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  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum25.03.2018 14:40
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Diese Einführung verheißt angenehme Gruselspannung alter Schule. Verheißungsvolle Vorlagen-Autoren und eine gute Besetzung, bei der übrigens auffällt, dass Tatort-Kommissar Finke (Schwarzkopf) wieder auf seinen Assistenten (Roth) trifft. Auch sonst gibt es klare Hinweise in Richtung Norden, denn das Schloss, in dem sich die Herrenrunde versammelt, ist jenes, welches uns auch aus "Die Bande des Schreckens" und "Wartezimmer zum Jenseits" bekannt ist - Schloss Tremsbüttel nordöstlich von Hamburg. Ich hatte das Glück, bei etwas besserem Wetter dort zu sein, und musste mich nicht am Kaminfeuer wärmen - was in Anbetracht des dortigen Hotelbetriebs aber durchaus möglich gewesen wäre. Zum Vergleich hier zwei Bilder von 2015 (zum Vergrößern anklicken):

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum24.03.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Dein Bruder, der Mörder

    Episode 251 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Hans-Jürgen Tögel. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Peter von Strombeck (Hubert Basler), Holger Handtke (Randolf Basler), Eva Kotthaus (Liane Basler), Carin C. Tietze (Vera Podewil), Kurt Weinzierl (Karl Podewil), Edith Behleit (Frau Wunderlich), Johanna Baumann, Natalia Brunke u.a. Erstsendung: 8. September 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Dein Bruder, der Mörder
    Der Student Randolf Basler hat im Eifer des Gefechts die Prostituierte Herta Podewil erwürgt. Aufgeregt sucht er Rat bei seiner Mutter, die wiederum Randolfs Bruder Hubert einweiht. Für diesen ist klar: Die Tote muss aus Randolfs Wohnung weggeschafft werden. Gemeinsam tragen sie sie ins Auto und setzen sie vor ihrer Haustür ab. Hubert Basler lässt das Schicksal der Toten und ihrer Familie jedoch nicht los. Er erfährt, dass die Tote ein Kind hinterlässt, um das sich nun niemand kümmert. Sein Interesse bleibt nicht unbemerkt – und Oberinspektor Derrick ist sich bald sicher, dass die Spur zum Mörder über Hubert Basler führt ...


    Nur ein einziges Mal zeichnete der bei Ringelmann ab den 1990er Jahren eigentlich immer wieder zum Einsatz kommende Hans-Jürgen Tögel für eine „Derrick“-Folge verantwortlich. Der Regie-Routinier lieferte in diesem einen „Seitensprung“ dann auch das ab, was man von ihm erwartete: solide Durchschnittskost, die nicht weh tut, aber genauso wenig in Begeisterung versetzt. Letzteres ist dabei nicht einmal ihm selbst zuzuschreiben, denn in Hinblick auf die Inszenierung kann „Dein Bruder, der Mörder“ mit leicht überdurchschnittlicher Qualität punkten. Am Anfang schwenkt die Kamera durch Randolf Baslers Apartment und kommt auf einem Computerbildschirm zu ruhen, auf dem ein bunter Hypnose-Strudel den Zuschauer sozusagen bildlich in die Geschichte hineinzieht. Demnach verfolgt er gespannt die kommenden Ereignisse, die kompakt und solide umgesetzt wurden und in einem dramatischen und dennoch sensiblen Bilderbuchfinale gipfeln. Wenig zu bemängeln also.

    Die Abstriche müssen in anderer Beziehung gemacht werden. Vor allem ist es die Faulheit von Ringelmann und Reinecker, die mich zu einem leichten, aber bestimmten Augenrollen veranlasste: Wenn Dauer-Heulsuse Holger Handtke wieder einmal als soziopathischer Studenten-Nerd verpflichtet wird und sich Reinecker nicht einmal die geringste Mühe gibt, sich einen Grund für die Leiche in Handtkes Schlafzimmer auszudenken, dann merkt man doch ganz eindeutig, dass hier nur mit halbem Elan zu Werke gegangen wurde. Der Fokus soll auf der Beziehung der beiden ungleichen Brüder liegen, die durch den Mord des einen und die Hilfeleistung des anderen in ein asymmetrisches Abhängigkeitsverhältnis geraten. Das gelingt auch gut und glaubhaft, aber ist nicht das, was eigentlich für einen Krimi-Zuschauer von Interesse ist. Der Rahmen – Warum wurde gemordet? Was verband Täter und Opfer? Welche Fehler beging der Täter? – fehlt ganz einfach. Alles, was zum Tathergang gesagt wird, ist: „Ich hab’ sie von der Straße mitgenommen, ich weiß’ auch nicht warum. [...] Ich hab’ ihr gesagt, was ich von ihr halte, da hat sie angefangen zu schreien und dann hab’ ich ihr den Mund zugehalten.“ No shit, Herbert! Das ist doch nun wirklich sehr dünn.

    Wie angedeutet, funktioniert andererseits das Zusammenspiel von Handtke mit Filmbruder Peter von Strombeck recht effektiv; auch die Szenen mit seiner Mutter Eva Kotthaus sind gut umgesetzt, wenngleich das Agieren der Familienehren-Retter doch recht konstruiert erscheint und Reineckers altes Motiv vom familiären Schutz vor Strafverfolgung in früheren Folgen schon deutlich beeindruckender umgesetzt wurde. Derrick erreicht die Lösung wieder einmal eher durch allgemeine Menschenkenntnis als durch konkrete Ermittlungen, aber das ist man ja mittlerweile gewöhnt. Immerhin werden ihm mehrere schöne Besprechungen mit Harry auf dem Revier zugestanden, in denen das Geschehen reflektiert und Strategien fürs weitere Vorgehen besprochen werden – aus einer davon stammt die bemerkenswerte Aussage, dass Derrick nicht den geradesten Weg zur Überführung des Täters wählt, weil er seinem Bruder Respekt schuldig sei. Solche humanen Aussagen haben im ewigen Kampf des Guten gegen das Böse eher Seltenheitswert.

