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  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Ich kenne die Blu-Ray Edition des "Mönchs" noch nicht, könnte mir aber vorstellen, dass man mit dem gestochen, scharfen Bildmaterial noch besser arbeiten könnte. Beispielsweise hinsichtlich der Materialbeschaffenheit der Fassade. Ich bin kein Berlin-Kenner und auch nicht in der Nähe ansässig, wäre aber auch der Meinung, dass besonders die "lange Gerade", die Harriet Foster vor dem Finale bis hin zur Villa entlangfährt, für eine Ortsidentifizierung am geeignetsten wäre.

  • Der Rächer (1926)Datum29.08.2018 23:02
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    DER RÄCHER, Original: The Avenger, 1926, dt. Übersetzung Der Rächer von Edith Walter für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1987.

    Inhalt:

    Captain Michael Brixan vom Nachrichtendienst des Außenministeriums wird von seinem Chef Major Staines kurzfristig zurück nach London beordert. Der Nachrichtenoffizier Francis Elmer hatte sich nach massiven Unterschlagungen abgesetzt. Doch Staines will seinen besten Mann nicht mit Elmers Verfolgung beauftragen, denn dieser ist bereits tot. Man fand Elmers Kopf in einem Karton. Er wurde zum zwölften Opfer des "Kopfjägers", eines unheimlichen Mörders, der binnen sieben Jahren ein Dutzend meist ihrer gerechten Strafe entronnener Verbrecher enthauptete. Brixan nimmt sich des Falles widerwillig an und reist nach Chichester, wo Elmer zuletzt lebend gesehen wurde und wo dessen Nichte als Komparsin bei einer Filmproduktion arbeitet. Brixan macht die Bekanntschaft der reizenden Adele Leamington und schleust sich selbst als Komparse bei Knebworth Film ein. Alsbald stößt Brixan bei seinen Nachforschungen auf dubiose Zeitungsinserate eines "Wohltäters", die der unglückliche Elmer fieberhaft sammelte und bekommt den Verdacht, dass der "Rächer" im Umfeld der Filmgesellschaft agiert. Verdächtige gibt es mehr als genug: Jack Knebworth, dessen berufliche Zukunft am Gelingen des Films hängt, Stella Mendoza, die Filmdiva, die ihre Rolle wegen ihrer Eskapaden an Adele verliert, Reggie Connolly, der intrigante eitle Liebhaber, Lawley Foss, der verschwiegen-hinterhältige Filmdramaturg, Sampson Longvale, der merkwürdige alte Schlossbesitzer und Sir Gregory Penne, der schwerreiche und grobschlächtige Weltenbummler mit einer großen Sammlung exotischer Schwerter und Exponate sowie einem dressierten Orang-Utan als Diener. Bald mehren sich beängstigende Ereignisse und die Beteiligten beginnen zu frösteln; denn die schwarze Limousine des "Kopfjägers" wurde mehrfach in der Gegend gesehen. Brixan versucht den Mörder in die Enge zu treiben, doch der ist ihm immer einen Schritt voraus. Eines Tages findet Scotland Yard wieder einen Karton mit einem Kopf…

    Besprechung:

    Dieser Roman stammt aus den Jahren der großen Serienproduktion des King of Crime. Ein Umstand, dem man dem Buch nur bedingt anmerkt. Anders als manche andere Werke aus dieser Schaffensphase ist Der Rächer kohärent und dicht geschrieben und die Handlung wird immer wieder mit stimmigen Detailbeschreibungen bereichert. Manchen Rezensenten hat dies offenkundig die Lektüre verleidet. Der Roman wird gemeinhin sehr unterschiedlich bewertet. Von enthusiastischen Kritiken bis hin zu äußerst negativen Bewertungen reicht das Spektrum. Für Wallace-Experte Joachim Kramp war es schlicht ein "langweiliger Roman". Tatsächlich bietet das Werk gerade in der ersten Hälfte durchaus Anlass zur Kritik; denn die Exposition der Handlung ist äußerst zäh geraten. Das ist aber auch der ausführlichen und zeitnahen Schilderung einer Filmproduktion jener Jahre geschuldet, die zwar die Story bisweilen auf der Stelle treten lässt, zugleich das Buch in Sachen atmosphärischer, detailverliebter Dichte auch enorm bereichert. So lassen die kriminalistisch interessanten Vorfälle und Ermittlungen ein wenig auf sich warten, brechen dann aber umso rasanter auf den Leser herein, bis der Altmeister zum Ende hin gegenüber der langen Einführung ein geradezu atemberaubendes Tempo vorlegt.

    Vor allem die letzten Kapitel müssen besonders gelobt werden, sorgen doch die von Edgar Wallace bekannten, jeweils wechselnden Erzählperspektiven bei der finalen Hatz auf den "Kopfjäger" für ausgezeichneten Thrill. Dessen Identität stellt den geneigten Leser – auch ohne die Kenntnis der Kurt Ulrich-Produktion von 1960 bzw. des Klappentextes der Werksausgabe – vor keine allzu großen Herausforderungen. Zwar bemüht sich der King of Crime immer wieder um falsche Fährten und unvollständige Annahmen, die sich im Nachhinein als übereilt erweisen, aber insgesamt wäre hier deutlich mehr herauszuholen gewesen. Vielleicht hätte man den einen oder anderen Anwohner mehr verdächtig machen können oder einige Nebencharaktere hätten mehr dubiose Geheimnisse haben dürfen. So jedoch ist sehr schnell klar, wohin der Hase läuft. Immerhin entschädigt ein nervenaufreibender Schlusskampf für das zeitweilige Ausbleiben des Whodunit-Rätselns. Unterm Strich sind die Längen und die offensichtliche Auflösung die einzigen großen Mankos des Buchs. Auf der Habenseite stehen dagegen plastische Beschreibungen einer Filmproduktion der 1920er Jahre, das gruselige Mysterium und die Auftritte des "Rächers", ein deutlich angezogenes Tempo in der zweiten Romanhälfte und schön ausgestaltete, gut gezeichnete Handlungsträger. Insgesamt ein durchaus gelungener Roman des Altmeisters mit kleineren Schwächen.

