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  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Der Hexer (1964)



    Regie: Alfred Vohrer

    Drehzeit: 03.06.1964 - 11.07.1964

    Mit: Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Sophie Hardy, Siegfried Lowitz, Margot Trooger, Jochen Brockmann, Carl Lange, Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Karl John, Kurt Waitzmann, Ann Savo, Hilde Sessak, René Deltgen, Tilo von Berlepsch, Petra von der Linde, Josef Wolff, Inge Keck, Kurd Pieritz, Wilhelm Vorwerg


    Handlung:


    Der unsaubere Rechtsanwalt Maurice Messer betreibt zusammen mit drei Komplizen, unter ihnen ein sehr unheiliger Priester, ein lukratives Nebengeschäft mit Mädchenhandel. Da ihm seine Sekretärin Gwenda Milton auf die Schliche kommt, wird diese kurzerhand ermordet und in der Themse entsorgt. Was die Gauner allerdings nicht wissen ist, dass sie damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieben haben, denn Gwenda Milton war die Schwester von Arthur Milton, genannt "Der Hexer", der für seine Neigung zur Selbstjustiz bekannt und gefürchtet ist. Er musste England zwar verlassen und lebt nun in Australien, hat jedoch die Gabe, sich hinter diversen Masken in alle möglichen Personen zu verwandeln, sodass es für ihn ein Leichtes ist, zurückzukehren um seine Schwester zu rächen. Tatsächlich solle es nicht lange dauern, bis Miltons Gattin Cora-Ann ganz offiziell in London auftaucht...

    Anmerkungen:


    Eigentlich war ich immer ein scharfer Kritiker des "Hexers", den ich nach wiederholten Sichtungen für höchst mittelmässig hielt. Interessanterweise muss ich aber jetzt im Rahmen des chronologischen Wallace-Marathons mein Urteil revidieren und tatsächlich einräumen, dass der Film in meinem Ansehen deutlich gestiegen ist. Was ich immer bemängelt habe, war Blackys tölpelhafte Interpretation des Inspektor Higgins und das dümmliche Gehabe seiner, von Sophie Hardy gespielten, Verlobten, die dem Klischee der einfältigen Blondine keine größere Ehre machen könnte. Auch Szenen, wie die von Higgins irrtümlich für echt gehaltene Radiowerbung und die in Echtzeit dokumentierte Schritt-für-Schritt-Anleitung von Messers Ermordung stießen mir sauer auf und rücken die Geschichte hart an die Grenze einer Persiflage. All diese Kritikpunkte haben für mich nach wie vor volle Gültigkeit, drängen sich aber zugunsten der weiter unten angesprochenen Qualitäten jetzt mehr in den Hintergrund. Ganz anders als die üblichen titelgebenden Wallace-Schurken, die für gewöhnlich optisch unverkennbar und angsteinflößend in Erscheinung treten - nur eben im Schutze ihres als Markenzeichen dienenden Mummenschanzes - scheint der Hexer zwar allgegenwärtig zu sein, bleibt aber dennoch unsichtbar, da man keinen rechten Anhaltspunkt zu Greifen bekommt, hinter welcher Fassade er eigentlich steckt. Natürlich werden die üblichen Verdächtigen am Tablett serviert, gemäß der altbekannten Krimiregeln gerade dadurch aber auch sehr schnell wieder entlastet. Lässt man seinen Blick wandern, will er nicht so recht bei jemandem hängen bleiben, der als "Hexer" Sinn ergibt. Obwohl der Fokus sich am Schluss auf einen recht überschaubaren Personenkreis richtet, fährt die Auflösung als volle Überraschung ein. Man verstand es, mit einer erfrischend neuen Idee aufzuwarten und das Fantomas-Element in der Wallace-Reihe unterzubringen. Auch ist der Gesuchte zur Abwechslung einmal ein Sympathieträger, dem man es durchaus gönnt, dass er der Polizei durch einen Trick durch die Lappen geht, um für eine Fortsetzung erneut zur Verfügung zu stehen. Ähnlich wie der unter dem Banner von Wallace-Junior im Jahr zuvor entstandene "Henker von London" sorgt der Hexer dafür, dass lediglich solche Charaktere in's Jenseits expediert werden, über deren Tod kaum jemand eine Träne vergießt.

    Zum ersten und letzten mal hat man sich hier den Luxus gegönnt, Heinz Drache und Joachim Fuchsberger gemeinsam in einem Wallace-Film zu vereinen, wobei der Punkt eindeutig an Drache geht, der neben dem zu komödiantisch angelegten Blacky das bessere Bild abgibt und seinem bewährten Image treu bleiben darf. Auch ist er es, der am Schluss den Fall aufklärt. Eddi Arent findet hier wieder zu einem wohler dosierten Humor zurück. Besonders originell klingt Peter Thomas Hexer-Musik mit schöner gruseliger Melodie, allerdings zu komödiantischen Einstreuungen. Sehr schade finde ich, dass die ursprüngliche Idee, die ermordete Gwenda Milton immer wieder geisterhaft in Erscheinung treten zu lassen - ähnlich wie Shelton in der "Bande"- fallengelassen wurde. Damit wurde der Film um ein sehr schönes Grusel-Element gebracht, das beim Publikum sicher hervorragend angekommen wäre.

    Fazit:

    Als Ratespiel um einen gesichtslosen Unbekannten rückt "Der Hexer" in die Nähe von Fantomas und bietet, mit einem Augenzwinkern inszeniert, ein recht kurzweiliges Vergnügen. Auch wenn mir als Liebhaber der altbewährten Grusel-Wallace mit ihren bei Nacht und Nebel so richtig schön in Szene gesetzten Klischees einiges fehlt, bin ich gerne bereit, wacklige 4 von 5 Punkten springen zu lassen.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #12

    Unterm Strich würde ich jetzt schon den "schwarzen Abt" als Gottliebs stärksten Wallace-Film bezeichnen, gefolgt von "Gruft" und dann von "Schlange".


