Eben. Der Film "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ist der erste Teil von Massimo Dallamanos Schulmädchen-Reihe, "Der Tod trägt schwarzes Leder" ist der zweite Teil dieser Serie. Von daher kann man "Vier Fliegen" eher zur Bryan Edgar Wallace-Reihe rechnen (weil er von deutscher Seite so angelegt wurde) als "Der Tod trägt..." zur Edgar Wallace-Reihe, weil der nicht mal als Edgar Wallace geplant war! Joachim, was sagst du eigentlich zu meinen Vermutungen?
--- FSK 12 heißt: Der Gute bekommt das Mädchen FSK 16 heißt: Der Böse bekommt das Mädchen FSK 18 heißt: JEDER bekommt das Mädchen ---
Hallo Fabio, Deine Vermutungen sind leider total falsch. DAS 7. OPFER gehörte zu einem Produktionsdeal, das CCC mit NORA vereinbart hatte. Darunter waren die Filme DER BLAUROTE METHUSALEM, DAS GEHEIMNIS DES WEISSEN TEPPICHS, WER ERSCHOSS JONNY RINGO ? und LANGE BEINE LANGE FINGER. DER BLAUROTE METHISALEM wurde nicht produziert - stattdessen lieferte CCC als Ausgleich den Film IM REICHE DES SILBERNEN LÖWEN und statt DAS GEHEIMNIS DES WEISSEN TEPPICH lieferte CCC DAS 7. OPFER. DAS 7. OPFER startete mit ebensovielen oder auch sowenigen Kopien wie die anderen BEW-Filme auch (ca. 30 in BRD). Die EW-Filme hatten ebenfalls kaum mehr Kopien, wenn ein Film besonders gut lief waren es höchstens 50-60 Kopien. 100 Kopien bei einem Film (z.B. Bond-Filme) waren damals bereis eine Sensation.
VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT ist soviel eine CCC-Produktion als wir miteinander verwandt sind. Nämlich gar keine, auch nicht in der Planung oder Vorbereitung.
Dass der Film keine C-C-C-Produktion ist, stimmt mit Sicherheit, sonst würde es Joachim kaum schreiben, aber das hat ja letztlich nichts damit zu tun ob er BEW ist oder nicht, ansonsten könnte man ja beispielsweise auch sagen, dass der "Rächer" kein Wallace-Film sei, weil er nicht von Rialto stammt. "Vier Fliegen" hat von den Anlagen her (dass er zumindest aus C-C-C-Richtung geplant war schrieb ja Fabi88 schon) genausoviel mit BEW zu tun, wie etliche Rialto-Wallace-Filme mit Edgar Wallace und von daher ist es ganz klar ein BEW-Film.
Es ist nur (Bryan) Edgar Wallace drin wo (Bryan) Edgar Wallace draufsteht!!!!! Es hat nichts damit zu tun, von wem der Film produziert oder veliehen wurde bzw. wer Regie geführt hat. Das ist doch lächerlich. DER RÄCHER ist und bleibt ein E C H T E R Wallace-Film. Es ist vielleicht soger der, der am nächsten an der Romanvorlage liegt. Und ich sage nochmal, es ist doch völlig Wurscht, wer den Film verliehen bzw. produziert hat.
VIER FLIEGEN AUF GRAUEN SAMT ist kein B.E.W.-Film, da sein Name niemals in diesem Zusammenhang (Vorspann, Plakat usw.) erwähnt wird. Dann könnte man gleich auch noch alle Reinl- oder Vohrer-Filme zur Wallace- oder Mabuse-Reihe zählen. Absoluter Quatsch!
Man fragt sich bloß jetzt irgendwie worauf die Quellen, die bisher verbreitet haben, dass der Film zur BEW-Reihe gehöre und an die auch ich mich letztlich hielt, ihre Infos haben. Denn wenn der Film nie im Zusammenhang mit BEW genannt worden ist, in Bezug auf die Vermarktung und noch nicht einmal von C-C-C produziert, ist die bloße Erstellugn solcher Assoziationen tatsächlich völlig sinnlos und irreführend.
