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  • Mord ist ihr HobbyDatumGestern 23:40
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Mord ist ihr Hobby: Rhonda, eine Studentin? (Alma Murder)

    Episode 103 der TV-Kriminalserie, USA 1989. Regie: Anthony Shaw. Drehbuch: Chris Manheim. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Jason Beghe, E.G. Marshall, Janice Rule, Dinah Shore, Dana Sparks, Kate Vernon, Ralph Waite u.a. Erstsendung (USA): 12. März 1989. Erstsendung (BRD): 14. Januar 1993.

    Zitat von Mord ist ihr Hobby: Rhonda, eine Studentin?
    Auf den Anruf einer alten Bekannten aus ihrer Studentenverbindung hin besucht Jessica ihr College in New Hampshire. Ein bekannter Professor steht unter Mordverdacht – er soll die Studentin Rhonda mit einem Kerzenleuchter erschlagen haben. Zu Lebzeiten hatte Rhonda wenige wissenschaftliche, sondern eher erpresserische Ambitionen, sodass Jessica trotz des Geständnisses von Professor Walker auch andere Personen verdächtigt. Schließlich nimmt Walkers unehelicher Sohn die Schuld auf sich – doch auch er ist in Wahrheit nicht der Mörder ...


    Das Fragezeichen, das der deutsche Titel hinter Rhondas Studentenschaft setzt, erweist sich als weitsichtiger Hinweis darauf, dass das Opfer dieser Mordgeschichte an allem anderen als an ernsthaftem Lernen interessiert ist. Die Tote, die man in mehreren, nicht immer vertrauenswürdigen Rückblenden kennenlernt, ist eine ich-bezogene Unruhestifterin, die mit Vorliebe anderen Leuten schadet und sie zum eigenen Vorteil ausnutzt. Kate Vernon porträtiert sie mit sichtlichem Genuss als femme fatale der üblen Sorte. So ist es kein Wunder, dass sie sich keines langen Lebens erfreut, sobald sie an Jessicas alte Bekannte gerät ...

    Anthony Shaw bedient sich des Kunstgriffs, mitten im Geschehen zu beginnen, und bringt damit eine sehr spannende Auftaktszene zuwege, in der Professor Walker „auf frischer Tat ertappt“ wird. Zumindest hat es ganz den Anschein, dass hier ein Schuldiger versucht, seine Spuren zu verwischen. Im Laufe der sich anschließenden Handlung folgen dann Verdächtigung auf Verdächtigung und Geständnis auf Geständnis – man kann jedenfalls nicht behaupten, dass Autor Chris Manheim sich diesbezüglich nicht voll ins Zeug gelegt hätte. Leider unterstützen die sonst eher wenig einprägsamen Darsteller das Script nicht besonders, sodass die gut erdachten Wendungen, die teilweise an eine Neuinterpretation von Agatha Christies „Mord im Pfarrhaus“ erinnern, den Zuschauer teilweise eher kaltlassen.

    Im Englischen „Alma Murder“ genannt, führt die Episode den Zuschauer an Jessicas alma mater und ist damit in einem ähnlichen Milieu angesiedelt wie „Griffens erster Fall“ aus der zweiten Staffel. Naheliegenderweise reicherten die Macher die etwas trockene Umgebung um einige Rückbezüge auf Jessicas eigene Vergangenheit an. Konkret erfährt man über die Serienheldin, dass sie der imaginären Studentenverbindung Delta Alpha Chi angehörte und dass sie vor dem Erfolg ihres ersten Romans den Lehrerberuf 19 Jahre lang ausübte. Als Paar mit ihrem verstorbenen Gatten Frank war sie aber 30 Jahre lang in Cabot Cove ansässig – es stellt sich die Frage, wie das zeitlich zusammenpassen soll.

    Ein ehrgeiziger Kriminalfall mit zahllosen (wenngleich nicht immer gänzlich unvorhergesehenen) Wendungen vor der Kulisse von Jessicas ehemaliger Uni regt Lansburys Figur zum Aufwärmen und gleichzeitig zum Hinterfragen alter Bekanntschaften auf. Leider stimmt die Chemie nicht mit allen Gastdarstellern, sodass ausgerechnet das titelgebende Mordopfer als charismatischste Person der Episode in Erinnerung bleibt. 4 von 5 Punkten.

  • Mord ist ihr HobbyDatum17.03.2019 22:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Mord ist ihr Hobby: Glasnost und Agenten (From Russia ... with Blood)

    Episode 102 der TV-Kriminalserie, USA 1989. Regie: Vincent McEveety. Drehbuch: Donald Ross. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Jack Bannon, Peter Donat, Anthony Geary, Jeremy Kemp, David McCallum, Judy Parfitt, Adrian Zmed u.a. Erstsendung (USA): 26. Februar 1989. Erstsendung (BRD): 18. Januar 1993.

    Zitat von Mord ist ihr Hobby: Glasnost und Agenten
    Bei einem Empfang im Moskauer Kulturministerium stiehlt ein als Kellner verkleideter Handtaschendieb Jessicas Habseligkeiten. Die Sicherheitskräfte verfolgen und erschießen ihn augenblicklich. Als Jessica ihre Tasche zurückbekommt, befindet sich auf einmal eine Dose mit einem Mikrofilm darin, dessentwegen sich der KGB für die in der Sowjetunion weilende Autorin zu interessieren beginnt. Zu allem Überfluss stellt Jessica fest, dass der Mord dem ersten Anschein zum Trotz nicht durch eine Kugel der Security geschah ...


    „Mord ist ihr Hobby“ begleitet Jessica Fletcher immer wieder zu unterschiedlichen Reisezielen in den USA und auch im Ausland. Ungewöhnlich ist es jedoch, einen Blick hinter den (sich im Zuge von Glasnost langsam hebenden) eisernen Vorhang zu werfen. Die Serie hatte in ihrer frühen Phase hier und da Geschichten mit Kalter-Krieg-Rhetorik zu bieten und wartet damit auch hier noch einmal auf, denn unweigerlich bewirkt die Inszenierung vom amerikanischen Standpunkt aus ein andauerndes Unbehagen gegenüber der Sowjetunion – vor allem wenn die Behörden Jessicas Pass einziehen oder ein Reporter davor zurückschreckt, eine politisch zu heiße Geschichte anzupacken.

    Donald Ross schildert einen scheinbar klar auf der Hand liegenden Fall, der später durch die Entdeckung einer fehlgegangenen Kugel eine hochinteressante Wendung nimmt und Sichergeglaubtes noch einmal über den Haufen wirft. Die fehlende Klarheit nutzen Sowjetpolizei und der Geheimdienst KGB zu konkurrierenden Machtdemonstrationen – als ihre Repräsentanten stehen Jack Bannon und Anthony Geary Jessica unterschiedlich aufgeschlossen zur Seite. Der KGB-Mann verbittet sich die Einmischung der amerikanischen Wichtigtuerin, die er – den Anmerkungen in seinen Akten folgend – als „freundliche, wenn auch etwas anstrengende und ermüdende Person“ bezeichnet.

