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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Dass es inhaltliche Gründe hatte, glaube ich nicht. @Edgar007 erwähnte hier schonmal eine mögliche Erklärung:

    Zitat von Edgar007 im Beitrag #142
    Der Verlag wurde im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe ziemlich beschädigt bzw. zerstört, so daß von einige Büchern keine Neuauflagen mehr möglich waren.

    Das würde voraussetzen, dass der Roman entweder nach dem Krieg als nicht auffindbar galt oder dass der Verlag für neue Übersetzungen zu faul oder zu knauserig war.

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum25.02.2018 20:55
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema




    Parkstraße 13 (Verhör um Mitternacht)

    Kriminalfilm, D 1939. Regie: Jürgen von Alten. Drehbuch: Erwin Kreker (Vorlage, 1937: Axel Ivers). Mit: Olga Tschechowa (Evelyne Schratt), Hilde Hildebrandt (Baronin Bornegg), Ivan Petrovich (Frank Molander), Theodor Loos (Dr. Elken), Ernst Dumcke (Kriminalrat Marquardt), Hans Brausewetter (Nordau), Anton Pointner (Radzin), Alexander Engel (Diener Fedor), Kurt Vespermann (Einbrecher Mieke), Gerhard Bienert (Kommissar Warnke) u.a. Uraufführung: 4. Mai 1939. Eine Produktion der Astra-Film GmbH.

    Zitat von Parkstraße 13
    Auf ihrer Feier in der mondänen Parkstraßenvilla bewundern alle männlichen Gäste die schöne Hausherrin Evelyne Schratt. Insbesondere zwischen den Herren Molander und Radzin herrscht eine erbitterte Rivalenschaft: Während Molander ernste Absichten verfolgt, will Radzin von Evelynes Vermögen profitieren, denn er kennt ein pikantes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit. Auch in anderer Hinsicht ist er sehr streitbar, sodass viele Personen unter Verdacht geraten, als Radzin ermordet wird. Der ebenfalls anwesende Kriminalrat Marquardt übernimmt die Ermittlungen. Er hat es zugleich mit Juwelendiebstahl, Erpressung und Morden in der Vergangenheit zu tun ...


    Als ein frühes Beispiel multimedialer Vermarktungsstrategien gewann das Kriminalstück des 1902 in Danzig geborenen Autors Axel Ivers rasch an Popularität: 1937 wurde es erstmals unter anderem an Wiesbadener und Stuttgarter Bühnen aufgeführt; noch im selben Jahr entstand beim Reichssender Frankfurt eine Hörspielfassung. 1939 adaptierte die Berliner Astra-Film den Stoff schließlich auch fürs Kino; nach dem Krieg war es dann in den zwei geteilten deutschen Staaten in jeweils einer Fernsehfassung zu sehen. Ein Grund für die weitreichende Popularität von „Parkstraße 13“ ist die Vertrautheit, die die Geschichte ausstrahlt: Ivers bevölkerte sie mit allen Figuren, Gemütsregungen und Verbrechensmustern, die man in einem typischen Krimi alter Schule erwarten würde. Serviert wird die gediegene Mischung im Kontext einer eleganten Abendgesellschaft, wo sich das Geschehen inmitten gut situierter und gekleideter Vertreter der oberen Berliner Zehntausend abspielt.

    Der Film wurde insofern wenig angepasst, als er den titelgebenden Handlungsort und die überschaubare Zeitspanne – alle Taten und Ermittlungen finden im Laufe eines Abends und einer Nacht statt – beibehält. Außenaufnahmen gibt es fast nur als Exposition zu Beginn, bevor das Anwesen Schratt mit seiner verhängnisvollen Adresse ganz in den Mittelpunkt rückt. Die Feierlaune dämpft die bedrohliche Stimmung zwischen den einander nicht selten feindselig gesinnten Gästen sowie die düstere Ausstrahlung des Hauses, dessen Flure voller exotischer Kriegs- und Mordwaffen hängen. Der für seine effektive Schauerarchitektur bekannte Filmausstatter Gabriel Pellon war für „Parkstraße 13“ genau der richtige Mann, setzte seine oft plakativen Kulissen hier aber geschmackvoll zurückhaltend ein. Häufige Raumwechsel entflechten den Film zudem ein Stückweit von seiner Theatervorlage und machen ihn – gemeinsam mit einer kurzen Laufzeit von nicht mehr als 75 Minuten – zu einem ansprechenden Ratevergnügen.

    Von Agatha Christie übernahm Ivers den Umstand, dass fast jeder einen Grund hatte, das Mordopfer zum Teufel zu wünschen, und es damit eine reichliche Personen- bzw. Verdächtigenzahl gibt. Diese Riege der Radzin-Feinde führt Olga Tschechowa mit damenhafter Ausstrahlung an; nachdenklich und zerbrechlich tritt sie als (zu) viel umworbene Frau mit belastender Vergangenheit auf. Ihrem ehrenhaften Galan lässt Ivan Petrovich eine geschmeidige Verkörperung angedeihen. Auch Theodor Loos und Ernst Dumcke überzeugen in wohlwollenden Rollen, während vor allem Anton Pointner und Alexander Engel die verschlagenen Fieslinge darstellen. Bei beiden Figuren handelt es sich – der erforderlichen Abneigung wegen sicher nicht zufällig – um russische Exilanten (wobei der Film auch einige „einheimische“ Charaktere, so etwa die von Hans Brausewetter und Kurt Vespermann, recht aufdringlich erscheinen lässt). In einer herrlichen, wie für sie geschriebenen Rolle brilliert zudem Hilde Hildebrandt als bestohlene Baronin, die sich auf die Wirkung großer Gesten versteht und die typische Stutenbissigkeit jener Art dauererregter Personen mitbringt.

    Am Ende wird versucht, die Täterspannung bis kurz vor der Abblende zu halten, wobei die Frage nach dem Whodunit aufgrund der recht eindeutigen Inszenierung schon ein paar Minuten zuvor klar wird. Während die vorangehenden Untersuchungen sich flüssig gestalten, holpert der Film am Anfang ein wenig und verliert damit an Zugkraft, was vielleicht auch der Dialoglastigkeit bei gleichzeitig fehlender Ablenkung durch Musik oder außerhäusige Szenen zuzuschreiben ist. Dennoch überwiegen klar die Pluspunkte; man bekommt es mit einem Bilderbuchkrimi in wertiger Umsetzung zu tun.

    Die Geheimnisse von „Parkstraße 13“ verdienen es, wieder einmal ans Tages- oder zumindest schummrige Abendlicht geholt zu werden. Im Film von Jürgen von Alten wird ein effektiver Krimi, der über konventionellen Aufbau und überraschende Auflösung verfügt, mit Hahnenkämpfen zwischen den Herren und der Verantwortungslast einer schönen Frau kombiniert und von stilvollen Schauspielerleistungen alter Schule vorteilhaft getragen. Kleine Längen sind dennoch inbegriffen. 4 von 5 Punkten.

  • Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7)Datum25.02.2018 20:43
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Eine großartige Analyse, der man die Begeisterung für "Melissa" anmerkt. Der Kontrast zu "Die Schlüssel", die lediglich gut, aber in keiner Weise besonders sind, wird ganz klar deutlich. Es würde mich sehr freuen, wenn weitere lesenswerte Durbridge-"Nachbetrachtungen" folgen würden.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der Roman ist - ebenfalls vor dem Zweiten Weltkrieg - auch als "Der Neger Juma" erschienen. Macht aber keinen großen preislichen Unterschied; der ist ebenfalls nur ziemlich hochpreisig zu bekommen.

  • Die Jerry-Cotton-FilmreiheDatum25.02.2018 19:58
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von greaves im Beitrag #159
    Gibt’s die Cotton -Reihe immer noch nicht komplett auf DVD oder blu Ray zu kaufen?

    Es gibt alle acht Teile auf DVD von Kinowelt und Filmjuwelen sowie die letzten beiden auf Blu-ray. Nichts Neues von der Cotton-Front.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Du triffst genau meine Meinung zur Brent-Besetzung. Und auch der Kritik an Dautzenberg muss ich mich anschließen. Als Tölpel-Assistent wirkt er eher dümmlich als lustig; ein unvorteilhafter Kontrast zu den sonst recht seriösen Ermittlerteams (Frees mit Klingenberg, Lowitz mit Waitzmann, Drache mit Dux, Wischnewski mit Lindner etc.).



