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Dieses Thema hat 54 Antworten
und wurde 6.257 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
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Prisma Offline




Beiträge: 7.602

07.09.2024 21:22
#46 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten






Die laufende Wallace-Reihe erlaubte sich bislang den unverblümten Luxus, zahlreiche gesellschaftliche Klischees zu etablieren, wenngleich es sich hierbei hauptsächlich um Nebenschauplätze handelt. So sind die beteiligten weiblichen Hauptrollen bislang in jeder der fünfzehn Produktionen ledig und scheinen nur darauf zu warten, von ermittelnden beziehungsweise werbenden Herren aufgelesen zu werden. Dass es dem Publikum bei so viel Attraktivität, Schönheit und Sinnlichkeit kaum seltsam vorkommt, dass die teils zu beschützende Weiblichkeit keine schlechtere Hälfte an ihrer Seite hat, wird meist mit völlig zeitraubender Berufstätigkeit oder familiären Korsetts zu erklären versucht. In lediglich einer der Geschichten steht eine Hochzeit ins Haus, noch bevor der Film zu seinem Ende kommt. In Alfred Vohrers "Das indische Tuch" soll es nicht anders laufen, denn das feminine Objekt der Begierde in persona von Gast-Darstellerin Corny Collins scheint frei für alles Weitere zu sein, auch wenn es keinerlei Hintergrundinformationen über ihr Privatleben gibt. Interessant ist die Tatsache, dass Collins im internen Vergleich einen völlig anderen Frauenentwurf zeichnet, immerhin kannte man sie als über die Maßen selbstbewusste junge Frau, der in der Regel niemand zu sagen brauchte, was zu tun oder nicht zu tun ist. In diesem Szenario wird sie von Herren, die noch gerade so in ihren Alters-Radius passen, umworben; ein Eindruck, der möglicherweise zustande kommt, weil die übrigen Vertreter den Altersdurchschnitt deutlich heben. Collins soll dem Gesetz der Serie nach designierte Partnerin von Heinz Drache sein, ein Charakter, der es seinem weiblichen Gegenüber bislang stets schwer gemacht hatte, da sein Naturell es kaum zulässt, eine Frau bedingungslos zu umwerben, immerhin möchte er ganz offensichtlich, dass es anders herum laufen soll. Die Chemie zwischen den beiden kann vergleichsweise jedoch als recht stimmig aufgefasst werden, den es kommt zu kleineren Annäherungsversuchen und Signalen, die an die großen Wallace-Liebesgeschichten erinnern werden.

Frank Tanner und Isla Harris treffen sich durch reinen Zufall, welcher durch klare Verhältnisse wie Mord gewaltsam herbeigeführt wurde. Der Anwalt und die über einige Ecken mit den Lebanons verwandte junge Dame werden beim großen ersten Zusammentreffen beinahe als Außenseiter etabliert, die nichts mit den Allüren und Schlechtigkeiten der übrigen Sippschaft zu schaffen haben. Etliche von ihnen scheinen sehr merkwürdige Zeitgenossen zu sein, die aus den verschiedensten Gründen andere Dinge als Amouren im Kopf haben. Wie so häufig spuckt die sich im Vakuum abspielende Geschichte aber noch einen obligatorischen Nebenbuhler aus, der beim Anblick von Miss Harris offensichtlich schockverliebt gewesen sein muss. Im Grunde genommen kommt es zu keinem Zeitpunkt zu einem Interessenkonflikt zwischen Heinz Drache und Hans Clarin, wenngleich Letzterer ernsthaftes Interesse bekundet, Isla irgendwann heiraten zu wollen, was man von anderer Stelle nicht zu hören bekommt. Der junge Lord scheint nie etwas anderes als die Abgeschiedenheit des Schlosses gesehen zu haben. Er spielte Klavier, war Gesellschafter seiner dominanten Mutter und träumte in den Tag hinein. Sein Pendant hat andere Referenzen vorzuweisen. Zwar ist er nicht so potenziell reich wie der Lord, aber er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, ist resolut und offenbar erfahren. Es kommt allerdings zu keinem Clash wie beispielsweise in anderen Vertretern der Reihe, sodass sich Isla in Ruhe selbst entscheiden dürfte, wer besser in ihr Leben passen könnte. Dieser Gedanke bleibt zwischen allen Nebenschauplätzen und bestialischen Morden allerdings nur eine vage Tendenz, die das hier behandelte Thema kaum bedient. Liegt es an den räumlich und örtlich begrenzten Voraussetzungen, an dem Anwalt, der hauptsächlich an der Aufklärung des Falls interessiert ist, oder am Zuschauer selbst, da hier nur schleppende Signale auftauchen wollen? Fakt ist, dass diese Geschichte eine ständige Liebelei überhaupt nicht nötig hat, da sich die beteiligten Personen selbstsicher auf andere Ziele fokussieren.

