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  • Dieter Thomas Heck gestorbenDatum08.09.2018 20:49
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Wie heute in einer Illustrierten zu lesen ist, wurde Dieter Thomas Heck auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf südlich von Berlin beigesetzt. Sogar der Grabstein wurde bereits angebracht, obwohl damit normalerweise gewartet wird, bis sich das Grab senkt.

  • Café Wernicke (1979/80, TV)Datum07.09.2018 14:11
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Folge 4: "Pleiten"

    Der Tonfilm hält Einzug in die Lichtspielhäuser und auch Bruno Matschinski wittert in einer Beteiligung an einem Filmprojekt die große Chance. Nachdem sein Plan, das "Wernicke" an eine Kinokette zu verkaufen wegen der Größe des Lokals nicht realisierbar ist, verhandelt er mit einem Filmproduzenten. Er ahnt nicht, dass er dabei übers Ohr gehauen werden soll. Währenddessen schreibt Ingeborg Gruner in ihrer Zeitschrift über den Mord an Horst Wessel, der von Goebbels politisch ausgeschlachtet wird. Sie wird von Hilde Westermann aufgesucht, die einiges über den Tatort Frankfurter Straße zu berichten weiß. Das "Wernicke" wundert sich derweil über den Besuch der Schauspielerin Sylvia Holm, die mit Matschinski turtelt. Wieder einmal sieht Dolly Grund zur Eifersucht, täuscht sich aber über den Charakter des Filmstars.



    Horst Niendorf gibt sich als großspuriger Filmproduzent die Ehre, der als gewiefter Fuchs nach einem Dummen sucht, während Marianne Berendsdorf den platinblonden Filmstar á la Jean Harlow mimt. In der politisch kritischen Maria Körber findet Johanna von Koczian eine Gleichgesinnte, mit der sie über die veränderten Zeiten und die Gefahren der Gegenwart philosophieren kann.

    Gebäck der Stunde: Ingeborg Gruner bestellt sich einen Streuselkuchen.



    Folge 5: "Verordnete Not"

    Hager, Dollys ehemaliger Verehrer, taucht in SA-Uniform im Café Wernicke auf und mimt den großen Mann. Bruno verweist ihn des Lokals, was später noch Folgen haben wird. Er kauft in Hinblick auf die Erstarkung der Hitlerpartei eine Fahnenfabrik, weil er darin eine zukunftsträchtige Kapitalanlage sieht. Währenddessen bangen Marie und Franz Lampe erneut um ihr Café, der Onkel von Blumenau soll ihnen mit einem Kredit seiner Bank helfen. Fritzenstein besucht mit einer neuen Flamme ein Pferderennen und sahnt bei einem Außenseitersieg im großen Stil ab. Er ist noch einer der wenigen, die von der wirtschaftlichen Krise nichts spüren und optimistisch in die Zukunft blicken. Die düsteren Bilder, die Hager als Scharführer vor arbeitslosen Handwerkern an die Wand malt, treiben immer mehr Hoffnungslose in die Arme von NS-Organisationen.



    Andrea Rau sieht in ihren eleganten Kostümen aus, als wäre sie selbst aus feinstem Marzipan gefertigt und ebenso süß gurren und schnabulieren sie und Dieter Thomas Heck als ihr Galan. Durch ihre Anwesenheit begibt sich die Episode endlich wieder ins Freie, wo Rau sowohl beim Pferderennen, als auch im offenen Wagen eine gute Figur macht. Der Flirt der beiden bricht die ernste Atmosphäre der Folge angenehm auf.

    Gebäck der Stunde: Zwei stellungslose Handwerker bestaunen den Königskuchen im Schaufenster, der trotz Rezession üppig wie eh und je ist.

  • Café Wernicke (1979/80, TV)Datum06.09.2018 14:08
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Folge 2: "Der neue Chef"

    Bruno Matschinski erwirbt offene Rechnungen der Lieferanten des Cafés und wird somit Hauptgläubiger von Marie und Franz Lampe. Diesen bleibt nichts anderes übrig als sich in die neue Situation zu fügen und als Matschinskis Angestellte weiterzuarbeiten. Mit moderner Musik und mehr Kellnern führt der neue Chef das Lokal mit eiserner Hand, was vor allem dazu führt, dass es Streit mit Dolly gibt, die seinen Befehlston nicht mehr ertragen kann. Der Werkstudent Hager lädt sie zu einem Motorradausflug in den Grunewald ein. Er gehört einer deutschnationalen Verbindung an und nennt Dolly "meine kleine Germanin". Bruno reagiert eifersüchtig auf Dollys neuen Verehrer und glaubt, mit Versprechungen auf künftigen Wohlstand Punkte machen zu können. Dolly beweist ihre Loyalität zu Lampes und setzt sich für diese ein.



    Gaststar Volkert Kraeft hat in der zweiten Folge seinen ersten Auftritt. Im Laufe der Serie wird er sich zunehmend radikalisieren und eine ernsthafte Gefahr für das Kaffeehaus und seine Betreiber darstellen. Der stets trocken, aber engagiert wirkende Kraeft sucht in seinen Rollen die Konfrontation und die Herausforderung und eckt damit gerne bei Autoritäten und dem Establishment an.

    Gebäck der Stunde: Sahnebaiser stehen vorn auf der Theke, ein französisches Schaumgebäck aus gezuckertem Eischnee.



    Folge 3: "Wolken"

    "Schwarzer Freitag" an der New York Stock Exchange: Bruno Matschinski verliert beim Börsenkrach sein gesamtes Barvermögen und muss ab sofort kleinere Brötchen backen. Er spielt mit dem Gedanken, das Café Wernicke an eine Brauerei zu verkaufen und entlässt alle Kellner. Er überwirft sich mit Dolly, die im Zorn kündigt. Durch die heraufziehende Weltwirtschaftskrise soll an allem gespart werden, was machbar ist und Franz Lampe merkt dies mit Verdruss an der Einteilung der Zutaten für seine Backwaren. Immer noch spielt er mit dem Gedanken, sich zusammen mit Marie mit einer kleinen Konditorei selbständig zu machen statt täglich von 4 Uhr früh bis Mitternacht für den mürrischen Matschinski zu arbeiten. Ingeborg Gruner spürt den veränderten politischen Kurs in der Redaktion. Ihre Berichte sind für die Leserschaft zu düster und sollen mehr Lebensfreude widerspiegeln.



    Harald Juhnke beherrscht den egozentrischen Spekulanten aus dem Effeff. Er setzt stets auf eine glorreiche Zukunft und dreht sich frühzeitig nach dem Wind, um den Aufschwung nicht zu verpassen. Leider greift er oft auch in fallende Messer, wie seine Aktienkäufe bewiesen haben. Statt sich demütig in Schadensbegrenzung zu üben, sucht er den Schuldigen stets woanders und ersinnt riskante Auswege - gern auch welche auf Kosten anderer.

    Gebäck der Stunde: Petits Fours sind kleine Törtchen aus Biskuitteig mit Marzipan- oder Creme-Füllung.

  • Café Wernicke (1979/80, TV)Datum05.09.2018 14:15
    Thema von Percy Lister im Forum Film- und Fernsehklass...



    "Café Wernicke"
    mit: Almut Eggert, Peer Schmidt, Ursula Heyer, Harald Juhnke, Johanna von Koczian, Stefan Behrens, Franz Schafheitlin und Dieter Thomas Heck

    Eine Fernsehserie von Rolf Schulz

    Ob Tanz-Tee, Wirtschaftskrise oder Rassengesetze, die 20-teilige Fernsehserie zeigt Sorgen und Nöte, aber auch Aufschwung und Glück eines Berliner Kaffeehauses von 1925-1952.

    Die Berliner Werbefunk GmbH (heute: rbb Media GmbH) drehte in den Jahren 1979/80 zwanzig Folgen á 25 Minuten über den Alltag in einem alteingesessenen Café, dessen Besitzerin Marie Lampe seit einem Jahr verwitwet ist. Der neue Konditormeister Franz Lampe ist nicht nur für die kulinarischen Genüsse des Lokals ein Segen, sondern auch für die Chefin. Er hat sich durch Engagements in der Schweiz ein kleines Vermögen erspart und beschließt, damit die alten Lieferantenschulden zu bezahlen und in das Café zu investieren. Marie und Franz heiraten und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kommen auch wieder mehr zahlungskräftige Gäste ins Lokal. Die Runde der treuen Stammgäste besteht aus der liberalen Journalistin Ingeborg Gruner, dem jüdischen Maler Bernhard Blumenau, dem Ministerialrat a. D. Oberst von Borck und dem Pferde- und Frauenkenner Fritzenstein. Der neureiche Bruno Matschinski, ein Opportunist ersten Grades, hält sich an die Serviererin Dolly, eine kesse Blonde, deren Eifersucht für so manche Szene sorgt. Zu Beginn jeder Episode werden die wichtigsten Ereignisse des Jahres im Telegrammstil mitgeteilt, wobei der Zuschauer erfährt, aus welcher Richtung der politische Wind gerade weht und was die Trends der Saison sind.

    Folge 1: "Veränderungen"

    Am Stammtisch äußert sich die Journalistin Ingeborg Gruner zu einem Buch, das man ihr gerade aus München zugeschickt hat. Es handelt sich um "Mein Kampf" von Adolf Hitler. Während sie den schlechten Stil bemängelt und Oberst von Borck postuliert, der Mann wäre doch erledigt und ein kleiner Abenteurer ohne Aussicht auf Erfolg, legt sich bereits der erste politische Schatten auf die Runde, von der nicht alle das kommende "Tausendjährige Reich" überleben werden. Währenddessen schließen Marie Wernicke und Konditormeister Franz Lampe neben ihrer beruflichen auch eine private Allianz und versuchen das Café mit neuen Backspezialitäten wieder in die Höhe zu bringen. Der von Marie abgewiesene Bruno Matschinski sinnt auf Rache und versucht über die Kellnerin Dolly an Geschäftsgeheimnisse zu gelangen.



    In der ersten Folge der Serie kristallisiert sich bereits der Charakter der einzelnen Figuren heraus und jeder Schauspieler kann seiner Rolle einen Stempel aufdrücken. Der Zuschauer wird es mit unverwechselbaren Persönlichkeiten zu tun bekommen, von denen jede Höhen und Tiefen meistern muss und die im Laufe der Jahrzehnte von der Zeit und ihrem Umfeld geprägt werden.

