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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #2
    Dann heißt es einstweilen wohl "Ray, übernehmen Sie"

    Sorry, aber allein schon beim Namen Tom Cruise kriege ich Pickel. Wie man einen Film (geschweige denn eine ganze Reihe) mit diesem Ekel nach dem Bekanntwerden seiner kruden Sektenfantasien noch mit Vergnügen ansehen und objektiv bewerten kann, ist mir ein Rätsel.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke für die spannenden Hintergründe. Die Info mit Anjanette Comer hatte ich von TCM. Die sind für gewöhnlich ziemlich vertrauenswürdig und gut recherchiert.

    Zitat von Giacco im Beitrag #6
    Es kursieren übrigens unterschiedliche Gerüchte zum Thema, ob Anjanette Comer wirklich krankheitsbedingt ausfiel. [...] Fakt ist, dass Paul Hubschmid dem Produzenten Eva Renzi vorgestellt hatte und dass Saltzman von ihr sehr beeindruckt war.

    Das eine widerspricht auch in keinster Weise dem anderen. Schließlich muss Renzi ja auch irgendwie ihren Job als Ersatzbesetzung aus einem vermutlich großen Darstellerpool heraus bekommen haben. Im Gegensatz zu den diversen Rollen für "Einheimische" hätte die weibliche Hauptrolle ja nicht einmal unbedingt an eine Deutsche gehen müssen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @Ray: Ich hatte auch zwischen 3,5 und 4 Punkten geschwankt, aber die Abstriche beim Inhalt als wichtigstem Punkt auf meiner Checkliste gaben dann letztlich doch den Ausschlag zur niedrigeren Wertung. Und letztlich habe ich auch gut daran getan: Der Harry-Palmer-Nachfolger "Finale in Berlin" hat mir nämlich nochmal wesentlich besser gefallen.

    @Giacco: Danke für die interessanten Einblicke und Zahlen. Vielleicht hast du die auch zu "Finale in Berlin"?



    Finale in Berlin (Funeral in Berlin)

    Spionagekrimi, GB 1966. Regie: Guy Hamilton. Drehbuch: Evan Jones (Romanvorlage, 1964: Len Deighton). Mit: Michael Caine (Harry Palmer), Paul Hubschmid (Johnny Vulkan), Oskar Homolka (Colonel Stok), Eva Renzi (Samantha Steel), Guy Doleman (Ross), Hugh Burden (Hallam), Heinz Schubert (Aaron Levine), Wolfgang Völz (Werner), Thomas Holtzmann (Reinhardt), Günter Meissner (Kreutzman) u.a. Uraufführung (GB): 23. Februar 1967. Uraufführung (BRD): 17. März 1967. Eine Produktion von Lowndes Productions für Paramount British Pictures.

    Zitat von Finale in Berlin
    Als Vermittler wird Harry Palmer nach Berlin geschickt. Der ranghohe russische Oberst Stok, der als Strippenzieher des Mauerbaus gilt, will nun selbst in den Westen überlaufen, steht aber unter staatlicher Aufsicht, weshalb sich das Unterfangen als einigermaßen schwierig herausstellt. Bei seinen Versuchen, erst einmal abzuklopfen, wie ernst der bekennende Kommunist seinen Umsiedlungswunsch wirklich nimmt, wird Palmer von der reizenden Samantha Steel abgelenkt, die sich ebenfalls als Agentin entpuppt. Welche Gefahr droht Palmer und wie wird es ihm gelingen, Stok in den Westen zu bringen? Er bedient sich der Ratschläge seines alten Kumpanen Johnny Vulkan und des professionellen Fluchthelfers Kreutzman und erlebt dabei so manche Überraschung ...


    Obwohl „Ipcress – streng geheim“ als großer Erfolg galt, trennte sich Produzent Harry Saltzman vom angeblich schwierigen Regisseur Sidney J. Furie und griff auf den „Goldfinger“-erfahrenen Guy Hamilton zurück. Fans finden oft „Ipcress“ besser gelungen (weil düsterer und künstlerisch anspruchsvoller) als „Finale“, doch wer beide Filme auf eine stringente und spannende Handlung hin abklopft, wird in „Finale in Berlin“ eine handfestere Ausbeute vorfinden. Hamilton verschwenkt die Action schnell vom britischen Unkrautgarten des Colonel Ross zum sauber geharkten, minentellergespickten Todesstreifen der Berliner Mauer und siedelt vor dieser Kulisse ein raffiniert eingefädeltes Agentenspiel an, bei dem man sich über Motive der Hauptfiguren und die das Publikum in der aktuellen oder nächsten Szene erwartenden Knalleffekte nie sicher sein kann. Wie viele doppelte Böden haben die Aussagen des gehässigen Oberst Stok? Ist Samantha Steel wirklich so unschuldig wie ihre immens starke Indizienbelastung vermuten lässt? Welche Tricks hat Kreutzman in den Fluchtplan eingearbeitet? Oder sind es etwa andere Interessenten, die hier ein Ass aus dem Ärmel ziehen wollen? Und immer schwingen die Gewalt eines damals zeitaktuellen diktatorischen Regimes sowie Andeutungen auf die düstere deutsche Vergangenheit im Hintergrund mit – da kommt einiges an Beklommenheit herüber ...

    Michael Caine hat die Rolle des Harry Palmer mittlerweile völlig verinnerlicht. Er wirkt als widerspenstiger, aber williger Mitarbeiter des Geheimdienstes so kaltschnäuzig und keck, dass man ihm mittlerweile die Bewältigung schwierigster Zwickmühlen zutraut. Auch bildet er mit Eva Renzi ein ausgesprochen attraktives Paar, obwohl die gebürtige Berlinerin nur ein Last-Minute-Ersatz für die krankheitsbedingt ausgefallene Anjanette Comer war. Die Rollenverteilung zwischen dem Helden und seiner „Kontrahentin“ ist diesmal merklich ausgewogener als in „Ipcress“, wobei auch Renzi letztlich nur in der zweiten Reihe operiert und die Aufmerksamkeit nach wie vor hauptsächlich auf den männlichen Drahtziehern der Berlin-Verwicklungen ruht. Für diese verpflichtete man ebenfalls hauptsächlich deutschsprachige Schauspieler, unter ihnen z.B. Günter Meisner als verschlagener Menschenschmuggler Kreutzman, Thomas Holtzmann als aufgeregter Polizist, der sich an Harry Palmers zurückliegende Berliner Schwarzmarktgeschäfte erinnert, und Paul Hubschmid als Johnny Vulkan, eine zweischneidige Figur von zentraler Bedeutung.

    Ebenso wie man mit dieser Besetzung die Authentizität zu betonen versuchte, spricht auch aus den Außenaufnahmen in Berlin großer Aufwand. Die Mauer wird mehrfach im Original gezeigt; zudem gibt es eine nachgestellte Fluchtszene an einem gedoubelten Abschnitt. In einer Szene überquert Michael Caine den echten Checkpoint Charlie – ein Moment, der dem Zuschauer (mit dem Wissen, dass Caine eine Filmcrew im Rücken hatte) Schauer den Rücken herunterlaufen lässt. Schmückend und attraktiv werden die städtebauerischen Errungenschaften des Westens ins Licht gerückt, wobei vor allem die Verlockungen des Konsums ständig im Fokus sind (Mercedessterne, wohin das Auge blickt, einschließlich des drehbaren Modells auf dem Dach des im Jahr zuvor eingeweihten Europa-Centers). Im filmischen Osten dominieren dagegen Ruinen und Brachflächen das Bild; nicht zuletzt in diesem Kontrast wird ganz klar, dass Spionagethemen auch bei den Alliierten im Kalten Krieg nicht nur unterhaltsame Mode, sondern auch ein gutes Stück Indoktrination waren.

