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  • Robert MorleyDatum24.03.2026 20:04
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Robert Morley

    Zitat von Mr Keeney im Beitrag #3
    Das liegt sicher daran, dass ihn unter anderen Siegfried „Sir John“ Schürenberg so kongenial deutsch vertonte…😉

    Wenn ihn jemand "kongenial deutsch vertonte", dann wohl eher Erich Fiedler.
    Siegfried Schürenberg war in den "tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten" zwar auch nicht schlecht, aber Fiedler war für mich einfach die Idealstimme.

  • Robert MorleyDatum24.03.2026 20:02
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Robert Morley

    Zitat von Havi17 im Beitrag #2
    Ich kenne keinen weiteren Wallace Film. Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, daß Morley Deutsch sprach,
    doch das scheint falsch zu sein. Jedenfalls ist er mir irgendwie als "Deutscher" in Erinnerung.

    Ein kurioser Eindruck, da Morley für mich eigentlich eine "ur-britische" Erscheinung war und im Film meist eine Variante des "John Bull" verkörperte - die Karikatur eines aufgeblasenen, dicklichen und oft auch dümmlichen Engländers.
    Mütterlicherseits hatte er zwar deutsche (und burische) Vorfahren, sprach und verstand aber (laut der von seinem Sohn Sheridan Morley verfassten Biographie) kein Deutsch.

  • Zitat von Fabi88 im Beitrag #283
    Bei den 12 Edgar Wallace-Hörspielen ist auf jeden Fall extrem viel Carsten Bohn-Musik drin. Die neuen Fassungen kenne ich daher gar nicht und kann nicht beurteilen, was für Musik da nun zum Einsatz kommt und ob die Stimmung noch annähernd die selbe ist (was ich aber bezweifle).(...) Ich habe gerade spaßeshalber in "Die toten Augen von London" reingehört, bzw. der "Spaß" dauerte nicht lang... das ist mir schon nach den ersten 2-3 Szenenwechseln zu grausam!

    Die Seite "Hörspielforscher" dokumentiert nicht nur Besetzungen, sondern auch (gerade bei Produktionen des Labels Europa) die einzelnen Musikstücke, die in einem Hörspiel eingesetzt wurden.
    Da viele Stücke komplett oder teilweise auch auf Youtube oder in anderen Hörspielen zu hören sind, kann man sich so einen ganz guten Eindruck verschaffen.
    Hier wären beispielhaft Listen zur alten und neuen Abmischung der "toten Augen":https://hoerspielforscher.de/kartei/hoer...musik#page-main
    https://hoerspielforscher.de/kartei/hoer...musik#page-main

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum21.02.2026 12:50

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #14
    Teufel noch Mal, da hatte man doch gedacht, dass die rabenschwarze Seele des Machredschs von Mossul nach seinem tiefen Fall jetzt in der untersten Etage der Dschehenna schmachten muss. Dabei hat der Finsterling glatt und unbeschadet überlebt. Nur mit den genreüblichen Gummiknochen ist das alles nicht zu erklären, die anderen Organe müssen auch eine immense Verschleißfestigkeit aufzuweisen gehabt haben.

    Erklären kann ich mir das eigentlich nur damit, dass er sich an irgendetwas (einem Zweig oder Felsvorsprung) festhalten konnte, da er nicht einmal eirgendeine ernsthafte Verletzung zu haben scheint.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #14
    doch der Machredsch zieht gerade einen schlauen Coup durch. Er wirft sich dem alten Padischah zu Füßen, schiebt alle Schuld der Vergangenheit auf den ungläubigen Allemannen und schwört alle Eide, die dem zweifelnden Oberhaupt der Gläubigen gerade einfallen. Letzterer ist wohl doch ein wankelmütiger Geselle oder er hat einfach einen schlechten Tag, jedenfalls kann der Machredsch jetzt wieder in vollen Amt und Würden und blitzblanker neuer Uniform an der Spitze einer Reiterschar Soldaten von dannen reiten. „Nur wer die Tiefe kennt, weiß die Höhe zu schätzen.“, gibt der alte weise Gebieter dem in jeder Hinsicht gefallenen Manne noch mit auf den Weg, aber bei dem sind ja solche Reden komplett verschwendet ! Seine Handlung ist es nun, seinen Erzfeind Kara Ben Nemsi von Zedar ausliefern lassen und zum Padischah zurück zu schleppen. Kara ist böse in der Klemme, aber ein Gottesurteil, das Allah, der Unfehlbare, zugunsten des deutschen Musterhelden ausfallen lässt, bringt wieder eine Wende, die alten Verhältnisse von Gut und Böse sind wiederhergestellt. Kara darf jetzt wieder offiziell seinen ewigen Widersacher jagen.

    Über diesen Handlungsstrang muss ich immer wieder den Kopf schütteln: Dass der Padischah sich durch Zeugenaussagen von der Schlechtigkeit des Mahredsch überzeugen lässt, diesen entmachtet und sogar "zu Tode peitschen lassen" will - in Ordnung. Aber dass er sich danach allein (!) durch dessen Beteuerungen vom Gegenteil überzeugt, den Degradierten vollständig rehabilitiert und sich gegen seinen früheren Freund Kara Ben Nemsi wendet, ohne auf die Idee zu kommen, das Urteil anderer Personen einzuholen, lässt doch an seiner Menschenkenntnis und Urteilsfähigkeit zweifeln. Ähnliche Beispiele im Bereich der Karl-May-Filme wären der Richter in "Unter Geiern" und der alte Häuptling im "Ölprinzen".

