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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bei eBay gibt es gerade ein Filmplakat zu diesem Film, das ich bisher nicht kannte. Es wird als Erstaufführungsplakat beworben und preist "Piccadilly" auch entsprechend groß als ersten Durbridge-Spielfilm an. Aber zugleich nimmt es Bezug auf den Erfolg der Fernsehspiele "Das Halstuch", "Die Schlüssel" und "Melissa". Das Halstuch geht i.O., die anderen beiden verwundern mich: Während "Piccadilly null Uhr zwölf" Ende Dezember 1963 anlief, wurde "Die Schlüssel" erst im Januar 1965, "Melissa" im Januar 1966 gezeigt. Wie passt das zusammen?

    https://www.ebay.de/itm/orig-A1-Plakat-P...rt/152941134381

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Brrr, wer für so einen Mist Geld ausgibt, dem ist aber auch wirklich nicht zu helfen.

  • Bewertet TV: "Das Messer" (1971, 10)Datum14.03.2018 22:33
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #50
    Ein durchgängiger Fehler, der sich damals in der Presse fand. Grund war, dass der erste vom NWDR Hamburg (dann: NDR) produziert wurde und der WDR natürlich erst ab "Es ist soweit", der ersten WDR-Produktion, zählte.

    Danke für die Aufklärung und die Korrektur! Schade, dass "Mellin Forest Mystery" doch vrstl. nicht überlebt hat. Aber vielleicht finden sich ja irgendwann doch noch weitere britische Frazer-Folgen ("fingers crossed").

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Arzt und Dämon (Dr. Jekyll and Mr. Hyde)

    Gruseldrama, USA 1941. Regie: Victor Fleming. Drehbuch: John Lee Mahin (Romanvorlage, 1886: Robert Louis Stevenson; Vorlage, 1887: Thomas Russell Sullivan). Mit: Spencer Tracy (Dr. Henry Jekyll / Mr. Hyde), Ingrid Bergman (Ivy Peterson), Lana Turner (Beatrix Emery), Donald Crisp (Sir Charles Emery), Ian Hunter (Dr. John Lanyon), Barton MacLane (Sam Higgins), C. Aubrey Smith (Bischof), Peter Godfrey (Poole), Sara Allgood (Mrs. Higgins), Frederick Worlock (Dr. Heath) u.a. Uraufführung (USA): 12. August 1941. Uraufführung (D-West): 13. Mai 1949. Eine Produktion von Loew’s Incorporated für Metro-Goldwyn-Mayer.

    Zitat von Arzt und Dämon
    Der ehrgeizige Arzt Dr. Jekyll nimmt einen unangenehmen Zwischenfall beim Gottesdienst zum Anlass, sich mit Feuereifer einem sensiblen Forschungsthema zu widmen: Er will untersuchen, wie sich das Gute und das Böse im Menschen stets gegenseitig bekämpfen. Als er Tinkturen entwickelt hat, welche die beiden Charakterextreme zum Vorschein kommen lassen, tritt er ein folgenschweres Experiment an: Er konsumiert seine Mittel selbst und verwandelt sich in den bestialischen Mr. Hyde! Als solcher zwingt er die Bardame Ivy in eine brutale Beziehung, während er bei Tage die ahnungslose Beatrix Emery umwirbt ...


    Nur zehn Jahre zuvor – bei der Oscar-Verleihung 1931 – hatte Fredric March für seine Verkörperung von Jekyll und Hyde in Rouben Mamoulians Paramount-Film einen Goldjungen als bester Hauptdarsteller erhalten. Als MGM den Klassiker-Stoff von Robert Louis Stevenson schon 1941 wieder auflegen wollte (eine Idee, die mit der Zerstörung vieler Kopien des 1931er-Films verbunden war), zögerte Spencer Tracy verständlicherweise, in diese enormen Fußstapfen zu treten. Er sagte dann doch zu, den besessenen Wissenschaftler zu spielen, als er erfuhr, dass Victor Fleming Regie führen und ihm die Möglichkeit einräumen würde, die Doppelrolle nicht so theatralisch maskenhaft anzulegen wie March ein Jahrzehnt zuvor. Im Gegensatz zu ihm verwandelt sich Tracys Dr. Jekyll bei Einnahme seiner Wunderflüssigkeit nicht in einen halben Neanderthaler. Sein Mr. Hyde unterscheidet sich trotz des Einsatzes einiger ihn optisch entstellender Maßnahmen hauptsächlich durch sein Verhalten von seinem alter ego, was durch die umfangreiche Exposition mit dem traumatisierten Kirchgänger und Jekylls dadurch motivierten Studien eindrucksvoll unterstrichen wird.



    Weniger dezent als bei der Jekyll-Hyde-Transformation ging man bei Momenten der Rage des menschlichen Monsters Hyde zu Werke, der der Bardame Ivy Peterson aufs Schlimmste zusetzt. Verständlicherweise sieht der Zuschauer nicht, wie diese von ihm missbraucht wird, das intensive Spiel der Unterdrückung und Angst von Tracy und Bergman in ihren gemeinsamen Szenen lässt jedoch wenig Raum für Fantasie. Bemerkenswert vor dem Hintergrund strenger Production Code-Regelungen sind auch die „Traumsequenzen“, mit denen Victor Fleming bei der Verwandlung des guten Doktors in sein wildes Gegenstück arbeitete. In kunstvollen Collagen werden hier Sinnbilder des Guten und Bösen miteinander verwoben, wobei die Dinge auf einmal sehr explizit werden, als Tracy als wütend um sich peitschender Kutscher zu sehen ist und die Köpfe seiner Pferde sich plötzlich in die von Bergman und Turner verwandeln.

