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  • Unter falschem Verdacht (Quai des Orfèvres)

    Kriminalfilm, FR 1947. Regie: Henri-Georges Clouzot. Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jean Ferry (Romanvorlage „Légitime défense“, 1942: Stanislas-André Steeman). Mit: Louis Jouvet (Inspecteur Antoine), Suzy Delair (Jenny Lamour), Bernard Blier (Maurice Martineau), Simone Renant (Dora Monier), Charles Dullin (Georges Brignon), René Blancard (Hauptkommissar), Jean Daurand (Inspecteur Picard), Pierre Larquey (Taxifahrer Lafour), Robert Dalban (Paulo), Jeanne Fusier-Gir (Garderobenfrau Pâquerette) u.a. Erstsendung (FR): 3. Oktober 1947. Erstsendung (BRD): 13. September 1949. Eine Produktion von Majestic Films Paris für Les Films Corona Paris.

    Zitat von Unter falschem Verdacht
    Es ist bereits an der Tagesordnung, dass in dem unscheinbaren Musiker Maurice Martineau immer wieder Eifersucht auf seine aufsehenerregende Freundin, die Varietésängerin Jenny Lamour, erwacht. Doch als sich diese vom alten, einflussreichen Lüstling Brignon Kontakte zur Filmbranche erwartet, eskaliert die Situation und Maurice stößt Morddrohungen gegen den Schürzenjäger aus. Als Brignon getötet wird, muss die Polizei unter Leitung von Inspecteur Antoine annehmen, dass Maurice für die Tat verantwortlich ist. Doch weder Antoine noch Maurice wissen, dass Jenny mit einer Champagnerflasche zugeschlagen hat ...


    Manche Dinge verändern sich nicht. Henri-Georges Clouzot packte seine Thriller nach Ende des Zweiten Weltkriegs offenbar weiterhin ganz ähnlich an wie zuvor; „Unter falschem Verdacht“ ähnelt den Vorgängern „Der Mörder wohnt in Nr. 21“ und „Der Rabe“ stilistisch in frappierendem Maße. Nach „Der Rabe“ kehrt man nun wieder zu einem großstädtischen Pariser Schauplatz zurück – zudem scheint die Lebensfreude, die durch die omnipräsente Varietémusik symbolisiert wird, nach Ende der politischen Auseinandersetzungen wieder zurückgekehrt zu sein. Doch das Dilemma, in das die Hauptcharaktere des Films geraten, degradiert gerade jene laute, bunte Feel-Good-Branche zu einer sonderbaren Scheinwelt und einem beinah störenden Hintergrundrauschen. Mord bricht auch über so freundliche Gesellen wie Maurice und Jenny herein und unterzieht sie schwierigen emotionalen Feuerproben.

    Eigentlich erzählt „Unter falschem Verdacht“ eine simple Geschichte, die nur dadurch verkompliziert wird, dass am Tatort noch vor der Polizei verschiedene Verdächtige auftauchen, sodass jeder von ihnen später um Alibis und Glaubwürdigkeit ringen muss. Der Zuschauer muss dabei eine Reihe von Zufällen in Kauf nehmen (z.B. den Autodiebstahl des Hauptdarstellers ausgerechnet in jenem Moment, in dem dieser sich im Mordhaus befindet), wird dafür aber mit einer durch verschiedene Tricks und Kniffe dicht gedrängten, schnell voranschreitenden Erzählung belohnt. Clouzot verstand es, so viele Aspekte der Charakterentwicklung und auch Seitenstränge der Handlung aus der Romanvorlage zu übernehmen, dass in jeder Szene neue Entwicklungen und Andeutungen um die Aufmerksamkeit des Zuschauers buhlen. Der Film wirkt geradezu übervoll – wie ein Glas kurz vor dem Überlaufen oder, um eine von Clouzot selbst verwendete Bildmetapher heranzuziehen, wie ein überlaufender Topf Milch auf dem Herd. Diese Einstellung symbolisiert im Film die sexuelle Anziehungskraft und Erregung zwischen Maurice und Jenny, kann aber auch als das Eskalieren von Ehrgeiz und Eifersucht gedeutet werden, wie sie den beiden hier fast das Genick zu brechen droht.

    Dabei ist es natürlich die Polizei, die den beiden Protagonisten ordentlich einheizt. Nicht ohne Grund trägt der Film im französischen den sehr allgemein gehaltenen Titeln „Quai des Orfèvres“, der sich auf die Adresse des Pariser Polizeihauptquartiers bezieht. Nachdem zunächst die Gefühle und Verschleierungen der Verdächtigen von Clouzot ins rechte Licht gerückt wurden, konzentriert er sich zunehmend auf die Ermittlungen von Inspecteur Antoine, der von Louis Jouvet enorm charismatisch dargestellt wird. Es ist schwer, die Figur des Ermittlers in Worte zu fassen, weil er sehr vielschichtig angelegt ist – einerseits als schmeichelnder Konversateur und andererseits als harter, unnachgiebiger Jagdhund; einerseits als liebender Ziehvater eines dunkelhäutigen Sohnes und andererseits als Kriegsversehrter; einerseits als etwas vergesslich und durchaus auch parteiisch, aber andererseits als jemand, der die Situation jederzeit, wenn auch manchmal als verdeckter Marionettenspieler, im Griff hat. Jouvet ergänzt diese attraktive Rollenanlage um ein markantes Charaktergesicht, das ihn herb und zweifelnd wirken lässt.

    Weniger zweideutig legt Suzy Delair ihre Rolle an. Die daueraufgedrehte Schauspielerin, bei der es wohl schon einer Untertreibung gleichkäme, zu behaupten, sie neige zum Overacting, steht als patente, aber auch egoistische Sängerin eine Spur zu sehr im Mittelpunkt. Delair strapaziert auch in diesem Film wieder die Geduld des Zuschauers; doch insgesamt gelingt es Clouzot besser, sie in das Gesamtbild einzugliedern als in „Der Mörder wohnt in Nr. 21“. Gemeinsam mit dem jungen Bernard Blier bildet sie ein untypisches Paar, das aber im Rahmen der filmischen Erzählstruktur gut funktioniert – gerade weil es so offenkundig dysfunktional ist, einander in Kerninteressen entgegenläuft und im Wesentlichen auf körperliche Anziehungskraft und gegenseitige Abhängigkeit aufgebaut ist. Blier demonstriert in seiner Rolle geradezu hündische Ergebenheit, die ihn kurz vor Ende des Films, als die Verhörsequenzen überhand zu nehmen drohen, zu einem drastischen Schritt bewegt ...

    Wie oben angedeutet, lebt „Unter falschem Verdacht“ in nicht unwesentlichem Maße von der Vielfalt und Dichte seiner Milieueindrücke. Die leichtlebige Künstlerbranche eignet sich nicht nur inhaltlich hervorragend, sondern ist natürlich auch sonst ein wirkungsvolles Arbeitsfeld für Clouzot, der sich in den Hinterzimmern von Varietébühnen besonders heimisch zu fühlen scheint. Die Ausstattung und Kameraarbeit unterstützen den hochgelobten Filmschaffenden auf hohem Niveau und die kauzigen Nebenrollen, die sich wie von selbst ergeben, verleihen dem Film Würze und Leben. Dazu gehört insbesondere auch die mit Maurice und Jenny befreundete Fotografin Dora – eine jener Chargen, die französischen Filmen ihre typische sentimentale Schwere verleihen.

    „Unter falschem Verdacht“ schildert einen kurzweiligen und wendungsreichen Mordfall und lässt sich auf halbem Wege zwischen anrührender Verdächtigenromanze und atmosphärisch dichtem Polizeikrimi verorten. Dank vieler spannender falscher Fährten und schillernder Inszenierungsideen von Henri-Georges Clouzot fühlt man sich wie mitten im hektischen Geschehen. Insbesondere Louis Jouvet und Bernard Blier machen den Film sehenswert; Suzy Delair muss man wie gewohnt ertragen können.

    (4,5 von 5 Punkten)

  • Bericht über PidaxDatum01.06.2020 08:56
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bericht über Pidax

    Sicher, je mehr Filme abgetastet werden, auch mittels Förderprogrammen, desto besser. Alte Fuchsberger-Filme wie "Endstation Rote Laterne", "Die feuerrote Baronesse" oder "Liebe kann wie Gift sein" wären da auch weit oben auf meiner Wunschliste (bzw. auch für Pidax-VÖs).

