Zitat von Ray im Beitrag #232So überrascht der Harald-Reinl-Film mit einigen Härten und einem besonders experimentellen Soundtrack.
Interessanterweise einen ihn diese Härten mit dem "Frosch", auch Reinls Erstling. Bin schon gespannt, was ihr zum "Würger" alles zu sagen habt. Ich werde zum Wochenende mal in die Folge herein hören.
So, eine weitere Film-Lücke ist nun gefüllt. Das Fazit "spezielles Erlebnis" von Percy Lister kann ich nur unterschreiben. Allerdings weit weniger euphorisch. Ich finde den Film eher schwierig. Eigentlich wollte ich gestern Abend mal früher ins Bett gehen, habe mich dann aber doch für den Film entschieden und mein Ersteindruck war "Dafür hättest du den Schlaf nicht opfern müssen". Aber die Neugier hatte eben gesiegt. Wirklich langweilig oder schlecht finde ich den Film im Nachhinein nicht, aber er ist irgendwie schwer greifbar, teilweise artifiziell anmutend und in der Charakterzeichnung sehr konzentriert. Fuchsberger ist da tatsächlich noch die "normalste" oder natürlichste Konstante des Film und noch am ehesten Anker für den Zuschauer. Was nicht zuletzt auch Blackys Art und Spielweise zu verdanken ist. Der Rest schwankt irgendwo zwischen Krimi, (Alb-)Traumwelt und übernatürlichem Grusel.
Marianne Kochs Ausbruch aus ihrem üblichen Rollenschema ist durchaus bemerkenswert, wirkt aber gerade in den Phasen kalter Manie auch manchmal etwas desinteressiert. Von daher kann ich auch jene verstehen, die hier eher Pflichterfüllung von schauspielerischen Verträgen sehen statt echter Spielfreude. Am meisten gestört hat mich die Rolle des Verwalters und den Subplot um dessen Verbrechen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er wenig zum Gegenwartsgeschehen beiträgt und nur dazu da ist, um in Margarets Vorgeschichte auch noch einen unnatürlichen Todesfall einzubauen und ihren Tod am Ende zu rechtfertigen. Hätte man sicher auch anders lösen können.
alles in allem hat mich die Konzeption des Films sehr an "Die Todeskarten des Dr. Schreck" erinnert. In dem Sinne, dass das Geschehen im heruntergekommenen Jagdhaus nur so eine Art Zwischenwelt darstellt und eigentlich alle bei dem Unwetter bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Logisch lässt sich das alles nämlich meines Erachtens sonst nicht erklären.
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #8Etwas unklar und nur spärlich angedeutet sind (mir) indes die Rahmenbedingungen der Handlung: offenbar spielt sich das Geschehen in der USA an der Grenze zwischen zwei Bundesstaaten ab in denen unterschiedliches Strafrecht gilt. Näheres hat sich mir jetzt nicht erschlossen, vielleicht liegt es aber auch auf der Hand und ich bin nur zu unbedarft…
Muss man denn überhaupt mehr wissen? Das reicht doch zum Verständnis der Handlung und des Settings aus.
Das Fernsehspiel hat eher etwas von einer Parabel als von einem Kriminalfilm. Aber handwerklich sehr beeindruckend für eine Live-Übertragung und von den beiden Hauptdarstellern intensiv gespielt.
Kästner-Bücher haben einen Großteil meiner Kinderlektüre ausgemacht. Bis es dann zu Sherlock Holmes überging und von dort nach Christie und Wallace.
Ich habe jetzt auch mal eure Besprechung von Bloodsport nachgeholt. Den Film selbst kenne ich noch nicht, aber was ihr da zu der Figurenüberzeichnung und Herausstellung einzelner Nationalitäten gesagt habt, hat mich doch stark an "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" erinnert. Wenn mal wieder etwas in Richtung Komödie dran ist, wäre das bestimmt auch mal eine Besprechung wert. Oder "It's a mad, mad, mad, mad world".