    Francis Durbridge: Ein Mann namens Harry Brent (Teil 3)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Peter Beauvais. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Ungeheuer (Harry Brent), Brigitte Grothum (Jane Conway), Peter Ehrlich (Inspector James Wallace), Wolfgang Preiss (George Conway), Gert Haucke (William Brother), Dirk Dautzenberg (Sergeant Roy Philipps), Anneliese Römer (Jacqueline Dawson), Helmut Käutner (Sir Gordon Towns), Johannes Grossmann (Filey) u.a. Erstsendung: 15. Januar 1968. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Ein Mann namens Harry Brent (Teil 3)
    Jane Conway wird von Harry Brent mit einem Schlafmittel betäubt und in die Wohnung der Schauspielerin Jacqueline Dawson gebracht. Die Polizei verbreitet die Legende, Jane habe Selbstmord begangen. Es handelt sich um eine Finte, um die wahren Schuldigen zu überführen, die an einer bahnbrechenden Erfindung, welche Samuel Fielding gemacht hatte, interessiert sind. Sowohl Harry Brent als auch Jane Conway geraten in Lebensgefahr, als sie sich mit einer weiteren Falle mit den Schurken anlegen, deren Boss unter dem Decknamen Mr. X agiert ...


    Viel von dem, was im letzten Teil von „Ein Mann namens Harry Brent“ geschieht, ist Durbridge-Standard in Reinform und kommt als solcher für einen durch jahrelange Straßenfeger geschulten Zuschauer nicht unbedingt überraschend. Dennoch stellt der letzte der drei Teile ohne Frage den besten und flüssigsten dar, den man ohne allzu große Schwierigkeiten an einem Stück sehen kann. Durbridges ständige Tricks sowie die diesmal sehr vorbildliche Aufdröselung aller nötigen Erklärungen fallen positiv ins Gewicht. Da die Geschichte wieder einmal sehr verschachtelt ist, sind äußerst umfangreiche Erläuterungen nötig; diese fallen aber nachvollziehbar und innerhalb des dritten Teils gut portioniert aus. Anders sieht es aus, wenn man sich das Gesamtkonstrukt in drei Teilen anschaut: Man spürt, dass sich Durbridge unbedingt alle Enthüllungen fürs letzte Drittel aufheben wollte und deshalb die ersten beiden an Inhaltslosigkeit oder übermäßiger Vagheit kranken.

    Die Flucht des von Wolfram Schaerf gespielten Gangsters Kevin Jason, dessen anschließende Verfolgung, der nächtliche Kampf auf dem Gutshof und andere zur Abwechslung einmal etwas bewegtere Szenen bringen am Ende doch noch Schmiss in den Mehrteiler; man hätte sich mehr Momente dieser Art auch in den vorherigen Teilen gewünscht – gerade auch in Bezug auf die Tatsache, dass die Ruine, in der Kevin Jason ums Leben kommt, im Gegensatz zu vielen drögen Studiosets ein optischer und atmosphärischer Leckerbissen ist, der in der einen Szene schon fast verschwendet wirkt.

    Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist, dass Durbridge einzelne Figuren, die zur Lösung beitragen, erst kurz vor Ende einführt. Dies geschah schon in „Der Andere“ mit dem allwissenden Harry Vincent; hier übernimmt Helmut Käutner einen fast schon cameo-haften Auftritt als dekadenter Strippenzieher beim Golfspiel. Er setzt damit eine interessante, aber etwas unterentwickelte Duftmarke; auf jeden Fall wirkt sein Spiel glaubhafter als jenes linkische von Regisseur-vor-der-Kamera-Kollege Paul Verhoeven zu Beginn von „Ein Mann namens Harry Brent“. Demgegenüber stehen Gert Haucke und Wolfgang Preiss, die auch im Finale nicht aus ihrer lethargischen Haut herausfinden und sich wenig Begeisterung für den Stoff und ihre eher flachen Rollen anmerken lassen. Ob es am Drehbuch oder am Regisseur liegt, dass überhaupt viele Figuren nicht recht ausgearbeitet scheinen? Stärker als in anderen Durbridges erhält man von den meisten Charakteren nur oberflächliche Eindrücke; und nicht alle Personen haben außer der Erhöhung der Verdächtigenzahl überhaupt eine einwandfreie Berechtigung, an der Story teilzunehmen. Folglich bleibt „Ein Mann namens Harry Brent“ trotz versöhnlichen Endes eine unausgegorene Produktion weit unter Serienschnitt.

    Die eigentümliche Atmosphäre, die von „Ein Mann namens Harry Brent“ ausgeht, ist schwer zu beschreiben, hemmt das Filmvergnügen und die Erzählgeschwindigkeit aber massiv. Im Vergleich zu älteren Durbridges wirkt dieser Krimi eher zeitgeistig und als solcher verstaubter als z.B. die zeitlosen Mehrteiler der frühen Jahre. Auch eine stellenweise unvorteilhafte Besetzung der nicht recht runden Handlungsträger blitzt immer wieder störend durch. Auf der Haben-Seite sind lediglich der Score und die sorgfältige Aufklärung zu verbuchen. 2 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Ein Mann namens Harry Brent (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Peter Beauvais. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Ungeheuer (Harry Brent), Brigitte Grothum (Jane Conway), Peter Ehrlich (Inspector James Wallace), Wolfgang Preiss (George Conway), Gert Haucke (William Brother), Dirk Dautzenberg (Sergeant Roy Philipps), Ilsemarie Schnering (Mrs. Green), Wolfram Schaerf (Kevin Jason), Anneliese Römer (Jacqueline Dawson) u.a. Erstsendung: 15. Januar 1968. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Ein Mann namens Harry Brent (Teil 2)
    Phyllis Brother wird tödlich attackiert, nachdem sie behauptet, Harry Brent sei schon länger mit Samuel Fielding bekannt. Ihr Mann verstrickt sich ebenfalls in Widersprüche, zumal er sich mit auffälligem Interesse um einen Füllfederhalter bemüht, der sich im Besitz des ermordeten Mr. Fielding befand. Vor seinem Geschäft wird der Handlanger Kevin Jason verhaftet, der hartnäckig über die Hintergründe des Verbrechens schweigt. Doch Inspector Wallace erzielt Teilerfolge: Mithilfe eines heimlich aufgenommenen Films kann er beweisen, dass Mrs. Brother die Wahrheit über Brents und Fieldings Bekanntschaft ausgesagt hatte. Warum nur hat es dann ein Scharfschütze auf Harry Brent abgesehen?


    Mit dräuender Schwere kriecht „Ein Mann namens Harry Brent“ seinem Ende entgegen. Obwohl von „Die Schlüssel“ über „Melissa“ bis zu diesem Krimi die Dreiteiler jeweils auf immer kürzere Laufzeiten eingedampft wurden, fühlt es sich diesmal so an, als hätte Peter Beauvais in Zeitlupe gearbeitet. Von der mühelosen Übersetzung der dialoglastigen Stoffe auf den Fernsehbildschirm, wie sie bei Hoene, Quest und May zu beobachten war und auch charakteristisch für von Sydows folgende Arbeiten sein wird, merkt man hier leider wenig. Gespräche wirken zwecklos oder langatmig und die übliche Faszination der Spuren zündet in den Mordfällen Fielding und Brother nicht. Im Mittelpunkt des Geschehens von Teil 2 stehen ein Füller, eine Filmaufnahme und ein vielsagender Hinweis auf den Erfindungsreichtum des ersten Toten. Vor allem der Film nährt weitere Verdachtsmomente gegen Harry Brent und es erscheint nur logisch, Teil 2 mit einem Cliffhanger zu beenden, der Brents Integrität noch stärker infrage stellt. Es wird deshalb oft die Besetzung der Rolle mit dem typischen Schurkendarsteller Günther Ungeheuer gelobt, doch gerade wenn man sich das typischste aller Durbridge-Krimistrickmuster vergegenwärtigt, den Hauptverdächtigen im letzten Moment jedes Zweifels zu entheben, so kann selbst diese Personalie nicht ernstlich vermuten lassen, das Rezept sei diesmal anders abgestimmt worden. Brent kommt als Täter nicht einmal in Gestalt von Ungeheuer in Frage; folglich hätte man diesen Schauspieler eher in Gert Hauckes etwas plumper bzw. Wolfgang Preiss’ lustloser Rolle oder sogar in einem unvorhergesehenen Coup als unleidlichen Ermittler besetzen und damit die Hauptrolle einem Sympathieträger überlassen können, dem man eine Beziehung mit Brigitte Grothum tatsächlich abnimmt.