    In weiteren tragenden Rollen verleihen Jeremy Kemp und Judy Parfitt der Folge eine besondere darstellerische Würze. Auch das gebührend winterliche Flair mit Aufnahmen des verschneiten Roten Platzes und der Pelzmützen tragenden Jessica sind einer stimmigen Atmosphäre ungemein zuträglich. Nach ein paar Startschwierigkeiten scheint sich Vincent McEveety mittlerweile ins Serienrezept eingelebt zu haben.

    Wie weit ist es mit Glasnost wirklich her und wie sehr wollen die Sowjets kritische Stimmen noch immer zum Schweigen bringen? Jessica agiert in einem kompromittierenden Fall auf rutschigem Parkett so selbstsicher, als trüge sie Stollen unter ihren Pumps. Nicht einmal die Machtgesten des KGB können die Autorin einschüchtern, sodass sie selbst in Moskau einer sorgsam gehüteten Wahrheit auf die Spur kommt. 4,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von greaves im Beitrag #4
    Und wies aussieht,bin ich fündig geworden und habe zum Hexer und zu drei anderen Wallace-Drehorten wieder was bisher unbekanntes gefunden.(ich muss es aber noch ganz checken,bei meinem Berlin Aufenthalt übernächste Woche).

    Das hört sich doch vielversprechend an. Viel Erfolg!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Der Hexer

    Kriminalfilm, BRD 1964. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Reinecker (Romanvorlage „The Ringer“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Inspektor Edgar Bryan Higgins), Heinz Drache (James W. Wesby), Sophie Hardy (Elise Penton), Jochen Brockmann (Maurice Messer), Siegfried Lowitz (Inspektor Warren), Margot Trooger (Cora Ann Milton), René Deltgen (Henry Arthur Milton), Eddi Arent (Archibald Finch), Siegfried Schürenberg (Sir John), Carl Lange (Reverend Hopkins), Kurt Waitzmann (Reddingwood), Karl John (Shelby), Ann Savo (Sekretärin Jean), Hilde Sessak (Aufseherin im Mädchenheim), Petra von der Linde (Gwenda Milton) u.a. Uraufführung: 21. August 1964. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Der Hexer
    Seit jeher zittert die Unterwelt vor Henry Arthur Milton. Unter seinem Decknamen „der Hexer“ bringt er Verbrecher zur Strecke, die das Gesetz nie gefasst hat. Kein Wunder also, dass er sich auf einen Rachefeldzug nach London begibt, als seine Schwester Gwenda Milton den Umtrieben des Anwalts und Mädchenhändlers Maurice Messer zum Opfer fällt. Da Milton als Meister der Maske gilt, hält sich Scotland Yard an seine Frau Cora Ann, die ebenfalls in London weilt. Verdächtig oft treibt sich der australische Schriftsteller James W. Wesby in ihrer Nähe herum, den die Inspektoren Higgins und Warren verdächtigen, der „Hexer“ zu sein. Maurice Messers Bande geht derweil eigene Wege, um ihren Todfeind zur Strecke zu bringen ...


    „Schreiben Sie Ihre Fortsetzungen neuerdings mit dem Revolver?“

    Es gibt keinen namhafteren Wallace-Schurken als den „Hexer“, sodass die Verfilmung durch die Rialto zu einem Zeitpunkt, als die Einspielergebnisse langsam zurückgingen, zwangsläufig zu einem besonderen Spektakel geraten musste. Um den hohen Erwartungen gerecht zu werden, verfiel Produzent Horst Wendlandt auf zwei geniale Einfälle: Erstens stürzte er sich bei der Besetzung in Unkosten, indem er die drei prominentesten und beliebtesten Wallace-Ermittler Joachim Fuchsberger, Heinz Drache und Siegfried Lowitz auf einmal verpflichtete. Zweitens gab er das Drehbuch erstmalig in die Hände Herbert Reineckers, der sich in den zurückliegenden Jahren als regelrechte Ikone unter den deutschen Filmautoren erwiesen hatte. Zwar ließ Reinecker seinem ersten Wallace-Script keinen sozialkritischen Tiefgang angedeihen, für den er sonst oft bekannt war; dennoch bereichert es die Filmreihe im Alleingang um diverse stilprägende Elemente, die sich als so erfolgreich erwiesen, dass sie im Kommenden wieder und immer wieder aufgewärmt werden sollten. Wer chronologisch beim „Hexer“ ankommt und dennoch schon weiß, wie sich die Wallace-Welle weiter entwickeln wird, findet in der Konstruktion konkurrierender Verbrecherinstitutionen, im Fokus auf Mädchenhandel, in der Dialogführung und nicht zuletzt in der Darstellung der Ermittler als regelrecht familiär agierendes Team eine Blaupause nach der anderen.

    Substanziell unterscheidet sich der „Hexer“ gerade durch seine Unsichtbarkeit von anderen Wallace-Mördern, die mit ausgefallenen Kostümen oder unverkennbaren Mordmethoden die Aufmerksamkeit regelrecht auf sich ziehen. Dass er in verschiedene Masken schlüpfen kann, wird in einigen Szenen bereits effektiv ausgekostet, ohne es dem Zuschauer dezidiert unter die Nase zu reiben – so traut sich Henry Arthur Milton zum Beispiel gleich am Flughafen ganz in die Nähe seiner Frau und der Polizei, flüchtet aber rechtzeitig und behält damit die Oberhand gegenüber dem Gesetz. Auch wenn die Verwendung von Gummimasken und das Produktionsjahr 1964 es nahelegen, so müssen wir Herbert Reineckers Ideen doch nicht als Plagiat des „Fantomas“-Erfolges werten: Während der Wallace-Film bereits im August 1964 Premiere feierte, kam „Fantomas“ in Frankreich erst im November desselben Jahres, in Deutschland gar erst im Mai 1966 in die Kinos. Eine weitere Parallele zwischen dem „Hexer“ und „Fantomas“ stellt die scheinbare Unbesiegbarkeit des Gauners dar, der die Ermittler trotz Superaufgebots an der Nase herumführt wie kein anderer Wallace-Schurke. Ob sie nun logisch völlig wasserdicht ist oder nicht – die Schlussszene im Hause von Maurice Messer spielt nicht nur spannungstechnisch auf allerhöchstem Niveau, sondern ist mit ihrem Wendungsreichtum gleichfalls eine perfekte Variation aufs Wallace’sche Original.