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum21.02.2026 12:28

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
    Der wie aus dem Nichts auftauchende räuberische Abu Seif, gespielt von Sieghard Rupp, ist eine gelungene Bereicherung, der fast das Zeug hat, dem Machretsch die Show zu stehlen.

    Tja, wenn es zwei in Sachen Rollenumfang und Charakterlosigkeit ungefähr gleichwertige Schurken gibt, muss natürlich einer von beiden vor dem "eigentlichen" Showdown ins Gras beißen - so wie bei der "Pyramide". Trotzdem interessant, dass man sich nicht mit dem Mahretsch allein begnügte: Einsicht, dass es ansonsten etwas zu eintönig werden könnte?
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
    Schlechte Kerle gibt es auch noch andere, den als die rechte Hand des Machretsch‘ dienenden Durek zum Beispiel, der sich auch aus dem Kurdistan-Film herübergerettet hat und nun die gefangene Ingdscha im Auftrag seines düsterblickenden Herrn und Meisters bewachen soll. „Wir sind hier auf arabischem Gebiet. Hier sagt nur der Mann etwas, die Frau schweigt.“, fasst Durek für heutige Zeiten politisch vollkommen unkorrekt die Verhältnisse im dortigen Ländle zusammen, woran sich seine kratzbürstige Geisel natürlich nicht halten will. Kurz darauf gibt sie ihm bei erstbester Gelegenheit eins über die Rübe und flüchtet, nur um dem um die nächste Ecke kommenden Abu Seif in die Arme zu reiten. Falls es Durek gelingen sollte, ohne sein geklautes Pferd aus der kargen Steppe zu kommen, dürfte er einer der wenigen größeren Schurken sein, die auch mal einen Karl-May-Film überleben, jedenfalls hört man nichts mehr von ihm. Solche Nebendetails fallen einem nur auf, wenn man mal drauf achtet.

    Bei der erneuten Sichtung neulich fiel mir das auch auf: Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass Abu Seif Durek ebenfalls aufgelesen hätte (die erneute Gefangennahme Ingdscha erfolgte ja nicht so wet entfernt) und war überrascht, dass die vorherige rechte Hand des Mahretschs gar nicht mehr vorkam. Oder sollte er in der Wüste verdurstet sein? Das wäre eigentlich ziemlich hart.
    Eine kleine Kuriosität: Durek wird (wie viele andere Bösewichter im Karl-May-Universum) von Rainer Brandt synchronisiert, Ingdscha von Ursula Heyer, mit der er damals verheiratet war und es bis zu seinem Tod 2024 blieb. Bei hörte man auch im "Schut" (für Rik Battaglia und wieder Marie Versini) und im ertsen "Winnetou" (für Mario Adorf und Dunja Rajter). Tja, solche "Szenen einer Ehe" können vorkommen, wenn der Mann in dieser Reihe meist entweder den Oberschurken oder einen von dessen Leuten synchronisiert und die Frau ebenfalls in der Branche tätig ist!
    Da wir beim Thema "Synchronisation" sind, wollte ich eine kleine Kuriosität erwähnen: Der uns allen wohlbekannte Wolfgang Lukschy wurde in "Kurdistan" von einem anderen Sprecher (Joachim Nottke) synchronisiert (er war wohl gerade verhindert). Im "Löwen" spielte er nicht mit, war dafür dort akustisch vertreten: aus dem Mund von Antonio Casas
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #15
    Bei ihrem Marsch etwa durch die Salzwüste haben Kara und seine Mannen auch noch einen gefangenen Räuber bei sich, der aber nach dem Überfall plötzlich verschwunden ist. Haben die den armen Kerl einfach zurückgelassen, Gauner hin oder her? Wäre gar nicht so edel wie sonst immer.

    In den letzten Minuten von "Feuerball" scheinen Bond und Domino ja auch den Physiker Kutze völlig vergessen zu haben, obwohl sie beide ohne dessen (selbstloses!) Eingreifen nicht überlebt hätten.

    Insgesamt würde ich den "Schut" zwar vorziehen, aber eine Stärke hat der "Kurdistan"-Zweiteiler im Vergleich immerhin: Die Szenen bei Nacht und in der Dämmerung fallen diesmal deutlich überzeugender aus!

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum19.02.2026 14:15

    Und wieder eine schöne Besprechung eines schön trashigen Films!

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    und nochmal taucht ein alter Freund vom Kara auf, der Chef des Stammes

    Beeindruckend, wie viele Freunde er selbst in den entlegensten Gegenden zu haben scheint!
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Die Abfolge von Gefangennahmen, Befreiungen, Überfällen und Wiedergefangennahmen ist schon beachtlich, einen roten Faden hierbei im Gedächtnis zu behalten gar nicht so einfach.

