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  • Ok, nach Sichtung der fünften Doppelfolge steht mein bisheriges Schlusslicht klar fest: „Die Sache mit King Harry“ erweist sich dann doch als ein ganzes Stück zu plakativ, kindisch und uninteressant. Abermals erfolgt eine (und diesmal noch ausgedehntere) Eröffnungssequenz ohne Ode, die Spannung erzeugen soll aber gleichzeitig irgendwie unausgewogen die in den letzten Folgen bereits zunehmenden Slapstick-Elemente aufweist.
    In der Folge bekommen wir dann einen Mafiapatengleichen Drahtzieher aus des Kommissars Münchner Vergangenheit präsentiert, den Ode nun endlich überführen und so seine Vergangenheit bereinigen kann. Leider geschieht dies auf so banale Art (weder spannend noch rätselhaft), dass dies die insgesamt etwa 50 Minuten Laufzeit wirklich nicht trägt. Wolfgang Kieling gibt sich zwar redliche Mühe der Gestalt die nötige fiese Grandezza zu verleihen muss sich aber letztlich auch der unglaubwürdigen Story ergeben. Verständnis habe ich ja, wenn der Kommissar im Ruhestand sich mit eher bagatellhaften Fällen wie in den ersten beiden Folgen beschäftigt. Wenn aber ein an sich großer Fall auf derart simplem und einfallslosem Niveau über 50 Minuten banal gelöst wird ist das ziemlich unbefriedigend.
    Anfangs entsteht noch der Eindruck, dass Iris Berben möglicherweise einen größeren und mysteriöseren Part in der Geschichte einnimmt und der Geschichte möglicherweise etwas mehr Doppelbödigkeit verleiht, doch ihre Partizipation minimiert sich im weiteren Verlauf drastisch. Da nützt es für die Gesamtbeurteilung der Folge leider letztlich auch wenig, dass ihr Auftritt zu Beginn vermutlich den meisten Sexappeal der gesamten bisherigen Darstellerinnen (trotz solcher Konkurrenz wie Barbara Valentin) aufweisen dürfte…

  • Robert MorleyDatum24.03.2026 20:30
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Robert Morley

    Ja, das stimmt schon. Deshalb schrieb ich ja auch bewusst „unter anderen“. Aber Fiedler erweckt natürlich unmittelbar die Assoziation zu Morley, selbst wenn auf dem Bildschirm dann gar nicht Morley ist. 😉 Aber andererseits dachte ich bei dem Thema wirklich auch sofort an Schürenberg, also hinterließ der irgendwie auch einen bleibenden Eindruck…

  • Robert MorleyDatum24.03.2026 16:49
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Robert Morley

    Das liegt sicher daran, dass ihn unter anderen Siegfried „Sir John“ Schürenberg so kongenial deutsch vertonte…😉

  • Anmerken möchte ich im Nachgang noch, dass dies bei nochmaligem Nachdenken die sicherlich vom Buch her bislang mit Abstand schwächste Episode ist. Man könnte ja meinen dass, wenn schon früh klar ist wer hinter der Tat steckt, die Überführung des Täters besonders raffiniert und kunstvoll vonstatten geht. Dies hier ist leider nicht der Fall. Bei genauerem Nachdenken ist sogar unklar, was jetzt genau der triftige Beweis gegen ihn sein soll. Ähnlich wie die etwas schlampig eingebrachte Anfangsszene bleibt auch hier vieles unklar, bzw. wird mit Dingen jongliert (die Slapstick-Einlagen mit den Observateuren, die besonders teuren Zigarren, das Selbstbildnis eines Malers) ohne das dies wirklich sinnvoll ins Reine gebracht wird. Auch der Plan mit dem Ode am Ende in die Höhle des Löwen geht ist mehr als dürftig.

  • Doppelfolge Nr 4 „Die Sache mit dem Backofen“ wartet erstmals mit einer Eröffnungssequenz auf, in die der (ehemalige) Kommissar nicht direkt involviert ist und die sich erst im Nachgang (leider auch nicht zur Gänze) so richtig erschließt. Diese Ausgangslage erzeugt eine etwas andere Grundstimmung und auch der Folgentitel bleibt lange mysteriös. Die Bedeutung des titelgebenden Backofens wird erst spät in der zweiten Folge aufgeklärt.