Ich denke, daß damals bei den ersten beiden Teilen der "Tier-Trilogie" von Dario Argento in Deutschland der Name (Bryan Edgar) Wallace für Werbe- bzw. Promotionzwecke verwendet wurde. Bit Wallace haben diese beiden Filme ohnehin eigentlich nichts zu tun (weder Titel noch Handlung oder Drehbuch fürhren auf B.E.W. zurück). Die Wallace- Filme waren aber zu dieser Zeit auch in Deutschland keine so gefragte Ware mehr. Vielleicht verzichtete man dann beim dritten Teil (VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT) auf den Namen Wallace!? Joachim kann hierüber vielleicht noch mehr erzählen...
Die Filmfirmen (CCC oder Rialto) kauften seinerzeit die Rechte an den Romanen von Wallace + Sohn wie auch Mabuse-Rechte von Norbert Jaques und durften nicht nur die Romane verfilmen sondern hatten auch das Recht, frei erfundenen Storys mit dem Namen des Autors bzw. Hauptactors (im Falle Mabuse) zu produzieren. Deshalb ist dieses Thema manchmal wirklich etwas verwirrend.
Falls Euch dieses Thema interessiert, wird Euch mit Sicherheit die nächste Ausgabe von KRIMI! (ab 30. September auf amazon) interessieren. Wir waren in den Archiven und konnten folgendes zu diesen Themen dokumentieren:
1. DER MANN MIT DEM GLASAUGE ist ein Bryan Edgar Wallace Film, der dann von RIALTO unter dem lukrativeren Edgar Wallace Banner gedrecht und herausgebracht wurde 2. Es wurden Storyelemente von BRYAN EDGAR WALLACEs Original-Treatment zu PHANTOM VON SOHO in SCHWARZE HANDSCHUHE übernommen und eingearbeitet. 3. CCC war definitiv an der Produktion von DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE beteiligt 4. CCC und Argento haben darüber hinaus weitere Projekte besprochen und abgeglichen. Da es ausdrücklich mehrere Projekte waren, kommen nur VIER FLIEGEN und mindestens ein weiterer, unbekannter Film in Frage. 5. Jede Verwendung des Namens von Bryan Edgar Wallace musste einzeln von ihm abgesegnet werden und es musste auch immer eine entsprechende, substantielle Gegenleistung durch ihn erfolgen. 6. Mit dem Tod Bryan Edgar Wallaces Ende 1971 gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, so dass dann die darauf erscheinenden Filme, abgesehen von Ankündigungen (Fliegen, Gelbes Grab) nicht mehr als Bryan E Wallace Filme vermarktet werden konnten, obwohl er wohl in der Vorproduktion beteiligt war. Deswegen ist sein Name zwar beim Gelben Grab genannt, aber eben nur im Film selber, nicht in der Vermarktung (bis zur DVD-Auswertung).
Wir hoffen, damit einige Unklarheiten und Fragen beseitigt zu haben, und hoffen, dass Ihr trotzdem noch am 30. September zugreifen werdet (es lohnt sich).
In welchen genau? Ernstgemeinte Frage aus Interesse! Gibt es für alle Behauptungen, die hier aufgestellt werden denn auch (im Magazin!) aufgeführte Quellen? Gab es Einsicht in CCC-Produktionsunterlagen?
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #251. DER MANN MIT DEM GLASAUGE ist ein Bryan Edgar Wallace Film, der dann von RIALTO unter dem lukrativeren Edgar Wallace Banner gedrecht und herausgebracht wurde
Was genau steckt dahinter? Brauner wollte der Constantin-Film ein Remake von "Das Phantom von London" vorschlagen, diese kaufte dann aber lieber gemeinsam mit der Rialto-Film das Drehbuch und setzte es ohne Brauner als "echten" Wallace-Film um? Oder wird hier nur die olle Drehbuch-Recycling-Geschichte aufgewärmt? Ja, Ladislas Fodor hat "Das Phantom von Soho" für die BEW-Reihe geschrieben, aber nur weil die Rialto sein Treatment oder gar Drehbuch für die Edgar Wallace-Reihe recycelt hat, bzw. er auf Basis der selben Idee noch einmal ein Buch geschrieben hat, wird ja kein BEW-Film draus. Wenn Reinecker Ideen aus seinen (mehr oder weniger komplett freien!) Wallace-Drehbüchern später irgendwo beim "Kommissar" oder "Derrick" erneut verwurstet hat, wurde ja auch kein Edgar Wallace-Film draus. Wie viele Elemente aus Bryan Edgar Wallace-Romanen ließ Fodor denn in sein "Phantom", bzw. das überarbeitete "Glasauge"-Buch einfließen, die irgendeinen Bezug zu "Bryan Edgar Wallace" über das "Siegel" hinaus rechtfertigen? "Das Phantom von Soho" hätte damals ebenso als Weinert-Wilton- oder Edgar Wallace-Film vermarktet werden können, wenn Fodor sein Buch einfach nur an andere Produzenten verkauft hätte oder eben ohne Autorennennung auskommen können wie beispielsweise "Die schwarze Kobra". Remakes von "Der Würger von Schloss Blackmoor" oder "Der Henker von London" hätten auch in die Rialto-Wallace-Reihe gepasst, ohne dass irgend jemand im Kinosaal geschrien hätte "Hey, das ist doch eigentlich ein Bryan Edgar Wallace-Film!". "Glasauge" wird ja dann vor allem durch Vohrers Stil und die Besetzung zu einem typischen Vertreter der 60s-Rialto-Edgar Wallace-Reihe.
