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  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum17.02.2013 13:43
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Sehr gern! Hier geht es weiter:

    Bewertet: "Der eingemauerte Schrei" (Erstausstrahlung am 14. Juni 1982)
    mit: Eva-Ingeborg Scholz, Peter Lühr, Karl-Heinz Hess, Tilly Breidenbach, René Genesis, Isabella Grothe, Hartmut Kolakowsky u.a. | Regie: Dieter Kehler

    Die Zahnärztin Marie-Louise ist bei Freunden eingeladen. Diese zeigen nach dem Abendessen Urlaubsdias von ihrem Aufenthalt auf den Nordseeinseln Amrum und Föhr. Plötzlich zuckt Marie-Louise zusammen: Eine Aufnahme zeigt ein Haus, das sie seit vielen Jahren in ihren Träumen sieht. Sie glaubt, es genau zu kennen; jeden Raum hat sie im Schlaf bereits betreten. Spontan beschließt sie, hinzufahren und mit dem Besitzer, einem zurückgezogen lebenden Maler namens Jens-Peter Rieten, zu sprechen. Irgendwie wird sie das Gefühl nicht los, dass sie hier den Schlüssel zum Verschwinden ihrer Mutter finden wird, die seit dreißig Jahren vermisst ist und angeblich bei einem Spaziergang im Wattenmeer ertrunken ist.......



    Eva-Ingeborg Scholz begibt sich auf eine gefährliche Reise in die Vergangenheit, von der sie wenig weiß, aber durch ihre Träume einiges ahnt. Von Anfang an hegt das Publikum einen Verdacht gegen Peter Lühr, der als Einsiedler niemandem Rechenschaft schuldig ist und sich in seinem freundlichen, in erdigen Naturfarben gehaltenen Haus eine Festung geschaffen hat, die unliebsame (seltene) Besucher fernhalten und sein Geheimnis bewahren soll. Als Marie-Louise seiner Einladung folgt, seine Bilder betrachtet und im Wohnzimmer bei einer kleinen Jause mit ihm plaudert, senkt sich im Hintergrund die Sonne und die Furcht steigt im Zuseher hoch. Die letzte Fähre ist fort und die Frau muss im Haus des Malers übernachten. Obwohl sie bereits Zweifel hegt und Vermutungen über den Keller, dessen Eingang Jens-Peter Rieten mit einem Schrank versperrt hat, anstellt, bleibt Marie-Louise aus der Notwendigkeit, endlich erfahren zu müssen, ob ihre Mutter 1950 in diesem Haus für immer verschwand. Die Phantasie des Publikums wird durch subtile Gesten und Kamera-Einstellungen angeregt; für eine Vorabendserie geht der Maler ganz schön forsch zur Sache - man staunt über den Grad der Brutalität, die der Mann, ohne mit der Wimper zu zucken, anzuwenden im Sinn hat. Man fiebert mit Scholz mit, die sich tapfer und mutig schlägt. Die Auflösung fördert die logischen Schlüsse zutage, die man erwartet hat und rundet die gelungene Episode bestens ab. Die windumtobten Hänge auf der Insel bieten zudem eine erfrischende Kulisse für die Mordgeschichte. 5 von 5 Punkten

  • Eure DVDsDatum16.02.2013 14:58
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Schon seit Wochen in meiner Sammlung, aber aus Gründen der Geheimniskrämerei erst nun offiziell:

    "Picknick am Valentinstag" (Original: Picnic at Hanging Rock) Special Edition (3 DVDs und 1 Blu-Ray) mit: Rachel Roberts, Anne Louise Lambert, Dominic Guard, Helen Morse, Karen Robson u.a. - Regie: Peter Weir
    KOCH MEDIA

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum12.02.2013 20:50
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Gestern wird morgen sein" (Erstausstrahlung am 7. Juni 1982)
    mit: Kristina van Eyck, Ulrich Faulhaber, Bernd Birkhahn, Astrid Bittner, Doris Chun, Gerd Müller-Graf, Gerhard Retschy, Erwin Scherschel u.a. | Regie: Joachim Hess

    Werner Reiser ist Junggeselle und arbeitet als Vertreter für Lebensversicherungen. An seinem freien Nachmittag wird er Zeuge eines tätlichen Übergriffs auf eine Frau. Er eilt ihr zur Hilfe, während der Angreifer mit dem Wagen fliehen kann. Werner bringt die Bewusstlose ins Krankenhaus, wo man feststellt, dass die junge Frau wegen des Schocks und des Sturzes einen Gedächtnisverlust erlitten hat. Sie kennt weder ihren Namen, noch ihre Herkunft und Herr Reiser erklärt sich bereit, sie bei sich aufzunehmen. Bald erweist sich die Unbekannte als große Hilfe, denn sie ist in geschäftlichen Dingen kompromisslos, klug und vorausschauend. Der Vertreter kann mehrere lukrative Aufträge für seine Firma an Land ziehen und wird befördert. Eines Tages warnt die Frau Werner vor einem Lokalaugenschein auf einer Baustelle: Sie hat in einer Vision gesehen, wie ein Kran einstürzt.....



    Kristina van Eyck (geb. 1958) ist die Tochter von Peter van Eyck. Sie widerspricht der Vorstellung, die man sich üblicherweise von einem Menschen, der Opfer eines Mordversuchs geworden ist, macht. Anstatt sich ängstlich und schutzbedürftig in ein sicheres Refugium zurückzuziehen, nimmt sie die Fäden in die Hand und zeigt ihrem "Retter", wie er sein Leben verbessern und beruflich wie finanziell vorantreiben kann. Sie ist die starke Schulter, an die sich der Mann anlehnen kann (was er durchaus möchte, sie ihm aber nicht gestattet). Ihre Entschlossenheit; die präzise Art, Entscheidungen zu fällen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, beeindrucken. Mit großen Augen, schlaksiger - fast unterernährter - Figur wirkt sie prädestiniert für eine Frau mit rätselhaftem Hintergrund. Sie tritt teils aggressiv und fordernd auf, weist Werner Reiser jedoch den Weg in eine gesicherte Zukunft. Ulrich Faulhaber stellt den Versicherungsangestellten liebenswürdig und ein wenig schüchtern dar, er braucht Halt und Ermutigung und er ist nicht zu stolz, die wertvolle Hilfe der unbekannten Frau anzunehmen. Das Finale ist augenzwinkernd, lässt aber offen, welche Konsequenzen die Enttarnung des Würgers haben wird und ob sich die Wege der beiden Verbündeten für immer trennen werden. 5 von 5 Punkten

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum12.02.2013 19:31
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Als die Zeit stillstand" (Erstausstrahlung am 31. Mai 1982)
    mit: Volker Kraeft, Camilla Horn, Karin Eckhold, Hans Stadtmüller, Moje Forbach, Hugo Schrader, Ludwig Wühr u.a. | Regie: Dieter Kehler

    Oberleutnant Martin Hartung ist beim Aufklärungsgeschwader der Bundeswehr tätig und freut sich auf drei Tage Kurzurlaub in den Bergen. Als er und seine Frau Susanne am später Nachmittag in dem Gebirgsdorf ankommen, lassen sie es sich nicht nehmen, gleich auf die gemietete Hütte hinaufzuwandern. Während sie die Vorbereitungen für die Nacht treffen, sieht Susanne plötzlich das Gesicht einer Greisin am Fenster und erschrickt zutiefst. Martin geht hinaus, um nachzusehen und sieht, wie die alte Frau hinter einem Stein kauert. Seiner Ehefrau gegenüber gibt er jedoch vor, niemanden gesehen zu haben. Am nächsten Morgen überquert das Ehepaar Hartung einen Gletscherbach im steilen Gelände. Dort stoßen sie plötzlich auf die Leiche eines jungen Mannes, der im Stil der späten Zwanziger Jahre gekleidet ist. Auf seiner Kleidung sind die Initialen AS aufgestickt, außerdem hat er eine Kamera dabei, auf deren Futteral die Buchstaben RH prangen. Der Gastwirt bestätigt, dass es sich um den Bergführer Alois Steiner handeln muss, der seit 1928 verschwunden ist. Offenbar kam er beim Bergsteigen ums Leben und seine Leiche wurde erst jetzt nach 52 Jahren vom zurückweichenden Gletscher freigegeben. Als der Leichnam in der Kapelle aufgebahrt wird, sitzt plötzlich die geheimnisvolle Alte bei dem Toten......



