Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Board hat 1.361 Mitglieder
164.645 Beiträge & 6.057 Themen
Beiträge der letzten Tage
Foren Suche
Suchoptionen
  • Krieg, Kameradschaft, KatastrophenDatumGestern 15:55
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die große Liebe

    Romanze, D 1941/42. Regie: Rolf Hansen. Drehbuch: Peter Groll, Rolf Hansen (Idee: Alexander Lernet-Holenia). Mit: Zarah Leander (Hanna Holberg), Viktor Staal (Oberleutnant Paul Wendlandt), Paul Hörbiger (Alexander Rudnitzky), Grethe Weiser (Käthe), Hans Schwarz jr. (Alfred Vanloo), Wolfgang Preiss (Oberleutnant von Etzdorf), Leopold von Ledebur (Herr Westphal), Julia Serda (Frau Westphal), Victor Janson (Theaterdirektor Mocelli), Agnes Windeck (Hannas Mutter) u.a. Uraufführung: 12. Juni 1942. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst für die Deutsche Filmvertriebs-GmbH Berlin.

    Zitat von Die große Liebe
    Auf kurzem Heimaturlaub in Berlin lernt Fliegerleutnant Paul Wendlandt die Sängerin Hanna Holberg kennen und trotz der widrigen Umstände der von Luftschutzalarm unterbrochenen Nacht lieben. Weil Paul Hanna nicht beunruhigen möchte, gibt er seinen Beruf zunächst nicht preis. Obwohl Hanna enttäuscht von Pauls plötzlichem Verschwinden ist, muss sie doch ihre Liebe zu dem Mann eingestehen, den sie kaum kennt und der ihr noch so manche bange Stunde bereiten wird ...


    Die Unmöglichkeit einer erfüllten Liebe im Krieg verdeutlicht Rolf Hansens Melodram, das aus unverständlichen Gründen auch dem heutigen Publikum noch bevormundend als Propagandafilm mit FSK-18-Freigabe und mit vorbereitender Einleitung für Zartbesaitete präsentiert wird. Gleichwohl dürfte die Anzahl der Zuschauer, die persönliches Glück nach der Sichtung der Leander’schen Passion bereitwillig hinter die Verpflichtungen eines staatlich aufoktroyierten Angriffskriegs zurückstellen, schon immer recht gering und die Funktion des Films hauptsächlich eine mit Herzschmerz und Hoffnung aufmunternde gewesen sein. Seine ungewöhnliche Natur macht sich allein schon in den authentischen Alltagsschilderungen bemerkbar, die die sonstige Kaschierung des Kriegsgeschehens im deutschen Unterhaltungsfilm vermissen lässt. Die stattdessen auf Goebbels’ Wunsch angestrebte Verquickung des Liebesdramas mit tagesaktuellen Geschehnissen wirkt zunächst ungewöhnlich – bis man sich vor Augen führt, dass sie die Realität des Kriegsalltags deutlich besser vor Augen führt als das Gros der verharmlosenden Ablenkungsfilme, denen der Vorwurf der Geschichtsverzerrung viel eher gemacht werden müsste.

    So benutzt Viktor Staals strahlender Luftwaffenmilitär die Gelegenheit, einige Stunden mit Zarah Leanders Operettensängerin im Luftschutzkeller eingesperrt zu sein, ganz pragmatisch als Flirtgelegenheit – diese Nacht, unter normalen Umständen der Inbegriff des zitternden Ausharrens und der mit ungeliebten Nachbarn geteilten Klaustrophobie, wird auf absehbare Zeit die schönste und unbeschwerteste des frisch gebackenen Paars bleiben. Schon aufgrund seiner Genrezugehörigkeit hauptsächlich an ein weibliches Publikum gerichtet, predigt „Die große Liebe“ folglich die Genügsamkeit und das Zurückstehen des Eigeninteresses hinter dem staatlichen – eine Herausforderung, der der Mann sich bereits vollends verschrieben hat, während die Frau noch Schwierigkeiten darin erkennt, ihre Gefühle zugunsten einer wichtigeren, „höheren“ Sache hintanstehen zu lassen.



    Die kriegsbedingt erzwungene Sprunghaftigkeit der Beziehung wird zur Marter für die so herrlich kamerawirksam leidende Leander, lässt aber auch die Frage aufkeimen, ob das, was dem Zuschauer als „große Liebe“ verkauft werden soll, tatsächlich mehr als ein flüchtiges Abenteuer ist, dessen Bedeutung die beiden Partner nur aufgrund der widrigen Umstände überbewerten. In der Retrospektive erinnert der Film an die zahlreichen überhastet vor dem Fronteinsatz der Soldaten geschlossenen Kriegsehen, die oft – wenn der Mann überhaupt zurückkehrte – nicht mit besonderer Erfüllung verbunden waren, sondern als spezielle Form des Zweckbündnisses die Funktion hatten, das Durchhaltevermögen der Frauen vor Ort und der Männer im Einsatz zu steigern sowie bei den kurzen Intermezzi auf Heimaturlaub für Nachwuchs zu sorgen. Auch in „Die große Liebe“ gibt es in dieser Hinsicht schon am Ende des ersten Tages eine sehr eindeutige Szenenfolge, die eine gemeinsame Nacht mit allen Konsequenzen impliziert.