    Eine nur mittelspannende Familienangelegenheit, deren Mord-Anteil aufs Minimalste reduziert wurde. Während man Holger Handtke zunächst zum Teufel wünscht, breitet sich bald eine neugierige Akzeptanz für den Basler-Clan aus, die milde gegenüber dem routinierten Endergebnis stimmt. 3 von 5 Punkten.

  • Kommissar MaigretDatum24.03.2018 14:14
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das ist fantastisch. Die alten Maigret-Filme sind bestimmt sehr stimmungsvoll. Und was man hinzufügen muss: Du hast ja selbst das Synchronbuch geschrieben - es ist also eine weitere VÖ, die ohne dich überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Chapeau, Monsieur Georg(es)!

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum23.03.2018 23:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @Georg: Stimmt: Dreharbeiten zu „Mitternachtssolo“ (#254) und ein Drehbuchexemplar von „Die zweite Kugel“ (#255) sind zu sehen. So konnte der Zuschauer quasi schon einen kleinen Blick in die Glaskugel werfen, zumal am Set von „Mitternachtssolo“ auch Susanne Uhlen interviewt wurde und sie in diesem Interview das Mitwirken von Udo Samel ankündigt.

    @Chinesische Nelke: Danke, dass du mir beispringst. Bei so einer niedrigen Punktzahl kommen mir sonst doch Zweifel, ob ich die Kritik vielleicht etwas zu harsch formuliert habe. Aber „Derricks toter Freund“ war wirklich nicht besonders – bzw. leider höchstens besonders misslungen.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum23.03.2018 18:05
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Anlässlich der 250. Folge strahlte das ZDF eine Best-of-Dokumentation aus, in der u.a. Tappert, Wepper, Ringelmann und Reinecker sowie prominente Derrick-Fans wie Richard von Weizsäcker und Helmut Kohl zu Wort kommen. Wirklich unterhaltsam ist sie aber vor allem, weil unzählige Ausschnitte aus allen Phasen der Serie passgenau in den Erzählertext und die Interviews hineingeschnitten sind und auf diese Weise Derrick und seine Gastdarsteller selbst die Geschichte „ihrer“ Serie nacherzählen. Sehen kann man diese interessante Doku z.B. hier:


    Sie thematisiert auch bereits das Ende der „Derrick“-Serie. Horst Tappert kündigt an, die Rolle noch mindestens ein Jahr spielen zu wollen. Glücklicherweise wurden mehr als drei daraus. Interessant sind vielleicht die Spekulationen, man könne Derrick doch in der Serie sterben lassen, was Herbert Reinecker mit seinem wie üblich guten Gespür prompt ausschloss.

    PS: Ein ZDF-Presseheft zur Erstsendung von „Eines Mannes Herz“ kann man bei eBay kaufen. Sicher ein nettes Sammlerstück, aber mit 17 Euro für 17 Seiten auch nicht gerade günstig.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Beim Begriff "Straßenfeger" ist immerhin nirgends festgelegt, ob das als solches vermarktete Programm nun 100, 10 oder 1 Prozent der potenziellen Zuschauer von der Straße gefegt haben muss. Der Name Wallace hingegen ist für diese Filme einfach rundheraus falsch. Wegen der abgelaufenen Autorenrechte haben solche Etikettenschwindler aber wohl nichts zu befürchten.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum23.03.2018 07:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Vorweg: Harry lebt noch ...



    Derrick: Eines Mannes Herz

    Episode 250 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Walter Schmidinger (Dalinger), Sonja Sutter (Eva Dalinger), Wolf Roth (Bertram), Nikolaus Gröbe (Rolf Kirchheimer), Ralf Schermuly (Dr. Kirchheimer), Claudia Butenuth (Frau Kirchheimer), Kurt Weinzierl (Josef), Günter Clemens u.a. Erstsendung: 18. August 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Eines Mannes Herz
    Er gibt sich als Journalist aus und nimmt großen Anteil am zwei Jahre zurückliegenden Verschwinden der Tochter von Studienrat Kirchheimer. Mit aufrichtiger Trauer betrachtet Herr Dalinger die Fotos des Mädchens im Familienalbum. 24 Stunden später ist er tot: Selbstmord! Es stellt sich heraus, dass Dalinger das Herz von Ulrike Kirchheimer in der Brust trug – ein Implantat. Wurde die junge Frau von illegalen Organhändlern entführt und getötet? Und warum erfuhr Dalinger erst jetzt, wer für sein Weiterleben sterben musste? Wissen seine Frau und sein Kompagnon mehr?


    Dass es die letzte runde Jubiläumsfolge von „Derrick“ werden würde, war Ringelmann und seinem Team wohlbewusst, als „Eines Mannes Herz“ entstand. Nicht zuletzt aus dieser Klarheit entsprang der Wunsch, eine besonders emotionale Geschichte zu erzählen, an die sich das Publikum lang zurückerinnern würde. Der Fall Ulrike Kirchheimer ist dafür perfekt geeignet, denn das Mädchen geriet ohne Vorwarnung in die Hände skrupelloser Gangster. Die Folgen sind – nicht nur für sie – weitreichend und erschließen sich für den Zuschauer erst nach und nach. Obwohl in „Eines Mannes Herz“ eigentlich wenig herausgefunden wird und der Fall deshalb als eine von Derricks wenigen ungelösten Arbeiten gilt, gibt es viel nachzugrübeln und sich zu erschließen. Das Rätselhafte der Episode liegt allerdings eher im Verhalten der Charaktere als im Kriminalfall begründet. Warum verhält sich Herr Dalinger so merkwürdig und woher resultieren seine Traurigkeit und sein Interesse an der ihm unbekannten Familie? Diese Fragen werden nach einem grundlos erscheinenden und deshalb umso schockierenderen Selbstmord mit einem Knall beantwortet. Reinecker hat ein neues Thema gefunden – und dieses hat es in sich ...

