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  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Der Teppich des Grauens (BRD/ESP/I 1962)

    Regie: Harald Reinl

    Darsteller: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Eleonora Rossi Drago, Werner Peters, Carl Lange, Pierre Bersari, Marco Guglielmi u.a.



    Auf der Suche nach weiteren geeigneten Krimistoffen fern von Edgar Wallace wurde die Constantin bei den Werken des Deutschen Alois Weinert, der unter dem Namen Louis Weinert-Wilton Kriminalromane im Stile von Wallace veröffentlicht hatte, fündig. Indem man sich die Rechte des deutschen Krimiautors, der 1945 auf tragische Weise in einem Konzentrationslager in Prag verstarb, sicherte, sorgte man auch gleichzeitig dafür, dass sich kein Konkurrent die Rechte sichern und eine weitere Konkurrenzreihe zu Wallace aufbauen konnte. Mit "Der Teppich des Grauens" nahm im Jahre 1962 die Reihe ihren Anfang. Bei diesem Film handelt es sich um eine deutsch-spanisch-italienische Co-Produktion, dementsprechend international fiel auch die Besetzung vor und hinter der Kamera aus. Dennoch wurden die wichtigsten Positionen mit Deutschen besetzt, so fand sich auf dem Regiestuhl etwa kein geringerer als Harald Reinl, der mit "Der Frosch mit der Maske" im Jahre 1959 die „Gruselkrimiwelle“ angestoßen hatte.

    Auch bei der Besetzung ging man offensichtlich kein Risiko ein, wollte man die Weinert-Wilton-Reihe doch wie gesagt als eigene Wallace-Konkurrenz im Hause Constantin etablieren. Passend dazu warb man mit dem Slogan: „Wer Edgar Wallace liebt, wird auch von Weinert-Wilton begeistert sein“. Für die beiden Hauptrollen verpflichtete man das Krimitraumpaar Joachim Fuchsberger/Karin Dor. Während Fuchsberger eine solide Vorstellung ablieferte, litt das Spiel Karin Dors an der Tatsache, dass sie sich nicht selbst synchronisiert hatte, so dass ihrer Performance stets eine gewisse Fremdheit umgab. Dies zeigte aber auch einmal mehr, wie sehr sie von ihrer markanten, einzigartigen Stimme lebte, die stets etwas Stilvolles und Damenhaftes an sich hatte. Die unglückliche Synchronisation Dors war allerdings nicht die einzige. Auch Fuchsbergers Diener Bob, gespielt Pierre Bersari, wurde in einer geradezu herabwürdigen Weise synchronisiert, was einen leicht üblen Beigeschmack hinterließ. Im Übrigen war dessen Rolle – wohl als Sidekick á la Eddi Arent angelegt, in seiner Umsetzung aber wirkungslos, ja sogar schädlich – völlig überflüssig. Werner Peters und Carl Lange waren ebenfalls bekannte Gesichter aus der damaligen Zeit, wobei insbesondere Werner Peters eine sehr gute, vielleicht sogar die beste Leistung im ganzen Ensemble ablieferte und den nach Macht strebenden Crayton wie eh und je zu einem ausdrucksvollen Part erstarken ließ. Von den anderen Beteiligten hinterließ im Besonderen Eleonora Rossi Drago einen bleibenden Eindruck. Bereits optisch – Frisur – eine interessante Entdeckung, wusste sie auch im Übrigen durch ihr ausdrucksvolles Spiel zu überzeugen und stahl so „Miss Krimi“ Karin Dor etwas die Show. Schließlich sei noch Marco Guglielmi lobend erwähnt, der der Figur des schmierigen, "karrieregeilen" Inspektors einiges an Profil gab.

    Der Film beginnt mit einer starken Eröffnungssequenz, die das interessante Mordwerkzeug durch gelungenen Spannungsaufbau und tolle subjektive Kamera stimmungsvoll einfängt und den absichtlich mysteriös anmutenden Titel sogleich erklärt. Dieses hohe Niveau kann der Film dann leider nicht halten, auch wenn auf diese Mordszenen noch zwei in dieser Form folgen. An Action wird nicht gespart, diese ist auch in gewohnter Reinl-Manier routiniert inszeniert. Darüber hinaus gibt es einen schon fast klassischen „Whodunit“ samt sagenumworbenen „Chefs“, dennoch entfaltet der Film aufgrund der blassen Story, die bis zum Schluss etwas schleierhaft bleibt, wenig Spannung. Trotz dieses und der anderen negativen Aspekte (Synchronisation Karin Dors, Rolle des Dieners Bob) bietet der Film für Fans des Genres grundsolide Kost, so dass dieser auf seine Weise stets gut unterhält. Gerade die erste gemeinsame Szene zwischen Dor und Fuchsberger (Bushaltestelle, Weg nach Hause) bietet besten Wallace-Charme und der – selbst für einen Film dieser Zeit – völlig verfrühte Antrag Fuchsbergers lässt den „informierten“ Zuschauer schmunzeln. Auch die Außenaufnahmen, die in Spanien entstanden, bieten nette Abwechslung, hatte man diese in einem derartigen Krimi doch noch nicht gesehen. Dass Spanien im Grundsatz ebenso wenig als England-Double taugt wie Deutschland, dürfte dennoch klar sein, stört den gemeinen Fan aber kaum. Erwähnenswert erscheint noch der stimmungsvolle Showdown in den Tunnelanlagen, der auch für Kenner von Filmen dieser Art wieder etwas „Neues“ bietet. Alles in allem ein solider Auftakt der Weinert-Wilton-Reihe, dem jedoch bessere Beiträge nachfolgen sollten.


    Auch wenn man vom Traumpaar des deutschen Kriminalfilms und Spezialist Harald Reinl grundsätzlich mehr erwarten darf und die Figur und insbesondere die Synchronisation des Dieners Bob aus heutiger Sicht höchst fragwürdig sind, bietet der Film insgesamt noch gute Genre-Unterhaltung. Wackelige 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Da in diesem Thread bisher ja nur Bewertungen für den "falschen", nämlich einen vom Titel des Threads abweichenden Film abgegeben wurden ("Tödlicher Karneval"), bin ich stolz, als erster eine für den "richtigen" schreiben zu können...