    Wenn man „Ein Mann namens Harry Brent“ für etwas loben muss, so ist es die ungemein einprägsame Musikuntermalung von Hans-Martin Majewski. Sie gibt sich alle Mühe, Spannung in das Geschehen zu bringen, und erweist sich zugleich als ausgesprochen harmonisch. Leider steht sie damit Inszenierung und Casting diametral entgegen. „Der Spiegel“ beschrieb die Herangehensweise von Beauvais im Vorfeld der Erstausstrahlung mit blumigen Worten, die letztlich nicht Wunder nehmen, weshalb es an Tempo und Spannung fehlt:

    Zitat von Durbridge: Leichen zum Lachen, Der Spiegel, 03/1968, S. 114
    Die aufwendige Leichen-Schau bietet, wie immer, konventionelle Mord-Konstruktionen [...] Dank neuer Regie-Konzeption soll dennoch, so der Chef der WDR-Fernsehspiele, Günter Rohrbach, „alles ganz anders sein als sonst bei Durbridge“. Wandel verspricht sich Rohrbach von dem in Krimi-Inszenierungen bisher ungeübten Regisseur Peter Beauvais („Peter Schlemihl“), der „bewusst auf die alte künstliche Spannungsmache verzichtet“, dafür aber Realismus, Psychologie, Milieu-Charakteristik und Spaß ins Spiel bringe – so Rohrbach. Spaßig findet es der Regisseur beispielsweise, wenn ein Verbrecher über ein Polizistenbein stolpert und in eine Kiste voll geeister Fische fällt.


    Trotz einer eher durchschnittlichen Story kann man sich deshalb des Eindrucks nicht erwehren, man hätte – wenn man gewollt hätte – deutlich mehr aus „Harry Brent“ herausholen können. Die britische Sechsteiler-Version von 1965 dürfte beispielweise merklich klassischer ausfallen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zu „Harry Brent“ gehen die Meinungen ja extrem auseinander – ich muss leider mein negatives Urteil von der Erstsichtung beibehalten.



    Francis Durbridge: Ein Mann namens Harry Brent (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Peter Beauvais. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Ungeheuer (Harry Brent), Brigitte Grothum (Jane Conway), Peter Ehrlich (Inspector James Wallace), Wolfgang Preiss (George Conway), Paul Verhoeven (Samuel Fielding), Christiane Nielsen (Phyllis Brother), Gert Haucke (William Brother), Dirk Dautzenberg (Sergeant Roy Philipps), Barbara Frey (Barbara Smith) u.a. Erstsendung: 15. Januar 1968. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Ein Mann namens Harry Brent (Teil 1)
    Bei einem Vorstellungsgespräch erschießt die Bewerberin Barbara Smith ihren Chef in spe, den Maschinenfabrikanten Samuel Fielding. Vom Vorzimmer aus hören Jane Conway und ihr Freund Harry Brent den Schuss; Brent nimmt der traumatisierten Frau sogar nach der Tat die Pistole ab. Dennoch gerät er ins Fadenkreuz der Ermittlungen von Inspector Wallace, denn obwohl Harry Brent angibt, von Barbara Smith vorher noch nichts gehört zu haben und Samuel Fielding erst seit zwei Wochen zu kennen, tauchen mehrere Hinweise auf, die eine andere Sprache sprechen. Selbst als auf Brent ein Anschlag erübt wird, macht ihn das nicht unverdächtiger. Selbst Jane Conway, die auch mit dem Inspector privat bekannt ist, muss sich fragen, ob sie Harry Brent noch vertrauen kann ...


    Obgleich Ende der 1960er und im Laufe der 1970er Jahre noch vier weitere Francis-Durbridge-Mehrteiler entstanden, lichtete sich nach „Melissa“ der bisher gewohnte jährliche Takt für große Straßenfeger des britischen Autors. Im Januar 1967 nahm die ARD zum ersten Mal durbridge-frei, kehrte aber ein Jahr später mit der Beteuerung, sich stilistisch komplett reformiert zu haben, zum gewohnten Cliffhanger-Krimi zurück. In der Rückschau stellt sich die Frage, inwiefern eine radikale Änderung der Herangehensweise nach dem sehr gelungenen Dreiteiler „Melissa“ überhaupt nötig war bzw. ob es sich – gerade wenn man das Endergebnis mit „Ein Mann namens Harry Brent“ vergleicht – nicht vielmehr um eine Verschlimmbesserung handelt. „Harry Brent“ wirkt im Vergleich zum luftigen Krimimärchen der Paul-May-Schmiede deutlich weniger einladend, aufgrund der Rückkehr zur Ampex-Technik rückschrittlicher und trotz England-Aufnahmen sogar erstaunlich bieder. Was Peter Beauvais als realistischere, modernere Herangehensweise an Durbridge aufzog, hinterlässt beim Zuschauer schlicht einen unattraktiveren, billigeren Eindruck.

    Dazu tragen die sehr eigenwilligen, nicht selten vollgestopft oder unrealistisch erscheinenden Studiokulissen ebenso bei wie eine für Durbridge-Verhältnisse eher laue Besetzung, der es an einem ausgesprochenen Sympathieträger wie Tim Frazer, Guy Foster oder Inspector Yates fehlt. Die Hauptfiguren dieses Krimis sind alle derart miteinander verquickt, dass es schwer fällt, sich auch nur mit einer Person zu identifizieren. Im Gegensatz zu seinen unter Verdacht stehenden Vorgängern, die man schnell als offenkundig unschuldig von der Liste streichen konnte, erweckt Günther Ungeheuer tatsächlich einen äußerst zwielichtigen Eindruck. Man mag diesen Unterschied sogar als Stärke im Rätselfaktor empfinden, andererseits geht damit aber auch die Verbindung des Publikums zu seinem Charakter ein Stückweit verloren. Eine bislang kaum zum selbstständigen Agieren kommende Brigitte Grothum als Frau zwischen ihm und Peter Ehrlich ist auch nicht dazu angetan, eine belastbare Brücke zu spannen. Als am solidesten erweist sich tatsächlich Ehrlich, wenngleich es ihm als leitendem Ermittler natürlich schwerfällt, die Fußstapfen eines Siegfried Lowitz, Albert Lieven oder Siegfried Wischnewski auszufüllen.

    Leider ist der erste Teil von einer weitgehenden Konfusität geprägt, die weniger als in anderen Fällen Rätsel aufgibt, sondern vielmehr zu Längen und inhaltlichem Leerlauf führt. Für das unerklärliche Verhalten von Barbara Smith liegt zum Beispiel selbst nach ihrem Filmtod nicht der geringste Erklärungsansatz vor. Durbridge beschränkt sich stattdessen auf die altbekannte Strategie, Hinweise gegen die Hauptfigur aufzutürmen, die ihre Wirkung tatsächlich nicht verfehlen, aber auch nicht so faszinierend ausfallen wie etwa David Hendersons Klemme in „Der Andere“ oder Guy Fosters angeblicher Wahnsinn in „Melissa“. Harry Brent wird zwar auch körperlich in Form eines Anschlags übel mitgespielt, dieser ist jedoch ungelenk und überschnell inszeniert, sodass er kaum Einfluss auf das Tempo oder das Gefühl lauernder Bedrohung, wie es sich bei so manch anderem Durbridge einstellte, nimmt. Positiv zu vermerken bleibt da einzig die interessante Zeugenrolle Christiane Nielsens, die in einer – abermals leider hoffnungslos unmotivierten – „Action“-Einlage am Ende des ersten Teils zum Schweigen gebracht wird.

  • Christian Rode gestorbenDatum23.02.2018 15:58
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Er dürfte vielen vor allem aus der Hörspielbranche bekannt sein, wo er z.B. als Dr. Amersham in "Das indische Tuch" von Titania-Medien oder als Sherlock Holmes in den Serien von Maritim und Romantruhe-Audio zu hören war. In letztgenannter Reihe sind sogar noch mehrere Folgen für 2018 angekündigt.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Lord Peter im Beitrag #261
    Naja, eigentlich auch nicht wirklich.

    Irgendwie doch. Beim "Hexer" wurde am Anfang dieses Threads ja auch kräftig gejammert nach dem Motto "Was, der schon wieder?" - auf den "Bogenschützen" trifft letztlich Ähnliches zu. Wenn man sich die eher durchwachsene Qualität des Romans vor Augen führt, ist er für die verschiedenen Medien einfach unerhört oft, zuletzt in schrumpfenden Abständen und nicht immer mit guten Ergebnissen umgesetzt worden: dreimal als Film, mit dieser Ankündigung drei(-einhalb-)mal als Hörspiel, des Weiteren dreimal als Hörbuch. An diese Zahlen kommen nicht viele Romane heran, und man hätte sicher von Anfang an eine kreativere Wahl treffen können.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Schön, dass es mit Wallace-Hörspielen weitergeht, auch wenn es sicher schwer sein wird, an den Hörplanet-Standard heranzureichen. Bei mir ist es genau umgekehrt wie bei @Ray: Mir liegt nur "Der Hexer", aber noch nicht "Der schwarze Abt" vor. Da der "Hexer" als Testballon mehrere Jahre vorher produziert wurde, möchte ich über die neuen Hörspiele eigentlich noch nichts mutmaßen. "Abt" und v.a. "Safe" finde ich sehr interessante Titelentscheidungen, "Bogenschütze" ist halt oft Pflichtprogramm.

  • Eure DVDsDatum22.02.2018 18:54
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es wird nicht weniger. Und zu Karin Dors 80. Geburtstag ist natürlich auch ein Film mit ihr dabei!