Ich habe meine Erinnerung jetzt mal aufgefrischt. Ich hätte es aber auch bleiben lassen können. Der Film hat seine Momente und auch einige der Gags zünden (ich liebe den Satz mit dem "Informationsdefizit"), aber alles bleibt oberflächlich, schablonenhaft und zumindest bei mir bleibt das Gefühl, dass man zwar versucht hat, absurde Komik zu erzeugen, sich dabei aber selbst im Weg stand und dann irgendwie doch den Zwängen der Vorlage unterwarf. Da ziehe ich tatsächlich einige Gottlieb-Klamotten vor, da weiß ich im Vorfeld dass ich mein Hirn ausschalten kann, darf und sollte. Und als Hauptfigur bekommen wir statt eines liebenswerten Exzentrikers einen egozentrischen Psychopathen.
Zitat von Ray im Beitrag #212Es geht weiter mit unserer neuen Staffel! Schon einige Tage online ist unsere Besprechung zur großartigen 1955er-Kästner-Verfilmung "Drei Männer im Schnee".
Drei Männer im Schnee vom 15.01.2026
Die österreichische Adaption des gleichnamigen Romans von Erich Kästner (auch Drehbuchautor) von 1955 um einen im Herzen jung gebliebenen Großindustriellen, der für allerlei Verwicklungen in einem mondänen Grand Hotel in den Alpen sorgt, darf als die gelungenste bezeichnet werden. Dies verdankt sie dem fantastischen Dialogwitz und dem famos aufspielenden Darstellerensemble um Hauptdarsteller Paul Dahlke.
Vielen Dank für die tolle Besprechung eines wunderbaren Wohlfühlfilms! Ihr habt die Stärken sehr gut herausgearbeitet. Der Film ist auch einer meiner Alltime Favorites. Leichte Unterhaltung wird von Kritikern ja gerne mal verschmäht, aber gut gemacht hat es auf jeden Fall seinen Platz in Film und Fernsehen. Zumal die Vorlage von Kästner auch schon dafür sorgt, dass es nicht zu seicht wird. Das Gesamtpaket stimmt eben und die Figuren erhalten gerade durch ihre Zuspitzungen (der naive Hagedorn, der exzentrische Schlüter, der treue Kesselhut, die lasziven Damen, die besorgte Tochter, die altjüngferliche Kunkel) ihr wirklich eigenes Profil und Wiedererkennungswert.
Ich könnte mir auch in keiner Rolle andere Schauspieler vorstellen. Die Besetzung ist auf den Punkt. Wahrscheinlich auch deshalb für mich meine liebste Kästner-Verfilmung. Und mit allen sind Kindheitserinnerungen verbunden. Auch die Schwazrweiß-Filme "Pünktchen und Anton" und "Das doppelte Lottchen" habe ich noch sehr präsent im Kopf, obwohl ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe. Beim "Das fliegende Klassenzimmer" ist es bei mir ebenso, wie von euch gesagt, da kannte ich die Fuchsbergerversion vor der Schwarzweißfassung und spontan könnte ich nicht sagen, welche ich vorziehen würde.
Eine interessante Frage. Vielleicht fällt mir da noch mehr zu ein, aber hier erst einmal ganz spontan: Bei der Gräfin freue ich mich jedes Mal auf das Finale. Die Wallace-Filme sind bisweilen schon ab und an ins Kammerspiel abgerutscht, aber nie so intensiv wie hier. Auch das Ende der Codys in der Tür ist immer ein düster-morbid-tragisches Spannungs-Highlight. Alleine meine vielen benutzten Adjektive zeigen schon die atmosphärische Komplexität dieser Szene.
Zitat von Savini im Beitrag #13Gut, dann habe ich das wohl missverstanden, weil einige der von dir genannten Filme insgesamt 2018 relativ positiv abschnitten.