    Gebäck der Stunde: Eclairs, auch Liebesknochen genannt. Eine glasierte französische Backware mit Sahne- oder Creme-Füllung.

  • Tätowierung (1967)Datum02.09.2018 15:16
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Tätowierung" (Deutschland 1967)
    mit: Helga Anders, Christof Wackernagel, Alexander May, Rosemarie Fendel, Tilo von Berlepsch, Heinz Schubert, Heinz Meier, Wolfgang Schnell u.a. | Drehbuch: Johannes Schaaf und Günter Herburger | Regie: Johannes Schaaf

    Der sechzehnjährige Benno wird vom Ehepaar Lohmann adoptiert. Nachdem er zuvor im Waisenhaus und dann im Jugendhof untergebracht war, ändert sich sein Leben grundlegend. Er soll eine Ausbildung als Koch absolvieren und Herr Lohmann will ihn für Geschichte und Kunst begeistern. Benno findet sich in seinem neuen Umfeld schlecht zurecht, weil er so viel Aufmerksamkeit und Fürsorge nicht gewöhnt ist. Einzig Lohmanns Adoptivtochter Gaby weckt durch ihr unkonventionelles Verhalten sein Interesse. Eines Tages kehrt er in den Jugendhof zurück und holt dort aus einem Versteck die Waffe, die er damals an sich genommen hatte....



    Johannes Schaaf, der seit Anfang der Sechziger Jahre Fernsehspiele leitete, debütierte mit "Tätowierung" als Filmregisseur. Sein markantes Äußeres zeigte er dem breiten Publikum in zwei Auftritten innerhalb der Serie "Der Kommissar", wo er auch ein weiteres Mal Regie führte. Die internationale Aufmerksamkeit für "Tätowierung" äußerte sich u.a. auch bei den Festspieltagen in Venedig, wo der Film in den ersten Septembertagen des Jahres 1967 großes Gesprächsthema war. Im Jahr darauf gewann er den Deutschen Filmpreis. Die Besetzung umfasst einen kleinen Kreis, der im Prinzip aus vier Personen besteht, welche den Mikrokosmos einer Familie entwerfen, die dem Durchschnitt entsprechen will, deren Bestandteile jedoch wie die allgegenwärtigen Mosaike in Lohmanns Werkstatt zufällig zusammengesetzt worden sind, unabhängig davon, ob sie zueinander passen. Die Motive des Ehepaars für die Adoption der beiden Jugendlichen - wobei das Mädchen schon länger in der Familie lebt - werden nicht angesprochen. Vermutlich liegen philanthropische Gründe vor; das Bedürfnis, den erreichten Wohlstand mit jemandem zu teilen bzw. den Wissensschatz weiterzugeben. Herr Lohmann sieht sich als Vermittler eines positiven Weltbildes. Er übt sich in Toleranz, Nachsicht und Gelassenheit und möchte den jungen Benno bilden, damit er das Rüstzeug für ein geordnetes Leben erhält. Selbstzufrieden ist er der Ansicht, dass er den goldenen Mittelweg zwischen Autorität und Laissez-Faire gefunden hat. Seine Frau unterstützt ihn dadurch, dass sie ihn gewähren lässt und nickt sein Handeln lächelnd ab. Die beiden sind sich offensichtlich in allen Dingen einig und davon überzeugt, dass eine Strukturierung des Lebens allen Problemen vorbeugt.

    Temporeich hetzt der Film Benno durch die Credits, eine Meute halbwüchsiger Jungen hinter ihm her. Die Bedrohung scheint eine Herausforderung für ihn zu sein, ein Kräftemessen "Einer gegen alle - Alle gegen einen". Den Abschied vom Jugendhof nimmt er gleichmütig entgegen, man sieht ihm weder Bedauern, noch Freude an. In seinem neuen Zuhause wird er buchstäblich in die Ecke gedrängt zwischen die Familienporträts aus der Vergangenheit, welche die Wände schmücken - neben etlichen Kunstwerken, denn Familie Lohmann legt großen Wert auf gutbürgerliche Tradition. Bennos Gedanken und Gefühle lassen sich selten erraten, er teilt sich auch auf Aufforderung nicht mit und scheint kein eigentliches Ziel vor Augen zu haben. Es macht ihm Freude, Mauern zu überwinden und Mauern - vor allem die Berliner Mauer - sind wichtige Symbole dieser Produktion. Zweimal klettert Benno über die Eingrenzung des Jugendhofs und löst durch einen Rechen die Leuchtraketen an der Befestigungsanlage der Grenze aus, die gleich neben dem Familienansitz verläuft. Er tut immer das Gegenteil von dem, was von ihm erwartet wird, doch seine Flucht ist ziellos, weil er keinen Plan hat. Ausweglosigkeit und ein Mangel an Perspektiven prägten bisher sein Weltbild. Im Jugendhof wurde zwar die Theorie der gesellschaftlichen Grundsätze vermittelt, vom Lehrkörper jedoch nicht praktiziert. Verhängnisvoll wird für Benno die Anwesenheit der jungen Gaby, von der er nicht recht weiß, was er von ihrem Verhalten denken soll. Einerseits sucht sie seine Gesellschaft, andererseits geht sie ihre eigenen Wege und hat ebenso wie er kein festes Ziel vor Augen. Die Frage, was passieren wird, wenn die beiden sich gegenseitig beeinflussen, treibt die Handlung beunruhigend voran.

    Christof Wackernagel ist dem heutigen Publikum vor allem durch seine Mitwirkung auf der "zweiten Ebene" im Kreis um die RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock und Stefan Wisniewski und seiner angeblichen Beteiligung an der Entführung und späteren Tötung von Hanns Martin Schleyer bekannt. Nach seinem Erfolg mit "Tätowierung" konnte er beim Film nicht richtig Fuß fassen; dem Krimifreund ist er aus "Der Kommissar - Dr. Meinhardts trauriges Ende" geläufig. Dabei beginnt die Karriere des jungen Wackernagel mit der preisgekrönten Produktion und seinem authentischen Spiel recht vielversprechend. Sein Benno ist ein Junge, der die Sympathie des Zuschauers schnell gewinnt, obwohl er streckenweise undurchschaubar bleibt. Mimik und Gestik überraschen immer wieder, wenn er plötzlich ein kindliches Lächeln zeigt oder sich nach einer Enttäuschung davonschleicht. Helga Anders, welche von der italienischen "La Stampa" bei den Filmfestspielen in Venedig als "ein nicht zu verachtendes Bardotchen made in Germany" gefeiert wird - ein Image, das ihr mit den Jahren zunehmend auf die Nerven ging - sieht in Benno einen Gefährten, der das gleiche Schicksal teilt. Aufgenommen bei einem fremden Ehepaar, Freiheiten und Ruhe genießend, aber dennoch auf der Suche nach dem eigenen Stand. Gaby hat sich viel besser damit arrangiert als Benno, sie erhält regelmäßig Geld für ihr nicht übermäßig forderndes Mitwirken in der Werkstatt und weiß, wie sie die Erwachsenen nehmen muss. Sie zeigt sich passiv, aber nur solange bis sie eine Chance wittert, ihren Vorteil zu erreichen. Helga Anders dominiert mit ihrem präzisen und dabei fast beiläufigen Spiel die häusliche Szene, wobei man gespannt ist, welchen Schritt sie als nächstes tut. Unberechenbar, launisch und dann wieder ausgelassen fröhlich zieht sie die Blicke auf sich, während sie scheinbar nichts Besonderes tut. Hingabe und Anhänglichkeit langweilen sie schnell und lassen sie auf dem Absatz kehrtmachen. Die Katastrophe kann kommen.

    Unaufdringlich, fast poetisch setzt Johannes Schaaf sein Jugenddrama in Szene, wobei er auf die überzeugenden Leistungen von Wackernagel, Anders und May bauen kann. Assoziationen der inneren Situation der Figuren mit der zeitgeschichtlichen, deren Symbol die Berliner Mauer ist, bleiben nicht aus. Bedeutungsschwere und Leichtigkeit wechseln sich elegant ab, das abrupte Ende überrascht und entspricht dem Bruch mit den Konventionen. 4,5 von 5 Punkten

  • Das Mädchen mit den Katzenaugen (1958)Datum02.09.2018 14:53
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Das Mädchen mit den Katzenaugen" (Deutschland 1958)
    mit: Vera Tschechowa, Joachim Fuchsberger, Wolfgang Preiss, Mady Rahl, Gert Fröbe, Hans Clarin, Willy Krüger, Nina Hauser, Stanislav Ledinek, Bum Krüger, Friedrich Schütter, Karin Stoltenfeldt, Emmerich Schrenk, Peter Frank, Kurt A. Jung u.a. | Drehbuch: Werner Zibaso | Regie: Eugen York

    In Hamburg St. Pauli häufen sich die Fälle von Autodiebstählen, wobei das Gaunerduo immer nach der gleichen Methode vorgeht: Zuerst machen die Herren in der "Rio-Rita-Bar" Bekanntschaft mit dem "Mädchen mit den Katzenaugen", welches ihnen unter einem Vorwand den Autoschlüssel abluchst, damit sein Komplize mit dem teuren Wagen davonfahren kann. Norbert Wilms von der Kriminalpolizei erhält den Auftrag, jenen Lockvogel ausfindig zu machen und lernt dabei Katja kennen, die Tochter eines heruntergekommenen Gebrauchtwagenhändlers, der von Carlo Gormann, dem dubiosen Partner der Chefin der "Rio-Rita-Bar" erpresst wird....