    Volker Kraeft gelingt es wiederum, einen intelligenten Mann zu zeigen, der sich eine eigene Meinung gebildet hat und sich nicht leicht in die Karten sehen lässt. Sein Beruf als Militärpilot hat ihn wachsam gemacht und sein Bewegungsdrang, verbunden mit Abenteuerlust und Entdeckerfreude, äußert sich in seinen Hobbies Motorradfahren und Bergsteigen. Die pragmatische Karin Eckhold steht ihm als Ehefrau zur Seite, die an der Aufdeckung des Rätsels nur bis zu einem bestimmten Punkt teilhaben darf. So ist das Verhalten von Martin Hartung ein weiterer Grund, die Folge als mysteriös zu bezeichnen. Weswegen schweigt er sich darüber aus, dass die alte Frau sich in der Umgebung der Hütte befindet? Welchen Zusammenhang sieht er zwischen den Todesahnungen von Rita Holm und den merkwürdigen Schatten auf den Fotos seines Erkundungsfluges? Welche Informationen erwartet er vom ehemaligen Stummfilmstar? In der Tat war Camilla Horn bereits in den Zwanziger Jahren beim Film aktiv. Als Gretchen in der "Faust"-Verfilmung von 1926 spielte sie neben Emil Jannings; Edgar-Wallace-Fans ist sie aus "Der Doppelgänger" (1934) bekannt. Der Kreis schließt sich, als Rita Holm erzählt, dass sie damals in der Hütte eine Todesvision gehabt hätte: eine schwarze Gestalt habe auf einen bevorstehenden Todesfall hingedeutet. 4,5 von 5 Punkten

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum10.02.2013 20:12
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Die fremde Macht" (Erstausstrahlung am 17. Mai 1982)
    mit: Evelyn Opela, Richard Münch, Gottfried Herbe, Josefine Klee-Helmdach, Theo Maier-Körner, Wolf Waller u.a. | Regie: Joachim Hess

    Das gutsituierte Ehepaar Helene und Herbert Brandenburg kommt gerade von einem Urlaub in Bergamo zurück. Auf dem Weg nach Frankfurt kehren sie in einem Gartencafé in Spessart ein, wo Helene von einem Mann am Nebentisch beobachtet wird. Als ihr Mann kurz hinaus geht, spricht der Unbekannte sie an und fotografiert sie. Er gibt sich als Kunstmaler aus. Kurze Zeit später sucht Helene den Waschraum auf und kommt nicht mehr zurück. Herbert ruft nach erfolgloser Suche die Polizei, die ihm jedoch auch nicht helfen kann. Aufgeregt kehrt er nach Hause zurück, wo ihn Helene mit einem strahlenden Lächeln empfängt: Ein Mann habe sie mit dem Wagen mitgenommen. Von nun an verschwindet Helene immer wieder für ein paar Stunden. Herbert geht ihr nach und sieht sie mit dem unheimlichen Maler im Foyer eines Hotels.....



    Evelyn Opela (geb. 1945) und Richard Münch (1916-1987) ergänzen sich trotz des großen Altersunterschieds sehr überzeugend als wohlhabendes Ehepaar, das zusammen Freunde im Ausland besucht, Gäste im eigenen Haus empfängt und kritisch-amüsante Gespräche miteinander führt. Umso mehr kann man nachvollziehen, dass das seltsame Verhalten Helenes ihren Mann irritiert, der wirklich jede Möglichkeit in Betracht zieht und sich sowohl an die Polizei, als auch an seinen Hausarzt wendet. Der Plot erinnert auf den zweiten Blick an die berühmte Geschichte um Madeleine Elster in Alfred Hitchcocks "Vertigo - Aus dem Reich der Toten". Evelyn Opela hat eine ähnlich sinnliche Ausstrahlung wie ihre Kollegin Kim Novak und eignet sich deshalb sehr gut für die Rolle der sensitiven, für äußere Einflüsse empfänglichen Frau. Hier wie dort nutzt ein Mann dies für seine kriminellen Pläne aus und der Zuseher wird im Unklaren gelassen, was dahinter steckt. Beide Männer reagieren anfangs besorgt und später auch ungehalten auf die verschlossene Frau, deren Geheimnis die Phantasie anregt und sie besonders verführerisch erscheinen lässt. Im wallenden weißen Kleid mit lilafarbenem Umhang sieht Opela ebenso unnahbar elegant aus wie Novak im weißen Mantel mit schwarzem Seidenschal. 5 von 5 Punkten



    Bewertet: "Der Gruß aus der Fürstengruft" (Erstausstrahlung am 24. Mai 1982)
    mit: Werner Hinz, Ernst Fritz Fürbringer, Käte Haack, Wolfgang Preiss, Hans-Jürgen Krützfeld, Aenne Nau, Alexander Pleyer u.a. | Regie: Joachim Hess

    Der Landarzt Dr. med. Paulus hat seine Praxis vor einem Jahr aufgegeben und ist in den verdienten Ruhestand getreten. Nun widmet er sich nur mehr der Pflege seiner berühmten Rosen. Eines Tages wird er von seinem Nachfolger in den Ansitz der Fürstin Feodora von Donnersberg gebeten. Die Achtzigjährige ist die Letzte ihres Geschlechts und es geht mit ihr zu Ende. Sie will ihren alten Freund Paulus noch einmal sehen, da sie ihm ein Geheimnis anvertrauen möchte. In ihrer Jugend liebte sie einen Draufgänger namens Archibald von Pleskau, einen Mann, der jedem nur Unglück brachte. Er schenkte ihr einst einen wertvollen Ring, den sie nun an den Arzt weitergeben möchte. Dr. Paulus nimmt das Geschenk nicht an, bleibt aber an der Seite der Fürstin, bis sie die Augen schließt. Monate nach der Beisetzung kommt eines Nachts ein altmodisch gekleideter Herr in die Praxis von Dr. Paulus. Er sei herzleidend und habe Probleme mit seinen Bronchien, berichtet er. Der Arzt im Ruhestand verspricht, ihm ein Medikament zu besorgen, nicht, ohne den auffallenden Ring an der Hand des Fremden zu bemerken. Er ist mit dem Schmuckstück der verstorbenen Fürstin identisch. Dr. Paulus wird misstrauisch und vermutet, dass die Gruft von Feodora von Donnersberg heimlich geöffnet worden ist. Der Butler Ferdinand, der nun allein im Schloss wohnt, ist allerdings wenig kooperativ und für derlei Spekulationen nicht zugänglich.....



    Ein rosenzüchtender pensionierter Medikus als Amateurermittler; ein Grandseigneur mit der unheimlichen Aura eines Wiedergängers; eine Dame mit Schrullen, die daran gewöhnt ist, dass alle nach ihrer Pfeife tanzen und ein reservierter Butler, der durch seine abweisende Haltung vorgibt, mehr zu wissen als er sagt - diese Zutaten garantieren im allgemeinen für eine spannende Krimistunde. Leider - und hier wird es besonders deutlich - geben uns die rund 25 Minuten umfassenden Episoden nicht genügend Zeit, um die Vorgaben ordentlich auszukosten. Dabei wartet diese Folge mit allem auf, was man sich wünscht: dem agilen und kantigen Werner Hinz, einem mysteriösen Ernst Fritz Fürbringer, einem Schloss samt Familiengruft und einem heftigen Gewitter. Die nächtlichen Besuche des wortkargen Herrn von Pleskau, dessen Husten direkt aus dem feuchten Grab zu kommen scheint (bezeichnenderweise bleibt er nur von Mitternacht bis Eins) und der Verdacht, jemand habe sich am Sarg der Fürstin zu schaffen gemacht, deuten auf düstere Enthüllungen hin. Des Rätsels Lösung wird dann ebenso nüchtern wie logisch präsentiert und raubt der Geschichte die zuvor aufgebaute Romantik. Die Schauplätze und die Ausstattung entschädigen ein wenig und zeigen den Aufwand, der durchaus für die Serie betrieben wurde. Nicht nur Werner Hinz verlässt den feudalen Ort mit Bedauern. 4,5 von 5 Punkten