    Der besondere Clou, den Darsteller des „Hexers“ geheimzuhalten und dann doch einen altgedienten Leinwand-Star aus dem Hut zu zaubern, spricht für das professionelle Marketing der Rialto-Film. René Deltgen ist selbst in seinem Ultra-Kurzauftritt in den letzten Minuten des Films eine spektakuläre Bereicherung für den Krimi und versprüht gemeinsam mit Margot Trooger als Cora Ann Milton gediegene Hochwertigkeit. Trooger, die den ganzen Film über als Geheimnisträgerin und gleichzeitig als Verbindungselement zwischen ihrem verbrecherischen Filmgatten und der Polizei fungiert, liefert eine der stärksten weiblichen Darstellungen der gesamten Reihe und entschuldigt damit die stellenweise ärgerlich klischeehaft aufspielenden Sophie Hardy und Ann Savo durch zeitlose Eleganz. Sie scheint jedoch auch gewissermaßen außerhalb der eigentlichen Handlung zu stehen, die sich stark auf Fuchsberger, Drache und Lowitz sowie die Gangsterbande um Jochen Brockmann konzentriert. Brockmann spielt den gewissenlosen Anwalt ohne Übertreibungen; diabolische Qualitäten scheinen im Gegensatz zu anderen Interpretationen dieser Rolle nur in vereinzelten Szenen durch. In der zweiten Hälfte der Wallace-Serie, die oft und gern dazu tendierte, Verbrecherrollen hoffnungslos zu überzeichnen, erweisen sich Brockmanns und Langes Performances demnach als ausgesprochen wohltuend.

    Als unverkennbare Stars des Films bleibt dennoch die „heilige Dreifaltigkeit“ Fuchsberger – Drache – Lowitz in Erinnerung. Alle drei Darsteller sind mit Enthusiasmus und einer gewissen Schnodderigkeit bei der Sache, die sie alle sehr sympathisch macht. Ihr geballtes Auftreten lässt selbst den ahnungslosen Zuschauer vermuten, dass sich ein „schwarzes Schaf“ in die Gruppe eingeschlichen haben möge. Vor allem Drache spielt folglich verdächtig doppelbödig und weist damit – ebenso wie Eddi Arent, der erstmals jenseits des Gesetzes steht – darauf hin, dass er nicht zwangsläufig zu den „Guten“ zählen muss. Wem das nicht innovativ genug ist, der sollte – um frei nach Sir John zu sprechen – auch die Musik von Peter Thomas berücksichtigen. Dieser meldete sich nach zwei erstaunlich wenig kreativen Arbeiten endlich wieder mit einer gelungenen Mischung aus düsteren Tönen und ironischen Effekten zurück, die den Film perfekt untermalen. Leider glückte ihm im weiteren Verlauf der Serie diese richtige Balance nur noch selten; zu oft glitt er dann in allzu alberne Sphären ab („Das Verrätertor“, „Der Bucklige von Soho“). Wenn man dem „Hexer“ etwas anlasten möchte, dann den Umstand, dass man vereinzelt in Umsetzung und Ausstattung höherwertig hätte zu Werk gehen sollen. Manche Kulissen und Rückprojektionen spielen nicht auf dem hohen Niveau, das man von den Wallace-Filmen bisher erwarten durfte, sodass der Eindruck dieses Vorzeigefilms rein formal manchmal kurzzeitig getrübt wird.

    „Der Hexer“ ist ein einmaliges Aufeinandertreffen unzähliger serientypischer Elemente in noch nicht abgegriffener Zusammenstellung, verbunden mit kreativen Höchstleistungen im Drehbuch-, Musik- und Darstellerbereich und einem hohen Wohlfühl-Faktor. Dass sich Vohrer diesmal mit Verrücktheiten eher zurückhielt, weil er sich der herausragenden Bedeutung des Films für die Reihe bewusst gewesen sein muss, führt zu einem etwas „glattgebügelten“, aber umso besser konsumierbaren Ergebnis ohne Fremdschäm-Momente, die sich dann erst beim Recycling einiger „Hexer“-Erfolgsrezepte in den kommenden Jahren einstellen sollten.

  • Mord ist ihr HobbyDatum17.03.2019 10:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Mord ist ihr Hobby: Hexensabbat (Fire Burn, Cauldron Bubble)

    Episode 101 der TV-Kriminalserie, USA 1989. Regie: John Llewellyn Moxey. Drehbuch: Tom Sawyer. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Juliana Donald, Brad Dourif, Bill Maher, Ron Masak, Roddy McDowall, Russell Nype, Christopher Stone, Dee Wallace Stone, William Windom, John J. York u.a. Erstsendung (USA): 19. Februar 1989. Erstsendung (BRD): 15. Januar 1993.

    Zitat von Mord ist ihr Hobby: Hexensabbat
    Es ist schon ein reichlich merkwürdiges Zusammentreffen: Zum gleichen Zeitpunkt, zu dem sich der Tod der angeblichen Hexe Patience Terhune zum 300. Mal jährt, wird nicht nur ein Buch zum Thema veröffentlicht, sondern im Garten ihrer Nachkommen in Cabot Cove ein satanisches Ritual beobachtet. Das macht die Ortsbewohner erneut zugänglich für okkulte Theorien, die nicht nur vom selbstverliebten Autor Gordon Fairchild, sondern auch vom Exorzisten Dr. Overman in die Welt gesetzt werden. Jessica kümmert sich derweil um die Terhune-Familie, die in Gefahr zu schweben scheint ...


    Mit einer sehr mysteriösen Auftaktsequenz im nächtlichen Garten einer Patientin, wo Doc Hazlitt eine Frau in historischem Kostüm bei einer Teufelsanbetung beobachtet, versteht es John L. Moxey, gleich von Anfang an das spezielle, unheimliche Flair dieser Folge zu etablieren. Wie so manches Mal im Rahmen der Serie muss man sich fragen, wie der Autor (hier Tom Sawyer) das verrückte Verhalten einiger Personen am Ende erklären wird, was für eine spannende Dreiviertelstunde in Jessicas Heimatort Cabot Cove sorgt. Die Hexenthematik wird konsequent weitergeführt und mit einer interessanten Familiengeschichte verknüpft, die zeigt, dass schon vor 300 Jahren so mancher Einwohner des Küstenstädtchens seines Lebens nicht sicher war. Und während es zwischen den leichtgläubigen, das Spektakel des Hexenaustreibers liebenden Klatschtanten und dem wissenschaftlichen Dr. Hazlitt zu einigen Unstimmigkeiten kommt, bleibt Jessica solange neutral, bis sie genug weiß, um die Geschichte aufklären zu können.