    Du machst dich.

  • Tarzan Collection - Lex BarkerDatum14.03.2019 06:53
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Alle Tarzan-Filme von Johnny-Weissmüller bis Gordon Scott zieren meine Sammlung als DVD. Die Barker-Box habe ich schon vor sehr vielen Jahren aus den USA erworben. Die Bildqualität ist nicht berauschend aber auch nicht ganz schlecht. War dafür recht billig. Währe vielleicht interessant zu erfahren, wie hier das Bild ist.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Die Gruft mit dem Rätselschloss (1964)



    Regie: Franz Josef Gottlieb

    Drehzeit: 18.02.1964 - 26.03.1964

    Mit: Harald Leipnitz, Judith Dornys, Rudolf Forster, Werner Peters, Ernst Fritz Fürbringer, Siegfried Schürenberg, Klaus Kinski, Eddi Arent, Harry Meyen, Ilse Steppat,Vera Tschechowa, Harry Wüstenhagen, Kurt Waitzmann, Arthur Binder, Kurd Pieritz, Kurt Jaggberg, Herbert Knippenberg, Gerhard Hartig, Heinrich Gies, Artur Schilsky, Lothar Mann, Renate Haffe


    Handlung:

    Der sich an seinem Lebensabend befindliche Verbrecher und Spielhöllenbesitzer Real wird von Gewissensbissen geplagt, weil er einst einen gewissen Mr. Kent durch seine manipulierten Spieltische in Ruin uns Selbstmord getrieben hatte. Da er das dringliche Bedürfnis verspürt, dies an dessen Tochter Kathleen wieder gutzumachen, bestellt er sie nach London, um sie als seine Erbin einzusetzen. Kaum dort angekommen, wird das Mädchen auch schon entführt, da ein gewisser Connor ebenfalls hinter Reals ergaunertem Vermögen her ist. Es ist jedoch nicht so leicht, an die Millionen heranzukommen, weil diese in einer mit tödlichen Fallen ausgelegten Gruft versteckt sind, deren Zugang durch einen speziellen Code gesichert ist. Kathleen bekommt aber unerwartete Hilfe von Jimmy Flynn, einem ehemaligen Croupier Reals, der einen guten Draht zu Scotland Yard besitzt...

    Anmerkungen:

    Wie bereits "Zimmer 13" reiht sich auch dieser Film mehr in das Gangsterfilm-Genre ein als in die Riege der typischen Wallace-Verfilmungen. Besonderes Lob verdient Harald Leipnitz, der hier seine eindeutig beste und interessanteste Rolle bei Wallace bekleidet. Nicht als sauberer Inspektor, sondern als ehemaliges Bandenmitglied, das am Schluss für einige Überraschung sorgt, präsentiert er sich als erfrischender Antiheld, wie sie in der Reihe leider viel zu rar sind. Unter den zahlreichen zwielichtigen Figuren dominiert er den Film als sympathische Bezugsperson und Beschützer Kathleens, zeigt aber am Schluss, dass er sein Herz doch nicht am rechten Fleck hat. Damit entbehrt der Film eines echten Helden, an dem man sich festhalten kann, was aber keineswegs tragisch ist, sondern der Geschichte eine besondere Würze verleiht. Klaus Kinski darf durch stumme Anwesenheit glänzen und sich im Dunkeln schön ausleuchten lassen, was aber vollkommen ausreicht um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Als bedrohte Schönheit gibt die biedere und trotz ihrer Attraktivität eher unauffällige Judith Dornys (1941-1989) ein einmaliges Gastspiel und strahlt das etwas naive Mädchen überzeugend aus. Connors Bande ist mit gleich mehreren zuverlässigen Nebendarstellern wie Harry Wüstenhagen, Kurt Pieritz, Kurt Jaggberg und Kurt Waitzmann, die ihre Sache recht gut machen, bestens besetzt. Trotzdem entpuppt sich Franz Josef Gottliebs eindrucksvolle Inszenierung des "Schwarzen Abts" im Nachhinein als Strohfeuer, denn "Die Gruft mit dem Rätselschloss" fällt wieder weit ab und kann bezüglich Dramaturgie und Tempo leider genauso wenig überzeugen wie in Punkto Spannung. Der Streifen tümpelt als mittelmäßige Gangstergeschichte dahin und vermag an keiner Stelle wirklich zu fesseln. Auch wirkt er deutlich kleiner als die meisten bisherigen Beiträge. Lediglich der überraschende Schluss ist einigermaßen gelungen. Die Gruft mit ihren vielen Fallen hingegen ist viel zu wenig effektiv in Szene gesetzt, womit eine große Chance vertan wurde. Wie leicht hätte ein besserer Regisseur bei dieser Vorlage einen schönen düsteren und auch gruseligen "Old-Dark-House-Film" hinbiegen können. Die Szenen bei der alten Mühle machen zwar teilweise etwas Atmosphäre her, was schlussendlich aber eindeutig zu dürftig ausfällt.

    Der farblose Harry Meyen (1924-1979) ist als Inspektor ein völliger Fehlgriff und an mangelnder Ausstrahlung kaum mehr zu überbieten. Er schafft es sogar noch, in Punkto fehlendes Charisma Adrian Hoven in den Schatten zu stellen. Damit kann der Streifen bezüglich "Good-Guys" wirklich keine Werbung machen. Dass ein über Jahrzehnte hinweg als skrupelloser Krimineller mit rabenschwarzer Seele agierender Charakter wie Real auf seine alten Tage hin plötzlich sentimental und von Gewissensbissen geplagt wird, nur weil ein kleines Mädchen seinen Vater verloren hat, hat die Glaubwürdigkeit mitnichten für sich gepachtet, stört aber dramaturgisch natürlich nicht. Eddi Arent übertreibt es leider ganz besonders mit dem plumpen und viel zu aufdringlichen Humor und verfehlt den angesteuerten britischen Witz wieder einmal um Lichtjahre. Seine pausenlose Paragraphenreiterei steht in ihrer Penetranz in sehr unangenehmem Kontrast zu dem dezent vorgetragenen Humor der frühen Filme. Besonders gelungen und wirklich herausragend ist dagegen Peter Thomas musikalisches Titelthema, das als Vehikel einen besseren Film verdient hätte.

