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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich bin froh, dass Pidax im Hörspielbereich mit MP3 eine relativ günstige Schiene fährt und man so doch angeregt wird, zum einen oder anderen Produkt zu greifen, das bei einem anderen Verlag für 30-40 Euro über den Ladentisch gehen würde. Vermutlich sind die Aussichten, große Gewinne mit Hörspiel- oder Hörbuchveröffentlichungen zu machen, mittlerweile noch geringer als im Home-Video-Bereich.

  • Lord Low´s Fan-TrailerDatum03.10.2018 08:06
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Naja, rein rechtlich gesehen hattest du vermutlich genauso wenig die Genehmigung, das Filmmaterial zu verwenden, bzw. hast Universum-Film / TOBIS als Rechteinhaber ebenfalls nicht in deinem Trailer angegeben. Insofern bist du nicht in der besten Position, einen ungefragten Gebrauch zu bemängeln. Ich würde es auch so sehen wie @greaves: Freue dich, dass Star-TV den Zusammenschnitt als professionell genug für eine quasi unveränderte TV-Ausstrahlung betrachtet hat und lass es dabei bewenden.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Habe die drei Folgen von Sonntag jetzt auch gesehen. Ein sofortiges Urteil möchte ich nicht fällen, weil es sehr ungewohnt ist, so eine polierte deutsche Produktion zu sehen. Ich habe mich stellenweise diebisch gefreut, aber insgesamt hätte in über zwei Stunden Laufzeit durchaus schon mehr herumkommen können. Es scheint eher um das monumentale Sehereignis als um konzentriertes Storytelling zu gehen - damit gibt sich die Serie trotz ihres alten Gewands eben als ein ganz modernes Produkt zu erkennen.

  • Der Stahlnetz-GrandprixDatum01.10.2018 22:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema




    Obwohl „Stahlnetz“ ebenso wie später „Der Kommissar“ und „Derrick“ eine Serie „aus einer Hand“ ist (hier Roland / Menge / Holder statt Reinecker / Ringelmann), unterscheiden sich die einzelnen Episoden doch maßgeblich nicht nur in den geschilderten Verbrechen, den Besetzungen oder der allgemeinen Qualität, sondern bilden auch auf faszinierende Weise den Entwicklungsstand des Fernsehens zwischen 1958 und 1968 ab. Man könnte wohl ohne Schwierigkeit argumentieren, dass Rolands einfallsreiche und atmosphärische Umsetzungen ihrer Zeit diesbezüglich immer ein Stückweit voraus waren, was besonders ins Auge fällt, wenn man sie mit anderen TV-Spielen aus der genannten Periode vergleicht. „Stahlnetz“ wirkt weniger statisch, oft aufwendiger und ungebundener und ist damit auch heute noch (nicht nur unter Nostalgie-Aspekten) beste Krimi-Unterhaltung. Hinzu kommt – offenbar ein Glücksfall – die bei den allermeisten Folgen in gestochener Qualität erhaltene Schwarzweißfotografie.

    Die Entwicklung von den eher schlichten Fällen der Anfänge über die atmosphärisch besonders dichten Inszenierungen der mittleren Jahre bis hin zu den Großabenteuern des späteren Reihenverlaufs zeigt verschiedene Schwerpunkte auf, die Roland und Menge trotz des immer ähnlichen Konzepts setzen konnten. Unterm Strich kann man festhalten, dass jede dieser Phasen gelungene und sehr gelungene Folgen bereithält, sodass ich vergleichsweise oft die hohen oder ganz hohen Punktzahlen gezogen habe. Damit ist nicht nur der gefühlte Eindruck bestätigt, dass es sich bei „Stahlnetz“ um eine der besten deutschen Krimireihen überhaupt handelt, zu der man immer wieder ohne Abnutzungserscheinungen zurückkehren kann – auch rechnerisch lässt sich das jetzt untermauern, denn mit durchschnittlich 3,91 Punkten pro Folge sticht es z.B. den „Kommissar“ (3,71 Pkt.) oder „Derrick“ (3,81 Pkt.) für meine Begriffe aus.

    Wie üblich möchte ich die Sichtungsreihe mit einer persönlichen Rangliste abschließen. Sie unterscheidet sich in einigen Punkten merklich vom „Stahlnetz“-Grandprix-Ergebnis von 2008, verfügt aber immerhin über den gleichen Spitzenreiter, den man eigentlich gar nicht genug loben kann.

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 17 | Das Haus an der Stör
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 11 | Verbrannte Spuren
    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 13 | Saison
    Platz 04 | ★★★★★ | Folge 18 | Rehe
    Platz 05 | ★★★★★ | Folge 05 | Das zwölfte Messer

    Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 21 | Der fünfte Mann
    Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 03 | Die blaue Mütze
    Platz 08 | ★★★★☆ | Folge 14 | In der Nacht zum Dienstag

    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 16 | Spur 211
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 08 | Das Alibi
    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 02 | Bankraub in Köln
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 12 | E ... 605
    Platz 13 | ★★★★★ | Folge 22 | Ein Toter zuviel

    Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 10 | Die Zeugin im grünen Rock
    Platz 15 | ★★★☆★ | Folge 01 | Mordfall Oberhausen
    Platz 16 | ★★★☆★ | Folge 20 | Nacht zum Ostersonntag
    Platz 17 | ★★★☆★ | Folge 04 | Die Tote im Hafenbecken

    Platz 18 | ★★★★★ | Folge 06 | Sechs unter Verdacht
    Platz 19 | ★★★★★ | Folge 07 | Treffpunkt Bahnhof Zoo
    Platz 20 | ★★★★★ | Folge 09 | Aktenzeichen: Welcker, u.a. wg. Mordes

    Platz 21 | ★★☆★★ | Folge 15 | In jeder Stadt ...

    Platz 22 | ★★★★★ | Folge 19 | Strandkorb 421

  • Der Stahlnetz-GrandprixDatum30.09.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema




    Stahlnetz: Nacht zum Ostersonntag

    Episode 20 der TV-Kriminalserie, BRD 1965. Schauplätze: Lübeck, Hamburg, Frankreich (Lourdes). Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Wolfgang Menge. Mit: Herbert Tiede, Gerhard Hartig, Jürgen Draeger, Edith Mill, Ossi Kolmann, Günther Stoll, Jochen Rathmann, Otto Bolesch, Peter Herzog, Harry Wüstenhagen u.a. Erstsendung: 8. Dezember 1965, ARD. Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks.

    Zitat von Stahlnetz (20): Nacht zum Ostersonntag
    In der Nacht zum Ostersonntag lässt sich ein Taxifahrgast in ein Lübecker Wohnviertel bringen und erschießt, am Ziel angekommen, den Fahrer. Der Schwerverletzte kippt nach vorn über, das Auto beschleunigt und fährt gegen eine Mauer, doch der Täter kann flüchten. Nur eine Zeugin hat ihn gesehen – mehr als eine vage Beschreibung ist nicht drin. Die Polizei, die sich auf ruhige Feiertage gefreut hat, muss nun jede noch so kleine Spur verfolgen, um den Weg des Täters nachzuvollziehen und seine Identität zu klären ...


