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  • Liebesnächte in der Taiga (1967)Datum15.11.2019 21:42
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der Film würde mich auch interessieren. Schade, dass er noch nicht auf DVD erhältlich ist - wäre vielleicht etwas für Pidax. Dass die "Liebesnächte in der Taiga" damals ein Erfolg waren, zeigt, dass Franz Seitz auch in diesem Fall einen Nerv des Zeitgeistes traf und eine gute Besetzung zusammentrommelte.

    Danke für die ersten Einblicke, @Giacco!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #2
    Die Literaturkritik ist sich ja heutzutage weitgehend einig, die Romane um "Bulldog" Drummond (entstanden von 1920 - 1954) als ganz böse einzustufen. Der Held (im Kriege gestählt) ist so ein typischer Haudrauf mit jeder Menge Vorurteilen gegen alles, was nicht englisch ist, vor allem gegen Deutsche, Russen, Juden, Farbige etc.

    Stimmt: Aus dem oben verlinkten EB-Zitat habe ich die Anmerkung "He was also xenophobic" gekürzt. Der Charakter hört sich als Leading Man mit nicht ganz sauberer Weste recht interessant an und gerade die Besetzung mit Ray Milland ist natürlich vielversprechend.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum14.11.2019 19:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Old Rascal im Beitrag #478
    Wenn wir schon bei den Abenteuer-Noirs sind kann ich den Schatz in der Sierra Madre mit Humphrey Bogart empfehlen, der glaube ich noch nicht hier besprochen wurde.

    Einen Review gibt es schon hier.

  • Thema von Gubanov im Forum Film- und Fernsehklass...

    Bei Pidax wurden in diesem Jahr die „Bulldog Drummond“-Krimis veröffentlicht. Ebenso wie die Charlie-Chan-, Mr.-Moto- und Sherlock-Holmes-Filme der amerikanischen Studios handelt es sich hierbei um Verfilmungen von Romanstoffen eines klassischen Detektivs aus den 1930er Jahren. Vielleicht bestehen auch zu dieser Serie Erfahrungen oder das Interesse, Kommentare abzugeben?



    Die Encyclopædia Britannica führt zu Bulldog Drummond aus:

    Zitat von Bulldog Drummond bei Encyclopædia Britannica, Quelle
    Bulldog Drummond, byname of Hugh Drummond, [is the] hero of a popular series of English mystery novels (from 1920) by Sapper (Herman Cyril McNeile). Drummond, a two-fisted man of action, made his first appearance in a short story published in The Strand Magazine. He next appeared in the novel Bull-dog Drummond [...]. Drummond was a former British army captain who craved adventure and excitement. He was the prototype of what the author called “the Breed”: a patriotic, athletic Englishman, educated at a public school, who was physically strong and vigorous, did well at games, and had contempt for and distrust of intellectuals.


    Aussagen Ian Flemings zufolge war der Charakter des Bulldog Drummond auch Vorbild für die spätere James-Bond-Figur. Seine große Popularität in den 1920er und 1930er Jahren schlug sich zudem in diversen Verfilmungen nieder. Die Pidax-DVDs enthalten die acht zwischen 1937 und 1939 umgesetzten Paramount-Filme – es gibt darüber hinaus auch diverse andere Verfilmungen aus den USA und Großbritannien (die erste bereits von 1925). Im ersten der Paramount-Filme spielt der danach noch zu großen Ehren aufgestiegene Ray Milland die Titelrolle; in den nachfolgenden Teilen übernahm diese John Howard. Es handelt sich um folgende Titel:

    1. Mord im Nebel (Bulldog Drummond Escapes, 1937)
    2. Die Rache der schwarzen Witwe (Bulldog Drummond Comes Back, 1937)
    3. Der explosive Koffer (Bulldog Drummond’s Revenge, 1937)
    4. Der künstliche Diamant (Bulldog Drummond’s Peril, 1938)
    5. Abenteuer in Afrika (Bulldog Drummond in Africa, 1938)
    6. Das Geheimnis der Strahlenkanone (Arrest Bulldog Drummond, 1939)
    7. Der verborgene Schatz (Bulldog Drummond’s Secret Police, 1939)
    8. Hochzeit mit Knall auf Fall (Bulldog Drummond’s Bride, 1939)

  • Sammelthread "Film Noir"Datum12.11.2019 18:14
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bei "Abrechnung in Shanghai" warte ich lieber die Reviews ab, ob das eine ordentliche oder eine Billig-VÖ wird. Die beiden Titel aus der UCM.One/Artkeim-Edition sind mir ebenfalls völlig unbekannt. Ich hoffe, man nimmt sich im Weiteren dann auch wieder einiger bekannterer Titel an. Die etwas zweifelhafte Filmauswahl war eigentlich gerade das eine Markenzeichen der Koch-Reihe, das man nicht hätte übernehmen müssen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich vermute, bei dir wird sich "Die Kiste" vor "Die rote Maske" einreihen können. Aber auch hier haben wir es nochmal mit einem sehr ordentlichen Fall zu tun, der auch in der Frühphase entstanden sein könnte.

    Ich bin gespannt auf unsere Eindrücke zur dritten Box, denn da habe ich einige Folgen als sehr angenehm in Erinnerung, sodass es insgesamt wieder eine leichte Steigerung gegenüber Box 2 geben dürfte.

  • Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974)Datum12.11.2019 18:10
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Pepe wirkt ohnehin in anderen Filmen sympathischer als in diesem. Dazu passt auch, dass er Ewald Kunst androht, dass ihm seine zwei Teenie-Gorillas den Arm brechen werden, wenn er nicht "die Wahrheit auskotzt". Das sind schon recht rüde Methoden.

  • Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974)Datum10.11.2019 22:20
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Lümmel von der ersten Bank (Teil 4): Hurra, die Schule brennt

    Schulkomödie, BRD 1969. Regie: Werner Jacobs. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz) (frei nach Alexander Wolf). Mit: Peter Alexander (Dr. Peter Bach), Hansi Kraus (Pepe Nietnagel), Theo Lingen (Schuldirektor Gottlieb Taft), Rudolf Schündler (Oberstudienrat Knörz), Ruth Stephan (Studienrätin Knörz), Alexander Golling (Studienrat Blaumeier), Gerlinde Locker (Julia Schumann), Heintje (Jan), Werner Finck (Ministerialdirektor von Schnorr), Harald Juhnke (Ministerialreferent), Hans Terofal (d.i. Hans Seitz) (Pedell Bloch), Wolfgang Gruner (Kurt Nietnagel), Carola Höhn (Frau Nietnagel), Karl-Heinz Peters (Oberbürgermeister), Kristina Nel (Schülerin Yvonne) u.a. Uraufführung: 18. Dezember 1969. Eine Produktion der Franz-Seitz-Filmproduktion München und der Terra-Filmkunst Berlin im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Die Lümmel von der ersten Bank (4): Hurra, die Schule brennt
    Der Ministerialdirektor zieht die Augenbrauen in die Höhe: Am Mommsen-Gymnasium herrscht Bildungsnotstand und seine fähigsten Beamten vers(ch)enkt das Land an die Zwergenschule in Tuttelbach. So wird der überqualifizierte Dr. Bach bald nach Baden-Baden abberufen, um der fehlgeleiteten Klasse 12a mit ihrem vorlauten Klassensprecher Pepe Nietnagel Manieren einzutrichtern. Schuldirektor Taft muss sich aber wundern, als er bemerkt, dass Dr. Bach sich nicht auf seine Seite, sondern auf die der Schüler schlägt. Gemeinsame Tanzabende und ein modernistisches Theaterstück sind dem Direx ein Dorn im Auge – doch Dr. Bach erweist sich selbst in der Bredouille als äußerst erfindungsreich ...


    Bei allen schulschmäherischen Titeln, die die einzelnen Teile der „Lümmel von der ersten Bank“-Reihe trugen, ragt der des vierten Teils als der rabiateste hervor. Da ist es fast schon Ironie des Schicksals, dass der zugehörige Film eher im Schonprogramm läuft und das bewährte Lümmel-Rezept an allen Ecken etwas abrundet, um es mit familienfreundlicher Schlagerseligkeit zu ergänzen und somit einen perfekten, wenig sozialkritischen Sonntagnachmittagfilm zu schaffen. „Hurra, die Schule brennt“ ist nichts mehr oder weniger als das und als seichte Variante der ersten, pfeffrigeren Lümmel-Filme zugleich ein Streifen, der sich weitgehend auf den Lorbeeren seiner Vorgängerproduktionen ausruht.

    Das heißt nicht, dass der Film nichts zu bieten hätte. Im Gegenteil: Werner Jacobs’ Regie ist ausgesprochen pfiffig, das Drehbuch vielfältig und der Schnitt von Waltraud Lindenau so pointiert wie vermutlich in noch keiner anderen Produktion der Reihe. Dennoch lassen neue Rezepte oder ein wirklicher Hauch des Unerhörten eher auf sich warten: Erneut betreten wir das von Reinl in „Pepe, der Paukerschreck“ zu ersten Lümmel-Ehren gebrachte Maximiliansgymnasium in München als „Bildungsschuppen“, in dem Pepes Lauseklasse, die trotz miserabler Leistungen mittlerweile die 12. Klassenstufe erreicht hat, ihren Paukern das Leben schwer macht. Abermals taucht wie aus dem Nichts ein neuer „Superlehrer“ auf, der nach „Zum Teufel mit der Penne“ zum zweiten Mal von Peter Alexander gespielt wird, welcher ein weiteres Mal den schrecklich „sonnig“ aufgelegten Heintje im Schlepptau hat. Wenn man „Hurra“ einen gewissen Experimentiergeist zugestehen möchte, dann liegt dieser in dem Umstand begründet, dass man mit Jan (Heintje) und der Zwergenschule Tuttelbach diesmal auch die Streiche einer jüngereren Schülerschaft mit in den Fokus rückt, was natürlich zwangsläufig eher infantil wirkt und dem Film Abbruch tut. Die Hinterlistigkeiten von Pepes Rasselbande geraten dadurch spielzeittechnisch wieder etwas ins Hintertreffen, wobei sie diesmal trotzdem zahlreich ausfallen. Das Resultat: Es kommt zu vielen zwar lustigen, aber nicht wirklich elaborierten „Kurzstreichen“ (Häkelkleid, Furzkissen, blöde Hunde, Nummernschild), die nicht ganz das Niveau der Vorgängerfilme erreichen.

    Immerhin wirkt Hansi Kraus diesmal wieder besonders schelmisch und gut aufgelegt. Gegen den wie immer sehr präsenten Peter Alexander behauptet er sich sehr beachtlich – Übung macht also auch im Hause Nietnagel den Meister. Schön für ein gutes Klassengefühl ist, dass die Lümmel in der zweiten Reihe hinter ihrem Anführer nun ebenfalls ein paar mehr Zeilen in den Mund gelegt bekommen und teilweise durch professionelle, erinnerungswürdige Darsteller wie Pierre Franckh (kein Spitzel mehr), Jutta Speidel oder Kristina Nel verkörpert werden. Im Lehrerkollegium schlägt sich diesmal kurioserweise vor allem der Gastdarsteller besonders gut: Alexander Golling ist als Dr. Blaumeier derart stieselig und militant bösartig, dass man ihm selbst gröberes Übel (die ärztliche Untersuchung durch Medizinalrat Moser) gönnt. Ruth Stephan – trotz einiger reizender Momente in ihrem ersten Auftritt als angeheiratete Frau Dr. Knörz –, Rudolf Schündler und selbst Theo Lingen treten einen Schritt zurück, ohne ganz verloren zu gehen, und der in „Pepe, der Paukerschreck“ noch überforderte Harald Juhnke wurde von Werner Jacobs in einer punktgenauen Szene als Speichellecker im Ministerium wesentlich glaubwürdiger in Szene gesetzt. Alles in allem eine besonders schöne Ensembleleistung.

