Ich fand die zweite Staffel wesentlich besser, weil die Episoden kompakter waren und nur mehr 25 Minuten Lauflänge hatten. Ende der 70er hatte man leider die unmögliche Idee, Serienformate auf 50 Minuten zu strecken und dazwischen Werbung zu senden. Die Unsitte der Teilung in Teil 1 und Teil 2 diente dann dazu, dass die Leute dranblieben und die Werbung über sich ergehen lassen mussten. Da man damals Filme nicht unterbrechen durfte, war das eine geschickte Umgehungsstrategie. Machte man ja leider auch bei Graf Yoster und Wanninger so, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Im ursprünglichen "Sonne"-Drehbuch war diese Teilung samt der Zusammenfassung schon vorgesehen.
"Sonne, Wein und harte Nüsse" lebt von den Darstellern und der Landschaft. Wie Horst Pillau mir sagte, wollte man möglichst liebenswerte Geschichten erzählen, keine großen Krimis, in denen Leute sterben. Es sollte "Urlaubsfeeling" verbreitet werden. Unglaublich auch, dass damals noch der Darsteller den Autor aussuchen konnte (in dem Fall Erik Ode Horst Pillau) und der Autor dann Episoden schreiben konnte, wo er schon während des Schreibens an bestimmte Darsteller dachte und ihnen diese Folgen auf den Leib schrieb. Er konnte dann dem Produzenten/Regisseur die Darsteller vorschlagen und diese waren einverstanden. So zum Beispiel in der Folge "Die Sache mit der klassischen Bildung" mit Edith Hancke, die Pillau für sie geschrieben hat. Außerdem war der Autor bei den Dreharbeiten mit dabei, um gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen, falls die Szenerie nicht passte. [Heute alles nicht mehr möglich, die meisten Autoren erkennen ihre Bücher nicht wieder.]
Zitat von Georg im Beitrag #46"Sonne, Wein und harte Nüsse" lebt von den Darstellern und der Landschaft. Wie Horst Pillau mir sagte, wollte man möglichst liebenswerte Geschichten erzählen, keine großen Krimis, in denen Leute sterben. Es sollte "Urlaubsfeeling" verbreitet werden. Unglaublich auch, dass damals noch der Darsteller den Autor aussuchen konnte (in dem Fall Erik Ode Horst Pillau) und der Autor dann Episoden schreiben konnte, wo er schon während des Schreibens an bestimmte Darsteller dachte und ihnen diese Folgen auf den Leib schrieb. Er konnte dann dem Produzenten/Regisseur die Darsteller vorschlagen und diese waren einverstanden. So zum Beispiel in der Folge "Die Sache mit der klassischen Bildung" mit Edith Hancke, die Pillau für sie geschrieben hat. Außerdem war der Autor bei den Dreharbeiten mit dabei, um gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen, falls die Szenerie nicht passte. [Heute alles nicht mehr möglich, die meisten Autoren erkennen ihre Bücher nicht wieder.]
Sehr schöne Zusammenfassung klingt heute wie eine Fiktion, wobei man damals sicher das heutige Arbeiten als Fiktion gesehen hatte. Überhaupt ist mein Eindruck, dass man es heute i.d.R. mit Kunstfiguren in einer fiktionalen Story zu tun hat. Alles andere würde die meisten heutigen Zuschauer ja langweilen. Immer mehr Entfernung vom Menschen.
Gruss
Havi17
Heutzutage gibt es keine Fakten, nur viele unterschiedliche Meinungen. Früher konnten nicht alle mitreden, heute reden alle mit.
Es kommt natürlich auch immer auf das Budget an, ob Autoren noch während der Arbeiten am Werk sind. Das gehört - neben Probentagen, Teilnahme von Oberbeleuchter oder Szenenbildner an Locationbesichtigungen sowie Techniktests immer zu den ersten Kostenfaktoren, die gekürzt werden. Da war man früher ganz einfach noch freigiebiger. In Hollywood ist es noch immer Standard, dass die Autoren noch beim Dreh involviert sind - besonders große Auswirkungen dieser Tatsache sieht man bei "Ein Quantum Trost", wo der Drehbuchautoren-Streik während der bereits laufenden Produktion zu tatsächlichen Lücken im Buch führte und man dies im Schnitt dann später über Hektik versuchte zu kaschieren. In Deutschland fehlt für eine Weiterbezahlung der Autoren nach Abgabe des fertigen Drehbuchs aber meist das Geld. Ich kenne aber auch konkrete Beispiele relativ aktueller TV-Filme, wo die Autoren noch bei Probelesungen und Co dabei waren und zumindest bis zur ersten Klappe in sämtliche Änderungen involviert waren. Deswegen kann man da so eine eher simple "Früher-Heute"-Thematik gar nicht so gut aufmachen. Die Edgar Wallace-Filme beispielsweise sind ja auch so ein Fall, wo die Autoren das Buch abgaben und keinerlei Kontrolle mehr darüber hatten, was bestimmte Regisseure dann daraus bastelten. Vohrers Einfälle, für die die Filme heute so bekannt sind, gingen so gut wie nie auf Autorenideen zurück. Und beispielsweise Gottlieb legte die Freiheiten bei seinen "Regiefassungen" hin und wieder sehr großzügig aus. Andersherum könnte man durchaus behaupten, dass Autoren durch den heutigen (vielleicht bereits auch wieder abebbenden?) Serienhype vielleicht sogar so viel Macht über die fertigen Ergebnisse haben, wie selten zuvor. Dass das für Vorabendserien und andere Produktionen, die eher für den einmaligen, schnellen Konsum gedacht sind, eher nicht so oft der Fall ist, steht aber auch außer Frage.
