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  • Der nächste Orientexpress-Holmes hat wenigstens eine kleine Actionszene zu bieten, die auch hier sehr gut getan hätte.

  • Pursuit to Algiers (Gefährliche Mission, 1945)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1945

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Marjorie Riordan, Rosalind Ivan, Morton Lowry, Leslie Vincent, Martin Kosleck, Rex Evans, John Abbott, Gerald Hamer, Wee Willie Davis, Frederick Worlock


    Handlung:


    Der Premieminister eines Phantasiestaates namens Rovinia lotst Holmes und Watson unmittelbar vor deren geplanten Urlaub durch diverse versteckte Fingerzeige zu einem Treffpunkt. Da der Regent des Staates ermordet wurde und sein Sohn und Erbe nun ebenfalls in Gefahr ist, sollte Holmes dessen Heimreise überwachen - allerdings ohne Watson, da die Maschine nicht genügend Plätze zu Verfügung hat. Dieser wird kurzerhand überredet, auf dem Seeweg nachzufolgen, wo er geschockt erfährt, das Flugzeug wäre abgestürzt. Das Ganze sollte sich sehr bald als Finte entpuppen, da Homes schon nach kurzer Zeit wieder quicklebendig vor ihm steht, und zwar an Bord des Schiffes. Der Kronprinz wird nun als Watsons Neffe ausgegeben und ein ihm nach dem Leben trachtendes Ganoventrio besteigt schon sehr bald den Dampfer, was die Friedlichkeit der Seereise rasch zunichte macht...

    Anmerkungen:


    In der vorliegenden Geschichte sorgt eine Überfahrt auf See für ungewohnte Abwechslung. Ausgerechnet als Holmes und Watson sich an Urlaubsgedanken erquicken, treten Repräsentanten eines fremden Staates an den Meisterdetektiv heran und ermöglichen ihm einen Tapetenwechsel, der allerdings keinen Feriencharakter entwickeln sollte. Der schlaue Holmes wird durch diverse versteckte Botschaften, denen er natürlich nicht widerstehen kann, auf höchst unkonventionelle Weise zu einem geheimen Ort gelockt. Holmes naturgegebene Neugierde wird geschickt und manipulativ ausgenutzt. Der komödienhafte Charakter der merkwürdigen Hinweise passt allerdings wenig zu einem ernsthaften Thriller. Dass Holmes wieder einmal zum Schein sterben muss, versetzt Watson erneut in tiefe Trauer, was von Nigel Bruce ausgesprochen sensibel und glaubwürdig gespielt wird. Diesmal wird der arme Tropf, im Gegensatz zum "Spinnennest", aber schon nach wenigen Minuten von seinem seelischen Ausnahmezustand erlöst.

    Was recht vielversprechend beginnt, entpuppt sich dann aber als eine zwar durchaus sehenswerte aber doch recht mittelmäßige Geschichte, die im Gesamtkanon zweifellos in Richtung der schwächeren Beiträge abfällt. Schauplätze und Atmosphäre sind weitaus weniger attraktiv als in anderen Filmen und der Spannungsbogen provoziert auch keinen wirklich herausragenden Nervenkitzel. Das Ganoventrio ist etwas überzeichnet und würde sehr gut in eine Parodie passen, ist aber dem Unterhaltungswert dennoch zuträglich. Den diabolischen und nicht gerade mit innerer Ruhe gesegneten Messerwerfer Mirko mimt der Deutsche Martin Kosleck (1904-1994). Einfach köstlich ist jene Szene, wo Holmes ihm bei dem Mordversuch durch's Bullauge das Handgelenk bricht und dann mit betont britischem Sarkasmus auf den mit Vorsicht zu genießenden Verschlussmechanismus der Öffnung hinweist - eine wirklich umwerfende Szene. Auch mit zwei versuchten Attentaten auf den Kronprinzen blitzt das Trio Dank Holmes Intuition und seiner nonchalanten Reaktion ab. Allerdings wird er gegen Ende von dem gorillahaften Kleiderschrank Wee Willie Davis doch noch ernsthaft in die Mangel genommen. Der Schluss hat dann zwar noch eine kleine Überraschung parat, mit der zweifellos kaum jemand gerechnet hat, doch bietet auch dies keinen nennenswerten Auftrieb mehr.

    Sehr ungewöhnlich ist allerdings Watsons Auftritt als Sänger, wo er gar nicht einmal eine üble Figur abgibt. Auch Holmes gab bereits sein Gesangstalent zum Besten, wenn man sich an "The Adventures of Sherlock Holmes" von 1939 zurückerinnert. Die Scheinverwandtschaft als Onkel und Neffe mit dem Kronprinzen steht Watson ebenfalls recht gut. Holmes zeigt übrigens die Bereitschaft zum sarkastischen Humor seiner eigenen Person gegenüber, als die junge Sheila auf seinen Anblick hin die Flucht ergreift: "I have never thougt myselve as handsome, but it`s the first time in my life, that a woman has run away at the sight of me."

    Fazit:


    Nach sehr vielen herausragenden Beiträgen bekommt die Reihe nun einen Dämpfer. Spannung, Locations und vor allem die Atmosphäre können leider nicht mehr das halten, was man inzwischen von Roy William Neil gewohnt ist. Das nicht gerade fette Budget ließ sich auf einem schlichten Dampfer weitaus weniger gut kaschieren, als es in den Moorlandschaften und alten Herrenhäusern noch der Fall gewesen ist. Eine Aufwertung wäre mehr Action auf einer mitunter recht rau werdenden See gewesen, was wohl zu teuer gekommen wäre. Das Schiff tümpelt viel zu brav bei viel zu harmlosen Bedingungen dahin. Auch von den angesteuerten Orten bekommt man gar nichts zu sehen. All diese vergebenen Chancen werfen die Frage auf, warum man überhaupt einen solchen Handlungsort ausgewählt hat. Man wird zumindest noch auf solidem Niveau unterhalten und kann eine nach wie vor herausragende schauspielerische Darbietung genießen. Es hätte aber ruhig mehr sein dürfen. 3,5 von 5 Punkten.

  • ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)Datum19.02.2020 19:37
    Foren-Beitrag von patrick im Thema ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)

    Zitat von schwarzseher im Beitrag #14
    wahrscheinlich würde er heute noch in der Sendung verhaftet zwischen all den sich gegenseitig an Beifall heischendem Mainstream übertreffendem Dummschwätzer .Nach ua. politisch korrektem Entsetzen der c bis d Promis über Thema xy dann der Kommentar von Kinski - lmaa........

    Hätte ja irgendwie was ? oder ?


    Da ist was dran. Gegen den Wahnsinn, der heute Überhand nimmt, war Kinski noch sehr verträglich und auf jeden Fall authentischer.

  • ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)Datum19.02.2020 19:29
    Foren-Beitrag von patrick im Thema ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)

    Ja, ein Egomane war er zweifellos - ein Charakteristikum, das er mit Sicherheit mit sehr vielen Schauspielerkollegen teilt. Es handelt sich da sicher um keinen Beruf, wo man groß wird, wenn man sein Ego unter den Scheffel stellt. Kinski machte nur keinen Hehl draus und zeigte unverblümt jene dunklen Seiten, die andere gern verstecken. Schauspielerkollegen wie Karin Dor, Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum haben sich durchaus respektvoll über ihn geäußert. Ich hätte mir Kinski sicher nicht als besten Kumpel ausgesucht, aber ein Meinungsaustausch über gewisse Dinge wäre mit ihm durchaus interessant gewesen. Und die Talkshows von heute? Das geht an mir vorbei. Ich schaue das grundsätzlich nie.

    Seine Biografie, naja, die habe ich nicht gelesen. Aber Biografien, die sich gut verkaufen sollten, haben es wohl an sich, dass man es dabei mit der Wahrheit nicht sooo genau nimmt. Die Anschuldigungen seiner Tochter in deren Buch (das ich auch nicht gelesen habe) sind sicherlich verwerflich. Trotzdem wissen wir nicht, was da überhaupt dran ist. Halbwahrheiten und Unwahrheiten sind bei solchen Dingen nun mal keine Seltenheit. Selbstverständlich will ich niemandem etwas unterstellen - wir wissen es ganz einfach nicht und sollten es dabei belassen.

    In Winnetou 2 sehe ich Kinski auch sehr gerne. Übrigens war er dort in seiner Rolle als Luke auch kein klassischer Psycho sondern einfach ein Bandit, den er ganz hervorragend spielte.

  • ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)Datum17.02.2020 20:42
    Foren-Beitrag von patrick im Thema ZDF-History: KLAUS KINSKI (2019)

    Ein limitierter Schauspieler war er sicher nicht. Er musste Psychos spielen, da das Publikum ihn so wollte. Dass er auch anders konnte zeigte er z.B in der Blauen Hand oder auch bei Dr.Mabuse. Da spielte er immerhin ganz normale Rolle ohne dabei als völlig unglaubwürdig durchzufallen. Natürlich war er ein unorthodoxer Charakter, aber genau solche braucht die Welt immer wieder. Die angepassten Normalos haben selten wirklich etwas bewegt. Er konnte auch anders sein, wie gewisse Kollegen durchaus betonten. Kinski soll sehr intelligent gewesen sein und nahm bei für ihn dämlichen Fragen eine herablassende Haltung ein. Die soziale Verträglichkeit seiner Reaktionen sei dahin gestellt, aber irgendwo schien man das ja auch gewollt zu haben, sonst hätte man ihn wohl kaum eingeladen. Man wusste wer er war und mit wem man sich dabei einließ. Den Einschaltquoten hat's sicher nicht geschadet.

  • @Dr. Oberzohn

    Ich habe mir die Szene mit dem Telefonat nochmal angesehen. Du hast Recht. Holmes sagte "Williams is missing" und danach " They crashed the car and during the confusion Williams disappeared". Diesen Satz hab ich demnach nicht so richtig registriert.

    Das mit der safranfarbenen Hautfarbe und Holmes diesbezüglichen Schlüssen wurde auch genauso angesprochen. Demnach scheint es keine Diskrepanz mit der Synchro zu geben.

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #120
    Bewertung:
    Aber der unfreiwillige Attentäter wird ja selbst bald bei einem „Autounfall“ aus dem Verkehr gezogen, was man leider nur telefonisch mitgeteilt bekommt. Schade, hier wäre eine kleine gefilmte Action-Einlage nicht schlecht gewesen....
    Ob es nun möglich ist, jemanden unter dem Einsatz von Hypnose gegen seinen Willen zum Mörder zu machen, wird ja gemeinhin angezweifelt, bis auf besonders labile Ausnahmen...






    Ich habe die deutschen Fassungen nicht mehr in Erinnerung, aber der hypnotisierte Attentäter fällt ja Holmes und Watson vor deren Haustür tot in die Arme. Warum Autounfall? Wurde die Szene etwa geschnitten? Nach dem Telefonat sagte Holmes zu Watson: "Williams is missing."

    Auch wurde darauf hingewiesen, dass es sich um einen "Sniper" handelt, der das Töten gewohnt ist. Wurde das anders synchronisiert?

  • The Woman in Green (Die Frau in Grün, 1945)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1945

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Hillary Brooke, Henry Daniell, Paul Cavanagh, Matthew Boulton, Eve Amber, Frederick Worlock, Alec Harford, Coulter Irwin, Mary Gordon, John Burton, Sally Shepherd, Tony Ellis


    Handlung:

    In London ereignet sich eine Reihe von Morden an jungen Frauen, denen allen der rechte Zeigefinger fachmännisch abgetrennt wird. Der reiche Sir George Fenwick verbringt einen angenehmen Abend mit der auffallend attraktiven Lydia und wacht anschließend mit Amnesie in einer billigen Pension auf. In seiner Tasche befindet sich ein abgetrennter Zeigefinger. Völlig verstört vergräbt er diesen in seinem Garten und wird dabei von seiner Tochter beobachtet, die sich sofort an Sherlock Holmes wendet. Kurz darauf wird Sir George Fenwick von diesem ermordet aufgefunden. Rasch wird klar, dass Moriarty hinter der Sache steckt und sich der Hypnosekunst der schönen Lydia bedient, die reiche Männer in den Glauben versetzt die Morde begangen zu haben um sie dadurch erpressbar zu machen...

    Anmerkungen:

    Holmes Erzfeind Moriarty ist ein weiteres Mal von den Toten auferstanden und wird diesmal von Henry Daniell dargestellt. Die wechselnde Verkörperung ist in Punkto Moriarty allerdings nicht die einzige Inhomogenität im Rahmen der Reihe. Auch bezüglich seiner Todesart war man nicht um Kontinuität bemüht. In der Gestalt von Lionel Atwill stürzte er zuletzt bekanntlich in einen Schacht. Hier ist der aktuelle Stand, dass er in Montevideo gehängt worden sein soll. Leider ließ man sich auch diesmal nichts besseres einfallen als ihn wieder einmal zu Tode stürzen zu lassen. Dass er sein Ableben am Schluss einer Dachrinne zu verdanken hat, die sein Gewicht nicht aushält, hat schon fast Comedy-Charakter. Offenbar scheint der gute Doktor nach seinen vielen nicht allzu spektakulär inszenierten Erfahrungen mit dem freien Fall inzwischen eine Gravitations-Immunität entwickelt zu haben. Henry Daniell verkörpert den Oberverbrecher auffallend trocken, ernst und humorlos. Seine Darstellung ist sehr solide aber nicht herausragend. Es hätte sich bei der Figur auch um jeden anderen Kriminellen handeln können. Man war offenbar nicht darum bemüht, der im Holmes-Kanon doch sehr charakteristischen Figur ein besonderes Denkmal zu setzen.

