Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Board hat 1.432 Mitglieder
170.241 Beiträge & 6.399 Themen
Beiträge der letzten Tage
Foren Suche
Suchoptionen
  • Besondere FilmvorführungenDatum12.10.2018 22:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gegen das Prädikat des Festivals ist in diesem Fall nichts einzuwenden. Wie wäre es außerdem mit dem "unheimlichen Mönch" als Vorprogramm?

  • Hansjörg FelmyDatum12.10.2018 22:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Im gleichen Maße, in dem mein Zuspruch zum Film "Die Tote aus der Themse" gestiegen ist, habe ich auch Hansjörg Felmys Leistung als Inspektor Craig mehr und mehr schätzen gelernt. Er ist vielleicht weder die einnehmendste noch die charismatischste Hauptfigur der Wallace-Reihe, aber ein sehr solides, im typischen modernen Stil der Anfangssiebziger latent abgebrühtes Arbeitstier, das keine großen emotionalen Ausrufezeichen zu setzen braucht, weil diese gar nicht zu ihm passen würden. Vergleicht man Craigs Rollenanlage mit der von Fuchsbergers Inspektor Barth in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", so stellt man eine neue Art der Ermittlerzeichnung fest, die insgesamt realistischer und weniger heldenhaft erscheint. Während das in einen klassischen Wallace-Film nicht hineinpassen würde, steht dieser Kurs den zwei genannten Krimis sehr gut zu Gesicht. An Felmys Darstellung ist in diesem Fall für meine Begriffe entsprechend nichts auszusetzen. Ich würde ihn den Wallace-Inspektoren-Leistungen von Harald Leipnitz, Günther Stoll und Horst Tappert auf jeden Fall vorziehen.

    Auch in "Das 7. Opfer" fand ich Felmy immer sehr formidabel - hier zeigt er, dass er Action und Schrulligkeit gut kombinieren kann, ohne "dümmlich" zu wirken. Was seine übrigen Krimiauftritte außerhalb des Wallace-Universums angeht, möchte ich unbedingt "Der Greifer" und "Herz ohne Gnade" empfehlen.

  • Babeck (1968, TV)Datum12.10.2018 22:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 1: Ein Sarg aus Genua)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Helmut Käutner (Dr. Brenner), Siegfried Lowitz (Weingarten), Charles Regnier (Kaminsky), Senta Berger (Susanne Stefan), Walter Richter (Scherenschleifer Krupka), Helma Seitz (Agathe), Paul Albert Krumm (Hiebler), Rudolf Schündler (Kriminalkommissar) u.a. Erstsendung: 27. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 1: Ein Sarg aus Genua)
    Im Auftrag einer undurchschaubaren Organisation, an deren Spitze ein gewisser Herr Babeck steht, ermordet der Arzt Dr. Brenner einen ihm völlig unbekannten Scherenschleifer. Wichtig ist für Brenner nur, dass er – im Tausch gegen ihn belastende Papiere – den Leichnam eines Ertrunkenen „abliefern“ kann, der dann in einen aus Genua überführten Sarg gelegt wird. Darin soll angeblich der Reporter Hohmann zu Grabe getragen werden. Dessen Tochter Marianne und der Sohn des Scherenschleifers, Manfred Krupka, tun sich zusammen und ermitteln auf private Initiative, denn die Polizei will selbst dann nichts unternehmen, als auch Dr. Brenner tot aufgefunden wird. Die erste Spur führt zu Herrn Weingarten, Mariannes Onkel, der ebenfalls von Babeck und dessen Handlanger Kaminsky erpresst wird. In seiner Zwangslage sieht Weingarten keinen anderen Ausweg, als den jungen Krupka zu erschießen ...