    Zitat von Katrin Hampel: Das große Derrick-Buch, Henschel Verlag Berlin, 1995, S. 53ff
    Autor Herbert Reinecker möchte mit „Eines Mannes Herz“ wieder die Zuschauer „anrühren“, mit einem Fall, der die Skrupellosigkeit von Organhändlern anprangert. Produzent Helmut Ringelmann hatte sich tagelang akribisch mit der Besetzung beschäftigt. [...] „Diese Erkenntnis, wer sich für welche Rolle eignet, das ist eine langjährige Erfahrungssache. Beim Walter [Schmidinger] wusste ich, er setzt die richtigen, feinnuancierten Akzente. Er erarbeitet sich die Rolle so, dass er genau weiß, warum Dalinger jetzt so reagiert, warum er ausgerechnet jetzt diesen Satz sagt.“ [...] Für die 250. Folge wurden 64 Außenszenen und 10 Atelierszenen an 15 Tagen, zwischen dem 3. und dem 20. März 1995, abgedreht. [...] Materialverbrauch: 5789 Meter 16mm-Film, pro Tag ca. 240 bis 300 Meter. Am Tatort agierten 4 „echte“ Polizisten und die „echte“ Münchner Feuerwehr. Zum Equipment gehörten u.a. Macrooptik, Wohnwagen, Windmaschine und ein Bufett anlässlich des Jubiläums!


    Tatsächlich ist es vor allem Walter Schmidinger zu verdanken, dass der Beginn von „Eines Mannes Herz“ geradezu hypnotisch das Interesse der Zuschauer fesselt. Nach seinem Abtritt und der schnellen Erklärung für seine Sonderbarkeit verliert die Folge etwas an Tempo und Eigentümlichkeit, wobei die widersprüchlichen Gefühle seiner Witwe (Sonja Sutter) und deren Mauschelei mit dem undurchsichtigen Firmen-Stellvertreter (Wolf Roth) durchaus ebenfalls interessant, aber eben nicht besonders einmalig sind. Den Hintermännern des Organhandels kommt man nicht auf die Schliche; Derricks Handlungsspielraum endet an der Grenze und bei ausländischen Unbekannten.

    Stattdessen bespielt Nikolaus Gröbe geschickt die Gefühlsklaviatur. Sein Bruder der verschwundenen Ulrike unterdrückt dabei alle anklagenden Gehässigkeiten, die solchen Figuren bei Reinecker sonst oft innewohnen. Dennoch gelingt es ihm, den mitverantwortlichen Herrn Bertram in eine Gewissenskrise zu stürzen. So gibt es am Ende der knapp 58 Minuten nur Verlierer – ein Ausgang, der typisch ist für Reineckers Weltpessimismus und dem feierlichen Jubiläumsanlass eigentlich entgegensteht. Da das Bild der Folge aber ohnehin enorm düster ist und sie sich demnach bei Alfred Weidenmann in den richtigen Händen befindet, ergibt sich jedoch ein stimmiges, wenngleich durch das offene Ende etwas unbefriedigendes Gesamteindruck. Unterstrichen wird dieser von den dramatischen Streichereinsätzen, die unheilschwanger größere Übel ankündigen.

    Unkonventioneller Krimi, der sozusagen vom Herzen her gedacht ist. Weidenmann und Reinecker zeichnen ein trostloses Bild einer Welt, in der Geld über Moral triumphiert und selbst ein Polizei-Superman wie Derrick machtlos ist. Die Gastdarsteller setzen angenehm zurückhaltende Akzente. 4 von 5 Punkten. Man hätte es aber durchaus auch schaffen können, den Plot innerhalb der Laufzeit zu Ende zu erzählen.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum22.03.2018 18:25
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Derricks toter Freund

    Episode 249 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Theodor Grädler. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Christiane Hörbiger (Martha Hauser), Walter Renneisen (Arno Beckmann), Traugott Buhre (Werner Hauser), Gertraud Jesserer (Ilse Stein), Jürgen Schmidt (Leo Körner), Roswitha Schreiner (Helga Trenk), Peter Bertram (Roland Trenk), Lothar Mann (Herr Stein) u.a. Erstsendung: 14. Juli 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Derricks toter Freund
    Am Telefon hört Martha Hauser die drei Schüsse, die ihren Geliebten Arno Beckmann durch die geschlossene Wohnungstür hindurch töten. Die Frau, der der ehemalige Ganove Beckmann die Einsamkeit nahm, zeichnet das Bild eines verständnisvollen, aufrichtigen Mannes, der sich auch in Derricks Verständnis des Falles als ein guter Freund herauskristallisiert. Anders sahen das freilich die Männer der Frauen, die mit ihm Zeit verbrachten: Insbesondere der forsche Herr Hauser macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die bemitleidenswerte Versagertype ...


    Die Besprechung enthält Spoiler.