    Wie schnell sich der geschichtliche Kontext der Liebe zwischen Hanna und Paul änderte, macht der Schluss des Films deutlich. Während überzeugte Nazis zum Drehzeitpunkt von einem Sieg fest ausgingen und die öffentliche Meinung in die entsprechende Richtung gelenkt hatten, stellte sich die Ostfront bald als Todesfalle für die Mehrzahl der dort eingesetzten Soldaten heraus. Die zusätzliche historische Kenntnis späterer Generationen fehlt den Protagonisten des Films, die – wenn es sich um einen echten Propagandafilm handeln soll – ebenfalls stark von einem fürs Dritte Reich positiven Ausgang des Kriegsgeschehens und damit auch einem Happy End füreinander ausgegangen sein müssen. Liedtexte wie „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ bezeugen diesen Zweckoptimismus, erscheinen aber vor dem Hintergrund der Tatsache, dass ihr Autor Bruno Balz sie wegen seiner Homosexualität in Gestapo-Haft schrieb, in einem zusätzlich ambivalenten Licht.

    Wo der Staat totalitär und der Krieg allgegenwärtig ist, bleibt für so etwas Privates wie die Liebe nicht der gebührende Raum. Zarah Leander, Viktor Staal und Rolf Hansen erfüllen diese Binsenweisheit mit Leben und Lebenssehnsucht und einer Zeit des ritualisierten Totenkults. Authentischere, wenn auch noch immer stilisierte Kriegsrealitäten bilden einen für eine Romanze ungewöhnlichen, für die unruhige Zeit zwischen 1939 und 1945 aber durchaus realistischen Hintergrund. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Eine freudige Überraschung, der alte Guillotinenliebhaber! Der Roman ist dem Film recht ähnlich, der hier im Forum ja nicht besonders gut wegkommt. Ich finde beide toll und bin gespannt, wie @Mr. Wooler den Stoff aufarbeitet. "Der grüne Bogenschütze" steht bei mir auch noch aus; "Das geheimnisvolle Haus" und "Feuer im Schloss" habe ich schon mehrfach mit Freude gehört, wenn auch noch nicht rezensiert.

  • Eure DVDsDatum24.03.2017 21:52
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auch meinerseits sind ein paar unwesentliche Ergänzungen zu verzeichnen ...



    1434: Der Flüchtling aus Chicago (Krimi-Klassiker)
    (D 1933/34, mit Gustav Fröhlich, Lil Dagover, Otto Wernicke u.a.; Icestorm / Filmjuwelen)
    1435: Hauptsache glücklich! (UFA-Klassiker-Edition)
    (D 1940/41, mit Heinz Rühmann, Hertha Feiler, Ida Wüst u.a.; Universum-Film)
    1436: Zwei in einer großen Stadt (Deutsche Filmklassiker)
    (D 1941/42, mit Monika Burg, Karl John, Marianne Simson u.a.; Black Hill Pictures / Koch Media)



    1437: Kein Auskommen mit dem Einkommen
    (BRD 1957, mit Günther Lüders, Heinz Drache, Hans Nielsen u.a.; Icestorm / Filmjuwelen)
    1438: Herz ohne Gnade (Krimi-Klassiker)
    (BRD 1958, mit Hansjörg Felmy, Barbara Rütting, Hans Nielsen u.a.; Icestorm / Filmjuwelen)



    1439: The Cat o'Nine Tails (Il gatto a nove code) (ArrowDrome)
    (IT / BRD 1970/71, mit James Franciscus, Karl Malden, Catherine Spaak u.a.; Arrow Films [UK-Import])
    1440: A Bay of Blood (Reazione a catena) (ArrowDrome)
    (IT 1971, mit Claudine Auger, Luigi Pistilli, Claudio Camaso u.a.; Arrow Films [UK-Import])
    1441: Delirium / Das unheimliche Auge (Le foto di Gioia)
    (IT 1987, mit Serena Grandi, Daria Nicolodi, Vanni Corbellini u.a.; Centurio Entertainment)

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum24.03.2017 21:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der grüne Kaiser

    Kriminaldrama, D 1938/39. Regie: Paul Mundorf. Drehbuch: Géza von Cziffra, Frank Thieß (Romanvorlage: Hans Medin). Mit: Gustav Diessl (Henry Miller / Hendrik Mylius), René Deltgen (Jan Karsten), Carola Höhn (Joana Martinez), Ellen Bang (Eve Latour), Hilde Hildebrand (Nora), Paul Westermeier (Hoyens), Alexander Engel (Sekretär Favard), Albert Hörrmann (Marcel Carraux), Hans Leibelt (Bankier Picard), Aribert Wäscher (Bankier Vandermer) u.a. Uraufführung: 13. Februar 1939. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst GmbH.

