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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #635
    Zitat von Gubanov im Beitrag #507
    Leider gelang es nicht, die eigentlich selbsterklärende Episode an dieser Stelle zu einem runden Ende zu bringen.

    Was wäre für dich denn ein rundes Ende gewesen?

    Das kann ich viereinhalb Jahre nach der Sichtung nun wirklich nicht mehr sagen. Ich habe die Folge insgesamt in sehr positiver, aber eben nur äußerst vager Erinnerung behalten.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum15.02.2019 18:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gratulation zur runden Summe von 100 Noir-Besprechungen, @Ray! Das ging echt flott bei dir und animiert mich, mir auch wieder einmal etwas aus dem Genre anzusehen:



    Der blonde Tiger (Too Late for Tears)

    Thriller, USA 1949. Regie: Byron Haskin. Drehbuch: Roy Huggins (Vorlage: Roy Huggins). Mit: Lizabeth Scott (Jane Palmer), Don DeFore (Don Blake), Dan Duryea (Danny Fuller), Arthur Kennedy (Alan Palmer), Kristine Miller (Kathy Palmer), Barry Kelley (Lt. Breach), Harry J. Vejar (Lt. Rivera), Forbes Murray (Dr. Adams), David Clarke (Jack Sharber), Billy Halop (Bootsverleiher) u.a. Uraufführung (USA): 17. Juli 1949. Uraufführung (BRD): 28. November 1950. Eine Produktion von Hunt Stromberg Productions für United Artists.

    Zitat von Der blonde Tiger
    Auf einer einsamen Landstraße fällt ein Koffer voller Geld aus einem unbekannten Auto geradewegs in die Arme von Jane und Alan Palmer. Weil das Ehepaar unmittelbar darauf von einem zweiten Wagen verfolgt wird, ahnt es schnell, dass mit dem unverhofften Geldsegen etwas nicht recht stimmen kann. Während Alan Skrupel hat und die Dollars am liebsten bei der Polizei abliefern würde, kämpft Jane wie ein Tiger um das Geld. Sie lässt sich auch vom Ganoven Danny nicht einschüchtern, der sie in ihrem Apartment aufsucht. Gemeinsam stehen Jane und Danny dann auch bald vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen die Leiche des allzu rechtschaffenen Alan loswerden ...

    Zitat von „Der blonde Tiger“ bei Der-Film-Noir.de, Quelle
    Wer unter den wenig zimperlichen und verschlagenen femmes fatales im Film Noir bislang Barbara Stanwyck (in „Double Indemnity“), Jane Greer („Out of the Past“) oder Jean Simmons („Angel Face“) als Maß der Dinge eingestuft hat, wird nach Betrachtung dieses Streifens sein Böse-Frauen-Ranking womöglich aktualisieren[, denn] vor allem Lizabeth Scott bleibt [in „Too Late for Tears“] nachhaltig in Erinnerung und liefert eine höchst eindringliche Charakterstudie in Sachen Gier und Skrupellosigkeit ab.


    Lizabeth Scott hatte in der unmittelbaren Nachkriegszeit zunächst durch Rollen in sehr gefühlsbetonten Noirs („Die seltsame Liebe der Martha Ivers“, „Desert Fury“) auf sich aufmerksam gemacht, landete aber 1949 mit „Der blonde Tiger“ ein Meisterstück, das sich tatsächlich mit Barbara Stanwycks Abgebrühtheit in „Frau ohne Gewissen“ vergleichen lässt. Als Jane Palmer stellt sie eine Frau dar, die mit ihren Mittelklasse-Lebensverhältnissen unzufrieden und zugleich wenig empfänglich für die gutmütigen Beschwichtigungen ihres treuherzigen Gatten ist. Mit dem dringlichen Wunsch, das ihr in den Schoß gefallene Geld unter allen Umständen und gegen alle Einflüsse zu verteidigen, um sich damit ein erfüllteres Leben zu finanzieren, verfolgt Jane einen pervertierten American Dream, der den Selfmade-Gedanken sowie alle Formen der Rücksichtnahme kategorisch ausschließt und durch und durch materiell motiviert ist. Wenn es nötig ist, den bedenkenträgerischen Ehemann zu erschießen, um das Geld zu behalten, dann geht Jane Palmer diesen Deal ein. Auch andere Figuren sind nicht vor ihr sicher – die Anzahl an Mordversuchen, die Jane im Laufe der Filmhandlung gegen die übrigen Charakere unternimmt, spricht von beachtlicher Kaltblütigkeit. Zugleich wickelt Lizabeth Scott das Publikum aber auch um ihren Finger und zeigt damit die verführerische und moralisch verwerfliche Seite des Verbrechertums auf.



    Tatsächlich elektrifiziert die kühle Blondine das Publikum derart, dass man eher mit ihr als mit ihren Gegenspielern mitfiebert. Das ist nicht verwunderlich, denn Don DeFore und Kristiane Miller bilden ein derart rechtschaffenes Ermittlerpärchen, dass auch DeFores kesse Sprüche wenig Sympathiepunkte bei abgebrühten Noir-Zuschauern einsammeln können. Seine Rolle bietet aber einen interessanten doppelten Boden, der am Ende noch einmal die Vielschichtigkeit der zunächst simpel erscheinenden Erzählung vor Augen führt. In einer Zangenposition steht außerdem Dan Duryea, der seine übliche Genrerolle als schmieriger Kleinganove auf interessante Weise variiert und ob seiner Versuche, mit Lizabeth Scott und ihrer Entschlossenheit mitzuhalten, von Anfang an ein verlorener Mann ist. Sein Danny Fuller behauptet sich zunächst noch durch das Androhen roher Gewalt; es wird aber schnell klar, dass ihm das Köpfchen fehlt, um sich mit Jane Palmer messen zu können. Fuller könnte daher schnell ad acta gelegt werden, wenn ihn Duryea nicht mit einem so fein nuancierten, stellenweise zynischen Spiel aufwerten würde.

    Über die Qualitäten eines guten Gangsters und einer handfesten femme fatale hinaus bekommen Noir-Freunde mit „Der blonde Tiger“ auch einen dauerhaft hochspannenden Film zu Gesicht, der sich durch vertraute Plotelemente (einen Geldkoffer als Macguffin, eine Leiche am Boden eines Sees, einen verstorbenen früheren Ehemann, Giftkapseln, eine verschwindende und wieder auftauchende Armeepistole und eine Rache aus der Vergangenheit) auszeichnet. Dadurch, dass alle Ereignisse spontan eintreten und vor allem von Jane eine schnelle Reaktionsgabe abfordern, fiebert man quasi in Echtzeit mit. Auch Regisseur Byron Haskins Kunstfertigkeit im Umgang mit Kameraeinstellungen und Lichteffekten sowie die stilsichere Ausstattung und Kostümierung wissen zu beeindrucken. Man beachte zum Beispiel nur die antithetisch helle Kleidung von Jane (die ihre Gefährlichkeit damit vor der Außenwelt verbirgt) und die dunkle von Kathy. Obwohl es sich bei „Der blonde Tiger“ mitnichten um eine Großproduktion handelt, spielt der Film ästhetisch also in einer hohen Liga. Wegen seines Status in der Public Domain war er allerdings kurz davor, nur noch in minderwertigen Drittkopien vertrieben zu werden – ein Schicksal, das das UCLA Film & Television Archive und die Film Noir Foundation im letzten Moment verhinderten.

    Was tut man mit einem unverhofften Geldsegen, der offenkundig an ein Verbrechen geknüpft ist? Die klare Antwort für einen unterhaltsamen Filmabend: Alle Bedenken über Bord werfen und für die Scheine über Leichen gehen. Lizabeth Scott brilliert als „blonder Tiger“ in einer schamlos geldgierigen, aber gleichzeitig wunderbar gewitzten Rolle und trifft auf spielfreudige Gegner im Kampf um 60’000 Dollar. 5 von 5 Punkten.

  • Grand PrixDatum14.02.2019 20:21
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Mir gefallen die neuen Beiträge im Schnitt besser als die ersten vier. Dass Italien sich gegenwärtig an die Spitze so ziemlich aller Ranglisten setzt, ist selbstverständlich - da hätten sie problemlos auch so ziemlich jeden x-beliebigen Sanremo-Song wählen können. Aber auch der australische Beitrag überzeugt mich diesmal durchaus - auch wenn ich noch immer nicht gewillt bin, das Land als regulären Teilnehmer zu akzeptieren. Kate Miller-Heidkes Lied hat aber als erster australischer Beitrag immerhin eine Spur von Persönlichkeit und Individualität. Frische Popera-Variante mit niedlicher Performance. Und auch der BBC-Song ist, wenngleich inoffensive wie immer, wahrlich keine Schande. Nur der Auftritt wirkt doch sehr hölzern und altbacken. Und schließlich Montenegro: Warum eigentlich nicht? Kein Bop, aber liebenswert genug. Und "Falling, I'm in heaven, falling" geht schon ordentlich ins Ohr.