    Die Charaktere des Werks sind ausgesprochen vielseitig und für die Verhältnisse von Wallace mit deutlich treffsicherer Raffinesse beschrieben. Michael Brixan ist der gewohnt zupackende Mann mit kriminalistischem Sachverstand und gewissen Marotten. Ein etwas kühlerer und direkterer Typ, weshalb die Besetzung der Rolle mit Heinz Drache im späteren Serienkontext der Rialto als geradezu prophetisch erscheint. Demgegenüber ist die weibliche Hauptperson etwas individueller geraten. Adele Leamington ist zielstrebig, schlagfertig und hat ihren eigenen Kopf. Ganz besonders ihre Souveränität am Ende des Romans ist dem deutlich schmalzigeren Abschluss der Filmversion eindeutig vorzuziehen. Das Filmteam um den jovialen Regisseur Jack Knebworth, die hochnässigen Stars Stella Mendoza und Reggie Connolly und den schmierigen Dramaturgen Lawley Foss ist wunderbar vielseitig geraten. Auch die Gutsbesitzer Sampson Longvale und Sir Gregory Penne sind echte Prachttypen des Wallace-Kosmos und werden sehr ausführlich beschrieben. Major Staines ist der seriöse Chef, während die Malaysier und der Diener Bhag für einen gewissen exotischen Touch sorgen.

    Zur Filmadaption von Karl Anton ist zu sagen, dass der Streifen sich sehr nah an der Handlung des Romans orientiert. Manche Dialoge werden fast wortgleich wiedergeben. Gewisse Anpassungen und Kürzungen waren natürlich unumgänglich; vor allem was die Figur des Bhag betrifft. Mag man den Machern aus heutiger Sicht latenten Rassismus unterstellen, muss man sich aber auch fragen, was denn die Alternative gewesen wäre. Ein dressierter Orang-Utan stand schließlich nicht zur Disposition. So ist die Idee eines wilden Eingeborenen, der vor Penne nie Kontakt zu Menschen hatte, zwar eine fragwürdige, aber doch gelungene Lösung. Vermutlich ist hier auch eher die optisch-mimische Darstellung im Film selbst das Problem. Ansonsten ist der Adaption anzumerken, dass die Autoren und der Regisseur die gepflegte Langatmigkeit des Stoffes nicht haben ausmerzen können. Als fatal erweist sich außerdem die Entscheidung, die drei nervenaufreibenden Begegnungen mit dem Wagen des "Rächers" nicht in den Film zu übernehmen. Gerade aus spannungstechnischer bzw. inszenatorischer Hinsicht hätte man aus diesen Passagen viel machen können. Ansonsten ist Anton aber ein ordentlicher Thriller mit viel Atmosphäre gelungen. Besonders exzellent ist die Besetzung. Vor allem Heinz Drache, Friedrich Schoenfelder, Ingrid van Bergen, Klaus Kinski und Benno Sterzenbach passen ganz ausgezeichnet in ihre Rollen. Lediglich Ludwig Linkmann erscheint etwas bemüht und kann nicht unbedingt als Idealbesetzung bezeichnet werden. Ina Duscha ist eine gute Heroine, deren Ausstrahlung und Aufmachung in Kostüm und Schminke ihren Aufstieg von der Komparsin zur Hauptdarstellerin ungemein glaubhaft erscheinen lässt. Und Siegfried Schürenberg beweist, dass er auch ohne Slapstick einen angenehm-sympathischen Vorgesetzten verkörpern konnte. Diese Seite von ihm hätte man im späteren Verlauf der Serie gerne auch das eine oder andere Mal stärker herausstreichen können.

    Fazit:

    Ein durchaus gelungener Roman, der sicher nicht zum Besten gehört, was der King of Crime in seiner Laufbahn geschrieben hat, der aber dennoch überdurschnittliche Unterhaltung bietet. Zwar sorgen das gedrosselte Tempo der ersten Buchhälfte und die zu offensichtliche Täterauflösung für eine gewisse Ernüchterung, aber der rasante Storyfluss des letzten Romandrittels und die liebevoll-lebhaften Schilderungen des Filmhandwerks der Goldenen Zwanziger machen diesen Eindruck mehr als wett. Hinzu kommen ein vielseitig ausgestaltetes Figurenpersonal, atmosphärisch dicht beschriebene Tatorte und eine wahrhaft furchteinflößende Verbrecherfigur. Summa summarum ein Werk aus dem guten bis gehobenen Bereich des Wallace-Oeuvres.

    Meine Wertung: SEHR GUT

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Grundsätzlich stimme ich dir schon zu, aber eine Halbierung der Zuschauerzahlen binnen drei Jahren finde ich schon ganz schön deftig. Ich kenne die ganzen Querelen rund um Wixxer#3, denke aber doch, dass die Angst vor einem Misserfolg da auch mit rein spielt (siehe auch der Jerry Cotton-Flop). Der deutsche Kinomarkt ist da in den letzten acht bis zehn Jahren auch völlig unkalkulierbar geworden. Anfang/ Mitte der 2000er Jahre konnte man mit so einer comediangespickten Parodie noch 2 Mio. Zuschauer (+ x) einfahren. Heute kann es sein, dass so ein Film mit 200.000 Zuschauern oder noch weniger Konsumenten gänzlich absäuft.

    Selbst Bully Herbigs Stern ist da enorm gesunken. Seine frühen Filme kamen alle über 7 Millionen Zuschauer, während der Bullyparade-Film (Best of aller seiner Rollen & Marken!) letztes Jahr den Zuschauern gerade mal noch 1,9 Millionen Tickets wert war. Sicher auch kein Flop, aber man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Zeit für diese Art Filme vorbei zu sein scheint. Auch ohne Pastewka glaube ich daher nicht, dass Kalkofe/RatPack den dritten Wixxer fürs Kino machen. Wenn er überhaupt produziert wird, dann sicher fürs Fernsehen. Aber das geht jetzt auch zu weit vom Thema hier ab.

    Zum Thema Wallace und seinem heutigen Stellenwert habe ich übrigens beim Stöbern dieses Special auf krimicouch.de entdeckt. Ganz interessant zu lesen: https://www.krimi-couch.de/krimis/specia...ar-wallace.html

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #11
    Da wollte ich dann nur noch einmal klarstellen, dass Wallace immer noch im ersten dieser zwei Schritte verharrt.

    Jein. Da hast du mich bei einem Denkfehler erwischt. Denn eigentlich gab es das bei Wallace ja auch schon, da der Meister von den Sechziger Ikonen ja sogar zuerst verulkt wurde. 1994/95 gab es ja schon "Otto-die Serie"! (vergisst man leicht...) Erst dann kamen die neuen Rialto-Wallace-Filme, die ja gnadenlos baden gingen. Danach war man wohl der Meinung, dass Wallace niemanden mehr interessieren würde. Bis Kalkofe und Co. dann mit "Der Wixxer" um die Ecke kamen, wobei auch hier nur der erste Film ein gewisser Achtungserfolg war. "Neues vom Wixxer" war ein Flop und der dritte Film wurde danach nie produziert.

