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  • Sammelthread "Film Noir"Datum15.12.2018 15:47
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Mörder ohne Maske (Second Chance) (USA 1953)

    Regie: Rudolf Maté

    Darsteller: Robert Mitchum, Linda Darnell, Jack Palance u.a.


    Film Noir Nummer 93:


    Clare (Linda darnell) ist auf der Flucht vor ihrem Ex-Freund, einem Gangsterboss. In Mexiko, wo sie sich vor ihm versteckt, wird sie von dem Killer Cappy, einem Handlanger des Ex-Geliebten, aufgesucht. Dieser will sie nur am Leben lassen, wenn sie mit ihm weiterzieht. Doch Clare hat keinerlei Gefühle für Cappy und hat sich obendrein frisch in den Boxer Russ (Robert Mitchum) verliebt. Doch Cappy lässt sich nicht so leicht abwimmeln...

    Diese RKO-Produktion aus dem Jahre 1953 wurde seinerzeit sogar in 3D in die Lichtspielhäuser gebracht. Und das sicher nicht zu Unrecht, denn Schauwerte hat "Mörder ohne Maske" (der deutsche Verleihtitel erschließt sich dem Betrachter nicht) reichlich zu bieten. Der Film wurde an Originalschauplätzen in Mexiko gedreht. Fulminant sind die Bilder im Gebirge, welches Mitchum und Darnell mit einer alten Seilbahn bereisen. Hier steigt auch der beeindruckende Showdown, in dem sich die Seilbahn verhakt und die Insassen, unter ihnen neben den frisch verliebten Clare und Russ auch der uneinsichtige Cappy, auf ein "Wunder" angewiesen sind, um ein Unglück zu vermeiden. Denn die Rettungswagen haben nicht genug Platz, um alle zu retten. Es muss also entschieden werden, wer zurückgelassen wird. Das psychologische Potential, das in dieser Konstellation steckt, wird nur teilweise genutzt. Es war sicher nicht die beste Idee des Drehbuchverfassers, einem Jungen eine Binde um die Augen zu legen und durch Fingerzeig entscheiden zu lassen, wer überleben darf. Natürlich wurden die Nahaufnahmen in der Kabine im Studio mit Rückprojektionen, einige waghalsige Aktionen wurden allerdings mit dem nötigen Stunt-Personal vor Ort gedreht. Jene Aufnahmen wissen auch 65 Jahre nach Erscheinen des Films zu fesseln und sorgen dafür, dass der kurzweilige Streifen in Erinnerung bleiben wird. Inhaltlich gibt der Film indes nicht viel her. Der Gangsterboss, von dem Clare flieht, existiert nur in den Dialogen und tritt im Film selbst nicht auf. Ansonsten wird sie vor Ort in Mexiko von zwei Männern umworben, wobei schnell klar wird, dass nur Mitchum ihr Herz wird gewinnen können und Palance nur rohe Gewalt übrig bleibt. Jack Palance spielt den aufdringlichen Cappy durchaus überzeugend, Mitchum und Darnell, Letztere bekannt aus dem Otto Preminger-Noir "Fallen Angel", liefern grundsolide Leistungen ab. Rudolf Maté, im Genre ebenfalls kein Unbekannter (insbesondere "D.O.A.") inszeniert straff und effektvoll, sodass "Mörder ohne Maske" ohne Längen gut unterhält.

    Die DVD von Cargo Records aus der Reihe "Krimi Classics" präsentiert den Film mit deutschem Vorspann. Das Bild kommt allerdings über weite Strecken in sehr blassen, um nicht zu sagen ausgewaschenen Farben daher.


    Kurzweiliges Spannungskino mit eindrucksvollen Bildern an Originalschauplätzen in Mexiko und guter Besetzung. 4 von 5 Punkten.

  • Wallace & Blu-rayDatum15.12.2018 15:09
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Interessant, erst hieß es doch mein ich, dass der "Halbmond" nicht von Koch kommen soll. Ich kann mir aber nach wie vor vorstellen, dass Universum denen nur eine Art "Erstverwertungsrecht" einräumt und die Filme am Ende in einer Wallace-Edition rausbringen, wenn Koch die Mediabooks weitgehend abverkauft hat. Vorausgesetzt natürlich, Universum zieht generell durch in Sachen Wallace und Blu-Ray.

    P.S. Der "Bogenschütze" weist wieder eine sehr gute Bildqualität auf.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die Kritikpunkte wurden von meinen Vorrednern schon sehr gut herausgearbeitet, viele sind sicher wenigstens nachvollziehbar, dennoch kommt mir "Der Bogenschütze" im Ganzen zu schlecht weg. Gerade im Vergleich zum "Rächer" sehe ich ihn noch deutlich vorne.