    „Arzt und Dämon“ zeichnet Jekyll einerseits als Arbeitstier, andererseits auch als Mann zwischen zwei Frauen – ein Versatzstück, das nicht der Buchvorlage, sondern deren erster Theaterbearbeitung durch Thomas R. Sullivan entspringt. Es handelt sich jedoch um eine willkommene Ergänzung, die der Stevenson’schen Geschichte nicht nur die verhalten erotische Komponente der Befriedigung verbotener Lüste verleiht, sondern auch in effektiven Gruselszenen um die beiden Damen fürchten lässt. Ingrid Bergman sollte zunächst die tugendhafte Beatrix spielen, setzte sich jedoch dafür ein, zum ersten Mal eine verkommene Frauenrolle porträtieren zu dürfen. Noch recht am Anfang ihrer Hollywood-Karriere, ringt Bergman mit den komplexen Anforderungen an diesen Part; insgesamt gerät Lana Turners Darstellung des good girl with angelic qualities überzeugender, was sogar positiv ist, weil dies den Film als melancholisches Drama eines übereifrigen Menschen noch wirkungsvoller macht und den Zuschauer bis zum traurigen Finale mitfiebern lässt. Hohen qualitativen Ansprüchen genügt auch die deutsche Synchronisation von 1949, in der René Deltgen Spencer Tracys Doppelrolle spricht und den Kontrast zwischen sanfter Gutmütigkeit und exzentrischer Kauzigkeit treffend einfängt.

    Vielleicht handelt es sich nicht um die gruseligste Verfilmung von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, wohl aber gelingt dem MGM-Drama eine mit typischen Insignien des 1940er-Jahre-Kostümschockers gespickte spannende Unterhaltung, die von einer starken Liebesgeschichte begleitet wird. Tracy und Turner spielen hervorragend, Bergman ist mit Abstrichen sehr effektiv in ihrer Rolle. Die hochwertige Umsetzung lässt sich viel Zeit, nutzt diese aber, um die wesentlichen Aspekte der Geschichte tiefgründig zu beleuchten. 4 von 5 Punkten.

  • Bewertet TV: "Das Messer" (1971, 10)Datum11.03.2018 20:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Einen Film, der von Herbert Fux’ abstoßender Art profitiert, muss ich erst noch finden. Generell eine ganz, ganz üble Type, die mir alles verleidet. Was die Rollennamen angeht, so spricht eigentlich gerade Durbridges bekannte Namenspedanterie dafür, dass diese plumpen Bezeichnungen – sogar die Cluedo-Spielfiguren tragen einfallsreichere Namen – entweder nicht allein sein Werk gewesen sein können oder er meinte: Wenn’s nur deutsche Zuschauer zu sehen bekommen, wird’s wohl niemandem auffallen.



    Francis Durbridge: Das Messer (Teil 3)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1971. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Hardy Krüger (Jim Ellis), Eva Renzi (Julie Andrew), Sonja Ziemann (Mrs. Corby), René Deltgen (Philip Cooper), Peter Mosbacher (Dr. Hall), Heinz Schubert (Inspector Bird), Klaus Löwitsch (Frank Batman), Kurt Beck (Tom Clifford), Alexander Kerst (Colonel Green) u.a. Erstsendung: 4. Dezember 1971. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Das Messer (Teil 3)
    Nachdem im „Ivanhoe“ eine weitere Person mit einem chinesischen Messer erstochen wurde, beginnen die Fäden sich zu entwirren: Frank Batman kommt auf Jim Ellis zu und bietet ihm für 50’000 Pfund die Herausgabe des Physikers Hamilton an, der vor Jahren nach Hongkong verschwunden war. Auch Tom Clifford und Philip Cooper scheinen bis zum Hals in der Sache drinzustecken. In einer spektakulären Übergabe im alten Industriehafen von Cardiff und auf einem nahen Flugplatz klären sich die Fronten. Jim Ellis kann mithilfe von Colonel Green und Inspector Bird den Messermörder stellen ...


    Im letzten Teil rappelt sich „Das Messer“ noch einmal ein Stückweit auf, wenngleich der Reiz der ersten Episode nicht erreicht wird. Obwohl man wieder ermüdend langen Sequenzen im Shanghai Restaurant beiwohnen muss, bleibt das „Ivanhoe“ mit seinem wohnlichen Charme der wichtigere Anker für die Schlussfolge des Dreiteilers. Auch das Finale im Hafen weiß von einem Actionstandpunkt her zu gefallen. Dieser Maßstab mag allerdings ungewöhnlich erscheinen, denn als Zuschauer wird man über die Entwicklung, die die lange recht konservativen Durbridge-Krimis seit „Melissa“ genommen haben, womöglich eher melancholisch gestimmt sein. Wenig erinnert an die elegante, wenn auch manchmal trutschige Rätselstimmung der Durbridge-Klassiker; der Zeitgeist der frühen Siebziger verlangte andere Prioritätensetzungen, zu denen offenbar auch eine vergleichsweise oberflächliche Gestaltung des Inhalts gehörte. Verkauft werden sollte das dem Publikum als positives Novum:

    Zitat von Georg Pagitz: Das Messer, Francis-Durbridge-Homepage, Quelle
    Regisseur Rolf von Sydow sagte: „Bei diesem Durbridge ist alles ganz anders. Keine unnötige Irreführung des Zuschauers. Weniger Tote. Außerdem wird die Geschichte logischer sein. Und sich selbst nicht ganz ernst nehmen. Wir machen alles mit einem Augenzwinkern.“


    Die Frage, ob „Das Messer“ bei einer Verfilmung als dritter Frazer-Teil 1964 womöglich komplexer und weniger offensichtlich gewirkt hätte, kann mithilfe eines Vergleichs mit der Romanfassung „Tim Frazer weiß Bescheid“ beantwortet werden, die teilweise deutliche Abweichungen von der hiesigen TV-Version aufweist. Auch die BBC-Verfilmung von 1960 gilt im Gegensatz zu ihren beiden Frazer-Brüdern nicht als verschollen.

    Kurioserweise vom Spiegel als neunter Durbridge-Krimi angekündigt (welchen man wohl vergessen hatte?), war „Das Messer“ ein zwar ambitioniertes, aber letztlich eben doch unleugbares Auslaufmodell. Die Kombination des antiquierten Durbridge-Charmes mit ständigen Erneuerungen war nur schwer möglich, wie immer häufigere Schwächen in den anfangs so kontinuierlich sehenswerten Verfilmungen des Autors belegten. Obwohl man mit Hardy Krüger einen absolut starken Hauptdarsteller gewinnen und in dessen Fahrwasser auch sonst eine ordentliche Besetzung zusammenbringen konnte, stimmt die Chemie letztlich nicht mehr so wie bei früheren Stoffen.