    Aber du hast ja Recht: Wo bleibt eine ernsthafte, zeitgemäße Wallace-Verfilmung? Leider ist Edgar Wallace schon recht lange in Vergessenheit geraten, was man als Fan ja leicht vergisst oder nicht wahrhaben möchte; in seiner Heimat fast noch mehr als hierzulande. Was besonders schade ist, denn die Briten könnten viel freier und ungehemmter an das Sujet herangehen, da sie nicht diese lange Schatten werfende, legendäre Kult-Serie wie die hiesigen Filmemacher im Nacken haben. Aber wir schweifen ab. Vielleicht kommen CCC/RatPack bei einem Erfolg des Mabuse-Films auch auf die Idee, es noch einmal mit Wallace zu versuchen. Schließlich hatte man in den Sechziger Jahren damit ja auch Erfolg. Die Rechte an den Bryan Edgar Wallace-Romanen halten sie auch immer noch...

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #7
    Und wo ist dann der ernste und zeitgemäße Wallace? Karl May hat es zumindest danach ernsthaft ins TV geschafft.

    Naja, das eine hat ja nicht zwingend etwas mit dem anderen zu tun. Nur weil wir uns eine zeitgemäße Neuverfilmung von Wallace-Stoffen wünschen, heißt das ja nicht, dass Produzenten genauso denken. Dass "Winnetou" nochmal neu aufgelegt wurde, war eine feine Sache und hat mich echt überrascht; zwingend war dies jedoch sicher nicht. Ich meinte eher, dass sich CCC wohl gedacht hat: Wallace und May wurden schon verulkt, dann können wir das für den klassischen Mabuse auch unterstützen. Denn einmal bringt man den Namen wieder in die Öffentlichkeit (Stichwort: Werbetrommel rühren) und zum zweiten, erspart man sich auf die Klischees der Sechziger-Filme festgenagelt zu werden, wenn man einen Klassiker verwurstet. So kann der neue Mabuse frei und modern daherkommen, ohne am Atem der alten, großen Mabuse-Tradition zu hängen. Etwas, was denn den neuen Rialto-Wallace-Filmen der Neunziger Jahre ja nicht gelungen ist.

    Dass bei Wallace aber noch keiner auf die Idee gekommen ist, verstehe ich auch nicht. Die Rechte sind jetzt frei und fürs Fernsehen könnte man sogar verhältnismäßig kostengünstig produzieren (sogar mit Originalflair), wenn man sich auf die eher "ländlichen" Stoffe (Der grüne Bogenschütze, Der schwarze Abt, Bei den drei Eichen, A.S. der Unsichtbare, Großfuß usw.) stürzen würde. Vielleicht ist das Problem wirklich, dass die klassische Rialto-Reihe - stärker noch als bei Winnetou, Mabuse oder Cotton - das Bild von einem Wallace-Film so dermaßen festzementiert hat, dass alle (Zuschauer & Produzenten) sich keinen anderen Stil mehr vorstellen können. Und dieser Stil ist halt eben nicht mehr zeitgemäß. Oder man glaubt, dass Wallace einfach niemanden mehr interessiert (die Romane fristen ja auch seit längerem nur noch ein Schattendasein). Ich weiß da auch keine zufriedenstellende Antwort zu geben.

    Zitat von Gubanov im Beitrag #9
    Hauptsache das ist jetzt nicht der Rest, der vom "Großprojekt" noch übrig ist ...

    Da stimme ich dir voll und ganz zu; leider ist das Projekt ja auch schon verdammt lange in der Pipeline. Da aber RatPack schon seit geraumer Zeit involviert ist, denke ich doch, dass da zeitnah mit der Produktion begonnen wird. Vielleicht steht das Konzept ja schon und es geht bald mit den Dreharbeiten los?

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Keine Sorge. Bei den Afrika-Romanen bin ich noch nicht angelangt. Im Moment liegt das Augenmerk auf den Krimis.

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #1
    Kinostart ist der 30.08.2018. Koproduzent ist die CCC.Ob die Dr. Mabuse-Fans damit eine Freude haben werden?

    Vielleicht ist das auch irgendwie als "Appetizer" für den neuen, echten Mabuse-Film gedacht, der demnächst kommen soll? Vielen gemeinen Kinogängern ist der Name "Mabuse" sicherlich kein großer Begriff (mehr). Oder man meint, dass das klassische Genre-Schema - wie bei den anderen Sechziger-Ikonen Karl May (Der Schuh des Manitu) und Edgar Wallace (Wixxer-Filme) - erstmal ironisch-parodistsich gebrochen werden muss, bevor es ernsthaft und zeitgemäß wiederverfilmt werden kann?

    So oder so muss ich dem allgemeinen Tenor hier zustimmen, dass man sich sicherlich eine innovativere und qualitätvollere Komödiersierung des Stoffes als diesen vorstellen kann. Majestätsbeleidigung sehe ich in den Ansinnen der Macher nämlich auch nicht; nur über die Umsetzung lässt sich streiten.

    Vielleicht ist das aber auch wirklich ein Hinweis darauf, dass es mit dem MABUSE-Großprojekt jetzt deutlich vorangeht. Ich fände es super! Von allen vier großen Sixties-Serien (May, Wallace, Mabuse, Cotton) ist Mabuse tatsächlich jene, die sich am einfachsten und gewinnbringendsten in die Gegenwart versetzten lässt.

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    In letzter Zeit habe ich auch einige Neuerwerbungen in Sachen Wallace (v.a. Afrika-Romane) hinzu bekommen.
    Jetzt in der Urlaubszeit habe ich mir wieder einen ganzen Stapel Romane zum Lesen herausgelegt.
    Wenn ich zeitlich dazu komme, werde ich in den nächsten Wochen mal wieder die eine oder andere Besprechung hier posten.

  • Gucumatz (1927)Datum15.07.2018 14:04
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    @ Dr. Oberzohn

    Eine exzellente Buchbesprechung zu diesem eher unbekannten, aber durchweg hochklassigen Roman!
    Ich finde ja auch, dass sich der Plot für eine Verfilmung - aufgrund seine kinematischen Potenzials und exotischen Touchs - nahezu aufgedrängt hätte. Umso rätselhafter, dass Rialto/Constantin in den Jahren 1959-1965 (echte Romanadaptionen) Gucumatz nicht mal im Vorstadium berücksichtigt haben.
    Deine Ideen für eine Verfilmung gefallen mir sehr gut!

  • Die Tür mit sieben Schlössern (1926)Datum11.04.2018 22:18
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Ein überaus gelungene Rezension dieses Romans, den man sicherlich mit Fug und Recht als eines der gelungensten Werke des Altmeisters bezeichnen darf. Chapeau, Dr. Oberzohn! Ich finde deine ausführlichen Buchbesprechungen wirklich äußerst gelungen und muss zudem lobend hervorheben, dass du dir mit dem Vergleich zu der/den Verfilmung(en) noch so viel zusätzliche Mühe machst. Gerne mehr davon.

