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  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)DatumGestern 21:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Vadim Glowna (Lassowski), Götz George (Muller), Friedrich Joloff (Dr. Arnold Vogt), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Anthony Steel (Carlsson), Hans-Michael Rehberg (Schmoll), Nadja Tiller (Maja Korska), Esther Ofarim (Miriam) u.a. Erstsendung: 9. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)
    Die Polizei in Istanbul findet die verschwundene Leiche aus dem Auto der Wassems und stellt fest, dass es sich dabei gar nicht um Dr. Vogt, sondern um den Lastwagenfahrer Korska handelt, der für Muller und Dr. Vogt gearbeitet hat. Muller, Carlsson und Minotti verschwinden zum gleichen Zeitpunkt aus Istanbul – Thomas Wassem reist ihnen nach Tunis hinterher, wo er auch die Bekanntschaft von Korskas Frau und Schwager macht. Während Maja Korska mit Minotti in Verbindung steht, versucht ihr Bruder Lassowski, Thomas Wassem bei seiner gefährlichen Jagd nach den Hintermännern zu helfen. Gemeinsam überwältigen sie nicht nur Muller, sondern schlagen sich auch quer durch die Sahara zum echten Dr. Vogt durch. Dieser nimmt am Südrand der Wüste sensible geologische Versuchsbohrungen vor, für die verschiedene Interessenten über Millionenbeträge und Leichen gehen ...


    Die zügige Entwirrung der im ersten Teil noch unlösbar scheinenden Verwicklungen in Istanbul überrascht den Zuschauer ebenso wie die unvermittelte Verlagerung des Geschehens nach Tunis und in die menschenfeindliche Wüstenhitze. Damit einher geht eine unverkennbare Änderung der filmischen Prioritäten: Was wie alle anderen Reinecker-Dreiteiler als Mordrätsel begann, entwickelt sich auf einmal in Richtung eines Abenteuer- oder Actionstreifens, bei dem es eher auf die Verfolgung und Unschädlichmachung bereits bekannter Gegner ankommt als auf Kombinationsgabe und Befragungen. So besteht der zweite Teil von „11 Uhr 20“ im Wesentlichen daraus, dass Wassem den ausgemachten Schurken Muller, Minotti und Vogt nachstellt und dabei von einer Falle in die nächste tappt. Ob eine Drahtschlinge im Schlafsaal, verschiedene Schusswechsel mit Muller oder das Beinahe-Verdursten allein in der Sahara – man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier einfach nur Lehrbuchweisheiten aus der Kategorie „Wie stellt man den Protagonisten vor gefährliche Herausforderungen“ wie Perlen an einer Kette aufgereiht werden, um die notwendige Laufzeit zu füllen. Die Dichte neuer Erkenntnisse hält sich nämlich in engen Grenzen: Während bei „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ immer neue Wendungen für Unterhaltsamkeit sorgten, macht „11 Uhr 20“ zwar gleich zu Beginn des zweiten Teils eine 180-Grad-Drehung, verläuft dann für die übrigen 60, 65 Minuten überraschungslos ab.

    Natürlich muss man attestieren, dass Joachim Fuchsberger alle Challenges mit Bravour meistert; „11 Uhr 20“ forderte dem 42-jährigen Schauspieler gerade körperlich Vieles ab. Hervorzuheben ist insbesondere die atmosphärische Kampfsequenz mit dem verschlagenen Hans-Michael Rehberg, in der sich die beiden Mimen zunächst um die todbringende Drahtschlinge und anschließend um eine in Brand geratene Öllampe balgen. Regisseur Becker versteht es, in solchen Momenten immer wieder einmal den Adrenalinspiegel hochkochen zu lassen, verschenkt die Wirkung solcher Szenen jedoch mit erheblich zu viel Leerlauf zwischendurch. Es ist daher erstaunlich, dass gerade dieser eher auf Schau- und Actionwerte konzentrierte Mehrteiler und nicht die deutlich komplexeren Vorgänger für eine nachträgliche Übertragung in Romanform ausgewählt wurde.

    Zitat von Volker Helbig. Herbert Reineckers Gesamtwerk: Seine gesellschafts- und mediengeschichtliche Bedeutung. Wiesbaden: DUV, 2007. S. 288
    Ab 1970 wendet sich Reinecker mit einer bislang nicht gekannten Intensität dem Buchmarkt zu [...]. 11 Uhr 20 erscheint noch im Jahr 1970 als Kriminalroman im Münchner Gersbach-Verlag, wobei diesem Band noch jeder äußere Verweis auf den gleichnamigen dreiteiligen Fernsehfilm fehlt [...]. Ein expliziter Produktverbund findet erst mit der zweiten Auflage statt, die dem Roman zu seinem eigentlichen Erfolg verhilft: 1973 bringt der Goldmann-Verlag eine wesentlich weiter verbreitete Taschenbuchversion auf den Markt, die vorderseitig den Hinweis führt: „Das aufsehenerregende Fernsehspiel – jetzt als Taschenkrimi!“ 11 Uhr 20 ist ein für Reinecker-Verhältnisse recht aktionsgeladener, stark vom amerikanischen Detektivroman beeinflusster sowie mit Exotik- und Abenteuerelementen durchsetzter Krimi, der in Istanbul und Tunis spielt und in dem die ermittelnde Hauptfigur Thomas Wassem als Ich-Erzähler fungiert.


    Während Bruhns und Steel sowie Krüger und Tiller in diesem Teil nur verhältnismäßig kleine Posten bekleiden, schlägt hier nun die Stunde von Vadim Glowna und Götz George. Glowna gibt den loyalen, zu einfachen (brutalen) Lösungen neigenden Ko-Ermittler mit naiver Gutgläubigkeit, sodass es schade ist, dass er bereits im gleichen Teil wieder abserviert wird. Umso gefährlicher stellt sich das Unterfangen natürlich für Wassem dar, der sich nicht dauerhaft auf Unterstützung verlassen kann. George dagegen bietet das beeindruckende Arsenal eines durchtriebenen Opportunisten auf, der – sobald andere die Oberhand über ihn haben – geradezu hündisch winselt, dann aber zu geradezu enervierender Selbstsicherheit zurückfindet, sobald er glaubt, wieder Oberwasser zu haben. Insgesamt ist sein Herr Muller sicher kein cleverer Strippenzieher und hat sich mit dem Unterfangen, in das er sich eingelassen hat, eindeutig übernommen – seine Gefährlichkeit entspricht vielmehr der eines in die Enge getriebenen Tieres.

    Die Frage, die sich am Ende des zweiten Teils von „11 Uhr 20“ stellt, ist, ob sich eigentlich überhaupt noch relevante Fragen stellen. Der Fall wirkt dank der Erläuterungen Friedrich Joloffs einigermaßen klar und die Rollen der Verbrecher sogar noch eindeutiger als in „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“.

  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)Datum19.10.2018 21:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Gila von Weitershausen (Maria Wassem), Konrad Georg (Herr Konrad), Götz George (Muller), Anthony Steel (Carlsson), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Ann Smyrner (Helga Kessler), Karl Walter Diess (Brocca), Muzaffer Tema (Polizeioffizier) u.a. Erstsendung: 8. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)
    An ihrem letzten Urlaubstag geben die Istanbul-Touristen Thomas und Maria Wassem auf dem Postamt nur rasch ein Telegramm in die Heimat auf. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehren, sitzt darin die Leiche des deutschen Ingenieurs Dr. Vogt. Um diplomatische Verwicklungen mit den türkischen Behörden zu vermeiden, beschließen die Wassems, sich des Toten unbemerkt zu entledigen – allerdings passiert dabei ein schrecklicher „Unfall“, bei dem auch Maria Wassem stirbt. Ihr Ehemann gerät unter Verdacht, sie umgebracht und die Geschichte mit Vogt nur erfunden zu haben, denn der Leichnam des Mannes verschwindet auf mysteriöse Weise. Es gibt aber eine Spur: die Tänzerin, die jetzt im Hotelzimmer des Ermordeten wohnt. Über sie und den Hotelier Brocca gerät Wassem an Vogts Berufskollegen Muller sowie den schießwütigen Nachtclubkönig Carlsson ...


    Nach den in den klassischen Krimiländern angesiedelten Mehrteilern „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ wagten Helmut Ringelmann, Herbert Reinecker und Wolfgang Becker den Clou, die bisherige Grenze für Mehrteilerschauplätze auszutesten und „11 Uhr 20“ in Istanbul anzusiedeln. Zahlreiche Aufnahmen vor Ort sowie die Mitwirkung einiger türkischer Darsteller in kleineren Rollen verleihen dem ersten Teil des Mordkomplotts ein exotisches Flair und setzen zudem ein klares Zeichen bezüglich des unverminderten Aufwands, den Ringelmanns Neue Münchner Fernsehproduktion in die Auftragsarbeiten fürs ZDF investierte: Man wollte mit den Dreiteilern in der ersten Liga des Fernsehkrimis mitspielen und auch die zunehmend technisch ausgefeilten Durbridge-Krimis ausstechen. Bestandteil dieser Strategie war auch, noch vor „Wie ein Blitz“ (Ausstrahlung im April 1970, drei Monate nach „11 Uhr 20“) die Farbära für die mehrere Abende füllenden Fernsehspiele einzuläuten. Kameramann Rolf Kästel nutzte deren Wirkungspotenzial sehr ansprechend aus: Neben einer im Ganzen eher gedeckten Farbpalette warmer Sonnentöne stechen einige attraktive Akzente heraus, die in gewisser Weise auch schon die langsam anklingenden Siebzigerjahre verraten: knallrote Titeltafeln, Carlssons ebenso unverkennbar roter Chevrolet oder eine ins tiefe Lila schillernde Nachtstimmung.