    Die reizvollen Ansätze des „Messers“ ertrinken in seiner prosaischen Machart, die teilweise ungelenk und langweilig wirkt. Gute Schauspieler stehen einer wackeligen Inszenierung und einem insgesamt zu überraschungslosen Plot entgegen, der gerade am Ende immer mehr ohne Effekt verpufft. 3 von 5 Punkten.

  • In Hollywood hatte man recht zeitig entdeckt, dass mit Leinwandgrusel ein gutes Geschäft zu machen war. Das Publikum in Angst versetzten einerseits reinrassige Horrorfilme wie etwa Bela Lugosis „Dracula“-Reihe, aber auch dezentere Schauerfilme, die oft stark auf Krimipfaden wandelten und gerade ab den 1940er Jahren durchaus Parallelen zur berühmten Schwarzen Serie aufweisen. Oftmals als Plüsch- bzw. Kostümfilme im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, verbreiten sie jedoch eine ganz eigene Art der Spannung, die nicht selten mit (Londoner) Nebel, häuslicher Gewalt oder unheimlichen Experimenten zu tun hat. Beispiele für bekannte Gruselklassiker dieses Strickmusters, die hier diskutiert werden können, sind ...

    • Mord in der Rue Morgue (Murders in the Rue Morgue, 1932)
    • Das Haus des Grauens (The Old Dark House, 1932)
    • Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (Mystery of the Wax Museum, 1933)
    • Der Rabe (The Raven, 1935)
    • Das schwarze Zimmer (The Black Room, 1935)
    • Arzt und Dämon (Dr. Jekyll and Mr. Hyde, 1941)
    • Katzenmenschen (Cat People, 1942)
    • Phantom der Oper (Phantom of the Opera, 1943)
    • Scotland Yard greift ein (The Lodger, 1944)
    • Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
    • Das Haus der Lady Alquist (Gaslight, 1944)
    • Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
    • Scotland Yards seltsamster Fall (Hangover Square, 1945)
    • Der Leichendieb (The Body Snatcher, 1945)
    • Die Wendeltreppe (The Spiral Staircase, 1946)
    • Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
    • Schlingen der Angst (Sleep, My Love, 1948)

  • Bewertet TV: "Das Messer" (1971, 10)Datum10.03.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    In Teil 1 dachte ich wirklich noch, dass es sich diesmal deutlich besser anlässt als gedacht. Doch dann kam Teil 2, der mich wahrlich nicht zu Jubelstürmen veranlasst. Kurios – vor neun Jahren sah ich’s umgekehrt!



    Francis Durbridge: Das Messer (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1971. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Hardy Krüger (Jim Ellis), Eva Renzi (Julie Andrew), Sonja Ziemann (Mrs. Corby), René Deltgen (Philip Cooper), Peter Mosbacher (Dr. Hall), Heinz Schubert (Inspector Bird), Klaus Löwitsch (Frank Batman), Kurt Beck (Tom Clifford), Alexander Kerst (Colonel Green) u.a. Erstsendung: 2. Dezember 1971. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Das Messer (Teil 2)
    Mary Jones, die sich als Mildred Beaty ausgegeben hatte, wurde ermordet. Die Tatwaffe sieht ebenso aus wie das chinesische Messer, das im Hotelzimmer Mr. Coopers hängt, doch dieser kann zum Erstaunen von Inspector Bird seine unbenutzte Waffe vorzeigen. Ein Telegramm an Mary Jones führt Jim Ellis derweil in das zwielichtige Shanghai Restaurant in Cardiff, von wo aus ein gewisser Batman seine Fäden spinnt. Auch die Journalistin Julie Andrew zeigt plötzlich überraschend starke Aufmerksamkeit am Fall Mildred Beaty. Ihre Wege kreuzen die von Jim Ellis mehrfach – nicht immer zur Freude des verdeckten Ermittlers ...


    Dass Francis Durbridge manchmal kurz vor der Auflösung noch einen allwissenden Erklärer aus dem Hut zauberte, der das bis dato undurchdringliche Dickicht von Indizien und Verdächtigungen mit bisher nicht zur Sprache Gekommenem erhellen konnte, soll schon mehrfach vorgekommen sein. Obwohl eine solche Praxis nicht unbedingt den klassischen Fairness-Regeln für Krimistoffe entspricht, fiel sie durch die Gliederungsstruktur der Mehrteiler nie so stark ins Gewicht. Beim „Messer“ muss man allerdings schon von einem Ungleichgewicht in der Konstruktion sprechen, wenn diverse zentrale Figuren erst im zweiten Teil (der in der ursprünglichen 6-Folgen-Konzeption sogar erst Episode 3 gewesen wäre!) ihren Einstand geben. Neben dem Inspector sowie dem Berufsschurken und seinem Handlanger betrifft das vor allem die weibliche Hauptrolle, die es folglich kaum mehr schafft, als solche akzeptiert zu werden. Eva Renzi erhielt die Rolle erst nach der Absage von vier Kolleginnen und verleiht ihrer Reporterin ein eher kindisch-nerviges Gemüt, indem sie sich tollpatschig verhält, ein loses Mundwerk demonstriert und insgesamt eher aufdringlich wirkt. Das Gegenteil kann von Heinz Schubert gesagt werden, der als Polizeiermittler in der zweiten Reihe verharrt, was auch besser ist, da ihm die Zeilen nur in Ausnahmefällen glaubhaft über die Lippen kommen.

