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  • DVD Tausch/VerkaufDatum01.09.2018 16:28
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bei mir steht wieder eine Box zum Verkauf, diesmal mit vier bekannten Filmen von Curd Jürgens aus den 1950er und frühen 1960er Jahren:

    - Des Teufels General
    - Schachnovelle
    - Der Schinderhannes
    - Teufel in Seide

    Das Angebot findet ihr unter https://www.ebay.de/itm/153162362312

  • Die Waffe, die Stunde, das Motiv (1972)Datum27.08.2018 13:09
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Mit dem Lesen scheinen es hier einige nicht so genau zu nehmen. Sonst wäre aufgefallen, dass in allen verlinkten und zitierten Definitionen, die ja völlig richtig und sinnvoll (und, ich nehme an, jedem Leser hinlänglich bekannt) sind, davon gesprochen wird, dass Giallo-Filme diese typischen Merkmale (über die keinerlei Dissens besteht) oft, häufig, in der Regel aufweisen. Im Klartext: Sie können in beliebiger Anzahl vorhanden sein, müssen aber nicht zwingend.

    Ich würde mich dann eben nicht hinstellen, wie Cäsar den Daumen heben oder senken und sagen: "Hier ist nur eins von sieben Merkmalen erfüllt; das kann kein Giallo sein." Solche Klassifizierungen anhand einer Strichliste von potentiellen, keinesfalls aber verpflichtenden Indizien sind eben individuelle und für meine persönlichen Begriffe - ich muss es so deutlich sagen - kleinkarierte Auslegungen einer breiter gefassten Definition, die den Sachgehalt der Definition von "sie beinhalten oft ..." in "sie müssen verfügen über ..." ändern. So beraubt man den Zuschauer der Verpflichtung, sich ein wirklich mündiges Urteil zu bilden, das vielmehr durch die Rezeption des Gesamteindrucks unter maßvoller Berücksichtigung von Genremerkmalen und Produktionshintergründen entsteht.

  • Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Zitat von Enrico Rosseni im Beitrag Gialli und Polizei- / Gangsterfilme aus Italien
    Body Puzzle
    → Ein gelungener Neo-Giallo, der ziemlich spannend geraten ist. Empfehlenswert!

    Dann wird es höchste Zeit, dass „Body Puzzle“ auch endlich seinen eigenen Thread erhält:



    Body Puzzle – Mit blutigen Grüßen (Body Puzzle / Misteria)

    Thriller, IT 1992. Regie: Lamberto Bava. Drehbuch: Bruce Martin, Lamberto Bava, Teodoro Agrimi (d.i. Teodoro Corrà) (Story: Teodoro Corrà, Domenico Paolella). Mit: Joanna Pacula (Tracy), Tomas Arana (Michele), François Montagut (Abe), Gianni Garko (Polizeichef), Erika Blanc (Dr. Corti), Matteo Gazzolo (Gigli), Susanna Javicoli (Mrs. Consorti), Bruno Corazzari (Professor Brusco), Ursula von Bächler (Katia Lelli), Giovanni Lombardo Radice (Morangi) u.a. Uraufführung (IT): 20. März 1992. Uraufführung (BRD): 6. April 1993.

    Zitat von Body Puzzle – Mit blutigen Grüßen
    Die junge Witwe Tracy ist entsetzt, als sie in ihrem Kühlschrank ein abgetrenntes menschliches Ohr findet. Ein Einbrecher, der einen Schlüssel zu ihrer Wohnung hatte, muss es dort platziert haben. Es gehört zum Leichnam eines Patisseurs, der am Vortag brutal getötet wurde und damit nur das erste Opfer einer ganzen Mordreihe darstellt. Zu allem Überfluss stahl der Killer in der Nacht auch die Leiche von Tracys Ehemann Abe aus dessen Grab. Der Verdacht des Ermittlers, der sich in Tracy verliebt, fällt auf Abes besten Freund Tim. Doch warum sollte Tim diese schrecklichen Taten begehen und was bewegt ihn dazu, die Ermordeten so auszunehmen wie seinerzeit Jack the Ripper?


    Als einer der spätesten Gialli von echtem Schrot und Korn verlegt „Body Puzzle“ das gelbe Krimiflair nicht nur in die frühen 1990er Jahre, sondern trotz stolzer Rom-Kulisse fast schon in ein räumliches Vakuum, das die internationale Vermarktbarkeit des Films in den Videotheken Europas und der USA beträchtlich steigern sollte. Auch wenn man Lamberto Bavas Filmfiguren auf den Campo di Verano, ins Cinecittà due oder vor den Eingang zum Giardino Biologico folgt, so tragen die Protagonisten doch amerikanische Namen, und natürlich war auch der Plot auf diejenigen Zuschauer zugeschnitten worden, die schon ganz an die Funktionsweise von US-Slasherfilmen gewohnt waren. Das bedeutet auch, dass man den Killer von Anfang an kennt und ihn unverhohlen bei seinen blutdurstigen, von klassischer Musik untermalten Ausflügen begleitet, die sich inhaltlich zwar sehr brutal anhören (er entfernt jeweils ein äußeres Körperteil, um es Tracy „darzubieten“, und entnimmt außerdem ein inneres Organ, mit dem er düstere Pläne verfolgt), in der tatsächlichen Umsetzung aber nicht an die Härte anderer Gialli heranreichen. Einige Momente wirken recht teuflisch, weil der offensichtlich geisteskranke Täter die Machtposition gegenüber seinen Opfern genüsslich auskostet (z.B. als er eine Frau auf einer öffentlichen Toilette überfällt) – Szenen, in denen man sieht, wie das Messer in den Körper eindringt, gibt es aber tatsächlich kaum, sodass auch zarter besaitete Zuschauer nicht in Ohnmacht fallen sollten.



