Inzwischen habe ich mir auch die zweite Staffel der Serie angesehen.
Im Unterschied zur ersten Staffel sind die Geschichten nicht mehr auf zwei Folgen aufgeteilt, vielmehr ergibt eine Episode eine Geschichte. Dieser Umstand kommt der Serie durchaus zugute, denn die Storys von Staffel 1 gaben oft nicht eine Gesamt-Lauflänge von 50 Minutren her. Die Stamm-Besetzung ist gleich geblieben und man muss sagen, dass die Chemie der Hauptdarsteller definitiv stimmt, was zumindest bei Erik Ode und Hilde Volk natürlich kaum verwundern kann. Aber auch Hans-Joachim Frick als Kommissar Giraud spielt seine Rolle sehr sympathisch und agiert gut mit Ode zusammen. Ode selbst ist als pensionierter Kommissar Ott noch einen Ticken liebenswerter als in seiner bekannteren Rolle als Kommissar Keller, auf die hier freilich immer wieder angespielt wird. Es macht Spaß, diesem älteren Herren bei seinem Ruhestand zuzusehen. Immer noch neugierig, aber nicht ganz so arrogant wie mitunter als Kommissar Keller kommt er hier herüber. Zum besonderen Charme der Reihe trägt neben den wunderbaren Schauplätzen auch die attraktive Marianne Borgo als Tankstelleninhaberin Claudine bei. In Satffel 2 drehen sich ihre Auftritte zudem dankenswerterweise nicht mehr um den ohnehin wenig passenden deutschen Verlobten, den sie in Staffel 1 noch hatte. Ein Interview mit ihr als Extra wäre sehr interessant gewesen. Man hätte sie etwa fragen können, wie sie als Französin diese deutsche Serie gesehen hat und wie sie dafür engagiert wurde. Abstriche muss man nicht nur - wie bei einer solchen Serie nicht anders zu erwarten - in Sachen inhaltliche Tiefe machen, sondern auch hinsichtlich der Gaststars, denn diesbezüglich fällt die Riege sowohl in qualitativer als auch vor allem in quantitativer Hinsicht überschaubarer aus. Nennenswert wären Lukas Ammann (eher weniger gelungener Auftritt), Reinhard Koldehoff, Edith Hancke, Rudolf Schündler, Carl-Heinz-Schroth und Walter Richter.
Generell nimmt die Qualität der Folgen meinem subjektiven Empfinden nach hinten heraus ab, die Highlights kommen eher zu Anfang. Trotzdem eine Serie, die man sich gewiss immer mal wieder ansehen kann. Ein großes Lob gebührt Pidax, die Serie wird in einm top restaurierten Bild wiedergegeben, was bei den vielen schönen Landschaftsaufnahmen natürlich von Vorteil ist.
Weiß jemand, ob damals angedacht war, die Serie fortzusetzen? Erik Ode zog sich ja ein Jahr später aus gesundheitlichen Gründen plötzlich aus dem Geschäft zurück.
Mit einem der Autoren bin ich seit Längerem in Kontakt und er hat mir schon sehr viele Infos über die Serie gegeben, die ich bei Zeiten gerne mal hier poste. Er war damals auch bei den Dreharbeiten vor Ort. Nächstes Wochenende treffe ich ihn wieder, allfällige Fragen zur Serie könntet ihr hier posten und ich könnte sie ihn dann fragen ...
Vielen Dank für das Angebot! Wenn du schon viele Infos hast, wirst du wahrscheinlich auch schon Vieles gefragt haben. Mich würde neben der Frage, ob eine Fortsetzung geplant war z.B. interessieren, wie am Set so die Atmosphäre zwischen den französischen und den deutschen Akteuren war, z.B. zwischen Marianne Borgo und Erik Ode und den anderen Hauptdarstellern. Wie lange man damals für eine solche Episode drehte, würde mich auch generell mal interessieren. Es heißt ja immer, dass früher die Zeitpläne nicht ganz so eng getaktet waren wie heute.
Horst Pillau, der die meisten Folgen geschrieben hat, habe ich in den letzten Jahren mehrfach getroffen und bin auch regelmäßig mit ihm in sehr nettem Kontakt. Er hat mir oft von Sonne, Wein und harte Nüsse berichtet, so dass ich mich entschlossen habe, endlich mal ein Interview daraus zu machen. Hier ist der Link dazu, Herr Pillau berichtet darin über die Dreharbeiten, Erik Ode (und dessen Gram darüber, dass der Kommissar kurz vor Einstellung der 100. Folge abgesetzt wurde) und die Arbeit an den Drehbüchern:
Außerdem hat Herr Pillau ein Drehbuch zur Verfügung gestellt, Ausschnitte davon sind auf der Homepage zu sehen. Interessant: auf den Büchern zur 1. Staffel hieß die Serie noch Er kann's nicht lassen. Die später für jede Folge verwendete Titelkennung Die Sache mit ... gab es noch nicht, so hieß Die Sache mit dem Schuß auf dem Drehbuch nur Glasbläser, Die Sache mit der klassischen Bildung zum Beispiel Das trojanische Sofa. Im Drehbuch waren Eric Ott und Commissaire Giraud auch per Du, das änderte sich dann, in der Serie sind sie per Sie. Und aus dem Drehbuch erfahren wir auch Claudines Nachnamen: Dupont (an die Darstellerin konnte sich Herr Pillau nicht erinnern). Ich hatte Herrn Pillau noch mehr Fragen gestellt, an viele Details konnte er sich aber - verständlicherweise - nach mehr als 40 Jahren nicht mehr erinnern.