    Die Produktion der Union Film bedient sich bereits einiger Zutaten der in Kürze so erfolgreich werdenden Edgar-Wallace-Reihe der Rialto Film. Joachim Fuchsberger, Zugpferd unter den Ermittlern, hatte bisher vor allem in Heimat-, Schlager- oder Kriegsfilmen gespielt und erhielt hier nun erstmals die Chance, sich als Inspektor zu versuchen. Willy Mattes, der für die ersten beiden Edgar-Wallace-Filme die Musik beisteuerte, komponierte auch die flotten Klänge für die Beschallung in der "Rio-Rita-Bar". Und Kameramann Heinz Hoelscher sollte zwei Jahre später bei "Der grüne Bogenschütze" zum Einsatz kommen. Die Voraussetzungen für einen spannenden Kriminalreißer waren also gegeben, aber dennoch kommt es zu erkennbaren Längen und Dissonanzen. Vermutlich liegt dies auch daran, dass der männliche Hauptdarsteller erst nach über einer halben Stunde zu sehen ist und das Publikum zunächst ausgedehnte Szenen mit Stanislav Ledinek und Bum Krüger serviert bekommt, die in bester "Stahlnetz"-Manier agieren - schließlich sind auch Gerda-Maria Jürgens, Friedrich Schütter und Karin Stoltenfeldt mit von der Partie. Die blutjunge Vera Tschechowa stemmt die weibliche Hauptrolle und bildet mit ihrer Anmut und ihrer Natürlichkeit einen Gegenpol zu der verruchten Welt, in der sich ihres Vaters Freunde bewegen. Gert Fröbe wirkt mit seiner Rolle überfordert: einerseits soll er glaubhaft den Abstieg eines ehemals redlichen Mannes zeigen, andererseits unberechenbar bleiben und somit ein Schwachpunkt im Umfeld der Gangster. Leider trägt er stellenweise zu dick auf und lässt seine Rolle zu einer unfreiwillig komischen Figur verkommen. Eugen York wusste offensichtlich nicht, wie er Fröbes Spiel in überzeugende Bahnen lenken sollte.

    Die Handlung plätschert im Mittelteil vor sich hin und räumt der Liebesgeschichte zwischen Tschechowa und Fuchsberger reichlich Platz ein, während die Verbrecherjagd fast ohne ihn stattfindet. Willy Krüger, der in der Serie "Kommissar Freytag" noch als Ermittler überzeugen wird, hinterlässt auch hier einen soliden Eindruck, während es Wolfgang Preiss genießt, sich als skrupelloser und herrischer Gangster zu profilieren. Hier kann er weitaus handfester auftreten als in seiner Rolle als Dr. Mabuse, der sich primär auf sein Genie und die Ausführung durch willige Helfer verlässt. Mady Rahl meistert eine hintergründige Rolle als Frau im gewissen Alter, attraktiv und lebenserfahren, doch für ihren Partner nur mehr ein Mittel zum Zweck. Ihre Enttäuschung schlägt in Zorn um, der sein Ziel jedoch verfehlt, weil Preiss gegen derlei Vorwürfe und Drohungen immun ist. Rahl sollte im Laufe ihrer Karriere noch oft die Rolle der aufs Abstellgleis geschobenen Frau spielen, bevorzugt in der Schäbigkeit des halbseidenen Milieus. Hans Clarin als eleganter Kleinganove bemüht sich wie gehabt um einen Stammplatz innerhalb der Organisation und hat dabei stets Mühe, gegen die etablierter aussehenden Kollegen anzuspielen. Für kleine Schiebergeschäfte und Betrug in eigener Sache ist er immer eine sichere Bank. Die Identität des "Mädchens mit den Katzenaugen" wird dem Zuschauer im Gegensatz zur Polizei nicht vorenthalten und lässt somit keinen Zweifel an der Redlichkeit der weiblichen Hauptfigur. Wieder einmal wird im Finale auf die Tube gedrückt, das kann jedoch die Ratlosigkeit nicht übertünchen, mit der die Geschichte von Eugen York aufgelöst wird. Die letzten Sekunden wirken überhastet und lassen den Zuschauer ein wenig irritiert zurück.

    Nostalgischer Kriminalfilm mit sehenswerten populären Darstellern, einem schwungvollen Musik-Score und pittoresken Hamburg-Aufnahmen, der jedoch nicht an die Genre-Konkurrenz heranreicht. 3 von 5 Punkten

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum01.09.2018 14:18
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    EVA RENZI IM SPIEGEL DER PRESSEBERICHTERSTATTUNG

    "Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden." (Amerikanische Redensart)

    Eva Renzi schaffte es durch ihre Filme auch regelmäßig in die Spalten der Qualitätstagespresse und der Nachrichtenmagazine. Die Kulturkritiker konnten sie mit der Schreibfeder zwar nicht umstoßen, hofften jedoch, wenigstens eine Diskussion anstoßen zu können, wie es in einem kontroversen Umfeld wünschenswert ist. Oft genug bekommt der Leser den Eindruck, dass Eva Renzi als Schauspielerin nicht ernst genommen wird. Sie wird mehrmals auf ihre gute Figur reduziert und kaum eine Filmbesprechung kommt ohne einen Vergleich mit "Playgirl" (1966) aus, ihren ersten Kinofilm. Die Rezensenten gaben sich selbst jede Mühe, ihre Filmreviews zu verbalen Kunstwerken werden zu lassen und brachten Zustimmung oder Missfallen kurz und knapp auf den Punkt. Nebenbei gab es mit dem katholischen "Filmdienst" eine weitere Institution, die laut eigener Aussage "das Medium Film in all seinen Erscheinungsformen beschreiben und kritisch bewerten will". Zusätzlich brachte der Filmdienst eine Publikation in Buchform heraus, das "Lexikon des internationalen Films". Berüchtigt ist die Synopse "Wir raten ab", die für Freunde des speziellen Films als Empfehlung gewertet wird, die aber laut Angaben des Filmdienstes "sehr selten ausgesprochen wird". Anbei folgt eine kleine Auswahl an kritischen Worten über die verschiedenen Film- und Fernsehauftritte der Berliner Schauspielerin.



    Das "Hamburger Abendblatt" verfolgt die Karriere von Eva Renzi regelmäßig und schreibt in seiner Ausgabe vom 3. August 1965 folgendes zu "Playgirl" und seiner kapriziösen Neuentdeckung:

    Finanzielle Opfer sind für Paul Hubschmid mit diesem Experiment jedenfalls nicht verbunden. Er verlangt und bekommt eine Gage von 5000 Mark pro Tag. Dieselbe Summe erhält Hauptdarstellerin Eva Renzi übrigens für den ganzen Film. Diese hochgewachsene Blondine, Mutter einer zweijährigen Tochter, hat ein Selbstbewusstsein, mit dem sie noch eine Handvoll weiterer karrierebesessener junger Damen versorgen könnte. "Entweder ich werde ganz groß oder gar nichts. Als mittelmäßige Schauspielerin werde ich nie herumhopsen. Das könnte ich nicht ertragen. Eines Tages will ich ein Star sein und so berühmt, dass ich meine Rollen selbst auswählen kann. Untergehen werde ich sicher nicht, denn ich bin clever genug!"

    Am 30. Juli 1966 resümiert das "Hamburger Abendblatt": '"Playgirl" enttäuschte', wobei der Rezensent konstatiert, sich während der Vorführung gelangweilt zu haben. Will Tremper habe das Thema verfehlt und Eva Renzi bräuchte noch ein Wunder, damit es mit der Filmkarriere klappt.

    In seiner Ausgabe vom 11. September 1967 berichtet "DER SPIEGEL" in der Rubrik "Film / Neu in Deutschland" über das "Langbeinige Kinotier" und die Produktion der Rialto Film Preben Philipsen "Die Zeit der Kirschen ist vorbei":

    "Sieht man, dass ich nichts drunter habe?" fragt Eva Renzi im dünnen Kleid. Solche Rollen wird sie wohl fortan spielen. Will Trempers "Playgirl" hatte das langbeinige Kinotier, das vor der Kamera ungeniert sich selber spielte, ins Filmgeschäft katapultiert. Bei der deutsch-französischen Koproduktion, nach einem Roman des "Le Monde"-Kritikers Bertrand Poirot-Delpech, fiel Eva Renzi allerdings in den Schnee vom vergangenen Jahr. Das bunte Kino-Stück (Regie: Pierre Granier-Deferre) fabelt von der Pariser Jeunesse dorée, von Tristesse in Saint-Tropez und von einem labilen Jüngling (Jacques Perrin), der als Totschläger vor Gericht muss. Die Liebe zu einem deutschen Fotomodell - Eva Renzi spielt sich noch immer selbst - hat ihn dahin gebracht. Die welsche Leidenschaft für eine Teutonin überrascht. Dies Wunder wirkt die Koproduktion.

    Eine recht harsche Kritik zu "Le Grand Dadais", wie der Film auf Französisch heißt. Daraus kann man leicht folgern, dass es dem von Helmut Förnbacher geleiteten Vampirfilm in der Auswertung der Journalisten nicht viel besser ergehen wird, spielt er doch in einer weitaus weniger stilvollen und künstlerischen Liga als der wunderschön fotografierte Film "Die Zeit der Kirschen ist vorbei".

    "Beiß mich, Liebling" im "Hamburger Abendblatt" vom 29. August 1970:

    Die sexbesessene grüne Witwe und der superpotente Jungmann, ein frustrierter Sexualberater und ein echter Vampir? Dieser Film nimmt auf die Schippe, was im Kino im Moment "in" ist. Eine Parodie? Ganz will es dieser so "unheilen" Handlung in unserer heilen Welt nicht gelingen. Zu viele Gags? Ein paar gute, viele nur recht mittelmäßig sind hier aneinandergereiht worden, ohne Höhepunkte, ohne Lach-Erholungspausen. Eines dämpft die Kritik. Die Spielfreude der Mitwirkenden (Eva Renzi, Brigitte Skay, Amadeus August, Herbert Fux u.a.) wirkt ansteckend. Doch ohne den einfallsreichen tschechischen Kameramann Igor Luther hätte Helmut Förnbachers Film leicht danebengehen können. Auch Spaß will gelernt sein.

    Die TV-Ausstrahlung des Stückes "Das ohnmächtige Pferd" in der ARD kommentierte "DER SPIEGEL" im März 1975 wie folgt:

    Im "Stil der großen Hollywood-Zeit" und mit "lauter schönen Menschen" wollte TV-Regisseur Rolf von Sydow Francoise Sagans Talmi-Komödie inszenieren; mit Eva Renzi und Paul Hubschmid.