    Für manchen Mörder ist selbst die überschaubare Geldsumme, die ein Taxifahrer in seiner Kasse verwaltet, Grund genug, zur Waffe zu greifen. Gelegentlich – so wie hier – kann dann nicht einmal dieser kleine Betrag gestohlen werden. Als Serie hat sich „Stahlnetz“ immer auch diesen sinnlosen Verbrechen gewidmet, die für einen kaum vorhandenen Nutzen großen Schaden anrichten und (gerade weil das Motiv so schwach wirkt) aufwendigste Nachforschungen seitens der Polizei nötig machen. So bleibt auch der Taxifahrer-Mord, der sich in Realität am 21. April 1962 an Gustav Lingies in der Lübecker Spillerstraße ereignete, eine gänzlich unbefriedigende Tat, deren Aufarbeitung nicht einmal durch die typische „Stahlnetz“-Machart an Faszination gewinnt. Zwar begleitet man den unbekannten Täter auf dem Rücksitz des Taxis durch die nächtlichen Straßen der Hansestadt, doch sobald die Fahrt zu ihrem unschönen Ende gekommen ist, nehmen unspektakuläre Ermittlungs- und Beratungssequenzen mit einem übergroßen Polizistenteam den größten Anteil der Episode ein.

    „Da spricht man immer von Personalmangel. Ich habe noch gar nicht gewusst, dass es so viele Polizisten in ganz Schleswig-Holstein gibt, wie ich heute Abend gesehen habe“, staunt der Wirt, als die Kripo im Morgengrauen ihr Lagezentrum in seiner Kneipe aufschlägt. Das langjährige Rezept der Reihe, einen Einzelermittler vom Format eines Heinz Engelmann oder Richard Lauffen zusammen mit einem Assistenten auf einen Fall anzusetzen, wurde in den späten Folgen zunehmend durch ein Konglomerat an Beamtendarstellern ersetzt, die zwar die Ausmaße des behördlichen Apparats deutlich machen, aber gleichzeitig für eine nachlassende Identifikation des Zuschauers mit den Ermittlern sorgen. Herbert Tiede steht dem Squad nominell vor; viele Szenen bestreiten Hartig, Kollmann, Stoll, Herzog und Wüstenhagen aber auch allein, wobei sich nicht jeder der Herren nachhaltig zu präsentieren versteht.

    Problematisch für den Fall ist auch, dass er unter einem Mangel an Verdächtigen leidet. So gibt es zwar interessante Rekonstruktionen und Zeugenbefragungen zu sehen; die filmisch suggerierte Idee, dass der erste Verdächtige, den eine befreundete Dienststelle als möglichen Täter vorschlägt, aber auch wirklich der Schuldige ist, wirkt eher unbefriedigend. Als wichtiger als ein möglicher Mitrate-Faktor wird die Schilderung internationaler Zusammenarbeit zwischen Lübecker und französischen Kommissaren bewertet und entsprechend ausführlich in Szene gesetzt. Kurios ist dabei, dass Wolfgang Menge gerade in dieser Episode einige kernige Aussagen zu politischen Ansichten der Beteiligten bezüglich der jüngeren Vergangenheit einbaut (z.B. Todesstrafe für Auschwitz, keine Waffen nach Deutschland). Sie bringen ein interessantes Zeitkolorit in den sonst eher anonymen Stoff.

    Ein interessantes Mutter-Sohn-Gespann bilden Edith Mill und Jürgen Draeger, die die Episode mit der unbekümmerten Lebensweise ihrer Charaktere wesentlich mitbestimmen. Auch die Auftritte einiger Zeugen bleiben in Erinnerung – vor allem der nette Gag, dass die treue Seele Roland nach Jahren ihrer Falschaussagen und Wichtigtuerei nun endlich einmal Dauerdarstellerin Gerda-Maria Jürgens die Gelegenheit bot, den zentralen Schlüssel zur Überführung des Täters in der Hand zu halten. Die Volksschauspielerin genoss diese späte Ehre sichtlich.

    Über die Maßen simpler Fall, der von einer atmosphärischen Inszenierung der Tat und guten, wenngleich nicht immer fokussierten Darstellern profitiert. Lübeck als Schauplatz ist eine nette Abwechslung; grenzübergreifende Ermittlungen mit Frankreich wirken hingegen eher bemüht. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bin auch gespannt, wie die Folgen nun wirklich geraten sind. Sie werden ja sehr gelobt, wenngleich man offenbar keine allzu große Romantreue erwarten sollte. Ich werde sie auf jeden Fall aufzeichnen und dann relativ bald sehen.

    Die DVDs und Blu-rays zur ersten Staffel erscheinen schon am 5. Oktober, zur zweiten (sowie eine Komplettbox) am 19. Oktober. Bereits vor zwei Tagen veröffentlicht wurde darüber hinaus ein edles Begleitbuch zur Serie von Michael Töteberg (Link zur Verlagshomepage).

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich habe mir den Trailer auch nochmal angeschaut. Bei der Livingston-Einstellung ist nicht viel Rundherum erkennbar. Beim Bobby auf der Treppe wäre ein Drehort entweder direkt auf der oder auf der Landseite gegenüber der Pfaueninsel logisch, aber da gibt es heute m.W. keine Metallgeländer mehr.

    Die Stimme des Sprechers im Trailer ist die von Friedrich Schoenfelder, oder?

  • Der Fall X 701 (1964)Datum30.09.2018 14:58
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #1
    ... die zwar in englischer Sprache und mit internationaler Besetzung gedreht wurde, jedoch keine Co-Produktion darstellt, wie oft vermerkt wird.


    Woher hast du denn diese Info? Laut den Unterlagen bei Filmportal.de ist "Der Fall X 701" eine Koproduktion von Artur Brauners Alfa-Film mit der Creole-Filmproduktion, die ihren Sitz in Berlin und London hatte und damit für den internationalen Anteil dieser Produktion verantwortlich gewesen sein dürfte. Als Koproduzent neben Brauner fungierte Ronald Rietti, der nach "X 701" noch die kuriosen internationalen Projekte "Vergeltung in Catano" (BRD / ES) und "Hell Is Empty" (GB / CSK) verantwortete. Im Gegensatz zu anderen Koproduktionen der damaligen Zeit entstanden die Studioaufnahmen aber tatsächlich bei der CCC in Haselhorst und nicht im Ausland. Insgesamt eine ungewöhnliche Melange - gerade auch mit Noir-Amerikaner Mark Stevens in der Hauptrolle.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Prima, hier sind ja schon wieder einige hochspannende Enthüllungen im Gange! Die Fasanenstraßen-seitige Fassade der Universität der Künste kann ich für die Bibliotheksaufnahmen bestätigen. Da der Straßenabschnitt bei Google-Streetview fehlt, hier der Link zu einem Wikimedia-Foto, das den Drehort belegt.

    Beim Parkplatz-Bild ist die Situation noch kniffliger, aber Florian hat Recht. Die zwei genannten Hinweise verraten den Drehort, der sich aber gewaltig verändert zu haben scheint. Auf Google-Streetview ist der Glaspavillon (in veränderter Bauform) noch zu sehen, mittlerweile steht er offenbar gar nicht mehr. Aber das Haus, an das er angebracht ist (Ottilie-von-Hansemann-Haus) stimmt auf jeden Fall. Kopfzerbrechen bereitet mir allerdings das Gebäude, in dem im Film Havelocs Anwaltskanzlei untergebracht sein soll. Es ist am Anfang im gleichen Kameraschwenk zu sehen; ein Mann verlässt es durch eine Glastür. Dieses Haus müsste ja auf der gegenüberliegenden Seite der Otto-Suhr-Allee stehen. Was ich da sehe, passt aber nicht zum Film und könnte in den 70ern womöglich neugebaut worden sein (?).