    Ansonsten ist eigentlich bereits früh zu Ende der ersten Folge der Tathergang im Großen und Ganzen bereits klar und viele Dialoge wirken in der Folge eher um Ver- als um Entschleierung bemüht. Zu befürchtende Längen bleiben jedoch weitgehend aus, da Gert Haucke vermutlich den bis dahin besten Fiesling der Serie abgibt, eine herrlich arrogante und eiskalte Glanzleistung. Reinhard Glemnitz hat einen relativ unergiebigen Auftritt, darf sich aber natürlich die zwei drei obligaten spitzen Dialoge mit dem Kommissar bezüglich einer möglichen früheren Bekanntschaft der beiden liefern. Ganz liebenswert und beeindruckend ist auch der Auftritt von Brigitte Horney, der förmlich der Schalk aus den Augen blitzt, wie man es wirklich selten erlebt. Fazit: die Story an sich gibt eher wenig her und die Eröffnungssequenz bleibt eine dramaturgisch nicht befriedigend aufgelöste Nebelkerze. Die Darstellerleistungen machen dies aber wieder wett und ich würde die Folge etwa gleichauf mit der vorherigen einstufen.

  • Abgesehen von der wirklich viel zu ausgedehnten und stinklangweiligen Kneipen-Schlägerei zu Ende des zweiten Drittels und den nicht wirklich gut ausgearbeiteten Charakteren finde ich den Film eigentlich ganz annehmbar. Nach der sehr an (Bryan Edgar-) Wallace orientierten Eröffnungssequenz bekommt man eigentlich einen Agenten-Abenteuerfilm dessen Handlung etwas mühsam konstruiert und leicht anstrengend ist. Die gestiftete Verwirrung ist jederzeit oberflächlicher und durchschaubarer Natur. Aber für Nostalgiker bleiben die ziemlich einzigartige Darsteller-Kombination, die coolen Sprüche und eine wieder mal neu austarierte London-Wallace (bzw. Weinert-Wilton) Fantasiewelt. Finde auch die beiden hauptsächlichen Damen recht interessant und durchaus frech, vor allem im Vergleich zu den zeitgleichen Frauenrollen bei Wallace. Man stelle sich nur mal Karin Dor in der Rolle der Schoberova vor.
    Das Finale ist dann wieder gut gelungen mit einer Kondensierung sämtlicher Hauptpersonen in einem Raum und einer wirklich spannend inszenierten Verfolgungsjagd.

  • Habe das Fernsehspiel jetzt auch gesehen. In der Tat ein tolles Zeitdokument. Inhaltlich mit Parabel gut umrissen. Toll und auf den Punkt gespielt. Die im Gunde nicht sonderlich bemerkenswerte Geschichte wird durch die von Siegfried Lenz geschriebenen hintersinnigen und recht humorvollen Dialoge getragen und das Kammerspiel bleibt dadurch durchgehend unterhaltsam. Etwas unklar und nur spärlich angedeutet sind (mir) indes die Rahmenbedingungen der Handlung: offenbar spielt sich das Geschehen in der USA an der Grenze zwischen zwei Bundesstaaten ab in denen unterschiedliches Strafrecht gilt. Näheres hat sich mir jetzt nicht erschlossen, vielleicht liegt es aber auch auf der Hand und ich bin nur zu unbedarft… Es ist jetzt auch für das Nachvollziehen der Handlung und der Botschaft nicht wichtig und die wenigen TV Zuschauer der damaligen Zeit waren wohl so überwältigt dass sie sich nicht weiter mit irgendwelchen Details beschäftigten…

