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  • Zitat von Ray im Beitrag #35
    Look und derartige Storys findet man in sehr ähnlicher Form in den genannten Serien (daher wahrscheinlich mangels Bedarfs weniger im Film, jedenfalls fällt mir jetzt spontan keiner ein), die zudem mit überzeugenderen Hauptdarstellern aufwarten können und die nötige Prise (mehr) an Humor haben, um das kuriose Treiben ein wenig aufzubrechen. Daher würde ich eine durchschnittliche Folge dieser Serien stets vorziehen.


    Dann ist es ja umso besser, dass ich noch nie irgendeine Folge dieser Serien gesehen habe. Dann kann ich die Nonne wenigstens noch weiterhin genießen.

  • Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23)Datum05.05.2019 15:10

    Habe ich tatsächlich gestern bei der Nonne noch geschrieben, ich würde die Farb-Vohrers nicht missen wollen? Das muss ich sogleich revidieren. Auf "Die blaue Hand" könnte ich absolut verzichten.

    Die Atmosphäre ist sehr unangenehm. Egal ob Anstalt oder Schloss, alles wirkt schäbig, heruntergekommen und alt wie aus einer billigen Mottenkisten. Was für ein krasser Gegensatz zur frischen, hochwertig ausgestatteten und zeitgenössischen Nonne.

    Und als wären Optik und Ausstrahlung des Films noch nicht genug Geisterbahn-Kitsch, bietet auch die Handlung nichts Neues oder Innovatives. Alles fühlt sich an wie schon mal da gewesen. War es ja auch. Selten fällt es einem kundigen Wallace-Fan einfacher, Parallelen zu ziehen. Sei es das Irrenhaus (Gräfin), das Auslöschen einer Familie (Neues), die Verbrecherpyramide (Neues, Bucklige) oder der Untergebene, der eine reiche Erbin nicht wie besprochen tötet (Bucklige). Und nicht nur, dass man alles schon einmal gesehen hat, man hat es auch besser gesehen. Was zum Beispiel bei der Gräfin - dank Romanvorlage - ausgearbeitete Charaktere waren (die verfolgte Miss Reedle, der versoffene Dr. Tappat) verkommt hierzu reinen Stereotypen. Ohne Leben, nur mit Funktion Myrna als bedrohte Frau, ihre Brüder, um den Body-Count in die Höhe zu treiben. Da können Körner, Danneberg und Parten beim besten Willen nicht gegen anspielen. Beeindruckend immerhin die alte Garde: Steppat, Lange und Bessler. Von Kinskis Doppelrolle merkt man nichts. Bei der finalen Enthüllung möchte man angesichts des bewegungslosen und gefesselten Kinskis gar ebenso wie der Butler kurz zuvor ausrufen: "Eine Puppe!"

    Eine Täter-Enthüllung beinahe ebenso enttäuschend wie die von Philip Curtain. Einzig vom letzten Platz "gerettet" durch die Tatsache, dass diesmal zumindest das Gesicht des Drahtziehers durch den Kniff mit der Doppelrolle durchgängig präsent ist. Wobei man sich fragt, warum das Verschwinden von Richard von der Polizei einfach so hingenommen wird und es keine Anstrengungen gibt, ihn zu finden. Sei es tot oder lebendig. Aber das ist auch nur ein Punkt unter vielen.

    Wie kann der Mörder den Wärter so schnell in die Ritterrüstung stecken?

    Wie konnte Dave neben dem toten Gärtner gefunden werden, wenn dieser doch noch lebt? Selbst wenn man einen Scheintod durch ein exotisches Gift vortäuscht, gibt es doch keinen Mordfall und keine Mordanklage ohne eine Obduktion des Opfers. Oder hatte der Gärtner passenderweise auch einen Zwilling, den man dann stattdessen umgebracht und Dave untergeschoben hat? Was haben Sie sich dabei gedacht, Herr Reinecker?

