesen monströsen Gestalten eine ungeheure Körperkraft, abstoßendes Äußeres, anormale Größe, aber nur geringe Intelligenz, wenngleich sie doch eine triebhafte Verschlagenheit aufweisen. Und, natürlich, sie sind keine kriminellen Masterminds, sondern nur Werkzeuge für die eigentlichen Anstifter und Planer.
Wallace variiert diese Wesen in den möglichen Grenzen.
Der Blinde Jake etwa hat zwar seine Körperbehinderung, aber dafür sind seine anderen Sinne stärker, möglicherweise fast schon übernatürlich ausgeprägt, so dass er sich auch rattengleich in den finstersten und verwinkeltsten Gängen der Kanalisation zurechtfindet. Diese Verbindung, dass „Monster“ irgendwelche körperlichen Entstellungen haben, im Gefolge von Ungeziefer zu finden sind und auch beunruhigende außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, findet sich ja schon bei klassischen Grusel- und Fantasy-Geschichten zuhauf. Wallace hat diese Elemente wohl auch bewusst eingesetzt, um das Böse und Schauerliche noch zu unterstreichen.
Ebenso ein recht beliebtes Thema ist der wenig zivilisierte „Wilde“, der keinerlei Rechtsbewusstsein im europäischen Sinne besitzt, nur seinem Herrn gehorcht und rücksichtslos und grausam vorgeht, natürlich ebenfalls über allerlei Instinkte und Fähigkeiten verfügt, die dem Weißen schon lange verlorengegangen sind. Man denke nur an den Eingeborenen aus Doyles Erzählung Das Zeichen der Vier. Bei Wallace ist es Juma, ein riesiger Afrikaner, welcher zusätzlich noch die Wahnvorstellung hat, der König eines nicht existenten Reiches zu sein.
Letztlich bedient der Autor in seiner Mär von den sieben Türschlössern auch den Frankenstein-Mythos, indem er sogar zwei Kreaturen durch die Handlung stapfen lässt, die mit künstlich erzeugtem Riesenwuchs geschlagen sind, auf Kosten der Intelligenz. Eine der beiden Gestalten ist für den Action-Anteil eher nebensächlich, doch Giacco ist das zum Töten abgerichtete Wesen, auch hier werden die Instinkthaftigkeit und scheinbare „Natürlichkeit“ sowie die übermenschlichen Fähigkeiten des Homunkulus` betont, der von Menschenhand einen perfekten Körperbau bekommen sollte.
Weitere Spielarten dieses Monster-Themas sind schwerer vorstellbar, wenn man mal von außerirdischen Lebensformen oder fluchbeladenen Artefakten absieht, die plötzlich zum Leben erwachen. Was ja nun im Sinne eines Kriminalromans jenseits von Gut und Böse ist.
Trotz all ihrer eindeutigen Tätigkeit auf der Seite des Bösen werden die hünenhaften „Tiermenschen“ aber schon mit einer anderen, durchaus tragischen Seite beschrieben. Auch der brutale Blinde Jake wird von Alpträumen gequält, in denen ihm die Gesichter seiner nie gesehen Opfer erscheinen. Und seine kindliche Anbetung und Furcht für seine „Herren“ wird stets deren kompletter Skrupellosigkeit gegenüber gestellt.
Juma, der grausame Mordgehilfe, vermag sogar Mitleid im Herzen einer schönen Frau zu wecken, die ihn noch aus früheren, schöneren Tagen kannte. Schließlich ist auch er nur ein schlichtes, fehlgeleitetes und geistig verwirrtes Gemüt, das in eine fremde Umgebung verschleppt wurde. Bei Giacco, dem unfreiwilligen Opfer eines grausamen Experimentes, tritt die Tragik der Figur besonders deutlich hervor, zusammen mit seinem Leidensgefährten existiert er nur im Dunklen, wobei die beiden in ihren glücklichen Momenten Kinderlieder singen und sich mit Spielzeug die Zeit vertreiben.
Gemeinsamkeiten gibt es auch beim stets tödlich verlaufenden Ende der schrecklichen Wesen. Der Blinde Jake wird von der Hand seines rücksichtslosen verbrecherischen Gebieters erschossen, ebenso wie der wilde Juma dieses Schicksal teilt. Giacco und sein Gefährte stürzen zusammen mit ihrem kriminellen Schöpfer, der am Steuer eines Autos sitzt, durch eine Verkettung von Umständen in einen Teich und kommen dabei um, weitgefasst ist also auch der an ihrem Tod maßgeblich mitbeteiligt.

