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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe "Babylon Berlin" mangels Sky-Abo bislang noch nicht gesehen. Die ARD-Ausstrahlung wird erst Ende 2018 erfolgen.

    Vielleicht deshalb erst mal einen Schritt nach dem anderen: Gibt es hier schon Leute, die die Serie schon begutachten können? Wie hat sie euch gefallen? Kennt ihr auch die Romane - falls ja, wie vergleicht sich "Babylon Berlin" mit ihnen?

  • Dorothea Angermann (1958/59)Datum21.12.2017 10:15



    Dorothea Angermann

    Melodram, BRD 1958/59. Regie: Robert Siodmak. Drehbuch: Herbert Reinecker (Vorlage, 1926: Gerhart Hauptmann). Mit: Ruth Leuwerik (Dorothea Angermann), Bert Sotlar (Michael Sever), Alfred Schieske (Pastor Angermann), Kurt Meisel (Mario Malloneck), Edith Schultze-Westrum (Frau Lüders), Alfred Balthoff (Herr Weiß), Monika John (Rosa), Ursula Herwig (Irene), Ernst Konstantin (Gerichtsvorsitzender), Holger Hagen (Verteidiger) u.a. Uraufführung: 22. Januar 1959. Eine Produktion der KG Divina-Film München im Gloria-Filmverleih München.

    Zitat von Dorothea Angermann
    Pfarrerstochter Dorothea Angermann ist die Enge des väterlichen Hauses leid. Der strenge Gottesmann schickt sie für drei Monate nach Hamburg, um in einer Pension zu arbeiten, wo sie zwei sehr unterschiedliche Männer kennenlernt. Zu gern würde sie nach ihrer Rückkehr den zuvorkommenden Michael ehelichen, doch sie ist vom Hallodri Mario, der sie vergewaltigt hat, schwanger. Auf Geheiß ihres Vaters müssen Dorothea und Mario heiraten – eine Qual für die Frau, die bald darauf ihr ungeborenes Kind verliert. Stoisch erträgt sie die Ehehölle von Tag zu Tag, bis sie wieder auf Michael trifft und die Ereignisse sich überschlagen ...


    Selbst für die Verhältnisse der heute als besonders verknöchert-moralinsauren geltenden Adenauer-Ära trumpft „Dorothea Angermann“ mit einer schwindelerregenden Problem- und Schicksalsdichte auf, die sowohl die Charakteristika der dramatischen Bühnenvorlage als auch die Handschrift des von Konflikten magisch angezogenen Drehbuchautors Herbert Reinecker verrät. In seiner Plakativität (Frauenschicksal der Pfarrerstochter, die in sexuell-romantische Abgründe gerät) wandelt der Film auf einem schmalen Grat zwischen traditioneller Schmonzette und zeittypischem Kolportagereißer. So verdichtet, wie die Lebensprüfungen auf Dorothea Angermann einregnen, verlieren einzelne Erlebnisse allerdings drastisch an Wirkung – statt sie in die Tiefe gehend auszuloten, werden sie vielmehr in dem Versuch, besonders unerhört zu wirken, übereinandergestapelt und enthüllen dadurch lediglich, wie lapidar man seinerzeit über ein Delikt wie etwa eine Vergewaltigung hinwegging.

    Inmitten dieses Melodrams steht Ruth Leuwerik als Titelfigur. Dem immer edlen und damenhaften Fünfzigerjahrestar kann nur ein teilweiser Erfolg in dieser Rolle attestiert werden. Einerseits passt Leuweriks vornehme Art zu spielen zu der moralischen Überlegenheit, die sie als Figur trotz der Schändung in den Augen des Publikums bewahren muss, um Wut über die Ungerechtigkeiten, die ihr im Folgenden widerfahren, zu erzeugen. Andererseits geht mit einem Spiel zwangsläufig auch eine eindeutige Charakterfestigkeit einher, die dem beeinflussbaren, bemitleidenswerten, weltfremden Pfarrerstöchterlein, das sie da trotz ihres Alters von 34 Jahren spielen muss, diametral entgegensteht. Gerade die schmonzettigen Momente gestalten sich daher unglaubwürdig – ein Umstand, der von dem geradezu hanebüchenen Auftritt ihres angeblichen Idealpartners Bert Sotlar noch einmal hervorgehoben wird.



