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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Im Rahmen einer mehrteiligen Filmreihe begrüße ich eine Neusynchronisation, die ein einheitliches akustisches Gesamtbild schafft.

    Zum Vergleich: Bei den Paul-Temple-Kinofilmen ragt "Jagd auf Z" als einziger Film mit 40er-Jahre-Synchro, die dann auch noch tlw. entstellend ist, aus diesem Gesamtbild doch deutlich heraus, weshalb eine Neusynchro zumindest als Alternative auf dieser Scheibe sehr gefreut hätte. Idealerweise hätte man diese Doppelschiene auch bei der "Frau ohne Kopf" fahren können, aber wenn der deutsche 40er-Jahre-Ton nicht mehr verfügbar ist, bleibt sowieso nur eine Möglichkeit.

  • Das Grauen kam aus dem Nebel (1970)Datum07.06.2018 22:20
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke für den interessanten Hinweis! Zwei Titel, "Das Mädchen aus Mailand" und "Die Verratenen" (beide kommen am 10. Juli), sind bereits bei den üblichen Anbietern gelistet. Wenngleich der Preis für Taschenbücher gesalzen ist, wirken die Cover und Inhaltsangaben doch sehr vielversprechend:


    Zitat von Giorgio Scerbanenco: Das Mädchen aus Mailand
    Das Mädchen aus Mailand: Duca Lamberti auf den Spuren eines skrupellosen Mädchenhändlerrings. Duca Lamberti hat keine Wahl: Er muss den Job annehmen, den Kommissar Carrua von der Mailänder Polizei ihm vermittelt. Wegen Sterbehilfe an einer todkranken Frau verurteilt und gerade aus dem Gefängnis entlassen, soll er sich um den Sohn eines neureichen Industriellen kümmern, der scheinbar grundlos zu trinken begonnen hat. Lamberti findet bald heraus, warum Davide im Alkohol Vergessen sucht: Er fühlt sich schuldig am Tod der kleinen Verkäuferin Alberta, mit der er gegen Bezahlung einen Abend verbracht hatte. Doch Lamberti glaubt nicht an die Selbstmordthese ...

    Zitat von Giorgio Scerbanenco: Die Verratenen
    Die Verratenen: Eines Abends bekommt Duca Lamberti bizarren Besuch: Ein gewisser Silvano bittet den ehemaligen Arzt darum, die Jungfräulichkeit einer jungen Frau wiederherzustellen, damit sie den ein ussreichen Metzger Brambilla heiraten kann. Als Lamberti den Vorfall der Polizei meldet, ergeben sich bald Verbindungen zu mehreren mysteriösen Todesfällen, die bislang als Unfälle in den Akten stehen. Das Netz der Verstrickungen reicht bis in die Zeiten der Partisanen zurück. Da taucht plötzlich eine junge Amerikanerin auf, die sich zu den Morden bekennt. Ihre Beichte stürzt Lamberti in einen Gewissenskonflikt ...


    Den alten Thread, den du hier ausgegraben hast, habe ich übrigens ins Giallo-Forum verschoben und um seine Off-Topic-Diskussion zu "Die weiße Spinne" und ihrem Epigonenstatus erleichtert, die zum Nachlesen hier zu finden ist.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Midnight Killer (Morirai a mezzanotte / You’ll Die at Midnight)

    Kriminalfilm, IT 1986. Regie: Lamberto Bava. Drehbuch: Dardano Sacchetti, Lamberto Bava (Story: Dardano Sacchetti). Mit: Paolo Malco (Inspektor Piero Terzi), Valeria d’Obici (Anna Berardi), Lara Wendel (Carol Terzi), Leonardo Treviglio (Nicola Levi), Barbara Scoppa (Sara Levi), Lea Martino (Gioia), Eliana Miglio (Monica), Dino Conti (Kriminalassistent), Marcello Modugno (Alberto), Peter Pitsch (Franco Tribbo) u.a. Uraufführung (IT): 3. Mai 1986. Uraufführung (BRD): Mai 1987.

    Zitat von Midnight Killer / Midnight Ripper
    Aus Eifersucht hätte Nicola Levi beinah seine untreue Ehefrau umgebracht. Den schmutzigen Job nimmt ihm jedoch ein unbekannter Killer ab. Nicola wendet sich vor Verzweiflung an die befreundete Polizeipsychologin Anna Berardi, die sofort Parallelen zu einem einige Jahre zurückliegenden Fall zieht. Der damalige Killer Franco Tribbo sei bereits tot, heißt es. Stimmt das wirklich? Nach Sara Levi fällt noch eine ganze Reihe weiterer Frauen dem Messermörder zum Opfer. Unter anderem scheint dieser es auch auf die Tochter des Inspektors Terzi abgesehen zu haben, die gerade eine Studienarbeit über den Fall Tribbo schreibt. In einem einsamen Hotel lauert der Mörder Carol Terzi und ihren Freundinnen auf ...


    Freilich wird es einem Krimi schwerfallen, nach siebzehn Jahren kontinuierlichen Giallo-Outputs der italienischen Filmbranche das Rad noch einmal neu zu erfinden, sodass Lamberto Bavas „Midnight Killer“ ohne Zweifel nicht der innovativste oder überraschendste Vertreter seiner Art sein wird, den man je gesehen hat. Das Mitraten um „Tribbos“ wahre Identität sowie das durch die zahlreichen Morde immer hohe Tempo machen jedoch gemeinsam mit den offenkundigen Anspielungen an bekannte frühere Filme von Argento oder Martino aus seinem 1986er-Werk eine unterhaltsame Angelegenheit, die auf jeder Giallo-Checkliste eine vorbildliche Punktzahl einfahren würde. Ohne Frage ist dies auch ein Verdienst des Drehbuchautors Dardano Sacchetti, der über die Jahre immer wieder die Vorlagen zu klassischen Genrevertretern schuf („Die neunschwänzige Katze“, „Im Blutrausch des Satans“, „Die sieben schwarzen Noten“, „Das Haus an der Friedhofsmauer“, „Der New-York-Ripper“). Hier lieferte er ein Drehbuch mit Liebhabercharakter, das Bava – nicht zuletzt durch seinen Vater, der ja ebenfalls in langer Giallo-Tradition stand – mit entsprechender Sicherheit umsetzte:

    Zitat von Antonio Bruschini, Antonio Tentori: Italian Giallo Movies, Profondo Rosso, Rom 2013, S. 130f
    The evidence seems to point at Franco Tribbo, a notorious psychopath who supposedly died in a fire, and Bava effectively suggests three possible explanations: the “ghost” of a ruthless murderer (as in the scene where he emerges from the fog like a phantom, looking for his latest victim), a fanatic and equally bloodthirsty copycat, or the real Franco Tribbo, who might still be alive. The situation gets even more complicated by the fact that the leading heroine is working on a thesis on the deceased psycho, under the guide of a female criminologist who’s convinced of Tribbo’s existence, leading reality and fantasy to overlap. Chilling atmospheric scenes and settings alternate with the more violent murders: the killer pursues and kills a woman in a deserted theatre, a natural history museum suddenly becomes menacing, a boutique becomes the setting of another murder, a morgue lab, a deserted beach in winter covered by fog … As with A Blade in the Dark, Bava uses shots of a knife thrusting into a door, terrorizing the victim on the other side. […] Visionary moments (the girl who dreams she is killed with a razor) are followed by realistic parts, inspired by true crime (the shred of human flesh in the cop’s pipe recalls the case of the “monster of Florence”).




    Während „Tribbo“ immer weitere Opfer fordert, findet Bava einen gesunden Mittelweg, mit dem Giallo-Störfaktor Polizei umzugehen. Einerseits mokiert er sich zwar über die chaotischen Zustände auf dem gerade umgezogenen Revier, in dem sich auch nicht die lebensnotwendigsten Utensilien finden lassen; andererseits stellt er der Behörde mit Paolo Malcos Inspektor Terzi einen stabilen und verlässlichen Charakter voran, der mit den korrupten, faulen oder dummen Ermittlern früherer Gialli wenig zu tun hat. Dass trotzdem Elemente der üblichen Zutaten (der bzgl. des ersten Mordes unschuldig Verdächtigte und die aus privatem Interesse nebenher ermittelnden Amateure) eingestreut werden, liegt vor allem daran, dass Bava die Spekulationen und Gefahrensituationen der eigenwilligen Polizeipsychologin und ihrer Schülerinnen in der zweiten Hälfte des Films immer deutlicher in den Mittelpunkt rückt. Das sorgt für zwei für Genreverhältnisse ausgesprochen vielseitige Frauenrollen, die von Valeria d’Obici und Lara Wendel couragiert dargestellt werden. Insbesondere Wendel sorgt für echten Nervenkitzel, da sie nicht dem üblichen Scream and Run-Ideal entspricht, sondern sich dem Killer mit mutigen und cleveren Einfällen entgegenstellt, als dieser sie nach der Ermordung ihrer Freundinnen durch das verlassene Hotel verfolgt.

    Interessant ist, dass Lamberto Bavas zweiter Beitrag zur gelben Serie sich von einem zentralen Prinzip seines Vorgängers recht deutlich verabschiedet: Stand in „A Blade in the Dark“ sogar noch mit titelgebender Bedeutung die unheilvolle Dunkelheit Pate für Gefahr und Gewalt, so finden die großen Angstszenen in „Midnight Killer“ kurioserweise (mit „mezzanotte“ ist es also letztlich nicht weit her) überwiegend am helllichtem Tage in vergleichsweise großzügiger Ausleuchtung statt. Bava gelingt auf diese Weise ein recht ansprechender Realismus, zumal er das in „Blade“ bereits wirkungsvoll eingesetzte Spiel mit den sich an der Wand abzeichnenden Schatten auch hier trotzdem mehrfach ohne Weiteres wiederholt. Während sich musikalisch in diesem Achtzigerkrimi wenig Herausragendes ereignet, überzeugt also die Kameraarbeit (Gianlorenzo Battaglia) wieder mit Gespür für Atmosphäre. Ebenfalls bemerkenswert erscheinen die teilweise gelungen modernen, teilweise zeitlos klassischen Kostüme von Oscar Capponi – ein ungewöhnliches Lob in Anbetracht eines Genres, bei dem es nicht selten eher ums gewaltvolle Ausziehen geht ...