    Fazit:

    Der größte Pluspunkt, den der Film neben dem Titelthema wohl zu bieten hat, ist Harald Leipnitz in seiner interessantesten mir bekannten Rolle. Alles andere verliert sich in ermüdender Mittelmäßigkeit. Mit Atmospähre und Spannung kann diese Gottlieb-Produktion beim besten Willen nicht prahlen, was dem Streifen völlig zu Recht ein vergleichsweise bescheidenes Einspielergebnis beschert hat. Mit 2,5 von 5 Punkten zähle ich die "Gruft" zu den schwächsten SW-Wallace.

  • Der Schatz im SilberseeDatum10.03.2019 17:18
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Schon vorbestellt.

  • Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15)Datum03.03.2019 12:55
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zimmer 13 (1963/1964)



    Regie: Harald Reinl

    Drehzeit: 25.11.1963 - 16.01.1964

    Mit: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Richard Häussler, Walter Rilla, Eddi Arent, Hans Clarin, Siegfried Schürenberg, Kai Fischer, Benno Hoffmann, Bruno W. Pantel, Curd Pieritz, Erik Radolf, Elfie Estell, Renate Hütte, Tino Meurer, Manfred Meurer, Valentin Klaus, Jur Arten, Arthur Binder, Werner Hedmann, Eberhard Junkersdorf


    Handlung:

    Der Unterhausabgeordnete Sir Robert Marney wird von einem dunklen Punkt in seiner Vergangenheit eingeholt und von dem skrupellosen Gangster Joe Legge erpresst, dem er vor 20 Jahren unter Zwang zur Flucht verholfen hatte. Legge plant einen großen Eisenbahnraub und verlangt von Marney, dass die Beute bei ihm als integre Person untergestellt wird. Sollte er nicht einwilligen oder gar zur Polizei gehen, würde es seine Tochter Denise das Leben kosten. Marney gibt zwar nach, beauftragt allerdings den Privatdetektiv Johnny Gray ihm zu helfen, ohne dabei auf die Gründe für seine Zwickmühle einzugehen. Gray, der nicht dumm ist und ahnt, dass Marney ein dunkles Geheimnis hütet, bandelt während der Ermittlungen mit dessen hübschen Tochter Denise an. Parallel zur Planung des Postzugüberfalls geschehen jedoch auch noch mysteriöse Rasiermessermorde...

    Anmerkungen:

    "Zimmer 13" ist ein reiner Gangsterfilm, der sich die Aktualität des im gleichen Jahr durchgeführten großen englischen Eisenbahnraubes zunutze macht und darüber hinaus auch noch Anleihen bei Psycho, Hitchcocks Kassenerfolg von 1960, nimmt. Die Kombination zweier aktueller Elemente sollte frisches Blut in die Wallace-Reihe pumpen. Der Film ist zweifellos auch sehr temporeich inszeniert, wie man es bei Reinl gewohnt ist, punktet jedoch nicht unbedingt mit besonderen Wallace-Elementen. Richard Häussler ist die Rolle des skrupellosen, arroganten und aalglatten Gangsterbosses Joe Legge praktisch auf den Leib geschrieben und er spielt diesen überheblichen Zeitgenossen mit sichtlicher Freude und Leichtigkeit. Leider starb er nur kurze Zeit später. Hans Clarin schlüpft unmittelbar nach seinem hervorragenden Auftritt als wahnsinniger Mörder im "Indischen Tuch" in eine gänzlich anders angelegte Rolle und mimt Mr.Igle, einen kauzigen Kriminellen, der immer wieder als Prügelknaben von Legges Bande herhalten muss.

    Wallace-Fans, die typischen Gangster-Geschichten nicht im Übermaß zugeneigt sind, dürfte der vorliegende Film nicht unbedingt vom Hocker reißen. Zwar wurde ein vom Eisenbahnraub völlig unabhängiger Handlungsstrang mit grausamen Rassiermessermorden recht geschickt in die Story eingeflochten und damit ein Whodunit beigesteuert, allerdings wäre es interessanter gewesen, wenn der eigentliche Akzent bei dieser "Nebenhandlung" geblieben wäre. Nachdem der Vorgängerfilm als "Christie-Wallace" wunderbar gelungen ist, hätte man mit ein bisschen Phantasie gewiss auch einen tollen "Psycho-Wallace" auf die Leinwand bannen können. Die Thematik mit der gespaltenen Persönlichkeit des Rasiermessermörders ist ein völlig neuer Aspekt in dieser Reihe, die ja keineswegs auf Tiefgründigkeit ausgelegt war. Leider geriet dieser Vorstoß in neue Gefielde zu oberflächlich und wirkt nur so nebenbei in die Handlung eigepackt, da man vermutlich befürchtete, ein reiner Gangsterfilm hätte doch zu wenig "appeal" auf ein Publikum, das mit Wallace eigentlich etwas anderes verband. Auch dürft man aus der Pleite mit der "Orchidee" gelernt haben. Gänzlich untypisch ist auch, dass sich Joachim Fuchsberger und Karin Dor nicht bei einem Happy-Ending in die Arme fallen dürfen, was damals mit Sicherheit sehr gewagt war, als Abwechslung aber einmal durchaus willkommen ist. Blacky scheint's einigermassen zu verkraften, befinden sich ja durchaus noch andere Damen in der Warteschleife, was durch seine erste Szene angedeutet wird. In den Genuss von mehr Freizügigkeit als bisher gewohnt kommt man im Nachtclub, wo, wenn auch nur sehr kurz, eine barbusige Tänzerin Männerblicke auf sich ziehen darf. Der Schluss mit den wilden gegenseitigen Erschiessungen und auch die genannten Rasiermessermorde geben dem Film eine gewisse Härte, die zwar nicht neu war, wenn man sich an den "Frosch" zurückerinnert, jedoch zu dieser Zeit nicht mehr üblich.