Danke, wirklich sehr interessant, nicht nur in Bezug auf "Sonne, Wein und harte Nüsse", sondern auch Erik Ode im Allgemeinen. Wenn man bedenkt, wie oft er während er der "Kommissar"-Zeit öffentlich mit einem Rücktritt kokettiert hat oder erklärt hat, dass er die Rolle eigentlich gar nicht mag und auch nicht gern in der Öffentlichkeit stand, verwundert es doch, dass ihn die Absetzung so kurz vor der 100.Folge scheinbar derart gekränkt hat, dass von Pillau sogar Rückschlüsse auf seinen Tod angestellt werden. Ich fand es auch immer schade und unverständlich, dass man das Jubiläum nicht noch mitgenommen hat, hätte aber nicht gedacht, dass für Ode dieses einen solchen Stellenwert gehabt hätte.
Habe die erste Staffel ja schon über 10 Jahre zuhause und bin bisher aber noch nie so richtig eingestiegen. Jetzt habe ich mal „Die Sache mit dem Koffer“ durchgesehen und bin überrascht, dass die Serie bislang hier eher negativ rezensiert wurde. Für mich hat das Ganze beinahe was von Durbridge-Light (mit Urlaubsambiente) mit den mysteriösen teuren Rosen (deren Funktion aber leider nicht aufgeklärt wird, kleines (großes?) Manko!) und dem ansatzweisen Cliffhanger. Der Kommissar fügt sich gut ein in die südlichen Gefilde und der Background mit der Pensionierung passt perfekt und stimmig. So darf man den Kommissar auf einem weiteren und ganz anderen Stpck Lebensweg begleiten. Also wenn die Folgen sogar tendenziell noch etwas stärker werden, wie hier gelesen, dann macht das doch sehr viel Freude. Anmerkung am Rande: eher skurril ist natürlich, dass sich der zwielichtige und vermutlich unter falschem Namen reisende Hintermann am Ende aufgrund von Kalamitäten bei der Bezahlung seiner Hotelrechnung aufhalten lässt und nicht einfach so das Weite sucht…
Habe die Serie nicht gesehen, kann mir aber, so wie ich Erik Ode und seinen künstlerischen Anspruch kenne, gut vorstellen, dass diese gut sein mus. Auch sein Talent als Regisseur finde ich beachtlich. Schade dass der Link zum Interview von Horst Pillau nicht mehr funktioniert.
Doppelfolge 2 „Die Sache mit der Madonna“ knüpft nahtlos an das Flair und Setting der ersten Folge an und kann tatsächlich aufgrund des etwas interessanteren Kriminalfalls das Niveau sogar noch etwas steigern. Wohlgemerkt nur marginal, denn auch die erste Folge strotzte ja bereits nur so vor Wohlfühlatmosphäre und dies ist mir bei dieser Serie klar das wichtigste. Diese findet sich hier im gleichen Maße. Auch toll dass beispielsweise eine Figur, die in Folge 1 nur am Rande eingeführt wurde, nun ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Der Miniaturkosmos der Serie entwickelt sich organisch und überzeugend!
Doppelfolge Nr. 3 „Die Sache mit dem Schuss“ scheint mir tatsächlich die bis dato schwächste zu sein. Leider entwickelt sich das Geschehen nicht so herrlich organisch und natürlich wie in den ersten beiden Fällen. Der Kommissar und seine Schwester bekommen im Gegenteil diesmal relativ klobig einen 08/15 Fall von der Stange aufgepfropft und übergestülpt. Dieser Eindruck wird sicher auch noch dadurch massiv verstärkt, dass Ode als Erzähler diesmal relativ plump immer wieder die Eckpunkte des Falls benennt und die Figuren so nicht wirklich inszeniert eingeführt sondern einem nur vorgesetzt werden. Diese Erzählpassagen wurden in den vorigen Fällen deutlich charmanter bewältigt und wirkten weniger fremdkörperhaft. Dazu kommt noch, dass Ode erstmals so leicht genialische intuitive Anmutungen (der Autounfall muss etwas mit dem Auto zu tun haben, wer hätte das gedacht?) hat und weniger bodenständig auf Augenhöhe wirkt wie zuvor. Dies alles trübt den bisher so lässigen entspannten Eindruck. Auf der Habenseite will ich andererseits nicht verhehlen, dass man zwischendurch deutlich mehr als bei den Folgen zuvor in einen leichten Mitratesog gerät und man dann auch eine wirklich waschechte Kommissar-Lösungsszene aufgetischt bekommt, als er am Ende seine (natürlich richtige) Sicht vom Tathergang gegenüber der verdächtigen Person darstellt. Das ist natürlich eine tolle Reminiszenz an die alte Serie bei der jedem Fan das Herz höher schlagen dürfte. Und selbstredend: die bereits thematisierte Wohlfühlatmosphäre findet sich auch im dritten Fall des Pensionärs noch. Unterm Strich bleibt es auch hier beim Prädikat empfehlenswert, auch wenn ich Folge 1 und vor allem Folge 2 vorziehen würde!