    Logischer und atemloser, aber vielleicht inszenatorisch etwas glattgebügelt wird dem Zuschauer eine veritable Schauergeschichte aus der geteilten Stadt nahegebracht. Welcher andere Schauplatz würde sich besser für ein Agentendrama mit Nervenkitzel anbieten als West-Berlin, die berüchtigte „Insel im roten Meer“? Schauspielerisch stark und mit vielen kleinen Seitensträngen, um auch Kenner gespannt bei der Stange zu halten. 4,5 von 5 Punkten.

  • Alibi (1955)Datum12.08.2018 13:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Jetzt hat’s endlich geklappt mit der Neusichtung. Wirklich ein ganz starker Film!



    Alibi (Kein Alibi)

    Kriminalfilm, BRD 1955. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: O.E. Hasse (Peter Hansen), Hardy Krüger (Angeklagter Meinhardt), Martin Held (Dr. Overbeck), Peer Schmidt (Reporter Roland), Ernst Waldow (Kriminalkommissar Lukkas), Siegfried Schürenberg (Vorsitzender am Gericht), Eva-Ingeborg Scholz (Inge Römer), Jan Hendriks (Berthold), Walter Werner (Vater Meinhardt), Gisela von Collande (Frau Hansen) u.a. Uraufführung: 30. Dezember 1955. Eine Produktion der Fama F.A. Mainz Film im Europa-Filmverleih Hamburg.

    Zitat von Alibi
    Starreporter Peter Hansen berichtet aus aller Welt. Nun soll seine Aufmerksamkeit aber auf einmal nicht den großen Sensationen, den Bomben und Weltkonferenzen, gelten, sondern einem simpel erscheinenden Mordfall: Er ist zum Geschworenen in einem Mordprozess berufen worden und geht diese Aufgabe mit wenig Elan und Zuversicht an. Im Laufe der Verhandlung wird sich Hansen jedoch seiner Verantwortung bewusst und avanciert zum größten Fürsprecher des Angeklagten Meinhardt, der seine Geliebte, die Frau des Chemikers Overbeck, erschlagen haben soll, aber stets seine Unschuld beteuert. Nach der Verurteilung sucht Hansen neue Informationen, um den Fall zu einer Wiederaufnahme zu bringen, und er findet tatsächlich Hinweise darauf, dass die Indizien gegen Meinhardt nicht so lückenlos waren, wie das Gericht angenommen hatte ...


    Wo andere Kriminalfilme versuchen würden, die von ihnen geschilderten Ereignisse als das Maximum des vorstellbaren Dramas und ihre Figuren als am Rande des emotional Verkraftbaren stehend zu verkaufen, schildert „Alibi“ den Mordfall Overbeck in diametral entgegengesetzter Weise. Protagonist Peter Hansen meint, über den Dingen und vor allem über so lapidaren Angelegenheiten wie einem Eifersuchtsmord zu stehen. Als Reporter ist er „Geschichten“ ganz anderen Kalibers gewohnt, in denen es um die Zukunft der Menschheit geht, die nach dem Krieg die Mittel, die wenige Jahre zuvor noch Zerstörung und Elend gebracht hatten, in friedlicher Absicht einsetzt. Mit Hansens Position, so eine gewöhnliche Angelegenheit verdiene höchstens einen Zehnzeiler, wird die Überheblichkeit des Bildungsbürgertums deutlich, für das Mord und Totschlag (ob auf dem Papier oder im realen Leben) zur bloßen Trivialität degradiert ist. Erst durch inständige Plädoyers von Bekannten und Vertrauten des Mordopfers und des Angeklagten sowie durch dessen beharrliches Abstreiten der Tat setzt langsam ein Lern- und Verständnisprozess beim scheinbar allwissenden Reporter ein.

    „Alibi“ konzentriert sich auf diese zwei Aspekte in gleichem Maße. Einerseits wird die dem jungen Meinhardt zur Last gelegte Tat nie aus dem Blick verloren; andererseits nimmt sich gerade der Mittelteil des Films gebührend Zeit, Hansens Gesinnungswandel vom zynischen Schlagzeilenmann zum aufrichtig interessierten Kümmerer zu illustrieren. O.E. Hasse legt beide Typen glaubwürdig an, indem er nicht in die charakterlichen Extrema der Positionen verfällt, sondern – mithilfe der natürlich wirkenden Dia- und Monologe Reineckers – einen fließenden Übergang zwischen A und B darstellt, weil sein Peter Hansen es eben gewohnt ist, auf die Zwischentöne in den Aussagen der ihn umgebenden Menschen zu achten. Umschlossen wird diese Katharsis vom Prozess mit Fehlurteil im ersten Filmdrittel und von Hansens privaten Ermittlungen im letzten. Beide Teile gelangen Weidenmann sehr stark und spannungsvoll, weil man sich des Ausgangs der Ereignisse nie sicher sein kann und sich durch die minutiöse Aufarbeitung wie an Hansens Seite glaubt. „Alibi“ bringt mit dem Justizirrtum und der Reaktivierung des Falles zwar überaus spektakuläre Momente mit, schildert diese aber so selbstverständlich, dass man sich stellenweise wie in einer Dokumentation oder zumindest wie in einem auf wahren Motiven fußenden Spielfilm wähnt.



    Vermutlich war genau das der Grund, weshalb das Filmprojekt „Alibi“ nicht von allen Seiten begrüßt wurde:

    Zitat von Indra Fehse: Keine Unterstützung, Filmreporter, 2018, Quelle
    Produzent F. A. Mainz erfuhr erst über Umwege, dass die Bonner Ministerialjuristen in Alfred Weidenmanns Film eine Verächtlichmachung der Justiz sahen. Durch das Drehbuch des Bundesfilmpreisträgers Herbert Reinecker wurde Ministerialrat Dr. Sauer auf den Film aufmerksam. Mit allen Mitteln versuchte er, sich der Veröffentlichung entgegenzustellen. Er forderte den Bundesjustizminister sogar dazu auf, die entsprechenden Produktionskredite zu sperren. [...] Das Justizministerium konnte sich nicht durchsetzen. Alfred Weidenmann erhielt für den zunächst umstrittenen Film Alibi sogar das Filmband in Silber. Neben dem Widerständler-Porträt Canaris von 1954 gehört Alibi zu Weidenmanns größten Erfolgen.