Das bringt einen nun zu den Köpfen hinter den Schreckensgestalten. Diese befehligen neben den „Monstern“ stets auch noch andere Personen in einem mehr oder weniger abgestuften Abhängigkeitsverhältnis, wobei man aber nicht direkt von einer kriminellen Organisation sprechen kann, am ehesten vielleicht noch bei den toten Augen. Auffällig ist aber die immer vorhandene „Doppelspitze“ am oberen Ende der Pyramide. Denn es sind jedes Mal zwei Oberschurken, die die Verschwörungen anführen.
Und jedes Mal geben die sich eine bürgerlich-wohlanständige Fassade. Waren es 1924 ein karitativer Geistlicher und ein seriöser Versicherungsunternehmer, so sind es 1925 ein geachteter Psychologe und ein erfolgreicher Geschäftsmann, 1926 dagegen ein geachteter Anwalt und ein Arzt, wobei allerdings Letzterer schon etwas abweichend von Beginn an eindeutig negativ skizziert wird.
Das Verhältnis der Oberhäupter zueinander ist eher ambivalent, einmal ein Brüderpaar, welches in einem gestörten Verhältnis von psychischer Abhängigkeit zueinander steht, ein andermal zwei geflohene australische Sträflinge, die sich im Lauf der Zeit immer mehr ablehnen und sogar mit mehr oder weniger Erfolg gegenseitig ans Leder wollen. Zuletzt noch zwei Figuren aus dem parasitären Dunstkreis eines reichen Adelsgeschlechts, eine von Misstrauen geprägte Zweckgemeinschaft.
Weiterhin eine Gemeinsamkeit im Handlungsgerüst ist erkennbar – die vorzeitige Enthüllung der Identität eines der führenden Bösewichter, wobei der andere und wahrscheinlich sogar einflussreichere im Schatten bleibt. Auf Reverend Dearborn gibt es bei den toten Augen schon frühzeitige Fingerzeige, bis er auch direkt als Rädelsführer gezeigt wird. Sein Bruder kommt erst am Ende mit direkter Nennung hinzu. Die beiden Ex-Knackis aus dem Unhold mit ihrem vielfältigen gesetzlosen Wirken leben unter angenommenen Identitäten, der Geschäftsmann Fleet als dem Eindruck nach Schwächerer und Gutmütigerer wird ebenfalls relativ früh entlarvt, während sein gefürchteter Spießgeselle „Al Clarke“ bis zum Schluss unter einer Tarnidentität sein Unwesen treibt. Und die Häupter der Verschwörung um die Tür mit den sieben Schlössern sind ähnlich skizziert, Dr. Staletti, der gewissenlose Arzt, macht aus seiner Bösartigkeit kaum einen Hehl, indessen ein weiterer und bedeutenderer Finstermann auch erst zum Schluss überraschend dingfest gemacht wird.
Immer ist es nur ein Teil des Duos, der direkt in engerer Beziehung zu dem gefügigen Monstrum steht und auch die Befehle erteilt.
Erwähnenswert ist bei allen Romanen vielleicht noch das jedes Mal erfolgte gewaltsame Ableben der „zweiten“ Männer von fremder Hand als Übereinstimmung im Geschehen.
Bei allen geschilderten Fällen ist der eigentliche Antrieb Habgier, es geht um ein Geflecht von Betrug, Erpressung, Diebstahl und Mord.

