"Der Schut" ist in sofern auch ein spannendes Projekt, weil er mit über 3 Millionen Besuchern nachwies, dass Karl May im Kino auch ohne Winnetou funktioniert. Brauner machte ja direkt Nägeln mit Köpfen und ließ nicht nur Siodmak mit "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes" direkt einen Zweiteiler in einem wiederum neuen Karl May-Setting drehen, sondern beauftragte auch Franz-Josef Gottlieb mit zwei Orient-Fortsetzungen. Da auch die Rialto selbst zu dieser Zeit noch etwa zwei-drei Karl May-Filme im Jahr in die Kinos brachte, gab es definitiv schon ein Überangebot an Karl May-Filmen. Dazu kamen ja auch noch die Wolf C. Hartwig-Western "Die Goldsucher von Arkansas" und "Die schwarzen Adler von Santa Fe" sowie andere Epigone und nicht zuletzt begann ja auch die Welle der Italo-Western mit Leones "Für eine handvoll Dollar". Ich überlege manchmal, was gewesen wäre, wenn es Brauners May-Filme nicht gegeben hätte und sich die Rialto auf einen Karl May-Film im Jahr beschränkt hätte. Vielleicht wäre selbst parallel zu den Italo-Western eine lang laufende Winnetou-Reihe möglich gewesen? So hat man sein Pulver quasi aus allen Rohren innerhalb von knapp fünf Jahren verschossen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #2Die Zuschauerzahlen gaben Brauner und Co Recht und an so etwas wie Wiederaufführungen, TV oder gar VHS, DVD, Blu-Ray oder Streaming dachte damals niemand, sonst hätte man vielleicht hier und da ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen.
Zumindest Wiederaufführungen dürfte man damals aber schon fest einkalkuliert haben, gerade weil die anderen von dir aufgezählten Einnahmemöglichkeiten noch nicht zur Debatte standen und nicht vorstellbar waren.
Es gab damals Nachspielkinos oder Zweitverwertungen in Bahnhofskinos und Co, wo bestehende Kopien für verschwindend geringe Eintrittspreise kaputt genudelt wurden. Aber wirkliche Wiederaufführungen im Sinne von relativ flächendeckenden Großeinsätzen mit neu gezogenen Kopien, teilweise neu erstelltem Werbematerial und Co waren längst nicht Gang und Gäbe. Bei den Rialto Karl May-Filmen startete man ja 1971 - 3 Jahre nach "Im Tal der Toten" als letztem neuen May-Film im Kino - eine Wiederaufführungswelle. In diesem Zuge kam dann auch "Der Schut" noch einmal zu einer Wiederaufführung - aber erst 1977 und wohl (erneut) nur als Reaktion auf Rialtos Erfolge. Das dürfte bei der Produktion 1964 also noch nicht Teil der Kalkulation gewesen sein. Kinofilme wurden bis in die 70er so kalkuliert, dass sie ihre Kosten bei der Erstauswertung an der Kinokasse einspielen konnten, bzw. dort Gewinne machten. Für die Produzenten von Filmen der 50er und 60er Jahre waren/sind Wiederaufführungen, TV-Auswertungen und Super8, später VHS, Laserdisc und Co Bonus. Zumal zumindest bei TV und Heimkino ja wiederum Kosten für die Erstellung neuer Master anfielen/anfallen. Die Kosten für Werbematerial und neue Kopien trugen ja in der Regel (zum Großteil) die Verleiher. Phänomene wie "Der weiße Hai" der in den Jahrzehnten nach seiner Erstaufführung 1975 weiterhin ständig in Programmkinos, Filmreihen und Co lief oder "Blade Runner", der im Kino floppte und erst im Zuge der VHS-Veröffentlichungen sowie des späteren Director's Cuts zum Kultfilm wurde (und jede Menge Geld einspielte) gab es erst später.
Eine treffende Kritik - "schluderig inszeniert" ist tatsächlich das Stichwort. Man merkt dem Film leider an, dass Robert Siodmak hier bereits 64 Jahre alt war und nur noch unregelmäßig Filme drehte - vor allem keine in dieser Größenordnung. Bereits bei "normalen" Szenen gibt es etliche Anschlussfehler und Holprigkeiten (die teils auch schlicht nicht einmal mehr mit "sorgfältigerer Schnitttechnik" zu retten gewesen wären), bei den Action-Szenen entgleitet ihm vieles dann leider komplett. Ob der eigentlich vorgesehene Jürgen Roland das besser im Griff gehabt hätte? Dass die Produktionsumstände und Brauners bekannter Sparzwang nicht gerade halfen, ist aber auch klar. Beispielsweise nahm man für Nachdrehs im Berliner Studio dann einfach ein braunes Pferd als Rih. Im Endeffekt ist der Film aber das, was er sein sollte - Familienunterhaltung mit opulenter Kulisse, allen wesentlichen Stars der Rialto-May-Reihe und recht kurzweilig. Die Zuschauerzahlen gaben Brauner und Co Recht und an so etwas wie Wiederaufführungen, TV oder gar VHS, DVD, Blu-Ray oder Streaming dachte damals niemand, sonst hätte man vielleicht hier und da ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen. Die Logiklöcher stören mich bei dieser Art Film zum Beispiel gar nicht. Solange es zügig erzählt ist, man markanten Schauspielern zuschaut und es Schauwerte gibt, denke ich nicht mehr als nötig über die Handlung nach.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148Schon da hat sich das Bild einer vermeintlichen "Mehrheit" verfestigt, am Ende waren es bei den Demos zu Spitzenzeiten zwar immerhin auch mal 20.000 Leute, aber selbst im Vergleich zu so etwas wie den Bauernprotesten war die Beteiligung gering. Im Vergleich zu einer wirklich großen Mehrheitsbewegung wie den Demos zur "Brandmauer" dann sogar marginal.
Du willst hier ernsthaft behaupten, die "Mehrheitsbewegung gegen die Brandmauer" hätte mehr Leute auf die Beine gebracht als die Corona-Demos? Mit Verlaub, aber das ist schon eine sehr steile These. Ich habe von so einer Bewegung noch nie was gehört, was nun aber nichts heißen will, da ich aus einer ganz anderen "Blase" komme. Ich wohne in einer nach außen hin sehr linksgrün dominierten Gegend, aber letztlich bleiben die dauernden Demos der Linken definitiv hinter der Masse der Leute zur Corona-Zeit zurück, es sei denn, sie werden massenweise mit Bussen von sonst woher herangekarrt. Eigene Anschauung hilft hier mal deutlich, irgendwelche Propaganda von welcher Seite auch immer als solche zu erkennen.
Ja, die eigene Anschauung hilft sehr - sprich weg vom Handy/Internet, raus aus (digitalen) Blasen und mal raus auf die Straße. Oder Zahlen zur Hand nehmen, die nicht von den Veranstaltern selbst herausposaunt werden. Die Google-KI fasst wie folgt zusammen: "In Deutschland haben seit Anfang 2024 Millionen von Menschen unter dem Motto der „Brandmauer“ gegen Rechtsextremismus demonstriert. Hier sind die aktuellen Zahlen im Überblick: Gesamtzahl (bis Mitte 2024): Bis Juni 2024 nahmen bereits über drei Millionen Menschen an mehr als 1.200 Kundgebungen teil, was diese Proteste zur größten Demonstrationsserie in der Geschichte der Bundesrepublik macht. Großdemonstrationen 2024: Ein zentraler Höhepunkt war die Aktion „Wir sind die Brandmauer“ im Februar 2024 in Berlin, bei der über 150.000 Menschen eine Menschenkette um das Reichstagsgebäude bildeten. Protestwelle 2025: Nach einer gemeinsamen Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag flammten die Proteste Anfang 2025 erneut auf. Am ersten Februarwochenende 2025 demonstrierten bundesweit etwa eine halbe Million Menschen. Allein in Berlin versammelten sich Anfang Februar 2025 rund 160.000 Menschen (laut Polizei) bzw. bis zu 250.000 (laut Veranstaltern) für den Erhalt der Brandmauer. Kurz vor der Bundestagswahl im Februar 2025 waren an einem einzigen Wochenende rund 315.000 Menschen bundesweit auf der Straße." Veranstalter schönen ja gern Zahlen, da sprach man an einigen Tagen gern sogar von insgesamt über 1 Million Menschen auf den Straßen, für die es aber keinerlei Belege gibt. Aber als jemand, der berufsmäßig auf Demos gegen Corona, Gaza-Krieg und vieles mehr war, kann ich sagen, dass ich bisher in NRW keine größere Demo erlebt habe, als die "Brandmauer"-Demo, an der ich selbst im Februar 25 in Köln Teil genommen habe. Es gab übrigens große Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern, die Brennpunkte zu Bauernprotesten und Co sendeten, bei den Brandmauer-Demos aber lapidar von "zehntausenden auf den Straßen" berichteten. Dass es sich da um die größten Demonstrationen seit Bestehen der Bundesrepublik handelte, sah, las und hörte man so gut wie nie. Das auch einmal zur Einordnung, Kritik an den ÖR gäbe es nur von rechts.
Bei den Corona-Demos hingegen kam es besonders zu Beginn des Jahres 2022 bei den Teilnehmerzahlen zum Zenit. An einzelnen Montagen im Januar demonstrierten bundesweit zwischen 300.000 und 350.000 Menschen gleichzeitig an hunderten verschiedenen Orten. Ich korrigiere mich also gern, das war schon eine große Menge an Menschen. Da ging es wohl ganz explizit um die "Impf-Pflicht"-Thematik, womit auch ein breiteres Klientel mobilisiert werden konnte. Gegen andere Maßnahmen, bzw. im Zeitraum 2020/2021 gab es zwar über 2.700 einzelne Demonstrationen gegen die Corona-Politik, Teilnehmerzahlen lassen sich dazu jedoch kaum finden, was für eher geringe Teilnehmerzahlen bei vielen, verstreuten Demos spricht. Das kommt natürlich zum Teil auch durch Verbote und Auflagen zu Stande, das will ich gar nicht negieren. Hinzu kommt aber auch noch, dass potentielle Gegendemos, die eine tatsächliche öffentliche Meinung differenziert möglich machen würden, rein logisch nicht möglich waren. Wer nicht gegen die Maßnahmen war, hielt sich ja einfach dran und blieb zuhause, das kann man aber in Zahlen schwerlich messen. Verbürgt ist jedenfalls eine große Diskrepanz zwischen (online) verlautbarter Bereitschaft zum Demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen und den dann tatsächlich auf den Straßen zu findenden. Von den 10-15 Prozent, die bei Abstimmungen Unzufriedenheit äußerten, war man bezüglich der Beteiligung bei Demos weit entfernt. Ich kann da leider nur anekdotische Stichproben bieten: In meiner Geburtstagsstadt Jever (Familienmitglieder kamen wegen Einkauf und Co an den Demos vorbei) nahmen 20/21 etwa 5-10 Leute an den Demos Teil, hier in Köln Ehrenfeld auf dem Neptunplatz standen in dem Zeitraum mal 10-20 Leute vor einer Bühne mit Lautsprecher. Auch bei den Demos, die ich beruflich begleitet habe, waren es keine Massen an Teilnehmern. Und hier kommen wir dann wieder zur Diskrepanz Social Media-News und polizeilich ermittelte Zahlen: Einzelne Großdemonstrationen, wie etwa in Berlin im August 2020, sorgten für stark voneinander abweichende Angaben. Während die Polizei von rund 17.000 bis 38.000 Teilnehmenden sprach, behaupteten Veranstalter teils Millionenwerte, was jedoch von Faktencheckern widerlegt wurde. Einigen wir uns also darauf, dass ich die Zahlen unterschätzt habe. Von einer Mehrheit ist das Alles aber wirklich weit, weit entfernt. Die Mehrheit hat die meisten Maßnahmen toleriert bis begrüßt. Und bei der "Impf-Pflicht", die im Übrigen wohl nie ernsthaft auf dem Tisch lag, wäre auch ich dagegen gewesen. Ich glaube übrigens, dass Du intelligent genug bist, dass Du es nicht nötig hättest solchen Unsinn wie "Busse, die bezahlte Demonstranten herankarren" weiterzuerzählen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148...die im Interesse bestimmter Parteien, Interessensgruppen oder Nationen wie Russland, den USA, China oder sonstwem die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen wollen.