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Vielen Dank für eure Bemühungen um einen eigenen Roman-Bereich!
    So kann man viel besser und zielgerichteter nach den verschiedenen Büchern suchen und die einzelnen Romane werden auf diese Weise auch viel mehr gewürdigt.
    Eine super Sache!

  • Hands up! (1928)Datum21.10.2017 11:40
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Wieder eine sehr gelungene Besprechung dieses von mir persönlich sehr geschätzten Romans.

  • Der Mann von Marokko (1926)Datum13.10.2017 18:53
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Eine wirklich sehr schöne Besprechung dieses mir persönlich noch unbekannten Wallace-Romans! Ich schließe mich dem Lob meiner Vorschreiber gerne an und würde mich sehr freuen, weitere so gelungene Rezensionen von Ihnen zu lesen, Dr. Oberzohn.

  • Ungelöste RätselDatum08.10.2017 13:15
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Ah, sehr interessant. Ich war vor einigen Jahren - wenn auch aus einem anderen Grund - in der deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt a. M. Dort lagert auch das Schriftgut des ebenfalls in der Stadt beheimateten deutschen Filminstituts/Filmmuseums. Aus Interesse hatte ich vorab nachgefragt, ob auch Wallace-Drehbücher vorhanden wären und zu meiner Überraschung besitzt das Filminstitut einen reichen Fundus an Wallace-Scripten. Der Hintergrund dabei ist, dass das Museum die Exemplare wohl als Altbestände von der FSK in Wiesbaden übernommen hat. Scheinbar wurden Kopien bereits in der Präproduktionsphase von Rialto Film in Wiesbaden zur Vorbegutachtung eingereicht. Leider hatte ich seinerzeit nur rund drei Stunden Zeit über und habe mir nur ein paar Drehbücher (DER HEXER, DIE BLAUE HAND, DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE, IM BANNE DES UNHEIMLICHEN, DER MANN MIT DEM GLASAUGE) ausheben lassen und habe die - aufgrund des Zeitdrucks - auch nur selektiv durchgelesen. An was ich mich noch erinnere:

    DER HEXER
    - hier fehlten einige kleinere Passagen in der Endfassung (v.a Interaktion zw. Sir John/Schürenberg und seiner Sekretärin/Savo)

    DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE
    - kleine Änderungen und Kürzungen im Handlungsverlauf (mehr Interaktion im Gefängnis u.a. Keeney/Rauch & Bartling/Sokatscheff)

    IM BANNE DES UNHEIMLICHEN
    - viele Kürzungen (v.a. die atmosphärische Prätitelsequenz die Joachim Kramp in seinem "Hallo!"-Buch beschreibt)
    - Titel: DER UNHEIMLICHE
    - Peggy Ward/Mattson hatte mehr Szenen und war noch weniger "damenhaft" als im Film
    - Dr. Brand/Rauch hatte - glaube ich - eine tragendere Rolle

    DER MANN MIT DEM GLASAUGE
    - hier erinnere ich mich nur noch, dass zuoberst diverse Seiten mit nachträglichen Änderungen eingeheftet waren

    DIE BLAUE HAND
    - hier waren in der Tat unfassbar viele Seiten (ca. 30!!) zum Streichen vermerkt
    - Reynolds & Mangrove hatten mehr Auftritte (inklusive Verhaftung)
    - Lady Emerson war die Tochter des Butlers (dito)
    - der Anwalt war der "Boss" (dito)
    - Richard lag wirklich tot im Sarg (so macht die Szene mehr Sinn)

    Alles in allem ein äußerst spannendes Feld!

  • Das geheimnisvolle Haus (1917)Datum05.08.2017 12:23
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #6
    Hast du zum Vergleich schon die Hörspielfassung gehört? Bügelt sie deine Kritikpunkte gut aus oder bleiben sie bestehen?

    Leider habe ich die Hörspielvariante noch nicht. Deswegen kann ich da auch noch keine Vergleiche anstellen. Aber ich habe die ganze Hörspiel-Reihe schon auf dem Wunschzettel.

  • Das geheimnisvolle Haus (1917)Datum01.08.2017 21:12
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Die Wallace-Welle wogt weiter ...

    DAS GEHEIMNISVOLLE HAUS, Original: The Secret House, 1917, dt. Übersetzung Das geheimnisvolle Haus von Ute Tanner für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1989.

    Inhalt:

    Schon seit längerem macht in Londons High Society ein gewisser Graf Ernesto Poltavo von sich reden. Doch der Pole ist weder adelig, noch kam er einst als reicher Mann nach England. Poltavo verdankt seine finanziellen Reserven seiner einträglichen Bekanntschaft mit einem gewissen Brown. Poltavo macht auch der schönen Doris Gray den Hof, was besonders ihren jungen Freund Frank Doughton verärgert. Der Millionär Gregory Farrington ist der Onkel von Doris, aber ein sehr verschwiegener Lebemann. Als eines Tages vor seinem Haus zwei Ausländer brutal erschossen werden, wird Farrington sehr nervös. Denn vor der Schießerei hörte Farrington, dass einer der Männer Montague Fallock erwähnte. Fallock gilt als der heimtückischste Erpresser von ganz London. Assistent Commissioner T. B. Smith will Fallock schon lange das Handwerk legen. Aber keiner kennt seinen wahren Namen oder hat ihn je zu Gesicht bekommen. Aber noch mehr Rätsel bereiten Smith Kopfzerbrechen. Farrington ist seit den Morden nervlich am Ende. Was verschweigt er? Was hat der Erpresserkönig gegen ihn in der Hand? Und was hat es mit dem "geheimnisvollen Haus" auf dem Lande bei Great Bradley auf sich, indem der schwerreiche, aber kranke Amerikaner Mr. Moole von dem zweifelhaften Arzt Dr. Fall betreut wird? Die Anwohner meinen, dass das Haus ein grausames Geheimnis verberge. Lady Constance Dex war auffallend häufig zu Besuch in dem Geisterhaus. Auch sie hatte einst mit Montague Fallock zu tun und will sich an ihm für ein lange zurückliegendes Verbrechen rächen. Eines Tages verschwindet Gregory Farrington nach einem Theaterbesuch spurlos. Als bald darauf seine Leiche aus der Themse gezogen wird, zweifelt keiner der Beteiligten daran, dass der Millionär ein weiteres Opfer des skrupellosen Verbrechers Fallock wurde ...