    Mein Zwischenstand:

    12 pts: Mahmood - Soldi
    10 pts: Kate Miller-Heidke - Zero Gravity
    08 pts: Bilal Hassani - Roi
    07 pts: D-Moll - Heaven
    06 pts: Michael Rice - Bigger than Us
    05 pts: Miki - La venda
    04 pts: Lake Malawi - Friend of a Friend
    03 pts: Jonida Maliqi - Ktheju tokës

  • NDR-Beitrag über Drehorte HamburgDatum13.02.2019 22:03
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ein schöner Beitrag, für den man wirklich niemand sachkundigeren als Elford hätte gewinnen können. So kommt erstaunlich viel Info in kurzer Sendezeit herüber. Neben den Interviewausschnitten sind vor allem auch die schönen Überblendungen von den aktuellen Aufnahmen zu den alten Filmszenen gut gelungen und zeigen, mit welcher Genauigkeit das NDR-Filmteam beim Dreh (sicher unter guter Expertenanleitung) zu Werke gegangen ist. So wird deutlich, welcher Aufwand hinter nur drei Minuten Fernsehen steckt.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum13.02.2019 21:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Der Zinker (L’énigme du serpent noir)

    Kriminalfilm, BRD / FR 1963. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson (Romanvorlage „The Squeaker“, 1927: Edgar Wallace). Mit: Heinz Drache (Inspektor Bill Elford), Barbara Rütting (Beryl Stedman), Günter Pfitzmann (Frank Sutton), Agnes Windeck (Mrs. Mulford), Siegfried Schürenberg (Sir Geoffrey Fielding), Eddi Arent (Josua Harras), Klaus Kinski (Alexander Krishna), Inge Langen (Millie Trent), Jan Hendriks (Mr. Leslie), Wolfgang Wahl (Sergeant Lomm), Albert Bessler (Butler), Siegfried Wischnewski (der „Lord“), Stanislav Ledinek (der „Champ“), Heinz Spitzner (Dr. Green), Erik von Loewis (Juwelier) u.a. Uraufführung (BRD): 26. April 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin und der Les Films Jacques Willemetz Paris im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Der Zinker
    Londons Juwelendiebe zittern vor dem sogenannten „Zinker“, der ihnen die Sore unter Wert abkauft oder sie andernfalls mit kompromittierenden Hinweisen an Scotland Yard verrät. Die Polizei hat nichts gegen den Verbrecher in der Hand, bis dieser – weil er selbst verpfiffen zu werden droht – einen heimtückischen Mord mithilfe von Schlangengift begeht. Zur gleichen Zeit verschwindet aus der Tierhandlung Mulford eine Schwarze Mamba und wenig später wird ein Mitarbeiter der Firma vom „Zinker“ getötet. Wie lange wird der „Zinker“ seine Maskerade noch aufrecht erhalten können, bevor Inspektor Elford, die findige Kriminalschriftstellerin Beryl oder Tierhandlugs-Seniorchefin Mrs. Mulford ihm auf die Schliche kommen?


    „Können Sie schweigen?“ – „Wie eine Sphinx!“ – „Ich auch.“

    Nur einem Rekordwinter wie jenem 1962/63 ist zu verdanken, dass die britisch anmutende und im milden Berlin gedrehte Edgar-Wallace-Reihe über einen gemütlich-atmosphärischen Schneekrimi verfügt. Die Grundstimmung für den „Zinker“ wird dabei neben der außerordentlich gelungenen Auftaktsequenz in der Tierhandlung Mulford auch durch den Mord an Larry Graeme bestimmt, dessen Ende in einer Telefonzelle im verschneiten Hyde-Park-Grunewald zu den ikonischsten Todesszenen der Reihe zählt und im Zusammenspiel mit Krischnas Schlangenraub und Überfall auf den Mulford-Wachmann das Tempo eines durchweg unterhaltsamen Streifens festlegt. Später spielt das Winterweter sogar eine unmittelbar handlungsrelevante Rolle im Film, weil eine Schwarze Mamba nie in derartiger Kälte überleben könnte. Klar ist also, dass der „Zinker“ sich einer raffinierteren Methode bedient, als „nur“ eine Natter auf seine Opfer zu hetzen. Die dem Roman „Die drei Gerechten“ entnommene Vorgehensweise mit dem in einer Apparatur verschossenen Schlangengift ermöglicht auch später im Film sehr geschmackvolle Todesszenen; vor allem das Ableben von Jan Hendriks im nächtlichen Bürogebäude Sutton sei als Musterbeispiel für perfektes Zusammenspiel von Regie, Drehbuch, Kamera und Ausleuchtung genannt.

    Ähnlich wie in der „Tür mit den 7 Schlössern“ wird im „Zinker“ eine komplexe Verbrechergeschichte erzählt, die über das Credo „Serienmörder in kreativer Verkleidung“ deutlich hinausgeht. Weil nicht nur Alfred Vohrer, sondern auch Harald G. Petersson hier zum dritten Mal in Folge für einen Rialto-Wallace-Krimi verantwortlich zeichnet, macht sich eine hochgradig professionelle, quasi „geschmierte“ Dramaturgie bemerkbar. Sie entzerrt den etwas zu melodramatisch ausgefallenen Roman zugunsten der „Zinker“-Figur, behält dabei aber pikante Details wie den sich anbahnenden Heiratsschwindel bei, ohne ihn zu sehr auszuschlachten. Andere Elemente wie die vielfältigen Aktivitäten des Haupttäters, eine Racheaktion verschiedener Kleinganoven oder das Einbinden unwahrscheinlicher Figuren wie Mrs. Mulford, Sir Geoffrey Fielding oder Josua Harras stehen weiter oben auf der Prioritätenliste der Produktion – ein Rezept, das trotz hoher Humordichte aufgeht, weil unheimliche und erheiternde Momente in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen und spannungsabträglicher Klamauk nicht so schmerzhaft zum Tragen kommt wie unter der Ägide unerfahrenerer Regisseure (Ashley, Gottlieb). Der Nervenkitzel und die Frage nach dem Whodunit bleiben dank Szenen wie jener des Anschlags auf Frank Sutton auf einem dauerhaft hohen Niveau und einige der angeblichen Logikschwächen entpuppen sich als herbeigeredet. Zum Beispiel dürfte es dem „Zinker“ gerade recht sein, die Tierhandlung zu inkriminieren, um den Verdacht aus persönlichen Gründen auf Millie Trent oder Mrs. Mulford zu lenken. Da diese „Ablenkmanöver“ im Laufe des Films auch dramaturgisch gut bedient werden (zuzüglich dankbarer Rollen wie der des Polizeispitzels, des irren Helfershelfers oder des unheimlichen Butlers) und der letztlich entlarvte Haupttäter vergleichsweise wenig Screentime erhält, sehe ich auch die von manchen Kritikern angebrachte Vorhersehbarkeit der Auflösung nicht als vordringliches Problem des „Zinkers“ an.

    Als Mrs. Mulford feiert die rüstige Agnes Windeck ihren zugleich ersten und besten Edgar-Wallace-Auftritt. Auch Siegfried Schürenberg steht an einer attraktiven Gelenkstelle der Geschichte und brilliert sowohl in der Interaktion mit Windeck als auch mit Arent. Dass er hier einen anderen Part als den des Sir John übernimmt, suggeriert, dass man Anfang 1963 noch nicht vorhatte, ihn als Sir John weiter mit der Filmserie mitaltern zu lassen. Es hätte ihr wohl auch besser zu Gesicht gestanden. Im Gegenzug zur Verpflichtung eines prominenten Komiker-Dreigestirns liefern Heinz Drache als Inspektor, Barbara Rütting und Inge Langen im Duell um Günter Pfitzmann sowie Kleindarsteller wie Hendriks, Kinski, Bessler und Spitzner glaub- und denkwürdige Auftritte im ernsthaften Bereich ab. Erneut merkt man Alfred Vohrers Bestrebung, dem Ermittler ein rauhbeiniges, diesmal aber durchaus auch auf dem gehobenen gesellschaftlichen Parkett standesgemäßes Auftreten zu verleihen. Drache kombiniert diese beiden Aspekte mit der von ihm gewohnten Selbstsicherheit, vor allem im Umgang mit Kleinganoven („Die erste Runde ging ja wohl an mich“ oder „Sitzen werdet ihr und nicht zu knapp!“).

    Bedenkt man, dass sich die Rialto in Berlin bald auf einen augenfälligen Sparkurs verlegen würde (simpler werdende Filmausstattung, höhere Studioaufnahmenanteile, dauerhaft gleichbleibende Drehteams), so hebt sich „Der Zinker“ auch in Hinblick auf seinen Produktionsaufwand von den Produktionen des späteren Jahres 1963 sowie der Folgejahrgänge positiv ab. Die nach der „Orchidee“ zum ersten Mal wieder in London angefertigten Außenaufnahmen mit unmittelbarer Hauptdarstellerbeteiligung, die Cinemascope-Fotografie und die aufwendigen Kulissen zeugen von hoher Professionalität. Auch Peter Thomas erwischte für seinen Score einen besseren Tag als für „Orchidee“ und „Tür“, knüpfte an die kriminellen und denoch eingängigen Töne der „Gräfin“ an und interpretierte sie – gerade in Hinblick auf die spannende, „klirrende“ Titelmusik – im modernen Stil der Swinging Sixties.