    Dass der ermittelnde Inspektor weniger dominant auftritt, ist in gewissem Maße sicher der Verpflichtung Fröbes geschuldet, scheint mir aber auch bereits in der Story angelegt, die sich nunmal sehr um Bellamy und seine kriminellen Machenschaften in Vergangenheit und Gegenwart dreht. Eine ähnliche Konstellation sollte es im "schwarzen Abt" wieder geben, wo Regnier auch eher eine Nebenrolle zukommt. Zugegebenermaßen geht diese Idee dort besser auf, dennoch ist Wussows Darbietung keineswegs so schlecht, dass er es nicht verdient gehabt hätte, in einem weiteren Wallace-Film, vielleicht in einer anderen Rolle (etwa dem erkennbaren Schurken?) aufzutreten. Karin Dor macht wie schon angesprochen in der Tat einen Riesensprung. Ihre Ausstrahlung ist umwerfend, ihr Spiel dezent und doch ungemein wirkungsvoll. Man ist so fasziniert von ihr, dass einem beinahe nicht auffällt, dass sie in ihrer ersten Szene auf dem Weg vom Wohnzimmer in den Keller scheinbar noch die Zeit gefunden hat, sich umzufrisieren. Nach der Rolle im "Fälscher" sicher ihre dankbarste Rolle und einer ihrer stärksten Auftritte im Genre. Gert Fröbe gibt bei seinem einmaligen Gastsspiel den "Elefanten im Porzellanladen" und schubst jede Person, die sich ihm nähert, latent sächselnd umher, dass es eine Freude ist. Nicht nur in Bellamys Szenen, sondern auch regelmäßig in jenen mit Eddi Arents Beteiligung verkommt der Film bisweilen zur (jedoch allemal liebenswerten) Nummernrevue. Einen derartigen Wallace-Film gab es zuvor nicht und sollte es in der Form auch nicht mehr geben, vermutlich ein Grund, warum er in der breiteren Öffentlichkeit einen guten Ruf genießt und mit am häufigsten wiederholt wurde: Otto Normalzuschauer verbindet mit Wallace aus heutiger Sicht kurios-nostalgische Unterhaltung - und die bekommt er beim "Bogenschützen" satt. Positiv hervorzuheben ist auch die geschaffene Atmosphäre. Mit Blick auf die Schauplätze liegt der Schwerpunkt klar auf dem Schloss Bellamys und seinem Umfeld. Ausflüge gibt es nur in die nähere Umgebung, die Shanghai-Bar und den Hafen, auf Szenen in Yard-Büros wurde völlig verzichtet, gleichsam auf den Auftritt von Sir Archibald, was eine erfrischende Abwechslung bedeutet. Was sich in Gesamtbetrachtung negativ auswirkt, sind die geringe Präsenz John Woods (bei der Erstsichtung wusste ich am Ende gar nicht, wer der Täter ist, weil mir die unscheinbare Figur in dem wilden Treiben in Vergessenheit geraten war und ich Weiss auch als Schauspieler noch nicht kannte), die (zu) wenigen Auftritte des Bogenschützen, der von Gubanov genannte leichte Hänger im Mittelteil sowie das verschenkte Potential mit dem Doppelgänger. Eine Auseindersetzung zwischen beiden Bogenschützen oder ein Duell zwischen "echtem" Bogenschützen und dem Inspektor wie später zwei Mal grandios umgesetzt in den "Mönch"-Filmen hätte den Film weiter aufwerten können. Nicht vergessen lobend zu erwähnen möchte ich ebenfalls Stanislav Ledinek, der seinerzeit im Kriminalfilm omnipräsent war, stets einen Gewinn darstellt und heute leider weithin vergessen ist. Unter den "echten" Wallace-Filmen sicher sein stärkster Auftritt. Harry Wüstenhagen führt den Typus des "sympathischen Gauners" ein, den er im Folgefilm perfektionieren sollte. Aber auch sein Savini zählt zu den Faustpfanden auf Darstellerseite. Arent hat definitiv seine Momente, Völz hält sich angenehm zurück, die weitern Assistenten tragen leider oft dick auf und entpuppen sich nicht unbedingt als geboren Komödianten.

    Obwohl der "grüne Bogesnchütze" wie ausgeführt sein Potential nicht auszuschöpfen vermag, sehe ich ihn immer wieder gerne, so wie er ist und vergebe daher gerne 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #14

    ...furchtbar auch der Staatsanwalt vor der Hinrichtung zum Henker: "So tun sie's doch!" - gespielt wie im Laientheater - das hätte Reinl einfach weglassen müssen.



    Das ist mir auch stark aufgefallen, gefühlt wartet der Staatsanwalt keine volle Sekunde nach der Aufforderung von Shelton an den Henker, die Wette für gültig zu erklären, bevor er diese wiederholt. Das wirkt einfach unnatürlich und sehr "einstudiert".

    Welchen Moment ich jedoch recht nett fand, der mir aber nicht mehr in Erinnerung war, war jener, in dem Long Nora aus dem Essenssaal im Golfhotel herauszieht, um sie wegen des Rings auszufragen und diesen Eingriff in ihre Privatssphäre mit dem Ausspruch rechtfertigt, dass es in der Sache "keine Privatangelegenheiten" mehr gäbe. Im gleichen Moment sieht und hört man im Hintergrund einen Mann und eine Frau eingehakt und vergnügt die Treppe in Richtung Hotelzimmer hinaufsteigen...

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ui, da bin ich der dann zweifelhaften Bezeichnung doch glatt auf den Leim gegangen. Danke für den Hinweis! Mir war zwar aufgefallen, dass bei Beiger in einer Szene oben ein Stück vom Kopf fehlte, aber da hab ich mir in meinem "guten Glauben" nichts bei gedacht.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Gerade die Blu-Ray im Player gehabt und so "Die Bande des Schreckens" erstmals im Original-Bildformat gesehen.