    Besprechung:

    Bei dem Roman handelt es um ein frühes Werk des Autors. 1917 war Edgar Wallace von der hohen, fast manischen Serienproduktion der Goldenen Zwanziger doch noch ein ganzes Stück entfernt. In früheren Rezensionen habe ich darauf hingewiesen, dass die Romane aus dem Frühwerk des King of Crime häufig individueller bzw. eigenwilliger in der Konzeption geraten sind, zugleich jedoch in der Regel die routinierte und effektive Erzählökonomie späterer Jahre vermissen lassen. Beide Beobachtungen treffen auch vollkommen auf Das geheimnisvolle Haus zu. So breitet der Altmeister ein interessantes Panorama an Mysterien, Personen und Orten aus, verfehlt es jedoch in der Gesamtanlage des Buchs mehrfach die richtigen Schwerpunkte für eine gelungenere Ausspielung des Szenarios zu nutzen. Bei dem vorliegenden Werk hat Wallace ein Grundproblem zu lösen, das ihm hier – anders als bei späteren Romanen – noch nicht so richtig gelingen mag. Er hat drei verschiedene Good Guys, drei verschiedene Hauptschurken, eine ganze Reihe an Nebenfiguren und dann noch eine zentrale Verbrecherfigur im Zentrum des Geschehens, um die die Handlung des Buchs beständig zu kreisen hat. Da kommt der King of Crime ins Trudeln und versäumt es die richtigen Prioritäten zu setzen. Ein weiteres Defizit ist der uneinheitliche Storyfluss, weshalb bestimmte Momente wie abgehackt erscheinen und dringende Fragen mal schnell nebenbei abgehandelt werden.

    Vielleicht hätte sich hier ein größerer Prosaumfang angeboten. Möglicherweise wäre es aber auch zweckdienlicher gewesen, einen der Hauptcharaktere nicht derart in den Vordergrund zu rücken; zumal sich dessen Faszinosum doch in Grenzen hält. Das führt am Ende dazu, dass viele spannende Geheimnisse zu früh oder zu banal aufgelöst werden. Im Grunde sind mehr als vierzig Seiten vor dem Schluss alle entscheidenden Fragen schon gelöst und es geht nur noch um die Bestrafung der Täter, aber nicht mehr um die Auflösung vergangener Rätsel. Das ist besonders insofern bedauerlich, als dass weder die Hintergründe um die Tollington-Millionen, noch der Mord an Sir George, noch die Rachegeschichte rund um Lady Constance, noch die Hintergründe um den Erpresserkönig Fallock eine tiefergehende Erläuterung oder Bedeutung erfahren. Was den Roman am Ende rettet, sind die wirklich sehr plastischen und eindringlichen Beschreibungen des "geheimnisvollen Hauses" und seiner Bewohner. Und man rätselt, wieso der Altmeister diesem Teil des Plots nur eine so geringe Aufmerksamkeit schenkt. Sicher, die wahren "Vorzüge" des Anwesens sollen dem nervenaufreibenden und eiskalten Finale erst die nötige Würze verleihen, aber dennoch hätte man sich als Leser mehr spannende Nachtszenen um das "geheimnisvolle Haus" und das nahegelegene Moor Cottage gewünscht. Alles in allem handelt es sich zwar um einen ordentlichen, aber keinesfalls hochklassigen Roman des King of Crime.

    Licht und Schatten gibt es auch im Kreise der Figuren. Von den Helden des Buchs sticht keiner so richtig heraus. Frank Doughton ist ein junger und ehrgeiziger Journalist und Assistent Commissioner T. B. Smith und Inspektor Ela sind die kühlen und zupackenden Polizisten. Alle Drei bewegen sich mehr oder minder im Korsett ihrer Rollentypen. Gleiches gilt auch für die Frauen. Sowohl Doris Gray, als auch Lady Constance Dex und Lady Patricia Dinsmore stehen stellvertretend für Archetypen von drei verschiedenen Generationen von Frauen innerhalb des Wallace-Gesamtwerks. Interessanter sind da schon die Bösewichter und Nebenpersonen geraten. Allen voran muss man den Polen Ernesto Poltavo nennen, dem der Roman den größten Platz einräumt und dass obwohl der Graf nur der Handlanger des Erpresserbosses Montague Fallock/Brown ist, dessen Identität jedoch leider einen der genannten Schwachpunkte der Werkanlage offenlegt: Die viel zu frühen Offenbarungen. Der dritte Mann im Bunde ist der Gelungenste. Der gewissenlose Dr. Fall ist mit seiner kalten Abgeklärtheit eine wunderbare graue Eminenz des "geheimnisvollen Hauses". Auch die sonstigen Nebencharaktere gefallen fast mehr als die Hauptfiguren. Seien es die älteren Millionäre Gregory Farrington und James Moole, der Kutscher Brown, der verschrobene Reverend Jeremiah Bangley oder der staubtrockene Anwalt Mr. Debenham.

    Fazit:

    Ein mittelmäßiger Roman, den man dem guten bis unteren Mittelfeld zurechnen darf. Zähe und flüssige Passagen wechseln sich bei der Lektüre untereinander ab. Lose Handlungsfäden, zu frühe Lösungen und viel brachliegendes Story-Potenzial gereichen dem Werk nicht gerade zur Ehre. Dafür kann das Buch mit der alles überragenden Gestalt des Gentleman-Gauners Poltavo, mit gelungenen Nebenfiguren, mit dem einfallsreichen Mysterium des "geheimnisvollen Hauses" und mit einem temporeichen Schlussakkord den Leser bei Laune halten.

    Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

  • Ein gerissener Kerl (1928)Datum24.07.2017 14:29
    Thema von Mr. Igle im Forum Romane

    Und weiter geht's ...

    EIN GERISSENER KERL, Original: The Twister, 1928, dt. Übersetzung Ein gerissener Kerl von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1985.