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Ein Jahr ohne Sonntag: Der Aufstand

    Episode 2 der TV-Familienserie, BRD 1969. Regie: Claus Peter Witt. Drehbuch: Horst Pillau. Mit: Karin Baal, Götz George, Nicky Makulis jr., Florian Halm, Katharina Brauren, Witta Pohl, Christa Siems, Fritz Hellmann, Hans-Peter Korff, Paul Edwin Roth u.a. Erstsendung: 26. Februar 1970, NDR Werbefernsehen. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft.

    Zitat von Ein Jahr ohne Sonntag (2): Der Aufstand
    Ina Sonntag sehnt die Briefe ihres Mannes herbei, auf die sie wegen der Postlaufzeiten lange warten muss. Als er schreibt, gibt Robert ihr eine Telefonnummer, unter der sie ihn erreichen kann – allerdings sind Auslandsgespräche mit hohen Kosten verbunden. Als Ina durch die Presse erfährt, dass in der Republik Calanda, in der Robert jetzt arbeitet, ein blutiger Aufstand ausgebrochen ist und sie ihn telefonisch auch nicht mehr erreichen kann, macht sie sich zehrende Sorgen um sein Wohlergehen und überlegt sogar, ob sie ihm nachfliegen soll. Ein lieb gemeinter Trick ihres Sohnes Matthias sowie ein Bericht der Tagesschau können sie aber letztlich beruhigen, denn Robert geht es gut. Wenn da nur nicht eine andere böse Überraschung wäre: die hohe Telefonrechnung ...


    „Das geht doch nicht gut – so eine lange Trennung. Erst sehnt man sich und dann tröstet man sich.“

    Während die Nachbarn (je nach Geschlecht) entweder über Ina Sonntag lästern oder die Abwesenheit ihres Mannes dazu nutzen, mit ihr zu flirten, wird das Leben für die nunmehr quasi alleinerziehende Mutter nicht leichter. Hatte man in der ersten Folge noch den Eindruck, dass Karin Baals Rolle auch den kleineren Herausforderungen des Alltags einigermaßen hilfsbedürftig gegenübersteht, so bekommt sie es in „Der Aufstand“ mit einem ausgewachsenen Problem der Weltpolitik zu tun, dem ihr Mann zum Opfer zu fallen droht – Aufstand in Calanda! In der Zeit vor Handytelefonie und weltumspannenden sozialen Netzwerken fiel das Kontakthalten über weite Distanzen ohnehin schon schwer. Von den revolutionären Wirrungen im imaginären Land wird diese Aufgabe aber noch weiter verkompliziert. Erst einem Tagesschau-Beitrag, in dem Robert zufällig zu sehen ist, verdankt Ina Klarheit – was nach Kommissar Zufall klingt, ermöglicht immerhin nostalgische Aufnahmen aus dem Schneideraum des Norddeutschen Rundfunks, wo sich Ina das Nachrichtenband in ungeschnittener Fassung anschaut. Auch ist damit zumindest für eine Folge geklärt, wie der abwesende Götz George zumindest in einer Minutenrolle untergebracht werden kann. Karin Baal verteidigt die Hauptdarsteller-Ehre an seiner Stelle sehr wacker und mit nicht nachlassendem Engagement; die zweite Folge gerät schließlich sogar noch unterhaltsamer als die erste.

    Gaststars: Christa Siems als tratschende Nachbarin sowie Witta Pohl und Hans-Peter Korff als zerstrittenes Paar – schon 13 Jahre vor den „Drombuschs“

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Meinst du nicht? Ich finde, die Bilder untermauern Georgs Entdeckung.

    Der gute Herr Zbonek hätte sich vielleicht lieber auf eine Schauspielerkarriere als auf die Arbeit im Regiestuhl konzentrieren sollen.

  • Der Stahlnetz-GrandprixDatum25.09.2018 16:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Sowohl „Das Haus an der Stör“ als auch „Rehe“ zählen zu den allerbesten „Stahlnetz“-Folgen. Wenn ich wählen müsste, würde ich die „Stör“ aber bevorzugen. Sie ist ein klassischer Feelgood-Krimi, während „Rehe“ einen doch ziemlich mitnimmt. Die im Folgenden besprochene Episode hingegen muss ich leider ans Ende meines „Stahlnetz“-Rankings einreihen:




    Stahlnetz: Strandkorb 421

    Episode 19 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Schauplätze: Baden-Baden, Norderney. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Wolfgang Menge. Mit: Hellmut Lange, Helmuth Schneider, Cora Roberts, Kurt Jaggberg, Jürgen Janza, Kurt Klopsch, Peter Herzog, Gerd Frickhöffer, Friedrich Schütter, Erich Uhland u.a. Erstsendung: 24. November 1964, ARD. Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks.

    Zitat von Stahlnetz (19): Strandkorb 421
    Europaweit kommt es in Casino-Städten zu Hoteldiebstählen, bei denen erfolgreiche Spieler noch am gleichen Abend um die auf ihren Zimmern deponierten Gewinne erleichtert werden. Verantwortlich für diese Verbrechensserie ist der Einbrecher Bischoff, dessen Freundin Isabell die ahnungslosen Herren während der Raubzüge ablenkt. In Baden-Baden unterläuft ihr ein Schnitzer und ein Spieler kehrt zu zeitig wieder auf das Hotelzimmer zurück, wo er Bischoff überrascht. In einem Handgemenge löst sich ein Schuss; der Hotelgast ist tot. Das langfingrige Duo verlegt kurzerhand sein Geschäft auf die Nordseeinsel Norderney, ändert aber keinen Millimeter an der Vorgehensweise. Bis Isabell an einen Mann gerät, der nicht so harmlos ist, wie er tut ...


    Nach den „Stahlnetz“-Folgen „Spur 211“ (Mordserie), „Das Haus an der Stör“ (brutale Methode) und „Rehe“ (Kindsentführung) mögen sich die Macher gedacht haben, dass eine weniger schauerliche Episode einmal Not täte, sodass sie als 19. Fall eine Reihe von Hoteleinbrüchen wählten, die vom Ableben eines Kurgasts unterbrochen werden. Wie es zu dessen Todesfall kam, erfährt man nur vom Täter, der ihn als einen unglücklichen Unfall ausgibt. Gezeigt wird die Szene nicht; stattdessen widmet sich die Folge lieber ausführlichen Postkartenbildern, mehr oder weniger stilvoller Urlauberbespaßung im Strandparadies Norderney sowie Isabells Versuchen, mit den Diebstahlsopfern in spe anzubandeln. All das sorgt für einen ausnehmend zahmen, aber auch entsprechend langwierigen Ablauf, denn „Strandkorb 421“ krankt nicht nur an seiner ausgesprochenen Harmlosigkeit, sondern auch daran, wie vorhersehbar Struktur und Schlusspointe sind.