    Fazit:

    Reinls vorletzter Wallace ist zugleich auch sein schwächster. Dennoch besitzt er ein flottes Tempo und einen angemessenen Unterhaltungswert. Übermäßige Krimispannung kommt trotzdem nicht auf und der typische Wallace-Flair früherer Verfilmungen ist hier leider verloren gegangen. Den Rasiermessermorden hätte man ruhig mehr Raum und Atmosphäre geben dürfen. Das fehlende Happy-Ending wiederum beweist einen erfrischenden Mut darin, einen gewissen Abstand vom Heile-Welt-Kitsch zu nehmen. Auch die zurückgekehrte Härte steht dem Genre gut, wird aber später zugunsten der Altersfreigabe wieder fallen gelassen. Unterm Strich ein solider Druchschnittsfilm und damit 3 von 5 Punkten wert.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Baal1985 im Beitrag #104

    Hätte man den Film vielleicht 6-7 Jahre später gedreht, wäre vielleicht ein wirklich prägnanter Schocker entstanden. Ich hätte den Henker von London gern einmal in der Ästhetik der grünen Stecknadel gesehen.



    Um Gottes Willen - Nein!! Der Henker ist perfekt, so wie er ist. Hätte man ihn in den 70ern gedreht wäre ja die ganze tolle Atmosphäre verloren gegangen. Die Kameraführung finde ich übrigens hier, wie auch im Abt, hervorragend und die Kutsche gefällt mir auch. Die gibt dem ganzen etwas gemütlich Viktorianisches. Beim falschen Henker allerdings stimme ich deiner Kritik voll zu.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Stephan im Beitrag #5
    Ich glaube, ich kann vom Wohlfühlfaktor her – sieht man von den tatsächlich zwei peinlichen Schlussgags mit Inspektor Fuchsberger und dem erbenden Edgar Wallace ab – absolut hier von meinem Lieblings-Wallace reden.




    volle Zustimmung.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Das indische Tuch (1963)



    Regie: Alfred Vohrer

    Drehzeit: 08.07.1963 - 13.08.1963

    Mit: Heinz Drache, Corny Collins, Elisabeth Flickenschildt, Klaus Kinski, Hans Clarin, Hans Nielsen, Gisela Uhlen, Siegfried Schürenberg, Eddi Arent, Richard Häussler, Alexander Engel, Ady Berber, Wilhelm Vorwerg, Eberhard Junkersdorf


    Handlung:

    Der alte Lord Lebanon wird von einem unbekannten Halstuchmörder erdrosselt. Seine untereinander verstrittenen Erben müssen laut Testament sechs Tage und sechs Nächte gemeinsam in seinem Schloss Marks Priory verbringen, um den Anspruch auf ihren Anteil geltend machen zu können. Welche Herausforderung dies darstellt wird erst deutlich, nachdem nun auf dem durch ein schweres Unwetter abgeschnittenen Herrensitzt einer nach dem anderen auf dieselbe Weise dem Würger zum Opfer fällt, wie ursprünglich der Lord...

    Anmerkungen:

    "Das indische Tuch" bedient sich des eigentlich von Agatha Christie erdachten Zehn-Kleine-Negerlein-Motivs und hat dadurch mit seiner literarischen Vorlage praktisch nichts mehr gemeinsam. Dies ist allerdings alles andere als ein Nachteil, denn die Geschichte ist für einen guten Wallace-Film wie maßgeschneidert. Das alte Schloss, sein Dekor, die unterirdischen, mit Skeletten garnierten, Katakomben und die klaustrophobische Bedrohung durch den Mörder an dem von der Außenwelt abgeschnittenen Handlungsort sind die allerbesten Voraussetzungen für einen Grusel-Krimi der alten Schule. Alfred Vorher hat es dann auch entsprechend verstanden, daraus wirklich das Beste zu machen und die Reihe mit einem weiteren absoluten Highlight zu bereichern. Die Geschichte spielt sich ausschließlich in dem sehr reizvollen schottischen "Old-School-Ambiente" ab und die zahlreichen Morde unter den gierigen und sich nicht im Übermaß wohlgesonnenen Erben lassen nicht lange auf sich warten. Die Protagonisten müssen rasch erkennen, dass sie in eine Mausefalle geraten sind. Eine sehr spannende Handlung nimmt ihren Lauf.

    Bei der Auswahl der Besetzung hat man erneut ein sehr gutes Händchen bewiesen. Hans Clarin darf als klavierspielender und konfliktbeladener Außenseiter und Muttersöhnchen ganz wunderbar in einer Rolle brillieren, die auch Klaus Kinski sehr gut zu Gesichte gestanden hätte. Letzterer darf natürlich auch nicht fehlen und als Peter Ross den Film bereichern. Er liefert sich mit Heinz Drache einige zynische Dialoge, wie die beiden sie bereits im "Rächer" ausgetragen haben. So z.B entgegnet Ross auf Tanners Frage, wo denn die Tücher seien, mit einem sarkastischen und kaltschnäuzigen "Das wird nicht verraten, die brauche ich noch für die Anderen." Abwechslung bringt die Tatsache, dass Drache hier lediglich als Anwalt auftritt, der für die Testamentsvollstreckung zuständig zeichnet, sich aber selbst zum Ermittler erhebt, der mit praktisch allen seinen Verdächtigungen völlig auf den Holzweg gerät und damit sehr limitierte kriminalistische Fähigkeiten demonstriert, die aber nicht im Geringsten an seinem unbeirrbaren Selbstbewusstsein rütteln. Bei der Besetzung der alten Lady Lebanon mit der bewährten Elisabeth Flickenschildt wurde die denkbar beste Option getroffen. Auffallend ist, dass sie bei ihren lediglich drei Auftritten im Rahmen der Reihe ausschließlich in Top-Filmen mitspielen durfte. Nachdem die Geschichte keinen Platz für Sir John bietet, spielt Siegfried Schürenberg eines der Opfer und macht sich in der relativ ernsten Rolle auch ganz angenehm. Allerdings war er in dieser Phase der Wallace-Reihe auch als Scotland-Yard-Chef noch nicht als geistiger Tiefflieger festgelegt.