Das mag nun alles sein oder auch nicht. Versuchte Einflussnahme auf die alternativen Medien über ausländische Geldgeber ist mit Sicherheit gegeben. Das würde ich gar nicht abstreiten. Fakt ist aber auch, dass unsere Staatsmedien (als die betrachte ich die ÖR) schon lange Zeit durch die ständigen Verflechtungen in der sogenannten Atlantikbrücke im Sinne der angelsächsischen Mächte beeinflusst werden. Ebenso, wie die großen Medienkonzerne Springer, Bertelsmann, Burda usw. Hier eine Unabhängigkeit in der Berichterstattung zu sehen, ist auch fragwürdig, die gab es in dem Sinne noch nie.
Ich finde den Zirkelschluss "ÖR=Staatsmedien" immer etwas schwierig, weil laute Kritik ja gerade von der Union kommt, die nun einmal leider selbst aktuell regiert. Scheinbar ist dort sehr vielen der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht staatsnah, bzw. wohlwollend genug. Mir sind viele Berichte auch zu wenig regierungskritisch, dass man da aber nur 24/7 Merz' oder Spahns Agenda sendet, sehe ich wiederum auch nicht. Es stellt sich dann ja auch die Frage, was daraus folgt, wenn man endlich regierungskritischer ist, bzw. die Themen tiefer beleuchtet. Das würde eher nicht der AFD helfen, die in vielen Punkten der CDU ja sehr nahe steht, nur weitaus drastischere Lösungen bevorzugt. Und was die von Dir angesprochene Amerika-Nähe betrifft: Ich empfinde die Berichterstattung von ARD und ZDF zu Trump und Co zunehmend kritischer. Man leistet durchaus einen Beitrag zur angemahnten Eigenständigkeit von Europa. Dass man da (noch immer!) im Sinne der Atlantikbrücke arbeitet, sehe ich also nicht unbedingt. Springer (BILD, Welt und Co) tanzt da mittlerweile relativ einsam auf weiter Flur. Die Unabhängigkeit der Öffentlich-rechtlichen war zeitweise übrigens zumindest so groß, dass die CDU unter Helmut Kohl unbedingt ein privates Fernsehen für Gegenstimmen etablieren wollte, es hat sie also definitiv mal gegeben.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148Gibt es keine zweite Quelle, kann in vielen Fällen (erst einmal) zu bestimmten Themen von seriösen (!) Medien keine Berichterstattung erfolgen oder eben nur mit Einschränkungen.
Wenn ich schon "seriöse" Medien lese. Es gibt interessante Literatur von Insidern dazu, wie es in der "seriösen" Medienwelt mittlerweile zugeht und wie weit man sich von Standards entfernt hat, die es da früher mal gab. Alleine der Rechercheaufwand wird auf Minimum runtergefahren, es werden nur die vorgefertigten Texte von Organisationen, Politikern oder was auch immer übernommen. Deswegen klingt auch alles gleich, was du so zu lesen oder zu hören kriegst. Mal abgesehen davon, dass auch die Nachrichten im ÖR gerne mal auf Bilder oder Filme zurückgreifen, die es schon vor zwei Jahren gab. Hauptsache irgendwo brennt ein Auto, und schon hat man Bilder über den Aufstand im Lande Irgendwo. Das Wort "seriös" ist sehr schwammig und lässt sich meiner Ansicht nach für einige (nicht für alle) alternative Medien wesentlich besser anwenden als die Mainstream-Medien. Ansichtssache.
Du sprichst da viele wichtige Punkte an. Vor allem sehe ich endlich einmal Argumente und konkrete Handlungsvorschläge! Man hat sich zu sehr von Standards entfernt? Dann muss man sich ihnen wieder annähern um die selbstbehauptete Seriösität auf stabile Beine zu stellen. Dass der Rechercheaufwand heruntergefahren wurde, stimmt und hat vor allem seine Gründe im dauernden Sparen. Will man Kosten senken, ist dies bei Infrastruktur, Technik und Pensionsansprüchen und Co kaum möglich. Jede Einsparung findet im laufenden Programm statt. Die Folge sind nur noch freie Autoren (teils auch für andere Sender oder private Unternehmen tätig) und Honorare, bei denen Langzeit-Recherchen kaum finanziell angemessen abgebildet werden. Natürlich ist es dann leicht einfach einen Print-Artikel aus einer großen Tageszeitung zu bebildern - überspitzt formuliert. Man kann dann aber leider nicht steigende Effizienz und weniger Finanzbedarf fordern, aber gleichzeitig höhere Qualitätsanforderungen etablieren. Dies ginge nur, wenn man sich beispielsweise entscheiden würde, teure Sportrechte fallen zu lassen und das Geld in Information umzuschichten. Über so etwas darf man diskutieren, ich habe aber leise Zweifel, weil die Werbeeinnahmen in diesem Umfeld sehr hoch sind und sich der ÖR mit den hohen Quoten dort in gewisser Weise ja auch seine Daseinsberechtigung legitimieren kann. Wenn Recherche und eigener (!) Themensetzung eine weitaus gewichtigere Rolle zukommen würde, würde ich das sofort unterschreiben. Dass man Archivbilder wie ein brennendes Auto unmarkiert als neues Material für neue Ereignisse verwendet, ist dann aber wieder ein haltloses Fake News-Gerücht. Das lässt kein CVD durchgehen und falls doch, gibt es Rügen vom Presserat und man würde öffentlichkeitswirksam davon erfahren. Natürlich können auch alternative Medien "seriös" sein. Wie Du aber richtig schreibst, gehören dazu die Einhaltung von Pressestandards und viel Recherche. Beides kostet Erfahrung und Geld - etwas, was alternative Medien nur selten haben. Dass die wenigsten Blogs oder Social Media-Journalisten über Infrastruktur und Kapital verfügen um Orte des Geschehens selbst aufzusuchen und Recherchen an diversen Orten durchzuführen, liegt auf der Hand. Dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung oder FAZ gut recherchiert ist, daher auch. Am Ende ist dann also, wie du sagst, Ansichtssache. Wenn man etwas glauben möchte und es gut ins Weltbild passt, kann man natürlich sogar XY bei Twitter oder NIUS für seriös halten.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #148damit die veröffentlichte der (angenommenen) "öffentlichen Meinung" entspricht?
Immer wieder die "öffentliche Meinung". Was ist das überhaupt und wie entsteht die? Schon vor hundert Jahren haben sehr einflussreiche Propagandisten wie Lippmann oder Bernays darüber geschrieben, wie man "die öffentliche Meinung" im Sinne einer "gelenkten Demokratie" über die Medienmacht beeinflussen kann. Selbstverständlich war bisher genug Zeit, die Dinge noch zu verfeinern und durch die technischen Möglichkeiten ist es auch leichter geworden. Man sollte sich bei allem fragen, ob es tatsächlich die eigene Meinung ist, die da im Kopf ist, worauf die Meinung beruht und wie vertrauenswürdig die Quellen sind und mit eigenem Erleben deckt. Das ist natürlich unbequem und anstrengend. Irgendwas zu glauben ist dagegen leicht.
Ja, und da wir die Zeit des Nationalsozialismus ständig aufs Brot geschmiert kriegen, die Mehrheit hat ja nun offenbar an das geglaubt, was "von oben" vorgegeben wurde - wie so oft-, und lag falsch damit. Noch weiter zurück haben die Leute an Hexen, Fegefeuer und ähnliche Dinge geglaubt, die ihnen sehr medienwirksam von der Kirche präsentiert wurden, und wir tollen aufgeklärten Jetztzeitler machen uns darüber lustig. Was die "gelenkte" Mehrheit denkt, muss also nicht unbedingt richtig sein. Das war früher so, ist heute so, und wird auch in Zukunft so sein. Jedenfalls ist es sicher kein KO-Kriterium.
Ich habe mich explizit auf Julia Klöckners Aussagen bezogen. Sie sprach von diesem diffusen Schlagwort "öffentliche Meinung", daher habe ich selbst es in Anführungsstrichen verwendet. Meiner Meinung nach gibt es so etwas wie die "öffentliche Meinung" ebenso wenig wie es eine "politische Mitte" gibt. Ansichten wandeln sich quasi minütlich - was heute gesellschaftlich Standard ist, kann morgen schon (wieder) verachtet werden. Und es gab wohl nie so viele veröffentlichte Meinungen wie heute, wo es keine Gatekeeper mehr gibt, die mit Druckerpressen oder der Kontrolle der Ausspielwege entscheiden welcher Journalist etwas schreiben/sagen kann und welcher nicht. Der Endnutzer ist heute auch gleichzeitig Redakteur - und das macht das Ganze so problematisch, weil Medienkompetenz in weiten Teilen der Bevölkerung nicht existent ist und viele nicht in der Lage sind, den Wert einer Statistik des Bundesamts von einer Wordtabelle in Comic Sans aus der Telegram-Gruppe zu unterscheiden. Eigene Anschauung schön und gut, aber man kann von einer alleinerziehenden Mutter, die Schichten an der Kasse des Discounters schiebt und sich Abends kurz informieren will, nicht erwarten, dass sie sich durch Print-Medien, öffentlich-rechtliches Angebot und "Alternativmedien" wühlt um zu irgendeiner Erkenntnis zu gelangen. Dass Medien auch heute (wie in der NS-Zeit) eine große Rolle beim Umbau von Staatsformen spielen, sehen wir eindrücklich in den USA. Wenn auch hierzulande Angriffe von Politikern auf Medien gefahren werden, sollte uns das Sorgen machen. Für mich ist das eher ein Appell die von Dir angesprochenenen Kritikpunkte beim Öffentlich-Rechtlichen nachzubessern, weil wir ihn vielleicht stärker brauchen denn je. Politiker raus aus den Rundfunkräten, Kürzen bei Unterhaltung, mehr Geld in Information und die Standards bei Recherche und Co erhöhen - Alles Punkte, die ich sofort unterschreibe.