    FILM

    • Paul Temple: Der grüne Finger (Send for Paul Temple) (Pidax Film-Klassiker)
      (GB 1946, mit Anthony Hulme, Joy Shelton, Tamara Desni u.a.; Pidax-Film)
    • Paul Temple: Wer ist Rex? (Calling Paul Temple) (Pidax Film-Klassiker)
      (GB 1948, mit John Bentley, Dinah Sheridan, Margaretta Scott u.a.; Pidax-Film)
    • Paul Temple: Jagd auf Z (Paul Temple’s Triumph) (Pidax Film-Klassiker)
      (GB 1950, mit John Bentley, Dinah Sheridan, Jack Livesey u.a.; Pidax-Film)
    • Paul Temple und der Fall Marquis (Paul Temple Returns) (Pidax Film-Klassiker)
      (GB 1952, mit John Bentley, Patricia Dainton, Grey Blake u.a.; Pidax-Film)
    • Edgar Wallace: Todestrommeln am großen Fluss (Death Drums Along the River) (Edition Filmjuwelen)
      (GB / BRD 1963, mit Richard Todd, Marianne Koch, Albert Lieven u.a.; Fernsehjuwelen)
    • Der Mann mit den tausend Masken (Upperseven, l'uomo da uccidere) (Edition Filmjuwelen)
      (BRD / IT 1966, mit Paul Hubschmid, Karin Dor, Vivi Bach u.a.; Fernsehjuwelen)
    • Top Job - Diamantenraub in Rio (Ad ogni costo / Diamantes a gogó) (Edition Filmjuwelen)
      (IT / ES / BRD 1967, mit Janet Leigh, Robert Hoffmann, Klaus Kinski u.a.; Fernsehjuwelen)
    • Agatha Christie Edition
      (GB 1974-82, mit Albert Finney, Peter Ustinov, Angela Lansbury u.a.; Studio Canal)
      enthält: Das Böse unter der Sonne, Mord im Orient-Express, Mord im Spiegel, Tod auf dem Nil
    TV
    • Kommissar Maigret - Volume 4 (Maigret) (Pidax Serien-Klassiker)
      (GB 1962, mit Rupert Davies, Helen Shingler, Ewen Solon u.a.; Pidax-Film)
    • Francis Durbridge: Die Spur mit dem Lippenstift (The Passenger) (Pidax Serien-Klassiker)
      (GB 1971, mit Peter Barkworth, Joanna Dunham, Mona Bruce u.a.; Pidax-Film)
    • Francis Durbridge: Die Kette (Pidax Serien-Klassiker)
      (BRD 1977, mit Harald Leipnitz, Uschi Glas, Herbert Fleischmann u.a.; Pidax-Film)
    • Francis Durbridge: Der elegante Dreh (Pidax Film-Klassiker)
      (DDR 1978, mit Walter Faust, Annelise Matschulat, Klaus-Martin Boestel u.a.; Pidax-Film)

  • Die blaue Hand (1925)Datum19.02.2018 21:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Eine interessante Gegenargumentation. Zum Roman "Die blaue Hand" habe ich bisher tatsächlich noch keine so kritische Stimme gehört. Aber in der Tat ist der Roman nicht so actionreich wie einige andere Wallace-Stoffe und wartet nicht mit den typischen Banden- oder Superschurken-Insignien auf. Die militärischen und politisch unkorrekten Spitzen sind zeitgeistig und sollten nicht von einem heutigen Standpunkt aus bewertet werden. Und was die Erfüllung typischer Rollenbilder ("die übliche Schönheit ... die übliche Millionenebin ... der edle Retter ... der verderbte Wicht") angeht, so verbuche zumindest ich das ganz klar bei den Pluspunkten, zumal die Figuren mehr als bloße Abziehbilder sind.

    Alles in allem ist "Die blaue Hand" für mich (auch trotz der genannten Logikfehler; die Annahme Jims, Eunice könne die Erbin sein, als dafür noch keine Anzeichen vorliegen, fiel mir auch als etwas bemüht auf) auf jeden Fall in der Wallace-Top-10, eventuell sogar -Top-5, zu verorten. Bzgl. des qualitativen Vergleichs mit der "seltsamen Gräfin" steht meine Tendenz schon im vorherigen Beitrag; ich müsste sie im Detail aber noch einmal gegenprüfen, weil die "Gräfin" bei mir schon wieder eine Weile her ist.

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum19.02.2018 00:10
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Selbstjustiz in Form persönlicher Rachenahme an den offiziellen Gesetzen vorbei ist in den Werken vieler Kriminalschriftsteller vertreten und man kann den entsprechenden Geschichten dann nicht selten zwischen den Zeilen die persönliche Haltung der Autoren zum Thema entnehmen. Arthur Conan Doyle zum Beispiel ließ seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes mehrfach auf eine Anzeige oder Bestrafung der Verbrecher verzichten, wenn diese einen „guten“ Grund für ihre Taten (z.B. im Sinne der Auslöschung eines verdorbenen Menschen) hatten.

    Edgar Wallace durchdachte dieses Muster mit seinen „professionellen“ Selbstjustiz-Figuren „der Hexer“ und „die vier / drei Gerechten“ noch ein ganzes Stück weiter. Die Sympathie, die aus diesen Rollen für die Privatisierung von Urteilsvollstreckungen spricht, ist frappierend und für manche Leser vielleicht sogar irritierend. Einerseits macht es zwar eine Art diebische Freunde, sich mit einem Edelschurken gegen einen durchtriebenen Unhold zu verbünden und damit bei der Lektüre selbst ein bisschen das Gesetz zu übertreten (quasi nach der Art eines mörderischen Robin Hood) und darin liegt sicher ein nicht unwesentlicher Anteil am Erfolg des „Hexers“ in Buch- und Bühnenform. Doch ganz korrekt ist dieses Vergnügen genaugenommen freilich nicht. So bezeichnet David L. Vineyard die „vier Gerechten“ in seiner Besprechung des gleichnamigen Romans für MysteryFile als „politische Terroristen“, Steven Fielding widmet in einem Blogpost für die School of Politics and International Relations der University of Nottingham dem Buch sogar eine Analyse dieses Aspekts unter dem Titel „The Good Terrorists“.

    Dabei ist zu beachten, dass Wallace, obwohl er die Gerechten den Minister Ramon ermorden ließ, damit keine politische Kritik ausdrückte oder gar Anarchie propagierte, sondern das Gegenteil der Fall ist:

    Zitat von Steven Fielding: A State of Play – British Politics on Screen, Stage and Page, Bloomsbury, London 2014, S. 37
    ‘[Ramon] was the most dangerous man in the Cabinet, which he dominated in his masterful way, for he knew not the meaning of the blessed word “compromise”.’ Ramon’s death is, it seems, due to his refusal to find the middle ground, as he is urged by the Prime Minister: in other words, he is assassinated for failing to act like a parliamentarian. In a bizarre way – the murder of a Cabinet minister – Wallace’s thriller endorses the parliamentary ideal.

  • Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7)Datum18.02.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Melissa (Teil 3)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Erik Schumann (Don Page), Claudia Gerstäcker (Carol Stewart), E.O. Fuhrmann (George Antrobus) u.a. Erstsendung: 14. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Melissa (Teil 3)
    Bei einer Befragung in Elvingdale stellt sich heraus, dass der Mann, der sich Guy gegenüber als Vater von Mary Antrobus ausgab, ein Betrüger war. Zudem stößt Inspector Cameron auf zwei erhellende Hinweise: auf Marys Rauschgiftsucht und den Umstand, dass Melissa ihr Geld mit einer Reihe von Erpressungen verdient hatte, die sie gemeinsam mit einem gewissen Mr. Smith beging. Mr. Smith ist auch Melissas Mörder – nur wer steckt hinter dem Pseudonym? Erst im letzten Moment und mithilfe eines Tricks, der mit einem kompromittierenden Tonband zusammenhängt, gelingt es Cameron und Guy Foster, den Schuldigen zu entlarven ...

    Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 195
    Als ich mich vom Fenster abwendete, spürte ich plötzlich, dass noch jemand im dunklen Wohnzimmer sein müsse. Ich konnte nichts sehen und nichts hören, aber ich fühlte die fremde Anwesenheit. Behutsam begann ich, mich der Lampe auf meinem Schreibtisch zu nähern. Die langen Fenstervorhänge neben dem Schreibtisch raschelten an meiner Schulter, als ich mich etwas vornüberbeugte, um die Lampe anzuknipsen. Die Mündung eines Revolvers wurde mir, irgendwie gemildert durch die Vorhänge, auf das Rückgrat gedrückt, und eine wispernde Stimme warnte: „Kein Licht!“


    Die Überführung des Mörders findet zwar sowohl in Durbridges Buch als auch im Mehrteiler in Guys und Melissas Wohnung statt, allerdings verzichtete May auf das spannungsfördernde Dunkel und ließ Mr. Smith erst ganz am Ende zu seiner Waffe greifen. So schön sich die Szene im Roman liest, so überzeugend fällt aber auch die etwas bodenständigere Filmvariante aus, die vielmehr ein offenes Duell zwischen Foster und dem Killer zelebriert. Im Vergleich zu Mehrteilern, deren überraschende Twists dermaßen aus dem Ruder laufen, dass eine logische Erklärung nur mehr schwer zu liefern ist, greifen die Puzzlestücke in „Melissa“ ganz natürlich, ja geradezu wie von selbst ineinander; der Fall verfügt nicht nur über eine reizvolle Ausgangslage und kontinuierliche Spannungssteigerung, sondern auch über einen runden Schluss. Zwar wird nicht alles explizit aufgeklärt, die Hinweise zur Art der Beteiligung der einzelnen Charaktere geben jedoch genug Aufschluss, um sich Details denken zu können. Obgleich fast allen Handlungsträgern eine mehr oder minder unrühmliche Rolle zugedacht wird, fabrizierte Durbridge hier kein so ununterscheidbares Gaunergemisch wie etwa in „Die Schlüssel“.

    Während sich die Schlinge um den Hals von Mr. Smith mehr und mehr zuzieht, formen Günther Stoll und Siegfried Wischnewski ein unwahrscheinliches und sympathisches Duo. Der Inspector, der sich zunächst bedrohlich an die Fersen des verlegenen Verdächtigen geheftet hatte, ist mittlerweile vollauf von dessen Unschuld überzeugt und geht nach den diversen Prüfungen, die Guy über sich ergehen lassen musste, schon geradezu freundschaftlich mit ihm um. Cameron erhält einen Schlüssel zur Foster’schen Wohnung und macht es sich mit einem Tonbandgerät in der Küche gemütlich, als sei sie sein eigenes Zuhause. Wischnewski verbindet in diesen Szenen einen schnodderigen Charme mit der vertrauenerweckenden Gewissheit, dass sich alles zum Guten wenden wird.

    Denkt man am Ende des dritten Teils noch einmal an die erste Szene von „Melissa“ zurück, so wird man erstaunt rekapitulieren, von welchen verborgenen Sünden scheinbar solide Ehen im Krimikosmos von Francis Durbridge zerfressen sein können. Waren die Täter in anderen Mehrteilern zumeist alleinstehende Einzelgänger, so wird hier deutlich, dass verbrecherische Fassaden bis in die privatesten Beziehungen hinein aufrecht erhalten werden müssen. „Melissa“ ist ein Krimimehrteiler mit einer ganz eigenen, morbiden Faszination, der immer wieder zu munteren Kombinationen und damit auch als Aushängeschild der damaligen Straßenfeger-Reihe taugt.

    Ruth Maria Kubitscheks Titelfigur ist ein schillerndes Mordopfer, um dessen Ableben Francis Durbridge außerordentlich raffinierte Überraschungen strickte. Dem gehörnten Gatten verleiht Günther Stoll ein glaubwürdiges Gesicht – für ihn war der Auftritt in diesem TV-Großereignis der prägende Karrieremoment. Unterstützt von einer passgenauen Besetzung und einem Regisseur, der nach seiner Fingerübung im Jahr zuvor den Charme von Durbridge-Krimis nun vollends durchschaut hatte, begleitet ein gespanntes Publikum Guy Foster auf seiner Wahrheitssuche im Stile Davids gegen Goliath. 5 von 5 Punkten.

  • Die blaue Hand (1925)Datum18.02.2018 16:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Die blaue Hand (The Blue Hand)

    Erstausgabe (Großbritannien): Ward Lock & Co., London 1925. Erstausgabe (Deutschland): Verlag Hesse und Becker, Leipzig 1928. Erstübersetzer: Ravi Ravendro (= Karl Döhring). Leseempfehlung: Weltbild-Verlag, Augsburg 2001 (Doppelband mit „Das Geheimnis der gelben Narzissen“). Erhältliche Hörbuchfassung: Audience / AME hören, Berg 2008 (2 CDs, Sprecher: Johannes Steck).

    Zitat von Edgar Wallace: Die blaue Hand
    Der Anwalt Septimus Salter hat sich bereits daran gewöhnt, dass sein Sekretär Jim Steele mit Eifer in alten Akten liest. Besonders der Fall Danton, in dem es um ein verschwundenes Mädchen und das ihr zustehende Millionenerbe geht, hat es Jim angetan. Dieses Erbe soll in Kürze auf den unausstehlichen Scharlatan Dr. Digby Groat übergehen. Ungefähr zur gleichen Zeit nimmt Jims Freundin Eunice Weldon eine Stellung bei Groat und dessen Mutter auf. Die alte Dame hat kleptomanische Anfälle, verhält sich auch sonst reichlich merkwürdig und ist ihrem Sohn offenbar völlig hörig. Im Groat’schen Haushalt treibt zudem ein Unbekannter sein Unwesen, der blaue Handabdrücke zurücklässt. Diese scheinen eine düstere Bedeutung zu haben, denn Mrs. Groat fällt bei der Erwähnung der „blauen Hand“ in Ohnmacht. Derweil sorgt sich Jim Steele um Eunice, die im Hause der Groats zunehmend in Gefahr gerät, als die Groats bemerken, dass sie eine charakteristische Narbe am Handgelenk hat ...


    Dass Edgar-Wallace-Fans hierzulande bei „Die blaue Hand“ zuallererst an Klaus Kinskis Irrenanstalts-Abenteuer mit Metallkrallenmorden denken, ist ein wenig schade, denn der Edgar-Wallace-Roman, von dem sich die Rialto 1967 nicht mehr und nicht weniger als den Titel borgte, überzeugt mit einem deutlich feineren, weniger abgehalfterten Plot, der die Stärken des Autors deutlich zum Tragen kommen lässt. Das Buch „Die blaue Hand“ ähnelt in seiner Grundstruktur insofern der „seltsamen Gräfin“, als hier wie dort eine junge Frau arglos eine Stellung in einem verbrecherischen Haushalt aufnimmt und dadurch in Lebensgefahr gerät. Im Vergleich ist „Die blaue Hand“ allerdings der überzeugendere der beiden Stoffe, denn gerade die Bedrohung, die von den Groats ausgeht, wird absolut eindringlich geschildert. Das macht den Roman sehr spannend, wenngleich er weder über eine Mordserie noch über einen Whodunit verfügt. Vielmehr ergibt sich der Nervenkitzel aus den Familiengeheimnissen und dem willensstarken, durch und durch bösartigen Charakter von Digby Groat.

    Groat definiert sich über seine Gier sowohl nach Macht als auch nach Geld: Das bietet die perfekte Gelegenheit, die Geschichte der Danton-Millionen ins Spiel zu bringen, welche die Handlung ebenso wie die Auftritte der unbekannten blauen Hand laufend vorantreibt. Wallace operierte hier wieder einmal nach der Devise „alte Sünden werfen lange Schatten“ und verband ein nur mit Mühe aufzudeckendes, wohl gehütetes Geheimnis aus der Vergangenheit mit den Vorkommnissen auf der aktuellen Ebene des Buches. Jim Steele gewinnt durch seine Beharrlichkeit an Profil; er ist der typische rechtschaffene Held, dem man aufgrund seiner unermüdlichen Nachforschungen jeden Erfolg gönnt. Dass Eunice Weldon im Hause der Groats jedoch oft auf sich allein gestellt ist, lässt ihn vor allem im Mittelteil des Buches manchmal off limits geraten; hier verstecken sich dann die großen Herausforderungen und Schrecken, die Eunice selbst bewältigen muss.

    Wallace ließ, um Digby Groats Abscheulichkeit zu untermauern, Andeutungen von Vivisektions-Horror einfließen, auf den er ein Jahr später in „Die Tür mit den sieben Schlössern“ bei Groats ähnlich widerwärtigem „Nachfolger“ Dr. Staletti noch einmal zurückkommen sollte. Bei der Mutter Jane Groat handelt es sich dagegen um eine im Vergleich komplexere Figur, die einerseits selbst Unrecht ausübte, der aber nun auch Unrecht widerfährt. Hier hätte sich in einer Verfilmung ein großartiger Part für eine erfahrene Filmdiva angeboten. Um Jane Groat dreht sich außerdem auch die Bedeutung der blauen Hand, bei der es sich um ein geradezu tragisches Erkennungszeichen handelt. Im Gegensatz etwa zu kostümierten Bogenschützen verfehlt dieses Symbol seine Wirkung auch auf heutige Leser nicht.