    „Hexensabbat“ zeichnet sich nicht zuletzt durch sehr stimmige Gastauftritte aus. Wenn Jessica auf einen anderen Autor trifft, endet das meist nicht besonders gut – so auch hier, als sie dem egozentrischen Gordon Fairchild begegnet, der gerade ein Buch über die Hexe Patience Terhune herausbringt und davon so eingenommen ist, dass er die große J.B. völlig verkennt. Roddy McDowall bringt wie üblich genug Selbstsicherheit mit, um diese Rolle und einige Streitgespräche mit seinem Manager zu meistern, hätte aber gern noch verdächtiger gemacht werden können. Sehr anrührend agiert demgegenüber das geheimnisumwobene Schwesternpaar Terhune (Dee Wallace Stone und Juliana Donald). Eine von ihnen nach großzügigen 26 Minuten als Leiche aufzufinden, geht dem Zuschauer recht nahe, wenngleich er anschließend sein Urteil über die betreffende Figur gründlich revidieren muss.

    Packt man den ganzen Hokuspokus, zu dem auch eine sehr einprägsame Szene mit einer brennenden Scheune gehört, zur Seite, bleibt „Hexensabbat“ immer noch ein solides Krimirätsel mit gutem Verdächtigenkreis. Aber natürlich ist es auch das Drumherum, das mich hier zu einem wohligen Fazit kommen lässt.

    Cabot Cove im Hexenfieber: Was vor 300 Jahren zur Verbrennung der beschuldigten „Magierin“ führte, sorgt auch im Hier und Jetzt noch für Trubel und lässt Aberglauben und Sensationslust zutagetreten. Jessica und ihre Vertrauten stemmen sich mit rationalen Erklärungen dagegen, sodass ein interessanter Fall mit düsterer Note zustandekommt. Gute 4,5 von 5 Punkten.

  • Mord ist ihr HobbyDatum16.03.2019 17:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Staffel 5 (Teil 2)



    Mord ist ihr Hobby: Der Tote trägt nur einen Schuh (Smooth Operators)

    Episode 100 der TV-Kriminalserie, USA 1989. Regie: Anthony Shaw. Drehbuch: Gerald K. Siegel. Mit: Angela Lansbury als Jessica Fletcher sowie Dirk Benedict, Nicolas Coster, Lise Hilboldt, Shirley Knight, Barney Martin, Michael McGrady, Dennis Patrick, Peter van Norden, Edward Winter u.a. Erstsendung (USA): 12. Februar 1989. Erstsendung (BRD): 6. Januar 1993.

    Zitat von Mord ist ihr Hobby: Der Tote trägt nur einen Schuh
    Schon seine Kleidung verrät, dass es sich nicht um einen Obdachlosen handelt: Der Leichnam des Mannes, der schließlich als Elliot Winston identifiziert wird, wird mit Alkoholvergiftung an einem berüchtigten Penner-Schlafplatz gefunden – mit nur einem Schuh. Winston arbeitete in einer Privatklinik, deren Ärzte ihren Patienten offenbar unnötige Behandlungen aufschwatzen, um die Bilanzen zu schönen. Winstons Unterlagen, die derartiges Vorgehen beweisen, sind nach seinem Tod plötzlich verschwunden. Jessica will den Geheimnissen der Klinik inkognito auf den Grund gehen, doch sie wird vom Personal erkannt ...


    „Mord ist ihr Hobby“ blickte zum Erstausstrahlungszeitpunkt von „Der Tote trägt nur einen Schuh“ bereits auf eine umfangreiche Erfolgsgeschichte von 100 Folgen zurück. Warum man ausgerechnet diese eher formelhafte Geschichte als Jubiläumsepisode auswählte, erschließt sich mir nicht ganz. Ein Fall vom verlässlichen Peter S. Fischer wäre wohl angemessener gewesen. Auch Anthony Shaw passt in diesem Fall nicht als Regisseur, da er meist eher Mittelmäßiges zuwege brachte (so auch hier), doch ist es immerhin nachvollziehbar, warum ihm als Sohn der Lansbury diese Ehre zuteil wurde.

    „Der Tote trägt nur einen Schuh“ hat eine eigentlich recht interessante Ausgangssituation, doch blasse Verdächtige und wackelige Deduktionen bringen die Folge nicht ordentlich voran. So schlussfolgert Jessica zu Anfang, der Tote sei an den Fundort der Leiche gebracht worden, weil seine Socke am Fuß mit dem fehlenden Schuh sauber ist. Später erfährt man jedoch, dass der Leiche der Schuh erst am Ablageort abhanden kam, weil ein Penner ihn aus Raffgier auszog. Da hat sich Mastermind J.B. wohl kurzfristig auf zu dünnes Eis begeben. Auch hätte sich der Mörder ruhig mehr Mühe geben dürfen, denn wenn auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass der Tote nicht ins Obdachlosenmilieu gehört, warum bringt er ihn dann überhaupt dorthin?

    Über Humor verfügt der Fall reichlich, z.B. wenn Jessica als affektierte Patientin mit eingebildeten Wehwehchen die Privatklinik aufsucht. Ein kurzer Moment der Bedrohung kommt zudem gerade recht, als die mittlerweile aufgeflogene Detektivin bei einem Einbruch ins Krankenhausarchiv auf frischer Tat ertappt wird. Das genügt aber nicht, denn sowohl Gastermittler Hanratty (Barney Martin) als auch die Ärzte und Winstons zugeneigte Nachbarin hinterlassen keinen bleibenden Eindruck, sodass dem Fall letztlich etwas fehlt, woran sich die Serienschnüfflerin ernstlich abarbeiten kann. Welche Figur sie dann letztlich als Mörder enttarnt, ist folglich recht beliebig.

    Man sollte zur 100. Episode eigentlich einen besonders gelungenen Fall erwarten, bekommt hier aber eher unterdurchschnittliche Kost serviert. Eine interessante Mordmethode wird mit einer schlampigen Beseitigung der Leiche konterkariert, aus der Riege der Gastdarsteller weiß sich niemand ernstlich zu behaupten und abgesehen von einer gelungenen Parodie auf eine eingebildete Kranke hat „Der Tote trägt nur einen Schuh“ nicht viel zu bieten. 3 von 5 Punkten.

  • Eure FilmbücherDatum16.03.2019 10:59
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Kurt Ihlenfeld, Mathias Wieman, Dietmar Schmidt et al.: Harald Braun
    Ein Buch des Gedenkens
    Eckart-Verlag, Berlin 1961, 59 Seiten


    Ein reizendes kleines Heft über den verdienstvollen Nachkriegsregisseur Harald Braun anlässlich seines Todes im Jahr 1960. Enthält viele Hintergrundinformationen zu Brauns vielleicht bekanntestem, erfolgreichstem bestem Film "Nachtwache", leider weniger zu seinem interessanten Spätwerk "Der gläserne Turm".