    Ein weiterer Kardinalfehler bestand darin, die Umgebung des atmosphärischen Landhotels nur noch am Rande zu bedienen und stattdessen ein Billig-Etablissement mit passendem Gorilla-Mitarbeiter in den Fokus zu rücken. Das Shanghai Restaurant wirkt weder unheimlich noch mysteriös, sondern einfach nur abgestanden und muffig und auf die zweifelhafte Ehre, Herbert Fux als Kaschemmenwirt in einem Durbridge-Mehrteiler zu sehen, hätte man auch getrost verzichten können. Er ruiniert jegliches durch die britischen Außenaufnahmen zustandegekommenes Feeling, wobei auch die wenig fachkundige Umbenennung der Rollennamen des Frazer-Originals mit Nachnamen wie Baker, Miller, Green und Andrew oder den stilblütigen Bezeichnungen Blackwood Cottage (vulgo Schwarzwaldhaus) und Batman (die Comicfigur gibt es seit 1939) ihr Scherflein zur fehlenden Authentizität beitragen. Zudem bessert sich Naujecks Kamera auch im zweiten Teil nicht; einige Einstellungen wecken den Eindruck, als wären sie nicht unter Regie von Sydows, sondern des berüchtigten spanischen Trash-Königs Jess Franco mit Hausbildgestalter Manuel Merino entstanden.

    Stärker als andere Durbridges schlägt in „Das Messer“ der Fluch des mittleren Teils zu, der sich insgesamt dröger als Einstieg und Ende gestaltet. Wichtige Spuren, die dem Mehrteiler mehr Reiz verleihen könnten – so etwa die des Kinderliedes oder des verschwundenen Physikers –, werden zu lange nicht aufgegriffen. Nichtsdestoweniger liefern die Gestalten, die sich in der Pension „Ivanhoe“ die Klinke in die Hand geben, recht stimmungsvolle Porträts ab. Insbesondere die wandelbare Sonja Ziemann weiß zu überzeugen. Auch Kurt Beck als Makler Tom Clifford spielt passend auf, wenngleich seinem Vorzimmer es ohne Karin Hübner zweifellos an Glanz fehlt.

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum10.03.2018 19:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gegen "Hexer" und "Zinker" könnte ich kein Wort sagen, aber den "Fälscher" habe ich als eher schleppende Lektüre im Vergleich zu spannenderen Wallace-Romanen in Erinnerung. Ich hatte damals ebenfalls die DDR-Übersetzung gelesen. Insgesamt ähneln sich "Fälscher" und "Zinker" wegen ihrer sehr prominenten Romanzen-Thematik (Heirat aus Pflichtgefühl) allerdings doch ein Stückweit.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich freue mich über eure Teilnahmebereitschaft. Denjenigen, die noch "vorarbeiten" wollen, viel Spaß bei den Sichtungen!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke, @Ray, für deine Komplett-Besprechung der Haferkamp-Tatorte. Mich haben die beiden Folgen, die ich bisher kenne, zwar nicht über Gebühr überzeugt (weder inhaltlich noch darstellerisch oder inszenatorisch), aber ich werde auf jeden Fall nochmal einen oder zwei Fälle antesten, die du als besonders gelungen hervorgehoben hast. Tendenziell scheinen sich diese auch eher am Anfang der Reihe zu konzentrieren.

    Bekommen wir noch ein Round-up, z.B. in Form einer Rangliste?

  • Bewertet TV: "Das Messer" (1971, 10)Datum09.03.2018 23:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Das Messer (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1971. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Hardy Krüger (Jim Ellis), Alexander Kerst (Colonel Green), Karin Hübner (Mary Jones), Sonja Ziemann (Mrs. Corby), René Deltgen (Philip Cooper), Peter Mosbacher (Dr. Hall), Charles Regnier (George Baker), Kurt Beck (Tom Clifford), Hans-Jürgen Diedrich (John Miller) u.a. Erstsendung: 30. November 1971. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Das Messer (Teil 1)
    Der Fund einer Frauenleiche in der walisischen Provinz ruft den Secret Service auf den Plan, weil die Tote chiffrierte Dokumente bei sich hatte. Als man herausfindet, dass die Agentin Mildred Beaty nach ihrem Aufenthalt in Hongkong verschwunden ist und eine Betrügerin ihren Platz eingenommen hat, kommt den Geheimdienstmitarbeitern die Idee, die Tote könne Beaty sein. Sie schicken ihren besten Mann, Jim Ellis, undercover nach Wales, wo er das Hotelzimmer bezieht, das die Verstorbene bewohnt hatte. Er trifft nicht nur auf verdächtige Gestalten in der Pension, sondern auch auf die gesuchte Hochstaplerin, die nicht vor Waffeneinsatz zurückschreckt ...


    Dass „Das Messer“ auf einer älteren Tim-Frazer-Vorlage beruht und 1971 nach längerem Verweilen aus einer Senderschublade gezogen wurde, merkt man daran, dass der thematische Schwerpunkt mit seiner Spionagehandlung eher den frühen Durbridges gleicht, in denen oft Geheimdienste, Agenten oder Wirtschaftskriminalität eine wesentliche Rolle spielten. Im Gegensatz zu den Mehrteilern der vorangehenden Jahre, die sich immer stärker auf privat motivierte Mordfälle oder Erpressergeschichten konzentrierten, geht es hier wieder einmal um Landesinteressen, verschlüsselte Codes und eine nicht polizeiliche Ermittlung. In den frühen Siebzigerjahren haftet diesem Subgenre jedoch ein ganz anderes Flair an als ein Jahrzehnt zuvor, wo Spionagespielchen in schönstem Schwarzweiß beschaulich und überschaubar wirkten. „Das Messer“ dagegen präsentiert mit Hardy Krüger einen merklich auf Coolness gebürsteten Hausgebrauchs-James-Bond, der mit einem Feuerzeug Fotos schießt, Frauen um den Finger wickelt und Fleischwunden mit einem Schulterzucken abtut. Ein weiter Schritt, wenn man Vergleiche zu dem deutlich verhalteneren Tim Frazer zieht und sich vor Augen führt, dass beide Figuren das jeweils zeitgenössische Publikum durch so unterschiedliche Charakterzeichnungen für sich einnehmen sollten.

