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  • Lobster (1976, TV)Datum15.02.2018 19:14
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Trotz DVD-Veröffentlichung wurde wenig über die Serie geschrieben. Nach Sichtung aller sechs Folgen kann ich dies durchaus nachvollziehen.

    Heinz Baumann spielt Lobster, einen faulen Privatdetektiv, der seine Klienten regelmäßig beim Frühstück im Bett empfängt und chronisch pleite ist. Die Ehefrau ist ausgeflogen und die mit in der Wohnung lebende Tochter bringt auch nicht viel Geld ein. Indes "verirren" sich immer wieder Leute bei Lobster, die auf die die Dienste dieses eigenwilligen Detektivs zählen...

    Die Grundidee ist ja durchaus nett und Heinz Baumann gibt den dem Müßiggang frönenden Schnüffler mit Wonne. Leider mangelt es oft an Inszenierung und Inhalt. So spielen etwa die Folgen "Der Einarmige" und "Handschellen" überwiegend in Lobsters Wohnung. Bieten schon die Schauplätze in jenen Folgen keine Abwechslung, so bringt auch die Regie kaum Farbe ins Spiel. Folge sind Langatmigkeit der Episoden und Desinteresse beim Zuschauer. Stark gewöhnungsbedürftig ist auch Léonie Thelen als Tochter Lobsters.


    Zumindest zwei Folgen können jedoch überzeugen und mögen hier hervorgehoben werden.

    Zum einen ist dies die Episode "Zwei Fliegen". Dort erhält Lobster den Auftrag, die Frau eines reichen Geschäftsmannes zu überwachen, die knapp einem Bombenanschlag in den eigenen vier Wänden entkommen ist. Die zu Beschützende wird von der wunderbaren Andrea Jonassson verkörpert, die gerne außerehelichen Aktivitäten nachgeht und so auch vor Lobster nicht lange Halt macht. Ihren Ehemann spielt der im deutschen Kriminalfilm der 1970er-Jahre omnipräsente und rein optisch die Idealbesetzung für eine Real-Verfilmung von "Kommissar Kugelblitz" darstellende Herbert Fleischmann. Nette Story, starke Gaststars - runde Sache.

    Zum anderen genannt sei die Folge "Stirb!". Ein befreundeter Bankier Lobsters bittet um Mithilfe, da er Angst um seinen labilen Sohn hat. Kurz darauf wird Lobsters Freund tot aufgefunden. Zuvor hatte er der verwöhnten Familie im Beisein Lobsters noch gebeichtet, dass er vor dem Bankrott stehe. Eine Episode voller illustrer Gaststars. Richard Münch gibt den Bankier, Gisela Uhlen die opportunistische Ehefrau, Günther Stoll ihren Bruder. Generell werden die Spleens der reichen Familie sehr anschaulich dargestellt, auch wenn mitunter ein wenig übers Ziel hinaus geschossen wird. Trotzdem sehenswert.


    Neben den genannten Gaststars sind in anderen Episoden noch u.a. folgende Darsteller zu sehen: Ivan Desny, Heinz Bennent, Walter Kohut, Louise Martini.


    "Lobster" ist in der kurzlebigen Reihe "Straßenfeger präsentiert: Krimi Klassiker" erschienen. Die Bildqualität schwankt zwischen mäßig bis zufriedenstellend. Dazu gibt es ein Booklet mit Inhaltsangabe zu den Episoden und Hintergrundinformationen. Komischerweise halten die DVDs nicht die Ausstrahlungsreihenfolge ein, wie sie im Booklet angegeben ist. Alles in allem ist "Lobster" also nur bedingt empfehlenswert. Immerhin ist die DVD-Edition inzwischen für weniger als 10€ zu haben.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    I wie Ikarus (I...comme Icare, FR 1979)

    Regie: Henri Verneuil

    Darsteller: Yves Montand, Pierre Vernier, Jacques Sereys, Jean Négroni u.a.



    Der kurz zuvor wiedergewählte Staatspräsident Jarry fällt einem Attentat zum Opfer, während er in einem Cabrio mit offenem Verdeck sitzend durch eine Menschenmenge fährt. Eine eingesetzte Untersuchungskommission kommt nach einjährigen Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass ein Alleintäter namens Daslow für den Tod des Präsidenten verantwortlich ist. Generalstaatsanwalt Volney ist in entscheidenden Punkten anderer Auffassung als seine Kollegen und darf einer Regelung zufolge, der sich die Kommission unterworfen hat, alleine weiter ermitteln. Bei diesen Ermittlungen mehren sich rasch die Indizien, dass die Alleintätertheorie falsch sein könnte...

    Angelehnt an das Kennedy-Attentat erschuf Henri Verneuil einen bemerkenswerten Verschwörungsthriller, der trotz ruhiger Inszenierung die Spannung über zwei Stunden hochhält. Der Film beginnt sogleich mit den Bildern des Attentats. Der Zuschauer sieht, dass das Gewehr des vermeintlichen Alleintäters Daslow nicht geladen war und der Schuss von einem anderen unbekannten Schützen stammt. Ebenso wird man Zeuge, dass Daslow nicht Selbstmord beging, sondern von einem anderen erschossen wurde. Dieser Wissensvorsprung kreiert zugleich Neugier im Hinblick auf den wahren Täter und Sympathie für Generalstaatsanwalt Volney, weil man weiß, dass dieser auf der richtigen Spur ist. Mit Spannung verfolgt man die Ermittlungen und die Entdeckung neuer Indizien, die Volney Schritt für Schritt in Richtung Aufspürung der Verschwörung bringen. Ob der vermeintliche Augenzeuge des Attentats, der sich während des Attentats an einem Platz wähnte, an dessen Stelle in Wahrheit ein Fernsehaufnahmewagen stand oder die Erkenntnis, dass die Patronen niemals so schön nah beieinander angeordnet auf den Boden getroffen sein können, wie die Fotos am Tatort es dokumentieren wollen.