  • Bewertet: "Der Alte"Datum01.06.2020 07:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Zitat von Jan im Beitrag #309
    Ich habe das im Wesentlichen ins Verhältnis zu Brynychs 1970er-Jahre-Inszenierungen gesetzt. Das ist häufig Brynych in Reinkultur. Nimmt man als Beispiel einen mit Damenhut im Pool zum Sound von Vicky Leandros umherschwimmenden Gert Haucke ("Derrick - Alarm auf Revier 12"), so sucht man Vergleichbres beim "Spieler" doch vergeblich.

    Das würde ich so nicht sagen. Die Szenen bei der Gegenüberstellung auf dem Polizeirevier und im Transvestitenclub sind schon sehr heftig. Aber dein Bezug ist auch wieder zu einer recht frühen Folge von 1975. Mit "Alarm auf Revier 12" kam Brynych nach langer Pause mit Knalleffekt zu Ringelmann zurück, wo er vorher, wenn ich's richtig überblicke, nur seine Kommissar-Heuler verbrochen hatte. Nimmt man tatsächlich den passenden Vergleichszeitraum drei Jahre später, als Brynych sich in den Münchner Studios routinemäßig eingekurbelt hatte, entstanden bei "Derrick" eher harmlose Folgen wie "Mord im TEE 91", "Der Spitzel" oder "Tandem". Da finde ich den "Spieler" in der Gegenüberstellung nicht so zurückhaltend.
    Zitat von Jan im Beitrag #309
    Dass beispielsweise Alfred Vohrer beim Alten (ganz im Gegenteil zum Derrick) nur schwer hinein gefunden hat, daran konnte ich mich gut erinnern. [...] Vohrer wurde eigentlich mit jeder Episode besser.

    Zu Vohrers Folgen aus Box 2 kann ich noch nichts sagen (steigert die Vorfreude), aber "Erkältung im Sommer" ist schon ein immenses Highlight in der ersten Hälfte von Box 1. Und über "Zwei Mörder" gehen unsere Wahrnehmungen bekanntlich auseinander.
    Zitat von Jan im Beitrag #309
    Wobei "eher eine Stunde Langeweile" bei mir klar in die Kategorie "hate it" fällt.

    Nicht unbedingt. Die Folge löste in mir auch beim zweiten Sehen keine Emotionen - auch keine sonderlich negativen - aus, also ist sie auch kein ordentlicher Hate-it-Kandidat, sondern eher ein Fall fürs "Mittelfeld zum Vergessen". Bei "Zeugenaussagen" oder "Die Rache" war das anders. Daran erinnere ich mich "gern" mit Schaudern zurück.

  • Bericht über PidaxDatum01.06.2020 07:26
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bericht über Pidax

    Das ist natürlich sehr unsauber argumentiert von Daniel. Niemand hat hier, soweit ich lesen kann, geschrieben, dass die Qualität egal sei. Am wenigsten sollte man suggerieren, dass das bei Pidax der Fall sei. Unredlich erscheint mir auch, hier in einer Diskussion um Pidax-DVDs das wirklich sehr unglückliche Beispiel der Rächer-Neuauflage von Kinowelt / Filmjuwelen unterschieben zu wollen. Discs dieser Qualität habe ich bei Kinofilmen bisher noch nicht von Pidax gesehen. Es geht hier ganz explizit nicht, wie offenbar überspitzt werden soll, um die Frage "Hightech-Blu-ray vs. VHS-Standard".



  • Luzifers Tochter (Retour de manivelle)

    Kriminalfilm, FR / IT 1957. Regie: Denys de la Patellière. Drehbuch: Michael Audiard, Denys de la Patellière (Romanvorlage „There’s Always a Price Tag“, 1956: James Hadley Chase). Mit: Michèle Morgan (Hélène Fréminger), Daniel Gélin (Robert Montillon), Bernard Blier (Commissaire Plantavin), Peter van Eyck (Eric Fréminger), Michèle Mercier (Jeanne), François Chaumette (Charles Babin), Jean Ollivier (d.i. Olivier Darrieux) (Kriminalassistent), Pierre Leproux (Monsieur Bost, Gläubiger), Hélène Roussel (Sekretärin), Lucien Frégis (Gendarm) u.a. Uraufführung (FR): 18. September 1957. Uraufführung (BRD): 27. September 1957. Eine Produktion von Intermondia Films Paris und CIAS Cinematografica Associati Rom.

    Zitat von Luzifers Tochter
    Der arbeitslose Robert Montillon rettet eines Abends das Leben des in betrunkenem Zustand beinahe vor ein Auto stürzenden Eric Fréminger. Fréminger, der in seiner Ehe sehr unglücklich und dem Alkohol verfallen ist, stellt Robert gegen den Willen seiner Frau Hélène als Chauffeur an. Zunächst feindet Hélène den Eindringling Robert an; doch als Eric Selbstmord begeht, becirct sie den Angestellten, damit dieser ihr hilft, den Vorfall wie Mord aussehen zu lassen. Sie hofft damit auf die Auszahlung einer hohen Versicherungssumme, braucht dafür aber eine zweite Zeugin – ein Hausmädchen, mit dem Robert ebenfalls eine Affäre eingehen soll ...

    Zitat von Georgia Glover: James Hadley Chase. David Higham, Quelle
    Hailed as the ‘thriller maestro of the generation’, [James Hadley] Chase’s books (many of which were adapted to films) were all fast moving tales of murder, intrigue, blackmail and espionage. [...] Chase was heavily influenced by the American crime and gangster scene and his earlier books fell within that genre.


    Der Film „Luzifers Tochter“, der auf dem Roman „Man muss für alles zahlen“ basiert, schlägt eine Brücke zwischen der melancholischen, romanzenbetonten Erzählweise französischer Krimidramen, den ungehörigen Seilschaften eines amerikanischen Noir und den mörderischen Familiengeschichten, wie sie später in ganz ähnlichem Stil auch die Hammer-Studios mit Filmen wie „Der Schnorchel“ oder „Ein Toter spielt Klavier“ erzählten. Im Vergleich zu den britischen Schauerproduktionen nimmt sich „Luzifers Tochter“ noch einigermaßen harmlos aus; doch trotz eines gewissen Mangels an gruseligen Schockeffekten lassen die Handlungen der Figuren in menschliche Abgründe blicken. Eric Fréminger ist ein gebrochener Mann, der sich zwischen Selbstmitleid und wüsten Drohungen dem Alkohol hingibt und nicht zuletzt deshalb zu einer Last für seine hinterlistige Frau wird. Hélène nimmt die Rolle der klassischen Femme fatale ein und dass sie beim Tod ihres Mannes nicht selbst Hand anlegen muss, sondern ihn gewissermaßen in den freiwilligen Selbstmord treibt, unterstreicht ihre Diabolik von Anfang an. Im Gegensatz zu den amerikanischen Klassikern mit ähnlichen Konstellationen (man denke z.B. an „Frau ohne Gewissen“) muss man sich im vorliegenden Film trotz Hélènes unzweifelhafter Attraktivität fragen, warum Robert sich auf sie einlässt – ihre Gefährlichkeit liegt sofort offen auf der Hand.

    Michèle Morgan wickelt ihn mit erkennbarem Eigennutz um die zarten Finger – ihre Darstellung lässt den Film ein mondänes Flair atmen und hilft ihm über manche Verzögerung hinweg. Es ist überraschend, welche Vielseitigkeit Morgan an den Tag legt, wenn man ihre Rolle in „Luzifers Tochter“ mit jener im amerikanischen Thriller „The Chase“ vergleicht, bei dem die Verhältnisse genau umgekehrt aufgeteilt waren und sie das Opfer neben einem manipulativen und gewalttätigen Ehemann mimte. Während in „The Chase“ alle Darsteller der Dreieckskonstellation nachhaltige Auftritte verbuchen, bleibt Denys de la Patellières Film ganz auf Morgan zugeschnitten. Daniel Gélin als Fall Guy und Peter van Eyck als kurzlebiger Gatte können sich im Vergleich nur ansatzweise durchsetzen. Van Eyck ist zwar präsent wie in jedem seiner Auftritte, verlässt aber leider bereits nach kurzer Zeit wieder die Bühne. Gélin hätte durchaus memorabler und weniger schwach auftrumpfen dürfen – die Rolle des abhängigen Mannes muss keineswegs mit Profillosigkeit einhergehen, wie etwa Fred MacMurray als Walter Neff in „Frau ohne Gewissen“ bewies.

