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  • Bewertet: "Der rote Kreis" (1959/60, 2)Datum10.04.2021 23:39

    Zitat von patrick im Beitrag #115
    Habe mir den Kreis auf der englischen Tonspur zu Gemüte geführt. Im deutschen Original sagt Eddi zu Saebisch: "Irgendein Nagel steckte im Gerüst, und Lightman wurde begnadigt". In der englischen Version sagt er: " The executioner was drunk and forgot to take out the protecting nail from the blade track" (auf deutsch: Der Henker war betrunken und vergaß, den schützenden Nagel aus der Schiene des Fallbeils zu entfernen.)
    Diese Ausdrucksweise suggeriert, dass bewusst ein SCHÜTZENDER Nagel eingeschlagen wurde. Vielleicht zum Schutz derer, die vor der Hinrichtung am Fallbeil herumhantierten. Das wäre doch eine Erklärung. Oder nicht?

    Die weiter oben angesprochenen Logikmängel treffen in der Tat bei fast jedem Wallace Film auf und entsprechen einfach dem Charakter derartiger Genre-Filme. Ich stoße mich auch nicht dran, solange sie nicht allzu auffällig sind.
    Der grösste Logikmangel ist für mich auch Yales vorgetäuschte Überwältigung. Wusste er doch, dass Eddi auf dem Dach war und dort alles im Blick haben musste.
    Nichtsdestotrotz hat der Film durch die neuerliche Sichtung weiter gewonnen. Ich befördere ihn von 4,5 auf 5 Punkte.

  • Euer Lieblings-Mabuse-FilmDatum04.04.2021 19:45
    Foren-Beitrag von patrick im Thema Euer Lieblings-Mabuse-Film

    Zitat von Peter im Beitrag #66
    Zitat von Tarzan im Beitrag #61
    .... Todesstrahlen des Dr. Mabuse (wegen Malta.....)

    In der Tat sehr schöne Drehorte, auch wenn dieses 'Malta' in Wahrheit in der südlichen Toskana lag. Das ist zwar kein Geheimnis und wurde auch hier im Forum schon erwähnt, ich muss aber selbst geschickt damit umgehen...... Denn ich reise in diesem Jahr endlich nach Malta, ein langjähriger Wunsch, der seinerzeit tatsächlich durch die Sichtung der "Todesstrahlen" entstanden ist....


    Ich war selber mal vor ca.20 Jahren in Malta sporttauchen. Hat mir aber, im Vergleich zu anderen mediterranen Ländern, nicht besonders gefallen.

  • Euer Lieblings-Mabuse-FilmDatum04.04.2021 14:11
    Foren-Beitrag von patrick im Thema Euer Lieblings-Mabuse-Film

    Nach der frischen Sichtung der ganzen Reih nun mein persönliches Mabuse-Ranking:

    1. Die unsichtbaren Krallen des Dr.Mabuse (5/5)

    2. Im Stahlnetz des Dr.Mabuse (4,5/5)

    3. Das Testament des Dr.Mabuse (4,5/5)

    4. Die 1000 Augen des Dr.Mabuse (4/5)

    5. Die Todesstrahlen des Dr.Mabuse (3,5/5)

    6. Scotland Yard jagt Dr.Mabuse (3/5)

  • Zitat von Savini im Beitrag #49
    Zitat von patrick im Beitrag #44
    Zitat von Lord Peter im Beitrag #42
    aber dafür ist die Szene mit Mabuses Geist, der Dr. Baum seine Pläne zuwispert, noch um einiges gruseliger ausgefallen als im Remake.


    Das kling schon mal sehr nach meinem Geschmack.

    Falls du dir die Szene separat vom Rest des Films (als kleinen Vorgeschmack) ansehen möchtest:https://www.youtube.com/watch?v=n-WnY_ZmT9E


    Wirklich nicht schlecht. Erinnert mich an die Universal-Filme dieser Zeit.

  • Zitat
    Zitat von Savini im Beitrag #55
    Zitat von patrick im Beitrag #53
    ein Sakrileg, von der Wendlandt und sein Team aber offenbar nicht zurückschreckten

    Bzw. Brauner und sein Team, da Wendlandt an diesem Film nicht beteiligt.....



    Ja stimmt, Lapsus von mir.


    Zitat
    Zitat von patrick im Beitrag #53
    Dieter Borsche scheint sich in seinem neuen Bösewicht-Image recht gut zurechtzufinden. Bemerkenswert in dieser Geschichte ist sein verändertes optischen Erscheinungsbild vor der Gesichtsoperation.


    Streng genommen besteht das Resultat der Operation allerdings lediglich darin, Narben verschwinden zu lassen, während die Gesichtszüge erhalten bleiben. Aber trotzdem erkennt Vulpius ihn nicht wieder. Außerdem scheint Cockstone auch noch perfekt und ohne jeden Akzent Deutsch zu sprechen, da sowohl der Inspektor als auch der Professor ihn für den Privatdozenten Ranke halten.





    Vielleicht wuchs er zweisprachig auf.

  • Die Todesstrahlen des Dr.Mabuse (1964)



    Regie: Hugo Fregonese

    Produktion: CCC-Filmkunst- Artur Brauner, BRD,F,I 1964

    Mit: Peter van Eyck, O. E. Hasse, Yvonne Fourneaux, Rika Dialina, Walter Rilla, Ernst Schröder, Robert Beatty, Valéry Inkijinoff, Dieter Eppler, Claudio Gora, Gustavo Rojo, Massimo Pietrobon, Charly Fawcett, Leo Genn, Yoko Tani, Feodor Chaliapin Jr., Erich K. Koltschak


    Handlung:

    Der inzwischen vom bösen Geist des Dr.Mabuse verlassene Professor Pohland fristet nun seine Zeit selbst in einer Nervenheilanstalt. Während einer Untersuchung geht plötzlich das Licht aus und der Professor verschwindet nach einer Rangelei spurlos. Der britische Geheimdienst erfährt, dass ein gewisser Professor Larsen auf Malta an einer Strahlentechnologie arbeitet, auf die es der noch immer umtriebige Geist Mabuses abgesehen zu haben scheint. Kurzerhand wird daher Major Anders auf die Insel beordert um der Sache auf den Grund zu gehen und kommt sehr bald den Aktivitäten einer Gruppe geheimnisvoller Froschmänner auf die Spur...