    Bei einem Todesfall in der Pampa kooperieren in „Stahlnetz“ für gewöhnlich regionale, bezüglich Morden unerfahrene Beamte mit höherrangigen Experten aus größeren Städten. In „Strandkorb 421“ scheint die letztere Rolle unbesetzt zu sein, aber natürlich ahnt man sofort, welcher der Protagonisten sich als verdeckter Ermittler zu erkennen geben wird. Für die Männer von der nächstgelegenen Polizeizentrale in Aurich hält die Episode indes nur wenige Erfolge bereit; ihre Untersuchungen führen kaum zu belastbaren Schlussfolgerungen, teilweise werden die Charaktere – ungewöhnlich für eine Serie, die die Vorbildfunktion der Polizei propagieren will – als regelrechte Trottel gezeigt. Vor allem Peter Herzog tut sich in dieser Sache unangenehm hervor, aber auch Jürgen Janza und Kurt Klopsch kommen nicht auf das Nächstliegende.

    Zitat von Christiane Hartmann: Von „Stahlnetz“ zu „Tatort“, Marburg 2003: Tectum Verlag, S. 12f
    [Die Assistenten der ausschließlich männlichen Kommissare] spielten eine untergeordnete Rolle; sie hinterfragten niemals die Hierarchie, gehorchten ohne Einspruch und zeichneten sich durch ähnliche Tugenden aus wie ihre Vorgesetzten. In der Folge „Strandkorb 421“ (1963) kam es sogar vor, dass ‚kleine‘ Polizisten als zu belächelnde Figuren geschildert wurden. Die Bild-Zeitung kommentierte diese Darstellung unter der Schlagzeile „Polizei ärgert sich über Strandkorb 421“ mit: „Jürgen Roland und [...] Wolfgang Menge haben viele ihrer Freunde von der Polizei vor den Kopf gestoßen: In ihrer letzten Sendung [...] wirkten Ortspolizisten und Kripobeamte wie hilflose Schuljungen.“ [...] Doch Hellmut Lange als intelligente, alles überschauende Leitfigur war stark genug, diesen ‚Fauxpas‘ auszugleichen.


    Wer typische „Stahlnetz“-Leitfiguren erwartet, wird Lange in seiner Rolle als besserwisserischer Hotelgast anders als Christiane Hartmann eher als strapaziös und überkandidelt empfinden. Der Darsteller genoss es offensichtlich, gegen den konservativen Strom der Reihe zu schwimmen und hier einen vorlauten, frechen, über Gebühr neugierigen Neunmalklug zu geben, dessen Kommentare besser in eine hausbackene Komödie passen würden. Sein Auftreten hat den Effekt, dass man vielmehr plötzlich mit dem zunehmend in die Enge gedrängten Helmuth Schneider mitfiebert, während die dauerpräsente Cora Roberts zu künstlich wirkt, um irgendwelche Gefühle auszulösen.

    Gerade bei einer so einfachen Plotstruktur, die komplett ohne die sonst so wichtigen Zeugenbefragungen und polizeilichen Zwischenerfolge auskommt, wäre eine präzise, kurze und milieubewusste Inszenierung wichtig gewesen. Roland vergriff sich allerdings mächtig in dem Vorhaben, mit der lapidaren Geschichte über 90 Minuten Spielzeit füllen zu wollen, was zu endlosen Kulturprogramm-Szenen, absurden Komikeinlagen mit dem Hoteldirektor sowie langen dialogfreien Passagen führt. Alle diese Dinge fordern dem Zuschauer einen sehr starken Geduldsfaden ab; immerhin wird man zwischenzeitlich effektiv wachgerüttelt, als der Vorspann mit lauter „Stahlnetz“-Fanfare nach 25 (!) Minuten endlich ertönt. Da hat man immerhin bereits ein knappes Drittel der wahrscheinlich schwächsten Serienfolge hinter sich.

    So wie Menge und Roland darauf herumreiten, dass die Kurgäste sich auf Norderney eigentlich nur langweilen können, wird es auch dem Zuschauer nicht leicht gemacht, für die Ermittlungen im Fall eines erschossenen Hotelgasts Interesse aufzubringen. Hellmut Langes Spiel ist unsensibel überzeichnet, sodass man sich nur an Helmuth Schneiders von Anfang an offen bekannte Täterpersönlichkeit klammern kann. 2 von 5 Punkten.

  • DVD Tausch/VerkaufDatum23.09.2018 15:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bei mir aktuell im Angebot sind die zwei Mystery-Serien "Merkwürdige Geschichten" und "Unheimliche Geschichten" von 1970 bzw. 1981. Beide Serien wurden von Pidax in sehr guter Qualität veröffentlicht. Achtung: Die DVDs sind mittlerweile out of print.

    https://www.ebay.de/itm/153200550246
    https://www.ebay.de/itm/153200550637

    Es handelt sich um stimmungsvolle Kurzkrimis mit einer Tendenz zum Übersinnlichen. Hier im Forum wurden sie auch besprochen:

    Merkwürdige Geschichten (1970-71)
    Unheimliche Geschichten (1982)

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum23.09.2018 14:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema




    Sensationsprozess Casilla

    Kriminalfilm, D 1939. Regie: Eduard von Borsody. Drehbuch: Ernst von Salomon, Eduard von Borsody, Robert Büschgens (Romanvorlage: Hans Possendorf). Mit: Heinrich George (Rechtsanwalt Cäsar J. Vandegrift), Jutta Freybe (Jessie Vandegrift), Albert Hehn (Peter Roland), Dagny Servaes (Sylvia Casilla), Siegfried Schürenberg (Diener James / Jeff Miller / Clarence Stoke), Richard Häußler (Staatsanwalt Adams), Alice Treff (Alma Galliver), Lissy Arna (Inez Brown), Käte Pontow (Binnie Casilla), Hans Mierendorff (Richter Corbett) u.a. Uraufführung: 22. September 1939. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst GmbH.

    Zitat von Sensationsprozess Casilla
    Weil der unter Mordverdacht stehende Peter Roland sein Leben rettet, erklärt sich der Staranwalt Cäsar J. Vandegrift bereit, die Verteidigung im bevorstehenden Prozess zu übernehmen. Die amerikanischen Behörden beschuldigen Roland, die mit ihm befreundete Kinderschauspielerin Binnie Casilla entführt und dabei getötet zu haben. Der Staatsanwalt wähnt sich schon als sicherer Sieger, obwohl er mit Binnies Schwiegermutter, die mit Rolands Verurteilung finanzielle Interessen verfolgt, krumme Geschäfte macht. Wird Vandegrift es schaffen, diese Intrigen zu enttarnen und Roland freizusprechen? Immerhin hat er einen Trumpf im Ärmel: Binnie ist noch am Leben!


    Relativ viele Kriminalfilme, die zwischen 1933 und 1945 entstanden, weisen Merkmale von Justiz- oder Gerichtskrimis auf und konzentrieren sich mehr oder weniger ausführlich auf die Zuverlässigkeit und Richtigkeit der deutschen „Recht“-Sprechung. Man nehme „Der Fall Deruga“, „Der dunkle Tag“ oder sogar den Euthanasie-Film „Ich klage an“ als Beispiele für diese Praxis. Ungewohnt, weil eine Umkehrung der genannten Strategie ist das Vorgehen von „Sensationsprozess Casilla“, der als Gerichtsfilm in den USA angesiedelt ist und im Kontrast dazu mit dem Finger auf die angeblichen Unzulänglichkeiten des dortigen justizialen Systems zeigt. Vordergründig wickelt sich eine einigermaßen komplexe Entführungsgeschichte ab, die immer wieder von Winkelzügen der gegeneinander antretenden Anwälte und ihrer Handlanger beeinflusst wird. Während sie innerhalb des Gerichtssaals große Reden schwingen, flirten sie „hinter den Kulissen“ privat mit der Anklägerin, schicken Spitzel, um die Gegenseite auszuhorchen, oder verheimlichen wichtige Beweise zugunsten der eigenen Wahrheitsverdrehung.