    Die Nähe zum amerikanischen Kino wird vor allem zu Anfang durch ständige Licht-Schatten-Spiele mit Jalousien betont (Venetian Blind Effect). Zugleich kreiert der südfranzösische Schauplatz eine eigenständige Atmosphäre, die später auch durch kauzige Nebenrollen zum Tragen kommt. Am interessantesten gestaltet Bernard Blier seinen marottenhaften Inspektor als vordergründig freundlichen, aber sofort scharf schneidenden Logiker; und auch François Chaumette droht, den Plan des schwerenöterischen „Paares“ zu durchkreuzen. Man hätte sich dabei gewünscht, dass die Gefahren und Umdispositionen bei der Verschleierung des Selbstmordes noch besser von Regie und Drehbuch herausgearbeitet worden wären – das Geschehen hat zwar Achterbahncharakter, doch die Gondel fährt mit angezogener Handbremse durch die 115 Filmminuten. Stellenweise ist die Romanze stimmungsprägender als der Kampf um Unschuld und Versicherungsgeld; ein Prioritätenwechsel wäre hier willkommen gewesen, ohne dass er der Rolle von Hélène Fréminger die Butter vom Brot genommen hätte.

    Stilvoller und hochwertig umgesetzter Côte-d’Azur-Thriller in Noir- und Hammer-Stilistik, der zwar eine wendungsreiche Geschichte erzählt und mit einigen Tabus spielt, aber trotzdem eine Spur zu zahm wirkt, um wahrlich zu fesseln. Das liegt am wenigsten an Aktrice Michèle Morgan, die als eiskalte Sirene die Männer ins Verderben lockt.

    (4 von 5 Punkten)

  • Bericht über PidaxDatum31.05.2020 09:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bericht über Pidax

    Gut, dass nicht alle so denken wie ihr, sonst könnten wir das Klassiker-Filmerbe auf ein paar hundert Titel zusammenstreichen.

  • Bericht über PidaxDatum30.05.2020 20:17
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bericht über Pidax

    Man muss einfach konstatieren, dass die Verkäufe auf beiden physischen Medien zurückgehen, aber die Bluray-Verkaufszahlen sowieso nie so hoch waren wie die von DVDs. Sie sind heute die Nische innerhalb der Nische. Und was Havi sagt, stimmt auch: Die Anzahl der Filme, die auf Blu-ray erhältlich sind, ist sowieso mickrig im Vergleich zu DVDs. Es gehen uns heute durch Forderungen nach Maximal-VÖs für Leute, die mit Lupe vor der Leinwand sitzen, viele Filme verloren, weil solche Restaurationen super aufwendig und entsprechend teuer sind.

    Deshalb ein Riesenlob an Pidax: Lieber gute Master in großer Zahl auf DVD als exquisite Blu-rays in homöopathischen Dosen und zu Apothekenpreisen. Das ist genau der richtige Weg!

  • Bewertet: "Der Alte"Datum30.05.2020 08:05
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"

    @Jan: Danke für deine interessant zu lesenden Einschätzungen – gerade nachdem du bei deinen Jahre zurückliegenden Reviews am Anfang dieses Threads nach „Die Kolonne“ aufgehört hattest. Ich stimme dir in vielen Punkten zu; allerdings unterscheiden sich unsere endgültigen Rankings doch recht deutlich voneinander, insbesondere z.B. was die Folgen „Zeugenaussagen“, „Rache“ und „Spieler“ angeht. Die haben mir alle nicht wirklich gefallen. Ausgerechnet beim „Spieler“ lässt du dich dann auch (regelrecht als Rechtfertigung für die gute Wertung, wie es scheint) auf die gewagte Behauptung ein, Brynych habe hier zurückhaltend inszeniert. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn man nicht gerade mit den auch für seine Verhältnisse aus dem Rahmen fallenden „Kommissar“-Arien vergleicht. In Anbetracht der Entstehungszeit wären hier eher einige „Derricks“ als Messlatte heranzuziehen, und da fällt das Urteil eher andersherum und nicht zum Vorteil von „Der Spieler“ aus. Zu „Toccata und Fuge“ muss ich auch der immer wieder getätigten Behauptung widersprechen: Love it or hate it stimmt nicht; ich fand die Folge eher mittelmäßig und ihre Stimmung wirkt wie betäubt. Auf jeden Fall ist das nichts, was meine Haare so zu Berge stehen lässt wie die drei vorgenannten Episoden, sondern eher eine Stunde Langeweile.

    Fazit zu „Der Alte“ – Collector’s Box Vol. 1 (Folgen 1 bis 22, 1977-78)

    Schon allein aufgrund der variierenden Drehbuchautoren ist „Der Alte“ ein Kessel noch bunterer Krimi-Variationen als „Der Kommissar“ oder „Derrick“. Das kann im Einzelfall nach oben oder nach unten ausschlagen und sorgt sicher auch dafür, dass die Meinungen der Fans zu einzelnen Folgen weiter auseinandergehen. Hinzu kommt, dass wir uns am Anfang der Reihe, wo Kommissar Kösters Spielraum noch austariert wird, und zudem in den wilden Siebzigern bewegen – beide Faktoren sorgen für attraktive Experimentierfreundlichkeit. In meiner persönlichen Rangliste finden sich im oberen Bereich trotz allem eher die klassischen Fälle: der erpresste Schwiegervater O.E. Hasse, der Rachefeldzug gegen Peter Pasetti und die tanzende Femme fatale Anaid Iplicjian.

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 007 | Konkurs (Alfred Weidenmann)
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 002 | Jack Braun (Wolfgang Becker)

    Platz 03 | ★★★★☆ | Folge 010 | Erkältung im Sommer (Alfred Vohrer)
    Platz 04 | ★★★★☆ | Folge 017 | Die Sträflingsfrau (Alfred Vohrer)

    Platz 05 | ★★★★★ | Folge 012 | Ein Koffer (Michael Braun)
    Platz 06 | ★★★★★ | Folge 022 | Marholms Erben (Alfred Vohrer)
    Platz 07 | ★★★★★ | Folge 005 | Zwei Mörder (Alfred Vohrer)
    Platz 08 | ★★★★★ | Folge 001 | Die Dienstreise (Johannes Schaaf)
    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 013 | Ein unkomplizierter Fall (Dietrich Haugk)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 019 | Der schöne Alex (Theodor Grädler)
    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 008 | Lohngeld (Dietrich Haugk)

    Platz 12 | ★★★☆★ | Folge 009 | Verena und Annabelle (Alfred Vohrer)
    Platz 13 | ★★★☆★ | Folge 018 | Die Kolonne (Günter Gräwert)
    Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 016 | Der Pelikan (Johannes Schaaf)

    Platz 15 | ★★★★★ | Folge 003 | Der Alte schlägt zweimal zu (José Giovanni)
    Platz 16 | ★★★★★ | Folge 006 | Blütenträume (Alfred Vohrer)
    Platz 17 | ★★★★★ | Folge 004 | Toccata und Fuge (Wolfgang Becker)
    Platz 18 | ★★★★★ | Folge 014 | Bumerang (Alfred Vohrer)
    Platz 19 | ★★★★★ | Folge 021 | Der Spieler (Zbynek Brynych)

    Platz 20 | ★★☆★★ | Folge 020 | Die Rache (Dietrich Haugk)
    Platz 21 | ★★☆★★ | Folge 015 | Zeugenaussagen (Theodor Grädler)
    Platz 22 | ★★☆★★ | Folge 011 | Nachtmusik (Helmuth Ashley)

  • Bewertet: "Der Alte"Datum29.05.2020 08:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"



    Der Alte: Marholms Erben

    Episode 22 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Jochen Brockmann (Konrad Marholm), Ruth Niehaus (Marianne Marholm), Heinz Baumann (Knut Breker), Corinna Genest (Doris Marholm), Karl Heinz Vosgerau (Lothar Kray), Ursula Heyer (Anke Marholm), Krista Keller (Sylvia Klatt), Rudolf Platte (Boris Bolander), Günther Ungeheuer (Paul Jänicke) u.a. Erstsendung: 29. Dezember 1978. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Alte (22): Marholms Erben
    Zwei Jahre nach dem ungeklärten Mord am ebenso reichen wie tyrannischen Bäckermeister Marholm taucht ein wichtiges Indiz, das Schachspiel des Toten, in einem Antiquitätengeschäft wieder auf. Der Ermordete hielt damals die schwarze Dame fest umklammert in seiner Hand. Köster rollt den alten Fall wieder auf und befragt erneut Marholms drei Töchter und deren Ehemänner – mit dem Ergebnis, dass einer von ihnen damals einen Auftragsmörder angeheuert haben muss. Welcher Angehörige war bereit, soweit zu gehen, und welche Rolle spielt Marholms frühere Privatsekretärin Sylvia Klatt?