    Wieso glaubt die Polizei so schnell an Daves Unschuld? Gut, er kann seine Schwester nicht selbst attackiert haben, aber das haben die eigentlichen Drahtzieher schließlich auch nicht getan und sind trotzdem schuldig.

    Warum hat Mangrove Bericht und Tagebuch von Schwester Dairen nur weggesperrt und nicht direkt vernichtet?

    Warum hat die Polizei Schwester Harris nicht direkt mitgenommen und von einem unabhängigen Arzt untersuchen lassen?

    Was steht in dem Telegramm aus New York, das eine sofortige Razzia des Irrenhauses rechtfertigt? Wahrscheinlich, dass Lord Emerson im Ausland wohlhabend verstorben ist und seinen Kindern alles vermacht hat. Aber wo ist da die Verbindung zum Irrenhaus?

    Fazit
    "Recycling"-Wallace direkt vom Sperrmüll. Und da sollte man ihn auch lassen.

  • Sehr britisch und zugleich sehr international. "Das Geheimnis der weißen Nonne" zeigt uns sehr eindrücklich, was hätte sein können, wenn die Wallace-Reihe ihren deutschen Schuhen auf Dauer entwachsen wäre. Dass es nur bei einem einmaligen "Ausflug" blieb, muss wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet werden. Fehlt der Nonne zwar zum einen die wohlige Gruselatmosphäre der rein deutschen Produktionen, muss man feststellen, dass auch die deutschen Filme, die folgen sollten, weder viel mit dem Roman-Wallace noch mit den packenden Thrillern der Anfangsjahre zu tun haben und stilistisch immer mehr auf der Stelle traten. Von daher lautet mein Urteil auch: Schade, dass es ein einmaliges Experiment geblieben ist. Das soll nicht heißen, dass ich die Vohrer-Farbfilme gerne missen würde, aber eine Art Parallel-Serie dazu wäre sicher sehr spannend gewesen.

    Ansonsten ist natürlich schon ziemlich viel zu dem Film gesagt worden, so dass ich mich jetzt auf kurze Einwürfe beschränken werde.

    - Titelmusik als eigenständiges Stück eher nichtssagend
    + Score als Ganzes sehr gelungen
    + brutales, realistisches, effektives Vorgehen der Gangster
    - dadurch allerdings weniger sympathisch als die doch relativ gewaltlosen Gauner im Verrätertor, Nonnen sind eben keine Gentlemangangster à la Trayne
    + große Spielfreude bei der Damenriege, punktgenau gesetzte Akzente bei den Herren
    - Schürenbergs überflüssigster Wallace-Auftritt
    - Anfang etwas schleppend, der Film kommt erst mit dem Auftritt von Arent in einen wirklichen Fluss
    + gegen Ende zieht die Spannung gut an
    + die - auch und besonders von Arent getragene - gespannte Atmosphäre in der Bank sorgt förmlich für Knistern in der Luft
    - die Taten des maskierten Mörders wirken im Vergleich mit den vielen Gas-Toten letztendlich sehr unerheblich, was dem Whodunnit ebenso schadet wie die Tatsache, dass er nur zwei Anfangsmorde begeht und dann aus der Geschichte verschwindet, wo er doch sehr gut auch Hamlyn und/oder Clossen hätte töten können
    - ebenso unter dem missglückten Whodunnit leidet der Charakter des Luke Emberday, dessen augenscheinliche Rolle die des roten Herings in Bezug auf die Identität des maskierten Mörders ist, verschenktes Potential
    + einer der Gangster war bereits ein Gangster im Dreieck und beide Male muss er sterben
    - überzeugt das Finale in seiner Dramaturgie, gibt es bei der Logik jedoch Abzugspunkte, da würgt ein Mann eine Frau und keiner tut etwas bis plötzlich die Mutter schießt, keiner kommt auf die Idee trotz Überzahl dazwischen zu gehen oder den schon bei Cooper-Smith erprobten Holzhammer zu benutzen, dämlich und unglaubwürdig
    + die Kritik an dem gelben Schutzanzug etc. kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, empfinde das aber absolut nicht als störend, sogar im Gegenteil, ein bisschen Phantastik gehört schon seit jeher zu Wallace dazu

    Ist die Musik beim Badewannenmord eigentlich ein bereits existierendes Stück gewesen oder eine Eigenkomposition von Thomas? Weiß das jemand?