    Mord in Rio (BRD 1963)

    Regie: Horst Hächler

    Darsteller: Erika Remberg, Hellmut Lange, Gustavo RojoReinhard Kolldehoff. Eva Wilma u.a.



    Rio: Eine Barbesitzerin betreibt mithilfe einer gutgläubigen Kaffe-Exporteurin einen Diamanten-Schmuggel. Was lange im Geheimen läuft, kommt durch einen mitteilsamen Clown, der tagtäglich in der Bar der Schmugglerin auftritt, zum Vorschein. Er informiert die Chefin der Exportfirma. Bald darauf geschieht ein Mord. Diese Geschehnisse wecken das Interesse eines jungen Journalisten, der mit der Exporteurin liiert ist...

    Scheinbar weitgehend unbemerkt ist dieser Film vor knapp zwei Jahren von Filmjuwelen auf DVD erschienen. "Mord in Rio" wurde wie "Tödlicher Karneval" mit fast identischer Crew hintereinander an Original-Schauplätzen in Rio abgedreht, weswegen die Filme - wie ja schon in vorherigen Beiträgen erschöpfend thematisiert - häufig verwechselt werden. Womit man auch schon bei den Vorzügen des Films wäre. Der Schauplatz Rio wurde - mitunter zum reinen Selbstzweck - reichhaltig in Szene gesetzt. So gibt es ausladende Autofahrten, Strandgespräche an der Copacabana (wobei "rein zufällig" ein paar Einheimische mehrfach freudig tanzend durchs Bild laufen...).

    Die Story ist ein wenig umständlich und nimmt erst etwas Fahrt auf, nachdem Hellmut Lange die Szenerie betritt. Zu diesem Zeitpunkt sind aber schon mehr als dreißig Minuten vergangen. Erika Remberg in der Hauptrolle spielt leider wenig überzeugend, überhaupt gibt es zahlreiche Epigonen mit weitaus besserer Besetzung. Gustavo Rojo macht seine Sache solide - mehr nicht. Ein echter Lichtblick ist Eva Wilma. Die Brasilianerin, bis heute im Fernsehen tätig, spielt die Barbesitzerin und Chefin des Schmugglerrings unheimlich ausdruckstark. Eiskalt wickelt sie die Herren um sich herum um ihre Finger, ihre Ausstrahlung ist immens. Dagegen wirkt Frau Remberg wie ein Mauerblümchen...

    Im Übrigen bekommt man allerhand bewährte Klischees geboten. Bar, Tanz, Messerwurf... Einen echten Whodunit gibt es im Grunde nicht, auch wenn zum Schluss dann doch noch eine kleine Überraschung präsentiert wird. Insgesamt bietet der Film noch annehmbare Unterhaltung, wenn man mit gesenkter Erwartungshaltung an den Film herangeht.

    Die DVD von Filmjuwelen präsentiert den Film im Original-Kinoformat (4:3). Das Bild ist recht passabel.


    Wer schon immer mal einen Wallace-Trittbrettfahrer sehen wollte, der in Rio spielt oder Hellmut Lange-Fan ist, der kann sich den Film ruhig ansehen. Für alle anderen gibt es sicher eine Reihe besserer Konkurrenz-Filme. Der Film lebt von seinen zahlreichen Außenaufnahmen, Story und Cast sind ansonsten keiner großen Rede wert. Bei niedriger Erwartungshaltung wird man akzeptabel unterhalten. 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X (AT 1964)

    Regie: Ernst Hofbauer

    Darsteller: Adrian Hoven, Corny Collins, Ady Berber, Ellen Schwiers, Mady Rahl, Paul Löwinger, Sieghardt Rupp, Herbert Fux u.a.


    "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X" gehört sicher zu denjenigen Epigonen, von denen man im vorhinein am wenigsten verspricht. Die allgemeine Meinung über den Film ist eher negativ, zudem konnte Hauptdarsteller Hoven bei seinen übrigen Versuchen, im Genre Fuß zu fassen, nicht überzeugen. Allzu profillos gerieten seine Auftritte. Umso überraschender, dass der Film insgesamt als gelungen bezeichnet werden kann.

    Das fängt schon bei Hoven an, der hier ausgesprochen agil und spielfreudig wirkt. Dabei hat er gleich seine Filmpartnerin Collins angesteckt, die wie Hoven beim einzigen Wallace-Auftritt komplett unterging. Ellen Schwiers gefällt in der Rolle der Barbesitzerin ganz ausgezeichnet. So hätte man sie gern auch mal in einem Wallace-Film gesehen. Ady Berber darf in einer österreichischen Produktion mal wieder mehr von seinem durchaus im Ansatz vorhandenen schauspielerischen Können offenbaren. Klaus Löwinger ist mal was anderes im humoristischen Bereich, für wirkliche Erheiterung kann er freilich nicht sorgen. Mady Rahl und Sieghardt Rupp runden den zwar nicht berauschenden, aber doch sehr sympathischen Cast ab.

    Was den Film noch so sehenswert macht, ist die Art und Weise, wie der Handlungsort Antwerpen in Szene gesetzt wurde. Reichlich Bilder vom Hafen und von der Altstadt bekommt der Zuschauer präsentiert. An diesen Orten ereignen sich zudem einige erstklassig gefilmte Verfolgungsjagden, u.a. eine, in der Ady Berber einen Gangster eine sich im Aufklappen befindende Brücke hinaufjagt. Der Showdown, in dem Frazer den titelgebenden Mister X erst durch die Innenstadt Antwerpens, dann durch den Bahnhof bis in einen endlos wirkenden Tunnel jagt, ist ungemein spannend und actionreich ausgefallen.

    Handlungstechnisch türmen sich natürlich die Klischees. Aber wenn man ehrlich ist, will man die doch (immer wieder) sehen, so darf auch eine "Sansibar" nicht fehlen... Darüber hinaus fällt die Auflösung nicht sonderlich überraschend aus. Auch das verzeiht man jedoch gerne.

    Der Film lässt einen zufrieden zurück. Mir persönlich gefällt er besser als die "Tim Frazer"-Mehrteiler mit dem streitbaren Herrn Eckard, wohlwissend, dass hier Durbridge nur auf dem Etikett steht. Mit dem Frazer nach Hoven-Spielart hätte man durchaus in Serie gehen können.