    Auch wenn es der „Midnight Killer“ nicht ganz auf die Augenhöhe von „A Blade in the Dark“ schafft, so legte Lamberto Bava mit diesem Film dennoch einen ebenfalls sehr kurzweiligen und spannenden Krimistoff vor, der vom kritischen Betrachter als Rip-off angesehen werden mag, tatsächlich aber eher den Charakter einer Hommage an Giallo-Stereotype und einige konkrete Genre-Klassiker hat. Dementsprechend ist das Flair weniger eighties-lastig, als man vermuten müsste. Das Trio aus Malco, d’Obici und Wendel leistet überzeugende Arbeit. 4 von 5 Punkten.

  • In einer heißen Nacht (1994)Datum02.06.2018 20:15



    In einer heißen Nacht (De flat)

    Erotikthriller, NL 1994. Regie: Ben Verbong. Drehbuch: Jean van de Velde. Mit: Renée Soutendijk (Roos Hartman), Victor Löw (Eric Coenen), Hans Hoes (Jacques Posthuma), Jaimy Siebel (Davy), Mirjam de Rooij (Lidy van Oosterom), Leslie de Gruyter (Hennie van Oosterom), Guy Sonnen (Cees den Boer), Huib Rooymans (Erwin Nijkamp), Miguel Stigter (Marcel van der Kooy), Jacques Commandeur (Charles Uffingh) u.a. Uraufführung (NL): 21. April 1994. Uraufführung (BRD): Juni 1995. Eine Produktion von Meteor Film.

    Zitat von In einer heißen Nacht
    Ein anonymer Apartment-Block kann zu einem gefährlichen Ort werden – das bemerkt die Ärztin Roos Hartman, als sie in Begleitung des Nachbarn Eric Coenen ihre Bekannte bestialisch ermordet auffindet. Roos und Eric kommen einander näher und je mehr sich die alleinerziehende Mutter auf die Affäre mit dem undurchsichtigen Mann einlässt, desto stärker keimt in ihr der Verdacht, dass Eric selbst der Mörder sein könnte. Dennoch kann sie sich seiner Anziehungskraft nicht widersetzen – bis es zu einer faustdicken Überraschung kommt ...


    „In einer heißen Nacht“ liefert den in eine spannende Krimi-Handlung implementierten Beweis für den Umstand, dass eine sexuelle Abhängigkeit die eigentlichen Charakterzüge einer Person bemerkenswert verändern kann. Mit großer Sorgfalt wird Roos Hartman von Anfang an als eine verantwortungsvolle und aufrichtige Frau dargestellt, die in Trennung von ihrem zynischen Ehemann lebt, sich allein um den gemeinsamen Sohn Davy kümmert, als Ärztin auch außerhalb der Bereitschaftszeiten auf die Bedürfnisse ihrer Patienten eingeht und dabei neben medizinischen Diagnosen auch freundschaftliche Ratschläge bereitstellt. Als sie den deutlich jüngeren und weniger gefestigten Eric kennenlernt, verfällt sie mehr und mehr in ein Verhaltensmuster, das sie eigentlich verabscheut. Nicht nur tragen einige offenherzige Erotikszenen dazu bei, die Seriosität ihrer Figur vor den Augen des Zuschauers zu demontieren; auch verlegt sich Roos bei der Ausübung ihrer Lust auf Praktiken, die ihr vorher noch unvorstellbar und tadelnswert erschienen – so zum Beispiel, als sie der Prostituierten aus der Nachbarschaft anfangs Hilfe anbietet, weil diese sich von einem Freier misshandeln lässt. An ihre Worte „Liebe hat doch nichts mit Schlagen zu tun“ wird man sich später noch erinnern ...

    Die feindliche Stimmung der voneinander abgeschotteten kleinen Wohnungen, ihrer eigentümlichen Einwohner sowie unterschwellige Hinweise, die von Anfang an darauf hindeuten, dass Erics Absichten nicht ohne (kriminellen?) Eigennutz sind, sorgen durchgehend für eine Atmosphäre der Anspannung, die von Kameraführung und Musik zu veritablen Angstgefühlen verdichtet wird. Durch ihren Anrufbeantworter, das stets neue Hiobsbotschaften verkündende Radio, die ausgespähte Zahlenschloss-Kombination ihrer Wohnungstür sowie die naive Unbedarftheit ihres Sohnes liefern auch bald die eigenen vier Wände keine Abschottung mehr vor dem Eindringen der Außenwelt. Vielsagend ist es auch, dass man als Zuschauer, der durch Roos’ Augen blickt, den Schmeicheleien Erics zunehmend erliegt, während Davys kindliche Neugier in steigendem Maße als störend oder aufdringlich empfunden wird – obwohl dies die Intentionen der beiden Charaktere gründlich konterkariert. Dass es Ben Verbong gelingt, dieses „Denken mit der Hose statt dem Hirn“ von den Protagonisten auf das Publikum zu übertragen, legt beredtes Zeugnis über die Wirkkraft seines Films ab.

    „In einer heißen Nacht“ wird oft mit dem Hollywood-Erotikthriller „Sliver“ verglichen, der nur ein Jahr zuvor erschien und an dessen Szenen sich Verbongs Film stellenweise recht eng orientierte. Diese Parallele ist allerdings insofern mit Vorsicht zu genießen, als der US-Film mit Sharon Stone, William Baldwin und Tom Berenger bei der Verleihung der Goldenen Himbeere 1994 nicht weniger als siebenmal nominiert war. Dies auf eine Stufe mit dem durchaus nicht intellektuell wertvollen, aber grundsoliden, spannenden und sauber umgesetzten „In einer heißen Nacht“ zu stellen, ist gerade in Anbetracht der differenzierten Performance von Renée Soutendijk eine handfeste Provokation. Die Schauspielerin aus Den Haag, die dem hiesigen Publikum vor allem aus dem klaustrophobischen Aufzug-Thriller „Abwärts“ mit Götz George, Wolfgang Kieling und Hannes Jaenicke bekannt sein dürfte, wandelt als Roos Hartman geschickt auf der schmalen Linie zwischen engagiertem Sympathieträger-Spiel und der ihr abverlangten Offenherzigkeit und kompromittiert trotz verschiedener „Regelüberschreitungen“ ihren Charakter nie endgültig.

    Der Kriminalfall wirkt stellenweise ein wenig pflichtschuldig in die Geschichte integriert, weist aber dennoch genug faszinierende Aspekte auf, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers konstant zu wahren. Die Fragen, warum und durch wessen Hand vor einem Jahr Erics Frau starb und wie das jetztige Mordopfer mit ihm in Beziehung stand, liefern den perfekten Nährboden sowohl für nagende Zweifel als auch für selbstständige Nachforschungen, die Roos unter Ausnutzung ihres Insiderwissens und ihrer Bekanntschaften als Ärztin anstellt. Dass sie von der Polizei nicht viel Hilfe zu erwarten hat, wird aus persönlichen Gründen schnell klar, sodass die Weiterentwicklung des Films sich letztlich aus dem innerlichen Duell zwischen sexueller Anziehung und dem Drang, unvoreingenommen die Wahrheit zu erfahren, speist.

    Ben Verbongs „In einer heißen Nacht“ funktioniert gleichermaßen als packender Krimi und als unverhohlene Schilderung der Ausnutzung emotionaler und körperlicher Zuneigung. Darüber, welche Komponente die Oberhand gewinnen wird, ist man sich nie im Klaren, was eine starke Identifikation mit Renée Soutendijks überhöhter und dennoch glaubwürdig verkörperter Rolle zur Folge hat. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: Tod einer Zeugin

    Zitat von Der Kommissar: Tod einer Zeugin
    Hausmeister Seuke und der polizeibekannte Tunichtgut Wolfgang Karass werden vor der Tür der Edelprostituierten Erika Nagold Zeugen, wie in der Wohnung Schüsse abgegeben werden. Erika wird tot aufgefunden. Zunächst konzentriert sich die Mordkommission ganz auf Karass und dessen Bruder, weil sie die beiden für hinterlistige Erpresser hält. Doch auch die Kunden der Ermordeten könnten Grund haben, ihren Tod herbeizuführen. Als Schlüssel zur Lösung erweist sich der querschnittgelähmte Herr Höfer aus der Wohnung gegenüber, der seine Tage wachsam am Fenster zum Hof verbringt. Doch seine Aussage überrascht und verärgert den Kommissar ...


    Der Beitrag enthält leichte Spoiler.