    Auch wenn seine Identität (vermeintlich) klar ist, enthüllt „Body Puzzle“ die wahren Beweggründe des Killers nur zögerlich und gibt dem Ermittler Michele (Tomas Arana) so genügend Gelegenheiten zur intensiven Befragung von Tracy sowie zum Einholen anderer Informationen von Zeugen und Bekannten des Killers. Hierbei fallen vor allem Erika Blanc in einer gereiften Rolle als Psychiaterin, Bruno Corazzari als Klinikarzt sowie Giovanni Lombardo Radice als homosexueller Pferdewirt auf; auch Gianni Garko, der Michele als Vorgesetzter bissig zu Erfolgsmeldungen anhält, liefert Momente, die jeweils kurzfristig an frühere Filme des Genres erinnern. Das Hauptdarstellerpaar mit seinen Fönfrisuren steht dagegen ganz für die Gegenwart der beginnenden 1990er Jahre; Arana und Partnerin Joanna Pacula überzeugen als überarbeitete bzw. bedrohte Einzelgänger, die in den gemeinsamen Szenen mit Charme und Anstand umeinander scharwenzeln und offenbar überlegen, ob sie das abgedroschene Klischee der Ermittler-verliebt-sich-in-Zeugin-Erzählweise aus den Siebzigerjahrefilmen reaktivieren sollen. Sie tun es zögerlich, aber überzeugend – und doch lässt Polizist Michele die traumatisierte Tracy am Ende allein zurück.

    Offensichtlich mit großem Aufwand und auf hohem handwerklichen Niveau gedreht, führt „Body Puzzle“ den Zuschauer dank der kenntnisreichen Regie von Lamberto Bava und der ästhetischen Kameraführung von Luigi Kuveiller („Rosso – Die Farbe des Todes“) zu diversen Spannungshöhepunkten. Erwähnt seien nur die gelungene Rahmung des Films mit parallelen Szenen von Verkehrsunfällen, der bitterböse Mord an einer Blindenlehrerin „vor den Augen“ ihrer ahnungslosen Schüler, die versuchte Entführung einer Schwangeren aus dem Krankenhaus und eine eiskalte Überraschung in einer Tiefkühltruhe. Kaum eine Szene des Films zieht sich länger als nötig, immer wieder passieren neue Scheußlichkeiten oder werden Puzzleteile des Rätsels zusammengefügt; auf Atempausen muss man also weitgehend verzichten. Dass der Film und seine Handlung dennoch nicht restlos überzeugen, liegt an seinen massiven Verstößen gegen jede Wahrscheinlichkeitsrechnung. Man kann vielleicht nicht einmal so weit gehen, die Enthüllungen im letzten Viertel als unlogisch zu bezeichnen, aber erratbar und naheliegend waren sie andererseits auch keinesfalls. Man fühlt sich deshalb ein wenig von Bava verschaukelt, was den positiven Gesamteindruck ein wenig drückt, aber nicht genug der Ärgerlichkeit ist, um nicht auch die positiven Seiten eines Films würdigen zu können, der bis zum Schluss einen hochwertigen, wirklich fast amerikanischen Eindruck hinterlässt.

    Auch wenn man es nicht unbedingt mit einem zweiten Jack the Ripper zu tun bekommt, so steckt in François Montaguts erregter Mörderdarstellung doch so viel abgedrehte Perfidität, dass gehörige Angst um Joanna Paculas Tracy und die anderen Opfer entsteht. „Body Puzzle“ ist ein später und recht modern wirkender Giallo, dessen Edelatmosphäre sich ein wenig mit seiner unwahrscheinlichen Handlung beißt, den man aber als weiteren Könnensbeweis von Lamberto Bava gut und gern auf die Sichtungsliste setzen darf. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Jetzt habe ich den Film gesehen und muss eindeutig den Schilderungen von @Percy Lister und @Ray beipflichten. „Epilog“ ist ein faszinierender Film, der mich ungleich mehr gepackt hat als „Der dritte Mann“, auf den @Jan verweist. Der Vergleich mit „Mörderspiel“ ist ganz treffend – zwar sind beide Filme im Resultat völlig unterschiedlich, aber sie zeigen durch ihre Herangehensweise, wie man in der Nachkriegszeit dem alten Krimi bzw. Thriller ein modernes, unkonventionelles Gewand überstülpen konnte. Und gleichzeitig ist damit auch ganz gut beschrieben, auf welcher qualitativen Ebene wir uns bei „Epilog“ bewegen ...



    Epilog (Das Geheimnis der Orplid)

    Thriller, BRD 1950. Regie: Helmut Käutner. Drehbuch: Robert A. Stemmle, Helmut Käutner. Mit: Horst Caspar (Peter Zabel), Bettina Moissi (Leata), O.E. Hasse (Dr. Mannheim), Hans Leibelt (Kurt E. Beckmann), Irene von Meyendorff (Conchita), Hilde Hildebrand (Eleanor Hoopman), Fritz Kortner (P.L. Hoopman), Peter van Eyck (Stephan Lund), Hans-Christian Blech (Martin Jarzombeck), Carl Raddatz (Aldo Siano) u.a. Uraufführung: 7. September 1950. Eine Produktion der CCC-Filmkunst Berlin im Allianz-Filmverleih Frankfurt / Main.

    Zitat von Epilog (Das Geheimnis der Orplid)
    Ein eifriger Reporter deckt aus Zufall die Geschichte eines geplanten Attentats auf die verschwundene Yacht Orplid auf, auf der ein Waffenschieber von einem politischen Fanatiker und einem FBI-Agenten verfolgt wird. Mithilfe einer Überlebenden der Orplid rekonstruiert der Zeitungsmann die Todesfahrt des Schiffes, der Reisenden und der Besatzung. Nach und nach muss allen an Bord klar geworden sein, dass die Gesellschaft auf einer tickenden Bombe saß. Doch niemand der Anwesenden wusste, wo diese versteckt ist, nachdem sich der Attentäter abgesetzt hatte. Der Reporter bietet den in seinem Manuskript bis zum bitteren Ende geschilderten Bericht einer Zeitung an, die ihn als zu heißen und verwickelten Stoff ablehnt ...