    Überraschend gelungener Wallace-Trittbrettfahrer mit Durbridge-Etikett. Ein sympathischer Cast um den diesmal sehr agilen Adrian Hoven versammelt sich in der unverbrauchten Krimistadt Antwerpen für spannungsgeladene 83 Minuten. Empfehlenswert. 4 von 5 Punkten, mit Tendenz nach oben.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das Wirtshaus von Dartmoor (BRD 1964)

    Regie: Rudolf Zehetgruber

    Darsteller: Heinz Drache, Paul Klinger, Ingmar Zeisberg, Stanislav Ledinek, Friedrich Joloff, Judith Dornys, Dieter Eppler, Ralf Wolter, Friedrich Schoenfelder, Gerhard Frickhöffer, Mady Rahl, Kai Fischer, Wolfgang Völz u.a.




    "Das Wirtshaus von Dartmoor" gehört rein vom "production value" sicher zu den besten Stilverwandten. Cast, Ausstattung und Kulissen sind schon sehr ordentlich. In Sachen Besetzung ist der Film zwar nicht ganz so stark wie "Hotel der toten Gäste", dennoch hätte auch die vorliegende das Zeug für einen Edgar Wallace-Film gehabt. An vorderster Front natürlich Heinz Drache, der seine Sache gewohnt souverän macht. Dahinter das aus "Die weiße Spinne" bekannte Duo Paul Klinger/Freidrich Schoenfelder. Klinger kommt zwar recht sympathisch rüber, dennoch bleibt er im Vergleich zu Drache ein wenig blass. Schoenfelder hingegen agiert charismatischer als all diejenigen, die an Stelle von Siegfried Schürenberg den Scotland Yard-Chef gemimt haben. Ihm hätte man ruhig mehr Szenen geben können. Ansonsten stechen der knorrige Friedrich Joloff und der gewohnt starke Stanislav Ledinek hervor. Ingmar Zeisberg ist auch ganz nett, allerdings fällt ihre schlechte Aussprache englischer Namen negativ auf und beraubt ihr ein gutes Stück ihrer Laszivität. Ralf Wolter soll für humoristische Abwechslung sorgen, das gelingt jedoch nur sehr bedingt.

    Man sollte meinen, dass das Moor zu den unentbehrlichen Gruselkrimi-Klischees gehört. Dafür taucht es vergleichsweise selten im Genre auf (Mir fällt spontan neben "Der Würger von Schloss Blackmoor" nur "Der Hund von Blackwood Castle" ein.). Die Szenen im Moor, insbesondere die Eingangssequenz und jene kurz vor dem Ende gehören auch zweifelsohne zu den Highlights, der Showdown ist zudem recht spektakulär. Dazwischen allerdings herrscht zu viel Leerlauf. Nach durchaus vielversprechendem Beginn braucht der Plot schlichtweg zu lange, um richtig Fahrt aufzunehmen. Die Inszenierung Zehetgrubers erweist sich einmalmehr als zu behäbig. Mit einem anderen Regisseur und einem etwas stringenteren Drehbuch (mit vielleicht 1-2 Morden mehr) hätte der Film richtig gut werden können. So bietet er letztlich nicht mehr als biedere Hausmannskost. Für eine gewisse Entschädigung sorgt der gute Score von Peter Thomas. Trotzdem kann man sich den Film immer mal wieder ansehen. Jedoch in größeren Abständen als die Genre-Perlen.


    Dem starken Cast, dem atmospärischen Setting und dem gelungenen Thomas-Score stehen eine dürftige Inszenierung und eine nicht ganz überzeugende Story gegenüber. 3,5/5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #105
    Zitat von Ray im Beitrag #104
    Claus Biederstaedt, der – mit Ausnahme der TV-Adaption von "Der Hexer" aus dem Jahre 1963 (nicht zu verwechseln mit dem Kinofilm von 1964!) – dem Kriminalfilm eher fremd war ...

    Man denke an seine späteren Auftritte bei "Der Kommissar" und Co. oder sogar als Ermittler in "Die unsterblichen Methoden des Franz Josef Wanninger". Spätestens ab den späten Sechzigern war Biederstaedt durchaus häufig in Krimis zu sehen.

    Und eine kleine Bitte, @Ray: Keine offenen Spoiler in den Bewertungen ohne Vorwarnungen. Sicher haben die allermeisten das "Hotel" schon gesehen - doch es gibt auch dezente Wege, das zu formulieren, was du ausdrücken wolltest, ohne dabei Namen in den Mund zu nehmen.

    Sonst eine sehr erfrischende Meinung zum "Hotel der toten Gäste", das ich ebenfalls sehr schätze - aus ähnlichen Gründen. Ich sage auch immer wieder sehr gern ja.


    Zu Biederstaedt: damit hast du sicher recht. Hatte jetzt eher Wallace & Co vor Augen, da hätte ich genauer formulieren können.

    Das mit dem Spoilern tut mir leid. Wollte eine entsprechende "Warnung" noch reinschreiben, hab ich dann aber vergessen...

    Dass der Film hier eher schlecht wegkommt, ist mir auch aufgefallen und hat mich ehrlich gesagt doch sehr überrascht. Für mich zählt der Film zu den Klassikern, die man sich immer wieder ansehen kann.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Hotel der toten Gäste (BRD/ESP 1965)

    Regie: Eberhard Itzenplitz

    Darsteller: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Renate Ewert, Claus Biederstaedt, Frank Latimore, Wolfgang Kieling, Hans Nielsen, Monika Peitsch, Gisela Uhlen, Ady Berber u.a.



    Der Bericht enthält Spoiler.


    Bei dem Film "Hotel der toten Gäste" handelt es sich um die wohl am besten besetzte Wallace-Epigone schlechthin. Ganze neun (!) Darsteller, die vor oder nach dem Film Auftritte in mindestens einem Rialto-Wallace-Film absolvierten, versammelten sich in den Bavaria Filmstudios unter der Regie des weniger bekannten Regisseurs Eberhard Itzenplitz, der Zeit seines Lebens weit überwiegend im Fernsehen tätig war, um diesen Kriminalfilm nach dem Roman "Die rote Vase" der australischen Schriftstellerin Heather Gardiner zu realisieren. Produzent Karl Heinz Busse war zuvor insbesondere mit Schlagerfilmen erfolgreich. Dies sieht man dem fertigen Film an, lässt sich doch die Intention, Kriminal- mit Schlagerfilm zu kreuzen, deutlich erkennen. Der Film entstand als deutsch-spanische Co-Produktion.