    Umgekehrt liefert Kurt Meisel den vielleicht stärksten Part des Films ab. Seine menschgewordene Bestie erscheint zwar hoffnungslos überzeichnet, der Schauspieler füllt die Stereotype des prinzipienlosen, notgeilen, spielenden und trinkenden Halunken allerdings mit diebischer Freude aus. In dieser Beziehung rekurriert das Drama auf frühere Einträge in Meisels Filmografie, als er zum Beispiel bereits in Veit Harlans „Die goldene Stadt“ einen ähnlich lasterhaften Charakter verkörperte. Obwohl der Film von US-Remigrant Robert Siodmak gedreht wurde, enden die Parallelen zu Propagandafilmen des Dritten Reiches übrigens nicht bei Meisels Rolle. Auch die anfängliche Szene, in der Vater Angermann seine Tochter dazu zwingt, das Kirchenlied an der Orgel zu spielen und mitzusingen, erinnert frappierend an den Moment in „Hitlerjunge Quex“, in dem Heinrich George seinen Filmsohn ohrfeigend dazu anhält, gegen seinen Willen die kommunistische Internationale anzustimmen. Wie auch „Quex“ zeichnet sich „Dorothea Angermann“ durch eine völlig dysfunktionale Beziehung zwischen Vater und „Kind“ aus; Alfred Schieske bringt den Jähzorn des Hausherrn ähnlich einschüchternd zur Geltung wie damals George senior.

    Und dennoch zeigt sich Siodmaks Einwirken auf das Projekt: Die rahmende Struktur mit Gerichtsprozess und Rückblenden stimmt mit den typischen Erzählmustern von Hollywoods schwarzer Serie praktisch 1:1 überein, wenngleich das Frauenschicksal tausendmal mehr im Mittelpunkt steht als der Todesfall, der den Anlass für den Prozess gibt. Dies ist nur logisch, denn von einem nachvollziehbaren Grund für eine drohende Verurteilung Dorotheas kann nicht die Rede sein (Stichwort Notwehr). So trifft es sich gut, dass Reinecker und Siodmak den fatalistischen Schluss des Hauptmann-Originals verwarfen und den Film auch in diesem Punkt insofern amerikanisierten, als nur diejenigen, die es verdient haben, bestraft werden, während das unschuldige Opferlamm nach ihrer bedrohlichen Situation in eine saftig-grüne Zukunft entlassen wird. Leuwerik trägt diese Chance auf einen Neuanfang dann auch souverän und versteckt im letzten Dialog mit ihrem Vater Botschaften von Verständigung und Milde – also von Aspekten, die dem gesamten restlichen Streifen abgehen.

    Einem heutigen Publikum ist dieser altbackene Problemfilm kaum noch guten Gewissens zuzumuten, weil seine Abläufe plakativ und vorhersehbar sind. Während es für die Titelrolle sicher auch eine stimmigere Besetzung gegeben hätte, darf man sich immerhin ausgiebig an den überzeugenden Gegenspielern reiben. Unterm Strich bringt aber ein Übermaß an Liebesleid den lediglich pflichtschuldigen Gerichtsteil deutlich aus dem Gleichgewicht. 2,5 von 5 Punkten.

    PS: Das Bild der Filmjuwelen-DVD ist leider unrestauriert und deutlich zu dunkel. Dafür weist das Booklet diesmal eine überdurchschnittliche Qualität auf und geht in einem sehr umfangreichen Essay über die Wiedergabe von Wikipedia-Fakten deutlich hinaus. Sehr lesenswert!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    21. Dezember:
    Wo und ab wann wird dieser Ermittler demnächst wieder regelmäßig auf Spurensuche gehen?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Na gut, die Frage vom 19. dürfte ja jetzt wirklich für jeden zu knacken sein - man sieht ja schon den Garten vor lauter Zaunpfählen nicht mehr.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Damit unter den Mitspielern keine Panikerscheinungen auftreten (die Antworten sind rarer geworden in den letzten Tagen), hier 'mal wieder ein paar machbare Punkte (wenngleich ohne aussagekräftige Mimik ):

    20. Dezember:
    Wer hängt an der Stange?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Und wie letztes Jahr schleicht ein Verfolger gleich mit über die 190er-Schwelle ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Da du als einer von nur zwei Mitspielern seit dem 3.12. keinen Fehler mehr gemacht hast, ist das diesmal sehr unwahrscheinlich. Wenn du es unbedingt darauf anlegst, müsstest du dir jetzt noch einen oder zwei Schnitzer erlauben, um anderen zu einem Vorsprung zu verhelfen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Lord Low im Beitrag #37
    Harald Kreutzberg hätte ich auch sehr gerne in einem Wallace-Film gesehen.