  • Doppelfolge Nr. 3 „Die Sache mit dem Schuss“ scheint mir tatsächlich die bis dato schwächste zu sein. Leider entwickelt sich das Geschehen nicht so herrlich organisch und natürlich wie in den ersten beiden Fällen. Der Kommissar und seine Schwester bekommen im Gegenteil diesmal relativ klobig einen 08/15 Fall von der Stange aufgepfropft und übergestülpt. Dieser Eindruck wird sicher auch noch dadurch massiv verstärkt, dass Ode als Erzähler diesmal relativ plump immer wieder die Eckpunkte des Falls benennt und die Figuren so nicht wirklich inszeniert eingeführt sondern einem nur vorgesetzt werden. Diese Erzählpassagen wurden in den vorigen Fällen deutlich charmanter bewältigt und wirkten weniger fremdkörperhaft. Dazu kommt noch, dass Ode erstmals so leicht genialische intuitive Anmutungen (der Autounfall muss etwas mit dem Auto zu tun haben, wer hätte das gedacht?) hat und weniger bodenständig auf Augenhöhe wirkt wie zuvor. Dies alles trübt den bisher so lässigen entspannten Eindruck. Auf der Habenseite will ich andererseits nicht verhehlen, dass man zwischendurch deutlich mehr als bei den Folgen zuvor in einen leichten Mitratesog gerät und man dann auch eine wirklich waschechte Kommissar-Lösungsszene aufgetischt bekommt, als er am Ende seine (natürlich richtige) Sicht vom Tathergang gegenüber der verdächtigen Person darstellt. Das ist natürlich eine tolle Reminiszenz an die alte Serie bei der jedem Fan das Herz höher schlagen dürfte. Und selbstredend: die bereits thematisierte Wohlfühlatmosphäre findet sich auch im
    dritten Fall des Pensionärs noch. Unterm Strich bleibt es auch hier beim Prädikat empfehlenswert, auch wenn ich Folge 1 und vor allem Folge 2 vorziehen würde!

  • Doppelfolge 2 „Die Sache mit der Madonna“ knüpft nahtlos an das Flair und Setting der ersten Folge an und kann tatsächlich aufgrund des etwas interessanteren Kriminalfalls das Niveau sogar noch etwas steigern. Wohlgemerkt nur marginal, denn auch die erste Folge strotzte ja bereits nur so vor Wohlfühlatmosphäre und dies ist mir bei dieser Serie klar das wichtigste. Diese findet sich hier im gleichen Maße.
    Auch toll dass beispielsweise eine Figur, die in Folge 1 nur am Rande eingeführt wurde, nun ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Der Miniaturkosmos der Serie entwickelt sich organisch und überzeugend!

  • Habe die erste Staffel ja schon über 10 Jahre zuhause und bin bisher aber noch nie so richtig eingestiegen. Jetzt habe ich mal „Die Sache mit dem Koffer“ durchgesehen und bin überrascht, dass die Serie bislang hier eher negativ rezensiert wurde. Für mich hat das Ganze beinahe was von Durbridge-Light (mit Urlaubsambiente) mit den mysteriösen teuren Rosen (deren Funktion aber leider nicht aufgeklärt wird, kleines (großes?) Manko!) und dem ansatzweisen Cliffhanger. Der Kommissar fügt sich gut ein in die südlichen Gefilde und der Background mit der Pensionierung passt perfekt und stimmig. So darf man den Kommissar auf einem weiteren und ganz anderen Stpck Lebensweg begleiten.
    Also wenn die Folgen sogar tendenziell noch etwas stärker werden, wie hier gelesen, dann macht das doch sehr viel Freude.
    Anmerkung am Rande: eher skurril ist natürlich, dass sich der zwielichtige und vermutlich unter falschem Namen reisende Hintermann am Ende aufgrund von Kalamitäten bei der Bezahlung seiner Hotelrechnung aufhalten lässt und nicht einfach so das Weite sucht…

  • @rasira Ich stimme übrigens Deinem Beitrag in dem oben erwähnten Forum zu:

    „ Ebenfalls hoch interessant auf dieser CD: eine alternative TV-Version von Daisy Doors Hit "Du lebst in Deiner Welt". Sie klingt ob einiger zusätzlicher E-Gitarren-Einsätze noch etwas grooviger als die spätere Single-Version.“