    Constantin Film hatte das geplante Projekt im Jahre 1964 fallen gelassen, zu dieser Zeit waren noch Wallace-Regisseur Alfred Vohrer und andere Darsteller wie etwa Paul Hubschmid vorgesehen. Da Busse, nachdem er das Projekt übernommen hatte, unbedingt das „Traumpaar“ Joachim Fuchsberger/Karin Dor für die Hauptrollen haben wollte, die aber 1964 noch andere Verpflichtungen hatten, wartete man bis 1965 mit der Realisierung des Films. Es handelt sich um den letzten reinen Kriminalfilm, in dem Fuchsberger und Dor gemeinsam zu sehen sind und „natürlich“ darf dabei ein „Happy End“ für die beiden nicht fehlen. Dennoch sind beide – jedenfalls minimal – entgegen ihrem Klischee besetzt. Fuchsberger wird gezielt in den Kreis der Verdächtigen miteinbezogen, auch wenn dies mitunter etwas bemüht wirkt. Ansonsten sieht man ihn lässig Pfeife rauchend durch die Szenerie wandern. Er hat nicht die Präsenz wie etwa in den Wallace-Filmen, dafür ist "Hotel der toten Gäste" zu sehr Ensemblefilm. Doch auch in diesem Film dürfen einige Kampfeinlagen von „Blacky“ natürlich nicht fehlen. Gefühlt hat dennoch Karin Dor die Hauptrolle inne. Sie spielt eine wesentlich unabhängigere Figur, nicht die reine „Unschuld“, was sich als durchaus reizvoll erweist. So mischt sie bei all den Intrigen fleißig mit und auch das „Happy End“ mit Fuchsberger erscheint längst nicht derartig vorhersehbar wie sonst. Im Übrigen sei zu erwähnen, dass ihre englische (!) Figur Gilly Powell interessanterweise die „Bunte“ liest und ihre Kostüme häufig mit den Tapeten der Hotelzimmer harmonisieren. Bemerkenswert insoweit, dass Fuchsberger und Dor zur Abwechslung einmal „gute alte Bekannte“ mimen, was sie ja im übertragenen Sinne zur damaligen Zeit in der Realität ob der vielen gemeinsamen Filme auch waren. Um das Traumpaar des deutschen Kinos gesellte sich ein illustres Ensemble, aus dem Wolfgang Kieling herausstach. Er verlieh dem Film mit seiner Darstellung des Jack Courtney, einem sich meist hinter einer Sonnenbrille versteckenden Intriganten, eine besondere Note. Jede Szene unter seiner Mitwirkung geriet zu einem kleinen Highlight und der Zuschauer merkte regelrecht, dass nun „etwas passiert“, überall hat er seine Finger mit im Spiel. Schade, dass man Kieling nicht noch öfter in Genrefilmen dieser Art sah. Des Weiteren bekam der Zuschauer Renate Ewert in ihrem vorletzten Kinofilm vor ihrem frühen Tod im Jahre 1966 zu sehen. Die skandalumwitterte Aktrice hatte bereits in "Der rote Kreis" einen starken Eindruck hinterlassen und konnte auch in dieser Produktion abermals punkten. Dagegen ging Monika Peitsch dann als „die dritte Dame“ vergleichsweise unter, ohne komplett zu enttäuschen. Gisela Uhlen – wie immer ein Gewinn – fällt leider früh dem Mörder zum Opfer. Claus Biederstaedt, der – mit Ausnahme der TV-Adaption von "Der Hexer" aus dem Jahre 1963 (nicht zu verwechseln mit dem Kinofilm von 1964!) – dem Kriminalfilm eher fremd war, lieferte eine achtbare Performance ab, auch wenn seine Demaskierung einigermaßen vorhersehbar war. Hans Nielsen machte seine Sache ebenfalls solide, ganz im Gegenteil zu Ady Berber, der völlig überfordert war. Seine Figur war gänzlich überflüssig und die Pointe, er sei nur Autor eines kommenden Werkes „Menschen im Hotel, Zweiter Teil“, geht völlig nach hinten los.

    Keine Frage, der Film lebt insbesondere von seiner überragenden Besetzung. Von dieser abgesehen, wirkt der Film allerdings eher wie ein Fernsehspiel, was vor allem an Regisseur Itzenplitz liegen dürfte, der – wie bereits erwähnt – fast ausschließlich fürs Fernsehen tätig war. So geht dem Film mitunter das Tempo ab, die Action hält sich in Grenzen und Außenaufnahmen sind Mangelware. Insofern wäre also noch „Luft nach oben“ gewesen. In gewisser Weise Makel, macht die betuliche Inszenierung aber auch gleichzeitig einen gewissen Reiz des Films aus. Der Zuschauer kann sich entspannt zurücklehnen und dem Ensemble bei all seinen kleinen Intrigen zuschauen, ohne mit einer allzu komplizierten Story belastet zu werden. Die Schlager sind zwar etwas störend, andererseits nicht ungeschickt in die Handlung eingebaut, so dass sie das Vergnügen nur bedingt trüben. Der Film bietet in gewisser Weise eine eigene Atmosphäre und ist so für Fans des Genres ein kleiner Leckerbissen, zumal die (wenigen) Mord- und Actionsequenzen recht spannend in Szene gesetzt sind. Insgesamt handelt es sich also um eine der besten Epigonen.


    Häufig als Schwäche aufgefasst, erweist sich gerade die betuliche Inszenierung neben dem formidablen Cast als großer Pluspunkt. Der Zuschauer kann sich zurücklehnen und den großen Mimen bei ihren Intrigen zusehen. Obwohl ich Schlager nicht ausstehen kann, lautet mein Fazit: "Ich sage Ja". 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die schwarze Kobra (AT 1963)

    Regie: Rudolf Zehetgruber

    Darsteller: Adrian Hoven, Ann Smyrner, Paul Dahlke, Wolfgang Preiss, Peter Vogel, Klaus Kinski, Klaus Löwitsch, Adi Berber, Herbert Fux, Günter Meisner u.a.