    Mit der sehr detailliert geschilderten Sequenz zwischen Dr. Brenner und dem Scherenschleifer beginnt „Babeck“ auf ungewöhnliche Weise. Der naive Arbeiter wird von den Versprechungen des Arztes angezogen wie die Motte vom Licht und wandert damit ebenso unvermeidlich in sein Verderben. Der Zuschauer ahnt schnell, worauf Brenners Ansinnen hinausläuft, hat aber Schwierigkeiten, sich das Gesehene zu erklären. Für den Mord gibt es keinerlei nachvollziehbare Gründe und tatsächlich erfährt man später, dass Brenner lediglich eine willkürlich ausgewählte Leiche benötigt, um die Leute, die ihn erpressen, zufriedenzustellen. Damit ist das Interesse am großen Hintermann und seinem noch reichlich diffusen Masterplan mehr als hinlänglich geweckt – diesmal hört dieser schon nicht mehr auf ein durbridge-typisches Pseudonym wie Gilbert, sondern auf den sehr reineckeresk klingenden Namen Babeck; ebenso wie die Handlung von England und Frankreich nach Deutschland (und später Italien) verlegt wurde. Während die Reinecker-Trilogie mit derlei Rahmenbedingungen recht flexibel umgeht, folgt sie inhaltlich einem roten Faden, um nicht zu sagen: gewissen Gesetzmäßigkeiten und Wiederholungen, was die Münchner Abendzeitung veranlasste, abfällig anzumerken:

    Zitat von Münchner Abendzeitung, zitiert nach „Die Krimihomepage“: „Babeck“, Quelle
    Babeck könnte genauso Der Tod läuft hinterher heißen, so sehr ähnelt die Handlung dem Dreiteiler des letzten Jahres.


    In Bezug auf die Ausgangssituation steckt darin durchaus ein Körnchen Wahrheit: Ebenso wie in „Der Tod läuft hinterher“ ruft hier das mit Mord erklärte Verschwinden eines nahen Angehörigen einen Privatermittler sowie ein damit verbundenes zweites Verbrechen dessen weibliche Begleitung auf den Plan – Joachim Fuchsbergers Rolle wird hier von Helmuth Lohner übernommen, während als „Ersatz“ für Marianne Koch Cordula Trantow zu sehen ist. Im Gegensatz zu Fuchsberger wirkt Lohners Auftreten leider einigermaßen irritierend. Man missgönnt ihm die Fortschritte seiner Ermittlungen – nicht einmal aufgrund seiner bohrenden, im Vergleich zu Blacky ungleich uncharmanteren Aufdringlichkeit, sondern weil die Indizienkette, die ihn auf die Spur von Brenner und Hohmann führt, vollkommen herbeikonstruiert erscheint und Kommissar Zufall der unerfahrenen Spürnase mehrfach zu Hilfe eilt. Als ähnlich unglaubwürdig muss die Besetzung leider auch in der Hinsicht bezeichnet werden, dass der schmale österreichische Schauspieler in Anzugzwirn und Cabriolet der Sohn des armen, proletenhaften Scherenschleifers sein soll. Wenn man diese Pillen jedoch schluckt und sich mehr auf das Gespinst der Gauner konzentriert, lässt sich „Babeck“ dennoch als unterhaltsame Mörderjagd an. Lohner und Trantow arbeiten sich vor allem an Helmut Käutner (Dr. Brenner) und Siegfried Lowitz (Weingarten) ab, während ihnen dahintergeschaltete Verbrecherfiguren wie die von Charles Regnier (Kaminsky) oder Senta Berger (Susanne Stefan) im ersten Teil noch verborgen bleiben. Vor allem Käutner und Regnier liefern hervorragende Leistungen, wobei Käutner – so sinister er noch sein Mordopfer umzirzte – nach der Tat vor allem durch seine fahrige, unter dringendem Zugzwang stehende Art auffällt. Andeutungen, dass es sich bei seiner Rolle um einen wie auch immer gearteten Nazi-Verbrecher handelt, verleihen der Darstellung des schauspielernden Regisseurs eine zusätzliche Tiefe, die er auch deshalb sehr überzeugend meistert, weil Babecks Organisation sich ebenfalls geradezu faschistischer Gleichschaltungsmethoden bedient. Diese greifen auch bei Herrn Weingarten, den peinigende Skrupel plagen, der aber dennoch dank der harten Hand und des „guten Zuredens“ von Kaminsky unweigerlich weiter in die Sache verwickelt wird. Regnier versprüht hier einen diabolischen Charme, während Lowitz die zunehmende Überforderung eines Normalbürgers mit der Last eines Verbrechens glaubhaft zum Ausdruck bringt.