Was gibt es noch? Die üblichen Haupthelden sind wie oft Staatsbeamte, von Scotland Yard oder auch mal dem Außenministerium. Sie heben sich diesbezüglich kaum von den Herren dieser Funktion in anderen Krimis von Wallace ab. Larry Holt, Selby Lowe oder Dick Martin - alles recht nette Burschen mit ein paar individuellen Eigenheiten, wie sonst auch.
Die Heldinnen sind auch wie immer jede für sich wunderschön. Diana Ward, Gwendda Guildford oder Sybil Lansdown heißen sie. Und jedes Mal Anwärterin auf eine Millionenerbschaft, die ihnen von den Schurken des Stückes streitig gemacht werden soll. Keine Ausnahmen im Wallace-Universum, auffälligerweise in den oben geschilderten Stories jedes Mal in dieser Funktion. (Wobei Gwendda Guildford eine Sonderstellung bekommt, da sie den besten Kumpel des großen Detektivhelden abkriegt). Ein wenig schon die Fabel von der schönen Maid, der Schatz als zusätzliche Belohnung und das grausige Ungeheuer im Hintergrund, beherrscht von einem bösen Magier.
Von den Nebenfiguren zu nennen ist eine Position, die Wallace gerne mal einsetzte, hier bei den drei besprochenen Werken auch jedes Mal. Gemeint ist der sympathische Kleinganove, der dem üblichen Gut-Böse-Schema nicht ganz so eindeutig zuordenbar ist, seinen Platz in der Wallace'schen Mysterienwelt (wie es ein Kritiker mal bezeichnet hat) irgendwo zwischen Himmel und Hölle findet und gemeinhin gerne lange Finger macht, aber vor Gewalt oder gar Mord zurückschreckt. Flimmer-Fred, Hochstapler und Erpresser, kommt den "Toten Augen" gewaltig in die Quere. Eine schillernde Figur, die letztlich sogar ihrem sonstigen beamteten Widersacher Holt vertraut und ein paar gute Tipps gibt, wenngleich nicht unbedingt aus Selbstlosigkeit, sondern eher aus Selbsterhaltung. Im nächsten Buch gibt es einen gewissen Goldy Locks, Gentleman-Einbrecher und Fassadenkletterer, ein Helfer in der Not für bedrängte Damen, der fast ein bürgerliches Leben führt und auch mal für die Staatsdiener einen "Bruch" macht, zu seinem Vorteil, versteht sich. Diesen eher humorvoll gestalteten Figuren schließt sich der kleine Einbrecher Lew Pheeny im letzten der besprochenen Romane an. Allerdings haucht der bald sein kleines Gaunerleben aus, seinen Part übernimmt jetzt der notorische Dieb und Exsträfling Tom Cawler, der sich gegen seine bisherigen Kumpane stellt, als es der schönen Dame des Stückes an den Kragen gehen soll. Seine Rolle ist aber einiges düsterer angelegt als bei den anderen.

Alles in allem kann man wohl sagen, dass Edgar Wallace im Prinzip die gleiche Geschichte in drei unendlich variantenreichen Titeln erzählt hat, die durchaus in der gehobenen Kategorie seines Werkes liegen. Dann war es damit aber offensichtlich auch gut.

Savini Offline



Beiträge: 1.026

03.12.2025 08:57
#48 RE: Stilelemente in Wallace-Romanen Zitat · Antworten

Ein sehr interessant zu lesender Essay! Obwohl die Parallelen zwischen dem "blinden Jake" und Giacco wirklich auffällig sind (dass beide in der Verfilmung vom selben Schauspieler verkörpert wurden, kam nicht von ungefähr), waren mir die Überschneidungen bei den Auftraggebern zuvor gar nicht so klar.
Kurz kam mir der Gedanke, ob auch Bhag aus dem "Rächer" in diese Kategorie fällt. Er ist zwar im Roman ein Orang-Utan, wird dort aber als extrem menschenähnlich und seinem Herrn absolut hörig beschrieben. Für die Verfilmung entschied man sich gegen einen Statisten im Affenkostüm (wie lächerlich das wirkte, sollte sich viel später zeigen), sondern machte aus ihm einen fast entmenschlicht dargestellten Afrikaner. Ob die Drehbuchautoren hier vielleicht sogar den "Unhold" kannte? Aber das ist Spekulation.
Das Motiv eines willenlosen Werkzeugs, dass von einem Schurken für Verbrechen missbraucht wird, war natürlich auch ein beliebtes Motiv in Universal-Horrorfilmen der 30er/40er ("Frankensteins Sohn", die meisten "Mumien"-Filme).