    Mal wieder gesehen und folgende Meinung gebildet:

    Das Hauptdarsteller-Duo hält, was es "verspricht". Smyrner und Hoven bleiben blass und können den Film in keiner Phase des Films an sich und den Zuschauer dadurch mitreißen. Demgegenüber kann der Film in der Breite mit einem durchaus beeindruckenden Cast aufwarten, aus dem der souveräne Wolfgang Preiss und der einmal mehr geniale Klaus Kinski herausragen. Allein die Szenen, in denen Kinski im Rausch vor sich hin klimpert, sind schon die Sichtung wert. Dahlke und Vogel machen ihre Sache ordentlich. Positiv ins Gewicht fallen schließlich die Leistungen Klaus Löwitschs und Adi Berbers, Letzterem wurde in österreichischen Produktionen augenscheinlich schauspielerisch wesentlich mehr zugetraut als in deutschen Produktionen (siehe auch "Tim Frazer...").

    Für Drehbuch und Regie war der gemeinhin nicht allzu sehr geschätzte Rudolf Zehetgruber verantwortlich, der in beiden Bereichen hier solides Handwerk abliefert. Man bekommt einen Whodunit samt interessantem Mordwerkzeug geboten, freilich ist das Täterrätsel nicht besonders schwer zu lösen.

    Die DVD von Filmjuwelen fällt recht enttäuschend aus. Das Bild wird im Format 1,66:1 präsentiert und enthält nahezu die gesamte Laufzeit über kleine Macken. Komischerwiese sind die Credits auf Englisch, die Titeleinblendung ist jedoch auf Deutsch.


    Dank in der Breite starker Besetzung und dem Vorhandensein typischer Zutaten annehmbare Genre-Unterhaltung. 3,5/5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das geheimnisvolle Haus

    Auch die sechste Folge der Reihe ist insgesamt wieder gelungen. Die Titelmusik, die Erzählerin - kleine Erkennungsmerkmale, auf die man sich stets freuen kann. Die Story scheint beim ersten Hören komplexer als sie dann letztlich ist. Interessant ist bei unverfilmten Stoffen ja immer die Frage, warum das so ist. M.E. liegt das einerseits an der vergleichsweise frühen Enttarnung des Täters, andererseits daran, dass die Umsetzung des titelgebenden Hauses kaum realisierbar war mit den vorhandenen Mitteln. Man hätte insoweit also - wie bei "Die Tür mit den 7 Schlössern" geschehen - umschreiben müssen.

    Sonst wer schon in das Hörspiel reingehört? Irgendwie ist es trotz vorhandener VÖen recht ruhig geworden in diesem Thread.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Herzlichen Glückwunsch an Brutus! Verdienter Sieg dank konstant guter Leistungen. Mir ist nach gutem Start hinten raus ein wenig die Luft ausgegangen. Symptomatisch, dass ich letztlich das Finalergebnis richtig hatte - nur eben das nach 90 Minuten nicht.

    Herzlichen Dank auch an Marmstorfer für die Initiative und den reibungslosen Ablauf des Tippspiels!

  • Der Fall Rabanser (1950)Datum10.07.2016 00:12
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Der Fall Rabanser (BRD 1950)

    Regie: Kurt Hoffmann

    Darsteller: Hans Söhnker, Richard Häussler, Ilse Steppat, Paul Dahlke, Franz Schafheitlin, Carola Höhn, Inge Meysel u.a.



    Reporter Peter Rabanser plant im Rahmen einer Fortsetzungsserie den perfekten Coup. Er steigert sich allerdings derartig in die Geschichte hinein, dass er schlussendlich die Notbremse zieht und einen befreundeten Kriminalkommissar aufsucht, um sich von ihm sicherheitshalber verhaften zu lassen, damit er die Tat nicht begeht. Der Kommisar lässt ihn nach einem längeren Gespräch jedoch wieder gehen, weil er glaubt, dass von Rabanser keine Gefahr ausgeht. Am nächsten Tag wird die Tat tatsächlich begangen, doch Rabanser hält sich für unschuldig. Wer hat die Tat begangen? Rabanser selbst? Sein in Geldnot geratener Bruder, der in die Pläne eingeweiht war? Oder ist es jemand ganz anderes?

    Die Antwort bietet der mit einer DVD-Laufzeit von 75 Minuten recht kurz ausgefallene Film. Das Werk Kurt Hoffmanns aus dem Jahre 1950 beginnt äußerst vielversprechend. Söhnker läuft durch die verregneten Straßen, welche sparsam ausgeleuchtet sind. Nachdem er das Polizeirevier erreicht hat, erzählt er dem Kommissar in Rückblenden die Entwicklung von der fixen Idee zum wahrscheinlich real werdenden Verbrechen. Nicht nur vom Entstehungsjahr kommt der Film gerade in den Anfangsminuten wie ein Vertreter der Schwarzen Serie daher, nicht zuletzt auch dank der Figur der Baronin, ganz hervorragend verkörpert von Ilse Steppat. Überhaupt agieren die tragenden Darsteller - neben Steppat insbesondere Söhnker und Häussler - erfrischend dezent, was dem Film eine besondere Eleganz verschafft. Unterstützt wird dies durch die für die damalige Zeit bemerkenswerte Kamerarbeit. Auch wenn der Film zwischendrin etwas dahinplätschert, ist dies stets ein hochwertiges Plätschern. In den letzten zehn Minuten läuft der Film dann nochmal zu großer Form auf. Geschickt wird mit den bis dahin verdächtigen Personen ein spannender Showdown inklusive viertem Mord und Auflösung durch die Hauptfigur selbst aufgebaut.


    "Der Fall Rabanser" überzeugt durch für die damalige Zeit überdurchschnittlich gute Erzählweise und Kameraarbeit. Die Hauptdarsteller agieren allesamt bravourös. So verzeiht man gerne einige Längen. 4,5/5 Punkten.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum09.07.2016 10:57
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das verlorene Wochenende (The Lost Weekend) (USA 1945)

    Regie: Billy Wilder

    Darsteller: Ray Milland, Jane Wyman, Philip Terry, Doris Dowling u.a.



    Film Noir Nummer 72:


    Don Birnam (Ray Milland) ist seit zehn Tagen abstinent. Dies verdankt er der Behütung durch Bruder und Lebensgefährtin. Als sich sein Bruder und er zu einem gemeinsamen Wochenende aufmachen wollen, schickt er ihn zusammen mit der Lebensgefährtin unter einem Vorwand weg und gibt sich wieder dem Alkohol hin. Werden die beiden ihn aus dem Tief befreien können?