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #252. Es wurden Storyelemente von BRYAN EDGAR WALLACEs Original-Treatment zu PHANTOM VON SOHO in SCHWARZE HANDSCHUHE übernommen und eingearbeitet.
Gibt es Nachweise dafür, dass die CCC und Bryan Edgar Wallace bereits in der Entwicklungsphase des Drehbuchs überhaupt involviert waren? Deutlich dagegen spricht ja, dass der Film international nirgendwo den Namen "Bryan Edgar Wallace" nutzt, sondern den des eher unbekannten Fredric Brown. Wallace hatte ja auch in Italien und Co durchaus einen Klang und es wäre Marketing-technisch naheliegender gewesen Brauners "B. Edgar Wallace"-Trick auch auf Plakaten und Co im Ausland anzuwenden, wenn Bryan Edgar Wallace tatsächlich irgendeine Form von Einfluss gehabt hätte. Zudem hätte er bei tatsächlicher Mitarbeit rein juristisch eine Nennung in den Credits bekommen müssen, erst Recht, wenn er (auch von Salvatore Argento und nicht nur von deutscher Seite) tatsächlich für Drehbuchmitarbeit bezahlt worden wäre, nicht nur für seinen Namen für die deutsche Vermarktung. Er hätte sicherlich Wert darauf gelegt überall genannt zu werden, hätte dies doch vielleicht auch Anschlussprojekte und einen Sprung heraus aus den deutschen Wallace-Epigonen ermöglicht. Wesentlich naheliegender ist doch, dass Brauner relativ günstig in einem späten Stadium als Co-Produzent einsteigen konnte und den Stoff einfach passend fand um die seit 4 Jahren ungenutzte Bryan Edgar Wallace-Lizenz noch einmal auszuwerten, was auch für den Constantin-Verleih im Zuge von "Das Gesicht im Dunkeln" lukrativ schien. Wie Du richtig schreibst, wird BEW nicht 1962 gegen eine Pauschalsumme seine Namensrechte an CCC abgetreten haben, aber wenn Brauner auf ihn zugekommen ist mit der Frage, ob man auf einen fertigen Film gegen einen netten Obolus seinen Namen schreiben darf, wird Bryan Edgar Wallace kaum abgewunken haben. Man darf ja nicht vergessen, dass seine schriftstellerischen Werke nie großen Anklang fanden und 1969 der letzte Film mit seinem Namen schon einige Jahre her war. Er wird zu diesem Zeitpunkt kaum noch mit Einnahmen aus dieser Richtung gerechnet haben. Die Entstehung von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" ist ja eine relativ simple. Argento war Filmkritiker und hatte nach ein paar Drehbuch-Mitarbeiten (teilweise ohne Nennung) einige Drehbücher zu Italo-Western und Komödien geschrieben, hatte dann wohl ganz einfach Lust etwas im gerade anlaufendenden Giallo-Stil zu machen und entschied sich (mit Hilfe seines Vaters) bei "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" selbst Regie zu führen. Schon die beiden vorigen Filmen nach Büchern seines Sohnes produzierte Salvatore Argento (teils mit ausländischen Co-Produzenten). Extremst unwahrscheinlich ist, dass Brauner (der übrigens international nicht einmal in den Credits auftaucht!) am Hauptproduzenten Salvatore Argento vorbei Wallace zu Argento an die Schreibmaschine gesetzt hat. Nach allen Regeln der Logik ist es wahrscheinlich, dass Argento mit dem fertigen Buch zu seinem Vater ging und dieser aufgrund des Produktionsaufwands mit diversen Produzenten im Ausland sprach und Brauner seine Chance sah, sich nochmal an die Rialto zu hängen, die gerade mit "Das Gesicht im Dunkeln" etwas Ähnliches versuchte. Der Cast mit Eva Renzi und Mario Adorf war für den deutschen Markt ja nicht uninteressant. Werner Peters war ja bei der CCC gut beschäftigt und dürfte von Brauner noch untergebracht worden sein. Nicht vergessen: Brauner war ein Sparfuchs und (wie überall) geht mehr Mitspracherecht und Gestaltung auch immer mit mehr Investment einher. Nur, damit Bryan Edgar Wallace ein bisschen Einfluss nehmen darf, wird Brauner nicht mehr Geld in die Hand genommen haben - wofür denn auch?