    Im direkten Vergleich zum "Rächer" sind die qualitativen Unterschiede natürlich gewaltig. Zwar kann man anführen, dass dasjenige, was im "Rächer" "zu wenig" war, hier im Übermaß vorhanden ist: Leichen. Doch trotz dieser Fülle an Toten ist der Produktion ein guter Spagat gelungen. Am Anfang reihen sich die Leichen aneinander, womit dem Zuschauer illustriert wird, dass die "Galgenhand" seine Drohungen wahr macht. (Überhaupt, diese Szene, in der dem "Todgeweihten" nochmal eine Plattform geboten wird, eine solche Show abzuziehen, das gibt's wohl auch nur im Film, ist aber ungemein effektiv). Dabei handelt es sich um Figuren aus dem Staatsapparat, die in der Wallace-Welt nicht zwingend näher charakterisiert werden müssen. Das Amt spricht für sich. Mehr Zeit widmet der Film denjenigen Figuren auf der Todesliste, die nicht zur Obrigkeit gehören und daher eher verdächtig erscheinen. Da man für diese Figuren hervorragende Schauspieler auswählte und im Mittelteil wechselnde sowie nett anzuschauende Locations anbietet, lässt man sich als Zuschauer die Temporeduzierung nur zu gerne gefallen, man lechzt sogar danach, nach den vielen Aufregungen zu Anfang! Wenngleich das Metier hier noch nicht in Perfektion beherrscht wird, nimmt man im Sinne der zwischenzeitlichen Entspannung auch die Anflüge von Humor bereitwillig an. Joachim Fuchsberger bekommt als "Wetter" Long wesentlich mehr Präsenz als noch im "Frosch" und gibt die fleischgewordene Integrität. An seiner Seite erstmals Karin Dor, die bei ihrem ersten Auftritt gewiss noch Luft nach oben hat, wobei dies überwiegend dem Skript anzulasten ist, welches ihr Sätze wie "Mr Crayley muss ein guter Mensch sein, weil er Tiere so gerne mag" in den Mund legt. Dennoch kommt gerade in den Szenen im Hotel ihre großartige Ausstrahlung schon sehr gut zur Geltung, weswegen es nicht verwundert, dass sie die von allen Seiten Begehrte ist: Monkford hätte sie gerne adoptiert und setzt sie unverhofft zur Alleinerbin ein. Henry lässt ihr heimlich einen Ehering zukommen, wobei sein Interesse partiell freilich auch fiskalischer Natur ist. Der Dritte im Bunde ist der holde "Blacky", der seiner zukünftigen Angetrauten ebenfalls sehr früh unaufgefordert mitteilt, dass er sich "nicht nur aus beruflichen Gründen" um sie sorgt. Zwischen der naiven Nora und den testosteron-gesteuerten Herren agiert die überlegene Elisabeth Flickenschildt. Wer sie bei wiederholter Sichtung genau beobachtet, bemerkt, wie sie die Beteiligten, vor allem auch Nora, mithilfe ihres kongenialen Partners Henry lenkt. Gegen Ende wird dann wieder mächtig angezogen und Long muss sich den Shelton-Brüdern und ihren heimtückischen Fallen zur Wehr setzen, um Karin Dor zu befreien. Doch nicht nur der actionlastige Showdown an sich sorgt für Spannung, sondern - zumindest bei der Erstsichtung - auch die Auflösung. Durch die geschickt eingefädelten Auftritte der "Galgenhand" wird die Fantasie in Gang gesetzt. Umso überzeugender, dass man statt eines kruden Twists eine inhaltlich doch wenigstens nachvollziehbare Lösung parat hat. Alles in allem gehört "Die Bande des Schreckens" sicher zu den besten Filmen der Reihe. Dafür sorgt zuallererst die einfache, aber absolut packende und wirkungsvoll umgesetzte Story, deren Motive gern wiederverwendet wurden ("Im Banne des Unheimlichen", "Neues vom Wixxer"). Des Weiteren gehört er zu den wenigen Filmen der Früh-Phase, die "echte" Gruselmomente bereithalten (Shelton mit ausgestreckter Galgenhand auf dem Boot). Das absolut stimmige Ensemble, in dem sich keine wirkliche Fehlbesetzung finden lässt (trotz des sehr guten Auftritts Otto Collins habe ich mich allerdings gefragt, ob Fritz Rasp in der Rolle des Clay Shelton vielleicht noch bedrohlicher gewirkt hätte), sowie die gekonnte Regie Harald Reinls machen "Die Bande des Schreckens" immer wieder zum Vergnügen! 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Amazon bietet aktuell wieder eine 3 für 2-Aktion an. Wer sich also in den Edgar Wallace-Wochen noch mit den entsprechenden Blu-Rays eindecken will, sollte die Gelegenheit nutzen. Wer man drei Editionen nimmt, kosten die pro Stück knap 20 Euro.

  • TV-Termine im Dezember 2018Datum02.12.2018 20:04
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Jetzt gleich auf Arte: eine restaurierte Fassung von "Borsalino" mit Jean-Paul Belmondo und Alain Delon, der erst im Oktober in dieser Fassung nochmals in den französischen Kinos gelaufen sein soll. Die Fortsetzung läuft morgen.

    https://www.tvspielfilm.de/tv-programm/s...0d3a8acf41.html

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Hier gibt es schonmal einige Cover der anstehenden Veröffentlichungen. Dabei fällt auf, dass das Gelb bei "Alibi" wohl ein vorläufig einmaliges Experiment war. Für den "Rächer", "Die Pagode zum fünften Schrecken" und "Bankraub in der Rue Latour" kehrt man zum Schwarz-Rot zurück, was bei Wallace natürlich in Anbetracht des Designs bei den Universum-DVDs und -Blu-Rays besonders gut passt. Auch der Schriftzug wurde übernommen. Als Bildformat wird beim "Rächer" übrigens 1,66:1 angegeben. Bei der Kinowelt-DVD war es 1,55:1.

    https://www.amazon.de/gp/search/ref=sr_a...DVD-Submit.y=12

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #18

    Zitat
    Und entgegen einiger Bekundungen kann auch das Finale dieses "Minus" nicht kompensieren.


    Aha, dann haben wir Befürworter also einfach nicht den richtigen Durchblick. Schön, dass das geklärt ist.



    Das sollte im Ergebnis auch nicht mehr als eine Gegenbehauptung sein. Zugegebenermaßen hätte man das netter formulieren können, was die vorgerückte Stunde und die Unzufriedenheit hinsichtlich des unmittelbar zuvor gesichteten Films scheinbar verhindert haben.

    Was mir noch aufgefallen ist: am Anfang raucht Schürenberg in einer Szene. In dem Moment hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob er das als Sir John später jemals gemacht hat. Mir ist spontan kein Bild dazu eingefallen. Kann das jemand hier auflösen? Das wirkte jedenfalls irgendwie fremd, freilich, ohne dass man das dem Film anlasten kann.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich musste deiner steilen These, "Der Rächer" verdiene die Höchstwertung, ja etwas in dieser Hinsicht gleichwertiges entgegensetzen. Das ist mir scheinbar gelungen.

    Dass ich den "Rächer" keinem Dritten vorsetzen würde, war nur eine vorangestellte Feststellung und ist kein Aspekt, dem ich dem "Rächer" selbst ankreide. Dieses Urteil fälle ich vielmehr aus den in meiner Rezension nachfolgend aufgeführten Gründen. Und ich hatte als "Versuchskaninchen" auch nicht solche Leute im Kopf, die zwar nicht viel aus der Zeit schauen, sich aber trotzdem dazu entschließen, sich diesen auf großer Leinwand anzusehen. Das sind ja dann in der Regel solche, die schon mit ein bisschen Nostalgie zufrieden zu stellen sind. Ich hatte vielmehr Leute im Kopf, die man in Sachen Wallace zu ihrem Glück quasi zwingen muss. Leute, die x-fach "Der Wixxer" und "Neues vom Wixxer" gesehen haben, aber noch keinen "echten" Wallace. Inwieweit man dieses Klientel von Wallace-Filmen begesitern kann, welche man dann im speziellen auswählen sollte, um den gewünschten Erfolg zu erzielen und ob diese Leute es überhaupt wert sind, mit Wallace-Filmen "beglückt" zu werden, ist aber sicher ein eigenes Thema.