    In vielen Fällen erweisen sich die Änderungen einer Romanvorlage als die Schwachstellen einer Wallace-Verfilmung. Im „Zinker“ ist das Gegenteil der Fall: Die Verfilmung geht über die Qualität des Buches noch hinaus und trumpft mit im besten Sinne routinierten Spitzenleistungen aller Beteiligten auf. Dies garantiert für einen ausgewogenen Unterhaltungskrimi, der die Vorzüge der Serienmittelphase mit günstigen Produktionsbedingungen und einer exzellent harmonierenden Darstellerriege verbindet.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum10.02.2019 17:31
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich finde es super, dass sich verschiedene Rezensenten auf unterschiedliche Aspekte der Filme stürzen und dadurch auch Aspekte zur Sprache kommen, auf die du und ich bisher nicht geachtet haben. Das muss ja auch nicht zur Schlussfolgerung führen, dass wir die betreffenden Filme jetzt kritischer sehen - eben gerade weil die Bewertung immer eine subjektive Sache ist (umso mehr bei solchen jahrelang, tlw. seit Kindheitstagen bekannten Produktionen). Ich finde es spannend, welche (nachvollziehbaren) Vorwürfe hier und in anderen Threads vorgebracht werden, auch wenn die einzelnen Punkte für meine Begriffe oft nicht wertungsrelevant sind oder ich sie eben manchmal auch einfach anders sehe. Demnach werde ich mich nicht schämen, dem "Zinker" auch diesmal wieder volle, dicke 5 Punkte zu attestieren und ihn in meinem Ranking vor "Frosch", "Gasthaus" oder "Fälscher" einzureihen. Die Lobrede ist aber noch ein Weilchen in der Mache.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #22
    Zudem muss ich sagen - und damit stehe ich vermutlich alleine - dass mir Pinkas Braun als Fing Su noch viel besser gefällt als in der Rolle des Antonio Staletti.

    An der Staletti-Rolle gab es ja nicht gerade wenig Kritik bzgl. der "Tür". Rein darstellerisch ist daran aber natürlich nichts auszusetzen, Pinkas Braun ist in "Die Tür mit den 7 Schlössern" ein ganz zentraler Faktor dafür, dass das tolle Ensemble - vor allem im Zusammenspiel mit Peters, Uhlen und Drache - so gut funktioniert. Im "Fluch" ist es eher eine herausragende Einzelleistung. Aber ja, ich finde Braun auch als Fing-Su sehr treffend besetzt. Allein schon seine aufpeitschende Art, die ideologischen Reden vor seiner Gefolgschaft zu schwingen, ist sehr einprägsam. An dieser Stelle kamen mir eher totalitäre Parallelen in den Sinn als bei Kinskis harmloser Bemerkung in den "toten Augen". Und die üblichen "Aber er ist ja gar kein Chinese"-Stimmen gab es ja schon bei Christopher Lee in den "Narzissen". I couldn't care less!

  • Grand PrixDatum10.02.2019 08:11
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gestern Abend habe ich mir meinen Vorentscheidungsfix für diese Saison gegönnt - das Finale des wie immer ausgezeichneten Sanremo-Festivals. Die ESC-Macher könnten sich glücklich schätzen, eine so unterhaltsame Sendung mit entsprechend hochwertigem Teilnehmerfeld auf die Beine zu stellen. Spannend wurde der Abend nicht zuletzt auch durch die Tatsache, dass es keinen ganz klaren Favoriten gab. Man hatte zwar zuvor Ultimo als solchen lanciert, aber sein Lied war gegenüber denen der Wettbewerber zu schwach und der Auftritt etwas zu siegessicher. Mein Favorit Irama, der von den meisten als größte Konkurrenz für Ultimo betrachtet wurde, belegte nur einen 7. Platz, sodass es in der Finalrunde nochmal zu richtigem Nervenkitzel zwischen Ultimo, Il Volo und Newcomer Mahmood kam. Für eine lustige Atmosphäre sorgte auch das Publikum im Teatro Ariston, das sich lauthals und mit langanhaltenden Buhrufen und "Loredana"-Sprechchören darüber beschwerte, dass Loredana Bertè es nicht in die Top-3 geschafft hatte.

    Am Ende gewann mit Mahmood ein Außenseiter, auf den vorher die wenigsten getippt hätten, und gleichzeitig einer der modernsten Songs des Abends. Eine ungewöhnliche, durchaus mutige Wahl, die, wenngleich es einige bessere Alternativen gegeben hätte, die Vielseitigkeit der italienischen Musikindustrie belegt.

    PS: Il Volo hatte ich von den Studioversionen her gar nicht auf dem Schirm, aber live wirken sie natürlich ziemlich atemberaubend, daher ein vergleichsweise hoher Platz in meinem Ranking der gestrigen Show:

    (5,0 Pkt.) #16: Irama - La ragazza con il cuore di latta
    (5,0 Pkt.) #11: Il Volo - Musica che resta
    (5,0 Pkt.) #13: The Zen Circus - L'amore è una dittatura
    (5,0 Pkt.) #07: Loredana Bertè - Cosa ti aspetti da me

    (4,5 Pkt.) #20: Simone Cristicchi - Abbi cura di me
    (4,5 Pkt.) #09: Mahmood - Soldi
    (4,5 Pkt.) #23: Einar - Parole nuove
    (4,5 Pkt.) #15: Arisa - Mi sento bene
    (4,5 Pkt.) #01: Daniele Silvestri - Argentovivo

    (4,0 Pkt.) #24: Motta - Dov'è l'Italia
    (4,0 Pkt.) #06: Nek - Mi farò trovare pronto
    (4,0 Pkt.) #10: Ex-Otago - Sola una canzone
    (4,0 Pkt.) #19: Federica Carta & Shade - Senza farlo apposta

    (3,5 Pkt.) #02: Anna Tatangelo - Le nostre anime di notte
    (3,5 Pkt.) #05: Ultimo - I tuoi particolari
    (3,5 Pkt.) #18: Nino d'Angelo & Livio Cori - Un'altra luce

    (3,0 Pkt.) #12: Paola Turci - L'ultimo ostacolo
    (3,0 Pkt.) #14: Patty Pravo & Briga - Un po' come la vita
    (3,0 Pkt.) #04: Negrita - I ragazzi stanno bene
    (3,0 Pkt.) #21: Enrico Nigiotti - Nonno Hollywood
    (3,0 Pkt.) #08: Francesco Renga - Aspetto che torni
    (3,0 Pkt.) #22: Boomdabash - Per un milione

    (2,5 Pkt.) #17: Achille Lauro - Rolls Royce
    (2,5 Pkt.) #03: Ghemon - Rose viola

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Louis, das Schlitzohr (Le corniaud)

    Komödie, FR / IT / ES 1965. Regie: Gérard Oury. Drehbuch: Gérard Oury, Marcel Jullian, Georges Tabet, André Tabet. Mit: Bourvil (Antoine Maréchal), Louis de Funès (Léopold Saroyan), Venantino Venantini (Mickey, der Stotterer), Henri Génès (Martial), Lando Buzzanca (Lino), Alida Chelli (Gina), Beba Loncar (Ursula), Jack Ary (Chef der Grenzpolizei), Guy Grosso (Grenzer), Michel Modo (Grenzer) u.a. Uraufführung (FR): 24. März 1965. Uraufführung (BRD): 21. Januar 1966. Eine Produktion von Les Films Corona Paris und Explorer Film ’58 Rom.

    Zitat von Louis, das Schlitzohr
    In dem harmlosen Urlauber Antoine Maréchal, den er in den frühen Morgenstunden über den Haufen fuhr, findet Generalkonsul Léopold Saroyan einen naiven Sündenbock für ein gefährliches kriminelles Unterfangen: Um heiße Ware von unschätzbarem Wert – Heroin, Gold und Juwelen, die in einen Cadillac eingebaut wurden – von Neapel nach Bordeaux zu bringen und sich dabei nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, schwatzt er Maréchal eine „Reise“ im Luxusauto durch Italien und Frankreich auf. Weil der Auserwählte zunächst nicht weiß, welche Fracht er da transportiert, und dem wertvollen Convoy zudem eine konkurrierende Verbrecherbande auf der Spur ist, verliert Maréchal nach und nach kostbare Teile der Lieferung ...


    „Keine Angst, Monsieur, ich werde Ihren Cadillac schon nach Bordeaux bringen.“

    Hatten der im September 1964 gestartete „Gendarm von Saint Tropez“ ebenso wie „Fantomas“ vom November desselben Jahres Louis de Funès in lustigen Polizistenrollen etabliert, so wagte „Louis, das Schlitzohr“ (in Deutschland zunächst in die Kinos gebracht unter dem albernen Titel „Scharfe Sachen für Monsieur“), den beliebten Franzosen im entgegengesetzten Beruf als großspurigen Drogen- und Juwelenschmuggler zu besetzen. Prinzipiell funktioniert dies ähnlich gut, denn die Angst vor den Grenzern, die Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Gaunern sowie der sukzessive Verlust aller Wertgegenstände auf der Transitroute geben de Funès mehr als genug Gründe für seine gewohnten Wutausbrüche und großen Szenen. Das größte strukturelle Problem ist, dass der Film die Rolle des Komikers gleichzeitig in einem Anflug von Übermut zu einem Hintermann degradiert und den gefährlichen Auftrag stattdessen an den eher unlustigen, an hausbackene Alleinunterhalter erinnernden Bourvil überträgt. Klar: De Funès fährt achtsam („nicht achtmal, sondern nur einmal“) hinter seinem Lockvogel her; doch dieser erlebt im Wesentlichen jene Abenteuer, die man auch de Funès gern bestehen gesehen hätte. Ob sich der gewitzte Léopold Saroyan die goldene Stoßstange oder die mit Brillanten und Rubinen gefüllte Autobatterie ebenso leicht hätte abluchsen lassen wie sein naiver Kompagnon?