    Der vielversprechende Roy William Neil hat auch diesmal wieder unheimliche Elemente einfließen lassen. Die Morde sind von Jack the Rippers Untaten inspiriert und das Thema Hypnose spielt eine zentrale Rolle. Dieses wurde gar nicht einmal so oberflächlich behandelt wie aus zahlreichen Billigfilmen gewohnt. Es wurde sogar der Tatsache Rechnung getragen, dass selbst unter Hypnose niemals Dinge begangen werden, die nicht mit dem Charakter des Hypnotisierten vereinbar sind. Lydias Suggestions-Kunst wurde sehr filmwirksam und stilvoll inszeniert und musikalisch äußerst reizvoll begleitet. Ihre Präsenz ist ausgesprochen professionell und glaubwürdig, sodass sie sämtliche Szenen trägt, am Schluss dann aber von Henry Daniell in den Hintergrund gedrängt wird. Hillary Brook ist wirklich eine Frau von besonderer Eleganz und Schönheit, was sie eigentlich auch für die Besetzung der "Spinnenfrau" prädestiniert hätte. Leider ist dieser Kelch an ihr vorübergegangen. Im Gegensatz zur Krabbeltier-Fetischistin agiert sie nur als Handlangerin und zeigt sogar ein bisschen Gewissen als Moriarty am Schluss Holmes gegenüber seiner sadistischen Ader freien Lauf lässt. Moriartys offenbar völlig pervertierter und chirurgisch geschulter Helfershelfer wird leider nur als Randfigur wahrgenommen. Der schlaue Holmes begibt sich ein weiteres Mal in die Hölle des Löwen, nicht aber ohne vorher für alle Eventualitäten Sorge getragen zu haben.

    Man fragt sich, wo Dennis Hoey diesmal bleibt. Vermutlich war er mit den Dreharbeiten zu "Tarzan und das Leopardenweib" beschäftigt. Eine schöne Auflockerung ist die angesprochene Ähnlichkeit, die Holmes Profil mit jenem von Julius Cäsar hat, was ihm in gewisser Weise sogar das Leben rettet. "All throughout history prominent men had prominent noses." Dass die Büste nach vorne fällt, obwohl sie von der Seite angeschossen wird, ist natürlich physikalischer Humbug. Wo die "Frau in Grün bleibt" erschließt sich nicht so ganz. Es gibt nämlich eine kolorierte Fassung, die den Film wirklich nicht aufwertet und in der Lydia immer in Dunkelblau zu sehen ist.

    Fazit:

    Auch beim nunmehr elften Streich zeigt die Sherlock-Holmes-Reihe keinerlei Ermüdungserscheinungen. Mit dem sehr interessanten Thema Hypnose und den Anleihen bei "Jack the Ripper" beweist Roy William Neil, dass er noch einiges in Petto hat und der Ideen-Pool nach wie vor lebhaft sprudelt. 4,5 von 5 Punkten.


  • The House of Fear (Das Haus des Schreckens, 1945)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1945

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Dennis Hoey, Aubrey Mather, Paul Cavanagh, Harry Cording, Holmes Herbert, Sally Shepherd, Gavin Muir, David Clyde, Florette Hillier, Doris Lloyd, Alec Craig, Wilson Benge, Richard Alexander, Cyril Delevanti


    Handlung:

    Eine Gruppe älterer Herren, die sich "The Good Comrades" nennen, trifft sich in einem unheimlichen Haus an der schottischen Küste. Nachdem eines Abends beim Dinner einer von ihnen ein Kuvert mit Orangenkernen als Inhalt erhält, wird die Sache in's Lächerliche gezogen. Dies sollte sich rasch ändern, als der Empfänger der Sendung kurz darauf bei einem schweren Unfall verstümmelt wird und stirbt. Von nun an erhält in regelmäßigen Abständen immer ein anderer aus der Gruppe das berüchtigte Kuvert und stirbt ebenfalls auf grausame Weise. Die Anzahl der Orangenkerne verringert sich dabei immer entsprechend der Zahl der noch lebenden Männer. Obwohl Sherlock Holmes und Dr.Watson nach Schottland reisen, können sie weitere Morde nicht verhindern, die in derselben Manier verübt werden. Niemand sollte einer Prophezeiung zur Folge mit vollständig erhaltenem Körper in`s Jenseits gehen. Fest steht, dass sowohl die bereits verstorbenen Männer als auch alle weiteren potentiellen Opfer sehr hoch zu Gunsten der Überlebenden versichert sind. Offenbar möchte ein Mitglied der Gruppe den Rest aus dem Wege räumen, um die Versicherungssummen zu kassieren...

    Anmerkungen:

    Hier handelt es sich um ein klassisches "Old-Dark-House-Mysterie", das bezüglich Gothic-Atmosphäre wirklich aus dem vollen schöpft und durch eine wunderbar dunkle Kameraarbeit besticht. Der Rückblick auf die bereits erfolgten Morde wird von einem beunruhigten und Sherlock Holmes konsultierenden Versicherungsangestellten durch seine Stimme aus dem Off erzählt, was den Gruselfaktor angenehm steigert. Diesbezüglich ist eine Gemeinsamkeit mit dem "Hound of the Baskervilles" erkennbar. Ansonsten erinnert diese Geschichte sehr stark an Agatha Christies "Ten little Indians". Selbst beim Täter-Raten wird dem Zuseher ein ähnliches Schnippchen geschlagen. Dem routinierten Krimi-Feinschmecker drängt sich rasch eine besonders freundlich und harmlos agierende Person als Mörder auf, was sich aber schlussendlich als "Red Herring" entpuppt.

    Holmes Ermittlungen in Schottland bilden eine wesentlich naheliegendere und stimmigere Erweiterung seines Aktionsradius als seine Ausflüge nach Washington und Kanada. Freilich ist es nicht sonderlich glaubwürdig, dass sieben ältere und wohlbetuchte Herren offenbar ohne Anhang leben und nur untereinander ihr Erbe aufteilen. Eine solche Konstellation ist naturgemäß ein gefundenes Fressen für Holmes. Dass der Mordversuch mit der vergifteten Nadel rein gar nicht zur bisherigen Verstümmelungsmethode passt ist wohl auch ein Fehler, den man sich Holmes gegenüber nicht erlauben darf.