Doppelfolge Nr 4 „Die Sache mit dem Backofen“ wartet erstmals mit einer Eröffnungssequenz auf, in die der (ehemalige) Kommissar nicht direkt involviert ist und die sich erst im Nachgang (leider auch nicht zur Gänze) so richtig erschließt. Diese Ausgangslage erzeugt eine etwas andere Grundstimmung und auch der Folgentitel bleibt lange mysteriös. Die Bedeutung des titelgebenden Backofens wird erst spät in der zweiten Folge aufgeklärt.
Ansonsten ist eigentlich bereits früh zu Ende der ersten Folge der Tathergang im Großen und Ganzen bereits klar und viele Dialoge wirken in der Folge eher um Ver- als um Entschleierung bemüht. Zu befürchtende Längen bleiben jedoch weitgehend aus, da Gert Haucke vermutlich den bis dahin besten Fiesling der Serie abgibt, eine herrlich arrogante und eiskalte Glanzleistung. Reinhard Glemnitz hat einen relativ unergiebigen Auftritt, darf sich aber natürlich die zwei drei obligaten spitzen Dialoge mit dem Kommissar bezüglich einer möglichen früheren Bekanntschaft der beiden liefern. Ganz liebenswert und beeindruckend ist auch der Auftritt von Brigitte Horney, der förmlich der Schalk aus den Augen blitzt, wie man es wirklich selten erlebt. Fazit: die Story an sich gibt eher wenig her und die Eröffnungssequenz bleibt eine dramaturgisch nicht befriedigend aufgelöste Nebelkerze. Die Darstellerleistungen machen dies aber wieder wett und ich würde die Folge etwa gleichauf mit der vorherigen einstufen.
Anmerken möchte ich im Nachgang noch, dass dies bei nochmaligem Nachdenken die sicherlich vom Buch her bislang mit Abstand schwächste Episode ist. Man könnte ja meinen dass, wenn schon früh klar ist wer hinter der Tat steckt, die Überführung des Täters besonders raffiniert und kunstvoll vonstatten geht. Dies hier ist leider nicht der Fall. Bei genauerem Nachdenken ist sogar unklar, was jetzt genau der triftige Beweis gegen ihn sein soll. Ähnlich wie die etwas schlampig eingebrachte Anfangsszene bleibt auch hier vieles unklar, bzw. wird mit Dingen jongliert (die Slapstick-Einlagen mit den Observateuren, die besonders teuren Zigarren, das Selbstbildnis eines Malers) ohne das dies wirklich sinnvoll ins Reine gebracht wird. Auch der Plan mit dem Ode am Ende in die Höhle des Löwen geht ist mehr als dürftig.
Ok, nach Sichtung der fünften Doppelfolge steht mein bisheriges Schlusslicht klar fest: „Die Sache mit King Harry“ erweist sich dann doch als ein ganzes Stück zu plakativ, kindisch und uninteressant. Abermals erfolgt eine (und diesmal noch ausgedehntere) Eröffnungssequenz ohne Ode, die Spannung erzeugen soll aber gleichzeitig irgendwie unausgewogen die in den letzten Folgen bereits zunehmenden Slapstick-Elemente aufweist. In der Folge bekommen wir dann einen Mafiapatengleichen Drahtzieher aus des Kommissars Münchner Vergangenheit präsentiert, den Ode nun endlich überführen und so seine Vergangenheit bereinigen kann. Leider geschieht dies auf so banale Art (weder spannend noch rätselhaft), dass dies die insgesamt etwa 50 Minuten Laufzeit wirklich nicht trägt. Wolfgang Kieling gibt sich zwar redliche Mühe der Gestalt die nötige fiese Grandezza zu verleihen muss sich aber letztlich auch der unglaubwürdigen Story ergeben. Verständnis habe ich ja, wenn der Kommissar im Ruhestand sich mit eher bagatellhaften Fällen wie in den ersten beiden Folgen beschäftigt. Wenn aber ein an sich großer Fall auf derart simplem und einfallslosem Niveau über 50 Minuten banal gelöst wird ist das ziemlich unbefriedigend. Anfangs entsteht noch der Eindruck, dass Iris Berben möglicherweise einen größeren und mysteriöseren Part in der Geschichte einnimmt und der Geschichte möglicherweise etwas mehr Doppelbödigkeit verleiht, doch ihre Partizipation minimiert sich im weiteren Verlauf drastisch. Da nützt es für die Gesamtbeurteilung der Folge leider letztlich auch wenig, dass ihr Auftritt zu Beginn vermutlich den meisten Sexappeal der gesamten bisherigen Darstellerinnen (trotz solcher Konkurrenz wie Barbara Valentin) aufweisen dürfte…