    Bourvil gibt sich über weite Strecken dümmer als die Polizei erlaubt, kann dabei aber nicht unbedingt auf das Glück des Ahnungslosen zählen. Louis – der andauernde Pechvogel – hat sich für seinen Auftrag seinerseits natürlich ebenfalls einen Pechvogel ausgesucht. Und so findet Maréchal das Anbändeln mit semiinteressanten italienischen Frauenzimmern reizvoller als seine eigentliche Aufgabe. Die besten Momente hat der Film deshalb nicht in seinen Szenen, die insgesamt zu viel Spielzeit einnehmen, sondern in denen mit de Funès, z.B. beim „Fern“-Gespräch an der Tankstelle, der Verfolgungsjagd, die eine Heroinwolke freisetzt, oder im Springbrunnen, als Saroyan einen bewaffneten Gegner in seinem Rücken glaubt. Während der Kampf am Springbrunnen ein wenig an „La dolce vita“ erinnert, wird der aufmerksame Zuschauer auch Referenzen an weitere beliebte Streifen der damaligen Zeit finden. Diese Meta-Ebene wertet den Film auf, doch im Finale fällt er wieder etwas ab: Es wartet zwar mit einem interessanten Rätsel auf (Wo verbirgt sich der große Diamant, nachdem alles andere verschütt gegangen ist?), wirkt aber zu konfus und dichtet Handlanger Maréchal eine unglaubwürdige Charakteränderung an.

    Ungewöhnlich für einen Louis-de-Funès-Film ist der hohe Anteil an Italien-Szenen, die dem italienischen Kooperationspartner einmal größere Bildfläche (über die gemischte Besetzung hinaus) einräumen. Vor allem der Schauplatz auf der felsigen Küstenstraße zwischen Sperlonga und Gaeta bleibt als tolle Szenerie für den vorgelagerten Showdown des Films in Erinnerung. Auch das römische Hotel, in dem sich alle französischen Gäste gegenseitig belagern, vermittelt in Kombination mit Touristenaufnahmen von Spanischer Treppe und Colosseum sowie stereotypen Italiener-Charakteren (der eifersüchtige sizialinische Friseur!) geradezu ein Abziehbild des hitzigen Mittelmeerlandes. Nur über die Herkunft der Schmuggelware lässt der Film den Zuschauer im Unklaren; hätte Saroyan sie womöglich zunächst einer Mafia-Verbindung abgeluchst, hätten sich weitere naheliegende Optionen für italienische Verwicklungen erschlossen ...

    Eine flotte Idee in ordentlicher Umsetzung schickt leider Bourvil statt Louis de Funès auf einen Spießrutenlauf um gestohlene Schätze aller Art. Der Chefkomiker hätte lieber selbst das Steuer übernehmen sollen! Stellenweise verliert sich der Film in seinem schönen Urlaubsflair; das sich wie ein roter Faden durch die Louis-de-Funès-Filme ziehende Motiv des Scheiterns großer Pläne zeigt sich aber immer wieder in herrlich absurden Momenten. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Einen Whodunit hat man mit der daumenlosen Gestalt unter der chinesischen Kapuze ja auch irgendwie gen Ende des Films hineinzubringen versucht und überzeugender als in der "Orchidee" fiel dieses Unterfangen hier auch nicht unbedingt aus. Interessant wäre in meinen Augen die Frage, ob (oder eher: wie viel) ein erprobter Rialto-Schreiber wie Egon Eis oder Harald G. Petersson mehr aus dem Roman "Die gelbe Schlange" hätte herausholen können ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Sehr schön, wieder einen Wallace-Kommentar von dir zu lesen - auf dass dir trotz Zeitnot nicht die Luft ausgehen möge.

    Deiner Deutung der Gräfin-Rolle bzw. ihres darstellerischen Aufbaus kann ich nur zustimmen; Dagover zeigt hier kein blankes Overacting, wie es ihr manche Kritiker vorwerfen, sondern eine klare schrittweise Progression von einer herkömmlichen Verdächtigenrolle zur titelgebenden "seltsamen" Gräfin.

    Das Argument bzgl. der Abschlussmusik kann man wohl durchgehen lassen, aber mich persönlich hat sie nicht wirklich gestört, weil ein Kontrapunkt zum sehr aufgeheizten, theatralischen Finale für meine Begriffe auch ganz gut passt, um die Gemüter der Kinogänger wieder abzukühlen. Gerade wenn ich im Nachgang mit der Musik zu "Das Rätsel der roten Orchidee" vergleiche, die den Film stellenweise einfach noch klamaukiger macht, muss ich Thomas' Erstlingswerk für die Wallace-Serie nochmals als besonders gelungen hervorheben.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum04.02.2019 10:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Der Mord, der ein Irrtum war

    Episode 274 der TV-Kriminalserie, BRD 1997. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Katja Woywood (Mandy Waldhaus), Friedrich von Thun (Armin Waldhaus), Gila von Weitershausen (Erika Waldhaus), Veit Stübner (Grosser), Georg Schuchter (Arno Beck), Angela Hobrig (Anneliese Beck), Inge Schulz (Frau Zechner), Christoph Mainusch u.a. Erstsendung: 17. Oktober 1997, ZDF.

    Zitat von Derrick: Der Mord, der ein Irrtum war
    Arno Beck ist schuld daran, dass Mandy Waldhaus im Alter von 18 Jahren nach einem Autounfall im Rollstuhl gelandet ist. Beck – zum Tatzeitpunkt betrunken – hat dafür eine Gefängnisstrafe abgesessen und ist vor wenigen Tagen wieder auf freien Fuß gekommen, als seine Frau ihn erschossen in der gemeinsamen Wohnung auffindet. Hat die Studentin Mandy ihre Drohung von damals, sie werde Beck nach dessen Entlassung umbringen, kaltblütig wahrgemacht? Wenn ja, muss sich Derrick die Frage stellen, wie die Querschnittgelähmte die Treppen zum Tatort überwand. Oder ob sie womöglich einen Helfershelfer hatte – ein Posten, für den sich sowohl ihr Vater als auch ihr Chauffeur anbieten ...


    Welche Last auf die Seele körperliche Einschränkungen ausüben können, thematisierte Herbert Reinecker in einzelnen Drehbüchern immer wieder. Mit Mandy Waldhaus begegnet man einer jungen Frau, die das Leben trotz ihrer Lähmung scheinbar selbstbestimmt meistert und Hilfe von Fremden energisch ablehnt – ein zweiter Blick erst verdeutlicht die Verbitterung und den verletzten Stolz, die sich hinter dieser Fassade verbergen und sich zusammen mit einer gewissen psychischen Labilität aufgrund ihrer dauernd vor Augen geführten Hilflosigkeit zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen vermengen. Katja Woywood (bereits bekannt als apathische Anja aus Haugks vorheriger Regiearbeit) trägt dementsprechend diesmal deutlich dicker auf als in ihrem ersten „Derrick“ und überschreitet mit ihren Stimmungsschwankungen teilweise die Grenze zwischen Glaubwürdigkeit und Übertreibung. So wohnt ihrer Reaktion auf den Tod von Arno Beck etwas unglaublich Theatralisches inne, dessen Bedeutung sich erst durch die überraschende, wenngleich konstruiert erscheinende Auflösung preisgibt.

    Ähnlich wie in „Fundsache Anja“ inszeniert Haugk wieder mit gutem Drive und vermittelt folglich gerade im Hause Waldhaus Anklänge an die gelungeneren Reinecker’schen Familiendramen. Man könnte sich die Szenen ohne Weiteres auch im Siebziger- oder Achtzigerjahrelook mit Verena Peter statt Katja Woywood, Herbert Fleischmann statt Friedrich von Thun und Ursula Lingen statt Gila von Weitershausen vorstellen. Doch gerade von Thun als Vater und Veit Stübner als Chauffeur meistern ihre Verdächtigenrollen mit Bravour, sodass der Plot bis zum Ende hin spannend bleibt und man Mandys offensichtlich falsches Geständnis sowie die weiteren Verwicklungen mit Neugier verfolgt. In einer Phase, in der viele „Derrick“-Episoden mit enttäuschend offensichtlichen Enden aufwarten, sichert sich „Der Mord, der ein Irrtum war“ damit ein positives Alleinstellungsmerkmal.