    Die absolute Skurrilität, die man dem frühen Brynych gern pauschal bestätigt, bricht sich in der Folge „Tod einer Zeugin“ ungehindert Bahn. Natürlich ist dies dem Inhalt des eigentlich als ernsthafte Krimiserie konzipierten „Kommissars“ nicht unbedingt zuträglich – und in der Tat könnte man glauben, dass Herbert Reinecker sich im Vorfeld einen Monat freigenommen und Brynych das Skript selbst zusammengedengelt hat. Vermutlich sind jedoch die Freiheiten, die sich der Regisseur gegenüber dem Originaldrehbuch herausnahm, um der Geschichte seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken, für die verschiedenen Logiklücken und Popanzmomente verantwortlich. Man lässt sie allerdings wohlwollend über sich ergehen – gerade wenn man das Gebotene mit der vorherigen, bierernsten Folge „Der Papierblumenmörder“ vergleicht. Im Gegensatz zu Bonnies Hippie-Problemen darf man sich von „Tod einer Zeugin“ nämlich ohne lästige Hintergrundgedanken berieseln und stellenweise eben auch von Brynychs Einfallsreichtum beeindrucken lassen. Dazu zählen vor allem die abgefahrenen Gestalten von Wolfgang Karass und seinem Bruder Harro (für Götz-George-Fans ein Fest), das stellenweise völlig sinnbefreite Auftreten der Kripo (Drehsessel-Szene, Badezimmer-Szene, Bar-Szene, Kellers Wutausbruch) und der dauerhafte Einsatz jenes Herb-Alpert-Stücks, das von France Gall als „Zwei Apfelsinen im Haar“ vertont wurde. Auch diese besungene Version hätte ohne Weiteres zu „Tod einer Zeugin“ gepasst ...

    Vom handwerklichen Standpunkt aus betrachtet, liegt natürlich einiges im Argen: Die Leiche blinzelt und dreht sich zwischenzeitlich auf den Bauch, die Ermittlungen schleppen sich zumeist von Füllszene zu Füllszene und der Auflösung kann man eigentlich nur maximale Beliebigkeit attestieren. Doch Brynych wuchert in den Bereichen, die er beherrscht: dem Inszenerücken außerordentlich ansehnlicher Bildkompositionen und der Schauspielerführung. Vor allem Joseph Vinklar und Werner Bruhns spornt er zu einprägsamen Leistungen an, die (naheliegenderweise) von den körperlichen Defiziten der Charaktere und deren heimlichem Gieren nach Frischfleisch geprägt sind. Inwiefern das für den Fall nun sachdienlich von Bedeutung ist, sei großzügig dahingestellt; aber es formt einen insgesamt stimmigen Schwerpunkt. Auch die kecke Renate Roland setzt Brynych in diesem Zusammenhang wirkungsvoll in Szene, wenngleich sich deren darstellerisches Talent als ungefähr so überschaubar erweist wie der Bewegungsspielraum des Rollstuhlfahrers Herr Höfer. Ähnlich wie in „Parkplatz-Hyänen“ tut sich schließlich vor allem Walter als scheinbarer Brynych-Liebling mit markigen Auftritten hervor – der sonst so wohlerzogene und überlegte Pfeifenraucher legt unter böhmischer Ägide seine Zurückhaltung mit verblüffendem Mut zur Blamage ab. Da sieht man es: Stille Wasser sind tief!

    Der Trick mit dem Einsatz eines mit Schüssen bespielten Tonbands sorgt für einen spannenden Einstieg und erinnert an „Neues vom Hexer“ sowie die spätere „Kommissar“-Folge „Noch zehn Minuten zu leben“, funktioniert hier aber besser als unter Grädler 1975, weil „Tod einer Zeugin“ ohnehin eine recht realitätsferne, konstruierte Route einschlägt. Das erkennt man nicht zuletzt daran, wie Helga und Rehbein plötzlich Make-up und Frisuren richten, als die beiden schmierigen Karass-Brüder im Büro aufschlagen – ebenso wie Harros Kuchenfress-Orgie oder Wolfgangs Barbesuch im Schlafanzug ein Fremdschämmoment erster Güte. Oder wie das Publikum wetterte:

    Zitat von Karnevals-Kommissar, unbekannte TV-Zeitschrift, o.D., Quelle
    Meine Familie und ich sind uns nicht einig, ob das eine Faschingssendung sein sollte, eine Persiflage auf die eigene Sendung oder ob sie nur schlicht und einfach so schlecht war.


    Hirn aus, Augen auf – wer konventionelle Kost satt hat oder mit Brynych über Konventionen von TV-Krimis ablästern will, ist bei „Tod einer Zeugin“ perfekt aufgehoben. Wer jedoch einen vollwertigen „Kommissar“-Fall erwartet, wird enttäuscht werden. Auf halbem Wege zwischen verrückter Genialität und formalem Vollversagen pendelt sich der 16. Fall der Reihe als sonderbares Unikum ein.

    (3 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Walter Grabert und sein unfreiwilliger Ausflug in eine ohnehin schon voll besetzte Badewanne
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 82: Episode 16 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz. Unter Verdacht: Götz George, Werner Bruhns, Joseph Vinklar, Wolfgang Spier, Klaus Dahlen, Renate Roland, Hans Elwenspoek, Claudia Bethge u.a. Erstsendung: 6. Februar 1970.

  • Edgar-Wallace-SchauplätzeDatum27.05.2018 18:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    „Wallace made in Hamburg“ (Teil 6)

    Mein Hamburg-Besuch Ende März brachte auch wieder einige neue Drehorte vor die Kamera. Dabei lag der Schwerpunkt diesmal gar nicht auf Wallace, sondern auf den Vohrer-Produktionen „Sieben Tage Frist“ und „Perrak“. Dennoch habe ich mit @Marmstorfer zumindest einen echten Rialto-Schauplatz abgelichtet, der lange gesucht wurde:

    Das Gasthaus an der Themse

    Nicht nur wegen des markerschütternden „Hilfe“-Schreis der Passantin wird sich die Szene, in der der Wachmann des Juweliergeschäfts vom Hai harpuniert wird und in die leblos Schaufensterauslage fällt, ins Gedächtnis jedes Wallace-Fans eingebrannt haben. Wie zu erwarten, entstand diese Szene mitten in Hamburgs Innenstadt – genauer in den Hohen Bleichen, wo sich auch heute ein edles Ladengeschäft ans nächste reiht. Das Haus mit seinen markanten Bögen und Zierfiguren erkennt man sofort wieder, auch wenn man nicht mehr wie 1962 in den offenen Arkaden flanieren kann, weil diese mittlerweile geschlossen und der Geschäftsfläche zugeschlagen wurden. Angeboten werden dort mittlerweile hochwertige Lifestyle-Accessoires (Bilder). Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite lässt sich die Ecke, in der Kinski aus dem Schatten tritt, noch gut nachvollziehen.



    Wartezimmer zum Jenseits

    Unmittelbar nach dem Vorspann trifft Don Micklem (George) seine Tante Helen (Seeck) laut Off-Sprecher „am Museum“. Ein geschicktes Tarnmanöver, denn bei dem angeblichen Museum handelt es sich in Wahrheit um das Hanseatische Oberlandesgericht am Sievekingplatz. Der monumentale Bau von 1912 ist gegenüber dem Zustand von 1964 unverändert – sogar einschließlich der alten vierstelligen Hamburger Postleitzahl am Briefkasten. In der letzten Einstellung ist außerdem der Giebel des benachbarten Strafjustizgebäudes des Landgerichts zu sehen.



    Perrak

    Kommen wir zu „Perrak“: Alfred Vohrers Kiez-Krimi ist gewissermaßen eine Liebeserklärung an die zwielichtigen und abgeranzten Ecken Hamburgs im Jahr 1970. Das bedeutet leider, dass einige atmosphärische Schauplätze mittlerweile so nicht mehr erhalten sind (vor allem den Hinterhöfen ist es ordentlich an den Kragen gegangen), doch eine Auswahl an Drehorten ließ sich noch ablichten: Beginnen wir mit dem bereits aus „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ bekannten ehemaligen Polizeipräsidium, dem markanten Hochhaus am Berliner Tor. Seit 1962 war Perraks Büro darin zu finden, bevor das Präsidium 2001 an seinen heutigen Standort in Alsterdorf umzog. Die Zuwegungssituation zu den Fahrstühlen ist heute eine ganz andere, weil das ehemals offene Erdgeschoss umbaut wurde; gute Orientierung bieten aber die oberen Geschosse des Gebäudes, die Aufgänge des U-Bahnhofs Berliner Tor und einige Gebäude auf der anderen Straßenseite.



    Die „grauen Nonnen“ bewohnen ein Haus, das ebenso harmlos-gesittet aussieht wie auch der Name des Ordens klingt. Dass sich hinter der Fassade – zumindest im Film – ein pikantes Bordell verbirgt, wissen die heutigen Bewohner des repräsentativen Baus am Kopfende der Rainvilleterrasse sicher nicht.



    Die angesprochenen städtebaulichen Veränderungen seit 1970 sind am letzten Drehort ganz besonders deutlich zu bemerken: Von der damals aufgenommenen Bebauung am St. Pauli Fischmarkt steht heute fast nichts mehr – die Halle auf der elbzugewandten Seite ist in den Siebziger- oder Achtzigerjahren einer Staumauer gewichen, die den Häusern gegenüber Schutz vor Hochwasser bietet. Aber auch auf der Landseite steht nur noch ein Gebäude von damals, das Restaurant Fischerhaus, dessen ehemalige Ladefläche inzwischen auch umbaut wurde und für Restaurantbetrieb mitgenutzt wird.