    Wermutstropfen sind lediglich zwei verunglückte humoristische Entgleisungen, nämlich einerseits der Unsinn mit dem selbst fahrende Servierwagen und andererseits die hanebüchene Schlussszene mit den sich von selbst bewegenden Stühlen. Wenigstens trägt Eddi Arent als Butler nicht allzu dick auf und spielt seine Rolle wieder mit etwas dezenterem Humor, womit er sich sehr viel näher am britischen Stil bewegt und nicht so "gequält witzig" wirkt, wie in manch anderer Produktion. Beim musikalischen Titelthema hat sich Peter Thomas etwas sehr schönes und phantasievolles ausgedacht, indem er einfach das vom jungen Lord Lebanon gespielte Stück Klassik in eine moderne und fetzige Interpretation um-vertont, die als weiterer Ohrwurm der Reihe in Erinnerung bleibt.

    Fazit:

    Das immer wieder gern gesehene "Indische Tuch" bietet praktisch alles, was einen guten Wallace-Film ausmacht und sichert sich damit eine Position unter den absoluten Top-Filmen des Genres, der ohne Weiteres auf dem Podest Platz nehmen darf. Über den geistige Diebstahl bei Agatha Christie darf natürlich hinweggesehen werden, denn der klassische, mit wunderbarem Dekor verzierte, Schauplatz, der heimtückische und mit subjektiver Kamera gefilmte Halstuchmörder und das gelungene "Locked-Room-Mystery" bieten "Old-School-Unterhaltung" vom Feinsten. Der Streifen scheint die Popularität der 1962 so erfolgreich gelaufenen Mini-Serie "Halstuch" mit jener des Christie-Klassikers "Ten Little Indians" zu kreuzen und hat damit voll in's Schwarze getroffen, was ein ganz klares 5 von 5-Punkte-Verdikt meinerseits nach sich zieht. Nachdem die Reihe nun in unmittelbarer Folge gleich zwei Highlights hervorbrachte, darf das Jahr 1963 wohl den Höhepunkt der German-Grusel-Wave markieren, wozu natürlich auch die BEW-Nebenlinie mit seinen ebenfalls ausgesprochen starken Lebenszeichen beitrug. Leider sollte bald der unvermeidliche Qualitätsabfall dämmern, was eine derartige Dichte an Top-Produktionen nicht mehr zulässt. Trotzdem ist es natürlich viel zu früh, den Kopf hängen zu lassen, den auf so manches Schmankerl darf man sich nach wie vor noch freuen.

  • Gus Backus gestorbenDatum22.02.2019 23:31
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #3
    Na gut, als Sänger würde ich ihn nun nicht gerade bezeichnen. Vielleicht eher als Unterhalter.

    “Der Häuptling der Indianer“ find ich spitze. Den lassen wir immer wieder mal laufen. Auch heute zu seinen Ehren.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum22.02.2019 11:28
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #182
    ..., der ja bekanntlich die Lexikondefinition von "vertrauenswürdig" ist.


    Hare Krishna, Hare, Hare, Hare...

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum21.02.2019 19:21
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #25
    Ich verstehe die Kritik an der Szene nicht. Wenn es wie ein echter Anschlag aussehen sollte, musste der ungebetene Gast sich doch in jedem Fall erstmal seinen Weg ins Bett erschlängeln, bevor Sutton ihn töten konnte. Und wenn ihr wüsstet, da kommt gleich eine Mamba zu mir gekrochen, wärt ihr dann nicht nervös?


    ...nur wenn ich Krischna nicht vertraute.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum21.02.2019 19:09
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Uli1972 im Beitrag #23

    Die Szene mit Sutton und der zahnlosen Mamba ist nunmal völlig unlogisch und dient ausschliesslich der Inszenierung. Er weiss, dass die Schlange ungefährlich ist. Er hätte sie einfach sofort erschlagen können und im Bett keine solche Show abziehen müssen, denn ausser ihm ist ja niemand in Raum, der es sehen könnte.



    Er reagiert ja wirklich verschreckt. Die Szene ergibt einfach überhaupt keinen Sinn, außer Kinski hat ihm die Schlange ohne sein Wissen reingeschmuggelt, um ihn zu entlasten.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum17.02.2019 19:02
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Havi17 im Beitrag #9

    Und sofort wird klar, warum diese Filme bei den meisten hier im Forum so schlecht abschneiden, wobei das für mich kein Kriterium für einen guten Film ist... Ich lege großen Wert auf Unterhaltung und schaue mir Top10 Filme gerne immer wieder an, das fällt mir bei diesen Filmen am leichtesten, denn sie benötigen kein WhoDoneit um herausragend zu sein.


    So ist es. Ich habe sehr gern atmosphärische Grusel- und Gothic-Filme und kann deshalb wunderbar damit leben, wenn der Film eben kein richtiger Krimi ist, solange er auch andere Elemente bedient, für die ich offen bin. Ein guter Wallace-Film mit seinen typischen Klischees ist für mich einfach ein kleines Kunstwerk, das ich auch bei wiederholten Sichtungen immer wieder genieße.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum17.02.2019 18:54
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #5
    Und analog zum Affenfinale aus der "Tür" noch die Gretchenfrage an die Hobbybiologen zum "Abt": Sind die Fledermäuse echt?