    Bezüglich der Film-im-Film-Handlung bleibe ich dabei, dass sie nicht den Mehrwert hat, welchen sie haben könnte. Darüber, wie man sie hätte ausgestalten müssen, um diesen Mehrwert zu erreichen, habe ich mir offen gestanden gestern keine konkreteren Gedanken gemacht. Ich bin auch kein Autor, vielleicht können da versiertere Kräfte hier im Forum etwas beitragen. Am Finale an sich gibt es für sich genommen auch nicht so viel zu mäkeln, außer eben, dass in diesem ein Mann eine Hauptrolle spielt, der mich schauspielerisch nicht überzeugt. Und das ist dann für die Wirkung doch einigermaßen erheblich. Ich finde es davon abgesehen nicht so grandios, dass man berechtigterweise meinen könnte, es gleiche die vergebenen dramaturgischen Chancen wieder aus. Oder anders gewendet: das Finale ist es in meinen Augen nicht wert, dafür auf größere Auftritte des "Rächers" im Laufe der Filmhandlung zu verzichten. Denn eine übermäßig große Überraschung ist die Täterdemaskierung ja nun auch nicht. Sterzenbach drängt sich allzu sehr auf, der Rest wäre - was bei Wallace zugegebenermaßen nicht selten vorkommt - eher aus dem Hut gezaubert gewesen.

    Bei Sterzenbach ist es schlicht wie ich geschrieben habe so, dass er in meinen Augen in Anbetracht dessen, wie seine Figur angelegt ist (Weltenbummler, Schloss, Macht über Diener und Frauen), dem selbstbewussten Drache zu wenig entgegenzusetzen hat. Ich denke daim Vergleich etwa an Drache und Kinski im vorliegenden Film oder Drache und Pinkas Braun in "Die Tür mit den sieben Schlössern". Da ist jeder Schlagabtausch eine helle Freude, weil sich zwei gleichwertige Schauspieler messen. Zwischen Sterzenbach und Drache sehe ich ein Ungleichgewicht, was den Szenen ein ganzes Stück weit ihren Reiz nimmt. Und bei Linkmannn empfand ich es u.a. bei den von dir angesprochenen Rollen, in denen er eben keine "Wohltäter" spielte, so, dass er sie ebenfalls sehr seltsam anlegte. Und wenn jemand sowohl "Normalos" als auch "Verrückte" ähnlich spielt, kommt mir das eben komisch vor. Daher begnüge ich mich mit der Begründung, dass das wohl "sein Stil" war. Ein Kinski konnte schauspielerisch zwischen "Normalos" und "Verrückten" demgegenüber in meinen Augen klar differenzieren.

    Und was die Bemerkung zur Buchvorlage angeht: Auch diese will nicht mehr bedeuten, als dass ich mir nicht vorstellen kann, dass mich der Roman aus den Socken hauen würde, wenn der Film, dem relative Romantreue bescheinigt wird, in meinen Augen zu den schlechtesten Wallace-Filmen überhaupt zu zählen ist. Das mag vielleicht auch nicht zutreffen (es ist ja nicht ausgeschlosen, dass ich durch die Romanlektüre erst die wahren "Stärken" des Films zu schätzen wüsste und er in der Folge in meiner Gunst steigen würde; außerdem scheint der Rächer dort eine größere Präsenz zu haben als im Film), aber darauf ankommen lassen will ich es genau wie bei der Vorführung des Films vor Dritten lieber vorerst nicht.

    P.S.: Und einen positiven Aspekt habe ich dann doch noch vergessen: das romantische "Happy End" ist zwar sowohl allgemein als auch was den konkreten Verlauf der Szene betrifft, vorhersehbar, aber im Ganzen doch recht charmant.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das Besondere an den Rialto-Wallace-Filmen ist u.a., dass man sie in den überwiegenden Fällen bedenkenlos auch heute noch Leuten vorsetzen kann, die ansonsten so gut wie keine Filme aus der Entstehungszeit konsumieren. Das sollte man beim "Rächer" lieber unterlassen, wenn man nicht Gefahr laufen will, dass es sich dann um den wahrscheinlich vorläufig letzten gemeinsamen Filmabend handelt.

    Dem "Rächer" fehlt es an dem Esprit, der die Railto-Filme so auszeichnet, jenes Gespür für die Abwechslung von Spannung und Entspannung, welche die Filme über das Krimi-Vergnügen hinaus zu einem rundum gelungenen Filmerlebnis macht. Humor sucht man im "Rächer" weithin vergebens und wenn handelt es sich in der Regel um solchen der unfreiwilligen und noch dazu unangenehmen Sorte. Der Film beginnt noch recht ordentlich. Heinz Drache wird als patenter Ermittler eingeführt, Siegfried Schürenberg als sein Vorgesetzter, wobei man festahlten muss, dass seine Performance das gewisse etwas seiner späteren Rollenkreation abgeht. In der vorliegenden Form ist er nicht mehr und nicht weniger als ein gleichwertiger Ersatz für Fürbringer. Ina Duscha ist zwar im Ganzen recht "knuffig", schauspielerisch kann sie sich anders als in "Eheinstitut Aurora" hingegen nicht hervortun. Der viel zitierte "Miiiiiiichaeeel"-Ausruf bleibt ein "Abtörner". Überhaupt legt die Produktion wenig Wert auf englische Aussprache, darüber hinaus werden die Figuren anstatt mit Mr/Mrs/Miss mit Herr/Frau/Fräulein angeredet. Allerdings hatte sich die Konkurrenz bis dato auch nicht mit Ruhm bekleckert (man denke an Lowitz und sein "Inschpektor" im "Frosch" oder Wussows "kleine Dorretie"). Die Film-im-Film-Handlung ist grundsätzlich eine reizvolle, indessen schlägt man vorliegend anders als später im Bryan Edgar Wallace-Film "Das Ungeheuer von London-City" keinerlei Kapital daraus, weil die nähere Handlung unklar bleibt und sich keinerlei Parallelen zur Filmhandlung finden. Immerhin werten ein paar Figuren aus der Crew und ihre Darsteller den eigentlichen Film auf. Zu nennen sind zum einen Klaus Kinski, der sich ein paar nette Wortgefechte mit Heinz Drache liefert, bei denen man sich im Übrigen gut vorstellen kann, dass diese nicht einmal "gespielt" werden mussten. Zum anderen Friedrich Schoenfelder, der eine für seine Verhältnisse größere Rolle erhielt und diese recht sympathisch ausfüllt.