    Roy William Neill hat es vorzüglich verstanden, die Holmes-Reihe auf die Grusel-Schiene zu lenken, ohne dabei den kriminalistischen Aspekt zu vernachlässigen. Natürlich bleibt dabei deutlich, dass er sich von altbekannten und klassischen Vorbildern inspirieren ließ. Der hier angesteuerte Versicherungsbetrug wirkt gar nicht einmal übel durchdacht und zeigt eine gelungene Abwandlung zu Christie, sodass die Parallele zu den "Ten Little Indians" nicht allzu augenfällig ist.

    Als grobschlächtiger Captain Simpson ist Harry Cording in einer sehr gut zu ihm passenden Rolle zu sehen. Er agierte bereits 1938 neben Basil Rathbone in dem Errol-Flynn-Klassiker "The Adventures of Robin Hood" im Dienste des Bösen. Innerhalb der Rathbone-Holmes-Reihe spielte er in insgesamt 9 Filmen in verschiedenen kleinen Rollen mit. Watsons "Konversation" mit einer Eule ist humoristisch etwas zu seicht geraten. Wesentlich besser gefällt mir hingegen jene Szene, in der Inspektor Lestrade ein Kuvert erhält und zu einer entsprechenden Reaktion hingerissen wird.

    Fazit:


    Als atmosphärisches Gustostück mit exzellenter Bildersprache und scheinbaren Anleihen bei Christie ist "The House of Fear" zwar nicht übermäßig glaubwürdig, dafür aber umso mehr unterhaltsam. Zweifellos wird man hier in der Gestalt eines astreinen Krimimärchen auf hohem Niveau unterhalten.


  • The Pearl of Death (Die Perle der Borgia, 1944)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1944

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Dennis Hoey, Miles Mander, Evelyn Ankers, Ian Wolfe, Charles Francis, Holmes Herbert, Richard Aherne, Harry Cording, Mary Gordon, Rondo Hatton


    Handlung:

    Auf einem Schiff wird die berüchtigte und sehr wertvolle Perle der Borgia von einer jungen Dame gestohlen. Allerdings hat die Schöne die Rechnung ohne Sherlock Holmes gemacht, der natürlich schlauer ist als sie und ihr diese rasch wieder abluchst. Er sorgt auch dafür, dass das kostbare Stück im Royal-Regent-Museum in London untergebracht wird. Besagte Dame ist jedoch die Komplizin des skrupellosen Giles Conover, der einen Fehler von Holmes ausnutzt, die Alarmanlage vom Strom nimmt und mit der Perle flieht. Er wird zwar rasch gefasst, doch das Diebesgut wird nicht bei ihm gefunden. Kurz darauf ereignet sich eine Reihe von Morden, welche die seltsame Gemeinsamkeit haben, dass um die Leichen immer zerbrochenes Porzellan verstreut liegt. Auch wurde allen Opfern das Rückgrat auf eine Weise gebrochen, die auf das Werk des Hoxton Creepers, eines monströs entstellten Gewaltverbrechers, hindeutet...

    Anmerkungen:

    Nachdem man mit Holmes Hang zur Verkleidung inzwischen sehr vertraut sein muss, ist unschwer zu erkennen, dass sich hinter dem kauzigen alten Mann auf dem Schiff natürlich nur er verbergen kann. Die entwendete Perle wird von ihm durch einen souveränen Trick zwar rasch wiederbeschafft, doch gibt er sich auch eine ungewohnte Blöße, indem er Giles Conover praktisch die Gebrauchsanweisung für einen neuerlichen Diebstahl des guten Stückes liefert. Natürlich bleibt Holmes Selbstbewusstsein angesichts seines Lapsus unberührt und er nimmt rasch seine Ermittlungen auf. Inspektor Lestrade zeigt eine geradezu kindliche Schadenfreude daran, endlich erleben zu dürfen, dass nicht ihm selbst, sondern endlich einmal dem ihm weit überlegenen Meisterdetektiv, ein Missgeschick widerfahren ist. Auch Conover weis nicht, wo sich die Perle gegenwärtig befindet, da er sich ihrer auf seiner Flucht entledigen musste. Er liefert sich daher ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Holmes, welches stark an das Kräftemessen mit Moriarty erinnert.

    Holmes Gegenspieler ist diesmal Miles Mander als Giles Conover, ein verschlagener, skrupelloser und arroganter Mann, der genauso gut mit Moriarty die Rollen hätte tauschen können. Er verströmt allerdings nicht unbedingt die Ausstrahlung eines Gentleman, sondern wirkt vom Fleck weg spürbar unsympathisch. Evelyn Ankers Präsenz beschränkt sich mehr oder weniger auf ihr gutes Aussehen. Als Conovers Helferin agiert sie eher naiv und ungeschickt, sodass Holmes mit ihr leichtes Spiel hat.

    Die Attraktion dieses Films ist zweifellos der monströs entstellte Rondo Hatton, dessen Aussehen die Folge der schrecklichen Krankheit Akromegalie ist, unter welcher auch der als "Beisser" aus zwei James-Bond-Filmen bekannte Richard Kiel gelitten hat. Im Gegensatz zu Universals Horror-Ikone Boris Karloff bedurfte es bei Hatton daher keiner grosser Schminkkunst, um ein Ungeheuer aus ihm zu machen. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass Hatton in jungen Jahren in seinem letzten Schuljahr als hübschester Junge der Klasse gewählt wurde und damit die optische Wirkung auf sein Umfeld aus zwei extremen Positionen erfahren durfte. Der Spannung wurde eine besondere Würze verliehen, indem man sich bis zum Schluss Zeit lies, bis das Gesicht des Creepers endlich eingeblendet wurde.

    Fazit:

    Spannende und mysteriose Holmes-Geschichte, die vor allem durch die Präsenz des legendaren Hoxton-Creepers nachhaltige Akzente setzt und dadurch, wie auch schon der Vorgangerfilm, in Richtung Horror-Genre tendiert. Atmosphärisch bleibt der Streifen aber trotz Rondo Hattons Mitwirkung gegenüber der "Kralle" vergleichsweise zurückhaltend. Klassische Horror-Elemente, wie die eine Schöne liebende Kreatur die sich am Schluß gegen ihren "Meister" wendet, sind hier in altbekannter Weise zu finden. 4,5 von 5 Punkten.