    "Das verlorene Wochenende" entstand ein Jahr nach Wilders "Frau ohne Gewissen", dessen Drehbuch Wilder gemeinsam mit Raymond Chandler geschrieben hat. Der Legende nach soll Wilder mit dem vorliegenden Film die turbulente Arbeit mit Chandler, der einem Tropfen wohl auch nie abgeneigt war, verarbeitet haben.

    Begreift man den Noir als Stilrichtung, so kann man "Das verlorene Wochenende" leicht darunter fassen. Eine abgewrackte Hauptfigur - diese ist exemplarisch, wie Eingangs - und Schlussequenz, in der zu Anfang von der Skyline New Yorks in Birnams Wohnung und am Ende aus der Wohnung in die Skyline zurück geblendet wird, zeigen - Low-Key-Ausleuchtung von Spezialist John F. Seitz und die passende musikalische Untermalung von Miklós Rózsa untermauern diese allgemeine Einordnung. Jemand, der mit Noir auch immer eine Kriminalgeschichte verbindet, der wird hier enttäuscht. Es handelt sich um ein klassisches (Trinker-)Drama, wobei dies für die damalige Zeit in dieser ungeschönten Form durchaus bemerkendwert war. Und ja, Ray Milland spielt brillant, sein Spiel geht dem Zuschauer an die Nieren. Wenn er in Bars um einen weiteren Whiskey winselt, auf der Straße seine Schreibmaschine verkaufen will (Er plant seit Jahren im Geiste einen Roman, dieses "novel" soll übrigens passenderweise "Bottle" heißen.), fühlt der Zuschauer mit. Nur drehen sich die Geschehnisse - in gewisser Weise parallel zu Birnams Gemütszustand - im Kreis und gehen scheinbar alternativlos auf das tragische Ende zu, das dann - für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich - ausbleibt. Diese Inkonsequenz raubt dem Film aus heutiger Sicht ein gutes Stück seiner Strahlkraft, damals wurde der Film freilich von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert und mit vier Oscars ausgezeichnet. Wer Dramen dieser Art wie etwa "Flight" mit Denzel Washington mag, sollte sich den Film ruhig anschauen. Krimifreunde werden woanders sicher besser bedient.


    "Das verlorene Wochenende" punktet durch seinen brillanten Hauptdarsteller Ray Milland, krankt aber an einem inkosequnten Ende. Krimifreunde werden zudem eine kriminalistisch geprägte Handlung vermissen. 3 von 5 Punkten.

  • Wallace & Blu-rayDatum09.07.2016 10:24
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Amazon bietet die Blu-Ray Edition 1 momentan für 29,97 € an. Das ist schon ziemlich günstig, habe sie erst vor wenigen Tagen im stationären Handel für 49,99 € gesehen...

    https://www.amazon.de/Edgar-Wallace-Blu-...s=edgar+wallace


    Weiß eigentlich jemand, wie die Verkaufszahlen bisher waren und ob die Edition - wie auch immer nach dem anfänglichen chronologischen Durcheinander - fortgesetzt wird? Würde ja langsam mal Zeit...

  • Sammelthread "Film Noir"Datum07.07.2016 16:43
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    @Gubanov: Auch wenn ich die Columbo-Folge ziemlich sicher mal gesehen habe, habe ich insoweit kein Bild von Ameche mehr vor Augen. Dennoch ist "Columbo" natürlich fürs Forum wesentlich relevanter. Trotzdem gehört "Die Glücksritter" neben "Beverly Hills Cop", "Nur 48 Stunden" oder "Der Prinz aus Zamunda" zu den Murphy-Filmen, für die man sich definitiv nicht zu schämen braucht. In "Der Prinz aus Zamunda" hat Ameche im Übrigen nochmals einen Gast-Auftritt in seiner Rolle aus "Die Glücksritter".

    Vielen Dank für den Hinweis über die Veröffentlichung von "Kennwort 777". Das Einzige, was mich etwas irritiert, ist die FSK 0-Einstufung. Das ist doch ziemlich ungewöhnlich...

    @kaeuflin: Sicher denkbar, zumal bei "Die Maske runter" auch kurz nach Veröffentlichung der DVD eine Blu-Ray erschien.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum05.07.2016 23:06
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Schlingen der Angst (Sleep, My Love) (USA 1948)

    Regie: Douglas Sirk

    Darsteller: Claudette Colbert, Don Ameche, Robert Cummings, Hazel Brooks, Raymond Burr u.a.



    Film Noir Nummer 71:


    Alison Courtlands Alptraum beginnt in einem Zug nach Boston. Sie weiß nicht, wie sie in den Zug gekommen ist. Alison behauptet, zu Hause ins Bett gegangen zu sein. Schlafwandelt sie? Ist alles nur Einbildung? Mitnichten, denn was Alison nicht ahnt, ihr Ehemann mischt heimlich Medikamente in ihr Nachtgetränk, um sie schlafwandelnd erst in den Wahnsinn und dann in den Tod zu treiben... (Inhaltsangabe der DVD von Kinowelt)

    "Schlingen der Angst" bedeutet meine erste Begegnung mit einem Werk Douglas Sirks, einem der vielen deutschen Regisseure, die aus Nazi-Deutschland flohen, um in den Vereinigten Staaten ihr Glück zu versuchen. Nicht alles Streben nach Glück war von Erfolg gekrönt, Sirk gehörte jedoch zu denjenigen, die dauerhaft in Hollywood Fuß fassen konnten.

    Der Eindruck des Films fällt äußerst positiv aus. Hinter der mysteriösen Ausgangslage verbergen sich - wie so oft - allzu menschliche Verhaltensweisen. Die Spannung des Films ergibt aus der Frage, ob der teuflische Plan des Ehemanns aufgehen werde. Dieser wird von Don Ameche verkörpert, den einige sicher aus dem Eddie Murphy-Klassiker "Die Glücksritter" kennen werden. Ameche kann ebenso überzeugen wie seine Filmgattin Claudette Colbert, die ungemein sympathisch herüber kommt, wodurch die Identifikation von Seiten des Zuschauers leicht fällt. Hazel Brooks in der Rolle der Femme fatale ist von Sirk herausragend in Szene gesetzt, von ihr hätte man sich gern mehr Auftritte gewünscht, schließlich ist sie der Ursprung allen Übels. Last but not least macht auch Robert Cummings ("Bei Anruf Mord") in der Rolle des Helden seine Sache ordentlich, so dass es auf Seiten der Darsteller nicht viel zu mäkeln gibt.