    Man mag natürlich einwenden, dass die Überraschung, die das Drehbuch am Ende fürs Publikum bereithält, unrealistisch sei. Sie passt damit aber ganz gut zur Folge im Ganzen, die eher auf den Wirkeffekt hin ausgelegt ist und damit zum Beispiel zu Vergleichen mit „Kostloffs Thema“ berechtigt. Beide Episoden verbindet auch der Einsatz von Richard-Wagner-Musik, wobei in „Der Mord, der ein Irrtum war“ kreative Parallelen zwischen Mandy Waldhaus’ Leidensgeschichte und Wagners „Tristan und Isolde“ gezogen werden können.

    Der Ausstrahlung der Episode im Oktober 1997 ging eine besondere Ehrung für Horst Tappert voraus, denn Bundespräsident Roman Herzog verlieh dem Darsteller für die mit der „Derrick“-Serie verbundene internationale TV-Botschafterrolle den Bundesverdienstorden. Die italienische Presse vermeldete diesbezüglich, dass das ZDF – auch wenn Tappert nun langsam als Ermittler in den Ruhestand gehen wolle – die Serie ohne ihren Hauptdarsteller fortgeführt würde. Dafür war der Darsteller aber letztlich doch ein allzu bedeutendes Markenzeichen geworden.

    In etwa so eigenwillig wie die Rollstuhlfahrerin Mandy Waldhaus fällt auch die Folge als ganze aus, die recht gekonnt mit exaltierten Gefühlen und klassischen Motiven spielt. Katja Woywood knüpft qualitativ nicht ganz an ihr „Derrick“-Debüt an, bleibt aber auch hier angemessen markant und wird von zwei undurchsichtigen Beschützerfiguren gerahmt. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es gibt noch einige ungeklärte Straßenszenen aus dem "Fluch". Neben der genannten Vasenszene auch a) die Szene mit dem Straßenkehrer, b) die, in der Fuchsberger und Grothum auf den einkaufenden Arent treffen, und c) die Außenszenen vor dem Hause Narth.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Der Fluch der gelben Schlange

    Kriminalfilm, BRD 1962/63. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Janne Furch, Franz Josef Gottlieb (Romanvorlage „The Yellow Snake“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Clifford Lynn), Brigitte Grothum (Joan Bray), Pinkas Braun (Fing-Su), Werner Peters (Stephan Narth), Doris Kirchner (Mabel Narth), Charles Regnier (Major Spedwell), Claus Holm (Inspektor Frazer), Fritz Tillmann (Joe Bray), Eddi Arent (Eddie Samuel Carter), Zeev Berlinsky (Straßenkehrer) u.a. Uraufführung: 22. Februar 1963. Eine Produktion der CCC-Filmkunst Berlin im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Der Fluch der gelben Schlange
    Der in Hongkong lebende Kunstsammler Joe Bray hat nicht nur zwei sehr unterschiedliche Söhne, sondern besitzt auch ein Kleinod von unschätzbarem Wert: eine vergoldete Schlange, die nach alter Weissagung ihrem Besitzer an einem Stichtag ermöglicht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Kurz vor dem fraglichen Datum brechen Unbekannte in Brays Pagode ein und stehlen die Schlange. Im Kampf um die wertvolle Plastik stehen fortan Brays Nachkömmlinge Fing-Su, der mithilfe einer Organisation gesichtsloser Chinesen versucht, die Kraft der Schlange für seine Allmachtspläne zu missbrauchen, und Clifford Lynn, der diesem Spuk einen Riegel vorzuschieben versucht. Lynn wird in London fündig, wo Fing-Su ein tödliches erpresserisches Spiel mit dem Geschäftsmann Stephan Narth spielt ...


    „Mit dem Symbol der gelben Schlange wird die Macht auferstehen.“

    Im Gegensatz zu Kurt Ulrich, der mit seiner Konkurrenz-Produktion zu den frühen Rialto-Filmen 1960 voll in die Kerbe klassischen britischen Krimigrusels schlug, muss man Artur Brauner zugutehalten, sein Anrecht auf eine einzelne Wallace-Verfilmung auf etwas speziellere, eigenständigere Weise ausgenutzt zu haben. Der von ihm erworbene Stoff „Die gelbe Schlange“ betonte eine von Wallace’ Marotten, mithilfe von Abziehbildern von Chinesen und ihrer Entschlossenheit sowie Skrupellosigkeit Spannung zu erzeugen, was so in der Mutterserie (abgesehen von Ling-Chus Foltermethoden in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“) noch keine Repräsentation gefunden hatte. Anstatt jedoch einen wirksamen Gruselschocker im Stile späterer Fu-Man-Chu-Reißer zu filmen, kam mit „Der Fluch der gelben Schlange“ eine ziemlich unrunde Mischung aus vertrauten und ungewöhnlichen Elementen heraus, deren erfolglose Passung vor allem auf Drehbuchautor und Regisseur Franz Josef Gottlieb zurückgehen dürfte.

    Schon zu Beginn des Films beging der unsensible Filmer den Kardinalfehler, den Einbruch in die Pagode, bei dem es sich um die stimmungsvollste Szene des Films hätte handeln können, im Eilverfahren abzuhandeln und mit bunten Titelcredits zu überdecken, sodass man vom sprichwörtlichen Öffnen der Büchse der Pandora, mit dem alles Unheil in Form der goldenen Schlange in die Welt herausgetragen wird, als Zuschauer kaum etwas mitbekommt. Auch später erweist sich Gottliebs Film als geschwätzig und wenig imposant – die Figur des maskierten Ordensbruders wird beispielsweise viel zu spät eingeführt und auch zu vorhersehbar aufgelöst, um einen nennenswerten Whodunit-Faktor zu erzeugen. Gleichsam kommt das zentrale Duell zwischen Clifford Lynn und Fing-Su trotz diverser gemeinsamer Szenen nie richtig in die Gänge, was nicht zuletzt daran liegt, dass das ständige Hin und Her der Schlange spätestens nach dem dritten Besitzerwechsel eher willkürlich und ermüdend wirkt. Die angeblichen Superkräfte, die das goldene Reptil seinem Besitzer verleihen soll, werden nie nachvollziehbar erklärt und können daher auch keine wirkliche Angst vor Fing-Su und seinen Mannen hervorrufen.

    Immerhin sind mit Joachim Fuchsberger und Pinkas Braun für die entsprechenden Antagonistenrollen sehr fähige Darsteller engagiert worden, denen viel Bildfläche für die Zurschaustellung ihrer üblichen Rollentypen gewährt wird. Allein schon die Schauspielernamen manifestieren im 13. Film der German Wallace Wave, welcher der ungleichen Halbbrüder der uneingeschränkt gute und welcher der abgrundtief böse ist. Unterstützend wirken auf Fuchsberger und Braun vor allem Werner Peters und Doris Kirchner als unleidliches, geldgieriges Vater-Tochter-Gespann ein, dem man klugerweise facettenreiche Charaktere angedeihen ließ. Andere Akteure haben das Pech, sehr flache, nur peripher ins Geschehen eingreifende Figuren darstellen zu müssen. Vor allem bei Brigitte Grothum zeigt sich, dass sich selbst eine sehr begabte Darstellerin an einem klischeebehafteten Part die Zähne ausbeißen kann; Ähnliches gilt auch für Charles Regnier, Fritz Tillmann und Claus Holm, die das Wallace-Universum durch ihre gelegentliche Präsenz zwar prinzipiell bereichern, denen man aber mehr Screentime und im hier vorliegenden Fall vor allem substanziellere Rollen gewünscht hätte. Eindeutig zu aufdringlich agiert hingegen Eddi Arent, denn mit seiner Rolle als verschrobener Antiquitätensammler strapaziert er die Nerven der Zuschauer in einem bisher höchstens in der „Orchidee“ dagewesenen Ausmaß. Gerade zum Finale, wo er mit seiner Tollpatschigkeit immer wieder den ansatzweisen Spannungsaufbau in Fing-Sus Unterschlupf konterkariert, hätte man ihn unter keinen Umständen mitnehmen dürfen! Es wird bereits im ersten Gottlieb-Wallace-Krimi deutlich, dass dieser Regisseur kein Verständnis für den maßvollen Einsatz von Arent-Komik hatte – exakt die gleichen Kritikpunkte werden sich auch für „Der schwarze Abt“ und „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ erneuern lassen. Überhaupt und unabhängig von einzelnen Darstellern stellt sich die Frage, warum die Rialto nach dieser eher schwachen Konkurrenzproduktion Gottlieb in den eigenen Stall und für zwei weitere Filme der Reihe übernahm. Eine überzeugende Visitenkarte ist „Der Fluch der gelben Schlange“ jedenfalls nicht.

    Gottliebs Unfähigkeit, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, schlägt zugegeben manchmal immerhin in attraktive, detailverliebte Einzelszenen um. Aus der „Schlange“ werden dabei insbesondere der gruselige Ausflug ins Aquarium, die Todesszene von Doris Kirchner im Hochzeitskleid und das Opferritual von Stephan Narth im Gedächtnis bleiben – Momente, die den Film stellenweise, aber eben nicht durchgängig zu einem interessanten Experiment machen. Experimentell fällt auch die Musikuntermalung von Oskar Sala aus, doch gerade nach einigen zu viel oder zu wenig beherzten Fehlgriffen der Rialto-Standardkomponisten ist die lautmalerische Gestaltung des Soundtracks eine erfrischende Abwechslung. So gibt es unterm Strich vereinzelte Gründe, immer wieder einmal zur „Schlange“ zurückzukehren – einen Favoritenstatus wird dieser Film aber wohl bei keinem Wallace-Fan ernstlich einnehmen können.