Bei der Neugestaltung unserer Küche habe ich erneut damit angefangen die Europa-Wallace-Hörspiele zu hören - natürlich in Form der ungekürzten MCs mit der Original-Musik. Mir fiel erneut auf, wie stilsicher die Folgen umgesetzt wurden. Parallel entstanden ja (sowohl beim Script (H.G. Francis) wie auch am Mischpult und an den Mikrofonen quasi mit dem selben Personal) im selben Studio auch Reihen wie "Die drei ???" oder "TKKG" und doch hat jede Reihe eine klare eigene Handschrift und wirkt "wie aus einem Guss" mit seinen ganz eigenen Markenzeichen. Das fängt bei Edgar Wallace an mit der stimmungsvollen Titelmusik (die allerdings auch bei Europas "Sherlock Holmes"-Reihe mit Peter Pasetti zum Einsatz kam) und geht weiter mit Horst Naumann als Erzähler, der wunderbar knarrig durch die Fälle führt. Die Dialoge sind meist straff geführt, komödiantisch gedachte Szenen wie in "Die toten Augen von London" das Kennenlernen von Inspektor Holt (Günther Ungeheuer) und Diana Ward (Pia Werfel, sie wiederholte die Rolle auch bei Maritim), nachdem ihr Chef sie mit falschen Informationen übereinander gefüttert hatte, sind charmant gelöst und wirken selten unfreiwillig komisch oder ein wenig aufgesetzt wie manchmal bei Maritim und Co. Die Musik (Mischung aus orchestraler Musik von Beurmann selbst und Carsten Bohns Jazzz-Rock) ist immer passend eingesetzt und sorgt für eine sehr eigenwillige Stimmung. Sobald ich die Kassetten einlege, fühle ich mich Zuhause. Die ganze Umsetzung erzeugt ebenfalls ein märchenhaftes, gruselig-nebliges London, aber dabei mit ganz eigenen Werkzeugen als es die Rialto-Filme der 60er Jahre taten. Die Inspektoren sind hier in der Regel keine energiegeladenen Jungspunde, auch die klaren komischen Sidekicks sind eher selten. H.G. Francis hat es geschafft, die Romane auf das wesentliche Einzudampfen, ohne, dass es zu platt wirkt oder wichtige Elemente wegfallen. Die Hörspiele gehören definitiv nicht zu den Umsetzungen, bei denen es hilft die Romane gelesen zu haben. Etwas schade ist, dass man sich erst in der zweiten Staffel (Folgen 1-6 erschienen auf einen Schlag 1983, die Folgen 7-12 dann noch im selben Jahr) traute mit "Der Engel des Schreckens" und "Die drei Gerechten" unverfilmte Stoffe umzusetzen. Ersterer gehört für mich zu den stärksten Folgen (vor allem, wenn man es ohne Kenntnis des Romans zum ersten Mal hört), zweitere gewinnt mit jedem Hören bei mir. Das Zusammenspiel von Hannes Messemer, Balduin Baas und Henning Schlüter funktioniert prächtig und es entwickelt sich zeitweise so etwas wie ein "Drei ??? als End-Fünfziger"-Drive. Nie aufgefallen war mir übrigens bisher, dass Horst Naumann bei "Der rote Kreis" neben seiner Erzählerrolle auch noch Inspektor Parr spricht. Wie er diese Rolle anlegt ist aber ganz großes Kino. Man hat den Eindruck, er muss jedes Wort unter der Bürde jahrzehntelanger harter Polizeiarbeit ächzend und stöhnend herauspressen.
Nach 12 Folgen war leider Schluss. So gut die Idee war, die "Kassettenkinder", die man seit den frühen 70er Jahren als Kunden eingesammelt hatte mit erwachseneren Stoffen bei der Stange zu halten, so verzettelte man sich wohl auch mit zu vielen neuen Reihen parallel. Es gab ja noch Sherlock Holmes, Gruselserie, Larrry Brent, Macabros und und und. Da kamen am Ende wohl zu hohe Produktionskosten zusammen, während man eigentlich Alles für ein und die selbe Zielgruppe produzierte. Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten wie das Aufkommen der Spielkonsolen dürften ebenso ein Rolle gespielt haben wie hippe TV-Serien wie "Miami Vice" und Co. Der Kollaps für den Hörspielmarkt erfolgte dann ja endgültig in den 90ern mit dem "Gameboy"-Knick.
Diese 12 Folgen sind jedenfalls für mich persönlich die Essenz unter allen Wallace-Hörspielen und behalten immer einen festen Platz im Regal.
Leider zu weit weg. Die Besetzung ist ja vielversprechend. Interessant finde ich, dass man sich (erneut) für "Die seltsame Gräfin" entschieden hat. Es gab ja bereits eine Live-Hörspiel-Veröffentlichung des Romans - produziert an verschiedenen Locations in Hamburg mit dem Ensemble des Imperial-Theaters und Jürgen Thormann als Erzähler. Ich bin auf Berichte gespannt! Vielleicht findet ja sogar das selbe Script Verwendung?
Zitat von rasira im Beitrag #149Bitte bitte dieses ausschweifende Geschwurbel aus dem Grünen-Ortsverband einstellen. Es passt nicht in dieses Forum und ist einfach nur haarsträubend.
Weil ich Äußerungen von Julia Klöckner (die unter anderem Kirchen kritisiert, weil sie doch bitte nur Trost und Stabilität spenden sollen) nicht gut heiße, bin ich also ein "grüner Schwurbler"? Und Kritik an Julia Klöckners Äußerungen passen nicht in das Forum, Julia Klöckners Äußerungen aber schon? Ich habe es schon an diversen Stellen geschrieben: Entweder man stellt diesen ganzen Thread ein oder diskutiert wirklich offen (wofür bei den hitzigen Gemütern teilweise aber ein starker Moderator nötig wäre). Dieser komplett inhaltsleere, rein diffamierende Einzeiler ist ja nun wirklich auch nicht geeignet eine Diskussion aufzuwerten.
Zitat von Havi17 im Beitrag #132IZahlreiche ehemalige "Tagesschau"- bzw. "Tagesthemen"-Moderatoren sind in den vergangenen Jahren z.B. zur privaten Konkurrenz abgewandert: Patrik Baab, Alexander Teske, schrieben auch Bücher darüber. Marc Bator ging zu Sat.1, Linda Zervakis wechselte zu ProSieben und Pinar Atalay zog es zu RTL. Der jüngste prominente Abschied war jener von Constantin Schreiber: Im Mai verließ der Journalist die "Tagesschau" und wechselte zu Axel Springer, https://www.wunschliste.de/tvnews/m/uebe...source=nw260109
Bei Frau Klöckner würde ich weniger von Wasser reden als von Dampf oder auch heißer Luft. Es ist ja bereits länger bekannt, dass die Union medientechnisch scheinbar grottenschlecht beraten wird und sich vor allem Landesverbände und Abgeordnete (teils von einzelnen!) Twitter- oder Instagram-Posts leiten lassen. Wenn man Social Media wirklich ernst nimmt und glaubt, dort würde 1:1 die "öffentliche Meinung" abgebildet, ist das erste Problem natürlich schonmal die jeweilige Bubble in der man sich bewegt und zweitens die Tatsache, dass geschätzt mindestens 20-30 Prozent (!) der dortigen Aktivitäten durch Bots erfolgt. Drastisch war dies beispielsweise während der Corona-Zeit. Die Carnegie Mellon University hat 2020 in einer Studie mehr als 200 Millionen Tweets mit Corona-Thematik analysiert. Von den 50 einflussreichsten Retweetern waren 82 Prozent und von den 1000 Top-Retweetern immerhin noch 62 Prozent Bots. Schon da hat sich das Bild einer vermeintlichen "Mehrheit" verfestigt, am Ende waren es bei den Demos zu Spitzenzeiten zwar immerhin auch mal 20.000 Leute, aber selbst im Vergleich zu so etwas wie den Bauernprotesten war die Beteiligung gering. Im Vergleich zu einer wirklich großen Mehrheitsbewegung wie den Demos zur "Brandmauer" dann sogar marginal. Das erklärt übrigens auch, warum das allgemeine Interesse an "Corona-Aufklärung" so gering ausfiel und fällt. So laut in den sozialen Medien und bestimmten Kreisen geschrien wurde, so leise war das tatsächliche Interesse daran in der Bevölkerung. Damit will ich nicht sagen, dass es in der Zeit Versäumnisse, Fehleinschätzungen und Co gab, die aufgearbeitet gehören! Aber das zieht sich durch viele weitere Themen - Social Media-Kommentare werden eben nicht von Otto Normal geschrieben, sondern von Leuten mit (zu viel) Zeit oder ganz klarer (beruflicher?) Agenda oder eben Bots, die im Interesse bestimmter Parteien, Interessensgruppen oder Nationen wie Russland, den USA, China oder sonstwem die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen wollen. Frau Klöckner gehört scheinbar zu denen, die dem Ganzen zu viel Bedeutung beimessen und sich zu wenig auf der Straße mit realen Menschen unterhalten. Wenn "Medien" wie NIUS und Co sich dann anschicken diese geglaubte Mehrheitsmeinung, das Geraune und Operieren mit Lügen und falsch verstandenen Fakten aus Social Media als "seriösen Journalismus" getarnt in die analoge Welt zu schießen, dann macht es das nicht besser. Zwei wichtige Anmerkungen: 1. Neutralität ist zuerst einmal unmöglich und steht zweitens auch nirgendwo im Rundfunkstaatsvertrag. Gerade Julia Klöckner als Bundestagspräsidentin steht ja außerdem selbst so stark wie kaum ein/e Vorgänger/in bezüglich der Neutralität in der Kritik. 2. Eine Grundregel des Journalismus ist das Zwei-Quellen-Prinzip. Es ist allein aufgrund der Veröffentlichungsfrequenz Bloggern, Social Media-Kommentatoren und Co gar nicht möglich dieses anzuwenden - vieles basiert daher auf einzelnen Quellen (um nicht zu sagen, oft sogar nur auf Hören-Sagen). Gibt es keine zweite Quelle, kann in vielen Fällen (erst einmal) zu bestimmten Themen von seriösen (!) Medien keine Berichterstattung erfolgen oder eben nur mit Einschränkungen. In der Praxis wird Ausgewogenheit bei Themen außerdem dadurch verfolgt, indem man Experten für beide Seiten eines Themas sucht. Auch dies hat Grenzen. Um ein Extrembeispiel aufzumachen: Bei einer - einmal hypothetisch angenommenen - nicht-Grundgesetz-konformen Meinung, die die "öffentliche Meinung" zur Zeit darstellt, wird sich kein Jurist, Menschenrechtler, Hochschulprofessor oder Ähnliches finden, der diese im Rahmen eines Berichts einnehmen wird. Was tun wir dann? Soll gegen Rundfunkstaatsvertrag und vielleicht sogar das Grundgesetz verstoßen werden, damit die veröffentlichte der (angenommenen) "öffentlichen Meinung" entspricht? Das, was Frau Klöckner da geäußert hat, ist keine Kritik, sondern ein inhaltsleeres Geraune mit gefährlichen Schlagworten.