    Geschmälert wird sie dadurch, dass Peter Alexander und Heintje wahlweise einzeln oder zusammen nicht weniger als sieben (!) Lieder und vereinzelte spontane Gesangseinlagen zum Besten geben – eine Steigerung um beinah 100 % seit „Zum Teufel mit der Penne“. Das Titellied erklingt dabei sogar zweimal, gehört aber noch der harmloseren Fraktion an. Man wünscht sich, die Aufmerksamkeit aufs Musikalische und auch auf die zeitgeistige Interpretation des „Wilhelm Tell“-Theaterstücks wäre ins Inhaltliche oder auch in den Ausbau einzelner guter Ideen geflossen – dann hätten arg kurze Szenen wie die der Umtrunk mit den Schülern, die medizinische Untersuchung im Gymnasium oder der unfreiwillige Segelflug von Gottlieb Taft und Peter Bach aufgewertet und gleichzeitig der Weg zurück zu nur etwa 80 statt etwas strapaziösen über 90 Minuten Spielzeit gefunden werden können.

    Auch wenn „Hurra, die Schule brennt“ bei mir aus Gewohnheitsgründen einen Stein im Brett hat, ist der Film doch aufgrund seiner hohen Oldie-Konzentration nicht das Gelbe vom Ei. Wir erleben Lümmelstreiche im Eilverfahren, um nebenbei noch Hitparadenmomente für Peter Alexander und Heintje einzubauen. Das ist nicht das, was ein Lümmel-Film eigentlich in den Mittelpunkt stellen sollte. Natürlich bietet Werner Jacobs ein volles Programm, aber es bleibt eben ein bisschen unrund. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Dass die Serie immer noch das gleiche Potenzial hat, sieht man an der kommenden Folge. Du hast den ganz miesen Lauf nun erfolgreich absolviert.

    Ringelmann lernte aber offenbar aus der "Kriminalmuseum"-Problematik und setzte bei späteren Krimiserien praktisch nur noch erprobte Hausregisseure und keine unzuverlässigen Langweiler mehr ein. Auch Reinecker als Dauerautor war mit Sicherheit eine Reaktion auf die teilweise schwachen Drehbücher des "Kriminalmuseums" in den Jahren 1967/68.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Heute vor 30 Jahren fielen die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze, die zwischen 1961 und 1989 DDR und BRD voneinander trennten. Während dieser Zeit tötete Ulbrichts bzw. Honeckers Unrechtsregime über 600 „Republikflüchtlinge“.



    Ballon

    Historienthriller, BRD 2017/18. Regie: Michael Herbig. Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Rönscheisen, Michael Herbig. Mit: Friedrich Mücke (Peter Strelzyk), Karoline Schuch (Doris Strelzyk), David Kross (Günter Wetzel), Alicia von Rittberg (Petra Wetzel), Thomas Kretschmann (Oberstleutnant Seidel), Jonas Holdenrieder (Frank Strelzyk), Tilman Döbler (Andreas „Fitscher“ Strelzyk), Ronald Kukulies (Erik Baumann), Emily Kusche (Klara Baumann), Till Patz („Peterchen“ Wetzel) u.a. Uraufführung: 27. September 2018. Eine Produktion der HerbX-Film München, Studio Canal Berlin und Seven Pictures Unterföhring.

    Zitat von Ballon
    Für das Ehepaar Strelzyk ist klar: Gemeinsam mit ihren zwei Söhnen wollen sie die sozialistische Diktatur der DDR nicht länger ertragen, sondern gen Westen fliehen. Sie leben in Südthüringen nahe der Grenze und planen einen spektakulären Grenzübertritt: Ein Ballon soll sie und eine befreundete Familie in sicherer Höhe in die Freiheit tragen. Kälte und Nässe sorgen dafür, dass der erste Fluchtversuch misslingt. Bevor die Stasi ihnen nun auf die Schliche kommt, müssen sich die Strelzyks etwas Neues einfallen lassen: eine Flucht über Ungarn? Über die US-Botschaft in Berlin? Oder wagen sie doch noch einen zweiten Versuch mit einem Ballon?


    Man assoziiert Michael „Bully“ Herbig eher mit schräger Comedy, woran sein „Schuh des Manitu“ – mit 11,7 Millionen Kinobesuchern einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten – sowie die jahrelang im Fernsehen präsente „Bullyparade“ den größten Anteil haben dürften. Mehr als ein Jahrzehnt später wollte Herbig sich auch an künstlerisch gereifteren Produktionen versuchen, wobei ihn nach eigener Aussage reizte, auf Alfred Hitchcocks Spuren zu wandeln. Auch wenn „Ballon“ vielleicht nicht die nervenzerreißende Spannungshöhepunkte einiger Hitchcock-Klassiker aufweist, so funktioniert der DDR-Thriller doch ebenfalls ganz hervorragend und fesselt kontinuierlich von Anfang bis Ende. Schließlich stehen für die Familien Strelzyk und Wetzel sowohl Meinungsfreiheit und ein Ende der kollektiven Sozialismus-Gehirnwäsche als auch das Entkommen vor Strafverfolgung durch das Ministerium für Staatssicherheit auf dem Spiel. Der missglückte Fluchtversuch im ersten Ballon findet erstaunlich schnell statt, sodass die Familie im Anschluss unter besonderem Druck steht, weil sich die Behörden der „demokratischen“ Republik nunmehr auf die Suche nach den ihnen noch unbekannten Ballonflüchtlingen eingeschossen haben.