    Einen prominenten Platz im Verlauf der Handlung nimmt die Begutachtung eines dem sog. Milgram-Experiment entsprechenden Vorgangs durch Volney ein. Der mutmaßliche Attentäter Daslow hatte an diesem Experiment, das von einer Universität durchgeführt wird, teilgenommen. Darin muss ein sog. "Lehrer" seinem "Schüler" eine Liste von Begriffspaaren, die jeweils aus einem Nomen und einem Adjektiv bestehen, vorlesen. Danach muss er sie wie bei einem Vokabeltest nacheinander "abfragen". Bei falscher Antwort ist er angehalten, dem "Schüler" einen Stromstoß zu verpassen. Bei jeder falschen Antwort nimmt die Stärke zu. Getestet werden soll dabei, inwieweit Staatsbürger bereit sind, gegenüber einem ihnen unbekannten Menschen Folter anzuwenden, wenn hinter dem Ganzen eine staatliche oder wissenschaftliche Autorität steckt. Die Besichtigung des Experiments und die Ausführungen des neben ihm sitzenden Professoren lassen in Volney die Erkenntnis reifen, dass der Täter in einen organisatorischen Machtapparat eingebunden sein muss.

    Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Untermalt von der gelungenen Musik Ennio Morricones, bietet "I wie Ikarus" Thriller-Unterhaltung auf höchstem Niveau. Yves Montand gibt sich als Generalstaatsanwalt Volney so analytisch, wie der Film von seiner Erzählweise herüberkommt. Ohne exzessive Gewalt-Schilderungen oder überdramatische Momente kommt Regisseur Verneuil während der knapp zweistündigen Laufzeit aus und liefert dennoch oder gerade deshalb ungemein fesselnde Unterhaltung. Neben Montand sieht man u.a. Pierre Vernier, der hier im Forum z.B. auch aus "Das Mädchen von Hongkong" oder einer Folge "Graf Yoster gibt sich die Ehre" bekannt sein könnte.

    Die Blu-Ray von StudioCanal wird dem Film bildtechnisch absolut gerecht. Extras leider Fehlanzeige.


    Fesselnder Verschwörung-Thriller Henry Verneuils, der durch seine ruhige, analytische Inszenierung beinahe hypnotische Wirkung erzeugt. Sehr zu empfehlen! 5 von 5 Punkten.

  • Playgirl (1966)Datum12.02.2018 13:29
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Habe den Film vor ein paar Monaten erstmals gesehen, nachdem mir "Die endlose Nacht" bei der zweiten Sichtung ziemlich gut gefallen hatte. Dem Film gelingt es, dass einem irgendwann eine inhaltlich stringente Story gar nicht mehr richtig interessiert, man will einfach den Weg dieser jungen Frau weiter verfolgen. Die Atmosphäre des Films und die wuselige Performance von Eva Renzi ziehen den Betrachter wahrhaft in den Bann. Berlin-Freunde oder Renzi-Fans sehen sich "Playgirl" sowieso an, weder das eine noch das andere erscheint aber als Grundvoraussetzung, um an dem Film seine Freude zu haben.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Fall Nr. 15: Der Feinkosthändler (Tatort-Folge 91, BRD 1978)

    Regie: Hajo Gies

    Darsteller: Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Walter Kohut, Kai Taschner, Marie-Luise Millowitsch, Karin Eickelbaum, Christiane Hammacher, Kathrin Ackermann u.a.



    Die attraktive und verwitwetete Frau Böhmer kommt spät abends frühzeitig aus dem Urlaub zurück und klingelt bei Herrn Wever, der einen Lebensmittelmarkt betreibt, ob er für sie das Geschäft nochmal öffnen könne, da sie nichts zu Hause habe. Wever begleitet Frau Böhmer in sein Geschäft und anschließend mit nach Hause. Am Tag darauf wird Böhmer tot aufgefunden. Von einer Mitarbeiterin Wevers erfährt Kommissar Haferkamp, dass ihr Chef mit dem Opfer ein Verhältnis gehabt haben soll...

    „Der Feinkosthändler“ weicht insofern vom Gros der anderen Folgen ab, als bis zur Hälfte der Episode nicht klar ist, wer für den Tod von Frau Böhmer rechtlich einzustehen hat. Verdächtig ist freilich Herr Wever, prinzipiell in Betracht kommt natürlich die Ehefrau, sollte sie hinter die Affäre des Mannes gekommen sein. Zugang zur Wohnung hatte zudem die Mitarbeiterin Wevers, die während der Abwesenheit Frau Böhmers gemeinsam mit ihrer Mutter im Haus nach dem Rechten sehen sollte. Die junge Frau hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Chef und unterhält heimlich ein Verhältnis zu dessen Sohn.

    Dieser zweite von Hajo Gies inszenierte Haferkamp-Tatort würde wohl besser in eine Reihe wie „Der Kommissar“ passen, in dem psychologische Provinz-Studien regelmäßig zum theamtischen Potpurri gehören. Zudem wurden wieder Teile der Episode in der Nähe von München gedreht. Schließlich gibt der Fall inhaltlich nicht sonderlich viel her und hätte ebenfalls in „Kommissar-Länge“ abgehandelt werden können, zumal ab der Hälfte dann doch die Täterschaft gelüftet wird und die Spannung weitgehend raus ist. Die Figur des Feinkosthändlers Wever und dessen Entwicklung ist zwar nicht uninteressant und seitens Walter Kohuts auch gut gespielt, doch das reicht nicht, um das Interesse an diesem recht simplen Fall über knapp 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zur ebenfalls von Gies inszenierten Episode „Das Mädchen von gegenüber“ fällt auch die Inszenierung eher unspektakulär aus. Die weiteren Darsteller, Mariele Millowitsch als Angestellte Wevers und dessen Film-Sohn Kai Taschner, bleiben blass.