    Viel Bekanntes offeriert die Folge „Derricks toter Freund“, doch eines ist neu: Reinecker, der sonst ein ausgezeichnetes Gespür für prägnante, markante oder zumindest zum Nachdenken anregende Titel hatte, verpasste diesem Fall eine Überschrift, die mit dem Inhalt nichts zu tun hat und völlig falsche Erwartungen provoziert. Der halbseidene Kindskopf Arno Beckmann ist natürlich kein Freund des seriösen Oberinspektors – dieser hat den Mann nie gesehen, bevor er seinen Mord aufklären muss. Dass Derrick seine Ermittlungen stets mit großer Empathie für diejenigen, denen übel mitgespielt wurde, angeht, ist bekannt, aber so weit zu gehen, Beckmann nachträglich zu „Derricks Freund“ hochzustilisieren, ist doch reichlich übertrieben. Man wäre mit dem Titel „Warum es ein Fehler war, Beckmann zu erschießen“ eindeutig besser gefahren.

    Kern des Problems ist, dass es den Machern nicht gelang, die Wirkung des Tagediebs auf seine Umgebung glaubhaft umzusetzen. Sowohl die Faszination dreier High Society-Damen für den schmalbrüstigen Ex-Knacki als auch die besondere Beziehung, die Derrick über deren Erzählungen zu ihm aufbaut, erscheinen weit hergeholt und äußerst wackelig begründet. Hier müssen sich sowohl der Drehbuchautor als auch der Regisseur und nicht zuletzt Walter Renneisen in der Titelrolle an die eigene Nase packen. Insbesondere die Darstellung durch Renneisen wirkt bisweilen unfreiwillig komisch, Beckmann wie ein weltfremder Spinner und die Performance andauernd so, als wolle sich Renneisen mit einem hohen Maß an Clownerie als Filmkomiker empfehlen. Echte Tragik kommt deshalb kaum durch. Auch Christiane Hörbiger, die ihren geliebten Verlierer mit ihrem Taschengeld aushielt, hat offensichtliche Probleme mit der Rolle. Ihre Sprache wirkt gekünstelt, ihr Habitus dermaßen weit von dem des Toten entfernt, dass dieser eher wie ihr Hofnarr als wie ihr Geliebter wirkt. Gleiches gilt für die Szenen, die Roswitha Schreiner und Renneisen zusammen haben.

    Offenkundig ist die Täteridentität zu allem Überfluss auch noch, denn Reinecker gab sich unsagbar wenig Mühe, den Verantwortlichen zu verschleiern. Zwar versuchte er, auf halbem Wege noch zwei andere Personen als Verdächtige zu involvieren; diese bleiben jedoch reine Statisten und erhalten nicht einmal die Gelegenheit, in Gegenwart ihres großen Zampano Traugott Buhre ein Wort zu sagen. Wie Buhre dann von Derrick in einem finalen Duell festgenagelt wird, offenbart schließlich auch noch den mangelhaften kriminalistischen Unterbau, da aufgrund des andauernden Geschwätzes über ein Gefühl von Nähe oder ausgestreckte Hände versäumt wurde, handfeste Beweise für eine Täterüberführung einzubauen. Der Verantwortliche gesteht in einem Affekt, der ebenso wenig begründet scheint wie die Renneisen’sche Anziehungskraft. Alles in allem erweckt die Folge eher den Eindruck gewollten Schmierentheaters und ist einem Freitagskrimi nicht würdig.

    Rundum schwacher „Derrick“, dessen Titel nur dann stimmt, falls Harry Klein sich im Fall Beckmann zu Tode gelangweilt haben sollte. Wir werden es in der nächsten Folge überprüfen! Hierfür nur 1,5 von 5 Punkten.

  • Die Bande des Schreckens (1926)Datum22.03.2018 15:28
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Endlich ein Review zur "Bande des Schreckens" - ein Buch, das ich auch als eines der stärksten von Edgar Wallace einschätze. Es ist sehr spannungs- und abwechslungsreich und natürlich perfekt als Filmvorlage geeignet, hätte aber z.B. auch gut in die Hörplanet-Hörspielreihe gepasst. Auch mir ist bei der "Bande des Schreckens" der Kontrast aus einer recht schonungslosen Handlung und sehr stimmigen Schauplatzbeschreibungen aufgefallen; dadurch erhält das Buch eine herrlich frische, sommerliche Atmosphäre, die den Bodycount ein bisschen abmildert.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Kein guter! Ich kann nur davon abraten, solche Veröffentlichungen zu unterstützen. Hier soll auf ganz miese Weise Geld gemacht werden mit einem bekannten Namen und Filmen, die mit Wallace nicht das Geringste zu tun haben. Es handelt sich um zwei amerikanische Films noirs, die in keiner Weise auf Wallace-Stoffen oder -Ideen basieren. Hier ein Banner namens "Edgar Wallace präsentiert" zu verwenden, ist eine Unverschämtheit!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich kann deine große Mühe und Umtriebigkeit, ohne die diese Veröffentlichung nicht möglich gewesen wäre, nur loben. Allein schon der Aufwand, die Geschichten ins Deutsche zu übersetzen, ist nicht zu verachten. Bin schon sehr gespannt auf die Kurz-Temples.

  • Bewertet TV: "Die Kette" (1977, 11)Datum22.03.2018 15:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #31
    Deine ausführliche Besprechungsserie der dt. Durbridge-Mehrteiler ist ja nun zu Ende, ich hoffe, es geht weiter und Du gehst in den nächsten Wochen zu anderen Durbridges über ;-).

    Ich werde es vor dem Grandprix leider nicht mehr schaffen, alle potenziell teilnehmenden Filme zu sichten, aber ich habe mir noch ein paar Titel fest vorgenommen. Die kommen dann sicher auch noch als Reviews, aber ich weiß noch nicht, ob ich die entsprechenden Texte auch schon so schnell fertigstellen kann.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich möchte an der Stelle kurz darauf hinweisen, dass das Hörbuch des sechsten Gereon-Rath-Falls, "Lunapark", momentan bei verschiedenen Händlern für einen Schnäppchenpreis von 7,99 Euro verkauft wird. Ich konnte es z.B. in der hiesigen Jokers-Filiale ergattern. Es handelt sich um 10 CDs mit einer Laufzeit von elfeinhalb Stunden. Die CDs haben eigentlich eine UVP von 29,95 Euro.