Im Grunde genommen verlaufen diese untertourigen Schwingungen angenehm für den Zuschauer ab, da er sich seine eigenen Gedanken darüber machen kann. Alfred Vohrer spielt also kein Suggestivspiel wie andere Regisseure vor ihm oder er selbst, allerdings muss auch betont werden, dass er im Gegensatz zu seinen Kollegen in vielen seiner Wallace-Beiträge Heinz Drache in der männlichen Hauptrolle zu führen hatte, dem Amouren einfach nicht wie von selbst stehen wollten, wie es etwa bei Joachim Fuchsberger der Fall ist. Manchmal waren sie einfach auch nicht angedacht. Wie üblich, kommt es zu konfektionierten Seheindrücken, denn die weibliche Hauptrolle wird Projektionsfläche für Angst und Schrecken. Obwohl Corny Collins wesentlich selbstbewusster und eigenständiger als zahlreiche Vorgängerinnen wirkt, liefert sie nur einen Rückschritt in ihrem eigenen Repertoire. Für die große Liebe ist in "Das indische Tuch" beziehungsweise auf Schloss Marks Priory wenig bis gar kein Platz, was einerseits an der schwerfälligen Initiative eines Heinz Drache liegt, aber auch an den Restriktionen der Übermutter in persona von Elisabeth Flickenschildt, die ihrem heiratswilligen Sohn die attraktive Schwarzhaarige auszureden versucht, indem sie sie in ein schlechtes Licht stellt. Lady Lebanon personifiziert im Übrigen einen Schlag Frau, welcher mit ungeschriebenen Gesetzen vertraut war, koste es, was es wolle. Gefühle standen nie ganz oben auf der Liste, sondern das Funktionieren und das Wahren des Scheins nach außen. Schlechte Karten für ihren Sohn, schlechte Karten für Isla Harris, überhaupt jemanden in dieser Einöde für sich zu finden, die sich immer mehr zu einem Leichenschauhaus entwickelt. Übrigens sieht man mit der atemberaubenden Performance von Gisela Uhlen und Hans Nielsen auch, dass es in der Reihe nie ein permanentes "L'amour toujours" geben kann, denn die beiden hassen sich nach Jahren der Ehe wie die Pest. Bleibt man hier diesbezüglich auf dem Teppich, kommt es zu netten Andeutungen, die man zwar zur Kenntnis aber final nicht mit ins Grab nehmen sollte.

Giacco Offline



Beiträge: 2.749

08.09.2024 17:26
#47 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Bezüglich Tanner und Isla blieb mir immer diese Szene in Erinnerung: Tanner steigt die Stufen zu einem Geheimgang hinab und landet in Islas Kleiderschrank, vor dem sie sich nicht vollständig bekleidet gerade umzieht. Statt sich als echter Gentleman zu erweisen und sich gleich zurückzuziehen, genießt er die Aussicht, die sich ihm bietet.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

08.09.2024 19:29
#48 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Ein interessanter Thread, von dessen Existenz ich noch gar nichts wusste, bevor er gestern ausgegraben wurde!
Nach Durchsicht der einzelnen Beiträge hätte ich zum einen oder anderen Fall eventuell auch noch etwas zu sagen.

Zitat von Giacco im Beitrag #47
Bezüglich Tanner und Isla blieb mir immer diese Szene in Erinnerung: Tanner steigt die Stufen zu einem Geheimgang hinab und landet in Islas Kleiderschrank, vor dem sie sich nicht vollständig bekleidet gerade umzieht. Statt sich als echter Gentleman zu erweisen und sich gleich zurückzuziehen, genießt er die Aussicht, die sich ihm bietet.

Ebenso bezeichnend, dass er Isla erst einige Tage (!) später auf diesen Geheimgang hinweist, nachdem der Mörder wieder mehrere Male zugeschlagen hat; wollte er zuvor noch einige Male Blicke riskieren?