    John Grant: A Comprehensive Encyclopedia of Film Noir
    The Essential Reference Guide
    Limelight Editions / Hal Leonard, Milwaukee 2013, 765 Seiten


    Enorm umfangreiches Nachschlagewerk zum Film Noir und artverwandten Filmen verschiedenster Ausprägung. Genauere Infos findet ihr in meinem Posting hier. Und unter diesem Link führt John Grant seine Listung von noir-verwandten Filmen mit Titeln, die es nicht ins Buch geschafft haben, sogar online fort.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum16.03.2019 10:44
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe das Buch "A Comprehensive Encyclopedia of Film Noir" seit mittlerweile über einer Woche vorliegen und hatte jetzt die Gelegenheit, mich etwas ausführlicher einzulesen. Was es von anderen Werken zur Filmgattung Noir unterscheidet, ist seine enorme Breite. Anstatt sich auf den engen Klassikerkanon zu beschränken, findet man darin sowohl namhafte Noirs wie "Double Indemnity" als auch Filme, die vom Genreaspekt her eher Auslegungssache sind; sowohl Produktionen aus dem Kernzeitraum als auch solche, die man als "Proto- oder Neo-Noirs" bezeichnen würde; sowohl amerikanische als auch "ausländische" Filme wie z.B. "M". Insgesamt sind laut Klappentext mehr als 3250 Filme enthalten.

    Das bedeutet, dass für jeden Film trotz insgesamt über 760 Seiten Umfang nur ein bis drei Absätze zur Verfügung stehen, die Bandbreite an berücksichtigten Filmen also gewissermaßen zu einem Verlust an Tiefgang führt. Nichtsdestoweniger sind die einzelnen Einträge kenntnisreich und hochwertig geschrieben und verraten auf den ersten Blick nicht zu viel, sodass ich in diesem Buch auch Filme nachschlagen würde, die ich noch nicht gesehen habe (im Gegensatz zu Silvers "Noir Encyclopedia", die für die einzelnen Filme zwar oft profunder ist, aber auch fleißig [tlw. unnötig] spoilert).

    Im Haupttext, der die Filme im Lexikonstil alphabetisch auflistet, sind keine Fotos enthalten, allerdings gibt es mehrere separate Bildteile, in denen Werbefotos, Filmplakate u.ä. thematisch sortiert enthalten sind.

    Insgesamt kann ich das Buch, das als hochwertig leinengebunden mit Schutzumschlag daherkommt, als zusätzliche Recherchequelle weiterempfehlen; die Mühe des einzelnen Autors, so viele Filme zu sehen und mit Hintergrundinfos zu besprechen, ist beachtlich. Auch für die Erweiterung des eigenen Horizonts scheint mir das Buch sehr geeignet zu sein. Häufig wird als Kritikpunkt genannt, dass ein komplettes Inhaltsverzeichnis aller Filme fehlt, man also auf gut Glück suchen muss. Das habe ich noch nicht wirklich als Nachteil bemerkt; allerdings gibt es sehr wohl ein Register, das mir sehr zusagt: eines, in dem jeweils alle besprochenen Filme zu ausgewählten Regisseuren, Autoren und Hauptdarstellern aufgeführt sind. Ich kann also auf einen Blick sehen, welche Noirs es von Fritz Lang, Cornell Woolrich oder Barbra Stanwyck gibt. Das ist ziemlich cool.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum16.03.2019 10:26
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Spannend: Diese abweichenden Beurteilungen würden mich ja direkt wieder zu einer Rückkehr zum "Alten" verleiten. Aber es bringt nichts, noch ein Eisen ins Feuer zu legen. Erstmal muss "Derrick" zu Ende begutachtet werden. Stellt sich mir nur noch eine Frage: Ist "Liebe hat ihren Preis" nun eigentlich von Ashley oder von Grädler?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #9
    Auch "Die Gruft mit dem Rätselschloss" hatte ich besser in Erinnerung als sie sich mir bei der heutigen Sichtung dargestellt hat.

    Das war auch der Effekt bei mir. Ähnlich wie bei "Das Rätsel der roten Orchidee" handelt es sich bei der "Gruft" um einen jener Schwarzweiß-Filme, die ich als Kind nicht als VHS-Aufzeichnung besaß. Nach der Veröffentlichung der DVDs waren es dann vor allem diese Filme, die mich faszinierten und die ich als "Außenseiter" schätzte. Vielleicht etwas zu sehr. Jedenfalls stellten sich beide Sichtungen im Rahmen der chronologischen WdW-Aktion als gewisse Enttäuschungen heraus. Ähnlich, aber anders ging es mir mit dem "Fälscher", der mir auch lange fehlte und der zu Weihnachten 2004 sogar der erste Wallace-Film überhaupt war, den ich von DVD sah, der aber nie so 100 prozentig bei mir zündete.

    Unterm Strich würde ich jetzt schon den "schwarzen Abt" als Gottliebs stärksten Wallace-Film bezeichnen, gefolgt von "Gruft" und dann von "Schlange". Alle drei sind aber keine Meisterwerke. Interesant wären die Resultate gewesen, wenn die drei Filme von anderen Regisseuren umgesetzt worden wären, ob von vertrauten Wallace-Namen oder serienfremdem Personal.

    Was ich außerdem noch anmerken wollte: die drei Szenen mit dem Mühlwerk als Todesfalle (bei Connor, George und beinahe bei Kathleen Kent) finde ich enorm stark. Vielleicht eines der am besten ausgedachten "Mordwerkzeuge" der Serie!

  • Thema von Gubanov im Forum Edgar-Wallace-Forum



    Edgar Wallace: Der Hexer

    Hier ist er nun endlich: der wahrscheinlich namhafteste Edgar-Wallace-Film. Die Rialto-Film ließ sich mit einer Verfilmung von „Der Hexer“ erstaunlich lang Zeit, sodass selbst das ZDF mit seiner 1963er-TV-Fassung der eigentlichen Wallace-Hausmarke zuvorkam. Dass „Der Hexer“ erst in der zweiten Hälfte der German Wallace Wave sein Unwesen treibt, führt zu zweierlei Konsequenzen: Einerseits handelt es sich um ein merkliches Aushängeschild mit deutlichem Mehraufwand gegenüber den doch recht routinierten Vorgängerfilmen, andererseits zeichnet er in seinen Erzählstrukturen und Plotmechanismen bereits den Weg in die Farb-Ära vor.

    Was meint ihr: Wird der Film seinem herausragenden Ruf gerecht oder hätte es für Vohrer & Co. hier noch Luft nach oben gegeben?