  • Wallace & Blu-rayDatum20.03.2018 18:37
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auf der Universum-Film-Website ist immer noch der 25.05. angegeben. Die müssten es doch eigentlich wissen.

    https://www.universumfilm.de/filme/12350...von-london.html

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum20.03.2018 17:40
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Kostloffs Thema

    Episode 248 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Gerd Anthoff (Henry Kostloff), Maria Becker (Frau Kostloff), Nikolaus Gröbe (Joachim Wessling), Christoph Mainusch (Rob Kremer), Nadine Neumann (Sally Worms), Georg Lennarz (Arnold Kieler), Michael Tregor, Erland Erlandsen u.a. Erstsendung: 23. Juni 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Kostloffs Thema
    Auf einer Polizeiwache gibt Theaterdirektor Henry Kostloff das Verschwinden seines Untermieters Arnold Kieler bekannt. Kieler, den er als Schauspieler ausbilden wollte, liegt tot in einem Steinbruch. Die seltsamen Verhältnisse im Hause Kostloff erregen Derricks und Kleins Aufmerksamkeit: Nicht nur unterhielt der theatralische Lebemann eine amouröse Beziehung zu seinem Zögling – offenbar verschwanden auch dessen Vorgänger, allesamt junge, ansehnliche Männer, auf mysteriöse Weise. Ist Kostloff ein Serienmörder? Die Kripo setzt einen Lockvogel auf den Verdächtigen an ...


    Nur wenige „Derrick“-Folgen genießen einen so ausgesprochen berüchtigten Ruf wie „Kostloffs Thema“. Viele Fans der Serie stürzen sich mit genüsslicher Abneigung auf die stellenweise doch sehr abgehobenen Dialoge und die melodramatische Art der Inszenierung, die zugegebenermaßen in einem bizarren Spannungsverhältnis zueinander stehen. Und obwohl sich Herr Kostloff oft mit kargen Punktzahlen und einer Platzierung im unteren Randbereich der Gesamtranglisten der Fanclub-Mitglieder begnügen muss, sprechen andere Betrachter dem Fall durchaus überdurchschnittliche Qualität zu. Woher kommt dieses Polarisieren, woher der Zwist?

    Man könnte gehässig sagen, dass die Folge in sich selbst ein wenig schizophren ist. Was sie schwer verdaulich macht, ist sowohl ihre typische Spätphasen-Philosophiererei, die hier im Überfluss zum Einsatz kommt, als auch ihre ungewohnt exaltierte Umsetzung durch den abgefahrenen TV-Regie-Zar Haugk. Gleichzeitig sprechen Vertrautes und Einmaliges für „Kostloffs Thema“: Die starke Inszenierung sorgt für hohen Wiedererkennungswert und der Einsatz von Theateranweisungen, die aus dem Off eingesprochen werden, oder monumentaler Wagner-Musik weckt eine emotionale Reaktion – sei sie nun positiv oder negativ. Am ehesten kann man Folge 248 wohl mit Grädlers „Die Entscheidung“ vergleichen – ein ebenfalls absolut gekünsteltes, aber hochspannendes Ideenkonglomerat, über das die Meinungen fast genauso weit auseinandergehen.

    Eine Abwechslung bietet „Kostloff“ auch insofern, als Reinecker zwei völlig neue Themen auf den Tisch packt, die sonst im Rahmen der Serie keine Ansprache finden: Einerseits lässt er die verschwundenen Männer aus den neuen Bundesländern kommen, die im entfernten München sonst keine Rolle spielen – fünf Jahre nach der – zumindest im Rahmen der Serie verschlafenen – Wiedervereinigung scheint es dann aber doch ein paar Sachsen, Thüringer und Brandenburger ins tiefe Bayernland verschlagen zu haben. Dass durch die Abwanderung mehr Frauen als Männer gen Westen und Süden umzogen, wird allerdings ausgeblendet, denn das Geschlecht spielt eine anderweitige Rolle: Homosexualität, sonst ein Tabuthema der Reihe, die sich oft und gern an heterosexuellen Problemfeldern abarbeitet, wird hier ausnahmsweise in den Mittelpunkt gestellt. Dies passiert allerdings auf etwas fragwürdige Art, die in ihrer Pauschalität beinahe an Harlans Skandalfilm „Anders als du und ich“ erinnert: Der exzentrische Verführer, der die ahnungslosen jungen Männer in sein klebriges Spinnennetz lockt, demonstriert die wohl etwas antiquierte Vorstellung des Autors von Beziehungen zwischen Mann und Mann ...

    Gerd Anthoff verleiht dem zentralen Part die entsprechend nötige weltfremde Aura, gestikuliert wild, legt aufbrausendes Temperament an den Tag und demonstriert seine Position im finanziellen und geistigen Elfenbeinturm mit flirrender Selbstzufriedenheit. Eine nicht weniger sehenswerte Vorstellung liefert Maria Becker als seine einerseits leidende, andererseits schlagfertige Mutter. Das Gasthauptrollen-Trio wird von Nikolaus Gröbe komplettiert, der zunächst als unerfahrener Liebhaber und dann als wagemutiger Mittelsmann des Derrick-Teams überzeugt. Auch Christoph Mainusch als Theaterkritiker passt ins Gesamtbild; an der Glaubwürdigkeit kleinerer Nebendarsteller wie Nadine Neumann oder Georg Lennarz hätte hingegen noch gearbeitet werden können.