    Anmerkungen:

    Nachdem die Qualität der Mabuse-Reihe mit "Scotland Yard jagt Dr.Mabuse" einen empfindlichen Dämpfer erlitten hat, wird nun wieder ein ganz neuer Weg eingeschlagen und es ist unschwer erkennbar, dass die 1964 inzwischen voll in Fahrt geratene Bondmania ihren magischen Einfluss ausübt. Paradoxerweise wird die erst im folgenden Jahr in "Feuerball" vom Zaun brechende legendäre Unterwasserschlacht, wenn auch in wesentlich bescheidenerem Format, vorweggenommen. Auf jeden Fall erfolgt stilistisch eine klare Angleichung Richtung Bond, die an vielen Stellen überdeutlich wird. Die auf einer Insel entwickelte Strahlentechnologie erinnert wohl nicht ganz zufällig an Dr.No. Major Anders unbekümmerter Umgang mit Frauen und das vorsichtige Einbringen von Sexualität - er reist mit Judy an und schläft beiläufig mit Gilda - würde ebenfalls 007 nur allzu ähnlich sehen. Malta ist zwar nicht unbedingt Jamaica oder die Bahamas, aber immerhin, im Vergleich zu den bisher gewohnten Lokalitäten, ein sonnig-südlicher Ort, der ein völlig neues Flair in die Reihe einbringt. Peter van Eycks Major-Tern-Charakter aus dem Vorgängerfilm muss nun einer weiteren Wandlung in Richtung Major Anders vom britischen Geheimdienst weichen, da ein Scotland-Yard-Beamter auf Malta vermutlich nicht wirklich etwas verloren hat. Auch die stimmungsvolle Musik trägt dazu bei, diesem Mabuse-Beitrag einen moderneren Anstrich zu verleihen. Die Neugierde wird zweifellos entfacht aber leider nicht zu 100 Prozent befriedigt, da sich den Spannungsbogen störende Längen einschleichen.

    Besonders schade ist, dass der Streifen nicht in Farbe gedreht wurde, da sich die südländische Atmosphäre in schwarzweiß naturgemäß nicht angemessen entfalten kann. Gerade 1964 war das Publikum ganz anderes gewohnt. Ein noch viel größeres Manko aber sind die viel zu dunkel und unklar eingefangenen Unterwasseraufnahmen, die durch unsaubere Belichtung ihr ganzes Potential verspielt haben und darauf schließen lassen, dass man die Sache mit viel zu wenig Herzblut angegangen ist und der Pfennigfuchserei frönte. Major Anders drohende Tuchfühlung mit einem Riesenhai und die bereits angesprochene Harpunen-Schlacht sind Dinge die förmlich nach einer sorgfältigen und optisch ansprechenden Umsetzung geschrien hätten.

    Rika Dialina bewegt sich als nur allzu typisch skizziertes Blondinchen-Klischee an der Grenze zum Erträglichen. Dr.Mabuses dämonische Präsenz geht in diesem Film völlig verloren und er füllt inzwischen nicht mehr viel mehr aus als irgend ein schablonenhafter Standard-Bösewicht. Die Identität, hinter der er sich diesmal verbirgt, ist durch überdeutliche Hinweise recht leicht zu erraten. Der Schluss sorgt dann auch noch für Verwirrung, da das Gesicht des von Dr.Mabuse beseelten unfreiwilligen Mediums plötzlich mit Professor Poland überblendet wird. Ist dieser inzwischen zum Shapeshifter geworden? Keine Ahnung was hier nun abgeht. Wo war er eigentlich nach seinem Abgang aus der Klinik? Oder war er unter einer weiteren Maske hinter der Maske?

    Die Aktivitäten der Froschmänner sorgen allerdings bei ihren nächtlichen Zusammenkünften für eine einigermaßen angemessene Atmosphäre, wie auch die skelettierten Malteserritter in den unterirdischen Gängen. Dass eine Chinesin böse sein darf und dann auch noch von Major Anders Schläge in ihr gelbes Gesicht angedroht bekommt, wäre mit der gehirngewaschenen politischen Korrektheit unserer Tage kaum mehr vereinbar und erweckt Sehnsucht an die Zeiten einer noch weniger wahnwitzig vollzogenen
    Mind-Control. Die nicht mehr ganz so junge, wie im Film angedeutete, Yvonne Fourneaux, welche auch in dem Hammer-Klassiker "The Mummy" von 1959 und einigen Spät-Errol-Flynn-Streifen der 50er-Jahre mitwirkte, ist auch hier noch relativ gut erhalten.

    Fazit:

    Der offensichtliche Versuch dem Bond-Vorbild nachzueifern wird nicht nur durch die fehlende Farbe, sondern auch durch eine an wichtigen Stellen viel zu schlampige Inszenierung vereitelt, sodass die inzwischen recht blass gewordene Mabuse-Figur nicht durch das mediterrane Element kompensiert werden kann. Ein gewisser Unterhaltungswert bleibt unter dem Strich zwar durchaus noch erhalten, doch sieht man dem Film sein knausriges Budget leider allzu deutlich an, nicht zuletzt da er sich in ein Genre vorwagt, dass sich nun mal etwas kosten lassen muss. Es ist somit wenig erstaunlich, dass die Reihe nun ihr Ende fand und Kommissar X bereits in den Startlöchern stand. 3,5 von 5 Punkten.

  • Scotland Yard jagt Dr.Mabuse (1963)



    Regie: Paul May

    Produktion: CCC-Filmkunst-Artur Brauner, BRD 1963

    Mit: Peter van Eyck, Sabine Bethmann, Dieter Borsche, Werner Peters, Walter Rilla, Klaus Kinski, Wolfgang Preiss, Agnes Windeck, Ruth Wilbert, Hans Nielsen, Albrecht Schoenhals, Wolfgang Lukschy, Albert Bessler, Anneliese Würtz, Sigurd Lohde, Alfred Braun, Ady Berber, Gerd Wiedenhofen, Jürgen Draeger, Joachim Nottke


    Handlung:


    Der vom Geist des Dr.Mabuse besessene und totgeglaubte Professor Pochlarn taucht in England auf und hat ein Gerät in seinen Händen, durch das die Gedanken der Menschen gesteuert werden können. Nach einer blutigen Testphase mit Hilfe des unehrenhaften und seiner Approbation verlustigen Arztes Cockston wird der Apparat für einen großen Postraub erfolgreich eingesetzt. Major Bill Tern übernimmt die Aufgabe, sich an die Fersen des Superverbrechers und seiner Helfershelfer zu heften und findet dabei heraus, dass gewisse Personen gegen die Willensbeinflussung immun zu sein scheinen...