Prisma Offline




Beiträge: 7.602

08.09.2024 20:39
#49 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #47
Bezüglich Tanner und Isla blieb mir immer diese Szene in Erinnerung: Tanner steigt die Stufen zu einem Geheimgang hinab und landet in Islas Kleiderschrank, vor dem sie sich nicht vollständig bekleidet gerade umzieht. Statt sich als echter Gentleman zu erweisen und sich gleich zurückzuziehen, genießt er die Aussicht, die sich ihm bietet.


Das geht mir sogar so, wenn ich nur an den Film denke, außerdem sehe ich dann immer Tanners vielsagendes Grinsen vor mir. Heinz Drache ist nach meinem Empfinden ohnehin eine schwierige, wenn nicht sogar kontroverse Person für diesen Exkurs und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob man ihn extra als Pendant platzierte, seine Rollen beim Thema L'amour dementsprechend alternativ anlegte, oder ob es einfach nicht in seiner Natur als Schauspieler oder sogar Charakter lag, derartige Kapriolen nicht mitmachen zu wollen.

Zitat von Savini im Beitrag #48
Ein interessanter Thread, von dessen Existenz ich noch gar nichts wusste, bevor er gestern ausgegraben wurde!


Ich habe gerade selbst gesehen, dass hier so gut wie vier Jahre Pause war. Es sollte mal wieder ein bisschen zügiger vorangehen, zumal ich ja immer schon eine Exkurs-Reihe aus mehreren Themen-Komplexen machen wollte, die für die jeweiligen Filme nicht essentiell aber dennoch hochinteressant sind. Aber dazu demnächst mehr mit anderen Themen.

Zitat von Savini im Beitrag #48
Nach Durchsicht der einzelnen Beiträge hätte ich zum einen oder anderen Fall eventuell auch noch etwas zu sagen.


Aber immer gerne!

Savini Offline



Beiträge: 1.051

12.09.2024 15:42
#50 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #49
Heinz Drache ist nach meinem Empfinden ohnehin eine schwierige, wenn nicht sogar kontroverse Person für diesen Exkurs und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob man ihn extra als Pendant platzierte, seine Rollen beim Thema L'amour dementsprechend alternativ anlegte, oder ob es einfach nicht in seiner Natur als Schauspieler oder sogar Charakter lag, derartige Kapriolen nicht mitmachen zu wollen.

Es fällt auf, dass Heinz Drache im Unterschied zu vielen anderen Hauptdarstellern dieses Genres vergleichsweise selten Szenen als Liebhaber hatte; in einem anderen Forum wurde bemerkt, dass er das mit (dem zufälligerweise öfter von ihm synchronisierten) Patrick McGoohan gemeinsam hatte, der Kuss- oder Flirtszenen auch meistens vermied (von anderen Sachen ganz zu schweigen).
Innerhalb der Wallace-Reihe bleibt natürlich die Frage, ob der Grund in erster Linie beim Schauspieler, dem Drehbuch oder der Regie lag. Draches Wallace-Rollen bei Rialto waren ja sämtlich unter Alfred Vohrers Regie; es fällt auf, dass in Vohrers Beiträgen romantische zwischenmenschliche Szenen deutlich seltener vorkamen als etwa in denen von Harald Reinl. Bei Reinl gab es im "Frosch" mehrere gefühlvolle Momente zwischen Richard Gordon und Ella Bennett, ebenso wie die Szene, als im Fälscher" Jane sich liebevoll um ihren erwachten Mann kümmert, daneben beendete er seine Filme gerne mit einem gemeinsam in eine glückliche Zukunft gehenden oder fahrenden Paar.
Bei Vohrers Wallace-Beiträgen fielen mir als emotionale Momente zwischen Mann und Frau (neben der hasserfüllten Auseinandersetzung der Tillings im "Tuch") vor allem die Szene zwischen Millie Trent und Frank Sutton im "Zinker" sowie die Momente zwischen Yvonne und Bruce im "Glasauge" ein - beide bekanntlich mit tragischem Ausgang.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