    Nach einer etwas drögen Phase der Serie lockert Alfred Vohrer mit einem Ausrufezeichen die Stimmung wieder auf: Bei „Marholms Erben“ handelt es sich um eine explosive Mischung aus traditionellem Erbenkrimi, neuen Ideen mit großem Potenzial sowie exaltierter Show. Es gibt etwas mehr von allem als nötig: ein bisschen zu viel Handlung für eine Stunde Fernsehen, ein paar zu viele Charaktere und Konflikte und einen ganzen Haufen Drama – Vohrer verleiht dem Übermaß dabei eine extrem unterhaltsame äußere Form. Das beginnt mit einem mysteriösen Einstieg, der über das Schachspiel eines offenbar Ermordeten eine ganze Reihe spannender Andeutungen macht und den Zuschauer damit für die kommenden Enthüllungen anfüttert. Man wird auch nicht enttäuscht: Die gesamte Familie Marholm entpuppt sich als eine einzige Schlangengrube. Zunächst lernt man nach und nach alle Angehörigen und schließlich – in Form einer Rückblende – sogar den Toten selbst kennen. Abneigungen, Präpotenz, Jähzorn, Rivalität, Geiz, Untreue und Schuld treiben die Marholms untereinander um – aber gegenüber Kommissar Köster verhalten sie sich kein bisschen kooperativer.

    Das sind ideale Voraussetzungen für eine standesgemäß vertrackte Suche nach einem Gesetzesbrecher – insbesondere wenn man sich vor Augen führt, wie on point die einzelnen Darsteller, die jeweils nur zwei, drei Szenen beanspruchen können, agieren. Natürlich thront der „ewige Frosch“ Jochen Brockmann als Familienpatriarch über der gesamten Folge. Konrad Marholm wird bereits als schwierige Persönlichkeit angekündigt, doch Brockmanns Kurzauftritt ist eine Übererfüllung aller Erwartungen und ein echtes Gustostück. Seine Filmtöchter sind passend verstockt und als durchaus elegante Millionärsbaggage besetzt – man hätte den insgesamt eher selten gesehenen Darstellerinnen auch größeres Rampenlicht in anderen Krimis gegönnt. Der sonst eher auf galante Geheimnisträger abonnierte Karl Heinz Vosgerau tritt als notorisch fremdgehender Ehemann so verachtenswert wie selten auf und Rudolf Platte absolviert als Antiquar, wie von ihm gewohnt, eine Gratwanderung zwischen gewitztem Mitwisser und Comic Relief. Die sonst oft überdrehte Krista Keller bleibt aufgrund der Größe ihres Parts auch für Skeptiker ihrer Darstellungsweise „verdaubar“, zeigt aber in den Szenen ganz am Anfang und Ende unverkennbare Kostproben. Austauschbar in ihren Rollen bleiben ironischerweise einzig Günther Ungeheuer und Heinz Baumann, wobei man nicht behaupten kann, die beiden würden etwas falsch machen – sie gehen nur im allgemeinen Gewitter mit ihrer eher bodenständigen Art ein Stückweit unter.

    Bruno Hampel hatte sich vielleicht allzu viel vorgenommen, doch insgesamt überzeugt sein ambitioniertes Drehbuch trotz einiger loser Fäden am Ende. Die Folge wirkt dank Vohrers Handschrift rund, aber nicht rundgelutscht, wild, aber nicht vergaloppiert. Nach längerer Zeit hat man hier wieder den Eindruck, alles serviert bekommen zu haben, was den frühen Köster auszeichnet.

    Ein Familiendrama, wie es im Buche steht – noch dazu als ungelöster Fall neu aufgerollt. „Marholms Erben“ ist attraktiv konzipiert und mit griffigen, erinnerungswürdigen Figuren ausgestattet. Manches wirkt etwas klamottig, aber insgesamt bleibt ein starker 4-von-5-Punkte-Eindruck zurück.

  • Ich habe nur die Doppelfolge gesehen, die im Forschungsinstitut spielt. Die hat mir gut gefallen. Die junge Miss Fisher hat den zu ihrer "Vorgängerin" passenden Pfiff, die Beziehung zum Inspektor ist so ähnlich wie im Original und die Nebenfiguren scheinen mir auch vergleichbar. Bei der Folge mit den Top-Secret-Forschungen merkte man, dass die Mischung aus Spannungsmache und Comedy ebenso aus dem Original kopiert wurde und dass man wieder einen sehr charakteristischen Schauplatz fand, der sich in der alten Serie wegen ihres weiter zurückliegenden Settings vermutlich noch nicht angeboten hätte.

    Insgesamt also ein von mir; ich finde es nur merkwürdig, dass man den deutschen Folgen keine Episodentitel gab.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum27.05.2020 18:43
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Ja, ein wandlungsfähiges Genie sondergleichen und in Krimis nie als dummer Schlägerganove getypecastet.

    @Selwyn: Danke für den Hinweis auf die Parallelen zu "Jack Braun",die mir wegen der recht unterschiedlichen Qualität der Folgen gar nicht so recht aufgefallen ist. In der Tat erfährt man bei "Der Spieler" mehr über Borntins Großvater als über seinen Vater. Als Motivation steht hier einfach bedeutungsschwanger "Kamikaze" im Raum.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum27.05.2020 15:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"



    Der Alte: Der Spieler

    Episode 21 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Volker Vogeler. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Henning Schlüter (Franz Millinger), Bernd Herzsprung (Stefan Borntin), Arthur Brauss (Jurisch), Ulrich Beiger (Staatsanwalt), Wolf Ackva (Ermittlungsrichter), Werner Asam (Meyer Zwo), Willy Schultes (Protokollführer) u.a. Erstsendung: 24. November 1978. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Alte (21): Der Spieler
    Zwei Maskierte verüben einen Überfall. Da ein Fluchtauto falsch kurzgeschlossen und in diesem Zustand nicht fahrtüchtig war, geht die Polizei von einer Beteiligung des Fahrzeugbesitzers, des Jurastudenten Stefan Borntin, aus. Als zweiten im Bunde identifiziert man zu Kösters Überraschung den Gewohnheitsverbrecher Jurisch. Der intelligente Borntin, der aus gutem Hause stammt und selbst Staatsanwalt werden will, und der gewalttätige Rüpel Jurisch scheinen gar nicht zusammenzupassen. Dennoch bestätigt sich die Spur, sodass nur noch zu klären bleibt, wo Borntin das erbeutete Geld versteckt hat ...


    Wie man es von ihm gewohnt ist, beginnt der polarisierende Zbynek Brynych auch seine Zeit beim „Alten“ mit einem Knalleffekt – mit einer richtiggehend durchchoreografierten Überfall-Sequenz wie aus einem Western, die nur wenige Sekunden lang ist, aber den Ton für die gesamte Episode setzt. Im Folgenden schwankt der Böhme zwischen klamaukigen Ideen (wiederholten Lachanfällen, sinnlosen Attentaten auf Köster und seine Mitarbeiter sowie einem Kabarettauftritt im Transvestitenmilieu) und einer ernsthafteren, durchaus auch still-reflektierten Herangehensweise, die leider daran scheitert, dass das Drehbuch ein zu einer großen Hatz aufgeblasenes Nichts mit flachen Charakteren ohne substanzielle Motive und vor allem fast ohne sinnvolle Polizeiarbeit ist. Immerhin merkt man, dass Brynych seine ganz schrecklichen Tage schon hinter sich gelassen hat und mit seiner speziellen Art des Inszenierens dem schwachen Script von Volker Vogeler sogar positive Aspekte hinzufügen kann.