    In Anbetracht des Endergebnisses ist die Auszeichnung mit dem Filmband mehr als nachvollziehbar. Neben der treffsicheren Kooperation Weidenmann – Reinecker (seit „Junge Adler“ schon im vierten gemeinsamen abendfüllenden Film) und der tragfähigen Kameraarbeit des jungen Helmuth Ashley sind es vor allem die unantastbaren Schauspielerauftritte, die die Stärke und Präsenz des Stoffes ausmachen. Hardy Krüger, der auch bereits im engagierten Fliegerepos von 1944 zu sehen war, zeigt als Liebhaber der Frau Overbeck alle Qualitäten, die der kalte Workaholic-Ehemann (Martin Held) vermissen lässt, auch wenn (oder gerade weil) sie sich nicht immer in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen kanalisieren lassen. So blitzen bei Krüger einige nonkonformistische Momente ersten Grades auf, die seine Rolle zum perfekten Opfer eines neben Indizien vor allem auf Voreingenommenheit basierenden Fehlurteils machen. Zum Beginn des Prozesses erhebt zum Beispiel der sonst durch routinierte Milde auffallende Gerichtspräsident (ein wunderbar ruhiger Siegfried Schürenberg) den Zeigefinger gegenüber Meinhardt, und man hört aus seiner Rüge die Quintessenz des Verhaltenskodex in der Adenauer-Ära heraus: „Was ist das für eine merkwürdige Unruhe in Ihrem Leben? Warum wollen Sie nicht vorwärts kommen? Sie sind doch ein junger Mensch. Sehen Sie keinen Sinn darin, sich ordentlich auszubilden und einen geachteten, ehrlichen Beruf zu ergreifen?“

    Dass Meinhardt nichtsdestoweniger eindeutig auf die Seite der „Guten“ gehört, beweist neben den Konventionen des Krimis und den rührenden Schmalfilmaufnahmen mit der Toten vor allem der Kontrast zum gleichaltrigen Jan Hendriks, der in Lederkluft und mit verdächtigen Blicken gen Polizei einen idealen Ersatzverdächtigen abgibt. Ein drittes, scheinbar gänzlich harmloses Modell des „jungen Menschen“ hat Peter Hansen bei sich zu Hause sitzen: den verträumten Musikus, der nichts von den Abgründen der Außenwelt weiß (ein junger Charles Brauer). Dieser ist wesentlich pflegeleichter als der von Peer Schmidt verkörperte Jungreporter, der den Idealismus mit Löffeln geschluckt hat, aber sich in seiner herzensguten Art hier einige Meriten erwirbt. Klar wird bei diesem Figurenkompendium, dass der Autor die Skizzierung und Kategorisierung der Jugend bereits als eines seiner überdauernden Leitmotive ausgemacht hat, der Blick aber noch zuversichtlicher ausfällt als etwa später bei „Derrick“.

    „Alibi“ schildert einen interessanten Mordfall mit genügend Detailverliebtheit, um ihn getrost als einen Kriminalfilm bezeichnen zu können. Und doch ist der Streifen so viel mehr als das, bohrt tiefer und stößt bei vielen seiner Figuren auf sprudelnde Quellen, die Einblicke in spannende, wandelbare und unfertige Charaktere gewähren. Mit einer atemberaubend guten Besetzung bis in die kleinsten Rollen versehen, gehört „Alibi“ zum unbedingten Pflichtprogramm für Freunde des deutschen Fünfzigerjahrekinos. 5 von 5 Punkten.

  • A.S. der Unsichtbare (1922)Datum10.08.2018 20:52
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Interessante Gedanken, die über den Roman hinausgehen. Wir bewegen uns hier wohl auf dem altbekannten Grat zwischen Freiheit und suggierter Sicherheit. Zum Buch: "A.S. der Unsichtbare" war der erste Wallace-Roman, den ich in der Weltbild-Edition gelesen habe; das muss so um 2002/03 herum gewesen sein. Ich habe deshalb leider absolut nicht mehr die geringste Erinnerung an die Qualität oder gar Details der Story, habe das Buch aber in der tendenziell eher positiven Ecke abgespeichert.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum10.08.2018 20:27
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    So unbekannt war die Unbekannte also doch nicht. Meine Leidenserfahrung mit "Love, What's Your Face" habe ich dann wohl eher mit den drei "Derrick"-Folgen in Verbindung gebracht, in denen das Stück in den Neunzigern nochmal recycelt wurde. Manchmal wünscht man sich wirklich, man könnte als Zuschauer Schmerzensgeld einklagen.

    PS: Gratulation zum 1000. Beitrag.

  • Pater Brown - HörspieleDatum10.08.2018 20:11
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von schwarzseher im Beitrag #14
    Kann es sein das die Diskussion über die PB Hörspiele auch nahtlos auf die Verfilmungen zu übertragen wären ?

    Warum auch nicht, schließlich sind die Pater-Brown-Verfilmungen im Grunde recht werkgetreu (bei Rühmann eben mehrere Kurzgeschichten-Fälle in eine Knäuel-Handlung zusammengestopft). Gerade die Meinrad-Folgen geben Brown eigentlich so wieder, wie er im Buch steht und im Hörspiel auch aufbereitet werden müsste. Ich habe an die Farbfolgen eigentlich sogar recht positive Erinnerungen (aber x Jahre her), wohingegen die schwarzweißen der ersten Staffel(-n?) sowas von dröge waren.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum10.08.2018 20:07
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke für die umfangreiche Antwort. Bei "Der Alte" und "Das Kriminalmuseum" würde ich gern einen von Grundauf neuen Versuch wagen, sobald ich mit "Kommissar", "Derrick" und "Stahlnetz" durch bin. Ähnlich sind ja offenbar deine Pläne: Die Idee, erst einmal zu sondieren und dann bei einer zweiten Runde Besprechungen zu verfassen, finde ich sehr sinnvoll, weil man dann besser weiß, was auf einen zukommt, und jede Folge mit den erinnerten Höhe- oder Tiefpunkten abgleichen kann. Bei so umfangreichen Serien wie diesen dauert das aber natürlich ein Weilchen.

    Was das Durchhalten - auch bei "Derrick" - angeht, kann ich dir nur Mut machen. Wenn man einmal mit Ringelmann anfängt, hört man nicht mehr so leicht wieder auf.

    Die Eindrücke zu den besten Folgen der dritten "Der Alte"-Box lesen sich spannend, weil es allesamt mir noch unbekannte Folgen sind. Vor allem die mit Christiane Krüger (hätte beinah "Schröder" geschrieben, Gott bewahre!) und die mit Herbert Fleischmann hören sich gut an. Auch "Hass" klingt verlockend, doch bei einer solchen Handlung kommt es stark auf den verantwortlichen Drehbuchautor an (und darauf, ob sich Schröder, den ich ebensowenig ausstehen kann wie seine Tochter, zu sehr in den Vordergrund spielt). Aber mit den Abneigungen ist es ja immer eine sehr unterschiedliche und individuelle Sache: Über Dieter Schidor zum Beispiel habe ich mich eigentlich immer gefreut.

  • Grit BoettcherDatum10.08.2018 19:57
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das Zitat würde nur passen, wenn einer von den beiden kein Wallace-Film wäre. @Thomas: In der Tat, das Foto stammt aus dem "schwarzen Abt". Auch die Erinnerungen an die Reitszenen gehören zu diesem Film, nicht zum "Peitschenmönch".

    Hauptsächlich aber gute Geburtstagswünsche an Frau Böttcher, vor allem für langanhaltende Gesundheit.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Ipcress – streng geheim (The Ipcress File)

    Spionagekrimi, GB 1964/65. Regie: Sidney J. Furie. Drehbuch: W.H. Canaway, James Doran (Romanvorlage, 1962: Len Deighton). Mit: Michael Caine (Harry Palmer), Nigel Green (Major Dalby), Guy Doleman (Colonel H.L. Ross), Sue Lloyd (Jean Courtney), Gordon Jackson (Jock Carswell), Aubrey Richards (Dr. Radcliffe), Frank Gatliff (Bluejay), Thomas Baptiste (Barney), Oliver MacGreevy (Housemartin), Freda Bamford (Alice) u.a. Uraufführung (GB): 18. März 1965. Uraufführung (BRD): 2. Juli 1965. Eine Produktion von The Rank Organisation.