    Es entwickelt sich ein wahres Katz-und-Maus-Spiel, das vor allem davon lebt, dass Herbigs Film keinen Revanchismus betreibt, sondern Opfer und Täter klar benennt. Das beginnt schon in der Auftaktszene, die mit einer pikanten Collage aus tödlichem Mauerfluchtversuch und sozialistischen Jugendweihe-Parolen den Zynismus offizieller DDR-Rhetorik auf den Punkt bringt. Zudem sind alle vier Strelzyks klare Sympathieträger, während der für die Stasi spitzelnde Nachbar und der (pikanterweise von Flüchtling Thomas Kretschmann gespielte) Oberstleutnant kalte und bösartige Systemschergen erster Rangordnung darstellen. Dass der Film dennoch nicht zu scherenschnittartig gerät, dürfte der engen Zusammenarbeit mit den damaligen Beteiligten sowie der großen Liebe zum Detail zu verdanken sein – beides lässt die DDR des Jahres 1979 authentisch wiederauferstehen, sodass man es offensichtlich nicht mit Lehrbuchweisheiten, sondern mit einem glaubhaften Ausflug in den Arbeiter- und Bauernstaat zu tun bekommt. Requisiten, Kostüme und selbst die zeitgenössische Sprache – auf alle diese Aspekte legten Herbig und sein Team großen Wert, was sich im Film entsprechend zeigt. Wer bis dahin noch Bedenken hatte, dass der alte „Bully“ mit Klamauk oder Edelkitsch zuschlagen würde, darf diese gern beiseitewischen.

    Muss man doch einerseits die kollektive Courage der Protagonisten bewundern, so lässt „Ballon“ andererseits auch jedem einzelnen auf geschickte Weise Charakterunterschiede angedeihen. Vater Peter wird als Anpacker und Macher gezeigt, der unter dem Druck der Hauptverantwortung steht und dieser als Ruhepol des Geschehens auch gerecht wird. Friedrich Mücke passt sich diesen Erfordernissen mit maskuliner Selbstverständlichkeit an. Karoline Schuch verkörpert als Mutter Doris hingegen eine zweifelnde, etwas labile Seite, lässt aber – wo nötig – auch immer wieder erstaunliche Willensstärke durchblitzen. Sie hat außerdem die stärkste Bindung zum Jüngsten der Familie, einem aufgeweckten Tilman Döbler. Als überzeugender Jungdarsteller darf gleichfalls Jonas Holdenrieder gelten: Als älterer Sohn Frank bringt er manchmal sich selbst und manchmal seine Familie in allerlei brenzlige Situationen, hat aber von seinem Vater offenbar die drahtseilstarken Nerven geerbt.

    Dass sich Herbig für eine Inszenierung ausgerechnet dieses Fluchtstoffs entschied, obwohl es bereits eine amerikanische Verfilmung von 1982 („Night Crossing“) gibt, dürfte mit den visuellen Reizen der Ballonfahrt zusammenhängen. Der nachts durch die Wolken schwebende Ballon offeriert neben dem Gefühl von Freiheit und Adrenalin auch unverkennbare visuelle Reize, die der Film mit seinen zwei derartigen Grenzdurchbruchsversuchen auch genüsslich auskostet. Die Produktion verlässt sich dabei Gott sei Dank nur sehr wenig auf Computereffekte und vielmehr auf echte Heißluftballons, was den Szenen sehr zugute kommt, da sie letztlich die Herzstücke des Films sind. Cinemusic.de zieht das Fazit:

    Zitat von Michael Boldhaus: „Ballon“ auf Cinemusic.de, Link
    Bully Herbig ist mit Ballon ein eindrucksvolles Filmdrama gelungen, das aufgrund seiner sehr überzeugenden, professionellen Machart den Zuschauer mitfiebern lässt, auch wenn dieser vom geglückten Ausgang bereits weiß.


    Engagiert in Schauspiel und Umsetzung einer bis heute unterschätzten Thematik. „Republikflucht“ als Trieb nach Freiheit und Selbstbestimmung bildete schon immer ein spannendes Thema, das bei hochwertiger Inszenierung für Höchstspannung garantiert – was für „Durchbruch Lok 234“ von 1963 gilt, gilt ebenso für „Ballon“ von 2018. Zum Mauerfalljubiläum darf gern wieder an mutige Bürger gedacht werden. 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich konnte mich beim Sehen auch nicht daran erinnern, "Die Ansichtskarte" vorher schonmal geschaut zu haben, bis die Szene mit dem "Phantom von Soho"-Poster kam. Insgesamt zwar eine sehr solide Folge, aber nicht unbedingt sehr memorabel.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich kann mich daran erinnern, bei Miss Marple schonmal ein nicht mehr erhältliches Buch bekommen zu haben. War dann wohl ein Restbestand, oder es wurde zwischenzeitlich das Sortiment umgestellt. Ist schon mehrere Jahre her.

    Ein Antiquariat gibt es bei der Hammett-Krimibuchhandlung. Das Titelverzeichnis ist sogar online einsehbar, es sind drei Wallace-Titel gelistet (allerdings hauptsächlich Afrika-Stoffe).

    Oder du probierst es einfach bei großen, nicht speziell auf Krimis abonnierten Antiquariaten. Nach eigener Aussage ist Hennwack in Steglitz das größte in Berlin.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Fazit zu „Das Kriminalmuseum“ – Box 2 (Folgen 17 bis 29, 1965-67)

    Wie von @Ray ganz richtig vermutet, ziehe ich zur zweiten „Kriminalmuseum“-Box ein verhalteneres Fazit als zur ersten. Während die Alt-Folgen von 1963-64 einen nostalgisch-unterhaltsamen Charme versprühen, sind die etwas jüngeren Geschwister der Jahrgänge 1965-67 nicht ganz so vorteilhaft gealtert. Es machen sich oft Probleme in Drehbuchqualität, -umfang und Regieführung bemerkbar und manchmal sinkt auch die Prominenz der Gastdarsteller. Insgesamt bringen die Folgen 17-29 damit viel Mittelfeld- und Schlussgruppenware, wenn man Vergleiche mit anderen „KM“-Fällen zieht. Das bedeutet aber nicht, dass ich die Serie deshalb mit verringertem Interesse verfolgt hätte: Noch immer ist das Gebotene ansprechende, grundlegend ordentlich gemachte Ringelmann-Ware mit der gestalterischen Klasse der alten Schwarzweiß-Tage. Und noch immer gilt die Formel, dass mit dem „Kriminalmuseum“ gut bedient ist, wer spätere Reinecker-ZDF-Krimis zu weltschmerzlich und wenig kriminalistisch findet.