    Aber wenn das (und das heimliche Belauschen von Plänen nicht echt "Karl May" ist - was dann?
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Der Bursche scheint sich nicht alle Weisungen des Propheten zu Herzen zu nehmen, seine maßlose Trunksucht

    Er scheint über eine immens wichtige Position zu verfügen und dieser auch sehr sicher zu sein, da er nicht einmal versucht, seinen Alkoholismus vor irgendjemandem zu verheimlichen!
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Die sich auch hier wieder unglaublich dämlich anstellen, wie konnten die wohl ein so großes Reich erobern, wenn sie sich von nur drei beherzten Burschen ihren wichtigen Gefangenen vom Schafott weg entführen lassen?

    Gleiches könnte man sich z. B. auch über die Franzosen im Azteken-Zweiteiler fragen; oder in Bezug auf die trotz ihrer Dämlichkeit so gefürchteten Aladschy-Brüder im "Schut" (siehe einen früheren Beitrag).
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    das anfängliche Auftreten der beiden Helden im Schottenrock, wobei sie doch stets als „Engländer“ bezeichnet werden

    Abgesehen vielleicht von Halef im "Schut", der Archie an einer Stelle als "Sohn eines geizigen Schotten" bezeichnet. Aber auch hier scheint man sich nicht entscheiden zu können, ob Lindsay ein "Lord" oder "Sir" ist; selbst wenn er über beide Adelstitel verfügen sollte, wäre es sicher anstößig, ihn mit dem niedrigeren anzusprechen.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Hätte man sich nun wirklich schenken können, die sehr billig wirkenden Trickaufnahmen machen den Quatsch auch nicht besser.

    Hier merkt man wieder deutlich, dass man sich in einem Film der CCC befindet! Bekanntlich wurden die Szenen mit dem Ballon auf dem Teufelsberg in Berlin gedreht.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Rosenbergers Filmmusik ist auch so was, was man unter „Geschmackssache“ verbuchen kann.

    Ähnlich wie BEI Ortolanis Kompositionen zu "Old Shatterhand" würde man auch hier vom bloßen Hören wohl nie darauf kommen, dass diese zu einem Karl-May-Film gehört.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12
    Der Film an sich ist ganz unterhaltsam, aber meiner Ansicht nach kein Vergleich zu den meisten Winnetou-Streifen.

    Aber dafür eignet er sich bestens zur Unterhaltung an einem verregneten Wochenende, wenn man nichts Besseres vorhat (so wie neulich in meinem Fall).
    Nachzutragen wäre vielleicht noch, dass der Film immerhin auf Feindseligkeiten unter den verschiedenen Ethnien des osmanischen Reiches eingeht.
    Das Thema Romantik kommt speziell im Vergleich zu den ersten beiden "Winnetou"-Teilen sehr kurz, was aber kein Nachteil ist.

    Mal sehen, wie die Besprechung des Nachfolgers ausfallen wird!

  • Rückblende - Der Filmklassiker-PodcastDatum19.02.2026 09:49

    Zitat von Ray im Beitrag #223
    Die Version aus den 1950ern lief die letzten Jahre mehrfach an den Feiertagen in den Regionalsendern der ARD - in einer sehr schön restaurierten Fassung, die der DVD-Veröffentlichung noch nicht zugrunde lag.

    Dass es seit 2019 wieder öfter Ausstrahlungen gab, ist mir bewusst. Aber in den Jahren davor (auf die sich die Aussage "in den letzten Jahrzehnten" in erster Linie bezog) lief diese Verfilmung meistens im Pay-TV.
    Zitat von Ray im Beitrag #223
    Bei mir ist es umgekehrt - alle Filme gesehen (die 2001er-Version seinerzeit auch im Kino), das Buch jedoch nicht gelesen.

    Falls du irgendwann dazu kommen solltest, würde es sich sicher lohnen.

  • Rückblende - Der Filmklassiker-PodcastDatum17.02.2026 08:14

    Zitat von Ray im Beitrag #220
    Jenseits von den "drei Männern" und dem "Klassenzimmer" ist bei mir die "Emil und die Detektive"-Version aus den 1950ern auch noch recht präsent - mit einigen markanten Berlin-Aufnahmen aus der Nachkriegszeit. Wenngleich der früheren Version allgemein die höhere Qualität bescheinigt wird.

    Interessant, dass diese Verfilmung bei dir "recht präsent" ist, obwohl sie nach meinem Eindruck in den letzten Jahrzehnten (jenseits vom Pay-TV) relativ selten zu sehen war - besomnders natürlich im Vergleich mit dem Film von 1931.
    Aber als Zeitdokumente des jeweils damaligen Berlins haben beide natürlich aus heutiger Sicht ihren eigenen Wert.

  • Rückblende - Der Filmklassiker-PodcastDatum13.02.2026 13:56

    Ich kenne sie auch nicht; aber Ingo Tornow steigert sich in seinem Buch "Erich Kästner und der Film" von 1998 in wahre Schimpforgien hinein, als er auf diese zu sprechen kommt.