    Auch wenn gerade in Bezug auf Fing-Sus Obsession für die gelbe Schlange als Symbol der Macht einige Fragen offenbleiben, so ist es keineswegs die ungewöhnliche Handlung, die den „Fluch der gelben Schlange“ zu einem schwachen Vertreter der Gattung Wallace-Krimi macht. Vielmehr muss sich Franz Josef Gottlieb den Vorwurf gefallen lassen, einen dramaturgisch und inszenatorisch im Gesamtbild unzulänglichen Streifen zuwege gebracht zu haben, in dem auch eine gute Besetzung teilweise ohne gebührenden Effekt verheizt wird.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum28.01.2019 23:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Die Nächte des Kaplans

    Episode 273 der TV-Kriminalserie, BRD 1997. Regie: Eberhard Itzenplitz. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Michael Maertens (Bernhard Laux), Rita Russek (Helene Gropius), Hanns Zischler (Robert Reitmoor), Horst Bollmann (Notting), Gaby Herbst (Helene Laux), Helmut Pick (Johannes Bender), Margitta-Janine Lippok, Sanja Küffer u.a. Erstsendung: 25. Juli 1997, ZDF.

    Zitat von Derrick: Die Nächte des Kaplans
    Bei Tag wie bei Nacht ist der junge, eifrige Kaplan Bernhard Laux telefonisch für Leute zu erreichen, die sich mit Selbstmordgedanken tragen. Schon in mehrere tragische Schicksale ist er auf diese Weise verwickelt worden. Auf eine krumme Sache stößt er beim Ableben von Herrn Gropius, der sich, während er mit Laux telefonierte, eine Kugel durch den Kopf jagte. So zumindest die offizielle Version – denn es stellt sich heraus, dass die Stimme am anderen Ende der Leitung gar nicht Herrn Gropius gehörte. Derrick nimmt dessen Witwe und ihren Geschäftspartner Reitmoor unter die Lupe und findet Gelegenheit und Motiv. Doch wer war Laux’ Gesprächspartner am Telefon?


    Präsentierten sich Krimis mit Kirchenmännern zu „Kommissar“-Zeiten oder selbst im Jahr von „Dem Mörder eine Kerze“ noch mit bizarrer Gruselstimmung, so ist Kaplan Bernhard Laux berufsungemäß eher profan unterwegs. Ständig klingelt bei Nacht sein Telefon und die Seelsorge, die er über die Leitung offeriert, während er sich hastig aufspringend seine Hosen anzieht, hat etwas unbefriedigend Routinemäßiges an sich. Freut man sich noch über seinen ersten Anruf – von ein Mädchen, das trotz bekundeter Selbstmordabsicht am Bahnhof ermordet worden zu sein scheint –, so wird dieser Plot nicht mehr weiterverfolgt, sobald der zweite Selbstmord auf den Plan tritt: Für den Fall Gropius ließ sich Reinecker zwar einen gewissen doppelten Boden einfallen, bemühte sich darüber hinaus aber nicht mehr, eine wirklich überraschende Backstory zu entwerfen. Die Mörder sind nicht nur Derrick sofort klar und können mit bloßem geschultem Blick überführt werden, anstatt ernsthafte Beweise suchen zu müssen. Stattdessen verlegt sich die Folge auf müdes Philosophiegeschwätz, das insbesondere Helfershelfer Horst Bollmann in seiner Rolle als abgehalfterter Ex-Schauspieler nervig und aufdringlich wirken lässt.

    Michael Maertens dagegen sammelt einige verschmitzte Pluspunkte, was die von Itzenplitz abermals mit unverschämter Dreistigkeit verbrochenen Längen ein wenig aufwiegt. Wenn er auch mit den teilweise hanebüchenen Dialogen von Lebensmüdigkeit als neuer Volkskrankheit zu kämpfen hat, so bringt Maertens doch immerhin eine ganz possierliche Frische mit, die recht gut zu seiner etwas naiven, weltverbessernden Rolle passt. Auch seine Mutter in Gestalt von Gaby Herbst macht eine gute Figur. Die Schurken dagegen bleiben völlig scherenschnittartig.

    Ein wenig versöhnlich stimmen die Bemühungen, die Assistenten Klein und Berger etwas aktiver ins Geschehen einzubinden. Wepper und Schäfer quittieren das mit dankbaren Sprechanteilen; Harry darf seinen Chef und den Kaplan sogar ‘mal wieder in ein unmoralisches Etablissement begleiten – mit den üblichen Fingerzeigen auf eine unübersehbare Schuld und Verdorbenheit der für den Mord verantwortlichen Ränkeschmiede. Der Fokus auf den Kriminalhelfern ist folglich umso kurioser, als die Polizei eigentlich gar nicht viel zu tun hat. Derrick geht schließlich wieder einmal nach dem „Ich weiß ja sowieso schon alles“-Prinzip vor, das ihn zunehmend vom Inspektor zum Hellseher macht und dem Publikum wenig Mitratespannung übrig lässt. Dass Tappert seiner Entscheidung, einen Schlussstrich unter seine jahrzehntelange Paraderolle zu ziehen, immer näher kam, verwundert den Zuschauer unter diesen Bedingungen jedenfalls wenig.

    Michael Maertens hätte vielleicht wirklich das Zeug zu einem Sympathieträger an der Seite von Horst Tappert gehabt, hatte aber das Pech, in zwei sehr schwache Episoden des Regisseurs Eberhard Itzenplitz hineingecastet zu werden. „Die Nächte des Kaplans“ ist ein recht atmosphärisch beginnender, aber schnell in triste Standardbahnen gelenkter „Derrick“-Fall, dem man sein spätes Entstehungsdatum mit allen damit verbundenen Vorurteilen über seichte Spät-„Derricks“ negativ anmerkt. 2 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Archibald Finch im Beitrag #178
    Ich hätte nicht gedacht das ich dem Film so viele Punkte gebe, bei dieser Sichtung hat er mir mehr als sonst gefallen.

    Das kann ich nur bestätigen. Die WdW-Sichtungen lassen mich manche Filme in anderem Licht sehen als erwartet. "Tür" hatte ich zwar nie so schwach eingeschätzt, wie es Joachim seinerzeit kurioserweise tat, aber dass sich der Film nun in meinem letztlichen Ranking vors "Gasthaus" schieben wird, hätte ich z.B. nicht erwartet.

    Nach dem ersten Drittel der Filme würde ich folgende Urteile fällen:

    hohe Erwartungen bestätigt
    - Der Frosch mit der Maske
    - Der rote Kreis
    - Die toten Augen von London
    - Das Gasthaus an der Themse

    niedrige Erwartungen bestätigt
    - Der grüne Bogenschütze
    - Der Fälscher von London

    positive Überraschungen
    - Der Rächer
    - Die seltsame Gräfin
    - Die Tür mit den 7 Schlössern

    negative Überraschungen
    - Die Bande des Schreckens
    - Das Geheimnis der gelben Narzissen
    - Das Rätsel der roten Orchidee

  • Welche Quellen für den Film?Datum28.01.2019 20:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Meinst du speziell in Bezug auf Gialli oder allgemein für alle Filme?

    Im Giallo-Genre habe ich das Gefühl, dass wirklich der allergrößte Teil der Produktionen inzwischen irgendwo auf DVD und / oder Blu-ray erhältlich ist, gerade wenn man auch italienischsprachige VÖs berücksichtigt. Aber auch in UK und USA tut sich da ganz viel, ebenso wie auf dem deutsch-österreichischen halblegalen Sammlermarkt, der in seiner Preisgestaltung allerdings teilweise ziemlich abenteuerlich ist. Sonst greife ich bei Gialli aber auch sehr gern auf Downloads zurück; zuletzt gab es einen überaus lohnenswerten Youtube-Kanal mit vielen tlw. auch seltenen Filmen in HD-Auflösung, der natürlich mittlerweile aufgrund von Urheberrechtsverletzungen ... aber lassen wir das lieber.

    Auf VHS oder anderweitigen Uralttechniken würde ich gerade Gialli eher nicht sehen wollen, weil sich wenige Genres so sehr wie dieses über optische Meriten wie ausgefeilte Bild- und Farbkompositionen definieren. Da geht bei suboptimalen Quellen sehr viel von dem Eindruck, den die Filme eigentlich machen würden, verloren, wenn z.B., wie früher oft (Un-)Sitte war, das Bildformat beschnitten oder die Bildqualität gruselig griselig ist.

  • Grand PrixDatum28.01.2019 20:03
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Heute fand die Aufteilung der Länder in die Semifinals statt. Die Mischung scheint recht gut geglückt zu sein, auch wenn Semi 2 aufgrund der vergangenen Erfolge der Teilnehmer vielleicht einen Ticken stärker scheint. Deutschland wird auch in Semi 2 abstimmen, in dem u.a. Dänemark, Schweden, Aserbaidschan und Russland dabei sind.