    Zitat von Ian Garden. The Third Reich’s Celluloid War: Propaganda in Nazi Feature Films, Documentaries and Television. Stroud: The History Press, 2016. S. 113f
    The denigration of the American way of life is found both in the negative portrayal of its legal system and in the values and behaviour of its citizens. [...] Any German viewer of the time would clearly have been shocked by this graphic presentation of the adversarial nature of American legal procedure compared to the more measured and inquisitorial style of the German system. The courtroom appears more like a theatre, with the key participants performing as actors on a stage and whose actions are applauded or jeered by the watching public. The fact that the proceedings are being transmitted live, and that journalists can constantly intervene to take photographs, clearly suggests that it is sensationalism rather than justice which will be the winner.


    Bei aller Bissigkeit gegenüber den Amerikanern erweist sich der Fall letztlich als deutlich harmloser als gedacht und auch die Auflösung gestaltet sich nicht so niederschlagend, wie man sich hätte vorstellen können. Kurz vor Ende des Films sieht es so aus, als könne der von Anfang an siegessichere Staranwalt Vandegrift doch nicht mehr die Unschuld seines Mandanten beweisen. Wäre man diesem Weg in ein Fehlurteil – womöglich sogar mit der Hinrichtung eines unschuldigen Deutschen auf dem elektrischen Stuhl – gefolgt, hätte man zwar auf eine freundliche Schlusssequenz verzichten müssen, zugleich aber hätte man dem despektierlichen Tenor des Hauptteils sozusagen „die Krone aufsetzen“ und sich in eine Märtyrerrolle flüchten können.

    Wie in so vielen Filmen mit eindeutigem Propagandagehalt übernimmt Heinrich George die Hauptrolle. Sein Anwalt Vandegrift ist ein hinterlistiger, letztlich jedoch gutmütiger Bursche, der unumwunden zugibt, dass er kein Problem damit hat, für eine beträchtliche Geldsumme der Unwahrheit zum Triumph vor Gericht zu verhelfen. Dass er Peter Roland ohne größere finanzielle Aufwendungen verteidigt, ist ein purer Zufall, der in einer spannenden, wenngleich etwas unrealistischen ersten Filmszene begründet wird. Als Peter Roland hinterlässt Albert Hehn einen etwas trockenen Eindruck; gleichwohl hat er nicht wirklich viel zu tun, außer anfangs möglichst schurkisch zu wirken, dann schnell alles aufzuklären und im dritten Viertel des Streifens eine große Ansprache an die Menschlichkeit zu richten. Interessanter fallen die Rollen von Dagny Servaes als intriganter Mutter des entführten Kindes, Richard Häußler als überambitioniertem Staatsanwalt und Siegfried Schürenberg als sehr unstandesgemäßem Diener aus, der als Schnüffler auf eine verdeckte Mission geschickt wird und dabei gegenüber einer altjüngferlichen Alice Treff seinen giftigen Charme spielen lässt.

    Vielleicht nicht die optimale Wahl für einen solchen Gerichtsfilm war der sonst eher auf abenteuerlastige Stoffe spezialisierte Eduard von Borsody, der in der Figurenzeichnung nicht immer das richtige Maß findet, sodass sich stellenweise eine arg platte Komik in den Film einschleicht. Insbesondere die Rolle der Zeugin Inez Brown (Lissy Arna als falschaussagende Afroamerikanerin) hat einen klamaukigen Beigeschmack, der das Gesamtbild stört und die beabsichtigte verleumderische Wirkung allzu deutlich macht. Auch die Szene, in der neugierige Touristen bei einer überteuerten Sensationsführung Fotos vom Tatort machen, der mit allerlei beschrifteten Pfeilen wie „Murderer’s Spot“ oder „Murderer’s Route“ versehen ist, erweckt einen plumpen Eindruck. Gleichwohl ist von Borsody ein Garant für hohes Tempo, was auch auf „Sensationsprozess Casilla“ ohne Abstriche zutrifft.

    Wer einen ernstzunehmenden Gerichtskrimi sehen möchte, sollte lieber zu anderen Filmen greifen. „Sensationsprozess Casilla“ ist hauptsächlich wegen seiner anti-amerikanischen Einsprengsel interessant und versammelt außerdem talentierte Darsteller vor der Kamera, die aus ihren gezwungenermaßen einseitigen Rollen das Bestmögliche herausholen. Knappe 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Wenn es nach mir geht, sind alle Hinweise auf TV-Wiederholungen von Produktionen mit a) dem richtigen Produktionszeitraum (bis 1970er / 1980er Jahre), b) mit uns betreffenden Schauspielern oder c) aus dem klassischen Krimigenre wenigstens im Aktuelles-und-TV-Bereich immer willkommen. Wenn alle drei Faktoren zusammentreffen, ist es natürlich etwas ganz Besonderes, aber hier stimmen ja immerhin zwei davon.

    Interessant, dass es eine Ankündigung auf SW-Ausstrahlung gab. Ich war von der Bildqualität der ersten Folge recht angetan - im Gegensatz zur ziemlich muffig aussehenden "Frühbesprechung", die gerade im SWR wiederholt wird. Dass es da solche Materialunterschiede gibt bei Serien, die ungefähr gleich alt sind, beide in ÖR-Archiven lagerten und ähnlich selten gezeigt wurden ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Vielen Dank für diesen netten TV-Tipp. Eine Familienserie von Zeit zu Zeit kann nicht schaden!



    Ein Jahr ohne Sonntag: Geplatztes Glück

    Episode 1 der TV-Familienserie, BRD 1969. Regie: Claus Peter Witt. Drehbuch: Horst Pillau. Mit: Karin Baal, Götz George, Nicky Makulis jr., Florian Halm, Ulla Kaiser, Ilse Seemann, Benno Hoffmann, Paul Edwin Roth, Gert Schaefer u.a. Erstsendung: 19. Februar 1970, NDR Werbefernsehen. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft.

    Zitat von Ein Jahr ohne Sonntag (1): Geplatztes Glück
    Ina Sonntag freut sich schon sehr auf den Urlaub mit ihrem Mann Robert. Zum ersten Mal seit sechs Jahren soll es ohne Kinder nach Mallorca gehen. Doch wenige Tage vor der Abreise die Hiobsbotschaft: Robert muss für die Firma für ein Jahr nach Afrika gehen, um ein Kraftwerk mitten im Dschungel aufzubauen. Nicht nur der geplante Urlaub fällt ins Wasser, auch muss Ina für ein Jahr ohne ihren Mann auskommen. Sie versucht, ihm klarzumachen, dass er nicht so einfach verschwinden kann, doch letztlich wiegt die berufliche Verpflichtung schwerer. Als Ina vom Flughafen zurückkommt, wo sie sich von Robert verabschiedet hat, fühlt sie sich wie eine frisch gebackene Witwe. Sie glaubt, die ganze Welt habe sich gegen sie verschworen. Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont ...