    Anmerkungen:

    Ein ausgesprochen respektabler Cast, der eine ganze Vielzahl von Darstellern an Bord hat, die das Gesicht des deutschen Schwarzweißkrimis der 60er-Jahre prägten, und der Umstand, dass die ursprünglich in Deutschland angesiedelte Handlung nach England, dem Mutterland klassischer Kriminalgeschichten, verlegt wurde, lässt auf Unterhaltung vom Feinsten hoffen. Leider muss die Vorfreude gerade hier bald der Ernüchterung weichen. Haben sich die früheren Filme der Reihe noch durch angenehmes Gruseln und die starke mentale Präsenz, mit der Mabuse schon zu Lebzeiten und später als Geist seine Opfer besetzte, ausgezeichnet, ist man nun bedauerlicherweise in den Trash abgeglitten. Wurde man bisher mit Stilelementen sowohl des Film Noir als auch des klassischen Gruselfilms verwöhnt, was dann auch noch mit deutlicher gesellschaftskritischer Note untermalt war, werden hier mit vollem Ernst Elemente eingebracht, die alle Merkmale einer Parodie tragen, was dieser Film allerdings nicht ist - zumindest nicht freiwillig. Ein Hypnosegerät, das wie ein Fotoapparat aussieht, und Hörgeräte als "Gegenmittel" dürften den Ideenlieferanten sicherlich keine Meriten eingebracht haben. Um wieviel bessere Möglichkeiten hätte es doch gegeben, die Willensbeinflussung umzusetzen. Mit so einem Grundgerüst die bisher recht harte Mabuse-Reihe fortzusetzen ist geradezu ein Sakrileg, von der Wendlandt und sein Team aber offenbar nicht zurückschreckten.

    Nachdem Gert Fröbe und Lex Barker die Reihe verließen, wurde Peter van Eyck in einer zwar anderen, aber seinem Charakter aus den "1000 Augen" sehr ähnlichen, Rolle neu rekrutiert. Klaus Kinski und Werner Peters erfrischen und überraschen auf Seiten des Gesetzes und vor allem Peters ist als Ermittler sehr sympathisch angelegt, was Anstoß gibt zu bedauern, ihn viel zu selten losgelöst von seinem üblichen Typecasting genießen zu können. Dieter Borsche scheint sich in seinem neuen Bösewicht-Image recht gut zurechtzufinden. Bemerkenswert in dieser Geschichte ist sein verändertes optischen Erscheinungsbild vor der Gesichtsoperation.

    Das Dämonische, das in die Mabuse-Interpretation von Wolfgang Preis sehr stark eingeflossen ist, kann durch Walter Rillas recht monotones Agieren leider nicht fortgesetzt werden. Er fungiert eher wie eine Hülle, was er ja letztendlich auch ist. Sabine Bethmann hat als weiblicher Aufputz sehr wenig Strahlkraft. Positiv fällt allerdings auf, dass hier kein dümmlicher Sidekick für Auflockerungen sorgt, sondern die liebevoll verspielten und neckischen Dialoge zwischen Agnes Windeck und Peter van Eyck in ihrer Mutter-Sohn Beziehung, die sich fortlaufend als für die Ermittlungen zielführend erweisen und Mütterchen als scharfsinnige Spürnase im Hintergrund entpuppen. Diese Konstellation kopiert sehr viel besser den britischen Humor als man es generell in den Wallace-Filmen und deren Epigonen gewohnt ist.

    Die Dreharbeiten fallen zeitlich mit dem legendären Postzugraub in England zusammen, wobei mir nicht bekannt ist ob dies reiner Zufall ist oder besagtes Gaunerstück doch Inspiration lieferte. Der auffallend gefälligen Filmmusik der vorhergehenden Filme der Reihe wird hier leider nichts nennenswertes hinzugefügt.

    Fazit:


    Der vorliegende Streifen markiert qualitativ einen dramatischen Einbruch in einer bis dahin hochwertig verlaufenen Reihe und gleitet unglücklicherweise in Trash und Lächerlichkeit ab. Auch der Spannungsverlauf ist wenig ausgeprägt. Lediglich die Darsteller können hier etwas Boden wettmachen, ansonsten ein eher belangloses Filmchen mit immerhin noch durchschnittlichem Unterhaltungswert. 3 von 5 Punkten.

  • Zitat von Lord Peter im Beitrag #42
    aber dafür ist die Szene mit Mabuses Geist, der Dr. Baum seine Pläne zuwispert, noch um einiges gruseliger ausgefallen als im Remake.


    Das kling schon mal sehr nach meinem Geschmack.

  • Zitat von Jan im Beitrag #41
    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #39
    @patrick: Dann hole die Sichtung des 1933er Films bitte unbedingt nach! Bei mir ist die Erstsichtung auch noch nicht allzu lange her - die Inszenierung wirkt immer noch frisch und modern; die Charaktere sind vielschichtig angelegt. Den muss man als Fan klassischer Krimis einfach mal gesehen haben!

    Volle Zustimmung! Vor allem ist Fritz Langs Film ein optischer Hochgenuss wie es schon "M" kurz zuvor auch war. Ich würde das als Ergänzung zum typischen Mabuse-Stoff der 1960er durchaus empfehlen. Man darf halt nicht erwarten, dass es kracht, knallt und scheppert wie bei Klingler oder Reinl.

    Gruß
    Jan


    Ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, diese filmische Bildungslücke zu schließen. Was mich bisher davon abhielt war der Umstand, dass mir Filme dieser Jahrgänge tendenziell doch schon zu alt sind. Aber jetzt bin ich einfach neugierig und der 33er lässt sich über Amazon-Prime leicht bekommen. Da werde ich mich wohl drauf einlassen. Immerhin gefallen mir die klassischen Universal-Gruselfilme sehr gut, die ja auch aus den 30ern sind.

    Definitiv Abstand halte ich aber vom 22er-Mabuse. Stummfilme sind wirklich nicht mein Ding. Dazu kann ich mich einfach nicht überwinden.

  • Das Testament des Dr. Mabuse (1962)



    Regie: Werner Klingler

    Produktion: CCC-Filmkunst- Artur Brauner, BRD 1962

    Mit: Gert Fröbe, Senta Berger, Helmut Schmid, Charles Regnier, Walter Rilla, Wolfgang Preiss, Harald Juhnke, Leon Askin, Ann Savo, Zeev Berlinsky, Albert Bessler, Arthur Schilski, Claus Tinney, Alain Dijon, Alon D'Armand, Rolf Eden, Gerhard Hartig, Günter Meisner


    Handlung:

    Der inzwischen dem Wahnsinn verfallene Dr.Mabuse ist nun offenbar in einer Irrenanstalt gut aufgehoben. Doch trügt wohl der Schein, denn sehr bald macht eine gerissene Bande mit dreisten Raubüberfällen von sich Reden, deren unbekannter Chef alle Charakteristika von Mabuse aufweist. Für Kommissar Lohmann bedeutet das eine weitere Runde im Kampf gegen den sinisteren Superschurken, dessen Einflussbereich auch dicke Anstaltsmauern nicht trotzen können und noch viel weniger der Anstaltsleiter.....