    Haferkamps Privatleben wird weiterhin maßgeblich von Ex-Frau Ingrid geprägt. Die beiden spazieren gemeinsam an der Ruhr und gehen Ingrid zuliebe ins Theater, wofür Haferkamp sogar einen alten Anzug aus der Mottenkiste holt.


    „Der Feinkosthändler“ würde mit seiner psychologischen Provinz-Studie besser in die Reihe „Der Kommissar“ passen. Storytechnisch gibt die Folge eher wenig her und die Spannung baut ab der Hälfte stark ab. Immerhin spielt Walter Kohut als zentrale Figur gut auf und hält das Interesse des Zuschauers überwiegend aufrecht. Für diese doch recht unspektakuläre Folge gibt es nur 3 von 5 Punkten.

  • Bewertet TV: "Das Halstuch" (1962, 3)Datum10.02.2018 22:14
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #75
    ... von denen du dich aber nicht abschrecken lassen solltest, nachdem du dich nun recht enthusiastisch zum "Halstuch" geäußert hast, @patrick! Besonders empfehlenswert dürften eher "Melissa" und "Wie ein Blitz" sein.



    "Die Schlüssel" habe ich länger nicht gesehen, würde ich aus dem Gedächtnis so im Mittelfeld einordnen. Für @patrick hat er zumindest einen bekannten Wallace-Akteur als Faustpfand. Sonst bin ich bei dir, "Melissa" und "Wie ein Blitz" sind sicher besser, "Das Messer" würde ich ebenfalls noch aufnehmen. Wobei @patrick ja schon mehrfach sagte, dass er mit 70-er-Atmo nicht so viel anfangen kann. Insofern wäre wohl "Melissa" der "verantwortungsvollste" Tipp.

  • Bewertet TV: "Das Halstuch" (1962, 3)Datum10.02.2018 22:03
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Schön, dass dir dein persönlicher Durbridge-Einstieg Freude gemacht hat. Ich hoffe, du bleibst dran und erfreust uns mit weiteren Besprechungen zum Thema. Zumidest "Die Schlüssel" liegen dir ja schon mal vor.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Vielen Dank für das Angebot! Wenn du schon viele Infos hast, wirst du wahrscheinlich auch schon Vieles gefragt haben. Mich würde neben der Frage, ob eine Fortsetzung geplant war z.B. interessieren, wie am Set so die Atmosphäre zwischen den französischen und den deutschen Akteuren war, z.B. zwischen Marianne Borgo und Erik Ode und den anderen Hauptdarstellern. Wie lange man damals für eine solche Episode drehte, würde mich auch generell mal interessieren. Es heißt ja immer, dass früher die Zeitpläne nicht ganz so eng getaktet waren wie heute.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Fall Nr. 14: Lockruf (BRD 1978)

    Regie: Wolfgang Becker

    Darsteller: Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Herbert Fleischmann, Agnes Fink, Gracia Maria Kaus, Karin Eickelbaum, Dieter Schidor, Sonja Jeannine u.a.



    Frau Huck ist verstimmt, denn „ihre“ Männer haben sich emotional von ihr distanziert. Der Ehemann hat ein Verhältnis zu einer Geschäftspartnerin, gibt regelmäßig vor, geschäftlich in Frankfurt zu tun zu haben, während er sich tatsächlich ein paar schöne Stündchen mit seiner Geliebten in der Wochendendhütte der Hucks macht. Der gerade volljährige Sohn wiederum bleibt entgegen seiner früheren Gewohnheiten oft über Nacht ohne Angabe von Gründen weg und „treibt sich herum“. Er hat sich in ein Mädchen verliebt, das aus einem Fürsorgeheim ausgebrochen ist. Während Herr Huck tatsächlich einmal geschäftlich verreist ist, nimmt der Sohnemann seine Herzdame mit in das Wochenendhäuschen. Frau Huck, die längst hinter die Affäre des Gatten gekommen ist, ist krank vor Eifersucht und fest entschlossen, die ihr unbekannte Geliebte des Mannes für den Eintritt in ihr Leben mit dem Tode zu bestrafen. Sie nimmt sich ein Gewehr aus einem Schrank in der Wochenendhütte und schießt mit einem gezielten und tödlichen Schuss auf eine junge Frau, die in einem ihrer Mäntel in der Nähe der Hütte durch den Wald spaziert und die sie daher für die Geliebte ihres Mannes hält. Bei der vom Schuss getroffenen Frau handelt es sich indes um die Flamme ihres Sohnes...

    Das Thema Ehebruch gab es als Kernthema bereits in „Abendstern“, diesmal kommt es hingegen nochmal in einem anderen Gewand daher, denn hier ist die betrogene Ehefrau selbst die ausführende Täterin. Dass sie einem Identitätsirrtum unterliegt, gibt dem Ganzen nochmals eine besondere Note. So verfolgt der Zuschauer mit besonderer Aufmerksamkeit, wie Frau Huck zunächst darauf reagiert, dass ihr Mann ihr gegenüber glaubhaft versichert, die Tote nicht zu kennen und wenig später, als durch ihre Tat noch ihr eigener Sohn unter Mordverdacht gerät. Dass sie mit diesem Irrtum nicht aufräumt, lässt tief blicken und unterstreicht nochmal den eigensüchtigen Eindruck, den sie schon mit ihrer Tat erweckt hat. So kommt es, dass sich Herr Huck zum „Helden“ aufschwingen und sich für den eigenen Sohn „opfern“ muss. Da er sich dabei nicht sonderlich glaubhaft und geschickt verhält, ist dieses Vorhaben freilich zum Scheitern verurteilt. Die wahre Täterin muss schließlich mit ungesetzlichen Methoden überführt werden. So schlägt Kreutzer Haferkamp vor, Frau Huck mit einer fingierten Erpressung zu überführen. Dies untersagt Haferkamp bestimmt und ist schwer überrascht, als Frau Huck scheinbar doch erpresst wird. Während er diesbezüglich seinen Kollegen unter Verdacht hat, stellt sich bald heraus, dass den Beamten von dritter Seite unter die Arme gegriffen wird.