    Die Fledermäuse bei Hammer sahen auch immer so aus. Wirkt tatsächlich etwas lächerlich - aber was soll's.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum17.02.2019 18:50
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Warum verkleidet sich Kinski überhaupt als Abt, macht er dies auf eigene Rechnung oder gehört dies zum Auftrag von Gilder?

    Um die Legende aufrecht zu erhalten und lästige Leute wie Smooth fernzuhalten.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Warum mimt Fuchsberger ebenfalls den Abt? Was hat er davon?

    Er will seiner verwirrten Tante helfen, die an das Lebenselexier des Abts glaubt.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Warum wird dem armen Lord erzählt, seine Mutter wäre gestorben und warum wird sie von ihm komplett isoliert?

    Weil man ihm ersparen will, von deren schweren Geisteskrankheit zu erfahren, die ja erblich ist.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Warum erkennt sie ihren eigenen Sohn nicht - ist sie so krank?

    Ja
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Woher hat Mary Wenner eigentlich den Zugang zum Schatz? Jahrhundertelang liegt er herum - und keiner konnte ihn finden.

    Sie befand sich ja in Harrys Umfeld, hat dort sicher herumgeschnüffelt und war wohl schlauer als er.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Hätte man die schlecht verdeckte Falltüre nicht vorher finden können? Gerade Lord Chelford mit seiner unermüdlichen Suche?

    Hat schlicht und einfach dramaturgische Gründe.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Woher hat Gine denn erfahren, wo die Falltür ist?

    War eben auch ein Pfiffikus.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Welche Daseinsberechtigung hat Leslie Gine? Nur damit eine "Jungfrau in Nöten" eingearbeitet wird?

    Ein weiblicher Aufputz war eben üblich.
    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
    - Wie kommt ein Inspector eigentlich dazu, sich samt Assistenten einfach in einem Schloss einzuquartieren - noch dazu ohne erkennbare Ermittlungstätigkeit?

    Das gleiche haben wir ja auch bei Margarethe Rutherfords Miss-Marple-Filmen.

    Wie schon erwähnt, zählen bei mir Unterhaltungswert und Atmosphäre. Entweder gefällt mir der Film oder auch nicht. Wenn nicht, fallen mir natürlich reihenweise Gründe ein, woran es liegt. Schlussendlich ist es aber immer einfach der Geschmack. Große Fragen stelle ich mir daher auch nicht. Die Wallace-Filme sind einfach Märchen, die vor Unlogik nur so strotzen. Nach dem Motto "Alltag raus, Wallace rein" ist das aber auch ganz ok.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum16.02.2019 18:43
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Der schwarze Abt (1963)



    Regie: Franz Josef Gottlieb

    Drehzeit: 17.04.1963 - 28.05.1963

    Mit: Joachim Fuchsberger, Grit Boettcher, Dieter Borsche, Charles Regnier, Eddi Arent, Klaus Kinski, Eva-Ingeborg Scholz, Werner Peters, Alice Treff, Harry Wüstenhagen, Friedrich Schoenfelder, Kurd Pieritz


    Handlung:

    In der Gegend um Chelford Manor treibt ein geheimnisvoll vermummter Abt sein Unwesen, der auch Mord auf sein Konto nimmt. Das Schloss selbst wird von dem seelisch labilen Harry Chelford und dessen Vetter Dick bewohnt. Harry lebt für die fixe Idee, den legendären Chelford-Schatz zu finden, der irgendwo in den alten Gemäuern der Abtei von Fossaway versteckt sein sollte. Allerdings haben auch zwielichtige Charaktere Wind von der Sache bekommen und gieren nach dem sagenumwobenen Vermögen. Ein Netz von Erpressung und Intrigen spinnt sich langsam um Chelford Manor und neben dem Abt wandelt nun auch die eigentlich verstorbene Lady Chelford um die Gemäuer herum...


    Anmerkungen:

    Franz Josef Gottlieb darf als Regisseur gewiss mit einer gewissen Vorsicht genossen werden, hat er doch immer wieder Filme in den Sand gesetzte. Besonders hervorzuheben ist diesbezüglich seine qualitativ (nicht aber kommerziell) verunglückter Wallace-Beitrag "Der Fluch der gelben Schlange". Dennoch täte man ihm Unrecht, ihn kathegorisch zu verteufeln, denn mit dem "Schwarzen Abt" lieferte er ein kleines Meisterwerk ab, das sich ohne Weiteres unter die Top-Filme der Wallace-Serie reihen darf. Gottlieb ist hier nämlich der Volltreffer gelungen, einen besonders schönen Geisterbahn-Wallace exzellent in Szene zu setzen. Die von Nebel umgebenen alten Gemäuer und die obligatorischen Käuzchen-Rufe bieten eine Gothic-Atmosphäre vom Allerfeinsten, die den zeitgleich florierenden britischen Hammer-Filmen alle Ehre gemacht hätte. Womöglich hat der Regisseur sich dabei auch ein bisschen an dem Alfred-Vorher-Film "Die Tür mit den sieben Schlössern" orientiert, hatte man sich dort bereits um eine ähnliche Atmosphäre bemüht. Allerdings kommt man im Abt diesbezüglich wesentlich mehr auf seine Kosten, ist es doch zweifellos jener Wallace-Film mit den reizvollsten und zugleich auch heimeligsten Schauplätzen der Reihe. Diverse Gestalten, die sich im Zwielicht der Abtei herumdrücken, sind dabei auch besonders wirkungsvoll ausgeleuchtet. Für Kamera und Settings würde der Film glatt einen kleinen Oscar verdienen. Zu meiner großen Freude darf Martin Böttcher wieder den Taktstock schwingen, was einen Garant für die perfekte musikalische Untermalung bietet.