    „Besser ein schwarzer Erdteil als eine blonde Zwanzigjährige.“

    Von Anfang an wirkt Familienmutter Karin Baal mit den alltäglichen Besorgungen und der Erziehung ihrer zwei Söhne etwas überfordert, doch ihre zunächst nur etwas gehetzte Art verkehrt sich nach der Neuigkeit, die ihr Mann ihr möglichst schonend beizubringen versucht, schnell in blanken Ärger. Die erste Folge geht mit dem Konflikt, den Ehemann für ein Jahr von der Familie zu trennen, gleich in die Vollen und scheint auch mit Götz George kurzen Prozess zu machen, denn inwiefern er in den folgenden Episoden noch eingebunden ist, wenn man ihn doch so eilig in den Dschungel „abgeschoben“ hat, bleibt abzuwarten. Autor Horst Pillau bringt Karin Baal auch darüber hinaus in einige unangenehme Situationen, die teilweise althergebrachte Klischees von Problemen von Frauen mit Männerthemen aufwärmen (Streit über die Rückerstattung der Urlaubsbuchung oder die Reparatur des Automotors, Unmöglichkeit der Beantragung eines Kinderpasses ohne Unterschrift des Vaters). Nach dem Motto „Mein Mann hätte mit diesen Dingen kein Problem gehabt“ wird vielleicht ein wenig zu übereilt auf die Tränendrüse gedrückt, doch Baal wirkt nicht nur einfach hysterisch, sondern auch ernstlich besorgt, sodass man ihr Unbehagen letztlich nachvollziehen kann. Ähnlich wie das Ehepaar Sonntag lässt die Folge „Geplatztes Glück“ auch den Zuschauer kaum zum Durchatmen kommen; wenn die anderen Folgen auch so kurzweilig ausfallen, lohnt sich die Serie auf jeden Fall.

    Gaststars: Paul Edwin Roth als hilfsbereiter Nachbar und Benno Hoffmann als kerniger Besitzer einer Autowerkstatt

  • Der Stahlnetz-GrandprixDatum22.09.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema




    Stahlnetz: Das Haus an der Stör

    Episode 17 der TV-Kriminalserie, BRD 1963. Schauplätze: Meldorf, Itzehoe, Hamburg, Münchner Umland. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Wolfgang Menge. Mit: Rudolf Platte, Andrea Grosske, Mady Rahl, Richard Lauffen, Harry Wüstenhagen, Ernst H. Hilbich, Kurt Jaggberg, Katrin Schaake, Helga Feddersen, Dorothea Moritz u.a. Erstsendung: 26. Mai 1963, ARD. Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks.

    Zitat von Stahlnetz (17): Das Haus an der Stör
    Im Winter 1947 finden zwei Kinder die Leiche eines Mannes, die mit Beilhieben entstellt und in einen Seesack geschnürt wurde. Weil der Polizei in den turbulenten Nachkriegsjahren die Identifikation des Toten nicht gelingt, landen die Akten bei den ungeklärten Fällen, wo sie über ein Jahrzehnt später vom neu nach Itzehoe versetzten Kriminalkommissar Roggenburg wieder aufgegriffen werden. Er befragt die Zeugen von damals. Nachdem klar ist, dass es sich bei der Leiche um den Kriegsheimkehrer Helmut Noack handelte, kann Roggenburg einen naheliegenden Verdächtigen ausschließen. Um jedoch herauszufinden, wer Noack den Schädel einschlug, muss er noch einige Puzzleteile zusammenfügen ...


    Die Besprechung enthält Spoiler!

    Die Reihe „Stahlnetz“ ist eigentlich dafür bekannt, sich Fällen anzunehmen, die zum Produktionszeitpunkt noch ganz frisch waren, um einen realistischen Tagesbezug herzustellen und neugieriges Publikum anzulocken. „Das Haus an der Stör“ weicht deutlich von diesem Schema ab, indem nicht nur der Mordfall 16 Jahre in der Vergangenheit liegt, sondern sich auch die gesamten Ermittlungen in einer langen Rückblendenerzählung abwickeln. Der unscheinbare, aber umso beharrlichere Kommissar Roggenburg ist der einsame Held der Geschichte, der das Verbrechen an Helmut Noack vor dem Vergessen bewahrt und von Tür zu Tür geht, um kleinste Informationsbrocken einzuholen, die ihm vielleicht nützlich sein oder zumindest dabei helfen könnten, falsche Fährten auszuschließen. Seine bereitwillige Sisyphosarbeit spricht dafür, dass Roggenburg ein ebenso korrekter wie wissbegieriger Beamter ist und sich nicht leicht vom Ziel abbringen lässt. Stellt man sich vor, dass er sich auch allen übrigen Fällen, die sein Vorgänger als unerledigt auf seinem Schreibtisch hinterließ, mit vergleichbarem Aufwand annimmt, so kann man sich ausmalen, dass er anderweitig im beschaulichen Itzehoe einen ruhigen Posten erwischt hat.

    „Das Haus an der Stör“ bezieht sich auf den Fall John und Ruth Blaue, der bereits 1955 verhandelt wurde. Menge zeichnete die Geschichte einerseits mit großem Sinn für Detailreichtum, andererseits mit überdurchschnittlicher Originaltreue nach, sodass fast alle Details des echten Falles, über den sowohl ein Buch als auch eine Filmdokumentation existieren, im Rahmen der Folge nachvollzogen werden können. Auch die wichtigen Figuren und Zeugen finden sich – freilich unter anderen Namen – im TV-Skript wieder. So begegnet Rudolf Plattes Roggenburg einer ganzen Armada von Nebendarstellern, die meist nur einen oder zwei Szenenauftritte haben, ihren kleinen Anteil an der Aufklärung des Verbrechens liefern und dann wieder ihrer Wege gehen. „Das Haus an der Stör“ grenzt sich wie andere „Stahlnetz“-Folgen mit dieser Strukturtechnik von anderen, stärker dramatisierten Krimiserien ab, in der ein fester Verdächtigenkreis für 60 oder mehr Minuten ununterbrochen im Fokus steht. Stattdessen nutzte Jürgen Roland die Gelegenheit, hier flüchtige Porträts ganz unterschiedlicher nordischer Typen zu skizzieren, die allesamt geradezu naturalistisch besetzt sind. Zusammen mit dem eher prosaischen Fall ergibt sich ein schroffes Gesamtbild.

    Nicht einmal die Frau des Toten nimmt in Bezug auf ihre Präsenz eine so große Rolle wie im originalen Fall ein, selbst wenn sie von Mady Rahl äußerst faszinierend dargestellt wird. Ihre Hildegard Noack ist ganz anders als Ruth Blaue, die sogenannte „Mörderin mit dem Madonnengesicht“, die in Itzehoe des Mordes an ihrem Mann für schuldig befunden wurde.

    Zitat von Klaus Alberts: Die Mörderin Ruth Blaue, Heide 2011: Boyens Buchverlag, S. 108f
    Das Schwurgericht des Landgerichts Itzehoe macht Ruth Blaue kurzen Prozess. Am Montag, dem 14. November, beginnt die mündliche Verhandlung, am Freitag schon ist sie wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihr auf Lebenszeit aberkannt. [...] Die Verteidigung stellt keinen Antrag auf Vertagung, was angesichts des Todes [ihres Komplizen] Horst Buchholz wenige Tage zuvor nahe gelegen hätte. Es ist nicht auszuschließen, dass Ruth Blaue in den vier Tagen des Prozesses nicht voll verhandlungsfähig war. Eine spätere Revision hätte bei Ablehnung des Antrags gegebenenfalls Erfolg haben können. Sie berichtet später, sie sei während der Verhandlung wie versteinert gewesen, habe auf klare Fragen nur wirre Antworten zu geben vermocht [...]. Prozessbeobachter und auch das Gericht selbst haben einen völlig anderen Eindruck: eine Angeklagte, die hellwach jede Frage überlegen beantwortet, stets auf der Höhe der Verhandlung ist und eine Rolle zwischen kleinem Mädchen und verkannter „Heroine“ spielt.