    Links:

    Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 11 von 36 (79,54 %)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Hafenpolizei (Folgen 9 bis 12)

    Regie: John Olden. Drehbuch: Erich Engels, Gustav Kampendonk, Günter Dönges. In den Hauptrollen: Jochen A. Blume, Herbert A.E. Böhme, Josef Dahmen, Til Kiwe, Horst Michael Neutze und Günther Böse. Gaststars (Folge 9): Harry Engel, Wulf-Rüdiger Reutermann, Henning Venske, Karlheinz Jörger, Peter Benthack u.a. Gaststars (Folge 10): Joachim Richert, Peter Striebeck, Willy Maertens, Charlotte Kramm, Friedrich Schütter u.a. Gaststars (Folge 11): Gunther Malzacher, Anita Höfer, Will van Deeg, Peter Mönch, Doris Kunstmann u.a. Gaststars (Folge 12): Bruno Vahl-Berg, Wolf Martienzen, Manfred Greve, Else Reval, Angelika Thieme u.a. Erstsendungen: 2., 9., 16. und 23. Dezember 1963. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft für das Norddeutsche Werbefernsehen.

    #09: Die Ölspur — Schon mehrere Schiffer auf der Elbe beklagen den Diebstahl von Dieselkraftstoff. Zunächst wittert die Hafenpolizei unprofessionelle Geldmacher hinter den Verbrechen, aber der Kopf der Spritdiebbande, ein jugendlicher Nichtstuer namens Harry Steinkamp, ist für seine Pläne sogar bereit, über Leichen zu gehen ... | Die Ausgangssituation mit den „ausgesaugten“ Ausflugskähnen gestaltet sich einigermaßen lapidar, wächst sich aber nach und nach zu einer veritablen Hommage an die Halbstarkenfilme der 1950er Jahre aus. Harry Engel spielt den rücksichtslosen Jungverbrecher mit rebellischer Note, der im Laufe der Episodenhandlung zwei Menschen ermordet, mit kühler Gelassenheit, die sich leider auch auf den Zuschauer überträgt. Skrupel plagen die Hauptfigur schon gar nicht, aber auch ihre Rücksichtslosigkeit macht sich nur unterschwellig bemerkbar, zumal die Morde scheinbar „nebenher“ geschehen. Insgesamt wirkt die unspektakulär besetzte Episode überfrachtet und dennoch langwierig sowie stellenweise unlogisch und technisch unsauber (schwache Inszenierung der Morde, schlechter Schnitt beim Autounfall im Finale) und gehört damit zu den bislang schwächsten.

    #10: Der Blindgänger — Während zwei jugendliche Handtaschendiebe auf der Flucht vor der Polizei zur unbewohnten Elbinsel Schweinesand übersetzen, transportiert die Wasserschutzpolizei eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg zur kontrollierten Sprengung ans gleiche Ziel. Zwischen den Räubern entbrennt Streit darüber, ob sie an diesem gefährlichen Ort ausharren oder sich zu erkennen geben sollen ... | Was auf den ersten Blick wie ein willkürliches Sammelsurium an aufregenden Alltagsgeschichten aus dem Hamburg der Nachkriegszeit wirkt, verbindet sich vor der malerischen Kulisse der kleinen Elbinsel zu einem nervenaufreibenden Duell zwischen dem abgebrühten Dieter Reimann (Joachim Richert) und seinem wehleidigen Komplizen (der gegen seinen Typ und dennoch überzeugend besetzte Peter Striebeck). Indem die Bombe immer wieder groß ins Bild gerückt und der Respekt der Wasserschutzpolizei vor dem Blindgänger betont wird, baut sich eine sehr präsente Anspannung auf. Welcher der beiden Taugenichtse wird sich durchsetzen? Gehen die beiden oder einer von ihnen bei der waghalsigen Aktion drauf? Für dezente humoristische Akzente sorgen außerdem Willy Maertens als bestohlener Direktor Piper und Friedrich Schütter als regelrecht choreografisch agierender Sprengmeister.

    #11: Der Strandkorbdieb — Ausgerechnet am Strand der Urlaubsinsel Neuwerk treibt ein dreister Taschendieb sein Unwesen, der seine Beute direkt in den Strandkörben der Besucher macht. Als er bei einem Unfall im Watt in Lebensgefahr gerät, greift die Wasserschutzpolizei den Dieb auf, ohne zu wissen, welcher dicke Fisch da angebissen hat ... | Der Titel verrät hier schon, dass wir es mit einem seichteren Exemplar der Gattung „Hafenpolizei“-Folge zu tun bekommen. Dies hat den netten Nebeneffekt, einen urlaubenden Kriminaler Koldehoff mitsamt Tochter und Schwiegersohn in spe zu sehen. Als junges Strandfräulein tritt kurz Doris Kunstmann in Erscheinung, bevor sich der Plot stärker auf den Dieb und seine Frau (dargestellt von Malzacher und Höfer) konzentriert. Da nicht die Diebstähle im eigentlichen Mittelpunkt stehen, sondern die Flucht des unerkannten Diebes Hauke vor den Behörden, entwickelt sich „Der Strandkorbdieb“ im Folgenden eher in Richtung eines kleinformatigen Dramas, was in der Schlussszene einen Höhepunkt erreicht. Herr und Frau Hauke haben sich nichts mehr zu sagen; ihr Verständnis von Leben und Aufrichtigkeit ist zu verschieden, um noch einmal zusammenzukommen ...

    #12: Licht im Wasser — Bei nächtlichen Kontrollfahrten entdeckt die Wasserschutzpolizei in einem Hamburger Fleet an einer bestimmten Stelle immer wieder Licht unter Wasser. Da ahnen die Beamten noch nicht, dass es sich um die Beleuchtung für einen geschickt geplanten Diebeszug handelt. Zwei Taucher und ihr Auftraggeber wollen das Lager eines Hehlers ausnehmen, der gestohlene Diamanten in seinem Safe aufbewahrt ... | In den Fleet-Szenen bemerkt man, wie stark sich Hamburgs Innenstadtgesicht in den letzten fünfzig Jahren verändert hat. Auch der Rest der Handlung weckt nostalgische Erinnerungen, denn der Plot ist dem ein reichliches Jahr zuvor gedrehten „Gasthaus an der Themse“ (heiße Juwelen und Safeknacker im Froschmann-Taucheranzug) nicht unähnlich. Angereichert wird das interessante Thema leider mit zu viel volkstümlichem Vorabendhumor, der von Bruno Vahl-Berg und Else Reval als skurrilem älterem Ehepaar geschultert wird, das teilweise hinter dem Diebeszug, teilweise auf Seiten der Polizei steht. Die schlussendliche Überführung überzeugt dann wieder; man hätte sich nur zwischenzeitlich eine stärkere Konzentration aufs Wesentliche gewünscht.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Die Gruft mit dem Rätselschloss