    Die fünfteilige Serie "Das blaue Palais" wurde mit dem European Science Fiction Award ausgezeichnet und basiert auf dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Forschung. Dennoch fand es Kritiker Simon Philip vom "Hamburger Abendblatt" in der Ausgabe vom 20. Oktober 1976 amüsant, die Episode "Unsterblichkeit" ins Lächerliche zu ziehen und sich einen eigenen Reim für den Hausgebrauch zu machen:

    Falls sich heute in acht Tagen die kleine unscheinbare Fliege in Ihrer Küche noch immer am Leben befindet und in den darauffolgenden Wochen plötzlich weitere Fliegen herumsummen, so ist es an der Zeit, einen eiligen Brief an Rainer Erler, ZDF Mainz, zu schicken. Es könnte ja sein, dass es sich um Nachkommen jener unsterblichen Taufliegen-Art handelt, die in der letzten Szene der neuesten Fortsetzung von "Das blaue Palais" auf und davongeflogen sind, direkt an der entsetzten Eva Renzi vorbei. Also: Augen auf und immer schön wachsam bleiben, wenn man irgendwo einer Fliege begegnet, die partout nicht sterben will. Davon mal abgesehen: Erlers neueste Unsterblichkeits-Story reichte immerhin zu einem kleinen, sorgsam gearbeiteten Horror-Film mit Frankenstein-Schloss, Liebesleid und Forscherwahnsinn. Nie sah Evelyn Opela reizender aus als in dem Augenblick, da sie sich in die Luft sprengte. Kurz, es geschah allerhand. Nur eine Winzigkeit fehlte: Spannung.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Marianne" (Deutschland / Frankreich 1955)
    mit: Marianne Hold, Horst Buchholz, Udo Vioff, Isabelle Pia, Michael Verhoeven, Friedrich Domin, Carl Simon, Peter Vogel, Bert Brandt, Michael Ande, Adi Berber, Harry Hardt, Jean Yonnel, Axel Scholtz u.a. | Drehbuch: Julien Duvivier, Peter de Mendelssohn und Marcel Ophüls nach dem Roman "Schmerzliches Arkadien" von Peter de Mendelssohn | Regie: Julien Duvivier

    Die Ankunft des naturverbundenen Vincent Loringer im Internat Heiligenstadt in Bayern bedeutet einen Einschnitt im beschaulichen Leben der ausschließlich männlichen Zöglinge. Der "Argentinier", wie er bald genannt wird, begleitet die Gruppe um den selbstbewussten Hauptmann Alexis zum Geisterschloss auf der anderen Seite des Sees, um festzustellen, ob das alte Gemäuer bewohnt ist. Als die Jungen durch die Hunde des Freiherrn aufgeschreckt fliehen, bleibt Vincent allein zurück. Erst in der Nacht kehrt er während eines furchtbaren Gewitters zurück und hat fortan nur mehr eines im Sinn: Marianne, die geheimnisvolle Schöne, die hinter den verriegelten Fenstern des Schlosses wohnt, wiederzusehen....



    Der französische Regisseur Julien Duvivier wollte eine Geschichte erzählen, "die sich zwar in unseren Tagen abspielt, aber außerhalb der Zeit und außerhalb der Welt. Mir liegt vor allem daran, einen poetischen Film zu schaffen, ein Film-Gedicht."* Der Roman "Schmerzliches Arkadien", der 1932 erschienen war, schuf die Grundlage für den Film, der bereits in den ersten Minuten wehmütige Reminiszenzen an Klassiker wie "Rebecca" (1940) heraufbeschwört. Udo Vioff, der älteste der Internatsschüler, berichtet als Erzähler aus einer zeitlichen Distanz von zwanzig Jahren über die Ereignisse, die sich damals zutrugen. Die Bilder des Waldes und der nebelverhangenen Mauern des Geisterschlosses, wie es von allen genannt wird, bereiten den Weg für eine melancholische Geschichte von Verlust, Trauer und Hoffnung und widersprechen trotz der idyllischen Atmosphäre jeder Andeutung seliger Heimatromantik. Die Bindung der Personen an ihre Umgebung ist zweckmäßig und von vorübergehender Natur, handelt es sich doch um Jungen, die das Internat früher oder später wieder verlassen werden. Ebenso verhält es sich mit der Schönen hinter den geschlossenen Fensterläden, auch sie scheint nur für Augenblicke zu verweilen und vermittelt deshalb den Eindruck eines temporären Ereignisses, das dadurch noch erlesener wirkt. Die Geschichte profitiert von den Rückblenden, in welchen Vincent seine Erlebnisse schildert und die deshalb ihrerseits wie Erzählungen aus einer anderen Zeit wirken. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, sowie zwischen Wunsch und Realität verschwimmen und lassen das Geisterschloss zum geheimen Sehnsuchtsort werden. Zunächst dient es der Räuberbande als Versteck und Projektionsfläche ihrer Phantasie; nach Vincents Ankunft rückt es noch intensiver in den Mittelpunkt des Interesses, weil man ihm zutraut, sein Geheimnis zu entschlüsseln. Der Argentinier bringt Eigenschaften mit, die ihn zum romantischen Helden machen. In seiner Heimat zähmte er wilde Pferde, lebte mit der Natur und achtete auf ihre Spielregeln. Dadurch ist er feinfühliger als die Jungen des Internats, die nicht gelernt haben, auf Zwischentöne zu achten und recht brachial zu Werk gehen.

    Marianne Hold, die sowohl in der deutschen als auch in der französischen Verfilmung die Titelrolle spielt, wäre vom Präraffaeliten Dante Gabriel Rossetti im 19. Jahrhundert wohl in Öl gemalt worden und auch im Film selbst wird sie durch ein Porträt eingeführt. Ihr entrückter Gesichtsausdruck, die leicht geöffneten Lippen, das glänzende blonde Haar, das in weichen Wellen ihr bleiches Gesicht umrahmt, täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass ihr Blick keinen Punkt hat. Man ist sich nie sicher, ob sie mit Vincent spricht oder einen inneren Monolog rezitiert. Was auf die englische Malerei in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zutrifft - eine Hinwendung zu detailreichen ernsthaften Sujets, die häufig der Mythologie oder Dichtung entnommen waren - kann auch über Julien Duviviers filmische Arbeit gesagt werden. Die Ambitionen des Regisseurs, lyrische Bilder zu entwerfen, schaffen eine Atmosphäre von fast unwirklicher Schönheit, die sich wiederum der Stilelemente eines Märchens bedient. Die Kamera, für welche Léonce-Henri Burel verantwortlich zeichnet, fängt Bilder von exquisiter Qualität ein. Die Ausleuchtung der Sets sorgt für den gewünschten "Geistereffekt", der den Zuschauer zweifeln lässt, ob die Bewohner des Schlosses wirklich existieren oder nur Schatten aus der Vergangenheit sind. Die Intention des Drehbuchs ist deshalb auch nicht, hinter die Lösung des Rätsels zu kommen, sondern eine mögliche Erklärung zu geben, die der Geschichte nicht ihren Zauber nimmt. Die Kunstauffassung des "l'art pour l'art" drängt die profane Wahrheitssuche hinter das Gefühl und die Stimmung, welche die Produktion vom ersten Augenblick an beherrschen. Die Erwachsenen nehmen in dieser Welt des Sturm und Drang wenig schmeichelnde Rollen ein: Friedrich Domin gibt den weltfremden und zerstreuten Professor, Harry Hardt den arroganten Rittmeister, Adi Berber den starren Diener und Jean Yonnel den Freiherrn, dem der junge Vincent naturgemäß misstraut, weil er all das verkörpert, was der Argentinier ablehnt und fürchtet: Anpassung, Beschränkung, Bitterkeit und Härte. Das Haus, dessen Schatten über drei Grenzen fällt - ein magischer Ort, der noch auf seine Entschlüsselung wartet.

    * Zitat aus: "Verführer und Rebell - Horst Buchholz, Die Biographie" von Werner Sudendorf, Aufbau Verlag Berlin 2013

    Kunstvoll und melancholisch präsentiert Duvivier seine Ode an die unvergängliche Jugend, deren Schmerzen und Freuden oft nah beieinander liegen. Mit Horst Buchholz, Udo Vioff und Marianne Hold baut der Film auf begabte Darsteller, die das Publikum rühren und überzeugen zugleich. 5 von 5 Punkten

  • Dieter Thomas Heck gestorbenDatum26.08.2018 10:45
    Thema von Percy Lister im Forum Off-Topic

    Dieter Thomas Heck (* 29. Dezember 1937 † 23. August 2018) war eines jener ZDF-Urgesteine, die klassische Familienunterhaltung lieferten und dabei selbst sangen, schauspielerten und durch einen großen Gala-Abend führten. Wer erinnert sich nicht an die ZDF-Hitparade oder die spannende Quizsendung "Die Pyramide", bei der man mit seinem Schulwissen stolz die eigenen Eltern ausstechen konnte? Als Schauspieler wirkte er u.a. in "Das Millionenspiel", "Café Wernicke", "Praxis Bülowbogen" und einigen "Tatort"-Folgen mit. Der legendäre Schnellsprecher mit der markanten Brille starb in einem Berliner Krankenhaus.

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum25.08.2018 14:52
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    EVA RENZI IM SPIEGEL DER PRESSEBERICHTERSTATTUNG

    "Mit Schlagzeilen erobert man Leser, mit Informationen behält man sie." (Alfred Charles William Lord Northcliffe, Verleger von "The Times")

    Eva Renzi war nicht nur ein unkonventioneller Star, sondern auch eine politisch denkende Frau. So berichteten Zeitschriften und Zeitungen nicht nur über ihre Filme, ihr gutes Aussehen oder ihre Ehe mit Paul Hubschmid. Vielmehr nutzten sie ihre Aussagen auch für ein heftiges Rauschen im Blätterwald, so, als wären sie erstaunt, dass eine attraktive Schauspielerin sich für mehr interessiert als die nächste Modekollektion aus Paris oder den neuesten Klatsch unter Kollegen. In ihren Filmen sieht man sie ab und an Zeitung lesend bzw. sie übt mehr als einmal den Beruf der Journalistin aus. Sie vertritt dabei nicht unbedingt die Meinung ihres Verlegers, sondern recherchiert stets auf eigene Faust, wird hellhörig, wenn alles zu glatt erscheint und eckt dementsprechend an. Durch ihr Engagement merkt man, dass ihr die korrekte Darstellung des Journalistenbildes, wie sie es sich wünscht, sehr wichtig ist. Man spürt, dass es ihr ein Anliegen ist, dass der Pressekodex, d.h. die publizistischen Grundsätze wie Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde, Sorgfalt und die Persönlichkeitsrechte befolgt werden. Als streitbare Moderatorin in "Friedenspolka" hält es sie kaum auf ihrem Platz, wenn sich zwei politische Kontrahenten verbal duellieren; in "Das Grauen kam aus dem Nebel" will sie nicht akzeptieren, dass ein Foto als Botschafter Menschen nicht zum Umdenken anregen kann; als Reporterin in "Das Messer" untersucht sie die Hintergründe eines rätselhaften Mordfalles und in "Grenzfälle" liegt ihr ein Thema besonders am Herzen, weil sie der Ansicht ist, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung sträflich vernachlässigt wird. Je nachdem, welches Magazin bzw. welche Zeitung Eva Renzi zum Gegenstand der Berichterstattung erkoren hatte, gab es eine andere Qualität des Journalismus. Um sich auf die Spurensuche nach der Schauspielerin zu begeben, dienen diese Artikel als Fragmente einer zeitgenössischen Annäherung dem Leser heute als Zeugnisse, wie Eva Renzi damals gesehen wurde, was sie provozierte und vielleicht auch, was sie bewegte. Spannend ist es allemal, sich aus den Beiträgen einen Reim zu machen und zwischen den Zeilen zu lesen.