    Optische Leckerbissen und die atemberaubende inhaltliche Entwicklung gehen allerdings Hand in Hand: Das tragische und bedrohliche Dilemma von Thomas Wassem wird nicht nur schneller, ungeduldiger zur Sprache gebracht als etwa jenes von Manfred und Marianne in „Babeck“, sondern ist auch deshalb umso effektiver, als man den Helden den Tod seiner Ehefrau fast leibhaftig miterleben lässt. Im Gegensatz zu Edward Morrison oder Marianne Hohmann, die aufgrund eigener Abwesenheit erst nachträglich vom Verschwinden ihrer Verwandten erfahren und daraufhin erst einmal klären müssen, was überhaupt geschehen ist, hat Wassem von Anfang an tödliche Gewissheit und somit eine umso stärkere Motivation. Die Szene, in der Maria Wassem stirbt, sowie jene, die ihrem Tod vorausgehen, werden von Joachim Fuchsberger und Gila von Weitershausen sehr sympathisch und glaubwürdig umgesetzt, sodass auch der Zuschauer ein ernsthaftes Interesse an der Aufklärung des Todesfalls erhält, wohingegen man z.B. Alice Morrison nur von einem Foto her kannte und deshalb nicht gar so eng mit Edward Morrison in Allianz stand. Man sieht Thomas Wassem daher großzügig nach, dass er sich den türkischen Behörden auf illegale Weise entzieht; offenbar versuchte man hier, dem Sonnyboy Fuchsberger ein raueres, eigensinniges Rollenimage zu verpassen (er ist es zum Beispiel auch, der den Fund der Leiche Dr. Vogts von Anfang an vertuschen will und seine Frau dazu anhält, dessen Taschen zu durchsuchen). Die möglichen Konflikte, in die er als Tourist im islamischen Land mit Ämtern und Justiz geraten kann, sowie das abschreckende Niveau türkischer Gefängnisse werden mehrfach offen angesprochen, auch wenn die offiziellen Stellen bei den Dreharbeiten in Istanbul laut damaliger Schilderungen vom Dreh sehr bedacht darauf waren, dass die Türkei nicht negativ dargestellt wird.

    Während Edward Morrison in „Der Tod läuft hinterher“ und Manfred Krupka in „Babeck“ vom ersten Teil an mit einer weiblichen „Assistentin“ ausgestattet wurden, verzichtete man aus naheliegenden Gründen darauf, Wassem nach dem Tod seiner Frau eine solche an die Seite zu stellen. Der Protagonist agiert eher als Einzelkämpfer und stellenweise wundert es, wie frei er sich bewegen kann, obwohl die Zeitungen seine Fahndungsbilder in ganz Istanbul verbreiten. Eine nicht ganz so zentrale, aber vergleichbare Aufgabe als Unterstützer des Privatermittlers erfüllt Konrad Georg als gutmütiger, aber hasenfüßiger Mitarbeiter des deutschen Konsulats auf darstellerisch beeindruckende Weise. Wer ihn eher aus bestimmenden oder abstoßenden Rollen kennt, wird sich über Georgs Wandlungsfähigkeit wundern. Eher die von ihm immer wieder abbonierte Rolle des Schurken aus der zweiten Reihe verkörpert Karl Walter Diess, der sich in einer immerhin kuriosen Besetzung als einheimischer Hotelrezeptionist Brocca frühe Ringelmann-Sporen verdient. Ebenfalls in ihr typisches Fach schlagen Götz George und Werner Bruhns als undurchsichtige Hintermänner mit sehr unterschiedlichen Methoden; einen dazu passenden Auftritt, gefährlich wie eine Klapperschlange, liefert auch Anthony Steel als kaltblütiger Herr Carlsson. Neben dem Mord an Maria Wassem ist der Moment, in dem Carlsson seinen Handlanger abserviert, der wohl schockierendste des ersten Teils – beide Szenen sprechen eine deutlich härtere Sprache als z.B. die eher wohligen Deduktions-„Spiele“ bei Francis Durbridge.

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum19.10.2018 21:38
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Du beziehst dich offenbar auf den Grabbericht über Erich Fiedler auf Seite 5. Danke für die Hintergrundinformation - es ist interessant, dass Fiedler zunächst eine 20 Jahre ältere Frau hatte, die dann 28 Jahre vor ihm starb, und dass seine (ich vermute: anschließende) Freundin / Lebensgefährtin ebenfalls wie er im Grab der Ehefrau mitbestattet wurde.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum17.10.2018 17:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Frühstückt Babette mit einem Mörder?

    Episode 258 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Eberhard Itzenplitz. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Christoph Bantzer (Walter Kamrau), Anette Hellwig (Babette König), Michèle Marian (Kirsten Kamrau), Heidy Forster (Frau Scholz), Frank Behnke (Magnus Kölner), Helmut Pick (Herr Tscheka), Jutta Bunk, Tanja Dressler u.a. Erstsendung: 5. April 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Frühstückt Babette mit einem Mörder?
    Noch bevor Magnus Kölner ins eiskalte Seewasser springen kann, wird er von einer Kugel aus einem Jagdgewehr mit Zielfernrohr niedergestreckt. Seine intime Freundin Kirsten Kamrau verfällt in Panik, denn sie ist sich sicher: Den Schuss kann nur ihr gehörnter Gatte Walter abgegeben haben! Sie lässt sich von Oberinspektor Derrick nach Hause begleiten, um das Wichtigste zu packen, denn sie fürchtet, Walter Kamrau könne es auch auf sie abgesehen haben. Derrick glaubt der Frau, hat aber keine Beweise gegen den mutmaßlichen Täter in der Hand. Das ändert sich, als die Haushaltshilfe Babette bei Walter Kamrau aufkreuzt. Womöglich würde es ihm ausreichen, diese anstelle seiner Ehefrau umzubringen?!


    Irgendwie passt der ungelenke Titel „Frühstückt Babette mit einem Mörder?“ zu dieser Folge, denn auch Handlung, Schauspiel und Inszenierung stellen sich als einigermaßen sperrig heraus. Der Zuschauer hätte sich direkt gewundert, wenn zwischen den Eheleuten, die das zum gefühlten 258. Mal als Kulisse verwendete Hochschloss Pähl bewohnen, alles im Reinen gewesen wäre. Von nichts könnte bei Walter und Kirsten Kamrau weniger die Rede sein – nicht nur die Affäre der Frau, sondern ein wirklich bis in sämtliche Grundfesten erschüttertes Vertrauensverhältnis macht es den Eheleuten unmöglich, auf normale Weise miteinander zu kommunizieren. Die Folge steigt mit dem unvermittelten Mord an Liebhaber Kölner ein und sofort darauf beschuldigt die hysterische Frau ihren Mann, woraufhin sie von der Bildfläche verschwindet und diese einem in seiner Psychose richtiggehend lähmenden Christoph Bantzer überlässt. Bantzer ist der Dreh- und Angelpunkt des Falles; leider hat er hier eine so manirierte Art an sich, dass er – ebenso wie die relativ spät eingeführte Titelheldin Babette – nicht den geringsten Anflug von Realitätsnähe besitzt. Beide Gestalten wirken wie Karikaturen ... konzipiert nur, um möglichst starke Kontrate zueinander aufzuweisen. Er, der eigenbrödlerische, weltfremde, gruselige Schlossherr; sie, die lebensfrohe, patente, attraktive Putzkraft. Das ist doch etwas sehr simpel gestrickt.

    Leider kann sich Eberhard Itzenplitz in seiner ersten von fünf „Derrick“-Regieverpflichtungen nur unzureichend profilieren. Spannung kommt nur in einer einzigen Szene auf, die dafür wirklich recht gut gelungen ist. Derrick führt Walter Kamrau zum See – direkt an jenen Platz, an dem der Schütze mit der Jagdwaffe gestanden haben muss. Er drückt Kamrau ein Gewehr in die Hand; dieser legt es an, peilt direkt auf Harry, der – wie zuvor das Mordopfer – auf dem Steg am See steht, und drückt ab ... Davon abgesehen versinkt die Episode in gepflegter Langeweile, von der auch die sehr düstere Musik von Eberhard Schoener oder die tatsächlich einmal wieder recht soliden polizeilichen Kombinationen nicht ablenken können. Zu künstlich wirken die Figuren, zu herbeigeredet die Motive und Wendungen. Kamrau scheint es nur darauf anzukommen, irgendwen zu töten, weil ... ja weil er halt ein Psycho ist. Überraschungen bezüglich seiner Täterschaft kommen nicht vor und obwohl die Titelgebung einen Whodunit suggeriert, werden außer Kamrau nie ernsthafte andere Verdächtige aufgebaut. So präsentiert sich dann auch der Schluss völlig unspektakulär: Man hätte sich bei so offener Bedrohungslage wenigstens ein wüstes Finale zwischen Kamrau und Babette erhofft, aber auch das bleibt – zugunsten eines lauen Lüftchens und einer saloppen Schlusszeile – aus.

    Die mädchenhafte Babette bringt einen frischen Wind in das Schloss, in dem nicht nur die Waffen gebührend angestaubt sind. Das bedeutet auch, dass Anette Hellwig völlig zeitgeistig daherkommt – einschließlich lächerlicher Kleinmädchenfrisur und Regenbogenbekleidung sowie eines, sagen wir: mutigen Musikgeschmacks. Nachdem sie für Kamraus Küche ein Radio besorgt hat, läuft dort ausgerechnet „Push the Feeling on“ von den Nightcrawlers. – Man fragt sich, ob es nicht möglich gewesen wäre, die hölzernen Dialoge zwischen Kamrau und Derrick oder zwischen Kamrau und Babette im Mittelteil zu kürzen, um die Bedrohung im Finale auszubauen und schlussendlich auch Frau Kamrau noch einmal ins Bild zu rücken. So bleibt ein unvollständiger, teilweise auch ungekonnter Eindruck zurück – eine Folge, die nicht ärgerlich, aber einfach schwach ist.

    „Frühstück mit dem Mörder“, wie dieser Fall z.B. in Finnland und Italien genannt wurde, wäre wohl ein einfacherer Episodentitel gewesen, hätte aber vielleicht zu sehr an den 1964er-Film „Frühstück mit dem Tod“ erinnert. Auch dieser „Derrick“ bemüht sich auf klassischem Terrain, vermischt es aber mit so kruden Psycho-Elementen, dass selbst ein Schauspieler wie Christoph Bantzer zum Scheitern verurteilt ist. Auch sonst wird wenig Neues geboten – daher nur 2,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #20
    Quasi als Einstimmung für die kommenden Edgar Wallace-Wochen möchte ich mir erstmals die Ondra-Lamac-Wallace-Verfilmungen der 1930er-Jahre ansehen.