    Fazit
    Hochwertiger und temporeicher "Brit-Wallace", dem zwar die typische Düsterkeit fehlt, der dafür aber mit einer knalligen Sixties-Atmosphäre und internationalem Flair punkten kann, auch wenn letztendlich im Vergleich mit ähnlichen Produktionen zu wenige eigenständige Qualitätsakzente gesetzt werden können.

  • Zitat von schwarzseher im Beitrag #12

    Ich habe eher den Eindruck das "Hauptsache anders " als Qualitätsmerkmal gesehen wird.


    Nachdem Gubanovs Rezension jetzt nicht mehr die einzige mit einer hohen Punktzahl ist, ist das natürlich ebenfalls eine valide These. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass gerade die Nonne so sehr polarisiert.

  • Ich weiß nicht. Manchmal bekommt man hier echt den Eindruck, dass für einen Teil der Wallace-Fans automatisch gilt "anders = schlecht".

  • Zitat von TV-1967 im Beitrag #25
    Ich fande Meyerinck auch im "Buckligen" und "Neues vom Hexer" gelungen. Als "Yard-Chef" leider vollkommen fehlbesetzt.... aber vielleicht lag das ja auch an den Autoren!



    Signed!

    Ich bin ziemlich sicher, dass es an den Autoren lag. Diesem lüstern-vertrottelten Yard-Chef hätte auch Schürenberg die Würde nicht mehr zurückgeben können, trotz aller Sympathie.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #22
    So ähnlich habe ich das ja hier jetzt schon mehrfach gelesen. Findet ihr wirklich? Für mich kommt Meyerinck hier dermaßen peinlich übergeschnappt vor, dass ich ihn durchaus als filmschädliches Element betrachte, gerade weil die Auflösung dadurch nicht einmal den Hauch von Glaubwürdigkeit hat.


    Das mit der Glaubwürdigkeit liegt aber weniger am Charakter sondern an der Inszenierung bzw. Dramaturgie. Der General wird uns immer nur bei seinem "bekloppten Hobby" gezeigt, damit der Überraschungseffekt am Ende größer ist. Charakterlich ergibt es durchaus sehr viel Sinn, wenn ein ehemaliger Straflager-Kommandant mit wenig Empathie ein Mädchenheim in ein Arbeitslager verwandelt und die Insassinnen als Ware und als ersetzlich ansieht.

    Viel interessanter finde ich mittlerweile die Frage, wieviel seine Frau eigentlich gewusst oder geahnt hat.

  • Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #139
    Immerhin findet er ja dann irgendwie auch fix die Wurfmesser mit dem silbernen Dreieck am Heft, man fragt sich, warum das nicht die Polizei fertig gebracht hat, die doch auch den „gesamten Zirkus“ auf der Suche nach dem gestohlenen Geld umgekrempelt hat.


    Das ist der Synchronisation geschuldet. Im Original ist es die Polizei. Aber der deutsche Verleih wollte wohl Drache als "Held" haben.

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #139
    Wie hat er es außerdem geschafft, vor der Polizei den gesuchten Löwenbändiger aufzustöbern und zu eliminieren ?


    Drache ist auf der Wache als dort das Gespräch auf die Wälder kommt. Diese Info gibt er draußen an den wartenden Direktor und Eddie weiter. Die haben also schon ein wenig Vorsprung vor der Polizei.

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #139
    War das nicht schon fast Mord ?


    Mit Sicherheit. Da spielte bestimmt auch Rache für Gina mit hinein. Aber wenn böse Menschen dadurch getötet werden, ist das bei Wallace ja legitimiert (siehe Hexer oder Roman-Bogenschütze).