    Drama, baby! Dieser „Derrick“ überzeugt weniger mit seiner warm-rosa Einfärbung, sondern eher mit seinem Hang zu wohlkalkulierter Übertreibung. Bühnenhafte Effekte und Klischees werden bewusst eingesetzt, um eine unrealistische Schauergeschichte zu erzählen, in deren Zentrum ein etwas nerviger, aber damit ganz seinen Rollenanforderungen entsprechender Gerd Anthoff steht. 4 von 5 Punkten.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum18.03.2018 21:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Ein Mord und lauter nette Leute

    Episode 247 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Theodor Grädler. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Klausjürgen Wussow (Jacob Bienert), Sky Dumont (Konrad Kelpe), Christoph Eichhorn (Hans Bienert), Julia Dahmen (Lona Winter), Christine Buchegger (Isolde Steinhoff), Sona MacDonald (Hanna Kelpe), Klaus Herm (Pfarrer), Christiane Hammacher (Frau Dr. Wolfen) u.a. Erstsendung: 19. Mai 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Ein Mord und lauter nette Leute
    Die Nachricht vom Tod ihrer älteren Schwester Ruth versetzt die Internatsschülerin Lona Winter in Entsetzen – vor allem da sie nicht nur von deren Ableben, sondern auch ihrer Einkommensquelle als Liebhaberin reicher älterer Herren erfährt. Lona will unbedingt die Bekanntschaft dieser Leute machen, die indirekt auch für ihren Internatsplatz bezahlten. Sie wird von den Freiern ihrer Schwester herzlich in München aufgenommen – ein sicheres Zeichen für deren schlechtes Gewissen. Wer von ihnen ist der Mörder?


    Der Busenblitzer beim Fund der Leiche verrät sofort, dass die tote Ruth Winter kein allzu seriöses Mädchen gewesen sein kann. Weiter versteift sich der Verdacht, als sich nacheinander die Drittfrühlingsherren Sky Dumont und Klausjürgen Wussow sowie der emotional leicht überzeugbare Christoph Eichhorn im Schlafzimmer der Ermordeten versammeln. Dieser „Derrick“ spielt also im Prostitutionsmilieu? Nein, denn Milieu ist ganz klar das falsche Wort, um die vorliegende Episode zu beschreiben. Ruth Winter war keinem horizontalen Gewerbe angehörig, sondern „arbeitete“ auf eigene Rechnung, wenn auch nicht unbedingt zum Vergnügen. Die Tote wird als traurige Person beschrieben – eine Traurigkeit, die sich aus der Unvereinbarkeit von freier Liebe und Bindungsbedürfnissen ergibt. Grädler machte die Unzufriedenheit der weiblichen Beteiligten gegenüber dem betont offenen Lebensstil ihrer männlichen Pendants überdeutlich und sorgte damit für einige nachdenkliche Momente.

    Freilich sorgt diese Nachdenklichkeit auch für Entschleunigung – ein wirklich stringenter Krimi sieht anders aus. Harry hat nur eine absolute Ein-Szenen-Statistenrolle und auch Stephan Derrick wird kaum investigativ tätig. Er wohnt einem Abendessen mit allen Verdächtigen bei und weiß anschließend intuitiv, welcher der Sünder nicht nur gegen das zehnte, sondern auch gegen das fünfte Gebot verstoßen hat. Immerhin zieht er die Überführung im Rahmen einer erneuten Versammlung des durchaus ansehnlichen Gastdarstelleraufgebots ganz groß auf. „Ein Mord und lauter nette Leute“ erhält dadurch ein wenig Whodunit-Spannung, wenngleich der Fokus ganz deutlich eher auf Moralfragen und Schwesterntrauer liegt.

    Sehr überzeugend als Schwester der Toten agiert die junge Julia Dahmen, die Wut und Verzweiflung meist auf stille Weise porträtiert und sich in manchen Szenen angenehm morbid zeigt („Ich schlafe im Bett meiner Schwester und auf dem Kissen, mit dem man sie erstickt hat“). Die eingangs erwähnten Herren liefern das Gewohnte, ohne dabei allzu aufdringlich zu wirken; Letzteres übernimmt diesmal Sona MacDonald, deren zuerst gekünstelter und später anklagender Unterton eine Spur zu dick aufgetragen ist. Auch Christine Buchegger muss sich einigermaßen bemühen, ihrer nicht immer dankbaren Rolle interessante Facetten abzuringen. Darüber hinaus bleibt ein kleiner Part als ernüchterter und mithin recht sprachloser Pfarrer für Serienurgestein Klaus Herm.

    Die präsentierte Lösung überzeugt personell und motivseitig, weist inhaltlich jedoch einige Schwächen auf (der benutzte Schlüssel wäre wohl vermisst worden und wie man eine Frau mit einem Kissen ersticken kann, auf dem sie mit Kopf und Schultern gerade liegt, erschließt sich mir auch nicht so recht). Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück, der diese Folge ins untere Mittelfeld rutschen lässt.

    Die gekünstelte Freundlichkeit der Verdächtigen im Angesicht von Lasterleben und Mord legt deren Gefühlskälte schonungslos offen. Demgegenüber wird die sonst oft zur bockigen Rächerfigur stilisierte Anverwandte von Julia Dahmen als angenehm natürlich dargestellt. Verkehrte Welt! Mit mehr Krimispannung wären mehr als 3 von 5 Punkten möglich gewesen.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum18.03.2018 15:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Hier war ja wieder für eine ganze Zeit Funkstille, dabei gibt es durchaus „Derrick“-News. Wer seine Collector’s Boxen bislang nicht vollständig im Regal stehen hat, sollte die Sammlung rasch ergänzen, denn die erste Edition (Nummer 6, Folgen 76 bis 90) scheint schon vergriffen zu sein. Thalia und Weltbild berichten zwar von einem baldigen Nachdruck, Amazon weiß dagegen davon nichts. Dafür sind alle „Derrick“-Folgen mittlerweile digital über Amazon Video und den Youtube-Kanal von ZDF-Enterprises abrufbar (soviel zum Thema ewiger ZDF-Boykott) – der Preis ist aber nicht unbedingt günstiger als die DVD-Variante.