    Sieben Tage Frist

    Für die Drehorte zu „Sieben Tage Frist“ muss man sich aus der Hansestadt herauswagen und eine Landpartie nach Schleswig-Holstein unternehmen. Das war für mich besonders einprägsam, weil die Temperaturen Ende März ebenso unwirtlich waren wie offensichtlich in „Sieben Tage Frist“, der Blick aus dem warmen Zugabteil aber immer wieder auf ganz leicht eingezuckerte idyllische Landschaften fiel. Zunächst fuhr ich in die Kleinstadt Tönning nahe der Eidermündung in die Nordsee. Das Städtchen wird auf einer beschaulichen Nebenbahnstrecke von Husum aus erreicht (die dann weiter nach St. Peter Ording führt – ebenfalls ein „Frist“-Drehort, der sich an diesem Tag aber nicht mehr unterbringen ließ). Der Innenhafen von Tönning zeugt von der Bedeutung, die das kleine Städtchen erlangte, als der Eiderkanal noch das damalige Pendant zum heutigen Nord-Ostsee-Kanal war und Hamburgs Hafen kurzzeitig von Napoleons Kontinentalsperre betroffen war. Heute geht es sehr beschaulich in Tönning zu; vor allem wenn man am Vormittag des Gründonnerstags dort aufschlägt (und sich die Stadt beim Bäcker am Markt versammelt; zugegeben, die Brötchen aus Wienerbrød sind allein schon die Reise wert).



    Gewissermaßen auf der anderen Seite des Bundeslandes, nämlich eher in Ostseenähe halbwegs zwischen Lübeck und Kiel befindet sich Plön, dessen Stadtbild von den zahlreichen Seen der Umgebung sowie dem hoch über der Stadt liegenden Schloss bestimmt wird. Das Schloss wird heute von der Fielmann-Stiftung genutzt, die dort nach einer umfassenden Sanierung des Objekts Optiker aus- und weiterbildet, aber auch sehr sehenswerte Schlossführungen anbietet. Bis 2001 war im damals deutlich heruntergekommeneren Schloss das Landesinternat Schleswig-Holsteins untergebracht, in dem 1969 die Filmcrew für „Sieben Tage Frist“ aufschlug. Wo sich einst Schülerumkleiden und -duschen befanden, ließ Fielmann einen eleganten Salon mit Gemälden und Konferenzschreibtisch wiederauferstehen. Der Hauptschauplatz des Films wurde damals in zahllosen Szenen in ein sehr atmosphärisches Licht gerückt – fast alle davon ließen sich bei meinem Besuch nachstellen. Eine wirklich beeindruckende Location, die man gesehen haben muss und für deren so fantastischen Erhalt man nur dankbar sein kann. Fahrt unbedingt nach Plön, Leute!




    Einige Einstellungen entstanden auch im Schlossgarten, der südlich und westlich des Schlosses ebenfalls über dem Plöner See thront.



    Unten am Seeufer liegt der ehemalige Internatsbahnhof, der heute als privates Wohnhaus genutzt wird, aber von der Uferpromenade aus gut zu sehen ist. Der eigentliche Stadtbahnhof liegt einige Meter weiter östlich, ebenfalls sehr sehenswert am Seeufer. Die Seepromenade, die zwischen Gleisen und Wasser verläuft, ist von der Stadt aus durch mehrere Tunnel erreichbar, bei denen großgewachsene Besucher aber ihre Köpfe einziehen müssen – tlw. haben sie nur 1,50 Meter Höhe.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: Parkplatz-Hyänen

    Zitat von Der Kommissar: Parkplatz-Hyänen
    Auf einem Autobahnrastplatz fallen Schüsse, als ein Reisender sich nicht so einfach von einer Bande maskierter Hitzköpfe ausrauben lassen will. Dummerweise bleibt das Nummernschild der sogenannten „Parkplatz-Hyänen“ am Tatort zurück, sodass es Kommissar Keller noch in der gleichen Nacht gelingt, mit Jürgen und Karl Boszilke die Hauptverdächtigen in Untersuchungshaft zu nehmen. Während diese auf dem Revier befragt werden, kommt es allerdings zu einem weiteren Überfall der „Hyänen“. Nun muss Kellers Team rasch arbeiten, denn Mutter Boszilke kann sehr unangenehm werden ...


    Bei allem Rabatz, den Zbynek Brynych auch in seiner vierten und letzten Arbeit für den „Kommissar“ veranstaltete, gelangen ihm mit den beiden Rastplatz-Überfällen zwei besondere atmosphärische Leckerbissen, die sich stimmig in eine anhaltende, ebenfalls düster-unwirkliche Grundstimmung einfügen – sein Blick für eine „spezielle“ Atmosphäre, der diesmal weder in Klamauk noch in totale Abgeranztheit ausartet, macht „Parkplatz-Hyänen“ zu seinem überzeugendsten Krimi der Reihe. Die mit Strumpfmasken, Pistolen und offenkundig heißblütigem Temperament ausgestatteten „Hyänen“ sorgen durchaus für Nervenkitzel, bevor die Folge in einem kuriosen, aber auch irgendwie anrührenden Hinterhof-Milieu versinkt, dessen WG-Charme an spätere ungewöhnliche Wohnungs-Zweckbündnisse aus Reinecker-Feder erinnert, wie z.B. in Derricks „Kaffee mit Beate“.

    Hauptbestandteil dieser WG ist mit den Boszilkes ein eingeschworener Clan von Vorbestraften und Nichtstuern, die durch Brynychs Linse gesehen ein sehr unterhaltsames Eigenleben entwickeln. An der Schuld der Söhne gibt es zunächst eigentlich keine Zweifel, da sich deren geistige Fähigkeiten in einem eng abgesteckten Rahmen bewegen. Erst eine spätere Wendung verleiht den Rollen von Werner Pochath und Fred Haltiner eine zweischneidige Qualität. Bei ihrer Entlassung erfreuen sie sich ausgiebig an der neugewonnenen Freiheit („Kein Karussell mehr. Wir hauen ab – ohne Mama!“), überhören dabei jedoch, dass im Hintergrund unheilschwanger Freddy Quinn seinen Seemannsschlager „Junge, komm bald wieder“ anstimmt. Frau Mama in Gestalt von Marianne Hoppe ist nämlich nicht so leicht abzuschütteln – obwohl Hoppe in ihren vier „Kommissar“-Auftritten immer wieder Mut zu unschmeichelhaftem Seelenstriptease unter Beweis stellte, darf sie hier besonders beeindruckend vom Leder ziehen. Als polizeifeindlicher Übermutterdrachen umklammert sie nicht nur ihren Nachwuchs bis in die U-Haft-Zellen hinein, sondern macht Keller und Co. für die Verhaftung ihrer beiden Sonnenscheine auch gebührend die Hölle heiß. Dies führt zu einigen abseitig humoresken Szenen in Kellers Büro, die oft von bestechend subversiver Art sind, manchmal aber auch einfach nur zum Grinsen, so zum Beispiel ihre handgreifliche Auseinandersetzung mit der armen Frau Rehbein, die einem in Generalin Boszilkes Gegenwart geradezu leid tun kann. Die infernalische Familie wird von niemand Geringerem als Johannes Heesters vervollständigt, der sich wohl auch nur über den Wandel der Film- und Fernsehbranche seit seiner großen Operettenfilmzeit gewundert haben kann. Wahlweise humpelnd oder Fußbad nehmend bläkt er mit polnischem Akzent durch die Wohnung, die darüber hinaus u.a. von einer stummen Eva Mattes, dem dauernd auf der Klampfe zupfenden Roul Fernandez und einem Mann, der sich mitten im Raum als Frisör verdingt, bevölkert wird ...

    Mit dieser Mischpoke hält Brynych genug Stoff zum Kopfschütteln und sich Wundern bereit. Ganz ähnlich seinem Konzept zu „Tod einer Zeugin“ wird das Gesamtbild jedoch auch durch eine Rolle mit Hang zu stiller, bemitleidenswerter Tragik komplettiert – was für die „Zeugin“ der querschnittgelähmte Herr Höfer war, ist für „Parkplatz-Hyänen“ die nicht weniger einsame Erika Kusat, die sich ernstlich in den undercover ermittelnden Walter verguckt, nur um aus allen Wolken zu fallen, als dieser sich ihr gegenüber als Polizist outet. Wie so oft für solche „Seelchen“-Rollen setzt Brynych Ida Krottendorf geschickt in Szene; dieser gelingt ein Spagat aus undurchsichtiger Kronzeugin und bemitleidenswerter alter Jungfer. Weniger überzeugend, da auf eine stumme Rolle angelegt, die in Anbetracht seines nicht besonders variablen Griesgramgesichts ziemlich einseitig ausfällt, ist schließlich Wirt Günther Neutze („wer nichts wird, wird Wirt“).

    Über sein Figurenfeuerwerk vergisst Brynych in „Parkplatz-Hyänen“ nie den eigentlichen Fokus, den Kriminalfall. Auch wenn einige seiner Kinkerlitzchen – so zum Beispiel das fast schon westernartige stumme Duell, das sich Herbert, Walter und Robert in Gierkes Kneipe mit deren Besitzer liefern – den Ablauf der Handlung ein wenig verzögern, so bleibt in der Folge doch immer genug Schwung drin, um leicht und angenehm ansehbar zu bleiben. Mit Tom Jones’ „Ghost Riders in the Sky“ wählte Brynych zudem einen entsprechend drängenden, vorwärtspreschenden Soundtrack, der einige schnapsselige Lücken zu überbrücken versteht. Leider entbehrt die Auflösung eines echten Überraschungsmoments, was aber durch eine solide Action-Konfrontation mit dem Täter ausgebügelt wird. Dies trägt auch dazu bei, dass der solide Spannungsrahmen um die brynych-typisch eher schwafelig geratene Folge zufriedenstellend geschlossen wird. Der prekäre Hausfrieden in der Boszilke-Butze ist damit wiederhergestellt ...