    Vor fast vierzig Jahren, im Herbst/Winter 1978 widmete sich die Illustrierte "Wochenend" Eva Renzi in einer mehrteiligen Reportage. Die Zeitschrift, die stets mit Badeschönheiten titelte und sich gern erotischer Themen oder Familientragödien annahm, erschien in den 1970er-Jahren wöchentlich in einer Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren im Heinrich Bauer-Verlag. Unter dem Titel "Eva Renzi - Eine schöne Frau auf der Suche nach dem Glück" (Der große aktuelle Star-Report) berichtete Norbert Hardtmann über die vielseitige Berlinerin.

    Der Fokus liegt in diesen Beiträgen natürlich auf jenen Gebieten, wofür sich die Leserschaft des Magazins (angeblich) besonders interessiert. So trägt z.B. der Artikel in Ausgabe 51 vom 14. Dezember 1978 folgende Überschrift: "Temperamentvolle Nacktszenen vor der Kamera". Darunter sieht man eine Szene aus "Playgirl" (1966), wo die Schauspielerin in ihrer Rolle als Alexandra Borowski kurz oben ohne im Swimmingpool zu sehen ist. Dennoch täte man der Zeitschrift Unrecht, wenn man von vornherein annehmen würde, dass in den Artikeln nur Plattitüden und Gerüchte verbreitet werden. Einige Informationen sind doch recht interessant, gerade weil Eva Renzis Aussagen noch so frisch und direkt klingen, wie sie damals wohl geäußert worden sind. Ein paar Punkte, welche der Bericht anspricht, möchte ich hier gern wiedergeben.

    Sie hatte keine Einwände, als Partnerin von Klaus Kinski, dem Bösewicht vom Dienst, in dem Film "Treffpunkt mit der Schande" [= "Spezialkommando Wildgänse", 1970] zu spielen. Michael Craig, der große internationale Star, war mit von der Partie. "Manchmal", so ließ sich Eva Renzi nach Abschluss der Dreharbeiten in Rom vernehmen, "hatte ich das Gefühl, den Filmtitel tatsächlich zu durchleben. Das Benehmen von Klaus Kinski ist wirklich schlimm. Seine furchtbaren Launen lässt er an Leuten aus, die keine Stars sind. Er verträgt sich oft nicht mit den Kollegen und weiß meist alles besser." ("Wochenend" Nr. 51/14.12.1978)

    Neben dieser Aussage zum Dreh mit Kinski gibt es auch Informationen zu einem Projekt, über das leider kaum etwas bekannt ist.

    Freiwillig blieb sie hinter der Kamera. Als Regisseurin, Produzentin und als Autorin. "Professor Siebzig und seine Undine" hieß der Kurzfilm, den sie allen Unkenrufen zum Trotz für nur 2500 Mark tatsächlich auf die Beine stellte. Was ihr zuvor keiner recht glauben wollte, sie schaffte es. Fast die ganze Berliner Prominenz wurde von ihr überredet, an diesem Streifen mitzuwirken. An der Spitze natürlich ihr Ehemann Paul Hubschmid. Sie überzeugte unter anderem den Boxer Bubi Scholz, den Filmproduzenten Artur Brauner und den Filmverleiher Horst Wendlandt ebenso von ihrem Vorhaben wie den bekannten Hotelier Heinz Zellermayer. Die Hauptdarstellerin, mit der der Film eigentlich stand und fiel, war eine Entdeckung Eva Renzis. Es war die 15jährige Schülerin Feline Peters Arnolds. [= Philine Peters-Arnolds, geboren 1954 in Berlin, Schauspielerin und Synchronsprecherin]

    In der Ausgabe 50 vom 7. Dezember 1978 widmet sich der Autor einer Frage, die immer wieder für Diskussionsstoff sorgt und von Eva Renzi in ihrem Interview "Eva's Talking" teilweise selbst angesprochen wird: "Warum sie schließlich auf eine Weltkarriere verzichtete"

    Ein Experte der amerikanischen Filmbranche, dessen Augen und Ohren nichts verborgen bleibt, verrät, weshalb sich auch mit Harry Saltzmans Hilfe die beruflichen Weichen nicht auf Welterfolg stellen ließen. Offensichtlich hat es an zwei Dingen gelegen, die allerdings mit ihren schauspielerischen Qualitäten nichts zu tun hatten. Eva stolperte über anderes. Der intime Kenner der Filmmetropole erklärt nämlich: "Als Mensch war sie in Hollywood nicht sonderlich beliebt. Den Frauen war sie zu hochnäsig. Obendrein reagierten sie auch eifersüchtig, weil ihre Männer an der rassigen Eva zu interessiert waren. Fast alle wollten nämlich mit der langbeinigen, aufregenden Deutschen am liebsten einen Flirt anfangen." Aus amerikanischer Sicht war es jedenfalls Eva Renzis großer Fehler, so zugeknöpft zu sein.

    Warum beruft sich die Zeitschrift auf einen Experten, nennt aber nicht seinen Namen? Hier bekommt der Leser das Gefühl, dass der Verfasser absichtlich vage bleibt und eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage schuldig bleibt. Der Artikel endet mit einem Hinweis auf das Enigma unter ihren Kinofilmen.

    Wer kann es Eva Renzi verdenken, dass sie nach diesen Misserfolgen schließlich auf eine Weltkarriere verzichtete, Hollywood wutentbrannt verlassen hat und zu ihrem Paul Hubschmid zurückkehrte. War es richtungsweisend oder nur ein Zufall, dass der nächste Film mit Eva Renzi - allerdings in Deutschland - den Titel trug "Eine Frau sucht Liebe"?

    Natürlich findet auch die Auszeit, die sich Eva Renzi in Indien genommen hat, einen Platz in der Berichterstattung; gar zwei Hefte untersuchen dieses Thema. Der erste Artikel erschien in der Ausgabe 48 vom 23. November 1978: "Warum die temperamentvolle Eva es eines Tages nicht mehr bei ihrem Ehemann aushielt"

    Die Ferne reizte sie, das Unbekannte, das Neue, Indien, Afghanistan, Nepal. Groteskerweise kam das Ehepaar gerade von einer Liebesreise nach Bali, als Evas Sehnsucht nach Asien geweckt wurde und der sie dann schließlich auch nicht widerstehen konnte. Auf die Frage, warum Paul Hubschmid zu Hause blieb: "Er probte und spielte in Hamburg das Musical "Helden, Helden" von Udo Jürgens. Aber Paul hat uns bei all den Vorbereitungen zur Reise geholfen." Später reiste Hubschmid seiner Frau allerdings nach. Ohne Strom und fließend Wasser lebten sie in einem gemieteten Haus.

    Der Artikel lässt Eva Renzi von den "smaragdgrünen Augen der Inder" schwärmen und berichtet, dass die Schauspielerin nach ihrer Rückkehr nach Deutschland häufig in bunte Saris gewandet angetroffen wurde. Natürlich brodelte die Gerüchteküche und einige sprachen gar von einer baldigen Scheidung des Ehepaars.

  • Das dritte Auge (1966)Datum19.08.2018 13:08
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Das dritte Auge" (Il terzo occhio) (Italien 1966)
    mit: Franco Nero, Gioia Pascal, Erika Blanc, Olga Solbelli, Marina Morgan, Gara Granda, Richard Hillock u.a. | Drehbuch: Mino Guerrini, Piero Regnoli | Regie: Mino Guerrini

    Graf Mino Alberti steht kurz vor der Heirat mit Laura. Seine Mutter sieht diesen Plänen mit Unbehagen entgegen und beauftragt die Haushälterin Marta indirekt mit der Tötung der jungen Frau. Daraufhin manipuliert diese die Bremsen von Lauras Wagen und es kommt zu einem tödlichen Unfall. Die Contessa erkennt derweil, dass auch Marta ihren Sohn liebt, und es kommt zu einem Streit, bei dem sie die Haushälterin entlässt. Marta lässt dies nicht auf sich sitzen und stürzt die alte Frau die Treppe hinunter. Nun muss Graf Mino zwei Todesfälle verkraften und statt der ersehnten Freiheit macht sich der Wahnsinn im Schloss breit....