    Wir sehen als TV-Zuschauer den Prozess ebenso wenig wie die diversen verschiedenen Tatgeständnisse, die Ruth Blaue (Hildegard Noack) und der Bildhauer Buchholz (Reinhold) im Vorfeld abgaben; kein Wunder, da Menge den Selbstmord des Komplizen auf die Verhaftungsszene vorzog. Die einzige weitere nennenswerte Abweichung besteht darin, dass die Leiche im Tümpel bei Meldorf im Winter statt im Sommer gefunden wird. Dies war dem Zeitfenster der Produktion geschuldet, doch letztlich sogar ein Glücksfall, weil das frostige Klima des Winters 1962/63 perfekt zu dem Fall passt, der unliebsame Erinnerungen wieder wachruft und den Zuschauer sowie die Zeugen in die unbequeme, ähnlich unterkühlte Nachkriegszeit zurückversetzt. Roggenburg beschwört diese zu Beginn geradezu pathetisch wieder herauf – als ein Vergleich zum wohligen Alltagsleben der Wirtschaftswunderjahre, in denen die damaligen organisatorischen wie seelischen Tumulte nur zu gern schon wieder in eine Grauzone des Vergessens gedrängt worden sind. Die Probleme, die Spätheimkehrer aus Kriegsgefangenschaft mit den geänderten Verhältnissen vor Ort – eine Frau mit Job und Affäre – hatten, klingen recht unverhohlen und ungewöhnlich kritisch an.

    Ihre zielgerichtete Struktur und ihr Tempo erhält die Episode nicht zuletzt durch die Idee, die Ermittlungen während einer Zugfahrt quer durch Deutschland nachzuerzählen, die Roggenburg zusammen mit einer Beamtin der weiblichen Kriminalpolizei unternimmt, um die Täterin in der Nähe von München zu verhaften. Tatsächlich hatten sich Ruth Blaue und Horst Buchholz in den Schwarzwald abgesetzt, bevor sie der Polizei ins Netz gingen. Die ratternde Fahrt durch die Nacht, die Hauspantoffeln im geschlossenen Abteil, die weit zu öffnenden Fenster, durch die kalter Fahrtwind den Zigarrendunst vertreibt, und das opulente Frühstück nach schwerem Schlaf auf der Schiene bringen ebenso Atmosphäre in das Geschehen wie die schönen Einfälle, die aus den Bewohnern von Meldorf und Itzehoe kleine Originale machen. Damit bietet „Das Haus an der Stör“ nicht nur inhaltlich den vielleicht faszinierendsten „Stahlnetz“-Fall, sondern zugleich eine so detailverliebte Machart, dass man hier direkt von Kinofilm-Qualitäten sprechen kann. „Das Haus an der Stör“ steht Rolands größten Filmen wie „Der rote Kreis“ oder „Vier Schlüssel“ jedenfalls in puncto Vielschichtigkeit keinen Millimeter nach.

    Ein Mord als tragische Zeitnormalität, die sich in den Wirren der Nachkriegsjahre verläuft und nach langer Frist überraschend doch noch aufgeklärt wird, ist die Grundlage für die reputationsstärkste und auch tatsächlich gelungenste „Stahlnetz“-Episode, in der Rudolf Platte, Mady Rahl, Andrea Grosske und ein ganzes Kleindarstellerheer eine regelrechte Odyssee zu einer perfekt austarierten Spannungsfolge veredeln. 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Sehr hübsch! Sprecher und Geschichtenauswahl sind eine prima Ergänzung für die gepflegte Sherlock-Holmes-Sammlung.

    Nur: Diese Schreibweise von "Abbey Grange" ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Ist das schon damals auf dem Mist des NDR gewachsen oder ein Flüchtigkeitsfehler von Pidax?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar-Countdown: Zwischenwertung Box 1

    Die frühen „Kommisar“-Folgen unterscheiden sich von ihren späteren Pendants vor allem in zweierlei Hinsicht: einerseits durch die erweiterte Ermittlergruppe, in der neben dem üblichen Männer-Vierergespann und Rehbein auch Helga Lauer und Franziska Keller die eine oder andere größere Rolle spielen. Andererseits liegt der Fokus gerade in der ersten Staffel des „Kommissars“ noch stärker auf klassischen Krimi-Konstruktionen, die weniger ins Psychodramatische oder Sozialkritische abgleiten. Dennoch merkt man der Serie von Anfang an den Mut an, auch einmal abwegige Pfade zu beschreiten, was sich in einigen Fällen bezahlt macht, in anderen eher abschreckend wirkt. Die vier Folgen von Zbynek Brynych finden sich zum Beispiel alle in dieser Kollektion, erreichen in meiner Wertung aber tendenziell eher Mittelfeldplätze. Gewohnt stark sind Becker- und Staudte-Inszenierungen; bei Theodor Grädler gibt es eine weite Streuung. Die Top-3-Folgen dieser Box spielen für meine Begriffe in Eisenbahn, Klassenzimmer und Hinterhaus. Viele richtig misslungene Folgen gibt es nicht, was Kollektion 1 einen ziemlich hohen Mittelwert beschert (3,79 Pkt. pro Episode, im Vergleich zu 3,52 Pkt. in Kollektion 2, 3,69 Pkt. in Kollektion 3 und dem knappen Sieger Kollektion 4 mit 3,80 Pkt.).

    Im Detail ordne ich die Episoden dieses Sets wie folgt ein:

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 08 | Der Tod fährt 1. Klasse (Becker)
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 13 | Auf dem Stundenplan: Mord (Grädler)
    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 21 | ... wie die Wölfe (Staudte)

    Platz 04 | ★★★★☆ | Folge 20 | Messer im Rücken (Staudte)
    Platz 05 | ★★★★☆ | Folge 07 | Keiner hörte den Schuss (Becker)
    Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 10 | Schrei vor dem Fenster (Haugk)
    Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 01 | Toter Herr im Regen (Becker)
    Platz 08 | ★★★★☆ | Folge 06 | Die Pistole im Park (Becker)

    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 19 | In letzter Minute (Becker)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 02 | Das Messer im Geldschrank (Becker)
    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 11 | Die Schrecklichen (Brynych)
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 23 | Tödlicher Irrtum (Becker)
    Platz 13 | ★★★★★ | Folge 05 | Ein Mädchen meldet sich nicht mehr (Grädler)

    Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 14 | Das Ungeheuer (Haugk)
    Platz 15 | ★★★☆★ | Folge 17 | Parkplatz-Hyänen (Brynych)
    Platz 16 | ★★★☆★ | Folge 04 | Die Tote im Dornbusch (Tressler)
    Platz 17 | ★★★☆★ | Folge 24 | Eine Kugel für den Kommissar (Ode)
    Platz 18 | ★★★☆★ | Folge 03 | Ratten der Großstadt (Grädler)