Um einen aktuellen - wenngleich auch sehr subjektiven - Vergleich in einem noch dazu eher unbedeutenden Feld zu ziehen: Ich bin Werder Bremen-Fan und daher auch Follower vieler Werder-Kanäle. Die Stimmung im Worum (dem größten Fan-Forum) wie auch bei Social Media war die letzten Wochen bis Monate verheerend. So gut wie keine positive Stimme war zu lesen. Man hätte glauben können, die Zuschauer würden mit Mistgabeln zu den Spielen gehen und das ganze Spiel lang mit Bannern, Rufen und Pfiffen den Rauswurf der sportlichen Führung fordern. Was aber war das tatsächliche Bild, das Handeln der realen Menschen, der "Mehrheitsmeinung", wie sie sich im Verhalten der Stadionbesucher zeigte? Unterstützung für die Mannschaft, lautes Rufen des Trainer-Namens bei der Verlesung der Aufstellung, usw. Im "echten" Leben war keinerlei Hass, Häme oder laute Kritik zu hören. Erst beim vorletzten Spiel gab es schließlich ein kritisches Banner Richtung Geschäftsführer Sport und beim letzten Spiel Pfiffe nach einem enttäuschenden 1:1, nach dem schließlich der Trainer entlassen wurde. Soll heißen: die veröffentlichte Meinung der Medien (ruhige Berichtserstattung, wenn überhaupt nur wenig und dazu sachliche Kritik) entsprach nicht der gefühlten (!) öffentlichen Meinung, wenn man sich in "alternativen" Medien umschaute. Sie deckte sich aber im Endeffekt dann wohl doch sehr gut mit der tatsächlichen öffentlichen Meinung.
Und noch eine formale Anmerkungen: Der Autor Thomas Pillgruber bezieht sich ja mit seinem gesamten Artikel nur auf ein Interview der FAZ und Klöckners Äußerungen gegenüber der Bild am Sonntag, aber prinzipiell ist web.de als Quelle natürlich auch mit Vorsicht zu genießen. Die United Internet AG hat 2024/2025 mit einer Großoffensive eine komplette Nachrichtenredaktion aufgebaut - inklusive einzelnen Ressorts und Auslandskorrespondenten. Es handelt sich also (egal, wie alt web.de als Firma sein mag) im Grunde um ein junges Medienunternehmen mit großen Ambitionen. Man will über web.de und gmx.de viele Menschen erreichen und sieht daher (wie RTL, BILD und Co) die Öffentlich-rechtlichen mit ihrer (scheinbar einfacheren) Finanzierung als großen Gegner. Ich persönlich lese Medienkritik dann doch lieber von alteingesessenen Medienhäusern, die sich in der Co-Existenz eingerichtet haben und entsprechend fundierter zur Sache gehen. Da gab es beispielsweise in der RBB-Causa, dem Reichelt-Skandal und Co sehr viel handfesteres.
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #26Die Tür ist auch ein gutes Beispiel für das was ich versuche zu umreißen. Der Film wartet aus meiner Sicht mit einer Fülle von atmosphärisch so gelungenen Einzelszenen (auch die Szenen in der Wohnung des Inspektors seien als Beispiel angeführt) auf, dass ich über mögliche Mängel des Gesamtkonstrukts leicht hinwegsehen kann. Gehört für mich auch zu den ganz großen Filmen und gefällt mir aus dem genannten Grund auch besser als das Gasthaus.
Die "Tür" ist für mich auch ein schwer zu greifender Film. Während der Sichtung gibt es extrem viel, was mir wirklich sehr, sehr gut gefällt, aber der lückenhafte Einstieg, die nicht vorhandene Balance zwischen Augenzwinkern und echter Tragik/Mobidität machen es mir unmöglich von einem "großen Film" zu sprechen. Ich möchte in vielen Situationen spontan applaudieren, bin am Ende des Films aber immer wieder enttäuscht. Die tollen Einzelteile finden nie wirklich zusammen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 "gröber" geht's kaum. Wenn "Das Gasthaus an der Themse" nicht als der eine, absolut exemplarische Wallace-Film taugt und die von mir genannten Phasen zu kleinteilig sind, wo trifft man sich dann?
Ich sehe vor allem drei Phasen.
1. B&W-Phase 2. Frühe Farb-Phase 3. Italienischer Übergang zum Giallo
Da hast Du natürlich vollkommen recht - schwarz/weiß und Farbe ist die gröbste Unterteilung, die möglich ist. Aber stilistisch sind sich beispielsweise "Der Hexer" und spätere Farbfilme dann doch näher, als man denkt. Es ist kompliziert...
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 Kinski als Karikatur eines Irren
Finde ehrlich gesagt nicht, dass Gubanov irre ist. Klar ist es Kinski, der an sich irre ist, aber die Figur ist es nicht. In allen Wallace-Filmen davor und danach (auch in der Hand) war Kinski irrer als im Gasthaus.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 Kinski als Karikatur eines Irren
Finde ehrlich gesagt nicht, dass Gubanov irre ist. Klar ist es Kinski, der an sich irre ist, aber die Figur ist es nicht. In allen Wallace-Filmen davor und danach (auch in der Hand) war Kinski irrer als im Gasthaus.
Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Die Figur ist als vermeintlich irre angelegt... flackernde Augen, durchdringende Stimme, Auftauchen in unpassenden Momenten, usw. - die Figur wird zwielichtig und unberechenbar gezeichnet, damit die Erhüllung seiner eigentlichen Identität den Zuschauer überrascht. Das liegt nicht etwa daran, dass Kinski privat "irre" gewesen sein mag. Man höre sich auch seine Stimme später im Film am Telefon an - Kinski klingt hier völlig anders und so sehr "Otto Normal", wie es einem Kinski halt möglich ist. Da ging es natürlich einerseits darum ihn nicht direkt erkennbar zu machen, aber es zeigt ja eben auch, dass "Gubanov" eine Kunstfigur ist und der Polizist diese nur spielt. Dass er sich also am Ende eben nicht als Bösewicht entpuppt ist eine Variante - nicht mehr.
Zitat von Georg im Beitrag #49Lohnend wären ja auch die anderen nicht vertonten Manuskripte, die alle übersetzt vorliegen. So eine Produktion ist leider sehr teuer - und wenn man keinen Sender mit an Bord hat, schwierig. Bei den Sendern wiederum wird auf Jahre geplant - und es ist dann für sie auch einfacher (und viiiiel billiger!), fertige Produktionen einzukaufen, wie es Radio Bremen mit "Valentine" und "Westfield" gemacht hat ...
Dass die öffentlich-rechtlichen Sender so etwas nicht mehr selbst produzieren, kann ich sogar nachvollziehen. Großproduktionen finden nur noch im Bereich der Literaturumsetzungen statt, ansonsten gibt es viel Experimentelles und natürlich Zeitgenössisches. Man darf nicht vergessen, dass ja auch Paul Temple in den 50ern "hip" war und durchaus auch junges Publikum zog. Heute wären die Stoffe (selbst in "moderner" Umsetzung) letzten Endes trotzdem nur etwas für das ältere Publikum und Nostalgiker. Bei der "Meta"-Fassung des Gregory-Falls von 2014 sah der WDR ja auch die Notwendigkeit das Ganze halb parodistisch anzugehen und es so zu erzählen, dass auch Durbridge-Fremde mitgenommen werden. Das zeigt ja sehr gut, wie man im Sender heute auf Durbridge und Temple blickt. Krimis gibt es ja auch so schon jede Menge, wie beispielsweise gerade den Mehrteiler "Die Blender". Die Themen sind halt (mehr oder weniger) moderner. Und da passt ein "neuer" Temple eben nur noch rein, wenn er günstig fertig produziert eingekauft werden kann. Ansonsten würde an dem Sendeplatz eben irgendeine Wiederholung gesendet. Es gibt ja auch (objektiv gesehen!) mehr als genug "Paul Temple"- "Paul Cox"- oder "Die Dame..."-Mehrteiler zum Immer-wieder-senden und die Nostalgie-Schiene wird von Pastewka mit dem "Kein Mucks"-Podcast mehr als ausreichend gewürdigt. Ich finde es schon super, dass beispielsweise der Deutschlandfunk die alten "Professor van Dusen"-Hörspiele als Podcast wieder zugänglich macht. Mein Wunsch den ersten Temple als Hörspiel zu hören, lässt sich also wohl leider nur privatwirtschaftlich erfüllen. Und wenn die Verkaufszahlen der bisherigen Pidax-Hörspiele das nicht hergeben, muss man sich damit wohl arrangieren. In diese Richtung ging meine Frage auch eher... also ob sich die bisherigen Hörspiele so verkauft haben, dass sich irgendwann zumindest ein einzelner Mehrteiler nochmal lohnt. Ich muss an dieser Stelle auch ehrlich zugeben, dass ich mir nur "Valentyne" gekauft habe. "Paul Temple und der Fall McRoy" habe ich dann später in der Audiothek gehört und fand es komplett überflüssig. Temple funktioniert nur als Mehrteiler und dieses "nur ein Traum"-Ende war das Tüpfelchen auf dem "i". Wahrscheinlich war es eine Art "Quersubventionierung", also wurde der Mehrteiler "zu günstig" verkauft und der kurze Fall dann mit dem selben Preis, um unter dem Strich dann irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen, aber wenn ich mir anschaue, dass "McRoy" bei Amazon nur halb so viele Bewertungen erhalten hat und nicht einmal einen Verkaufsrang hat (mehr findet man als Außenstehender ja nicht heraus), ist das wohl kaum aufgegangen. Ich kann verstehen, dass die Pressung von 8 Audio-CDs und die Kosten für Logistik und Lagerung durch die dickere Box wesentlich höher sind, aber die Wahl einer MP3-CD als Medium war bei der zu erwartenden Zielgruppe einfach keine gute Idee. Mein Vater ist Temple-Fan, hat den Valentyne-Mehrteiler, den ich ihm geschenkt habe aber bis heute nicht gehört, weil die CD natürlich auf dem HIFI-Equipment aus den 90ern nicht läuft und der Blu-Ray-Player im Schlafzimmer steht. Er hätte sich das Hörspiel selbst also gar nicht erst gekauft - und ich fürchte, das betrifft viele andere Ü60-Interessenten auch. Diese haben dann wahrscheinlich später die Audiothek-Auswertung dankend angenommen, davon hat Pidax aber ja recht wenig. Früher hätte man wohl einfach jeden Teil eines Mehrteilers mit zeitlichem Abstand einzeln als Audio-CD veröffentlicht und dann später eine Gesamtbox. Die Temples beim Audio Verlag kosteten damals ja glaube ich auch 24,99 - das war allerdings auch vor 20 Jahren und auf einem ganz anderen Markt.