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #253. CCC war definitiv an der Produktion von DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE beteiligt
Da wäre interessant in welcher Form? Ich vermute, dass Brauner nach "Handschuhe" logischerweise der erste Ansprechpartner war, nach dessen Erfolg im Ausland stieg das Budget für den Nachfolger und somit auch der in Frage kommende finanzielle Anteil des deutschen Co-Produzenten. Da wird Brauner abgewunken haben, zumal "Handschuhe" in Deutschland ja auch kein Riesenerfolg war. Ein Blick in Brauners Filmographie zu diesem Zeitpunkt zeigt deutlich, dass die stattdessen entstandenen Co-Produktionen einige Nummern kleiner waren. "Das Grauen kam aus dem Nebel" (auch hier im Ausland keinerlei Nennung in den Titeln) und andere sind vom Produktionsaufwand eher kleiner als die "Handschuhe" und Brauner dürfte da nicht viel mehr als finanzielle Beteiligung für die deutschen Vermarktungsrechte geleistet haben. Anschließend folgte ja bereits die Jess Franco-Phase.
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #254. CCC und Argento haben darüber hinaus weitere Projekte besprochen und abgeglichen. Da es ausdrücklich mehrere Projekte waren, kommen nur VIER FLIEGEN und mindestens ein weiterer, unbekannter Film in Frage.
Vielleicht war spätestens in der Vorproduktion von "Die neunschwänzige Katze" klar, dass Argento eine Trilogie machen würde. Folglich ging es in den Gesprächen um diesen Film vielleicht auch bereits um den Nachfolger "Vier Fliegen auf grauem Samt". Mit der Nicht-Beteiligung von Brauner an der "Katze" und dem Einstieg des Majors Universal (wenn auch nur mit der französischen Tochter) bei den "Fliegen" war das sicherlich schon sehr früh vom Tisch.
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #255. Jede Verwendung des Namens von Bryan Edgar Wallace musste einzeln von ihm abgesegnet werden und es musste auch immer eine entsprechende, substantielle Gegenleistung durch ihn erfolgen.
Sorry, aber aus meiner Sicht klingt "es musste auch immer eine entsprechende, substantielle Gegenleistung durch ihn erfolgen" wie etwas, was er selbst auf Nachfrage behauptet hätte, um nicht als jemand dazustehen, der seinen Namen gegen Geld verkauft. Bryan Edgar Wallace wurde nicht für seine Fähigkeiten als Drehbuchautor, Script Doctor, Dramaturg, Dialog-Schreiber oder sonst etwas bezahlt - nicht einmal dafür, dass man Handlungselemente aus seinen Romanen nutzen durfte, denn da gab es Nichts, was wirklich exklusiv wäre. Er erhielt Lizenzgebühren dafür, dass Produzenten, bzw. Verleiher seinen Namen (der zufällig dem seines Vaters ein wenig ähnelte ) Marketing-technisch für Filme nutzen durften. Da schrieben dann die Verleiher aus Rechtfertigungsgründen irgendwas von wegen "Basierend auf einer Kurzgeschichte von...", aber die Kurzgeschichte aus den 60er, die die Handlung von "Das Geheimnis des gelben Grabes" aufweist, will ich mal sehen. Auch "seltsam", dass die Verfilmungen seiner Romane, die eher im Bereich Science-Fiction und Agenten lagen, auf der Leinwand dann ganz plötzlich mit Nebel, Grusel, Humor und obskuren Mordserien frappierend an die Wallace-Filme der Rialto erinnerten und keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit den Romanen hatten. Ob da wohl jemand diverse Drehbuchautoren (die keinerlei Kenntnisse der BEW-Romane hatten) beauftragte, Bücher im Stile der Rialto-Filme zu schreiben, die dann mit dem "B. Edgar Wallace"-Siegel verkauft wurden? Mag sein, dass er die Stoffe tatsächlich "absegnen" musste, also bei zu schmuddeligen Filmen oder qualitativ zu miesen Büchern sogar "Nein" gesagt