Dass sich das allgemeine Ergebnis da teilweise mit meinem persönlichen Geschmack gedeckt hat, hat mir natürlich damals sehr gut gefallen.
Zitat von Savini im Beitrag #10Worauf genau bezieht sich das mit den "modernisierenden Motiven" jetzt? Auf die erstmals zu hörende Wallace-Stimme am Anfang? Oder darauf, dass das offenbar in den 60ern sehr beliebte Motiv einer Harpune als Mordinstrument eingesetzt wurde?
Nichts konkretes. Es ist eher die gesamte Anmutung. Man fühlt sich eher in einer Parallelwelt anstatt in die Vergangenheit zurückversetzt. Man spürt schon die 60er Jahre in den Filmen.
Zitat von Savini im Beitrag #10Außerdem erscheint mir die Auflistung etwas seltsam: Die "Tür" musste in der Vergangenheit oft Prügel einstecken, gerade auch durch Joachim Kramp; insofern waren die deutlich positiveren Urteile im Grand Prix von 2018 eine Verbesserung. Aber der "Fälscher" wurde schon früher gelobt, beim "Tuch" fielen die Urteile auch nicht so geschlossen negativ aus.
Wieso seltsam? Es wurde nach persönlicher Vorliebe gefragt und nicht nach einer generellen Einschätzung.
Zitat von Savini im Beitrag #10Gesangseinlagen gab es davor und danach. Hier bezieht sich "ikonisch" wohl in erster Linie auf das spezielle Timbre der Sängerin? Das Erbinnen-Thema war so oft dabei, dass es diesem Film (oder auch seiner Vorlage) nicht unbedingt etwas "Besonderes" verleihen würde.
Auch hier: Es wurde nicht nach dem Besonderen gefragt, sondern warum der Film als Inbegriff gilt. Und gerade das wird doch durch ein (oder mehrere) prägnantes wiederkehrendes Motiv der Reihe unterstrichen.
Zitat von Havi17 im Beitrag #41. Das Gasthaus ist wohl der Inbegriff von Edgar Wallace Film. Wenn ja, warum aus eurer Sicht?
Er vereint als einziger Film die prägnantesten und am meisten beschäftigten Schauspieler (plus Regisseur) der Reihe: Arent, Schürenberg, Kinski und Fuchsberger. Hinzu kommt eine ikonische Gesangseinlage sowie das typische Wallace-Thema einer ahnungslosen Erbin. Dann noch ein Gespür für Atmosphäre und eine beinahe optimale Mischung aus originärem Wallace und eigenen, modernisierenden Motiven.
Zitat von Havi17 im Beitrag #44. Hat sich Eure Vorliebe für bestimmte Wallace Filme über die Jahre verändert, welche wurden für euch später interessant oder interessanter ?
Meine Aufzeichnungen der letzten Wallace-Grandprix' sagen eindeutig: Ja. Klassische, ruhigere und/oder teilweise etwas antiquiert oder nostalgisch wirkende Filme wie die Gräfin, der Rächer, die Tür, der Fälscher und das Tuch haben über die Jahre zugelegt. Zudem hat auch der Halbmond zuletzt einen großen Sprung nach vorne gemacht, weil ich ihn trotz des italienischen Schauplatzes mittlerweile doch ähnlicher zu Wallace finde als die anderen italienischen Koproduktionen. Demzufolge ist die Stecknadel auch gefallen. Ebenfalls abgerutscht sind die Gottliebfilme, die zwar atmosphärisch sind und bis auf die Schlange auch temporeich, aber eben doch auch dramaturgische Schwächen aufweisen, die ich mittlerweile stärker bemerke als früher. Auch gefallen ist der unheimliche Mönch, den ich zwar als Einzelfilm nach wie vor goutieren kann, mir im Zuge der Reihe aber bereits in Farbe gewünscht hätte.