    So richtig ins Schwarze trafen zwei Folgen von Helmuth Ashley und Wolfgang Becker; wenig bedauern muss man hingegen das Ausscheiden Dieter Lemmels aus der Regie-Riege.

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 27 | Die rote Maske (Ashley)

    Platz 02 | ★★★★☆ | Folge 26 | Die Kiste (Becker)

    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 18 | Die Ansichtskarte (Kovács)
    Platz 04 | ★★★★★ | Folge 20 | Das Nummernschild (Ashley)

    Platz 05 | ★★★☆★ | Folge 25 | Die Telefonnummer (Meyer)
    Platz 06 | ★★★☆★ | Folge 19 | Die Brille (Lemmel)
    Platz 07 | ★★★☆★ | Folge 28 | Die Reisetasche (Neureuther)
    Platz 08 | ★★★☆★ | Folge 17 | Das Feuerzeug (Hess)

    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 22 | Das Etikett (Grädler)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 21 | Der Koffer (Grädler)

    Platz 11 | ★★☆★★ | Folge 29 | Teerosen (Tressler)

    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 23 | Der Barockengel (Lemmel)

    Platz 13 | ★☆★★★ | Folge 24 | Das Amulett (Lemmel)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Womöglich in der Kriminalbuchhandlung "Miss Marple" in der Weimarer Straße in Charlottenburg. Bei meinem Besuch vor anderthalb Jahren habe ich auch mehrere Exemplare in der antiquarischen Abteilung der Potsdamer Kriminalbuchhandlung "Carlotta & Company" am Platz der Einheit gesehen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Da warst du ja wirklich recht großzügig mit dem „Barockengel“. Ich muss dagegen zum Abschluss der zweiten Box leider noch einmal ordentlich draufhauen:



    Das Kriminalmuseum: Teerosen

    Episode 29 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Georg Tressler. Drehbuch: Inge Dorsky, Hans Maeter. Mit: Horst Niendorf (Kriminalkommissar Niklas), Peter Pasetti (Rüdiger Palm), Gisela Uhlen (Franca Berg), Dunja Rajter (Fatima Jussuf), Harry Raymon (Ali Jussuf), Sigurd Fitzek (Kriminalobermeister Baumann), Günter Becker (Kriminalmeister Riedel), Herbert Fux (Ferry), Trude Breitschopf (Nachbarin), Jochen Busse (Jurastudent im Nachtlokal) u.a. Erstsendung: 12. Mai 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Das Kriminalmuseum (29): Teerosen
    In einem Schwabinger Lokal verkauft der abgebrannte Sänger „Gino“ neben Blumen auch Haschischzigaretten an die illustre Kundschaft. Eine Neukundin lässt den profitablen Betrieb auffliegen – mit fatalen Folgen für Gino, dem die Polizei so gefährlich nahe kommt, dass die Hintermänner des Drogenkartells sich seiner entledigen. Gino bleibt nicht das letzte Opfer, das der Handel mit der gefährlichen Droge aus dem nordafrikanischen Raum fordert. Als Kommissar Niklas sich als Kaufinteressent ausgibt und damit bis ins Hauptquartier der Verbrecher vordringt, verliert der große Strippenzieher im Hintergrund zum zweiten Mal die Nerven ...


    Auch wenn die einzelnen Folgen durchaus zu überzeugen wissen, so bleiben als großer Pferdefuß der „Kriminalmuseum“-Reihe im Vergleich zu ihrer Konkurrenz „Stahlnetz“ die immer wieder spürbaren Tempoprobleme ein stetiger Begleiter. Auch für Georg Tresslers erste „KM“-Folge muss man als Zuschauer Geduldsfäden aus Stahl mitbringen, da simpelste Tätigkeiten wie das Einsteigen in ein Auto oder das Erteilen von Ballettunterricht minutenlang ins Bild gerückt werden, ohne dass sie die Handlung voranbringen würden. Auch prinzipiell spannende Sequenzen wie der Undercover-Plot, in dem sich der als Kunde ausgebende Kommissar von den beiden Haschhändlern ins Hauptquartier chauffieren lässt, während der Wagen sowohl von der Polizei als auch den Komplizen verfolgt wird, ziehen sich elendig in die Länge und verraten, dass Inge Dorskys und Hans Maeters Drehbuch hinten und vorne nicht ausreicht, um die Spielzeit zu füllen. Das fällt auch deshalb ins Auge, weil die Geschichte in den eher zähen Drogensumpf führt, der aufgrund seiner Plakativität immer gern für Fernsehkrimis hergenommen wurde, obwohl die Opfer sich im Regelfall willentlich selbst schädigen. So auch hier – man beginnt den Fall mit Blicken auf eine zum Drogenkonsum überredete Schülerin sowie einen selbstgefälligen, gruppenhaschenden Jurastudenten, dem Jochen Busse ein überaus schmieriges Gesicht verleiht.

    Mit der Verschiebung des Fokus auf den Mord an „Blumenkind“ Gino und die Hintermänner des Drogenschmuggels und -verkaufs gewinnt der Fall leicht an Interesse, bevor im letzten Drittel wieder der Füllstoff überhand nimmt und zudem noch ein äußerst unspektakuläres Finale präsentiert wird. Man verfolgt einerseits Edelgauner wie Peter Pasetti und Gisela Uhlen, die diesmal im Gegensatz zu „Der Schlüssel“ aber weder miteinander verheiratet noch anderweitig verbandelt sind; und andererseits die exotischen Einflüsse, für die Harry Raymon und Dunja Rajter sorgen. Während die Stars blass bleiben und vom Drehbuch im Stich gelassen werden, erhalten die Nachwuchsdarsteller breiten Raum, um sich zu profilieren. Insbesondere Rajter kommt eine schöne Schlüsselrolle zu, in der sie als schwarzhaarige arabische Schönheit durch Engagement und Verve auf sich aufmerksam macht. Den großen Peter Pasetti spielt sie hier mit Leichtigkeit an die Wand – verkehrte Verhältnisse, während Herbert Fux seine üblichen unattraktiven Gangstergrimassen zieht und Horst Niendorf als wagemutiger, etwas schnodderiger Kriminaler an die wohligen Frühtage des „Kriminalmuseums“ erinnert.