    Sehr interessante Idee. Gefällt mir!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der Herr an der Badewanne hat nun die 190 Punkte geknackt - Glückwunsch.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    19. Dezember:
    Wie unterscheiden sich diese Rolle und ihre Besetzung zwischen Drehbuch und fertigem Film?

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum19.12.2017 05:06
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das freut mich sehr! Ich fand es bedauerlich, dass im ersten Ausstrahlungsschwung keine Bülow-Tatorte dabei waren und so ausgerechnet die Heinz-Drache-Folgen übergangen wurden. Schön, dass man genau das jetzt nachholt - wobei ich bisher noch keine Ankündigungen für die anderen fünf Teile gesehen habe.

    Ich verfüge bislang auch nur alte Aufzeichnungen und einige der Tatorte (insbesondere "Tod macht erfinderisch" und "Schuldlos schuldig") haben mir sehr gut gefallen. Bin schon gespannt, wie sie in besserer Qualität wirken, denn bei den anderen Tatort-Restaurationen hat der RBB wirklich fantastische Arbeit geleistet.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    War heute offenbar auch ein schwieriges Rätsel. Außer von den beiden Spitzenreitern habe ich noch keine Antwort erhalten. Naja, ein bisschen Zeit ist ja noch. Also, Mitspieler: Legt 'mal euer eigenes Fernglas an!

  • Eure Hörspiele und HörbücherDatum18.12.2017 22:48
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    MP3-CDs sind ganz normal in Tracks untergliedert wie Audio-CDs auch, nur aufgrund der Länge eben in mehr. Da ist eine Funktion des Abspielgeräts, das sich an das letzte gespielte Kapitel erinnert, natürlich ganz hilfreich. Sollte eigentlich auch funktionieren.

  • Eure Hörspiele und HörbücherDatum18.12.2017 19:31
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Eine normale Audio-CD ist auf eine Laufzeit von 80 bzw. maximal 100 Minuten beschränkt. Auf einer MP3-CD kann man ein Vielfaches der Laufzeit unterbringen - je nachdem, wie stark man die Dateien komprimiert. Ein längeres Hörspiel / Hörbuch kann also auf 1 MP3-CD veröffentlicht werden, wofür sonst z.B. 6 Audio-CDs nötig wären. Dafür können MP3-CDs nicht von allen Playern wiedergegeben werden.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die 190er-Marke wäre heute auch trotz der Bonuspunkte nicht zu knacken gewesen. Regulär war sie immer am 19.12. zu erreichen und da bisher nur maximal 18 Bonuspunkte ausgespielt wurden, hätte man bis heute auf höchstens 189 Punkte kommen können. Der aktuell Führende liegt bei 185, gefolgt von einem 172er.

    Eine Bitte an alle, die es betrifft: Falls ihr vom 24. bis 27. durchgehend wegen "familiärer Verpflichtungen" nicht am Rätsel teilnehmen könnt, informiert mich bitte per PM. In Ausnahmefällen kann ich dann das letzte Türchen schon einen Tag eher zuschicken.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    18. Dezember:
    Über welche Straße blickt dieses Fernglas, wenn man den realen Filmdrehort als Handlungsort der Szene annimmt?

  • Eure DVDsDatum17.12.2017 20:17
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von patrick im Beitrag #1964
    Nö, bis ich alles geschaut habe ist Weihnachten.

    Wenn man's so sieht.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #28
    Davon abgesehen ist die Auflösung letzten Endes doch ziemlich offensichtlich und dürfte kaum jemanden sonderlich überraschen.

    Ich glaube, das große Problem ist nicht 'mal die Vorhersehbarkeit der Auflösung, sondern die Art und Weise, wie sie dem Zuschauer als kriminalistisches Meisterstück untergejubelt werden soll, obwohl sie echt simpel ist. Der Kommissar zerbricht sich den Kopf, wie er den Mörder bloß überführen könnte, und spricht vom "perfekten Alibi" und dann ...
    ... legt der Reporter einfach den Lichtschalter um und das war's.

    Am Tag, an dem ich "Das Rätsel der grünen Spinne" gesehen habe, war ich durchaus in großzügiger Stimmung. Eine Wertung im 2,x-Bereich wäre auch für mich vertretbar.

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