    In Bezug auf die Verfilmung von 1955 erweckt er den Eindruck, diese sei als Weihnachtsfilm omnipräsent; tatsächlich scheint sie nach 1992 fast 20 Jahre nicht mehr im deutschen Free-TV gelaufen zu sein.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum12.02.2026 15:07

    Nun habe ich mir den Film mal wieder gegeben und hätte ein paar Anmerkungen zu den Anmerkungen:

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    die beiden Aladschys besiegt, zwei irgendwie kindlich wirkende Raufbolde, die aber bärenstark und die gefürchtetsten Mordgesellen weit und breit sein sollen.

    Beim Sehen fragt man angesichts der offensichtlichen Blödheit der beiden, wie sie bloß zum Schrecken für die ganze Gegen werden konnten. So dämlich, wie sie sich verhalten, müsste es doch eigentlich ein Leichtes sein, sie in eine Falle zu locken, trotz ihrer physischen Stärke.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Aber Gottseidank kommt Halef, der noch in Freiheit ist, diesmal ein Geistesblitz…

    Immerhin erfreulich, dass die Rettung im Grunde durch ihn und nicht allein durch Karas Stärke ermöglicht wird! Ebenfalls eine erfreuliche Abwechslung ist, dass Lord Lindsay und Archie sich zumindest einmal selbst befreien können, wobei ihnen natürlich sowohl Glück als auch die Dummheit ihres Bewachers zugute kommen.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Neben „realen“ Figuren treten auch hinzugedichtete auf, etwa Archie als Butler mit der zauberhaften Reisetasche oder auch die tatkräftige Ehefrau Galingrés. Tschita, die für so eine muslimische Gegend sehr selbstbewusste junge Braut des Mitstreiters Omar, tritt in einem anderen May-Epos auf, wenngleich auch dort der Orient eine Rolle spielt.

    Gerade Galingrés Frau wirkt innerhalb der Karl-May-Verfilmungen untypisch, da sie weder das "love interest" einer der Heldenfiguren ist noch von jemandem beschützt/gerettet werden muss, sondern sich umgekehrt freiwillig an der Rettung ihres Mannes beteiligt. Auch Tschita kann sich in manchen Situationen durchaus ihrer Haut wären; natürlich nicht so weit, um sich selbst zu befreien (dann bräuchte man ja keine Helden mehr zu ihrer Rettung), aber sie ist eben auch keine reine "damsel in distress".
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Besser gemacht ist schon die Befreiung Halefs aus der Gewalt der Schurken in ihrer Hütte. Natürlich sollte man hier und auch generell nicht zu viel Logik erwarten. Trotz der Dunkelheit findet Kara in der kargen Gegend Spuren, die ihn flinken Fußes direkt zum Zielort führen, er lockt die tölpelhaften Entführer mit einem simplen Trick hinaus und dann eins zwei drei, steht die Hütte plötzlich in Flammen. Aber es ist eine spannende und gut gemachte Szene.

    Leider reißt mich hier das Phänomen der "amerikanischen Nacht" ziemlich heraus: Die Szenen (ein kleiner Handlungsstrang von mehreren Minuten) soll mitten in der Nacht spielen, wurde aber offensichtlich tagsüber gedreht und EXTREM schlecht gedimmt. Von einem so erfahrenen Regisseur wie Siodmak sollte man eigentlich Besseres erwarten können.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Auch beim Schusstest mit dem Mübarek würde ich doch mal das eine oder andere starke Bedenken angeben, Karas „Kugelfestigkeit“ entspringt auch einer Menge Glück.

    Sollte er eventuell über hellseherische Fähigkeiten verfügen? Oder wie konnte er sonst die Möglichkeit ausschließen, dass der Mübarek nicht einfach einen zweiten Schuss mit der "echten" Kugel auf Kara (oder Halef) abfeuert?
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Lindsay muss durchaus ein harter Kerl sein, wenn er unbeschadet durch die Falltür ins Steinverlies rauscht.

    Ähnlich robust sollten ja ein Jahr später auch der Inspektor und sein Assistent im "unheimlichen Mönch" sein.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Wie sollte der Fluchtplan überhaupt aussehen, denn den plötzlich auftauchenden gefräßigen Bären konnte man ja nicht vorhersehen. Wo hatten die Herren überhaupt den Honig her, der sie dann retten sollte?

    Vielleicht war der Plan ursprünglich, den Bewachern im passenden Augenblick eins über den Schädel zu geben? Was den Honig angeht: Wer weiß, was Archie noch so alles aus seiner Tasche herausholen könnte ...
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Und ja, der Bär, wieso hat der irgendwelches Geschirr am Hals, aus dem Zirkus ausgebrochen?

    Um ein Wildtier scheint es sich nicht zu handeln, da in einer Szene ja ein Halter erzählt, dass ihm der Bär entlaufen sei. Ob der Mann zu einem Wanderzirkus gehört oder ein Schausteller ist, wird aber nicht erklärt.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Warum geht Kara auf Bärenjagd, lässt aber ausgerechnet seinen Bärentöter bei Halef, der ja doch nicht damit umgehen kann?