    Gerade dem orientalischen Einschlag der Episode wäre ein weniger steifer Regisseur vermutlich zugute gekommen – ein Wolfgang Becker etwa hätte aus „Teerosen“ in einer kondensierteren oder inhaltlich ausgefeilteren Form mit größerer Rolle für Rüdiger Palm einen Höhepunkt formen können. So jedoch bleibt „Teerosen“ ein halbgarer Fall, in dem künstlerisch ansprechende Szenen und Kameraeinstellungen keine Relation zur sonst eher biederen Ausstrahlung aufbauen und von Fatima Jussufs Trip nach Tunesien leider wenig Fernweh ausgeht. Erich Ferstls 1001-Nacht-Musik ist wenig memorabel, aber den Vogel schießen die unfassbaren Sicherheitskontrollen des Münchner Zolls ab. Die Reisetasche mit fünf Kilo Rauschgift wird mit folgendem Dialog zwischen dem Sicherheitsbeamten und dem Schmuggler durchgewunken: „Was ist denn da drin?“„Das ist ein orientalisches Gewürz. Arabisch.“„Arabisch kann ich leider nicht. Schon gut.“ – Diese Szene ist ein Beweis dafür, wie faul teilweise die Scripts wirken und welche spannenden Ergänzungen möglich gewesen wären, wenn man in diesem Fall z.B. die Gefahr der Zollkontrolle ordentlich zum Tragen gebracht hätte.

    „Teerosen“ schreitet nicht nur langsamer, sondern auch weniger humorvoll als der erste Drogenplot der Reihe in „Gesucht: Reisebegleiter“ voran. Wer von Peter Pasetti als erstem im Abspann genannten Darsteller eine besondere Leistung erwartet, wird hier ebenso enttäuscht wie jemand, der auf der Suche nach einem guten Whodunit ist. Ohne Überraschungen und abermals mit deutlicher Überlänge strebt „Teerosen“ einem eher antiklimatischen Gipfel entgegen. 2,5 von 5 Haschischzigaretten.

  • Bryan-Edgar-Wallace-BücherDatum04.11.2019 16:22
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #8
    Am ehesten scheint ja Die Welt steht auf dem Spiel (The Device) noch mit dem Film Scotland Yard jagt Dr. Mabuse übereinzustimmen.

    Auf die Gefahr hin, meine Abneigung zu wiederholen: Das ist dann nicht unbedingt ein Aushängeschild für Bryan Edgar Wallace.

  • Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974)Datum04.11.2019 16:17
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich denke, da sprichst du einen guten Punkt an, den ich natürlich in meinen Berichten so ein bisschen zu umschiffen versuche: die gute alte Gewöhnung, gerade bei diesen kindertauglichen Filmen. Ich bin im Gegensatz zu dir mit den Teilen 1, 4 und 5 aufgewachsen und habe die einfach am liebsten. "Pepe" konnte ich erst auf der DVD von EuroVideo sichten und er konnte in meiner Gunst nie so ganz zu den Vorgenannten aufschließen. Tatsächlich gefällt mir aber an "Pfanne" auch besonders gut, dass es mit dem Taft-Brudererbe eine durchgehende Story gibt, die mir bei "Pepe" ein bisschen fehlt. Ganz davon abgesehen, dass man in "Pfanne" dann zum ersten Mal seit Teil 1 endlich wieder das Lehrerensemble vollständig zu sehen bekommt: Lingen, Schündler, Stephan, Baas - darüber geht einfach nichts.

    @Giacco: Danke für die zeitgenössischen Kritiken. Den Umstand, dass die ersten Filme trotz hoher Qualität verrissen werden und sich dann ein positiver Gewöhnungseffekt bei der Kritik einstellt, gab es so ähnlich ja auch bei den Wallace-Filmen - dort hat er nur länger auf sich warten gelassen.

  • Lümmel- und Paukerfilme (1968-1974)Datum03.11.2019 08:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Lümmel von der ersten Bank (Teil 3): Pepe, der Paukerschreck

    Schulkomödie, BRD 1969. Regie: Harald Reinl. Drehbuch: Georg Laforet (d.i. Franz Seitz) (frei nach Alexander Wolf). Mit: Hansi Kraus (Pepe Nietnagel), Uschi Glas (Marion Nietnagel), Theo Lingen (Schuldirektor Gottlieb Taft), Rudolf Schündler (Studienrat Knörz), Ruth Stephan (Studienrätin Pollhagen), Hannelore Elsner (Geneviève Ponelle), Gustav Knuth (Kurt Nietnagel), Carola Höhn (Frau Nietnagel), Gerhard Lippert (Heinz Thomas), Hans Clarin (Dr. Glücklich), Hans Terofal (d.i. Hans Seitz) (Pedell Bloch), Harald Juhnke (Studienrat Blaumeier), Walter Rilla (Ministerialdirektor Reichert), Pierre Franckh (Ewald Kunst), Michael von Harbach (Munck) u.a. Uraufführung: 27. Juni 1969. Eine Produktion der Franz-Seitz-Filmproduktion München im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Die Lümmel von der ersten Bank (3): Pepe, der Paukerschreck
    Ob Studienrat Knörz’ neues Auto, die 100-Jahr-Feier des Mommsen-Gymnasiums oder ein Brief ans Kultusministerium – vor den Umtrieben von „Paukerschreck“ Pepe Nietnagel und seinen Freunden aus der Klasse 11a ist nichts und niemand sicher. Ihr Plan: Weil sie garantiert durch die Prüfungen rasseln würden, wollen sie den Lehrbetrieb möglichst langfristig unmöglich machen. Mit fingiertem Feuer, einer Studienreise zur Saalburg und einer unehelichen Tochter für Dr. Knörz stiften die Lausejungs ordentlich Verwirrung – obwohl sich ein Maulwurf in ihren eigenen Reihen befindet ...