    Hui, hier wird gewissermaßen vorgeglüht. Sehr löblich! Von den drei deutschen 30er-Jahre-Wallaces ist "Der Zinker" - als Krimi - sicher der beste, wobei "Der Doppelgänger" daneben noch ordentliche Lustspielqualitäten hat.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Meine Rankings zu den einzelnen Boxen trugen nur die Überschrift „Zwischenwertung“. Hier nun also die „Endwertung“, in der ich versucht habe, alle 97 Folgen in einer Liste unterzubringen. Ist gar nicht so einfach, wenn man teilweise über fünf Jahre zurückdenken muss. Aber die Unterschiede bei Qualität oder Unterhaltungsfaktor sind ja teilweise doch recht beträchtlich.


    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 43 | Traum eines Wahnsinnigen (Becker)
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 08 | Der Tod fährt 1. Klasse (Becker)
    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 29 | Der Moormörder (Becker)
    Platz 04 | ★★★★★ | Folge 61 | Der Geigenspieler (Grädler)
    Platz 05 | ★★★★★ | Folge 13 | Auf dem Stundenplan: Mord (Grädler)
    Platz 06 | ★★★★★ | Folge 80 | Der Segelbootmord (Becker)
    Platz 07 | ★★★★★ | Folge 74 | Mit den Augen eines Mörders (Grädler)
    Platz 08 | ★★★★★ | Folge 52 | Das Ende eines Humoristen (Grädler)
    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 21 | ... wie die Wölfe (Staudte)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 88 | Die Kusine (Ashley)

    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 57 | Das Komplott (Staudte)
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 34 | Der Tote von Zimmer 17 (Becker)
    Platz 13 | ★★★★★ | Folge 63 | Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S. (Becker)
    Platz 14 | ★★★★★ | Folge 96 | Der Held des Tages (Haugk)
    Platz 15 | ★★★★★ | Folge 87 | Der Mord an Dr. Winter (Schaaf)
    Platz 16 | ★★★★☆ | Folge 32 | Die Anhälterin (Staudte)
    Platz 17 | ★★★★☆ | Folge 65 | Sommerpension (Goslar)
    Platz 18 | ★★★★☆ | Folge 49 | Ein Amoklauf (Becker)
    Platz 19 | ★★★★☆ | Folge 20 | Messer im Rücken (Staudte)
    Platz 20 | ★★★★☆ | Folge 79 | Jähes Ende einer interessanten Beziehung (Grädler)

    Platz 21 | ★★★★☆ | Folge 07 | Keiner hörte den Schuss (Becker)
    Platz 22 | ★★★★☆ | Folge 67 | Tod eines Buchhändlers (Grädler)
    Platz 23 | ★★★★☆ | Folge 10 | Schrei vor dem Fenster (Haugk)
    Platz 24 | ★★★★☆ | Folge 97 | Tod im Transit (Grädler)
    Platz 25 | ★★★★☆ | Folge 84 | Am Rande der Ereignisse (Grädler)
    Platz 26 | ★★★★☆ | Folge 40 | Der Tod des Herrn Kurusch (Grädler)
    Platz 27 | ★★★★☆ | Folge 70 | Die Nacht mit Lansky (Ode)
    Platz 28 | ★★★★☆ | Folge 45 | Schwester Ignatia (Haugk)
    Platz 29 | ★★★★☆ | Folge 01 | Toter Herr im Regen (Becker)
    Platz 30 | ★★★★☆ | Folge 06 | Die Pistole im Park (Becker)

    Platz 31 | ★★★★☆ | Folge 94 | Mord nach der Uhr (Weidenmann)
    Platz 32 | ★★★★★ | Folge 54 | Blinde Spiele (Grädler)
    Platz 33 | ★★★★★ | Folge 19 | In letzter Minute (Becker)
    Platz 34 | ★★★★★ | Folge 86 | Ein Mord auf dem Lande (Grädler)
    Platz 35 | ★★★★★ | Folge 02 | Das Messer im Geldschrank (Becker)
    Platz 36 | ★★★★★ | Folge 68 | Domanns Mörder (Becker)
    Platz 37 | ★★★★★ | Folge 26 | Die kleine Schubelik (Tressler)
    Platz 38 | ★★★★★ | Folge 64 | Ein Mädchen nachts auf der Straße (Grädler)
    Platz 39 | ★★★★★ | Folge 91 | Der Tod des Apothekers (Braun)
    Platz 40 | ★★★★★ | Folge 42 | Ein rätselhafter Mord (Staudte)

    Platz 41 | ★★★★★ | Folge 27 | Anonymer Anruf (Käutner)
    Platz 42 | ★★★★★ | Folge 81 | Der Liebespaarmörder (Braun)
    Platz 43 | ★★★★★ | Folge 39 | Als die Blumen Trauer trugen (Haugk)
    Platz 44 | ★★★★★ | Folge 11 | Die Schrecklichen (Brynych)
    Platz 45 | ★★★★★ | Folge 23 | Tödlicher Irrtum (Becker)
    Platz 46 | ★★★★★ | Folge 59 | Der Tod von Karin W. (Grädler)
    Platz 47 | ★★★★★ | Folge 55 | Rudek (Regnier)
    Platz 48 | ★★★★★ | Folge 46 | Überlegungen eines Mörders (Haugk)
    Platz 49 | ★★★★★ | Folge 05 | Ein Mädchen meldet sich nicht mehr (Grädler)
    Platz 50 | ★★★☆★ | Folge 14 | Das Ungeheuer (Haugk)

    Platz 51 | ★★★☆★ | Folge 35 | Lisa Bassenges Mörder (Staudte)
    Platz 52 | ★★★☆★ | Folge 30 | Besuch bei Alberti (Staudte)
    Platz 53 | ★★★☆★ | Folge 90 | Noch 10 Minuten zu leben (Grädler)
    Platz 54 | ★★★☆★ | Folge 17 | Parkplatz-Hyänen (Brynych)
    Platz 55 | ★★★☆★ | Folge 50 | Der Tennisplatz (Grädler)
    Platz 56 | ★★★☆★ | Folge 60 | Die Nacht, in der Basseck starb (Staudte)
    Platz 57 | ★★★☆★ | Folge 04 | Die Tote im Dornbusch (Tressler)
    Platz 58 | ★★★☆★ | Folge 28 | Drei Tote reisen nach Wien (Haugk)
    Platz 59 | ★★★☆★ | Folge 78 | Schwierigkeiten eines Außenseiters (Braun)
    Platz 60 | ★★★☆★ | Folge 58 | Schwarzes Dreieck (Grädler)

    Platz 61 | ★★★☆★ | Folge 76 | Sein letzter Coup (Ashley)
    Platz 62 | ★★★☆★ | Folge 83 | Das goldene Pflaster (Becker)
    Platz 63 | ★★★☆★ | Folge 41 | Kellner Windeck (Ode)
    Platz 64 | ★★★☆★ | Folge 24 | Eine Kugel für den Kommissar (Ode)
    Platz 65 | ★★★☆★ | Folge 93 | Ein Playboy segnet das Zeitliche (Becker)
    Platz 66 | ★★★☆★ | Folge 03 | Ratten der Großstadt (Grädler)
    Platz 67 | ★★★☆★ | Folge 95 | Eine Grenzüberschreitung (Braun)
    Platz 68 | ★★★☆★ | Folge 66 | Herr und Frau Brandes (Lindtberg)
    Platz 69 | ★★★★★ | Folge 44 | Die Tote im Park (Staudte)
    Platz 70 | ★★★★★ | Folge 82 | Traumbilder (Ashley)

    Platz 71 | ★★★★★ | Folge 18 | Dr. Meinhardts trauriges Ende (Verhoeven)
    Platz 72 | ★★★★★ | Folge 16 | Tod einer Zeugin (Brynych)
    Platz 73 | ★★★★★ | Folge 25 | Der Mord an Frau Klett (Haugk)
    Platz 74 | ★★★★★ | Folge 12 | Die Waggonspringer (Grädler)
    Platz 75 | ★★★★★ | Folge 62 | Ein Funken in der Kälte (Staudte)
    Platz 76 | ★★★★★ | Folge 33 | Lagankes Verwandte (Becker)
    Platz 77 | ★★★★★ | Folge 73 | Tod eines Landstreichers (Goslar)
    Platz 78 | ★★★★★ | Folge 89 | Sturz aus großer Höhe (Braun)
    Platz 79 | ★★★★★ | Folge 75 | Im Jagdhaus (Reinhardt)
    Platz 80 | ★★★★★ | Folge 47 | Tod eines Schulmädchens (Grädler)

    Platz 81 | ★★★★★ | Folge 92 | Fährt der Zug nach Italien? (Grädler)
    Platz 82 | ★★★★★ | Folge 69 | Ein Anteil am Leben (Haupt)
    Platz 83 | ★★★★★ | Folge 09 | Geld von toten Kassierern (Tressler)
    Platz 84 | ★★★★★ | Folge 71 | Spur von kleinen Füßen (Grädler)
    Platz 85 | ★★☆★★ | Folge 85 | Warum es ein Fehler war, Beckmann zu erschießen (Braun)
    Platz 86 | ★★☆★★ | Folge 36 | Tod eines Ladenbesitzers (Staudte)
    Platz 87 | ★★☆★★ | Folge 51 | Fluchtwege (Becker)
    Platz 88 | ★★☆★★ | Folge 72 | Drei Brüder (Grädler)
    Platz 89 | ★★☆★★ | Folge 22 | Tod eines Klavierspielers (Kehlmann)
    Platz 90 | ★★☆★★ | Folge 48 | Toter gesucht (Grädler)