    Mit „Lockruf“ bekommt der geneigte Betrachter abermals einen geschickt konstruierten und äußerst kurzweiligen Fall geboten. Bis Haferkamp zum ersten Mal die Szenerie betritt, sind bereits stolze 35 Minute vergangen, die wie im Fluge vergangen zu sein scheinen. Zunächst werden der Erzählstrang um Herrn und Frau Huck sowie die von Gracia Maria Kaus dargestellte Geliebte von Herrn Huck einerseits und das Kennenlernen und Verlieben des Sohnemannes Heiko Huck mit seiner Sabine anderseits parallel erzählt, ohne das klar ist, dass es sich bei Heiko um den Sohn der Hucks handelt. Dies erzeugt freudige Anspannung, weil sich der Zuschauer unweigerlich fragt, warum diese scheinbar unzusammenhängenden Stränge eingeführt werden und wie diese zusammengebracht werden könnten. Aber auch das Geschehen nach dem Tod Sabines sorgt für grundsolide Kurzweil, vor allem durch die genannten Verhaftungen von Heiko Huck und anschließend Vater Huck mitsamt der Reaktionen Frau Hucks. Die Figur des Herrn Huck wird von Herbert Fleischmann verkörpert, der im deutschen Krimi dr 1970er-Jahre sicher zu den fleißigsten Akteuren zählt und sich mit seinem Aussehen in diesem Jahrzehnt dermaßen ins Gedächtnis des Zusehers gebrannt hat, dass man immer wieder überrascht ist, ihn mal in Produktionen der 1960er-Jahren mit dunklen und noch kurzen Haaren zu sehen. Dieser vielseitige Schauspieler weiß wie eigentlich immer seine Rolle gewinnbringend anzulegen. Es gelingt ihm, durch sein Verhalten im Laufe des Falles die Sympathien des Zuschauers auf sich zu ziehen, zumal man selbst sein „moralisches Vergehen“, den Ehebruch, zunehmend nachvollziehen kann. Mit Gracia Maria Kaus und Sonja Jeannine hat die Folge überdies noch zwei echte „Hingucker“ parat, die ihre jeweiligen Rollen zudem noch überzeugend ausfüllen.

    Nach einer Pause in der letzten Episode ist auch Karin Eickelbaum wieder mit von der Partie. Da sie beruflich mit der Geliebten von Herrn Huck zu tun hat, setzt sie Haferkmap erst darüber in Kenntnis, dass die beiden schon länger ein Verhältnis haben. Ansonsten erfährt der Zuschauer im Rahmen einer privaten Party, die Ingrid Haferkmap gibt, dass ihr Ex-Mann derlei Feiern nicht sonderlich schätzt.


    „Lockruf“ präsentiert einmalmehr einen geschickt konstruierten Fall, der 90 Minuten sehr ordentliche Krimi-Unterhaltung bietet und die Spannung auch nach dem Leichenfund durchgängig aufrechtzuerhalten vermag. Die Episode ist insgesamt daher zu den bisher besten zu zählen. 4,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Inzwischen habe ich mir auch die zweite Staffel der Serie angesehen.

    Im Unterschied zur ersten Staffel sind die Geschichten nicht mehr auf zwei Folgen aufgeteilt, vielmehr ergibt eine Episode eine Geschichte. Dieser Umstand kommt der Serie durchaus zugute, denn die Storys von Staffel 1 gaben oft nicht eine Gesamt-Lauflänge von 50 Minutren her. Die Stamm-Besetzung ist gleich geblieben und man muss sagen, dass die Chemie der Hauptdarsteller definitiv stimmt, was zumindest bei Erik Ode und Hilde Volk natürlich kaum verwundern kann. Aber auch Hans-Joachim Frick als Kommissar Giraud spielt seine Rolle sehr sympathisch und agiert gut mit Ode zusammen. Ode selbst ist als pensionierter Kommissar Ott noch einen Ticken liebenswerter als in seiner bekannteren Rolle als Kommissar Keller, auf die hier freilich immer wieder angespielt wird. Es macht Spaß, diesem älteren Herren bei seinem Ruhestand zuzusehen. Immer noch neugierig, aber nicht ganz so arrogant wie mitunter als Kommissar Keller kommt er hier herüber. Zum besonderen Charme der Reihe trägt neben den wunderbaren Schauplätzen auch die attraktive Marianne Borgo als Tankstelleninhaberin Claudine bei. In Satffel 2 drehen sich ihre Auftritte zudem dankenswerterweise nicht mehr um den ohnehin wenig passenden deutschen Verlobten, den sie in Staffel 1 noch hatte. Ein Interview mit ihr als Extra wäre sehr interessant gewesen. Man hätte sie etwa fragen können, wie sie als Französin diese deutsche Serie gesehen hat und wie sie dafür engagiert wurde. Abstriche muss man nicht nur - wie bei einer solchen Serie nicht anders zu erwarten - in Sachen inhaltliche Tiefe machen, sondern auch hinsichtlich der Gaststars, denn diesbezüglich fällt die Riege sowohl in qualitativer als auch vor allem in quantitativer Hinsicht überschaubarer aus. Nennenswert wären Lukas Ammann (eher weniger gelungener Auftritt), Reinhard Koldehoff, Edith Hancke, Rudolf Schündler, Carl-Heinz-Schroth und Walter Richter.