    Es spricht für die hohen Standards der Sendereihe, dass „Babeck“ es sich erlauben kann, sich zweier so charismatischer Darsteller und Rollenanlagen wie jenen von Käutner und Lowitz bereits im ersten Teil zu entledigen. Das Geheimnis darum, warum Hohmanns Leiche nicht im überführten Sarg liegt, wird bislang hingegen kaum angetippt und verspricht interessante Rätselspannung in den kommenden Episoden. Der Cliffhanger am Ende des ersten Teils ist Reinecker ebenfalls hervorragend gelungen und weckt den dringenden Wunsch, möglichst zeitnah weiterzusehen. Das ZDF spannte seine Zuschauer zur Premiere diesbezüglich nicht gar so lang auf die Folter wie die durbridge-erprobte ARD und sendete die drei „Babeck“-Teile an drei aufeinanderfolgenden Abenden zwischen Weihnachten und Silvester 1968. Atmosphärisch spielt „Babeck“ mit seinen Aufnahmen in München und Umland vielleicht nicht ganz in der gleichen Liga wie der sehr aufwendige „Der Tod läuft hinterher“, zumal auch die Szenenbilder in diesem Mehrteiler sowie die Bildgestaltung von Rolf Kästel etwas banaler erscheinen als die von Ernst Wilhelm Kalinke. Dennoch fängt Kästel einige interessante Aufnahmen ein, vor allem im Brenner’schen Bootshaus sowie in Weingartens Tiefgarage.

  • Allein gegen die Mafia (1984-2001, TV)Datum11.10.2018 01:02
    Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Fernsehjuwelen veröffentlicht am 23. November 2018 die italienische Erfolgsserie "Allein gegen die Mafia" mit Michele Placido auf 27 DVDs. Zum ersten Mal werden damit alle Folgen in Deutschland erhältlich sein. Bisher gab es eine nicht synchronisierte Staffel, für die eine neue Tonspur erstellt wird, sowie verschiedenste Einzelveröffentlichungen.



    Allein gegen die Mafia (La piovra, 1984-2001, TV)

    Zitat von Fernsehjuwelen: Allein gegen die Mafia
    Die langjährige Erfolgsserie über den aussichtslosen Kampf gegen die Mafia in Sizilien; endlich alle 10 Staffeln komplett in einer kultigen Sammleredition!

    Der Polizeichef einer sizilianischen Stadt ist ermordet worden. Kommissar Corrado Cattani aus Mailand wird sein Nachfolger und setzt alles daran, die Hintergründe aufzuklären. Als er bei seinen Ermittlungen der örtlichen Mafia immer öfter auf die Füße tritt, nimmt diese den Fehdehandschuh auf und entführt seine Tochter. Cattanis Familie zerbricht an den Folgen der Entführung und der Kommissar schwört bittere Rache. Der Kampf nimmt an Schärfe zu und gipfelt in einer Konfrontation, bei der Cattani erschossen wird. Davide Licata tritt seine Nachfolge an und beginnt zusammen mit der couragierten Richterin Silvia die Suche nach den Mördern.