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum10.02.2013 14:58
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Tote schlafen nicht" (Erstausstrahlung am 10. Mai 1982)
    mit: Gardy Granass, Walter Doppler, Manfred Boehm, Otto Bleidner, Hans Egenlauf, Helga Schoon, Theo Ennisch, Egon Reimers u.a. | Regie: Joachim Hess

    Die Buchhändlerin Karin Zerpst wartet schon seit Tagen darauf, dass ihr Stammkunde Ludwig Kannenbach ein extra für ihn besorgtes antiquarisches Buch abholt. Sie sucht ihn in seiner Wohnung auf und der Hausmeister bestätigt, dass Herr Kannenbach schon einige Zeit nicht mehr zuhause war. Durch einen handschriftlichen Brief in dem Gedichtband, den sich der Mann bestellt hat, erlangt Frau Zerpst Kenntnis über eine alte Liebe ihres Kunden, die vor kurzer Zeit gestorben ist und deren Wohnung sich in einem abbruchreifen Haus befindet. Trotz Warnschilder am Eingang betritt Karin das Gebäude und untersucht die aufgelassene Wohnung der Frau Wessel. Als sie einen begehbaren Schrank öffnet, erschrickt sie: Herr Kannenbach lehnt an der Wand - er ist tot.....



    Die sympathische Gardy Granass steht im Mittelpunkt dieser Episode. Sie stellt eine Frau dar, die im Gegensatz zu ihrer Rolle in "Das Halstuch" (1961) nicht von einem gönnerhaften Ehemann spöttisch als "kluges Kind" bezeichnet wird, sondern als unabhängige Frau im besten Alter beweist, dass simple Hartnäckigkeit und Einfühlungsvermögen dort greifen, wo für Behörden kein Grund zum Handeln vorliegt. Ihr ungutes Gefühl täuscht sie nicht: Ludwig Kannenbach ist tatsächlich nicht mehr am Leben. Anhand seiner Aufzeichnungen versucht sie, zu rekonstruieren, wie es zu seinem ungewöhnlichen Tod kommen konnte. Die Schauplätze sind dabei ebenso stimmig, wie sie zum Hintergrund der Geschichte passen. Die Buchhandlung als Ort des gesammelten Wissens, den Hinterlassenschaften früherer Zeiten und den Phantasien verschiedener Menschen, stellt den Ausgangspunkt dar, der mit dem alten Stadthaus, dessen leerstehende Wohnungen ebenfalls auf vergangenes Leben hinweisen, eine spannende Kulisse für die nostalgische Geschichte bietet. Als eine der wenigen Episoden der Reihe wartet "Tote schlafen nicht" mit einem äußerst positiven Ende auf, das nicht nur die Hauptdarstellerin ob ihres Erfolgs strahlen lässt. Die versöhnliche Geste rundet das Geheimnis um Ludwig Kannenbach zuversichtlich ab und zeigt, wie wichtig es ist, einen Gedanken weiterzuverfolgen und sich nicht entmutigen zu lassen. 5 von 5 Punkten

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum10.02.2013 14:38
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Das seltsame Leben des Herrn Richter" (Folge 120)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Klaus Behrendt, Edwin Noel, Christa Berndl, Klaus Höhne, Peter Bertram, Mijou Kovacs, Alf Marholm, Christiane Hammacher, Hilde Volk u.a. - Regie: Theodor Grädler

    Martin Richter fühlt sich bedroht. Der Versicherungsvertreter ruft seinen Sohn Manfred in der Schule an und bittet ihn, nach Oberschleißheim nördlich von München zu kommen. Dort wartet er in der Gaststätte seiner Freundin Beate Haginger auf ihn. Als er merkt, dass seine Verfolger den Zufluchtsort kennen, flieht er in den Schlosspark, wo er hinterrücks mit fünf Schüssen niedergestreckt wird. Die Ermittlungen ergeben, dass Richter zwei Haushalte unterhielt und bereits vor einem halben Jahr seine Arbeit verloren hat. Dennoch ging es ihm seitdem besser als je zuvor. Offensichtlich war er in illegale Geschäfte verwickelt, mit denen er eine Yacht und seine Wohnung finanzierte. Seltsamerweise scheinen weder seine Geliebte, noch sein Freund Dr. Kuhn etwas davon zu wissen....

    Klaus Behrendt in einer Hauptrolle ist für den Zuseher immer schwer zu ertragen. Zu oft schon sah man ihn in abgewrackten Trinkerrollen, als verzweifelten Außenseiter zwischen Kleinkriminellen und großen Gaunern. Sein Katz- und Mausspiel mit den Männern im schwarzen Wagen hält das Publikum bei Laune und verkürzt die lange Spanne bis zum ersten Auftritt Derricks. Die Rolle des in die Enge getriebenen Mannes steht ihm gut zu Gesicht, die des Genießers weniger. Umsomehr kann sich Klaus Höhne in diesem Milieu profilieren. Die Welt der Segelboote und Golfclubs passt besser zu ihm als zum zerfahrenen Behrendt. Zum ersten Mal innerhalb seiner "Derrick"- Gastspiele kann Edwin Noel überzeugen, der den Lehrer in Jeans und Turnschuhen ebenso lebendig darstellt wie den trauernden Sohn, der nach und nach vom Zweitleben seines Vaters erfährt und darüber zwar erstaunt und erschrocken ist, aber nicht mit moralischen Vorwürfen aufwartet.
    Relativ spät bekommt man die Drahtzieher und das Motiv geliefert, nachdem die ehemaligen Kollegen Richters wie in einer Gerichtsverhandlung die Gründe für seine Entlassung (und sein gewaltsames Ableben) auseinanderpflücken. Der wegen seines südländischen Aussehens auf Italienerrollen abonnierte Peter Bertram darf sich im Finale mit seinen Kollegen in ungewöhnlichen "Derrick"-Aufnahmen wiederfinden, die dem Ambiente und der Polizeihoheit an Land, zu Wasser und in der Luft entsprechen und den spürbaren Mief, den die Episode ausstrahlt, wegspülen sollen. Dafür ist es aber zu spät, denn auch wenn die schönen Grünflächen außerhalb der bayerischen Landeshauptstadt zentral ins Bild gerückt werden und Max Greger jun. flotte Rhythmen spielt, kommt die skrupellose Anführerin Mijou Kovacs, die der Folge sicher Farbe verliehen hätte, zu kurz. Die Folge verharrt deshalb im Mittelfeld.

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum10.02.2013 14:17
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Nur ein Tropfen Blut" (Erstausstrahlung am 3. Mai 1982)
    mit: Karin Buchholz, Ulrich von Dobschütz, Gunther Beth, Michael Gahr, Erika Wackernagel, Adem Rimpapa, Peter Bertram u.a. | Regie: Joachim Hess

    Schwester Inga ist bei Kollegen und Patienten wegen ihrer Feinfühligkeit sehr beliebt. Sie wünscht sich schon lange ein Kind, doch ihr Partner ist dagegen. Eines Abends wird ein zwölfjähriger Junge auf ihrer Station eingeliefert. Er hat sich beim Radfahren verletzt und muss operiert werden. Da er eine Bluttransfusion benötigt, befragen der behandelnde Arzt und Inga die Eltern. Dabei stellt sich heraus, dass Franz Josef adoptiert worden ist. Im Alter von zwei Jahren kam er zu dem Ehepaar, über seine Herkunft ist wenig bekannt. Während der Operation beginnt Franz Josef plötzlich, spanisch zu sprechen. Er ist aufgeregt und scheint jemanden um Hilfe zu bitten. Tage später befragt Schwester Inga, die sich mit dem Jungen angefreundet hat, ihren Patienten, doch er beteuert, niemals in Spanien gewesen zu sein und auch den Zirkus Esteban, den er während der Narkose erwähnt hat, nicht zu kennen. Dabei gastiert dieser gerade außerhalb der Stadt und Inga beschließt, sich dort umzusehen. Mit Entsetzen entdeckt sie in einem der Wohnwagen ein altes Foto, das Franz Josef als Artisten zeigt.....