    Er weiß eben, dass er nur seine bloßen Hände und ein Messer braucht, um mit einem solchen Tier fertigzuwerden. Normale Sterbliche wie Halef können dann das Gewehr behalten, um sich sicherer zu fühlen.
    Falls diese Episode im Orient-Zyklus nicht vorkommen sollte, hätte Drehbuchautor Marischka hier eine Szene aus dem Roman "Winnetou I" geschickt eingefügt: Dort gibt es ja eine Stelle, in der Old Shatterhand einen wütenden Bären mit einem Messer erledigt, worauf später ein Aufschneider behauptet, das Tier erschossen zu haben, bevor er als Hochstapler enttarnt wird.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Das Verhältnis von Kara zu seinem redseligen arabischen Begleiter ist nicht ungetrübt, er wirkt oft regelrecht grob zu ihm, weil der kleine Aufschneider eben ab und an auch gar zu sehr Unsinn verzapft. Doch es gibt auch hier lustige Szenen.

    Die Interaktion zwischen Herr udn Diener steht in einem auffallenden Kontrast zu Karas Umgang mit seinem Hengst, der jedes seiner Worte zu verstehen und Halef in dieser Hinsicht überlegen zu sein scheint.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Der Schut im Film ist ein großartiger und glaubhafter Oberschurke, Battaglia spielt den Part wirklich professionell.

    Man könnte sich allerdings auch fragen, wie er es zu so viel Macht und Reichtum bringen und seine Identität so lange geheim halten konnte, obwohl seine Bande offenbar (bis auf El Bascha) überwiegend aus Dummköpfen oder miserablen Schützen besteht.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Durfte Kara Ben Nemsi bisher auch körperliche Schwäche zeigen (er humpelt mit einem verletzten Bein lange Zeit durchs Bild)

    Daneben scheint sogar er kurz an die Grenze seiner Superkräfte zu gelangen, als er allein (!) die Aladschy-Brüder (immerhin zwei große und bullige Kerle) an einem Seil emporzieht.
    Ungewöhnlich erscheint mir, dass er kurz vor dem Finale einen Fluchtversuch unternimmt, der zwar heroisch wirkt, aber sofort kläglich scheitert.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum12.02.2026 14:13

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #9
    Brauner machte ja direkt Nägeln mit Köpfen und ließ nicht nur Siodmak mit "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes" direkt einen Zweiteiler in einem wiederum neuen Karl May-Setting drehen, sondern beauftragte auch Franz-Josef Gottlieb mit zwei Orient-Fortsetzungen.

    Die Frage wäre, ob man bereits beim Dreh des "Schuts" konkrete Pläne zu weiteren Orient-Abenteuern hatte oder sich erst nach dem Erfolg des Film dafür entschied. Immerhin wählte man gleich den Abschluss des Zyklus´als Vorlage und das Ende ist so inszeniert, dass man nicht unbedingt mit einer Fortsetzung rechnet.
    Zitat von Fabi88 im Beitrag #9
    Ich überlege manchmal, was gewesen wäre, wenn es Brauners May-Filme nicht gegeben hätte und sich die Rialto auf einen Karl May-Film im Jahr beschränkt hätte. Vielleicht wäre selbst parallel zu den Italo-Western eine lang laufende Winnetou-Reihe möglich gewesen? So hat man sein Pulver quasi aus allen Rohren innerhalb von knapp fünf Jahren verschossen.

    So wie wir sie kennen, konnte die Reihe der Rialto eigentlich nur bis maximal 1965 existieren, da sich die Kinolandschaft danach zu rapide änderte. Beim "Halbblut" und noch stärker bei "Old Firehand" machte man ja Versuche, sich an die veränderte Situation anzupassen, indem es "härter" zuging - was speziell beim zweiten Film vom Publikum quittiert wurde und dazu führte, dass die Rialto die Serie einstellte; aufgrund der immensen Kosten durch Dreharbeiten in Jugoslawien und Besetzungen aus diversen Ländern wären weitere Flops ein zu großes Risiko gewesen.
    Als Brauner ein paar Jahre später das "Tal der Toten" herausbrachte, dürfte dieser Film schon reichlich anachronistisch gewirkt haben.
    Hätte man es ab 1962 tatsächlich bei einem Film pro Jahr belassen, wäre es wohl beim "Silbersee" und der "Winnetou"-Trilogie geblieben. Aber zumindest anfangs war die Begeisterung des Publikums einfach zu groß, um diese Kuh nicht erstmal weiter zu melken.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum11.02.2026 14:46

    Danke für diesen genaueren Einblick in die Wiederaufführungspraxis!

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum10.02.2026 13:35

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #5
    Generell denke ich mal, dass viele Waffen zu der Zeit, gerade im Orient bei den dort wohnenden Stämmen, noch Vorderlader waren, Halefs alter Prügel mit Sicherheit (und auch Shatterhands/Karas Bärentöter). Man sieht sie aber nie beim Nachladen von vorne Kugeln stopfen, wenn überhaupt, hantieren sie mit Patronen herum. Die in der Form von Metallhülsen auch noch recht selten waren. Das findet man aber häufig in Filmen.