hätte, dass aber "Das Geheimnis des gelben Grabes" so durchging, spricht eher dafür, dass dieses Absegnen nicht sonderlich viel Bedeutung hatte. Bei dem Mabuse-Crossover kam dem ganzen Etikettenschwindel natürlich sehr zu Gute, dass die Bryan Edgar Wallace-Romane tatsächlich mehr Ähnlichkeit mit Norbert Jacques als mit Vater Wallace hatten. Da konnte man ja vielleicht sogar tatsächlich ein paar echte Elemente aus den Romanen einfließen lassen - bzw. vielleicht gab es da ohnehin schon zufällige Überschneidungen. Noch einmal zurück zu den "Handschuhen": Ich stelle mir kurz vor, dass ich als italienischer Produzent mit einem fertigen Buch auf den Markt gehe, ein Großteil von Cast und Crew bereits steht und ich noch ausländische Geldgeber suche und ein Produzent aus Deutschland ankommt mit "Ich gebe Euch ein bisschen Geld und bekomme dafür die deutschen Vermarktungsrechte... achja, ich will den Film gern als Bryan Edgar Wallace-Film in Deutschland vermarkten, aber das darf ich nur, wenn der Herr ein paar Drehbuchzeilen beisteuert, wir müssen also nochmal an die Basis ran!". Die häufigste Antwort dürfte sein "Aha, danke für das Gespräch" und dann kommt das fehlende Geld halt von einem Produzenten aus Frankreich oder Spanien.
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #256. Mit dem Tod Bryan Edgar Wallaces Ende 1971 gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, so dass dann die darauf erscheinenden Filme, abgesehen von Ankündigungen (Fliegen, Gelbes Grab) nicht mehr als Bryan E Wallace Filme vermarktet werden konnten, obwohl er wohl in der Vorproduktion beteiligt war. Deswegen ist sein Name zwar beim Gelben Grab genannt, aber eben nur im Film selber, nicht in der Vermarktung (bis zur DVD-Auswertung).
Kausalität ungleich Korrelation! Weder "Das Gesicht im Dunkeln", noch "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" waren riesige Erfolge in deutschen Kinos, einige Gialli (ohne Nennung von damals bereits aus der Mode gekommenen Krimiautoren) waren ebenso erfolgreich oder gar erfolgreicher. Man darf auch nicht vergessen, dass "Edgar Wallace", "Karl May" und Co ab 67/68 von der Jugend als "Papas Kino" verschrien waren. Da konnte so ein Autorensiegel auf einem Film, der eigentlich "modern und hip" sein wollte, Marketing-technisch eher kontraproduktiv sein. Filme wie "Der Tod trägt schwarzes Leder" oder "Der Killer von Wien" funktionierten als eigenständige Filme ohne irgendwelche falschen Etiketten ganz ordentlich. Warum also Bryan Edgar Wallace Geld zahlen und mit diesem Siegel auch noch das Wallace-Stammpublikum in "falsche Filme" locken, während das passendere Publikum aufgrund des Marketings draußen bleibt? Die Rialto schien nach "Das Gesicht im Dunkeln" mit dem 71er-Film "Die Tote aus der Themse" das Italo-Experiment bereits wieder eingestellt zu haben, wenn man sich mit "Bryan" also an die Stammreihe anlehnen wollte, ging dies mit einem "Pseudo-Deutschen" Film wie "Der Todesrächer von Soho" viel besser. Nach den "Handschuhen" brachte der Cinerama-Verleih die weiteren CCC-Ko-Produktionen wie "Das Grauen kam aus dem Nebel", "Der Teufel kam aus Akasawa", "Sie tötete in Ekstase" und "Vampyros Lesbos - Erbin des Dracula" ins Kino. Man wird dort schlichtweg entschieden haben, nach der Erfahrung mit dem "Edgar Wallace"-Siegel bei "Der Teufel kam aus Akasawa" bei "Das Geheimnis des gelben Grabes" auf Nennung des Namens Bryan Edgar Wallace zu verzichten. Gut möglich auch, dass der Film (mit BEW-Siegel) noch mit einem anderen Verleih geplant war, es einen Wechsel gab und die Cinerama schlichtweg nicht einsah noch einmal Geld und Zeit zu