    Platz 19 | ★★★★★ | Folge 18 | Dr. Meinhardts trauriges Ende (Verhoeven)
    Platz 20 | ★★★★★ | Folge 16 | Tod einer Zeugin (Brynych)
    Platz 21 | ★★★★★ | Folge 12 | Die Waggonspringer (Grädler)
    Platz 22 | ★★★★★ | Folge 09 | Geld von toten Kassierern (Tressler)

    Platz 23 | ★★☆★★ | Folge 22 | Tod eines Klavierspielers (Kehlmann)

    Platz 24 | ★☆★★★ | Folge 15 | Der Papierblumenmörder (Brynych)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: Toter Herr im Regen

    Zitat von Der Kommissar: Toter Herr im Regen
    Dem erschossenen Dr. Steiner weinen nur wenige Leute eine Träne nach. Der reiche, aber skrupellose Industrielle hat nicht nur seinen ebenso willensstarken Schwiegersohn Wolfgang gegen sich aufgebracht, sondern sich am Abend seines Todes auch mit seiner Freundin Marianne Rothe zerstritten. In Familie und Bekanntenkreis finden sich genug Motive für den Mord und selbst einen Drohanruf hatte der Mann zuvor erhalten. Kann sich Kommissar Keller trotz der Abneigungen der Zeugen gegen Dr. Steiner ein vollständiges Bild von den Tatumständen machen und aufklären, wer den Finger am Abzug hatte?


    Weil es draußen in Strömen regnet und der respektable Dr. Steiner in einer äußerst unrespektablen Ecke Münchens im nassen Rinnstein liegt, weigert sich Kommissar Keller regelrecht, die häusliche Gemütlichkeit am späten Abend noch einmal zu verlassen, um sich am Tatort einzufinden. Als er es doch tut, weiß er vielleicht noch nicht, worauf er sich einlässt, denn als Hauptfigur einer Herbert-Reinecker-Serie wird er von nun an in 97 Fällen jedes einzelne Mal die Erfüllung der Dienstpflicht ganz oben anstellen, ohne nur noch einmal derlei Widerworte von sich geben zu dürfen. Schließlich erfüllt er als TV-Oberermittler des ZDF auch eine Vorbildfunktion – gerade in Fällen wie dem hier vorliegenden, in denen der Tote sein Ableben vielleicht nicht unbedingt verdient, ganz sicher aber seinem eigenen unrühmlichen Verhalten zuzuschreiben hat. Von den diversen Despoten, Lustgreisen oder Unrechtschaffenden der Serie grenzt sich Keller, der zeitweise durchaus ebenfalls provokant auftritt, vor allem mit seiner hintersinnigen Menschenkenntnis ab – ein nützliches Instrument, um in Verdächtige wie auf einem Röntgenbild hineinzuschauen und so gut wie immer mehr zu wissen als der ahnungslose Zuschauer. Hier betont er diese Empathie vor allem gegenüber dem aufmüpfigen Wolfgang Tillmann, der glaubt, der Polizei Stichworte geben zu müssen, damit diese in ihren Ermittlungen weiterkommt.

    Ganz abgesehen davon, dass die Regenszenen dem Fall einen ungemein atmosphärischen Auftakt geben, wird der Zuschauer auch in den übrigen Details mit den für die übrigen 96 Fälle typischen Stimmungslagen vertraut gemacht. „Toter Herr im Regen“ ist unter diesem Blickwinkel gewissermaßen eine kleine Aneinanderreihung wiederkehrender Motive: Wir finden die zerstrittene Familie aus guten Kreisen, den besserwisserischen Studenten, den Moralapostel (in diesem Fall in weiblicher Ausprägung) und auch einen Ausflug ins Prostitutionsmilieu. Dr. Steiner verbindet alle diese Aspekte miteinander, obwohl er selbst dem Publikum höchstens in fragmenthaften Schilderungen vorgestellt wird. Als seine Leiche hat Regisseur Wolfgang Becker einen unkonventionellen Cameo-Auftritt; einen weiteren feiert die sogenannte Grünwalder Gereutvilla, die im „Kommissar“ auch in den Episoden „Dr. Meinhardts trauriges Ende“, „Messer im Rücken“, „Der Moormörder“, „Kellner Windeck“, „Das Ende eines Humoristen“, „Tod eines Hippiemädchens“, „Herr und Frau Brandes“ und „Domanns Mörder“ zu sehen und darüber hinaus aus diversen anderen Krimiserien ebenfalls bekannt ist.

    Um den Mordfall in den Mittelpunkt zu rücken, beließ es Autor Reinecker bei recht simpel gezeichneten Figuren, deren Verhalten sich im Laufe der Spielhandlung nicht bedeutend ändert oder weiterentwickelt. Die Verhuschte, die Aufrichtige, die Entrückte, den Aufdringlichen, die Selbstsichere und den Versager spielen Becker, Witthauer, Barth, Grund, Wieck und Penkert in einer qualitativ soliden Ensembleleistung. Der Serienstart wurde nicht nur mit einer guten Besetzung versehen, sondern auch von der Presse ausführlich begleitet, wie „Kommissar“-Kenner Gerald Grote berichtet:

    Zitat von Gerald Grote: Der Kommissar. Eine Serie und ihre Folgen. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2010 (3. Auflage). S. 59ff
    Hatte die Bild-Zeitung bereits am 2. Januar 1968 mit der superlativischen Überschrift „Jetzt kommt der deutsche Super-Kommissar“ das Interesse der Leser auf einen neuen Fernsehkrimi gelenkt, so begleitete sie die Entwicklung der Serie bis zur Erstsendung am 3. Januar 1969 mit wohlwollenden Artikeln. [... Im Anschluss an die Erstsendung waren d]ie Leserbriefe in den Fernsehzeitungen [...] voll des Lobes: Susanne Ch. aus Köln schrieb beispielsweise an „TV Hören + Sehen“ im Januar 1969: „Ich möchte das ZDF zu dieser neuen Kriminalserie beglückwünschen. Die erste Folge war wirklich spannend und gut durchdacht. Hoffentlich bleibt das so!“ Und Kai L. aus Offenbach meinte an gleicher Stelle: „Das ist endlich wieder einmal eine Serie nach meinem Geschmack.“


    Den Zuschauermeinungen ist wenig hinzuzufügen.

    Schüsse in düsterer Regennacht – für solch ein krimiwürdiges Ereignis muss man dank „Der Kommissar“ nicht gen Mordmutterland England blicken; auch die Bayernhauptstadt München eignet sich für einen ansprechendes Tötungsdelikt in gehobenen Kreisen. „Toter Herr im Regen“ verdeutlicht, wie nah der Kommissar und sein Ermittlerteam die Finger am Puls der Verdächtigen haben müssen, um ein Dickicht von Falschaussagen und Täuschungsmanövern zu durchdringen. Kritische Betrachter werden allerhöchstens das Mordmotiv „indiskutabel“ finden.

    (4,5 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Kommissar Herbert Keller, obwohl er seine Frau für „lieb, aber dumm“ hält
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 97: Episode 1 der TV-Kriminalserie, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günter Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel. Unter Verdacht: Alwy Becker, Charlotte Witthauer, Susanne Barth, Friedrich Karl Grund, Dorothea Wieck, Rainer Penkert, Ralph Persson, Ursula Grabley u.a. Erstsendung: 3. Januar 1969.

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