    Um ein besseres Bild von Wallace’ Originalfiguren zu vermitteln, hier einige Beschreibungen aus dem Roman:

    Zitat von Edgar Wallace: Die blaue Hand, Weltbild-Verlag, Augsburg 2001, S. 233
    Seitwärts von dem alten tintenbeklecksten Tisch stand ein Stuhl, auf dem ein junger Mann [Jim Steele, Anm. d. Verf.] kniete. Er hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt und war in das Studium eines Schriftstücks vertieft. [...] Er war groß und hatte breite Schultern, aber trotzdem waren seine Bewegungen geschmeidig und biegsam. Sein gebräuntes Gesicht erzählte von Tagen, die er draußen im Freien verbracht hatte. Eine gerade Nase, ein fester Mund und ein hartes Kinn gaben ihm das charakteristische Aussehen eines früheren Offiziers, der vier Jahre lang an der Front alle Härten des Krieges mitgemacht hatte. Nun war er etwas verwirrt und sah mehr nach einem bei Unaufmerksamkeit ertappten Schüler aus als ein schneidiger Offizier, der das Viktoriakreuz erhalten und in hartem Luftkampf acht feindliche Flugzeuge heruntergeholt hatte.

    Zitat von Edgar Wallace: Die blaue Hand, Weltbild-Verlag, Augsburg 2001, S. 239
    Der Schreiber öffnete die Tür für einen elegant gekleideten jungen Herrn [Digby Groat, Anm. d. Verf.]. Jim kannte ihn schon von früher, aber je öfter er ihn sah, desto weniger konnte er ihn leiden. Er hätte mit geschlossenen Augen das schmale, wenig freundliche Gesicht mit dem kurzen, schwarzen Schnurrbart, die müden Augen, die blasierten Züge, das große, vorstehende Kinn und die etwas abstehenden Ohren malen können, wenn er ein Zeichner gewesen wäre. Und doch machte Digby Groat in mancher Beziehung einen guten Eindruck, das konnte selbst Jim nicht bestreiten. Sein Anzug war nach dem modernsten und besten Schnitt gearbeitet und stand ihm außerordentlich gut. In dem Zylinder, den er in der Hand trug, hätte man sich spiegeln können, und als er ins Zimmer trat, verbreitete sich ein leiser Duft von Quelques Fleurs.

    Zitat von Edgar Wallace: Die blaue Hand, Weltbild-Verlag, Augsburg 2001, S. 244f
    Sie [Eunice Weldon, Anm. d. Verf.] war von schlankem Wuchs und ging sehr gerade. Etwas Liebenswürdiges und Elegantes lag in ihren Bewegungen, so dass die Herren, die auf den Straßen umherschlenderten, um zu flirten, stehen blieben, wenn sie vorbeiging. Sie ließen sich durch ihre Haltung abschrecken, machten sich aber nachher bittere Vorwürfe, dass sie sie nicht kühn angesprochen hatten. Eunice hatte ein reines, fast madonnenähnliches Gesicht, aber ihre fröhlich lachenden, blauen Augen und ihre schöngeschwungenen Lippen waren sehr lebhaft und schienen nicht gewillt, das Leben in klösterlicher Abgeschlossenheit zu vertrauern. In ihren Augen lag ein eigentümlicher Glanz, in dem sich eine Bitte und auch zugleich eine Warnung ausdrückte. Es lag Reinheit in ihrem ganzen Wesen, in all ihren Zügen, in dem ausdrucksvollen Mund, in dem runden, jugendlichen Kinn. Es lag wie ein Hauch von Taufrische über ihrer weißen, klaren, fast durchsichtigen Haut. Alle Schönheit der Jugend schien in ihr vereinigt zu sein.

    Zitat von Edgar Wallace: Die blaue Hand, Weltbild-Verlag, Augsburg 2001, S. 251
    Die Frau, die ihm [Digby, Anm. d. Verf.] auf dem Sofa gegenübersaß, sah älter aus, als sie in Wirklichkeit war. Jane Groat war über sechzig, aber manche hielten sie für zwanzig Jahre älter. Ihr gelbliches Gesicht war von vielen Runzeln und Falten durchzogen, und auf ihren blassen Händen traten die blauen Adern hervor. Nur ihre dunkelbraunen Augen machten noch einen lebendigen Eindruck, und in ihrem Blick lag Neugierde, beinahe Furcht. Ihre Gestalt war gebeugt. Ihr Benehmen ihrem Sohn gegenüber war fast kriechend. Sie sah ihm nicht in die Augen – sie sah überhaupt selten jemand an.


    Im aufregenden Finale bricht der Roman schließlich seine bis dato eher kammerspielhafte Atmosphäre merklich auf. Details aus den Personenbeschreibungen (vor allem jene, die Jim Steeles Fliegerlaufbahn betreffen) gewinnen auf einmal an Bedeutung. Eine umfangreiche Verfolgungsjagd auf Leben und Tod setzt sich in Gang – auf diese Weise bleibt das Buch bis zur letzten Seite lesenswert, auch wenn sich die meisten Fragen bereits kurz nach der Mitte klären. Insgesamt ist die Mischung zwischen klassischem Krimi und abenteuerlichem Ende exzellent abgestimmt. Sie spricht für Wallace’ untrügliches Gespür für Unterhaltungswerte und macht „Die blaue Hand“ zu einem besonders gelungenen Werk seiner geschäftigsten Arbeitsjahre, das man immer wieder aufs Neue genießen kann.

    Das Fehlen einer werkgetreuen Verfilmung ist tatsächlich bedauerlich, zumal sich die Ereignisse im Hause Groat bei behutsamer Dramatisierung gut für einen frühen Wallace-Krimi oder einen schwarzweißen Hammer-Grusler angeboten hätten bzw. sich sogar noch heute für ein period drama im britischen Fernsehstil anbieten würden. Die Wehmut wird allerdings durch die Hörspieladaption von Titania Medien (2005) gelindert (Hörprobe), welche den Roman zwar stark einkürzt, aber mit großem Gespür für das Flair der Vorlage, glaubwürdigen Sprecherleistungen und einer stimmigen Geräuschkulisse umsetzt.

  • Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7)Datum17.02.2018 21:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Melissa (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Erik Schumann (Don Page), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Christine Uhde (Mary Antrobus), Dietrich Thoms („George Antrobus“) u.a. Erstsendung: 12. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Melissa (Teil 2)
    Mittels einer Botschaft ins Dörfchen Elvingdale gelockt, macht Guy Foster dort die verblüffende Bekanntschaft der angeblichen Liebschaft seiner Frau: Es handelt sich um einen zwölfjährigen Jungen! Guy lernt neben Peter Antrobus auch dessen Schwester Mary kennen, die Angst vor ihm hat, weil sie Guy als mutmaßlichen Mörder aus der Zeitung wiedererkennt. Eines Abends glaubt Guy, seinen Ohren nicht zu trauen, denn als das Telefon klingelt, hört er die Stimme der toten Melissa am anderen Ende der Leitung. Er solle unbedingt zum gemeinsamen Cottage fahren. Doch als er am nächsten Morgen dort ankommt, findet Guy nicht Melissa, sondern Mary Antrobus. Sie wurde erwürgt – auf die gleiche Weise wie seine Frau ...

    Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 96f
    Als ich mich aufrichtete, bemerkte ich, dass die Tür zur Küche offen stand und dass in der Küche die trübe Deckenlampe brannte. Ich ging in die Küche. Einen winzigen Moment später wünschte ich mir, dass ich das nicht getan hätte – wünschte es mir mit all der vergeblichen Intensität, die wir aufbringen, wenn wir verzweifelt um die Gnade beten, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu können. Das Mädchen in dem alten Korbstuhl war tot. Und ich stand da, das entsetzliche Bild anstarrend, anstatt daheim in London friedlich in meinem Bett zu schlummern.


    Inspector Cameron begrüßt den Zuschauer zu Beginn des zweiten Teils mit einem Rückblick auf das Geschehen der ersten Folge. Zum ersten Mal waren in „Melissa“ solche erläuternden Zusammenfassungen unmittelbarer Produktionsbestandteil – zuvor waren klärende Worte entweder von den Programmansagerinnen übernommen oder erst bei Ausstrahlungen in späteren Jahrzehnten hinzugefügt worden („Das Halstuch“ und „Die Schlüssel“). Die direkte Ansprache durch eine handelnde Figur verleiht dem „Was bisher geschah“ jedoch eine ganz andere Qualität und sorgt für einen ungemein vergnüglichen Einstieg – zumal Wischnewski seinem Polizisten in der Tradition von Lievens Inspector Hyde eine feine Süffisanz verleiht. Man spürt auch mehr und mehr, dass der kluge Ermittler zu viele Widersprüche in den Spuren gegen Guy Foster entdeckt, um diese für bare Münze zu nehmen und sich völlig auf den gebeutelten Witwer einzuschießen.