Zitat von Havi17 im Beitrag #144Wir hatten schonmal die Diskussion über Aufmerksamkeitsschwelle, Wahrnehmung bei der Handy-Generation... Jetzt das:
Netflix verlange heute, dass bereits in den ersten fünf Minuten ein großer Knall komme - nicht mehr am Ende als Finale, wie früher üblich. Der Grund liegt für Damon auf der Hand: "Weil die Leute an ihren Handys sind, während sie zuschauen." Noch drastischer sei die Vorgabe, die Handlung "drei- bis viermal im Dialog zu wiederholen", damit auch nebenbei scrollende Zuschauer der Geschichte folgen können. "Das wird sich zunehmend darauf auswirken, wie wir Geschichten erzählen", betonte Damon.
Dass sich Filme (für's Streaming) kaum noch atmosphärische Einstiege erlauben ist aber schon seit Jahren Praxis. Es wird jetzt nur vielleicht auch mal offiziell in den "Anforderungskatalog" genommen. Man muss wirklich beten, dass sich das Kino als Veranstaltungsort hält und weiterhin auch Filme primär für diesen Zweck produziert werden - Eingangssequenzen wie bei "Spiel mir das Lied vom Tod" können für Streaming-Dienste so definitiv nicht mehr produziert werden - wenn es sich nicht gerade um Leuchtturmprojekte bekannter Regisseure handelt. Aber um bei Leone zu bleiben: Aufmerksamkeitsspanne ist kein ganz neues Thema. In den 60er Jahren waren beispielsweise Kinos in Italien eher ein Aufenthaltsort vergleichbar mit Cafés - man traf sich, Leute kamen mitten im Film, blieben bis zur Hälfte des nächsten und es wurde permanent gequatscht. Daher setzte Leone in seinen ersten zwei Western vor allem auf peitschende Musik und Knalleffekte, um das Publikum bei der Stange zu halten und erlaubte sich erst später epischere Erzählweisen. Auch eine Menge der Filme, die viele Forumsmitglieder hier so schätzen sind Bahnhofskino-Produktionen mit oft eher auf Knalleffekte und auf Sensationen setzender Dramaturgie, deren Publikum die Filme nur nebenbei, auf dem Sprung zur nächsten Bahn oder zumindest mit dem Kopf woanders konsumierte. Das Kino als (eher) stiller Ort, an dem man pünktlich auf dem Platz sitzt und als Teil eines großen Publikums ein Kunstwerk betrachtet, ist nicht immer der Regelfall gewesen und dass ein Film mit einem Knall starten sollte, ist zumindest in Hollywood im Publikumskino seit jeher der Fall - das Publikum soll sofort gepackt werden. Sofern es also "nur" die Netflix-Spielfilm-Eigenproduktionen betrifft, ist diese Tendenz zu verschmerzen, denn diese sind durch die Bank weg ohnehin nur als nebenbei wegkonsumierbare Ware genießbar - zumindest Alles, was ich in dem Bereich bisher gesehen habe. Mit "Adolescence" erwähnt Damon selbst aber ja auch das Gegenbeispiel. Am Ende geht es also wahrscheinlich ganz simpel darum, dass Netflix sich (und den Filmemachern) Regeln bei vermeintlichen Blockbuster-Spielfilmen auferlegt - ein Format das Netflix ohnehin besser in Ruhe lassen sollte. Die Handlung "drei- bis viermal im Dialog zu wiederholen" ist übrigens bei Fernsehfilmen auch schon seit den 70ern/80ern üblich, weil es selbst bei "Tatort" und Co viele Zuschauer gibt, die parallel noch andere Dinge erledigen. Das ist auch komplett Generationen-unabhängig. Mit meiner Großmutter oder meiner Mutter (daheim) Filme zu schauen, war in meiner Kindheit nahezu unmöglich, weil parallel (oder in Spannungsszenen ohne Dialog) noch das Frühstück am nächsten Morgen oder die neusten Ereignisse aus der Nachbarschaft besprochen werden mussten. Das spricht Damon dort im Artikel ja selbst an - viele der Argumente hätten auch schon in deutschen Wohnzimmern in den 80er Jahren gezogen, wenn es um einen gemeinsamen Filmabend geht. Man vergleiche daher gern einen beliebigen deutschen TV-Film (egal aus welchem Jahrzehnt) mit üblichen Kinofilmen. Da wird prinzipiell wesentlich redundanter erzählt als beim Kino, also wichtige Handlungselemente, selbst wenn sie im Bild deutlich erzählt wurden auch nochmal irgendwo im Dialog untergebracht, damit auch jemand, der kurz auf dem Klo war oder die Wäsche aus der Maschine holt nicht ganz "aussteigt". Ein Extremfall ist dann das sogenannte "Bügelfernsehen", wo man der Handlung theoretisch sogar ohne Blick auf den Fernseher folgen kann - keine neue Erfindung, sondern ein Begriff aus den 80er Jahren. Insofern würde ich fast meine Hand dafür in's Feuer legen, dass die Redaktionen bei RTL und Co auch in den 90ern schon Forderungen wie "Intro mit Knall" und die erwähnte redundante Erzählweise für ihre "Event-Filme" hatten, damit die werberelevante Zielgruppe nicht zwischendurch "wegzappt". Dass sich TikTok und Co natürlich irgendwann auf die gängige Dramaturgie auswirken werden, liegt auf der Hand. Ich bin ja auch tendenziell eher ein Kulturpessimist, aber wenn ich mir die jungen Leute anschaue, mit denen ich zu tun habe, führt die scheinbare Allmacht der digitalen Welt und der Aufstieg von KI und Co bei sehr, sehr vielen auch dazu, dass man sich wieder nach dem Analogen sehnt oder sich Ruheinseln (wie eben ausgiebig und etwas ruhiger erzählte Filme) sucht. Im Kino gibt es ja parallel zum seelenlosen Bluescreen-Bombast mit Dramaturgie und Effekten, die teilweise schon lange vor KI wie KI wirkten auch eine ernstzunehmende Zahl an Filmen, die wieder analog auf 35mm gedreht werden. Vistavision (Hitchcocks Lieblingsformat) feiert ja auch gerade sein großes Comeback. Es wird am Ende wahrscheinlich einfach zwei Extreme geben: die immer flacher, schneller und redundanter erzählten Blockbuster auf der einen Seite und auf der anderen Seite wirklich handgemachtes Kino, was man schon in den 2000ern eigentlich für beendet gehalten hatte. Ich persönlich glaube, dass es zu kurz gegriffen ist, wenn man glaubt, dass man Leuten, die den ganzen Tag TikTok konsumieren auch Spielfilme und Serien im selben Stil präsentieren muss. Man wählt als Zuschauer das andere Format ja eben gerade, weil man mehr Tiefe will als bei Social Media. Gleicht man sich also immer mehr Social Media an, wird man damit zwangsläufig nur diese stärken und selbst an Relevanz verlieren.
Zitat von Lord Low im Beitrag #17Eine solche Einteilung ist mir dann doch zu kleinteilig, zumal es dann noch immer genügend Filme gibt, die nicht so in diese Phasen passen, wie eben der erste Mönch, der Abt, der Fälscher oder die deutsch-britischen Koproduktionen.
Ja, die fallen dann nochmals raus. Aber "gröber" geht's kaum. Wenn "Das Gasthaus an der Themse" nicht als der eine, absolut exemplarische Wallace-Film taugt und die von mir genannten Phasen zu kleinteilig sind, wo trifft man sich dann? "Der unheimliche Mönch", "Der Mönch mit der Peitsche", "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" sind ja wiederum keine Filme, wo man (bei Entfernung des "Wallace"-Siegels") eine Verwandtschaft zu "Der Hexer", "Die seltsame Gräfin" oder "Der Fälscher von London" sehen würde. Es gibt nicht den einen exemplarischen Wallace-Film. Es gibt kein einziges Element, was sich durch alle Filme zieht - es gibt nur zahlreiche Faktoren, die in unterschiedlicher Ausprägung in allen Filmen in unterschiedlicher Zusammenstellung auftauchen und sie somit (mehr oder weniger) als Reihe erscheinen lassen, selbst, wenn man sich Marken wie die "Schüsse" oder die immer recht ähnlich gestalteten Filmplakate wegdenkt. Das funktioniert aber nur in der chronologischen Betrachtung. "Der Frosch mit der Maske" und "Die Tote aus dem Themse" haben scheinbar Nichts gemein, mit Kenntnis der Entwicklungsschritte dazwischen, gehören sie aber zusammen - variiert "Die Tote" doch Themen der vielen Filme zuvor und bietet Gesichter wie Siegfried Schürenberg, Werner Peters, Uschi Glas und andere. "Das Gasthaus an der Themse" hatte aber natürlich allein aufgrund der Zuschauer-Resonanz weitreichende Wirkung auf die weitere Reihe. Man machte einige Faktoren aus, die für diesen Erfolg prägend waren und versuchte diese in der Folge immer wieder zu variieren. Vohrers Regie mit spleenigen Einfällen, Eddi Arents (mal mehr, mal weniger) komische Momente, Kinski als Karikatur eines Irren, Nebel, kostümierter Serienmörder, mysteriöse Musik (hier Böttcher, später oft Thomas). Vieles davon weist aber auch bereits "Der grüne Bogenschütze" auf, der aber nicht einmal die Hälfte der Zuschauer ziehen konnte. Die exemplarische "Superformel" gibt es dann eben doch nicht.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #137Es sind doch nun schon einige diesen Weg gegangen. Oder gegangen worden. Ich erinnere mich noch an den Riesenskandal um die Tagesschausprecherin Eva Herman. Was hat man der armen Frau alles übergebraten. Oder Uwe Steimle, im Osten ein sehr beliebter Schauspieler und Moderator - war dem MDR nicht mehr genehm. Oder Katrin Huß, auch eine langjährige MDR-Moderatorin, auch gegangen. Alle diese Leute haben (sicher subjektiv) über ihre Erlebnisse berichtet. Kleiner Spoiler: Die Systemmedien sind nicht sonderlich gut weggekommen.