    Platz 91 | ★★★★★ | Folge 53 | Mykonos (Goslar)
    Platz 92 | ★★★★★ | Folge 38 | Grau-roter Morgen (Grädler)
    Platz 93 | ★★★★★ | Folge 56 | Tod eines Hippiemädchens (Grädler)
    Platz 94 | ★☆★★★ | Folge 77 | Ohne auf Wiedersehen zu sagen (Goslar)
    Platz 95 | ★☆★★★ | Folge 31 | Ende eines Tanzvergnügens (Staudte)
    Platz 96 | ★☆★★★ | Folge 15 | Der Papierblumenmörder (Brynych)
    Platz 97 | ★★★★ | Folge 37 | Die andere Seite der Straße (Grädler)



    Damit ergeben sich für die Regisseure, die an mindestens drei Episoden beteiligt waren, folgende Durchschnittspunktzahlen:

    Platz 01 | 4,25 Punkte pro Folge | Wolfgang Becker (18 Folgen)
    Platz 02 | 4,00 Punkte pro Folge | Dietrich Haugk (8 Folgen)
    Platz 03 | 3,83 Punkte pro Folge | Helmuth Ashley (3 Folgen)
    Platz 04 | 3,83 Punkte pro Folge | Erik Ode (3 Folgen)
    Platz 05 | 3,65 Punkte pro Folge | Theodor Grädler (27 Folgen)
    Platz 06 | 3,63 Punkte pro Folge | Wolfgang Staudte (12 Folgen)
    Platz 07 | 3,50 Punkte pro Folge | Georg Tressler (3 Folgen)
    Platz 08 | 3,42 Punkte pro Folge | Michael Braun (6 Folgen)
    Platz 09 | 3,00 Punkte pro Folge | Zbynek Brynych (4 Folgen)
    Platz 10 | 2,75 Punkte pro Folge | Jürgen Goslar (4 Folgen)

    Am meisten überzeugen konnten mich Episoden von Wolfgang Becker und Theodor Grädler. Diese beiden Regisseure machen die Top-8 meines Rankings komplett unter sich aus. Auch Haugk war fast immer eine sichere Bank. Eintagsfliegen unter den „Kommisar“-Regisseuren dagegen waren Ulrich Haupt, Helmut Käutner, Michael Kehlmann, Leopold Lindtberg, Charles Regnier, Gottfried Reinhardt, Johannes Schaaf, Michael Verhoeven und Alfred Weidenmann.



    Über alle Folgen hinweg hatte ich außerdem ein fortlaufendes Ranking der überzeugendsten Ermittler laufen. Verrechnet man die von jedem der regulären Hauptdarsteller erzielten Abstimmungen mit der Gesamtzahl der jeweiligen Auftritte, erhält man ein klares Bild davon, welche Ermittler mich über die gesamte „Kommissar“-Serie hinweg am meisten angesprochen haben. Das Resultat: Ich stimme ganz klar für die junge Generation – beide Kleins schneiden hervorragend ab, wobei Erwin sich prozentual deutlich absetzt. Die erfahreneren Herren folgen dann in dichtem Abstand zu Harry, wobei der Kommissar durch Dauerpräsenz oder Hartnäckigkeit punktet, Robert durch Korrektheit oder Strenge und Walter meist recht unauffällig bleibt.

    Platz 01 | 09 von 27 Fällen (33 %) | Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)
    Platz 02 | 18 von 66 Fällen (27 %) | Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    Platz 03 | 25 von 97 Fällen (26 %) | Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    Platz 04 | 23 von 96 Fällen (24 %) | Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    Platz 05 | 22 von 94 Fällen (23 %) | Inspektor Walter Grabert (Günter Schramm)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum15.10.2018 18:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Ruth und die Mörderwelt

    Episode 257 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Maria Becker (Ruth Mommsen), Oliver Hasenfratz (Ullrich Bonte), Franjo Marincic (Ludwig Hinz), Walter Renneisen (Hugo Voss), Peter Kuiper (Wirt Alex), Lis Verhoeven (Frau Bonte), Udo Thomer (Herr Bonte), Erland Erlandsen (Arthur Mommsen) u.a. Erstsendung: 8. März 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Ruth und die Mörderwelt
    Eigentlich sollte er nur Schmiere stehen. Weil der Einbruch seines Komplizen in die Villa des alten Ehepaars Mommsen aber schiefläuft und Herr Mommsen erschossen wird, muss Ullrich Bonte plötzlich die trauernde Witwe trösten. Er ahnt nicht, dass diese ihn längst durchschaut hat und weiß, dass er am Einbruch beteiligt war. Sie beschließt, damit auf ihre Weise umzugehen, und stellt den naiven jungen Gauner auf die Probe. Stephan Derrick und Harry Klein sind derweil den organisierten Hintermännern des Raubmords auf der Schliche und stoßen auf einen Versicherungsangestellten, dessen Klienten nicht zum ersten Mal bestohlen werden ...


    Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

    Ein nicht unwesentlicher Teil der Episode wickelt sich beinah in Echtzeit in der Tatnacht ab – das Vorspiel zum Einbruch, die Straftat selbst, das Hilferufen der alten Frau Mommsen, die Tatortuntersuchung der Polizei und die Rückkehr von Ullrich Bonte zu seiner Familie nehmen mehr als die Hälfte von „Ruth und die Mörderwelt“ ein und formen zusammen einen sehr angenehmen, flüssigen Einstieg. Helmuth Ashley zeigt die Hauptcharaktere in diesen Szenen aktiv in Aktion und Interaktion, anstatt wie oft in Reinecker-Krimis nur statisch in der 1:1-Befragung mit der Polizei. Ein solcher etwas sedierterer Teil schließt sich ab Minute 30 dann aber unvermeidlich an, wobei tatsächlich weniger Derrick und Harry mit ihren Ermittlungen im Fokus stehen, sondern Frau Mommsen, die dem jungen Strolch auf unkonventionelle Weise Reue einimpft. „Überlassen Sie mir den Jungen“, weist die zwar gebrechlich, aber sehr willensstark erscheinende Maria Becker den Oberinspektor an, der daraufhin zusammen mit Harry rätselt, was der Plan der Alten sein könnte. Die Skepsis der beiden ist verständlich, denn nicht selten hatten sie es schon mit Selbstjustiz zu tun, von der Frau Mommsen indes weit entfernt ist.

    Ihr geht es darum, Ullrich Bonte seine eigene Dummheit vor Augen zu führen – sie weicht dem Studenten, der ihr Enkel sein könnte, nicht mehr von der Seite und gibt ihm auf die Art, die der altersphilosophierende Reinecker für eine intellektuelle hält, durch die Blume zu verstehen, dass sie ihn zutiefst verachtet. Maria Becker legt die Rolle so doppelbödig an, dass man sich über die Gefühle von Frau Mommsen nie abschließend im Klaren sein kann. Ist sie gekränkt, wütend oder von einem stoischen Galgenhumor ergriffen? Sie serviert jedenfalls einige sehr trocken-amüsante Momente, welche die Folge auflockern und Beckers schauspielerische Würde beweisen, weil sie die Rolle nicht der Albernheit preisgeben. Dass Reinecker großen Wert darauf legt, dass die Mommsens Juden sind, die unter den Nazis die Schrecken des Lagerlebens kennengelernt haben, fügt ihrer Performance eine tragische Ebene hinzu und verleiht dem etwas kruden Titel von der „Mörderwelt“, mit der sich Ruth Mommsen bestens auskennt, Gewicht. Ihr Gegenspieler Ullrich Bonte ist im Vergleich dazu zwar ein Fliegengewicht, aber der sonst oft flatterige Oliver Hasenfratz ruft hier eine wirklich beachtliche, ernstzunehmende Leistung ab. Seine Erschütterung über den Mord, den sein Komplize begeht, sowie der Nachdenkprozess, den Ruth Mommsen ankurbelt, machen Ullrich Bonte (wenngleich er nicht frei von den typischen Studenten-Klischees ist) zu einer dreidimensionalen Figur, die Hasenfratz verantwortungsvoll umsetzt.

    Die Episode hätte mit einigen wenigen Verbesserungen folglich ein Höhepunkt der späten Ära werden können. Neben der dynamischen ersten Hälfte und den überzeugenden Hauptdarstellern sind vor allem die schönen lauen Münchner Nachtaufnahmen, die sehr adrette Mommsen-Villa sowie die Besetzung des gaunervermittelnden Kaschemmenwirts mit Peter Kuiper als deutliche Pluspunkte hervorzuheben. Leider muss andererseits konstatiert werden, dass Reinecker die Krimi-Komponente über die Philosophierereien von Ruth Mommsen prompt vergisst, was die Folge teilweise ins Hanebüchene führt. Die Frage, warum Bonte den Einbrecher nicht über Funk warnte, als das Licht im Schlafzimmer anging, bleibt ebenso offen wie der Grund für den völlig überzogen erscheinenden Selbstmord am Ende. Auch das Vorgehen von Derrick und Klein, die über den Versicherungsmakler auf die Spur der Einbruchsserie kommen, hätte genauer beleuchtet werden müssen, um mehr als ein Vorwand für ihre abermals eher mauen Polizeiaktivitäten zu sein.

    Spannende, optisch ansprechende und exzellent besetzte Episode, die nur daran scheitert, dass ihr Weltweisheiten-Gehalt durch die Decke schießt. Das hindert sie zwar daran, inhaltlich optimal abzuliefern, wirkt sich aber andererseits immerhin positiv auf die diesmal sehr plastisch wirkenden Figuren aus. Gute 3,5 von 5 Punkten.

  • Babeck (1968, TV)Datum14.10.2018 21:35
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es ist ja zwingend nötig, dass die nachträglich eingefügte Rollstuhl-Rolle die Auflösung maßgeblich verändert hat. Vermutlich nicht unbedingt zum Besseren. Interessant wäre, zu erfahren, wie sie ursprünglich ausgesehen hätte. Wäre der letztliche Hauptschurke einfach direkt als Babeck entlarvt worden oder hätte es einen anderen "Schmierenkomödianten" gegeben, der als Sündenbock für Manfred und Marianne herhalten muss?

    Dass Martin Held das Angebot nicht annahm, finde ich sehr schade. Ich kann ihn mir sehr gut in der Rolle vorstellen. Vielleicht war er verhindert? Seine sonst sehr arbeitsame Filmografie weist 1968 ein gähnendes Loch auf - evtl. ein größeres oder mehrere Theaterengagement(s).