    Anmerkungen:


    Nachdem Harald Reinl und Lex Barker nun mit gigantischem Erfolg den Wilden Westen erobern und dort nach dem "Schatz im Silbersee" suchen, springt Werner Klingler als Regisseur ein und hat den bewährten Gert Fröbe als zuverlässigen Hauptdarsteller im Team, der nun zum dritten und letzten Mal einen Mabuse-Streifen bereichert. Noch scheint das Ganze aber keineswegs in Routine zu versanden, denn man kam auf die originelle Idee, den Mabuse-Klassiker von 1933 neu zu verfilmen. Ich muss gestehen, besagten Film nie gesehen zu haben, entnehme dessen Inhaltsangabe aber, dass dieser doch sehr eng mit dem vorliegenden Remake übereinstimmen muss.

    Gert Fröbe hat nun keinen weltmännischen Kollegen mehr neben sich, der mit Ihm auf der Ermittlerseite die Hauptrolle teilen darf. Stattdessen darf Charles Regnier als Mabuses rechte Hand und krimineller "Vorarbeiter" ein gewisses Gewicht einnehmen. Versnobt, lässig und mit gönnerhafter Arroganz hält er in jeder Situation seine Überheblichkeit aufrecht, schenkt einem einfacher gestrickten Untergebenen geradezu kollegial eine teure Zigarre, gibt der überwältigten Wachmannschaft eines ausgeraubten Geldtransports das nötige Kleingeld für den Bus und scheint auch sonst in der Rolle des Gentleman-Gauners ganz aufzugehen. Wie er selbst zugibt, liebt er es nicht, sich die Hände schmutzig zu machen und verleitet einen Spitzel durch einen Trick dazu, sich selbst zu töten.

    Den inzwischen optisch verwahrlosten Mabuse persönlich ereilt ein wenig spektakulärer Tod hinter den Mauern einer Irrenanstalt, doch findet ein fließender Übergang auf seinen auserkorenen Nachfolger bereits statt, den er durch seine unheimliche mentale Präsenz als "Walk-in" besetzt und nun auch über den (körperlichen) Tod hinaus unter seinem Einfluss hält. Gegen Schluss darf er dann sogar als Geist erscheinen, was der Geschichte einen sehr paranormalen Charakter verleiht, der aber vermutlich durchaus der Vorlage entsprechen dürfte. Mabuses Gefährlichkeit wird durch die Folgen unterstrichen, die ein zu langes Verweilen in seiner Nähe für seine armen Opfer offensichtlich hat. Mit seinen eigenen Worten bekräftigt er, dass nicht der Anstaltsleiter ihn behandelt, sondern umgekehrt, was dann auch das Weiterbestehen seiner nicht an einen bestimmten Körper gebundenen Existenz garantiert. Sein hypnotischer Einfluss, dem nicht mehr zu entgehen ist, ähnelt dabei stark jenem von Dracula aus den klassischen Vampirfilmen.

    Als vom Bösen geplagte Schönheit ist die noch sehr junge und unverbrauchte Senta Berger ganz passend besetzt, gibt aber mit Helmut Schnmid als naiven und uncharismatischen Boxer Johnny Briggs ein auffallend ungleiches Paar ab. Letzterer wandelt wie ein unbeholfenes Riesenbaby durch den Film, auf das man fast aufpassen muss - keine sehr dankbare Rolle, aber vermutlich durchaus so beabsichtigt. Wenigstens darf er aber den auffallend brutal gefolterten Kommissar Lohmann aus seiner misslichen Lage befreien, bevor es dem neuen Mabuse an den Kragen geht.

    Fazit:

    Durch den Kunstgriff, das Schicksal des von Wolfgang Preis dargestellten "Mabuse den 2." gleich verlaufen zu lassen, wie jenes des Ur-Mabuse aus den 20er- und 30er- Jahren, wurde ein sehr geschicktes Remake geschaffen, das der Reihe noch einmal frisches Blut zuführt und auch die bewährte Atmosphäre weiter pflegt. Das auffallend thriller-gerechte Titelthema ist dabei ein sehr schöner Ohrwurm. Persönlich sehe ich das "Testament" durchaus auf Augenhöhe mit seinen Vorgängern. 4,5 von 5 Punkten.

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #30
    Zitat von Savini im Beitrag #26
    Immerhin wird versucht, Unsichtbarkeit "wissenschaftlich" zu begründen; allerdings bewundere ich Curd Pieritz dafür, wie er bei seinem Vortrag so ernsthaft bleiben konnte.

    Was genau stört Dich so daran ? Ich finde eher, hier hat Reinl einen Fortschritt gegenüber ähnlichen Produktionen der Zeit gemacht, wo es stets um einen geheimnisvollen Trank ging, den der Unsichtbare zu sich genommen hatte. Wenn Du mal ein bisschen googelst, wirst Du vielleicht auch finden, dass man gerade an Materialien oder auch Prinzipien forscht, die das Licht synchronisiert oder zielgerichtet "ohne Anzu-Ecken" durch die Materie leiten können, mit dem Ziel der Unsichtbarkeit. Steckt noch in den Kinderschuhen und ist auch nicht genauso wie im Film, aber durchaus ähnlich.


    Also ganz ehrlich, wenn man ein bisschen zum querdenken neigt, sich ein bisschen für Quantenphysik, Paralleluniversen, Verschränkungstheorien, die sogar nachweisbar sind und damit einen Einfluss des Bewusstseins auf Materie objektiv beweisen (was in durchaus wissenschaftlich belegten Studien nachgewiesen wurde), dann hält man sehr vieles mehr für möglich, als sich unserer (stark begrenzten) Wahrnehmung zeigt.