    Für 2019 kennen wir mittlerweile vier Beiträge. Neben Albaniens martialischem Folk-Geschrei sendet Spanien einen überdrehten Gute-Laune-Jungen, Frankreich eine androgyne Anleitung zur Selbstliebe und Tschechien so ziemlich den blassesten Hipster-Radiotrack, den man sich vorstellen kann. Einzig Frankreichs Bilal Hassani hatte ich bisher freiwillig mehrere Male auf Rotation, aber es besteht die Hoffnung, dass wir noch sehr viel bessere Beiträge bekommen werden ...

    Mein momentaner Zwischenstand:

    12 pts: Bilal Hassani - Roi
    10 pts: Miki - La venda
    08 pts: Lake Malawi - Friend of a Friend
    07 pts: Jonida Maliqi - Ktheju tokës

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Das Gasthaus an der Themse

    Kriminalfilm, BRD 1962. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson, Trygve Larsen (d.i. Egon Eis), Gerhard F. Hummel (Romanvorlage „The India-Rubber Men“, 1929: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Inspektor Wade), Brigitte Grothum (Leila Smith), Elisabeth Flickenschildt (Nelly Oaks), Richard Münch (Dr. Collins), Klaus Kinski (Gregor Gubanow), Jan Hendriks (Roger Lane), Heinz Engelmann (Mr. Brown), Eddi Arent (Herbert Oliver Douglas Barnaby jr.), Siegfried Schürenberg (Sir John), Rudolf Fenner (Big Willy), Hela Gruel (Anna Smith), Hans Paetsch (Rechtsanwalt Brother), Manfred Greve (Sergeant Frank), Gertrud Prey (Krankenschwester), Frank Straass (Donovan) u.a. Uraufführung: 28. September 1962. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Hamburg im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Das Gasthaus an der Themse
    Als „Hai“, Räuber der Themse, bezeichnet die Flusspolizei einen Juwelendieb und Mörder, der – vermummt in einen schwarzen Taucheranzug – aufsehenerregende Verbrechen begeht und dann durch die Kanalisation und über den Fluss blitzschnell verschwindet. Der Mord an einem Polizeispitzel führt Inspektor Wade in die Hafenkneipe Mekka. Nelly Oaks, die Betreiberin des Mekka, ist erstaunlich gut über die Umtriebe des „Hais“ informiert und schüchtert gleichzeitig ihre Pflegetochter Leila ein, dem Inspektor bei dessen Ermittlungen nicht zu helfen. Es stellt sich heraus, dass Mrs. Oaks, die eine Komplizin des „Hais“ ist, ihren Boss mit dem Weiterverkauf von Diebesgut sowie der Anwartschaft auf ein unermessliches Vermögen zu hintergehen beabsichtigt. Ein gefährliches Spiel!


    „Es war ganz dunkel, aber dann kam der Mond einen Augenblick hervor. Und da sah ich ein Tier – ein schwarzes Tier.“

    Auf halbem Wege zwischen Verabschiedung und Neubeginn lässt sich „Das Gasthaus an der Themse“ verorten, das einerseits 1962 der letzte in Hamburg gedrehte und von Egon Eis in Drehbuchform gebrachte Wallace-Krimi war, andererseits aber auch einen Aufbruch in Richtung freierer Romanadaptionen mit signifikanten Änderungen gegenüber den Vorlagen darstellt. Für das „Gasthaus“ bedeutet das eine enorm unterhaltsame Mixtur aus den Vorteilen der frühen Filme (einzigartige Atmosphäre ohne Fließbandcharakter, packende Erzählführung und seriöse Regie, ernstzunehmende Charaktere) mit der leicht konsumierbaren Zeitgeistigkeit der späteren Wallace-Jahre (einprägsame Mörderfigur, überschaubare Bandenstrukturen, Humor in Dialogen, Ausstattung und Musik sowie eine zunehmend kreative Bildsprache). Symptomatisch für die letztgenannten Aspekte ist, dass Alfred Vohrer und Karl Löb in „Das Gasthaus an der Themse“ markante Duftmarken setzen, die noch weiter gehen als in „Die Tür mit den 7 Schlössern“ – man denke an erstmals im „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“-Stil gehaltenen Vorspann, das omnipräsente Wassermotiv, Supergroßaufnahmen von Klaus Kinskis Augen, den mehrfachen klugen Einsatz von Spiegeln und die umfangreiche Verwendung einer Handkamera im finalen Showdown in den Kanalisationskatakomben unter dem Mekka (die im Übrigen geräumiger und massiver wirken als das darauf stehende Gebäude). Auch Martin Böttcher liefert schon gleich zu Beginn eine im Vergleich zu seinen anderen Wallace-Kompositionen inspiriertere Arbeit ab, die sich des einprägsamen Motivs „Besonders in der Nacht“ ebenso bedient wie einiger Geräuschversatzstücke, denen man später im Film verschiedentlich wiederbegegnet – trotz klarer Präferenz für Peter Thomas meinerseits gelang hier wohl der insgesamt stärkste Soundtrack aller Wallace-Filme. Überhaupt ist der gesamte Film einschließlich seiner polierten Dialoge ein selbstbewusst durchchoreografierter Leckerbissen, der sich offenkundig bewusst darüber ist, dass er auf einer beeindruckenden Erfolgswelle schwimmt.

    Vielleicht tritt dieses Selbstbewusstsein ein bisschen zu eindeutig zutage, denn in einigen Aspekten übernimmt sich „Das Gasthaus an der Themse“ ein wenig. Obwohl sicher gute Gründe für die Entscheidungen vorlagen, wirken insbesondere die gegenüber dem Wallace-Buch abgeänderte Auflösung, die dafür sorgt, dass der Täter nicht mehr aus dem Kreis der eigentlich von der Geschichte betroffenen Personen stammt, und Joachim Fuchsbergers aggressiver Ermittlungs- und Flirtstil im Nachgang befremdlich auf den Zuschauer. Fuchsberger, der sich bisher als Sonnyboy unter den Hauptdarstellern präsentiert hatte, fällt hier als Inspektor Wade durch einen präpotenten Umgang mit Zeugen, eine deutlich härtere Gangart im Umgang mit den Gangstern sowie nicht zuletzt ungewöhnlich chauvinistische Verhaltensweisen gegenüber Leila Smith auf, die er trotz ihrer Minderjährigkeit nach dem Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip umwirbt, „Prinzessin“ nennt und auf ihre Unterwäsche anspricht. War damit der Versuch unternommen worden, den im Vorgängerfilm mit Draches Inspektor Martin geschaffenen rauhbeinigen Inspektorentypen auch Blacky Fuchsberger überzustülpen oder wollte sich Alfred Vohrer lediglich von der betulichen Romanzenseligkeit der Reinl-Filme („Meine Freunde nennen mich Blacky“, „10 Kinder, 100 Enkel, 1000 Urenkel“) abgrenzen?

    Das „Gasthaus“ genösse nicht sein hohes Ansehen, würden nicht der Supporting Cast die überzeichneten Aktionen des Protagonisten zur besten Zufriedenheit ausgleichen. Brigitte Grothum zeigt sich hier ironischerweise noch deutlich eingeschüchterter als in „Die seltsame Gräfin“, wo unmittelbar Jagd auf ihre Figur gemacht wurde. In „Das Gasthaus an der Themse“ steht ihre Leila Smith völlig unter dem Pantoffel ihrer Ziehmutter und der obskuren Kundschaft, die das Mekka wie ein Magnet anzieht. Ihr Opus magnum als Nelly Oaks liefert Elisabeth Flickenschildt ab – sie hebt den Film darstellerisch im Alleingang auf oberstes Niveau, egal ob es um ihren flüsternd-reibeisigen Gesangsauftritt, verschlagen-sadistische Momente als Gangsterbraut oder keifende Rechtfertigungen gegenüber Inspektor Wade geht. Vor allem die beeindruckende Modulation ihrer Stimme, aber auch das biestig-entschlossene Blitzen in ihren Augen machen die Flickenschildt zu einem der Aushängeschilder der gesamten Reihe. Unterstützt wird sie von einem exzellenten Galgenvogel-Quartett bestehend aus Jan Hendriks, Klaus Kinski, Rudolf Fenner und Heinz Engelmann, obgleich Letzterer als Unhold Mr. Brown und verbrecherischer Kapitän der Siegel von Troja in Anbetracht seiner rechtschaffenen „Stahlnetz“-Karriere eine gewagte Wahl war.

    Bedenkt man die im Roman thematisierte Organisation der „Flussratten“, die im englischsprachigen Original als „India-Rubber Men“ ihr Unwesen treiben, ist der Sprung zum Einzelverbrecher namens „Hai“ im schwarzen Taucheranzug gar nicht mehr so weit. Der Film profitiert enorm von der Zuspitzung der Schurken auf diese eine Person, deren unheimliches Äußeres für hervorragende Spannungsszenen sowie für ein befriedigendes Verwechslungsspiel mit Jan Hendriks’ und Klaus Kinskis Charakteren taugt. Dass der Seitenplot um das Vermögen der Pattisons sowie den Charakter der Anna Smith beibehalten wurde, war ebenfalls eine kluge Entscheidung; darüber hinaus hätte man gut daran getan, auch den Anschlag auf Inspektor Wade in einem überfluteten Keller sowie das Finale aus dem Buch zu übernehmen, das aber wegen eines zu aufwendigen Großbrands ähnlich wie bei „Die Tür mit den 7 Schlössern“ aus budgetären Gründen abgeändert werden musste.