  • Zitat von greaves im Beitrag #13
    Entweder hätte man den Buckligen noch s/w machen sollen


    Es hindert dich nichts daran, die Farbe am Fernseher bei der nächsten Sichtung herunter zu drehen.

    Hat das eigentlich außer mir schon mal jemand gemacht, sich die Farbfilme alle mal in Schwarzweiß anzuschauen? Wobei das bei mir auch schon ein paar Jahre her ist. Ausnahme jetzt der Bucklige. Den hatte ich jetzt noch einmal in beiden Variante geschaut.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #6
    Ein Darsteller, drei Regisseure, drei suboptimale Auftritte. Schlussfolgerung: Es liegt nicht an dem einen Darsteller, sondern an den drei Regisseuren.


    Mit dem Unterschied, dass ich Arents Leistungen gar nicht so suboptimal finde. In Dreieck und Nonne habe ich nichts auszusetzen. Im Mönch spielt er die Faszination für Gwendolyn eventuell etwas deutlicher aus als nötig gewesen wäre. Aber wenn er es unterspielt hätte, wäre seine Motivation für die Morde noch unglaubwürdiger gewesen als sie es sowieso schon ist. Von daher durchaus wichtig für das "Aha-Erlebnis" am Ende. Und im Buckligen ist er nicht der einzige, der überspielt. Da kann das nur vom Regisseur so gewollt sein.

    Aber wie alles im Leben ist das natürlich sehr subjektiv.

    Und dass Arent ein oscarreifer Darsteller ist und Abhängigkeit vom Regisseur nicht auch Schattenseiten hätte, habe ich hoffentlich nie behauptet.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #4
    Du scheinst ja aber auch frühlings- oder ostermild gestimmt zu sein, wenn ich mir das Urteil anschaue.


    Wie milde ich tatsächlich gestimmt bin, wird man dann beim nachfolgenden Wallace-Grandprix sehen. Ich vergebe jetzt mit Absicht noch keine Punkte. Da ich so gesehen aber alle Filme irgendwie mag (okay, die Orchidee fand ich bei dieser Sichtung jetzt tatsächlich bis auf die Szene im Tresorraum langweilig), hoffe ich, dass meine Rezensionen auch entsprechend "versöhnlich" ausfallen.

    Vieles von dem, was du sagst kann ich auch unterschreiben. Nach der kürzlichen Sichtung von Dreieck und Mönch fällt natürlich der von dir genannte "herbe Umbruch" absolut deutlich ins Auge. Die Reihe der eigentlichen deutschen Wallace-Verfilmungen endet tatsächlich mit dem Mönch. Ab dem Buckligen haben wir quasi das neue Genre des German Exploitation Crime, mit dem sich die Reihe plötzlich selbst konterkariert oder karikiert.

    Ob man dann Spaß dabei hat, den Schauspielern zuzusehen, hängt natürlich davon ab, wie sehr einen persönlich Overacting stört. Und ich finde es in diesem Fall durchaus unterhaltsam (bis auf Teege, dessen Rolle besonders unter dem dämlichen Schlussgag leidet, der die vorher durchaus vorhandenen ernsten Ansätze letztendlich komplett ad absurdum führt). Was jetzt speziell die darstellerische Leistung von Eddi Arent angeht, muss ich insbesondere nach den letzten drei Filmen feststellen, dass die Schuld für missglückte Interpretationen hauptsächlich bei den Regisseuren liegt. Der Vohrer-Reverend ist plakativ wie der ganze Rest des Films, der Reinl-Pedell offenbart wie auch die Schlussszene eine überdeutliche Romanzenseeligkeit, während Arents überzeugendste Täterrollen klar bei den nüchternen Briten zu finden sind. Ich halte ihn daher nicht für einen schlechten, sondern einen sehr flexiblen Schauspieler, in dessen Darstellung man so gut wie immer auch die Handschrift des Regisseurs erkennen kann.

    Was sich in seinen komödiantischen Wallace-Rollen meines Erachtens ebenfalls zeigt, immerhin scheint er auch gerade unter Gottlieb als besonders nervig zu gelten.