    Zitat von Der grüne Kaiser
    Henry Miller ist gewöhnt, zu bekommen, was er begehrt. Als er bemerkt, dass die hübsche Joana Martinez, auf die er ein Auge geworfen hat, bereits verlobt ist, heckt er einen intriganten Plan aus, um ihren Freund Jan Karsten aus dem Weg zu räumen. Er lässt ihm eine Empfehlung zukommen, die ihn angeblich beruflich weiterbringen soll; doch die neue Anstellung beim geheimnisumwitterten Millionär Hendrik Mylius, den die Klatschpresse den „grünen Kaiser“ nennt, wird sich für Jan als schreckliche Falle entpuppen. Weder er noch Joana ahnen, dass Miller und Mylius ein und dieselbe Person sind ...


    Viele Elemente, die Deltgens großen Krimierfolg „Dr. Crippen an Bord“ auszeichnen, finden sich auch schon in dem dreieinhalb Jahre zuvor realisierten „grünen Kaiser“, der in typischer Boulevardmanier hindernisreiches Liebesdrama und aufsehenerregenden Gerichtskrimi miteinander kombiniert. Da das sich nach einem Roman abwickelnde Spiel mit falschen Morden und Identitäten recht kompliziert gestrickt ist, erfordert es eine lange Vorbereitungs- und Einführungszeit, um den Zuschauer mit allen Charakteren vertraut zu machen und die treibende Dreiecksgeschichte zwischen Höhn, Diessl und Deltgen zu etablieren. Regisseur Paul Mundorf, der sonst nur für das Theater inszenierte, gelang es nicht, diese erste halbe Stunde frei von unnötigem Kitsch zu halten, der die Handlung – etwa in Form eines südamerikanischen Volksmusikabends – unnötig aufhält.

    Dennoch überzeugt der darauffolgende Kriminalfall, der die übereifrig agierende Höhn ein wenig aus dem Blickfeld geraten lässt und stärkeren Fokus auf die Zwistigkeit zwischen Diessl und Deltgen sowie auf die Bankgeschäfte des undurchsichtigen „grünen Kaisers“ legt. Hierbei fällt auf, wie wichtig der Ufa die Wiederholung einzelner Besetzungsmuster war, um ihren Produktionen Wiedererkennungswert zu verleihen und den Identifikationswert mit den Akteuren zu erhöhen:

    Zitat von Michael Wenk. Ein Kerl zum Pferdestehlen: Der Schauspieler René Deltgen in Film & Fernsehen. In: René Deltgen: Eine Schauspielerkarriere. Luxemburg: CNA, 2002. S. 76
    Die Gegenüberstellung der darstellerischen Leistungen Gustav Diessls und René Deltgens ist insofern interessant, als sich beide Schauspieler 1937-39 insgesamt dreimal als Filmrivalen gegenüberstehen. Während Diessl in Starke Herzen einen couragierten Rittmeister und Kontrarevolutionär spielt, dem sich Deltgen als kommunistischer Aufständischer im Ungarn des Jahres 1919 anschließt, ist das spätere Kräfteverhältnis zwischen beiden Darstellern genau umgekehrt. Sowohl in Kautschuk als auch in Der grüne Kaiser ist es der vitale, lebendige Deltgen, der über seinen kühl, abgefeimt und zynisch agierenden Filmpartner Diessl triumphiert.


    Dafür dass „Der grüne Kaiser“ im Ausland angesiedelt ist und vor Gericht die Grundfesten des Strafrechts debattiert werden (kann und darf man jemanden eines Verbrechens zweimal verurteilen bzw. ist eine verfrühte, fälschliche Verurteilung ein Freibrief dafür, das zur Last gelegte Verbrechen nach der Verbüßung dann tatsächlich auszuüben?), erweist sich die Produktion als erstaunlich unpolitisch und auch verhältnismäßig wenig um exotische Schauwerte bemüht. Man kann insofern von einem mit zunehmender Laufzeit immer traditionelleren Kriminalfilm sprechen, dessen starke (Anti-)Sympathisanten seine Rastlosigkeit, Zeit- und Schauplatzwechsel verzeihen lassen. Die Frage nach der Rücksichtnahme der Gerichte ersetzt die Whodunit-Spannung, die bei Diessls offenkundiger Schurkenhaftigkeit nicht aufkommt, mehr als adäquat.

    In kleineren Rollen sind typische Gesichter jener Zeit zu sehen, die stellenweise einen komischen Anstrich verpasst bekommen haben (Hilde Hildebrand als blasierte Dame der Gesellschaft, Aribert Wäscher als um seine Anlagen besorgter Bankier), stellenweise mit ernstem Pathos auftreten (Siegfried Schürenberg als Strafverteidiger).

    Interessante Variation des Verbrechens aus Liebe, bei dem der Abenteurer Deltgen zum Opfer des Intriganten Diessl wird. Stellenweise wirkt die Handlung übermäßig verschachtelt, der Anfang hätte gestrafft werden können. Die ansprechende und bis in kleine Rollen hochwertige Besetzung verdient gute 3,5 von 5 Punkten.

    PS: Ein Kuriosum stellt das hier verlinkte Filmplakat dar, auf dem Handlung, Romanvorlage und Drehbuchautoren korrekt angegeben sind, dagegen aber von Viktor Staal in der Hauptrolle und Herbert Maisch als Regisseur die Rede ist. Handelte es sich hierbei womöglich um zunächst angedachte Personalien, die bei der Realisierung aus produktionsorganisatorischen Gründen ersetzt wurden?

