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  • 90. Geburtstag von Nadja TillerDatum18.03.2019 23:19
    Thema von Ray im Forum Off-Topic

    Manch einer wird es vielleicht mitbekommen haben, letzten Samstag ist Nadja Tiller 90 Jahre alt geworden.

    Neben einigen Artikeln gab es auch etwas TV-Präsenz für die ehemalige "Miss Austria". Einen kurzen Bericht gab es bei "Brisant". Zudem feierte Nadja Tiller im Rahmen der NDR Talk Show in ihren runden Geburtstag hinein.


    Hier gibt es die Links zu den Videos:

    http://mediathek.daserste.de/BRISANT/Sch...mentId=61172226

    https://www.ndr.de/kultur/film/Mal-Lady-...atiller103.html

  • Sammelthread "Film Noir"Datum17.03.2019 23:36
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Danke für deinen ausführlichen Bericht deiner ersten Eindrücke. Klingt ja durchaus vielversprechend, gerade für neue Anregungen ist das Buch sicher sehr gut geeignet.

    Sicherlich findet sich auch ein Eintrag über folgenden Film...


    Bumerang (Boomerang, USA 1947)

    Regie: Elia Kazan

    Darsteller: Dana Andrews, Jane Wyatt, Lee J. Cobb, Karl Malden u.a.



    Film Noir Nummer 102:


    Der allseits beliebte Pater Lambert wird auf seinem allabendlichen Spaziergang durch seine kleine Gemeinde in Connecticut hinterrücks erschossen. Als die Ermittlungen trotz erheblichen Aufwands zunächst wenig erfolgreich verlaufen, erhält der zuständige Staatsanwalt Harvey eines Abends Besuch vom Bürgermeister und anderen einflussreichen Amtsträgern, die ihn in Anbetracht bevorstehender Wahlen dazu drängen, den Fall um jeden Preis zügig aufzuklären. In der Folge wird ein Verdächtiger unter Schlafentzug zu einem Geständnis genötigt. Doch Harvey hat Zweifel an der Schuld des Mannes...

    Elia Kazan, im weiteren Verlauf seiner Karriere mit drei Oscars ausgezeichnet, schuf diesen Noir mit Dana Andrews („Laura“, „Faustrecht der Großstadt“) in der Hauptrolle. Der Film ist gerade zu Anfang sehr stark im dokumentarischen Stil in Szene gesetzt. Ein auktorialer Erzähler führt in die Geschichte ein und erklärt, dass sich die auf Fakten beruhende Geschichte in jeder anderen Kleinstadt zutragen könne. Eher ungewöhnlich für einen Noir beginnt der Film nach dieser kurzen Einführung mit einer Mordszene, die durchaus interessant inszeniert ist und daher haften bleiben wird. Gezeigt wird der Pater, wie er an einem Straßenübergang steht und sich seine Pfeife anmachen möchte, während sich hinter ihm ein Mann mit Mantel und Hut bekleidet an ihn heranschleicht, die Pistole an seinem Hinterkopf ansetzt und abdrückt. Wäre die Tatwaffe keine Pistole, hätte die Szene auch einem Wallace-Film entstammen können. Dass anschließend die Mordermittlungen aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft Hauptgegenstand der Handlung sind, ist ebenfalls eher ungewöhnlich. Andrews spielt obendrein keinen gebrochenen Chrakter, sondern einen aufrechten Staatsanwalt, der trotz erheblichen politischen Drucks standhaft bleibt und vor Gericht für die Gerechtigkeit kämpft. In den Szenen vor Gericht läuft Andrews und mit ihm der ganze Film zu großer Form auf. Wie er nacheinander die vermeintlich von der Richtigkeit ihrer Wahrnehmung überzeugten Augenzeugen vorführt, hat große Klasse. In diesen Momenten erreicht „Bumerang“ Qualitäten, die man von Meisterwerken wie „Den 12 Geschworenen“ kennt. Obschon der wahre Täter wie im echten zugrundeliegenden Fall nicht entlarvt werden kann, gibt der Film doch klare Hinweise bezüglich der Identität des Täters, so dass „Bumerang“ den Betrachter zufrieden aus dem Film entlässt. Dass "Bumerang" angesichts seiner nüchternen Inszenierung und seiner positiv charakterisierten Hauptfigur von einem idealtypischen Noir ein ganzes Stück entfernt ist, verzeiht man daher nur zu gerne.

    In Deutschland fehlt bis dato eine Blu-Ray- oder DVD-Auswertung. In England ist der Film in der „Masters of Cinema“-Series erschienen. Das Set enthält das Werk aus dem Hause 20th Century Fox erstklassig restauriert. Dazu gibt es eine Dokumentation über den Regisseur sowie ein edel gestaltetes, 44 (!) Seiten starkes Booklet, das einen Essay, ein abgedrucktes Interview mit dem Regisseur sowie den Zeitschriftenartikel über den wahren Fall, der als Basis für das Drehbuch zum Film diente. Eine rundum empfehlenswerte Anschaffung, zumal bei einem Preis von ca. 10 Euro auch die eigentlich unnötige Blu-Ray-/DVD-Kombo wenig stört.


    Packender, auf Fakten basierender Polizei- und Gerichtskrimi mit einem starken Dana Andrews in der Rolle eines prinzipientreuen Staatsanwalts. 4,5 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum17.03.2019 22:54
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #291
    Zitat von Ray im Beitrag #290
    Die beste Episode der Box dürfte die oben von Percy Lister besprochene Episode "Liebe hat ihren Preis" mit Gaststar Horst Buchholz sein...


    Da sieht man mal, wie die Geschmäcker auseinander gehen. Für mich ist das die schwächste Episode der Box. Grädlers Inszenierung ist mir da etwas zu bieder und einfallslos, das Skript von Müller zähle ich auch nicht zu seinen Glanztaten. Das große Plus sind tatsächlich die Darsteller, und so geht die Folge durchaus noch als solide durch - das spricht für die allgemein hohe Qualität der Serie. Aber auch deine beiden anderen Box-Highlights sind bei mir viel schlechter platziert. Dafür kann ich mich sehr für die von dir eher verschmähten Episoden "Umsonst ist der Tod" (mit genialer Atmosphäre und grandiosen Auftritten von Bongartz und Augustinski) und "Kahlschlag" (vielschichtiger Plot, famose Böttcher-Musik mit Wallace-Anleihen, eines der am meisten unterschätzten Vogeler-Bücher) erwärmen.