    Zu den belastenden Unterlagen, mit denen Dr. Brenner erpresst wird: Seine Haushälterin (Helma "Rehbeinchen" Seitz) sagt in Teil 1 ziemlich deutlich, dass Brenner im Krieg tief in üble Machenschaften verwickelt gewesen sein muss, weil danach einige Patienten sich weigerten, sich von ihm behandeln zu lassen. Womöglich war er KZ-Arzt?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Ein Jahr ohne Sonntag: Gerüchte

    Episode 3 der TV-Familienserie, BRD 1969. Regie: Claus Peter Witt. Drehbuch: Horst Pillau. Mit: Karin Baal, Götz George, Nicky Makulis jr., Florian Halm, Katharina Brauren, Witta Pohl, Christa Siems, Edgar Bessen, Hans-Peter Korff, Hans Musäus, Paul Edwin Roth u.a. Erstsendung: 26. Februar 1970, NDR Werbefernsehen. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft.

    Zitat von Ein Jahr ohne Sonntag (3): Gerüchte
    Die exorbitante Telefonrechnung stottert Ina Sonntag mit Sparbuch und Kürzungen beim Haushaltsgeld ab. Zu ihrer größten Sorge wächst sich unterdessen das lose Mundwerk der Hausmeistergattin aus, die ihr am laufenden Band Verfehlungen und Affären nachsagt. Eifrig von der Kioskbesitzerin gegenüber unterstützt, besprechen die beiden Klatschfrauen jeden Herrenbesuch in der Sonntag-Wohnung. Als Ina mit ihrem Nachbarn zum Tanzen ausgeht, bleibt das ebenso wenig unbemerkt wie ihr angeblicher Flirt mit einem Polizisten, der jedoch in Wahrheit ihr Bruder ist. Als bei Sonntags Geburtstag gefeiert wird, treffen die „Hausfreunde“ aufeinander ...


    „Vielleicht ist es ja auch ganz etwas anderes. Ich komme schon dahinter.“

    Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde! Bereits in der zweiten Episode klang die Veranlagung der gelangweilten Altfrauen (Christa Siems, Katharina Brauren) an, ihre Nachbarin neidvoll durch den Kakao zu ziehen, indem sie jede Kleinigkeit, die sie vor dem Sonntag’schen Haus beobachten, analysieren und interpretieren. Hier nun wächst sich dieser Drang geradezu ins Böshafte aus, was vor allem Christa Siems ausnutzt, um ihre Rolle als Klatschbase genüsslich auszubauen. Sie drängt sich damit ganz in den Mittelpunkt der Episode, was leider so weit führt, dass ihre Beobachtungen am Fenster wichtiger genommen werden als die vermutlich deutlich sehenswertere Geburtstagsfeier in der Wohnung zwei Geschosse darüber. Man sieht zwar die Gäste mit Blumen und Geschenken zu Ina Sonntag hinaufgehen (was natürlich sofort Anlass zu weiteren Spekulationen bietet), verbleibt aber gezwungenermaßen an Siems’ Seite, anstatt Baals Gastgeberqualitäten genauer kennenzulernen. Das ist auch deshalb schade, weil mittlerweile ein ansehnlicher Stamm an Freunden und Bekannten eingeführt wurde, die man gern genauer kennenlernen würde. Edgar Bessen lässt sich als gutmütiger Bruder von Karin Baal foppen, während Hans-Peter Korff und Witta Pohl bereits wie Profis miteinander streiten und man sich bei Paul Edwin Roth noch immer nicht sicher ist, ob es sich bei seiner Rolle nun um einen verlässlichen Freund oder einen selbstsinnigen Filou handelt. – Gesonderte Erwähnung verdient die Ausstattung, welche die Studiowände mit gar scheußlichen grellbunten Mustertapeten im Sechzigerjahrestil und die beiden Tratschschwestern Siems und Brauren mit ähnlich üblen Kittelschürzen und Blusen versah. Als würde uns ihr Geläster nicht schon genug Schauer über den Rücken laufen lassen!

    Gaststar: Edgar Bessen, der spätere Kommissar Glockner bei TKKG, lässt (auch hier schon in Polizeiuniform) die Gerüchteküche wild brodeln

  • Babeck (1968, TV)Datum14.10.2018 14:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 3: Tödliche Geschäfte)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Curd Jürgens (Mann im Rollstuhl), Senta Berger (Susanne Stefan), Karl John (Hohmann), Charles Regnier (Kaminsky), Katrin Schaake (Marita Jung), Walter Morath (Mendozza), Friedrich Joloff (Mazzini), Jan Hendriks (Bleriot) u.a. Erstsendung: 29. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 3: Tödliche Geschäfte)
    An Bord der Calasetta begegnen Manfred Krupka und Marianne Hohmann zum zweiten Mal dem undurchsichtigen Geschäftsmann Mazzini, der gegen Babeck arbeitet, aber über alle Hintergründe bestens informiert ist. Obwohl Mazzini ihnen das Leben rettet, gehen Manfred und Marianne nicht auf sein krummes Angebot ein. Sie versuchen weiterhin, der Wahrheit auf aufrichtige Weise näherzukommen. Marianne lässt sich nicht einmal von ihrem Vorhaben abhalten, als ihr Vater sie plötzlich kontaktiert und eindringlich bittet, nach München zurückzukehren und die Sache zu vergessen. Zu pikant sind die Ermittlungen mittlerweile geworden: Die Calasetta wird zur Verschiffung illegaler Waren genutzt – doch welche sind das? Auf einem von Babeck gegebenen Ball bietet Manfred Krupka noch einmal alles auf, um die tödlichen Geschäfte zu durchkreuzen ...


    Obwohl Herbert Reinecker immer wieder illustre Mordmotive erfand, steht hinter seinen Bildschirmmorden doch meist nur eine von wenigen übergeordneten Einflussgrößen – in diesem Fall ist es die bloße Geldgier, die Männer zu skrupellosen Geschäftemachern mit dem Tod werden lässt. Vom plumpen Mord am Scherenschleifer in der verschlafenen Siedlung am Starnberger See bis hin zum mondänen genuesischen Palais mit seinen Verbindungen zu illegalen Handelspartnern aus aller Welt ist es ein gewaltiger Gedankensprung – doch die geschickt angedrehte Eskalationsschraube lässt das immer größere Anwachsen der kriminellen Energie plausibel und folgerichtig erscheinen. Zumindest bis hin zu einem Knackpunkt kurz vor Ende des Falles, als die Irrungen um die sicher geglaubte Identität von Babeck mit einem letzten Twist eine geradezu mystische Qualität erhalten. Diese Überraschung hätte Reinecker durchaus einsparen können – ohne sie hätte man den Fall sauberer aufwickeln und leichter verstehen können. Immerhin blendet die atemberaubende Inszenierung der letzten Filmminuten die logischen Bedenken bis auf ein Minimum aus; welcher der vorbelasteten Herren nun der „richtige“ Babeck ist, ist letztlich einigermaßen unwichtig. An die Stelle eines Whodunit treten moralschwangere Entscheidungen, mit Gangstern zu kooperieren oder sie auffliegen zu lassen, selbst in angebotene Geschäfte einzusteigen oder sie als asozial abzulehnen. In der Beantwortung dieser Fragen zeigt Reinecker vor allem den Kontrast zwischen alter und junger Generation auf:

    Zitat von Tom Zwaenepoel. Dem guten Wahrheitsfinder auf der Spur. Würzborg: Königshausen & Neumann, 2004. S. 160
    Im Dreiteiler Babeck (1968) gibt es einige formale Merkmale populären Erzählens, wie etwa ein optisch interessantes Setting (Oberschicht, Unterwelt) und moralische Zuordnungen bei den Figuren; Tod sühnt geschehenes Unrecht. Gegen Ende der Babeck-Handlung spitzt sich der moralische Konflikt zum Generationenkonflikt zu, der im Jahr der Studentenbewegung (1968) ein beliebtes Thema in den Medien und in der Bestseller-Literatur ist.


    Manfred und Marianne sind als junge Protagonisten die einzigen aufrichtigen Figuren, die mehrfach angebotenes Geld ausschlagen, um ohne Vorbehalte weiter ermitteln zu können. Gerade zwischen Marianne und ihrem Vater sowie zwischen den Figuren von Senta Berger und Curd Jürgens, die sich als miteinander verwandt entpuppen, entbrennen Vater-Tochter-Konflikte, die alters- und sozialisationsbedingte Unterschiede in der Gewichtung von Recht und Unrecht erkennbar werden lassen. Vor allem Curd Jürgens trumpft als scheinbarer Strippenzieher mit gebieterisch distinguierter Aura stark auf („Hier gelten die Maßstäbe, die ich setze. Das ist der höchste Luxus.“), um sich schlussendlich als jammernder Verlierer eines unerwarteten Kräftemessens auf nicht weniger eindrucksvolle Weise zu verabschieden. Dass er eigentlich eine andere Rolle hätte spielen sollen und man den Mann im Rollstuhl seiner kurzfristigen Verletzung wegen erst im letzten Moment ins Drehbuch hineinschrieb, mag der Grund für das etwas verunglückte Ende sein, macht sich sonst aber wenig bemerkbar. Karl John legt seine geheimnisumwitterte Rolle dagegen pragmatischer und mit weniger Pathos an; man hätte sich von ihm einen Hauch jener Abseitigkeit gewünscht, die er noch in Peter Lorres „Der Verlorene“ an den Tag legte.

    Für Manfred und Marianne endet das Abenteuer „Babeck“ noch unrunder als für den Zuschauer; warum beide nach der Erschießung des falschen Babeck plötzlich davon absehen sollten, die gesammelten Informationen der Presse zukommen zu lassen, um zumindest den Rest der „sauberen“ Geschäftsleute einer Strafe zuzuführen, wird nicht klargemacht. Vielleicht hätte Reinecker einige dehnende Szenen vor dem Finale fortlassen und die gewonnene Zeit stattdessen in ein erläuternderes Wrap-up am Ende investieren sollen.