    Während die Farbgestaltung des letzten WDR-Mehrteilers sich zurückhaltend und klassisch präsentiert, spielen sich mit Bild- und Musikgestaltung zwei ausgesprochen zeitgeistige Faktoren unterschiedlich erfolgreich in den Vordergrund. Die Musikuntermalung bezieht ihren eigentümlichen Reiz aus der Kontrastierung eines klassischen walisischen Chorlieds mit dem progressiven Sound der Rockband Can und ihrer Psychedelic-Schleife „Spoon“ und verdeutlicht damit, dass in „Das Messer“ Altes und Neues ungeschliffen aufeinandertrifft, manchmal harmonisch, manchmal kollidierend. Eine solche ästhetische Kollision verursacht die unstete Kameraführung von Dieter Naujeck, die wohl dazu zur Absicht hatte, den Zuschauer mitten ins Geschehen zu transferrieren. Was jedoch in erster Linie dabei herauskam, waren extrem verzerrte Perspektiven, ständig das Bild versperrende Hinterköpfe und Schultern sowie „unkonventionelle“ Einstellungen, in denen etwa eine Lampe den Großteil des Bildes einnimmt oder Figuren sich in weiter Entfernung auf einem Schrankspiegel wiederfinden. Derlei ablenkenden Tand hatten frühe Durbridge-Krimis, die sich auf bloße Solidität beriefen, nicht nötig.

    Blendet man einige Machart-Macken aus, überzeugt Teil 1 des „Messers“ mit inhaltlicher Raffinesse sowie angenehm anmutenden Schauplätzen, Verdächtigen und Plottwists. Das titelgebende Mordinstrument hinterlässt einen gebührend mysteriösen Eindruck, der zur leicht anklingenden Asia-Thematik des Mehrteilers passt. Unter den Verdächtigen tut sich vor allem der merklich gealterte, optisch fast schon seinem Alm-Öhi-Spätimage entsprechende René Deltgen positiv hervor, der einen sehr stimmigen Farbton zwischen verdächtiger Allwissenheit und gemütlichem Gesprächspartner aufträgt. Auch Karin Hübner als Gegenspielerin für Hardy Krüger liefert eine ausgezeichnete Arbeit ab, sodass das Ende der ersten Folge als durchaus bedauerlich bezeichnet werden muss. Auf Ermittlerseite prägt sich neben dem Anführer vor allem Alexander Kerst ein, während Charles Regnier in seiner Interpretation der Vorgesetztenrolle nicht ganz an Konrad Georgs Frazer-Vorlage heranreicht.

  • Wallace & Blu-rayDatum07.03.2018 19:29
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von lasher1965 im Beitrag #520
    Box 1 hatte noch ein paar Schwächen, die Boxen 2 bis 4 hingegen waren sehr überzeugend!

    Box 1 muss am Ende doch sowieso nochmal neu aufgelegt werden, da sie nicht wie alle anderen in 4K kam - oder man schiebt gleich die nächsten Auflagen aller Boxen in 8K nach.

  • Thema von Gubanov im Forum Francis Durbridge



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018

    Anlässlich des 20-jährigen Todestags von Francis Durbridge am 11. April sowie der baldigen Veröffentlichung von 20 bisher unbekannten Kurzgeschichten mit Durbridges bekannter Radio-Figur Paul Temple kam Georg und mir die Idee, wieder einmal eine Veranstaltung in diesem Unterforum anzubieten. Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018 soll ein neues Stimmungsbild zu den bekannten Durbridge-Mehrteilern einfangen, zu denen hier in den letzten Wochen viel geschrieben und diskutiert wurde, und außerdem auch andere hierzulande erhältliche Durbridge-Verfilmungen ins Rampenlicht rücken.

    Hauptbestandteil des Grandprix wird wie üblich eine detaillierte Bewertung der teilnehmenden Filme bzw. TV-Produktionen sein. Wir dachten an folgende Titel, wobei jeweils im Einzelfall geklärt werden muss, ob sie bekannt genug für eine aussagekräftige Bewertung sind. Im Maximalfall können wir 28 Krimis im Rennen haben:

    TV-Krimis von NWRV, WDR und SDR:
    Der Andere, Es ist soweit, Das Halstuch, Tim Frazer, Tim Frazer: Der Fall Salinger, Die Schlüssel, Melissa, Ein Mann namens Harry Brent, Wie ein Blitz, Das Messer, Die Kette

    Paul-Temple-Kinofilme:
    Der grüne Finger, Wer ist Rex?, Jagd auf Z, Paul Temple und der Fall Marquis

    Andere Durbridge-Kinofilme:
    Der Fall Teckmann, Interpol ruft Berlin, Piccadilly null Uhr zwölf, Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mr. X

    TV-Krimis aus Großbritannien und DDR:
    Die Spur mit dem Lippenstift, Die Puppe, Der elegante Dreh

    TV-Krimi-Einteiler von ZDF und HR:
    Der Besuch, Plötzlich und unerwartet, Kein Alibi für eine Leiche, Mord am Pool, Dies Bildnis ist zum Morden schön, Tagebuch für einen Mörder

    Darüber hinaus wollen wir die Veröffentlichung des Paul-Temple-Buchs nutzen, um ein Freiexemplar unter den Teilnehmern auszuloben. Im Gegensatz zu sonstigen Grandprix-Veranstaltungen soll diesmal nicht das Glück, sondern die Durbridge-Expertise entscheiden, sodass der Wettbewerb von regelmäßigen Bildrätseln und Quizfragen begleitet werden wird, bei denen es auf Kenntnis der teilnehmenden Filme und ihrer Entstehung ankommt.

    Als Zeitraum für den Francis-Durbridge-Grandprix peilen wir die vier Wochen vom 8. April bis 5. Mai an, sodass die Ergebnisse in der zweiten Maiwoche präsentiert werden können. Wir sind sehr gespannt auf eure Einschätzungen der Filme und hoffen auf eine ansehnliche Resonanz wie anno 2012 beim letzten Durbridge-Event. Wer noch das eine oder andere auffrischen will, hat dazu noch einen reichlichen Monat Zeit.