    Karin Buchholz werden in ihrer Rolle als Krankenschwester die humanitären Ideale ihrer Zunft zugeschrieben. Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Geduld ermöglichen es ihr, trotz privater Unstimmigkeiten, an ihrem Arbeitsplatz ein offenes Ohr für die Leiden anderer Menschen zu haben und sich auch außerhalb ihrer Dienstzeiten damit zu beschäftigen. Sie widmet ihrem kleinen Patienten mehr Zeit als dessen Mutter für den Jungen aufbringt. Zunächst entwickelt sich große Spannung, als Franz Josef unter dem Einfluss der Narkose und der Übertragung "fremden Blutes" auf seine spanische Abstammung hinweist. Auch die Szenen im Zirkus verstärken den unheimlichen Eindruck, der einen schönen Kontrast zwischen dem Sonnenlicht auf der Wiese und dem religiös dominierten Dunkel des Wohnwagens zeigt. Leider windet sich das Drehbuch in Ratlosigkeit. Es gibt keine plausible Erklärung für die Tatsache, dass der Junge Franz Josef der selbe ist, der vor zehn Jahren im Zirkus verunglückt ist. Inga ist sprachlos, der Knabe fürchtet sich und die Spaniern flüchten sich in Gebete an die Mutter Gottes. Die Episode bricht ab und lässt verunsicherte Gesichter auf der einen wie auf der anderen Seite zurück. Man fragt sich, welche Erkenntnisse nun gewonnen worden sind. Mehr als Andeutungen und ein großer Rätselfaktor werden nicht geboten, dafür überzeugt das Spiel von Karin Buchholz. 3 von 5 Punkten

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum09.02.2013 16:20
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Gangster haben andere Spielregeln" (Folge 119)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Evelyn Opela, Hans Korte, Klausjürgen Wussow, Jan Niklas, Sissy Höfferer, Günther Ungeheuer, Peter Böhlke, Udo Thomer u.a. - Regie: Alfred Vohrer

    Der Biologiestudent Roland Lieboth arbeitet in einem Forschungsinstitut, um zu lernen und erste Erfahrungen zu sammeln. Eines Abends wird er von Dr. Blunk, einem ehemaligen Mitarbeiter von Professor Balthaus, angesprochen. Dieser bietet ihm 5000 DM, wenn er vertrauliche Unterlagen aus dem Haus des Professors entwendet. Es geht um einen Wissensvorsprung auf dem Gebiet der Pharmakologie, der für die Konkurrenz Millionen wert ist. Alles läuft rund, bis Ruth Balthaus, die Ehefrau des Professors, vorzeitig nach Hause kommt und den Eindringling stellt. Kurze Zeit später wird Roland Lieboth erschossen in der City-Garage aufgefunden.....

    Die Welt der Forschung bietet immer wieder Anlass für Verbrechen und bisher garantierte dieser Hintergrund immer für gehobene Spannung, sei es in "Der L-Faktor", "Zeuge Yurowski" oder erst kürzlich in "Dr. Römer und der Mann des Jahres". Für Geheimdokumente, die für den Laien wertlos sind, für den Kenner jedoch unschätzbaren Wert haben, interessieren sich sowohl die Mitbewerber des Unternehmens, als auch fremde Mächte. So entwickeln die Episoden, die sich mit diesem Thema befassen, den unheimlichen Charme der Welt der Spionage, die aus nebulösen Hintermännern besteht und sich dem polizeilichen Zugriff meist geschickt entzieht. Die Protagonisten dieser Folge stehen ebenfalls für eine "Highbrow"-Atmosphäre; der finstere Hans Korte, die elegante Evelyn Opela, der kühle Klausjürgen Wussow und der distanzierte Günther Ungeheuer. Zwei Paarbeziehungen dominieren den Plot: die junge Liebe zwischen Niklas und Höfferer und die schal gewordene Ehe zwischen Korte und Opela. So sind die Gründe für das Verbrechen nicht vordergründig in der materiellen Bereicherung zu suchen, sondern im Bedürfnis, sich zu behaupten, dem Partner zu schaden oder zu nützen und dem Wunsch nach Unabhängigkeit von privaten oder beruflichen Einschränkungen durch Personen, die am längeren Hebel sitzen. Bezeichnenderweise gelingt Opela fast, was Niklas vergeblich versuchte; Alfred Vohrer lässt keinen Zweifel, wem seine Sympathie gilt. Es ist die dynamische, eigenwillige und selbständige Frau, die für ihre Freiheit kämpft und die starre Struktur ihrer Ehe verlassen will. Ernüchterte Erfahrung siegt über junge Verliebtheit, auch, weil der Student impulsiv handelt und sich über die Tragweite seiner Entscheidung nicht im Klaren ist. Günther Ungeheuer wird von Regie-Altmeister Vohrer sehr dosiert eingesetzt, womit er ihm einen guten Dienst erweist, denn die großen Tage des Mimen mit dem markanten Gesicht sind vorbei. Um beeindrucken zu können, muss er sich rar machen. Klausjürgen Wussow wirkt ein wenig unsicher, ich vermisste die Souveränität in den Auftaktverhandlungen - sein Spiel ist jedoch vermutlich seiner Rolle als Gelegenheitstrinker geschuldet. Umso mehr freuten mich Korte und Opela - als Ehepaar eine Wucht! Der gebürtige Bochumer konnte mich bisher immer überzeugen und die Gattin von Helmuth Ringelmann bringt neben ihrer damenhaften Schönheit auch Stolz und Durchsetzungsvermögen mit - beides setzt sie punktgenau ein.
    Um es mit einem Namensvetter des Regisseurs zu sagen: Die Papiere sind nur ein MacGuffin - in Wahrheit geht es um menschliche Beziehungen (Alfred Hitchcock).

  • Eure FilmbücherDatum09.02.2013 15:41
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ein Spontankauf:

    "Jedermanns Lieblingsschurke - Gert Fröbe" Eine Biografie von Michael Strauven (Rotbuch-Verlag, Berlin 2012)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum06.02.2013 21:24
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Ende einer Sehnsucht" (Folge 118)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Norbert Kappen, Marion Martienzen, Pascal Breuer, Gaby Dohm, Andras Fricsay, Karl Renar u.a. - Regie: Michael Braun

    Kommissar Merck vom Betrugsdezernat besucht eine billige Pension, um den Mann zu sprechen, der gerade mit seiner Tochter Irene ein Jahr lang durch Indien und Griechenland gereist ist. Er war in Geldverlegenheiten und wollte, dass Irene ihm hilft. Als Merck das Zimmer betritt, liegt der junge Mann neben seinem Bett. Jemand hat ihm eine volle Whiskeyflasche auf den Kopf geschlagen.....