  • Ich dachte, ich wäre dieses Mal der erste, weil ich gestern schon vorgeschrieben habe. Aber Gubanov hat es wohl ähnlich gemacht und dann noch den Vorteil des Thread-Starters ausgenutzt. Es sei ihm gegönnt.

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    Und damit nun zum ersten Farb-Wallace in deutscher Sprache. Zu konstatieren ist: Die Optik mag zwar bunter werden, die Welt an sich ist allerdings schwarzweißer. Bis auf die möglichen Drahtzieher (General Perkins samt Frau und Butler) sind alle Charaktere ganz klar abgesteckt, was Gut und Böse angeht. Das ist eigentlich sehr schade, denn das Spiel mit dem Zwielicht hat bei manchen der früheren Filme maßgeblich zur Atmosphäre beigetragen. Aber mit der Farbe wird eben auch alles plakativer (Bordell, Mädchenheim mit einer Wäscherei wie aus einem Arbeitslager zu Dickens‘ Zeiten und einer verschämten Duschszene). Die Filme werden zeitgeistiger und büßen damit gleichzeitig ein gutes Maß an Zeitlosigkeit ein.

    Wobei fraglich ist, wie zeitgeistig irgendwie billig und unecht aussehende Kulissen sind. Man ist auf einmal in einer ganz anderen Wallace-Welt als man es bisher gewohnt war. Der Wechsel hin zu diesem anderen Stil fällt zudem umso schwerer, da man durchaus merkt, dass man selbst noch nicht wirklich zu einem perfekten neuen Stil gefunden hat. Da war – wie auch einige der Nachfolgefilme eindrücklich beweisen – noch Luft nach oben.

    Was gleichbleibend gut ist (mit üblichen leichten individuellen Schwankungen), sind allerdings die Darsteller. Vohrer ist da durchaus ein sicherer Schauspielerführer und die meisten Darsteller auch schon Wallace-erfahrene Kräfte. Gerade die bösen Herren und Damen (Braun, Arent, Levka, Sessak, Uhlen) dürfen richtig schön aufspielen. Auch die Mädchen überzeugen und sind dieses Mal nicht nur bloße Staffage wie noch im Hexer oder teilweise im Mönch. Am meisten gefallen hat mir allerdings die alte Garde: Schürenberg, Windeck und von Meyerinck. Während ersterer sowohl als Komödiant als auch als Scotland-Yard-Chef funktioniert, haben letztere die Rollen erwischt, in denen sie facettenreicher spielen dürfen, weil ihre Figuren bis zum Finale in der Schwebe gehalten werden. Und zu dritt sind sie einfach nur wahnsinnig unterhaltsam. Weniger Glück mit seiner Rolle hat Joachim Teege erwischt. Er spielt zwar tapfer dagegen an und überzeugt auch gerade in den Situationen, in denen er bedroht wird, ist in fast allen anderen Szenen aber leider nicht ganz ernst zu nehmen. Verschenktes Potential. Einen besseren Eindruck macht da schon Günther Stoll, wobei ich dennoch konstatieren muss, dass er mich eher als profilierter Nebendarsteller überzeugt und weniger als Hauptermittler.

    Zum Plot ist zu sagen, dass er weitaus schlüssiger ist als noch bei Neues vom Hexer. Anstatt für die Ermordung mehrerer Personen extra eine ganze Organisation ins Leben zu rufen, wird hier eine bereits bestehende Organisation genutzt, um eine missliebige Erbin verschwinden zu lassen. Wirklich funktionieren tut der Film trotzdem leider nur, weil die Verbrecher sich nicht nur gegenseitig übervorteilen wollen, sondern im entscheidenden Augenblick einfach nur dumm sind. Und nicht nur die Verbrecher, wie die Tatsache, dass Sir John Wanda auf dem Foto nicht erkennt, beweist.