    Im Mittelpunkt steht ein psychologisches Duell zwischen Siegfried Lowitz als gefestigtem Kriminaler und Bernd Herzsprung als narzisstischem Studenten. Offenbar will Vogeler dem Zuschauer einreden, dass der millionenschwere angehende Staatsanwalt, der sich sonst die Zeit mit Schachspielen und Affären vertreibt und über seine Beweggründe für das Jurastudium so unfassbar kluge Sätze sagt wie „Weil ich für Recht und Ordnung bin“, ‘mal eben mir nichts, dir nichts aus Neugier und Abenteuerlust einen bewaffneten Überfall verübt. Schon am Anfang stellt Köster fest: „Da passt doch nichts“; doch die offenbar eher auf Unkonventionelles als auf Folgerichtigkeit achtenden Brynych und Vogeler liefern weder für diesen Zwist noch für das Zusammentreffen der unstimmigen Charaktere Borntin und Jurisch eine nachvollziehbare Erklärung. So bleiben die tiefenpsychologisch angedachten Gespräche zwischen Lowitz und Herzsprung reine Trockenübungen und auch das vermutlich tragisch angedachte Finale in der alten Fabrik erreicht keine wirkliche emotionale Tiefe.

    Natürlich muss man auch sagen, dass ausgerechnet mit Bernd Herzsprung ein Darsteller ausgewählt wurde, der nicht unbedingt für seine oscarreife Verwandlungskunst und tiefgründige Rollenanlagen bekannt ist. Gleiches gilt für Schlägertype Arthur Brauss, dessen Auftritt dem Rest seiner Filmografie aufs Haar gleicht und daher kaum erwähnenswert ist. Interessantere Gesichter tauchen in den Nebenrollen auf Seiten der Polizei auf – so arbeiten Köster und Millinger diesmal mit den Urgesteinen Ulrich Beiger und Wolf Ackva zusammen, welche als Staatsanwalt und Ermittlungsrichter ein eingeschleiftes, aber menschenzugewandtes Regiment führen. Leider beendet Brauss die erbauliche Szene mit Ackva vorzeitig durch einen Fenstersprung, um – so wie später Herzsprung – ausgiebig und ziellos zu Brynych’scher Dudelmusik durchs Münchner Zentrum zu spazieren. So wird „Der Spieler“ zwar immerhin mit nostalgischen Touristen- und Einkaufseindrücken garniert, doch das sind nicht unbedingt die Stärken, die man zum Ausbügeln der offenkundigen Lücken erwartet hätte. Der Eindruck bleibt mau und Köster am Ende ebenso unzufrieden wie der Zuschauer.

    Auch wenn die Folge durch Debüts von Regisseur und Drehbuchautor sowie eine aus dem Rahmen fallende Dramaturgie ein Ausrufezeichen zu setzen versucht, bietet sie letztlich doch nur ein mittelmäßiges Psychoduell von der Stange, bei dem vor allem die unrunden Figuren und ihre uninspirierte Besetzung auffallen. Ein Tiger wie Lowitz braucht mehr als ein Kaninchen wie Herzsprung zum Antagonisten; sonst wird aus dem „Kampf der Giganten“ schnell ein Klein(-geister-)krieg. 3 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum25.05.2020 08:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"



    Der Alte: Die Rache

    Episode 20 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Detlef Müller. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Norbert Kappen (Kurt Bernhard), Edith Schneider (Thea Bernhard), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Michael Boettge (Dietmar Schenk), Edwin Noël (Michael Lohse), Max Mairich (Karl Wondrich), Hans Brenner (Walter Nagel), Irene Clarin (Andrea Bernhard) u.a. Erstsendung: 3. November 1978. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Alte (20): Die Rache
    Zwei maskierte Ganoven überfallen den Tankstellenbesitzer Bernhard und dessen Enkelin Andrea, stehlen die Einnahmen und erschießen kaltblütig beide Zeugen. Kurt Bernhard, der Sohn des Besitzers und gleichzeitig Vater von Andrea, sowie seine Ehefrau Thea erfahren auf dem Weg in den Urlaub von der Tragödie und kehren sofort nach München zurück. In Kurt staut sich Wut auf, als er bemerkt, dass Kommissar Köster zwar zwei Verdächtige für den Raubmord hat, diese aber aufgrund eines schwachen Alibis nicht sofort verhaftet. Er versucht, sich selbst zum Bluträcher aufzuschwingen – doch so leicht tötet es sich nicht, wenn man Kommissar Köster und sein Team im Nacken hat ...


    Bei manchen Schauspielern muss man die Frage nach der Henne und dem Ei stellen: Bekamen sie aus Zufall oder wegen mangelnder Prominenz immer nur schwache Produktionen angeboten oder lag es gerade an ihrem Auftreten, dass die Filme und Serienfolgen so schwach ausfielen? Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte – so auch bei Norbert Kappen, den man eher aus den weniger ruhmvollen Stunden deutscher Fernsehkrimis (z.B. aus „Derrick: Ende einer Sehnsucht“) kennt. Statt für eine depressive Stimmung ist Kappen diesmal für die blanke Wut zuständig, denn ihm wird ein einträchtiges Familienleben mit einem Schlag völlig zerstört. Gerade dieses Hereinbrechen des Bösen kommt anfänglich noch gut zur Geltung, als der heimelige Scrabble-Abend von maskierten Verbrechern gekapert wird.

    Leider verrennt sich die Folge dann recht schnell in ein Kabinett jener Versatzstücke, welche die schlechteren, weil moralinsauren „Derrick“-Folgen kennzeichnen: Kappens Vaterfigur beginnt mit ihrer penetranten Opferstilisierung dem Zuschauer rasch auf die Nerven zu fallen, zumal sich Detlef Müllers Drehbuch zunehmend in zweifelhafte und monotone Rachefantasien flüchtet. Kriminalistische Möglichkeiten werden kaum ausgekostet; dafür dürfen sich die albernen Bösewichte zunächst im Matsch suhlen, bevor Kappen mit einer zufällig in seinem Haus herumliegenden Pistole auf sie schießt – eine spannende, aber für alle Beteiligten würdelose Szene, die nur deshalb ein glimpfliches Ende findet, weil Heymann und Brenner zur rechten Zeit an eben jenem Waldstück vorbeifahren. Soll das glaubhaft wirken? Ebenso wie die „verkappt“ kurze Suche nach den Schuldigen, die Köster innerhalb weniger Minuten ausfindig macht, erscheint dieser Moment und auch die plötzliche Konkurrenz der Täter untereinander wie der Trick eines Zauberers, der ein Kaninchen aus einem scheinbar leeren Hut hervorholt. Haugk, sonst ein exquisiter Regisseur, konnte hier die Unebenheiten einer schlechten Vorlage nicht ausbügeln.

    Leichte Pluspunkte in der B-Note gibt es für die ansprechenden Schauplätze inklusive einer nostalgischen Tankstelle, an der das Benzin 86 Pfennige pro Liter kostet, sowie für eine gebührend über alles erschütterte Edith Schneider als Kappens Filmehefrau. Sie steigt konsterniert aus dem Auto, nachdem Kurt Bernhard zwei polizeiliche Überwacher mit wilden Fahrmanövern abgeschüttelt hat – und sie tut gut daran, sich den anschließenden Gewaltrausch ihres Gatten nicht anzutun. Der Exzess soll hier als grande finale verkauft werden, ist in Wahrheit aber nur eine in hübsche Gebirgsbilder verpackte Seifenoper. Als Quintessenz muss man von „Die Rache“ leider mitnehmen, dass es sich um einen der schwächsten Dietrich-Haugk-Krimis überhaupt handelt – ein seltener Ausfall des sonst so treffsicheren Regisseurs.