    Ist es ein Zufall, dass Indien ein schlechtes Omen für "Derrick"-Folgen darstellt? Immer, wenn das südasiatische Agrarland in einer Folge der Münchner Erfolgsserie Erwähnung findet, erwartet den Zuseher eine durchwachsene Geschichte. War "Kalkutta" durch die Riege der brillanten Darsteller noch spannend und nachvollziehbar, so kippte die Stimmung bereits in "Die kleine Ahrens" und sorgt nun in "Ende einer Sehnsucht" für einen totalen Reinfall. Von Anfang an beäugt man den nuschelnden Norbert Kappen mit Argwohn, nimmt Karl Renars Stundenbude mit der Gleichgültigkeit des erprobten "Kommissar"-Zuschauers wahr und resigniert vollends, als einem Marion Martienzen als hochgewachsene Schönheit untergejubelt werden soll. Der Etikettenschwindel hält nicht lange an, denn spätestens, wenn von einem Guru und alles umfassender Liebe die Rede ist, richtet sich das Publikum auf den üblichen Schmonzes aus Halluzinogenen und Promiskuität ein - "Hair" lässt grüßen. Doch wo beim 1977-Musical wenigstens Blumenketten und wallende Kleider für ein buntes Allerlei sorgen, gähnt in "Ende einer Sehnsucht" graue Langeweile, die auch durch den selbstironischen Gitarristen nicht durchbrochen wird. Im Gegenteil: Selten sieht man den Oberinspektor so hilflos wie im Anspielen gegen Reineckers Drehbuch. Manchmal hat man sogar das Gefühl, als improvisierten die Schauspieler. Einzig Gaby Dohm als Ruth Palmer bringt ein wenig Farbe ins Geschehen. Ihre warmherzige Ausstrahlung hilft, über den Nonsens hinwegzusehen, den auch sie gebetmühlenartig herunterspulen muss.
    In puncto Musik, Frisuren und Kleidung wartet die Episode mit dem Schlechtesten auf, das die ohnehin geschmacklosen Achtziger Jahre zu bieten haben. Harry Klein wirkt angesichts des forschen Vorgehens von Kollege Merck ziemlich an den Rand gedrängt und gegen Ende fast verzweifelt. Es steht dem Zuseher deshalb frei, zu urteilen, ob seine Tränen während des Geständnisses der Vorgeschichte gelten oder der misslungenen Kooperation von Reinecker und Michael Braun.

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum06.02.2013 21:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Eine schwarze Katze" (Erstausstrahlung am 26. April 1982)
    mit: Klaus Höhne, Peter Wagenbreth, Marianne Hoehl, Marta Marbo, Astrid Meyer-Gossler, Toni Mag u.a. | Regie: Dieter Kehler

    Der Psychologe Dr. Betelsen hat vor zwei Wochen bei einem Verkehrsunfall seine junge Frau verloren. Einer seiner Patienten, ein Mann names Krispin, kommt zu ihm in die Praxis und wünscht einen baldigen Behandlungstermin, obwohl der Arzt momentan wegen des Trauerfalls nicht praktiziert. Eines Abends taucht plötzlich eine schwarze Katze im Haus von Dr. Betelsen auf und leistet ihm Gesellschaft. Das Tier findet einen Ohrring, der der verstorbenen Frau gehörte und der Arzt schließt ihn zu den anderen Schmuckstücken in seinen Wandsafe hinter der Bibliothek. Was er nicht weiß: Er wird von der Straße aus beobachtet......



    Klaus Höhne steht im Mittelpunkt der Handlung. Der Tod seiner Frau hat ihn weder aus der Bahn geworfen, noch sorgt er für geheimnisvolle Andeutungen oder Ereignisse. Umso neugieriger wird man durch das Erscheinen der Katze, die nicht zufällig schwarz und somit unheilverheißend ist. Doch wieder einmal sorgt die ungewöhnliche Fernsehreihe für überraschende Wendungen, denn das Tier bringt dem Psychologen kein Unglück, sondern hilft ihm, eine gefährliche Situation zu entschärfen, indem er seinem Angreifer den Wind aus den Segeln nimmt. Die Wahnvorstellungen des Patienten, der den Arzt, der seine Praxis in seinem Wohnhaus untergebracht hat, abends aufsucht, werfen die Frage auf, ob Dr. Betelsens Leben in Gefahr ist. Klaus Höhne meistert seinen Part mit der Ruhe und Souveränität, mit der er auch seiner berühmtesten Synchronfigur Leben einhauchte: Agatha Christies Hercule Poirot.

    Die Kamera passt sich den Gegebenheiten an und gleitet wie der schwarze Schnurrer über den Teppich - by the way: Eine der unheimlichsten Szenen ist jene, in welcher die Katze nachts ihre Pfoten über Dr. Betelsens Wange streicht. Das Ende wirkt allerdings ein wenig plötzlich, entspricht aber dem Stil der Serie. 4 von 5 Punkten

  • Unheimliche Geschichten (1982)Datum06.02.2013 20:24
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bewertet: "Zwei Augen im Dunkel" (Erstausstrahlung am 19. April 1982)
    mit: Witta Pohl, Randolph Kronberg, Paul Edwin Roth, Rudolf Beiswanger, Elert Bode, Bertram von Boxberg, Uwe Dallmeier u.a. | Regie: Dieter Kehler

    Karin arbeitet als Arzthelferin, sie ist eine tüchtige Kraft und für ihren Arbeitgeber unverzichtbar. Seit sieben Jahren ist sie verheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Da ihr Mann als Handelsvertreter häufig von zuhause abwesend ist, beschäftigt sich Karin abends mit Malen und Lesen. Vor fünf Wochen hat das Ehepaar ein neues Haus bezogen, das früher von einem Seebären bewohnt wurde. Der Keller ist voll von Kisten und Andenken des Mannes, der schon seit vielen Jahren abwesend ist. Gerne möchte Karin das Untergeschoss entrümpeln lassen, doch da sie das Haus nur gemietet haben, rät ihr der Ehemann davon ab. Eines Nachts meldet er sich telefonisch bei seiner Frau: Sie möge doch die Tür zur Waschküche im Keller schließen, er habe es vergessen. Mit einem unguten Gefühl steigt Karin die Kellertreppe hinunter und nimmt im Dunkeln plötzlich ein Augenpaar wahr, das sie angsterfüllt anzustarren scheint.....



    Wie schon in der Vorgängerserie "Merkwürdige Geschichten" konzentriert sich auch die Reihe "Unheimliche Geschichten" auf Menschen, die allein mit einer Ausnahmesituation fertig werden müssen. Sei es der Verlust eines nahestehenden Menschen (durch Tod oder Trennung) oder das Zurechtfinden in einer fremden Umgebung; immer sehen sich die Hauptfiguren mit einem Schauplatz oder einem Problem konfrontiert, das sie mit Mut, Entschlossenheit und Neugier angehen und dabei Verblüffendes entdecken oder erfahren. Die Geschichten leben davon, dass ihre Protagonisten einem Rätsel nachspüren und dabei die Warnungen bzw. guten Ratschläge ihrer Mitmenschen missachten. Oft handeln sie aus praktischer Notwendigkeit heraus, wie die patente Arzthelferin, die spürt, dass der Keller einen Gefahrenherd darstellt, der ihr Leben bedroht - wie Recht sie hat, zeigt sich am Ende beim Einsatz des Technischen Hilfswerks. Aufmerksamkeit und Empfindsamkeit bringen ihr Beruf und das häufige Alleinsein mit sich, so ist Karin für die Atmosphäre des Hauses empfänglich und nimmt Eindrücke besser wahr. Witta Pohl, die wir als zupackende Frau kennen, füllt ihre Rolle überzeugend aus und wir fiebern mit ihr, wenn sie im Keller neue Glühbirnen eindrehen muss oder Schritte auf der Treppe zu hören sind. Durch einfache Mittel wird viel erreicht, wobei die Urangst des Menschen vor Dunkelheit und Abgeschiedenheit zusätzlich die Phantasie anregt. 4,5 von 5 Punkten

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum03.02.2013 21:02
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Angriff aus dem Dunkel" (Folge 117)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Birgit Doll, Eberhard Harnoncourt, Babett Arens, Margot Medicus, Eva Kotthaus, Anton Diffring, Hannelore Schroth, Erland Erlandsen, Konrad Georg, Balduin Baas u.a. - Regie: Jürgen Goslar

    Ute Reiners erhält seit Tagen seltsame Telefonanrufe. Ein Mann fragt nach ihrem Namen und hängt dann ein. Eines Abends bekommt sie Besuch von einer Freundin, als es an der Tür klingelt. Vor dem Haus steht jemand, der sich als Kunde der Buchhandlung ausgibt, in der sie beschäftigt ist. Ute und ihre Freundin gehen auf die Straße, doch der Mann ist verschwunden. Als Utes Bekannte in ihren Wagen steigen will, um wegzufahren, wird sie von einem Auto überrollt. Ein Nachbar alarmiert die Mordkommission und Harry Klein wird beauftragt, Ute zu beschützen.....