    Trotz eines überraschenden Anrufs „aus dem Jenseits“ (Melissa lockt Guy am Telefon in das gemeinsame Landhaus) tritt die Präsenz der Kubitschek-Rolle deutlich in den Hintergrund. Es scheint, als sorgten die sich förmlich überschlagenden Ereignisse dafür, dass Melissa Fosters Tod von den Beteiligten schnell akzeptiert wird – weil sie sich schon wieder anderen Neuigkeiten ausgesetzt sehen und sich vor allem der Ehemann bei seinen vergeblichen Bemühungen, sich aus dem Netz der Indizien zu befreien, nur noch weiter darin verheddert. Großen Raum nimmt das Verwirrspiel um die ominöse Familie Antrobus ein. Deren Rolle im Geschehen sorgt beim Zuschauer für völlige Ratlosigkeit und außerdem für den zweiten, abermals außerordentlich wirkungsvollen Leichenfund.

    Guys Freunde erweisen sich derweil als hedonistische oder gar verlogene Egoisten: Insbesondere den beiden männlichen Darstellern Erik Schumann und Hubert Suschka gelingt es vorzüglich, Verdacht auf sich zu lenken und sich damit als Täter förmlich anzubieten, während Hanne Wieders Spitzzüngigkeit für manche Momente des hintersinnigen Schmunzelns sorgt. Im kleinen Auftritt von Christine Uhde in der Rolle der verängstigt-desorientierten Mary Antrobus zeigt sch zudem einmal mehr, dass die Durbridge-Reihe auch von den Auftritten sonst eher unbekannter Schauspieler lebt, die in ihren markanten Rollen den Ruhm des Scheinwerferlichts zwar nur kurz genießen durften, den Mehrteilern jedoch jeweils eine ganz besondere Note hinzufügten (vgl. auch Esther Queil in „Der Andere“ und ein Stückweit auch Ingrid Ernest in „Der Fall Salinger“).

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Liebe Bücherwürmer und Wallace-Freunde,

    jetzt ist das Roman-Forum vollumfänglich einsatzbereit. Ich freue mich sehr, dass mit diesem Unterforum nun endlich der Raum geschaffen wurde, der den Büchern von Edgar Wallace zusteht. Vorschläge dazu gab es ja bereits seit mehr als fünf Jahren. Und sie waren absolut berechtigt, denn ohne die Romane und Kurzgeschichten des King of Crime hätte es weder die Rialto-Filme der 1960er Jahre noch überhaupt die gesamte damalige Krimiwelle oder gar den Kriminal- und Polizeiroman in seiner typischen Form der 1920er Jahre gegeben.

    In diesem neuen Bereich können sowohl Romane als auch Kurzgeschichten des Autors vorgestellt und diskutiert werden. Dazu ist es jetzt möglich, neue Themen für jedes einzelne Werk zu eröffnen, anstatt alle Beiträge in einen unübersichtlichen Sammelthread zu versenken. Die seit vielen Jahren auf diese eher suboptimale Weise gesammelten, für sich aber ungeheuer wertvollen Beiträge habe ich nun auch in solche Einzelthreads ausgelagert. Auf diese Weise stehen dem geneigten Leser jetzt schon 51 Diskussionsstränge zu einzelnen Büchern – von „Die toten Augen von London“ bis „Das Gasthaus an der Themse“, von „Der rote Kreis“ bis „Das indische Tuch“ – zur Verfügung. In diesen Themen sind sowohl kurze Kommentare und Leseeindrücke als auch profunde Buchbesprechungen gern gesehen – also äußert euch immer und in jeder Form gern zu eurer Wallace-Lektüre!

    Für allgemeine Fragen zu den Romanen kann weiterhin gern der bisherige Sammelthread genutzt werden, der jetzt unter dem Betreff Allgemeines zu den Edgar-Wallace-Romanen immer an erster Stelle über den anderen Beiträgen zu finden ist. Weiterhin ist das Unterforum für alle buchbezogenen Wallace-Neuigkeiten gedacht.

    Auf spannende und konstruktive Beiträge!

  • Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7)Datum16.02.2018 18:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auf zu Durbridges wohl faszinierendstem Stoff:



    Francis Durbridge: Melissa (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Ruth Maria Kubitschek (Melissa Foster), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Erik Schumann (Don Page), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Ulrich Beiger (Mr. Duncan) u.a. Erstsendung: 10. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Melissa (Teil 1)
    Eigentlich sollte es ein vergnüglicher Abend für das Ehepaar Foster auf der Geburtstagsfeier des befreundeten Rennfahrers Don Page werden. Doch Guy Foster scheut die Party und schickt seine Frau Melissa allein hin. Sie stirbt noch in dieser Nacht an den Händen eines Würgers. Der Gatte gerät rasch unter Verdacht: Die Handschuhe, die Don geschenkt bekommen sollte und die Melissas Mörder bei der Tat trug, verschwanden quasi unter Guys Augen aus der Foster’schen Wohnung. Ein Nervenarzt behauptet zudem, ihn untersucht zu haben, weil Melissa um seine geistige Gesundheit besorgt gewesen sei. Zu allem Überfluss stellt sich die Tote plötzlich als reiche Frau mit einer geheimnisvollen Liebschaft heraus. Welches Geheimnis hütete Melissa Foster?

    Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 14
    Über die Böschung herab kamen vorsichtig zwei Männer, mit einer Trage zwischen sich. Auf der Trage lag eine zugedeckte Gestalt. Auf einen Wink des Inspectors blieben die Männer mit der Trage bei uns stehen. Er beugte sich etwas herab und hob behutsam das Ende der Decke, das den Kopf verhüllte. [...] Die Welt schien sich plötzlich in einem langsamen, Übelkeit erregenden Halbkreis um mich zu drehen. Ich nahm nicht mehr wahr, wie sie Melissa in den Ambulanzwagen schoben.


    In keinem anderen Durbridge-Mehrteiler bewegt den Zuschauer das Schicksal der Protagonisten so stark wie in „Melissa“: Die titelgebende Frau wird mit geschickten Kunstgriffen zu einem widersprüchlichen Faszinosum ausgebaut. Ihr rascher Tod verkehrt das Bild, das man sich von der anfangs so heiter erscheinenden Melissa Foster machte, in sein Gegenteil. Dem Mann, der zunächst als mürrischer Spielverderber auftritt, geht es derweil so übel an den Kragen, dass man unweigerlich für ihn eingenommen wird. Der Mord an der geliebten Ehefrau wiegt für Guy Foster ebenso schwer wie der plötzliche Kontrollverlust über die eigene Glaubwürdigkeit, Reputation und sogar Gesundheit. Ist der arbeitslose Reporter tatsächlich ein psychisch angeschlagener Mörder? Oder wird ihm nur mit einem weitreichenden Komplott böse mitgespielt? Der Name Durbridge garantiert natürlich geradezu für Letzteres. Ruth Maria Kubitschek und Günther Stoll verkörpern die beiden Hauptrollen im Zwielicht absolut überzeugend. Für Stoll war „Melissa“ der Durchbruch, der ihm bald darauf auch – wie Heinz Drache – zu seiner ersten Rialto-Wallace-Hauptrolle verhalf. Der Schauspieler ist vor allem deshalb eine treffliche Besetzung, weil er die Grauschattierungen, die für einen Charakter wie Guy Foster erforderlich sind, typgerecht umsetzen konnte.

    Die allermeisten Szenen werden demnach wie auch im 1967 erschienenen Roman aus Guys Sicht erzählt. Die starke Konzentration auf den Hauptdarsteller bügelt die Mittelpunktslosigkeit des Vorgänger-Krimis „Die Schlüssel“ aus – man hatte aus dem etwas oberflächlichen Dreiteiler also kluge Lehren gezogen. Dies führte dazu, dass „Melissa“ nach mehreren Jahren, in denen die Presse sehr kritisch mit Durbridge umging, endlich wieder an „Halstuch“-Popularität anknüpfen konnte. Die Hindernisse, die Guy Foster in den Weg gelegt werden, halten den Zuschauer zum immer aufmerksameren Sehen an – kontinuierlich steigerten sich die Einschaltquoten von Teil 1 bis 3 von 72 auf 89 Prozent. Zur dichten Atmosphäre und zur Legendenbildung um Melissa trägt nicht unwesentlich die Musik von Peter Thomas bei, der der Titelfigur eine eigene Kennmelodie spendierte. Diese – das markanteste Musikstück des Mehrteilers –, aus deren Tonfolge und Instrumentierung Wehmut und unausgesprochene Geheimnisse sprechen, schaffte es in seiner achtwöchigen Präsenz in den deutschen Charts bis auf Listenplatz 4 und wurde damit zu Thomas’ erfolgreichstem Hit überhaupt. Durbridge beschrieb Melissas Melodie im Roman als „seltsam subtil und allzu vertraut“.