    Vier Jahre liegt der Zweite Weltkrieg in der Vergangenheit, als die Orplid von Hamburg aus in Richtung Schottland ablegt. Und doch haben Friedensabkommen, internationale Zusammenarbeit und Entnazifizierung nicht zu einer Rundum-Sorglos-Gesellschaft geführt: Waffenfabrikanten und -händler, Attentäter mit radikaler politischer Gesinnung, verdeckte Agenten und Biedermänner, unter deren Frackwesten sich zumindest noch die Geisteshaltung einer SS-Uniform versteckt, belasten nach wie vor die Geschicke der Völker und geben sich auf diesem Schiff wie in einem eigenen Mikrokosmos gegenseitig die Klinke in die Hand. Auch wenn sie ihre schmutzigen Geschäfte unter dem Deckmantel einer Hochzeitsgesellschaft abwickeln, so durchbricht kein Lachen von Frischvermählten die maliziöse Stimmung. Vielmehr ähneln die Schurken und ihre Entourage in ihrer angespannten Lauerhaltung einem Verbrechersyndikat, dessen Mitglieder zu einem unbestimmten, aber ausweglosen Tode verurteilt wurden.

    Bevor man diese „reizenden“ Persönlichkeiten kennenlernt, vergeht zunächst eine Viertelstunde – Helmut Käutners Versuch, den Zuschauer sich zunächst mit einem Reporter verbrüdern zu lassen, welcher die Vorfälle in einer großen Rückblende aufwickelt. Bevor es soweit ist, begleiten wir Peter Zabel in subjektiver Sichtweise – quasi durch seine Augen hindurch – beim Einholen jener Informationen, die aus dem Verschwinden der Orplid ein noch unerklärlicheres Rätsel formen. In dokumentarischem Stil greift Käutner hier auf ein teilweise untertiteltes Sprachengemisch sowie auf Techniken zurück, wie sie später typischerweise bei Jürgen Rolands „Stahlnetz“ eingesetzt werden. Umso erstaunter sind wir, wenn Zabel in Gestalt von Horst Caspar dann auch vor die Kamera tritt und die Funktion eines allwissenden Erzählers einnimmt, der die Vorfälle detailreich rekonstruiert. „Mir geht es um die Wahrheit“, verteidigt Zabel sein Enthüllungsmanuskript gegenüber einem herablassenden Redakteur – eine interessante Äußerung aus dem Munde des Darstellers Horst Caspar, dessen letzte große filmische Überzeugungsrede die des Generalfeldmarschall Gneisenau zur Verteidigung von Kolberg gegen Napoleon im gleichnamigen Kriegsdurchhalteepos von 1943/44 gewesen war. An dieser Stelle transzendiert die Filmhandlung von den unsauber abgeschnittenen Zöpfen des alten Regimes, die unbestraft ihre gleichen alten Tätigkeiten fortsetzen, auf einmal aus dem Bereich der wilden Fiktion ins beängstigend Reale.



    Caspar bleibt aber, wenn er auch den Takt vorgibt, nur eine darstellerische Randerscheinung in einem exzellent besetzten Film. Vor allem die Reisenden auf der Orplid prägen sich als markante Charaktere trotz ihrer vergleichbaren Vielzahl tief ins Gedächtnis des Zuschauers ein. Während der Großteil der Gesellschaft auf Veranlassung des Waffenschmugglers Hoopman an Bord ist, nehmen Peter van Eyck als Steward (und FBI-Spitzel) sowie Carl Raddatz als Pianist (und politischer Extremist) Außenseiterrollen ein, die einander aufmerksam umschleichen und wie in einem anhaltenden Katz-und-Maus-Spiel ihre Kräfte – bzw. die ihrer Auftraggeber und Hintergrundorganisationen – miteinander messen. Fritz Kortner als Hoopman und Irene von Meyendorff als Braut Conchita spielen wie von einem anderen Stern; an ihren starken Persönlichkeiten beißen sich Hilde Hildebrand, Hans-Christian Blech und Arno Assmann in teilweise melodramatischen, teilweise ernstlich erschütternden Szenen die Zähne aus. Mitleid empfindet man vor allem für das Malaienmädchen Leata, das einem Spielball in den Händen der anderen Anwesenden gleicht und es in einer ironischen Wende des Schicksals eben dieser Harmlosigkeit verdankt, die Fahrt mit der Orplid als einzige bis zum Ende anwesende Person (auf ungeklärte Weise) überleben zu dürfen. Bettina Moissi – offenbar eine Favoritin von Helmut Käutner und als solche bereits in „In jenen Tagen“ und „Der Apfel ist ab“ zu sehen gewesen – gelingen als stummer Tatzeugin einige Gänsehautmomente, die sich nicht zuletzt auf ihr mysteriöses, leidendes Äußeres stützen.

    Im Gegensatz zur Großzahl der anderen deutschen Filme gehen Eindruck und Bedeutung von „Epilog“ über das explizit Gesagte weit hinaus. Die Handlung gestaltet sich so fantastisch und verwickelt, dass sie gut daran tut, nicht jedes aufgeworfene Rätsel bis ins Kleinste auszuleuchten. Dass Fragen offenbleiben, sich beim Zuschauer ein bruchstückhafter, ja stellenweise auch unbefriedigender Eindruck einstellt, wird von Käutner auf kunstvolle Weise von einem Formfehler zu einem Stilmittel weiterentwickelt. Manche Momente haben eher allegorische als unmittelbar inhaltlich sinnvolle Qualitäten, drehen sich um Schuld und Sühne der jüngsten Vergangenheit, um die Unverbesserlichkeit des Menschen und um die Unmöglichkeit, dem selbst geschaufelten Grab zu entgehen. So entpuppt sich „Epilog“ als düsteres Filmwerk, als pessimistische Zeitkritik am Neuanfang nach 1945 und bei der Seriosität aller dieser Anliegen zugleich als effektiver Thriller, der sich nicht scheut, vom Wirkeffekt reißerischer Sensationen zu profitieren. Kommt das bekannt vor? Ja, aus der amerikanischen schwarzen Serie, die auch optisch von Käutner und Kameramann Werner Krien einfallsreich evoziert wird.