    Prominentestes Beispiel ist natürlich als Alan Davies dem Reverend den Aufenthaltsort von Wanda Merville verrät. Auch dass Wanda den Reverend belasten könnte, ist nichts weiter als bloßer Bluff von ihm (oder Schludrigkeit des Drehbuchautors), kennt Wanda doch auch nur die gute Seite des Reverends, sonst wäre sie am Ende nicht bei ihm eingestiegen. Außerdem war es pures Glück, dass es dem Reverend offenbar egal war, wie das Mädchen tatsächlich aussieht, das da beseitigt werden sollte. Sonst wäre seine Eigenmächtigkeit schon bei dem Besuch von Lady Perkins aufgeflogen.

    Eine Mischung aus Dummheit und Autorenversagen bietet dann der Reverend. Er will bei Alan Davies Selbstmord vortäuschen, schießt aber zweimal auf ihn. Aber anstatt dass dieser Umstand dann zu seiner Überführung führt, ist es stattdessen dieser dämliche Hörer. „Der war ja gar nicht aufgelegt.“ – „Woher wissen Sie das?“ Wenn der Reverend mit Davies telefoniert hat als der Schuss fiel, dann weiß er natürlich, dass der Hörer zu diesem Zeitpunkt nicht aufgelegt war. Wenn der Hörer hinterher aufgelegt war, der Tote es selbst aber nicht mehr konnte, dann muss ein anderer den Hörer aufgelegt haben. Aber das muss nicht der Mörder getan haben (hat er auch nicht) und ist daher weder ein Beweis für einen Mord noch ein Gegenbeweis für das angebliche Telefonat.

    Und wer hat eigentlich aus welchem Grund auf den Wagen mit dem Inspektor und der falschen Wanda Merville geschossen? Letztere wurde zu dem Zeitpunkt doch noch gebraucht, um das Erbe einzustreichen.

    Alles in allem ist zu konstatieren: Farbe an, Hirn aus. In diesem Film macht ohnehin keiner was er soll. Alan Davies tötet nicht Wanda Merville. Bei der Razzia befiehlt der Reverend dem Buckligen „Nimm sie mit“, dieser erwürgt sie stattdessen. Und nach der Razzia ruft Sir John „Mir nach“, wird aber aufgrund von Befehlsverweigerung seitens des Inspektors und des Sergeants beinahe selbst Opfer des Würgers. Dass dieser dann nicht stirbt als er es soll und Emily für einen Anteil am Erbe ihre Hintermänner verraten will, sind demgegenüber dann auch nur noch Peanuts. Und die Musik trägt auch nicht dazu bei, den Film wirklich ernst zu nehmen.

    Fazit
    Die Phase der bunten Wallace-Sausen beginnt dann doch trotz erprobter Kräften mit einigen Startschwierigkeiten. Tempo und Schauspieler lassen jedoch über das ein oder andere gütig hinwegsehen. Mein Tipp: Unbedingt in Schwarzweiß schauen. Der Bucklige wirkt dadurch nicht nur weniger billig, es kommt sogar noch altes Wallace-Gefühl auf.

  • Weiß man eigentlich warum es überhaupt zwei unterschiedlich lange englische Fassungen gibt?

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #18
    Nein, du scheinst eine grob gekürzte Fassung zu besitzen. Die Laufzeitunterschiede kannst du hier nachlesen.


    Stimmt. Ist die Kinowelt-DVD. Aber trotzdem war die Farbversion besser. Kommt eben nicht nur auf die Länge an.

  • Ah, da ist ja auch endlich der lang erwartete Verriss.

    Ich selbst würde zwar wahrscheinlich mehr Punkte als 1,5 geben, aber es ist sehr schön zu sehen, in wievielen Dingen @Dr. Oberzohn und ich übereinstimmen.

  • Zitat von Count Villain im Beitrag #10
    Nach der heutigen Doppel-Sichtung (schwarzweiß, danach erstmals in Farbe)


    Ich muss mich korrigieren. Ein Blick in den Bewertungs-Thread hat gezeigt, dass ich die Farbversion tatsächlich schon Ende 2013 zum ersten Mal gesehen habe. Vollkommen verdrängt.