    Generell nimmt die Qualität der Folgen meinem subjektiven Empfinden nach hinten heraus ab, die Highlights kommen eher zu Anfang. Trotzdem eine Serie, die man sich gewiss immer mal wieder ansehen kann. Ein großes Lob gebührt Pidax, die Serie wird in einm top restaurierten Bild wiedergegeben, was bei den vielen schönen Landschaftsaufnahmen natürlich von Vorteil ist.

    Weiß jemand, ob damals angedacht war, die Serie fortzusetzen? Erik Ode zog sich ja ein Jahr später aus gesundheitlichen Gründen plötzlich aus dem Geschäft zurück.

  • Bewertet TV: "Das Messer" (1971, 10)Datum04.02.2018 22:56
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Nur eine Vermutung meinerseits, aber ich war bei meiner ersten Sichtung auch nicht ganz so begeistert vom "Messer" wie zuletzt. In der Zwischenzeit hatte ich ein paar mehr deutsche Kriminalfilme aus den 1970ern gesehen. Die Atmosphäre, die in diesem Jahrzehnt vorherrscht, ist ja doch eine ziemlich andere als in den seeligen 1960ern, die man, wenn man von Wallace kommt, oft auch erstmal nicht so mag. Nicht wenige lernen die Atmospähre, die in Krimis aus den 1970ern vorherrscht, im Laufe der Zeit mehr zu schätzen. (Ging euch ja glaube ich grundsätzlich auch so.) Zumindest bei mir hatte das sicher einen erheblichen Anteil daran, dass ich "Das Messer" nunmehr wesentlich stärker sehe. Möglicherweise geht es euch ja ebenso. Würde mich freuen.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Fall Nr. 13: Rechnung mit einer Unbekannten (Tatort-Folge 87, BRD 1978)

    Regie: Wolfgang Becker

    Darsteller: Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Peter Matic, Edith Hancke, Susanne Beck, Gertrud Kückelmann, Nicole Heesters u.a.



    Josef Rosenkötter, ein Brennstoffhändler aus Essen, steckt in schweren finanziellen Schwierigkeiten. Da käme ihm die Million, die im Falle des Todes seiner Ehefrau aus einer zu seinen Gunsten abgeschlossenen Versicherung an ihn ausgezahlt werden würde, gerade recht. Doch sterben soll (zunächst) nicht seine Frau, sondern eine Unbekannte aus Mainz, die er über ein Inserat kennengelernt hat. Nachdem Rosenkötter die Unbekannte in seinem Haus umgebracht hat, besucht er mit seiner in den Plan eingeweihten Frau eine Party und verschafft sich so das perfekte Alibi: Frau Rosenkötter verlässt die Feier unter einem Vorwand rasch wieder und taucht mit der Identität der Unbekannten unter, während Herr Rosenkötter später am Abend den Fund der Leiche der "falschen" Ehefrau der Polizei meldet. Damit ist für ihn der Plan aber nur halb vollendet. Er hat eine Affäre mit einer jungen Lehrerin, die bei den Rosenkötters zur Untermiete wohnt. Da seine Ehefrau offiziell ohnehin als tot gilt, sollte es doch ein Leichtes sein, diese zu beseitigen und sich mit der Geliebten ein schönes Leben mit der Summe aus der Versicherung zu machen...

    "Rechnung mit einer Unbekannten" orientiert sich vom Aufbau zunächst wiederum an "Columbo": der Täter ist von Anfang an bekannt. Doch anders als überwiegend bei dem US-Vorbild mit Peter Falk anzutreffen, konzentriert sich der Fall nicht auf das Duell zwischen Täter und Ermittler, sondern mehr auf den weiteren Verlauf in der Dreiecksbeziehung der Rosenkötters und der Lehrerin. Das Drehbuch ist sehr gut konstruiert und lässt das Publikum anfänglich in vielerlei Hinsicht im Unklaren. So fragt man sich, warum ein scheinbar gut situierter und dazu verheirateter Geschäftsmann eine Frau per Inserat sucht, um sie dann umzubringen. Ein Serientäter? Weit gefehlt. Rosenkötter hat handfeste fiskalische Interessen, die er über das Leben der sympathischen Ulknudel Edith Hancke, die man nur ungern ins Gras beißen sieht, stellt. Die erste Überraschung folgt auf den Fuß: die Ehefrau ist nicht nur in den Plan eingeweiht, sondern nimmt auch eine wichtige Funktion zum Gelingen des Plans ein: sie verschafft dem Ehemann ein Alibi, soll die Waffe verschwinden lassen und dann zeitweise untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen ist und man sich im Anschluss ein schönes Leben machen kann. Zwangsläufig drängt sich beim Zuseher die Frage auf, ob der Plan nicht schon daran scheitern muss, dass die Polizei doch sicher die Identität des Opfers nachprüfen wird. Haferkamp hat zwar sofort Zweifel im Hinblick auf Rosenkötter, jedoch nicht bezüglich der Identität der Leiche. Dann taucht die Untermieterin der Rosenkötters auf und will die Tote gerne nochmal sehen. Ein echter Suspense-Moment, man fragt sich unweigerlich, wie das denn nun "gut gehen" soll aus Sicht Rosenkötters. Oder wird sich die Untermieterin nach Besichtigung der Leiche gar zur Erpresserin aufschwingen? Irgendwie muss der Films schließlich weiter gehen. Aber nein, es folgt die nächste Überrschung: die Untermieterin spielt mit! Soll sie etwa auch beteiligt werden an der Auszahlung? Im Ergebnis richtig, Rosenkötter hat allerdings ein Verhältnis zu ihr und plant nun, die offiziell bereits beerdigte Frau Rosenkötter und Mitwisserin tatsächlich umzubringen, um mit der Geliebten durchzubrennen. Ein perfekter Plan eigentlich, doch da hat Rosenkötter die Rechnung ohne seine Frau gemacht, die offenbar mit gesunder Skepsis ausgestattet ist...