    Hoch mögen sowohl Elisabeth Flickenschildt als auch der beeindruckend eingefangene Hafennebel leben, auf dessen wabernden Wogen die Melodien aus dem Mekka über die Elbthemse ziehen – diese Elemente machen „Das Gasthaus an der Themse“ zu einem exquisiten Gangsterfilmvergnügen mit hohem Wohlfühlfaktor. Lediglich eine zurückgenommenere Darstellung von Joachim Fuchsberger sowie eine geschicktere Auflösung der faszinierenden „Hai“-Mörderfigur wären dem Film zupass gekommen. Doch das ist Nörgelei auf hohem Niveau: Nicht ohne Grund ist „Das Gasthaus an der Themse“ der nach Kinozuschauerzahlen erfolgreichste Film der Reihe.

  • Die Rache bin ich (1977)Datum26.01.2019 21:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Rache bin ich / Ein Mann aus Stahl und Eisen (Il prefetto di ferro)

    Historiendrama, IT 1977. Regie: Pasquale Squitieri. Drehbuch: Ugo Pirro, Arrigo Petacco, Pasquale Squitieri (Romanvorlage, 1975: Arrigo Petacco). Mit: Giuliano Gemma (Präfekt Cesare Mori), Claudia Cardinale (Anna Turrini), Stefano Satta Flores (Spanò, Major der Carabinieri), Rossella Rusconi (Angela Mori), Rik Battaglia (Antonio Capecelatro), Francisco Rabal (Brigant Albanese), Massimo Mollica (Paternò), Enzo Fisichella (Abgeordneter Galli), Salvatore Billa (Francescopino, Chef der „Picciotti“), Loris Bazzocchi (getöteter Bauer) u.a. Uraufführung (IT): 23. September 1977. Uraufführung (DDR): 25. Mai 1979. Uraufführung (BRD): 9. November 1984. Eine Produktion von Rizzoli Film für Cineriz.

    Zitat von Die Rache bin ich
    Im Jahr 1925 wird Cesare Mori als Polizeipräfekt in Sizilien eingesetzt, weil er für seine harte Linie im Kampf gegen das organisierte Verbrechen bekannt ist. Tatsächlich lernen die Mafiabosse und ihre Schergen nach anfänglichen Provokationen bald Respekt vor Mori. Dessen Meisterstück wird das Ausräuchern des Städtchens Gangi, in dessen sprichwörtlicher Unterwelt sich reihenweise Gangster – allen voran der Brigant Albanese – verschanzt haben. Als Mori seine Aktivitäten jedoch nicht mehr nur gegen einfache Leute und regionale Größen, sondern gegen die feine Gesellschaft richtet, merkt er schnell, dass der Mafia doch nicht so einfach beizukommen ist ...


    Politisch und sozial engagierte Regisseure wie Damiano Damiani oder Elio Petri sorgten dafür, dass die Polizei-gegen-die-Mafia-Filmschwemme des italienischen 70er-Jahre-Kinos sich bevorzugt an zeitaktuelle gesellschaftliche Missstände knüpfte. Auch effekthascherische Filmemacher wie Fernando di Leo verstanden es, aus der Gegenwärtigkeit ihrer Schilderungen wirkungsvolle Resultate herauszukitzeln. Einen völlig anderen Weg beschritt Pasquale Squitieri, der in Filmen wie „Die Rache bin ich“ oder „Die Rache der Camorra“ die mit dem Thema verbundenen historischen Aspekte beleuchtete. Im vorliegenden Fall ließ er sogar biografische Momente einfließen, denn mit Protagonist Mori lernt der Zuschauer einen realen Mafiabekämpfer aus den 1920er Jahren kennen. In der Realität wie im Film nimmt Mori eine Zangenstellung zwischen den Abscheulichkeiten der Briganten und der italienischen Faschisten ein und versucht dabei auf überhöht heroische Weise, einem Idealbild der Gerechtigkeit mit harten Bandagen zum Sieg zu verhelfen. Mori wird von klaren und progressiven Vorstellungen geleitet, die vor allem die Gleichheit aller vor dem Gesetz betreffen. Er lässt sich bei seinem Vorgehen weder von Geld, Einschüchterungen oder politischen Würdenträgern beeindrucken und setzt die Maxime, dass Staat und Recht über allem stehen sollen, mit eiserner Konsequenz durch. Dabei macht sich stellenweise eine gewisse Selbstherrlichkeit und Rücksichtslosigkeit bei Mori bemerkbar, die ihn zu einem hochinteressanten, nicht ausschließlich rosaroten Charakter werden lässt.

    Zitat von Alexander Scholz: Die Rache bin ich, Traumathek, Quelle
    Mori kommt als neuer Präfekt nach Sizilien und soll mit dem organisierten Verbrechen aufräumen, um dem Staat wieder zu alter Durchschlagskraft zu verhelfen. Mori, ein Mann des Gesetzes. Dass er die Gesetze der Faschisten durchsetzt, ist für ihn ein notwendiges Übel. Dass das Recht längst abgeschafft ist, bemerkt er in seiner Selbstgerechtigkeit zu viel zu spät. Dass er sich im Kampf gegen die Mafia[, bei dem heroische Absicht in nihilistischen Hochmut kippt,] nur einem anderen Regime der Repression andient, ebenso.




    Die spannende Zwickmühle offenbart sich dem Zuschauer erst sukzessive, nachdem er über lange Strecken vorbehaltlos auf Moris Seite stand. Darsteller Guiliano Gemma – hauptsächlich aus Italo-Western bekannt – glückt ein stoisches, trockenes, aber durch seine Verbindlichkeit auch einnehmendes Porträt des Präfekten, der dem Publikum als glaubwürdige und facettenreiche Figur entgegentritt und sich mehrfach ohne Rücksicht auf die eigene Person in brandgefährliche Situationen begibt. Alle anderen Akteure treten deutlich in Gemmas Schatten und wirken eher unterstützend auf sein Spiel ein, als ihm ernsthafte Konkurrenz zu machen. Das gilt auch für Claudia Cardinale, deren Part etwas aufgesetzt wirkt, insbesondere aber für die leise, loyale Darstellung von Moris Assistenten durch Stefano Satta Flores. Squitieri konzentriert sich lieber ganz auf seinen zweischneidigen Helden und geht außerdem in teilweise epischer Breite in Milieuschilderungen und Kampfmanövern auf. Ihm liegt sehr am Herzen, die Ausbeutung der armen Landbevölkerung sowie die Unterwanderung einer ganzen Festungsstadt mitsamt aller Familien durch die Mafia zu zeigen und dabei Moris Gegenwirken in Form schnellen Handelns oder geschickt ausgetüftelter Manöver zu zelebrieren. Gerade wenn der Brigantenunterschlupf Gangi von Mori für den Rechtsstaat „zurückerobert“ wird, erinnern die Szenen durch ihren ausgiebigen Einsatz berittener Uniformträger, wilder Schusswechsel und menschlichen Elends lebhaft an Kriegsfilme; andere Momente lassen durch das Inszenesetzen der sommerlichen sizilianischen Landschaft eher Westernassoziationen aufkommen.

    Ähnlich wie Damiani oder wie Dallamano in „Der Tod trägt schwarzes Leder“ bekommt aber auch die herrschende Kaste in „Die Rache bin ich“ in Form eindeutig (ab-)wertender Inszenierung ihr Fett weg. Die letzten 20 Minuten des Films strotzen geradezu vor entlarvendem Pessimismus und bedürfen keiner Kommentierung – allein das Verhalten sich immun glaubender Adelstitelträger sowie selbstverliebter Schwarzhemden genügt, um die Vergeblichkeit der hohen Ideale der Hauptfigur unter Beweis zu stellen. So manövriert sich Mori selbsttätig mit ungewünschten Erfolgen ins Abseits und wird auf einen ruhigen Posten als Senator, auf dem er nicht mehr viel Schaden anrichten kann, abgeschoben. Squitieris Regieführung in den Schlussmomenten und besonders in der finalen Begegnung zwischen Mori und Spanò ist von einer unprätentiösen Dramatik, die es schafft, dem Betrachter nahezugehen, ohne zu dick aufzutragen, und damit einen hochwertigen Ausstieg aus einem stellenweise euphorisierenden, letztlich aber erneut niederschmetternden Zeitbild zu gewährleisten.

    Nach dem Motto „Einer gegen den Rest der Welt“ kämpft sich der titelgebende eiserne Präfekt Mori durch die Verflechtungen süditalienischer Bandenstrukturen. Diese historisch aufgearbeitet statt in wohligen 70er-Kult verpackt zu sehen, gibt dem Film eine hochwertige Note, welche sich auch in Moris grauschattiertem Ehrgeiz und Squitieris aufwendiger, stellenweise vielleicht etwas zu weit ausholender Regieführung widerspiegelt. 4,5 von 5 Punkten.

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