    Damit wären jedoch nun alle positiven Aspekte erschöpfend genannt. Mit Übergang des zweiten ins dritte Drittel der Filmhandlung verflacht das Werk von Karl Anton. In dieser Phase schlägt der ungehobelte Benno Sterzenbach auf, der für eine Nebenrolle in einem TV-Krimi geeignet gewesen mag, für die große Leinwand aber eine Nummer zu klein erscheint, insbesondere, wenn er sich mit dem souveränen Heinz Drache messen muss. Die wohl undankbarste Rolle der gesamten Wallace-Ära bekam der bemitleidenswerte Al Hoosman, der einen "Wilden" aus dem Dschungel mimen "darf". Schwarz angemalt und mit den Augen rollend, muss er durchs Bild tapsen, dass es einem die (Fremd-)Schamesröte ins Gesicht treibt. Zu Ludwig Linkmann bleibt eigentlich nur zu sagen, dass die Art seiner Performance wohl "sein Stil" war, denn gefühlt interpretiert er jede Rolle, die er seinerzeit ausfüllte, mit leichten Akzentuierungen so wie den wunderlichen Schlossbesitzer Longvale. Regisseur Anton ist anzulasten, dass er das Tempo verschleppt und mit der Intention der Spannungssteigerung eingebrachte Szenen ihre Wirkung völlig verfehlen (nächtlicher Besuch Bhags bei Ruth z.B.). Im Gegensatz zu den vorherigen und vielen kommenden Wallace-Filmen hat das Phantom, also hier der Rächer, zudem viel zu wenig Präsenz. Ein paar kurze Einblendungen der Limousine sind im Vergleich zu den bedrückenden, Respekt einflößenden Auftritten des roten Kreises und des Froschs viel zu wenig. Und entgegen einiger Bekundungen kann auch das Finale dieses "Minus" nicht kompensieren. Und wenn der vorliegende Film das Ergebnis einer vergleichsweise romangetreuen Verfilmung ist, spricht das nicht unbedingt für das zugrunde liegende Werk aus der Feder des Meisters.

    Alles in allem ein Film, dessen alleiniger Verdienst es ist, Darsteller wie Heinz Drache, Siegfried Schürenberg und Klaus Kinski in die Wallace-Welt eingeführt zu haben, davon abgesehen aber keinen Beifall verdient und abseits von chronologischen Sichtungen auch nicht mehr den Weg in meinen Player finden würde. 2,5 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Der rote Kreis" (1959/60, 2)Datum21.11.2018 23:59
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch von mir nach frischer Sichtung wieder ein paar Gedanken.


    Am liebsten sind mir solche Auflösungen, die aus dem Rahmen fallen, auf die ich bei der Erstsichtung aber trotzdem gekommen bin: so geschehen bei "Der rote Kreis" und "Zimmer 13". Diese kleinen persönlichen "Triumphe" haben dazu geführt, dass ich beide Filme nach der Erstsichtung im Vergleich zu anderen Filmen, die ich schon weit häufiger gesehen hatte, besser eingeschätzt habe, als ich es nunmehr tue, nachdem ich sämtliche Wallace-Filme ein paar Mal gesichtet habe. Alles in allem würde ich "Der rote Kreis" wie schon den "Froch" als sehr guten deutschen Kriminalfilm bezeichnen, der unter den Wallace-Filmen aber nicht zu den aller besten zählt.

    Bei der Figurenkonstellation bleibt man sich auf Männerseite auf den ersten Blick weitgehend treu: einem erfahrenen, im konkreten Fall aber - um es vorsichtig zu formulieren - bislang "glücklosen" Inspektor wird ein junger, dynamischer Privatschnüffler an die Seite gestellt, um einen gerissenen, in der Art der Verbrechen "flexiblen" Gauner dingfest zu machen, der am Tatort regelmäßig ein Zeichen, nämlich einen roten Kreis hinterlässt. Aus dramaturgischen Gründen fällt Klausjürgen Wussow, der den Privatdetktiv Yale gibt, für das romantische Ende weg, ihn vertritt daher eine zwischendurch eher untertauchende Figur, verkörpert von Thomas Alder. Eine "Doppelfunktion" kommt diesmal auch der weiblichen Hauptfigur zu: sie ist nicht nur diejenige, die am Ende "lebenslänglich" bekommt, sondern auch "undercover" für die Polizei unterwegs. Von den diese Rollen bekleidenden Darstellern ist Renate Ewert hervorzuheben, die aus einer für Genre-Verhältnisse dankbaren Rolle sehr viel herausholt. Man nimmt ihr das "Früchtchen", das sie über weite Strecken des Films spielt, sofort ab und nimmt daher den ein oder anderen Wink mit dem Zaunpfahl ihre Figur betreffend kaum wahr. Ich meine, dass ich bei der Erstsichtung über die auf sie bezogene "Auflösung" tatsächlich überrascht war. Da man die Thalia Parr kaum wirklich kennt, ist man sich unschlüssig, ob sie und Beardmore wirklich ein gutes Paar abgeben. Karl Georg Saebisch macht seine Sache als reflektierter, mit hintergründigem Witz ausgestatteter Yard-Ermittler recht gut, wenngleich seine Darbietung in der Gesamtwürdigung der Reihe doch einen Ticken zu unspektakulär ausfällt. Da haben viele seiner Nachfolger ganz andere Duftmarken setzen können. Dadurch, dass vergleichbare Rollen fehlten und es in anderen Sparten bessere Besetzungen gab, war für Saebisch schon nach dem folgenden Film Schluss. Klausjürgen Wussow ist formal zunächst als Ersatz für Joachim Fuchsberger zu betrachten, muss seinen Derrick Yale aber noch mit etwas anderen Attributen ausstatten. Neben dem bodenständigen Parr ist der selbstbewusste Yale der richtige Gegenpart, der von Wussow glaubwürdig dargestellt wird, weshalb er sich für weitere Auftritte empfehlen konnte. Eddi Arent darf den Kriminalassistenten geben, der abgesehen von seinem maskierten Auftritt gegen Mitte des Films vor allem durch spitze Bemerkungen auftrumpfen darf. Inwieweit es normalerweise in seinen Aufgabenbereich fällt, einem Gefangenen seine Mahlzeit zu bringen, darf allerdings bezweifelt werden. Thomas Alder steht der Heimat- und Schlagerfilm ins Gesicht geschrieben, im Ensemble fällt er als eher schauspielerisches Leichtgewicht etwas aus dem Rahmen. Mit Filmpartnerin Ewert eint ihn ein früher Tod. Von den übrigen Nebendarstellern sind Fritz Rasp, dessen Koteletten schon eine Prise 1970er-Charme versprühen, und Ulrich Beiger zu nennen, der hier schon herrlich durch und durch versnobt auftritt - Mimik und Ausdruck sind ein Gedicht!