    Tatsächlich ist die nun veröffentlichte Version der ursprünglichen Singleauskopplung, die ich wie wohl die meisten Kommissar-Fans in meiner Sammlung habe, überlegen. Merkwürdig, dass es da überhaupt zwei unterschiedliche Versionen gab und man als Single die bravere Variante gewählt hat. Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir das zuvor noch nie aufgefallen war…

  • Zitat von Georg im Beitrag #8

    TATORT MÜNCHEN - Veigls Fälle (1):
    Münchner Kindl

    (Tatort Nr. 14)
    Erstsendung ARD: 09.01.1972
    Buch: Michael Kehlmann, Carl Merz
    Kamera: Manfred Ensinger
    Musik: David Kamien
    Regie: Michael Kehlmann

    Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Marianne Nentwich, Louise Martini, Walter Kohut, Walter Sedlmayr, Willy Harlander, Franziska Stömmer, Hans Stadtmüller, Rosl Mayr, Walter Schmidinger, Hans Reiser, Willy Schultes u. v. a.

    Martha, eine psychisch kranke Frau, entweicht aus einer Heilanstalt. Sie wurde eingewiesen, weil sie ein Kind entführt und getötet haben soll. Nun ist sie in Freiheit und entführt auf einem Spielplatz ein Mädchen namens Ulli. Unterschlupf findet sie bei einer Bekannten, die als Prostituierte arbeitet. Deren Freund, ein Wiener Zuhälter, versucht aus der Sache Kapital zu schlagen. Einstweilen ermittelt die Münchner Kriminalpolizei in Form von Oberinspektor Veigl ...

    Dass Münchner Kindl ähnlich wie der erste Tatort mit Klaus Höhne Stuttgarter Blüten nicht für diese Reihe konzipiert war, sondern vom zuständigen Redakteur Peter Hoheisel in Ermangelung eines neuen Kommissars einfach in die Reihe gehievt wurde, ist in dieser Folge besonders gut erkenntlich: so ist der Ermittler nur eine Nebenfigur und - das dürfte in der Serie einmalig sein - löst er den Fall überhaupt nicht. Vielmehr ist er gut eine Viertelstunde vor dem Ende des Films das letzte Mal zu sehen, die Entführerin bringt das Kind dann selbst zurück und verschwindet im Wald an der Grenze zu Österreich. Schließlich könnte man sämtliche - ohnehin spärlichen - Veigl-Auftritte aus dem Film gänzlich streichen, es würde nichts (!!!) an der Handlung ändern! Das ist für einen Krimi, bei dem eigentlich der regionale Ermittler im Mittelpunkt stehen sollte, schon eher bedenklich. Apropos Regionales: sieht man diesen Film, so hat man eher den Eindruck in einer österreichischen Produktion zu sein, denn sämtliche Hauptfiguren werden von österreichschen Darstellern (Marianne Nentwich, Walter Kohut, Louise Martini (+Walter Schmidinger in einer Nebenrolle)) dargestellt, der Regisseur und der Autor sind ebenfalls Wiener und der Dialekt der Bundeshauptstadt ist im Prozentanteil sicherlich 75% präsent, dem gegenüber stehen etwa 15% Bairisch und der Rest Hochdeutsch. Überhaupt ist der ganze Film kein wirklicher Krimi, vielmehr eine Art Komödie mit kriminalistischen Anleihen.
    Bayern wird durch kurze - aber humorvolle - Auftritte beinahe sämtlicher Volksschauspieler repräsentiert: neben Helmut Fischer und Willy Harlander als Kriminalassistenten sind da etwa mit dabei: Walter Sedlmayr als Brauereibesitzer, der immer donnerstags eine Prostituierte aufsucht und seine Impotenz auf das heiße Wetter zurückführt, Rosl Mayr als Ladenbesitzerin, Hans Stadtmüller als betrunkener Kneipengast, Franziska Stömmer als Wirtin, Maria Stadler, Willy Schultes und und und.
    Dass der Film in die Reihe gehievt wurde, dürfte wohl mit der originellen Darstellung des Oberinspektors Veigl zu tun gehabt haben, aus der man später noch etwas machen wollte: der griesgrämige Urbayer, der seinen Dackel Oswald in der Aktentasche mit ins Büro nimmt und dem er Bier statt Wasser (das er angeblich nicht kennt, nur im Tee mit Rum!) gibt, weiß zu unterhalten. Das Gespann Veigl & Oswald ist sicherlich eine besonders einfallsreiche Variante, einen Kommissar darzustellen.
    Der Film von Michael Kehlmann, der (in der Tatort-Geschichte einmalig?) mit versetztem Vorspann beginnt, wirkt heute als Krimi angestaubt, als Sammelsurium an originellen und witzigen Sprüchen und skurrilen Figuren jedoch unterhaltsam. Als Tatort ist Münchner Kindl jedoch völlig unbrauchbar, zumal ihm das Lokalkolorit beinahe gänzlich fehlt, der Film zu 90% aus Studioszenen besteht und das Münchnerische nur am Rande vorkommt.
    Der aktuelle Münchner Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl meinte über die Folgen aus den 1970er-Jahren, dass diese nur "unter musealem Aspekt" zu genießen seien. Das stimmt nur bedingt, trifft aber auf diesen ersten Veigl-Fall sehr gut zu. Es ist sicherlich auch kein Wunder, dass man 16 Folgen lang warten musste, ehe mit Folge 30 Weißblaue Turnschuhe der erste richtige Fall des Münchner Oberinspektors auf Sendung ging!