    Generell sind Waffen (besonders Schusswaffen) im Film ein Klassiker, was Anachronismen angeht. Ebenso wie bei (im 20. Jahrhundert spielenden Filmen) der Gebrauch bestimmter Autotypen, deren Baujahr oft nicht dem der Filmhandlung entspricht. Oder speziell bei den Darstellerinnen oft eine Frisur, die nicht in die dargestellte Epoche passt.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum09.02.2026 15:27

    Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
    Man merkt dem Film leider an, dass Robert Siodmak hier bereits 64 Jahre alt war und nur noch unregelmäßig Filme drehte - vor allem keine in dieser Größenordnung. Bereits bei "normalen" Szenen gibt es etliche Anschlussfehler und Holprigkeiten (die teils auch schlicht nicht einmal mehr mit "sorgfältigerer Schnitttechnik" zu retten gewesen wären), bei den Action-Szenen entgleitet ihm vieles dann leider komplett. Ob der eigentlich vorgesehene Jürgen Roland das besser im Griff gehabt hätte?
    Dass die Produktionsumstände und Brauners bekannter Sparzwang nicht gerade halfen, ist aber auch klar.

    So "unregelmäßig" war Siodmak zu dieser Zeit nicht unbedingt aktiv; bei IMDB ist von ihm bis 1965 meist mindestens ein Film pro Jahr verzeichnet:
    https://www.imdb.com/de/name/nm0802563/
    Die Schuld für Regiefehler etc. würde ich auch hier beim Sparzwang und Zeitdruck der CCC sehen, ähnlich wie beim Azteken-Zweiteiler.
    Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
    Die Zuschauerzahlen gaben Brauner und Co Recht und an so etwas wie Wiederaufführungen, TV oder gar VHS, DVD, Blu-Ray oder Streaming dachte damals niemand, sonst hätte man vielleicht hier und da ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen.

    Zumindest Wiederaufführungen dürfte man damals aber schon fest einkalkuliert haben, gerade weil die anderen von dir aufgezählten Einnahmemöglichkeiten noch nicht zur Debatte standen und nicht vorstellbar waren.
    Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
    Die Logiklöcher stören mich bei dieser Art Film zum Beispiel gar nicht. Solange es zügig erzählt ist, man markanten Schauspielern zuschaut und es Schauwerte gibt, denke ich nicht mehr als nötig über die Handlung nach.

    Allerdings macht es auch immer wieder Spaß und kann für zusätzliches Vergnügen sorgen, gerade wenn man Filme mehrmals in Augenschein nimmt.

  • Karl May - Reise ins Pulverfass BalkanDatum09.02.2026 15:18

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Auch in dieser unheimlichen Gegend trifft der Heroe wie im wilden Westen auf ulkige Engländer mit mehr als reichlich Geld und Tagesfreizeit im Gepäck. Diese Burschen suchen bekanntermaßen entweder seltene Schmetterlinge, aber auch mal verschollene biblische Artefakte oder schlicht und einfach schöne Abenteuer. Hier sind es gleich zwei Stück, der steinreiche Lord Lindsay zusammen mit seinem treuen Butler Archie, so verschroben wie nur vorstellbar.

    Innerhalb der Orient-Filme scheint man sich allerdings nicht naz entscheiden zu können, ob Lord (bzw. Sir David) Lindsay und Archie nun Engländer oder Schotten sind.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Zusammen wollten alle zusehen, wie der neuerbaute Suezkanal sein erstes Wasser führen würde.

    Ebenso wie beim Azteken-Zweiteiler lassen sich der "Schut" und seine beiden Nachfolger (deren Handlung offenbar nur kurze Zeit danach spielt) damit auf ein konkretes Jahr datieren, in diesem Fall 1869. Einerseits bedeutet das, dass zumindest "Winnetou I" (und "Old Firehand" klar davor eingeordnet werden müssen; andererseits ist Lindsays Grammophon dadurch natürlich ein fetter Anachronismus.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Problematisch finde ich jedoch die Struktur seines weitverzweigten Verliessystems, die Gefängniskammer unter seinem Haus führt dann direkt in die große Höhle mit den anderen Gefangenen. Trotzdem braucht die Kutsche mit der von dort entlaufenen Tschita doch eine größere Strecke, um wieder ins Hauptquartier des „Gelben“ zurückzukommen.

    Ob diese Gewölbe vom selben Architekt entworfen wurden wie die unterhalb des "Mekka" im "Gasthaus", was die Größe im Verhältnis zum Gebäude oberhalb und der umliegenden Umgebung angeht?
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Trotzdem ist er nicht so der ganz große Wurf geworden. Ein bisschen weniger Klamauk, mehr logische Abläufe und sorgfältigere Schnitttechnik hätten den Film um Welten besser gemacht.