    Zitat von Ekkehard Knörer: Es kommt zu Hauen und Stechen, taz., 19. März 2015, Quelle
    Helmut Käutner hat sich bei diesem Film ausdrücklich nicht als Künstler begriffen, er wollte nur gutes Handwerk abliefern. Das ist sehr gut so, denn künstlerisch hieß bei ihm schnell mal verschmockt. Und verschmockt ist hier nichts. Epilog ist illusionslos, fast schon noir, dabei auf engem Raum virtuos inszeniert. Am Ende schließt sich im Paternoster der Kreis: Die Binnenhandlung attackiert die Rahmenerzählung. Gut aus geht es hier wie da nicht.


    Ein einsames Schiff, eine Gruppe Todgeweihter und ein Reporter, der diese furiose Geschichte aufwickelt und dadurch selbst in Gefahr gerät – die Zutaten von „Epilog“ könnten auch die eines spekulativen Abenteuerstreifens sein. Dank des vor und hinter der Kamera versammelten Talents sowie des Anspruchs, einen packenden Noir mit Zeitkritik abzuliefern, wird dem packenden Unterhaltungswert des Films auch eine atmosphärische Dichte zur Seite gestellt, die ihresgleichen sucht und 5 von 5 Punkten wert ist.

    PS: Eine ausführliche Lektüre zu „Epilog“ bietet das Buch „Framing the Fifties: Cinema in a Divided Germany“. Dort befasst sich ein ganzes Kapitel (S. 59-73) von Yogini Joglekar mit dem Käutner-Film und ordnet diesen als antidetective-Krimi ein. Wer Interesse hat, kann bei Google Books hineinlesen. Ebenfalls lohnenswert die Analyse von Matthias Merkelbach auf seiner fantastischen Seite „der Film Noir“.

  • Die Waffe, die Stunde, das Motiv (1972)Datum26.08.2018 14:56
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Würde ich Havis Kommentare noch ernst nehmen, so müsste ich mich wirklich fragen, wo ich hier gelandet bin. "Die Waffe, die Stunde, das Motiv" als Giallo zu verstehen, ist kein faktischer Fehler, vor dem gewarnt werden muss, sondern gängiger Konsens, der von der Strichliste, was nach Georgs individueller Genredefinition hier angeblich alles fehlt, keineswegs widerlegt wird. Eher sollte man einmal nachhaken, ob es nicht faktisch falsch ist, Argentos und Dallamanos Filmmachart der Jahre 1969-1975 als einzige Schablone dafür, was Giallo sein und haben muss, anzulegen. Nicht überall wird das Genre nämlich wie hier aus naheliegender Gewohnheit so einseitig von den Konventionen der späten Edgar- und Bryan-Edgar-Wallace-Filmen her aufgezäumt.

    Wenn man sich Koch Medias erste Giallo-Box anschaut, könnte man bei "Femina Ridens" ja womöglich noch eine Diskussion zum Giallo-Gehalt anstoßen, aber es hier zu tun, ist einfach nur albern.

  • Top Job – Diamantenraub in Rio (1967)Datum24.08.2018 18:59
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die deutschen Produktionsanteile dürften sich abseits einer finanziellen Beteiligung der Constantin in engen Grenzen gehalten haben. Wenn man den Drehstab hinter der Kamera betrachtet, findet man dort keine deutschen Namen. Und sowohl Hoffmann als auch Kinski traten damals mehrfach sogar in rein italienischen Produktionen auf.

  • Das dritte Auge (1966)Datum24.08.2018 17:36
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Vielen Dank für den informativen Bericht! Die Querverweise auf "Psycho" sind ja nun nichts Seltenes, aber immer vielversprechend. Da ich Franco Nero sehr schätze, steht "Das dritte Auge" nun auch bei mir weit oben auf der Sichtungsliste. Er scheint hier den Beschreibungen nach eine Rolle abbekommen zu haben, die seinen späteren deutlich entgegensteht.

    Der Film wäre aber wirklich 'mal ein Kandidat für eine gewissenhafte Neuauswertung, denn die DVD von E-M-S, die dann unverändert nochmal von Carol Media aufgelegt wurde, enthält nur eine gekürzte Fassung mit ausschließlich deutschem Ton. Das geht besser!

  • Die Waffe, die Stunde, das Motiv (1972)Datum24.08.2018 17:27
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich denke, so einfach kann man sich die Erklärung für das schlechte Abschneiden von "Waffe / Stunde / Motiv" auch nicht machen. Verallgemeinert würde das schließlich bedeuten, dass reinrassige Gialli prinzipiell gut und Filme, die von Schema F abweichen, schlecht ankommen. Gut, eine gewisse Enttäuschung oder ein Fremdeln der Genre-Fans mag damals mitgeschwungen haben, aber das erklärt sicher nicht alles. "Giallo-Faktor" war damals schließlich nur eine von sieben verschiedenen Wertungskategorien und sogar eine, bei der der Film eine seiner "besseren" Platzierungen landen konnte. Man sieht insgesamt, dass die Wertungen für alle Kategorien mies ausfallen, dem Film also unabhängig von seiner Zählung zum Genre eine elegante Regieführung, eine spannende Geschichte sowie überzeugende Darsteller und Instrumentierung fehlen. Ich würde daher behaupten: Er hätte auch in einer anderen Veranstaltung, in der er sich nicht mit "Handschuhe" oder "Stecknadel" messen muss, nicht besser abgeschnitten, weil er in so ziemlich jeder Beziehung eine Gurke ist.

    Generell finde ich es eher grenzwertig, sich an superengen Genredefinitionen entlangzuhangeln und bei gewissen Verstößen gleich zu postulieren "Du gehörst nicht dazu" - gerade beim Giallo, der so vielfältig sein kann, dass wahnsinniger Handschuhmörder, Messer, Tier, Farbe und Blutbeutel nicht immer zwangsläufig nötig sind. Das sieht auch die Literatur so: "Die Waffe, die Stunde, das Motiv" wird sowohl im Buch von Bruschini & Tentori als auch in dem von Bruschini & Piselli behandelt; im erstgenannten sogar mit dem zugegeben abenteuerlichen Kommentar: "Francesco Mazzei's The Weapon, the Hour & the Motive (1973 [sic!]) also follows a similar path as Argento-style thrillers."