    Hier noch ein paar Aussagen von Zeitgenossen älterer Tage, die vielleicht ein ganz klein bisschen in die angestoßene Diskussion passen:

    Wer zum Teufel will schon Schauspieler reden hören. (Harry Warner, Warner Bros.Filmproduktion, 1927)

    Was soll unsere Gesellschaft mit einem elektrischen Spielzeug anfangen? (Western Union als Begründung, warum sie die Rechte am Telefon nicht haben wollte, 1878)

    Alles, was man erfinden kann, ist schon erfunden worden. (Charles Duell, Direktor des Patentamtes der USA, 1899)

    Man kann keine Flugmaschinen bauen, die schwerer sind als Luft (Lord Kelvin, Vorsitzender der Königlich Britischen Akademie der Naturwissenschaften, 1895)

    Es gibt nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, daß wir je in der Lage sein werden, Kernenergie zu gewinnen. Dazu müsste man das Atom zertrümmern können. (Albert Einstein, 1932).

    etc, etc,....

    Damit will ich jetzt natürlich nicht sagen, dass die in den "Krallen" vorgetragenen Theorien besonders wissenschaftlich sind, aber ich mag solche Vorstöße über das als real akzeptierte hinaus und kann solche Filme auch mit Freude genießen - nicht alle, aber die besseren unter ihnen auf jeden Fall.

  • @Tarzan super, danke. Soeben geordert. Wird gespannt erwartet.

  • Die unsichtbaren Krallen des Dr.Mabuse (1961/1962)



    Regie: Harald Reinl

    Produktion: CCC-Filmkunst, Artur Brauner, BRD 1961/1962

    Mit: Lex Barker, Karin Dor, Siegfried Lowitz, Rudolf Fernau, Werner Peters, Wolfgang Preiss, Curd Pieritz, Walter Bluhm, Hans Schwarz, Walo Lüönd, Heinz Gies, Alain Dijon, Zeev Berlinsky, Carl de Vogt


    Handlung:

    Im Metropol-Theater wird ein FBI-Agent ermordet, weshalb dessen Kollege Joe Como nach Deutschland beordert wird, um in der Sache zu ermitteln. Dabei trifft er die dort engagierte Schauspielerin Liane Martin, die von einem sehr ungewöhnlichen und aufdringlichen Verehrer bedrängt wird. Es handelt sich dabei nämlich um einen Unsichtbaren. Hinter besagtem Phänomen steckt eine Technologie, für die sich der totgeglaubte Dr.Mabuse interessiert, der quicklebendig seine Ziele weiterhin mit gewohnter Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit verfolgt, sodass sich bald die Leichen häufen und Joe Como alle Hände voll zu tun hat, nicht selbst in's Jenseits expediert zu werden...

    Anmerkungen:

    Meisterregisseur Harald Reinl, der mit "im Stahlnetz des Dr.Mabuse" qualitativ einiges vorgelegt hat, vermochte tatsächlich noch eine weitere Steigerung innerhalb der Reihe auf die Leinwand zu bringen. Selbstverständlich durfte seine damalige Ehefrau Karin Dor in der Besetzungsliste nicht fehlen und es stellt sich die Frage, warum diese bei Reinls erstem Mabuse-Film noch fernblieb. Vermutlich musste sie anderen Verpflichtungen nachkommen. Lex Barker ist als Joe Como bereits bekannt und taut gegenüber dem Vorgängerfilm, wo er noch etwas steif agierte, deutlich auf. Er wirkt im Umgang mit Frauen hier nicht ganz so offensiv und deutlich charmanter. Auch sonst hat er feinfühligere und humorvollere Momente, bleibt aber trotzdem als Actionheld ganz seinem Rufe treu. Ihm kommt zugute, dass er nun nicht mehr neben dem schauspielerischen Schwergewicht Gerd Fröbe agieren muss und dadurch wesentlich mehr Raum bekommt. Man darf bedauern, dass er nach diesem Film die Reihe verließ, auch wenn dies natürlich dem "guten Zweck" geschuldet war, ihn als Karl-May-Helden in Stein zu meißeln.
    Ein auffallender Red Herring ist, dass der Arzt Dr.Krone auch von Wolfgang Preis gespielt wird, was leicht zu erkennen ist und dazu verleitet, ihn für Dr.Mabuse zu halten. Werner Peters, der inzwischen zum Stammdarsteller der Reihe avancierte, zeigt als gefährlicher Clown Bobo neue Facetten seines Könnens und nimmt wohl schon ein bisschen etwas von Stephen Kings "Es" vorweg.

    Erstmals geht man nun so weit, Science-Fiction-Elemente Einzug halten zu lassen, wobei der Film "Der Unsichtbare" von 1933 Pate gestanden haben dürfte. Reinl verstand es aber, dieses nicht ganz so einfache Motiv sehr geschickt umzusetzen, sodass Gruselelemente und gekonnte Effekte einer drohenden Lächerlichkeit jegliche Angriffsfläche entziehen. Eine der gelungensten Sequenzen spielt sich in einem mittelalterlich eingerichteten Schlosshotel ab, wo Joe Como den vermeintlichen Geist sichtbar macht. Er bedient sich dabei des Wasserdampfs im Badezimmer, wo der unsichtbare Lüstling beabsichtigt, sich bei Liane Martin eine Peepshow zu gönnen. Die Umrisse des Phantoms sind zu erkennen, nachdem sich der Dampf an dieses anhaftet, was als Gruselszene mit der Kamera zwar einfach aber durchaus professionell eingefangen wurde. Als Draufgabe gibt's dann noch das nicht allzu hübsche Gesicht des Unsichtbaren zu sehen. Für das Science-Fiction-Element wird übrigens eine gar nicht einmal so dumme "wissenschaftliche" Erklärung geliefert, für die offenere Gemüter und Querdenker durchaus zugänglich sein könnten. Die wachrüttelnde Gesellschaftskritik tritt im Vergleich mit den Vorgänger-Filmen zu Gunsten der aus den klassischen Gruselfilmen entlehnten Motiven hier allerdings deutlich in den Hintergrund.

    Am Rande darf noch bemerkt werden, dass in diesem Streifen zwei Schauspieler mitwirken, die Karl May's Kara Ben Nemsi verkörperten. Einerseits natürlich Lex Barker, der diese Rolle 1962 noch vor sich hatte, und andererseits der 1885 geborene und 1970 verstorbene Carl de Vogt. Letzter spielte den Kara Ben Nemsi in zwei Uralt-Verfilmungen von 1920, die mir persönlich nicht bekannt sind. Der inzwischen greise Mime hatte in den 60er-Jahren kleine Rollen in sehr interessanten Filmen, nämlich als Empfangschef des Schlosshotels hier in den "Krallen", als Arzt im "Würger von Schloss Blackmoor" und als Patient im "Geheimnis der schwarzen Koffer".