    Brynychs Wunsch, auf Teufel-komm-raus alles anders machen zu wollen als seine Regie-Kollegen, konnte in „Parkplatz-Hyänen“ in akzeptable Bahnen kanalisiert werden, die seinen Ausnahmestatus deutlich werden lassen, aber dennoch eine einigermaßen normale Entwicklung von Plot, Ermittlungen und Verdächtigungen ermöglichen. Was der Folge außerdem zugute kommt, ist die zumeist passgenaue Besetzung – vor allem Marianne Hoppe und Johannes Heesters ragen als Kuriosa heraus.

    (3,5 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Walter Grabert, der zum ersten Mal seit dem Fall Brynych wieder stottert
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 81: Episode 17 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Marianne Hoppe, Johannes Heesters, Werner Pochath, Fred Haltiner, Ida Krottendorf, Eva Mattes, Günther Neutze, Michael Jakubeck u.a. Erstsendung: 27. Februar 1970.

  • Kommissar MaigretDatum24.05.2018 21:36
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Interessant auch, dass der Regisseur Maurice Tourneur, der seit 1913 Filme drehte, der Vater des Hollywood-Spielleiters Jacques Tourneur ("Katzenmenschen", "Goldenes Gift") war.

  • Kommissar MaigretDatum24.05.2018 18:17
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der Titel erinnert an die Romane "Maigret und die kopflose Leiche" und "Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes" und steht damit in ganz guter Gesellschaft.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: Dr. Meinhardts trauriges Ende

    Zitat von Der Kommissar: Dr. Meinhardts trauriges Ende
    Jemand hat Dr. Meinhardt durch die Balkontür seines Schlafzimmers und über die Brüstung hinweg in den Tod gestoßen. Die Haushälterin kann nur wenige Angaben machen, denn sie war die Nacht über abwesend. Am Vorabend hatte sich der Doktor mit seinen Freunden Bibeina und Crantz getroffen, aber die Herren wollen schon vor dem Tatzeitpunkt nach Hause gegangen sein. Was war also der Grund für den fatalen Streit zwischen Meinhardt und seinem Mörder? Keller, Grabert und Heines kommen einen Schritt weiter, als sie erfahren, dass der Tote eine Beziehung zu einer blutjungen Frau unterhielt und sowohl sie als auch ihre Freunde aushielt ...


    In vielerlei Beziehung fühlt man sich an „Toter Mann im Regen“ erinnert, wenn sich in „Dr. Meinhardts trauriges Ende“ ein typischer Reinecker-Plot routiniert abwickelt – im etwas weiter abstrahierten Sinne kann man die Thematik des Herrn im dritten Frühling, dessen wiedererweckte Balzhormone seine Würde und soziale Stellung ausstechen, sogar als eines der omnipräsenten Serienleitmotiv bezeichnen (vgl. „Drei Tote reisen nach Wien“, „Rudek“, „Ein Mädchen nachts auf der Straße“ etc.). Neben dem Schauplatz und der Opferkonstellation verweist auch die Auflösung stark auf die von Wolfgang Becker inszenierte Erstlingsfolge – ein typischer Beleg dafür, wie Reinecker zwar nicht unbedingt Stoffe, aber konkrete Themen immer wieder aufs Neue aufgriff und nur in Details modifizierte. Auch anderweitig entspricht das „traurige Ende“ vielen Serientraditionen – vom schnellen Fund der Leiche über die Verdächtigenpersonalia, die zwei Generationen und Lebensentwürfe harsch aufeinandertreffen lassen, bis zu der Enttarnung des Täters im Kreise aller Verdächtigen. Umso willkommener bei inhaltlicher Durchschnittlichkeit – ja, man möchte fast sagen: Einfallslosigkeit – ist Michael Verhoevens Inszenierung, die sich von denen des „Kommissar“-Stammpersonals vor allem durch bildliche Dynamik abhebt. Der auffallend häufige Einsatz von Handkameras, aber auch der anderweitig immer in Bewegung bleibende Bildausschnitt suggeriert Dynamik auch dort, wo sie zwischenzeitlich inhaltlich verlorengeht. Verhoeven akzentuiert darüber hinaus sehr stimmig den Kontrast zwischen den verknöcherten Grünwaldlern und der heimtückischen Jugendgruppe, ohne dem Drang, mit allzu vielen Klischees oder Fingerzeigereien zu arbeiten, zu erliegen.

    Das „Kommissar“-Team agiert personell geschwächt, denn Harry ist für die Folge abwesend und der Kommissar postuliert gleich zu Beginn der Folge, er werde „die Jungs“ den Fall lösen lassen. Sein Versprechen, das mit seinem und Franziskas Hochzeitstag zusammenhängt, erfüllt er jedoch nur teilweise, denn während Walter Grabert tatsächlich einen größeren Part erhält, kann die alte Ode-Spürnase das Ermitteln doch nicht ganz abstellen – was dazu führt, dass der vergessliche Gatte fürs gemeinsame Abendessen aus dem Revier abgeholt werden muss und die Feier dann auch eher zu einer Reflexion des Meinhardt-Mordes gerät. In den Szenen, in denen es zwischen den Ehepaardarstellern eigentlich wenigstens unterschwellig funken sollte, lässt sich nicht viel Romantik bemerken, was von Verhoeven wie folgt erklärt wird:

    Zitat von Michael Verhoeven, Capella.Hooffacker.de, 13.06.2003, Quelle
    Diese Folge ist eine der wenigen Episoden, in der die Frau des Kommissars, Franziska Keller (Rosemarie Fendel), eine größere Rolle spielt. [...] Beim Dinner [mit ihr] fällt dann der Groschen, und der Kommissar lädt alle Beteiligten zu einem spätabendlichen Finale in die Meinhardtsche Villa vor. Auch Franziska Keller nimmt daran teil und fällt durch nölende, vorlaute Bemerkungen auf. Laut Verhoeven wurde damals mit Fendels Part noch experimentiert. Man dachte darüber nach, ihr größeres Gewicht zu geben und sie sogar einmal einen Fall lösen zu lassen. Allerdings war die Atmosphäre zwischen Erik Ode und Rosemarie Fendel nicht besonders gut, und das war vielleicht auch einer der Gründe, warum Franziska Kellers Part auslief.


    Eher getragen als von Fendel wird „Dr. Meinhardts trauriges Ende“ vom Schauspielerdreigestirn Luise Ullrich – Richard Münch – Michael Verhoeven. Während bei Ullrich zwischen vielen unsicheren Momenten gelegentlich erstaunliche Entschlossenheit durchblitzt, ist es bei Münch eher umgekehrt – er empfiehlt sich von Anfang an als Lügner und Unsympath, der Informationen zurückhält, um seine Haut zu retten. Ein Problem an „Dr. Meinhardts trauriges Ende“ ist, dass neben diesen übersättigten Platzhirschen (ergänzt wird die Runde von Karl John) auch die jugendlichen Taugenichtse (auch: Ilona Grübel, Monika Lundi, Christof Wackernagel) wenig Empathie zeigen und man deshalb kaum Anknüpfungspunkte an den Charakteren der Episode findet. Wenn am Ende der Abspann zur Musik von Improved Sound Ltd. läuft, beschleicht einen das Gefühl, hier soeben einen eher austauschbaren „Kommissar“ gesehen zu haben.

    Neben einigen Logikfehlern verhindert vor allem die wenig einfallsreiche Geschichte, dass „Dr. Meinhardts trauriges Ende“ bei den großen Fischen der „Kommissar“-Serie mitschwimmt. Verhoeven gelang ein anständiger, aber auch etwas oberflächlicher Krimi mit guter Besetzung, wobei der Fokus zugunsten der Vielschichtigkeit der Rollen gern vom Privatleben des Kommissars in Richtung der Gastdarsteller hätte verschoben werden dürfen.

    (3 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Walter Grabert nimmt seinem Chef zu dessen Hochzeitstag den Löwenanteil der Arbeit ab
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 80: Episode 18 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Michael Verhoeven. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Helma Seitz, Rosemarie Fendel. Unter Verdacht: Luise Ullrich, Richard Münch, Karl John, Ilona Grübel, Michael Verhoeven, Monika Lundi, Christof Wackernagel, Hanna Burgwitz u.a. Erstsendung: 13. März 1970.

  • Durbridge fürs KinoDatum24.05.2018 08:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Interessant ist die Nähe dieses Filmprojekts zu "Hotel der toten Gäste" (ebenfalls Music-House-Produktion, UA im März 1965). Hätte also durchaus eine hochwertige Produktion werden können. Schade, dass sie nicht - auf rechtlich seriösem Wege - zustandegekommen ist.

  • Dem Täter auf der Spur (1967-73, TV)Datum24.05.2018 08:09
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #79
    Leider Gottes ist die DVD-Edition ja schon länger vergriffen. Besteht eigentlich Hoffnung auf eine Neuauflage in näherer Zukunft?

    Deine Nachfrage hat prompt geholfen: Im August kommt eine Neuauflage von Pidax zum Schnäppchenpreis:
    https://www.pidax-film.de/Serien-Klassik...Spur::1364.html

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum23.05.2018 06:55
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Prima, ein neuer „Derrick“-Gucker. So kommt endlich wieder etwas frischer Wind in das Thema.

    Zitat von Ray im Beitrag #864
    Auch schleichen sich schnell überraschend schnell Wiederholungen ein. So treibt in Folge 5 bereits das zweite Mal ein Mann, der Frauen in Serie tötet, sein Unwesen. Auch bei "Stiftungsfest"/"Hoffmanns Höllenfahrt" ist der Tathergang fast identisch.