    Auge um Auge, Tochter um Bolzenschuss. Der kreative biblische Rächer steht Norbert Kappen zwar nicht einmal schlecht; der Auftritt ist jedoch zu dick aufgetragen und lässt auch noch an erzählerischer Reife bei Drehbuchautor Detlef Müller mangeln. Das Geschehen wirkt konstruiert und belehrend zugleich und ist trotz hoher Action-Anteile kein gelungener „Der Alte“-Einsatz. 2,5 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum23.05.2020 11:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"



    Der Alte: Der schöne Alex

    Episode 19 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Theodor Grädler. Drehbuch: Maria Matray. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Jan Hendriks (Martin Brenner), Thekla Carola Wied (Alice Sellow), Götz George (Alex Bergemann), Christine Wodetzky (Vera Mathiesen), Gerd Baltus (Werner Sellow), Lola Müthel (Madeleine Vernhagen), Kristina Nel (Birgit), Xenia Pörtner (Anna Gautier) u.a. Erstsendung: 6. Oktober 1978. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Alte (19): Der schöne Alex
    Viele Frauen sind ihm verfallen: Alex Bergemann finanziert seinen Lebensunterhalt nicht durch besonderen Arbeitseifer, sondern durch offensives Balzverhalten. Dass er neben diversen Freundinnen und Bettgenossinnen auch eine Verlobte und eine Ehefrau hatte, stellt die Kripo nach seiner Ermordung fest. Alex wurde vergiftet – mit Pralinen, die eigentlich an seine Zukünftige Alice Sellow adressiert waren. Steckt Alice selbst hinter dem Giftmord oder war sie das beabsichtigte Opfer? Die Anzeichen mehren sich für beide Möglichkeiten, denn einerseits verstrickt Alice sich in Widersprüche; andererseits bereiten ihr anonyme Telefonanrufe zunehmende Angst ...


    Die verhängnisvolle Praline mit dem Schuss Schädlingsbekämpfungsmittel liegt dem Womanizer Bergemann, der gemeinhin nur als „der schöne Alex“ bekannt ist, überaus schwer im Magen. Gleiches gilt für einige seiner Damenbekanntschaften – entweder weil sie seine Masche noch nicht durchschaut haben, weil sie beinah zur gleichen Schokolade gegriffen hätten oder ... weil sie womöglich selbst Versender der gepfefferten Bonbonniere waren. Maria Matray, altgediente Krimiexpertin (aber diesmal ohne Answald Krüger auf eigenen Pfaden unterwegs), zimmerte hier eine recht spannende Geschichte zusammen, bei der erneut alles auf einen konventionellen Whodunit hin ausgelegt ist. Denkt man zunächst noch, der pfauenhaft aufspielende Götz George stünde im Zentrum des Falles, verschiebt sich der Fokus bald auf seine „Hinterbliebenen“, wobei in diesem mehr oder weniger erlauchten Zirkel Thekla Carola Wied die größte Rolle einnimmt. Ein bisschen unentschlossen wird sie immer abwechselnd als mögliche Giftmörderin belastet und als beabsichtigtes Opfer dargestellt, das weiterhin unter Druck gesetzt wird – beide Vorgänge zehren verständlicherweise an ihren Nerven, sodass Wied zu einer zunehmend exaltierten Performance angehalten wird (ohne freilich so überspannte Höhen zu erreichen wie Krista Keller in der vergleichbaren Folge „Verena und Annabelle“ oder Helga Anders im Referenz-„Derrick“ „Kaffee mit Beate“).

    Das größte Problem der Folge ist, dass man die Lösung schon lang vor ihrer großen Enthüllung kommen sieht und sich dadurch teilweise auch über die Naivität in den Aktionen von Alice Sellow oder den Polizisten mokieren muss. Daran ändert auch der wunderbare Stalker-Cousin nichts, den Gerd Baltus mit der Bosheit eines zurückgewiesenen introvertierten Menschen umsetzt – zu offensichtlich handelt es sich hierbei um einen roten Hering. Auch lassen sich Matrays Drehbuch mehrfache Logikschwächen vorwerfen: Am schwersten wiegt die Frage, warum sich der Mörder auf eine so riskante Mordmethode einließ, wenn er den „schönen Alex“ einerseits gar nicht töten wollte, andererseits aber genau wusste, dass er bei Alice Sellow sein würde und schon immer ein Naschkater war ...

    Das hauptsächlich weibliche Darstellerpersonal wertet die Folge abseits reiner Logik-Fragen deutlich auf; ganz anders als Wied zeigt sich Lola Müthel als frisch gebackene Witwe zum Beispiel von einer angriffslustigen, regelrecht mit Mordmotiven kokettierenden Seite. Kristina Nel ist in einer Nebenrolle als neueste Gespielin des Toten eine willkommene Abwechslung, während Ringelmann-Krimi-Dauergesicht Christine Wodetzky ihrer Rolle eine hintergründige Subtilität verleiht. Erstaunlich wenig wird Xenia Pörtner in einen derart femininen Fall involviert – sie darf lediglich Siegfried Lowitz in eine Flirtkneipe begleiten. Vermutlich hätte Anna Gautier als Kennerin der weiblichen Psyche den Herren Köster, Heymann und Brenner zu schnell die richtige Lösung verraten können.

    Obwohl ihr Script nicht makellos ist, ist es doch sehr bedauerlich, dass „Der schöne Alex“ Maria Matrays einzige Arbeit für die Reihe „Der Alte“ war. Die Folge erlaubt heiteres Mitraten auf klassischem Figurentableau und der Umstand, dass dem angeberischen Toten nur wenige Leute wirklich nachtrauern, öffnet den Fokus auf die Hinterbliebenen, die mit Wied, Müthel, Nel und Wodetzky sehr angenehm besetzt sind. 4 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum21.05.2020 13:35
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Bewertet: "Der Alte"

    Ironischerweise ein ganz passender Krimi zum „Männertag“:



    Der Alte: Die Kolonne

    Episode 18 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Günter Gräwert. Drehbuch: Bruno Hampel. Mit: Siegfried Lowitz (Erwin Köster), Michael Ande (Gerd Heymann), Marius Müller-Westernhagen (Benno Flade), Andreas Seyferth (Harry Salbach), Gisela Dreyer (Renate Moll), Reinhard Kolldehoff (Basinsky), Walter Schmidinger (Oswald Moll), Bruno Dallansky (Max Steiger), Xenia Pörtner (Anna Gautier), Henning Schlüter (Franz Millinger) u.a. Erstsendung: 8. September 1978. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Alte (18): Die Kolonne
    Harry Salbach kann sich blendend verkaufen – sowohl als Liebhaber von Renate Moll als auch als Mitglied einer Drückerkolonne, die Zeitschriften und Lexika über die Türschwelle feilbietet, feiert er außerordentliche Erfolge. Jemand scheint ihm allerdings seine Glückssträhne zu missgönnen, denn eines Abends wird Harry mit einer Bierflasche in seinem Pensionszimmer erschlagen. Während seine Kollegen von der Kolonne vorgeben, nichts zu wissen und zur Mordzeit Skat gespielt zu haben, steht Harrys bester Freund Benno der Kripo mit Rat und Tat zur Seite. Aus Loyalität zum Toten kündigt er sogar seinen Job ...


    Reizende Winteratmosphäre stellt sich gleich zu Beginn von „Die Kolonne“ ein, als ein unerkannter Beobachter im verschneiten, abendlichen Garten umherschleicht, während Renate Moll drinnen im Bungalow bei flackerndem Kaminfeuer ihren halbnackten Lover von einem weiteren gemütlichen „Beisammensein“ zu überzeugen versucht. Die angeschlagenen Töne werden rauer, sobald man Harry Salbach in seine Drückerunterkunft begleitet – und so passt es ins Bild, dass Harry sein Leben auf recht prosaisch-brutale Art aushaucht. Leider versäumt es die Episode im Folgenden, die einzelnen Mitarbeiter aus der Drückerkolonne in den Stand echter Verdächtiger zu befördern, denn Bruno Hampel, der zwar immer wieder bewies, dass er gute Krimistrukturen aufbauen konnte, war nie der stärkste Autor, was runde, ausgefeilte Charaktere anging. So bleiben Harrys Kollegen ebenso wie sein Gruppenleiter Urbanek (Wolfgang Müller) im Prinzip nur bessere Statisten, die aufgrund ihres Alibis sofort wieder aus dem Geschehen eliminiert werden.