  • The Scarlet Claw (Die Kralle, 1944)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1944

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Gerald Hamer, Paul Cavanagh, Arthur Hohl, Miles Mander, Kay Harding, David Clyde, Ian Wolfe, Victoria Horne




    Handlung:

    Holmes und Watson besuchen ein Okkultistentreffen im kanadischen Quebec, wo der Vorsitzende Lord Penrose von der Ermordung seine Gattin in einem Dorf namens La Mort Rouge erfährt, das an eine unheimliche Moorlandschaft angrenzt. Dort geht der Legende nach ein böser Geist um, der Mensch und Tier die Kehlen herausreißt. Lady Penrose wird auch tatsächlich entsprechend zugerichtet vorgefunden. Der bodenständige Holmes glaubt natürlich nicht an diese Geister-Märe und übernimmt den Fall. Als er sich alleine in's Moor wagt, macht er allerdings rasch Bekanntschaft mit der Schauergestalt...

    Anmerkungen:

    "The Scarlet Claw" steht als Höhepunkt von Basil Rathbones Holmes-Reihe völlig außer Frage. Universal steuert hier seine langjährig angesammelte Erfahrung in Sachen Gothic-Horror bemerkenswert plakativ bei, was den Film zu einem ganz besonders sehenswerten Meisterwerk hervorhebt. Die Moorlandschaft sticht wirklich exzellent heraus und das Gespenst hätte eindrucksvoller nicht umgesetzt werden können. Die in phosphorisierter Kleidung herumlaufende Gestalt erzielt genau jene Wirkung, die man sich 1939 beim "Hound of the Baskervilles" wohl gewünscht hätte. Ein Hoch auf die Special-Effects-Abteilung! Die ganze Geschichte ist auffallend dunkel und düster gefilmt und geizt dabei in keinster Weise mit Nebel, Moor und unheimlichem Interieur, sodass man geneigt ist zu glauben, einen reinen Gruselfilm vor sich zu haben, was "The Scarlet Claw" im Grunde auch ist. Holmes-Fans werden natürlich sofort auffallende Parallelen zum "Hound of the Basvervilles" erkennen. Doch wurde die Geschichte um eine Reihe reizvoller Schauer-Elemente erweitert, was diesen Film wie ein verbessertes inoffizielles Remake des Conan-Doyle-Klassiker aussehen lässt - von der technischen Umsetzung der Spukgestalt ganz zu schweigen. Auch der kriminalistische Aspekt wurde nicht vernachlässigt, sonder phantasievoll und glaubwürdig bedient, wobei als Täter ein gelernter Schauspieler agiert, der die verschiedensten Identitäten annehmen kann und Holmes dadurch einiges Kopfzerbrechen bereitet. Man erfährt relativ früh, um wen es sich handelt, kann aber nicht ausmachen, hinter welcher Fassade er lauert. Hier fließt ein bisschen das Fantomas-Element ein. Als schöner Schauermoment beeindruckt jene Szene, wo der Täter die Tötung von Judge Brisson als dessen Haushälterin verkleidet mit der Kralle, seinem bevorzugten Mordwerkzeug, zelebriert. Es wird bei diesem bestialischen Mord schon ein bisschen etwas von dem wesentlich später entstandenen Hitchcock-Klassiker "Psycho" vorweggenommen.

    Die Logik-Polizei dürfte nicht ganz zu Unrecht daran Anstoß nehmen, dass der Unhold im Schutze einer seiner Schein-Identitäten auch dann sein vorgetäuschtes Hinken zum Besten gibt, als er sich vermeintlich unbeachtet in seinem Versteck bewegt. Ein weiterer gravierender Logik-Mangel ist sicher auch, dass sich gerade jene Personen, die der Täter im Visier hat, zufällig in dem kleinen Ort La Mort Rouge treffen. Darauf möchte ich aber nicht näher eingehen, da es sich nun mal um ein Krimi-Märchen handelt und für mich persönlich Unterhaltungswert, Spannung und Atmosphäre die wesentlichen Faktoren sind, woran dieser Streifen mit Sicherheit nicht krankt.

    Obwohl der Film in Kanada handelt, besticht er durch eine Landschaft und Atmosphäre, die zweifellos an "Good Old England" erinnern. Warum er nicht auch in Holmes Heimat angesiedelt ist, bleibt ein Rätsel. Die Akteure sprechen größtenteils britisches Englisch und im Finale werden sogar Bobbies eingeblendet.

    Lord Penrose wird von Paul Cavanagh dargestellt, der seit seinem Bösewicht-Auftritt in Johnny Weissmüllers erstem Tarzan-Film "Tarzan the Ape Man" sichtlich gealtert ist. Völlig überflüssig ist wieder einmal Holmes patriotisches Schlusswort, das sich wiederholt ein Churchill-Zitat nicht verkneifen kann. Ein kleiner Schnitt hätte da nicht unbedingt geschadet. Aber ja - wir befinden uns ja noch immer in der schwarz-weiß-malerischen Schein-Realität der Kriegsjahre, wo propagandistische Gehirn-Wäsche gang und gäbe war.

    Fazit:

    Eine Lichtgestalt mit dunklen Absichten, ein bärtiger Einsiedler, der optisch schon fast an Rasputin erinnert, ein grausiges Mordwerkzeug und last but not least die schon erwähnten herrlich atmosphärischen "Schauer-Plätze" demonstrieren, wie sehr man sich bemüht hat einen Gruselkrimi allererster Güte zu produzieren. Roy William Neil hat den altbewährten Universal-Horror sehr effektiv einfließen lassen und geschickt mit einer kurzweiligen Krimihandlung verknüpft. Der Plot ist flott inszeniert und dramaturgisch sehr schön gesättigt. Der Gothic-Anstrich steht der Holmes-Reihe unheimlich gut und lässt bereitwillig vom Kriegs-Propaganda Abschied nehmen. Für mich persönlich ist "The Scarlet Claw" nicht nur der beste Holmes-Film aller Zeiten, sondern auch einer meiner Lieblingsfilme überhaupt. Klare 5 von 5 Punkten für einen rundum gelungenen und wunderbaren Film. Ich will wirklich mit Nachdruck ein Lob in allerhöchsten Tönen da anbringen, wo es hingehört.


  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #90

    Die Spur der sich absetzenden wollenden Verbrecher führt zu einem Zirkus, wo man neben Pygmäen (!) auch „die dickste Frau der Welt“ (oder so ähnlich) besichtigen kann. Da fallen mir auf Anhieb ein paar Kolleginnen ein, die die Dame mühelos vom Thron stoßen könnten… (Ist böse, ich weiß… Zeigt aber, wie sich gewisse Relationen im Laufe der Zeiten verschieben.).





    Ich kann mir nicht verkneifen zu bemerken, dass mir dieser Humor gefällt.