    Inhalt:

    Der wohlhabende Lebemann Anthony Baird betätigt sich mit großem Erfolg im Rennstahlgeschäft und an der Börse. Jeder Gauner, der je versuchte, ihn zu betrügen, ging bislang damit baden. Deshalb nennen ihn gewisse Kreise in London nur noch "das Schlitzohr". Baird ist ein guter Freund von Lord Frensham. Doch er weiß nicht, dass dieser durch fehlgeschlagene Finanztransaktionen am Rande des Ruins steht. Frensham ist vor allem daran gelegen, seine blutjunge Tochter Ursula finanziell abzusichern. Anthony fühlt sich zu Ursula hingezogen, doch ihr Vater hat andere Pläne für sie. Anthonys Rivale ist Lord Frenshams Neffe Julian Reef, der Ursulas finanzielle Sicherheiten verwahrt und in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt ist. Er hasst Anthony für seine Reputation und seine innige Freundschaft mit Ursula Frensham. Doch viel mehr als die Feindschaft zu Reef beunruhigt Anthony das ungebührliche Verhalten von dessen Partner Dr. Rex Guelder. Der Niederländer gilt als Wissenschaftsgenie, ist aber eine sonderliche Figur und führt in seinem abgelegenen Haus in Greenwich merkwürdige Experimente durch. Auch Bairds Bekannter Inspektor Elk von Scotland Yard interessiert sich sehr für Guelder, weiß er doch durch seine Nachforschungen, wieso der ominöse Doktor seinerzeit aus Holland fliehen musste. Eines Tages wird Lord Frensham in seinem Londoner Büro erschossen aufgefunden. Selbstmord so scheint es. Das schriftliche Geständnis seines Bankrotts liegt vor ihm. Doch Elk ist nicht überzeugt. Der Inspektor rät Anthony gut auf Ursula Frensham zu achten, da sie in Gefahr sei. Durch einen anderen Kriminalfall kommt Elk einem abgekarteten Spiel auf die Spur. Jetzt ist er sicher: Für den Tod des Lords wird jemand hängen ...

    Besprechung:

    Gelegentlich wird dieser Roman auch zu den Turf-Werken von Edgar Wallace hinzugerechnet, aber im Grunde spielt das Rennmilieu in Ein gerissener Kerl keine besonders tragende Rolle und ist nur das Steckenpferd des Protagonisten Anthony Baird. Zentrales Thema des Buchs ist viel mehr die Börsenwelt mit Aktiengeschäften, Finanzmanipulationen, Kursverzerrungen und das Geschäft mit Öl und Diamanten. Dem Altmeister gelingt es den schmalen Grat zwischen Gewinn und Verlust bei den riskanten Spekulationen immer wieder geschickt als Spannungsmacher einzusetzen, sodass der Leser mühelos bei der Stange bleibt, obwohl auch in diesem Werk die Nervenkitzel-Momente vergleichbar rar gesät sind. Zwar gibt es einen mysteriösen Mord, aber es sind eher die persönlichen Verwicklungen in Kombination mit den geschäftlichen Fehden zwischen Baird und Reef, die das Buch mühelos tragen. Die frühen Tage des Finanzplatzes London werden vom King of Crime überzeugend und vielschichtig beschrieben.

    Spannend ist insbesondere das doppelte Duell, das Wallace hier entwirft. Denn neben dem Widerstreit zwischen Baird und Reef, baut der Autor parallel die Konfrontation zwischen Inspektor Elk und dem skrupellosen Rex Guelder auf. Von daher sorgen die Verhaltensweisen der Charaktere und die Wendungen der Handlung für deutlich mehr situative Spannung, als eiskalter Thrill, der vereinzelt auch, aber sehr dosiert zum Einsatz kommt. Die Geschichte entwickelt sich logisch und mit angenehmem Tempo. Das Finale kommt – anders als bei den beiden zuvor rezensierten Titeln – nicht abrupt und unnötig gezwungen daher, sondern ergibt sich vollkommen harmonisch und plausibel aus dem vorangegangen Handlungsverlauf. Der Roman ist detailverliebt geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Personen, Orte und Milieus werden sehr ausführlich visualisiert und dienen dem effektvollen Gelingen der Story. Mit seinen knapp 200 Seiten ist das Werk zwar recht umfangreich, aber das Buch ist dem Altmeister in der Zusammenschau weder zu kurz, noch zu lang geraten. Summa summarum ist Ein gerissener Kerl ein sorgfältig und aus einem Guss konzipierter Kriminalroman.

    Mit den Charakteren hat der King of Crime eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Typen bzw. Rollenmodellen getroffen und diese individuell vertieft. Mit Anthony Baird erleben wir einen steinreichen Mann voller Elan, der zwar wie die Faust aufs Auge zu dem Idealbild eines Wallace-Strahlemanns passt, zugleich aber eine präzise Charakterisierung mit Ecken und Kanten gewährt bekommt. Ihm zur Seite steht der aus anderen Romanen bekannte Inspektor Elk, der mit seinen Marotten und seiner kühlen Logik einen ganz wunderbaren Ermittler abgibt. Ein wenig fad erscheint da die weibliche Hauptfigur Ursula Frensham, die sich kaum aus der üblichen Standardrolle der verfolgten Unschuld zu lösen vermag. Immerhin stehen ihr die (Streit-)Gespräche mit Baird und Reef gut zu Gesicht. Julian Reef und Rex Guelder sind ein ebenso unterschiedliches wie vielschichtig gezeichnetes Schurkenduo. Der Eine, ein zu aller Hinterlist fähiger Verbrecher, der Andere, ein jovialer Schöngeist, der seine düstere Brutalität hinter einer bürgerlichen Maske verbirgt. Demgegenüber ist Lord Frensham ein typischer Vertreter eines alten Adeligen, der zu lange über seine Verhältnisse gelebt hat, aber trotz dieses Umstands nicht den Anstand verliert. Von den vielen Nebencharakteren ist ansonsten noch besonders der Finanzmagnat Mr. Sleser, ein wunderbar knochiger, aber gleichsam würdevoller Geschäftsmann, hervorzuheben.

    Fazit:

    Ein rundherum gelungener Roman aus der Feder des Altmeisters. Wertpapierspekulationen, Finanzmanipulationen, gesellschaftliche Intrigen und Mord verbindet Edgar Wallace zu einer äußerst spannenden Kriminalgeschichte. Zwar mangelt es bisweilen an eiskalten Gänsehautmomenten und hartem Thrill, aber die privaten, wie geschäftlichen Verwicklungen der präzise gezeichneten Protagonisten sorgen bei einem recht flotten Handlungstempo über fast die gesamte Länge der Geschichte für knisternde Spannung.

    Meine Wertung: SEHR GUT

  • Ein gerissener Kerl (1928)Datum24.07.2017 14:29
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Und weiter geht's ...

    EIN GERISSENER KERL, Original: The Twister, 1928, dt. Übersetzung Ein gerissener Kerl von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1985.