    Was jedoch etwas kurz kommt ist der kriminalistische Aspekt - und genau hier dürfte der Fallstrick liegen, der ähnlich wie beim "Bogenschützen" und der "Blauen Hand" vielen Krimifreunden den Film madig macht. Die Identität des titelgebenden Abts wird ja bereits in der Mitte des Films preisgegeben, was jeglichen Whodunit zunichte macht. Auch hat der Kuttenträger einen bösartigen Doppelgänger, der ebenfalls vorzeitig demaskiert wird und dabei auch gleich das Zeitliche segnet. Allerdings darf eine Reihe von Charakteren mit zweifelhafter Moral erpresserisch auf den Plan treten und gegeneinander intrigieren was das Zeug hält. Dabei ist es nicht immer einfach, so richtig den Durchblick zu bewahren. Dafür bleibt natürlich auch noch das Motiv um die Schatzsuche, welches schön spannend und düster inszeniert ist.

    Joachim Fuchsberger ist ausnahmsweise mal nicht der Ermittler, sondern darf sich ein bisschen verdächtig machen. Allzu weit geht man jedoch nicht damit, ihn in einem anderen Licht zu präsentieren, bleibt er doch schlussendlich seinem Image als moralisch untadeliger Held treu. Als trockener Inspektor Puddler gibt Charles Regnier eine passable Figur ab und wird von Eddi Arent als Assistent Smith unterstützt, der es mit dem platten Humor leider wieder einmal völlig übertreibt. Gerade sein Schlusswort "Wenn man vom schwarzen Abt nicht gesehen werden will, darf man selbst nichts sehen" entbehrt jeglicher Sinnhaftigkeit und ist gelinde gesagt einfach nur peinlich. Nichts gegen guten Humor, aber wenn sämtliche Versuche witzig zu sein über ein solches Niveau nicht hinauszuwachsen vermögen, spart man die "Lustigkeit" doch besser aus.

    Nachdem Dieter Borsche sich in den "Augen" ausgezeichnet als diabolischer Bösewicht profilierte, bleibt er seinem neuen Image treu und darf als so langsam dem Wahnsinn verfallender Harry Chelford fleißig Grimassen schneiden und im Finale dann auch ein bisschen Amok laufen. Etwas zu offensichtlich ist der kaum vorhandene Altersunterschied zwischen ihm und seiner Film-Mutter. Schade ist übrigens, dass man als Zuseher nicht Zeuge des Mordes an Werner Peters sein darf. Die Konfrontation Borsche-Peters hätte schon etwas für sich gehabt.

    Fazit:

    Gegner des Abts werden gewiss eine große Angriffsfläche vorfinden, wenn es darum geht, den Film zu verreißen. Neben dem völlig verunglückten Whodunit und dem stark an den Bogenschützen erinnernden Verwirrspiel mit zwei Äbten ist es auch sonst, zumindest bei der ersten Sichtung, schwierig den Überblick zu wahren. Ferner kann man den Motiven für das Auftreten des "guten Abts" durchaus Naivität vorwerfen. Eigentlich ist der vorliegende Film weniger ein Krimi, als ein ausgesprochen unterhaltsames Gothic-Abenteuer um diverse "Jäger des verlorenen Schatzes". Ist man allerdings bereit, dies zu goutieren, seine Krimi-Ansprüche runterzuschrauben und dabei einen exzellenten "Old-School-Grusel-Kracher" zu genießen, wird man von diesem Wallace wie von keinem Zweiten verwöhnt, denn der Streifen bietet gerade Gothic-Freunden einen wahren Augenschmaus. Das Publikum von 1963 dürfte es ähnlich gesehen haben und hat den Abt mit einem tollen Einspielergebnis belohnt. Ich bin daher erneut bereit, für einen hier im Forum viel zu wenig geschätzten Film eine Lanze zu brechen und ohne zu zögern klare 5 von 5 Punkten springen zu lassen. Der Abt gehört zu jenen Wallace-Filmen, die mir persönlich am meisten Freude machen.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum10.02.2019 20:31
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Würden nicht verschiedene Aspekte diskutiert, wären die Threads hier wohl ziemlich leer und unser Forum würde aussterben.

    Meine Persönliche Einstellung den Filmen gegenüber ist recht einfach gestrickt. Haben sie urtypische Wallace-Atmosphäre und einen angemessenen Unterhaltungswert, bin ich großzügig mit Punkten, egal welche Fehler sie aufweisen. Die Filme sind frei erfundene Märchen und als solche betrachte ich sie auch. Logik ist mir da nicht sonderlich wichtig, die haben wir im Alltag (oder auch nicht). Ich bewerte mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf. Besonders der nächste Wallace der Woche ist so ein Kandidat mit vielen Mängeln, die mir aber schnuppe sind, weil mich der Film ganz einfach wunderbar unterhält.

    Trotzdem darf hier natürlich frisch und frei über Logik diskutiert werden und ich lasse mir`s auch nicht nehmen die Berichte zu lesen. Irgendwie ist's ja ganz unterhaltsam, was alles aufgedeckt wird, auch wenn mir vieles nach zig Sichtungen gar nie aufgefallen ist, weil mein selektives Auge nicht drauf abgerichtet ist. Ich denke aber, dass auch die Logik-Detektive unter den Mit-Foristen sich eher ein Spiel daraus machen, denn wäre dieser Aspekt wirklich so wahnsinnig wichtig, würde man sich kaum im Wallace-Forum wahnsinnig heimisch fühlen, hat doch gerade dieses Genre ganz andere Stärken. Dr.Oberzohn hat den Zinker immerhin trotz der vielen Kritikpunkte mit 4 Punkten bewertet, was verrät, dass diese wohl doch nicht so sehr in's Gewicht fallen. Würde man in Sachen Logik wirklich ganz konsequent Kritik üben, müsste man sich mal schon die Frage stellen, warum ein Verbrecher eine Froschmaske, Mönchskutte, etc. trägt oder warum er sich die Mühe macht, eine teleskopartige Schuss-Vorrichtung mit gefrorenem Schlangengift als Munition zu basteln, wo es doch sehr viel einfachere Wege gibt, jemanden um die Ecke zu bringen. Aber das ist eben Wallace und gerade Dank solcher Unlogik lieben wir die Filme auch.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum09.02.2019 19:35
    Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Der Zinker (1963)