  • The Spider Woman (Das Spinnennest, 1943)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1943

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Gale Sondergaard, Dennis Hoey, Vernon Downing, Alec Craig, Arthur Hohl, Mary Gordon, Teddy Infuhr


    Handlung:


    In London ereignet sich eine mysteriöse Serie von Pyjama-Selbstmorden in unauffälligen Hotelzimmern. Sherlock Holmes täuscht seinen Tod vor, da er überzeugt ist, dass es sich in Wirklichkeit um Morde handelt und er durch sein Abtreten die Täter in Sicherheit wiegen möchte. Rasch erkennt er, dass die Verbrechen die Handschrift einer Frau tragen. Er mietet sich unter den gleichen Bedingungen wie die Opfer in einem Hotelzimmer ein, um am eigenen Leibe zu erfahren wie diese zu Tode gekommen sind...

    Anmerkungen:


    Der vorliegende Streifen lehnt seine Handlung an die bekannte Holmes-Erzählung "The Speckled Band" an und macht die Geschichte bedeutend filmwirksamer als das Original, indem er anstatt einer Schlange eine große, fette Spinne als todbringendes Objekt aktiv werden lässt. Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine Phantasiespinne, da es Achtbeiner in dieser Größe mit einem entsprechend starken halluzinogenen Nervengift natürlich gar nicht gibt. Darüber sieht man aber sehr gerne hinweg, da man den Auftritt des Krabbeltieres wirklich nicht missen möchte.

    Der Film beginnt mit Holmes vermeintlichen Tod und seinen trauernden "Angehörigen" Dr.Watson und Mrs.Hudson, die ihm vermutlich als einzige wirklich nahe stehen. Auch Inspektor Lestrade, mit dem ihn eine Hassliebe verbindet, ist sichtlich mitgenommen und er möchte unbedingt Holmes Lieblingspfeife als Andenken, die er Dank dessen unkomplizierter Großzügigkeit dann auch behalten darf. Natürlich dauert es nicht lange, bis der findige Holmes in einer seiner vielen Verkleidungen in den eigenen vier Wänden wieder auftaucht, noch bevor diese völlig leergeräumt werden. Der Meisterdetektiv wird hier ganz besonders frauenfeindlich dargestellt, was seinen Erklärungen, woran er bei den Verbrechen eine weibliche Handschrift erkennt, unschwer zu entnehmen ist. In Adrea Spedding, die von der zum Zeitpunkt der Entstehung nicht mehr sonderlich jungen Gale Sondergaard dargestellt wird, findet er dann auch bald eine fast ebenbürtige Gegenspielerin. Sie durchschaut nicht nur seine Verkleidung, was sie an einigen Stellen verbal andeutet, sondern verübt in seinem eigenen Heim auch noch einen perfiden Anschlag, den er und Watson mit nur knapper Not überleben. Adrea Spedding ist eine einigermaßen attraktive aber völlig skrupellose Dame vom Typ "Schwarze Wittwe", welche die zugänglicheren Ihrer männlichen Opfer wohl auch amourös verführt haben dürfte, bevor sie deren Schicksal besiegelte.

    Etwas unbefriedigend ist das Finale, wo der an eine Hitler-Schießbudenfigur angebundene Holmes nicht weniger als drei Mal durch einen sehr konstruierten Zufall dem sicheren Tod entgeht. Hier hätte es schon eine originellere Idee sein dürfen, ihn aus der Klemme kommen zu lassen. Auch ist es schon sehr merkwürdig, dass an einem gewöhnlichen Rummelplatz mit scharfer Munition geschossen wird. Der zwergwüchsige Eingeborene wurde leider völlig verschenkt. Nachdem die kleinen Fußspuren ein spannendes Mysterie-Element in's Spiel bringen, wird man am Schluss mit einem völlig lapidaren Auftritt des kleinen Mannes abgespeist. Er wird völlig unmotiviert und nur sehr kurz in's Bild gerückt, gerade so, dass der Bestätigung von Holmes Verdacht noch notdürftig Genüge getan wird. Diese Schwächen werden aber vom Spannungsbogen, der die Geschichte trägt, sehr gut abgefangen. Zum ersten Mal im Rahmen der Reihe sieht man Holmes bei einer Freizeitbeschäftigung mit Dr.Watson, nämlich beim Forellenfischen in Schottland, wo er schon sehr bald seinen Scheintod stirbt. Es folgt dann die Bekanntschaft mit einem auf ganz andere Art schrecklichen Untier als der gute alte "Hund von Baskerville" es gewesen ist und der Detektiv wird erstmals von einer Frau in ernsthafte Schwulitäten gebracht.

    Der Holmes des 20.Jahrhunderts wird ab diesem Film seinem klassischen Erscheinungsbild wieder einen Schritt näher gebracht, indem sein Tweed-Mantel mit einem dazu passenden Hut kombiniert wird, der seinen bisherigen Fedora ersetzt und dabei nicht aus dem Rahmen fällt, wie es beim Deerstalker zweifellos der Fall gewesen wäre. Obwohl Holmes der holden Weiblichkeit nicht sonderlich zugeneigt ist, beweist er einen charmanten und kompetenten Umgang mit Frauen, auch wenn dabei seine Distanziertheit immer spürbar bleibt.

    Fazit:


    Spannender und ideenreicher Mysterie-Holmes, der erfreulicherweise wieder einmal mit ein bisschen Tier-Horror aufwartet, dabei aber leider den Pygmäen, der ein wirklich dankbares und filmwirksames Element geliefert hätte, bei der Inszenierung sträflich vernachlässigt. Ganz ohne Propaganda geht es auch hier nicht, wie man den sehr deutlich hervorgehobenen Hitler- und Mussolini-Schießbudenfiguren entnehmen kann. 4,5 von 5 Punkten.

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #84
    Zitat von patrick im Beitrag #82
    Die wüste Schlägerei mit dem entlarvten Täter ist für Gentleman Holmes ungewohnt grob. grin]


    Sherlock Holmes war aber auch ein begeisterter Amateurboxer, Spezialist im Stockfechten und zudem in der etwas diffusen Kampfsportart Baritsu beschlagen. Er musste sich im Verlauf seiner Abenteuer mitunter recht heftig seiner Haut erwehren, etwa in den Fällen Die einsame Radfahrerin, Der berühmte Klient und natürlich auch in Das letzte Problem.
    Ich vermute mal eher, es ist ihm ganz schön gegen den Strich gegangen, sich im Rahmen seiner List von dem Musgrave-Killer k.o. schlagen lassen zu müssen.



    Okay. Man ist die Prügeleien bei ihm aber weniger gewohnt. Das passt eher zu James Bond.