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum24.03.2017 14:10
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Mangels Möglichkeiten, einige der reinrassigeren Kriminalfilme aus dieser Zeit zu Gesicht zu bekommen, habe ich bei meinen hiesigen Schilderungen auch Filme erwähnt, die über die Begriffsgrenzen des Krimis in einzelnen Aspekten hinausgehen. Wenn du dir die einzelnen Besprechungen genau anschaust, wirst du bemerken, dass ich versucht habe, dies mittels der Genre-Angaben kenntlich zu machen. Wenn du klassische Krimis sehen willst, liegst du mit allen Filmen, die ich in den Credits als "Kriminalfilm" bezeichnet habe, per se schonmal nicht schlecht. Auch hinter der Bezeichnung "Kriminaldrama" verbirgt sich in den meisten Fällen ein Kriminalfall im besten Sinne.

    Als besonders typisch und sehenswert, wenn man nicht zu sehr in Richtung Lustspiel oder Tragödie abgleiten möchte, würde ich z.B. "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", "Der Täter ist unter uns", "Der stumme Gast", "Jenny und der Herr im Frack", "Großalarm", "War es der im dritten Stock?", "Premiere", "Die unheimliche Wandlung des Alex Roscher", "Gewitterflug zu Claudia", "Ein seltsamer Gast" und "Morgen werde ich verhaftet" empfehlen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das ist auch eine legitime Haltung.

    Aber dieses Hochstilisieren von Blu-ray-Käufern zu Rettern des deutschen Filmerbes, wie es im Blu-ray-Thread und dank Daniels Posting jetzt auch hier wieder durchschimmert, finde ich dann doch eher anmaßend.

    Und es ist natürlich sehr bequem, sich in das Argument "Man muss es ja nicht lesen, wenn's nicht interessiert" zu flüchten. Die Zeiten, in denen ich jeden einzelnen Beitrag hier tatsächlich durchgelesen habe, sind seit Jahren vorbei. Dass ich aber, wie es hier in den letzten Wochen der Fall war, vorher schon weiß, dass mich durchschnittlich 4 von 5 Beiträgen nicht mehr interessieren - das gab es noch nie. Ich finde es interessant, zu sehen, dass es anderen auch so ging - es also nicht nur an mir lag.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich finde es auch schade, dass in den letzten Monaten das Pixelzählen immer mehr in Mode gekommen ist, während gleichzeitig bebilderte Filmbesprechungen, wie sie eigentlich zum Standard des Forums gehören, mit unnötig strikten Urheberrechtsauslegungen behindert werden. Durchaus eine Entwicklung, die mich ein wenig das Interesse verlieren bzw. nach einer Alternative umsehen lässt.

  • Grand PrixDatum04.03.2017 23:25
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #730
    Änderungen aufgrund der Sangesleistung am entscheidenden Abend behalte ich mir natürlich ebenfalls noch vor, aber woher weißt du das mit dem Englisch im Refrain? Ich bin erschüttert.

    http://wiwibloggs.com/2017/02/21/alma-im...ovision/176249/
    https://twitter.com/Eurovisn_Turkey/stat...467587627110405
    Zitat von Count Villain im Beitrag #730
    Estland hat "Verona" gewählt.

    Spitze. Estland schiebt sich mit Koit Toome & Laura und ihrem Verona auf meinen Ranking-Platz 2. Ein klassisches Duett, sehr eingängig und mal eine nette Abwechslung, was Liebeslied-Lyrics angeht.

  • Grand PrixDatum04.03.2017 17:08
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #728
    So, ich reiche zwar jetzt nicht die fehlenden Beiträge per Video nach - da müsste ich mir ohnehin erst einen Überblick verschaffen, welche das sind

    Nichts leichter als das - auch wenn es eher ein Trauerspiel ist, was in den letzten Wochen dazugekommen ist. Starker Jahrgang, wo bist du geblieben?

    Slowenien schickt Omar Naber, der das Land bereits 2005 in Kiew repräsentierte, mit der musicalartigen Ballade On My Way.

    Dänemark greift auch auf eine alte Bekannte zurück: Anja Nissen hatte bereits im letztjährigen dänischen Vorentscheid um das Ticket nach Stockholm gekämpft. Dieses Jahr hat sie es nun geschafft und singt Where I Am in Kiew. Seltsamerweise finde ich das Lied gar nicht mal so schlecht, obwohl man Anja deutlich anmerkt, dass sie eine Casting-Show-Gewinnerin aus Australien ist, die den Bogen des guten Geschmacks beim "Singen" (oder sollte ich sagen: beim Koloraturschreien) genauso schamlos überspannt wie letztes Jahr Dami Im. Demzufolge bevorzuge ich die Studiofassung von "Where I Am" um Längen.

    Moldau greift genauso in die Mottenkiste und packt Sunstroke Project wieder aus. 2010 in Oslo schon mit nervenzerrüttendem Saxofonschlager vertreten, ist der diesjährige Beitrag, Hey Mamma, sogar noch entbehrlicher.