    Zitat von Ipcress – streng geheim
    Britische Wissenschaftler werden von ausländischen Mittelsmännern entführt und einer Gehirnwäsche unterzogen, die sie ihre Forschung vergessen lässt. Der Geheimdienst zieht einen fähigen jungen Agenten namens Harry Palmer aus seiner bisherigen Stellung ab und setzt ihn unter Major Dalby auf den Fall an. Palmer spürt nicht nur den verloren gegangenen Dr. Radcliffe wieder auf, sondern auch ein Tonband mit der Aufschrift Ipcress. Was hat diese Abkürzung zu bedeuten? Ein Meisterverbrecher, der unter dem Decknamen „Bluejay“ firmiert, scheint alle Fäden des Geheimnisses in der Hand zu halten. Und er hat es auf Palmer abgesehen ...


    Um weiter am internationalen Markt und vor allem im Vergleich mit Hollywood’schen Promiproduktionen mithalten zu können, verlegte sich das britische Kino in den 1960er Jahren zunehmend auf ambitionierte Großfilme, die um einige Nummern spektakulärer ausfielen als vergleichbare A lister des vorangehenden Jahrzehnts. Dafür bot sich nicht zuletzt das Spionage-Genre an, das mit dem mittlerweile sicheren Abstand zum Zweiten Weltkrieg sowie mit aufregenden Geschichten des Kalten Krieges „vor der Haustür“ zunehmend an Popularität gewann und spätestens seit 1962 für Erfolge garantierte, als Agent 007 James Bond zum ersten Mal im Auftrag ihrer Majestät unterwegs war. Mit bemerkenswertem Aufwand ging man daher auch die Umsetzung des Len-Deighton-Romans „The Ipcress File“ an, der im Startjahr der Bond-Reihe die Inselbewohner im Sturm ergriffen hatte. Für den Film nannte man den namenlosen Agent des Romans Harry Palmer und gab ihm mit Michael Caine ein unverkrampftes Gesicht, das ganz anders ausfiel als das des etwas öligen Gigolo Bond. Palmer ist kein Schwiegermuttertyp, sondern lässt immer wieder subversive Bemerkungen fallen, die sein trocken sarkastisches Wesen unterstreichen. Zwar ebenso wie Bond (dem Wunschdenken nach) ein Frauentyp, sucht Palmer mangels privater Beziehung seine Ersatzbefriedigung in seiner Leidenschaft fürs Kochen; in seiner Küche ist er der Chef, während er sonst – sowohl vor seinen Vorgesetzten als auch seinen Gegnern – den sympathischen Prügelknaben mit Tendenz zum desillusionierten Anti-Helden gibt.

    „Ipcress – streng geheim“ startet mit einer herrlich mysteriösen Entführungsszene am Bahnhof, die viel verspricht. Versprechungen, die letztlich nur teilweise eingehalten werden. Zwar präsentiert der Film Harry Palmers Alleingänge in griffigen, perfekt choreografierten und oft sehr atmosphärischen Szenen (in der Bibliothek des wissenschaftlichen Museums, am Musikpavillon im Park, in einer Tiefgarage oder alten Fabrikhalle); gleichwohl macht er inhaltlich selbst für sein Genre stellenweise einen weit hergeholten bzw. übermäßig simplen Eindruck. So wird der für die Entführung verantwortliche „Bluejay“ binnen Minuten überführt und in London aufgespürt und auch das reizvolle Rätsel um den Begriff Ipcress wird eher halbherzig und im Vorbeigehen gelöst. Dafür verwendet der Film einen übergroßen Anteil seiner stattlichen Spielzeit darauf, seine hohen Produktionswerte zu demonstrieren oder in Bezug auf alle anderen Charaktere als Palmer möglichst geheimnisvoll und doppeldeutig zu tun. Das stärkt einerseits die Identifikation mit Michael Caine, doch andererseits kappt es auch bitter benötigte Zeit von der finalen Zuspitzung im „albanischen Folterkerker“ ab und macht die Überraschung, wer mit „Bluejay“ im Bunde ist, einigermaßen willkürlich.

    Gewissen inhaltlichen Schwächen und Längen zum Trotz macht „Ipcress – streng geheim“ dennoch großen Spaß, weil die Professionalität und der bis heute moderne Look des Films eine kaum zu ignorierende Rolle spielen. Der junge Regisseur Sidney J. Furie und sein erfahrener Kameramann Otto Heller versuchen mit ungewohnten Kameraeinstellungen unter voller Ausnutzung des Scope-Bildformats, sich offensiv von den altgewohnten Kinotraditionen abzugrenzen und durch geschickte Zerr- und Lichteffekte der gedeckten Herbst-Winter-Farbpalette unvorhergesehene Momente zu entlocken. Klassisch ließ man es dagegen bei der Besetzung angehen und wagte keine Experimente. Nigel Green, Guy Doleman und Frank Gatliff zeigen ihre undurchsichtigen, teilweise angsteinflößenden Qualitäten; in Kleinrollen überzeugen Gordon Jackson als Palmers Kumpel, Thomas Baptiste als pfeiferauchender Ami-Agent und Aubrey Richards als Physiker, dem man übel mitspielt. Sue Lloyds wenig interessanten und kaum präsenten Love Interest hätte es allerdings nicht gebraucht; ihr gelegentliches Auftauchen ist den üblichen Genrekonventionen geschuldet.

    Etwas arg spekulativer Stoff im eleganten Gewand. Man freut sich mit Michael Caine über Fortschritte und durchleidet Rückschläge – sein Harry Palmer ist ein zwangloser James-Bond-Gegenentwurf mit dunkler Vergangenheit und Durchsetzungsvermögen. Sonst werden von „Ipcress“, dem ein fantastischer Ruf vorauseilt, hauptsächlich optische Meriten hängenbleiben. 3,5 von 5 Punkten.

  • Aktenkoffer und Agenten: Internationale Spionagefilme

    Eng mit dem klassischen Krimi verwandt ist das Spionagegenre, bei dem die normalerweise an Verbrechen beteiligten Privatparteien gegen staatliche bzw. politische Interessen und Protagonisten des Geheimdienstes ausgetauscht werden. Sonst ändert sich meist wenig: Der Ermittler stolpert reihenweise über Leichen, während er hinter einem wichtigen Macguffin oder Geheimnis her ist. Der Schurke bedroht derweil nicht nur die Bewohner eines einsamen Herrenhauses, sondern im besten Fall die ganze Welt – die Globalisierung macht eben auch vor Schurken nicht halt ...

    Hier im Forum haben wir einen recht umfangreichen James-Bond-Bereich und auch schon manches über mehr oder weniger billige Eurospy-Produktionen geschrieben, die im Fahrwasser der 007-Filme entstanden sind. Darüber hinaus wurden vor allem in Großbritannien und den USA in den 1960ern und 1970ern auch andere (hochwertige) Agentenkrimis gedreht, in denen es oft um Themen des Kalten Krieges geht. Hier im Thread könnt ihr eure Eindrücke zu diesen Produktionen einstellen und diskutieren.