    Eine der wenigen Außenszenen ist dann ja auch die, bei der Veigl um ein Haar auf die Entführerin und den Zuhälter trifft. Als er mit seinem Dackel und den sinngemäßen Worten „das war nichts heute. Gemma heim“ offenbar in den wohlverdienten Feierabend spaziert biegen die beiden im Auto um die Ecke, um den Bruch in das Friseurgeschäft auszubaldowern. Das dürfte im Film tatsächlich die einzige „Annäherung“ der Ermittler an die Täter gewesen sein. Irgendwie auch schon wieder grandios, witzig und ziemlich einzigartig im Tatort Kosmos. Sehe den Film als unterhaltsame Abweichung vom Üblichen als recht gelungen an, gerade weil man stets in der Schwebe zwischen Komödienstadel und möglicherweise großem tragischen Thrill gehalten wird…

  • Ode to GubanovDatum26.01.2026 16:10
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Ode to Gubanov

    Die Tür ist auch ein gutes Beispiel für das was ich versuche zu umreißen. Der Film wartet aus meiner Sicht mit einer Fülle von atmosphärisch so gelungenen Einzelszenen (auch die Szenen in der Wohnung des Inspektors seien als Beispiel angeführt) auf, dass ich über mögliche Mängel des Gesamtkonstrukts leicht hinwegsehen kann. Gehört für mich auch zu den ganz großen Filmen und gefällt mir aus dem genannten Grund auch besser als das Gasthaus.

  • Ode to GubanovDatum24.01.2026 20:45
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Ode to Gubanov

    Zum Thema Wallace-Vorlieben im Laufe der Zeit kann ich beisteuern, dass ich mir offenbar weitgehend treu geblieben bin, auch wenn man natürlich manches rationaler sieht und viele Effekte naturgemäß ihre Wirkung eingebüßt haben.
    Habe jetzt nochmal meine Aufzeichnungen anlässlich der Erst- bzw. Zweitsichtung als Jugendlicher anno 1997/98 angeschaut und siehe da, meine auch heute noch bestehende Zuneigung zum grünen Bogenschützen äußerte sich bereits damals in der Benotung „1+“, das hatten damals sonst offenbar nur der rote Kreis, die toten Augen und die Narzissen erzielt. Auch diese Filme schätze ich nach wie vor sehr. Ich war selbst überrascht, dass ich das damals bereits so klar formuliert hatte. Das Gasthaus dagegen wurde damals eher als Durchschnitt betrachtet, „lebt von einer inneren Spannung, die nicht jedem gefällt.“ Hier würde ich heute aus vernünftiger Würdigung der gelungenen Melange aus Wallace-Inhalten etwas höher gehen. Der beste Wallace-Film war oder ist es für mich aber zu keinem Zeitpunkt. Oftmals sind es ja meines Erachtens gelungene atmosphärische Einzelszenen, die gar nicht mal sehr raumgreifend lang sein müssen, um einem Film die nötige Stimmung und Anmutung zu verleihen und diesen so entsprechend aufzuwerten und zu tragen, da die Wirkung in die restlichen Szenen reinhallt. Der Frosch beispielsweise wird für mich durch sehr gelungene Einzelszenen sehr aufgewertet, alleine die kurze Szene mit dem nächtlichen Treffpunkt bei den Eichen.
    Geändert hat sich tatsächlich grundlegend bei mir nur die inzwischen deutlich positivere Haltung zu den späten Giallos, die ich jetzt eher goutieren kann, auch wenn ich einzig die Stecknadel so richtig gelungen finde von den Edgar Wallace Giallos.