    Auch wenn Harald Reinl als Spitzenregisseur gilt und mancher Kritiker der Lümmel-Filme meinen könnte, einen Streifen wie „Pepe, der Paukerschreck“ zu drehen, läge unter dem Niveau des Österreichers, so muss man doch konstatieren, dass Reinl zu keiner Zeit hochniveauvolle Kost lieferte, sondern sich immer dem anpasste, was gerade in Mode war. Von den Riefenstahl-Produktionen der 1940er Jahre über den Heimatfilm im nächsten bis zur Krimiwelle im übernächsten Jahrzehnt war sich Reinl für keinen Trend zu schade, partizipierte folglich auch an Seitz’ Schulfilm-Boom und lieferte hier (wie man es auch sonst von ihm gewohnt ist) zwei saubere Beiträge. „Pepe, der Paukerschreck“ ist ein flüssiger, hinlänglich komischer und sogar recht vertrackter Film, der mit seinen „Feind hört mit“-Anleihen des von Pierre Franckh gespielten Taft-Neffen sogar ein paar dezente Krimi-Anleihen aufbietet. Im Direktvergleich mit Reinls zweiter Schulkomödie „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ zieht „Pepe“ den Kürzeren – ganz einfach weil „Pepe“ episodenhafter wirkt und es weniger Ideen und Leitmotive gibt, die sich über die Länge der gesamten Filmhandlung erstrecken. Doch selbst wenn es sich nur um eine Anreihung einzelner Späße handeln würde, wäre Reinl noch immer mit erfrischender Lockerheit vorgegangen.

    Als Markenzeichen des Regisseurs fallen die sorgsam ausgewählten Filmlocations ins Auge – perfekt passend vor allem zum Seitenplot, der sich um die Schulexkursion in die Römerzeit dreht. Dieser bietet neben einer Schauplatz-Auflockerung (vom Klassenzimmer hinaus auf Studienreise) und einem Blick ins Privatleben der Lehrer auch einen Cameoauftritt für Reinl persönlich, der als Ersatzfahrer im Schulbus mit von der Partie ist. Autor Franz Seitz macht derweil sowohl durch derbere Scherze als auch durch herrlich satirische Textzeilen auf sich aufmerksam – man denke an den in den prä-olympischen Lehrer-Turnstunden geübten „Quetschpraller mit doppeltem Aufschrei am Seitpferd“ oder an Tafts Gedenkrede zum 100-jährigen Bestehen des Mommsen-Gymnasiums mit der eindringlichen Warnung „APO, APO hört man’s schallen, wüste Banden zieh’n umher“. Insgesamt ist Teil 3 der Lümmelfilm-Reihe damit durchaus auf der Höhe seiner Zeit, zumal gen Ende mit der angeblichen unehelichen Tochter des Knörzerichs ein paar anrüchige Momente eingebaut wurden.

    Hansi Kraus absolviert sein gewohntes Programm, auch wenn man ihn schon inspirierter und auch liebenswerter gesehen hat. Was seiner Strahlkraft ein wenig Abbruch tut, ist der Umstand, dass man ihn für diesen Film mit zwei recht finster dreinblickenden Schlägertypen umgab, die ihn wie Gorillas bei seinen Streichen und der Einschüchterung von Ewald Kunst unterstützen. Andererseits freut man sich darüber, dass bei den Mädels wieder Ordnung eingekehrt ist und Marion Nietnagel wieder von Uschi Glas dargestellt wird, während Hannelore Elsner zum letzten Mal als Geneviève Ponelle zu sehen ist. Aus ihrem Charakter zieht der Film diesmal vollen Nutzen, während es etwas merkwürdig erscheint, dass Marion erneut auf Partnersuche ist, obwohl sie im letzten Film bereits ein Happy End mit Peter Alexander feierte. Uschi Glas muss sich diesmal – eine Stufe weiter unten – mit Gerhart Lippert begnügen; auch Gustav Knuth als Kurt Nietnagel und Harald Juhnke als Dr. Blaumeier sind eher enttäuschende Besetzungen, während man sich über die Rückkehr von Ruth Stephan ausgiebig freuen kann. Auch Hans Seitz-„Terofal“ bekommt mehr Screentime – eine gute Entscheidung, weil Pedell Bloch (auch wenn er lächerlich ist) viel zum Fluidum der Filmreihe beiträgt.

    In einem Punkt unterscheidet sich „Pepe, der Paukerschreck“ deutlich von seinen Vorgängern und Nachfolgern: Während viele der Lümmelfilme auf die Storyline mit dem modernen Superpauker aufbauen, der den Staub unter den Talaren mit jugendlichem Schwung und neuen Methoden hinwegfegt, präsentiert Reinls Serienerstling eine illustre Variation dieses Themas, in welcher der von Hans Clarin verkörperte Dr. Glücklich als weinerliche Versagertype die Bühne betritt und erst nach und nach die Zuneigungen seiner neuen Klasse gewinnt. Clarin ist eine gute Besetzung für diese zweischneidige Rolle; nur gelingt es ihm nicht immer, sich im starken und breit aufgestellten Cast zu behaupten.

    Nur in wenigen Momenten wie dem Lachgas-Streich überschreitet „Pepe, der Paukerschreck“ die Grenze zur Peinlichkeit. Hauptsächlich bekommt man eine charmante, hochwertig gemachte Komödie serviert, die von Harald Reinls neuem Blick auf ein bewährtes Rezept profitiert, aber noch nicht das volle Humorpotenzial des Regisseurs offenlegt. Positiv sind die Bemühungen anzumerken, viele außerschulische Abenteuer einzuflechten, ohne zu sehr vom Thema abzukommen. 4 von 5 Punkten.