investieren um mit irgend jemandem aus der Familie Wallace über einen neuen Lizenzvertrag zu sprechen. Ich habe gar nicht in Erinnerung ob BEW im deutschen Vorspann überhaupt genannt wird. In den internationalen Fassungen ist es ja erneut nicht der Fall. Spätestens bei Sichtung des fertigen Films muss jedem Beteiligten aufgefallen sein, dass ein Film mit Spielort Italien und archäologischem Setting nur schwerlich mit einem Siegel verkäuflich ist, dass auch 1972 sicherlich noch in der Erinnerung vieler für Schwarz-weiße Gruselkrimis mit Nebel und London als Handlungsort stand. 1974 lief "Der Frosch mit der Maske" erstmals im Fernsehen, 1972 dürfte die Rialto da also schon langsam in der Vorplanung gewesen sein, bzw. daran gearbeitet haben, die TV-Rechte zu veräußern - auch damit hängt sicherlich die Einstellung der Rialto-Kino-Reihe zusammen. Die letzte Klappe für einen Rialto-Wallace-Film fiel im November 1971, als das "Grab" im Winter 1972 in die Kinos kam, waren die beiden letzten Filme "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" (März 1972) und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (Juni 1972) schon lange gelaufen und es war lange bekannt, dass keine weiteren Teile mehr folgen würden. An was sollte man sich da also mit einem "Bryan Edgar Wallace"-Label noch dranhängen?
@Fabi88 : Im italienischen Vorspann zu "Das Grauen kam aus dem Nebel" wird Artur Brauner explizit als "Mitarbeiter am Drehbuch" (collaboratore alla sceneggiatura) genannt. Im deutschen Vorspann und im Trailer zum "Gelben Grab" wird Bryan Edgar Wallace explizit genannt. Beides auf der Pidax-DVD/BluRay enthalten
@KRIMI! THE MAGAZINE : Was das "Gelbe Grab" angeht, liegen mir andere Informationen vor, und zwar aus erster Hand. Es ist alles im Bonusmaterial der Pidax-DVD nachsehbar (in den Interviews) bzw. nachlesbar (im vorhandenen Originaldrehbuch, das als PDF beigefügt ist). Die Idee zum "Gelben Grab" hatte Regisseur Crispino, der schon lange einen Krimi drehen wollte, als er die Totenstadt von Cerveteri besuchte. Danach arbeitete er gemeinsam mit Lucio Battistrada das Drehbuch "Raptus" aus (das in dieser Form auch auf der DVD als PDF enthalten ist). Federico Lombardi, Chef der Titanus Film, suchte daraufhin Koproduzenten, um den Film zu finanzieren - und fand sie (für damals sehr ungewöhnlich) in einer jugoslawischen Firma, in Form von Amerikanern (die zum Missfallen aller italienischen Beteiligten auf Alex Cord bestanden) und eben in Form von CCC. Mit Brauner hatte Lombardi schon vorher erfolgreich zusammengearbeitet (eben auch mit Crispino als Regisseur in dem Film "Himmelfahrtskommando El Alamein", in dem auch Blacky Fuchsberger, Heinz Reincke und Götz George mitspielten, und bei dem - ganz nebenbei bemerkt - neben Battistrada auch Dario Argento am Drehbuch beteiligt war). Der Sohn des Regisseurs erzählt mir im Interview auf der DVD, dass sein Vater wusste, dass Brauner den Film in Deutschland als marketingtechnischen Gründen als Bryan-Edgar-Wallace-Film vermarketete und anfangs etwas erstaunt darüber war. Er betont aber auch, dass der englische Autor nichts mit dem Film zu tun hatte, denn das Drehbuch war ja lange vor dem Entschluss, eine Koproduktion mit Deutschland daraus zu machen, fertig. Ich denke einfach, dass Brauner günstig auf einen Zug aufsprang, nachdem er sah, was Rialto mit Stecknadel/Halbmond (der ja auch nur mehr in Italien spielte) machte und günstig seine drei Schauspieler (Horst Frank, Nadja Tiller und die damals aus Erotikfilmchen bekannte Christiane von Blanc) für den deutschen Markt unterbringen konnte, was Crispino auch im Interview bestätigt.