  • Top Job – Diamantenraub in Rio (1967)Datum24.08.2018 17:06
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #4
    Mich wundert, dass zu diesem exzellenten dt.-ital.-span. Heist-Movie mit grandioser Besetzung und tollem Soundtrack noch gar keine Besprechung vorliegt ... dann mal los ...

    In der Tat gab es noch keinen Thread zu "Top Job" - sehr verwunderlich. Ich habe wenigstens ein paar versprengte ältere Kommentare im "Welche DVD"-Topic gefunden und sie deinem Review vorangestellt. Liest sich wirklich alles sehr positiv. Da mir "Top Job" dank Filmjuwelen nun auch seit einigen Monaten vorliegt, nehme ich es als Anregung, die DVD bei Gelegenheit auch einmal zur Hand zu nehmen und mich von diesem Film überzeugen zu lassen. Danke für den Tipp!

  • Wallace & Blu-rayDatum23.08.2018 18:25
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Wer die Blurays einfach des Preises wegen nicht kauft, kann u.U. hier ein Schnäppchen machen:
    https://www.ebay.de/itm/Edgar-Wallace-Bl...EU/263893278069

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum19.08.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Sanfter Schrecken: Tödliches Blau

    Episode 4 des TV-Kriminalkrimis, BRD 1976/77. Regie und Drehbuch: Alfred Weidenmann (Vorlage „Deadly Shade of Blue“, 1962: Jack Sharkey). Mit: O.E. Hasse (Lord Sherwood), Willy Semmelrogge (sein Diener Shamley), Evelyn Opela (Lady Anita Sherwood), Rainer Rudolph (ihr Liebhaber), Friedrich Schönfelder (Butler) u.a. Erstsendung: 23. November 1977. Eine Produktion von Bertelsmann Fernseh-Produktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Sanfter Schrecken (4): Tödliches Blau
    Verbittert hat Lord Sherwood beschlossen, seine deutlich jüngere Ehefrau ins Jenseits zu befördern, weil diese ihn nur wegen seines Geldes geheiratet habe und nun eine Liebschaft pflege. Um nicht selbst unter Verdacht zu geraten, will er seinen Diener in den Wahnsinn treiben und alsdann als Erfüllungsgehilfen des Mordes missbrauchen. Lord Sherwood droht dem Bediensteten mit Entlassung, wenn er nicht einen völlig abstrusen Auftrag erfülle: die Entfernung jedes blauen Gegenstands aus dem gesamten Schloss. Schneller als gedacht verfängt der teuflische Plan und Diener Shamley wird zum mordlustigen Irren. Doch seine Aggressivität richtet sich auf ein anderes Ziel ...


    Weil eine simple Eifersuchtsgeschichte in einer Ehe, die einen beträchtlichen Altersunterschied überbrücken muss, für einen Krimi keine besonders ungewöhnliche Grundlage ist, führen Alfred Weidenmann und O.E. Hasse das Publikum in Windeseile in die Grundzüge des tödlichen Plans von Lord Sherwood ein. Danach verschwenkt die Aufmerksamkeit augenblicklich auf die ungewöhnlichen Nebenschauplätze, die diese Geschichte von anderen ihrer Art unterscheiden – die ausgeprägt klassische Note, die an Erzählungen aus der Frühzeit des Genres aus dem 19. Jahrhundert erinnert, und vor allem auf den Plan zur Unterjochung des Dieners Shamley. Gerade aufgrund der zielstrebigen und regelrecht despotischen Art des Lords, die O.E. Hasse mit einer militärischen Disziplin in Verhalten und Stimme umsetzt, wirkt die Abstrusität und scheinbare Nutzlosigkeit des Unterfangens, mit dem er seinen Diener betraut, so überraschend wie abstoßend. Die Gedankengänge, die hinter der Sisyphusarbeit stehen, jede blaue Färbung aus der Inneneinrichtung des Schlosses zu tilgen, erschließen sich dem Betrachter nicht, sodass aus der einfachen Mordgeschichte plötzlich eine unüberschaubare Parabel wird.

    Lord Sherwoods Berechnung geht dennoch auf – aufgrund der gedrängten Erzählweise im „Sanften Schrecken“ sogar schneller als vermutet. Trotz des übereilten Wandels des Dieners schafft es Willy Semmelrogge, diesen nicht zur Karikatur verkommen zu lassen und der Abschlussszene echte Wildheit zu verleihen. Ihrer Härte und Explizität dürfte die bis heute hohe Altersfreigabe der Mini-Serie geschuldet sein, die sich bis dato eher auf das indirekte, psychologische Grauen verließ. Billig wirkt der Gewaltausbruch aber auch deshalb nicht, weil er als großer Donnerschlag von der Gediegenheit seiner Umgebung aufgefangen wird. Fast wie in einer Mixtur verschiedenster Edgar-Wallace-Klassiker entstanden die Innen- und Außenaufnahmen dieses Teils am Schloss Tremsbüttel, am Jagdschloss Grunewald und im Schlosshotel des gleichen Stadtviertels. Die Aufnahmen schließen den Kreis zur Rahmenhandlung und es fühlt sich wieder wesentlich standesgemäßer an, Hasse in Gesellschaft von Roth, Schwarzkopf und Schmidt ums Feuer sitzen zu sehen als in jener der eher deplatzierten Evelyn Opela.

    Nicht nur mit hochgiftiger Blausäure, sondern auch auf anderen „blauen Wegen“ lässt sich ein Mordkomplott aushecken. Man sieht O.E. Hasse aufgrund seiner unhinterfragbaren Dominanz als ebenbürtigen Partner der vorherigen drei Geschichtenerzähler an, obwohl sein verwegener und nicht ganz nachvollziehbarer Plan im Gegensatz zu den andern schon schiefgeht, bevor er das beabsichtigte Opfer findet. Was die Geschichte zu wünschen übriglässt, wird hier durch eine hochherrschaftliche Atmosphäre im wehenden Herbstlaub wieder ausgebügelt. 3,5 von 5 Punkten.