  • Auch Pretty Boy Floyd war eine reale Person, wurde sogar in einem Song von Woody Guthrie verewigt. Mir im Ohr ist jetzt speziell die Coverversion der Byrds vom vorzüglichen „Sweetheart of the Rodeo“ Album von 1968. Überhaupt sind das klassische Gangster-Namen, die Inspiration würde ich jetzt nicht an diesem einen Film festmachen… Möglicherweise natürlich übernommen die lapidare Vereinfachung „der schöne XY“, andererseits liegt es eben auch sehr nahe bzw. ist keine rechte Alternative denkbar.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum05.09.2025 21:10

    Die auf wenige Handlungsorte und letztlich auch Personen beschränke Dramaturgie im Stile eines (erweiterten) Kammerspiels und der beinahe etwas fremdkörperhaft wirkende und von der restlichen Handlung abgesetzte und in sich abgeschlossen abgewickelte Handlungs-Seitenstrang sind mir schon früh aufgefallen und leicht negativ aufgestoßen. So liefert die Nebenhandlung in der Tat ein paar beinahe stilbildende Bilder und Szenen aber sie wirkt irgendwie sehr unmotiviert in die Handlung eingeflickt. Dennoch bin ich andererseits froh, dass es die Nebenhandlung gibt, denn sonst wäre der Film für mich noch eindimensionaler als er es ohnehin schon ist. Ein kleine „Schauplatzerfrischung“ gibt es noch als Drache kurz vor Ende mit Rütting an der „Themse“ spricht. Zwar strahlt der Film eine tolle Wohlfühl-Atmosphäre aus, aber er weist für mich nicht die Melange aller Handlungsingredenzien und die Abwechslung eines typischen Wallace aus. Dieses Problem habe ich auch mit Neues vom Hexer, obwohl da ja schon einige Schauplätze aufgefahren werden. Für mich ist der Zinker daher stets nur im Mittelfeld der Filme angesiedelt…

  • Entspannung durch HochspannungDatum28.07.2025 19:52
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Entspannung durch Hochspannung

    Ich würde dennoch sagen, wenn ich mich in meine Zeit als junger Wallace-Novize versetze und mich an die Erstsichtung erinnere, dass man Christopher Lee und seine Sprüche als durchaus amüsant empfunden hat und trotz der durchaus rauen Foltermethoden den Charakter schon als klassischen comic relief interpretierte. Überhaupt ging es zumindest mir so, dass man das unterschiedliche Naturell der Filme zunächst gar nicht so bewusst wahrnahm: die Narzissen kamen mir längst nicht so nüchtern und düster vor wie sie vergleichsweise natürlich schon sind, wie auch zum Beispiel umgekehrt der Bogenschütze zunächst weitaus weniger parodistisch wahrgenommen wurde. Beide Filme gehören aber nach wie vor von Angang an zu meinen Favoriten, so unterschiedlich sie auch sein mögen…
    Der einzige Film an dem ich mich erinnern kann, der bei der Erstsichtung gleich bereits einen (leider eher unangenehmen) anderen Eindruck hinterließ war tatsächlich die Gruft mit dem Rätselschloss (die zum Teil deutlich abweichenden Farbfilme wie Nonne und die Giallos jetzt einmal außer Betracht gelassen). Diesen Film fand ich irgendwie bedrückender als die anderen…
    Ging Euch das auch so, dass man anfangs weniger unterschied?