Ich bin aber sehr gespannt auf Eure Rechercheergebnisse und werde mir Krimi! sicher zulegen!
Zitat von Georg im Beitrag #27@Fabi88 : Im italienischen Vorspann zu "Das Grauen kam aus dem Nebel" wird Artur Brauner explizit als "Mitarbeiter am Drehbuch" (collaboratore alla sceneggiatura) genannt. Im deutschen Vorspann und im Trailer zum "Gelben Grab" wird Bryan Edgar Wallace explizit genannt. Beides auf der Pidax-DVD/BluRay enthalten
Dank für die Infos! Ich war ehrlich gesagt zu faul dafür nochmal in den Film reinzuschauen. Aber dass "gelbes Grab" als BEW-Film von Brauner geplant wurde, habe ich auch nicht bestritten. Der Verleih hielt dann von dieser Idee wohl Nichts mehr.
Zitat von Georg im Beitrag #27@KRIMI! THE MAGAZINE : Er betont aber auch, dass der englische Autor nichts mit dem Film zu tun hatte, denn das Drehbuch war ja lange vor dem Entschluss, eine Koproduktion mit Deutschland daraus zu machen, fertig. Ich denke einfach, dass Brauner günstig auf einen Zug aufsprang, nachdem er sah, was Rialto mit Stecknadel/Halbmond (der ja auch nur mehr in Italien spielte) machte und günstig seine drei Schauspieler (Horst Frank, Nadja Tiller und die damals aus Erotikfilmchen bekannte Christiane von Blanc) für den deutschen Markt unterbringen konnte, was Crispino auch im Interview bestätigt.
So, bzw. ähnlich wird es für "Handschuhe" natürlich auch gelten... Es gibt einfach Nichts, wirklich Nichts, was mit Kenntnis der allgemeinen Entstehungsprozesse beim Film und logischem Denken sowie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten irgendwie dafür spricht, dass Bryan Edgar Wallace inhaltlich etwas zu den italienischen Co-Produktionen beigesteuert hat. Selbst bei den "rein deutschen" Filmen zuvor wird es da maximal ein ganz wenig gegeben haben. Vielleicht führte Brauner Telefonate mit ihm und hörte sich 1-2 Ideen an, die dann die beauftragten Drehbuchautoren als ersten Startpunkt nutzten (und dann teils schnell verwarfen), aber viel mehr wird auch dort nicht gewesen sein. Das mag da anders sein, wo ganz explizit von Treatments von Bryan Edgar Wallace geschrieben wird. Aber auch dann hat niemand von uns Einsicht, wie viel davon noch in der letzten Drehbuchfassung landete. Bei "Das indische Tuch" hätte man auch "nach einem Treatment von Egon Eis" schreiben können, allerdings entfernten sich Georg Hurdalek, bzw. H. G. Petersson so sehr davon, dass die Nennung nicht mehr gerechtfertigt gewesen wäre. Bei "Bryan Edgar Wallace" benötigte man als großes Werbesiegel natürlich mehr Rechtfertigung und nutzte so etwas dann. Aber wenn wir von "echten Archiven" sprechen, findet sich schon bei den Online zugänglichen Unterlagen zu "Der Henker von London" beispielsweise Korrespondenz von Edwin Zbonek mit Brauner bzw. Stemmle bezüglich einer Drehbuchfassung, wo umfassende Änderungen besprochen wurden. Man unterschätzt als Laie glaube ich oft, wie viel Zeit und wie viele Fassungen zwischen erster Idee (von wem auch immer) und dem Ergebnis auf der Leinwand liegen. Gerade bei den rein für den Konsum geplanten Unterhaltungsfilmen mischen da außerdem nicht nur teils mehrere Drehbuchautoren, sondern noch Dramaturgen der Produktionsfirma (/Produktionsfirmen) oder gar des Verleihs mit, Regisseure nehmen Änderungen vor oder geben diese bei den Autoren in Auftrag, teilweise werden Script-Doktoren hinzugezogen oder Autoren, die nur bestimmte Szenen oder Dialoge noch einmal überarbeiten. Am Ende sind da noch die Schauspieler, die mit ungeplanten Improvisationen oder persönlichen Wünschen oder Vorschlägen am Set nochmal hier und da Planungen über den Haufen werfen. Nicht ohne Grund gibt es zig Autoren, die ihr Buch im fertigen Film kaum wieder erkennen. Meine Skepsis gegenüber den Krimi!-Magazin ist jedenfalls nach wie vor groß, nachdem ja schon einige Beiträge hier und in dem Blog auftauchten, die den Standards wissenschaftlicher Arbeit kaum entsprechen und sich gern im Hochschreiben grauer Eminenzen zu Strippenziehern mit ominösen Geldern und Ähnlichem verloren. Deswegen wäre eine Info, dass es sich bei "Wir waren in den Archiven" nicht um ein Synonym für "wir haben ausländische Publikationen, die keinerlei Einsicht in deutsche/italienische Unterlagen hatten und offen einsehbare Quellen im Internet mit unseren Vermutungen und Wunschvorstellungen verbunden" handelt, sehr schön. Georg ordnet das ja zumindest in Bezug auf das "gelbe Grab" mit seinen Informationen aus erster Hand schon sehr gut ein. Mir stellt sich dann auch die Frage, warum man trotz leicht erhältlicher Informationen (Kauf der DVD/Blu-Ray und Sichtung des Bonusmaterials) in völlig andere Richtungen recherchiert und eine alternative Geschichtsschreibung versucht.