    Die Ukraine überrascht als eines der ganz wenigen Länder in diesem Jahr. Statt konventioneller Ware (der Fanwank "I Love You" von Tayanna wurde Gott sei Dank nicht als Gastgeberbeitrag ausgewählt) beendet die Ukraine mit der Rockband O.Torvald die langjährige Divenschiene der Ukraine und schickt zum ersten Mal seit 2005 einen von einem Mann gesungenen Beitrag. Das rockige Time ist dann auch eines der Highlights des Jahres.

    Österreich wird nett-harmlos von Nathan Trent mit Running on Air repräsentiert. Das Interessanteste, was man über Trents maltaesken Beitrag sagen kann, ist dass er besser ist als der deutsche (gut, dass der ORF Nathan im letzten Moment aus der Unser-Song-Auswahl des NDR befreite).

    Lettland tut so, als sei es das zweite Ungarn, und schickt zum mittlerweile dritten Mal in Folge glattgebügelte Alternative-Kunst, diesmal von Triana Park unter dem Titel Line.

    Zypern glaubt derweil immer noch, es sei eine gute Idee, die Beiträge Jahr für Jahr aus G:sons Resterampe zu bestücken. Hovigs Gravity hört sich dementsprechend drittklassig an.

    Kroatien taugt mit Jacques Houdek und seinem englisch-italienischen Opern-Pop-Crossover My Friend wenigstens für beste Unterhaltung und einprägsame, hymnenhafte Melodie. Unter den bisher ausgewählten Beiträgen einer der besseren, der verkniffenen Contest-Modernisierern und MOR-Gleichmachern natürlich ein Dorn im Auge ist. Alles lässt sich genauso an wie bei Michal Szpak im letzten Jahr. Ich prognostiziere auch ein ähnlichen Ergebnis im Contest und würde mich freuen, wenn Jacques besser abschneidet als Nina.

    Die Niederlande mit O'G3NE und Lights and Shadows. In dem Song besingen die Autotune-Mädchen die Krankheit ihrer Mutter. Nett gemeint, aber unauffällig und langweilig für Außenstehende. Melodie praktisch nicht erkennbar, Kreativität und Mut gleich Null.

    Von Almas Requiem, das du, @Count Villain, so hoch hältst, habe ich mich immer mehr verabschiedet. Alma ist eine schlechte Live-Performerin und die Entscheidung, den Refrain auf Englisch zu übersetzen, wird dem Lied jeden noch verbliebenen Charme rauben.

    Meine aktuelle Rangliste:

    Platz 01: - Francesco Gabbani: Occidentali's karma (Karma der Abendländer)
    Platz 02: - O.Torvald: Time (Zeit)
    Platz 03: - Norma John: Blackbird (Amsel)
    Platz 04: - Naviband: Historyja majho žyccia (Geschichte meines Lebens)
    Platz 05: - Lucie Jones: Never Give up on You (Ich gebe dich niemals auf)
    Platz 06: - Jacques Houdek: My Friend (Mein Freund)
    Platz 07: - Timebelle: Apollo (Apollo)
    Platz 08: - Anja Nissen: Where I Am (Wo ich bin)
    Platz 09: - Nathan Trent: Running on Air (Auf Luft rennen)
    Platz 10: - Kasia Moś: Flashlight (Taschenlampe)

    Platz 11: - Omar Naber: On My Way (Auf meinem Weg)
    Platz 12: - Alma: Requiem (Requiem)
    Platz 13: - Joci Pápai: Origo (Herkunft?)
    Platz 14: - Triana Park: Line (Linie)
    Platz 15: - Manel Navarro: Do It for Your Lover (Tu es für deine Geliebte)
    Platz 16: - Lindita Halimi: Botë (Welt)
    Platz 17: - Levina: Perfect Life (Perfektes Leben)
    Platz 18: - Hovig: Gravity (Schwerkraft)
    Platz 19: - Claudia Faniello: Breathlessly (Atemlos)
    Platz 20: - O'G3NE: Lights and Shadows (Lichter und Schatten)

    Platz 21: - Tako Gachechiladze: Keep the Faith (Erhalte den Glauben)
    Platz 22: - Sunstroke Project: Hey Mamma (Hey, Mama)

    Heute Abend kann es nur besser werden, wenn Estland "Spirit Animal" oder "Verona" wählt.

    PS:
    Zitat von Count Villain im Beitrag #728
    Albanien habe dabei nicht berücksichtigt, weil die finale Version noch aussteht.

    Mit dieser Begründung müsstest du Frankreich gleich mit aus dem Ranking schmeißen. Auch da gibt es die finale Version noch nicht. Genauso hat Großbritannien nochmal überarbeitet und noch nichts veröffentlicht. Oder habe ich da etwas verpasst? Italiens Beitrag muss auch noch eingekürzt werden.

  • TV Termine im Februar 2017Datum25.02.2017 15:05
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von brutus im Beitrag #13
    Sonntag, den 26. Februar

    ARTE 20:15 Uhr: Rebecca USA 1940 mit Joan Fontaine, Laurence Olivier, George Sanders, Nigel Bruce, Judith Anderson u.a., Regie: Alfred Hitchcock

    unmittelbar gefolgt von der Dokumentation über die Autorin:

    ARTE 22:20 Uhr: Daphne du Maurier

    Hitchcocks bester! Schön, dass Arte ihm einen eigenen Themenabend einräumt.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke für die sehr interessante Info. Ich hatte die Daten aus dem Columbo-Buch von Block und Fuchs übernommen. Dein Update erklärt allerdings den Friedrichsen-Schwarzkopf-Wechsel zwischen den Pilotfolgen und der "Tödlichen Trennung".