Das ist inhaltlich leider nicht ganz richtig. Eva Herman hat sich damals entschieden ihre "Tagesschau"-Tätigkeit für zwei Jahre ruhen zu lassen, weil sie sich ihren Büchern widmen wollte. Wenn man allein betrachtet, dass sich abendliche Lesungstermine, Gastauftritte in Talk Shows und Co allein schon terminlich nicht mit der Nachrichtensprecher-Tätigkeit vertragen, kommt natürlich noch die Komponente ins Spiel, dass sich ein Gesicht, dass mit kontroversen Themen in der Öffentlichkeit steht nicht mit einer "objektiven Nachrichtensendung" in Einklang bringen lassen. Das war wohlgemerkt Eva Hermans eigene Sichtweise und Entscheidung! Für die Entscheidung, sie auch anschließend nicht wieder ins Programm zu holen, hat sie dann selbst mit ihren Aussagen zu Müttern in der NS-Zeit gesorgt. Ihre Klage gegen die daraus resultierende Kündigung des NDR ist durch sämtliche Instanzen gegangen und schließlich am Bundesarbeitsgericht (!) gescheitert. Soll nun auch noch die Gewaltenteilung in Frage gestellt werden? Wem als "Entschuldigung" in einer großen ZDF-Sendung ("Kerner") dann nur Sätze wie "Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute darauf." einfallen, kann sich nicht mehr als missverstanden oder ungerecht behandelt hinstellen, sorry!
Bei Katrin Huß habe ich nur festgestellt, dass sie 2016 selbst gekündigt hat und die öffentlich genannten Gründe nicht sehr systemkritisch klingen: "Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich vergessen hatte, meine eigene Lebensgeschichte zu schreiben." Und: "Auch ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter und oft merkt man zu spät, dass man auf der Stelle tritt." Daraus spricht ja deutlich, dass ihr diese sehr regional geprägte Sendung, die sie 18 Jahre lang moderierte irgendwann zu "klein" schien und sie gern nochmal was "Größeres" machen wollte. Das ließ sich dann offensichtlich nicht realisieren und sie landete bei NuoVisoTV (rechtsesoterischer YouTube-Kanal) und schrieb dann ihr Buch für den Kopp-Verlag, wo dann plötzlich gänzlich andere Gründe für ihren Weggang 2016 genannt wurden. Die Vorwürfe von "Zensur" und Ähnlichem zerschellen allerdings natürlich in dem Moment an der Klippe, wo man sich fragt, warum der MDR dann Hans-Joachim Maaz überhaupt in die Sendung eingeladen hat und warum der MDR dieses Gespräch auch noch gesendet hat? Es wäre ja ein Leichtes gewesen, die Sendung oder zumindest das Gespräch in der Schublade verschwinden zu lassen. Hans-Joachim Maaz war bekannt für seine Flüchtlings-kritische Haltung. Der MDR hat ihm also eine Plattform gegeben, aber es ist immer (!) Aufgabe eines Journalisten kritisch zu fragen. Wenn sie dies versäumt hat (was ich mangels Kenntnis der Sendung nicht beurteilen kann), ist Kritik vom Vorgesetzten ein normaler Vorgang, den es so auch in jedem Privatunternehmen geben sollte. Sie hat es dann ja auch noch fünf weitere Monate "ausgehalten" und der Sender scheint nie erwogen zu haben sie zu entlassen. Ich kann mich an keine Talkshow erinnern, in der ein Politiker der FDP, der Linken oder einer anderen Partei bei jeder Aussage nur ein Nicken oder gar Zustimmung des Moderators oder der Moderatorin entgegengebracht wird. Markus Lanz wird da auch gern missverstanden. Ich persönlich mag ihn nicht, aber muss immer lachen, wenn von links Begeisterungsstürme losbrechen und Aussagen wie "ein seltener wacher Moment von ihm" kommen, wenn er einmal rechte Gäste kritisch hinterfragt. Das selbe tut er natürlich auch bei linken Gästen, was dann aber wiederum bestimmten Zuschauern missfällt. Manchmal besteht Journalismus tatsächlich darin, im Gespräch prinzipiell die Gegenseite zu vertreten und den Advocatus Diaboli zu spielen um Gäste zu klaren Aussagen zu bewegen oder ihre Argumentation zu prüfen - ganz unabhängig von der eigenen Weltsicht oder politischen Einstellung. Katrin Huß begann im Übrigen bereits 2012 eine Ausbildung zur Yoga-Therapeutin und ich habe selbst ein wenig Einblick in die esoterischen Kreise, die sich oft hinter der Eingangstür "Yoga" eröffnen. Da kann man ordentlich abdriften, wenn man nicht aufpasst.
Und zu Uwe Steimle: Wer in 16 Jahren drei Partner "überlebt" und dann als zweitdienstältester Kommissar in den Ruhestand geschickt werden soll, weil die Figur auserzählt ist, kann damit entweder so umgehen wie hunderte Schauspieler vor ihm oder Schlagworte wie "Dolchstoß" oder "Berufsverbot" in den Raum werfen. Auf ihn folgten beim "Polizeiruf 110" übrigens Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner - ein, wie ich finde, damals gut geschriebenes und frisches Team. Man bedenke: "Tatort" oder "Polizeiruf 110" wären längst tot, wenn bis heute noch die in den 90ern ermittelnden Typen zu sehen wären und es nie frischen Wind gegeben hätte. Neu ist nicht immer automatisch besser, aber es braucht immer wieder Auffrischungen um eine Marke am Leben zu halten - siehe Wallace, wo man mit steigendem Alter der Reihe auch neue Ermittler oder Themen einbrachte. Dass Steimle dann gar ein öffentliches Streitgespräch mit ARD-Programmdirektor Volker Herres auf dem sonntäglichen Sendeplatz von „Anne Will“ forderte, zeugt von Größenwahn. Seine Person ist aber in seiner Gesamtheit wirklich irritierend. Lange Mitglied der Linken, dann Wahlkampf für einen CDU-Abgeordneten und nun AFD-nah. Da findet jemand offensichtlich auch im Alter seinen Platz in der Gesellschaft nicht. Seine Rolle in der Querdenker-Szene finde ich besonders interessant. So trat er 2020 und 2021 bei Corona-Demos auf, erklärte dann aber, er habe mittlerweile die Erst- und Zweitimpfung erhalten, weil er innerhalb von einer Woche drei Todesfälle durch Covid-19 in seiner Umgebung erleben musste und seine Tochter (Chirurgin) ihn überzeugt habe sich impfen zu lassen. Nach diesem Bekenntnis sei er dann in sozialen Medien „als Verräter und Systemling beschimpft“ worden, „in einer Härte, die ich nicht erwartet hätte“ und verlor fast sämtliche Youtube-Abonnenten. Vier Jahre später ist er nun mit Tino Chrupalla befreundet und tritt auch auf seinen Veranstaltungen auf. Da soll mal jemand klug draus werden...
Zitat von Havi17 im Beitrag #138Ja in der Tat, das gibt schon zu denken. Ich bin mal gespannt, wie die BBC nach dem Fake Video "Capitol" nun wegkommt. Sollte dies nicht gerichtlich geahndet werden, wird das ein Freibrief für Rundfunk und TV Fake News
Ich hatte es erst überlesen und nur auf spätere Beiträge reagiert, sehe es aber nun. Das passt nun aber so gar nicht in die bisherige Stoßrichtung. Die ÖRR sind also nicht neutral und berichten nicht regierungskritisch genug, dann unterstützt man aber die Klage eines Staatschefs, der auf diese Weise einen Präzedenzfall schaffen will, der es künftig ihm (und prinzipiell Staatschefs weltweit) ermöglichen würde, unliebsame Berichterstattung zu unterdrücken? Die BBC hat den Fehler eingeräumt und es sind zwei Senderchefs entlassen worden. So sollten Fehler gehandhabt werden, zudem gibt es in den meisten Ländern einen Presserat oder Ähnliches, der Fehler rügt. Wenn Journalisten künftig fürchten müssen mit einem simplen Beitrag Milliardenklagen auszulösen, wird dies (nicht nur bei öffentlich-rechtlichen Sendern) eine kritische Berichterstattung eher behindern als fördern.
Ich kann einige Beiträge hier nicht so recht nachvollziehen. Gibt es nun Kritik daran, dass der "Mainstream im TV" nicht differenziert genug berichtet und nicht allen (Grundgesetz-konformen) Sichtweisen einen Platz im Programm gibt? Das wäre eine Kritik, der ich mich anschließen könnte, aber dazu passen viele der genannten Beispiele überhaupt nicht. Oder will man nur den Mainstream (im wahrsten Sinne des Wortes) in ein viel weiter rechts verlaufendes Flussbett umleiten und bestimmte Sichtweisen aus dem Programm tilgen und andere viel prominenter - und möglichst auf Lebenszeit - im Programm verankern?
Aber Daniel schrieb es ja auch schon einmal - für solch tiefgreifende und schlussendlich politische Themen ist dieses Forum eigentlich der falsche Platz. Es fehlt sowohl am passenden Rahmen, als auch an Moderation und wir sind hier letztendlich nur zu dritt (?) und drehen uns schnell im Kreis. Ein Großteil der Forumsmitglieder enthält sich oder interessiert sich für die Themen gar nicht. Für den Anfang würde ich mich aber schon freuen, wenn hier zumindest mal irgend jemand auch "Licht" postet und sich nicht nur im "Schatten" suhlt, damit der Thread-Titel zumindest hinkommt.
Man kommt man so einer Betrachtung (einmal mehr) nicht ohne Phasen aus. So wie man "Frosch mit der Maske" oder "Die Bande des Schreckens" als "Inbegriff" der dänischen Anfangsphase sehen kann, sind "Die toten Augen von London" und "Das Gasthaus an der Themse" wohl der Inbegriff der "Hamburg"-Phase. Für die Berliner-Phase eignen sich dann Filme wie "Der Zinker", für die späte Farb-Phase eigentlich jeder beliebige Vohrer-Film mit der sich im Grunde nur wiederholenden Formel.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #135Bei Leuten wie Alexander Teske mag es andere Beweggründe geben, aber der scheint ja gar nicht "gewechselt" zu sein, sondern mit Bewegtbild welcher Art auch immer gar nicht mehr in Berührung zu sein.
Doch, doch, macht er schon. Vor ca. 9 Monaten etablierte Teske einen Youtube-Kanal (SACHLICH RICHTIG - der Medien-Podcast) unter dem Dach der Berliner Zeitung mit inzwischen immerhin schon 10.700 Abonnenten. Dort produziert er regelmässig Interview-Videos zusammen mit zwei anderen ehemaligen ÖRR-Mitarbeitern, Annekatrin Mücke und Peter Welchering.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #135Die extrem linke Zielgruppe gibt ja nicht viel Geld aus.