    Ähnlich urteilt auch der Karl-May-Experte Michael Petzel in seinem "Filmbuch":„Einer der besten Karl-May-Filme, obwohl für heutigen Geschmack die komischen Elemente zu sehr überwiegen.“
    Der schon öfter erwähnte Rezensent X, der Produktionen der CCC (auch jenseits von Karl May) gegenüber generell sehr kritisch eingestellt ist, lobt den "Schut" als einen der besten Karl-May-Filme.
    Deutlich kritischer fällt dagegen der Tenor dieser Besprechung aus:https://www.ofdb.de/film/7525,23935,Der-Schut/review/

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum03.02.2026 15:55
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Karl May - Mexikanisches Abenteuer

    Danke für die Angaben zur Figurenkonstellation der Vorlage! Das könnte wirklich ein Indiz dafür sein, dass der ursprüngliche Drehbuchentwurf (vermutlich der von Marischka) noch enger an Karl May orientiert war und man manches noch aus diesem übernahm, obwohl es im fertigen Film (aufgrund sonstiger Veränderungen) unpassend erschien (etwa die Figur des alten Cortejo).

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
    So schlecht finde ich das Ende der Bösewichter gar nicht, im Gegenteil, finde es sogar recht gut gemacht.

    Es wirkt auf dich nicht albern, wenn Alfonso nach einer leichten Explosion erschrocken aus der Schatzhöhle herausläuft, dort so lange in die Lava starrt, bis er durch eingeatmete Dämpfe das Bewusstsein verliert und hineinstürzt?
    Und wenn die verbliebenen Bösewichter sich im Angesicht des Goldes wie kleine Kinder verhalten?

    Beim erneuten Sehen wurde mir erst klar, wie dreist man hier beim Finale des "Silbersees" abgekupfert hat: Bösewichter, die angesichts des Goldes infantil werden, übereinander herfallen und sich gegenseitig zu töten beginnen, bis ein alter Indianer einen Mechanismus auslöst, der nicht nur die verbliebenen Schurken, sondern gleich auch noch den Schatz vernichtet.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum03.02.2026 11:56
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Karl May - Mexikanisches Abenteuer

    Zitat von Count Villain im Beitrag #8
    Zitat von Savini im Beitrag #5
    Jedenfalls waren auch diesmal die Abgänge von Alfonso sowie Verdoja und den Chchimeks wieder absolute Lachnummern.


    Ich habe mir das Finale jetzt auch mal angeschaut und dachte, ich wäre im Schlefaz.

    Falls du mal dazu kommen solltest, dir die beiden Filme komplett zu geben, bin ich gespannt, ob dieser Eindruck auch bei anderen Szenen entsteht.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum02.02.2026 15:54
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Karl May - Mexikanisches Abenteuer

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3
    des Hauptbösewichts Pablo Cortejo, der im zweiten Film ja einen nur nebensächlichen und unmotivierten Auftritt hat

    Eigentlich hätte man auf diese Figur im Film auch völlig verzichten können, da sie zur Handlung nichts beiträgt. Ob Cortejos Part in einer früheren Drehbuchversion noch größer war?
    Interessanterweise scheint man sich hier nicht nicht entschieden zu haben, ob nun Verdoja, Don Alfonso oder Josefa die Rolle des Hauptbösewichts spielt. Ich würde zu Letzterer tendieren, da sowohl die beiden anderen Figuren als auch Bazaine ja über weite Strecken von ihr manipuliert und beeinflusst werden.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum02.02.2026 15:49
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Karl May - Mexikanisches Abenteuer

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Gerrard Barray taucht als nichtsnutziger Sohn Graf Alfonso eines reichen Adligen auf, seine rücksichtslose und fast noch verderbtere Geliebte Josefa Cortejo wird von Michèle Girardon gespielt.

    Nicht nur "fast", da sie im ersten Teil durch Verstellen der Uhr und Fälschen eines Briefes dafür sorgt, dass Graf Fernando sich anstelle seines Sohnes duelliert und dabei tödlich verwundet wird. Die Verachtung, die Sternau und der Diener Alfonso danach entgegenbringen, trifft diesen also zumindest teilweise unverdient. Eigentlich fast überraschend, wenn man bedenkt, wie s/w die Karl-May-Filme ansonsten sind.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Was auffällt, der spätere „Eiserne Kanzler“ der Deutschen muss zu dieser Zeit zumindest eine eiserne Gesundheit haben, wenn sein Leibarzt daheim so wenig zu tun hat, dass er in Sondermissionen in der Weltgeschichte herumgondeln kann.

    Vielleicht hatte er auch mehrere Leibärzte?
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Der „ehrliche Abe“ überlegt fieberhaft. Bürgerkrieg daheim hin oder her, aber schließlich kann man nicht dulden, dass sich im eigenen Vorhof die Europäer breitmachen und ihre Diktatoren installieren. Das macht man schließlich lieber selbst!

    Solche Aktionen der USA lagen 1864 allerdings noch in ferner Zukunft, die Monroe-Doktrin dagegen gab es schon. Jenseits davon hatte Lincoln aber auch realpolitische Gründe (auch wenn diese im Film natürlich nicht angesprochen werden): Die Sympathie Napoleons III. galt durchaus den Südstaaten.
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
    Also schreibt er seinem mexikanischen Amtskollegen einen Brief mit allerlei Versprechungen, das kostet nichts und hält den anderen noch eine Weile bei der Stange.

    In der historischen Realität sollten allerdings durchaus Taten folgen: Sobald der Bürgerkrieg im eigenen Land gewonnen war, gab es eine massive amerikanische Unterstützung für Juarez, so dass dieser Maximilian 1867 besiegte und wieder Präsident wurde.