Solche Schauspieler-Autoren-Paarungen wie hier mit Ode und Pillau sind übrigens Gang und Gäbe - auch heute noch! Dass Drehbuchautoren Darsteller vorschlagen, ist auch nicht komplett verschwunden. Da hat es nur natürlich auch viel mit dem Ego des Regisseurs/der Regisseurin und der finanziellen Machbarkeit zu tun, ob diese auch erhört werden (können).
Also zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich durchaus ein Befürworter der Serie bin und habe die zweite Staffel mittlerweile auch schon (gebraucht für ein Vielfaches des damaligen Neupreises der ersten) vorliegen. Ich bin schon sehr gespannt, obwohl ich das Format mit den 2x 25 Minuten an und für sich ganz reizvoll fand. In ihren besten Momenten (für mich ganz klar bisher die ersten drei Doppelfolgen) ist die Serie wirklich stark, und das nicht nur aufgrund der Wohlfühlatmosphäre und dem südlichen Flair. Auf Dauer scheint es aber doch eher dabei zu bleiben, denn auch „Die Sache mit dem Augenzeugen“ gerät nach einer vielversprechenden Eröffnung (diesmal wechseln sich Tatszenen und beeindruckend frustrierende Szenen aus dem gelangweilten Privatleben (ich habe noch nie jemand derart lustlos Blumen schneiden sehen 😂) des Ruheständlers ab, gleich viel einladender als zuletzt die Intros ohne Ode) und einem immerhin in verschiedene Richtungen offenen ersten Teil im zweiten Teil wieder arg simpel und auch nicht restlos ausgegoren. Warum wird der Tatzeuge überhaupt noch entführt nachdem auch die Täter bereits Kenntnis davon haben, dass er bereits ausgesagt hat? Wieso erscheint der Täter just im Beisein Odes zur Deponierung des Diebesguts, nachdem der Raub bereits mindestens einen Tag zurück lag? Positiv hervorzuheben sind jedoch im zweiten Teil die vielen Außenschauplätze (Delphinzirkus etc.) und die angedeutete Action ((beinahe) Verfolgungsjagd mit dem Auto). Ganz witzig auch die Missgunst Odes bezüglich des jungen Liebhabers der schönen Tankstellenbetreiberin und wiederum dessen halbherziges Motiv für die Anwesenheit am Tatort. Es hat jedenfalls wieder Spaß bereitet, auch wenn die Folge insgesamt leider erneut kein Highlight war.
@Georg : Weiß man eigentlich, warum zwischen Dreh (1977 und 1978) und Ausstrahlung (ich meine ab Ende 1979) der Serie so verhältnismäßig viel Zeit verging? So ganz günstig dürften die Auslandsdrehs mit den teilweisen renommierten Darstellern ja auch nicht gewesen sein, so dass man doch schon von einem gewissen Prestigeprojekt sprechen könnte. Zudem hätte man ja auch mit der Ausstrahlung zeitnäher an die zu Ende gegangene Kommissar-Serie anknüpfen können. Gibt es hierzu Aufschlüsse?
Schade, dass ich auf meine Frage so überhaupt keine Rückmeldung bekommen habe…
Wie auch immer, ich darf vermelden, dass das Finale der ersten Staffel großartig ist und an die drei ersten starken Folgen anknüpft. „Die Sache mit dem Rennrad“ weist einen sich angenehm und angemessen in die Provinzialität und den Urlaubscharakter einfügenden und endlich einmal wieder sehr individuellen kleinen Plot auf. Vor allem Teil 1 mit dem Radrennen strotzt nur so vor Schauwerten und tollen Bildern ohne dass dabei die latente Spannung zu vermissen wäre. Sicherlich hätte man die Geschichte kürzen können, doch ich finde gerade hier wieder einmal die verlängerte Spielzeit durch die Doppelfolgen sehr angenehm. Folge 2 führt das Ganze dann mustergültig und doch auch sehr geschickt zusammen und je weiter es in Richtung Auflösung geht um so mehr fällt der sorgfältige Umgang mit Details der Geschichte äußerst positiv auf, als ein Beispiel sei ohne zu spoilern mal einfach „die Sache mit der Pistole“ genannt. Hier übernimmt man sich nicht mit einer überdimensionierten Geschichte die dann abgehandelt wird, hier erzählt man mitreißend und mit Gespür für stimmige Einzelheiten und bezieht den bisherigen Mikrokosmos der Serie adäquat mit ein, so dass auch die Auflösung, wenn gleich in weiten Teilen vorhersehbar, sehr befriedigend und andererseits dann doch auch spannend ist. Zudem fühlt man sich zwischenzeitlich tatsächlich wieder direkt zum Kommissar nach München zurückversetzt, wenn Ode über die Rauschgiftproblematik räsoniert und reminisziert.