Die extrem linke Zielgruppe kann ja stehts auf den ÖRR zählen, welcher gänzlich ohne Marktdruck über jährlich €10 Mrd. einsammeln oder besser gesagt, abpressen darf.
Ja, wem geben wir denn nun recht? Den Leuten außerhalb des Mediensystems, die auf den ÖRR als "zu links" schimpfen oder den aussteigenden Insidern, die oftmals eher kritisieren, dass der ÖRR zu Regierungs-nah (und somit in der Regel Union-konform und somit eher rechts) berichte? Die ÖR sind tatsächlich nicht in dem Sinne systemkritisch, dass sie Demokratie, Kapitalismus und Co hinterfragen, daher sind sie natürlich den extrem rechten und Libertären ebenso ein Dorn im Auge wie "extrem Linken". Wenn ich sehe, wie vehement Leute auf die ÖRR einprügeln, weil sie "zu links" seien und ich und viele andere eher die Wahrnehmung haben, man ist eher CDU/CSU-nah und kuschelt zu sehr mit der AFD, dann fällt mir da die Definition eines "guten Kompromisses" ein. Dieser sieht nämlich nicht so aus, dass beide Seiten gleich zufrieden sind, sondern gleichermaßen unzufrieden. Aber ich kann es nicht oft genug wiederholen: Der ÖRR ist in der jetzigen Form in ganz, ganz vielen Bereichen kritisch zu betrachten. Dass es aber einen solchen überhaupt gibt, ist grundsätzlich ein Segen und hat sehr gute Gründe. Wenn die Kritik sich am Schluss aber im Grunde nur darunter subsumieren lässt, dass man bitte Alles abschaffen soll und Medien ausschließlich in privater Hand sein dürfen, kann ich das nicht unterschreiben. Und um meine Kritik an den "Insidern" nochmal auf den Punkt zu bringen: Ich habe ganz einfach ein Problem damit, wenn jemand über 30 Jahre klaglos in einem System arbeitet und dann plötzlich "draufhaut". Dann ist derjenige entweder ein Opportunist oder es gibt für die plötzliche Kritik Gründe, die eher privater Natur sind. Ich könnte das ganze ernster nehmen, wenn die Insider bereits nach dem Volontariat auspacken oder wenn doch Alles gar so schlimm ist einfach gar nicht erst für die ÖRR arbeiten. Es bleibt ja auch noch die Option (gerade als Planungsredakteur) zu versuchen Einfluss zu nehmen. Wenn man dann sogar angeblich des Öfteren CVD war, gibt es da durchaus Möglichkeiten. Aber das muss jeder selbst wissen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #133 Es liegt nahe da nun "inhaltliche" Diskrepanzen zu vermuten, aber es ist im Grunde das uralte Thema Geld
Da stimme ich Dir zunächst mal zu. Bei Elton mit dem Abschied von der ARD war es nicht anders. Er sagte er wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Diese Zeit verbringt er nun vermehrt bei RTL. Doch das gilt nicht für alle genannten "Geldflüchlinge". Alexander Teske, um nur ein Beispiel zu nennen, hatte andere Gründe. Das was er erlebte und in sein Tagebuch schrieb, veranlasste ihn nicht nur seine Arbeit bei der Tagesschau zu beenden, sondern darüber ein Buch zu schreiben. https://www.amazon.de/inside-tagesschau-...e/dp/3784437311
Sorry, aber wenn jemand "Meinungsmache" und Co als Grund für einen Wechsel zu den Privaten angibt, wo die Auswahl der Themen stark damit zusammenhängt, womit sich die Werbepartner wohl fühlen, was die Finanziers im Hintergrund für richtig halten und ob man in den zahlreichen Boulevard-Meldungen noch Querverweise zu Gesichtern aus dem eigenen Programm unterbringen kann, kann ich das nicht ernst nehmen. Ich kenne aber glücklicherweise auch solche Fälle nicht. Bei Leuten wie Alexander Teske mag es andere Beweggründe geben, aber der scheint ja gar nicht "gewechselt" zu sein, sondern mit Bewegtbild welcher Art auch immer gar nicht mehr in Berührung zu sein. Ein Blick in die Vita zeigt, dass er 14 Jahre Redakteur bei mdr AKTUELL und dann 5 Jahre Planungsredakteur bei ARD-aktuell war - das ist eine lange Zeit und meist war er wohl frei anstatt festangestellt und ist dabei nie wirklich weit in der Hierarchie aufgestiegen. Dann wurde scheinbar der Vertrag (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr verlängert und plötzlich kommt so ein Buch (bei einem Verlag, an dem es oft Kritik aufgrund extrem rechter Tendenzen gab) auf den Markt. Da bin ich immer vorsichtig und bei Amazon gibt es zahlreiche Rezensionen, die dem Ganzen den Charakter eines "Rachebuchs" zuschreiben und auf zahlreiche Ungereimtheiten hinweisen. So schreibt er wohl beispielsweise, dass die Tagesschau zu oft CSU-Positionen sendet, behauptet aber auf der anderen Seite, die Redakteure seien allesamt (zu) links. Dazu kommen wohl sehr viele persönliche Anekdoten und fehlende Quellenangaben.
Wohlgemerkt gibt es genügend Gründe für Kritik an den öffentlich-rechtlichen. Aber ich sehe 1. nirgendwo, dass die Privaten irgend etwas besser machen und 2. fehlen mir da überall die Lösungsansätze. Draufschlagen und Kritik äußern von außen ist sehr einfach, jahrzehntelang klaglos die Arbeit zu machen um dann nach Kündigung/Rente/Arbeitgeberwechsel die Öffentlichkeit zu suchen, ist auch nicht vertrauenserweckend. Wirklich praktikable Lösungsansätze in ein System zu integrieren, dass (wie Unternehmen überall) auf ständigen Kostendruck reagieren muss, ist eine ganz andere Sache. Ja, häufig sind die führenden Köpfe und eingefahrene Strukturen ein Problem, da wird nun ja beispielsweise auch viel über die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl (Tochter von Wolfgang Schäuble, verheiratet mit dem Innenminister von Baden-Württemberg und selbst CDU-Mitglied) diskutiert oder über die Aussagen von WDR-Intendantin Katrin Vernau, die sich mehr AFD-Positionen im Programm wünscht - kurz bevor die AFD als gesichert rechtsextremistisch eingeordnet wurde. Aber wenn ich mir die "Insider" ausschaue, die kritische Bücher schreiben, weiß ich in der Regel, dass diese in Führungspositionen Alles definitiv wohl zum Schlechteren führen würden und sie häufig eben nicht heldenhaft den "Ausstieg" gewählt haben, sondern aus diversen Gründen gegangen wurden und nun Wege suchen sich zu revanchieren. Auch das ist ja ein strukturelles Problem: Wenn ein Journalist bei den Privaten nicht den Durchbruch schafft oder sich den "Wes Brot ich ess"-Gesetzen nicht beugen will und bei den Öffentlich-Rechtlichen aus irgendwelchen Gründen in Ungnade fällt, kann er/sie nicht viel anderes machen als sich Zielgruppen wie Querdenkern oder extrem rechten Formaten anzubiedern (siehe Ken Jebsen und Co). Die extrem linke Zielgruppe gibt ja nicht viel Geld aus. Und zum Schluss noch meine Sichtweise auf die oft genannte "Objektivität": Das ist leider häufig genug nur ein Synonym für den Wunsch einer tendenziösen Berichterstattung aus einer anderen Richtung. Ja, auch ich wünsche mir mehr Objektivität - vor allem, wenn Positionen von Politikern und Parteien ohne jegliche Einordnung ins Programm gestellt werden. Aber fast ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer finde ich die falsch verstandene Objektivität in Form von "false balancing" - wenn nämlich bei Themen, bei denen juristisch (Stichwort Grundgesetz) oder wissenschaftlich (Stichwort Klimawandel) oft gar keine zwei gleichwertigen Sichtweisen existieren, tatsächlichen Experten irgendwelche Leute mit viel Meinung, aber wenig Ahnung gegenübergestellt werden, die eine Minderheitsmeinung abbilden, diese aber fälschlicherweise dem Zuschauer dann gleichgestellt erscheint. Dass man für den besseren "Knalleffekt" gern extrem links und extrem rechts in eine Sendung lädt und eskalieren lässt, anstatt Themen sachlich und lösungsorientiert aufzuarbeiten, kommt erschwerend hinzu und fördert in allen Parteien den Aufstieg von Politikern, die sich auf Populismus verstehen. Es ist auch nicht objektiv, wenn man tendenziell links geprägten Sendungen dann einfach ein Format wie "KLAR" gegenüberstellt um sagen zu können, man bilde ja alle Sichtweisen im Programm ab. Das ist dann nur eine besondere Ausprägung der Blasen, die sich auch in Social Media gebildet haben. Dann bekommt jede Zielgruppe halt ihre 1-2 Sendungen, in denen sie 1:1 ihre Weltsicht bestätigt bekommen und niemand muss mehr über den Tellerrand schauen oder sich mit differenzierten Betrachtungen auseinandersetzen.
Zitat von Havi17 im Beitrag #132In den vergangenen Jahren haben sich vermehrt "Tagesschau"- und "Tagesthemen"-Moderatoren dazu entschieden, das ARD-Nachrichtenflaggschiff zu verlassen und stattdessen zu einem privaten Anbieter zu wechseln. Zahlreiche ehemalige "Tagesschau"- bzw. "Tagesthemen"-Moderatoren sind in den vergangenen Jahren z.B. zur privaten Konkurrenz abgewandert: Patrik Baab, Alexander Teske, schrieben auch Bücher darüber. Marc Bator ging zu Sat.1, Linda Zervakis wechselte zu ProSieben und Pinar Atalay zog es zu RTL. Der jüngste prominente Abschied war jener von Constantin Schreiber: Im Mai verließ der Journalist die "Tagesschau" und wechselte zu Axel Springer, https://www.wunschliste.de/tvnews/m/uebe...source=nw260109
Es liegt nahe da nun "inhaltliche" Diskrepanzen zu vermuten, aber es ist im Grunde das uralte Thema Geld. Die öffentlich-rechtlichen zahlen gut, aber die Privaten (noch) besser. Die Privaten haben ja seit ihrem Bestehen schon des Öfteren "News-Offensiven" gestartet und dafür bekannte Gesichter von Tagesschau, Heute Journal und Co abgeworben. Sowohl im Info- als auch im Unterhaltungsbereich gibt es auch etliche Fälle, wo die entsprechenden Leute in späteren Jahren, wenn die Quoten sinken oder sie den Jugendwahn-Idealen der Privaten nicht mehr passen, wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zurückkehren. Im Unterhaltungsbereich ist das vielleicht am Deutlichsten zu sehen: Günther Jauch war bis 1989 beim ZDF und erhielt dann einen dicken Vertrag bei RTL. Seit 2011 taucht er ja vermehrt auch wieder im Programm der ARD auf. Harald Schmidt verließ 1995 den WDR und "Schmidteinander", weil Sat1 ihn mit viel Geld und einer eigenen ganz auf US-Late Night getrimmten Sendung lockte. Nachdem Sat1 seine Sendung auslaufen ließ, "griff" die ARD ja auch nochmal zu und dort hätte Schmidt möglicherweise sogar bis in seinen Ruhestand weitersenden können. Die kurze Rückkehr zu Sat1 war dann aber (meiner Meinung nach) ein Fehler und leider gab es danach außer dem PayTV-Anbieter Sky wohl keinen Sender mehr, bei dem er anheuern konnte. Gottschalk ist zwar vor allem bekannt für "Wetten dass", aber es gab ja nur 3-4 Ausgaben im Jahr, deswegen verschleiert es ein wenig, dass auch er nach zahlreichen Formaten beim ZDF (unter anderem "Na sowas!") 1990 bei RTL anheuerte und später bei Sat1. Dass er (wieder) beim BR und SWR im Radio zu hören war, hatte sicherlich auch mit dem Scheitern einiger RTL- und Sat1-Formate zu tun. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind (in allen Bereichen) sowohl Startrampe für Talente, als auch Auffangbecken für alte Recken. In den richtig erfolgreichen Phasen verdienen die wirklich Großen natürlich lieber bei den Privaten.