    Bisher besprochen wurden (Liste wird nachträglich ergänzt):

    • Funeral in Berlin (Finale in Berlin, 1966, Guy Hamilton) [1]
    • Ipcress File, The (Ipcress – streng geheim, 1964/65, Sidney J. Furie) [1]

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #17
    ... ich muss sagen, dass ich mich doch sehr wundere, warum die CCC so ein kurioses Unterfangen unterstützt. Laut Dodokay alias Dominik Kuhn wurde er ja von Alice Brauner quasi eingeladen, um das CCC-Archiv zu durchforsten und sich einen Wunschfilm herauszupicken, den er dann nach seinen Vorstellungen bearbeiten durfte - und Mabuse erschien ihm am geeignetsten. Ich glaube insofern nicht, dass die "Glötzböbbel" in irgendeinem Zusammenhang zu einem neuen Mabuse-Großprojekt stehen. Die Ratpack-Ankündigung einer zeitgenössischen Verfilmung stammt von Februar 2008 - seitdem hat man nichts mehr gehört.

    Danke für die Hintergrundinfos. Also können wir davon ausgehen, dass eine ernsthafte Mabuse-Neuverfilmung schon am St.-Nimmerleinstag in die Kinos kommen wird.

    PS: Habe die Beiträge zur Neusynchro jetzt in einen eigenen Thread ausgelagert. Diskussionsbedarf scheint ja ausreichend vorhanden zu sein.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Mr. Igle im Beitrag #6
    Vielleicht ist das aber auch wirklich ein Hinweis darauf, dass es mit dem MABUSE-Großprojekt jetzt deutlich vorangeht.

    Hoffentlich. Dann ist es aber eine komische Reihenfolge, sozusagen zuerst das billige Spin-off zu bringen und erst danach die Neuproduktion, die eigentlich für die Aufmerksamkeit sorgen sollte. Hauptsache das ist jetzt nicht der Rest, der vom "Großprojekt" noch übrig ist ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Naja, ein sehr "feiner" Humor, der da zum Tragen kommt.

  • Wallace & Blu-rayDatum08.08.2018 09:47
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @SpikeHolland: Lass uns wissen, ob / wie Universum-Film reagiert.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum08.08.2018 09:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich finde es toll, dass du so eifrig die Serien schaust. Mit deinen Zusammenfassungen zum "Alten" wirfst du ein milderes Licht auf die Serie als in meinen Erinnerungen. Wenn ich an Box 3 denke, ist es zunächst "Der Zigeuner", der alles überschattet und der mit zum Übelsten gehört, was ich an deutschen Fernsehkrimis bis dato gesehen habe. Auch weiß ich nicht, ob es unbedingt für die Box spricht, dass man darin Arthur Brauss gleich dreimal begegnet. Aber der allgemeine Tenor ist ja immer wieder positiv. Wenn ich mit "Kommissar" und "Derrick" fertig bin, werde ich also wohl nicht darum herumkommen, beim "Alten" nochmal einen Neustart zu wagen.

    Schade finde ich nur generell bei diesen Serien-Box-Reviews, dass du dich nicht zu einzelnen Folgen äußerst. Ein paar Sätze zu jedem Fall wären nochmal eine ganze Runde aufschlussreicher als die bloße Rangliste.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Gute Nachrichten für Fans der Olsenbande. Nachdem die alte Ausgabe des Labels ZYX zwischenzeitlich nicht mehr zu vertretbaren Preisen erhältlich war, hat sich Icestorm nun auch die Rechte am 14. und letzten Olsenbanden-Film mit Sprogøe, Grunwald und Bundgaard gesichert. „Der wirklich allerletzte Streich der Olsenbande“ wird voraussichtlich am 28. September 2018 mit neuem Transfer auf DVD erscheinen. In den aktuellen Onlineshop-Listungen wird nur deutscher Ton angegeben, aber der Olsenbandenfanclub berichtet, dass er wie bereits bei den anderen 13 VÖs mit Icestorm in Kontakt steht. Mal sehen, was noch herausgeholt werden kann. Ich freue mich jedenfalls, diesen Film auch bald sehen zu können, auch wenn ihm sicher das Retro-Flair der alten Abenteuer fehlen wird.

    Zitat von Icestorm / Edel Germany: Der wirklich allerletzte Streich der Olsenbande
    Nach 17 Jahren Pause tritt die legendäre Olsenbande noch einmal zum (wirklich) allerletzten Streich in Aktion: Egon Olsen entkommt einer Nervenheilanstalt, Kjeld einem Altersheim und Benny seinem illegalen Job in einer Taxizentrale. Natürlich hat Egon für diesen ultimativ letzten Coup einen Plan: Es geht um den Raub der englischen Kronjuwelen. Doch zuvor bittet ihn ein alter Bekannter um Hilfe, Staatssekretär Hallandsen. Für 10 Millionen soll ihm Egon einen Koffer mit brisanten Dokumenten zu einem Korruptionsskandal beschaffen. Wie immer geht für die Olsenbande alles schief - aber nur fast ...

    Während der Dreharbeiten zu diesem letzten Film mit der „Olsenbande“ verstarben sowohl der Hauptdarsteller Poul Bundgaard (Kjeld) als auch der Regisseur Tom Hedegaard. Trotzdem konnte der Film fertiggestellt werden.


    Erwähnung finden sollte vielleicht auch, dass im Filmmuseum Potsdam vom 4. Juli 2018 bis zum 17. Februar 2019 eine Ausstellung mit dem Titel „Mächtig gewaltig! Die Olsenbande kommt nach Potsdam“ zu sehen ist. Im angeschlossenen Kino laufen während dieser Zeit immer ‘mal wieder Olsenbanden-Filme; Termine kann man dieser Broschüre entnehmen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Olsenbande fliegt über alle Berge (Olsen-Banden over alle bjerge)

    Kriminalkomödie, Teil 13 der Spielfilmreihe, DK 1981. Regie: Erik Balling. Drehbuch: Erik Balling, Henning Bahs. Mit: Ove Sprogøe (Egon Olsen), Morten Grunwald (Benny Frandsen), Poul Bundgaard (Kjeld Jensen), Kirsten Walther (Yvonne Jensen), Bjørn Watt-Boolsen (Bang-Johansen), Axel Strøbye (Kriminalkommissar Jensen), Ole Ernst (Kriminalbeamter Holm), Claus Ryskjær (Chef der Bodyguardfirma), Arlette Didier (Suzanne), Paul Hagen (Koch im Maxim’s) u.a. Synchronsprecher: Karl Heinz Oppel (Egon Olsen), Peter Dommisch (Benny), Erhard Köster (Kjeld), Helga Sasse (Yvonne) u.a. Eine Produktion der A/S Nordisk Films Kompagni. Uraufführung (DK): 26. Dezember 1981. Uraufführung (DDR): 17. August 1984.