25.09.2024 15:39
#51 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #20


DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN
(...)
Schon häufiger konnte man in der Serie gewisse Veränderungen in den Bereichen Stil, Aufbau und Marschrichtung erkennen, doch in Ákos von Ráthonyis Beitrag fand sozusagen eine kleinere Revolution statt. Die Geschichte wirkt prosaisch und ist mit tödlichem Ernst angereichert worden, so dass dieser Film die Gemüter der Fan-Gemeinde ebenso spaltet, wie es die widersprüchliche Narzisse selbst tut. Zu Beginn spürt man als Zuschauer keine eindeutigen Signale der beiden Hauptpersonen auf, es gibt keine sogenannte Liebe auf den ersten Blick, es scheint überdies, dass niemand auf der ernsthaften Suche nach einem Partner ist. Das erste Zusammentreffen zwischen Anne Rider und Jack Tarling wirkt somit eher kühl und starr, in keinster Weise irgendwie aufgeladen oder in eine bestimmte Richtung drängend. Unter schwierigeren Voraussetzungen als üblich, bekommt der Zuschauer hierbei mehrere Facetten der Findung geboten, und der Weg der mit Komplikationen gespickten Eroberung wird noch deutlicher als zuvor demonstriert. In "Das Geheimnis der gelben Narzissen" wirkt die zu keinem Zeitpunkt konstruiert wirkende Liebesgeschichte erfrischend und neu, ja es scheint, dass sie der Realität mehr entspreche, als es bei anderen Konstellationen innerhalb der Serie der Fall war. (...) Der Umgang mit Joachim Fuchsberger gestaltet sich spröde und beinahe sachlich, keiner der beiden legt Wert auf falsche Sentimentalitäten oder unangebrachte Phrasen. Dem Empfinden nach entsteht gerade durch diese Strategie eine der unaufdringlichsten, ehrlichsten und nachhaltigsten Romanzen der kompletten Reihe, selbst die Möglichkeit einer vielleicht nur intensiven Affäre ist weitgehend in Betracht zu ziehen, wenn die Distanz durch ein Auftauen der Emotionen gesprengt wird.

Eine sehr treffende Beschreibung! Im Grunde beschreibt sie etwas genauer, was bei deutscher-tonfilm ungefähr (ich habe gerade keinen Zugriff auf die Besprechung) mit den Worten zusammengefasst wird, hier müsse sich das Paar "erst zusammenraufen". Es wirkt etwas sonderbar, wenn man bei dieser Reihe von "Realismus" bei der Figurenzeichnung sprechen will; aber Annes lange distanzierter Umgang mit Jack Tarling lässt sie doch etwas greifbarer erscheinen und macht das Verhältnis der beiden weniger romantisch als ähnliche zwischenmenschliche Beziehungen im "Frosch" oder der "Bande".
Der Kuss zwischen beiden am Bahnhof wirkt dadurch etwas intensiver (aber nicht aufgesetzt) und war auch notwendig, um das emotionale Verhältnis zueinander hervorzuheben, da sie sich danach ja erst im Finale wieder begegnen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.602

14.10.2024 11:36
#52 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #51
Es wirkt etwas sonderbar, wenn man bei dieser Reihe von "Realismus" bei der Figurenzeichnung sprechen will

Ja, das finde ich auch, was übrigens nicht nur für das hier behandelte Thema gilt. Deswegen ist der Vergleich zur Realität immer schwierig herzustellen und vielleicht nur in Facetten oder Ideen erkennbar. Deswegen ziehe ich solche Vergleiche auch hauptsächlich innerhalb des Wallace-Universums und dessen Epigonen. Um solche Reihen am Leben und frisch zu halten, waren immer gewisse Modifikationen gefragt, schon alleine deswegen, um das Publikum bei der Stange zu halten. Zieht man Parallelen bis zu "Das Geheimnis der gelben Narzissen", nimmt man bei l'amour toujours wenig Vergleichbares wahr, vielleicht ausgenommen Renate Ewert in "Der rote Kreis", was sich aber hauptsächlich auf die Zeichnung eines völlig anderen Frauentyps bezieht, der leider am Ende handelsüblich verheizt wird. "Das Geheimnis der gelben Narzissen" ist nicht umsonst mein Lieblingsfilm in Schwarzweiß; der Entwurf der Findung von Anne Rider und Jack Tarling ist nur ein Zubringer dafür. Was jedoch gleich in der Anlegung bleibt, ist, dass es immer einen Nebenbuhler gibt, der das potenzielle Glück bedroht. Und das ist nicht einmal auf den Mörder selbst bezogen, der den Ermittler aus dem Weg schaffen möchte, sondern auf Figuren, die sich für die weibliche Hauptrolle interessieren, die wiederum natürlich auch aus der Täter-Fraktion stammen können.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

15.10.2024 11:23
#53 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #52
Was jedoch gleich in der Anlegung bleibt, ist, dass es immer einen Nebenbuhler gibt, der das potenzielle Glück bedroht. Und das ist nicht einmal auf den Mörder selbst bezogen, der den Ermittler aus dem Weg schaffen möchte, sondern auf Figuren, die sich für die weibliche Hauptrolle interessieren, die wiederum natürlich auch aus der Täter-Fraktion stammen können.

Wobei der Nebenbuhler in diesem Fall zwar nicht der Narzissenmörder selbst, aber dessen Auftraggeber und somit der "eigentliche" Haupttäter ist.
Milbourgh scheint auch ein Konkurrent Tarlings zu sein; aber beim erneuten Sehen weiß man natürlich, dass er ganz anders zu Anne steht, als es lange den Anschein hat.

Prisma Offline




Beiträge: 7.602

01.01.2026 15:16
#54 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten







In der Rückschau auf die laufende Wallace-Reihe lassen sich im Sinne des behandelten Themas kaum signifikante Stilbrüche finden, vor allem im direkten Vergleich zu Harald Reinls "Zimmer 13". Ein Blick auf die Besetzungsliste weist mit Joachim Fuchsberger und Karin Dor eines der Krimi-Traumpaare aus, sodass man kaum auf den Gedanken kommen könnte, dass sich hier etwas anderes als Klassik abspielen könnte. Das erste Rendezvous wird mit der Pistole eingeleitet, Karin Dor alias Denise Marney zeigt sich dementsprechend wenig begeistert von dem gefährlichen Interesse des Privatdetektivs Johnny Gray. Der Krimi-Kenner weiß allerdings, dass sich schon ganz andere Damen im Vorlauf zu zieren hatten, bevor sie sich im Strudel aller erdenklichen Gefahren erobern ließen; wieso sollte es hier anders sein? Karin Dor und Joachim Fuchsberger stellen das dar, was man ein perfect match nennt, sodass das Publikum wenig Bedenken haben dürfte, dass sich beide in absehbarer Zeit finden dürften. Im Highlow Club verbindet Gray das Nützliche mit dem Angenehmen und führt die überaus attraktive Frau aus, um zu ermitteln und gleichzeitig zu flirten. Die Attraktivität seiner Partnerin wirkt in dieser Produktion noch einmal wesentlich auffälliger, als es ohnehin schon der Fall war und die Dinge können ihren Lauf nehmen. Dass die Zweisamkeit plötzlich durch den nächsten Frauenmord gestört wird, nimmt man als probates Stilmittel zur Kenntnis, um liebestechnisch sozusagen nicht mit der Tür ins Schloss zu fallen. Die Wallace-Reihe verfügte bislang immer wieder über recht schwierige Findungen, deren Happy End daher umso angenehmer wirkte, wenn der Haupttäter zur Strecke gebracht werden konnte. Die Geschichte weist zahlreiche Hinweise auf, die wie eine Einbahnstraße in die Vergangenheit wirken. Denise Marney erscheint daher nicht frei und vor allem bereit, sich schnell von ihrem strahlenden Helden einkassieren zu lassen. Dennoch ist das Interesse auf beiden Seiten geweckt und die Vorsehung sollte bestenfalls ihre Erfüllung finden, was unter Harald Reinl bislang auch immer der Fall war.