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum19.08.2018 15:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Sanfter Schrecken: Der zweite Napoleon

    Episode 3 des TV-Kriminalkrimis, BRD 1976/77. Regie und Drehbuch: Alfred Weidenmann (Vorlage „The Man Who Looked Like Napoleon“, 1961: Robert Bloch). Mit: Peer Schmidt (Herr Braumüller), Wolfgang Wahl (Psychiater Dr. Gordon), Christiane Rücker (Sekretärin), Rainer Basedow (Streifenpolizist) u.a. Erstsendung: 23. November 1977. Eine Produktion von Bertelsmann Fernseh-Produktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Sanfter Schrecken (3): Der zweite Napoleon
    Herr Braumüller fährt mit dem Bus zum Psychiater, weil seine Ehefrau ihn hingeschickt hat. Er selbst beurteilt die Situation jedoch völlig anders: Als Reinkarnation von Napoleon Bonaparte stehe ihm eine royale Behandlung zu und jeder, der nicht an seine Geistesverwandtschaft mit dem berühmten Korsen glaubt, sei ein Spion oder ein Vorbote Nelsons und Gneisenaus. Herrn Braumüllers Behandlung macht leider keine Fortschritte – im Gegenteil: Sein Größenwahn nimmt immer bedrohlichere Formen an. Schließlich gesteht der Wahnsinnige den Mord an seiner Frau und bedroht auch das Leben des Arztes ...


    Als Autor von „Psycho“ genießt Robert Bloch Weltruhm, doch seine Erzählung „Der zweite Napoleon“ ist von der Überzeugungskraft der berühmten Filmvorlage weit entfernt. Dabei beschäftigen sich beide Stoffe mit Charakteren, deren Geist nicht mehr in normalen Bahnen verläuft und deren Drang, in eine andere Haut zu schlüpfen, in ihnen mörderische Tendenzen weckt. Im Gegensatz zu Norman Bates geht von Herrn Braumüller aber für den Zuschauer keine knisternde Bedrohung aus, die über die geladenen Kolts in seinen Händen hinausgeht – zu simpel ist die willkürliche „Ich bin halt jemand anderer“-Rhetorik dieser Figur gestrickt. Da hätte auch eine andere Besetzung vermutlich wenig geholfen, wenngleich Peer Schmidt von den vier Hauptdarstellern der „Sanfter Schrecken“-Episoden der am wenigsten spannende und schillernde gewesen sein dürfte. Immerhin funktioniert er gut im Zusammenspiel mit Wolfgang Wahl, der als Psychiater entspannter und weniger gekünstelt wirkt als das Klischee, das man mit diesem Berufsstand in Film und Fernsehen verbindet.

    Die Episode bricht im Stil deutlich mit den anderen drei Geschichten, spielt als einzige in Deutschland (genauer gesagt am zumindest namentlich recht passenden Kaiserdamm in Berlin), bringt als einzige in Gestalt von Sekretärin Christiane Rücker ein komödiantisches Moment ein und versäumt es auch als einzige, die Schrecken des Mordes für den Zuschauer greifbar zu machen. Im sicheren Gewissen, dass er hier nicht das Ei des Kolumbus gefunden hatte, räumte Weidenmann diesem Teil dann auch nur reichlich 10 Minuten Spielzeit ein, die für Schmidts Napoleon-Abenteuer mehr als genügen, wohingegen man den anderen drei Erzählungen mit ihrer mysteriösen, unheimlichen Atmosphäre auch gern noch länger beigewohnt hätte, obwohl diese schon deutlich umfangreicher gerieten (Roth 17 Minuten, Schwarzkopf 21, Hasse 18).

    Diese eher dröge Geschichte mag sich nicht recht entscheiden, ob sie mit ihrer eigenen Kuriosität prahlen oder wie aus dem Alltagsleben eines Psychiaters gegriffen wirken soll. Letztlich verunglückt sie auf dem Mittelwege und lässt Peer Schmidt in Napoleon-Montur albern und profan aussehen, wenngleich sich der Mime alle Mühe gibt, die historisch überlieferte Bestimmtheit des Herrschers auf sein Spiel zu übertragen. 3 von 5 Punkten.

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum18.08.2018 21:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Sanfter Schrecken: Spezialität des Hauses

    Episode 2 des TV-Kriminalkrimis, BRD 1976/77. Regie und Drehbuch: Alfred Weidenmann (Vorlage „The Speciality of the House“, 1948: Stanley Ellin). Mit: Klaus Schwarzkopf (Mr. Laffler), Detlev Eckstein (Mr. Costain), Ferdy Mayne (Restaurantbesitzer Sbirro) u.a. Erstsendung: 23. November 1977. Eine Produktion von Bertelsmann Fernseh-Produktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Sanfter Schrecken (2): Spezialität des Hauses
    Seinen treuen Angestellten Costain lädt der kauzige Unternehmer Laffler regelmäßig zu eleganten Abendessen ein. Die beiden einsamen Männer schätzen gehobene Küche und bekommen diese im exklusiven Lokal des geheimniskrämerischen Mr. Sbirro serviert. Vor allem von der Spezialität des Hauses schwärmt Laffler – es handele sich um das besonders seltene, vom Aussterben bedrohte Lamm Ämirstan. Was Sbirro seinen Gästen nicht verrät: Kein einziges Weidetier musste bisher für die erlesenen Filetstücke sterben ...


    Die älteste Kurzgeschichtenvorlage der „Sanfter Schrecken“-Sammlung entstand kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs – zu einer Zeit also, als lukullischer Saus und Braus noch großer Luxus und in einer Zeit des Mangels und Verzichts schwer auf die Beine zu stellen war. Die entsprechenden Zweifel, wie das mysteriöse Lokal Sbirro’s seine exklusiven Speisen und Spezialitäten auf die Tische zaubern kann, gehen in Alfred Weidenmanns gutbürgerlicher Verfilmung ein wenig unter, die aber stattdessen mit einem konstanten Flair der Unsicherheit und Bedrohung punktet. Dieses geht einerseits vom Prinzip des Serienformats aus, dass man als Zuschauer von Anfang an weiß, dass der Protagonist Mr. Laffler sterben wird; andererseits wird es aber auch von Ferdy Maynes wahrhaft diabolischen Auftritten als offenkundig wahnsinniger Restaurantchef getragen. Sbirro übt eine dauerhafte Überwachung, ja Erziehung seiner Gäste zur Demut ihm gegenüber aus und lässt sein Personal in ehrfürchtiger Angst vor ihm und seinem ungesehenen Küchenmeister schweben.