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
Auffällig ist aber die immer vorhandene „Doppelspitze“ am oberen Ende der Pyramide. Denn es sind jedes Mal zwei Oberschurken, die die Verschwörungen anführen.
Und jedes Mal geben die sich eine bürgerlich-wohlanständige Fassade. Waren es 1924 ein karitativer Geistlicher und ein seriöser Versicherungsunternehmer, so sind es 1925 ein geachteter Psychologe und ein erfolgreicher Geschäftsmann, 1926 dagegen ein geachteter Anwalt und ein Arzt, wobei allerdings Letzterer schon etwas abweichend von Beginn an eindeutig negativ skizziert wird.

Wobei Dr. Staletti auch insofern keine "bürgerlich-wohlanständige Fassade" hat, als er schon vor Beginn der Romanhandlung mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, gesellschaftlich verachtet zu sein scheint und in seinem Lebensstil und seiner äußeren Erscheinung sehr schmuddelig und verkommen wirkt.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
Das Verhältnis der Oberhäupter zueinander ist eher ambivalent, einmal ein Brüderpaar, welches in einem gestörten Verhältnis von psychischer Abhängigkeit zueinander steht, ein andermal zwei geflohene australische Sträflinge, die sich im Lauf der Zeit immer mehr ablehnen und sogar mit mehr oder weniger Erfolg gegenseitig ans Leder wollen. Zuletzt noch zwei Figuren aus dem parasitären Dunstkreis eines reichen Adelsgeschlechts, eine von Misstrauen geprägte Zweckgemeinschaft.

Wobei das Verhältnis der Brüder zueinander in den "toten Augen" sehr innig und harmonisch zu sein scheint und in einem starken Kontrast zur völligen Gleichgültigkeit ihren Opfern gegenüber steht. In der "Tür" dagegen ist es wirklich eher eine "Zweckgemeinschaft", zumal das "ehrenwerte" Mitglied in die Verschwörung hineingeriet, weil es durch vorherige Verfehlungen erpressbar wurde.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
Weiterhin eine Gemeinsamkeit im Handlungsgerüst ist erkennbar – die vorzeitige Enthüllung der Identität eines der führenden Bösewichter, wobei der andere und wahrscheinlich sogar einflussreichere im Schatten bleibt. Auf Reverend Dearborn gibt es bei den toten Augen schon frühzeitige Fingerzeige, bis er auch direkt als Rädelsführer gezeigt wird. Sein Bruder kommt erst am Ende mit direkter Nennung hinzu. (...) Und die Häupter der Verschwörung um die Tür mit den sieben Schlössern sind ähnlich skizziert, Dr. Staletti, der gewissenlose Arzt, macht aus seiner Bösartigkeit kaum einen Hehl, indessen ein weiterer und bedeutenderer Finstermann auch erst zum Schluss überraschend dingfest gemacht wird.

Wobei es spätestens durch die Aussage von "Flimmer-Fred" klar sein dürfte, dass Dr. Judd Teil der Verschwörung ist (siehe seine Aussage über die entführte Frau). Und ob der zweite Kopf in der "Tür" wirklich "bedeutender" als Staletti ist? Beim Roman hätte ich da Zweifel, weil der Doktor gegen ihn (auch jenseits der gemeinsamen Verwicklung) in der Hand hat, was umgekehrt nicht der Fall ist.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
Erwähnenswert ist bei allen Romanen vielleicht noch das jedes Mal erfolgte gewaltsame Ableben der „zweiten“ Männer von fremder Hand als Übereinstimmung im Geschehen.

Interessanterweise weicht sowohl bei den "toten Augen" als auch bei der "Tür" die Verfilmung hier von der Vorlage ab, da dort jeweils beide Drahtzieher am Ende abgeführt werden; aber das dürfte Zufall sein.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
Bei allen geschilderten Fällen ist der eigentliche Antrieb Habgier, es geht um ein Geflecht von Betrug, Erpressung, Diebstahl und Mord.

Wobei bei den "toten Augen" im Buch noch die Besessenheit vom Theater und die Überzeugung vom eigenen Genie als weiteres Motiv hinzukommt, da ein Großteil des erbeuteten Geldes dafür verwendet wird.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #47
seinen Part übernimmt jetzt der notorische Dieb und Exsträfling Tom Cawler, der sich gegen seine bisherigen Kumpane stellt, als es der schönen Dame des Stückes an den Kragen gehen soll. Seine Rolle ist aber einiges düsterer angelegt als bei den anderen.