  • Neue Wallace-Buch-AusgabenDatum03.11.2019 01:22
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der rührige Leonaur-Verlag hat 'mal wieder Edgar Wallace ins Programm genommen - diesmal den guten Henry Arthur Milton in gesammelter Form. In "The Complete Ringer: The adventures of fiction's nemesis and master of disguise" findet man neben dem Roman "The Ringer" auch die Kurzgeschichtensammlung "Again the Ringer" - das Ganze versehen mit einem stimmungsvollen Retro-Cover wahlweise als Soft- oder Hardcover. Erschienen bereits im August 2019.

    https://www.leonaur.com/index.php?route=...roduct_id=11385
    https://www.waterstones.com/book/the-com...e/9781782828310
    https://www.thalia.de/shop/home/artikeld...D145312050.html
    https://www.hugendubel.de/de/taschenbuch...kt-details.html
    https://www.buecher.de/shop/englische-bu...od_id/57622780/

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Das Kriminalmuseum: Die Reisetasche

    Episode 28 der TV-Kriminalserie, BRD 1967. Regie: Erich Neureuther. Drehbuch: Gerd Oelschlegel, Franz Neubert. Mit: Erik Ode (Kriminalkommissar Zobel), Sigurd Fitzek (Kriminalassistent Scharf), Herbert Fleischmann (Felix Hochstädter), Claus Tinney (René Charlot), Dietrich Thoms (Kriminalkommissar Arnd), Walo Lüönd (Dr. Blayer), Hertha Konrad (Evelyn Hochstädter), Thomas Reiner (Klaus Petersen), Ludwig Schmid-Wildy (Zeuge Gruber), Walter Hoor (Zeuge Zoller) u.a. Erstsendung: 7. April 1967. Eine Produktion der InterTel fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Das Kriminalmuseum (28): Die Reisetasche
    Für jähe Ernüchterung nach einer feucht-fröhlichen Geburtstagsfeier sorgt beim Jubilar Felix Hochstädter die Erkenntnis, dass sein Safe mit fast 10’000 Mark Bargeld und einer wertvollen Münzsammlung aufgebrochen und ausgeraubt wurde. Der Geschäftsmann gerät wegen einiger Widersprüche und Indizien bald selbst ins Visier des ermittelnden Kriminalkommissars Zobel, doch es erfordert Raffinesse und Hartnäckigkeit, den Versicherungsbetrüger und seinen Komplizen der Straftat zu überführen. Am Ende bricht der Geiz Hochstädter das Genick ...


    „Die Reisetasche“ beginnt mit einer reizvollen Szenencollage, welche die Party der Hochstädters in einem angesagten Klub mit dem Einbruch ins Hinterzimmer des Hochstädter’schen Geschäfts kombiniert. Immer wieder wird zwischen der ausgelassenen Stimmung im Lokal und der Anspannung des offensichtlich aufgeregten Diebes hin- und hergeschnitten. Nur mit Mühe und schwerem Gerät kann sich der Eindringling Zugang zu Hochstädters Schatzkästchen verschaffen, wobei der eigentliche Raub im Gegensatz zum Einbruch aus guten Gründen zunächst nicht gezeigt wird. Es sind diese Szenen, die nicht nur als die spannendsten, sondern auch als die am schönsten fotografierten der Episode in Erinnerung bleiben, denn leider gelingt es den sich anschließenden Ermittlungen weder in puncto Spannung noch Ästhetik an die wirkungsvollen Einstellungen im nächtlichen Hinterhof des Kudamm-Geschäfts anzuknüpfen. Diesbezüglich macht sich die etwas formlose Spielleitung des Regie-Neulings Erich Neureuther bemerkbar, dessen Beiträge auch bei „Die fünfte Kolonne“ nicht unbedingt zu den Spitzentiteln der Serie zählen.

    „Die Reisetasche“ kann als Faustpfand immerhin (erneut) auf Erik Ode verweisen. Und obwohl Ode als Kommissar vom Einbruchsdezernat eine „kommissar“-reife Performance abgibt, tritt er doch gleichzeitig – ähnlich wie später als Herbert Keller – auch engstirnig und paragrafenreiterisch auf: Dem Geschädigten lässt er jedenfalls wegen einer randläufigen Bemerkung erst einmal den Führerschein abnehmen, als seien der Diebstahl von Bargeld und Münzsammlung noch nicht genügend Schicksalsschläge für einen Tag. Dergestalt ist der feindliche Ton für einen Zweikampf zwischen Ode und seinem Kontrahenten Herbert Fleischmann natürlich sofort gesetzt, doch leider kommt es gar nicht zu einem ansehnlichen Duell, weil Kommissar Zobel meist mit der Befragung anderer Zeugen oder einer Reise nach München ins „Kriminalmuseum“-Kernland beschäftigt ist. Dabei formt sich neben Ode mit Assistenten Fitzek sowie Fleischmann mit Handlanger Tinney keine weitere Figur heraus, die für den Zuschauer wirklich von Interesse ist – anderweitige Verdächtige gibt es folglich keine und heutige Betrachter würden das ZDF obendrein wegen der absolut miserablen Frauenquote der Folge anzählen.

    Dennoch ist „Die Reisetasche“ kein verlorener Fall: Die Erzählung hält besser zusammen als in den Episoden der Schwächephase #21 bis #24 (insbesondere die mehrfachen Wendungen in der Frage, ob die Münzkassette durch das Loch im Safe passte, erweisen sich als unterhaltsam), die Längen sind zwar vorhanden, aber erträglich und während Fleischmann hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, sorgen einige Darsteller mit netten Kleinstauftritten für eine angenehme Würze. Vor allem Thomas Reiner als Hochstädters Freund in den beschwingten Anfangsszenen macht eine gute Figur – man hätte ihn sich auch selbst in der Rolle des Versicherungsbetrügers vorstellen können, denn er hätte der Rolle vielleicht eine deutlichere Arroganz verleihen können. Beim Berlin-Flair bestehen deutliche Potenziale, die Musik von Eugen Thomass fügt sich dagegen gut ins Geschehen ein. Insgesamt eine Angelegenheit fürs Mittelfeld.

    Erneut kommt ein „Kriminalmuseum“ ohne Mord und Totschlag aus. Das ist möglich, aber in dieser Umsetzung nicht unbedingt super-spannend und man wünscht sich, es käme sowohl zwischen dem bissigen Ode-Kommissar und dem Betrüger als auch zwischen dem Betrüger und seinem Komplizen zu härteren Konflikten (womöglich mit tödlichem Ausgang). Für die vorherrschende mittelmäßige Spannung vergebe ich 3,5 von 5 Reisetaschen.

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