  • Wallace & Blu-rayDatum05.03.2018 20:07
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das nenne ich eine starke Zusammenstellung!

  • Bewertet TV: "Wie ein Blitz" (1970, 9)Datum04.03.2018 14:05
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Wie ein Blitz (Teil 3)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969/70. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Ingmar Zeisberg (Diana Stewart), Peter Eschberg (Mark Paxton), Horst Bollmann (Inspector Clay), Eva Pflug (Emely Brown), Karl Heinz Vosgerau (Walter Brown), Paul Hubschmid (Ned Parker), Christine Kaufmann (Diana Valesco), Grete Wurm (Mrs. Hopkins), Fred Maire (Sergeant Fuller) u.a. Erstsendung: 12. April 1970. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Wie ein Blitz (Teil 3)
    Als Mark Paxton Gordon Stewarts Geliebte aufsucht, wächst in Diana plötzlich ein Gefühl des Misstrauens. Wird sich Mark weiterhin an sie halten, auch wenn sie nun nicht mehr millionenschwer ist? Während die Polizei auf dem Revier eine Theorie entwickelt, wie es möglich war, dass Gordons Stimme noch nach dessen Tod am Telefon zu hören war, fallen im Hause Stewart tödliche Schüsse. Diese Eskalation nimmt der geheimnisvolle Mann im Hintergrund, der auch Kitty Tracey tötete, zum Anlass, sich zu erkennen zu geben. Da ihm Inspector Clay bereits auf den Fersen ist, hilft ihm nur noch eine gewagte Flucht nach vorn!


    Obwohl die Geschichte von „Wie ein Blitz“ als eine der stärksten aus der Feder von Francis Durbridge gelten darf, erfuhr sie sowohl für die britische Umsetzung der BBC als auch für die deutsche des WDR eine Überarbeitung des ursprünglich geplanten Endes. In England forderte der Sender eine Einkürzung des Finales, sodass aus den beabsichtigten sechs Folgen nur fünf wurden. Der WDR hingegen war darauf bedacht, den Schluss des Dreiteilers zugunsten des Rätselfaktors auszubauen. Durbridge verwendete hierzu wieder die ursprüngliche Sechsteiler-Konzeption; außerdem ist der actiongeladene Verlauf der letzten Filmminuten auch dem Einfallsreichtum von Regisseur Rolf von Sydow zu verdanken. In ihm drückt sich eine ganz wesentliche Stärke von „Wie ein Blitz“ aus: Im Jahr 1970 hatte sich selbst die für eigentlich urgemütliche Krimiunterhaltung stehende Durbridge-Marke der Zeit angepasst und setzte statt einer wortreichen Überführung im Kreis aller Verdächtigen eher auf ein großes Abenteuerspektakel, das den Zuschauer bis zum Schluss an den Bildschirm fesselt.

    Das Ausufern der Ereignisse beginnt mit den immer weiter anwachsenden Zweifeln zwischen Diana Stewart und Mark Paxton. Die beiden Hauptfiguren scheitern nicht in erster Linie an den polizeilichen Ermittlungen, denn obwohl der kluge Inspector Clay ihnen bereits auf die Schliche gekommen ist, kommt er gar nicht dazu, sie der Mordtat an Gordon Stewart zu bezichtigen. Vielmehr üben selbstzerstörerische Kräfte ihren maliziösen Einfluss aus, mit denen Durbridge geschickt illustrierte, dass sich das Mörderpaar sozusagen eigenhändig zur Strecke bringt. Ein atemberaubend spannender Wortwechsel im Salon der Stewarts endet tödlich und markiert den großen Umbruch der Geschichte hin zu einer schonungslosen Demaskierung aller Beteiligten und einer Aufsehen erregenden, offensichtlich teuren und aufwendigen Flucht. Die Aufnahmen an der englischen Küste sowie das überzeugende Spiel aller Beteiligter machen den dritten Teil von „Wie ein Blitz“ zu einem unzweifelhaften Highlight des Durbridge-Universums. Apropos Universum: Im intergalaktischen Vergleich der TV-Programme hatte der Spannungsblitz des WDR tatsächlich die Nase vorn, wie der Spiegel informierte:

    Zitat von Raumfahrt: Apollo 13 – Die längste Nacht, Der Spiegel, 17/1970, S. 130
    „Zu perfekt – die Leute beginnen sich zu langweilen“, lautete die Schlagzeile des Mailänder Il Giorno zum Start des Raumschiffs Apollo 13. Deutschlands Fernsehzuschauer sahen nicht die Apollo-Sonderschau im ZDF, sondern den Durbridge-Krimi „Wie ein Blitz“.


    Und so wurde der Fall Stewart / Tracey mit 84 % Sehbeteiligung zu einem gebührenden Abschluss gebracht. Von Sydow gelang mit „Wie ein Blitz“ der Balanceakt, das etwas in die Jahre gekommene Label Durbridge aufzufrischen, ohne dabei wie Vorgänger Peter Beauvais in „Ein Mann namens Harry Brent“ die typischen Merkmale und Vorzüge des Autors zu vernachlässigen. Der Krimi ist ausgewogen, spannend, gut besetzt und außerordentlich stimmig in Szene gesetzt – das einzige wirklich rundum zufriedenstellende Gesamtpaket neben Serien-Spitzenreiter „Melissa“.

    Nach über zwei Jahren Sendepause meldeten sich die Durbridge-Krimis „wie ein Blitz“ wieder zurück. 5 von 5 Punkten für einen Krimi, der vieles anders macht als seine Vorgänger, dabei aber an deren gewohntes Flair anschließt und es auf geschmackvolle Weise den späten Sechzigern bzw. frühen Siebzigern anpasst. Ingmar Zeisberg und Peter Eschberg erwiesen sich zudem als Idealbesetzungen für ihre vielfältigen, charismatischen Rollen.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum04.03.2018 11:36
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Hört sich gut an - merkwürdig, dass nicht einmal in den USA eine DVD erschienen ist.