    Das Kuriose ist ja, dass es bei der vorherigen Box genau umgekehrt war: Da belegte deine Lieblingsfolge "Tod am Sonntag" bei mir den letzten Platz. Zumindest können wir uns diesmal darauf verständigen, dass "Die Hellseherin" zu den weniger gelungenen Episoden der Box zu zählen ist. Mal schauen, wann ich den "Alten" abschließen kann. Box 5 ist ja ungleich schmaler mit 14 Folgen. Hoffe auf die ein oder andere gelungene Folge zum Abschluss.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum13.03.2019 23:07
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Bin gespannt auf deine Rückmeldung zu Grants Werk. Habe nun auch wieder "Der blonde Tiger" gesichtet. Der sehr gute Eindruck hat sich definitiv bestätigt. Es dürfte sich um die stärkste Rolle Lizabeth Scotts handeln. Großes Lob verdient auch die Blu-Ray von Arrow, auf der sich ein neu produziertes Making-Of mit interessanten Analysen und Hintergrundinformationen befindet. Auch dem Restaurationsvorgang wird eine eigene Featurette gewidmet. Ene vorbildliche VÖ, die dem Werk absolut gerecht wird.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    So, nach Durchsichtung der "Hamburger Trilogie" habe ich mich wieder den "seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger" zugewandt. Anders als bei Box 1, als die Serie noch "Anlaufschwierigkeiten" bei mir hatte, kam ich bei Box 2 (Folgen 22-36) diesmal sofort gut rein. Inhaltlich und inszenatorisch gab es schon von Anfang an nichts zu meckern, inzwischen habe ich mich mit der inhaltlichen Struktur der Serie - dem ewigen Duell zwischen Brem und Ackva und den Figuren im Allgemeinen angefreundet. Aus diesem Grunde hat mir die zweite Box erstaunlich viel Freude bereitet. Einziges Manko sind in meinen Augen nach wie vor die Gastdarsteller. Da haben andere Serie qualitativ und in der Breite wesentlich mehr zu bieten. Das mindert das Vergnügen aber letztlich nicht wesentlich. Auch der Übergang von SW zu Farbe wurde gut gemeistert. Besonders gefallen hat mir z.B. die Folge "Kochkünste", in der Wanninger als Koch in vornehmem Hause agiert. Die Bildqualität der Box schwankt gerade in der Farbphase stark. Manchmal sehr knackige, mitunter aber auch sehr blasse Farben. Werde Box 3 direkt hinterherschieben und bin gespannt, ob der gute Eindruck sich bestätigt!

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, sehr aufschlussreich!

  • Bewertet: "Der Alte"Datum11.03.2019 23:39
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Collector's Box Vol. 4 ist auch "durchgearbeitet". Gute bis sehr gute, durchschnittliche und (eher) schwache Episoden halten sich einigermaßen die Waage. Ein herber Verlust ist in meinen Augen der unerwähnte Abgang von Henning Schlüter als Kriminalrat Millinger. Seine Sir John-Attitüde hat stets für die nötige Auflockerung in Anbetracht des eher spröden Kommissar Köster-Charakters gesorgt. Zu einer spürbaren Vergrößerung der Parts von Hendriks und Ande führt der Abgang Schlüters überdies nicht. Die beste Episode der Box dürfte die oben von Percy Lister besprochene Episode "Liebe hat ihren Preis" mit Gaststar Horst Buchholz sein, der seine zwielichtige Rolle sehr gut meistert und so im besten Sinne klassische Krimi-Unterhaltung aufkommen lässt. Hängen bleibt auch der eiskalte Helmuth Lohner in "Das Ende vom Lied", der einen eingebidelten Kranken, gespielt von Udo Vioff als Mordwerkzeug einsetzt und sich mit Lowitz einen netten Schlagabtausch liefert. Gelungen ist schließlich die gut besetzte Folge "Der Unbekannte im Spiel" in der Peter Pasetti knapp einem Mordanschlag entgeht, nachdem er die Absicht gefasst hat, sein Firmenvermögen einer stiftung zu übertragen. Wer steckt hinter dem Mordversuch? Seine wesentlich jüngere Lebensgefährtin (Thekla Carola Wied)? Die auf die Lebensgefährtin eifersüchtige Tochter (Claudia Butenuth)? Oder der "nichtsnützige" Schwiegersohn (Sky Dumont)?


    Insgesamt würde ich die Episoden der Box in folgende Rangfolge bringen:


    01. Liebe hat ihren Preis 4,5/5
    02. Das Ende vom Lied 4,5/5
    03. Der Unbekannte im Spiel 4,5/5
    04. Freundschaftsdienst 4,5/5
    05. Brennweite Tausend 4/5
    06. Kalt wie Diamant 4/5
    07. Fluchthilfe 4/5
    08. Der vierte Mann 4/5
    09. Der Tote im Wagen 4/5
    10. Zwei Särge aus Florida 3,5/5
    11. Spuren eines Unsichtbaren 3,5/5
    12. Auf Leben und Tod 3,5/5
    13. Perfektes Geständnis 3/5
    14. Alleingang 3/5
    15. Reihe 7, Grab 11 3/5
    16. Von Mord war nicht die Rede 3/5
    17. Der Klassenkamerad 2,5/5
    18. Explosion aus dem Dunkeln 2,5/5
    19. Umsonst ist der Tod 2,5/5
    20. Die Hellseherin 2/5
    21. Kahlschlag 1,5/5

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch "Die Gruft mit dem Rätselschloss" hatte ich besser in Erinnerung als sie sich mir bei der heutigen Sichtung dargestellt hat.

    Optisch ist der Film Regisseur Gottlieb wieder recht gut gelungen. Zwar greift er diesmal weniger auf Vohrersche Stilmittel zurück (keine impossible shots oder starken Zooms). Dafür setzt er auf Schwenkbilder (Zugeinfahrt) oder subjektive Kamera (Jimmy Flynn beim Hinaufgehen der Treppe in Reals Haus; Flynn beim Kampf mit Spedding). Auch dank der Mitwirkung von Richard Angst und dem Ultrascope-Format ist die Bildsprache einmalmehr ausgesprochen stimmungsvoll. Harald Leipnitz erlebt einen gelungenen Einstand in die Wallace-Reihe. Wie schon geschrieben wurde, wird im Film deutlich, dass ihm ambivalentere Parts besser lagen als reine "Saubermänner". Da er de facto über weite Strecken auch Ermittlungsarbeit leistet, fällt der kleinere Part des Yard-Ermittlers von Harry Meyen auch nicht sonderlich negativ ins Gewicht, zumal die Enttarnung von Leipnitz wohl naheliegender gewesen wäre, hätte man ihm eine stärkere Inspektoren-Figur gegenübergestellt. In der vorliegenden Konstellation fällt die Auflösung doch durchaus überraschend aus. Judith Dornys spielt angenehm zurückhaltend, ohne dabei blass zu bleiben wie Grit Boettcher im "Abt". Ernst Fritz Fürbringer überrascht mit einer ausgebufften Performance als Gentleman-Gauner. Über Rudolf Forsters Part kann man in der Tat diskutieren, insbesondere die Darstellung seines Todes erscheint einigermaßen seltsam. Werner Peters kann dem Film nicht ganz so stark den Stempel aufdrücken wie in "Tür" und "Abt", gleichwohl wertet er den Film mit seinem Spiel zweifelsohne auf. Die Szene, in der die tollpatschige und leider oft überkandidelte Arent-Figur den Ausgang aus der "Gruft" findet und so das Schicksal von Spedding besiegelt, hat eine starke tragikomische Note. Klaus Kinski als stummer Killer wird leider einmalmehr verschenkt, auch Harry Wüstenhagen und Ilse Steppat haben eher undankbare Parts erhalten. Zuletzt hat man sich auch bei den Auftritten für Sir John recht wenig Mühe gegeben, weshalb Schürenbergs Darbietung zu seinen schwächeren zu zählen ist. Zu einer messerscharfen Bemerkung mit Blick auf Arents Figur reicht es aber dann doch noch ("Er redet und redet und redet, aber er sagt nichts").

    Insgesamt schaut man dem Treiben zwischen den Gaunern, Kathleen Kent, Begleiter Westlake und Jimmy Flynn durchaus gerne zu. Zuzugeben ist indes, dass ein inhaltlicher Schwerpunkt nicht recht auszumachen ist. Die Mordserie wird sehr stiefmütterlich behandelt, speziell das Motiv hinter dem ersten Mord bleibt unklar. Auch das Potential der nett gestalteten Gruft wird nur ansatzweise genutzt. Rechte Spannung mag daher nur selten aufkommen. Immerhin ist die Musik von Peter Thomas wieder mal sehr eingängig und lädt zum Mitwippen ein. Auch griff man (leider letztmalig) auf das in "Zimmer 13" eingeführte Stilmittel zurück, bei den Credits Standbilder aus dem folgenden Film einzubauen. (Die Credits sind allerdings S/W. Waren die nicht im Original in Farbe und Universum hat bei der Umsetzung damals gepennt? Das wäre doch auch ein Manko, das man bei der Blu-Ray-Auswertung beheben könnte!) Die Film-im-Film-Sequenz zu Anfang ist ebenfalls eine nette Idee, die für Abwechslung sorgt. Summa summarum 3,5 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15)Datum07.03.2019 00:25
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich habe "Zimmer 13" traditionell immer recht hoch eingeschätzt im Gesamtklassement. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich den Film als einen der letzten SW-Wallace einer Erstsichtung zugeführt habe und die Auflösung natürlich eine ordentliche Duftmarke setzt. Da ich den Täter damals trotzdem erraten habe, schwang stets noch eine Portion persönlichen Triumphs mit, weswegen ich mit dem Film letztlich ganz und gar einverstanden war. Bei wiederholter Sichtung spielen beide Aspekte naturgemäß eine untergeordnetere Rolle. Insgesamt hat mir "Zimmer 13" diesmal weniger gut gefallen als sonst.

    Bis kurz nach der Hälfte des Films funktioniert die Verschmelzung der beiden Handlungsstränge noch recht gut, dann nimmt der Postraubaspekt die Überhand und die Auflösung der Mordserie wird im Grunde nur hinausgezögert. Überhaupt scheint es eher unglaubwürdig, dass die Mordserie fast genau in dem Moment losgeht, in dem Legges Planungen konkret werden. Denn letztlich hat die Mordserie mit den Geschehnissen um den Postraub nichts zu tun. Dass zwei Morde im Highlow Club passieren, ist eher zufällig und geschieht im Endeffekt zur Erweiterung des Täterkreises. Ihre Wirkung erzeugt das Ganze bei der Erstbetrachtung natürlich dennoch. Zwar gibt es im Hinblick auf die Identität des Täters durchaus klare Andeutungen, indes werden in Wallace-Filmen bekanntlich gerne falsche Fährten gelegt, weshalb der Auflösung objektiv betrachtet durchaus ein Überraschungseffekt zukommt.

    Punkten kann der Film wie so häufig durch seine Besetzung. Joachim Fuchsberger feiert ein gelungenes Comeback als (Privat-)Ermittler. Wie schon Vohrer im "Gasthaus" versucht aber auch Reinl, ihn ein wenig vom Saubermann-Image zu befreien. Johnny Gray wird dem Publikum ganz Bond-like in den Armen einer jungen Frau vorgestellt, aus deren Fängen er auch zugunsten eines neuen Auftrags nur ungern entweicht. Denise führt er dann bei der ersten Verabredung "standesgemäß" in eine Striptease-Show aus. (Überhaupt recht auffällig in Filmen dieser Zeit, dass Männer Frauen in derlei "Etablissements" ausführten. Ich muss da immer schmunzeln.) Fuchsberger agiert engagiert wie eh und je und meistert sowohl amüsante als auch tragische Momente mit Bravour. Sein melancholischer Blick Richtung Schloss Marley in der Schlussequenz bleibt haften. Alles in allem ein starker Auftritt. Karin Dor legt ihre Rolle aus dramaturgischen Gründen ein wenig anders an als sonst und schlägt sich achtbar, dennoch kommt ihre Leistung an ihre Darbietungen im "Bogenschützen" und im "Fälscher" nicht heran. Nach einer Schaffenspause von drei Filmen sieht man Siegfried Schürenberg endlich wieder in der Rolle des Sir John. Im vorliegenden Film bekommt der Zuschauer die einmalige Gelegenheit, diesen einmal in den eigenen vier Wänden zu sehen. Erwartungsgemäß scheint der Scotland Yard-Chef Junggeselle zu sein. Eddi Arent schießt bisweilen wieder einmal übers Ziel hinaus, speziell dann, wenn er ins Italienische abdriftet. Mit Blick auf die weiteren Nebendarsteller gebührt insbesondere Richard Häussler ein großes Lob, dem seine beste Leistung in einem Wallace-Film gelingt. Sein Joe Legge drückt dem Film absolut den Stempel auf. Walter Rilla, wie gewohnt in einem Obhutsverhältnis zu Karin Dor stehend, bereichert den Film ebenfalls. An dieser Stelle hört es aber tatsächlich auf. Anders als in manchem Wallace-Film ist der Cast in der Breite nicht ganz so gut aufgestellt und greift - in dieser Phase noch recht ungewohnt - auf "B-Kräfte" wie Kai Fischer und Benno Hoffmann zurück. Den Part des Mr Igle hätte man mit Harry Wüstenhagen wohl besser besetzen können, Hans Clarin gibt sich doch arg der Lächerlichkeit preis und wurde konsequent nicht mehr besetzt.

    Wie schon geschrieben wurde, fällt die Inszenierung konservativer aus als zuletzt. Reinl greift anders als Kollege Gottlieb nicht auf Vohrersche Stilmittel zurück und verzichtet auf Zooms, impossible shots und dergleichen. Im Gegenzug setzt er wie schon bei vorherigen Arbeiten auf stimmungsvolle Landschaftsbilder, hier sind vor allem die Fahrten zum Schloss und vom Schloss weg zu nennen, die in Nahaufnahmen der Figuren dankenswerterweise zudem ohne Rückprojektionen auskommen.

    Erstmals hört man die Worte "Hallo, hier spricht Edgar Wallace!" so, wie sie nunmehr standardmäßig eingespielt werden sollten und sie dem Wallace-Fan am vertrautesten sind. Ferner hatte man den schönen Einfall, im Vorspann Szenenbilder aus dem Film mit bunten Farben unterlegt ablaufen zu lassen. So bekommt der Zuschauer schon mal einen kleinen Vorgeschmack und rätselt, welche Bedeutung den Szenen wohl im kommenden Film beikommen werden. Die Musik von Peter Thomas unterstreicht die temporeiche Insznenierung. Das Hauptthema wurde bekanntlich im "Hexer" nochmal verwendet.


    Insgesamt ist "Zimmer 13" ein Beitrag, der sich durch die überraschende Auflösung und den Verzicht auf ein Happy End abhebt und in gewisser Weise einen besonderen Stellenwert genießt. Inhaltliche Schwächen sorgen jedoch dafür, dass der Film insgesamt nur einen Mittelfeldplatz einnimmt. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch die letzten bis dato erschienenen Rath-Romane "Lunapark" und "Marlow" sind mit großer Freude durchgelesen. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass diese "Wälzer" mich dermaßen packen würden, dass ich sie derart schnell schaffen würde. Aber Volker Kutscher gelingt es weiterhin bzw. im Grunde immer besser, Fakten und Fiktion zu spannenden Kriminalroman zu verarbeiten. Hintergründe über schon länger vertretene Figuren sorgen für Aha-Effekte und machen die Romane noch interessanter. Die Welt des Gereon Rath wird mir zweifelsohne fehlen in nächster Zeit!

    Im Einzelnen geht es in "Lunapark", dessen Handlung 1934 angesiedelt ist, um eine Mordserie an SA-Männern. Rath muss mit der Geheimen Staatspolizei zusammen arbeiten, in der sein (ehemaliger) Freund Gräf inzwischen Karriere gemacht hat. Natürlich ist die Lösung des Falles nicht so simpel, wie es die Vertreter der Machthaber gerne hätten und so muss Rath wieder eigene Wege gehen, um den Fall aufklären zu können.

    Im vor wenigen Monaten veröffentlichten siebten Gereon Rath-Roman "Marlow" geht es um einen rätselhaften Todesfall im Zuge eines Verkehrsunfalls. Schnell wird klar, dass es zwischen dem Tod und dem einige Jahre zurückliegenden Mord an Charlotte Raths Vater ein Zusammenhang besteht. Die Spur führt zum ehemaligen Unterweltkönig Marlow, der inzwischen versucht, Karriere in der SS zu machen und nur noch ehrliches Geld zu verdienen. Mit Marlow hat Rath ohnehin noch eine Rechnung offen...


    Etwas verspätet auch noch ein paar knappe Worte bezüglich meiner Eindrücke zur Serie "Babylon Berlin". Auf die historischen Unkorrektheiten, die hinzugedichtet wurden (Rückkehr des ehemaligen Kaisers), wurde ja schon hingewiesen. Mich als Romanleser haben eher die Freiheiten im Hinblick auf die Hauptfiguren gestört. Wieso man aus einer Jurastudentin und Stenotypistin bei der Polizei eine stellungslose Gelegenheitsprostituierte machen muss, erschlicht sich mir nicht. Auch die Darstellung von Raths inneren Dämonen trägt sicher heutigen Sehgewohnheiten Rechnung, findet sich aber meiner Erinnerung nach so auch nicht im Roman und hat mich ebenfalls gestört. Ausstattung, Regie und schauspielerisches Niveau sind aber völlig in Ordnung. Dass man in den Hauptrollen auf eher unverbrauchte Gesichter zurückgegriffen hat, war eine gute Entscheidung. Auch die Szenen im Nachtclub sowie die Nummer "Zu Asche, zu Staub" sind sehr gelungen und haben durchaus Kino-Format. Ich werde die Serie auch weiter im Fernsehen verfolgen, kaufen werde ich sie allerdings nicht. Da lese ich im Zweifel lieber nochmal die Romane oder greife zur Hörbuch-Variante.

  • TV_Termine März 2019Datum04.03.2019 13:48
    Thema von Ray im Forum Aktuelle Filme (DVD, K...

    Heute laufen auf Arte ab 20:15 Uhr zwei Noir-Klassiker mit Rita Hayworth: Um 20:15 Uhr "Gilda", um 22:00 Uhr "Die Lady von Shanghai".

  • Sammelthread "Film Noir"Datum02.03.2019 23:54
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch im folgenden Noir ist Lizabeth Scott mit von der Partie...


    Gangster/Das Syndikat (The Racket, USA 1951)

    Regie: John Cromwell, Nicholas Ray u.a.

    Darsteller: Robert Mitchum, Robert Ryan, Lizabeth Scott, William Talman u.a.



    Film Noir Nummer 101:


    Das titelgebende Syndikat wird von einem Gangster ohne Namen geleitet, dessen gefährlichstes Werkzeug der Kriminelle Nick Scanion (Robert Ryan) ist. Das Syndikat macht auch dem aufrechten Polizisten McQuigg (Mitchum) zu schaffen. Um Scanion aus der Reserve zu locken und damit dem Syndikat einen Schlag zu versetzen, lässt er kurzerhand gegen den Willen des Staatsanwalts Scanions Bruder sowie dessen Geliebte, die Nachtclubsängerin Irene Hayes (Lizabeth Scott) verhaften. Ob der Plan aufgeht?

    Allen Unkenrufen zum Trotz ist "The Racket" ein durchaus vorzeigbarer Vertreter seines Genres. Der Story fehlt zwar zugegebenermaßen die Tiefe, dafür ist der Film erstklassig besetzt, hat ein ordentliches Tempo und bezieht aus dem andauernden Konflikt zwischen Scanion und dem Polizisten McQuigg das notwendige Maß an Spannung. Robert Mitchum und Robert Ryan hatten schon wenige Jahre zuvor in Edward Dmytryks sehenswertem Noir "Im Kreuzfeuer" zusammen agiert. Mitchum spielt den ehrenvollen Polizisten durchaus engagiert, Robert Ryan glänzt einmalmehr als Bösewicht. Lizabeth Scott spielt eine Nachtclubsängerin. Erwartungsgemäß darf sie denn auch einen kleinen Gesangsauftritt hinlegen. Ihre Rolle ist nicht sonderlich komplex, entsprechend kann sie dem Film anders als in anderen Produktionen wie dem von Gubanov unlängst besprochenen "Der blonde Tiger" nicht ihren Stempel aufdrücken. William Talman, später bekannt durch seine Rolle des Staatsanwalts Burger in der Serie "Perry Mason", unterstützt Mitchum bei den Ermittlungen tatkräftig und wird im letzten Drittel zur tragischen Figur. Howard Hughes, der Ende der 1940er-Jahre die Aktienmehrheit an RKO erwarb, machte im Laufe der Produktion seine Macht geltend und feuerte Regisseur Cromwell. Weitere Szenen wurden u.a. von Nicholas Ray gedreht. Dass man diese Unruhen dem Werk ansieht, lässt sich nicht behaupten. Allgemein gehen der Inszenierung jedoch weitgehend die charakteristischen Merkmale eines typischen Noirs ab.

    Interessierte können zur spanischen DVD greifen, die den Film auch im Originalton enthält und für unter 10 Euro zu haben ist. Die Bildqualität ist solide.


    Erstklassig besetzter und kurzweiliger Kriminalfilm, dem in der Inszenierung ein wenig die Charakteristika der Schwarzen Serie abgehen. Alles in allem wesentlich besser als sein Ruf. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Interessant. Weiß man eigentlich, warum man Serientitel und -konzept immer wieder verändert hat? War das jeweils dem Zeitgeist geschuldet?

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Dem "indischen Tuch" sieht man an, dass Alfred Vohrer längst seinen (Wallace-)Stil gefunden hat. Die Eröffnungssequenz erweckt Vertrautheit. Einem heimtückischen Mord gehen ein imposible shot aus dem Kamin heraus und ein harter Zoom auf Eddi Arent voraus. Im Hintergrund hört man die (vermeintlich) von Hans Clarin "live" gespielte Musik. Vorspann und insbesondere die Titelmusik eröffnen dem Betrachter, dass er es mit einem reichlich mit Ironie durchtränkten Film zu tun haben wird. Inhaltlich gelingt der Einbau des Christie-Motivs in die Wallace-Geschichte sehr gut, insgesamt wirkt der Film auf mich stimmiger als sämtliche mir bekannten Christie-Interpretationen dieses Stoffs. Obwohl es sich um einen Ensemblefilm handelt, muss ich meinen Vorrednern Recht geben, dass es innerhalb der Reihe schon Filme gab, die auf schauspielerischer Ebene noch besser funktionierten. Hans Nielsens Interpretation wirkt immer ein wenig fremd, weil man ihn sonst eher als souverän agierenden Typen kennt. Aus seiner Rolle hätte Werner Peters wohl mehr herausholen können. Dass er mit Uhlen ein vortreffliches Filmehepaar abgeben kann, hat er in der "Tür" schon bewiesen. Corny Collins spricht in der ersten Filmhälfte gefühlt keinen vollständigen Satz, in der zweiten Hälfte darf sie sich mehr zeigen. Trotzdem geht sie im Ensemble einigermaßen unter, wenngleich einschränkend konstatiert werden muss, dass sie zumindest weniger stark abfällt als Grit Böttcher im "Abt" und daher kein echter Störfaktor ist. Dennoch hätten andere Schauspielerinnen die Rolle sicher aufwerten können und wohl auch mehr Screentime erhalten. Nach weniger spektakulären Auftritten im "Zinker" und "Abt" setzt Klaus Kinski mal wieder eine echte Duftmarke. Sein Peter Ross gehört mit Sicherheit zu seinen stärksten Darbietungen bei Wallace. Eine Freude sind seine Auseinandersetzungen mit Heinz Drache ("Sie unterschätzen mich, Tanner. Ich pflege meine Morde prinzipiell selbst zu begehen."). Die Flickenschildt bekommt zum Abschied aus der Wallace-Reihe eine standesgemäße Rolle als "Alphamuttertier", Hans Clarin überrascht durch seine präzise, in einigen Momenten geradezu beängstigende Darbietung. Der letzte Mord an der Mutter läuft einem immer wieder kalt den Rücken herunter. Abschied von der Reihe nimmt ebenfalls Adi Berber, der das "Pech" hatte, gleich im ersten Film seinen Zenit erreicht zu haben und nach Giacco in der "Tür" nun Chiko geben darf. Richard Häussler und Alexander Engel stellen die notwendige Breite im Cast her und liefern jeweils einen ordentlichen Auftritt ab. Siegfried Schürenberg und Eddi Arent sorgen für den notwendigen Humor, der im Falle Arents diesmal besonders schwarz ausfällt. Schürenberg gibt hier erstmals wiederkehrende Äußerungen von sich ("Was sind denn das für Sachen?"). Der Inspektor Fuchsberger-Gag verpufft aus bekannten Gründen, die sich erhebenden Stühle knüpfen an das sprechende Gemälde im "Zinker" an. Der unfreiwillig gelungenste Aspekt der Schlusspointe ist derjenige, dass Corny Collins, an der der Film in weiten Teilen vorbeiging, als einzige Überlebende der Familie trotzdem leer ausgeht. Auf Lord Lebanon scheint sie auch keinen großen Eindruck gemacht zu haben. Wegen der Grundkonstellation und der sich stetig dezimierenden Erbenzahl bleibt die Spannungskurve durchgängig auf gutem Niveau. Die ritualisierte Inszenierung der Morde gehört sicher zu den erinnerungswürdigsten der Reihe.

    Auch wenn mich der Film schon mehr begeistert hat, finde ich nichts Erhebliches, was einen Punktabzug rechtfertigen würde und gebe daher erstmals seit dem "Fälscher" mal wieder die volle Punktzahl: 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Hamburg Transit (BRD 1970-1974)

    Inzwischen habe ich meine Sichtungen zur "Hamburger Trilogie" abschließen können. Über "Hamburg Transit" wurde hier bisher ja noch wenig gesprochen. Anders als bei den Vorgänger-Serien sind die Handlungen rein fiktiv. Wie der Titel "Hamburg Transit" bereits suggeriert, zeigt die Serie die Stadt Hamburg vor allem als Umschlagplatz für Reisende, Geschäftsleute und Ganoven, die im Rahmen ihres Aufenthaltes in der Hafenstadt kleinere oder größere Abenteuer erleben. Einige Episoden gehen ein Stück weit in Richtung Spionage, weshalb manche Folgen wie Kurz-Episoden von "Die fünfte Kolonne" wirken. Eine weiterer wesentlicher Unterschied zu den Vorgänger-Serien ist, dass die Ermittler nicht in jeder Folge auftreten. Die aus "Polizeifunk ruft" bekannten Karl-Heinz Hess und Eckart Dux schauen vielmehr nur in etwa jeder zweiten Folge vorbei. Heinz-Gerhard Lück, der den Posten des Vorgesetzten zum Ende von "Polizeifunk ruft" von Josef Dahmen übernommen hatte, tritt nur sporadisch auf. In einigen Folgen ermittelt zudem Gert Haucke als Kommissar John. Auffällig ist zudem, dass wenn die Kommissare in den Folgen auftreten, ihre Parts oft klein ausfallen, die Ermittlungen m.a.W. also wenig Raum in der Geschichte einnehmen. Die inhaltliche Flexibilität hat Licht- und Schattenseiten. Einerseits ist es durchaus eine nette Abwechslung, wenn Episoden ganz ohne Ermittler auskommen bzw. andere Personen quasi als Ersatzermittler auftreten (so etwa Inge Langen in der äußerst gelungenen Episode "Rechnung für Zimmer elf", in der sie als Hotelleiterin einen Hoteldieb fängt). Andererseits hatte man Hess und Dux irgendwie lieb gewonnen. Auch wenn Hess' Privatleben in "Polizeifunk ruft" vielleicht manchmal sogar etwas zu viel Raum eingenommen hat, trugen die Szenen mit seiner Verlobten bzw. später Ehefrau Karin Lieneweg auf der anderen Seite immer ein wenig zum Wohlfühlfaktor bei. In "Hamburg Transit" hat sie nur einen einzigen Auftritt. Im Endeffekt ist es so, dass man die Ermittler bei Abwesenheit nicht vermisst, solange die Geschichten interessant sind und die Gastdarsteller ihre Sache gut machen. Das trifft erfreulicherweise doch auf einige Episoden zu. Ein Grund dafür sind auch hier wieder die vielen Gaststars. Mit von der Partie sind u.a. Götz George, Dieter Eppler, Adrian Hoven, Judy Winter. Anspieltipp wäre neben der o.g. Folge die Episode "Eifersucht", die durch einen tollen Gaststar mit interessanter Rolle (Götz George) und einer gute Story inklusive Whodunit punktet. Was auch in "Hamburg Transit" wieder besonders positiv auffällt, ist der doch recht hohe Produktionsaufwand der Serie. Wie viele Drehorte da mitunter in einer 25-minütigen Folge stecken, ist schon beachtlich.

    Summa Summarum ist "Hamburg Transit" wie "Hafenpolizei" und "Polizeifunk ruft" für das hiesige Publikum absolut zu empfehlen.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum22.02.2019 22:22
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Was dem "Zinker" noch fehlte - interessante Nebenfiguren auf Gaunerseite - hat "Der schwarze Abt" wieder in vorbildlicher Weise zu bieten und performt in dieser Hinsicht so ziemlich auf gleichem Level wie "Die toten Augen von London" und "Die Tür mit den sieben Schlössern". Hervorzuheben ist hier Werner Peters, dem hier vielleicht der beste seiner vielen denkwürdigen Auftritte im Krimi-Genre gelang. Wie er in seiner ersten Szene blitzschnell vom unterwürfigen Bürovorsteher zum gewieften Erpresser mutiert, ist große Klasse. Auch seine zum Scheitern verurteilte Anmache gegenüber Leslie inklusive anschließenden Scharmützels mit Dick Alford sorgen immer wieder aufs Neue für Amüsement. Harry Wüstenhagen sieht man erstmals nicht in der Rolle des liebenswerten Ganoven. Sein Arthur Gine schreckt zwecks Begleichung von Wettschulden weder vor rechtlichen noch moralischen Verfehlungen zurück. Eva-Ingeborg Scholz als nach dem Adelstitel strebende Mary Wenner gibt ebenfalls eine gute Figur ab. Klaus Kinski agiert solide, kann der Produktion aber weniger seinen Stempel aufdrücken als in anderen Filmen. Dieter Borsche gibt den zunächst nur verschrobenen, später dann doch einigermaßen verrückten Schlossbesitzer Chelford mit Hingabe. Zwischen den Fronten befindet sich ausnahmsweise Joachim Fuchsberger. (Dass etwas anders ist mit ihm, sieht man schon im Rahmen seines ersten Auftritts, bei dem er ungewohnt mit Hut die Szenerie betritt.) Dick Alford ist die wohl vielschichtigste Figur, die er im Wallace-Universum verkörpern sollte. Wenn man bedenkt, dass er seinerzeit eigentlich schon ziemlich auf sein Rollenklischee festgelegt war, schlägt er sich doch recht achtbar. Bei der Besetzung des Inspektor Puddler gelang den Produzenten scheinbar von ihnen selbst unbemerkt ein echter Coup. Charles Regnier liefert eine neue, ungemein charismatische Interpretation eines Yard-Ermittlers. Sein Puddler strotzt nur so vor natürlicher Abgebrühtheit. Wenn die Kamera ihn mit hoch gelegten Beinen oder im Stuhl hinter der Treppe sitzend einfängt und dabei der Rauch seiner Pfeife durch die Luft weht, glaubt man einen ikonischen Kino-Detektiv bei der Arbeit zu sehen. Sein Zusammenspiel mit Eddi Arent ist vorzüglich, weil zwischen ihnen ein natürlicher Kontrast besteht, der bei Arent und Fuchsberger stets erst speziell betont werden musste und seine Zurechtweisungen weniger aufgesetzt und von oben herab erscheinen als bei Drache. Jammerschade, dass man Regnier nicht häufiger in der Rolle des Ermittlers zu sehen bekam. Sein einmaliger Auftritt in dieser Rolle machen den Film zu etwas besonderem in der Reihe und lassen über manche Schwäche hinwegsehen. Dazu zählt auf Seiten der Darsteller Grit Boettcher, deren Darbietung äußerst dürftig ausfällt.

    Regisseur Gottlieb wandert einmalmehr inszenatorisch auf den Pfaden von Kollege Vohrer, was sich vor allem an impossible shots (Kaminfeuer, Uhr, Gemälde) und dem Einsatz von Zooms zeigt. Ein kleines eigenständiges Highlight stellt die gelungene Sequenz dar, in der die Kamera Arents Yoga-Perspektive einnimmt und sich einmal überschlägt. Im Gespann mit Richard Angst gelingen Gottlieb im Übrigen im Schloss und drumherum ausgenommen stimmungsvolle Bilder, die jenes Geisterbahn-Feeling verströmen, von dem die Wallace-Filme ein gutes Stück leben. Verstärkt wird die Atmosphäre der Bilder durch das Ultrascope-Format und die gelungene Musik-Komposition Martin Böttchers.

    Inhaltlich ist die Dopplung des Abtes gewöhnungsbedürftig. Zudem tut das Dialogbuch an entscheidenden Stellen sein Übriges, um den Betrachter gänzlich zu verwirren. Davon abgesehen ist die Motivation hinter dem "guten" Abt arg konstruiert. Entsprechend undankbar fällt der Part Alice Treffs aus.


    Trotz der inhaltlichen Schwächen ein Wallace-Beitrag, den man immer wieder gerne über sich ergehen lässt. 4,5 von 5 Punkten.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum18.02.2019 23:20
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Vielen Dank, Gubanov. Als ich vor etwas mehr als drei Jahren anfing, hätte ich wohl nicht gedacht, jemals auf 100 zu kommen. Aber das Genre hat es mir einfacch angetan. Die großartige Bildsprache, die oft vielschichtigen Storys, all die Hollywood-Größen - die "Schwarze Serie" hat einfach extrem viel zu bieten. Obwohl ich inzwischen einen guten Überblick habe, gibt es immer noch viel zu entdecken. Schön, dass du auch diesen Thread wieder mit einer Besprechung bereicherst. Sie lädt dazu ein, sich den "blonden Tiger" bald noch einmal vorzunehmen. Mit ihm bin ich zum Lizabeth Scott-Fan geworden. In "Martha Ivers" hatte sie ja noch einen eher kleineren Part, war mir mit ihrer Ausstrahlung allerdings auch bereits aufgefallen. "Späte Sühne", "Die toten Jahre" und "Pitfall" habe ich ebenfalls in (sehr) guter Erinnerung.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum14.02.2019 00:13
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich sehe den "Zinker" traditionell auch eher kritisch und halte ihn insgesamt für stark überschätzt. Das Hauptproblem des Films ist in meinen Augen der Mangel an interessanten Nebenfiguren, die auf der Seite des Verbrechens stehen. Ob bei der "Tür" die Figuren von Braun, Peters und Uhlen, im "Gasthaus" Flickenschildt, Hendriks und Engelmann - im "Zinker" herrscht in dieser Hinsicht "tote Hose". Pfitzmanns Sutton ist einfach nur langweilig, keine Figur, an der man sich reiben kann. Kinskis Potential wird mit der Rolle des stummen Krschnas auch mehr verschenkt denn genutzt. Andere potentiell interessante Figutren scheiden leider verfrüht aus der Handlung aus (Hendriks, Wischnewski). Mangels verdächtiger Personen fällt die Auflösung absolut vorhersehbar aus, zumal man sich des Tricks, dass der eigentliche Täter durch einen Mordanschlag von sich ablenken will, nun wirklich nicht zum ersten Mal innerhalb der Reihe bedient. Und wie schon geschrieben wurde, entpuppt sich dieser Zug diesmal als reichlich plumpe Irreführung. War Havelocks Handeln in der konkreten Umsetzung noch als Täuschung der Polizei zu rechtfertigen, wird vorliegend nur der Zuschauer getäuscht. Denn einen Grund, warum Sutton sich erst ins Bett legen und warten muss, bis die zahnlose Schlange unter der Decke hervorkriecht, besteht nun wirklich nicht, wenn er sie letzten Endes doch nur erschlägt. Das hätte er einfacher haben können. Auch bei den nicht verdächtigen Leuten hatte die Produktion diesmal ein nicht allzu glückliches Händchen. Das Auftreten der sonst durchaus geschätzten Inge Langen wirkt extrem aufgesetzt. Barbara Rütting vermag kaum Akzente zu setzen. In Ermangelung charismatischer Gauner gibt es dafür humortechnisch die volle Breitseite. Mit Arent, Schürenberg und Windeck wartet "Der Zinker" gleich mit drei für den nötigen Humor zuständigen Figuren auf. Auch wenn nicht jeder Gag zündet: Arent hatte schon weitaus nervigere Parts, die Chemie mit Schürenberg stimmt und Windecks Auftritt ist im Grundsatz ebenfalls durchaus amüsant, wenn ihr das Buch auch letztlich zu viel Raum einräumt und ihre Rolle in "Blackwood Castle" sich insgesamt schonender in den Film einfügt. Arents Löwengebrüll und das sprechende Portät am Ende sind allerdings doch eher störend. Ein darstellerisches Faustpfand hat der Film aber doch und das ist ohne Wenn und Aber Heinz Drache. Seine Figuren strotzen ohnehin immer vor Selbstbewusstsein, aber die Art und Weise, wie er hier seinen Kollegen und Zeugen ins Wort fällt und sowohl Gauner (Ledinek) als auch Personen aus höheren Geselschaftsschichten (Schürenberg) vorführt, sorgt für regelmäßiges Schmunzeln. Ansonsten präsentiert Vohrer sein ganzes inszenatorisches Repertoire (impossible shots, Zooms, Reptilien...), wobei vor allem die harten Schnitte und die häufigen Zooms angesichts des eher gemächlichen Tempos und der angeheiterten Grundstimmung eher deplatziert wirken. Die Ultrascope-Bilder sowie die Szenen im Schnee setzen im Gegenzug für optische Reizpunkte. Peter Thomas weiß sich zu steigern, zu den Höhepunkten seines Schaffens zählt die Musik zum "Zinker" jedoch mit Sicherheit nicht.