    Allgemeine thematische oder konkrete Hergangswiederholungen sind fester Bestandteil des Reinecker-Programms und beginnen nicht bei „Derrick“ und nicht beim „Kommissar“, sondern auch schon bei Wallace. Das hat durchaus seinen Charme, weil man so im Laufe der Serien verschiedene Seiten einer Medaille kennenlernt und auch eine enge Beziehung zu Reinecker als Autor entwickelt, wenn man erkennt, was seine bevorzugten Themen und Erzählstrukturen waren. Für mich ein reizvoller Aspekt, der die ZDF-Serien z.B. gegenüber den „zusammengewürfelten“ Stories des „Tatorts“ abhebt. Zudem zeigte Reinecker damit, wie geschickt man einzelne Krimimotive immer wieder variieren kann – was beim Betrachten von hunderten Folgen sowohl zu Ermüdungserscheinungen als auch immer wieder zu positiven Überraschungen führen kann. Beispiele für immer wiederkehrende Themen sind etwa Selbstjustiz, Drogenmissbrauch, Altherrenlust und Prostitution, Schutzgelderpressung, der Weg von Ex-Sträflingen in die Freiheit, die soziale Isolation von Rentnern, die Beeinflussbarkeit von Jugendlichen (insbesondere Studenten) oder allgemein die zunehmende Verrohung / Gewaltbereitschaft der Gesellschaft.
    Zitat von Ray im Beitrag #864
    Von den einzelnen Folgen hat mir trotz der angesprochenen Widerholung "Hoffmanns Höllenfahrt" am besten gefallen.

    Finde ich eine sehr ausgefallene Wahl, aber gerade deshalb sind neue Stimmen so interessant. Mit dem Rest deiner Top-3 kann ich gut mitgehen, obwohl eine Top-3 ohne „Waldweg“ (wenn auch knapp) schon recht gewagt ist. „Tod am Bahngleis“ auf dem letzten Platz überrascht mich ebenfalls.
    Zitat von Ray im Beitrag #864
    Allgemein bin ich mit Derrick gefühlt schon etwas wärmer geworden als mit Lowitz' Köster.

    Das sagt einiges, wenn man bedenkt, dass bei dir 15 „Derrick“-Folgen 47 gesichteten „Der Alte“-Episoden gegenüberstehen. Kann ich aber so nur unterstreichen. Derrick hat zu Beginn noch nicht sein später typisches Saubermann-Image, was den Zugang zur Figur aus heutiger Sicht erleichtert. Da sich die Entwicklung hin zum späteren Highbrow-Derrick aber schleichend vollzieht, kommt es nie zu einem Bruch des Charakters, der für mich immer eine perfekte Identifikationsfigur geblieben ist. Dazu trägt auch Wepper bei, der wie bei Ode auch hier den Balanceakt schafft, den Hauptermittler gut aussehen zu lassen und dennoch selbst sympathisch und engagiert zu wirken.
    Zitat von Ray im Beitrag #864
    An Gaststars beommt der Krimi-Nostalgiker Einiges geboten. In den ersten Folgen treten u.a. auf: ...

    Interessant finde ich, dass jemand wie du, der sich für alle möglichen Genres und Filmserien interessiert, immer so auf die altbewährten Darsteller achtet. Das geht mir bis auf einige persönliche Ausnahmen ziemlich ab; ich bin da viel eher bei Jan und halte die Regisseure für das wesentlich interessantere Auswahl- oder auch Gütekriterium (auch wenn Jan und ich dann bei der Beurteilung einzelner Regisseure im Speziellen oft eher nicht einer Meinung sind ). Einerseits liegt das daran, dass die Ringelmann-Krimis unabhängig von anderen Produktionen meist eine ganz eigene „Stammbesetzung“ haben – Darsteller, die immer wieder in ähnlichen Rollen auftauchen und die man dadurch entweder ins Herz schließt oder die einen bis aufs Blut nerven. Andererseits ist das vielleicht auch ein Grund, weshalb ich mit den Folgen bis in die 90er keine Berührungsängste habe, weil mir ziemlich egal ist, ob die Gastdarsteller schon bei Wallace oder in anderen forenrelevanten Bereichen zu sehen waren, solange sie nur ihre Arbeit gut machen.
    Zitat von Ray im Beitrag #864
    Interessanterweise ist die Bildqualität der einzelnen Folgen der von MORE auf DVD verlegten Edition wesentlich besser als beim "Alten", obwohl die Episoden noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben. Dafür gibt es keinerlei Extras und im Innendeckel gibt es nur Angaben zum Inhalt, dafür nicht zur Besetzung.

    Ab Box 2 ist immer ein Beiheft mit Angaben zu Cast und Crew enthalten. Dafür nimmt die Bildqualität dann auch deutlich ab (in Box 2 je nach Folge sehr unterschiedlich von grandiosem Erhaltungszustand bis halbvermodert; in Boxen 3 und 4 fast durchgängig ziemlich mau). Wäre interessant, zu erfahren, warum MORE unterschiedlich erhaltene Vorlagen nutzte bzw. warum diese beim ZDF in so wechselvoller Qualität lagern.
    Zitat von Ray im Beitrag #866
    ... in der Box in Sachen Nerv-Faktor nur durch die unfassbar penetrante Christiane Schröder in "Mitternachtsbus" übertroffen.

    Amen!

  • Spuren auf dem Mond (1975)Datum21.05.2018 19:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Spuren auf dem Mond (Le orme)

    Thriller, IT 1975. Regie und Drehbuch: Luigi Bazzoni, Mario Fanelli (Romanvorlage „Las Huellas“: Mario Fanelli). Mit: Florinda Bolkan (Alice Campos), Peter McEnery (Henry), Klaus Kinski (Professor Blackmann), Lila Kedrova (Mrs. Heim), Nicoletta Elmi (Paola Bersel), Caterina Boratto (Boutiquebesitzerin), John Karlsen (Alfredo Laurenti), Ida Galli (Mary), Miriam Acevedo (Vorgesetzte von Alice), Rosita Torosh (Marie Leblanche) u.a. Uraufführung (IT): 1. Februar 1975. Uraufführung (BRD): 4. Juni 1993.

    Zitat von Spuren auf dem Mond
    Hat die Übersetzerin Alice tatsächlich die letzten drei Tage verschlafen? Sie kann sich nur mehr an einen Alptraum erinnern, in dem ein Astronaut von seiner Raumfähre absichtlich allein auf dem Mond zurückgelassen wird. Als Alice wegen ihrer unerklärlichen Abwesenheit entlassen wird, folgt sie einer Spur auf die türkische Insel Garma. Bald stellt sich heraus, dass sie sich in den verlorenen Tagen dort aufgehalten, aber einen anderen Namen benutzt hat. Was wollte sie in Garma und warum kann sie sich nicht daran erinnern? Ein fantasievolles Mädchen, ein hilfsbereiter Mann und eine mysteriöse Dame helfen Alice, die Puzzlestücke zusammenzusetzen – mit fatalen Folgen ...


    Luigi Bazzoni und Mario Fanellis „Le orme“ ist ein kunstvoll gestalteter Thriller, der die in „Der Mann ohne Gedächtnis“ beschrittenen Pfade weiterspinnt und sich dabei noch weiter von den herkömmlichen Konventionen des Genres entfernt als Duccio Tessaris bereits hauptsächlich auf psychologischer Ebene funktionierender Film. Kein Mordrätsel wird in „Le orme“ untersucht – die Verwirrung, Furcht und Einsamkeit einer zweifelnden Frau sind alleiniger Antrieb der fragmenthaft wirkenden Handlung, die die Regisseure in ruhige, traumähnliche Bilder und elliptische Szenen gossen. Eher ein Kunstfilm als ein Gruselschocker, gewinnt „Le orme“ seine interessante Wirkung aus einer inhaltlich-perspektivischen Schere: Einerseits verfolgt der Zuschauer den gesamten Plot durch die Augen der Hauptfigur Alice; andererseits deutet eine zunehmende Anzahl von Anzeichen darauf hin, dass man Alices Erzählhaltung nicht ganz trauen kann, dass sie lückenhaft und sogar geheimnisbehaftet ist. Diesen Zwiespalt nutzt der Film in einer sich langsam steigernden Spirale ideal aus, was in einer immer düsterer werdenden Stimmung und einem niederschlagenden Finale von hoher Symbolkraft resultiert.

    Bei den immer wieder die aktuellen Ereignisse um Alice konterkarierenden Astronauten-Szenen handelt es sich nämlich mitnichten um verkappte Science Fiction-Einsprengsel und auch nicht, wie man zunächst vermuten mag, um das menschenverachtende Experiment eines wahnsinnigen Wissenschaftlers. Ein gestörter Geist enthüllt sich nach und nach an ganz anderer Stelle, was Alice Campos in einen zunehmenden Konflikt mit sich, ihren Helfern und ihren womöglichen Feinden bringt. Florinda Bolkan verleiht der Frau auf der Suche nach den vergessenen Tagen eine drängende Qualität, die ihre Darstellung verletzlich und hochsensibel macht. Anders als in anderen Filmen tritt sie mit modischer Kurzhaarfrisur auf, die sie herber und unnahbarer wirken lässt, was ihr in der Rolle sehr gut steht, zumal ihr Alter ego Nicole, das die Leute kurz zuvor in Garma gesehen haben wollen, mit wallender roter Mähne und weichem Make-up in eine sehr viel femininere Kerbe schlägt. Auch hinter diesem Hinweis verbirgt sich ein ganzes Universum an Implikationen – Bazzoni und Fanelli gelang eine wirklich absolut vielseitige und tiefsinnige Handlung, die das oberflächliche Blutvergießen anderer Italo-Krimis gekonnt in den Schatten stellt.