  • Bewertet TV: "Wie ein Blitz" (1970, 9)Datum03.03.2018 20:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Wie ein Blitz (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969/70. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Ingmar Zeisberg (Diana Stewart), Peter Eschberg (Mark Paxton), Horst Bollmann (Inspector Clay), Eva Pflug (Emely Brown), Karl Heinz Vosgerau (Walter Brown), Paul Hubschmid (Ned Parker), Christine Kaufmann (Diana Valesco), Gisela Trowe (Kitty Tracey), Herbert Tiede (Nigel Mills) u.a. Erstsendung: 11. April 1970. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Wie ein Blitz (Teil 2)
    Mittlerweile ist Gordons echte Leiche aufgetaucht, die beweist, dass er nicht selbst am Telefon gesprochen haben kann. Wer spielt ein abgekartetes Spiel mit Diana Stewart und Mark Paxton? Die Ladenbesitzerin Kitty Tracey, an die Gordon regelmäßig hohe Summen zahlte, vereinbart ein Treffen mit Diana, doch als diese ihr Geschäft betritt, liegt dort der leblose Körper ihrer Freundin Emely. Natürlich ist auch dieser verschwunden, als Diana mit Mark später in der Nacht zurückkehrt. An ihrer Stelle liegt nun Kitty Tracey tot im Hinterzimmer. Emely Brown hingegen verstrickt sich in Widersprüche. Doch diese erscheinen plötzlich zweitrangig, als es zu Gordons Testamentseröffnung kommt: Er hat Diana zugunsten seiner Liebschaft, die den gleichen Vornamen trägt, enterbt ...


    Auch wenn die Vorfälle im zweiten Teil von „Wie ein Blitz“ nicht mehr ganz so aufpeitschend wirken wie in der ersten Folge, so hält der Mehrteiler doch seine Spannung auf einem hohen Niveau. Man kann dieses einerseits der konsequenten Fortführung der Geschichte um Mark und Diana zuschreiben, in deren Versteckspiel vor der Polizei sich erste ernstliche Patzer bemerkbar machen. Welche der dezenten Hinweise hat Inspector Clay bemerkt? Und was haben die vielsagenden Blicke von Emely Brown zu bedeuten? Andererseits ergänzen sich Plotwendungen und Inszenierung aufs Beste. So gerät der zweite Leichentausch schon routinierter als der erste, wurde aber im unheimlichen Zwielicht von Kitty Traceys verlassener Zoohandlung absolut stimmungsvoll umgesetzt. Diana hätte den Schwindel freilich leicht erkennen können. Dass sie es nicht tat, zeigt ihre Nervosität und Anspannung, die in Anbetracht der fantastisch auf sie einprasselnden Ereignisse völlig nachvollziehbar sind, umso deutlicher. Ingmar Zeisberg liefert eine konstant hochwertige Vorstellung ab, während etwa Eva Pflug oder Gisela Trowe ihre Rollen mit einer Nuance zu viel Spaß an der Sache spürbar überzeichnen. Wie gut, dass Zeisberg sich immer mehr zum unverkennbaren Epizentrum des Krimis entwickelt.

    Eine zu dieser Metapher passende Erschütterung erfährt Diana bei der Testamentseröffnung. Der Umstand, dass Gordon ein neues Testament zugunsten einer anderen Frau gemacht hatte, erteilt der Zeisberg-Rolle fast schon Absolution, denn auch wenn der Umstand das Mordkomplott nicht ungeschehen macht, so zeigt er wenigstens die Vergeblichkeit des Verbrechens von Mark und Diana auf. Christine Kaufmann erhält als Affäre von Albert Lieven – eine waschechte Zweitfrühlingsromanze, schließlich liegen zwischen den Darstellern beinah 40 Jahre Altersunterschied – bisher nur wenig Gelegenheit, auf das Publikum zu wirken. Als umso präsenter erweist sich Bollmann, der hartnäckig und mit einigen amüsanten Punchlines am Ball bleibt. Auch Karl Heinz Vosgerau und Paul Hubschmid wirken mit ihrer Unbekümmertheit inmitten der unerklärlichen Vorfälle regelrecht ansteckend und machen aus einem gut gescripteten Krimi gleichfalls eine Produktion mit viel Wohlfühl-Charme.

    Von nicht unbedingt bester Qualität sind dieses Mal die Cliffhanger, die eher willkürlich gesetzt erscheinen und weder zwischen Episoden 1 und 2 noch zwischen 2 und 3 große Rätsel aufgeben. Dass sie dennoch wirken, liegt zu großen Teilen an der klangvollen Musik von Sam Spence, die sofort mit lauten Dissonanzen aufbrandet, sobald die Credits zu lesen sind. Zudem fand Rolf von Sydow sehr clevere Wege, die Titeleinblendungen jedes Teils in kleine Kunstwerke zu verwandeln. Jene Zeit, in der die Titel der Durbridge-Mehrteiler auf simplem schwarzem Hintergrund gezeigt wurden, sind vorbei; nur ein Detailunterschied zwar, aber einer, der belegt, wie viel Mühe man sich mit der Herstellung und Nachbearbeitung von „Wie ein Blitz“ gab.

  • Bewertet TV: "Wie ein Blitz" (1970, 9)Datum02.03.2018 22:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Wie ein Blitz (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969/70. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Ingmar Zeisberg (Diana Stewart), Peter Eschberg (Mark Paxton), Albert Lieven (Gordon Stewart), Horst Bollmann (Inspector Clay), Eva Pflug (Emely Brown), Karl Heinz Vosgerau (Walter Brown), Paul Hubschmid (Ned Parker), Gisela Trowe (Kitty Tracey), Grete Wurm (Mrs. Hopkins) u.a. Erstsendung: 9. April 1970. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

    Zitat von Wie ein Blitz (Teil 1)
    Von der Knauserigkeit ihres steinreichen Ehemanns genervt, hat Diana Stewart eine Affäre mit dessen Mitarbeiter Mark Paxton begonnen. Gemeinsam wollen sie Gordon loswerden. Der Architekt wird in einem leerstehenden Anwesen erschossen. Mark versteckt die Leiche zunächst im Kofferraum seines Wagens, um sie anschließend in einen Steinbruch zu schaffen, wo sie bei einer Sprenung auf nimmer Wiedersehen verschwinden soll. Doch bevor er dazu kommt, verschwindet Gordons Körper aus dem Wagen. Ist er womöglich gar nicht tot? Diana und ihre Freundin Emely erhalten jedenfalls Anrufe von dem Toten. Dann wird tatsächlich eine Leiche im Steinbruch gefunden ...