  • Grand PrixDatum19.02.2017 19:48
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gestern Abend kam es zu weiteren Song-Entscheidungen in drei Ländern:

    Der Marathonvorentscheid in Ungarn machte den Roma Joci Pápai zum ESC-Repräsentanten. In Kiew singt er in Landessprache Origo und verbindet traditionelle ungarische Klänge mit Elektronik und Rap zu einem düsteren Gesamtbild, das entfernt an die Gebetsrufe eines Muezzin erinnert. Der Sänger personifiziert mit Bart und Dutt den Hipster-Trend – nicht zuletzt deshalb war er in Fankreisen zusammen mit einem anderen ungarischsprachigen Lied der gefühlten Dauerteilnehmerin Gabi Tóth, das die Jury dann aber vor dem Superfinale aussiebte, bereits von Anfang an favorisiert worden. Hier zeigt sich ein positiver Effekt des Jamala-Siegs, den 2016 noch niemand für möglich gehalten hätte: Songs in Landessprache sind wieder ganz groß in Mode. Von bisher 13 ausgewählten Liedern sind acht komplett oder teilweise in Landessprache und sieben davon werden das im Mai in Kiew vermutlich immer noch sein.


    Polen verfolgt einen anderen, eurovisionstypischeren Weg und gesellt sich zu Finnland in die Kategorie dramatische Show-Ballade auf Englisch. Flashlight heißt das Werk, das Kasia Moś zu einer monumentalen Streicherkulisse intoniert. Im Gegensatz zur Amsel der Suomi fehlt Kasia aber das letzte Quäntchen Überzeugungskraft, wobei man „Flashlight“ gut nebenbei hören kann und es sicher auch ein würdiger und sinnvoller Nachfolger für „Colour of Your Life“ ist.

    (4,0 Punkte) Kasia Moś - Flashlight
    (4,0 Punkte) Lanberry - Only Human
    (3,5 Punkte) Paulla - Chce tam z toba byc (= I want to be there with you)
    (3,5 Punkte) Agata Nizinska - Reason
    (3,5 Punkte) Isabell Otrebus - Voiceless
    (3,0 Punkte) Martin Fitch - Fight for Us
    (3,0 Punkte) Carmell - Faces
    (2,5 Punkte) Aneta Sablik - Ulalala
    (1,5 Punkte) Olaf Bressa - You Look Good
    (1,0 Punkte) Rafał Brzozowski - Sky over Europe

    Auf Malta zog sich die Entscheidung wieder eine ganze Weile hin, um dann unverhofft vom Himmel zu fallen. Es hätte vorher wohl niemand auf Claudia Faniello mit ihrer Baukastenballade Breathlessly getippt, die – wenn man sich das Lied anhört – wohl hauptsächlich deshalb gewann, um für ihre jahrelangen Vorentscheidsteilnahmen endlich belohnt zu werden. In Kiew könnte dem Inselstaat diesmal ein Aus im Semi drohen, denn ob Umtriebigkeit bei den Jurystimmen ausreichen wird, um „Breathlessly“ ins Finale zu heben, darf bezweifelt werden. Es hätte in diesem maltesischen Jahrgang mehr als eine Handvoll interessantere Alternativen gegeben – beide andere Treppchenplatzierungen, Kevin Borg mit „Follow“ und Janice Mangion mit dem maltesischen „Kewkba“, wären zu bevorzugen gewesen.


    Alle drei Entscheidungen gingen also wieder in mindestens einen der beiden 2017 vielstrapazierten Trends "Drama / Nachdenklichkeit / Düsternis" bzw. "Ballade". Umso besser für Italien, das momentan neben Weißrussland das einzige freundliche, treibende Uptempo im Angebot hat und damit zunehmend ein weiteres Alleinstellungsmerkmal gewinnt.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Diese Aussage würde ich nicht zurücknehmen, bevor nicht wenigstens die DVD zum Gegenprüfen vorliegt. Warum sollte man an den Angaben des Filmportals zweifeln, die glasklar ein 1,66:1-Format ausweisen?

  • Bewertet: "Dr.No" (1)Datum14.02.2017 23:22
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Vielleicht komme ich tatsächlich in den nächsten Wochen zu ein paar Bond-Rezensionen. In den nächsten 100 bis 500 ... - Grundsätzlich wäre ich ja nicht abgeneigt, aber es ist eben eine riesige Serie, die man da als Newbie vor sich hat - und bisher habe ich auch, ehrlich gesagt, immer andere Projekte gefunden, auf die ich mehr Lust hatte.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe deine Frage in den Episodenbesprechungs-Thread integriert.