    Der Einbruch einer unerklärlichen Bedrohung in den Alltag einer Durchschnittsfrau stellt Derrick und Klein diesmal vor eine schwere Aufgabe. Zunächst sieht es aus, als gäbe es absolut keinen Grund, die Bibliothekarin, die sich ihren Lebensunterhalt als Buchhändlerin verdient, zu töten. Alleinstehend, unauffällig und ohne finanzielle Anreize bietet Ute Reiners keine Angriffsfläche für Mörder, die aus einem fahrenden Auto schießen. Der Rätselfaktor bedingt, dass die Episode spannend und ungewöhnlich beginnt, da die üblichen Faktoren wie Eifersucht, Rache oder Gewinnabsichten fehlen.
    Die Szene, in der Derrick und Klein einen Mordanschlag auf Ute verhindern, indem sie die Frau in einer klirrend kalten Winternacht aus der Schusslinie der unbekannten Täter ziehen, zählt zu den Höhepunkten der Episode. Sobald jedoch das Motiv für Utes Ermordung ans Licht kommt, fällt der Spannungsbogen rapide ab. Die Mitglieder der Familie Scherer und ihre Hintermänner sorgen für ein Augenrollen, das sonst nur Meister Gubanov pflegt. Mit Ausnahme des aufgeregten, unschuldig wirkenden Eberhard Harnoncourt, handelt es sich um eine Bande des Schreckens, die sich wieder einmal in der berühmten verräucherten Reinecker-Kneipe zum Ausbaldowern lukrativer Possibilitäten trifft. Konrad Georg spukt wie weiland "die Galgenhand" durch die Szenerie, zunächst durch den Hugendubel am Marienplatz, dann durch die besagte Gaststätte. Irgendwann wird dem Zuseher der Tanz zuviel und er sehnt sich nach dem Ende, das nicht nur für den todkranken Scherer nach einer Stunde kommt. Glanzpunkte kann Hannelore Schroth in ihrer Rolle als Hausdame setzen; Birgit Doll bleibt erdig und wirkt neben der aufgedonnerten Margot Medicus in deren Villa mit zitronengelben Treppenläufern wie die sprichwörtliche alte Jungfer aus dem Bildungsberuf. In ihrem zweiten und letzten Auftritt muss Ariane erneut eine vom Tod bedrohte Frau bei sich beherbergen, erntet dafür aber wenigsten ein Küsschen vom fürsorglichen Kavalier Derrick. Ohnehin wird die Innenarchitektin ihren eigenen Weg gehen und nur manchmal mit einem Seufzer an die schönen Musik- und Restaurantabende mit dem vielbeschäftigten Oberinspektor denken.
    Leider entgleitet dem sonst meist für Hochspannung garantierenden Regisseur im Finale ein wenig die Oberhand; man muss allerdings zu seiner Entschuldigung anführen, dass es wieder einmal Fehlbesetzungen und Drehbuchschwächen gibt.

  • Thema von Percy Lister im Forum Film- und Fernsehklass...



    BEWERTET: "Der Schlitzer von London - Der Mädchenmörder" (Original: "The Lodger") USA 1944, Twentieth Century-Fox - mit: Merle Oberon, George Sanders, Laird Cregar, Sir Cedric Hardwicke, Sara Allgood, Aubrey Mather, Queenie Leonard, Doris Lloyd, David Clyde, Helena Pickard u.a. - Drehbuch: Barré Lyndon nach dem Roman von Marie Belloc Lowndes, Regie: John Brahm

    Das Londoner East End wird seit geraumer Zeit von grauenvollen Frauenmorden erschüttert. In den Nebelnächten geht ein Mann in Whitechapel um, der seinen Opfern zuerst die Kehle durchschneidet und sie dann verstümmelt. Die Bevölkerung beobachtet die Mordserie mit einer Mischung aus Schrecken und Faszination, auch das Ehepaar Bunting, besonders Mr. Bunting, zeigt großes Interesse an dem Fall. Eine misslungene Börsenspekulation sorgt dafür, dass die Familie Zimmer vermieten muss und so zieht eines Abends ein Mann namens Slade bei ihnen ein. Er stellt sich ihnen als Pathologe vor, der ein zurückgezogenes Quartier für seine Experimente suche und vor allem des Nachts unterwegs sein werde. Kitty Langley, die Nichte von Mrs. Bunting, ist Schauspielerin und hat mit ihren Mädchen bei Varieté-Vorstellungen großen Erfolg. John Warwick von Scotland Yard arbeitet an der Aufklärung der Morde und trifft bei seinen Ermittlungen auch auf Kitty, die eines der Opfer kannte und durch ihren Beruf selbst in größter Gefahr schwebt.....



    Der Hamburger Regisseur John (Hans Julius) Brahm (1893-1982) setzte den Roman von Marie Belloc Lowndes im Gothic-Stil um, der auch in der Sherlock-Holmes-Reihe mit Basil Rathbone Anwendung fand. Deutlich sind auch die Einflüsse des deutschen Expressionismus wahrnehmbar, bei der "die dämonische, triebhafte Komponente der Seele, die sich schicksalhaft durchsetzt, in den Vordergrund tritt. Die soziale und politische Wirklichkeit wird nicht direkt dargestellt; das Individuum leidet nicht an ihr, sondern an einem unerklärlichen Bösen in der eigenen Psyche." (Chronik des Films, Seite 39)
    Unwillkürlich zieht der Zuseher Parallelen zur Verfilmung des gleichen Stoffes aus dem Jahr 1926, unter der Regie von Alfred Hitchcock, der damit seinen Durchbruch schaffte. Außer der inhaltlichen Verbindung gibt es noch menschliche Verknüpfungen: So wirkten Sara Allgood ("Blackmail", "Juno and the Paycock"), George Sanders ("Rebecca") und Sir Cedric Hardwicke ("Suspicion", "Rope") als Darsteller in Hitchcocks Filmen mit; zudem besetzte dieser Brahms Ehefrau Dolly Haas für sein Werk "I Confess". Später inszenierte Brahm, der 1937 nach Hollywood ausgewandert war, mehrere Folgen der Reihen "Alfred Hitchcock Presents" und "The Alfred Hitchcock Hour".
    In der Titelrolle des Untermieters sehen wir mit Laird Cregar einen relativ unbekannten Mimen, dessen Größe und Physiognomie Eindruck machen. Sein Auftreten entspricht dem eines Gentleman, doch eine innere Unruhe trübt die Gelassenheit seiner finanziell sichergestellten Klasse. Die heitere Atmosphäre im Hause Bunting, die vom Charme und der Zuversicht Merle Oberons (1911-1979) profitiert, wird von einem Mann argwöhnisch beobachtet, der seine festen Prinzipien im Alten Testament bestätigt sieht und durch den Selbstmord des von ihm vergötterten Bruder einen unbändigen Hass gegen Bühnendarstellerinnen pflegt.

    "But before getting ready their own supper, Mr. Sleuth's landlady went upstairs to clear away, and when on the staircase she heard the sound of - was it talking, in the drawing-room? Startled, she waited a moment on the landing outside the drawing-room door, then she realised that it was only the lodger reading aloud to himself. [...] She remained where she was, her hand on the handle of the door, and again there broke on her shrinking ears that curious, high, sing-song voice, "Her house is the way to hell, going down to the chambers of death". (Marie Adelaide Belloc Lowndes, The Lodger, Academy Chicago Publishers, 1988, Seite 30)

    Das Weibliche bzw. die Schönheit als Quelle des Bösen, das man vernichten muss, ist ein Motiv, das den emotional restriktiven Mediziner umtreibt, seine "Kunst" nicht zum Wohle der Menschen, sondern für die Befreiung der Menschheit vom Laster und den Verführungen leichtfertiger Frauen, einzusetzen. Die abgöttische Liebe, die ihn mit dem verstorbenen Bruder verband, dessen Miniatur er wie einen Schatz hütet, deutet auf eine homosexuelle Neigung hin, die den latent vorhandenen Maskulinismus noch verstärkt. Religiöser Wahn und Frauenhass gingen damals wie heute in vielen Kulturen Hand in Hand. Die stimmige Ausleuchtung der Sets, die Kameraeinstellungen und die Kulissen vertiefen die unheimliche Aura von Mr. Slade. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Namens: Im Roman nennt sich der Fremde Mr. Sleuth (engl.: Spürhund, "Schnüffler"), während der Name Slade im Film rein zufällig gewählt wird, als der Untermieter an einer Straße namens Slade Walk vorbeigeht. Ist Ivor Novello bei Hitchcock tatsächlich auf der Spur des "Rächers", so ist Laird Cregar selbst der Täter.