    Zitat von Die Olsenbande fliegt über alle Berge (13)
    Der Koffer mit den brisanten Unterlagen über internationalen Waffenschmuggel ist der Olsenbande mehrfach durch die Lappen gegangen. Aus Sturheit und Rache am selbstzufriedenen Bang-Johansen will Egon sich der Dokumente jedoch unbedingt bemächtigen. Mehrere Vorhaben scheitern, bevor er beschließt, dem Saubermann zusammen mit Benny und Kjeld nach Paris nachzureisen. Tatsächlich gelingt es ihnen, sich mithilfe einer französischen Prostituierten und dänischer Bratensauce wieder in den Besitz der Papiere zu bringen. Stolz kehren die Diebe nach Kopenhagen zurück – doch die Dinge nehmen noch eine letzte unvorhergesehene Wendung ...


    Der zweite Film eines Mehrteilers steigt für gewöhnlich mit der Rückschau auf die Ereignisse des Vorgängerstreifens ein, und so handhabt es auch „Die Olsenbande fliegt über alle Berge“. In einem ungewöhnlichen Zusammenschnitt von beeindruckender Länge, bei dem man sich fragt, nach welchen Kriterien Erik Balling die betreffenden Szenen auswählte, geht es dort weiter, wo die „Planke“ aufgehört hatte und worum es ohnehin in jedem Olsenbandenfilm geht: die Wiederbeschaffung des roten Geldkoffers. „Alle Berge“ unterscheidet sich nur insofern von allen anderen Streichen, als Egon, Benny und Kjeld hier ja schon einmal vor Filmbeginn erfolgreich im Besitz der Diebesbeute waren, sodass man diesmal gleich mit diversen schieflaufenden Plänen einsteigen kann. Das raubt dem Film aber ein wenig die Vergnüglichkeit, weil ein nicht unwesentlicher Teil des Genusses darin besteht, sich über die Zwischenerfolge des Trios zu freuen. Egon heckt nun einen guten Plan nach dem anderen aus, ohne dass auch nur einer davon aufgehen würde – entsprechend fallen sie auch meist eine Nummer kleiner aus, als man gewohnt ist (ein Hubwagen der Stadtwerke ist noch das ausgefallenste Utensil, das zum Einsatz kommt).

    Recht großen Zeitaufwand betreibt der Film mit den Szenen im SAS-Hotel, in denen der Einfall mit der Frauenverkleidung aus „Die Olsenbande in der Klemme“ recycelt wird. Statt Kjeld schlüpft diesmal Egon („Egone“) persönlich in den Dress einer Reinemachfrau, begleitet von der schnippischen Yvonne, die ihm prompt mit ihrem Reinlichkeitsfimmel einen Strich durch die Rechnung macht. Kirsten Walther ist zwar ein integraler Bestandteil der Serie, der immer wieder zu wunderbaren Lachmomenten beiträgt, aber an den Plänen sollte Egon, wenn er auf die Erfolgskarte setzen will, statt ihrer Yvonne doch lieber seine Kumpanen beteiligen ... Schließlich geht es dann doch nach Paris, wo neben einigen schönen Sightseeing-Aufnahmen und Olsenbanden-Musikvariationen mit Akkordeon auch einige kurzweilige Diebesaktionen anstehen. Gern hätte man auf diese mehr Zeit und Aufmerksamkeit verwenden und sie noch elaborierter ausbauen können, anstatt den Schauplatzwechsel so lang hinauszuzögern.

    Gespalten war die Reaktion der Olsenbandenanhänger seit jeher über das Ende, das die Ganoven in diesem Film finden. Wie immer erweist sich das Schicksal besonders für Egon als unerbittlich: Von Kriminaler Holm gestellt, landet er – wie zu Beginn des 12. Teils angekündigt – diesmal nicht im Gefängnis, sondern in der Abteilung für Geisteskranke, wo er bis zum „wirklich allerletzten Streich“ im Jahr 1998 sein Dasein fristet. Benny, Kjeld und Yvonne haben es besser und kommen (eher durch einen glücklichen Zufall als durch wirkliches Können) zu ihren Milliönchen. Auch alle anderen Fäden werden sauber aufgewickelt; lediglich der Umstand, dass es kurz vor Schluss zum allerersten Mal in der Serie regnet, deutet darauf hin, dass sich die Abenteuer der kultigen Figuren einem langfristigen Ende entgegenneigen. Wenn es nach den Kinozuschauern gegangen wäre, hätte man den Abschluss wohl noch eine ganze Weile hinauszögern dürfen ...



    In seinem letzten Aufbäumen gegen die Sicherungsverwahrung für Schwachsinnige hätte man Egon Olsen ein glücklicheres Händchen (und einen umfangreicheren Ausflug nach Paris) gewünscht. Die wunderbare Kirsten Walther erhält endlich einmal die Möglichkeit, selbst kriminell aufzutrumpfen. „Die Olsenbande fliegt über alle Berge“ spielt nicht ganz auf dem Niveau einer sauce impériale, aber ein solider (vorläufiger) Serienabschluss. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Olsenbande fliegt über die Planke (Olsen-Bandens flugt over plankeværket)

    Kriminalkomödie, Teil 12 der Spielfilmreihe, DK 1981. Regie: Erik Balling. Drehbuch: Erik Balling, Henning Bahs. Mit: Ove Sprogøe (Egon Olsen), Morten Grunwald (Benny Frandsen), Poul Bundgaard (Kjeld Jensen), Kirsten Walther (Yvonne Jensen), Bjørn Watt-Boolsen (Bang-Johansen), Holger Juul Hansen (Hallandsen), Ove Verner Hansen (das dumme Schwein), Axel Strøbye (Kriminalkommissar Jensen), Ole Ernst (Kriminalbeamter Holm), Tommy Kenter (Steinbrucharbeiter) u.a. Synchronsprecher: Karl Heinz Oppel (Egon Olsen), Peter Dommisch (Benny), Erhard Köster (Kjeld), Helga Sasse (Yvonne) u.a. Eine Produktion der A/S Nordisk Films Kompagni. Uraufführung (DK): 16. Oktober 1981. Uraufführung (DDR): 25. Mai 1984.

    Zitat von Die Olsenbande fliegt über die Planke (12)
    Egons Pläne sind gezählt: Noch ein finales Unterfangen soll den Bandenmitgliedern ein dauerhaftes Auskommen bescheren – ganz ohne Risiko und in einem bescheidenen Rahmen von fünf Millionen Kronen. Diese hat die Chefetage des Versicherungskonzerns Hoher Norden heimlich abgezweigt; sie lagern jetzt in einem roten Koffer in der Firmenzentrale. Schnell bringt sich die Olsenbande in den Besitz des wertvollen Gepäckstücks, doch da haben die Versicherungsbosse Bang-Johansen und Hallandsen schon das dumme Schwein auf Egon angesetzt. Der arme Ganove wird mitsamt seiner frischen Beute entführt und soll zunächst einem Steinmahlwerk, später einem Säurebehälter zum Opfer fallen. Denn was die Olsenbande zunächst nicht weiß: Der Koffer ist in Wahrheit sehr viel mehr wert ...