    Interessant auch, dass die deutsche Version nicht nur durch den Schnitt (z. B. Happy-End-Einstellung), sondern auch durch die Synchro für den deutschen Markt angepasst wurde. So ist es am Ende natürlich nicht die Polizei, sondern Heinz Draches Charakter, der die Wurfmesser gefunden und die Idee zur Überführung hatte.

    Wobei ich mich da frage, warum man diesen Mummenschanz überhaupt aufführt und den Mörder nicht direkt aufgrund der gefundenen Messer festnimmt. Wäre es nicht eine logischere Alternative gewesen, man hätte die Messer nicht gefunden und nur so getan als ob, indem man Duplikate auf den vermeintlichen Mörder wirft, um ihn so zu einem Geständnis zu bringen?

  • Nach der heutigen Doppel-Sichtung (schwarzweiß, danach erstmals in Farbe) muss ich folgende zwei Dinge für "Das Rätsel des silbernen Dreieck" konstatieren. Erstens: Der Film ist für mich kein Wallace-Film. Und zweitens: Die englische Farbfassung ist in jedem Fall vorzuziehen.

    Trotz Kinski, Arent und Drache, trotz Schwarzweiß und trotz eines ähnlich gelagerten Sir John wirkt der Film selbst in der deutschen Fassung von der Machart her eher wie englische Kriminalfilme jener Zeit (Geheimnis im blauen Schloss, Miss Marple etc.). Auch sämtliche englischen Rialto-Koproduktionen hatten einen höheren Wallace-Faktor (allein schon, weil die frühen sich noch an den Romanen orientierten), so dass dieser Film für mich weit mehr für britischen Krimi steht als für die deutsche "Edgar-Wallace-Wave". Bei diesem Film unterschreibe ich das Statement, dass die Briten die Faszination des "German Grusel" nicht verstanden haben. Hier springt Harry Alan Towers einfach nur auf den fahrenden Zug auf und der deutsche Verleih betreibt mehr oder weniger Etikettenschwindel (ziemlich großen, wenn man bedenkt, dass beim deutschen Vorspann Regisseur Moxey komplett unter den Tisch fällt).

    Das einzige wirkliche Wallace-Feeling hatte ich bei dem Film am Anfang bei dem Raub und den Ereignissen kurz danach. Genau dort knüpft es auch ziemlich stark bei der letzten Koproduktion "Das Verrätertor" an. Wo "Tor" mit eine genialen, astrein verlaufenen Coup endet, beginnt das "Dreieck" just damit. Kinskis Charakter könnte sogar glatt derselbe sein und ist obendrein seine überflüssigste Wallace-Rolle ever.

    Just dieser Umstand (der mit dem Coup, nicht der mit Kinski) führt auch dazu, dass die Ermittler wieder eine größere Rolle einnehmen und mit Leo Genn ein sympathisches, joviales und kompetentes Gesicht bekommen. Überhaupt fühlen sich die Ermittlungen der Polizei sehr realistisch und glaubwürdig an. Hier ermittelt kein junger, aktionistischer Superermittler, sondern ein Mann, dem man seinen Beruf und sein Pflichtbewusstsein abnimmt. Aber gerade die britisch produzierten Wallace-Filmen der deutschen Reihe zeichneten sich dahingehend bisher immer durch eine größere Nüchternheit aus.