    Kriminalfilm, BRD 1964. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Robert A. Stemmle, Franz Josef Gottlieb (Romanvorlage „Angel Esquire“, 1908: Edgar Wallace). Mit: Harald Leipnitz (Jimmy Flynn), Judith Dornys (Kathleen Kent), Rudolf Forster (Mr. Real), Ernst Fritz Fürbringer (Connor), Werner Peters (Spedding), Harry Meyen (Inspektor Angel), Siegfried Schürenberg (Sir John), Eddi Arent (Ferry Westlake), Vera Tschechowa (Feder-Lissy), Ilse Steppat (Margaret), Klaus Kinski (George), Harry Wüstenhagen (Goyle), Kurd Pieritz (Cyril), Kurt Waitzmann (Mr. Simpson), Arthur Binder (Bat Sand) u.a. Uraufführung: 30. April 1964. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Die Gruft mit dem Rätselschloss
    Den Glücksspielbetrüger Real, dessen Bande an gezinkten Roulettetischen ein unermessliches Vermögen anhäufte und dabei ganze Existenzen vernichtete, packt im Alter die Reue. Eines seiner Opfer beging Selbstmord; nun soll dessen Tochter Kathleen Kent das ergaunerte Geld erben, das in einer mit mehreren Todesfallen gesicherten Gruft weggesperrt ist. Gegen diesen Vorstoß erheben Reals alte Weggefährten Widerspruch: Sie wollen die Beute für sich selbst beanspruchen – allen voran der gewiefte Connor. Er lässt Kathleen entführen, um ihr eine Beteiligung abzupressen. Doch Connor hat die Rechnung ohne den gut informierten Mittelsmann Jimmy Flint und ohne einen Mörder mit Zielfernrohr gemacht, der die Rädelsführer des Komplotts nacheinander erschießt ...


    „Leben Sie gern? Dann machen Sie keine Dummheiten!“

    Ein englisches Sprichwort besagt, dass alte Sünden lange Schatten werfen. In diesem Sinne beziehen sich alle Verbrechen der unterschiedlichen Interessengruppen sowie der Kampf zwischen den ehemaligen Partnern und mittlerweile verfeindeten Banden auf Reals zurückliegende Betrugsmasche am Spieltisch. Ohne etwas von diesen Verwerfungen zu ahnen, schlittert Kathleen Kent in das geldgierige Wirrwarr hinein. Franz Josef Gottlieb und Robert Adolf Stemmle entwarfen auf Edgar Wallace’ Vorlage ein etwas ungelenkes Drehbuch, das sich ganz auf das Hin und Her der Gauner konzentriert und dabei andere zentrale Elemente – die titelgebende Gruft, das old dark house-Element, die semi-interessante Mordserie oder die auslösende Figur des alterswunderlichen Verbrechers mit möglichen Rückblenden zu seinen Taten – allzu stiefmütterlich behandelt. Aus diesen Gründen bleibt einiges Potenzial auf der Strecke und man muss feststellen, dass „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ nicht ganz an Gottliebs immerhin sehr atmosphärischen „schwarzen Abt“ anknüpfen kann, aber immer noch besser unterhält als sein „Fluch der gelben Schlange“.

    Für einen Wallace-Krimi des Jahres 1964 wirkt der Film, weil er schauspielerlastiger und weniger actionbetont aufgebaut ist, etwas altbacken und fühlt sich gegenüber vorhergehenden Produktionen mit geschmeidigerem Gesamteindruck wie ein gewisser Rückschritt oder zumindest etwas weniger aufwendig an. Zu diesem Eindruck trägt auch die Besetzung der Hauptrollen bei, die mit Harald Leipnitz und Judith Dornys ähnlich wie in „Das Rätsel der roten Orchidee“ zum ersten Mal seit Längerem wieder mit Namen aus der zweiten Reihe besetzt sind. Leipnitz durchbrach mit seinem Auftritt nicht nur die lange Vorherrschaft von Fuchsberger und Drache auf Position 1 in den Wallace-Film-Darstellerlistungen, sondern auch deren aufrichtige Vorbildlichkeit durch eine Antiheldenanlage, die ihn kantiger und undurchschaubarer wirken lässt. Eine solche Darstellung liegt Leipnitz recht nahe, sodass es sich hierbei um seinen überzeugendsten Wallace-Auftritt handelt. Dennoch kann er das Fehlen eines verlässlichen Hauptermittlers nicht kaschieren, sodass dem Film eine treibende Gegenkraft im Spiel der Gangster fehlt und man sich lange Zeit fragt, warum diese Kathleen Kent oder sogar dem schwächlichen Real nicht viel ärger zusetzen. In dessen Rolle trägt ein in vorgestrigen Schauspielkonventionen verhafteter Rudolf Forster all jenen Pathos bei, den man Lil Dagover als „seltsamer Gräfin“ so oft nachsagt. Szenen wie die seines Ablebens oder das brutale Verhör von Feder-Lissy erscheinen teilweise unfreiwillig komisch; in den meisten anderen Momenten legt er einen kuriosen Sing-Sang an den Tag.

    Zu dramatischen Höchstformen mit jeweils regelrecht tragischen Schicksalen laufen Werner Peters als Anwalt unterm Pantoffel seines Klienten sowie Ernst Fritz Fürbringer als Gangsterboss Connor auf. Hatte Fürbringer in seinen früheren Wallace-Auftritten als Yard-Chef mit akuter Profillosigkeit zu kämpfen, so zeigt er sich als verschlagener Entführer derart teuflisch, dass man das Funkeln seiner Augen durch die blickdichte Sonnenbrille hindurch zu erkennen meint. Connor findet ein Ende, das seiner Position im Film angemessen ist und bei dem Gottliebs Inszenierung und Angsts Kamera ein gesunder Sadismus nicht abzusprechen ist. Sir Archibalds Nachfolger auf dem Chefsessel der Polizei, Siegfried Schürenberg, sowie Eddi Arent als paragrafenreitende, egoistische Mischung aus Gouvernante und Beschützer für Kathleen Kent fahren ihre Parts dagegen mit typisch überkandideltem Gottlieb-Humor gegen die Wand, stehlen mit Kalauern wertvolle Filmminuten und verhunzen unheimliche Elemente wie das Auffinden von Feder-Lissys Leiche in der Gruft mit dem Rätselschloss. Auch gegen der mittlerweile zum pflichtschuldigen No-Brainer verkommene Gastauftritt von Klaus Kinski muss Beschwerde eingereicht werden – so oder so ähnlich hat man ihn mittlerweile schon ein paar mal zu häufig gesehen, als dass er mit seinen stummen Drohgebärden noch jemanden hinterm Ofen hervorlocken würde.