    Laut IMDb stammen die verschiedenen Sequenzen, die in "The ABC Murders" im Kino zu sehen sind, aus Alfred Hitchcocks "Nummer siebzehn" und aus "Black Limelight". Während der erstgenannte mit Entstehungsjahr 1932 gut passt, wurde "Black Limelight" erst 1939 und damit eigentlich drei bis vier Jahre zu spät für die ABC-Handlung gedreht.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich sollte noch anmerken, dass ich die Jess-Franco-und-Klaus-Kinski-Version dieses Stoffes nicht unbedingt besser, aber doch erträglicher anzuschauen fand.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie enttäuscht ich nach dem Kauf der Hansjörg-Martin-Box, der wegen "Einer fehlt beim Kurkonzert" mit hohen Erwartungen verbunden war, von "Gefährliche Neugier" war. Obwohl die Besetzung viel versprechen ließ, stellte sich die Angelegenheit doch als überaus zäh heraus - kein Vergleich zur beschwingten, locker-ironischen Roland-Machart. Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich die Box durchgeschaut hatte, aber "Einer fehlt" war wirklich der große Anfangserfolg, an den keine der Fortsetzungen mehr so recht anknüpfen konnte.

  • The Night Child (1975)Datum13.02.2017 13:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Unübersichtlich. Sorry, dass ich da jetzt ein bisschen schelmisch grinse, aber im Giallo-Bereich sind englische Titel schlichtweg die jeweils bekanntesten, wenn die Filme nicht ins Deutsche synchronisiert wurden. Schau dir z.B. 'mal an, wie andere Giallo-Foren ihre Themen benennen und damit den Fansprech prägen, wie OFDb die Titel listet oder wie viele Treffer Google jeweils für die Kombo der englischen bzw. italienischen Titel mit dem entsprechenden Produktionsjahr auswirft. Da würden wir hier höchstens mit italienischen Threadtiteln aus der Reihe tanzen. Deshalb helfe ich der Übersichtlichkeit momentan ein bisschen nach und benenne sukzessive die italienischen Threads in ihre jeweils bekanntesten AT um. Die Themen findet man über die Suche trotzdem, wenn man auf die italienischen Titel besteht, denn alle rücksichtsvollen Kommentatoren verwenden natürlich sowohl den gängigen Filmtitel als auch den OT in ihren Rezensionen.

    Nett übrigens, dass du mir nebenher unterstellst, ich hätte den Film nicht in OmU gesehen und könnte mit Italienisch sowieso nichts anfangen.

    Aber vielleicht hast du ja auch etwas direkt zum Film zu sagen? Nachdem er Georg so gut gefallen hat, vermute ich, dass er auch deinen Geschmack traf.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Bryan Edgar Wallace: Das Ungeheuer von London-City


    Kriminalfilm, BRD 1964. Regie: Edwin Zbonek. Drehbuch: Robert A. Stemmle (frei nach Bryan Edgar Wallace). Mit: Hansjörg Felmy (Richard Sand), Marianne Koch (Ann Morlay), Fritz Tillmann (Sir George), Hans Nielsen (Inspektor Dorne), Dietmar Schönherr (Dr. Morel Greely), Walter Pfeil (Horrlick), Kurd Pieritz (Maylor), Peer Schmidt (Teddy Flynn), Chariklia Baxevanos (Betty Ball), Gudrun Schmidt (Evelyn Nichols) u.a. Uraufführung: 2. Juli 1964. Eine Produktion der CCC-Filmkunst Berlin im Gloria-Filmverleih München.

    Zitat von Das Ungeheuer von London-City
    Es scheint, als würde sich die Geschichte wiederholen: Inspektor Dorne ist einem Mörder auf der Spur, der leichte Mädchen mit einem Rasiermesser aufschlitzt – ganz im Stil des berühmten Londoner Serienkillers Jack the Ripper. Ausgerechnet zum Zeitpunkt der ersten Taten führt ein zweifelhaftes Theater ein Stück auf, das an den Ripper erinnert. Der Hauptdarsteller Richard Sand gerät unter Verdacht, doch vielleicht ist das bei Nacht durch London-City schleichende Ungeheuer auch an ganz anderer Stelle zu finden ...


    Eine Mordserie im Londoner Rotlichtviertel. Wann könnte ein Bryan-Edgar-Wallace-Film zum letzten Mal so eine innovative Story gehabt haben? Ach richtig, der letzte basierte ja auf der gleichen Grundidee. Und wo man gerade dabei war, Anleihen zu nehmen, meinte man wohl, es würde auch nicht schaden, schon in der Prätitelsequenz eine Einstellung aus dem „Phantom von Soho“ wiederzuverwenden, weil es am Ende sowieso niemand merken würde. Was der Wikipedia-Artikel galant mit der Aussage umschreibt, dass der Film „sowohl künstlerisch als auch geschäftlich [...] nicht an den Erfolg früherer Filme der Reihe anschließen“ konnte (Quelle), könnte weniger blumig auch einfach Unkreativität oder Faulheit genannt werden. Noch vor der Edgar-Wallace-Reihe der Rialto ging Artur Brauner bei BEW also den Weg des geringen Widerstands, die Ideen einzelner ikonische Krimiklassiker leicht abzuwandeln und sie fast unverhüllt zu recyceln. Wurde 1967 ein berühmter Hund von Baskerville auf die Pfaueninsel umgesiedelt, so hielt 1964 eben schon Jack the Ripper in den Spandauer Gassen Einzug.