  • Karl May - Mexikanisches AbenteuerDatum02.02.2026 15:35
    Foren-Beitrag von Savini im Thema Karl May - Mexikanisches Abenteuer

    Nachdem mein Appetit durch die Besprechung geweckt wurde, habe ich mir den Zweiteiler nach vielen, vielen Jahren wieder gegönnt.

    Zitat von Savini im Beitrag #4
    Wobei das mit der Übermenschlichkeit und Unbesiegbarkeit im Kampf in erster Linie für den ersten Teil gibt: Im zweiten Teil ist Doktor Sternau lange Zeit bewusstlos bzw. erholt sich von seinen Verwundungen; danach läuft das Geschehen bis zum Handlungsstrang in der Pyramide weitgehend ohne seine Einmischung ab. Ein zeitgenössischer Rezensent lästerte, der formale Held werde hier "zu einer Statistenrolle" degradiert; Michael Petzel meinte ähnliches, und zwar, dass Lex Barker im zweiten Film im Grunde nur ein paar Gastauftritte habe.

    Diesmal habe ich genauer darauf geachtet: Zwischen Sternaus Szenen im zweiten Teil vergehen immer wieder 10 oder sogar 15 Minuten in denen alle möglichen anderen Figuren im Mittelpunkt stehen - nur er nicht. Was seine Aktivität angeht, so beschränkt er sich in diesem Film darauf, sich einmal mit Verdoja zu prügeln, diesem bei anderer Gelegenheit einen Splitter aus dem Auge zu holen, danach die Flucht zu ergreifen (!), um Hilfe zu holen, und später in der Pyramide Potoca Tipps zum Öffnen der Geheimtür zu geben. Wirklich sehr wenig für den formellen Helden der Geschichte!

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #3
    Ein Manko sind mit Sicherheit die schluderigen Kampfszenen. Wie es die revolverschwingenden Helden trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer wieder ohne eigene Verluste schaffen, Gefangene aus den Händen grimmiger Indianer, Franzosen oder sonstiger Übeltäter zu befreien, das grenzt schon an mehr als ein Wunder. Nur erklärbar durch die absolute Tölpelhaftigkeit ihrer Gegner, die schon massenhaft alleine ohne fremdes Zutun vom Pferd fallen oder über ihre Füße stolpern.

    Da fällt mir ein Spruch aus dem Badmovies-Verriss eines anderen Filmes ein: Kein Wunder, dass das Gute gewinnt, wenn das Böses dieses Personal hat!
    Was die Tölpelhaftigkeit angeht, so denke man nur an die (teilweise auch im Trailer zu sehende) Szene, als französische Soldaten sich von Hasenpfeffer und Wilson mit billigsten Tricks überwältigen lassen.[/quote]
    Zum letzten Punkt eine kleine Selbstkorrektur: Es ist Hasenpfeffer allein, der die Soldaten austrickst und überwältigt. Bei der Szene, in der das geschieht, scheint man sich nicht recht entschieden zu haben, ob es Tag oder Nacht ist - es wechselt von Einstellung zu Einstellung. Und dass von einem Siodmak, der jahrzehntelang in Hollywood (!) gearbeitet hat!
    Was die "Wunder" auf Seiten der Helden angeht, so scheinen dazu auch deren Handfeuerwaffen zu gehören, die eine für 1864 rekordverdächtige Treffsicherheit und Reichweite haben; man achte nur darauf, wie viele Banditen beim zweiten Angriff auf die Hazienda damit abgeschossen werden!

    Was Handlungslöcher angeht, so fällt noch auf, dass Juarez Doktor Sternau nach der Entlassung von Verdoja einen Spionageauftrag erteilt, der für die weitere Handlung aber keine Rolle mehr spielt. Wollte man einen Grund dafür nennen, dass der Arzt nicht nach zwei Dritteln des ersten Teils abreist? denn nachdem er dafür gesorgt hatte, dass Juarez durch das Erbe von Graf Fernando unterstützt wurde, war seine Mission eigentlich erfüllt. Theoretisch hätte er natürlich auch während der Heinreise festgenommen werden können, da seine Gefangennahme und die Anklage ja nichts mit seinem zweiten Auftrag zu tun hatten.
    Seltsam erscheint auch die Dialogstelle, in der Roswita meint, da Sternau Verdoja nicht "anschwärzen" wolle, müsse sie das tun: Einmal ist versuchte Vergewaltigung kein Kavalierdelikt, weshalb eine Meldung nichts mit "anschwärzen" zu tun hat; außerdem wäre der Doktor nach den damaligen Moralvorstellungen (soweit ich weiß) sogar verpflichtet, darüber zu sprechen, damit Roswita als Dame das nicht selbst tun muss.
    Statt es bei einer unehrenhaften Entlassung zu belassen, wäre eine Anklage vor dem Kriegsgericht eigentlich berechtigt gewesen; aber dann hätten wir im weiteren Verlauf einen Antagonisten weniger.
    Jedenfalls waren auch diesmal die Abgänge von Alfonso sowie Verdoja und den Chchimeks wieder absolute Lachnummern.

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