    „Babeck“ beginnt biederer als „Der Tod läuft hinterher“ und endet zum Ausgleich mit einem deutlichen Mehr an Grandezza und politischer Schwere. Diese baumelt am Ende leider etwas unzufriedenstellend in der Luft, was selbst durch die exzellenten Schurkendarsteller nicht verhindert werden kann. „Babeck“ ist dennoch ein starker, nervenzehrender Krimi auf hohem Niveau, allerdings mit einigen Schwächen im Vergleich zum Vorgänger und mir daher nur mehr gute 4 von 5 Punkten wert.

  • Thema von Gubanov im Forum Edgar-Wallace-Forum

    Liebe Edgar-Wallace-Freunde,

    ich stelle fest, dass ich in den letzten Jahren kaum mehr Edgar-Wallace-Filme gesehen habe und mich mittlerweile die Lust ereilt, das doch wieder einmal zu tun. Da die Anzahl der Filme doch ziemlich beeindruckend ist und ich gern endlich einmal ordentliche, einheitliche Besprechungen zu den Filmen schreiben würde, dachte ich daran, dass es vielleicht dem Spaß und dem Durchhaltevermögen zuträglich sein könnte, wenn wir uns gemeinsam die Wallace-Filme aufs Neue vornehmen.

    Im Jahr 2005 wurden hier im Forum im Wochenrhythmus die Bewertungsthreads zu den Rialto-Filmen eröffnet und das ganze Forum schaute quasi synchron die Wallace-Reihe einmal von vorn bis hinten durch. Was haltet ihr davon, so eine ähnliche Großaktion nochmal zu wiederholen? Unter dem Banner "Wallace der Woche" könnten wir uns wöchentlich einem Film widmen, Meinungen dazu austauschen, offene Fragen diskutieren, neue Perspektiven entdecken und uns auch nochmal richtig schön in die Haare bekommen, falls unsere Urteile voneinander abweichen.

    Ich würde euch deshalb gern zu einem solchen Projekt einladen, wäre aber erstmal gespannt, ob ihr euch vorstellen könnt, sowas auch mitzumachen - ggf. natürlich auch mit Kommentaren und Meinungen "aus der Erinnerung". Ich dachte daran, im November zu beginnen, sodass wir bei 36 Filmen im Juli 2019 mit der Aktion fertig wären - pünktlich zu einem Edgar-Wallace-Filmgrandprix (der letzte wird dann nämlich schon wieder genau fünf Jahre her sein).

    Was meint ihr?

  • Babeck (1968, TV)Datum13.10.2018 20:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 2: Das Geheimnis der Calasetta)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Senta Berger (Susanne Stefan), Curd Jürgens (Mann im Rollstuhl), Friedrich Joloff (Mazzini), Wolfgang Völz (Fasold), Paul Albert Krumm (Hiebler), Kai Fischer (Caroline), Charles Regnier (Kaminsky), Paul Verhoeven (Körner) u.a. Erstsendung: 28. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 2: Das Geheimnis der Calasetta)
    Weingarten kann seinen Plan, Krupka zu töten, nicht umsetzen und wird im Gegenzug von Babecks Handlangern ermordet. Krupka hat mittlerweile herausgefunden, dass der Reporter Hohmann vermutlich noch lebt. Seine Spur führt in die Chérie-Bar, wo Krupka dem Barmann Fotos aus Genua zum Kauf anbietet. Dieser ist sehr interessiert und will sie mit Profit an Babeck weiterveräußern. Durch diesen Trick kommt der Ermittler mit den Hintermännern des Clans in Kontakt, doch ausgerechnet der zentrale Babeck erweist sich als ausgesprochen schlüpfrige Gestalt. Können Krupka und Marianne Hohmann seiner habhaft werden, wenn sie der Barbesitzerin Susanne Stefan persönlich nach Genua folgen? Nur um Haaresbreite entgehen sie dem nächsten Attentat im Schnellzug ...


    Was das Malibu für „Der Tod läuft hinterher“ war, ist die Chérie-Bar für „Babeck“. Statt Pinkas Braun, Gisela Uhlen, Josef Meinrad und Jan Hendriks treiben sich diesmal Senta Berger, Paul Albert Krumm, Kai Fischer und Wolfgang Völz auf und hinter der Bühne herum und bringen Krupka in die eine oder andere gefährliche Situation. Im Nachtclub spielt Wolfgang Becker erneut seine inszenatorische Stärke aus und lässt das Etablissement zu einem gefährlichen Sündenbabel mit magnetischer Faszination werden. Fischer tanzt mit gleich zwei Schlangen, Krumm verstellt Lohner den Ausweg und der Name Babeck wird verheißungsvoll durch die Kulissen geflüstert. Der absolute Hauptgewinn dieser Szenen sowie der gesamten Mehrteiler-Besetzung ist allerdings Senta Berger, deren kühle Eleganz so beherrscht und wohldosiert wirkt, dass sie ganz offensichtlich in eine ganz andere Liga gehört als die offensichtlichen Klein- und Großschurken der Reinecker’schen Krimiwelt. Sie für einen Krimimehrteiler zu gewinnen, war ein einmaliger Clou, zu dem man Ringelmann nur gratulieren kann. Musikpapst Peter Thomas und Spezialist Wolfgang Becker widmen ihr mit „Vergiss mich, wenn du kannst“ einen spektakulären Gesangsauftritt, dessen groovige Melodie auch in allen anderen Szenenuntermalungen wieder auftaucht. Thomas, der sich um 1968 herum auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand, schuf damit in meinen Augen (oder vielmehr: Ohren) den besten Krimi-Song der Sechzigerjahre, den man sich immer und immer wieder anhören muss.

    Während man sich an Helmuth Lohners Art mittlerweile gewöhnt hat (er schlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes vor allem in der groß aufgezogenen Jagd- und Kampfszene auf der Baustelle recht ordentlich), vermisst man bei Cordula Trantow noch immer eine nennenswerte Eigeninitiative. Freilich ist fraglich, inwiefern das der Schauspielerin angelastet werden kann oder nicht vielmehr Autor Herbert Reinecker dafür verantwortlich gemacht werden muss, der Marianne Hohmann fast ausschließlich hinter Manfred Krupka herlaufen oder Hilfsdienste für ihn verrichten lässt. Marianne Koch hatte ein Jahr zuvor – sicher auch aufgrund ihres Prominenzbonus – die im Vergleich attraktivere Rolle erhalten. Als sehenswerter Umbruch in der Mitte des Mehrteilers gestaltet sich die Zugfahrt der beiden Ermittler nach Genua, wo sie über Susanne Stefan näher an Babeck und an den vermissten Hohmann-senior heranzukommen gedenken. Das geplante Attentat im Eisenbahntunnel von Brixen verfehlt seine spannungssteigernde Wirkung nicht, wenngleich man sich für den Pistolenschützen in spe eine beeindruckendere Besetzung als ausgerechnet den schwerfälligen Biedermann Paul Verhoeven hätte vorstellen können. Auch der Schauplatzwechsel nach Italien tut dem Krimi gut, lässt er doch erkennen, dass es abermals um einen internationalen Schwindel geht, der hier von Babecks Gehilfen mit allen Mitteln gedeckt werden soll. Genua strahlt förmlich gegenüber den etwas tristen München-Aufnahmen, doch sollte man sich von der einladenden Fassade nicht blenden lassen ...

    Die Idee, den einzelnen Episoden des Mehrteilers individuelle Titel zu geben, ist ein weiterer Pluspunkt von „Babeck“, denn sie machen zusätzlich gespannt auf den kommenden Handlungsabschnitt und brechen die abstrakte Natur der relativ aussageschwachen Haupttitel effektiv auf (schließlich geben weder „Der Tod läuft hinterher“ noch „Babeck“ oder „11 Uhr 20“ viel über die jeweiligen Produktionen preis). Gerade die Untertitel „Ein Sarg aus Genua“ und „Das Geheimnis der Calasetta“ erhöhen die Neugierde des Zuschauers, zumal Manfred und Marianne eine Menge geschickter Kombinationen anstellen müssen, bevor sie kurz vor Ende des zweiten Teils überhaupt auf den Namen des Schiffs Calasetta stoßen. Der insgesamt höhere Anteil detektivischer Arbeit in Teil 2 unterscheidet „Babeck“ von „Der Tod läuft hinterher“, welcher sich mit voranschreitender Laufzeit zunehmend intuitiver gestaltete, während „Babeck“ nach einem in dieser Hinsicht schwächeren Auftakt nun wirklich sehr solide Krimikost bietet. Man kann sich freilich nur zu gut denken, worin das Geheimnis der Calasetta besteht, doch die verbleibenden ungeklärten Fragen um Hohmann sowie um Babeck und sein „Unternehmen“ reichen mehr als aus, um dem letzten Teil gespannt entgegenzublicken.

  • Falschmünzer am Werk (1950)Datum13.10.2018 11:03
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Da hast du aber wirklich ein vergessenes Thema wieder entstaubt. Anfang letzten Jahres hatte ich mir die DVD zusammen mit der Schwester-VÖ "Wer fuhr den grauen Ford?" ebenfalls zugelegt, aber bislang keinen der beiden Filme gesehen. "Falschmünzer am Werk" erhält ja eher bescheidene Kritiken. Auch deine ist nicht gerade überschwenglich und @Percy Lister hatte den Film ebenfalls gesehen, aber aus Enttäuschung keinen Review geschrieben.

    Mal sehen, ob ich mich jetzt auch 'mal herantraue. Niedrige Erwartungen sind manchmal keine so schlechte Sache.

  • Besondere FilmvorführungenDatum12.10.2018 22:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gegen das Prädikat des Festivals ist in diesem Fall nichts einzuwenden. Wie wäre es außerdem mit dem "unheimlichen Mönch" als Vorprogramm?