Gut, durch das Schicksal seines Bruders war die Sache für ihn natürlich erheblich "persönlicher", weswegen er am Ende das Gesetz selbst in die Hand nahm (und durch Inspektor Martins Schutz ungestraft blieb).

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 721

10.12.2025 15:55
#49 RE: Stilelemente in Wallace-Romanen Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #48
Kurz kam mir der Gedanke, ob auch Bhag aus dem "Rächer" in diese Kategorie fällt. Er ist zwar im Roman ein Orang-Utan, wird dort aber als extrem menschenähnlich und seinem Herrn absolut hörig beschrieben.

Bhag würde in Richtung Tierhorror gehen, also Der Hund der Baskerville und solche Sachen. Aber letztlich passt er nicht ganz in das Konzept. Er ist zwar der sklavisch ergebene Diener seines nicht sehr positiv dargestellten Herren. Andererseits hat er aber tatsächlich keinem etwas getan, nur dass er am Ende sogar den eigentlichen Schurken des Stückes richtet und nebenbei Held, Heldin und Herrchen davor rettet, kopflos zu werden.
Bhag ist nicht wirklich böse, er bleibt auch am Leben. Die Struktur des Romans Der Rächer ist auch ganz anders als die der drei betrachteten Titel.

Zitat von Savini im Beitrag #48
Und ob der zweite Kopf in der "Tür" wirklich "bedeutender" als Staletti ist? Beim Roman hätte ich da Zweifel, weil der Doktor gegen ihn (auch jenseits der gemeinsamen Verwicklung) in der Hand hat, was umgekehrt nicht der Fall ist.

Der Anwalt ist sowohl in Buch und Film eine Figur, die eher im Hintergrund agiert. Staletti ist eher der für die Morde aktiv verantwortliche, im Buch kommt "der zweite Mann" eher am Ende hin mehr aus der Versenkung, als er einen doppeltpistoligen Feuerüberfall auf den Inspektor und seinen Begleiter eröffnet und dann auch noch das alte Familienschloss abfackelt. Seine Position bleibt weniger greifbar, auch aufgrund seiner sehr bodenständigen Fassade, dank seines Berufes hat er es sicher auch leichter, sich aus der Affäre zu ziehen. Im Film ist ja die Dramatik auf die letzten Minuten gelegt, wo er auch da sein väterliches Gehabe ablegt. Für mich schon irgendwie die überlegene steuernde Figur.

Savini Offline



Beiträge: 1.026

12.12.2025 11:17
#50 RE: Stilelemente in Wallace-Romanen Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #49
Bhag würde in Richtung Tierhorror gehen, also Der Hund der Baskerville und solche Sachen. Aber letztlich passt er nicht ganz in das Konzept. Er ist zwar der sklavisch ergebene Diener seines nicht sehr positiv dargestellten Herren. Andererseits hat er aber tatsächlich keinem etwas getan, nur dass er am Ende sogar den eigentlichen Schurken des Stückes richtet und nebenbei Held, Heldin und Herrchen davor rettet, kopflos zu werden.
Bhag ist nicht wirklich böse, er bleibt auch am Leben.

Dann könnte man natürlich auch sagen, dass der "blinde Jake" innerhalb der Romanhandlung "niemandem etwas getan" habe. Anders als sein filmisches Pendant hat er ja niemanden umgebracht, sondern lediglich Leichen abgeholt. Sein Versuch, sich an Fanny Weldon zu rächen, wurde rechtzeitig verhindert, die Entführung der weiblichen Hauptfigur scheiterte kläglich, auch ein anderes Opfer konnte ihm entkommen.
Bhag versuchte immerhin, Helen zu entführen, im letzten Drittel des Romans verfolgt er sie durch den Park. Das hätte auch böse ausgehen können, ebenso wie die nächtliche Attacke auf Brixon, wenn nicht der Mann aus Borneo als Retter in der Not zur Stelle gewesen wäre.
Insofern bleibt er den Roman (und Film) über zumindest als mögliche Bedrohung der positiven Hauptfiguren präsent.

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