    Inhalt:

    Der wohlhabende Lebemann Anthony Baird betätigt sich mit großem Erfolg im Rennstahlgeschäft und an der Börse. Jeder Gauner, der je versuchte, ihn zu betrügen, ging bislang damit baden. Deshalb nennen ihn gewisse Kreise in London nur noch "das Schlitzohr". Baird ist ein guter Freund von Lord Frensham. Doch er weiß nicht, dass dieser durch fehlgeschlagene Finanztransaktionen am Rande des Ruins steht. Frensham ist vor allem daran gelegen, seine blutjunge Tochter Ursula finanziell abzusichern. Anthony fühlt sich zu Ursula hingezogen, doch ihr Vater hat andere Pläne für sie. Anthonys Rivale ist Lord Frenshams Neffe Julian Reef, der Ursulas finanzielle Sicherheiten verwahrt und in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt ist. Er hasst Anthony für seine Reputation und seine innige Freundschaft mit Ursula Frensham. Doch viel mehr als die Feindschaft zu Reef beunruhigt Anthony das ungebührliche Verhalten von dessen Partner Dr. Rex Guelder. Der Niederländer gilt als Wissenschaftsgenie, ist aber eine sonderliche Figur und führt in seinem abgelegenen Haus in Greenwich merkwürdige Experimente durch. Auch Bairds Bekannter Inspektor Elk von Scotland Yard interessiert sich sehr für Guelder, weiß er doch durch seine Nachforschungen, wieso der ominöse Doktor seinerzeit aus Holland fliehen musste. Eines Tages wird Lord Frensham in seinem Londoner Büro erschossen aufgefunden. Selbstmord so scheint es. Das schriftliche Geständnis seines Bankrotts liegt vor ihm. Doch Elk ist nicht überzeugt. Der Inspektor rät Anthony gut auf Ursula Frensham zu achten, da sie in Gefahr sei. Durch einen anderen Kriminalfall kommt Elk einem abgekarteten Spiel auf die Spur. Jetzt ist er sicher: Für den Tod des Lords wird jemand hängen ...

    Besprechung:

    Gelegentlich wird dieser Roman auch zu den Turf-Werken von Edgar Wallace hinzugerechnet, aber im Grunde spielt das Rennmilieu in Ein gerissener Kerl keine besonders tragende Rolle und ist nur das Steckenpferd des Protagonisten Anthony Baird. Zentrales Thema des Buchs ist viel mehr die Börsenwelt mit Aktiengeschäften, Finanzmanipulationen, Kursverzerrungen und das Geschäft mit Öl und Diamanten. Dem Altmeister gelingt es den schmalen Grat zwischen Gewinn und Verlust bei den riskanten Spekulationen immer wieder geschickt als Spannungsmacher einzusetzen, sodass der Leser mühelos bei der Stange bleibt, obwohl auch in diesem Werk die Nervenkitzel-Momente vergleichbar rar gesät sind. Zwar gibt es einen mysteriösen Mord, aber es sind eher die persönlichen Verwicklungen in Kombination mit den geschäftlichen Fehden zwischen Baird und Reef, die das Buch mühelos tragen. Die frühen Tage des Finanzplatzes London werden vom King of Crime überzeugend und vielschichtig beschrieben.

    Spannend ist insbesondere das doppelte Duell, das Wallace hier entwirft. Denn neben dem Widerstreit zwischen Baird und Reef, baut der Autor parallel die Konfrontation zwischen Inspektor Elk und dem skrupellosen Rex Guelder auf. Von daher sorgen die Verhaltensweisen der Charaktere und die Wendungen der Handlung für deutlich mehr situative Spannung, als eiskalter Thrill, der vereinzelt auch, aber sehr dosiert zum Einsatz kommt. Die Geschichte entwickelt sich logisch und mit angenehmem Tempo. Das Finale kommt – anders als bei den beiden zuvor rezensierten Titeln – nicht abrupt und unnötig gezwungen daher, sondern ergibt sich vollkommen harmonisch und plausibel aus dem vorangegangen Handlungsverlauf. Der Roman ist detailverliebt geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Personen, Orte und Milieus werden sehr ausführlich visualisiert und dienen dem effektvollen Gelingen der Story. Mit seinen knapp 200 Seiten ist das Werk zwar recht umfangreich, aber das Buch ist dem Altmeister in der Zusammenschau weder zu kurz, noch zu lang geraten. Summa summarum ist Ein gerissener Kerl ein sorgfältig und aus einem Guss konzipierter Kriminalroman.

    Mit den Charakteren hat der King of Crime eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Typen bzw. Rollenmodellen getroffen und diese individuell vertieft. Mit Anthony Baird erleben wir einen steinreichen Mann voller Elan, der zwar wie die Faust aufs Auge zu dem Idealbild eines Wallace-Strahlemanns passt, zugleich aber eine präzise Charakterisierung mit Ecken und Kanten gewährt bekommt. Ihm zur Seite steht der aus anderen Romanen bekannte Inspektor Elk, der mit seinen Marotten und seiner kühlen Logik einen ganz wunderbaren Ermittler abgibt. Ein wenig fad erscheint da die weibliche Hauptfigur Ursula Frensham, die sich kaum aus der üblichen Standardrolle der verfolgten Unschuld zu lösen vermag. Immerhin stehen ihr die (Streit-)Gespräche mit Baird und Reef gut zu Gesicht. Julian Reef und Rex Guelder sind ein ebenso unterschiedliches wie vielschichtig gezeichnetes Schurkenduo. Der Eine, ein zu aller Hinterlist fähiger Verbrecher, der Andere, ein jovialer Schöngeist, der seine düstere Brutalität hinter einer bürgerlichen Maske verbirgt. Demgegenüber ist Lord Frensham ein typischer Vertreter eines alten Adeligen, der zu lange über seine Verhältnisse gelebt hat, aber trotz dieses Umstands nicht den Anstand verliert. Von den vielen Nebencharakteren ist ansonsten noch besonders der Finanzmagnat Mr. Sleser, ein wunderbar knochiger, aber gleichsam würdevoller Geschäftsmann, hervorzuheben.

    Fazit:

    Ein rundherum gelungener Roman aus der Feder des Altmeisters. Wertpapierspekulationen, Finanzmanipulationen, gesellschaftliche Intrigen und Mord verbindet Edgar Wallace zu einer äußerst spannenden Kriminalgeschichte. Zwar mangelt es bisweilen an eiskalten Gänsehautmomenten und hartem Thrill, aber die privaten, wie geschäftlichen Verwicklungen der präzise gezeichneten Protagonisten sorgen bei einem recht flotten Handlungstempo über fast die gesamte Länge der Geschichte für knisternde Spannung.

    Meine Wertung: SEHR GUT

  • Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Vielen Dank für die hilfreichen Infos, Gubanov.

  • Turfschwindel (1929)Datum16.07.2017 19:35
    Foren-Beitrag von Mr. Igle im Thema

    Wie versprochen, geht es mit meinen Buchbesprechungen weiter:

    TURFSCHWINDEL, Original: The Green Ribbon, 1929, dt. Übersetzung Turfschwindel von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1985.