  • Sherlock Holmes Faces Death (Gespenster im Schloss, 1943)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1943

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Dennis Hoey, Arthur Margetson, Hillary Brooke, Halliwell Hobbes, Minna Phillips, Gavin Muir, Milburn Stone, Gerald Hamer, Vernon Downing, Olaf Hytten, Frederick Worlock, Joan Blair, Mary Gordon


    Handlung:

    Dr.Watson befindet sich als vertretender Arzt auf Musgrave Manor in Northumberland. Dort ist eine Anstalt für geistig traumatisierte Offiziere eingerichtet. Da auf seinen Arztkollegen Dr.Sexton ein Anschlag verübt wird und in kurzer Folge die beiden Musgrave-Brüder ermordet werden, tritt Sherlock Holmes auf den Plan und ermittelt in den unheimlichen Gemäuern, wo das jeweils neue Familienoberhaupt immer in einem gespenstischen Ritual eingesetzt wird, das auf den ersten Blick zwar keinen wirklichen Sinn ergibt, bei genauerem Hinsehen allerdings eine verschlüsselte Botschaft enthält...


    Anmerkungen:

    Die mehr als ausgiebige Propagandaphase der Universal-Holmes-Filme ist nun vorbei und "Sherlock Holmes Faces Death" markiert die Wende von der "Moderne" zurück zu den Gothic-Elementen und einem klassischeren Flair. Nazispione weichen herkömmlicheren Mordgesellen, die in urtypisch altenglischen Gemäuern umgehen, wo man stolz auf seine Hausgeister ist. Leider treten keine (unechten) Gespenster in Erscheinung, dafür aber das berüchtigte Musgrave-Ritual mit seinen mystischen Worten, die eine Verflechtung mit dunklen Kräften andeuten, mit denen nicht zu Spaßen ist. Ein während des Rituals direkt durch das Fenster in einen eisernen Heinrich einschlagender Blitz setzt dann auch noch einen dramaturgischen Akzent (Das alte Herrenhaus scheint offenbar nicht mit einem Blitzableiter nachgerüstet worden zu sein ). Auch ein Rabe darf als Todesbote in Erscheinung treten. Holmes mehr als seltsame Frisur weicht endlich wieder seinem ursprünglichen Aussehen aus den beiden 20th-Century-Fox-Filmen. Das Kriegsgeschehen fungiert lediglich als Hintergrund für die sich auf Musgrave Manor befindlichen seelisch angeschlagenen Patienten. Das in diversen Krimis gerne verwendete Element der "Damsel in distress" wird von der hübschen und in den 40er-Jahren gerne besetzten Hillary Brooke verkörpert.

    Die Identität des Mörders ist keine wirklich große Überraschung, hat sich dieser doch auf dem lebensgroßen "Schachbrett" schon durchaus verdächtig verhalten. Die Finte, sich vom Unhold im dunklen Kellergewölbe überwältigen zu lassen und diesem dann ein Gefühlt der Überlegenheit zu geben, das ihn bereitwillig zu einem Geständnis hinreißen lässt, trägt wieder einmal die deutliche Handschrift des alten Fuchses Holmes. Allerdings erscheint es vom Täter schon sehr naiv, sich dorthin locken zu lassen, müsste dieser bei hinreichender geistiger Wachheit eigentlich damit rechnen, dass der Ort von nun an beobachtet wird. Ausgesprochen vermessen ist es auch, mit wecher Selbstverständlichkeit er davon ausgeht, die junge und hübsche Sally Musgrave zu heiraten, nachdem er die Konkurrenz ausgeschaltet hat. Zwischen den beiden ist keinerlei Chemie spürbar, zumal sie ohnehin nur Augen für ihren geliebten Captain Vickery hat. Außerdem besteht da noch ein beträchtlicher Altersunterschied, der auf Seiten des Antagonisten weder durch ein besonders attraktives Erscheinungsbild noch durch herausragenden Charme wettgemacht wird.

    Die Idee, eine versteckte Botschaft über ein Schachbrett und dessen Figuren zu kommunizieren zeugt von einer erfrischend verspielten Phantasie. In den Katakomben unten wird der Gothic-Horror-Fan dann mit dem Setting von Bela Lugosis "Dracula" verwöhnt, das auch hier seine Wirkung als atmosphärisches Schmankerl nicht verfehlt. Die wüste Schlägerei mit dem entlarvten Täter ist für Gentleman Holmes ungewohnt grob.

    In dem typisch Britischen Pub "The Rat and the Raven" ist ganz zu Beginn der erst knapp 20-jährige Peter Lawford, späteres Mitglied des legendären Rat-Pack und Kennedy-Schwager (Brother in Lawford), als junger Seemann zu sehen.

    Das folgende Schlusswort lässt natürlich Raum für Spekulation offen, dürfte aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine moralische Überlegenheit gegenüber den Nazis ausdrücken wollen.

    Zitat
    There’s a new spirit abroad in the land. The old days of grab and greed are on their way out. We’re beginning to think of what we owe the other fellow, not just what we’re compelled to give him. The time’s coming, Watson, when we shan’t be able to fill our bellies in comfort while other folk go hungry, or sleep in warm beds while others shiver in the cold; when we shan’t be able to kneel and thank God for blessings before our shining altars while men anywhere are kneeling in either physical or spiritual subjection.... And God willing, we’ll live to see that day, Watson.


    Fazit:

    Schön klassisch-konservativer Holmes-Film, der hinreichend mit englischen Gothic-Klischees und einer ausgetüftelten Detektivgeschichte angereichert ist. Das so oft genutzte Motiv der Habgier auf eine Erbschaft ist zwar alles andere als neu, wird bei dieser Art Krimi aber regelrecht erwartet. 4,5 von 5 Punkten.

  • Du könntest eventuell die Serie mit Jeremy Brett meinen.

  • Karin Dor ist verstorbenDatum06.01.2020 18:03
    Foren-Beitrag von patrick im Thema Karin Dor ist verstorben

    Zitat von Havi17 im Beitrag #33
    Danke, war bezogen auf seine von Karin Dor geschilderten Charaktereigenschaften gemeint.


    In einem relativ jungen Gespräch im TV von vor ein paar Jahren hat Karin Dor von Lex Barker geschwärmt und gesagt, sie habe ihn geliebt (Das war jetzt nicht romantisch gemeint, sondern freundschaftlich). Sie hat auch seine Knausrigkeit in Geldangelegenheiten erwähnt, aber nur weil es wohl eben so war und nicht um ihn schlecht zu machen.

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #70


    Zitat von Gubanov im Beitrag #68
    Des Weiteren sind Sherlock Holmes\' proamerikanische Aussagen nicht allein als Speichelleckerei im Propagandasinn zu werten, wie @patrick und du schreiben, sondern basieren tatsächlich auf der originalen Doyle-Figur und deren Bewunderung für die USA. In der Geschichte "Der adlige Junggeselle" geht der literarische Holmes sogar noch viel weiter, als nur alliierten Zusammenhalt zu beschwören: usw. usw.