    Der Gothic-Thriller nutzt alle Stilelemente des Genres, um beim Publikum zu punkten. Müßig zu sagen, dass erneut Vergleiche mit Hitchcocks sechs Jahre zuvor entstandenem low budget-Film nach Robert Blochs Vorlage aufkommen. Franco Nero geht jedoch einen Schritt weiter und zeichnet seine Figur als Vertreter des degenerierten Adels, der seine gesellschaftliche Bedeutung verloren hat. Mino und seine Mutter bilden das einsame Bollwerk gegen das moderne Leben außerhalb der Schlossmauern. Sie halten den Schein eines privilegierten Daseins aufrecht und merken nicht, dass sie schon lange den Anschluss an die Realität verloren haben. Starre, verkrustete Abläufe, rückwärtsgewandte Handlungen und die stickige Atmosphäre eines Anwesens, in dem man von den toten Augen ausgestopfter Vögel beobachtet wird, lassen jeden Normalbürger wie einen Fremdkörper wirken. So bleibt auch Laura bald die Luft zum Atmen weg und sie verlässt die mit Hass und Missgunst aufgeladene Stätte. Olga Solbelli verkörpert die giftige Mutter mit Inbrunst. Wo ihr Blick hinfällt, wächst kein Gras mehr. Man kann sich gut vorstellen, wie die Domestiken vor ihr kuschten und ihr eigener Sohn zum emotionalen Krüppel erzogen wurde. Verlustängste gesteht sie sich nicht ein, sondern kompensiert diese mit herrischer Ungeduld und einschüchternden Befehlen. Gioia Pascal als Marta ruft beim Zuschauer nur bedingt Mitleid hervor, weil sie die Verhaltensmuster der Contessa selbst übernommen hat und ebenso unerbittlich agiert und andere manipuliert. Wie zur Rechtfertigung ihres Handelns betont sie mehrfach, in diesem Haus wie eine Sklavin behandelt worden zu sein und bestärkt den Conte in seiner Labilität, um Macht über ihn zu gewinnen. Im Prinzip drängt sie in die Rolle, welche vorher die Contessa über hatte. Nach Jahren der Frustration und des Wartens fehlen Geduld und Hoffnung, einen eigenen Weg zu gehen, und so wird das scheinbar naheliegende Erfolgsmuster von Einschüchterung, Drohung, Bevormundung und Verachtung fortgeführt, obwohl es letztlich für jenen katastrophalen Zustand verantwortlich ist, der ein normales Leben im Schloss unmöglich gemacht hat.



    Erika Blanc als Laura entspricht mit ihrem Selbstbewusstsein und den genauen Vorstellungen über ihr Leben an der Seite des jungen Grafen nicht unbedingt dem Bild des hilflosen Opfers, das ahnungslos in sein Verderben rennt. Sie wird bald eines gewaltsamen Todes sterben, was sich in subtilen Bildern andeutet. Ein Tod, der durch eine Entwicklung hervorgerufen wird, die lange schon in der Luft lag und sich nun hemmungslos den Weg bahnt. Ihr Sterben öffnet die Tür zu weiteren Verbrechen, die mit jedem Mal intensiver und brutaler ausgeführt werden. Graf Mino watet im emotionalen Treibsand: Immer wieder strauchelt er und wird von seinen überspannten Nerven zu Fall gebracht. Seine Versuche, sich gegen Kontrolle und Vereinnahmung aufzubäumen, durchbrechen immer wieder kurz die Atmosphäre der Abhängigkeit, allerdings ohne dass Mino dadurch Souveränität erlangt. Im Bewusstsein, dass der Conte in ihr nur eine willige Helferin für Notfälle sieht, steigert sich Martas Verzweiflung und sie greift zu Methoden, die demütigend sind. Mit Erpressung versucht sie ihn an sich zu binden und fühlt sich gleichwohl vorgeführt, weil er sein Versprechen jederzeit zurücknehmen kann. Die Intensität der Schauspielleistungen wird durch die hervorragende Kameraarbeit und die wehmütige Musik begleitet. Das Seelendrama wird dadurch ins Bewusstsein des Publikums gerückt und benötigt nur wenige effektvolle Momente der Exaltation, um seine Wirkung zu entfalten. Franco Nero mag man bescheinigen, er übertreibe sein Spiel gerade in den finalen Szenen, wo sein overacting deutlich zu Tage tritt. Durch die Schwarzweiß-Fotografie erhält der Film eine zeitlos klassische Note und viele Schockmomente gewinnen gerade durch die düstere Ausleuchtung der Sets. In diesem Sinn sticht auch die Wachtraumsequenz positiv hervor, weil sie schlüssige Augenblicke in schneller Bildabfolge präsentiert und das künstlerische Element unterstreicht. Der Film lebt von seiner Mischung aus Poesie und Schrecken, von der Fragilität schöner Dinge, die absterben oder getötet werden (z.B. der Blumenstrauß, der von Marta geknickt wird, oder die Vögel, die der Graf ausstopft).

    Eleganter Schwarzweiß-Thriller von darstellerischer Güte, dessen Handlung den Zuschauer in einen Sog aus seelischen Qualen und obsessiven Taten hineinzieht. Zeitlose Spannung, die nachdenklich stimmt. 4 von 5 Punkten

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum17.08.2018 13:55
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Gestern jährte sich zum dreizehnten Mal jener Tag, an dem Eva Renzi in Berlin an Lungenkrebs starb. Am Freitag, den 13. Juli 2018 suchte ich ihr Grab auf, nach welchem ich bereits vor vier Jahren Ausschau gehalten hatte, es damals aber nicht finden konnte. Diesmal hatte ich die genaue Nummer der Grabstelle und war deshalb zuversichtlich, die letzte Ruhestätte der Schauspielerin zu finden. Ich wollte ihr unbedingt einen passenden Strauß aufs Grab legen, der einen Bezug zu ihrer Persönlichkeit hat und zog deshalb die Blumensprache zu Rate, wie Prisma es bei einem anderen Grabbesuch einmal getan hatte. Das hatte mir so gut gefallen, weil es wertschätzend und auf den Menschen abgestimmt ist. Orangefarbene Rosen erschienen mir aufgrund ihrer Bedeutung sehr geeignet, verkörpern sie doch Bewunderung, Erfüllung, Fröhlichkeit, Glück und Hoffnung. Es war ein warmer Sommertag und der Kirchhof der Luisengemeinde machte diesmal einen weitaus angenehmeren Eindruck als bei meinem letzten Besuch. Nachdem ich die Reihe einmal durchgegangen und vom Grab immer noch nichts zu sehen war, stutzte ich erst einmal und ging den selben Weg noch einmal zurück. Anhand der Nummer musste ich feststellen, dass es sich bei der überwucherten Stelle am Ende der Reihe, an der ich bereits vorbeigegangen war, um Eva Renzis Grab handelte. Die grüne Wildnis verschluckte den Stein vollkommen und zwischen Laub und Gräsern steckte ein verblichenes Täfelchen der Friedhofsverwaltung mit der Aufforderung, die Angehörigen möchten sich doch bitte im Büro melden.



    Ernüchtert steckte ich die Grabvase, die ich wegen der Wärme gleich mit Wasser füllte, in den Boden neben dem Weg und machte mich an die Arbeit, das Grab freizuschneiden. Die Gartenschere kämpfte wacker mit einem besonders hartnäckigen Eibenzweig, der quer über das Grab ragte; das Efeu schlängelte sich tückisch um den ehemals farbenfrohen Stein. Brennesseln und eine aus der Form geratene Hortensie waren drauf und dran, die letzte optische Erinnerung an die Schauspielerin zu tilgen. Nach getaner Gärtnerarbeit konnte ich die Steckvase mit den Rosen endlich vor den Stein stellen, der nun wieder von der letzten Ruhestätte der Berlinerin kündete, nachdem ich ihn ordentlich mit einer Gießkanne von Spinnweben und Staub gereinigt hatte. Mit ein wenig Phantasie konnte man sich vorstellen, dass das Wasser im Schriftzug ihres Namens wie Tränen glitzerte, als es am glatten Stein hinabperlte. Ein Zitronenfalter flatterte fröhlich über das Grab. Ich erinnerte mich an verschiedene Momente ihres Filmschaffens und überlegte, was sie wohl zu dem Wildwuchs an ihrem Grab sagen würde. Die Rosen leuchteten kräftig aus dem üppigen Grün, als ich nach zwei Stunden jenen Ort verließ, an dem der Lebensweg der Schauspielerin endete, die am 24. August 2005 auf dem Luisenfriedhof am Fürstenbrunner Weg in Berlin beigesetzt wurde. Damals übrigens in einem Meer aus Sonnenblumen.

  • Das Bildnis des Dorian Gray (1970)Datum04.08.2018 16:42
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Interessant, dass man zur Verfilmung von 1945 das selbe Publikumsergebnis vermelden kann. Die Kritik meint, das Publikum reagierte damals verhalten, weil das Thema nicht in die Situation passte, in der die Menschen unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs standen. Später, in den Sechziger Jahren, wurde der Film dann erst zum Geheimtipp.

  • Das Bildnis des Dorian Gray (1970)Datum30.07.2018 13:31
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich habe "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde mit 17 Jahren mit Genuss gelesen, da der Roman den Ruf des moralisch Verwerflichen hatte und zudem laut meinem Literaturlexikon von einem "gefallenen Autor" stammte. Ich denke, dass die Verfilmung von 1970 hier sehr viel deutlicher zeigt, was der irische Autor ausdrücken wollte, während die Version von 1945 von Regisseur Albert Lewin mit Hurd Hatfield, George Sanders, Donna Reed und Angela Lansbury Vieles wegen der strengen Zensur nur andeutet und bildlich übermittelt. Düster ist die Stimmung allemal, wenn auch durch die historischen Kostüme teilweise ein wenig antiquiert bzw. umständlich. Für das Entstehungsjahr sind die Horroreffekte beachtlich, gerade am Ende, wenn sich das Bild von der hässlichen Fratze wieder zum pinselfrischen Porträt wandelt. Danke an Prisma für den ausführlichen Bericht zur Adaption mit Helmut Berger als außergewöhnlich schönem, aber gefühlskaltem Narziss!

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Midnight Ripper" (Morirai a mezzanotte) (Italien 1986)
    mit: Valeria d'Obici, Paolo Malco, Leonardo Treviglio, Dino Conti, Lara Wendel, Lea Martino, Eliana Miglio, Barbara Scoppa, Loredana Romito, Marcello Modugno, Loredana Guerra, Peter Pitsch u.a. | Drehbuch: Dardano Sacchetti, Lamberto Bava | Regie: Lamberto Bava

    Kriminalkommissar Piero Terzi glaubt zunächst nicht an die Theorie der Polizeipsychologin Anna Berardi, dass die jüngsten Frauenmorde auf das Konto des berüchtigten Franco Tribbo gehen. Dieser kam vier Jahre nach seiner Inhaftierung bei einem Brand in der psychiatrischen Abteilung des Gefängnisses ums Leben. Dennoch wird er von mehreren Zeugen in der Nähe der Tatorte gesehen. Konnte Tribbo, der das Feuer damals selbst legte, entkommen? Oder hat jemand sein Erbe angetreten und begibt sich nun auf einen mörderischen Rachefeldzug?