    Fazit:

    "Die unsichtbaren Krallen" sind mein persönlicher Favorit unter den Mabuse-Filmen, was neben der flotten und spannenden Handlung einem reizvollen Ambiente, tollen und effektiven Gruselmomenten und einer exzellenten Kameraarbeit zu verdanken ist. Hier sind Krimi-,SciFi- und Gruselgenre derart unterhaltsam miteinander verwoben, dass wiederholte Sichtungen eine wahre Freude bereiten. Auch sehe ich natürlich Lex Barker wesentlich lieber als Peter van Eyck.

    Klare 5 von 5 Punkten.

  • Im Stahlnetz des Dr.Mabuse (1961)




    Regie: Harald Reinl

    Produktion: CCC-Filmkunst - Artur Brauner, BRD/I/F 1961

    Mit: Gert Fröbe, Lex Barker, Daliah Lavi, Fausto Tozzi, Werner Peters, Rudolf Forster, Rudolf Fernau, Joachim Mock, Laura Solari, Ady Berber, Henry Coubet, Jean-Roger Caussimon, Albert Bessler, Lou Seitz, Zeev Berlinsky, Alexander Engel, Wolfgang Preiss, Herbert Weißbach, Erik Radolf


    Handlung:

    Zwei gewichtige Verbrecherorganisationen aus Deutschland und Chicago scheinen sich verbündet zu haben und machen nun durch spektakuläre Morde an jenen von sich reden, die ihnen zu nahe kommen. Der FBI-Agent Joe Como ermittelt daher zusammen mit dem deutschen Kommissar Lohmann und es sollte sich bald herausstellen, dass der totgeglaubte Dr.Mabuse hinter den grausamen und menschenverachtenden Aktivitäten steckt. Como wird zum Schein verhaftet, um im Gefängnis den für die Ermittlungen notwendigen Zugang zur Unterwelt zu finden...

    Anmerkungen:

    Nachdem Artur Brauners "1000 Augen" den gewünschten Erfolg brachten, stand einer Dr-Mabuse-Reihe nun nichts mehr im Wege und man machte sich analog zu den Edgar-Wallace-Filmen hurtig an die Arbeit, möglichst rasch diese Fortsetzung in's Rennen zu schicken. Da der altgediente Fritz lang offenbar keinen Bock mehr hatte, auch die Kinolandschaft der 60er-Jahre zu bedienten, entschied man sich für den fähigen Actionregisseur Harald Reinl, der bereits die Wallace-Reihe inszenatorisch in's Leben rief, was sich als wahre Goldgrube entpuppte. Die Wahl erwies sich als richtig, da der vorliegende Streifen ein auffallend düsterer und knallharter Thriller und auch wesentlich actionreicher und spannender als sein Vorgänger ist. Überflüssiger Humor wird, im Gegensatz zu den späteren Wallace-Filmen, auch hier völlig ausgespart und die im Vorgängerfilm noch durchschimmernde 50er-Jahre-Beschaulichkeit ganz fallengelassen. Das Titelthema ist ebenfalls wesentlich flotter und akustisch attraktiver. Das besondere Schmankerl in der Besetzungsliste ist natürlich ein weiterer internationaler Star, nämlich der bereits als Tarzan bekannte und nunmehr angehende Old Shatterhand Lex Barker. Freilich wirkt der vor allem als Abenteuerheld eingesetzte Schauspieler hier etwas ungewohnt und lange nicht so unaustauschbar wie in der Rolle seines Lebens, was aber wenig stört, wenn man ihn von Kindesbeinen an als Kultfigur in's Herz geschlossen hat. Als sein Love-Interest darf Daliah Lavi fungieren, die ich persönlich immer sehr farblos fand - Ein Eindruck von dem ich sie leider auch hier nicht freisprechen mag. Gert Fröbe, der sich im Vorgängerfilm ganz ausgezeichnet schlug, darf auch hier wieder ermitteln, wenn auch in einer anderen, aber gleich angelegten, Rolle als sympathischer Kommissar, der durchaus hart und unerbittlich sein kann. Einerseits darf man ihn zu Beginn des Films als gutgelaunten Familienvater in einer fast heil erscheinenden Welt und später dann als strengen Vorgesetzten, der seinen Untergebenen ob seiner "Dummheit" mit harten Worten tadelt, erleben. Hervorheben darf man auch sein Pistolenduell mit dem Küster, das einem Western-Drehbuch entstammen könnte. Auch Werner Peters vollzieht im Vergleich mit den "1000 Augen" einen Wechsel seiner Identität, die ihn nun mehr in sein gewohntes zwielichtiges Typecasting presst. Seine Rolle in Langs Film war deutlich vielseitiger und interessanter.

    Verschiedene Morde sind für das Entstehungsjahr ungewöhnlich hart und gewagt inszeniert. Eine Frau wird abgefackelt, ein Mann mit dem Lieferwagen gegen eine Wand gequetscht und ein Sprung aus dem Fenster gezeigt, was von der Kamera alles bemerkenswert lang und realistisch eingefangen ist. Im Vergleich mit den sehr unblutigen Toden in den "1000 Augen" wird hier einen deutlichen Gang höher geschalten. Der visuelle Stil mit dunklen Aufnahmen und langen Schatten, bedient voll und ganz die Erwartungshaltung von Liebhabern des "noi-ren" Gruselkrimi-Genres.

    Beibehalten wird das für die Mabuse-Filme zum Markenzeichen gewordene Mind-Control-Element und der Umstand, dass das Genie des Bösen nun immer wieder zum Schein sterben und dann doch wieder auferstehen darf. Auch diesmal tritt Mabuse, ähnlich wie Fantomas, unter der Identität eines Anderen in Erscheinung, der längst durch ihn selbst von dieser Welt abberufen wurde und dessen Gesicht nur noch als Maske existier. Menschen durch Ausschalten ihres freien Willens gefügig zu machen, der Traum eines jeden Tyrannen, Despoten und totalitären Systems, ist hier das zentrale Thema. Durch die Aussage des von Alexander Engel gespielten Professors, dass Gehorsamsmaschinen geschaffen werden, die jeden Befehl ohne Denken ausführen, werden das Thema dieser Geschichte und der inzwischen nicht mehr wegzuleugnende Realitätsbezug nur allzu treffend charakterisiert. Das Genie des Bösen bedient sich dabei gewisser Substanzen mit trans-humanistischer Wirkung, wie man es nennen könnte - ebenfalls ein sehr aktuelles Thema, das allerdings der breiteren Masse weniger bewusst ist. Einverleibt wird das Ganze als Zwangs-Impfung mit zweifelhaftem Inhalt, was sich 60 Jahre später als Reality-Grusel-Show abzuzeichnen scheint.