    Die Krimihandlung profitiert von den immensen Verdachtsmomenten, die sich gegen Guy Foster auftürmen, ebenso wie von der Unsicherheit, welche sich aus dem Wissen ergibt, dass die Drahtzieher des Mordes jederzeit Zugang zur Foster-Wohnung haben. Auch die Indizien – die Handschuhe, die verschwundene Hutschachtel, der Schuldschein und der (zu) wertvolle Schmuck in Melissas Besitz – verbreiten angenehme Rätselstimmung. Aus den weiteren Rollen sind in Teil 1 vor allem Siegfried Wischnewski als hartnäckiger Inspector Cameron und Albert Bessler als bösartiger Arzt hervorzuheben. May setzte die Szenen in Besslers Büro mit sinistrer Ausleuchtung, geschickten Kameraperspektiven und einer gummigepolsterten Tür ohne Klinke geradezu unheimlich in Szene – ein Unterfangen, das der kauzige Schauspieler natürlich bestens mit seiner maliziösen Präsenz zu stützen verstand. Aber auch seine Sprechstundenhilfe, gespielt von Katinka Hoffmann, hinterlässt den Eindruck berechnender Kaltblütigkeit.

  • Blutige Seide (1964)Datum13.02.2018 18:25
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Blutige Seide (Sei donne per l’assassino / Six femmes pour l’assassin)

    Kriminalfilm, IT / FR / BRD 1963/64. Regie: Mario Bava. Drehbuch: Marcello Fondato, Giuseppe Barilla, Mario Bava. Mit: Cameron Mitchell (Massimo Morlacchi), Eva Bartok (Gräfin Cristiana Cuomo), Thomas Reiner (Inspektor Silvestri), Ariana Gorini (Nicole), Mary Arden (Peggy), Claude Dantes (Tao-Li), Lea Lander (Greta), Dante di Paolo (Franco Scalo), Franco Ressel (Marquis Riccardo Morelli), Massimo Righi (Marco) u.a. Uraufführung (IT): 10. April 1964. Uraufführung (BRD): 27. November 1964.

    Zitat von Blutige Seide
    Das Mannequin Isabella wird von einem maskierten Unbekannten ermordet. Unter ihren Kolleginnen und deren Arbeitgeberin, der Gräfin Cristiana, die nach dem Tod ihres Mannes nun mit dem Modeschöpfer Massimo zusammenlebt, bricht Panik aus. In Isabellas Wohnung werden Drogen gefunden; außerdem sorgt das Tagebuch der Toten für Aufsehen. Es enthält pikante Geheimnisse, die den Killer erneut auf den Plan treten lassen. Er tötet weitere Modelle auf brutale Weise. Was hat er zu verbergen? Inspektor Silvestri setzt bald eine Reihe von Verdächtigen fest, unter denen er den Täter vermutet. Doch die Morde gehen weiter ...


    Als hätte er das Ziel der Entwicklung vom Krimi zum Giallo vorausahnen können, profilierte Bava nach „The Girl Who Knew too Much“ in „Blutige Seide“ weitere spezielle Merkmale für italienische Reißer der kommenden Dekade. Legte „Girl“ noch eine naiv-altmodische Zurückhaltung an den Tag, so markiert „Blutige Seide“ das Ablegen alter Tabus und den Beginn des offenherzigen Inszenesetzens von Gewalt, Erotik und mörderischer Übermacht als Ausdruck einer pervertierten Ästhetik.

    Zitat von Antonio Bruschini, Antonio Tentori: Italian Giallo Movies, Profondo Rosso, Rom 2013, S. 29
    For the first time in Italian cinema, the figure of the mad maniac is represented in all its frightening power. This classic iconography would pave the way for a long series of psycho killers up to the more recent productions. It’s a nightmarish vision: a black-dressed figure, the face covered with a mask and a hat. However, in Bava’s film there are two murderers, killing in turn, and giving the viewer the impression of an omnipotent and ubiquitous entity which no one can escape from, until the final revelation. [...] The murderers’ habits and methods are also fundamental: the murders are never quick, but they turn out to be cruel exercises in death, executed with a paroxistic fury, causing ample bloodletting and physical devastation. A victim has her face crushed with an iron spiked fist, another is drowned and then slashed with a razor, another has her face scalded on a hot iron stove.


    Die zwei Strumpfmaskenmörder in diesem Film schlagen nicht nur auf möglichst morbid-blutige Weise zu, auch die Anzahl und Länge der Mordsequenzen ist so beachtlich, dass der Film im Originaltitel sogar damit wirbt („Sechs Frauen für den Mörder“). Viel Platz bleibt deshalb rundherum nicht für eine komplexe Story oder abgerundete Charaktere. Die Mädchen, die der Hand der Killer zum Opfer fallen, tragen zwar Namen, sind aber trotzdem anonym. Sie unterscheiden sich in erster Linie nicht durch ihre Persönlichkeiten, sondern durch ihre Frisuren voneinander. Inhaltliche Oberflächlichkeit bei gleichzeitiger künstlerischer Umtriebigkeit sollte durchaus auch zum Markenzeichen einiger Vorzeige-Gialli werden, macht sich hier aber einigermaßen problematisch bemerkbar. Es ist, als habe Bava ähnlich wie bei seinem späteren Gewalt-Epos „Im Blutrausch des Satans“ anfangs nur die Morde im Kopf gehabt und darum dann ein loses Drehbuch in Auftrag gegeben.



    Und dennoch nimmt es unwillkürlich Wunder, dass die regelrechte Metzelei der Modelle in schonungslose Bilder gegossen wird und damit – in einem Streifen von 1964! – der in späteren Filmen der Giallo-Hochzeit schon so frappierend ähnelt. Die blinde Autorität des maskulinen Killers im Vergleich zur Verletzlichkeit der fashion girls, wahren Gallionsfiguren unemanzipierter Weiblichkeit, birgt ein klares Sadismusmoment, das man so auch aus Filmalpträumen der Regiekünstler Dario Argento oder Lucio Fulci kennt. Hinzu kommt der völlig unnatürliche und deshalb so beeindruckende Einsatz greller Farben, der als klares Markenzeichen die Optik des Films mitbestimmt. Bava scheute sich nicht davor, die komplette Palette auszukosten und gegebenenfalls auch unvorteilhaft zu kombinieren. Hauptsache Alarm – was für die Brutalität gilt, gilt auch für Kamera und Licht.

    Seine zukunftsweisende Stellung sei „Blutige Seide“ gern attestiert, aber vollends überzeugt der Früh-Giallo letztlich dennoch nicht. Die Handlungen mancher Figuren sind irrational und unverständlich, die Filmdekors fallen in ihrem bräsig-heruntergekommenen Barock-Chic eher billig aus und die Schauspieler stammen trotz internationaler Koproduktion nur aus der zweiten Reihe. So brachten die deutschen Produktionspartner etwa Eva Bartok und Thomas Reiner unter – eine B-Film-Queen und einen TV-Nebendarsteller. Bartok sorgt dafür, dass das dramatisch angedachte Finale eher Seifenoperncharme versprüht, obwohl man dem später in „Blutspur im Park“ nochmal aufgegriffenen Kniff seine Wirkkraft nicht absprechen kann. Reiner degradiert in Kollaboration mit dem Drehbuch die Polizistenrolle auf Jahrzehnte des Giallo-Kinos hinaus zu einer undankbaren Statisten- bzw. untätigen Beisitzer-Funktion. Auch der amerikanische Hauptdarsteller Cameron Mitchell erscheint austauschbar. So bleiben lediglich einige der Mordopfer in prägnanter Erinnerung: Lea Lander und Claude Dantes verbinden einprägsame Gesichter mit grob, aber markant skizzierten Frauentypen.

    Dass die Morde nur aus Selbstschutz geschahen, kann man sich aufgrund der zentralen Rolle des Tagebuchs des ersten Opfers zwar denken; allerdings erklärt dieses Motiv nicht den überbordenden Gewalteinsatz, der deshalb ungerechtfertigt wirkt. Man hat allerdings kaum Zeit, darüber nachzudenken, weil die Auflösung nicht ausgiebig zelebriert wird, sondern im Vorübergehen erfolgt, um im Anschluss eine Coda über die gegenseitige Selbstvernichtung des Mörder-Duos anschließen zu können. Ist diese erst abgeschlossen, endet der Film mit einem Schwenk auf einen herunterbaumelnden Telefonhörer in knalligem Rot. Bavas „Blutiger Seide“ hat der Giallo also nicht nur den maskierten Fetischkiller zu verdanken, sondern – was mindestens ebenso wichtig ist – auch die auffällig-poppigen Fernsprechgeräte ...

    Bava gelang eine beeindruckende Weiterentwicklung der mit „The Girl Who Knew too Much“ eingeschlagenen Route; allerdings vergaß der Regisseur über seine kunstvollen Morde, dass ein guter Film mehr als nur Angstspannung und Brutalität beinhalten sollte. Die wackelige Story und die schwachen Darsteller drücken die beeindruckende Mordserie auf 3,5 von 5 Punkten herunter.

    [ Weitere Besprechungen des Films finden sich in diesem Thread. ]

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