Insgesamt stehen somit aus meiner Sicht vier eher starke Folgen drei eher unterdurchschnittlichen Folgen gegenüber. Bin mal gespannt, wie es in Staffel 2 weitergeht!
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #50@Georg : Weiß man eigentlich, warum zwischen Dreh (1977 und 1978) und Ausstrahlung (ich meine ab Ende 1979) der Serie so verhältnismäßig viel Zeit verging? So ganz günstig dürften die Auslandsdrehs mit den teilweisen renommierten Darstellern ja auch nicht gewesen sein, so dass man doch schon von einem gewissen Prestigeprojekt sprechen könnte. Zudem hätte man ja auch mit der Ausstrahlung zeitnäher an die zu Ende gegangene Kommissar-Serie anknüpfen können. Gibt es hierzu Aufschlüsse?
Leider keine Ahnung! Auch bei Polizeiinspektion 1 wurden die ersten Folgen bereits 1975 gedreht, die Erstausstrahlung erfolgte aber erst im Oktober 1977 - und das trotz der viel prominenteren Episodenbesetzung, wie bei Ringelmann üblich. Es kann vielleicht mit der Programmstruktur von damals zu tun gehabt haben, eventuell waren zu viele Produktionen in der Pipeline. Andererseits wurden die ARD-Serien ja auch in jedem Regionalfenster zu einem anderen Zeitpunkt - oft mit jahrelangem Abstand - ausgestrahlt. Ich weiß noch, dass die Recherche zu den Sendedaten zu "Sonne, Wein ..." extrem schwierig war. Die Sendedaten auf der Homepage (vor über 20 Jahren zusammengetragen) müssen sich auch nicht auf den WDR/WWF beziehen, damals fand ich nur die Daten, ohne Sender. Die von Dir gesehene Episode mit dem Rennrad lief z. B. schon am 19.6.1978 im Regionalfenster des SFB. Anzunehmen daher, dass auch andere Regionalfenster die Serie schon eher zeigten.
Es gibt wirklich wenig Daten dazu, aber ein paar Anknüpfungspunkte für Spekulationen. 1977 lief bereits die 1976 produzierte Serie "Zum kleinen Fisch" mit der Thematik "pensionierter deutscher Kommissar ermittelt in Frankreich" im ZDF. Vielleicht wollte man thematisch erst einmal etwas Abstand gewinnen. Die Rhewes Filmproduktion war zudem laut Informationen des Filmportals zu diesem Zeitpunkt eher für Dokumentationen, Industriefilme und Anderes bekannt - gut möglich, dass man einer "großen fiktionalen Serie" nicht ganz gewachsen war und sich da mit Auslandsdreh und bekannten Namen ein wenig übernahm. Der Editor Peter Ruddis beispielsweise, der für "Sonne, Wein und harte Nüsse" verantwortlich war, hat in den bekannten Datenbanken wie IMDB, Crew United und Co keine weiteren Credits als Filmeditor, zuvor war er im erweiterten Bereich Tonschnitt für Filme wie "Kommissar X - Drei grüne Hunde" oder "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" tätig. Gut möglich also, dass hier entweder die selben Leute, die sonst Imagefilme schnitten plötzlich mit einer aufwändigen Serie und Erzählsträngen konfrontiert waren, bzw. nach den Dreharbeiten das Budget erschöpft war und die Postproduktion auf Sparflamme (und zudem parallel zu anderen Kundenaufträgen mit knappen Abgabefristen) laufen musste und auch entsprechend lang dauerte. Die beteiligten Regisseure wie Dieter Lemmel haben zum Großteil erst ab 1979 wieder Folgeprojekte in der Vita stehen - möglicherweise weil sie noch lang in den Schnitt ihrer "Sonne, Wein..."-Folgen eingebunden waren. In der Folge produzierte Rhewes übrigens zu erst einmal wieder nur Nonfiktionales, ehe von 1986 bis 2000 dann einige bekannte Serien wie "Diplomaten küsst man nicht" oder "Hallo Onkel Doc" für ARD und Sat1 entstanden und man sich zwischenzeitlich sogar mit einem Film ins Kino traute.