    Da Bolkan den gesamten Film gewissermaßen allein trägt, dominiert sie auch die allermeisten Kameraeinstellungen, wobei Vittorio Storaro („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) sie in perfektem Zusammenklang mit den Settings einfing – zunächst inmitten einer abweisenden Urbanität und später vor der melancholischen Weitläufigkeit einer Urlaubsinsel außerhalb der Touristensaison. Bolkan wird dabei häufig von übermenschlich großen Gebäuden oder Naturpanoramen förmlich erdrückt; unwirtliche Weiten verdeutlichen Unwirklichkeit, die Hemmung ihres Charakters sowie die zum Scheitern verurteilten Näherungsversuche von Nicoletta Elmi, Peter McEnery und Lila Kedrova. Elmis Kinderrolle gehört zu ihren besten Giallo-Auftritten und stellt erneut ihre natürliche Begabung für hintergründige, anspruchsvolle Parts unter Beweis. Während sich McEnery betont harmlos gibt, was gen Ende des Films für ein böses Erwachen sorgt, erinnert Kedrovas Darstellung einer geheimnisumwitterten Alleswisserin an ihren Part in „The Night Child“, wo sie ebenfalls in einem Film mit, aber weitgehend unabhängig von Elmi spielte.

    Der für deutsche Zuschauer interessante Klaus Kinski beschränkt sich gewissermaßen auf eine Gastrolle, die nur in wenigen kurzen Szenen in der Fantasie von Alice auftaucht, aber deren Bedrohlichkeit durch sein markantes Äußeres untermauert wird. Kinski passt gut in die „Traum-Rolle“ des bitterbösen Professors, der den Willen seiner Versuchsobjekte, welche er als Meerschweinchen bezeichnet, zu kontrollieren trachtet. Obgleich Alice darauf verweist, es handele sich um die Erinnerung an einen alten Film, wird mehr und mehr klar, dass diese Wahnvorstellungen ihrem eigenen Unterbewusstsein entspringen und Schlüssel zur Klimax von „Le orme“ sind. Würde der Film zu Anfang etwas weniger gestreckt wirken, hätte dieses faszinierende Konstrukt – zumal auch mit einer entsprechend wirkungsvollen Musik von Nicola Piovani ausgestattet – einen makellosen Psychothriller erlaubt.

    In Rom und Istanbul gedreht, verströmt „Le orme“ ein ganz eigenständig-eigenartiges Flair, das sich der Gewalt und Spannungsmache seiner Kollegen verweigert und gerade deshalb auf besondere Weise die Fantasie des Zuschauers anregt. Florinda Bolkans Alice erweckt Mitgefühl und Misstrauen zugleich und erweist sich als tragische Anti-Heldin, deren aufwühlendes Geheimnis sich jeder in Anbetracht des (halb-)offenen Endes selbst zusammenreimen kann. 4,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Interessant, dass diese Lücke nun geschlossen wird. Bislang war der Film ja wirklich recht obskur; er ist nicht einmal bei Filmportal.de gelistet - eine absolute Ausnahme bei deutschsprachigen Sechzigerjahrekrimis.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Francis Durbridge: Der elegante Dreh

    TV-Kriminalfilm, DDR 1979. Regie: Hanns Anselm Perten, Henry Riedel. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Max Faber. Mit: Christine van Santen (Patricia Harrison), Walter Faust (Brad Morris), Siegfried Kellermann (Inspector Lennox), Klaus-Martin Boestel (Alan Kyle), Thomas Weisgerber (Philip Harrison), Annelise Matschulat (Madge Harrison), Walter Kainz (Gerald Waddington), Günter Schiebe (Charles Verner) u.a. Erstsendung: 11. März 1979. Eine Produktion des Fernsehens der DDR.

    Zitat von Der elegante Dreh
    Von ihrer Reise nach Frankreich bringt die Innenarchitektin Patricia Harrison ihrem Vater ein Kitschgemälde ersten Ranges von einem seiner ehemaligen Schüler mit. Sie ist so gut gelaunt, dass ihr nicht einmal die Nachricht von einem Einbruch in der Wohnung eines Freunds oder der Streit mit ihrem Ehemann Philip den Tag verhagelt. Doch die Nacht hält weitere böse Überraschungen bereit: Auch ihr Haus wird von einem Einbrecher heimgesucht, den sie im Gefecht ersticht. Sie behauptet, es sei Selbstverteidigung gewesen, aber die Ermittlungen von Inspector Lennox ergeben, dass Patricia und der Ermordete einander aus Paris kannten ...


    Einerseits übernimmt „Der elegante Dreh“ das typische Durbridge-Strickmuster des unschuldig unter Verdacht geratenen Protagonisten, andererseits verpasst es ihm mit nur zwei Änderungen einen gehörigen Twist: Erstens ist die Beschuldigte diesmal eine Frau und zweitens hat Patricia Harrison wirklich einen Menschen getötet – aber eben aus Notwehr. Die Szene, die die Tat zeigt, bietet eine der wenigen Abwechslungen im dialoglastigen, gegenüber der Ein-Schauplatz-Theaterfassung komplett unveränderten Stück. Sie sticht mit ihrer düsteren Nachtatmosphäre und ihrer direkten Bedrohung aus einem sonst sehr gemächlichen, ja hausbackenen Krimi heraus. Und dennoch ist man nicht uneingeschränkt froh darüber, sie gesehen zu haben: Hätte man dem Publikum das nächtliche Geschehen nämlich vorenthalten, hätte die Spannung darüber, ob Patricia die Wahrheit spricht oder einen absichtlichen Mord begang, deutlich gesteigert werden können. In der vorliegenden Version hingegen weist „Der elegante Dreh“ zwar einen im wahrsten Sinne des Wortes eleganten Krimiplot auf, aber eben keine echte Spannung, weil die Ereignisse doch sehr ruhig und gleichförmig ablaufen.

    In einem solchen Fall kommt es auf die Darsteller an, die Gleichförmigkeit der Inszenierung aufzubrechen. Dies gelingt vor allem Christine van Santen, die als Hauptdarstellerin mit Witz und Selbstbewusstsein überzeugt. Ihre schnippischen Kommentare zeigen, dass sie keine Frau ist, die beschützt werden will, sondern die dem Inspector und dem Fall überhaupt mehr als gewachsen ist. Auch Walter Faust als ihr Vater und Thomas Weisgerber als ihr Ehemann wissen zu überzeugen, wenngleich die beiden ihren Rollen nichts Ungewöhnliches oder besonders Memorables entlocken können. Man muss wohl von „soliden“ Auftritten sprechen. Die übrigen Figuren hätten etwas persönlichere Färbungen vertragen können und bleiben – im Gegensatz zum aufdringlichen Bühnenbild – eher blass.

    Das Wohnzimmer der Innenarchitektin stellt für deren Broterwerb jedenfalls keine besonders seriöse Visitenkarte aus. Ausstatter Falk von Wangelin schlug hier deutlich über die Stränge und machte aus dem Farb-Krimi einen Bunt-Krimi, der in Fragen der Bauten nicht unbedingt von gutem Geschmack zeugt. Ähnlich sieht es auch mit Kostümen und Frisuren aus, wobei diese durchaus noch als passabel, wenn auch eigenwillig durchgehen. Eine gute Wahl traf man hingegen im Musik-Bereich. Während der Handlung sparte man sich wie bei solchen theaterartigen Filmen üblich eine Untermalung; die Beatles-Songs „With a Little Help from My Friends“ und „She’s Leaving Home“ schließen jedoch während Vor- und Abspann einen angemessenen Rahmen um den Krimi.

    Ganz kann „Der elegante Dreh“ seine DDR-Herkunft übrigens nicht verleugnen: Als über das kitschige Gemälde des Eiffelturms gesprochen wird, das im Mittelpunkt des Falles steht, stellt ein Bekannter die Frage: „Welcher Turm soll denn das sein? Pisa? Eiffel? Oder der Fernsehturm?“

    Ein Durbridge-Krimi für geduldige Zuschauer und Komplettisten. Inhaltlich werden die vom Namen des Autors geweckten Erwartungen noch erfüllt; inszenatorisch sollte man sich jedoch auf ein kreatives Minimum einstellen. Ein zumeist ganz ordentliches Theaterensemble in einer wenig ausgefeilten Umsetzung reicht für knappe 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018:
    Ergebnisse Wer weiß es? / Wer erkennt es?


    Abschließend möchte ich noch einen Überblick geben, wie die Teilnehmer des Gewinnspiels abgeschlossen haben. Georgs Buchveröffentlichung „Paul Temple: Die verschollenen Fälle“ als Siegerpreis war offenbar sehr verlockend, denn nicht nur hat die Mehrheit der teilnahmeberechtigten Werter Antworten auf die Fragen und Bildrätsel eingereicht; drei von ihnen haben sich außerdem als besonders findig erwiesen und konnten lückenlos alle Aufgaben korrekt lösen. Glückwunsch an diese wahren Durbridge-Experten, @Percy Lister, @brutus und @Humphrey Connery!


    Insgesamt können folgende Ergebnisse verbucht werden:

    Platz 1 (70 Punkte): Percy Lister, brutus, Humphrey Connery
    Platz 4 (62 Punkte): Jan
    Platz 5 (41 Punkte): Grabert
    Platz 6 (02 Punkte): Billyboy03

    Um herauszufinden, wer das Exemplar des Paul-Temple-Buchs erhält, musste im Stechen eine Schätzfrage beantwortet werden:

    „Der Andere“ war der erste Durbridge-Krimi, der fürs deutsche Fernsehen adaptiert wurde. Durbridge verkaufte vorab die TV-Rechte für den Stoff an den deutschen Sender. Wie viel Geld erhielt er damals dafür im Gegenzug (in Pfund)?