    George Sanders gibt einen kultivierten, freundlichen und sehr korrekten Inspektor von Scotland Yard. Er begegnet Hauptdarstellerin Merle Oberon höflich, aber nicht überschwenglich und deutet seine Zuneigung zu ihr erst während des Besuchs im Kriminalmuseum an, als er sie zum Tee bittet. So verzichtet dieser Kriminalfilm weitgehend auf das Klischee der bedrohten Schönheit, die sich hilflos in die Arme des breitschultrigen Ermittlers flüchtet. Kitty Langley hat sich durch Fleiß und Engagement im Berufsleben etabliert und kann dem Inspektor deshalb auf gleicher Augenhöhe begegnen. Sanders kombiniert deshalb weniger in Gesellschaft von Oberon, als im Beisein von Hardwicke, mit dem er Fingerabdrücke untersucht und das verlassene Haus observiert. Der Kontrast zwischen den dunklen, nebelverhangenen Gassen Londons und der lichtdurchfluteten Atmosphäre der im Pariser Cancan-Stil gehaltenen Bühne, zeigt sich deutlich und wird durch die Heimlichkeiten des Mieters immer wieder durchbrochen. So finden sich in den nächtlichen Experimenten von Mr. Slade endlich jene Momente wieder, die in der Romanvorlage bereits für wohlige Schauder sorgten:

    "Three o'clock struck before Mrs. Bunting heard slow, heavy steps creaking up the kitchen stairs. But Mr. Sleuth did not go straight up to his own quarters, as she had expected him to do. Instead, he went to the front door, and, opening it, put on the chain. [...] He wanted to get the strong, acid smell of burning - was it of burning wool? - out of the house." (Seite 121)

    Die stärksten Szenen des Films leben von den Geheimnissen des Mieters und den Andeutungen der Morde, die nicht gezeigt werden, aber deren Einleitung mit den Erwartungen des Publikums spielt. So wird z.B. das erste Opfer am Boden liegend gezeigt, das Blut fließt ab und vermengt sich mit dem Wasser im Rinnstein. Bedrohliche Schatten, das Flackern des Gaslichts und verwinkelte Straßen sorgen für den passenden Rahmen.

    Ein bemerkenswerter Kriminalfilm mit einem überzeugenden Cast, wobei besonders die spritzige Merle Oberon, der besonnene George Sanders und der imposante Laird Cregar hervorstechen. Empfehlenswert!

    Ausstattung der DVD von SAVOY Film / Intergroove (Cinema Classics Collection):

    Der Film liegt im Bildformat 1.33 - 4:3 vor und verfügt über die folgende Sprachauswahl:
    Deutsch (Original), Deutsch (Digital restauriert), Englisch (Original), Englisch (Digital restauriert)
    Weiters gibt es optionale deutsche Untertitel und einen englischen Audiokommentar.

    Als Bonus gibt es das Featurette "Man in the Attic: The Making of THE LODGER" (englisch mit dt. Untertiteln), eine Bildergalerie und den Originaltrailer.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum02.02.2013 16:09
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Ein Mörder zu wenig" (Folge 116)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Karin Baal, Dirk Dautzenberg, Wolfgang Wahl, Hans Brenner, Volker Eckstein, Andreas Voss, Sepp Wäsche, Paula Braend u.a. - Regie: Alfred Vohrer

    Walter Kramer und Alois Bracht arbeiten seit vielen Jahren zusammen in einem Münchner Wasserwerk. Kramer, der von seiner Frau Marianne getrennt lebt, ist ein leidenschaftlicher Lottospieler und überredet Bracht, es auch einmal zu probieren. Dieser füllt den Schein mit seinem Geburtstagdatum und dem seiner verstorbenen Frau aus. Kramer verspricht, das Formular für seinen Kollegen abzugeben. Tage später steht Alois Bracht aufgeregt vor der Tür von Walter Kramer: Seine Zahlen wurden gezogen, er hat sechs Richtige! Doch Kramer beansprucht den Gewinn für sich, da sein Sohn seinen Namen auf dem Schein eingetragen hat. Es kommt zu einem erbitterten Streit zwischen den Männern. Am nächsten Tag erscheint Kramer nicht an seinem Arbeitsplatz. Man findet ihn tot in seiner Wohnung. Jemand hat ihn erwürgt.....

    Alfred Vohrer inszeniert die Geschichte um eine enttäuschte Männerfreundschaft geradlinig und schwungvoll. Immer wieder stellt er sich und dem Publikum die Frage, ob es eine moralische Verpflichtung gibt, die über der Rechtmäßigkeit des Gesetzes steht, dem nach den Vorschriften der staatlichen Lotteriegesellschaft in korrekter Weise Genüge getan worden ist. Selbst Derrick und Klein engagieren sich mit Verve in dieser Sache und betonen den Betrug, der an Alois Bracht begangen worden ist. So scheint der Fall bereits nach zwanzig Minuten entschieden zu sein; nur einer kommt für den Mord in Frage: der um seinen Gewinn gebrachte Bracht. Die Tatsache, dass er leugnet, den Schein selbst ausgefüllt zu haben, spricht für seine Täterschaft, in die im Laufe der Ermittlungen auch sein Stiefsohn hineingezogen wird.
    Die Rollen der beiden Sturköpfe, die mit Beharrlichkeit an Familie, Geld und Meinungshoheit festhalten, wurden mit Wahl und Dautzenberg bestens besetzt. Vor allem Wolfgang Wahl kann in der kurzen Zeit den Wandel von Hilfsbereitschaft und Kameradschaftlichkeit zu purem Egoismus und Kaltblütigkeit nachvollziehbar machen. Eine nicht minder interessante Figur ist Marianne Kramer, die von Karin Baal ebenso vielschichtig angelegt wurde. Kann sie anfangs den unerwarteten Geldregen nicht fassen, so leistet sie sich bald Extravaganzen und stellt sich am Ende als vorausschauend, listig und umsichtig dar. Selbst Derrick muss vor dieser Frau den Hut ziehen, nicht um ihr Ehrerbietung zu erweisen, sondern aus weitaus prosaischeren Gründen, die sich im zunächst seltsam anmutenden Titel der Episode erklären.
    Geheimnisumwittert wie eh und je rückt Volker Eckstein (hier zusammen mit seiner Ehefrau Karin Baal, leider in keiner gemeinsamen Szene) in den Mittelpunkt des Verdachts; Hans Brenner in einer halbwegs seriösen Rolle grimassiert und palavert gewohnt pseudocharmant drauf los.
    Eine rundum gelungene Episode, in der banale Zufälle für die Eröffnung neuer Perspektiven sorgen und das Leben dreier Parteien gehörig in Aufruhr bringen. Vohrer erzählt vom Wert eines Versprechens, der Bedeutung von Verlässlichkeit und Vertrauen und der Macht und Faszination des Geldes, die 1,5 Millionen Mark zum Herrscher über Leben und Tod machen.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum02.02.2013 15:38
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Ein Spiel mit dem Tod" (Folge 115)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Kristina Nel, Wolf Roth, Verena Peter, Edwin Noel, Rudolf Wessely, Uwe Dallmeier, Margot Medicus, Maria Singer u.a. - Regie: Theodor Grädler

    Der Einbrecher Kussloff hat einen todsicheren Tipp bekommen. Die Villa des Kaufmanns Georg Hossner beherbergt einen Tresor, zu dem man ihm die Zahlenkombination mitgeteilt hat. Gerade als er den Safe öffnet, wird der Alarm ausgelöst. Kussloff rennt so schnell er kann aus dem Haus und flieht. Am nächsten Morgen muss er in der Zeitung lesen, dass er den Hausherrn erschossen habe. Lena Kussloff, die sich Sorgen um ihren Vater macht, meldet sich bei Oberinspektor Derrick und erzählt ihm die ganze Geschichte. Als Derrick mit dem Mann sprechen will, findet er ihn tot in seiner Wohnung vor: Kussloff wurde erstochen, nachdem er in einer finsteren Kneipe angerufen und nach einem gewissen Albert verlangt hatte.....