    Regie: Alfred Vohrer

    Drehzeit: 22.01.1963 - 28.02.1963


    Mit: Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Klaus Kinski, Jan Hendriks, Inge Langen, Agnes Windeck, Wolfgang Wahl, Siegfried Wischnewski, Siegfried Schürenberg, Albert Bessler, Heinz Spitzner, Erik von Loewis, Stanislav Ledinek, Winfried Groth, Michael Chevalier, Heinrich Gies, Fritz Fiedler, Kurt von Ruffin, Fritz Eberth, Heinz Petruo, Thomas Eckelmann, Bernd Wilcewski, Erik Pukass, Peter von Alten, Dietrich Kerky, Horst Knuth, Eva Ebner


    Handlung:

    Ein besonders niederträchtiger Verbrecher, genannt der Zinker, treibt in London sein Unwesen. Er hat es auf die mühevoll angesammelte Diebesbeute anderer Krimineller abgesehen und zwingt diese, sie ihm um einen Spottpreis zu überlassen, widrigenfalls er sie an die Polizei verrät - in der Gaunersprache "verzinkt". Außerdem ermordet er jene, die ihm gefährlich werden, mit dem Gift der schwarzen Mamba, das er mit einer speziellen Schuss-Vorrichtung lautlos in deren Blutbahn katapultiert...

    Anmerkungen:

    Nachdem sich Artur Brauner mit der "Gelben Schlange" nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, darf endlich wieder ein Rialto-Wallace für gehobenes Niveau sorgen. Mit seinem interessanten Mordwerkzeug steuert der Zinker ein weiteres ausgesprochen extravagantes Wallace-Gadget bei, nämlich eine teleskopartige Abschuss-Vorrichtung, die gefrorenes Schlangengift in die Körper der Opfer befördert - überaus originell! Dies sollte technisch freilich nicht allzu genau hinterfragt werden, ist aber auf jeden Fall eine sehr phantasievolle Idee, von der man sich liebend gern unterhalten lässt. In der als Angelpunkt dienenden Tierhandlung packt Alfred Vohrer mit sichtlicher Freude die Gelegenheit am Schopf, Krokodile, Schlangen und Raubkatzen als bedrohliche Nebendarsteller wirkungsvoll agieren zu lassen. Einige sehr schöne winterliche Nachtaufnahmen, wie man sie sonst bei Wallace nicht unbedingt zu sehen bekommt und in denen Klaus Kinski wieder einmal als Verrückter durch den Schnee stapfen darf, sind der Atmosphäre besonders zuträglich. Gewisse humoristische Einlagen, so zum Beispiel der bis zum Hals in Schnee eingebuddelte Eddi Arent, sind natürlich blanker Unsinn und in ihrer überzogenen Albernheit nur mit zusammengebissenen Zähnen zu ertragen. Leider werden uns Alfred Vohrers komödiantische Entgleisungen von nun an immer ungehemmter begleiten.

    Schade ist, dass die Auftritte des Zinkers relativ rar sind und die Handlung einige Längen zulässt. Zwar ist die Geschichte recht unterhaltsam, doch hätte man wesentlich mehr aus der Story herausholen können. Gerade der Umstand, dass der Zinker bei Scotland Yard und der Unterwelt gleichermaßen unbeliebt ist, hätte mehr dramaturgisches Gewicht verdient. Schlagende Logik-Mängel sind die Fragen, warum der Lakaie des Zinkers diesem eine (wenn auch zahnlose) Mamba in's Schlafzimmer legt und warum er ihn am Schluss auch noch richtet. Zugegebenermaßen stören mich derlei Dinge nicht im Übermaß, aber es fällt eben auf.

    Jan Hendriks ist als undurchsichtiger Charakter immer gern gesehen und ihn darf als Mr.Leslie ein besonders wirkungsvolles Ende ereilen, das ihm gleich drei Todesarten beschert. Die herbe Barbara Rütting verleiht dem Film von der weiblichen Seite her wenig Glanz, wogegen die kauzige und nicht auf den Kopf gefallene Agenes Windeck den Zinker auf köstliche Weise zur Strecke bringt und damit ihre langersehnte Privatrache souverän vollzieht. Besagte Szene gehört zweifellos zu den Höhepunkten des Films. Heinz Drache geht als Inspektor ein weiteres Mal ganz in seinem Beruf auf und verzichtet auf Techtelmechtel jeglicher Art. Die Auflösung ist nicht im Übermaß überraschend, bleibt gegen Schluss hin als Verdächtiger doch kaum mehr eine Alternative übrig. Außerdem werden eventuelle Zweifel daran, dass der Zinker unbedingt ein Mann sein muss, in jener Szene, in der nur sein Kopf während der Giftmischerei ausgeblendet ist, bald zerstreut.

    Fazit:

    Unterhaltsamer Winter-Wallace, dessen Spannungsbogen jedoch nicht zu 100 Prozent befriedigt und der dadurch einige Luft nach oben zulässt. 4 von 5 Punkten gehen sich aber ohne Weiteres aus.

  • Foren-Beitrag von patrick im Thema

    Zitat von Jan im Beitrag #15
    Der letzte Kontakt zur Schlange dürfte gut 20 Jahre alt sein.



    Ging mir gleich. Es hat sich auch bestätigt warum.

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