    Nachdem es im Herbst 1980 im Gegensatz zum gewohnten Rhythmus für die Dänen keinen neuen Olsenbandenfilm im Kino zu bestaunen gab, legte die Nordisk-Film zu ihrem 75-jährigen Betriebsjubiläum ein Jahr später gleich ein Doppelabenteuer vor. Mit einer Laufzeit von zusammen über drei Stunden schildern „Die Olsenbande fliegt über die Planke“ und „Die Olsenbande fliegt über alle Berge“ einen durchgehenden Plot, der das seit nunmehr 13 (nicht zwölf, wie Egon im Film behauptet) Jahren erprobte Schema auf doppelte Länge ausdehnt und damit einen ehrwürdigen Abschluss der ursprünglichen Filmreihe bildet. Erstaunlich harmonisch beginnt der erste Teil mit Egons Entlassung und den gespannten Gesichtern von Benny und Kjeld, die nicht schlecht staunen, als Egon verkündet, er wolle sich nach einem letzten Coup endlich zurückziehen – wie immer mit der wahnwitzigen Ankündigung, die Beute sei diesmal bombensicher und nichts könne schiefgehen. Auch glückt der Plan, eine Versicherungsfirma um veruntreute Gelder zu berauben, reibungslos; doch dann setzen die üblichen Schwierigkeiten ein ... Erik Balling gelang ein witziger Gag, indem er das Signet der Nordisk, den Eisbär auf der Weltkugel, als Logo für den filmischen Versicherungskonzern Hoher Norden fast unverändert übernahm. Vor Selbstironie schreckten die Macher der Serie eben nie zurück.

    Besonderen Unterhaltungswert zieht der Film diesmal aus den Versuchen des dummen Schweins, Egon zu beseitigen. Der Gewohnheitsgegner geht diesmal ungewohnt rabiat zu Werke, was zu herrlichen Verquickungen führt, in denen das Olsenbanden-Team seine Erfahrung bzgl. der perfekten Verbrechenschoreografie unter Beweis stellt. Während der erste Anschlag im Steinbruch einen durchweg erheiternden Charakter aufweist, präsentiert sich der zweite Plan wesentlich düsterer. Die Säurefabrik, in der Egons Leben jäh enden soll, ist ein heruntergekommenes, fauchendes, ätzende Dämpfe und Flüssigkeiten ausspeiendes Ungetüm, das neben der üblichen Belustigung mindestens ebensoviel echte Anspannung aufkommen lässt. Sie wurde in ein entsprechend unheimliches, nebelverhangenes Umfeld platziert, in dem die Straßen so klangvolle Bezeichnungen wie Arsenikweg, Salpeterkurve und Schwefelgrund tragen. Wie Egon gefesselt und geknebelt auf der Planke über dem Bottich mit der tödlichen Brühe sitzt, wird als einer der Serienhöhepunkte in Erinnerung bleiben.

    Bei der Polizei hat mittlerweile der langjährige Assistent Holm das Kommando übernommen und ist sogar mit dem Minister schon per Du, während sein ehemaliger Chef Jensen noch immer große Reden hält und dann vor dem Amtsträger kuscht. Auch wenn die Szenen mit Axel Strøbye und Ole Ernst schon immer eine ganze Spur zu albern waren, gehören sie und die mit unheilvollem Tusch untermalten Aufnahmen des bunkerartigen Kopenhagener Polizeipräsidiums ebenso zum wohlvertrauten Olsenbanden-Universum wie die vielen anderen wiederkehrenden Figuren und Eigenheiten. Auch spielt der örtliche Flughafen immer wieder eine wichtige Rolle – so auch hier, wo Kjeld in einem gewagten Manöver („Ich trau’ mich nicht!“) Hallandsen auf den letzten Metern Mantel und Koffer abnimmt. Bravo, Vati!



    Witze ohne Reue, Selbstkritik und eifriges Mitfiebern – die gewohnten Erfolgszutaten der Olsenbanden-Filme – funktionieren auch in diesem vorletzten „echten“ Serienbeitrag auf bestem Niveau. Glücklicherweise fliegt der versierte Egon weder von der noch über die Planke, sondern hält wacker der Bedrohung durch seinen Erzrivalen (Ove Verner Hansen) in einem atemberaubenden Finale stand. 5 von 5 Punkten.

  • Das Grauen kam aus dem Nebel (1970)Datum05.08.2018 13:35
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Aus purer Neugierde habe ich den Film jetzt auch endlich gesehen. Und er war ein Erlebnis – Tessari ist im Giallo-Bereich einfach immer die richtige Wahl. Vorausschicken sollte ich wahrscheinlich, dass ich den Film nicht in der deutschen Synchronfassung gesehen habe, die immer wieder für ihre flapsige Art kritisiert wird. In der vorliegenden Form fand ich ihn gar nicht abwertend, sondern sehr ergreifend.



    Das Grauen kam aus dem Nebel (La morte risale a ieri sera)

    Kriminalfilm, IT / BRD 1970. Regie: Duccio Tessari. Drehbuch: Biagio Proietti, Duccio Tessari, Artur Brauner (Romanvorlage „I Milanesi ammazzano a sabato“, 1969: Giorgio Scerbanenco). Mit: Frank Wolff (Duca Lamberti), Raf Vallone (Amanzio Berzaghi), Gabriele Tinti (Mascaranti), Gillian Bray (Donatella Berzaghi), Eva Renzi (Frau Lamberti), Gigi Rizzi (Salvatore), Beryl Cunningham (Herrero), Checco Rissone (Salvarsanti), Wilma Casagrande (Concetta), Marco Mariani (Franco Baronia) u.a. Uraufführung (IT): 5. September 1970. Uraufführung (BRD): 16. Juli 1971.

    Zitat von Das Grauen kam aus dem Nebel
    Signore Berzaghi ist völlig verzweifelt: Schon seit über einem Monat vermisst er seine 25-jährige Tochter Donatella – sie verschwand eines Tages spurlos aus der väterlichen Wohnung. Da Donatella geistig zurückgeblieben ist und sehr behütet aufwuchs, begegnet sie Fremden – vor allem Männern – mit einem kindlichen Urvertrauen. Berzaghi bittet Commissario Duca Lamberti, seine Tochter zu finden. Lamberti, ein altgedienter Pragmatiker im Polizeidienst, durchsucht mithilfe eines Mittelsmanns alle Bordelle in Mailand. Doch er kann das Schreckliche nicht verhindern: Eines Tages, nachdem mehrere Spuren ihn fast ans Ziel gebracht hätten, wird Donatella getötet. Ihr Vater schwört den Tätern Rache ...


    Nicht wie üblich mit Messermord und Blutverlust, sondern mit einem fast an Maigret-Stoffe erinnernden kleinen Drama im familiären Kreis entführt „Das Grauen kam aus dem Nebel“ seine Zuschauer bedächtig in die Unterwelt der norditalienischen Metropole Mailand. Der deutsche Titel ist sehr ungünstig gewählt, weil er bei Interessenten, die sich weniger mit dem Thema auskennen, zwangsläufig falsche Assoziationen erwecken muss. Duccio Tessaris Krimi geht sowohl der Nebel als auch jegliche Form von traditionellem Gruselgrauen ab, das stattdessen durch einen ungeschminkten Blick auf skrupellose Geldmacher und willfährige Erfüllungsgehilfinnen in Mailands Prostitutionsszene ersetzt wird. Auch hier offenbaren sich Abgründe, doch sie sind ganz anderer Art und bestimmt sogar noch verstörender als in einem Stoff, der sich weniger ernst oder realistisch ausnimmt.