    Fazit:


    Das "Stahlnetz" ist ein überaus gelungener Beitrag zum Genre des deutschen Schwarzweiss-Grusel-Krimis der 60er-Jahre und verknüpft ganz im Sinne seines Vorgängers die Härte eines Thrillers von echtem Schrot und Korn mit überdeutlicher Gesellschaftskritik.

    4,5 von 5 Punkten.

  • Die 1000 Augen des Dr.Mabuse (1960)



    Regie: Fritz Lang

    Produktion: CCC-Filmkunst - Artur Brauner, BRD/Italien/Frankreich 1960


    Mit: Dawn Addams,Peter van Eyck, Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Werner Peters, Andrea Checchi, Marieluise Nagel, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon, Nico Pepe, Jean Jacques Delbo, David Cameron, Linda Sini, Renate Küster, Rolf Weih, Rolf Möbius, Lotte Alberti, Manfred Grote, Maria Milde, Albert Bessler, Wolfgang Völz, Werner Buttler, Hans W. Hamacher, Egon Vogel, Bruno W. Pantel, Dieter Hallervorden

    Handlung:


    In einer nicht näher bezeichneten deutschen Stadt ereignen sich mysteriöse Mordfälle, deren Opfer alle zuvor im Hotel Luxor abgestiegen sind. Kommissar Kras trifft bei seinen Ermittlungen bald auf den schwerreichen Amerikaner Travers, dem es gelungen ist, die völlig verstört wirkende Marion Menil vor dem Selbstmord zu bewahren. Travers verliebt sich in die attraktive Dame und findet heraus, dass das ursprünglich von den Nazis errichtete Hotel Luxor mit einer Überwachungsanlage ausgestattet ist, die ihre 1000 Augen ungehemmt auf die intimsten Augenblicke ihrer unwissenden Gäste richtet. Sehr bald wird hinter den Machenschaften die Handschrift des legendären Dr. Mabuse erkannt, der allerdings schon seit vielen Jahren tot ist, oder vielleicht doch nicht?

    Anmerkungen:


    Als es 1960 inzwischen unmöglich war, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein, täuschte der findige Artur Brauner keine Müdigkeit dabei vor, der Konkurrenzfirma Rialto, die bei der Umsetzung innovativer Filmideen immer eine gehörige Nasenlänge voraus zu sein schien, ähnliche Kassenschlager in's Fahrwasser zu schieben. Dabei kam er auf die wunderbare Idee, den inzwischen 38 bzw. 28 Jahre alten Dr.Mabuse-Filmen eine Fortsetzung hinzuzufügen. Er überließ dabei nichts dem Zufall und konnte den Regisseur besagter Klassiker, Altmeister Fritz Lang, für das Projekt gewinnen. Für Lang, der sich danach in's Privatleben zurückzog, sollte es den würdigen Abschluss seiner Filmkarriere markieren. Auch die Besetzungsliste bekommt, obwohl die Handlung in Deutschland angesiedelt ist, durch das Mitwirken des in Amerika und England erfolgreichen Peter van Eyck und der Britin Dawn Addams internationales Flair. Auch spätere Rialto-Stammdarsteller wie Werner Peters und Albert Bessler treten hier bereits in Erscheinung. Ersterer darf sogar eine seiner lebendigsten und undurchsichtigsten Einsätze in diesem Genre verbuchen, worin er voll aufzugehen scheint. Gert Fröbe, der den Ermittler als liebenswerten Haudegen ganz anders interpretiert, als man es von den Inspektoren der Wallace-Reihe gewohnt war, schien seine Rolle auf den Leib geschrieben. Peter van Eyck fungiert gewohnt gentlemanhaft und immer die Formen einhaltend mit bedächtiger Eloquenz, wogegen Dawn Addams als verstörte und seelisch belastete Schönheit zwar austauschbar ist, dennoch den Anforderungen ihres Parts völlig entspricht. Wer genau hinsieht, kann unter den Reportern rund um Marion Menils drohendem Selbstmord den noch jungen Dieter Hallervorden erkennen.

    Besonders interessant ist aber das Grundthema des Films, das gerade im Rückblick aus der heutigen Perspektive nach über 60 Jahren einen sehr gruseligen Schatten wirft, der kritischere Gemüter mit Fug und Recht zum Nachdenken animiert. Die Orwell'sche totale Überwachung, gepaart mit dem Bestreben, Angst und Chaos zu schüren, um finstere Machenschaften durchzudrücken, ist schon etwas, das gerade in der heutigen Zeit von den mutigeren unter den Investigativjournalisten und deren Anhängern deutlich und unverblümt angesprochen wird. Eine Haltung, die angesichts der ihr Hand und Fuß gebenden Nachvollziehbarkeit bei genauem Hinsehen mehr denn je berechtigt ist. Von der Spionagesoftware und der gläsernen Transparenz einmal ganz zu schweigen. All dies wurde in diesem Film von 1960 bereits sehr treffend, wenn auch naturgemäß technisch inzwischen etwas vorsintflutlich anmutend, skizziert. Damit ist "Die 1000 Augen des Dr.Mabuse" ein ganz besonders intelligenter und kritischer Film, der mit sehr viel mehr Tiefgang aufzuwarten vermag, als man es von den Wallace-Filmen und deren Epigonen gewohnt ist, die sich im Grunde dem reinen Unterhaltungskino verpflichtet fühlten. Natürlich sind auch die "1000 Augen" in erster Linie als Unterhaltungskino konzipiert, doch hätte der Kinobesucher von 1960 gewusst, wohin die Reise 6 Jahrzehnte später führen sollte, wäre er wohl glücklich darüber, in seiner noch recht behüteten Zeit leben zu dürfen, zu einer dankbaren Haltung innerer Zufriedenheit bekehrt worden.

    Als Triller funktionieren "Die 1000 Augen" hervorragend und bedienen neben den oben angesprochenen Orwell-Visionen auch die düstere Ernsthaftigkeit der Wallace-Frühwerke. Der Vorspann scheint eine Reminiszenz an die Stummfilm-Ära zu sein und die schwarzweiße Kameraarbeit ist allererste Sahne und unverkennbar an den visuellen Stil der Wallace-Filme angelehnt. Mit dem voyeuristischen Element wird natürlich noch sehr zurückhaltend umgegangen, was freilich der puritanischen Verklemmtheit der 50er-Jahre geschuldet ist.