    Die Zutaten für einen gelungenen Giallo kennt Lamberto Bava aus dem filmischen Werk seines Vaters. Die Ungewissheit, die Verunsicherung und die Demütigung durch Angst spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Atmosphäre einer permanenten Bedrohung legt den Grundstein für das Gelingen des Films, der nach "A Blade in the Dark" (1983) erneut auf ein zurückliegendes Trauma baut und die tödlichen Folgen eines nicht aufgearbeiteten Verbrechens aufzeigt. Die Faszination, die rätselhafte Serienmorde mitbringen, entsteht in regelmäßigen Abständen immer wieder neu, besonders, wenn Daten unter Verschluss gehalten werden oder das Thema wegen neuer Taten wieder aktuell wird. Dabei sieht es zu Beginn nach einem klassischen Fall von Eifersucht aus, der häusliche Gewalt provoziert und deren Verlauf den Ehemann zum Tatverdächtigen Nummer Eins werden lässt. Die Tatsache, dass es sich dabei um einen Polizeibeamten handelt, wird nicht übermäßig ausgeschlachtet, um ein negatives Bild der Ordnungskräfte zu zeichnen, wie es in vielen Gialli der Fall ist. Im Gegenteil sehen wir mit Paolo Malco als Hauptermittler einen besonnenen Mann, der sich der aufkommenden Hysterie um die Rückkehr des Mörders Franco Tribbo verschließt und wissenschaftliche Ergebnisse höher bewertet als Spekulationen über ein Phantom. Eine besondere Note erhält die Handlung durch Terzis Tochter Carol, die von Lara Wendel mit sympathischer Ausgewogenheit dargestellt wird. Sie recherchiert den archivierten Fall Tribbo als Studentin der Kriminalpsychologie und zieht ihre eigenen Schlüsse. Sie bewahrt auch die Nerven, als sie selbst in Gefahr gerät und sich die Schlinge immer fester um ihr Umfeld zusammenzieht. In diesem Zusammenhang gibt es erneut eine Referenz an "A Blade in the Dark" (1983), als eines der Mädchen einen Roman mit dem Titel "Blood" liest, dessen Titelbild ein Messer zeigt, das durch eine Hand sticht. Ebenso erinnern die weitläufigen Gänge des wegen Saisonende geschlossenen Hotels an die Abgeschiedenheit des "Hauses mit dem dunklen Keller".



    Valeria d'Obici als Anna Berardi gibt in der Spurensuche nach dem Phantom mit dem Eispickel die Richtung vor. Ihr Beruf verlangt nach distanzierter Analyse, doch nun vermischen sich Dienstliches und Privates und ein guter Freund von ihr steht unter dem Verdacht, ein Mörder zu sein. D'Obici zeigt ihre Anna als pragmatische Frau, die man nicht so leicht erschrecken kann und sie scheint trotz der Gedanken, die sie sich um die neue Mordserie macht, sehr gefasst. Dennoch hat der Fall Tribbo, der bereits über zehn Jahre zurückliegt, Eindruck auf sie gemacht und beschäftigt sie auch außerhalb der Arbeitszeiten, wenn sie sein Gesicht plötzlich im Spiegel ihres Wohnungsflurs sieht. Zum ersten Mal verliert sie ihre Beherrschung, doch da sie bald wieder sachlich über den Fall diskutiert, vergisst man den kurzen Moment ihrer Agonie wieder. Anna ist der Ruhepol im aufgeregten Umfeld ihrer Studenten und Berufskollegen und der Zuschauer merkt zunächst nicht, dass sich die Identifikation von Anna auf Carol verlagert, so subtil geschieht es. Mit dem Schauplatzwechsel in das "Hotel Progresso" wird die Spannungsschraube noch einmal fester gezurrt und die jungen Mädchen als verlockende Beute für einen gestörten Killer werden dem Monster sozusagen auf dem Präsentierteller angerichtet. Er kann nun seelenruhig eine nach der anderen töten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, da die Abgeschiedenheit des geschlossenen Raums ihm Schutz vor Strafverfolgung bietet und er keinen anderen Gegner zu fürchten hat als sich selbst. Dennoch lässt die Anspannung nicht nach, weil die Heldin des Films generell unter dem sprichwörtlichen Schutz des Zuschauers steht, der um sie bangt. "Midnight Killer" scheint hier den Weg bis zum Ende gehen zu wollen und obwohl die Morde im Vergleich mit anderen Genrevertretern nicht übermäßig brutal ablaufen (man denke etwa an "Body Puzzle" oder "Bay of Blood"), sorgen die gelungenen Kameraeinstellungen für gleichbleibenden Nervenkitzel.

    Die Geschichte um den unheimlichen Franco Tribbo wartet mit überzeugenden Darstellern und einem flüssigen Plot auf, der aus den klassischen Versatzstücken des Genres einen grundsoliden und ansprechenden Beitrag gestaltet und erneut unterstreicht, dass Lamberto Bava einer der begabtesten Regisseure auf dem "gelben" Stuhl ist. 4,5 von 5 Punkten

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum24.07.2018 14:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    "Stürmisch hat sie's am liebsten - schwankende Planken symbolisieren ihr Leben." Mit diesen Worten stellt die österreichische Journalistin Margret Dünser Schauspielerin Eva Renzi vor, die im Sommer 1971 in St. Tropez mit einem Fischerboot hinausfuhr, um sich selbst bei einer Männerarbeit zu betätigen, ungeschminkt und mit Tochter Anouschka im Schlepptau, bewusst Abstand nehmend vom Jet Set.

    Die Sendereihe "V.I.P.-Schaukel" wurde am 9. Mai 1971 aufgenommen und endete am 9. Mai 1980 mit der 37. Episode. In der Fernsehreihe berichtete die polyglotte Journalistin Margret Dünser über prominente Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen, Kunst, Musik und der Welt des Adels. Die Gespräche fanden in entspannter Atmosphäre statt, oftmals bei ihren Gästen zuhause. Während die ersten Folgen noch sechzig Minuten dauerten, waren die Episoden mit fünfundvierzig Minuten später deutlich kürzer. Jede Persönlichkeit wurde in einem wenige Minuten dauernden Beitrag zu einem aktuellen Thema aus ihrem Leben befragt, bis dann nahtlos zu einem anderen Prominenten übergegangen wurde. So bildete sich ein abwechslungsreiches Mosaik aus ganz unterschiedlichen Personen.



    Während Eva Renzi auf dem schaukelnden Boot - dem unglamourösen Gegenstück zur titelgebenden V.I.P.-Schaukel - Fische sortiert und dabei sichtlich großen Spaß hat, folgt ihr die Kamera und hat Mühe, mit ihren Bewegungen mitzuhalten. Ein Windstoß fährt immer wieder dazwischen, doch Eva Renzi trotzt der stürmischen Herausforderung mit einem offenen Lachen und betrachtet die Arbeit, welche die Fischer vermutlich längst als eintönig empfinden, als abenteuerliche Abwechslung zum konzentrierten Posieren für Modejournale oder dialogreichen Dreharbeiten. Hier unterscheidet sich der Beitrag über die Berliner Schauspielerin von jenen über ihre Kollegen. Margret Dünser spricht über Renzi, aber nicht mit ihr, was interessante Fragen aufwirft, da die Schauspielerin als "neuerdings progressiv" bezeichnet wird. Ihren letzten Auftritt hatte Eva Renzi zu jenem Zeitpunkt in "Kressin und der tote Mann im Fleet", der "Tatort"-Folge mit Sieghardt Rupp, die am 10. Januar 1971 ausgestrahlt worden war. Die Dreharbeiten zum Durbridge-Dreiteiler "Das Messer" begannen erst im November 1971. Folglich musste die Berlinerin durch Äußerungen oder Handlungen privater Art aufgefallen sein, die den Eindruck wiedergaben, sie wäre nun auf einem fortschrittlichen, kritischen und unangepassten Pfad unterwegs.

    Zu sehen ist Eva Renzi in Episode 2, welche am 12. September 1971 gesendet wurde.

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum22.07.2018 20:23
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Kongo-Express" (Deutschland 1939)
    mit: Marianne Hoppe, René Deltgen, Willy Birgel, Lotte Spira, Max Gülstorff, Hermann Speelmans, Malte Jaeger, Heinz Engelmann | Buch: Ernst von Salomon, Johanna Sibelius, Eduard von Borsody | Regie: Eduard von Borsody

    Renate Brinkmann, eine junge Hamburgerin aus gutem Hause, erfährt von ihrem Verlobten, dem französischen Afrikaflieger Gaston Thibault, dass er ihre Verbindung lösen muss, da er seine Stellung verloren habe. Renate beschließt, zu ihm zu fahren und lernt während der Fahrt im Kongo-Express den deutschen Auswanderer Viktor Hartmann kennen. Dieser verliebt sich in Renate, weiß jedoch nicht, dass sie bereits mit seinem Freund Gaston verlobt ist. Zwischen den beiden Männern kommt es zum Streit und Renate weiß nicht mehr, für wen sie sich entscheiden soll. Auf der Rückreise mit dem Kongo-Express kommt es zur Katastrophe....

    Der Film entstand zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und obwohl die Handlung nach Afrika verlegt wurde, drehte man doch alle Aufnahmen in Deutschland. Ein Zug der Deutschen Reichsbahn wurde als Urwald-Express dekoriert und fuhr auf der Allertalbahn in Niedersachsen. Mit René Deltgen stand erneut ein Mime im Mittelpunkt, den der Film gern als wagemutigen Rebell einsetzte. Ein Darsteller, der unbequem sein konnte, war er doch als Luxemburger jemand, der den Gegenpol zum klassischen deutschen Filmhelden bildete und der sich deshalb Freiheiten herausnehmen konnte, die ihm den Hauch des Verwegenen verliehen. In "Kongo-Express" tritt Deltgen bereits in seinen ersten Szenen als laut, impulsiv und aggressiv gegen sich und seine Umgebung auf. Er spricht mit schriller Stimme, brüllt und bäumt sich gegen alles auf, was ihn begrenzen und auf den Boden zurückholen will. Seine Kränkung verbirgt er, weil er sie als Demütigung empfindet, und sein Heldenstatus hat bereits einen Knick bekommen, bevor er die Szenerie betritt. Sein Gegenspieler Willy Birgel befindet sich im Kreis seiner Freunde und flirtet ungeniert mit Marianne Hoppe, deren Besorgnis über die Zerrüttung ihrer Beziehung zu Deltgen sich in Grenzen hält und deren Lebensgeister fern von der konservativen Hamburger Verwandtschaft richtig aufblühen. Birgel erhält somit einen Sympathie-Bonus vor Deltgen, weil er es schafft, Hoppe aus der Reserve zu locken und ihre Schlagfertigkeit zu testen. Der Entstehungszeit entsprechend wird jenen Charakteren, die mit negativen Charaktereigenschaften ausgestattet sind, eine Nationalität verliehen, der das Dritte Reich feindlich gegenübersteht. Der gescheiterte französische Pilot und der geizige und mitleidlose schottische Arzt stehen für den vorauseilenden Gehorsam der Filmschaffenden vor der Zensur, die den teuren und aufwendig produzierten Film gegebenenfalls verbieten hätte können. Im Sinn der NS-Logik ist das Schicksal der von Deltgen gespielten Figur nach seinem beruflichen und gesellschaftlichen Niedergang besiegelt und trotz des hohen Spannungsfaktors, wer denn nun am Ende bei Renate bleiben wird, suggeriert das Drehbuch von Anfang an unterschwellig, in welche Richtung die Beziehung gehen wird.