    So ist es. Sherlock Holmes als begeisterter Anhänger der Idee eines elitären anglo-amerikanischen Empires. Da verkneif ich mir jetzt lieber weiterführende Anmerkungen...




    Eine fiktive Figur besitzt eben selten tieferes Wissen als sein literarischer Schöpfer.

  • Karin Dor ist verstorbenDatum06.01.2020 09:05
    Foren-Beitrag von patrick im Thema Karin Dor ist verstorben

    Zitat von eastmancolor im Beitrag #29
    Zitat von zinker84 im Beitrag #28
    Auf dem Couchtisch: Ein Buch über Lex Barker...





    Das hat sie mit Sicherheit nicht selbst hingelegt. Das wurde ihr sicherlich mal geschenkt.



    Vermutlich nicht einmal das. Man hat es sicher zu Dekorationszwecken hingelegt.

  • Sherlock Holmes in Washington (Verhängnisvolle Reise, 1943)



    Regie: Roy William Neill

    Produktion: Universal Pictures, USA 1943

    Mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Marjorie Lord, Henry Daniell, George Zucco, John Archer, Gavin Muir, Edmund MacDonald, Don Terry, Bradley Page, Holmes Herbert, Thurston Hall



    Handlung:

    Ein Geheimdienst-Agent wird auf seiner Reise von England nach Washington von Nazi-Spionen entführt und ermordet. Es geht dabei um ein geheimes Dokument, auf das die Spione es abgesehen haben, das sie aber bei dem britischen Agenten nicht finden. Tatsächlich ist es auf Mikrofilm aufgenommen und wurde in einem Streichholz-Folder versteckt, das der Agent, als er bemerkte dass seine Tarnung aufgeflogen ist, in die Handtasche einer jungen attraktiven Dame fallen ließ. Von nun an wechselt der Folder ständig den Besitzer, ohne dass irgendjemand ahnt was er da eigentlich in der Hand hält. Sherlock Holmes wird nach Washington beordert, um die Angelegenheit zu klären und den Nazis das Handwerk zu legen...

    Anmerkungen:


    Dieses mittlerweile dritte Holmes-Abenteuer der damaligen Gegenwart bleibt konsequent der Anti-Nazi-Propaganda treu und lässt den Detektiv ein weiteres mal als zivilen Kriegshelden der Aliierten fungieren. Dies stimmt langsam aber sicher etwas bedenklich, da diese fixe und inzwischen ausgereizte Akzentuierung des polititschen Tagesgeschehens sich vom ursprünglichen Geist der Holmes-Geschichten mehr und mehr zu entfremden droht, auch wenn Basil Rathbone durch seine darstellerische Kompetenz die Rolle souverän im Griff behält. Holmes Tapetenwechsel in die USA sollte dennoch eine Abwechslung einbringen, welche durch das mehrfache Einblenden des Kapitols und dessen Betonung als Brutstätte der Demokratie nüchtern betrachtet für den kritischen Denker schone ein recht starkes Stück darstellt - die Glorifizierung des amerikanischen Volkes dito.

    Im Wesentlichen bildet aber auch dieser letzte Kriegs-Holmes einen recht gelungenen Spannungsbogen und rekrutiert mit George Zucco als Antagonisten einen alten Bekannten, dessen Rolle als Nazi-Agent seiner Moriarty-Interpretation nicht unähnlich ist. Holmes verzichtet diesmal auf Mummenschanz und Verkleidung und liefert als exzentrischer Kunstfreak mit verstellter Stimme ein nicht weniger unterhaltsames Täuschungsmanöver ab. George Zuccos markante Stimme vermag er an anderer Stelle ebenfalls recht überzeugend nachzuahmen. Die individuellen Eigenarten des britischen und amerikanischen Englisch und die daraus resultierenden Verständnisschwierigkeiten untereinander werden an mehreren Stellen sehr humorvoll demonstriert. Auch die typisch amerikanischen Zeitungs-Cartoons werden von Watson neugierig dokumentiert. Dessen offensichtlich erster Genuss eines Kaugummis wird von dem konservativ britischen Holmes mit einem "Oh, put that away" naserümpfend und schockiert quittiert. Die ständige "Reise" des Streichholz-Folders erinnert etwas an die "Screwball-Comedys" der damaligen Jahre. Der schwarze britische Humor kommt allerdings auch nicht zu kurz, bemerkt doch der Senator Babcock gegenüber dem als Grayson reisenden Pettibone: "I used to know somebody by the name of Grayson. He was murdered." Eine auffallende Übereinstimmung mit "The Voice of Terror" ist, dass sich auch hier ein akzentfreies Englisch sprechender Deutscher als verdeckter Nazi-Bösewicht entpuppt, dessen aktive Tätigkeit für sein Vaterland bereits in die 1910er-Jahre zurückreicht.

    Durchaus peinlich erscheint aus dem Blickwinkel eines aufgeklärten Zusehers des 21.Jahrhunderts Holmes Schlusswort, das Winston Churchill zitiert. Der doch so logisch und analytisch veranlagte Superschnüffler ist, wie es scheint, der Propaganda-Maschinerie voll und ganz auf den Leim gegangen und scheint die tieferen Zusammenhänge und Hintergründe des Kriegsgeschehens in keinster Weise zu begreifen. Alliiert bedeutet gut, deutsch bedeutet böse, der britische Kolonial-Hintergrund wird kritiklos hingenommen und die Strippenzieher im Verborgenen völlig außer Acht gelassen. Zweifellos ist auch dieser Film ein Kind seiner Zeit und seines Entstehungslandes und eine differenzierte und reife politische Betrachtungsweise hätte natürlich niemals den Weg in's amerikanische (Propaganda)Kino gefunden. Somit müssen wir uns wohl mit einer "Mehr-Schein-als-Sein-Märchen-Welt" begnügen und Holmes lediglich als Verbrecherjäger ernst nehmen. Bei den politischen und globalen Zusammenhängen im weiteren Sinne scheint seine Analysefähigkeit jedenfalls kläglich zu versagen.

    Fazit:


    Dritter und Gott sei Dank letzter Holmes-Film der den Krieg und die Nazis zum Inhalt hat. Nicht dass dies die Filme rein unterhaltungstechnisch heruntergezogen hätte, aber der Bogen wurde bei diesem Thema inzwischen langsam überspannt, was auch die Produzenten eingesehen haben dürften, denn ab jetzt sollten nur noch klassische Holmes-Themen folgen. Unterhaltungswert und Spannungsgehalt rechtfertigen aber auch bei diesem Streifen 4 von 5 Punkten. Der politische Aussagewert spottet natürlich jeder Beschreibung.

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