    Mr. Laffler ahnt bis zum Ende nicht, dass er bald im wahrsten Sinne des Wortes den Löffel abgeben muss und schwärmt in den höchsten Tönen vom todbringenden Lokal. Dieses verlegte Weidenmann aus Manhattan in einen stimmigen nebelverhangenen einsamen Hinterhof, hinter dessen eher nach Dienstboteneingang aussehender Tür sich ein regelrechter Tempel der Gelüste eröffnet. Dass Setgestalter Götz Heymann ein Gemälde von Alfred Hitchcock direkt hinter Lafflers Stammtisch aufhing, ist noch ein harmloser Gimmick, wenn man die letztliche Perversion der Geschichte bedenkt, die absolut eindeutig ist, obwohl sie nie offen ausgesprochen wird. Ähnlich doppelbödig gestaltete Klaus Schwarzkopf seine Interaktion mit Filmpartner Detlev Eckstein, der von ihm ebenso wie von Ferdy Mayne mit gierigen Augen, engem Griff am Arm und wehmütigen Hinweisen auf dessen vergängliche Jugend umzirzt wird. Ein sehr düsterer Fall, der von seinen Innuendos lebt.

    Bei seinen kulinarischen Entdeckungen strebt der kultivierte Mr. Laffler nach Vollkommenheit in Reduktion. Dies könnte auch eine Umschreibung für die Geschichte „Spezialität des Hauses“ sein, die keiner aufsehenerregenden Stimulanzien bedarf, um von der Essenz des Plots oder der Präsenz der Hauptdarsteller abzulenken. Hier wurde – wie bei der Zubereitung von Lamm Ämirstan – alles richtig gemacht. 5 von 5 Punkten.

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum18.08.2018 15:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich kann mich bei @Percy Lister auch nur für den spannenden Tipp „Sanfter Schrecken“ und die ausführlichen Besprechungen bedanken. Vom Pidax’schen DVD-Cover und dem etwas bräsigen Titelzusatz mit den „unheimlichen Geschichten am Kamin“ ausgehend, hätte ich nicht vermutet, dass dieses TV-Experiment etwas für mich wäre. Doch da lag ich falsch und möchte nun ebenfalls meine Sichtungseindrücke schildern, um vielleicht noch etwas zusätzliches Interesse zu generieren.



    Sanfter Schrecken: Der Tag der Hinrichtung

    Episode 1 des TV-Kriminalkrimis, BRD 1976/77. Regie und Drehbuch: Alfred Weidenmann (Vorlage „The Day of the Execution“, 1957: Henry Slesar). Mit: Rudolf Platte (Jacques Delfosse), Wolf Roth (Staatsanwalt Robert Curtelin), Johanna von Koczian (Catherine Curtelin), Carl Lange (Generalstaatsanwalt), Uwe Friedrichsen (Assistent Camille) u.a. Erstsendung: 23. November 1977. Eine Produktion von Bertelsmann Fernseh-Produktion fürs Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Sanfter Schrecken (1): Der Tag der Hinrichtung
    Robert Curtelin ist ein junger, aber hoffnungsvoller Staatsanwalt. Gerade hat er den aufsehenerregenden Prozess gegen einen Gattinnenmörder gewonnen – sein Durchbruch am hohen Gericht, denn die Verurteilung stützt sich vor allem auf Curtelins überzeugende Darlegung der Indizien. Dummerweise scheint die Sache einen Schönheitsfehler zu haben: Kurz vor der Hinrichtung des überführten Mörders meldet sich der Stadtstreicher Delfosse bei Curtelin und gesteht, die Tat in Wahrheit selbst begangen zu haben ...


    Eine kuriose Produktion ist dieser „Sanfte Schrecken“ mit seiner Vier-Fälle-zum-Preis-von-einem-Strategie. In übersinnlicher Atmosphäre auf einem sturmumtobten Schloss treffen sich die Geister vierer Verstorbener, die einander die kuriosen Weisen schildern, auf die sie zu Tode gekommen sind. In nur 75 Minuten packt Alfred Weidenmann neben dieser Rahmenhandlung vier Kriminalerzählungen renommierter Autoren – zunächst eine von Henry Slesar, die auch 1985 noch einmal im Rahmen der Serie „Die Krimistunde“ von Hartmut Griesmayr verfilmt wurde. Slesars Erzählung ist typisch für die pointierte Perfektion, die der amerikanische Schriftsteller beim Verfassen von Kurzgeschichten erreichte und verlässt das windige Geisterparkett auch sogleich wieder, um es gegen ein handfestes psychologisches Drama einzutauschen. Die zentralen Rollen darin übernehmen ein übereifriger Staatsanwalt und ein leutseliger Tippelbruder, was sich ebenso kurios anhört wie es sich letztlich auch entwickelt. Wo in anderen Krimis verzweifelt um Tatgeständnisse gerungen wird, will Robert Curtelin hier nun das Eingeständnis von Jacques Delfosse unter allen Umständen vertuschen, um auf seine eigene Arbeit nicht auch nur den Schatten eines Zweifels fallen zu lassen.