Erneut wird der Zufall bemüht, Denise und Johnny treffen sich allerdings in vorbelastetem Ambiente, in welchem ein nervöser Vater und beinahe hypnotisierende Porträts der verstorbenen Mutter Cornelia vorzufinden ist. Praktischerweise zeigen diese Bilder eine etwas modifizierte Karin Dor als Mutterfigur, deren stechender Blick nichts Gutes verheißen will, selbst aus dem Jenseits. Doch beim Thema "L'amour toujours" ging es bislang noch meistens um die Lebenden, auch wenn es stets viele Tote zu beklagen gab. Die Dramaturgie hält wichtige Hintergrundinformationen sehr lange wie ein gutes Blatt auf der Hand, um es in den richtigen Momenten ausspielen zu können. Fernab dieser Feststellungen kommt man auf keinen anderen Gedanken, dass das Interesse der beiden Hauptpersonen wechselseitig völlig echt und aufrichtig ist und man hofft schließlich, dass sich beide am wohlverdienten Ende auch zusammentun werden. Die amouröse Findung in Kriminalgeschichten sollte zugunsten der entsprechenden Storys in der Regel eine sekundäre Rolle spielen, wird im Rahmen einer späten Erfüllung jedoch ebenso vom Publikum verlangt. Mehrere Faktoren bedrohen die unschuldige Schönheit aus der Gegenwart und Vergangenheit, als ob gierige Hände aus dem Dunkel nach ihr greifen würden. Harald Reinl spielt die Finessen und Möglichkeiten von Karin Dor vollkommen aus, man möchte fast sagen, dass die Funktionalisierung hier vollkommen ausgereizt wird. Eine Gangsterbande bedroht die unwissende Denise Marney ohne Rücksicht auf hoffentlich nicht eintretende Verluste. Der Boss dieser Truppe hatte offenbar ein Verhältnis mit ihrer bereits verstorbenen Mutter, die wie eine mahnende Instanz über dem Geschehen wacht. Das alles ist Jahrzehnte her, doch die Vergangenheit bricht rezidivierend auf. Wirkungsvolle Zooms auf ihr Porträt und vor allem die Augenpartie deuten in verheißungsvoller Weise an, dass man sich noch auf eine unbekannte Komponente gefasst machen dürfte. Denise steht häufig andächtig und wie hypnotisiert vor dem Antlitz ihrer Mutter, das ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Durch das Integrieren des "Highlow Club" als Dreh- und Angelpunkt für die Planung eines bevorstehenden Verbrechens kommt eine halbseidene Note auf, die ihren Höhepunkt durch eine Striptease-Nummer erfährt. Auch die mit einem gefährlichen Sex-Appeal versehene Kai Fischer als Ganovenliebchen des Gangsterbosses Joe Legge sorgt für etwas L'amour-Feeling, wenn auch eher auf spekulativer Basis, sodass der Fokus immer wieder direkt und indirekt auf die vom Zuschauer erwartete Findung zwischen Johnny Gray und Denise Marney gelenkt wird. Diese wird nicht nur einmal entführt und gerät in gefährliche Situationen, sodass sich der männliche Protagonist mächtig ins Zeug zu legen hat, um seine Auserkorene zu retten. Weniger gelungen wirkt die Performance von Eddi Arent, die primär im Sektor Humor und Auflockerung zu verorten wäre, wenn er seine Schaufensterpuppe nicht behandeln würde wie seine Geliebte. Nach einem holprigen Start nähern sich Denise und Johnny langsam aber sicher an, dem Empfinden nach liegt ehrliche Zuneigung in der Luft. Man kann sich nicht helfen, doch irgendetwas kommt einem hier grundlegend anders vor als beispielsweise in "Die Bande des Schreckens", wenn die Dinge ganz natürlich ihren Lauf nehmen, nachdem die wichtigsten Hürden genommen sind. Unsichtbare Widerstände und Gespenster der Vergangenheit verhindern ganz offenbar, dass der Zuschauer das bekommt, was er vermutet, jedoch könnte es auch sein, dass Harald Reinl diese Erfüllung einfach nur bis zur letzten Sekunde herauszögert. Am Ende muss man "Zimmer 13" selbst gesehen haben, um den Wunsch der Produktion zu verstehen, andere Wege zu gehen und für einen unerwarteten Stilbruch zu sorgen, was in der Gesamtbetrachtung der Reihe alles andere als uninteressant und schlussendlich mutig wirkt. So bleibt dieser Film als derjenige und vielleicht einziger in Erinnerung, der im Sinne des Themas und in einer Zeit rückläufiger amouröser Tendenzen für einen bedeutenden Überraschungsmoment sorgen kann, wenn nicht sogar eiskalten Schock, der den ahnungslosen Zuschauer erfasst wie ein entgegenkommender Zug.