    Als kreativer Einfall bleibt der Bogen in Erinnerung, den der Regisseur zwischen Anfang und Ende spannt, indem er die „Gruft“ mit einer Film-im-Film-Szene mit Schießerei aufblenden und dann schließlich mit einer Schießerei in der Mühle ausklingen lässt. Beide haben jeweils den Kugeltod des Verbrechers und die Rettung der bedrohten Schönheit zur Folge. Auch für einige selbstreferentielle Gags zur Kinolandschaft anno 1964 sowie zu Edgar-Wallace-Krimis war man sich im Kontext des ersten Mordes im Kino nicht zu fein. Davon abgesehen merkte die Rialto-Film allerdings offenbar, dass sie sich mit Gottliebs Inszenierungen in eine handwerkliche Sackgasse begeben hatte, sodass der gebürtige Österreicher keinen weiteren Beitrag zur Reihe mehr leisten durfte und man der etwas zu stottern beginnenden Wallace-Maschinerie im Folgenden mit der Adaption des bekannten „Hexer“-Klassikers frische Antriebskräfte verlieh.

    In einem unspektakulären, etwas altmodischen Wallace-Krimi fallen Unebenheiten in Dramaturgie, Besetzung und Tempo eher ins Gewicht als in einem vollgepackten Blockbuster-Spektakel. Man kann es der „Gruft“ zugutehalten, sich auf leisere Töne zu besinnen, aber manche von ihnen sorgen – vor allem aufgrund der nicht immer starken Darstellerführung sowie vertaner Chancen im atmosphärischen Bereich – für Missklänge.

  • CCC Mabuse Blu-rays kommen 2020Datum11.03.2019 20:44
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich bin selbst nicht bei FB.

  • CCC Mabuse Blu-rays kommen 2020Datum11.03.2019 17:11
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    In "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" wird Nick Prado im Keller des Metropol-Theaters von Max mit einem Rasiermesser malträtiert. Hier gibt es mindestens eine Einstellung, die auf der deutschen DVD fehlt, die aber auf der US-Billig-DVD enthalten ist. Siehe hier (erstes Bild zu "The Invisible Dr. Mabuse") oder hier als Hotlink direkt zum Bild.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es stand leider zu befürchten. Echt schade, dass diese Gelegenheit nicht genutzt wurde, um den Film zeitgemäß zu restaurieren.

  • CCC Mabuse Blu-rays kommen 2020Datum10.03.2019 22:48
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Interessant wäre die Frage, ob die gekürzte Szene aus "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" auf den Blurays in voller Länge enthalten sein wird.

  • Grand PrixDatum10.03.2019 22:38
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #828
    Und noch gespannter bin ich heute auf die drei verbliebenen Songs. Wobei meine größten Erwartungen da bei Armenien liegen.

    Meine nicht. Und damit habe ich Recht behalten. Armenien hat den schlechtesten Song des heutigen Trios. Mit Ausnahme des Rundum-sorglos-Pakets Iveta Mukuchyan war Armenien jedes einzelne Jahr seit einschließlich 2011 extrem schwachbrüstig. Die goldenen Zeiten von "Qele qele", "Jan jan" und "Apricot Stone" sind halt endgültig vorbei.

    Ich räume das Feld also einmal von hinten auf und widme mich erstmal nur den heute bekanntgegebenen Titeln: Armenien schickt mit Srbuks "Walking out" Frauenpower-Song Nummer 8354, der eher aggressiv als einladend wirkt. Dazu wurde die unangenehme Attitüde und Optik von Kaukasus-Horror Nina Sublatti übernommen und mit einer ähnlich nervigen Hookline unterlegt. Geht gar nicht!

    Israels Heimspiel-Beitrag heißt naheliegenderweise "Home" und wird von Kobi Marimi gesungen. Sehr klassische, dramatische Ballade, mit der sich der Gastgeber nicht blamieren wird - egal, ob damit Punkte gesammelt werden können oder (eher) nicht. Um vom etwas abgedroschenen Text abzulenken, hätte ein (gern möglichst hoher) Hebräisch-Anteil geholfen. Okay.

    Malta schlägt wie mehrere andere Länder auch in die "Fuego"-Kerbe und vermischt es mit bunter, unbeschwerter Teenie-Note. Plastik-Pop mit geringem Haltbarkeitsdatum, aber cool genug für den einmaligen Auftritt. Mittelfeld.

    Top-10-Ware ist da heute eigentlich nicht mehr dabeigewesen. Zu den insgesamt gelungeneren Acts, die zwischenzeitlich bekanntgegeben wurden, schreibe ich später noch etwas.

  • Grand PrixDatum10.03.2019 09:43
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es fehlen nur noch drei Lieder fürs diesjährige Line-up und dank der letzten Vorentscheide und vieler hochwertiger interner Nominierungen hat sich das Teilnehmerfeld doch noch nach Kräften verbessert. Hier nur ganz kurz meine aktuelle Top-10:

    12 Pkt.: Tamta - Replay
    10 Pkt.: Mahmood - Soldi
    08 Pkt.: Chingiz - Truth
    07 Pkt.: Luca Hänni - She Got Me
    06 Pkt.: Hatari - Hatrið mun sigra
    05 Pkt.: Duncan Laurence - Arcade
    04 Pkt.: John Lundvik - Too Late for Love
    03 Pkt.: Sergey Lazarev - Scream
    02 Pkt.: Serhat - Say Na Na Na
    01 Pkt.: KEiiNO - Spirit in the Sky

  • Thema von Gubanov im Forum Edgar-Wallace-Forum



    Edgar Wallace: Die Gruft mit dem Rätselschloss

    Mit „Der Safe mit dem Rätselschloss“ verfilmte die Rialto 1964 einen der ältesten Edgar-Wallace-Romane und ließ dieser Umsetzung in einer Inszenierung von Franz Josef Gottlieb auch einen entsprechend altmodischen Charme angedeihen. Erneut stehen Gangster im Mittelpunkt – vielleicht ein Grund, warum der in eine effektvollere „Gruft“ umbenannte Film bei manchem Wallace-Fan unbeliebt ist.

    Für wen fiebert ihr im Streit um ein ergaunertes Vermögen mit und habt ihr das doppelte Spiel des Hauptdarstellers bei eurer ersten Sichtung enttarnt? Könnt ihr dem Film auch positive Aspekte abgewinnen? Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen – umso mehr, als sie die erste Hälfte der Wallace-der-Woche-Aktion beschließen werden.

    Links:

    Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 31 von 36 (62,44 %)

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