  • Bewertet TV: "Die Kette" (1977, 11)Datum18.03.2018 14:20
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Die Kette (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1977. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Harald Leipnitz (Inspector Harry Dawson), Uschi Glas (Judy Black), Herbert Fleischmann (Chefinspector Yardley), Walter Kohut (Inspector Nat Fletcher), Wolfgang Kieling (Heaton), Michael Hinz (Hubert Rogers), Margot Hielscher (Sybil Conway), Karl Heinz Vosgerau (Arnold Conway), Jan Niklas (Douglas Craft) u.a. Erstsendung: 20. Dezember 1977. Eine Produktion des Südwestfunks.

    Zitat von Die Kette (Teil 2)
    Die Morde an Peter Newton und der Haushälterin Mary Rogers legen nahe, dass Harry Dawson auf der richtigen Spur ist. Obwohl er vom Polizeidienst suspendiert ist, schnüffelt er kräftig in der Angelegenheit herum und schließt Bekanntschaft mit der flüchtigen Judy Black, die das Geheimnis des Hintermanns der Taten – eines gewissen Tam Owen – zu kennen scheint. Bei einem Kampf über den Dächern von Kensington verletzt Dawson Judy Black. Kurz darauf lüftet sich das Geheimnis des Hundehalsbands: In einem Geheimfach war ein wertvolles Schmuckstück versteckt, das der durchtriebenen Sybil Conway gehört. Wird die Blutspur, die Tam Owen hinterlässt, auch sie das Leben kosten?


    Die stellenweisen Tempoprobleme des ersten Teils werden vom zweiten ausgebügelt, der sich trotz seiner Länge problemlos am Stück verdauen lässt. Dass Judy Black und Tam Owen in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, macht einen großen Unterschied und lässt die zweite Hälfte des Doppel-Krimis druckvoll und abwechslungsreich erscheinen. Besonders beeindruckend gestaltet sich das Aufeinandertreffen Judys und Harrys auf dem Dach der Linda-Wade-Wohnung – eine Szene, die als sowohl optisch ausnehmend ansprechend als auch absolut spannungsgeladen in Erinnerung bleibt. Uschi Glas verleiht ihrer Judy Black in stetigem Wechsel Freundlich- und Fürsorglichkeit sowie die ganz klare Mitwisserschaft über zumindest einen Teil der Owen-Bande und wird so zu einem interessanten Dreh- und Angelpunkt der Story. In den Worten der Schauspielerin:

    Zitat von Georg Pagitz: Die Kette, Booklet zur DVD-Veröffentlichung, S. 2
    „Die Rolle ist faszinierend: mal naives Mädchen, mal raffinierte Lady, mal cooles Callgirl.“ [...] Rolf von Sydow engagierte [Uschi Glas] vom Stand weg [...]. „Sie hat sich zu einer veritablen Schauspielerin gemausert. Sie hat Format bekommen. Das Kind hat ihr gut getan“, so der Regisseur. Auch der damals 65-jährige Francis Durbridge war mit der Besetzung sehr zufrieden und meinte, nachdem er Uschi Glas im Londoner Hotel Claridge’s kennengelernt hatte: „Sie ist genau so, wie ich mir die Besetzung der Figur Judy Black vorgestellt habe – sehr wandlungsfähig und sensibel.“


    Auch Wolfgang Kieling spielt sich weiter in den Vordergrund und legt seinen Zoohändler als Kombination aus Gisela Trowes ähnlicher Rolle in „Wie ein Blitz“ und seiner schauerhaften Mörder-Gestalt auf Oberinspektor Derricks „Waldweg“ an. Er wird dem Zuschauer in einem mehrbödigen Finale als einer der möglichen Täter präsentiert – sehr effektiv, wenngleich es kein Durbridge-Stoff wäre ohne zusätzliche Überraschung. Diese wickelt sich pflichtgemäß in einer Londoner U-Bahn-Station ab, die als Finalschauplatz echtes Lokalkolorit verströmt.

    Im Stil der „Kette“ hätte man gern weitere Durbridge-Mehrteiler des Südwestfunks gesehen, doch selbst von Sydows Einfluss auf die dortige Programmgestaltung als Produzent ermöglichte dies in den Folgejahren nicht mehr. Sowohl die hyperprominente Besetzung als auch die für 1977 immer noch ungemein erfolgreichen Einschaltquoten von ca. 72 Prozent sprechen dafür, dass der SWF mit einer Fortsetzung nicht schlecht gefahren wäre. Es wäre daher interessant, zu erfahren, welche Stoffe in diesem Fall für eine deutsche Verfilmung herangezogen worden wären – womöglich hätte man „Die Puppe“ in die engere Wahl genommen. Unabhängig davon braucht sich „Die Kette“ nicht vor den WDR-Verwandten zu verstecken, wenngleich das Flair doch ein recht eigenständiges ist.

    Der Durbridge-Nachzügler entwickelt sich vom etwas stockenden Kuriositätenrätsel hin zu einem fesselnden Mord- und Identitätenspiel. Stellenweise gleicht der Bodycount das Fehlen der Cliffhanger aus, anderweitig legt sich einfach die exzellente Besetzung gut ins Zeug. 4 von 5 Punkten.

  • Eure DVDsDatum17.03.2018 21:08
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    FILM

    • Über den Dächern von Nizza (To Catch a Thief)
      (USA 1955, mit Cary Grant, Grace Kelly, Jessie Royce Landis u.a.; Paramount HE)
    Damit ist meine Sammlung der Hitchcock-US-Filme vollständig. Fehlen nur noch einige frühe britische Filme und die Zeit, das Ganze dann 'mal zu sehen.