    Für eine gewisse Glaubwürdigkeit sorgt auch, dass hier nicht ein längst verstorbener Verbrecher sich als doch noch quicklebendig entpuppt, sondern dass lediglich dessen kriminelles Erbe angetreten wird. Das Thema Hypnose kommt auch zur Anwendung und fungiert als plakative Darstellung von Mind-Control-Methoden.

    Fazit:

    Aufgrund ihrer Thematik lassen "Die 1000 Augen" ganz besonders aus heutiger Sicht erkennen, welcher Tiefgang in ihnen steckt. Dies gibt diesem sehr düsteren Streifen eine Sonderstellung im deutschen Kino der 60er-Jahre, da die gezeigten Visionen inzwischen überdeutlich von der Realität eingeholt wurden, die viel gruseliger ist als jede Fantasiegeschichte. Das Ganze ist sehr gekonnt mit dem inzwischen beliebten Wallace-Stil gekreuzt. Dennoch möchte ich hier nicht die vollen Punkte geben, da Tempo, Härte und Unterhaltungswert sich im weiteren Verlauf der Reihe noch deutlich steigern sollten.

    4 von 5 Punkten

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #28

    Entweder, wir schreiben das gleich da rein, oder machen einen extra Thread auf, wo man dann die Beiträge hinterher zum Schluss in die zugehörigen Threads verschiebt ? Das müsste allerdings jemand machen, der sich da auskennt... (ich falle da schon mal weg).


    ...Ja, ich leider auch. Ohne den guten Gubanov, sind wir diesbezüglich wohl etwas hilflos. Vielleicht findet sich noch jemand, der Lust, Zeit und vor Allem das Können hat, so einen Thread zu gestalten.

  • Also soooo unsympathisch war mir George eigentlich nie. Er war eben nicht derjenige, der immer schön brav und artig den lieben Kerl machte, sondern zeigte, dass es auch Ecken und Kanten gibt. Warum nicht? Muss denn jeder genau so funktionieren, wie der Mainstream es erwartet? Er hatte seine Meinung und verstellte sich nicht. Das macht ihn zumindest authentischer als viele Andere, die ständig schauspielern. Ihn aus dieser Distanz als Mensch zu beurteilen (oder verurteilen) ist nicht unbedingt fair. Ich wüsste nicht, mit wem ich privat besser klar kommen würde, Gottschalk, George oder gar Kinski? Schließlich ist mir keiner dieser Herren jemals persönlich begegnet. Aus eigener Erfahrung weis ich zur Genüge, dass es sehr viele Menschen mit Ecken und Kanten gibt, die sehr sympathisch sind, wenn man sie besser kennt und sehr viele oberflächlich nette aber innerlich arme Zeitgenossen. Als Schauspieler (und nur als solche kann ich sie beurteilen) sind Gottschalk und Krüger für mich Nullnummern. Ich habe zwar die Nasen-Filme damals in den 80-ern geschaut, es würde mir aber nie mehr einfallen, dies heute aus nostalgischen Gründen zu wiederholen. George spielte dagegen bereits zu Beginn seiner Karriere in den von mir geliebten Karl-May-Filmen mit, was alleine schon genügt, ihn über Gottschalk und Krüger zu stellen. Schimanski sah ich dann auch gerne und er hat in vielen weiteren Filmen bewiesen, dass er als Schauspieler durchaus im richtigen Beruf war.

  • Zitat von Tarzan im Beitrag #62
    Danke. Bei mir ist aber „Die Rache der schwarzen Spinne“ dabei!

    Kann es nicht mehr erwarten.

  • Zitat von Tarzan im Beitrag #50
    Nach einigen Jahren weiterer Recherchen ist es im Februar oder März endlich soweit: Die vor Jahren hier in diesem Thread angedeutete Aufarbeitung eines Stück Filmhistorie, Titel „Kiemenmensch, Außerirdische, Riesenspinnen und andere Kreaturen – Hollywood-Schrecken in den 1950er Jahren“, kommt. Rund 350 Seiten mit Informationen und Motiven zu 25 Kultfilmen (und zwei zusätzlichen Specials). Nähere Veröffentlichungshinweise folgen in Kürze.


    @Tarzan da freue ich mich schon darauf.

    Beim Ranking der Top 7 gehe ich auch keinesfalls mit. Für mich als großer Fan der 50er-Jahre-Monster-Heuler sind natürlich "Tarantula", "Mörderspinnen" und "Mr.C" die Platzhirsche (Okay, Mörderspinnen ist 70er-Jahre aber trotzdem hervorragend). Schade, dass von "Die Rache der schwarzen Spinne" keine Rede ist. Der Film ist 1958 ganz nach Tarantula orientiert und qualitativ auf Augenhöhe, leider trotzdem sehr viel weniger bekannt.

    Von "Herr der Ringe bin ich auch kein Fan". Habe mir die Trilogie einer charmanten Begleitung wegen zwar im Kino angesehen, war aber immer froh als der Film vorbei war. Viel zu langatmig.

    Ich erinnere mich noch wehmütig an die guten alten frühen 80er als wöchentlich ein Arnold-Klassiker in einem Dritten Programm lief und durch das tolle "Jack-Arnold-erzählt" abgerundet wurde. Der Meister hat da ja noch gelebt.

  • Zitat von Der Mönch mit der Peitsche im Beitrag #110
    Ich warte immer noch auf meine vom "Media Markt", ich habe sie dort schon Mitte November bestellt, sie sollte Ende November kommen, kam aber nicht, ich nach "Media Markt" geschrieben und dort wurde mir gesagt, dass sie jetzt entweder noch VOR oder kurz NACH Weihnachten kommt..."Lieferschwierigkeiten", na toll!!!.

    Nächstes Mal bestelle ich wieder bei "Amazon"!!!.


    Ging mir haargenau so bei Saturn. Hab inzwischen mein Geld zurückgefordert und auch bekommen. Der Film ist vergriffen und wird wohl in dieser Form auch nicht mehr erscheinen. Für mich ist das aber nicht so schlimm, da ich ohnehin nicht so überzeugt von dem Streifen bin. Bin in Punkto Grusicals sehr viel mehr Hammer zugeneigt, wo ich problemlos bekomme was ich will. Freilich wären die Extras das Schmanckerl gewesen, das mich zur Bestellung animiert hat. Musste aber schon sehr lange (in diesem Fall zu lange) überlegen ob ich zuschlagen soll. Ein klares Zeichen, dass es für mich eben nicht wirklich wichtig war.

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