    Inszenatorisch fällt als Parallele auf, dass man auch im "roten Kreis" durch schnelle Szenenwechsel unterschwelligen Verdacht schüren will. So wird nach einem plötzlichen Schnitt groß Beardmore eingeblendet, wie er aufällig lacht, für einen kleinen Moment scheint sogar die "Lache" des synchronisierten roten Kreises hiningeschnitten zu sein. Anschließend darf sich der Zuseher ausgiebig von den Bogenschießkünsten seines Neffen machen, wenig später wird der alte Beardmore durch einen Pfeil getötet. Wie schon geschrieben wurde, gelingt eine finale Zuspitzung der Spannung nicht wirklich, vielmehr bewegt sie sich nahezu durchgängig auf mittlerem Niveau, wobei sich gleichzeitig auch keine Durchhänger einschleichen. Der an "Stahlnetz" erinnernde Kommentar aus dem Off zu Anfang des Films wirkt immer wieder befremdlich. Geglückt ist demgegenüber wie schon angedeutet der Umgang mit Humor, der sich ähnlich wie später in den "toten Augen von London" vor allem aus Dialogwitz speist ("Wir brauchen Männer, die lachen können." - "Da werden Sie hier in Scotland Yard nicht viele finden.") Die Auflösung gehört mit zu den besten der Reihe. Logiklöcher sind vorhanden (vor allem der hier schon mehrfach angesprochene Teller), stören das Vergnügen aber kaum. Der titelgebende Täter wirkt durch seine dezente Maskerade noch ein ganzes Stück bedrohlicher als sein Vorgänger und die meisten seiner Nachfolger. Die Auftritte, in denen er plötzlich auf der Rückbank auftaucht und dann stimmig synchronisiert "loslegt", fallen ausgenommen effektvoll aus. Aus diesen Gründen sowie der Besetzung, die ausgenommen von Arent an vorderster Front weitgehend ohne "Wiederholungstäter" auskommt, geben dem "roten Kreis" eine gewisse Sonderstellung, weswegen seine Sichtung immer wieder aufs Neue lohnt. Summa summarum bewegt er sich mit dem Vorgänger auf gleichem Niveau, daher wiederum 4,5 von 5 Punkten.

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum20.11.2018 00:04
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Hoffentlich hast du diesmal daran gedacht, hatte keine Zeit mehr, eine Erinnerung ins Forum zu schreiben, war selbst erst gerade rechtzeitig zu Hause.


    Fall Nr. 3: Tödliche Blende (BRD 1986)

    Regie: Horst Flick

    Darsteller: Heinz Drache, Jürgen Kluckert, Almut Eggert, Horst Schön, Maximilian Wigger, Eckart Dux, Peter Aust, Hannelore Cremer, Joachim Bliese, Anita Lachner, Gudrun Genest u.a.



    Kommissar Bülow soll am Rande von Filmdreharbeiten die realistische Darstellung der Polizeiarbeit überwachen. Prompt holt den Kommissar die Realität ein, denn am Set geht ein Serienmörder um...

    Filmdreharbeiten oder Theateraufführungen sind gern verwendete Motive in Kriminalfilmen, erlauben sie es doch den Figuren, einen Einblick in den Beruf zu erhalten, den die Menschen, welche diese verkörpern, selbst ausüben. Das sorgt beim Publikum regelmäßig für Momente des Schmunzelns. So auch in "Tödliche Blende", als Bülow nach einem Krach mit dem Regisseur am Set, gespielt von Eckart Dux, meint, er stelle fest, beim Film gehe es "noch arger" zu, als man in der Presse immer lese. Einen besonderen Charme hat diese Aussage natürlich angesichts der öffentlichen Schlammschlacht, die sich Drache mit Autor Herbert Lichtenfeld während seiner Tatort-Ära lieferte. Allerdings ist Draches Frust durchaus nachzuvollziehen, denn auch das vorliegende Buch von Rolf von Sydow bietet eine eher fade Serienmörder-Geschichte mit kaum bemerkenswerten Figuren. Interessant wird die Folge eher durch den Flirt zwischen Drache und einem der späteren Opfer. Auch die "Schachgespräche" zwischen Bülow und seinem Vermieter, einem Staatsanwalt, sorgen für Kurzweil. Darüber hinaus darf der Hauptkommissar mit seinem ungleichen Kollegen Öllerink einen über den Durst trinken und über sein Privatleben sprechen. Nach einer langen und glücklichen Ehe sei es schwer einen neuen Partner zu finden, gibt er zu Protokoll. Davon abgesehen sind Inszenierung und Schauspiel mit Ausnahme desjenien des Hauptdarstellers auf Vorabend-Niveau. Eckart Dux ist in der Rolle des braven und verschmitzt lächelnden, sympathischen "Langweilers" besser aufgehoben als in der eines ungehobelten Regisseurs. Alles in allem etwas besser als "Die kleine Kanaille", aber noch lange nicht gut.


    Das Potential, das in dieser Episode im Schauspieler-Milieu liegt, wird leider durch eine halbgare Serienmörder-Story verschenkt. Schauspiel und Inszenierung bewegen sich auf bescheidenem Niveau. Dank des weltmännischen Heinz Drache noch 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Giacco im Beitrag #47
    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #46
    Mit dem "volljährig" ist das so eine Sache. Früher war man ja auch erst mit 21 Jahren richtig erwachsen.

    Das ist nämlich genau der Punkt: Volljährig war man erst mit 21 Jahren. Das galt bis Anfang der Siebziger. Insofern passt auch Brigitte Grothum im "Gasthaus" als Leila.



    Das war mir schon bekannt. Trotzdem war Grothum ja immerhin rund sieben Jahre älter, was in dem Alter durchaus was aus macht. Das hat man bzw. sie dann entsprechend versucht zu kaschieren, was ihr in meinen Augen nicht sonderlich gut gelungen ist. Aber darüber kann man dann ja ggf. nochmal beim "Gasthaus" diskutieren.

    Bezogen auf Anthes hat es altersmäßig dann offenbar gepasst, was den Rest angeht, sind wir hier wie sich zeigt geteilter Meinung.


    Ansonsten wurde mit der Eppler-Figur auch so ein kleines Gruselkrimi-Klischee begründet. Wenn ich das richtig im Kopf habe, gab es doch in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" und "Der Todesrächer von Soho" ähnliche Figuren.