    Mit großem Aufwand wurde ein landschaftlich überzeugendes Flair geschaffen bzw. eine Kulisse entworfen, die dem entspricht, was sich das Publikum landläufig unter den Weiten Afrikas vorstellt. Renate Brinkmann tritt ihre Reise mit einer guten Portion Naivität und Selbstvertrauen an. Furchtlos begibt sie sich auf den schwarzen Kontinent, ohne sich Pläne zurechtgelegt zu haben. Ihre Begegnung mit Viktor Hartmann sorgt für jene gewollt amüsanten Szenen, in denen sie im leichten Sommerkleid und in Sandalen mitten im afrikanischen Busch steht, weil der Wagen in die Binsen gegangen ist. Marianne Hoppe als aparte, herbe Schönheit zeigt ihre strahlend weißen Zähne oft und gerne und bringt genügend Voraussetzungen mit, um als Zankapfel zwischen den beiden Männern zu dienen. Trotz aller Bedenken, die sie wegen ihrer sich verändernden Gefühle hat, verfällt sie nicht der Verzweiflung, sondern bleibt rational, wie man es sich von einer Frau wie ihr erwartet. Ebenso bewahrt Willy Birgel seine Contenance, während es wiederum an René Deltgen ist, auf die Situation aufbrausend und (selbst-)zerstörerisch zu reagieren. Nachdem der komödiantische leichte Ton über weite Stellen des Films dominiert, was der Produktion eine unschlüssige Note verleiht, weil der Film gleichzeitig auch Abenteuerstreifen und Liebesdrama sein will, kehrt sich die Stimmung im Finale zu einem düsteren Wettlauf gegen den nahenden Tod. In einer spannenden technischen Montage wickelt sich der Kampf zu Luft und auf den Schienen ab und bereitet den Weg zu einem Ende, das nach persönlichem Empfinden zu einem geschmacklosen Abschlussbild überleitet, das erneut die Botschaft des Films unterstreicht, mich den Kinosaal jedoch sehr nachdenklich verlassen ließ. So bleibt unterm Strich eine Produktion, die mit weniger bemühten Humoranteilen und größerer Fokussierung auf den wesentlichen Kern und seine Charaktere ein Film mit Tiefgang werden hätte können. Der Druck, es allen Zuschauern recht machen zu wollen und es sich gleichzeitig nicht mit der NS-Zensurbehörde zu verscherzen, raubte dem Film einen Teil seiner Stringenz, bleibt in den Schlüsselszenen wie dem drohenden Zugunglück jedoch nach wie vor packend. 3,5 von 5 Punkten

  • L'amour toujours bei WallaceDatum01.07.2018 14:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    "Der Zinker" (1963): Beryl Stedman und Frank Sutton

    Der vierzigjährige Heinz Drache, der achtunddreißigjährige Günter Pfitzmann, die achtunddreißigjährige Inge Langen und die fünfunddreißigjährige Barbara Rütting heben sich allein durch ihr Alter von den Backfischromanzen früherer Filme ab. Der Zuschauer bekommt es hier nicht mit einer Berufsanfängerin bzw. Schulabgängerin und einem frisch von der Polizeiausbildung kommenden Beamten zu tun, sondern mit Personen, denen das Leben bereits die eine oder andere Lektion erteilt hat und deren Sinn für Romantik deshalb einem nüchternen Zynismus gewichen ist. "Die Männer- und Frauenrollen in den Edgar-Wallace-Filmen sind eingebunden zwischen Normalität, Intrigen und Wahnsinn." Professor Jens Thiele zieht dieses Fazit in "Deutsche Trivialität" im vierten Band der "Fischer Filmgeschichte". Inwiefern entspricht die Kriminalschriftstellerin Beryl Stedman dem Bild der hübschen Erbin, die bedroht wird? Zunächst einmal muss man feststellen, dass die Aussicht auf das Mulford-Erbe kaum eine Rolle spielt. Zudem ist eine physische Bedrohung nicht gegeben. Die Psyche allerdings wird herausgefordert und erhält den einen oder anderen Schock, als sich Erwartungen zerschlagen und Verbündete ihr wahres Gesicht zeigen.



    Mit Beryl Stedman in der Verkörperung durch die patente Barbara Rütting bekommt der Zuschauer hier kein Mädchen geboten, das sich laut schluchzend an die Brust des Inspektors wirft, sondern eine ernüchterte Frau, die aus der Lektion ihre Lehren zieht. Unkontrollierbare Gefühlsausbrüche nimmt man Barbara Rütting auch nicht ab, schon gar nicht, wenn es sich bei ihrem Gegenüber um Heinz Drache handelt, der so viel Empathie ausstrahlt wie ein Staubsaugervertreter. Hier liegt die Crux der Geschichte, denn mit ihm gelingt es nicht, das Bild einer ewigen Liebe zu zeichnen; das entspricht nicht seinem Charakter und sollte auch gar nicht von ihm verlangt werden. Wie schwierig der Einsatz von Heinz Drache auf dem dünnen Eis der Romanzen war, beweist die Tatsache, dass seine Partnerin in jedem Film eine andere war. Es scheint fast so, als hätte man ausprobiert, welche der Schauspielerinnen zu ihm passt und mit Barbara Rütting hatte man jene gefunden, die durch ihren Sinn für Humor Draches Selbstverliebtheit noch am ehesten parieren konnte. In ihren Dialogen begegnen sich zwei Menschen, die den Beruf des anderen prinzipiell nicht ganz ernst nehmen und das eigene Tun für die wahre Berufung halten. Man schätzt das verbale Kräftemessen, um sich selbst zu beweisen, wie Recht man hat.

    Frank Sutton genießt als Geschäftsführer der Tierhandlung Mulford das Vertrauen der Familie, was eine Annäherung zwischen ihm und Beryl begünstigt. Beide legen Wert auf strukturiertes Arbeiten und gehen ihrer Arbeit auch außerhalb der üblichen Bürozeiten nach. Komfort wird geschätzt, was sich im Auftreten und auf den Bankkonten zeigt. Die Allianz zwischen Frank und Beryl steht repräsentativ für die Kombination von Vernunft und Gefühl, wobei Emotionen in sachliche Bahnen kanalisiert werden. Einzelne Gesten der Zuneigung stehen für eine freundschaftliche Anhänglichkeit, so z.B. die geschlossene Front durch das Händchenhalten bei der Ankunft von Sergeant Leslie oder Beryl, die beim drohenden Angriff durch den Zinker ihre Hand auf Suttons Arm legt. Ihre Angst um den Partner ist echt, weil sie die Gefahr durch den unheimlichen Mörder richtig einschätzt und nicht möchte, dass ihr eigenes Umfeld in diese Geschichte mit hineingezogen wird. Trotz ihrer Vorliebe für literarische Massaker pflegt sie einen beschaulichen Lebensstil und lässt ihre Romanfiguren jene Abenteuer ausleben, für die ihr noch die letzte Konsequenz fehlt. Der Faktor Sicherheit konkurriert mit ihrer Unangepasstheit; die Rebellion beschränkt sich auf Wortduelle mit Institutionen, die Tradition und Gehorsam verkörpern.

    Dennoch verletzt sie nie die Grenzen des guten Geschmacks und scheint den kühnen Mut ihrer Tante Nancy für zu direkt zu halten. Der Schliff, den sie in den Schulen für höhere Töchter erhielt, wirkt nach, wenn Beryl sich an der Offenheit der schrulligen Hausherrin stößt. Die Schriftstellerei als Zeichen des Aufbegehrens ist in Zeiten der Massenauflagen von Sensationsblättern längst salonfähig geworden. Sie ermöglicht es Beryl, sich auszudrücken und ihre Ideen zu entwickeln, ohne dass sie auf den Verkauf der Bücher angewiesen ist, um die monatliche Miete zu bezahlen. Sie unterscheidet sich von ihren Vorgängerinnen durch die Unabhängigkeit ihrer Lebensführung, die weder auf eine günstige Heirat, noch auf eine lukrative Arbeitsstellung abzielt. Hier zeigt sich ein gravierender Unterschied zu Rivalin Milly Trent, die emotional und finanziell abhängig ist und ihren Frust darüber immer wieder hochkommen lässt. Die Unzufriedenheit schlägt in Hass um und sorgt dafür, dass sie sich immer öfter zu Bemerkungen hinreißen lässt, die ihr schaden. Das Aufdecken von Identitäten ist bei Edgar Wallace immer ein Risiko, das mit Zerstörung und Tod verbunden ist. Beryl Stedman bleibt in dieser Hinsicht lange im guten Glauben und verkennt die Warnungen, die wie die Flammenschrift bei Belsazar die aufziehende Tragödie ankündigen.

    Fazit: 3 von 5

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bildformat 4:3

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum30.06.2018 14:39
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Immer auf der Suche nach unbekannten Film- oder Fernsehauftritten von Eva Renzi, begegnete mir dieser Tage im Internet ein Auszug aus dem Buch "Lexikon der Fernsehspiele Bd.3". Unter dem Namen der Schauspielerin findet man u.a. folgenden Eintrag:

    Thriller: "Die Zielscheibe" (1981)

    Erfreut, aber dennoch skeptisch recherchierte ich weiter und fand die Antwort, dass es sich bei "Die Zielscheibe" um "Taste of Excitement" von 1969 handelt, der im Jahr 1981 im Nachtprogramm des ZDF ausgestrahlt wurde....

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