Was soll ich sagen? Die "Gräfin" ist mittlerweile schon seit vielen Jahren mein Lieblingswallace und wird es wohl auch bleiben. Das hat die letzte Sichtung wieder bestätigt. Vor allem die Inszenierung ist an vielen Stellen auch einfach auf den Punkt. Hier möchte ich exemplarisch zwei Stellen hervorheben.
1. Als Lizzy zu Dorn in der Teestube sagt "Das ist doch Wahnsinn, was Sie da machen" und dann direkt der Fokus auf Bresset erfolgt.
2. Das Gespräch zwischen der Gräfin uns Mrs. Pinder im Finale. Zu Beginn sind sie auf Augenhöhe, bis die Gräfin dann halb auf dem Sessel hockt und fast schon demütig darum bettelt, dass Mrs. Pinder sich abschieben lässt. Auch als diese dann die Wahrheit ausspricht, quasi das Urteil über Eleonora Moron fällt, verbleibt die Gräfin in der niederen Position. Bis sie dann schließlich wieder an Sicherheit gewinnt und dabei unauffällig über ihren Giftring streichelt. Da sitzt jede Einstellung!
Zitat von Savini im Beitrag Entspannung durch HochspannungDas man einige schwache Versuche machte, Selwyn verdächtig erscheinen zu lassen (haben seine Experimente etwas mit dem einstürzenden Balkon oder dem Tod des Butlers zu tun?) könnte dafür sprechen. Wobei ich die Rolle trotzdem nie als "mysteriös" empfunden habe; 1961 dürfte auch kaum ein Zuschauer ernsthaft damit gerechnet haben, dass eine Arent-Rolle etwas Übles im Schilde führen könnte.
Letzteres trifft zwar zu, aber andererseits könnte man auch fragen: Hätte ein Zuschauer 1965 bzw. überhaupt damit gerechnet, dass Arent jemals als Haupttäter demaskiert werden könnte. Zumal mir der Film in Sachen Täterfrage bei dieser Sichtung generell nicht so eindeutig vorkam wie bisher. In manchen Szenen kann man sich durchaus fragen "Ist es eine Verschwörung der Gräfin oder um die Gräfin?". Zudem wenn man Arents Rolle in der frühen Phase der Reihe einen Schurken zutrauen würde, dann doch wohl am ehesten bei diesem Film, der - wie schon im anderen Thread geschrieben - ein latentes Gefühl beständiger Unsicherheit vermittelt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #197Zumal mir der Film in Sachen Täterfrage bei dieser Sichtung generell nicht so eindeutig vorkam wie bisher. In manchen Szenen kann man sich durchaus fragen "Ist es eine Verschwörung der Gräfin oder um die Gräfin?".
Zumindest ein paar solche Andeutungen waren wohl nötig, um die nötige Unklarheit vor der Auflösung zu erhalten.
Zitat von Count Villain im Beitrag #197bei diesem Film, der (...) ein latentes Gefühl beständiger Unsicherheit vermittelt.
Dem stimme ich absolut zu (siehe frühere Beiträge).
Zitat von Count Villain im Beitrag #196Was soll ich sagen? Die "Gräfin" ist mittlerweile schon seit vielen Jahren mein Lieblingswallace und wird es wohl auch bleiben. Das hat die letzte Sichtung wieder bestätigt.
Ich hoffe, du konntest dann Joachim Kramps negatives Urteil verkraften! Mir ging es bei gewissen anderen Filmen (ähnlich (nur sehr selten stimmten er und ich überein).
Als ich das "Hallo"-Buch zum ersten Mal gelesen habe, war der Film bei mir noch nicht so weit oben (Wallace-Grandprix 2009 Platz 12, 2014 Platz 3 und erst ab 2019 Platz 1). Von daher bin ich da ganz entspannt.
Ein anderer Film, der über die Jahre bei mir konstant gestiegen ist, ist der "Fälscher".
Zitat von Count Villain im Beitrag #196Vor allem die Inszenierung ist an vielen Stellen auch einfach auf den Punkt.
Ich sehe das ganz genauso. Das Finale wurde ja genau wie die Performance Dagovers nicht gerade selten kritisiert, aber ich finde beim Thema der darstellerischen Dominanz kaum Vergleiche innerhalb der Reihe. Wo der Atem in anderen Situationen wegen handelsüblicher Inhalte, wie etwa Brutalität, Twistdichte oder Mord stockt, ist es hier der unerbittliche Schlagabtausch zwischen zwei Frauen, bei dem die Oberhand zunächst hin und her gespielt wird. Doch das letzte Wort hat die Gräfin und man merkt stets, dass sich Lil Dagover als Star der kompletten Veranstaltung versteht. Die Herren des Szenarios werden in recht unüblicher Manier zu Stichwortgebern oder ungläubigen Zaungästen degradiert. Für mich behält "Die seltsame Gräfin" daher einen qualitativ sehr hohen Ausnahmestatus, nicht zuletzt, weil Lil Dagover den Verlauf mit beispielloser Aura prägen kann.