    Was im regulären Thread auch schon mal kurz angesprochen wurde und worauf ich daher nochmal besonders geachtet habe, war das vorhandene bzw. gerade nicht vorhandene gerichtliche Verfahren. Davon ist im Film abgesehen von dem eher nichtssagenden Satz "Sie haben es mir bewiesen" nie die Rede. Ray wird verhaftet, verhört und ohne dass sonderlich viel Zeit vergangen sein kann (zwischenzeitlich ist Fuchsberger und Arent zwar ein stolzer Bart gewachsen, aber die wohl jedenfalls notwendigen Monate zwischen Verhaftung, Verurteilung und Vollzug der Todesstrafe werden sie kaum in den Händen des Frosches verbracht haben). Kann insoweit vielleicht einer der Romanleser aus der Erinnerung heraus sagen, wie mit dem Thema im Roman umgegangen wird?

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #39
    Ansonsten geht Karin Dor natürlich fast immer, auch hier hätte ich mir sie vorstellen können, zumal sie ja etwa in der "Bande des Schreckens" auch noch sehr mädchenhaft rüberkam. Im Übrigen sicher nicht über jeden Zweifel erhaben, zum damaligen Zeitpunkt aber doch einigermaßen naheliegend für die Rolle der Ella wäre in meinen Augen Elisabeth Müller gewesen, hatte sie doch in den 1950er-Jahren in einigen Kriminalfilmen bzw. Kriminaldramen mitgespielt ("Das Bekenntnis der Ina Kahr", "Dr. Crippen lebt!", "Gestehen Sie, Dr. Corda!"), außerdem Hauptrollen an der in Hollywood-Produktionen an der Seite von Robert Taylor und Robert Mitchum innegehabt.

    Reinl wollte oder konnte seine Frau offensichtlich nicht durchsetzen. Und Müller (die ich ansonsten sehr schätze) ist ja noch mal 11 Jahre älter als Anthes. Gut, die hätte man vielleicht noch optisch irgendwie als naiven Teenager hintrimmen könnnen, aber das Publikum muss das dann ja auch noch akzeptieren.

    Vielleicht wars aber auch ganz profan eine Frage des Budgets. [/quote]

    Stimmt, den Altersunterschied habe ich nicht bedacht. Das hat man zwar beim "Gasthaus an der Themse" auch nicht so genau genommen, da ist es m.E. aber eben auch schief gegangen. Wobei ich jetzt selbst nicht weiß, wie alt Ella tatsächlich sein soll (Wird das im Film oder Roman explizit erwähnt?), im Gasthaus ist Leila ja noch minderjährig, wenn ich das recht in Erinnerung habe.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Tarzan im Beitrag #40
    Der Film mit Robert Mitchum war eher eine britische Produktion, wurde auch in Europa gedreht. Und auch wenn die Müller an zweiter Stelle hinter Robert Taylor heute in den Credits des anderen Films steht, im Filmvorspann taucht ihr Name noch hinter der Newcomerin Nicola Michaels auf. Von der gezahlten Gage hat sie in Hollywood auch weitaus weniger bekommen, als beispielsweise eine Senta Berger. Also groß Hollywood war da in Wirklichkeit nicht!



    Okay, danke für den Hinweis, habe die Filme selbst noch nicht gesehen. Aber jedenfalls hat sie eben in einigen hiesigen Kriminalfilmproduktionen in den 1950er-Jahren mitgespielt, was ja für die Frage der Besetzung in einem Wallace-Film auch entscheidender ist.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Polizeifunk ruft (BRD 1966-1970)

    "Großstadt - Menschen - Technik - Gefahr! - In Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei entstand die Serie "Polizeifunk ruft"...!".


    Der Vorspann deutet schon an, dass es sich bei "Polizeifunk ruft" um den legitimen Nachfolger von "Hafenpolizei" handelt. Aus dieser wurde jedoch von den Hauptdarstellern nur Josef Dahmen übernommen, was insofern zu begrüßen ist, als er noch der charismatischste war. An seiner Seite fungiert zunächst der etwas spröde Günter Lüdke, der aber schnell durch den besseren Eckart Dux ("Das Halstuch", "Butler Parker") ersetzt wird. Zur heimlichen und später echten Hauptfigur mutiert rasch Karl-Heinz Hess, der als Streifenpolizist (auch "Weiße Maus" genannt) namens Hartmann für die Ordnungshüter arbeitet und dabei oft über das Obligatorische hinaus ermittelt, dabei mitunter etwas übereifrig agiert und sich gelegentlich in Gefahr bringt. Hartmann wird im zweiten Drittel der Serie für einige Folgen zu Fortbildungszwecken nach Japan und Frankreich geschickt. Diese Folgen sind etwas gewöhnungsbedürftig und fallen überwiegend qualitativ ab. Eine Ausnahme bildet vielleicht "Empfang in Japan", die einen Hauch "Man lebt nur zweimal"-Atmosphäre versprüht. Davon abgesehen hat man es weniger häufig mit allzu banalen Geschichten zu tun, inhaltlich haben die Episoden mit anderen Worten im Schnitt gefühlt ein höheres Niveau als noch bei "Hafenpolizei", folgerichtig gibt es auch mehr wirklich gelungene Folgen. Auch die Besetzung ist in den Hauptrollen insgesamt etwas einfacher zugänglich. Zu den "Highlights" unter den Folgen würde ich etwa "Das Mädchen von der Autobahn" zählen, eine Folge, in der Charles Brauer und Corny Collings als Diebesduo Männer u.a. an Autobahnraststätten um ihre Breifstasche bringt, wobei Collins der fürs Bezirzen und Brauer für die schnelle Flucht zuständig ist. Weiter in Erinnerung ist mir "Handgeknüpfte Teppiche" in wohliger Erinnerung. Hier liefert Uwe Friedrichsen echte Kabinettstückchen als Teppichdieb, der für seine Ware keine Abnehmer findet und nun die lästigen Teppiche an der Haustür zu Tiefstpreisen verscherbelt. Allgemein ist die Reihe recht abwechslungsreich, was die Art der Kriminalität betrifft. Um Mordfälle geht es dabei aber eher selten, was ich allerdings nicht als Manko auffasse.

    Als Gaststars wirken u.a. mit: Günther Ungeheuer, Dieter Eppler, Uwe Friedrichsen, Judy Winter, Corny Collins, Charles Brauer, Gisela Uhlen, Inge Langen, Eva Pflug, Harald Juhnke, Harry Riebauer, Jan Hendriks, Dietmar Schönherr, Vivi Bach, Werner Bruhns, Carl Lange.