    Die Inszenierung Sirks fällt ebenfalls weitgehend überzeugend aus, wobei vor allem das Finale hervorzuheben ist. Auffällig und löblich ist zudem der Spagat zwischen Spannungssequenzen und Szenen der Auflockerung, ein Rezept, welches allgemein auch an den Edgar Wallace-Filmen geschätzt wird. So sind es vorwiegend Nebenfiguren, aber auch Cummings, die mit Alltagsbanalitäten für das ein oder andere Schmunzeln sorgen.

    Weitere Rezensionen zu diesem sehenswerten Film finden sich hier:
    Sammelthread: Die Filme des Douglas Sirk


    "Schlingen der Angst" überzeugt durch eine gekonnte Balance aus Suspense und Humor. 4,5/5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Danke für den Hinweis. Wo du es jetzt sagst, fällt mir wieder ein, dass ich da auch schonmal Ausschnitte in einem der Trailer gesehen habe. Wahrscheinlich ist da auch der Traum von einer Einzel-VÖ geboren. Da werde ich nochmal nachschauen.

    Letztlich werde ich wohl so oder so zugreifen. Dennoch wäre es natürlich schön, wenn sich da Mühe gegeben würde, zumal der Output im Krimi-Bereich ja auch nicht mehr so groß ist wie noch vor drei Jahren.

    Stimmt. Es gibt einige tolle VÖen in Sachen Bildqualität (insbesondere "Der Tod im roten Jaguar"), aber auch Enttäuschungen ("Ein Alibi zerbricht").

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Sehr gute Nachricht! Hatte nämlich danmals gepennt und musste letztens feststellen, dass die betreffende Straßenfeger-Box vergriffen ist. Zu diesem Zeitpunkt hab ich von einer Einzel-VÖ "geträumt". Dachte aber eher an eine von ARD Video. Aber von denen scheint ja im Klassiker-Bereich nicht mehr viel zu kommen. Sei´s drum. Manchmal werden Träume eben doch war.

    Wie war denn die Qualität bei der Straßenfeger-VÖ? Gibt es da noch "Luft nach oben", die Filmjuwelen ggf. ausfüllen könnte?

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Der Mann mit den tausend Masken (I/BRD 1966)

    Regie: Alberto De Martino

    Darsteller: Paul Hubschmid, Karin Dor, Nando Gazzolo, Vivi Bach, Rosalba Neri u.a.



    Paul Finney (Hubschmid), auch bekannt als "Supersieben", jagt seit geraumer Zeit den Verbrecher Kobras, Anführer einer Unterweltorganisation. Dieser werkelt mit Unterstützung einer fernöstlichen Macht an einer Atomrakete. An "Supersiebens" Seite: die schöne CIA-Agentin Helen (Dor).

    "Supersieben", Commander, Agent des britischen Geheimdienstes - man muss kein Bond-Fan zu sein, um zu erkennen, worauf dieser Film hinaus will. Wie so viele "Eurospy"-Filme seiner Zeit: sich an die großartigen Erfolge von 007 hängen.

    Paul Finney hat natürlich auch einen Schlag bei Frauen (und gibt diesen wie Kollege Bond auch mal einen Schlag, was jedenfalls aus heutiger Sicht befremdlich wirkt), trinkt seinen Whiskey unverdünnt und ungekühlt - "so wie das Leben selbst" (ist) (!). Seine Gegner fürchten ihn wegen seines Gehstocks (!), aus dem er Geschosse abfeuern kann sowie für seine zahlreichen Masken, die er benutzt, um andere Identitäten einzunehmen.

    Auch wenn "Der Mann mit den tausend Masken" sich sehr eng an sein Vorbild 007 hält, ist das Endprodukt, welches Regisseur De Martino präsentiert, extrem kurzweilig. Kopenhagen, London, Basel, Johannesburg, Kapstadt, Rom - das ist die beeindruckende Anzahl an Drehorten, die der Film vorzuweisen hat. Diese werden überdies äußerst gewinnbringend eingesetzt. So flaniert "Supersieben" in der Mittagspause an der Themse entlang, über den Piccadilly Circus, am Big Ben vorbei und trifft dabei auch noch die hinreißende Rosalba Neri, mit der er natürlich gleich ein Date für den Abend ausmacht. Geheimagent müsste man sein. Auffallend ist, dass man all diese Drehorte tatsächlich angesteuert und dort gedreht hat. Der Zuschauer bekommt auf diese Weise Einiges geboten und der Film vergeht auch bei Mehrfachsichtungen wie im Fluge. Zudem wurde vollständig auf Rückprojektionen verzichtet, so dass Hubschmid beispielsweise mit Karin Dor im schicken Mercedes SL durch Rom kurvt - mehr Sixties-Flair geht nicht.

    Wie bereits angeklungen, fungieren Rosalba Neri und Karin Dor als die "Supersieben-Girls". Ich stelle mal die kühne These auf, dass selbst James Bond himself seinerzeit nichts Besseres zur Seite gestellt bekam. Neris Part fällt eher klein aus, dennoch ist sie schon rein optisch ein absoluter Gewinn, obwohl sie (leider) Opfer Hubschmids schallender Ohrfeigen wird und kurz darauf ins Gras beißen muss. Weitaus größer fällt der Part Karin Dors aus. Sie spielt die (nahezu) gleichberechtigte Partnerin an Finneys Seite. Zumindest gefühlt scheint man in der Hinsicht 007 etwas voraus zu sein. Der Part der Agentin Helen passt wesentlich besser zu Karin Dor, weswegen ihr Auftritt auch weitaus überzeugender gerät als ein Jahr später im James Bond-Film "Man lebt nur zweimal". Dor zeigt sich in ihrer Blüte, derart offen verführerisch war sie selten und durfte es freilich auch selten sein. Einziger Wermutstropfen: Sie hat sich - wie so oft zu dieser Zeit - nicht selbst synchronisiert.