    Immerhin bietet „Die Kolonne“ abseits der titelgebenden Gruppe genug Verdachtsmomente gegen den über alle Gebühr hilfsbereiten Benno Flade, den erzürnten Sohn einer Kundin, die Affäre Renate, ihren Ehemann und dessen platonische Freundin. Günter Gräwert, der hier zum ersten Mal für eine „Der Alte“-Episode verantwortlich zeichnete, setzte beim Cast auf Bewährtes und ließ ebenso wie in seiner „Tatort“-Folge „Transit ins Jenseits“ von 1976 wieder Marius Müller-Westernhagen und Gisela Dreyer auftreten. Dreyer meistert die Aufgabe sehr gut und sympathisch; ihre wahre Bedeutung für den Mord wird dem Zuschauer erst am Ende ersichtlich. Müller-Westernhagen fehlt hingegen die schauspielerische Gewichtigkeit, um dem Zuschauer die überraschende Wendung und auch die einigermaßen unglaubwürdige Motivation seiner Figur auf die Nase zu binden. Gleichfalls bedient Walter Schmidinger auf etwas übertriebene Weise ein ausgelutschtes Klischee, während der Auftritt von Reinhard Kolldehoff als Pensionswirt mit Berliner Akzent durchaus zu gefallen weiß. Gerade die Szenen in seiner Unterkunft und im angeschlossenen Lokal verleihen der Folge ihren wohlig-kultigen 70er-Jahre-Charme. Auch Bruno Dallansky darf mit Filmmutter Lisa Helwig passend zum Zeitgeschmack kräftig auf die Pauke hauen und sorgt eher für Erheiterung als für ernsthaftes Rätselraten.

    Gern begleitet man Köster und Heymann auf umfangreiche Ermittlungen; die Polizeiarbeit nimmt einen großen Teil der Folge ein. Man erkennt an „Die Kolonne“, wie gut das Team Lowitz / Ande ohne überflüssigen Ballast funktioniert, wenn Hendriks gar nicht und Schlüter sowie Pörtner nur am äußersten Rande eingesetzt werden. Man muss sich nur vor Augen halten, dass man es hier mit einer Folge zu tun bekommt, die zwar in vielen Aspekten gelungen ist, aber zugleich schon unverkennbare Anzeichen von Routine aufweist. Nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird sie eher nicht. Aber das ist nach den unzähligen aufsehenerregenden Experimenten am Anfang der Serie auch ‘mal eine beruhigende, bodenständige Abwechslung.

    Der eher misslungene Titel (weder sieht man die Drückerkolonne bei der Arbeit noch bilden ihre Mitglieder den Verdächtigenkreis dieses Falles) sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier einen Hampel-typisch ordentlich aufgebauten Ratekrimi serviert bekommt. Die Verpackung ist nicht immer restlos überzeugend, aber solide und erinnert stellenweise an den „Tatort“ „Transit ins Jenseits“, der aber einige Klassen über dieser „Der Alte“-Folge spielt. 3,5 von 5 Punkten.

  • Edgar-Wallace-SchauplätzeDatum19.05.2020 23:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Edgar-Wallace-Schauplätze

    Bei meinem letzten längeren Hamburg-Aufenthalt zu Ostern 2018 war das Glasdach über dem Innenhof noch in Reparatur. Auf der damaligen Website las es sich so, dass der Hof nach den Baumaßnahmen gastronomisch wieder genutzt werden soll. Die neue Seite des Museums für Hamburgische Geschichte ist leider recht oberflächlich und gibt dazu keine Info mehr. Ein Besuch lohnt sich aber wohl in jedem Falle.

  • Zitat von schwarzseher im Beitrag #19
    ... und hat man später in vielen Colombo Folgen schon besser gesehen.

    Nun gut; die Macher des "Mörderspiels" können ja eher wenig dafür, dass du die später gedrehten "Columbo"-Folgen zuerst gesehen hast. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde genommen ein nicht zu verachtendes indirektes Lob ist, wenn das "Mörderspiel" laut deiner Assoziation die cleveren "Columbo"-Plots vorwegnahm.

  • Polizeiruf 110 (1971-..., TV)Datum19.05.2020 23:36
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Polizeiruf 110 (1971-..., TV)

    Oh, jetzt wo wir einen Oberleutnant hier im Forum haben, müssen wir ja sehr penibel darauf achten, was wir zu den DDR-Krimis schreiben - sonst schlägt die VP zu. Herzlich willkommen, @Oberleutnant Hübner, und danke für den ausführlichen Beitrag zu "Polizeiruf 110", den ich direkt in den Thread zur Serie verschoben habe. Vielleicht wird er dadurch ja wieder ein bisschen belebt?

    Mir selbst sind bisher nur die allerersten Folgen bekannt, aber die waren sehr solide Krimis mit wohlig-speziellem Flair. Es besteht auf jeden Fall der Anreiz, weiterzusehen, zumal ich seit 2017 noch weitere "Polizeiruf"-DVDs im Regal und sogar noch ein paar Texte auf der hohen Kante habe.

  • Eure DVDsDatum17.05.2020 17:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema Eure DVDs

    Hier habe ich ja ewig nicht mehr buchgeführt. Dementsprechend ist eine Menge dazugekommen, zuletzt gestern "Rififi" und "Blow-up" von Dussmann.

    FILM

    • Dreizehn Stühle (Deutsche Filmklassiker)
      (D 1938, mit Heinz Rühmann, Hans Moser, Annie Rosar u.a.; Black Hill Pictures)
    • Edgar Wallace Presents: The Gaunt Stranger (The British Film)
      (GB 1938, mit Sonnie Hale, Wilfrid Lawson, Louise Henry u.a.; Network DVD [GB-Import])
    • Der Tag bricht an (Le jour se lève)
      (FR 1939, mit Jean Gabin, Jacqueline Laurent, Jules Berry u.a.; Studio Canal / Arthaus)
    • Unter den Brücken (Transit Classics)
      (D 1945, mit Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth u.a.; UFA / Universum Film)
    • Die lange Nacht (The Long Night)
      (USA 1947, mit Henry Fonda, Barbara Bel Geddes, Vincent Price u.a.; Polar-Film)
    • Ich mach dich glücklich (Filmjuwelen)
      (BRD 1949, mit Heinz Rühmann, Hertha Feiler, Karl Schönböck u.a.; Edition Filmjuwelen)
    • Wir werden das Kind schon schaukeln (Filmjuwelen)
      (AT 1952, mit Heinz Rühmann, Hans Moser, Theo Lingen u.a.; Edition Filmjuwelen)
    • Ich und du (Filmjuwelen)
      (BRD 1953, mit Hardy Krüger, Liselotte Pulver, Claus Biederstaedt u.a.; Edition Filmjuwelen)
    • Oberst Redl (Spionage) (Filmjuwelen)
      (AT 1955, mit Ewald Balser, Barbara Rütting, Gerhard Riedmann u.a.; Edition Filmjuwelen)
    • Rififi (Du rififi chez les hommes)
      (FR 1955, mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel u.a.; UFA / Universum Film / Tobis)
    • Luzifers Tochter (Retour de manivelle) (Pidax Film-Klassiker)
      (FR / IT 1957, mit Michèle Morgan, Daniel Gélin, Peter van Eyck u.a.; Pidax-Film)
    • Edgar Wallace: Die Towers of London Gesamtedition (Filmjuwelen)
      (GB / BRD 1960-67, mit Bob Cummings, Christopher Lee, Richard Todd u.a.; Edition Filmjuwelen)
      enthält: Die Pagode zum fünften Schrecken, Das Rätsel des silbernen Dreieck, Sanders und das Schiff des Todes, Todestrommeln am großen Fluss, Der Rächer
    • Die Schatten werden länger (Pidax Film-Klassiker)
      (BRD / CH 1961, mit Barbara Rütting, Luise Ullrich, Hansjörg Felmy u.a.; Pidax-Film)
    • Town Without Pity (Stadt ohne Mitleid)
      (USA / BRD / CH 1961, mit Kirk Douglas, Barbara Rütting, Christine Kaufmann u.a.; Simply HE [GB-Import])
    • Blow-up
      (GB / IT 1966, mit Vanessa Redgrave, Sarah Miles, David Hemmings u.a.; Warner Bros. [GB-Import])
    • Der Chef (Un flic)
      (FR / IT 1971, mit Alain Delon, Richard Crenna, Catherine Deneuve u.a.; Kinowelt / Arthaus)
    • Die Affäre Dominici (L'affaire Dominici) (Pidax Film-Klassiker)
      (FR / IT 1972, mit Jean Gabin, Victor Lanoux, Geneviève Fontanel u.a.; Pidax-Film)
    • Mord bleibt Mord (Un mertre est un meurtre) (Pidax Film-Klassiker)
      (FR / IT 1972, mit Jean-Claude Brialy, Stéphane Audran, Robert Hossein u.a.; Pidax-Film)
    • Der Uhrmacher von St. Paul (L'horloger de Saint-Paul)
      (FR 1974, mit Philippe Noiret, Jean Rochefort, Jacques Denis u.a.; Studio Canal / Arthaus)
    TV
    • Francis Durbridge Presents (Volume 2)
      (1966-80, mit Sylvia Syms, Peter Barkworth, John Fraser u.a.; Madman HE [AU-Import])
      enthält: Bat out of Hell, The Passenger, The Doll, Breakaway: The Family Affair, Breakaway: The Local Affair
    • Heißer Sand (Pidax Film-Klassiker)
      (BRD 1970, mit Joachim Fuchsberger, Andrea Jonasson, Sieghardt Rupp u.a.; Pidax-Film)
    • Tatort: Die Jahre 1970 bis 1979 (20 Tatort-Klassiker)
      (BRD 1970-79, mit Walter Richter, Werner Schumacher, Klaus Schwarzkopf u.a.; Icestorm)
      enthält: Tatort-Episoden 001, 004, 008, 014, 017, 019, 027, 034, 042, 046, 048, 053, 067, 069, 073, 083, 090, 094, 096, 106
    • Tatort: Kommissar Trimmel ermittelt (8 Folgen in einer Box)
      (BRD 1970-78, mit Walter Richter, Renate Schroeter, Heinz Bennent u.a.; Icestorm)
      enthält: Tatort-Episoden 001, 009, 010, 011, 021, 042, 067, 086
    • Tatort: Kommissar Finke ermittelt (7 Folgen in einer Box)
      (BRD 1971-78, mit Klaus Schwarzkopf, Ruth-Maria Kubitschek, Wolf Roth u.a.; Icestorm)
      enthält: Tatort-Episoden 008, 019, 029, 036, 058, 073, 090
    • Tatort: Die Jahre 1980 bis 1989 (20 Tatort-Klassiker)
      (BRD 1980-89, mit Walter Richter, Hansjörg Felmy, Gustl Bayrhammer u.a.; Icestorm)
      enthält: Tatort-Episoden 112, 113, 123, 126, 133, 135, 144, 148, 151, 157, 175, 176, 185, 188, 191, 193, 203, 208, 219, 226
    • Mord ist ihr Hobby (Murder, She Wrote) (Staffel 12, Teil 2)
      (USA 1996, mit Angela Lansbury, Ron Masak, William Windom u.a.; Universal HE)