    Rudolf Wessely gibt uns eine Anleitung zum Aufbrechen von Sicherheitsschlössern und führt anschaulich vor, wie sich Otto Normaleinbrecher sein Brot verdient. Der Zuseher begleitet den Mann in einem ungewöhnlichen Opener auf seiner nächtlichen Arbeitstour und assistiert ihm bis zu dem Moment, in dem der Alarm die Stille zerreißt. Die Kamera suggeriert Komplizenschaft und Verbundenheit mit dem Täter, der am nächsten Morgen weitaus schlimmerer Dinge beschuldigt wird: man legt ihm einen kaltblütigen Mord zu Lasten. Doch bevor er sich in die üblichen Widersprüche verwickeln kann, schließt Reinecker das Kapitel ab und schlägt ein neues auf. Die gedämpfte Welt der Familie Hossner, die in klassischer Vorgabe aus der jungen Witwe und ihrem empfindsamen und deshalb nicht geschäftstüchtigen Schwager besteht, nimmt den ganzen Raum ein. Kristina Nel mimt die gleichgültige und weitgehend unbeeindruckte Hinterbliebene mit kühler Distanz, während Wolf Roth einen angenehmen Charakter zeichnet, dem man einiges zutraut und alles glauben möchte. Seltsam, dass bereits in der vierten Folge nach "Manuels Pflegerin" erneut das Motiv des vom Bruder versehentlich überfahrenen Mannes (diesmal mit Prothese) auftaucht. Leider wird versäumt, die Spannung auf das Mordmotiv zu lenken. Stattdessen täuscht man eine Bedrohung von Lena Kussloff vor, die bei der (nur zu diesem Zwecke ins Leben gerufenen) neuen Flamme von Oberinspektor Derrick untergebracht werden muss. Ohnehin stört Margot Medicus die Handlung weitaus mehr als es Johanna von Koczian in zwei früheren Folgen tat. Die Unterweltkneipe - ja, Gubanov, die gibt es nicht nur im "Kommissar"! - wird wieder einmal strapaziert und zaubert einen farblosen Gesellen hervor, der am Ende untertauchen muss. Weshalb Georg Hossner ermordet wurde, bleibt unklar. Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.....

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum02.02.2013 15:03
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Keine schöne Fahrt nach Rom" (Folge 114)
    mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Thomas Schücke, Heinz Reincke, Beate Finckh, Uli Kinalzik, Christiane Hammacher, Udo Thomer, Michael Büttner, Fritz Strassner, Alf Marholm, Wolfried Lier u.a. - Regie: Alfred Weidenmann

    Die Studenten Martin Maurus und Sabine Reis wollen Anfang Oktober per Anhalter nach Italien reisen. Während Sabine ihre Eltern im Glauben lässt, sie führen mit dem Zug, stehen die beiden jungen Leute an der Autobahnausfahrt und warten auf einen Lastwagen, der sie mitnimmt. Nach einiger Zeit erklärt sich ein LKW-Fahrer bereit, Sabine mitzunehmen. Als Martin in den Wagen einsteigen will, bekommt er einen Cowboystiefel in den Bauch und wird zurückgestoßen. Der Lastzug fährt ohne ihn in die Nacht davon. Geistesgegenwärtig hält Martin einen Mercedesfahrer an, der gerade getankt hat und bittet ihn, dem LKW zu folgen. Der Mann weigert sich jedoch schon nach kurzer Zeit, die Spur weiter zu verfolgen und entledigt sich seines Beifahrers. Am nächsten Morgen findet die Polizei die Leiche von Sabine auf einem Parkplatz. Sie wurde vergewaltigt, erwürgt und dann aus dem Wagen geworfen. Martin, der Sabines Eltern versprochen hatte, auf ihre Tochter aufzupassen, schwört Vergeltung und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an.....

    Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Martin Maurus und sein Schmerz über den Verlust seiner Freundin. Der Student war der vernünftigere Teil des Paares, das gerade dabei war, eine gemeinsame Entdeckungsreise in den Süden zu unternehmen. Die Risiken einer solchen Unternehmung werden leicht unterschätzt und so liegt die Warnung von Sabines Vater, nicht gutgläubig und leichtsinnig zu sein, wie eine unsichtbare Last auf den Schultern des jungen Mannes, dem das Mädchen anvertraut wird. Der Tod von Sabine ruft in Martin nicht nur Trauer und Fassungslosigkeit hervor, sondern auch Schuldgefühle, nicht achtsam genug gewesen zu sein. Sein Wunsch, die Täter zu stellen, basiert deshalb auch auf dem Bedürfnis, sein schlechtes Gewissen auf die wahren Verursacher des Leid zu übertragen. Er will dem Ehepaar Reis, aber vor allem sich selbst, versichern, alles getan zu haben, um die Täter ihrer Bestrafung zuzuführen. Thomas Schücke, der Darsteller mit dem eiskalten Blick und der Aura des von inneren Dämonen gequälten Mannes, gewinnt mit jedem seiner "Derrick"-Auftritte ein wenig mehr Terrain. Sein Vorgehen ist überlegt, unaufgeregt und dennoch betroffen; er ist keiner, der sich leicht lenken lässt, hat er aber ein Ziel vor Augen, so verfolgt er es beharrlich. Weidenmann stellt ihn ins Zentrum der Handlung und nicht das Opfer, dem die Kamera nur einen kurzen Blick und Derrick lediglich eine nüchterne Feststellung für den Tatortbericht widmet. Die Auswirkungen des Verbrechens auf den engsten Hinterbliebenen (die Reaktion der Mutter Sabines wird gar nicht erst gezeigt) und ihre Konsequenzen erscheinen Reinecker (und dem Publikum) viel interessanter. Der Mord ist für die Spedition des Herrn Henschel nur ein Nebenprodukt, ein Betriebsunfall eines seiner Fahrer. Im Hintergrund arbeitet die Kriminalhandlung unablässig an der Ausführung eines anderen Verbrechens, das aus der Serie "Der Kommissar" übernommen worden ist: In der letzten Folge "Tod im Transit" geht es ebenfalls um Transporte mit belgischen LKWs, die unter Zollverschluss fahren und deren Ladung hinter verschlossenen Türen gegen gestohlenes bzw. unerlaubtes Frachtgut ausgetauscht wird. Wolfgang Müller erhält deshalb eine Rolle als Ermittler des Raubdezernats; offensichtlich ist er nicht ganz Herr seines Amtes, sein unablässiges Nuckeln an der Zigarette wirkt nicht cool, sondern unsicher. Derrick muss diesmal über den Vorwurf nachdenken, er sei kein Beteiligter, doch die gemäßigte Regie erlaubt ihm keinen Einspruch. Ohnehin ist es für den Zuseher immer eine Denksportaufgabe, unter welchem Regiestil Horst Tappert gerade agiert. Mehr Spielraum wird Heinz Reincke zugestanden, der von gereiztem Widerwillen, über betroffene Teilnahme bis zu kompromissloser Entschlossenheit alle Register ziehen darf. Das Schlussbild gebührt aber Thomas Schücke, dem es gelingt, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

  • Ein Quiz für alle (freie Themenwahl)Datum30.01.2013 20:12
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    DAS STERBEN IN WYCHWOOD (Original: Murder is Easy) - Kriminalroman von Agatha Christie

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    John Howard Reid schreibt in seinem Buch "Mystery, Suspense, Film Noir and Detective Movies on DVD" auf Seite 55 folgendes:

    "A muddled plot is here directed in an extremely middling manner by Norman Lee, yet it's distinguished by the vibrant Lilli Palmer in the lead role. Mr Lunge's somewhat erratic hero seems as far at sea as the rest of us, but Leslie Banks has himself a grand old time as the villain."

    Zur US-Disc (Sinister Cinema DVD) schreibt er: Good visual quality but muffled sound.

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