    Die Kulmination im Duell des gefassten und gebildeten, aber auch nach Bestätigung suchenen und zunehmend gehetzt wirkenden Justizmannes mit seinem naiven, trunksüchtigen Gegenspieler kommt nicht überraschend – gerade weil die zielstrebige Frau des Staatsanwalts eine bedeutsame Rolle spielt und schnell klar wird, dass sich Curtelin um ihretwillen keine Niederlage leisten kann, ist es für ihn unmöglich, als Verlierer gegen eine so jämmerliche Person wie Delfosse vom Platz zu gehen. Die Macht der Verschlagenheit, des Einflusses und des Geldes liegt ebenfalls auf Curtelins Seite, aber dennoch kann er nicht verhindern, dass die unerwartete Zwangslage immer größere Kreise zieht, die ihm schließlich selbst den Kopf kosten werden. Wolf Roth ist auf Rollentypen festgelegt, die ihre Nöte aufgrund von Selbstüberschätzung zunächst als zu gering ansehen, und passt entsprechend auch hier wie die Faust aufs Auge. Auch Rudolf Platte spielt nicht zum ersten Mal den Part des Gescheiterten und wirkt ausgesprochen überzeugend. Im Gegensatz dazu hätte man der Rolle der quälenden, herrischen Ehefrau eine durchdringlichere, unangenehmere Besetzung als die doch recht „nette“ Johanna von Koczian gewünscht. Dann hätte der abseitige Teil der vielschichtigen Story, der Curtelins eigentliche Charakterschwäche hervorhebt, vielleicht noch besser funktioniert.

    Mehr Psychogramm als Justizposse und damit eine dankbare Spielwiese für die vielleicht faszinierendste aller vier Besetzungslisten in „Sanfter Schrecken“. Bei „Der Tag der Hinrichtung“ gibt es wohl die größten Reserven für eine noch umfangreichere Verfilmung, die mit mehr Details zum Fall Calfan und mit weiteren Glanzmomenten für Wolf Roth hätte aufwarten können. In der vorliegenden Form ein spannendes Auf-den-Kopf-Drehen der herkömmlichen Krimistrukturen, das jedoch zu abrupt endet. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Und dennoch entstanden z.B. ihre Wallace-Filme zu einem Zeitpunkt, als sie nicht mehr Mitglied einer nationalsozialistischen Vereinigung war bzw. entsprechende Inhalte öffentlich propagierte. Filme, die sie zwischen 1932 und 1945 drehte, werden für gewöhnlich zeithistorisch sinnvoll eingeordnet.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Vielen Dank für den Tipp. Allem Vernehmen nach verhob man sich zwar mit dem Versuch, alles ganz anders und sozusagen "viel besser" zu machen als beim "Kommissar", aber dass die Serie nach vermutlich vielen Jahren (gab es zwischenzeitliche Ausstrahlungen?) wieder aus den Archiven geholt wird, ist trotzdem eine interessante Überraschung.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die deutschsprachigen Fassungen beider Filme wurden ohne FSK-Prüfung veröffentlicht und daher in der Regel nicht über die großen Versandhäuser vertrieben. "Das Haus mit dem dunklen Keller" ist aber noch recht gut zu bekommen, z.B. auf Blu-ray bei OFDb (Link) oder günstiger auf DVD bei Filmundo.de. Die DVD von "Midnight Ripper" ist bei Filmundo ebenfalls noch erhältlich (dortige Angebote sind meist nur für altersgeprüfte Mitglieder einsehbar, ich versuche den Link trotzdem mal). Sonst kann man auch auf ausländische Veröffentlichungen ohne deutschen Ton zurückgreifen. Auch hier ist "Haus mit dem dunklen Keller" leichter zu organisieren über die britische Auswertung (Link) als "Midnight Killer", der meines Wissens sonst nur in Italien auf DVD gebracht wurde (mit ausschließlich italienischem Ton und italienischen UT, Link).

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @Ray: Du spielst auf NSDAP / Wehrmacht / Waffen-SS etc. an? Ich halte es schon für einen beträchtlichen Unterschied, ob man in einer Diktatur bzw. zu Kriegszeiten von einem totalitären Regime vereinnahmt wird oder ob man sich in einer freiheitlichen Demokratie wie den USA aus eigenen Stücken einem Gehirnwäsche-Clan anschließt. Ganz davon abgesehen habe ich hier keinen Boykott zum allgemeinen moralischen Imperativ erhoben, sondern meiner ganz persönlichen Abneigung gegen Cruise Ausdruck verliehen.

  • Eure DVDsDatum17.08.2018 16:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    FILM

    • Das 3. Auge (Il terzo occhio)
      (IT 1966, mit Franco Nero, Gioia Pascal, Erika Blanc u.a.; Carol Media / e-m-s new media)
    • Die Klette (Un detective / Macchie di belletto) (Special Uncut Edition)
      (IT 1969, mit Franco Nero, Florinda Bolkan, Adolfo Celi u.a.; Eyecatcher Movies / NEW)
    • Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale (La mala ordina) (Uncut Edition)
      (IT / BRD 1972, mit Mario Adorf, Henry Silva, Adolfo Celi u.a.; NEW)
    • Der Mann ohne Gesicht (Nuits rouges) (Collector's Edition)
      (FR / IT 1974, mit Gayle Hunnicutt, Jacques Champreux, Gert Fröbe u.a.; MVL)
    • Body Puzzle - Mit blutigen Grüßen (Body Puzzle) (The X-Rated Italo-Giallo-Series)
      (IT 1992, mit Joanna Pacula, Tomas Arana, Erika Blanc u.a.; X-Rated)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #4
    Da machst du es dir insofern einfach, als dass dein Filmgeschmack und das Œuvre von Tom Cruise so gut wie keine Schnittpunkte aufweisen, und es aus dieser Position heraus relativ leicht fällt, Cruise zu boykottieren.

    Da hast du natürlich völlig Recht. Der einzige Film mit Tom Cruise, den ich mein Lebtag komplett gesehen habe, dürfte "Top Gun" gewesen sein und der hat schon nicht meinen Geschmack getroffen, bevor ich um die Causa Cruise wusste. Und wenn ich mir seine Filmografie ansehe, entdecke ich da auch wenig, was mich selbst ohne Anschauung seiner "Persönlichkeit" ansprechen würde. Interessanter in dieser Hinsicht als ein relativ beliebiger Vergleich mit Klaus Kinski dürfte aber z.B. die Position sein, die Schauspielerinnen wie z.B. Katie Holmes oder Leah Remini mittlerweile zu Scientology einnehmen (für meine Begriffe auch Schauspielerinnen mit deutlich interessanteren Filmografien), weil diese den Bogen zu einem Ausstieg trotz der menschenverachtenden Infiltration dieser Sekte geschafft haben - im Gegensatz zum völlig verblendeten Cruise.

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