    Wer sich nicht entscheidend daran stößt, dass man frühzeitig (ab Folge 14) in Farbe drehte, mag vielleicht sogar mit "Polizeifunk ruft" anfangen. Mir hat die Serie jedenfalls summa summarum ein ganzes Stück besser gefallen als der Vorgänger. Die DVDs von Pidax präsentieren die Folgen in ordentlicher Qualität.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Mit Eva Pflug hatte ich anfangs auch so meine Probleme, Gleiches gilt für Wilz. Bei den beiden habe ich meine Meinung aber geändert. Beide haben in meinen Augen ein ansprechendes schauspielerisches Niveau und spielen ihre Rolle glaubwürdig.

    Anthes ist für mich aber sowohl optisch als auch schauspielerisch hausbacken. Jans Vergleich im regulären Besprechungs-Thread mit einem mopsigen Teenager ist vielleicht etwas hart, trifft den Kern aber recht gut. Dass sich der reiche Gordon, obwohl er ja scheinbar gesellschaftlich viel verkehrt und selber auch ein gut aussehender Mann ist, ausgerechnet auf den ersten Blick in Ella verschießt, leuchtet nicht ohne weiteres ein. Aber gut, wo die Liebe eben hinfällt, Blackys Beschützerinstinkt ist eben untrüglich.

    Ansonsten geht Karin Dor natürlich fast immer, auch hier hätte ich mir sie vorstellen können, zumal sie ja etwa in der "Bande des Schreckens" auch noch sehr mädchenhaft rüberkam. Im Übrigen sicher nicht über jeden Zweifel erhaben, zum damaligen Zeitpunkt aber doch einigermaßen naheliegend für die Rolle der Ella wäre in meinen Augen Elisabeth Müller gewesen, hatte sie doch in den 1950er-Jahren in einigen Kriminalfilmen bzw. Kriminaldramen mitgespielt ("Das Bekenntnis der Ina Kahr", "Dr. Crippen lebt!", "Gestehen Sie, Dr. Corda!"), außerdem Hauptrollen an der in Hollywood-Produktionen an der Seite von Robert Taylor und Robert Mitchum innegehabt.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Wenn das mal kein verheißungvoller Einstieg in die Wallace-Wochen ist. Toll, dass sich tatsächlich so viele beteiligen und hier so in die Details gegangen wird.

    Auch von mir nochmal ein paar spontane Gedanken.


    Der Film ist insofern ein eindeutiges Kind der 1950er, als er durch seine Betonung auf (melo-)dramatische Momente ganz in der Tradition von Filmen wie "Das Bekenntnis der Ina Kahr" oder "Gestehen Sie, Dr. Corda!" steht. An manchen Stellen trägt der Film aus heutiger Sicht allerdings zu dick auf, das gilt für mich auch für die hier mehrfach gelobte Szene bei der Hinrichtung. Schmunzeln musste ich zudem bei der Szene, in der "Old Ben" Ray in der Lolita Bar aufsucht. In dem Moment, in dem er das Wort erhebt - was er noch nicht einmal besonders laut tut - verstummen alle Personen im Lokal, egal ob sie sich unterhalten, laut lachen oder tanzen. Das ist schon sehr "inszeniert". Fragen kann man sich auch, warum der Frosch die Kolldehoff-Figur selber tötet, normalerweise macht sich ein Verbrecherboss wegen so eines simplen Auftrags nicht die Finger schmutzig. Aber man wollte der Figur wohl eine gewisse Präsenz einräumen, um seine Gefährlichkeit zu demonstrieren und dazu gehören im Genre wohl dann auch eigenhändige Taten und nicht nur solche durch Helfershelfer. Mit der Figur des Froschs bewegt man sich gleich im Premierenfilm ein wenig auf Comic-Pfaden, derlei Inhalte hatte in den 1950ern zuvor Kurt Hoffmann mit "Klettermaxe" bedient, ein Film, in dem man im Übrigen einige Elemente vorfindet, die auch die Wallace-Filme auszeichnen. Aber dazu vielleicht mal an anderer Stelle mehr.

    Ansonsten zeigt sich bereits im Erstling die Bedeutung der Nebenakteure: Fritz Rasp gelingt ein exzellenter Start in seine zweite Wallace-Karriere. Spricht er zunächst kaum ein Wort - außer einem lauten "Raus!", als er Ray aus seinem Büro schmeißt, lässt er vor seiner Ermordung seinen Emotionen freien Lauf. Ulrich Beiger, neben Rasp, Pinkas Braun und Werner Peters der in meinen Augen bedeutenste Nebendarsteller der Wallace-Reihe, zeigt sich hier ganz offen von seiner "fiesen" Seite. Seine hinterlistige, versnobte Art wird erst in seinen folgenden Auftritten akzentuiert werden. Auch Carl Lange setzt mit seiner unterkühlten, distanzierten, verletzlichen Darstellung des Henkers eine Duftmarke.

    Im Grunde genommen erweist sich der hinter dem Frosch steckende Brockmann als logische Täterwahl. Allerdings werden dem uninformierten Zuschauer geschickt andere Personen als Täter "untergeschoben": Unmittelbar nachdem Inspektor Elk Sir Archibald erzählt, dass der Frosch eine echter Verwandlungskünstler ist, sieht man Eppler, wie er sich seine Maskerade abnimmt. Nach dem nächtlichen Besuch des Froschs und einer weiteren Tat sieht man "Old Ben" nach Hause kommen. Auch Fritz Rasp, dem zugeknöpften und geizigen Geschäftsmann, der mit Handschuhen und einem dekorativen Brieföffner vor der Nase an seinem Schreibtisch sitzt, traut man die Rolle ohne weiteres zu.

    Gut funktioniert auch der Einsatz des Froschs als Leitmotiv: in der Einführungszene quaken die Frösche, während die menschlichen "Frösche" den Tresor im Anwesen knacken. Elk fordert die "Frösche" auf, zu quaken. Gegenüber Kolldehoff erklärt er auf dessen Nachfrage, wo sich der Beleuchter befinde, manche Menschen hüpften wie die Frösche. In der Schlussszene sieht man vor Gordons Anwesen einen Frosch hüpfen, dem Arent anmahnt, friedlich zu sein, schließlich sei seine Zeit vorbei.


    Alles in allem ist Harald Reinl ein sehr gelungener Einstiegsfilm gelungen, das indiziert nicht zuletzt der großartige Erfolg, der dem Film beschieden war. Da er wie gesagt mitunter ein wenig Dick aufträgt und Eva Anthes für mich eine schwerwiegende Fehlbesetzung bleibt - im Gegensatz zu Wilz, der seine Sache gut macht - bleibe ich bei 4,5 von 5 Punkten.

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Ray
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