    Eine solche Hommage hätte durchaus Überzeugungspotenzial gehabt, wenn sie handwerklich gut gemacht und gebührender Respekt gegenüber dem Original zu erkennen gewesen wäre. Beide Aspekte lässt „Das Ungeheuer von London-City“ vermissen, das in seinem Stil fast ununterscheidbar von „Das Phantom von Soho“ ausfällt und damit weder dessen Mankos in Bezug auf Längen im Film, eintönige Drehorte oder unglaubwürdige Nebendarsteller beseitigt. Edwin Zbonek, der schon dem „Henker“ mehr schadete als nützte, stellt im „Ungeheuer“ nun sein inszenatorisches Unvermögen vollends zur Schau, indem er eigentlich atmosphärische Nachtszenen bis zur Unendlichkeit auswälzt und Dialogszenen in lapidarster Weise „herunterfilmt“. Selbst eigentlich atemberaubende Schlüsselszenen wie das Finale mit dem Kind, das den Mord beobachtet, versanden im Nichts, wenn Zbonek auf dem Regiestuhl sitzt. Das Ergebnis ist ein Film, dessen größte Schockwirkung in seiner dräuenden Langeweile besteht. Dies setzt sich bis zum Finale fort, in dem der Schurke nach dem gleichen Muster identifiziert wird, dessen sich bereits „Der Würger von Schloss Blackmoor“ und „Der Henker von London“ bedienten. Die magische Formel beim Mitraten in BEW-Krimis scheint darin zu bestehen, auf Liebesdreiecke zu achten: Der entbehrenswertere der beiden Buhler um die junge Dame entpuppt sich mit fast schon zwangsläufiger Sicherheit als Täter.

    Viel mehr als einige halbgare Referenzen zum Fall Jack the Ripper finden sich im Film nicht – freilich wäre eine realere Umsetzung allein schon an den Zensurbedingungen zum Produktionszeitpunkt gescheitert. Robert A. Stemmle verfiel als Ausgleich auf die Idee, den Ripper-Kult in einem Theaterstück zu spiegeln, dessen Funktion, einen Verdächtigen nach dem anderen zu präsentieren, allerdings reichlich bemüht wirkt. Auch wird der Film erneut von überbordendem Humor belastet, der diesmal in Gestalt von Peer Schmidt und – besonders unerträglich lispelnd – Chariklia Baxevanos dargeboten wird. Das Theater bietet den Ulknudeln äußerst viel „Spiel“-Raum für ihren Holzhammer-Slapstick, dem nur halbherzig mit dem Liebesdrama zwischen Hansjörg Felmy und Marianne Koch entgegengesteuert wird. Koch ist in ihrer Rolle chronisch unterfordert und darf nur vereinzelt an Scream-Queen-Traditionen anknüpfen, ohne im Gegenzug auch nur den geringsten Funken charakterlicher Dreidimensionalität zugestanden zu bekommen.

    Dass der Film von einem weiteren der typischen Martin-Böttcher-Dudelscores zusammengehalten wird, gibt dem antriebslosen Streifen, der allerbeste Chancen auf meine rote BEW-Laterne hat, den letzten Rest.

    Die Jagd auf die Ripper-Inkarnation erweist sich für den Zuschauer als Herausforderung. Nicht als geistige oder als spannungsgeladene, sondern als Geduldsprobe, während man immer unruhiger auf die Uhr schielt. Erbärmlich schwache Figuren in einem 08/15-Schauerkrimi ohne Schauereffekte – das resultiert in düpierenden 1,5 von 5 Punkten. Der Gloria-Filmverleih, der bis dato fast alle BEW-Filme in die Kinos gebracht hatte, wollte nach „Das Ungeheuer von London-City“ dann auch nichts mehr von der Reihe wissen ...

  • Grand PrixDatum12.02.2017 17:33
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Alles abgehakt? Dann ist es nach genau zehn ausgewählten Liedern für Kiew nunmehr höchste Zeit für einen ersten Zwischenstand. Mein Favorit kommt jetzt wahrscheinlich nicht sooo überraschend ...

    12 Pkt.: - Francesco Gabbani: Occidentali's karma (Karma der Abendländer)
    10 Pkt.: - Norma John: Blackbird (Amsel)
    08 Pkt.: - Alma: Requiem (Requiem)
    07 Pkt.: - Lucie Jones: Never Give up on You (Ich gebe dich niemals auf)
    06 Pkt.: - Naviband: Historyja majho žyccia (Geschichte meines Lebens)
    05 Pkt.: - Timebelle: Apollo (Apollo)
    04 Pkt.: - Manel Navarro: Do It for Your Lover (Tu es für deine Geliebte)
    03 Pkt.: - Lindita Halimi: Botë (Welt)
    02 Pkt.: - Levina: Perfect Life (Perfektes Leben)
    01 Pkt.: - Tako Gachechiladze: Keep the Faith (Erhalte den Glauben)

Inhalte des Mitglieds Gubanov
Beiträge: 14376
Ort: Potsdam / Görlitz
Geschlecht: männlich
Seite 1 von 50 « Seite 1 2 3 4 5 6 50 Seite »
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen