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  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum10.05.2018 17:40
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Kennwort Machin

    Kriminalfilm, D 1939. Regie: Erich Waschneck. Drehbuch: Werner P. Zibaso, C.V. Rock (Romanvorlage „Herr Borb besitzt unser Vertrauen“: C.V. Rock). Mit: Paul Dahlke (Jürgen Borb / Herman / Machin), Viktoria von Ballasko (Marie-Henriette „Mette“ Borb), Albert Hehn (Kriminalkommissar Hans Forst), Hilde Weissner (Norah Hackett), Harald Paulsen (Ramon Tomasa), Will Dohm (Direktor Gnerlich), Ernst Dumcke (Direktor Traut), Ellen Bang (Lieschen), Hans Meyer-Hanno (Humbold), Klaus Pohl (Schreibstengel) u.a. Uraufführung: 30. Oktober 1939. Eine Produktion Ufa-Filmkunst GmbH und der Fanal-Filmproduktion GmbH.

    Zitat von Kennwort Machin
    Von seinen Kollegen bei der Dadag-Versicherung wird der ruppig-menschenscheue und stets hochkorrekte Herr Borb milde belächelt. Niemand ahnt, dass sich hinter dem spießigen Sonderling ein gewieftes kriminelles Talent verbirgt, bis eines Tages von Herrn Borb jede Spur fehlt. Mit ihm verschwinden 1,2 Millionen Mark und der Mann, der ihm einen falschen Pass ausstellte – Letzteren findet die Polizei bald verscharrt in einem Kellerversteck. Herr Borbs Spur hingegen ist nicht so leicht zu verfolgen: Unter verschiedenen Identitäten flieht er zunächst nach Southampton und New York, später nach Südamerika. Auf seinen krummen Wegen begegnet er der noch ausgefuchsteren Hochstaplerin Norah Hackett ...


    Ungewöhnlich offen platziert „Kennwort Machin“ die schurkischen Machenschaften des unauffälligen Herrn Borb in das Hamburg der NS-Zeit nur wenige Jahre vor dem eigentlichen Herstellungszeitpunkt – nicht ohne jedoch schon im Vorspann sinngemäß darauf hinzuweisen, dass polizeiliche Umstrukturierungen ein solches Verbrechen anno 1939 bereits unmöglich gemacht hätten. Der totalitäre Staat rechtfertigt den Ausbau von polizeilicher Überwachung und staatlichen Eingriffen in einer Texttafel damit, dass potenziellen Verbrechensopfern mit groß angelegter Vorbeugung eher geholfen sei als mit einer nachträglichen Bestrafung des Delinquenten.

    Der auf dem Roman von C.V. Rock basierende Kriminalfilm weicht dem altbekannten Tätersuche-Prinzip offensiv aus und lässt das Publikum von Anfang an am Doppelleben des gewieften Schwindlers teilhaben, sodass Paul Dahlke eine große Bühne für seinen belfernd-unleidlichen Herrn Borb sowie später seine leutselig-amüsante Maskerade Machin erhält. Die beiden Identitäten so entgegengesetzt zu gestalten, ist freilich ein alter Theatertrick, erweist sich für den recht konstruierten Handlungsablauf aber als unabdingbar, weil die Hauptfigur eine dezidierte Wandlung unterläuft: Während der Verbrecher Herr Borb dem Publikum zunächst zeitschuldig als degenerierter Ideologe vorgeführt wird, der sich durch seinen fehlenden Gemeinschaftssinn selbst in Misskredit bringt, werden die Zuschauer später dazu angehalten, mit seinem alter ego Machin zu sympathisieren, als dieser in den Schraubstockgriff der hinterlistigen Norah Hackett gerät. Leider verblassen die meisten anderen Rollen neben Dahlke; gerade Hilde Weissner als Ganovin und Harald Paulsen als ihr Kumpane wirken scherenschnittartig. Ungünstig ist auch die Besetzung des Kommissars mit Albert Hehn, der aufgrund seiner markanten Physiognomie auf Zelluloid stets einen etwas unsympathischen Eindruck hinterließ und in seiner Rolle im Dahlke-Krimi „Der Täter ist unter uns“ deutlich mehr überzeugte. Lediglich Viktoria von Ballasko kann es mit ihrem Filmbruder Dahlke aufnehmen; ihr gelingt es, einer etwas altmodischen Romanzenrolle besonderen Esprit zu verleihen.

    „Kennwort Machin“ ist ein Krimi, der stets nah am Wasser spielt, wobei die Hamburger Elbe etwa zur Hälfte der Spielzeit durch den Atlantik und ausgedehnte Schiffsszenen ersetzt wird. Auf der Fluchtreise kommt es zu einigen Längen, die die erste Hälfte noch nicht aufwies; zugleich fing Kameramann Werner Krien aber auch einige sehr stimmungsvolle Einstellungen auf hoher See ein. Etwas mehr Fokus hätte man sich dagegen zuvor auf die düsteren Vorgänge in Borbs angemietetem Keller in einer Hafengasse gewünscht – wofür man gut Zeit gefunden hätte, wenn man bereit gewesen wäre, die ausführliche Balz, die Kommissar Forst um Mette Borb veranstaltet, einzukürzen.

    Die Presse empfing „Kennwort Machin“ seinerzeit mit sehr positiven Einschätzungen, nannte den Film „abwechslungsreich inszeniert“ (Filmwelt) und „sauber gemacht“ (Der deutsche Film). Selbst Nachkriegskritiker fanden lobende Worte („spannende Kriminalaffäre“, Lexikon des internationalen Films; „Gaunerkomödie par excellence“, Geliebter Kintopp). Gar so enthusiastisch muss man über den manchmal etwas ungeschickten Film mit seinem überstürzten Ende nicht wirklich sein; für Paul-Dahlke-Freunde und Kenner der Materie ist er aber durchaus eine Sichtung wert.

    Interessante, aber manchmal zu überspitzte Verbrecherstudie, die für einen realistischen Krimi eine Spur zu kompliziert ausfällt. Die Besetzung der Hauptrolle durch Dahlke gereicht „Kennwort Machin“ zu einem großen Vorteil und auch das maritime Flair weiß zu gefallen. Unterm Strich 3,5 von 5 Punkten.

    PS: In einer kleinen Rolle als südamerikanischer Polizeikapitän ist der sagenumwobene Kleindarsteller Michael Simo zu sehen, der in „Neues vom Hexer“ als Philip Curtain unter der Maske von Arthur Milton steckte.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #117
    Andererseits wäre es auch unfair, den 80er-TV-Filmen keine Chance zu geben, denn sie hatten mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen: 1. eine Story ohne Unterbrechung (und Cliffhanger) zu erzählen und 2. die in einem Raum spielende Theaterhandlung doch irgendwie filmischer zu gestalten. Im Falle von Besuch und Mord am Pool hat man hier gar nichts verändert und der gesamte Film spielt wie im Theater in einem Raum. Die anderen Adaptionen gehen wenigstens aus diesem Raum hinaus, am meisten Film ist sicherlich Tagebuch.

    Da hast du natürlich Recht und ich werde die 80er-Jahre-Durbridges früher oder später sicher auch kennenlernen, aber sagen wir es so: Die Ergebnisse ermutigen mich nicht, das unbedingt sofort und mit hohen Erwartungen zu tun.

    Wobei natürlich auch von vornherein klar war, dass die Mehrteiler die Nase eindeutig vorn haben würden. Und das sicher auch zurecht.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Dass die beiden nächsten Paul-Temple-Filme "Der grüne Finger" und "Jagd auf Z" ähnlich abschneiden, ist eigentlich ganz gerechtfertigt; beide sind nette, aber nicht optimale Filme, die mittelprächtig gealtert sind und für deren vollständigen Genuss den meisten Leuten hier offenbar die vertrauten Schauspielergesichter fehlen (das bedeutet zumindest für meine Begriffe aber nicht, dass die britischen Darsteller schlecht sind). Eine recht ernüchternde Feststellung, die aus diesem Wettbewerb mitgenommen werden muss, ist lediglich der Umstand, dass die Paul-Temple-Filme trotz der "Luxus-Veröffentlichungen" von Pidax hier bisher kaum interessiertes Publikum gefunden haben, was sowohl in Anbetracht der typischen Durbridge-Plots als auch der Mühe, die Georg in die DVDs investiert hat, sehr bedauerlich ist. Aber das ist wohl eher ein Thema für diesen Thread: Der Blick über den Tellerrand: neue alte Krimis für das Forum?

    Was die deutschen Mehrteiler angeht, so stellte sich mir von Anfang an die Frage, ob es einem Mehrteiler gelingen würde, die allseits mysteriös unbeliebte "Kette" punktetechnisch zu unterbieten. Und wenn, dann kamen dafür eigentlich nur "Es ist soweit" oder "Tim Frazer" in Frage. "Es ist soweit" hat das also schonmal geschafft. Diese Wahl zum schwächsten hiesigen Durbridge-Straßenfeger sehe ich zwiegespalten - einerseits ist die Story wirklich nicht das Gelbe vom Ei und verleidet einem den doch recht langen Krimi gen Ende hin zusehends; andererseits ist die Machart so hochwertig (und ich finde auch: die Darsteller so passend), dass die Teilnehmer hier doch etwas großzügiger hätten sein dürfen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018: Plätze 18 bis 15

    Platz 18 (3,57 Punkte): Paul Temple: Der grüne Finger (1946)

    • Wertungen von 6 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,50 Punkten Platz 25 in der Kategorie „Darsteller“ (–7)
    • mit 3,83 Punkten Platz 14 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+4)
    • mit 3,50 Punkten Platz 19 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–1)
    • mit 3,50 Punkten Platz 19 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (–1)
    • mit 3,50 Punkten Platz 18 in der Kategorie „freie Wertung“ (~0)


    Platz 17 (3,68 Punkte): Paul Temple: Jagd auf Z (1950)
    • Wertungen von 5 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,60 Punkten Platz 23 in der Kategorie „Darsteller“ (–6)
    • mit 3,80 Punkten Platz 15 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+2)
    • mit 3,70 Punkten Platz 16 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+1)
    • mit 3,60 Punkten Platz 17 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (~0)
    • mit 3,70 Punkten Platz 16 in der Kategorie „freie Wertung“ (+1)


    Platz 16 (3,72 Punkte): Plötzlich und unerwartet (1983)
    • Wertungen von 9 von 12 Teilnehmern
    • mit 4,03 Punkten Platz 12 in der Kategorie „Darsteller“ (+4)
    • mit 3,67 Punkten Platz 19 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–3)
    • mit 3,63 Punkten Platz 17 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–1)
    • mit 3,50 Punkten Platz 19 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (–3)
    • mit 3,77 Punkten Platz 14 in der Kategorie „freie Wertung“ (+2)


    Platz 15 (3,87 Punkte): Es ist soweit (1960)
    • Wertungen von 12 von 12 Teilnehmern
    • mit 4,14 Punkten Platz 09 in der Kategorie „Darsteller“ (+6)
    • mit 3,68 Punkten Platz 18 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–3)
    • mit 3,91 Punkten Platz 12 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+3)
    • mit 3,86 Punkten Platz 12 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (+3)
    • mit 3,77 Punkten Platz 12 in der Kategorie „freie Wertung“ (+3)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auflösung für das Rätsel vom 2.5.:



    (A) Back Room Girl

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @Giacco: Nach dem, was dem Publikum mit "Piccadilly" als Kino-Durbridge angeboten wurde, halte ich zurückgehendes Interesse für "Frazer ... Mr. X" für sehr nachvollziehbar und glaube nicht, dass es nur der Qualität von "Frazer" angelastet werden kann.

    Von den Plätzen 13 bis 19 kenne ich nur die beiden alten britischen Kinofilme. Als Nichtkenner der Achtzigerjahre-Einteiler bemerke ich nur, dass es wohl kein allzu großer Verlust ist, sie nicht zu kennen - sie sterben ja hier gewissermaßen wie die Fliegen.

    "Interpol ruft Berlin" halte ich auf seiner Position für richtig eingeschätzt; ein geradezu stereotyper Durbridge mit "allem, was wichtig ist", aber eben nichts wirklich Besonderem. Gerade von John Mills in der Hauptrolle hatte ich mir wesentlich mehr erwartet und war deshalb etwas enttäuscht. Im Vergleich hat mir "Der Fall Teckmann" deutlich besser gefallen, was sich auch mit der Ergebnisrangliste deckt. Das recht schlechte Abschneiden von "Paul Temple und der Fall Marquis" als schwächster der vier Paul-Temple-Filme wundert mich hingegen - hier hätte ich eher "Jagd auf Z" oder "Der grüne Finger" als mögliche Kandidaten für die rote Temple-Laterne gesehen; "Marquis" ist im Vergleich mit den beiden Titeln doch dynamischer, wie ich finde, und hat mit Christopher Lee einen zugkräftigen Star.

    Zitat von Ray im Beitrag #115
    Und mit meiner Meinung, dass dieser Tim Frazer-Kinofilm besser ist als die Mehrteiler, stehe ich ja ohnehin offenbar allein auf weiter Flur.

    Ich will ja noch nicht zu viel verraten, aber: Ja.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: In letzter Minute

    Zitat von Der Kommissar: In letzter Minute
    Sechs Jahre ist es her, dass Albert Kossitz für den Totschlag an seinem Kumpanen Lenk ins Zuchthaus wanderte. Nun wird er wieder entlassen, was den Frauen Kossitz und Lenk sowie dem befreundeten Barbesitzer Leo Limpert das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nur sie und der Verurteilte wissen, ob damals in der Verhandlung die Wahrheit gesagt wurde. Falls Kossitz unschuldig im Gefängnis saß, steht zu befürchten, dass er sich an den wahren Verantwortlichen bitter rächen wird. Und tatsächlich scheint tiefer Hass ihn anzutreiben, als er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf seine alten Weggefährten trifft ...


    Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

    Mit jedem Mal, in dem Herbert Reinecker die mehr oder weniger finsteren Pläne eines entlassenen Sträflings in den Mittelpunkt einer „Kommissar“- oder „Derrick“-Folge stellte, ließ er das Publikum gewissermaßen über seinen Glauben daran rätseln, ob Gefängnisaufenthalle eher reuig machen oder eher entsozialisieren. Im Falle des Ex-Knackis Albert Kossitz kann keine Reue aufkommen, weil ziemlich klar ist, dass Kossitz der Tat, deretwegen man ihn verurteilte, nicht einmal schuldig ist. Wenn schon Kommissar Keller selbst Zweifel an der Richtigkeit des Urteils hegt, weiß man, dass es damit nicht weit her sein kann. Die Spannung ergibt sich hier eher aus der Frage, wer stattdessen die schwerwiegende Verantwortung trägt (leider wählte Reinecker diesbezüglich den Weg des geringsten Widerstands, was das Täterrätsel weniger komplex macht als idealerweise möglich) und ob sich Kossitz an demjenigen bitter rächen wird. Gerade die zweite Frage entpuppt sich als recht faszinierend, weil an sie eine dauerhafte fiebrige Angst der anderen Beteiligten geknüpft ist, während Kossitz mit gefährlicher Selbstzufriedenheit den direkten Fragen des Kommissars ausweicht.

    Der Einstieg in die Folge geschieht ohne Ausschmückungen unmittelbar im Polizeipräsidium, wo Ode, Glemnitz und Seitz als „alte Hasen“ die „Neulinge“ Schramm und Wepper, die 1964 noch nicht Mitglieder der Mordkommission waren, über den Fall Kossitz ins Bild setzen. Dies ist nicht nur eine schöne teambildende Maßnahme, sondern gibt vor allem auch Helma Seitz die Gelegenheit, sich mit einigen provokanten Zeilen („Manchen Leuten sieht man den Mörder direkt an“) stärker als in späteren Folgen in Erinnerung zu rufen. Vom Büro verlegt sich der Fall dann auf winterliche Münchner Straßen rund um die Maximilianstraße, in den von Leo Limpert betriebenen Nachtclub sowie die Wohnungen Lenk und Kossitz. Wolfgang Becker gelingt es an diesen Orten, ein außerordentlich dichtes Flair zu schaffen, wobei Eis und Schnee auf Münchens Prachtachse die Gefühlskälte der Protagonisten angemessen unterstreichen.

    Dies gilt erstaunlicherweise sowohl für Heinz Reincke als auch für dessen Gegenspieler. Erstaunlicherweise deshalb, weil Reincke, der oft eher auf gutmütig-dumme Kumpelrollen im Seemannsmilieu abonniert war und bei seinem letzten Gang durch die Haftanstalt Landsberg tatsächlich eher freundlich-tüttelig als ernstlich bedrohlich wirkt, diese Harmlosigkeit bald glaubhaft ablegt. Sein Kossitz ist zwar ein Mann, dem Ungerechtigkeit am eigenen Leibe widerfahren ist; doch man ist sich deshalb keineswegs sicher, dass er deshalb vor blutiger Vergeltung zurückschrecken würde. Davor fürchten sich Gisela Uhlen, Maria Sebaldt und Peter Eschberg äußerst kamerawirksam. Die drei hochwertigen Schauspieler bereichern die Folge ungemein, weil sie mit Uhlens knallharter Gefühllosigkeit, Sebaldts zittriger Unruhe und Eschbergs schleimigen Selbstrettungsversuchen die Darsteller in für sie typische Rollen schlüpfen lässt. Eschberg erinnert als Leo Limpert stark an seinen Mark Paxton aus „Wie ein Blitz“, wobei Fernsehzuschauer des Jahres 1970 die beiden Parts in umgekehrter Reihenfolge kennenlernten – ein beinahe skandalträchtiger Schachzug des ZDF:

    Zitat von Silberblond ist sehr gefragt, Hamburger Abendblatt, 03.04.1970, S. 16
    [S]chon heute Abend [3. April 1970, Anm. d. Aut.] wird der silberblonde Mime vom Kölner Stadttheater an der Seite von „Kommissar“ Erik Ode sein Mattscheiben-Debüt geben – sozusagen als Vorbereitung für eine Traumrolle: Am 9., 11. und 12. April wird er als Mark Paxton großen Anteil daran haben, wenn sich Durbridge mit seinem dreiteiligen Krimi „Wie ein Blitz“ wieder einmal als Straßenfeger betätigt. Dazu Peter Eschberg [...]: „Das war eigentlich gar nicht geplant: Der ‚Durbridge‘ sollte mein Fernseh-Image zuerst aufbereiten.“


    Tatsächlich hält sich die Spannung des kleinen „Kommissar“-Straßenfegers wortwörtlich bis „In letzter Minute“. Ein sehr beeindruckend gefilmtes und untermaltes Duell zwischen Kossitz und seinem Demütiger schließt die Folge so rund ab, dass man jene Szenen, in denen eine gekünstelt-affektierte Eva Kinsky den moralischen Zeigefinger wild in die Runde hält, fast vergisst. Dennoch muss man leider konstatieren, dass ihre Rolle dem sonst zielgerichteten Krimi einen unangenehmen Beigeschmack verleiht.

    Der ungewöhnliche Aufbau (Tat in der Vergangenheit, starke Anspannung über einen möglichen zweiten Toten) sichert „In letzter Minute“ eine angenehme Grundspannung, die von einem versierten Schauspielerquartett (Reincke – Uhlen – Sebaldt – Eschberg) mühelos gestützt wird. Wolfgang Becker war als Regisseur darüber hinaus ein Glücksfall für diesen Stoff, wie sich auch an dem nicht unähnlich gelagerten „Amoklauf“ aus dem Jahr 1972 zeigte. Nur einige Eskapaden im Mittelteil, welche die neunmalkluge Tochter Lenk betreffen, hätte man sich gern sparen dürfen.

    (4 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Kommissar Herbert Keller will doch nur helfen (wird aber schmerzlich verkannt)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 79: Episode 19 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Heinz Reincke, Gisela Uhlen, Maria Sebaldt, Peter Eschberg, Eva Kinsky, Gerd Vespermann, Eric Pohlmann, Horst Sachtleben u.a. Erstsendung: 3. April 1970.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018: Plätze 23 bis 19

    Platz 23 (3,15 Punkte): Kein Alibi für eine Leiche (1986)

    • Wertungen von 8 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,61 Punkten Platz 22 in der Kategorie „Darsteller“ (+1)
    • mit 3,50 Punkten Platz 22 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+1)
    • mit 2,82 Punkten Platz 25 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–2)
    • mit 2,86 Punkten Platz 24 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (–1)
    • mit 2,96 Punkten Platz 23 in der Kategorie „freie Wertung“ (~0)


    Platz 22 (3,39 Punkte): Paul Temple und der Fall Marquis (1952)
    • Wertungen von 4 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,71 Punkten Platz 19 in der Kategorie „Darsteller“ (+3)
    • mit 3,21 Punkten Platz 23 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–1)
    • mit 3,36 Punkten Platz 20 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+2)
    • mit 3,14 Punkten Platz 22 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (~0)
    • mit 3,50 Punkten Platz 18 in der Kategorie „freie Wertung“ (+4)


    Platz 21 (3,53 Punkte): Interpol ruft Berlin (1957)
    • Wertungen von 9 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,73 Punkten Platz 17 in der Kategorie „Darsteller“ (+4)
    • mit 3,57 Punkten Platz 21 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (~0)
    • mit 3,53 Punkten Platz 18 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+3)
    • mit 3,40 Punkten Platz 21 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (~0)
    • mit 3,40 Punkten Platz 20 in der Kategorie „freie Wertung“ (+1)


    Platz 20 (3,53 Punkte): Der Besuch (1982)
    • Wertungen von 9 von 12 Teilnehmern
    • mit 4,06 Punkten Platz 10 in der Kategorie „Darsteller“ (+10)
    • mit 3,72 Punkten Platz 17 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+3)
    • mit 3,13 Punkten Platz 22 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–2)
    • mit 3,56 Punkten Platz 18 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (+2)
    • mit 3,19 Punkten Platz 22 in der Kategorie „freie Wertung“ (–2)


    Platz 19 (3,55 Punkte): Mord am Pool (1986)
    • Wertungen von 7 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,73 Punkten Platz 18 in der Kategorie „Darsteller“ (+1)
    • mit 3,64 Punkten Platz 20 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–1)
    • mit 3,32 Punkten Platz 21 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–2)
    • mit 3,73 Punkten Platz 14 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (+5)
    • mit 3,36 Punkten Platz 21 in der Kategorie „freie Wertung“ (–2)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auflösung für das Rätsel vom 1.5.:



    Es ist soweit

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Aus dieser Gruppe sind mir der DDR-TV-Durbridge "Der elegante Dreh" und die beiden Sixties-Kinofilme bekannt, für die ich aber nur aus der Erinnerung abstimmen konnte. Das schlechte Abschneiden von "Der elegante Dreh" war leider zu erwarten, weil die Inszenierung für heutige Sehgewohnheiten doch wirklich sehr bieder daherkommt und den Zuschauer schon auf eine gewisse Geduldsprobe stellt. Interessant ist, dass der "Dreh" zwar story-technisch noch leicht über seiner Klasse abschneiden konnte, aber dennoch die beiden Verfilmungen des gleichen Stoffes ("Dreh" und "Bildnis") die Plätze 28 und 27 belegen. Da scheint Durbridge also auch 'mal einen schlechteren Tag als üblich erwischt zu haben.

    Die beiden Kinofilme der Sechziger sind natürlich reinster Durbridge-Etikettenschwindel und als solcher in dieser Veranstaltung berechtigt abgestraft worden. Was ich auffällig finde, ist, dass "Piccadilly null Uhr zwölf" im Schauspieler-Department so stark punkten konnte, während "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mr. X" auf diesem Gebiet sogar unterdurchschnittlich abschneidet. Gerade Letzteres hätte ich nicht gedacht. Der erstgenannte Film profitiert natürlich von Smyrner, Kinski und Braun, hat aber andererseits auch am Fehlen einer zugkräftigen Hauptrollenbesetzung sowie dem überdrehten Ilja Richter zu knabbern, sodass ich unterm Strich den ausgewogen besetzten "Frazer" hier sogar einen Hauch stärker eingeschätzt hätte.

    "Frazer" gewinnt im Duell gegen "Piccadilly" dagegen im Bereich Inszenierung, was durchaus verdient ist, wenn man den immerhin soliden Hofbauer-Film mit der Zehetgruber-Arbeit vergleicht. Dass sich die beiden Filme aber letztlich nicht viel nehmen und man sie als Durbridge-Krimis ziemlich vergessen kann, belegen ihre Platzierungen recht eindrucksvoll.

  • Wallace-Tour in BerlinDatum08.05.2018 12:13
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von greaves im Beitrag #284
    Oder gib dich als Zeitungsreporter aus😎👍🏼

    Josua Harras vom Telegraph ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Hochinteressant! Der Review von @Percy Lister hatte mich damals veranlasst, mir die DVD zu ordern. Zu einer Sichtung bin ich noch nicht gekommen. Aber die nun zur Sprache kommenden sehr unterschiedlichen Einschätzungen machen mich sehr gespannt!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018: Plätze 28 bis 24

    Für eure aktive und verlässliche Teilnahme während der vier Wertungsrunden möchte ich mich herzlich bedanken. Durch eure Stimmabgaben ist es tatsächlich möglich, alle 28 Filme des Teilnehmerfelds in ein Ranking zu bringen. Zwar gibt es durchaus Bekanntheitsunterschiede zwischen z.B. den üblichen WDR-Mehrteilern und Sixties-Kinofilmen auf der einen und etwa den britischen Spielfilmen auf der anderen Seite; aber zu allen Durbridge-Krimis war mindestens ein Drittel der Teilnehmer aussagefähig.

    Die Ergebnisse präsentiere ich im Laufe der Woche an den sieben Tagen von Montag bis Sonntag in den Gruppierungen 28-24 (Mo), 23-19 (Di), 18-15 (Mi), 14-11 (Do), 10-7 (Fr), 6-4 (Sa), 3-1 (So). Bekanntgegeben werden sowohl die Durchschnittspunktzahlen der Filme (diese rangieren übrigens zwischen 2,38 und 4,59) als auch das Abschneiden in den einzelnen Wertungskategorien. Über Einschätzungen, Kommentare, Tipps und Reaktionen eurerseits freue ich mich!

    Platz 28 (2,38 Punkte): Der elegante Dreh (1979)

    • Wertungen von 4 von 12 Teilnehmern
    • mit 2,50 Punkten Platz 28 in der Kategorie „Darsteller“ (~0)
    • mit 2,88 Punkten Platz 25 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+3)
    • mit 2,00 Punkten Platz 28 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (~0)
    • mit 2,13 Punkten Platz 28 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (~0)
    • mit 2,38 Punkten Platz 28 in der Kategorie „freie Wertung“ (~0)


    Platz 27 (2,79 Punkte): Dies Bildnis ist zum Morden schön (1987)
    • Wertungen von 8 von 12 Teilnehmern
    • mit 2,88 Punkten Platz 27 in der Kategorie „Darsteller“ (~0)
    • mit 2,85 Punkten Platz 26 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (+1)
    • mit 2,77 Punkten Platz 26 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+1)
    • mit 2,81 Punkten Platz 25 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (+2)
    • mit 2,65 Punkten Platz 27 in der Kategorie „freie Wertung“ (~0)


    Platz 26 (2,81 Punkte): Piccadilly null Uhr zwölf (1963)
    • Wertungen von 11 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,71 Punkten Platz 20 in der Kategorie „Darsteller“ (+6)
    • mit 2,71 Punkten Platz 28 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–2)
    • mit 2,50 Punkten Platz 27 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (–1)
    • mit 2,32 Punkten Platz 26 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (~0)
    • mit 2,82 Punkten Platz 25 in der Kategorie „freie Wertung“ (+1)


    Platz 25 (2,83 Punkte): Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mr. X (1964)
    • Wertungen von 11 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,39 Punkten Platz 26 in der Kategorie „Darsteller“ (–1)
    • mit 2,81 Punkten Platz 27 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (–2)
    • mit 2,89 Punkten Platz 23 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (+2)
    • mit 2,28 Punkten Platz 27 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (–2)
    • mit 2,81 Punkten Platz 26 in der Kategorie „freie Wertung“ (–1)


    Platz 24 (3,06 Punkte): Tagebuch für einen Mörder (1988)
    • Wertungen von 7 von 12 Teilnehmern
    • mit 3,54 Punkten Platz 24 in der Kategorie „Darsteller“ (~0)
    • mit 3,12 Punkten Platz 24 in der Kategorie „Drehbuch / Story“ (~0)
    • mit 2,88 Punkten Platz 24 in der Kategorie „Inszenierung / Spannung“ (~0)
    • mit 2,88 Punkten Platz 23 in der Kategorie „Wendungen / Cliffhanger“ (+1)
    • mit 2,88 Punkten Platz 24 in der Kategorie „freie Wertung“ (~0)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auflösung für das Rätsel vom 30.4.:



    (D) Alfred Vohrer

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Prima, damit habe ich jetzt die Endergebnisse. Morgen kann es also losgehen mit der Bekanntgabe. Freut euch auf ein paar interessante Überraschungen!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Über einen Monat ist der Besuch von @Marmstorfer und mir schon wieder her, aber der „Frosch“ hinterließ Eindrücke, die man nicht schnell vergisst:



    Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske

    Kriminalstück, BRD 2018. Regie: Frank Thannhäuser. Romanvorlage („The Fellowship of the Frog“, 1925): Edgar Wallace. Mit: Dieter Schmitt (Sergeant Elk), Ulrich Schaller (Dick Gordon), Stefanie Wennmann (Ella Bennett), Rouven Klischies (Ray Bennett), Sönke Städtler (John Bennett), Gosta Liptow (Philo Johnson), Bianca Arndt (Lola Bassano), Janis Zaurins (Lew Brady), Marko Formanek (Carlo Hagen) sowie ??? als Der Frosch mit der Maske. Besuchte Vorstellung: 31. März 2018, Imperial Theater.

    Zitat von Der Frosch mit der Maske
    Die Bande des Frosches ist kein bloßer Einbrecherring. Inzwischen geht auch Mord auf das Konto der glänzend organisierten Brüderschaft, in deren Zentrum ein Mann mit unheimlicher Gasmaske steht. Wer ist der Frosch mit der Maske? Der Staatsanwalt Dick Gordon kommt auf seine Spur, als er zufällig die Bekanntschaft der harmlos scheinenden Familie Bennett macht. Deren Sprössling Ray gleitet langsam, aber unweigerlich in die Fänge des Verbrechers ab, indem er sich Hals über Kopf in dessen attraktive rechte Hand, die Nachtclubsängerin Lola Bassano, verliebt. Diese Beziehung führt Lola in einen Gewissenskampf, Ray Bennett auf das Podest des Henkers und seine Schwester geradewegs in die Arme des Frosches. Kann die Lage noch gerettet werden?


    Mit dem „Frosch“ begann 1959 die Rialto-Serie ... und 59 Jahre später kommt er in Hamburg zu Theaterehren. Das ist gut verständlich, denn die Geschichte gehört zu Wallace’ starken Thrillern und steht synonym für seine gern geschaffenen großen Gangster-Organisationen, denen stets ein starker, unbekannter Anführer vorstand. Das vom Imperial Theater herausgegebene Programmheft zur Aufführung belegt nicht nur, dass der dieser Frosch im Jahr 2018 kein rundlich-lustiger Geselle mehr ist, sondern eine wirklich bedrohliche Gestalt im langen Ledermantel mit griffbereiten Gasampullen am Gürtel und im Halbdunkel blitzender Gummimaske; auch weist es spannungsfördernd auf ein interessantes Produktionshemmnis hin:

    Zitat von Hamburgs Krimi-Theater präsentiert: Edgar Wallace – Der Frosch mit der Maske, Programmheft, S. 3
    Der Wunsch, dieses Stück aufzuführen, bestand schon lange. Allerdings wies die Romanvorlage einige Tücken auf, die eine Bühnenversion lange unmöglich schienen ließen. Doch im vergangenen Sommer kam der Durchbruch: Wir hatten einen Kniff gefunden, die vielen Spielorte und Figuren zu einem spannenden Ganzen zusammen zu bringen.


    Während es gelang, der großen Personenzahl mit dem üblichen Theaterkniff Herr zu werden, einen Schauspieler (in diesem Fall Heiko Fischer, der u.a. als Ezra Maitland, Baron von Dorchester und Pub-Wirt zu sehen ist) in mehreren Verkleidungen rollenübergreifend auftreten zu lassen, demonstrierte man bei der Schauplatzfrage großen Erfindungsreichtum. Tatsächlich unterscheidet sich „Der Frosch mit der Maske“ insofern massiv von anderen Inszenierungen, als das Theaterhafte, das sonst durch lange Szenen in gleichbleibenden Sets entsteht, völlig verloren geht. Alle paar Minuten wird umgebaut – dabei beschränkte man sich aber auf die nötigsten Dinge, die die jeweiligen Sets multifunktional andeuten. Der Experte spricht von einem Simultanbühnenbild. Metallelemente sorgen einmal für den morbiden Charme des alten Mörtelwerks an der Themse und finden dann wieder als Treppe zu Lolas Heron’s Club Verwendung; die Wochenendstimmung des gemütlichen Bennett-Hauses wird mittels einiger Klappstühle im Handumdrehen auf die Bühne gezaubert. Das Minimalistische beschäftigt die Fantasie der Zuschauer und gibt den Darstellern Raum zur freien Entfaltung.

    Diesen nutzen altbekannte Ensemblemitglieder ebenso enthusiastisch wie Imperial-Neulinge. Den romantic lead übernahm Ulrich Schaller von Joachim Fuchsberger; zuletzt war er im „Zinker“ noch als mysteriöser Frank Sutton zu sehen – so ändern sich also die Zeiten ... Schaller zeigt, dass er nicht nur hintertrieben, sondern auch verschmitzt wirken kann und beeindruckt das Publikum mit Kombinationsgabe und Charme. Für ihn die sechste Wallace-Produktion auf der Reeperbahn, darf er diesmal gemeinsam im Duo mit Dieter Schmitt ermitteln. Der Wallace-Frischling erfüllt alle hohen Erwartungen, die man an den Namen Inspektor Elks knüpft – sowohl in den Szenen, in denen pragmatisch-vorlaute Beamtenmanier von ihm gefordert wird, als auch in solchen, in denen er mit amüsanter Leichtfüßigkeit überzeugt. Schmitt beweist Wortwitz und Situationskomik, was für einen kuriosen Abschluss des ersten Akts sorgt.

    Auf der „dunklen Seite der Macht“ bleibt vor allem Bianca Arndt als Lola Bassano in Erinnerung, deren Rollenname für den Film in Lolita umgeändert worden war, hier aber wieder im Original erscheint. Überhaupt hält sich Thannhäusers Adaption wieder in vielen Punkten enger an den Roman, wenngleich sie ihre eigenen zusätzlichen Schwerpunkte – gerade in der tragischen Geschichte um Ray Bennett – setzt. Bianca Arndt hat die Fäden in „ihrer“ Bar mindestens ebenso fest in der Hand wie ihrerzeit Eva Pflug, zumal Arndt – eine ausgebildete Musicaldarstellerin – mit Inbrunst und Verführungsgabe den Evergreen „Nachts im Nebel an der Themse“ live schmettert. Dieses riesengroße Plus der Theateradaption lässt für einige Momente den Übergang zwischen Wallace-Nostalgie und echtem Reeperbahn-Flair verschwimmen. Arndt als Verführerin steht Stefanie Wennemann als goody two shoes Ella Bennett gegenüber – diese versucht verzweifelt, ihre streitbare Familie zusammenzuhalten und macht dabei eine sehr überzeugende Figur.

    Auch wenn einige der Streitmomente zwischen Rouven Klischies und Sönke Städtler aus Frosch-Präsenzgründen hätten eingekürzt werden können, so taugen sie doch als gute Vorbereiter des spannenden Showdowns um die Beinahe-Hinrichtung Ray Bennetts, bei der alle Zuschauer den Atem anhielten und diejenigen, die den Film nicht in Erinnerung hatten, erstaunt nach Luft schnappten, als sie die Identität des Henkers erfuhren. Momente wie diese beweisen, dass die Wallace’sche Spannungsmaschinerie heute noch genauso gut funktioniert wie zu ihrer Entstehungszeit und dass klassische Unterhaltung auch in ihren ernstzunehmenden Momenten geschätzt wird. Oder wie Frank Thannhäuser, der „Krimi-König“ von Hamburg, persönlich sagt:

    Zitat von Szene Hamburg: Der Krimi-König, Interview von Ulrich Thiele, Quelle
    Die Leute lieben Edgar Wallace! Man kann tun, was man will, aber es ist so: Die Leute lieben ihn. Es ist ein Phänomen. Zum Glück können wir uns viel mit dem Stoff erlauben, wenn wir uns treu an die Geschichte halten. Wir können das Buch auf die Belange hier in unserem Haus zuschneiden. Jedes Edgar-Wallace-Stück, das wir gemacht haben, ist somit immer auch eine Uraufführung gewesen.


    Auf dass es noch viele, viele Uraufführungen geben möge!

    Ein hochdramatischer Wallace-Roman in einer ebensolchen Adaption, die von kreativer Erfindungsgabe aller Beteiligter sowie einem absolut engagierten und glaubwürdigen Ensemble zeugt. Erstklassig auch die Verwendung von „Nachts im Nebel an der Themse“ als Wink an den Harald-Reinl-Film gleichen Namens. Nicht nur die Morgenpost, auch ich ordne das Stück als must see ein – gerade für Wallace-Freunde.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Heute sollte eigentlich die Präsentation der Ergebnisse beginnen. Die verzögert sich aber noch ein bisschen, weil mir noch eine Wertung aus Runde 4 fehlt und ich diese ungern unter den Tisch fallen lassen möchte. Deshalb hier vorerst nur die ...

    Auflösung für das Rätsel vom 29.4.:



    Der Andere

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Fall Teckmann (The Teckman Mystery)

    Kriminalfilm, GB 1954. Regie: Wendy Toye. Drehbuch: Francis Durbridge, James Matthews (Vorlage „The Teckman Biography“, 1953: Francis Durbridge). Mit: Margaret Leighton (Helen Teckman), John Justin (Philip Chance), Roland Culver (Inspector Harris), Michael Medwin (Martin Teckman), George Coulouris (Garvin), Duncan Lamont (Inspector Hilton), Raymond Huntley (Maurice Miller), Jane Wenham (Ruth Wade), Meier Tzelniker (John Rice), Harry Locke (Leonard) u.a. Uraufführung (GB): 27. Oktober 1954. Uraufführung (BRD): 16. August 1960. Eine Produktion von Corona Productions für British Lion Film Corporation.

    Zitat von Der Fall Teckmann
    Entgegen seinem Willen soll der Schriftsteller Philip Chance die Biografie des Testpiloten Martin Teckman recherchieren, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Sowohl die vorherige Auftragsautorin als auch ein Bekannter Teckmans fielen bereits tödlichen Anschlägen zum Opfer – die Leiche des Letzteren liegt in der Wohnung von Philip Chance! Als dieser ein anderweitiges lukratives Angebot erhält, will er die Teckman-Affäre aufschieben, doch es ist nicht so einfach, sich wieder aus den Fängen des Falles zu befreien. Schließlich ist da auch noch Helen, Teckmans attraktive Schwester ...


    Die Idee, dass ein Auftragsautor auf eine gefährliche Geschichte angesetzt wird, zieht den Zuschauer von Anfang an in den Bann, denn obwohl sich den Protagonisten die Verwicklungen des „Falls Teckman(n)“ erst nach und nach erschließen, wird von Anfang an durch die Hinweise auf den toten (oder womöglich nur verschwundenen?) Piloten und seine mögliche Verwicklung in Spionagetätigkeiten eine geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen. Diese spiegelt sich zunächst lediglich in harmlosen Anhaltspunkten (man kennt ja den Pappenheimer Durbridge), doch ab dem ersten Leichenfund darf man sich konkrete Sorgen machen. John Justin als Philip Chance sieht das genauso und tauscht zu diesem Zeitpunkt sein nonchalantes Desinteresse gegen eine involvierte, von seinem Gerechtigkeitsempfinden getriebene Neugierde aus. Bei seinen Privatermittlungen kommen ihm sein unverhohlener Charme und seine Fähigkeit, sich aus schwierigen Sackgassen wieder herauszulavieren, zugute – beides nicht unerheblich, wenn man bedenkt, dass mit Margaret Leighton und Jane Wenham zwei Frauen (die Gattin und die Schwester Martin Teckmans) im Zentrum der Geheimnisse stehen. Vor allem für Margaret Leighton wird „Der Fall Teckman“ zur Demonstration großer, aber angemessener Gesten; von Angst bis Wut, von Unschuld bis Verschlagenheit präsentiert sie die Wandlungen ihrer Figur glaubhaft und ansprechend.

    Vielleicht trug dazu bei, dass für „The Teckman Mystery“ eine der wenigen Regisseurinnen ihrer Zeit – Wendy Toye – verantwortlich zeichnete, die im Laufe ihrer Karriere auch als Schauspielerin und Produzentin Erfahrungen sammelte.

    Zitat von Wendy Toye (1917-2010), BFI Screenonline, Quelle
    She displayed talent and imagination in directing the ‘In the Picture’ episode of Three Cases of Murder (co-d. David Eady, George More O’Ferrall, 1953), though she felt little enthusiasm for the routine crime films he then offered her. Nevertheless, she handled The Teckman Mystery (1954) with professionalism and efficiency. [...] [S]he never went over budget, and [...] her responsible example paved the way for other women to enter the field. She continued directing stage comedies until the mid 1990s, when she retired, with a lifetime of work in the theatre and film to her considerable credit.


    Toye steigerte die Spannung durchgängig und ließ sie in einer für Durbridge-Verhältnisse regelrecht atemberaubenden Szene auf der Tower Bridge und im Tower of London kulminieren. Die Schauplätze verleihen dem Film besondere Wertigkeit, unterstreichen die besondere Wirkung des Finales (erstklassige Auflösung) und rahmen die nostalgische Wirkung des Falles – gerade wenn man sich die Veränderungen im Umfeld der beiden Sehenswürdigkeiten seit dem Drehzeitpunkt vor Augen führt. Aus der Riege der Nebendarsteller sollen abschließend noch zwei Namen hervorgehoben werden: Einerseits verleitet der von Harry Locke gespielte Diener zu manchem Schmunzeln, andererseits agiert der in Rumänien geborene Meier Tzelniker, der trotz kleinen Wuchses und lustigen Akzents Drohgebärden am laufenden Band abliefert, beinahe peter-lorre-like und bleibt letztlich als eine der tragischeren Figuren des Krimis in Erinnerung.

    In Anbetracht der starken Story, der interessanten Wendungen und der abgerundeten Figuren ist es bedauerlich, dass von dem dem „Fall Teckmann“ zugrundeliegenden Mehrteiler keine TV-Aufzeichnung oder Romanfassung erhalten blieb. Der vorliegende Film entschädigt dafür immerhin mit sehr solider, spannender Machart und gut aufgelegten Darstellern. Gute 4 von 5 Punkten.

  • eBay - Kennt ihr schon das?Datum06.05.2018 00:47
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Für die im Herzen jung gebliebenen Autofans unter den Wallace-Fans:

    https://www.ebay.de/itm/Culfi-CTS-Code-3...5YAAOSwOhNa5yL1

  • Edgar Wallace AusstrahlungenDatum06.05.2018 00:28
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Am 20. Mai zeigt Kabel Eins wieder Edgar Wallace. Die Programmgestalter gehen dabei besonders kreativ vor, denn es kommen erneut exakt die gleichen Filme zur Ausstrahlung wie beim letzten Mal am Tag der deutschen Einheit 2017 (Fälscher, Tuch, Bogenschütze, Frosch). Die Sendezeit ist nicht berauschend - die Filme laufen im Nachmittagsprogramm von 12:40 Uhr durchgängig bis 20:15 Uhr.

    Fürs Archiv:

    20.05., 12:40 - 14:35 Uhr: Der Fälscher von London
    (vrstl. keine Wiederholung)

    20.05., 14:35 - 16:20 Uhr: Das indische Tuch
    (Wiederholung am 22.05., 04:10 - 05:55 Uhr)

    20.05., 16:30 - 18:25 Uhr: Der grüne Bogenschütze
    (Wiederholung am 21.05., 10:35 - 12:25 Uhr)

    20.05., 18:25 - 20:15 Uhr: Der Frosch mit der Maske
    (Wiederholung am 21.05., 12:25 - 14:15 Uhr)

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