Savini Offline



Beiträge: 1.051

15.01.2026 15:45
#55 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #54
Ein Blick auf die Besetzungsliste weist mit Joachim Fuchsberger und Karin Dor eines der Krimi-Traumpaare aus, sodass man kaum auf den Gedanken kommen könnte, dass sich hier etwas anderes als Klassik abspielen könnte. Das erste Rendezvous wird mit der Pistole eingeleitet, Karin Dor alias Denise Marney zeigt sich dementsprechend wenig begeistert von dem gefährlichen Interesse des Privatdetektivs Johnny Gray. Der Krimi-Kenner weiß allerdings, dass sich schon ganz andere Damen im Vorlauf zu zieren hatten, bevor sie sich im Strudel aller erdenklichen Gefahren erobern ließen; wieso sollte es hier anders sein? Karin Dor und Joachim Fuchsberger stellen das dar, was man ein perfect match nennt, sodass das Publikum wenig Bedenken haben dürfte, dass sich beide in absehbarer Zeit finden dürften.(...)
Fernab dieser Feststellungen kommt man auf keinen anderen Gedanken, dass das Interesse der beiden Hauptpersonen wechselseitig völlig echt und aufrichtig ist und man hofft schließlich, dass sich beide am wohlverdienten Ende auch zusammentun werden. (...)
sodass der Fokus immer wieder direkt und indirekt auf die vom Zuschauer erwartete Findung zwischen Johnny Gray und Denise Marney gelenkt wird. Diese wird nicht nur einmal entführt und gerät in gefährliche Situationen, sodass sich der männliche Protagonist mächtig ins Zeug zu legen hat, um seine Auserkorene zu retten. (...)Nach einem holprigen Start nähern sich Denise und Johnny langsam aber sicher an, dem Empfinden nach liegt ehrliche Zuneigung in der Luft.

Eine Frage, die sich beim wiederholten Sehen unwillkürlich stellt: Will Johnny Gray Denise Marney in erster Linie befreien, weil er Gefühle für sie hat? Oder eher, um sie als Mörderin zu überführen? Letzteres ließe sein Verhalten in einem deutlich anderen Licht erscheinen. Und müsste er dann nicht in einem Dilemma sein? Das wäre eigentlich etwas viel für eine Heldenfigur in diesem Genre.
Es ist richtig, dass man beim ersten Sehen gerade aufgrund der Besetzung kaum auf einen anderen Gedanken als den kommen würde, dass sich hier etwas konventionell entwickeln würde. Könnte man hier nicht eigentlich von Manipulation des Publikums sprechen?
Zitat von Prisma im Beitrag #54
Die Attraktivität seiner Partnerin wirkt in dieser Produktion noch einmal wesentlich auffälliger, als es ohnehin schon der Fall war

Wobei Denise bei ihrer ersten Szene (in der Bibliothek) etwas anders als gewohnt, nervös und fast neurotisch wirkt, auf jeden Fall weniger "damenhaft" als im "Bogenschützen", "Fälscher" oder (danach) "Mönch".
Zitat von Prisma im Beitrag #54
Man kann sich nicht helfen, doch irgendetwas kommt einem hier grundlegend anders vor als beispielsweise in "Die Bande des Schreckens", wenn die Dinge ganz natürlich ihren Lauf nehmen, nachdem die wichtigsten Hürden genommen sind.

Verglichen mit anderen von Harald Reinl inszenierten Filmen der Reihe fällt wirklich auf, dass es zwischen der männlichen und weiblichen Hauptfigur kaum romantische Momente gibt. Da Denise in der Mitte des Films entführt wird und nach ihrer Befreiung bewusstlos ist, gibt es dazu natürlich auch dramaturgisch weniger Gelegenheiten, wodurch es einem beim ersten Sehen vermutlich auch entgeht. Aber allzu starke romantische Momente hätten Grays Handeln sicher noch stärker in ein zwiespältiges Licht gerückt (siehe oben).
Zitat von Prisma im Beitrag #54
Diese wird nicht nur einmal entführt und gerät in gefährliche Situationen, sodass sich der männliche Protagonist mächtig ins Zeug zu legen hat, um seine Auserkorene zu retten.

"Nicht nur einmal entführt"? Eigentlich gibt es doch nur eine Entführung. Oder zählst du jetzt ihre erneute Gefangennahme nach dem gescheiterten Fluchtversuch dazu?
Was die Rettung aus "gefährlichen Situationen" angeht, so empfindet man die Szene, als Johnny Gray sie nach dem dritten Mord aus dem "Highlow Club" holt und wegfährt, beim ersten Sehen natürlich so. Strenggenommen befand sie sich gar nicht in Gefahr, weil es keinen anderen Mörder gab und Joe Legge sie ja vermutlich nur als Druckmittel für die Dauer seines Coups brauchte (auch wenn Gray das natürlich nicht wissen kann).

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