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #25Falls Euch dieses Thema interessiert, wird Euch mit Sicherheit die nächste Ausgabe von KRIMI! (ab 30. September auf amazon) interessieren. Wir waren in den Archiven und konnten folgendes zu diesen Themen dokumentieren:
1. DER MANN MIT DEM GLASAUGE ist ein Bryan Edgar Wallace Film, der dann von RIALTO unter dem lukrativeren Edgar Wallace Banner gedrecht und herausgebracht wurde 2. Es wurden Storyelemente von BRYAN EDGAR WALLACEs Original-Treatment zu PHANTOM VON SOHO in SCHWARZE HANDSCHUHE übernommen und eingearbeitet. 3. CCC war definitiv an der Produktion von DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE beteiligt 4. CCC und Argento haben darüber hinaus weitere Projekte besprochen und abgeglichen. Da es ausdrücklich mehrere Projekte waren, kommen nur VIER FLIEGEN und mindestens ein weiterer, unbekannter Film in Frage. 5. Jede Verwendung des Namens von Bryan Edgar Wallace musste einzeln von ihm abgesegnet werden und es musste auch immer eine entsprechende, substantielle Gegenleistung durch ihn erfolgen. 6. Mit dem Tod Bryan Edgar Wallaces Ende 1971 gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, so dass dann die darauf erscheinenden Filme, abgesehen von Ankündigungen (Fliegen, Gelbes Grab) nicht mehr als Bryan E Wallace Filme vermarktet werden konnten, obwohl er wohl in der Vorproduktion beteiligt war. Deswegen ist sein Name zwar beim Gelben Grab genannt, aber eben nur im Film selber, nicht in der Vermarktung (bis zur DVD-Auswertung).
Wir hoffen, damit einige Unklarheiten und Fragen beseitigt zu haben, und hoffen, dass Ihr trotzdem noch am 30. September zugreifen werdet (es lohnt sich).
Ohne wirkliche Beweise sind mir die Thesen etwas zu steil.
Was 1.) angeht glaube ich persönlich eher an die Version, die bei Wikipedia steht: "[...] Nach dem gleichen Muster wollte man nun auch mit Fodors zweitem Drehbuch Die grausame Puppe verfahren. Hengges Überarbeitung erhielt schließlich den Titel Der Mann mit dem Glasauge. Artur Brauners CCC-Film hatte unter diesem Filmtitel bereits 1963 im Fachblatt Filmecho/Filmwoche einen Bryan-Edgar-Wallace-Film angekündigt. Die Vermutung liegt nahe, dass aus diesem Vorhaben der 1964 fertiggestellte Film Das Phantom von Soho hervorging. Möglicherweise wurde dessen Treatment oder Originaldrehbuch, das ebenfalls aus der Feder von Ladislas Fodor stammt, später an Rialto Film verkauft.[...]"
Zitat von KRIMI! THE MAGAZINE im Beitrag #25Mit dem Tod Bryan Edgar Wallaces Ende 1971 (...)
Habt ihr auch das genaue Sterbedatum und den Sterbeort herausfinden können? Seltsamerweise scheint das nicht bekannt zu sein, obwohl z. B. die Sterbeurkunde inzwischen öffentlich zugänglich sein dürfte.