    So nimmt der Plot immer wieder interessante Wendungen, die eigentlich die Basis schaffen sollten, um im Falle von "Rechnung mit einer Unbekannten" von eienr echten Highlight-Folge sprechen zu können. Doch dies ist summa summarum nicht der Fall. Dies liegt zum einen am hohen Niveau der anderen bisherigen Haferkamp-Tatorte, zum anderen aber daran, dass die Episode durchaus Schwächen aufweist, die insbeondere bei der Besetzung zu suchen sind. Peter Matic und Gertrud Kückelmann als Ehepaar Rosenkötter machen ihre Sache zwar gut, reißen aber auch nicht richtig mit. Hier wäre sicher noch Potential nach oben gewesen. Ziemlich blass und daher kein der Rolle gerecht werdender Faktor ist zudem Susanne Beck. Das führt in Konsequenz auch dazu, dass man als Zuschauer irgendwann nicht mehr in der Weise mitfiebert, wie man es vielleicht bei einer anderen Besetzung getan hätte. Auch in dem Duell zwischen Rosenkötter und dem Kommissar wäre sicher noch Luft nach oben gewesen. Nicht zuletzt muss man in der Folge auf Karin Eickelbaum verzichten, dabei hätte der vorliegende Fall doch reichlich Potential für ironische Zwiegespräche über die Ehe geboten. Ersatzweise sieht man Haferkamp mit Kollegen Kreutzer in der Kneipe. Dort erklärt der sichtlich angetrunkene Haferkamp seinem Kollegen gegenüber, er würde aus dem Grab heraus seine Ex-Frau umbringen, wenn sie im Falle seines Todes wieder mit anderen Männern verkehren würde. Dies offenbart einmalmehr, welch starke Gefühle der Kommissar noch für seine einstige Gattin hat.


    "Rechnung mit einer Unbekannten" bietet einen starken Plot mit einigen Überraschungen und spannunsgsteigernden Wendungen. Das Ganze hätte den Betrachter bei einer etwas profilierteren Besetzung indes noch weitaus mehr mitreißen können. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Fall Nr. 12: Das Mädchen von gegenüber (BRD 1977)

    Regie: Hajo Gies

    Darsteller: Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Jürgen Prochnow, Gerhard Theisen, Herlinde Latzko, Karin Eickelbaum u.a.



    Beim Versuch, sich seiner Klassenkameradin Bärbel anzunähern, tötet Kalle sie unwillentlich. Kalle flieht, als am Tatort sein Lehrer Linder auftaucht. Dieser hatte mit seiner minderjährigen Schülerin ein Verhältnis und wollte sich mit ihr treffen...

    "Das Mädchen von gegenüber" ist eine Folge, in der der Zuschauer gleich zu Anfang die wesentlichen Informationen erhält, insbesondere, wer der Täter ist. Im weiteren Verlauf muss folglich auf das letzte Fünkchen Ungewissheit, das von vielen anderen Episoden zu Anfang noch ausgeht und woraus in Verbindung mit überraschenden Wendungen im Laufe der Folge oft Spannung gezogen wird, verzichtet werden. In der vorliegenden Episode stellt sich allenfalls noch die Frage, ob Haferkamp die Tat rechtzeitig wird aufklären können, denn Kalle kommt darüber nicht hinweg und plagt sich mit Selbstmordgedanken, während sich der Kommissar auf den Lehrer Linder eingeschossen hat.

    Trotzdem gelingt es der Folge, den Zuschauer ordentlich zu unterhalten. Gies verwendet eine interessante, auf Haferkamp-Tatort-Pfaden noch unbekannte Bildsprache. So spielt er gerne mit Licht, etwa auf der Kirmes, von der aus Kalle Bärbel verfolgt und auf der sich auch der Showdown der Folge ereignet, oder, indem er nachts belichtete Zugwagons an Kalles Fenster vorbeirauschen lässt. Dankenswerterweise betreibt das Buch nicht allzu viel oberflächliche Psychologie und konzentriert sich anders als möglicherweise zu erwarten keinesfalls ausschließlich auf Kalle. Im Gegenteil, in mancher Phase nimmt gar das Schicksal seines Lehrers Linder die Oberhand, vor allem, weil sich Haferkamps Verdacht schnell auf ihn konzentriert, da er Kalles Verhalten falsch deutet. (Dies stellt in gewisser Weise eine konsequente Fortführung der Episode "Fortuna III" dar, hat Haferkamp doch auch dort Probleme, sich in die minderjährige Hauptfigur hineinzuversetzen.) Linder pflegt mit seiner Frau eine "offene Ehe", so offenherzig, dass er sofort zugibt, ein Verhältnis zu einer Minderjährigen zu haben, ist der Lehrer seiner Gattin gegenüber freilich dennoch nicht. Haferkamp scheint bei ihr zunächst offene Türen einzurennen. Der Ermittler erscheint ihr sofort sympathisch. Sie lädt ihn nachdrücklich zu einem Kaffee ein und die beiden lauschen einer Miles Davis-Platte, die Haferkamp auch im Zimmer der Toten gefunden hat. Da er so die erste Fährte wittert, flaut der Flirt indes schnell wieder ab, da sich Gattin Linder im weiteren Verlauf trotz aller Vorwürfe ausgenommen loyal ihrem Mann geegnüber verhält und fest an seine Unschuld glaubt.

    Mit Ex-Frau Ingrid redet Haferkamp auch über die "offene Ehe", er bevorzugt jedoch "klare Verhältnisse", was Ingrid ein wenig belustigt, ist in der Beziehung zwischen beiden genauer betrachtet doch ebenfalls einiges "unklar". Außerdem sprechen sie über die Anfangszeit ihrer Zweisamkeit, in der sie einen romantischen Urlaub in der Lüneburger Heide verbrachten, in die sie damals mit einem Motorroller anreisten. Haferkamp bekundet, gerne wieder mit Ingrid in Urlaub fahren zu wollen, am liebsten abermals - der guten alten Zeiten willen - in die Lüneburger Heide. Er begleitet Ingrid außerdem zum Zug, als sie aus beruflichen Gründen verreisen muss. Am Ende der Folge telefonieren die beiden. Haferkamp, vom tragischen Ausgang des Falles noch sichtlich mitgenommen, gesteht Fehler ein und bekennt, sich verrannt zu haben. Ingrid versucht zu beschwichtigen und meint: "Du hast bestimmt getan, was du konntest". Darauf Haferkamp: "Tja, dann kann ich eben nichts". Anders als gewohnt ist der Abspann mit Musik aus der Folge und nicht mit der klassischen Tatort-Melodie unterlegt, was zum stimmungsvollen Ausklang beiträgt.


    "Das Mädchen von gegenüber" bietet zwar wenig Spannung, erzählt seine Geschichte aber in stimmigen, von ruhiger (Jazz-) Musik unterlegten Bildern und verzichtet auf vordergründige Psychologie. Noch 4 von 5 Punkten.

  • Finale in Berlin (1966)Datum30.01.2018 19:24
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Danke, aber Sky habe ich nicht. Vielleicht erbarmt sich ja mal eines der dritten Programme, Arte, 3Sat oder ein Sender wie Tele5... Oder eben Neu-VÖ auf DVD/Blu-Ray.

  • Bewertet TV: "Tim Frazer" (1963, 4)Datum30.01.2018 19:19
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das würde ich auch so sehen, Felmy ist doch auch kein "Haudrauftyp". Es geht mir auch gar nicht darum, Tim Frazer nicht als "Normalo" darzustellen, aber man kann einen "Normalo" eben so oder so spielen. Und Eckard tut dies in meinen Augen in einer befremdlich-linkischen Art und Weise, die dazu führt, dass ich zu der Figur nach seiner Spielart schlicht keinen Zugang finde, woran so ein Mehrteiler, der auf diese Figur zugeschnitten ist, natürlich zwangsläufig leidet. Entsprechend froh bin ich, dass es keinen dritten Tim Frazer-Mehrteiler gegeben hat. "Das Messer" war dagegen meiner Meinung nach haushoch überlegen.

  • Finale in Berlin (1966)Datum29.01.2018 18:30
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die Harry Palmer-Filme stehen bei mir auch schon lange auf dem Wunschzettel. Leider sind die DVDs ja weitgehend vergriffen. Wäre schön, wenn sie nochmal neu aufgelegt bzw. erstmals auf Blu-Ray veröffentlicht werden würden.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Dass in anderen "Tatort-Reihen" z.T. noch bessere Geschichten erzählt werden sollen, hört sich für mich ja schon mal recht gut an, weil diese das "Minus" in Sachen Ermittler bei mir schließlich irgendwie kompensieren müssen. Werde da aber bei entsprechenden TV-Ausstrahlungen nicht allzu wählerisch sein, weil unter den Gastdarstellern sicher regelmäßig das ein oder andere bekannte Gesicht dabei ist. Zum Glück wird man hier im Forum auf solche Ausstrahlung-Termine hingewiesen. Habe selbst das TV-Programm nicht immer so im Blick. Aber generell ist es schon seltsam, dass die alten Tatorte noch nicht alle auf DVD erschienen sind. Wären sie außerhalb der Tatort-Reihe produziert worden, gäbe es sie bestimmt schon längst, sieht man ja schön an "Oberinspektor Marek". Insoweit verwundert es doch, dass die ARD viele vergleichsweise unbekannte Serien selber veröffentlicht (hat) und ausgerechnet bei ihrem Prestige-Projekt "Tatort" darauf keinen Wert zu legen scheint.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Dass weder Ehrhardt noch Giller im Film Akzente setzen können, würde ich auch so unterschreiben. Ansonsten fand ich die "Ganoven-Truppe" um Adorf samt der herrlich aufspielenden Elsner wesentlich interessanter als die "Rentner-Gang". Generell hat mir der Film bei der Sichtung vor ein paar Wochen besser gefallen als bei einer TV-Ausstrahlung vor einigen Jahren, als ich den Film erstmals sah. Damals war ich doch ziemlich enttäuscht. Mit herabgesetzter Erwartungshaltnung hatte ich beim zweiten Versuch dann mehr Freude dran.

  • Bewertet TV: "Tim Frazer" (1963, 4)Datum29.01.2018 18:13
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #51

    Wer an „Das Ungeheuer von London-City“ denkt, wird vielleicht bedauern, dass Hansjörg Felmy die ihm angebotene Hauptrolle für diesen Mehrteiler ausschlug, doch auch Max Eckard trifft in den Szenen, in denen sein Tim Frazer auf die hinterlistige Helen Baker trifft, den passenden Ton.