Zitat von Edgar007 im Beitrag #178Ich denke, wenn überhaupt, dann kommt hier nochmals eine "Komplett-BOX". Dann kann man nochmal abkassieren und die alte, reduzierte Box wäre mehr oder weniger Müll, da ja ausgerechnet 2 "Klassiker" fehlen. Ich habe bis jetzt nur die DVD-Boxen, da ich mir keine unvollständige Bluray-Edition kaufe.
"Abkassieren" ist hier wohl eher das falsche Wort. Physische Veröffentlichungen sind keine Goldgrube (mehr) und die BEW-Filme dürften auch im Streaming und TV keine Renner sein. Da ist also dank Förderung am Ende (für CCC) der Eigenanteil der Restaurationskosten wieder reingekommen, mögliche Gewinne wahrscheinlich eher überschaubar, bzw. auf lange Zeiträume gerechnet durch TV-Ausstrahlungen und Lizensierungen an Streaming-Dienste. Pidax als Label musste neben Lizenzkosten ja auch noch Authoring, Pressung, Druck und Lagerung bezahlen. Angesichts der knapp 5 Euro die nun über einen recht längeren Zeitraum pro Film im Bündel aufgerufen wurden um die Auflage noch komplett (?) abzuverkaufen, weiß ich nicht, ob das Geschäft für Pidax so glänzend war. Wenn man damit gut "abkassiert" hätte, wäre es dort ja durchaus lohnend gewesen, auch ohne die CCC auf Basis von Kinokopien Blu-Rays der beiden fehlenden Filme zu realisieren und dann vielleicht tatsächlich auch eine richtige "Box" zu designen und verspätet nochmal alle Filme gemeinsam auf den Markt zu werfen. Denn es gibt keine "alte Box". Pidax musste die Filme abverkaufen bevor die Lizenz auslief und hat relativ früh angefangen die Einzelveröffentlichungen als Paket zu verkaufen. Wer das Bündel bei Pidax, Amazon und Co bestellte, bekam einfach die 7 einzelnen Blu-Rays zugesendet - so als hätte man sie einzeln gekauft. Daher wird es interessant zu sehen, welche Filme hohe Gebrauchtpreise erreichen - und möglicherweise wird es dann nur irgendwann ein Label geben, was "Der Würger von Schloss Blackmoor" oder "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" noch einmal einzeln auflegt. Sofern CCC da nicht irgendwann einmal auffällt, dass sie zwei Filme "vergessen" haben und sie restaurieren lässt, es dann also bestehende Digital-Master gibt, lohnt es sich für Labels wie Pidax wohl kaum eine Gesamtbox zu veröffentlichen. Labels, die selbst restaurieren (lassen) kann man an einer Hand abzählen, die sind aber im Feld "Einzelfilme" und Mediabooks unterwegs. Ob sich Koffer und Phantom einzeln für jeweils 30/35 Euro verkaufen lassen, wage ich zu bezweifeln. Die Chancen stehen aus meiner Sicht also leider bei maximal 5 Prozent für die nächsten 10 Jahre - danach haben sich physische Medien ohnehin spätestens komplett erledigt. Um so richtig schwarz zu malen: Möglicherweise ist die KI dann auch so weit, dass man sich jederzeit beim Streaming-Anbieter seiner Wahl jeden Abend einen neuen Wallace-Film im 60s-Stil erstellen lassen kann und Otto Normal gar keine echten Klassiker mehr "braucht".
Ich habe vor allem den "Würger" und den "Henker" in der neuen Restauration sehr genossen und würde niemals zurück auf die DVD wechseln wollen. Wer die Reihe komplett im Regal stehen haben wollte, konnte ja das Blu-Ray-Bündel durch die beiden Pidax-DVDs im selben Design ergänzen.
Langfassung: Man kann als Außenstehender leider nicht mehr tun als regelmäßig die neuen Förderlisten durchzuschauen. Bisher tauchten die beiden Filme dort nicht auf. Die Wünsche von Labels oder Kunden sind da auch eher zweitrangig, weil erst einmal die CCC aktiv werden und die Filme restaurieren lassen müsste. Es sei denn, die damals für die DVDs erstellten Master liegen in 1080i50 oder gar 1080p25 vor - dann hätte aber theoretisch auch schon Pidax eine Wandlung zu 1080p24 durchführen und die Filme ganz regulär auf Blu-Ray bringen können. Die CCC-Film hat auf der Homepage eine Liste der digitalisierten Filme (bezeichnenderweise mit Stand 2022) und dort tauchen die beiden Filme nicht einmal in SD auf. Wie gerade einmal 10 Jahre alte Master "vergessen" oder "verloren" werden können, ist mir unbegreiflich. Bei Pidax jedenfalls dürfte sich das Thema erledigt haben, da - wie bereits erwähnt - die bestehenden Einzeltitel bereits nicht mehr lieferbar und scheinbar selbst die Bündel bereits abverkauft sind. Die Rechte dürften dieses Jahr ablaufen (im April/Mai sind die Veröffentlichungen 5 Jahre her). Selbst wenn es nun plötzlich Master für die beiden fehlenden Filme gäbe, müsste Pidax also auch die anderen Titel neu lizensieren und nachpressen - der finanzielle Unterschied zu Erstveröffentlichungen wäre (für die "alten" Titel) eher gering. Gebraucht und von Dritthändlern sind die Filme außerdem noch zu humanen Preisen lieferbar, daher wird die Reihe (selbst, wenn zwei Titel dazukämen) für andere Labels (noch) nicht (wieder) attraktiv sein. Als Einzeltitel (zumal bei einem neuen Label) sind die beiden Filme wohl auch viel zu nischig, weshalb man auch nicht auf Boutique-Labels mit eigener Restaurations-Erfahrung hoffen kann.
Damit noch einmal Bewegung in die Sache kommt, müssten aus meiner Sicht zwei Dinge zusammenkommen: Ein neuer "Wallace-Hype", wie damals die erste vollständige DVD-Auflage der Rialto-Filme oder der Kinostart vom ersten "Wixxer", in dessen Zuge auch Mabuse und Co wieder auf den Markt geworfen werden und ein Label, dass bei der CCC auf Vollständigkeit der Reihe pocht (und die Restauration der beiden Filme finanziell mitträgt oder allein stemmt). Die CCC (sprich Alice Brauner) scheint aus ihrer Sicht im Grunde schon seit 2022 mit der Digitalisierung der Titel aus dem Backkatalog "durch" zu sein. Vieles liegt in 4K vor, einiges in 2K und der Rest in HD. Koffer und Phantom wurden schlicht vergessen oder der Aufwand einer Restauration steht in keinerlei Verhältnis zum möglichen Gewinn. Beim "Koffer" existiert zumindest laut Film-Portal bei der Kinemathek nur noch ein Duppositiv, wenn es dort Schäden gibt, müsste man diese mit Kinopositiven füllen, von denen bei der Murnau-Stiftung scheinbar nur eine spielbare und einige ebenfalls beschädigte liegen. Da reden wir also am Ende von mindestens zwei, wenn nicht eher drei oder vier Komplettabtastungen und einiger Schnittarbeit sowie Retusche. Alles machbar (die alte DVD war ja auch vorzeigbar), aber es kostet mehr Geld und Arbeit als ein einziges gut erhaltenes Negativ abzutasten und dieses von kleineren Makeln zu befreien - das Ergebnis wäre zudem dann nicht ganz auf dem Niveau der anderen Filme. Zum "Phantom" liegen bei der Kinemathek mehrere Bild- und Ton-Negative sowie kombinierte Dupnegative, aber Alles im Filmportal mit "Altdaten" gekennzeichnet, also möglicherweise mit unbekanntem Zustand oder nicht direkt greifbar? Was mit den beiden Filmen, bzw. dem Material in den letzten 10 Jahren passiert ist, weiß ich nicht. Warum damals solide bis gute DVDs möglich waren, nun aber keine HD-Fassungen mehr, kann nur jemand mit Einsicht ins Archiv beantworten, vielleicht bleibt es selbst dann ein Rätsel. Meine persönlichen Gedanken dazu: Alice Brauner hat vor nicht all zu langer Zeit den Film "Münter & Kandinsky" produziert und aktuell ist der Film "Block 10" in der Mache. Ob auch das Mabuse-Serien-Projekt noch in Arbeit ist, weiß ich nicht, aber ganz offensichtlich liegt der Fokus auf Neuproduktionen und ihr Blick auf die Filme ihres Vaters richtet sich (verständlicherweise) eher auf die "Filme gegen das Vergessen". Die Unterseite zu "Krimis & Thriller" auf der eigenen Homepage ist höchst lückenhaft, da scheint also sie selbst keine große Vorliebe zu haben. "Koffer" ist keiner der Filme, die mit Rialto-Wallace-Gesichtern, Reinl als Regisseur oder Böttcher als Komponist glänzen können und anders als beim "gelben Grab" gab es kein fertiges Master aus dem Ausland, daher kann ich das Übergehen in Ansätzen nachvollziehen. "Phantom" ist allerdings visuell sehr klassisch, hat mit Gottlieb auf dem Regiestuhl, Böttcher als Komponist sowie Dieter Borsche, Elisabeth Flickenschildt, Barbara Rütting, Werner Peters, Hans Nielsen, Stanislav Ledinek und Hans Söhnker auch viele prominente Gesichter vor der Kamera zu bieten. Der hätte definitiv bei der Restaurations-Welle dabei sein müssen.