  • Bewertet TV: "Die Kette" (1977, 11)Datum17.03.2018 20:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Die Kette (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1977. Regie: Rolf von Sydow. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Harald Leipnitz (Inspector Harry Dawson), Uschi Glas (Judy Black), Herbert Fleischmann (Chefinspector Yardley), Walter Kohut (Inspector Nat Fletcher), Rosemarie Fendel (Mary Rogers), Margot Hielscher (Sybil Conway), Karl Heinz Vosgerau (Arnold Conway), Klaus Wildbolz (Peter Newton), Wolfgang Lukschy (Harrys Vater) u.a. Erstsendung: 18. Dezember 1977. Eine Produktion des Südwestfunks.

    Zitat von Die Kette (Teil 1)
    Dass sein Vater zufällig von einem verzogenen Golfball tödlich am Kopf verletzt wurde, kann Inspector Harry Dawson nicht wirklich glauben. Er wittert Mord und versucht, den merkwürdigen Todesumständen auf den Grund zu gehen. Der Mann, der den Ball abschoss, erregt Harrys besonderes Misstrauen und entpuppt sich tatsächlich als krimineller Tunichtgut, in dessen Wohnung sich die Kartei eines Callgirl-Rings findet. Zur gleichen Zeit taucht auch der entführte Pudel von Harrys Haushälterin wieder auf – mit dem kryptischen Hinweis, dass dessen Halsband der Grund für den Tod von Harrys Vater gewesen sei. Was kann damit gemeint sein?


    Kam schon das recht zeitige Ableben von Albert Lieven in „Wie ein Blitz“ überraschend, so inszenierte Rolf von Sydow den ersten Mord in „Die Kette“ noch abrupter: Gerade noch saß der ähnlich renommierte Wolfgang Lukschy in seiner ersten (und einzigen) Szene überhaupt gemütlich am Schreibtisch – schon nähert sich die Ambulanz mit Martinshornlärm dem Ort seines Todes. Mit diesem Kniff und der dem Vorspann vorausgehenden Schlägerei setzt von Sydow den Ton für einen modernen Durbridge, der andererseits erstaunlich vertraut und stellenweise sogar etwas angestaubt wirkt. Bestandteil der neuen Herangehensweise ist auch das Format, das im Vergleich zur Phase von 1965 bis 1971 nochmals eingekürzt und auf lediglich zwei Folgen reduziert wurde, die dafür Spielfilmlänge aufweisen. Für Durbridge-Verhältnisse erfordern diese je 90 Minuten besonders hohe Aufmerksamkeit, weshalb der weniger engagierte Zuschauer den Zweiteiler vielleicht als etwas „langweilig“ empfinden wird. Dass der SWF besser das sechsteilige Originalformat beibehalten hätte, bemerkt man vor allem an den Stellen, die sich wunderbar als Cliffhanger angeboten hätten und in Sydows Version ungenutzt verpuffen.

    Dass die längeren zusammenhängenden Ermittlungen dennoch funktionieren, ist in erster Linie der Hartnäckigkeit von Harald Leipnitz zu verdanken, der in „Die Kette“ reifer und bestimmter wirkt als bei seinem etwas blassen Auftritt in „Die Schlüssel“. Leipnitz hält das gesamte Konstrukt zusammen und darf als einzige Vertrauensperson in einem Geflecht von halbseidenen, hinterhältigen und verlogenen Beteiligten gelten. Dieses Alleinstellungsmerkmal hebt seine Rolle deutlich hervor, denn während Durbridge früher noch eine ganz klare Zweiteilung in offensichtliche Verbrecher und offensichtlich Unschuldige vornahm (mit der Ausnahme, dass sich der Haupttäter dann oft aus letzterer Gruppe rekrutierte), ist diesmal außer Harry Dawson wirklich jeder verdächtig – auch der Scotland-Yard-Kollege (mit Wiener Schmierigkeit: Walter Kohut) und der love interest (mit Beziehungen zu einem Verdächtigen: Uschi Glas). Während man sich bei den Auftritten von High Society-Pärchen Margot Hielscher und Karl Heinz Vosgerau um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt fühlt, brechen Hinweise auf einen Callgirl-Ring die gute, alte Durbridge-Prüderie auf. Es fällt der „Kette“ manchmal etwas schwer, diese beiden Extrema miteinander in Einklang zu bringen, denn auch dem Subplot um das Hundehalsband haftet im Jahr 1977 eine gewisse unfreiwillige Komik an. Sie täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass gerade dieser Teil der Story sehr gut und rätselhaft konstruiert ist.

    Neben dem überzeugenden Spannungsaufbau musste „Die Kette“ als letzter deutscher Durbridge-Mehrteiler auch auf einem anderen Gebiet Bestes liefern, auf dem die allermeisten seiner Vorgänger überdurchschnittlich überzeugt hatten: Musikalisch gelang diesmal ein weiteres Ausrufezeichen in Form der Titel- und Abschlussmelodie von Dieter Reith für die Jochen Bauer Group. Das Lied, das den gleichen Namen wie der Mehrteiler trägt, kombiniert einen schrägen Text und groovige Beats mit dem großen Rätsel, was diese titelgebende „Kette“ denn eigentlich genau sein soll – es wird uns schließlich weit mehr als eine Interpretationsmöglichkeit angeboten. Reiths Thema funktioniert hervorragend: Sowohl in verschiedenen Variationen in Kombination mit den eleganten oder düsteren Spannungsszenen als auch in Reinform zusammen mit den quietschbunten Seventies-Credits in Comicform.

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