    Nicht nur wegen "Das Ungeheuer von London-City", sondern ganz generell bedauere ich, dass Felmy die Rolle ausgeschlagen hat, außerordentlich. Mit ihm in der Hauptrolle läge der Film in meiner Gunst vermutlich bedeutend höher.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    @greaves: Schön, dass dir die Haferkamp-Tatorte bisher auch gut gefallen, da hast du ja schon ordentlich aufgeholt!

    @Havi17: Danke für die Rückmeldung. Haferkamp bedeutet für mich mehr oder weniger den Einstieg zu den alten Tatort-Folgen. Kann mir aber gut vorstellen, nach Durchsehen aller Haferkamp-Episoden auch mal bei anderen Ermittlern reinzusehen. Insoweit interessieren mich vor allem auch die Tatorte mit Klaus Schwarzkopf, weil er eben auch bereits aus dem 1960er-Jahre-Kriminalfilm bekannt ist.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Fall Nr. 11: Drei Schlingen (Tatort-Folge 78, BRD 1977)

    Regie: Wolfgang Becker

    Darsteller: Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Traugott Buhre, Karin Eickelbaum, Helmut Wildt, Simone Rethel, Andreas Seyferth, Beatrice Kessler u.a.



    Die Wachmänner Fink und Schießer bringen routinemäßig eine große Menge Geld zu einer Bank. Während Schießer das Geld holt, soll Fink - wie immer - vorschriftsmäßig im Wagen warten. Als er jedoch sieht, wie eine Frau auf offener Straße angefahren wird und der Täter einfach weiter fährt, steigt er aus, um der Frau zu Hilfe zu kommen. Doch das Ganze entpuppt sich als Falle, unter der Frauen-Maskerade steckt ein Mann, der Fink mithilfe eines Partners überwältigt. Dabei wird Fink von einem der Täter erschossen. Während Haferkamp zunächst noch überlegt, ob einer der beiden Wachmänner oder ihr Vorgesetzter an dem Raub beteiligt waren, wird einer der Räuber tot aufgefunden. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch schnell mehren sich die Indizien, dass ein Dritter sich als Henker geriert, um sich für den Tod an Fink zu rächen...

    Diese Folge wurde aufgrund von Beschwerden nach der Erstausstrahlung, die sich insbesondere auf überzogene Brutalität bezogen, über 25 Jahre nicht gesendet. Nach heutigen Maßstäben würde man die Brutalität wohl für einen Tatort als überdurchschnittlich hoch, aber immer noch im Rahmen einschätzen. "Drei Schlingen" bietet - jedenfalls auf der um rund 10 Minuten gekürzten DVD-Fassung - kurze und knackige Krimi-Unterhaltung. Wenn ich mir die obige Rezension von Georg durchlese, sind die Kürzungen wohl vor allem im "komödiantischen" Teil der Folge vorgenommen worden, in dem es um einen TV-Film des WDR geht, in dem einer der Bankräuber auftrat und der Haferkamp eine entscheidende Spur gibt. Diese Episode ist auf ein Mindestmaß beschränkt, so dass letztlich (wohl) nichts für das Verständnis des Falles Essentielles fehlt.

    Relativ schnell wird klar, dass die Geschichte auf eine Täterschaft von Finks Partner Schießer, gespielt von Traugott Buhre, hinausläuft. Dieser hatte zu Fink ein väterliches Verhältnis und war schon bei seiner früheren Beschäftigung als Kriminalbeamter "über die Stränge geschlagen" und hatte daraufhin freiwillig seinen Hut genommen. An dieser Stelle hätte man vielleicht um der Spannung willen Schießers Chef (Helmut Wildt) noch länger mit in die Verlosung nehmen können. Dieser wird am Anfang recht lange eingeführt und scheint kein Wässerchen trüben zu können. Aus der Figur hätte man sicher mehr machen können. Ansonsten ergibt sich die Spannung aus dem "Zweikampf" von Schießer und Haferkamp. Wie weit wird Schießer mit seinem Rachefeldzug kommen? Wie wird es Haferkamp gelingen, Schießer zu überlisten? Haferkamp bedient sich in dieser Episode auch ungesetzlicher Methoden. So stiftet er Schießer zu einer Drohung an einem weiteren am Raub Beteiligten an, um Schießer aus der Reserve zu locken. Dass bei diesem Duell die beabsichtigte Spannung aufkommt, ist sicher auch Traugott Buhre zu verdanken, der den Gerechtigkeitsfanatiker Schießer ungemein glaubhaft verkörpert.

    Was Haferkamps Privatleben angeht, so überrascht Ingrid diesen am Anfang der Folge in dessen Wohnung, wobei sich herausstellt, dass Ingrid ebenfalls immer noch einen Schlüssel zur Wohnung hat. Haferkamp war davon ausgegangen, sie hätte diesen bei der Trennung zurückgelassen. Geschafft von dem dramatischen Ausgang des Falles, in der Haferkamp abermals gezwungen war, einen Menschen in Notwehr zu töten, ruft er bei Ingrid an, die jedoch gerade eine Party in ihrer Wohnung gibt. Sie lädt ihn zu sich ein, doch Haferkamp braucht Ruhe. Er legt auf, setzt sich aufs Sofa und reagiert nicht, als Ingrid ihn wieder zurückruft.


    Ein weiterer packender "Zweikampf" zwischen Kommissar Haferkamp und einem Tatverdächtigen wird dem Zuschauer in "Drei Schlingen" geboten. Noch mehr Spannung hätte man erzeugen können, hätte man die Figur des Vorgesetzten Schießers konsequent als zweiten Verdächtigen aufgebaut. Trotzdem gute 4 von 5 Punkten.

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Ray
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