  • Mord bleibt Mord (Un meurtre est un meurtre)

    Kriminalfilm, FR / IT 1972. Regie: Etienne Périer. Drehbuch: Dominique Fabre, Etienne Périer (Romanvorlage, 1972: Dominique Fabre). Mit: Jean-Claude Brialy (Paul Kastner), Stéphane Audran (Marie Kastner / Anne Andrieux), Robert Hossein (Jean Carouse), Michel Serrault (Commissaire Plouvier), Catherine Spaak (Françoise Noblet), Michel Creton (Apotheker Moureux), Olivier Hussenot (Notar), Claude Chabrol (Schlafwagenschaffner), Madeleine Damien (1. Kundin im Modesalon), Jeanne Pérez (2. Kundin im Modesalon) u.a. Erstsendung (FR): 23. August 1972. Erstsendung (BRD): 1974. Eine Produktion von Les Films de l’Epée Paris, Planfilm Paris und Tritone Cinematografica Rom.

    Zitat von Mord bleibt Mord
    Autoverkäufer Paul Kastner ist in doppelter Hinsicht beruhigt: Seine ebenso steinreiche wie unleidliche Gattin Marie ist gerade beerdigt und die Untersuchung ihres Todes mit der Feststellung von Pauls Unschuld beendet worden. Der Witwer erwartet, nun endlich in Ruhe mit seiner Geliebten Françoise zusammenkommen zu können, hat dabei aber die Rechnung ohne zwei entschiedene Störfaktoren gemacht: seine Schwägerin, die ihm hartnäckig doch noch den Mord in die Schuhe schieben will, und einen Erpresser namens Carouse. Dieser gibt unumwunden zu, Marie getötet zu haben, um dann von Paul ein Schweigegeld zu kassieren. Wird Paul zur Polizei gehen, Carouse bezahlen oder ihn ermorden?


    Man kann schon echtes Mitleid mit dem armen Paul Kastner empfinden, dessen einziger, aber dafür umso folgenschwererer Fehler es war, die Ehe mit einer Frau einzugehen, welche sich nach einem Unfall in eine Hobby-Despotin verwandelte. In einigen Rückblenden erhält der Zuschauer Einblick in das psychotische Verhalten der Rollstuhlfahrerin Marie Kastner, die ihrem Mann mit Eifersucht und Aggression zusetzte – sodass es eine richtiggehende Befriedigung ist, Stéphane Audran in dieser Rolle gleich zweimal sterben sehen zu dürfen. Auch gerät der Ehemann logischerweise unter Verdacht, bei so einem „gelegenen“ Ableben seiner Gattin nachgeholfen zu haben – ein simples Vorurteil, um das bereits viele Schauergeschichten gestrickt worden sind. Glaubt man zunächst, mit „Mord bleibt Mord“ eine ebensolche Story serviert zu bekommen, in der der Gemahl sich an den Bremskabeln des Unfallwagens verging, erweist sich der Film von Etienne Périer als wesentlich einfallsreicher.

    Tatsächlich ist Paul unschuldig und man würde ihm eine Beziehung in ruhigerem Fahrwasser mit der wesentlich ausgeglicheneren Françoise von Herzen gönnen; doch nach Maries Beerdigung geht der Terror für ihn erst richtig los. Jean-Claude Brialy wird nicht nur von einem aufdringlich liebenswürdigen Kommissar (Michel Serrault) wieder und wieder malträtiert; auch erhält er mit Maries Schwester, die der Toten wie aus dem Gesicht geschnitten ist, einen neuen Quälgeist als Mitbewohnerin. Audran legt ihre zweite Rolle noch geifernder und unverschämter an als die erste und verleiht der Anne Andrieux sogar deutliche Anzeichen von Wahnsinn, die sie gefährlich und explosiv, manchmal aber auch einfach wie ein stures Kind auf der Suche nach einem Sündenbock wirken lassen.

    Wesentlich qualifizierter bringt sich Robert Hossein ins Geschehen ein: Als kaltblütiger Erpresser, der scheinbar an alles denkt, um Paul in die Klemme zu manövrieren, darf Hossein die wohl ungewöhnlichste Rolle des Films bekleiden. Seine Rolle liefert dem Drehbuch nicht nur immer wieder neue Wendungen, sondern ist auch eine gelungene Verdrehung üblicher Krimiklischees. Zugleich hat sie etwas unglaublich Mysteriöses an sich, was auch damit zusammenhängt, dass Carouse seine Karten nur sukzessive und sehr strategisch ausspielt – wie ein Raubtier lässt er Paul, seine Beute, zappeln und beobachtet dessen Abwehrverhalten mit sadistischer Freude. Auch veranlasst er Paul und Françoise (die übrigens von einer reizend bodenständigen Catherine Spaak – ganz anders als in „Die neunschwänzige Katze“ – gespielt wird), nun doch einen Mord zumindest in Erwägung zu ziehen.

    So spielt „Mord bleibt Mord“ mit den Konventionen des Genres und erweist sich dabei immer als frisch und überraschend. Gut gelungen sind auch die auflockernden Momente, für die neben dem Ermittler auch zwei alte Damen mit offenbar spitz gefeilten Zungen sowie ein vom bekannten Regisseur Claude Chabrol verkörperter Eisenbahnschaffner zuständig sind. Périers inszenatorische Handschrift inklusive Kamera und Musik hätte hingegen noch etwas kühner ausfallen können, um die Gruselmomente, die anziehende psychologische Spannungsschraube und die Ausweglosigkeit für Paul stärker zu akzentuieren. Des Weiteren wirkt es etwas enttäuschend, dass am Ende eine Nebenfigur als Katalysator und Lösungsgeber des gesamten Rätsels auftritt – dieser Charakter hätte vorher bereits etwas stärker ausgebaut werden können.

    Trotz kleinerer Mängel verbringt man als Zuschauer mit diesem ungewöhnlichen Psychokrimi eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Zeit, was vor allem an seiner inhaltlichen Beweglichkeit und den treffend (manchmal vielleicht allzu pointiert) aufspielenden Darstellern liegt. „Mord bleibt Mord“ mag kein glanzvoller Meilenstein des französischen Thrillergenres sein, stellt aber sehr wohl ein spannendes Puzzlestück in dessen Gesamtbild dar.

    (4 von 5 Punkten)

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