    Paul Hubschmid erweist sich als Glücksfall für die Rolle des britischen Agenten. Optisch würde er einen wunderbaren 007 abgeben. Groß, schlank, charismatisch. In den Kampfszenen schlägt er sich, wenn er nicht gedoubelt wird, recht wacker. Überhaupt ist die Action für Bond-Duplikate auf überdurchschnittlichem Niveau: im Auto, auf dem Motorrad, zu Wasser - alles, was der Action-Freund braucht. Im Übrigen ist der Schnitt auf ordentlichem Niveau. Die Musik von Bruno Nicolai, den einige sicher durch seine Arbeit an zahlreichen Giallo-Thrillern kennen werden, sorgt für die passende - abermals stark an 007 angelehnte - Musik.

    Die häufig angegebenen parodistischen Züge sind sehr überschaubar. In einer Szene, in der "Supersieben" mit dem Motorrad ausweichen und in den Graben abspringen muss, ruft er laut "Scheiße!". Davon abgesehen wartet der Film mit einer netten Schlusspointe auf.
    Das war es dann aber auch in dieser Hinsicht.

    Am Rande: in Sachen Plakat orientierte man sich ausnahmsweise nicht an Bond, sondern an ein Motiv des Film Noir-Beitrags "Der Tiger" mit Humphrey Bogart. Die DVD von Filmjuwelen bietet den Film im Kinoformat mit guter Bildqualität.


    "Der Mann mit den tausend Masken" ist trotz aller gewillkürten Nähe zu James Bond ein grundsympathischer Film, der dank toller Besetzung in den Hauptrollen sowie einer beeindruckenden Anzahl an Drehorten für perfekte Kurzweil sorgt. 5 von 5 Punkten.

  • Die Rote Hand (1960)Datum26.06.2016 14:01
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #7
    Man könnte „Die Rote Hand“ als losen Vorgänger der Jerry-Cotton-Reihe betrachten; allerdings wirkt selbst der in Fankreisen als eher unausgegoren kritisierte erste Cotton-Reißer weniger konstruiert und unglaubwürdig als die hier vorgestellte Agenten-Märchenwelt (das verbindende Element ist das Gewehr im Geigenkasten). Die explodierenden Pakete und paktierenden Ganoven, deren Wege sich zufällig im Wohnzimmer der kubanischen Sängerin kreuzen, entbehren jeder Glaubwürdigkeit.

    Darf man daraus schließen, dass du schon in die Cotton-Filme reingeschaut hast? Wenn ja, wie haben sie dir gefallen?

  • 4 Schlüssel (1965)Datum25.06.2016 09:26
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Gerne. War auch überrascht, dass sich nur so wenige zu dem Film geäußert haben. Möglicherweise ist die VÖ abseits von Filmjuwelen & Co ein wenig untergegangen.

    Den Widerspruch sehe ich grundsätzlich auch, weswegen ich selbst etwas verwundert war, dass der Film mir so gut gefallen hat und immer noch gefällt. Aber Geschmack lässt sich eben nicht immer rational erklären. Das Eine gefällt einem "irgendwie", das Andere nicht. Es liegt m.E. an der unheimlichen Dichte der Erzählung und der "besonderen" Aufnahmen, die hier eingebaut wurden. Es ist eben nicht nur der typische Zeitkolorit (Straßenbahnen etc.), sondern es sind besondere Ereignisse, die hier eingefangen wurden. Das Gesamtpaket stimmt einfach. Besetzungstechnisch fällt mir spontan ebenfalls keine "Stahlnetz"-Folge ein, die da mithalten könnte, man möge mich korrigieren, wenn ich irre. "Stahlnetz" ist mir - Gleiches gilt für "Kriminalmuseum" oder "Tatort" - im Grundsatz zu "dröge", es gibt natürlich Ausnahmen. Muss allerdings dazu sagen, dass ich - eben weil mich die genannten Serien nicht so ansprechen - längst nicht alle Folgen gesehen habe.

  • 4 Schlüssel (1965)Datum24.06.2016 23:00
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    4 Schlüssel (BRD 1965)

    Regie: Jürgen Roland

    Darsteller: Günther Ungeheuer, Walter Rilla, Monika Peitsch, Hellmut Lange, Hanns Lothar, Horst Michael Neutze, Ellen Schwiers, Joseph Offenbach, Heinz Engelmann u.a.



    Wie Gubanov richtig sagt, diesen Film sollte jeder Freund des Sechzigerjahrekrimis (mindestens) einmal gesehen haben und das gilt ausdrücklich auch für jene wie mich, für die "Stahlnetz" nicht mehr als grundsolide Kriminalfilmunterhaltung bedeutet. Denn "4 Schlüssel" bietet weitaus mehr.

    Schon in Sachen Besetzung kann der Film es locker mit den ganz großen Produktionen des Jahrzehnts aufnehmen. Günther Ungeheuer - man verzeihe mir das Wortspiel - liefert eine wahrhaft "ungeheuerliche" Vorstellung ab. Man merkt ihm die einigen Semester Jura-Studium, die seine Figur nach eigener Aussage absolviert hat, an. In jeder Lage des Bankraubes bleibt er stets rational. Ohne ihn wäre das ganze Unternehmen bereits in der Frühphase zum Scheitern verurteilt. Walter Rilla spielt einmal mehr derart würdevoll, dass man ihn sich am liebsten als eigenen Großvater wünschen würde.

    Neben der grandiosen Besetzung und der straffen Inszenierung sind es vor allem die vielen kleinen eingestreuten Aufnahmen, die den Film zu einem wunderbaren Zeitdokument machen. Ob die vielen Wahlplakate, die Landung der Rolling Stones am Flughafen, Bilder aus dem Hamburger Fußallstadion oder ein Auftritt von Goldfingers Gehilfe Oddjob: Roland offeriert ein verblüffend detailgetreues Bild der Mittsechzigerjahre. Ein Umstand, der allein schon weitere Sichtungen lohnt.

    Davon abgesehen bekommt man noch einen äußerst spannenden Film geboten, der im Grunde ohne Längen auskommt und einen packenden Showdown aufbietet.


    Mit "4 Schlüssel" gelang Jürgen Roland einer der der besten Kriminalfilme der Sechzigerjahre, der in keiner Sammlung fehlen sollte. Neben einem fulminanten Cast, aus dem Günther Ungeheuer und Walter Rilla herausragen und einer packenden Geschichte bleiben vor allem die zeitdokumentarischen Aspekte in Erinnerung. 5/5 Punkten.

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Ray
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