    Insgesamt fällt "Der Zinker" einfach in zu vielen wesentlichen Kategorien ab, als dass er zu den besten oder wenigstens zu den besseren Filmen der Reihe gezählt werden kann. Daher "nur" 3,5 von 5 Punkten.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum13.02.2019 00:19
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Während Gubanov sich endgültig auf der Zielgeraden befindet, habe ich inzwischen Collector's Box 5 durchgesichtet. Summa sumarum haben mir die Folgen vom Gesamteindruck wieder einen Ticken besser gefallen als diejenigen von Box 4, weswegen der Abwärtstrend einstweilen gestoppt wurde. Vor allem gibt es diesmal wieder mal eine Folge, der ich die Höchstwertung vergebe. Es handelt sich um "Zeuge Yurowski". Bernhard Wicki weiß in der titelgebenden Gastrolle voll zu überzeugen und porträtiert den hin- und hergerissenen Angestellten, der seine Sekretärin (Christiane Krüger) bei einem Raub mit unbekannten Komplizen auf frischer Tat erwischt, äußerst glaubhaft. Die Folge enthält einige besonders spannende Momente, neben dem Raub etwa die Szene, in der Krüger im Auftrag ihres für den Zuschauer in der Szene nicht erkennbaren und behandschuhten Komplizen bei Yurowski anruft. Auch die musikalische Untermalung erweist sich als spannungssteigernd. Und am Ende darf Derrick - Vohrer sei Dank - endlich mal wieder "die Sau raus lassen" und dabei einem der Täter ein Bein stellen und einen weiteren mit Pistolenfeuer an der Flucht hindern. Die Folge versprüht insgesamt das Flair der frühen Folgen. Ein weiters Highlight ist in meinen Augen "Das dritte Opfer", das Derrick in ungewohnter Urlaubslaune zeigt. Nach dem ungewohnten, aber allemal reizvollen Einstieg folgt ein äußerst gelungener Gastauftritt Heinz Draches. Das Podium wird durch "Ein Lied aus Theben" komplettiert. Story, der Auftritt Siegfried Wischneski und die von mir erahnte Auflösung haben mich überzeugt. Viel Potential hätte ob der grandiosen Besetzung (Horney, Uhlen, Krüger, Vosgerau, Messemer u.a.) und des viel versprechenden Einstiegs auch "Die Entscheidung" gehabt. Die ewigen Monoolge der nervigen Messemer-Figur sorgen jedoch schnell für Verdruss. Immerhin folgte dem späten ersten Auftritt Christaine Krügers bei "Derrick" schon bald mit "Zeuge Yurowski" ein zweiter und wesentlich gelungenerer. Tiefpunkt war für mich die filmische Depression "Der Tod sucht seine Abonnenten".

    Als Gaststars sind diesmal u.a. mit von der Partie: Heinz Drache, Judy Winter, Jutta Speidel, Klausjürgen Wussow, Christine Wodetzky, Jürgen Goslar, Siegfried Wischnewski, Peter Eschberg, Gisela Uhlen, Christiane Krüger, Brigitte Horney, Hannes Messemer, Karl Heinz Vosgerau, Dirk Dautzenberg, Ellen Schwiers, Horst Buchholz, Bernhard Wicki, Herbert Fleischmann


    Im Einzelnen würde ich die Folgen in diese Rangfolge bringen:

    01. Zeuge Yurowski (5/5)
    02. Das dritte Opfer (4,5/5)
    03. Ein Lied aus Theben (4,5/5)
    04. Hanna, liebe Hanna (4,5/5)
    05. Unstillbarer Hunger (4,5/5)
    06. Auf einem Gutshof (4/5)
    07. Die Versuchung (4/5)
    08. Ein tödlicher Preis (3,5/5)
    09. Eine unheimlich starke Persönlichkeit (3,5/5)
    10. Die Entscheidung (3,5/5)
    11. Tödliche Sekunde (3,5/5)
    12. Ein Kongress in Berlin (3/5)
    13. Karo As (3/5)
    14. Ein Todesengel (2,5/5)
    15. Der Tod sucht seine Abonnenten (1,5/5)

  • Sammelthread "Film Noir"Datum12.02.2019 22:34
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Steckbrief 7-73 (He Ran All The Way, USA 1951)

    Regie: John Berry

    Darsteller: John Garfield, Shelley Winters, Wallace Ford u.a.



    Film Noir Nummer 100:


    Ein Raub an einem Geldkurier bleibt für den Kleinkriminellen Nick Robey nicht ohne Folgen: Auf der Flucht erschießt er einen Polizisten, der zuvor seinen Komplizen mit einer tödlichen Kugel versehen hat. Zufällig lernt er unmittelbar danach die Bäckereisangestellte Peggy kennen. Er bringt sie nach Huase, um in ihrer Wohnung Unterschlupf zu finden...

    "Steckbrief 7-73" - die Motivation hinter diesem deutschen Verleihtitel erschließt sich dem Betrachter nicht - war der letzte Film John Garfields, der im jungen Alter von 39 starb. Seine letzte Rolle verlangt diesem großartigen Schauspieler noch einmal alles ab. Sein Nick Robey fristet ein tristes Dasein als Kleinkrimineller und lebt noch bei seiner Mutter. Der Coup gibt ihm eine Perspektive, er ist seine große Chance. Spätestens nach dem Vorfall im Zuge der Durchführung des Raubes schrillen bei ihm jedoch alle Alarmglocken. Robey ist extrem nervös und misstrauisch. Diese Eigenschaften stehen ihm nicht nur bei der ersten Kontaktaufnahme mit Peggy, gespielt von Shelley Winters, sondern auch im weiteren Verlauf ihrer Beziehung im Wege. Peggy ist zwar offensichtlich geschmeichelt von Nicks Avancen und lässt ihn sogar mit in die Wohnung, in der sie mit Eltern und ihrem kleinen Bruder lebt. Da Nick indes allzu schnell seine Tarnung aufgibt und Peggy sowie ihre Familie mit einer Waffe bedroht, kippt die Stimmung rasch. Nichtsdestoweniger hat Nick ganz offenbar eine anziehende Wirkung auf Peggy. Jedenfalls gelingt es ihm, die junge Frau wieder auf seine Seite zu ziehen und ihm bei weiteren Fluchtvorbereitungen zu helfen. Wäre da nicht sein großes Misstrauen und Peggys Vater, der sich seinen Hausfrieden nicht so einfach nehmen lässt. Der Film lebt von der energetischen Performance John Garfields und der sauberen Figurenzeichnung von Nick und Peggy. Die Schwankungen in der Beziehung zwischen beiden machen den Film unvorhersehbar. Der Überfall zu Anfang ist darüber hinaus äußerst dynamisch und für damalige Verhältnisse alles andere als zimperlich inszeniert. Im Anschluss gibt es atmosphärische Bilder in einem öffentlichen Schwimmbad, die eine interessante Umgebung für das zufällige Kennenlernen von Nick und Peggy bilden und den Zuschauer beruhigen. Sobald sich das Geschehen in Peggys Wohnung verlagert, werden die optischen Schmankerl naturgemäß weniger. Von da an lebt der Film von seiner Dichte und der offensichtlich bevorstehenden Zuspitzung des Konflikts. Das Ende erscheint konsequent und wartet aus Sicht der Haupfigur mit einer bitterbösen Schlusspointe auf. Alles in allem kurze und knackige Noir-Unterhaltung.


    John Garfield läuft in seiner letzten Rolle als Kleinganove Nick Robey noch einmal zu großer Form auf und sorgt in Kombination mit der sauberen Figurenzeichnung für kurzweilige Noir-Unterhaltung. 4,5 von 5 Punkten.

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