    Gerade weil Tessari einen Tag-Nacht-Unterschied zwischen dem überbehüteten Aufwachsen der zurückgebliebenen Donatella und ihrem wahrscheinlichen Rotlicht-Verbleib deutlich macht, wirkt die Branche, in die man da zwangsläufig eintaucht, so brutal, rücksichtslos und ausbeuterisch. Nicht der geringste Gedanke an Moral oder Schonung durchkreuzt die Geldmaschinerie der oft edlen und entsprechend hochrangig frequentierten Frauenhäuser. Die Reaktion des besorgten Vaters ist entsprechend: Zunächst wird er von Sorge zerfressen und als diese dann bitterer Gewissheit weicht, beginnen Hassgedanken in Amanzio Berzaghi aufzubrodeln. Raf Vallone verleiht dem Vater ein nachhaltiges Gesicht, welches das Publikum ganz auf seine Seite zieht; er übertreibt und chargiert nie, wodurch feine Nuancen entstehen, die zum Beispiel auf seine Einsamkeit und den Verlust seiner Lebensaufgabe ohne die Pflege seiner Tochter hinweisen. Dies sind nur einige der ernsthaften Untertöne, die der Film anschlägt. Im Gegensatz zu den meisten Gialli, die allein Unterhaltungsanspruch haben, werden hier kritische Töne laut und soziale Schieflagen offen angesprochen. Die Nähe des Films zum gesellschaftskritischeren Poliziottesco macht sich hier positiv bemerkbar. Harter Polizeiarbeit werden ausführliche Szenen „im Milieu“ oder auch Besprechungen der Ermittlungszwischenstände auf der Meta-Ebene gegenübergestellt.

    Zitat von Dáire McNab: Death Occurred Last Night (1970), Giallo Reviews, 2017, Quelle
    The film covers ground similar to that which would later be covered by What Have They Done to Your Daughters? [„Der Tod trägt schwarzes Leder“, Anm. d. Aut.], namely the apparent statistic of ‘thousands’ of girls who went missing every year in 70s Italy. [...] Death Occurred also deals with mental illness and society’s willingness to banish anyone with such a condition to a hospital [...]. It touches on many other socially relevant issues – the struggle to survive for those less well-off; the lack of alternative options for young women once they get on the game; the secrets and omitted truths which exist in all households; the corruptibility of the human spirit. It even, through a series of conversations between Frank Wolff’s Inspector Lamberti and his photographer girlfriend, interrogates the position that art occupies in a downtrodden society as well as the need for and sense of existential futility of being a part of a police force.




    Der Gedanke, dass die Arbeit eines Polizisten in Anbetracht des Hydrakopfs der Unterwelt wenig ausrichtet, findet sich auch in den originalen Duca-Lamberti-Romanen von Giorgio Scerbanenco wieder. Der Autor beschert seinem Ermittler folglich ein zumeist von Desillusionierung geprägtes Auftreten und im Roman „Das Mädchen aus Mailand“ auch eine wenig schmeichelhafte äußerliche Beschreibung („ziemlich groß, ziemlich mager und mit einem ziemlich grimmigen Gesicht“, S. 109). In „Die Verratenen“ geht er dann noch einmal ausführlich auf die Plagen ein, die der Alltag eines Kriminalbeamten bereithält:

    Zitat von Giorgio Scerbanenco: Die Verratenen, Folio Verlag Wien / Bozen, 2018, S. 27
    Obwohl Duca kein Geld besaß, seine berufliche Laufbahn ein jähes Ende genommen hatte und er für seine Schwester und deren kleine Tochter sorgen musste, dachte er nicht etwa an seine eigenen Probleme und versuchte, so gut wie möglich über die Runden zu kommen, sondern ließ sich auf die aussichtsloseste Arbeit ein, die es gibt: die Arbeit des Polizeibeamten, und zwar des italienischen Polizeibeamten. Als englischer oder amerikanischer Polizist hätte er es vielleicht noch etwas besser gehabt, aber ein italienischer Polizist steckt immer nur ein und bekommt alles Mögliche ab: die fliegenden Steine streikender Demonstranten, die Kugeln und Messerstiche der Verbrecher, die bösen Worte seiner Mitbürger, das Brüllen seiner Vorgesetzten. Und das alles für eine Handvoll Lire.


    Neben der Figur des enttäuschten Vaters erweist sich die des Polizeiermittlers als die zweite ganz zentrale in „Das Grauen kam aus dem Nebel“. Umso wichtiger ihre treffsichere Besetzung mit Frank Wolff, einem amerikanischstämmigen Schauspieler, der fast nur in Italien drehte und dort in Italowestern und einigen Gialli in den späten 60ern und frühen 70ern große Popularität erlangte, bevor er 1971 Selbstmord beging. Wolff, dessen andere bedeutendste Krimi-Auftritte in Luciano Ercolis „Death Walks on High Heels“ sowie dem ebenfalls auf einem Scerbanenco-Stoff basierenden Gangsterfilm „Milano Kaliber 9“ zu finden sind, überträgt den uneitlen Weltschmerz, der dem Duca Lamberti der Bücher innewohnt, auf die Leinwand und zeigt damit mehr als den typischen Strahlemann-, aber auch ein facettenreicheres Bild als das des bloßen ausgelaugten Antihelden-Ermittlers. Sein Lamberti ist ein Mann der Tat, der auf erreichte Zwischenziele stolz ist, der aber auch genau um die Risiken seines Berufes weiß und sich keinen falschen Hoffnungen auf Happy Ends oder eine Verbesserung der Menschheit hingibt. Eva Renzi hat einen aufgrund des deutschen Produktionsanteils vielleicht etwas übergewichteten Auftritt als seine Freundin, die in längeren, aber erstaunlich substanziellen häuslichen Szenen Diskussionen mit ihm führt, ohne ihm wirklich zuzuhören.

    Feine Nebendarstellerleistungen rufen Gabriele Tinti als Kriminalassistent, der sich noch die Hörner abstoßen muss, und Gigi Rizzi als schmieriger Kontaktmann ab. Umstritten ist Gillian Brays Auftritt als Entführungs- und Mordopfer Donatella, doch aufgrund von Tessaris einfühlsamer Regie erwecken die geschickt mit der Haupthandlung verwobenen Rückblenden auf das private Glück der Berzaghis nie einen geschmacklosen oder überkandidelten Eindruck. Dass Donatella trotz ihres geistigen Entwicklungsstands auf dem Niveau einer Dreijährigen eine nymphomane Seite hat, erforderte der Zeitgeist der Umbruchsjahre, in denen Buch und Film entstanden. Tessari bleibt in seiner Inszenierung aber stets im Ungefähren, sodass sowohl Donatellas seltsamste Verhaltensweisen als auch das Martyrium vor ihrer Ermordung der Fantasie des Zuschauers überlassen bleiben (das wahre Grauen liegt sozusagen im Nebel).

    Dass sich dieses beherzte und bewegende Krimidrama mit der Zwangsprostitution einer geistig Behinderten auseinandersetzt, mag nach einem Exploitation-Abenteuer erster Güte klingen. Stilvoll und erschreckend zugleich präsentiert Duccio Tessari („Blutspur im Park“, „Der Mann ohne Gedächtnis“) jedoch ein verheerendes Soziogramm, in dessen Mittelpunkt ein verzweifelter Vater und ein pessimistischer Polizist stehen. Mit Raf Vallone und Frank Wolff wurden diese zwei Rollen so eindrucksvoll besetzt, dass 5 von 5 Punkten eine angemessene Würdigung darstellen.

    [ Weitere Besprechungen des Films finden sich in diesem Thread. ]

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