    Inhalt:

    Das Büro des "Grünen Bandes" macht seit Jahren mit zwielichtigen Methoden an der Rennbahn Millionen. Doch bisher ist es Inspektor Mark Luke nicht gelungen, das Vorstands-Quartett, bestehend aus dem skrupellosen Arzt Dr. Blanter, dem gewieften Anwalt Arthur Rustem, dem unheimlichen Rennstallbesitzer Elijah Goodie und dem mit allen Wassern gewaschenen Agenturinhaber J. P. Trigger etwas Illegales nachzuweisen. Das ändert sich als die junge Edna Gray aus Argentinien anreist. Ihr von Anwalt Rustem verwaltetes Landgut dient schon seit Jahren Elijah Goodie als hermetisch abgeriegeltes Gestüt, in das die Öffentlichkeit keinen Einblick erhält. Als Edna ihr rechtmäßiges Erbe in Besitz nehmen will, wird die Bande nervös. Besonders Goodie setzt alles daran, die junge Frau wieder von dem von ihm gepachteten Landgut zu verjagen. Dafür ist ihm jedes Mittel Recht. Doch dank Lukes Hilfe kann Edna den hinterhältigen Machenschaften Blanters und Goodies trotzen. Die Bande hinter dem "Grünen Band" wird nervös. Vor allem Arthur Rustem bekommt es allmählich mit der Angst zu tun. Was weiß er? Besonders hellhörig wird Inspektor Luke, als er erfährt, dass Ednas väterlicher Freund Alfredo Garcia Hals über Kopf abgereist ist. Garcia gilt als ausgewiesener Pferdekenner. Luke hat einen schlimmen Verdacht, doch noch bevor er diesem nachgehen kann, überschlagen sich die Ereignisse ...

    Besprechung:

    Ein weiterer Turf-Roman aus der Feder des Altmeisters. Mein bisheriger Eindruck ist, dass diesen Büchern immer irgendwie das gewisse Etwas bzw. der letzte Kniff fehlt, um sich von der große Masse der Wallace-Werke abzuheben. Das trifft auch auf den Roman Turfschwindel zu, der, obwohl er fast ein Jahrzehnt nach Der Derbysieger entstand, teilweise mit ähnlichen Problemen wie dieses Buch zu kämpfen hat. Zwar ist das Werk deutlich flotter geschrieben als der frühere Roman und hat auch nicht dessen Nachteil mit einem zu umfangreichen Personenkreis fertig werden zu müssen, aber die strukturellen Schwächen sind annähernd dieselben. Fast scheint es, als ob Edgar Wallace der eigentliche Kriminalfall immer ein wenig entgleitet, wenn er sein Steckenpferd das Turf-Milieu in einen Roman thematisch mit einbindet. Denn eines kann man Turfschwindel sicher nicht vorwerfen: Der Roman liefert abermals – stärker noch wie Der Derbysieger – einen authentischen und detailverliebten Blick auf den britischen Rennsport seiner Zeit.

    Gleichzeitig stellt dieser an sich sehr positive Umstand ein Teil des Strukturproblems dar, das der King of Crime sich hier abermals leistet. Über den ausgiebigen Turf-Schilderungen und die Involvierung der handelnden Personen in diesen Dunstkreis, verfehlt es Wallace in der tempoarmen Handlung für ausreichend Spannung und Nervenkitzel zu sorgen. Es fehlt an Dramatisierung, an Cliffhangern; ja, schlicht an wirklich aufregenden Passagen. Es dauert einfach zu lange bis die Gangster so richtig aktiv werden und die Lage sich ernsthaft zuspitzt. Zuvor hält sich der Altmeister einfach zu lange mit den Pferderenn-Problemen, dem komplizierten Verhältnis zwischen Luke und Edna und den üblichen kleinen Intrigen der Schurken auf. Zwar gibt es am Ende des Buchs drei Tote zu beklagen, aber zwei der Leichen werden gewissermaßen mal nebenbei entdeckt und das dritte Opfer gibt es im gehetzten Schlussakkord, der das Werk zwar würdig und temporeich abschließt, aber zugleich in seiner Kürze das beinahe ununterbrochene Durchhängen der Handlung auf den vorherigen rund 160 Seiten erwartungsgemäß nicht mehr Wett machen kann.

    Die Charaktere sind recht abwechslungsreich gestaltet, wobei die Figuren selten aus den vom King of Crime hinreichend bekannten Schemata ausbrechen. Inspektor Mark Luke ist ein typischer Wallace-Held ohne die wirklich großen Besonderheiten. Ein Kriminaler, der eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, weil er von Haus aus finanziell schon bestens versorgt ist. Ebenso fügt sich Edna Gray in das etablierte Bild der Heroine, die sich dunkler Mächte erwehren muss. Ich bin überrascht, dass man unter den Wallace-Kennern diese Figur immer als Beispiel für eine besonders emanzipierte Wallace-Heldin im Stil von Thalia Drummond oder Leslie Maughan anführt. Denn abgesehen von einer gewissen Resolutheit und ihrem sturen Wunsch unbedingt ihren Traum vom Leben auf dem Land verwirklichen zu wollen, verhält sich Edna doch den ganzen Roman über nicht viel anders als andere Damen innerhalb des Altmeisterkosmos. Zwar gibt es natürlich auch viele, wesentlich hilflosere Protagonistinnen im Gesamtwerk, aber zur Klasse einer der genannten "Wallace-Women" fehlt Edna Gray doch noch einiges an Selbstsicherheit und Courage. Die vier Oberschurken sind sehr schön ausgestaltet. Vom linkisch-nervösen Anwalt Rustem, über den brutal-bösartigen Blanter, den bläsiert-unheimlichen Goodie bis hin zu dem kühlen Strippenzieher Trigger bleiben kaum Wünsche offen. Ihre Handlanger Pilcher und Stoofer sind ganz nett, bleiben aber konturlos. Alfredo Garcia ist eine sehr sorgfältig ausgeleuchtete Person, auch wenn die Figur nicht allzu lange präsent ist. Von den sonstigen Nebenfiguren bleiben am ehesten noch der Hausverwalter Lane und der Kleinkriminelle Punch im Gedächtnis.

    Fazit:

    Insgesamt ist Turfschwindel ein Werk, das – aus meiner Sicht – in das gute, solide Mittelfeld gehört. Der Roman kann mit wunderbar atmosphärischen und kenntnisreichen Turf-Beschreibungen, einem soliden Plot und interessanten Personenkonstellationen aufwarten. Zugleich sorgen Schwächen im Handlungsgerüst, ein Mangel an Dramatisierung und das weitgehende Ausbleiben von echtem Thrill für breite Ernüchterung. Dafür hat das Buch aber eine schön aufgebaute Liebesgeschichte sowie die interessanten Schilderungen rund um das Syndikat des "Grünen Bandes" zu bieten und ist angenehm flott und bisweilen pointiert geschrieben.

    Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

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