  • Entspannung durch HochspannungDatum17.07.2025 22:55
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Entspannung durch Hochspannung

    Schürenberg ist im Zinker auch noch viel rationaler und nicht so übertrieben wie sonst zum Teil, er gibt hier eher den bodenständigen Widerpart zu den anderen (vor allem zu Arent) und wirkt aber auch in dieser Funktion bereits überragend witzig.

  • Entspannung durch HochspannungDatum17.07.2025 22:45
    Foren-Beitrag von Mr Keeney im Thema Entspannung durch Hochspannung

    Toller Thread, sehr interessant mal den Fokus ausschließlich darauf zu legen.
    Nach der heutigen Sichtung des Zinkers auf 3Sat bin ich schon gespannt auf Deine Ausführung zu diesem Werk. Hier gibt es diesbezüglich wirklich reiche Ernte: Arent, Windeck, Schürenberg und gar nicht zuletzt Drache trumpfen richtig auf und die Dichte weitgehend gelungener Gags ist wirklich erstaunlich hoch. Deplatziert und nicht zündend ist eigentlich nur (wieder mal) der allerletzte Schlussgag mit dem Satz des verstorbenen Gatten. Ansonsten finde ich den Film unter diesem Aspekt schon fantastisch. Ich freue mich bereits sehr auf Deine weiteren Beiträge zum Thema,

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum17.07.2025 22:30

    Folge 91: Eine Falle für Derrick

    Habe ich jüngst wiedergesehen und war begeistert. Sehr atmosphärischer Beginn in Derricks diesmal irgendwie ziemlich vornehm-streng und barock zugleich wirkender Wohnung mit der geradezu audiovisuell durchs Telefon wabernden Bedrohung. Danach leider keine Bilder seiner nächtlichen Autofahrt aber Entschädigung in Form eines urigen und dem Derrick/Kommissar Fan bereits bekannten Landgasthauses. Derricks Privatwagen wirkt hier schon sehr überraschend und leicht dekadent-yuppiemässig, wie um seine moralische Kredibilität noch etwas zusätzlich zu unterwandern. Anschließend gibt es wirklich mustergültige Ermittlungen, die auch nachvollziehbar zum erhofften Ziel führen. Traugott Buhre darf wieder mal richtig fies schauen und Frau Fink erinnert in ihrer stillen und gleichermaßen resignierten wie bestimmten Autoritären an Frau Flickenschildt in ähnlichen Rollen. Derrick wirkt im Fegefeuer der teilweise allzu hämisch-feixenden Verdächtigungen und Anklagen vielleicht eine Spur zu märtyrerhaft und gottvertrauend, doch immerhin wird seine sonstige scheinbare Arroganz („Ja, ich weiß dass ich nach außen manchmal so wirke“ oder so ähnlich) thematisiert und eingeräumt.

    Natürlich kann man sich über den Sinn der ganzen Falle trefflich streiten, die einen Mann aus dem Verkehr ziehen will, der einzig und alleine offenbar den kompletten Polizeiapparat in die richtigen Geleise im nicht näher ausgeführten Fall „Ludenke“ (herrlicher Reineckername!) zu lenken in der Lage zu sein scheint. Auch greifen die Scharniere der Aufklärung allzu mustergültig ab einem bestimmten Zeitpunkt und jeder erscheint punktgenau an dem Ort, wo die Aufklärer ihn brauchen. Aber gut, es ist eben ein 60minüter und der muss ja auch rechtzeitig aufgeklärt sein. Die Retourkutsche am Ende, die Falle Derricks für den bösen Fallensteller ist jedenfalls ein sehr rundes Ende.
    Für mich definitiv einer der besten Derricks, auch das moralische Schwadronieren über die Situation einer Welt in der sich solch menschliche Abgründe auftun ist hier noch passend und wirkt weniger aufgesetzt als in späteren Folgen dann.
    Mit der ebenfalls bärenstarken Vorgängerfolge „Eine Rose im Müll“ sicherlich eine der besten Paarungen aufeinanderfolgender Episoden der Derrick-Seriengeschichte!

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