    Die korrekte Antwort könnt ihr hier in der originalen Eintragung der Summe in Durbridges Einnahmenbuch, bereitgestellt von @Georg, sehen: die halbe Gebühr betrug 171 Pfund, 15 Shilling. Die gesamte Summe lag folglich bei 343 Pfund, 10 Shilling. (Zur Orientierung: Wenn man die Preissteigerungen seit damals mit einberechnet, entspricht das in heutigen Größenordnungen ungefähr 7600 Pfund.)



    Antwort Humphrey Connery: 2200 Pfund
    Antwort Percy Lister: 2000 Pfund
    Antwort brutus: 825 Pfund

    Der Sieger ist @brutus, weil sein Tipp am nächsten an der tatsächlichen Summe lag.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Die Olsenbande ergibt sich nie (Olsen-Banden overgiver sig aldrig)

    Kriminalkomödie, Teil 11 der Spielfilmreihe, DK 1979. Regie: Erik Balling. Drehbuch: Erik Balling, Henning Bahs. Mit: Ove Sprogøe (Egon Olsen), Morten Grunwald (Benny Frandsen), Poul Bundgaard (Kjeld Jensen), Kirsten Walther (Yvonne Jensen), Axel Strøbye (Kriminalkommissar Jensen), Ole Ernst (Kriminalbeamter Holm), Peter Steen (Hallandsen), Bjørn Watt-Boolsen (Bang-Johansen), Ove Verner Hansen (das dumme Schwein), Jes Holtsø (Børge) u.a. Synchronsprecher: Karl Heinz Oppel (Egon Olsen), Peter Dommisch (Benny), Erhard Köster (Kjeld), Helga Sasse (Yvonne) u.a. Eine Produktion der A/S Nordisk Films Kompagni. Uraufführung (DK): 26. Dezember 1979. Uraufführung (DDR): 7. Januar 1983.

    Zitat von Die Olsenbande ergibt sich nie (11)
    Egon Olsen hat einen Weg gefunden, im Rahmen der Gesetze ein großes Vermögen zu machen. Mithilfe geschickter Manipulationen will er sich in den Besitz des großen Kaufhauses Magasin du Nord setzen. Dafür benötigt er geheime Dokumente, die die labile Wirtschaftslage des Konzerns belegen und unter strengstem Verschluss gehalten werden. Nachdem seine Kontaktmänner aber eher daran interessiert sind, Profite in ihre eigenen Taschen zu wirtschaften und sich ihres Geschäftspartners mithilfe rabiater Methoden zu entledigen, geht die Olsenbande zur nächsten Stufe ihres Plans über: Diesmal nehmen sie das Herz Europas, die Zentrale der Europäischen Gemeinschaft, ins Visier ...


    Nicht nur optisch merkt man den Darstellern des Olsenbanden-Trios die vergangenen elf Jahre seit Serienbeginn an; auch beruflich haben die Langfinger um Egon Olsen es immer schwerer, weil die potenziellen Opfer ihrer amüsanten Schandtaten ihre Valoren zunehmend nicht mehr in physischer Form hinter eine Franz-Jäger-Tresortür sperren, sondern lieber vollelektronisch verwalten. Aber auch die Diebe halten mit: In „Die Olsenbande ergibt sich nie“ bedienen sie sich – in Reihenfolge ansteigender Dreistigkeit – eines fahrtüchtigen Lego-Modells, eines Gabelstaplers und eines Panzers, um ihre Beutezüge durchzuführen. Diese betreffen im letzten Siebzigerjahrefilm besonders komplizierte Verquickungen von Politik und Weltwirtschaft, die Erik Balling und Henning Bahs in so bissiger Manier aufs Korn nehmen, dass man als Zuschauer bald den roten Faden verliert, der von den Finanzgeschäften des altbekannten Magnaten Bang-Johansen auf düsteren Wegen zur EG-Zentrale in Brüssel führt.

    Dass Egon, Benny und Kjeld nun auch außerhalb Dänemarks operieren, spiegelt die Suche der Reihe nach neuen Themen wider und wird auch in den kommenden Filmen aufgegriffen werden. Mit dem erweiterten Modus operandi geht einher, dass die Dänen sich nicht nur wie eh und je charmant über sich selbst lustig machen, sondern auch hämisch einen Blick in ein ähnlich possierliches Land – Belgien – werfen. Dabei gerät die Darstellung der EG-Wachen zwar ziemlich übertrieben und der Plan, den Koffer mithilfe eines Pornohefts und einer Gummipuppe (!) aus der videoüberwachten Kellerbox zu holen, lädt eher zum Fremdschämen ein; doch einige weniger alberne Spitzen (die redundanten vielsprachigen Beschriftungen oder der übereifrige Bombenalarm, den ein alleingelassener Tortenkarton auslöst) treffen voll ins Schwarze und belegen die bis heute anhaltende bürokratische Paranoia. Gerade in Anbetracht dieser Darstellungen wundert es jedenfalls nicht, dass man sich in der DDR nach den Olsenbanden-Filmen die Finger leckte, um gepflegt die Stilblüten des Westens auslachen zu können.

    Die übrigen Clous gestalten sich ausgesprochen raffiniert und steigern sich geschickt von Mal zu Mal in Aufwand und Wagemut. Allerdings steigt auch der Umfang der entsprechenden Szenen proportional an und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der 105 Minuten lange Film sich nicht so glatt abwickelt wie seine überaus gelungenen Vorgänger der Jahre 1974-78. Das recht abstrakte Handlungskonstrukt erschwert das Mitfiebern über eine so lange Zeit, sodass man den Eindruck gewinnt, eine Wendung weniger wäre auch ausreichend gewesen. Positiv zu vermerken ist jedoch die traditionelle Besetzung der Gastrollen, die neben den üblichen Verdächtigen auch Kjelds Spross Børge (Jes Holtsø) sowie den aus den ersten drei Filmen bekannten Peter Steen zurückbringt. Vera Gebuhr erhielt zudem eine herrliche Rolle als vom Putzfimmel befallene Ministergattin – bei den Dänen geht es eben nicht so schmutzig zu wie in Brüssel ...



    Weil sich die Olsenbande nie ergibt, setzt sie sich mit wachsendem Selbstbewusstsein gegen einen übermächtigen Gegner durch – das altbewährte Rezept wird in diesem Film vielleicht etwas zu weit ausgedehnt, überzeugt aber noch immer mit clever konstruierten Plänen und einem engagierten Team. 3,5 von 5 Punkten.

  • Afrika-RomaneDatum18.05.2018 18:20
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Edgar Wallace' Afrika-Erzählungen habe ich nur hin und wieder sehr sporadisch gelesen, weil mir die Krimis thematisch einfach näherliegen. Aber auch allgemein sind die Stories in Vergessenheit geraten, nachdem die Wallace-Filme zum überwiegenden Teil ja vor allem die gewohnten Krimi-Aspekte immer wieder aufs neue bestätig(t)en und die Wahrnehmung des britischen Kolonialismus sich im Laufe der Jahre doch recht deutlich geändert hat.

    Im Zuge eines Uni-Seminars zu Forschungsreisen in Afrika in der deutschen und englischen Literatur hatte ich vor etwa zwei Jahren die Gelegenheit, eine kurze Hausarbeit über die erste Geschichte aus dem Sammelband "Sanders of the River" zu schreiben. Wir scheinen uns diesbezüglich in unserer Wahrnehmung zu ähneln, wenn ich das mit deiner Einschätzung vergleiche.

    Für Interessierte die Links:

    "Imperialist Discourses in Edgar Wallace's The Education of the King"
    Originalgeschichte

  • Edgar Wallace, der TeetrinkerDatum18.05.2018 18:08
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die Stelle, die du meinst, habe ich noch nicht gefunden, dafür hier zwei andere Passagen aus der Margaret-Lane-Biografie, die Wallace' letzte Amerika-Reise und das Ableben des Autors betreffen:

    Zitat von Margaret Lane: Edgar Wallace - Das Leben eines Phänomens, Weltbild, Augsburg 2001, S. 431f
    Das [Beverly-Wilshire-Hotel in Los Angeles] war zwar bequem, aber kein Ort, an dem es sich angenehm arbeiten ließ, und noch schlimmer war, dass es unmöglich erschien, eine Tasse trinkbaren Tee zu bekommen. Der getreue Robert [Curtis] hatte versucht, diesem Mangel abzuhelfen, und war in die Teeküche hinuntergegangen, um ihn selbst aufzubrühen. Doch da Edgar zu jeder Tages- und Nachtzeit Tee verlangte, wurde dieses ungewöhnliche Vorgehen sehr bald nachdrücklich entmutigt.

    Zitat von Margaret Lane: Edgar Wallace - Das Leben eines Phänomens, Weltbild, Augsburg 2001, S. 442f
    Am folgenden Tag [...] verfiel Edgar in tiefe Bewusstlosigkeit, und die Spannen klaren Bewusstseins wurden immer seltener. In diesen Augenblicken schien er von dem Bedürfnis besessen zu sein, aus dem Bett aufzustehen. Die Todesangst stand ständig vor ihm, und er war von dem mitleiderregenden Wahn befallen, wenn er nur seine Pantoffeln und seinen Hausmantel anziehen und nur eine Tasse Tee trinken könne, würde es ihm bestimmt besser werden. Ihm zu Gefallen brachte Robert den Hausmantel und die Pantoffeln und zog sie ihm an, während er im Bett lag. Der Arzt, der vielleicht erkannt hatte, dass Edgar sich in einem Zustand befand, in dem ihm die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches nichts mehr schaden konnte, erlaubte Robert, die geflüsterte Bitte um eine Tasse Tee zu erfüllen. [...] Diese alltäglichen Dinge hatten ihn getröstet, und er fürchtete sich nicht mehr.

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