  • Hansjörg FelmyDatum12.10.2018 22:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Im gleichen Maße, in dem mein Zuspruch zum Film "Die Tote aus der Themse" gestiegen ist, habe ich auch Hansjörg Felmys Leistung als Inspektor Craig mehr und mehr schätzen gelernt. Er ist vielleicht weder die einnehmendste noch die charismatischste Hauptfigur der Wallace-Reihe, aber ein sehr solides, im typischen modernen Stil der Anfangssiebziger latent abgebrühtes Arbeitstier, das keine großen emotionalen Ausrufezeichen zu setzen braucht, weil diese gar nicht zu ihm passen würden. Vergleicht man Craigs Rollenanlage mit der von Fuchsbergers Inspektor Barth in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", so stellt man eine neue Art der Ermittlerzeichnung fest, die insgesamt realistischer und weniger heldenhaft erscheint. Während das in einen klassischen Wallace-Film nicht hineinpassen würde, steht dieser Kurs den zwei genannten Krimis sehr gut zu Gesicht. An Felmys Darstellung ist in diesem Fall für meine Begriffe entsprechend nichts auszusetzen. Ich würde ihn den Wallace-Inspektoren-Leistungen von Harald Leipnitz, Günther Stoll und Horst Tappert auf jeden Fall vorziehen.

    Auch in "Das 7. Opfer" fand ich Felmy immer sehr formidabel - hier zeigt er, dass er Action und Schrulligkeit gut kombinieren kann, ohne "dümmlich" zu wirken. Was seine übrigen Krimiauftritte außerhalb des Wallace-Universums angeht, möchte ich unbedingt "Der Greifer" und "Herz ohne Gnade" empfehlen.

  • Babeck (1968, TV)Datum12.10.2018 22:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 1: Ein Sarg aus Genua)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Helmut Käutner (Dr. Brenner), Siegfried Lowitz (Weingarten), Charles Regnier (Kaminsky), Senta Berger (Susanne Stefan), Walter Richter (Scherenschleifer Krupka), Helma Seitz (Agathe), Paul Albert Krumm (Hiebler), Rudolf Schündler (Kriminalkommissar) u.a. Erstsendung: 27. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 1: Ein Sarg aus Genua)
    Im Auftrag einer undurchschaubaren Organisation, an deren Spitze ein gewisser Herr Babeck steht, ermordet der Arzt Dr. Brenner einen ihm völlig unbekannten Scherenschleifer. Wichtig ist für Brenner nur, dass er – im Tausch gegen ihn belastende Papiere – den Leichnam eines Ertrunkenen „abliefern“ kann, der dann in einen aus Genua überführten Sarg gelegt wird. Darin soll angeblich der Reporter Hohmann zu Grabe getragen werden. Dessen Tochter Marianne und der Sohn des Scherenschleifers, Manfred Krupka, tun sich zusammen und ermitteln auf private Initiative, denn die Polizei will selbst dann nichts unternehmen, als auch Dr. Brenner tot aufgefunden wird. Die erste Spur führt zu Herrn Weingarten, Mariannes Onkel, der ebenfalls von Babeck und dessen Handlanger Kaminsky erpresst wird. In seiner Zwangslage sieht Weingarten keinen anderen Ausweg, als den jungen Krupka zu erschießen ...


    Mit der sehr detailliert geschilderten Sequenz zwischen Dr. Brenner und dem Scherenschleifer beginnt „Babeck“ auf ungewöhnliche Weise. Der naive Arbeiter wird von den Versprechungen des Arztes angezogen wie die Motte vom Licht und wandert damit ebenso unvermeidlich in sein Verderben. Der Zuschauer ahnt schnell, worauf Brenners Ansinnen hinausläuft, hat aber Schwierigkeiten, sich das Gesehene zu erklären. Für den Mord gibt es keinerlei nachvollziehbare Gründe und tatsächlich erfährt man später, dass Brenner lediglich eine willkürlich ausgewählte Leiche benötigt, um die Leute, die ihn erpressen, zufriedenzustellen. Damit ist das Interesse am großen Hintermann und seinem noch reichlich diffusen Masterplan mehr als hinlänglich geweckt – diesmal hört dieser schon nicht mehr auf ein durbridge-typisches Pseudonym wie Gilbert, sondern auf den sehr reineckeresk klingenden Namen Babeck; ebenso wie die Handlung von England und Frankreich nach Deutschland (und später Italien) verlegt wurde. Während die Reinecker-Trilogie mit derlei Rahmenbedingungen recht flexibel umgeht, folgt sie inhaltlich einem roten Faden, um nicht zu sagen: gewissen Gesetzmäßigkeiten und Wiederholungen, was die Münchner Abendzeitung veranlasste, abfällig anzumerken:

    Zitat von Münchner Abendzeitung, zitiert nach „Die Krimihomepage“: „Babeck“, Quelle
    Babeck könnte genauso Der Tod läuft hinterher heißen, so sehr ähnelt die Handlung dem Dreiteiler des letzten Jahres.


    In Bezug auf die Ausgangssituation steckt darin durchaus ein Körnchen Wahrheit: Ebenso wie in „Der Tod läuft hinterher“ ruft hier das mit Mord erklärte Verschwinden eines nahen Angehörigen einen Privatermittler sowie ein damit verbundenes zweites Verbrechen dessen weibliche Begleitung auf den Plan – Joachim Fuchsbergers Rolle wird hier von Helmuth Lohner übernommen, während als „Ersatz“ für Marianne Koch Cordula Trantow zu sehen ist. Im Gegensatz zu Fuchsberger wirkt Lohners Auftreten leider einigermaßen irritierend. Man missgönnt ihm die Fortschritte seiner Ermittlungen – nicht einmal aufgrund seiner bohrenden, im Vergleich zu Blacky ungleich uncharmanteren Aufdringlichkeit, sondern weil die Indizienkette, die ihn auf die Spur von Brenner und Hohmann führt, vollkommen herbeikonstruiert erscheint und Kommissar Zufall der unerfahrenen Spürnase mehrfach zu Hilfe eilt. Als ähnlich unglaubwürdig muss die Besetzung leider auch in der Hinsicht bezeichnet werden, dass der schmale österreichische Schauspieler in Anzugzwirn und Cabriolet der Sohn des armen, proletenhaften Scherenschleifers sein soll. Wenn man diese Pillen jedoch schluckt und sich mehr auf das Gespinst der Gauner konzentriert, lässt sich „Babeck“ dennoch als unterhaltsame Mörderjagd an. Lohner und Trantow arbeiten sich vor allem an Helmut Käutner (Dr. Brenner) und Siegfried Lowitz (Weingarten) ab, während ihnen dahintergeschaltete Verbrecherfiguren wie die von Charles Regnier (Kaminsky) oder Senta Berger (Susanne Stefan) im ersten Teil noch verborgen bleiben. Vor allem Käutner und Regnier liefern hervorragende Leistungen, wobei Käutner – so sinister er noch sein Mordopfer umzirzte – nach der Tat vor allem durch seine fahrige, unter dringendem Zugzwang stehende Art auffällt. Andeutungen, dass es sich bei seiner Rolle um einen wie auch immer gearteten Nazi-Verbrecher handelt, verleihen der Darstellung des schauspielernden Regisseurs eine zusätzliche Tiefe, die er auch deshalb sehr überzeugend meistert, weil Babecks Organisation sich ebenfalls geradezu faschistischer Gleichschaltungsmethoden bedient. Diese greifen auch bei Herrn Weingarten, den peinigende Skrupel plagen, der aber dennoch dank der harten Hand und des „guten Zuredens“ von Kaminsky unweigerlich weiter in die Sache verwickelt wird. Regnier versprüht hier einen diabolischen Charme, während Lowitz die zunehmende Überforderung eines Normalbürgers mit der Last eines Verbrechens glaubhaft zum Ausdruck bringt.

    Es spricht für die hohen Standards der Sendereihe, dass „Babeck“ es sich erlauben kann, sich zweier so charismatischer Darsteller und Rollenanlagen wie jenen von Käutner und Lowitz bereits im ersten Teil zu entledigen. Das Geheimnis darum, warum Hohmanns Leiche nicht im überführten Sarg liegt, wird bislang hingegen kaum angetippt und verspricht interessante Rätselspannung in den kommenden Episoden. Der Cliffhanger am Ende des ersten Teils ist Reinecker ebenfalls hervorragend gelungen und weckt den dringenden Wunsch, möglichst zeitnah weiterzusehen. Das ZDF spannte seine Zuschauer zur Premiere diesbezüglich nicht gar so lang auf die Folter wie die durbridge-erprobte ARD und sendete die drei „Babeck“-Teile an drei aufeinanderfolgenden Abenden zwischen Weihnachten und Silvester 1968. Atmosphärisch spielt „Babeck“ mit seinen Aufnahmen in München und Umland vielleicht nicht ganz in der gleichen Liga wie der sehr aufwendige „Der Tod läuft hinterher“, zumal auch die Szenenbilder in diesem Mehrteiler sowie die Bildgestaltung von Rolf Kästel etwas banaler erscheinen als die von Ernst Wilhelm Kalinke. Dennoch fängt Kästel einige interessante Aufnahmen ein, vor allem im Brenner’schen Bootshaus sowie in Weingartens Tiefgarage.

  • Allein gegen die Mafia (1984-2001, TV)Datum11.10.2018 01:02
    Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Fernsehjuwelen veröffentlicht am 23. November 2018 die italienische Erfolgsserie "Allein gegen die Mafia" mit Michele Placido auf 27 DVDs. Zum ersten Mal werden damit alle Folgen in Deutschland erhältlich sein. Bisher gab es eine nicht synchronisierte Staffel, für die eine neue Tonspur erstellt wird, sowie verschiedenste Einzelveröffentlichungen.



    Allein gegen die Mafia (La piovra, 1984-2001, TV)

    Zitat von Fernsehjuwelen: Allein gegen die Mafia
    Die langjährige Erfolgsserie über den aussichtslosen Kampf gegen die Mafia in Sizilien; endlich alle 10 Staffeln komplett in einer kultigen Sammleredition!

    Der Polizeichef einer sizilianischen Stadt ist ermordet worden. Kommissar Corrado Cattani aus Mailand wird sein Nachfolger und setzt alles daran, die Hintergründe aufzuklären. Als er bei seinen Ermittlungen der örtlichen Mafia immer öfter auf die Füße tritt, nimmt diese den Fehdehandschuh auf und entführt seine Tochter. Cattanis Familie zerbricht an den Folgen der Entführung und der Kommissar schwört bittere Rache. Der Kampf nimmt an Schärfe zu und gipfelt in einer Konfrontation, bei der Cattani erschossen wird. Davide Licata tritt seine Nachfolge an und beginnt zusammen mit der couragierten Richterin Silvia die Suche nach den Mördern.