    Francis Durbridge hatte sich im Laufe der Jahre eine verblüffende Selbstverständlichkeit im Katz-und-Maus-Spiel mit dem Zuschauer und seinen Protagonisten angeeignet. Wie er in „Wie ein Blitz“ Überraschung auf Überraschung folgen ließ und seine beiden Mordkomplizen durch ein Labyrinth unerklärlicher Vorfälle manövrierte, zeugt von ausgiebiger Übung und absoluter storyplanerischer Professionalität. Er benutzte dafür sowohl Versatzstücke aus seinen anderen Krimis (die verschwindende Leiche, der Telefonanruf des Toten) als auch neue Herangehensweisen. Vor allem dass der Mord diesmal kein Whodunit ist, sondern man von Anfang an weiß, wer Gordon Stewart erschoss, unterscheidet „Wie ein Blitz“ massiv von seinen Artgenossen. Der Rätselfaktor ergibt sich also nicht aus der Frage nach dem Mörder, sondern nach dem stillen Mitwisser, der den Mördern nun das Leben schwer macht – ein cleverer Clou, weil der Zuschauer damals erstmals bei Durbridge eher mit den Tätern mitfiebert. Das wirkt frisch und unverbraucht und ist ein Zeichen dafür, dass der Autor mit der Zeit ging und nicht in den konservativen Strukturen der frühen Sechzigerjahre verharrte.

    Gleichfalls ergibt sich daraus eine Verschiebung bei den Rollentypen: Während der Inspector diesmal in Gestalt von Horst Bollmann, der ein wenig an einen „Columbo“-Typus erinnert, eher in den Hintergrund rückt, sind es die beiden Killer-Verbündeten, Diana Stewart und Mark Paxton, die die große Bühne erhalten, weil ihnen umgehend eine Bestrafung für ihre gemeinsam geplante Tat in Form völlig aus dem Ruder laufender Ereignisse widerfährt. Das macht sie teilweise sogar sympathisch. Ingmar Zeisberg hat zum Beispiel – zumindest auf den ersten Blick – nichts von jenen kaltblütigen, männerverschlingenden Frauen an sich, wie man sie aus Films Noirs amerikanischer Schmieden kennt, die ihre Liebhaber gezielt auf einen Gattenmord ansetzen und sie hinterher fallen lassen. Sie verleiht der Rolle vielmehr eine gebrechliche, verhuschte Qualität, die trotz ihrer Beteiligung an der brutal inszenierten Mordtat Mitleid mit ihr aufkommen lässt. Peter Eschberg versucht hingegen, die Zügel fest in der Hand zu behalten und sich das Unerklärliche irgendwie doch verständlich zu machen.

    Die Entscheidung, das größte ARD-Krimi-Event des Jahres erstmals nicht mehr in Schwarzweiß zu drehen, kann man nur begrüßen. „Wie ein Blitz“ ist sich einerseits der Anforderungen an Durbridge-Krimis als traditionsreiche Fernsehware bewusst und übertreibt den Einsatz von Farbe daher nicht; andererseits erfahren viele Szenen durch ihre Farbgebung und Frische eine Aufwertung und insgesamt eine Steigerung der Authentizität. Letztere wird auch durch die schönen Außenaufnahmen unterstützt, für die Rolf von Sydow und sein Team mehr als einen Monat in England weilten. Man wünscht sich gerade bei diesen Szenen nur manchmal eine ruhigere Kameraarbeit, doch die überaus wackelige Handkamera, die den Personen teilweise unfotogen nah auf den Leib rückt, war zum Produktionszeitpunkt eben ein gebräuchliches Stilmittel. Immerhin erlauben die Ultra-Nahaufnahmen das genaue Nachverfolgen aller Gemütsregungen, was in einem so abwechslungsreichen und glaubhaft umgesetzten Stoff wie „Wie ein Blitz“ nicht gerade ein Nachteil ist ...

  • Bei Anruf ... Mord (1959, TV)Datum01.03.2018 20:59
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe meine Abneigung gegen Hitchcocks Original sicher schon ausführlich im entsprechenden Thema dargelegt; kein Grund, an dieser Stelle das Thema mit Miesmachereien zu verstopfen.

  • Bei Anruf ... Mord (1959, TV)Datum01.03.2018 18:07
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe und kenne den Film nicht und ehrlich gesagt interessiert er mich trotz der Besetzung nicht wirklich. Schon unter Hitchcocks kundiger Regie kam bei diesem Stoff nur ein leidlich gelungener, ziemlich hausbackener und unlogischer Krimi heraus, der aus der Hochphase seines Schaffens in den 1950er Jahren für meine Begriffe eher negativ herausragt. Um wie viel weniger erwähnenswert wird dann erst eine hiesige TV-Adaption erscheinen?

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #3
    Charles Regnier hat hier nur einen kurzen Auftritt und zum ersten Mal finde ich in hier nicht überzeugend. Er wirkt verloren und abwesend.

    Das ist genau das, was ich mir immer denke: Während ich mir Drache in der Milland-Rolle und Lowitz als Inspektor bestens vorstellen kann, kann ich nicht erkennen, wie man Charles Regnier die Dawson-Rolle abnehmen können soll. Eine Besetzung total gegen den Typus, die mich nicht unwesentlich von dieser "Bei Anruf Mord"-Variante abgehalten hat. Was hingegen die allseits kritisierte Meineke angeht: Nicht einmal die famose Grace Kelly schaffte es, dieser reichlich verunglückten Rolle etwas Besonderes abzugewinnen, also sollte man mit Frau Meineke vielleicht nicht zu hart ins Gericht gehen ...

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