    Inspektor Elliott zählt am Ende drei Fehler oder "Unglücke" des Täters auf (Masons Schuss, Boris' Fund des Geldes, sowie der Fund der Wurfmesser). Ich möchte zwei ergänzen: Er hätte Masons Leiche besser verstecken sollen und vor allen Dingen hätte er über seinen Schatten springen und gegen das "Zirkusgesetz" verstoßen müssen. Immerhin kommt man nur auf seine Spur, weil er seine Messer zurückgelassen hat. Warum er überhaupt die einfach identifizierbaren Messer seines Vaters verwenden musste, ist ebenfalls ein Rätsel. Ohne seine stümperhafte Vertuschung des Mords an Mason hätte er sich den Mord an Gina sparen können. Wenngleich sie auch selbst nicht ganz unschuldig an ihrem Tod ist. Immerhin war sie dabei, als dem Inspektor das Mordmesser gebracht worden ist. Hätte sie mal direkt etwas gesagt. Es ist immer etwas schade, wenn gewisse Dinge in einem Krimi nur funktionieren, weil die Figuren übermäßig fehlerhaft und unlogisch vorgehen. Da wird ein Raubüberfall sorgfältig geplant, aber bei einem Mord, wo es um den eigenen Kopf geht, da wird dann gestümpert. So genial ist der Täter dann wohl doch nicht.

    Zugute kommt es aber sowohl dem Film als auch dem Schauspiel von Eddi Arent, dass er anders als im Mönch dieses Mal lebendig überführt werden darf. Das macht sowohl seinen Charakter als auch seine Motive viel greifbarer. Und ja, wenn man das Dreieck gesehen hat, dann kann man Arents Spiel im Mönch, bzw. sein stilles Anhimmeln von Karin Dor nur als zu theatralisch oder überhöht einstufen (ob einen das dann stört, ist dann natürlich eine andere Frage). Allerdings würde ich dafür nicht Arents Schauspielerei, sondern vielmehr den Regisseur verantwortlich machen, da auch andere Rollen im Mönch an Überzeichnung leiden.

    Aber zurück zum Dreieck. Ein bisschen schade ist es, dass mit der Autoverfolgungsjagd ein Action-Highlight schon ziemlich früh im Film verfeuert wird und die Stimmung des Films ab dann mehr oder weniger komplett in eine andere Richtung kippt. Und wo ich gerade beim Thema bin, auch noch eine Frage von mir: Wer hat der Polizei den Tipp mit dem Lieferwagen eigentlich gegeben? Und warum?

    Und war die Farbfassung im Vergleich mit der Schwarzweiß-Fassung immer schon an so vielen Stellen geschnitten? Da fehlten einige Stücke mit Arent, Drache und Lee. Apropos Lee. Dieser sollte ein paar Jahre später einen weiteren verbrecherischen Charakter mit Zirkusvergangenheit und starker Tierliebe verkörpern: Francisco Scaramanga in "Der Mann mit dem goldenen Colt". Interessante Gemeinsamkeit der Figuren.

    Fazit
    Als Wallace-Film "Das Rätsel des silbernen Dreieck" mager, kann "Circus of Fear" als britischer Kriminalfilm seiner Zeit durchaus mit einigen Meriten aufwarten. Nicht zuletzt - und noch gar nicht genannt! - mit der traumhaften Musik von Johnny Douglas.

  • Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #4
    ? Warum sind es am Anfang etliche Säcke und dann später nur ein kleiner Koffer mit Geld?


    Es sollte doch nur der Anteil vom Boss herübergeschafft werden. Und wir sehen sogar, wie Jackson den Koffer packt.

  • Zitat von Gubanov im Beitrag #13
    Ach doch, diesbezüglich muss ich den uMönch schon "in Schutz nehmen". Im Gegensatz zum Abt, den ich sogar noch länger kenne, fand ich die Gestalt des Mönchs doch früher recht bedrohlich.


    Das Wort bedrohlich würde ich dann auch wieder unterschreiben. Gerade auch in dem von dir aufgeführten Vergleich mit dem Abt.

  • Bewertet: "Neues vom Hexer" (1965, 19)Datum09.04.2019 13:26

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #98
    Bei Wikipedia wird ja behauptet, dass Alfred Vohrer neben
    der kleinen Rolle in der Hotelrezeption auch den toten Philip Curtain darstellte, aber das kann doch irgendwie nicht stimmen...


    Ich nehme an, das bezieht sich auf den Umstand, dass Vohrer die Stimme aus dem Hörgerät spricht.

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