    EAN-DVD: 4042564189339
    Sprachen: Deutsch, Englisch
    Untertitel: keine
    Bildformat: 1.33:1 (4:3)
    Extras: Booklet mit Hintergrundinformationen und Episodenführer, Interviews, Biografien

  • Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Donau-Film veröffentlicht im Verleih von Alive am 7. Dezember 2018 den humoresken Giallo "Leichen muss man feiern, wie sie fallen" von Sergio Corbucci mit Marcello Mastroianni, Ornella Muti, Michel Piccoli und Renato Pozzetto auf DVD und Blu-ray. Der deutsche Titel ist zwar ziemlich klamaukig, aber dass ein italienischer Krimi mit einem Schuss (hoffentlich schwarzen und nicht albernen) Humors gut funktionieren kann, hat ja nicht zuletzt auch "Die Sonntagsfrau" bewiesen, in der Mastroianni ebenfalls eine der Hauptrollen spielte.



    Leichen muss man feiern, wie sie fallen (Giallo napoletano, 1979)

    Zitat von Donau-Film: Leichen muss man feiern, wie sie fallen
    Der abgebrannte Mandolinenspieler Capece nimmt einen geheimnisvollen Auftrag an. Er soll um fünf Uhr morgens vor einem bestimmten Haus eine Serenade spielen. Während er die Saiten zupft, fallen Schüsse. Ein Mann stürzt tot aus dem obersten Stockwerk. Zwar kann Capece Kommissar Voghero davon überzeugen, dass er nicht der Täter ist, doch fortan gibt es immer, wenn er die Melodie spielt, eine weitere Leiche. Der Neffe des ersten Opfers, der Dirigent Navarro, beauftragt Capece die Morde aufzuklären ...


    EAN-DVD: 4260267332900
    Sprachen: Deutsch, Italienisch
    Untertitel: Deutsch
    Bildformat: 1.85:1 (16:9)
    Extras: Trailer, Bildergalerie

  • Die Rache bin ich (1977)Datum11.10.2018 00:50
    Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Die VZ-Handelsgesellschaft veröffentlicht am 30. Oktober 2018 (viele Shops geben noch den 2. Oktober an) den Poliziottescho "Die Rache bin ich" aka "Der eiserne Präfekt" aka "Ein Mann aus Stahl und Eisen" von Pasquale Squitieri mit Giuliano Gemma, Claudia Cardinale, Stefano Satta Flores und Massimo Mollica auf DVD und Blu-ray. Der Film erhält generell gute Kritiken, ich bin daher sehr gespannt auf diesen Mafia-Film.



    Die Rache bin ich (Il prefetto di ferro, 1977)

    Zitat von VZ-Handelsgesellschaft: Die Rache bin ich
    Cesare Mori wird als neuer Präfekt nach Sizilien geschickt, um dort gegenüber der Mafia die Machtbefugnisse des Staates durchzusetzen. Mori hatte sich Jahre zuvor schon als konsequenter Vertreter des Gesetzes erwiesen, der mit eisernem Besen aufzuräumen pflegte. Doch er muss feststellen, dass seine Vorgehensweise keineswegs verborgen blieb, und man versucht, ihn mit brutalsten Mitteln zu diskreditieren, um gar nicht erst das Vertrauen der Bevölkerung in seine Stärke entstehen zu lassen. Am nächsten Morgen wird er in das Haus seines Informanten gerufen, dass von Leichen übersät ist, doch der eigentliche Kampf beginnt erst jetzt. Seine größte Aktion soll unter anderem die Einnahme der Bergstadt Gangi sein, in der zahlreiche Banditen und flüchtige Straftäter ihre Zuflucht haben, so auch der seit 45 Jahren flüchtige Don der Bandit.


    EAN-DVD: 4032614602222
    Sprachen: Deutsch, Italienisch
    Untertitel: Deutsch
    Bildformat: 1.78:1 (16:9)
    Extras: keine (es gibt eine teure Mediabook-Version, auf der auch einige kurze Extras enthalten sind)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum10.10.2018 18:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    DERRICK Collector’s Box 18 (Folgen 256-270, 1996-97)





    Derrick: Einen schönen Tag noch, Mörder

    Episode 256 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Volker Lechtenbrink (Walter Kottler), Stefan Wigger (Alex Hasinger), Stefan Kolosko (Rudolf Hasinger), Gert Burkard (Hans Dannhof), Philipp Brammer (Albert Dannhof), Natali Seelig (Erika Dannhof), Günter Clemens, Gabriele Dossi u.a. Erstsendung: 2. Februar 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Einen schönen Tag noch, Mörder
    Achtung, Absturzgefahr! Weil der Buchhalter Dannhof seinen Vorgesetzten Walter Kottler bezüglich der desolaten Situation seines Bauunternehmens nicht länger zu decken bereit ist, kommt es mitten auf einer Baustelle zum Streit zwischen den Männern. Kottler stürzt Dannhof kurzerhand in die Tiefe. Der Vorfall wird zwar von Zeugen beobachtet und ein junger LKW-Fahrer gibt bei der Kripo zu Protokoll, dass Kottler Dannhof ermordet habe; er wird dann aber von seinem Vater, der ebenfalls in Kottlers Betrieb arbeitet, dazu angehalten, seine Aussage zurückzuziehen. Alles sei nur ein harmloser Unfall gewesen. Ist Derrick bereit, diese Pille zu schlucken?


    Mitte der 1990er Jahre setzte sich München auf dem Areal des ehemaligen Flugplatzes Riem die großzügig angelegte Neue Messe auf die „grüne Wiese“. Die Großbaustelle mit ihren immensen Ausschachtungen ist der imposante Schauplatz dieser „Derrick“-Episode, welche unterm Strich aber leider nicht mit dem Wow-Faktor ihrer Location mithalten kann. An der Grundidee (Bauchef in Geldnöten stößt bedenkenträgerischen Buchhalter in die Grube) ist nichts auszusetzen, wenngleich die unsaubere Finanzierung von Geschäften sicher nicht das innovativste Mordmotiv aller Zeiten ist. Auch Volker Lechtenbrink in der Rolle des überheblichen Fieslings, für den die Bilanzen seines Betriebs unwesentliche Größen sind, solange er sich selbst keine Fehler einzugestehen braucht, weiß durchaus zu überzeugen.

    Problematisch gestalten sich jedoch sowohl die praktisch nicht vorhandenen Ermittlungen sowie die altbekannte Unart, einem nervenstrapazierend anklagenden Hinterbliebenen wie Philipp Brammer eine derart große Rolle einzuräumen. Gegen den Täter wird quasi nicht kriminalistisch, sondern moralistisch vorgegangen, was die Folge wie eine vorhersehbare Hexenjagd wirken lässt und ihr die Spannung raubt. Brammer zeigt sich als Sohn des „verunfallten“ Buchhalters aufmüpfig, unbelehrbar und – gemessen am nicht abgeschlossenen Stand der Untersuchung – rechtlich sogar klipp und klar verleumdend. Derrick belehrt ihn: „‚Mörder‘ können Sie nicht sagen, solange nicht bewiesen ist, dass er einer ist“, wovon sich Dannhof junior natürlich von nichts abhalten lässt. Die Zeigefinger-Quote wird auch durch seine depressive Schwester sowie den Vater-Sohn-Konflikt unter den Zeugen (dem Alten, der an Arbeitsplatz und Firmenloyalität festhält, und dem Jungen, der sagen will, was er wirklich gesehen hat) nicht unbedingt gesenkt. Allzu deutlich fallen die Gut-Böse-Kontraste aus, wodurch der Krimi bei allem Anspruch, für Aufrichtigkeit zu plädieren, naiv und konstruiert wirkt.

    Bei solchen Stoffen verschlimmert die Personalie Weidenmann oft das Problem, da der Regisseur nichts tat, um die überdeutliche Drehbuch-Moral abzuschwächen oder ablenkendes Karacho in die Story zu injizieren. Was Weidenmann sehr gut gelang, ist die Umsetzung der Mordszene, die ungeschminkt den Fall und Aufprall Dannhofs in der Baugrube in Zeitlupenaufnahme zeigt. Andererseits hätte er aus dem tollen Schauplatz darüber hinaus noch mehr herausholen und die Story damit auflockern können. Zugute gekommen wäre es der Folge wohl auch, auf die belastende Aussage des jungen Hasinger (ähnlich enervierend wie Brammer, nur mit Topfhaarschnitt und Hobbitgesicht: Stefan Kolosko) gleich zu Beginn zu verzichten, um damit die Ermittlungen offener zu gestalten und Derrick wenigstens den Hauch einer Chance zu geben, selbstständig Beweise gegen Kottler zu sammeln. Das Finale wäre in weniger getragener und dafür kriminalistisch stichhaltigerer Form auch überzeugender gewesen. Was hier letztlich als großer Schlusstwist präsentiert wird (zwei Augenzeugen ändern ihre Aussagen), ist in Anbetracht des Fallverlaufs noch nicht unbedingt ein glaubwürdiges Belastungsmittel. Aber nun gut: Wir wollen es Derrick ersparen, sich noch länger die Zähne an diesem eher undankbaren Fall auszubeißen ...

    Dem Mörder einen schönen Tag wünschen zu müssen, weil man ihn zwar kennt, aber nicht fassen kann, ist eigentlich eine „schön“ ärgerliche Vorstellung. In dieser Folge wird dem Zuschauer das Nachvollziehen dieses Sinnbilds schwer gemacht, weil sich Recht und Gerechtigkeit ausgerechnet auf der Seite zweier unsympathischer Jungdarsteller befinden, die 60 Minuten „Derrick“ zu einer Geduldsprobe machen. Das ist schade, weil die Folge sonst (Idee für den Fall, Tatort, Mörderdarsteller) über einige Meriten verfügt. Daher gerade noch 3 von 5 Punkten.

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