    EAN-DVD: 4042564189339
    Sprachen: Deutsch, Englisch
    Untertitel: keine
    Bildformat: 1.33:1 (4:3)
    Extras: Booklet mit Hintergrundinformationen und Episodenführer, Interviews, Biografien

  • Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Donau-Film veröffentlicht im Verleih von Alive am 7. Dezember 2018 den humoresken Giallo "Leichen muss man feiern, wie sie fallen" von Sergio Corbucci mit Marcello Mastroianni, Ornella Muti, Michel Piccoli und Renato Pozzetto auf DVD und Blu-ray. Der deutsche Titel ist zwar ziemlich klamaukig, aber dass ein italienischer Krimi mit einem Schuss (hoffentlich schwarzen und nicht albernen) Humors gut funktionieren kann, hat ja nicht zuletzt auch "Die Sonntagsfrau" bewiesen, in der Mastroianni ebenfalls eine der Hauptrollen spielte.



    Leichen muss man feiern, wie sie fallen (Giallo napoletano, 1979)

    Zitat von Donau-Film: Leichen muss man feiern, wie sie fallen
    Der abgebrannte Mandolinenspieler Capece nimmt einen geheimnisvollen Auftrag an. Er soll um fünf Uhr morgens vor einem bestimmten Haus eine Serenade spielen. Während er die Saiten zupft, fallen Schüsse. Ein Mann stürzt tot aus dem obersten Stockwerk. Zwar kann Capece Kommissar Voghero davon überzeugen, dass er nicht der Täter ist, doch fortan gibt es immer, wenn er die Melodie spielt, eine weitere Leiche. Der Neffe des ersten Opfers, der Dirigent Navarro, beauftragt Capece die Morde aufzuklären ...


    EAN-DVD: 4260267332900
    Sprachen: Deutsch, Italienisch
    Untertitel: Deutsch
    Bildformat: 1.85:1 (16:9)
    Extras: Trailer, Bildergalerie

  • Die Rache bin ich (1977)Datum11.10.2018 00:50
    Thema von Gubanov im Forum Giallo Forum

    Die VZ-Handelsgesellschaft veröffentlicht am 30. Oktober 2018 (viele Shops geben noch den 2. Oktober an) den Poliziottescho "Die Rache bin ich" aka "Der eiserne Präfekt" aka "Ein Mann aus Stahl und Eisen" von Pasquale Squitieri mit Giuliano Gemma, Claudia Cardinale, Stefano Satta Flores und Massimo Mollica auf DVD und Blu-ray. Der Film erhält generell gute Kritiken, ich bin daher sehr gespannt auf diesen Mafia-Film.



    Die Rache bin ich (Il prefetto di ferro, 1977)

    Zitat von VZ-Handelsgesellschaft: Die Rache bin ich
    Cesare Mori wird als neuer Präfekt nach Sizilien geschickt, um dort gegenüber der Mafia die Machtbefugnisse des Staates durchzusetzen. Mori hatte sich Jahre zuvor schon als konsequenter Vertreter des Gesetzes erwiesen, der mit eisernem Besen aufzuräumen pflegte. Doch er muss feststellen, dass seine Vorgehensweise keineswegs verborgen blieb, und man versucht, ihn mit brutalsten Mitteln zu diskreditieren, um gar nicht erst das Vertrauen der Bevölkerung in seine Stärke entstehen zu lassen. Am nächsten Morgen wird er in das Haus seines Informanten gerufen, dass von Leichen übersät ist, doch der eigentliche Kampf beginnt erst jetzt. Seine größte Aktion soll unter anderem die Einnahme der Bergstadt Gangi sein, in der zahlreiche Banditen und flüchtige Straftäter ihre Zuflucht haben, so auch der seit 45 Jahren flüchtige Don der Bandit.


    EAN-DVD: 4032614602222
    Sprachen: Deutsch, Italienisch
    Untertitel: Deutsch
    Bildformat: 1.78:1 (16:9)
    Extras: keine (es gibt eine teure Mediabook-Version, auf der auch einige kurze Extras enthalten sind)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum10.10.2018 18:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    DERRICK Collector’s Box 18 (Folgen 256-270, 1996-97)





    Derrick: Einen schönen Tag noch, Mörder

    Episode 256 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Volker Lechtenbrink (Walter Kottler), Stefan Wigger (Alex Hasinger), Stefan Kolosko (Rudolf Hasinger), Gert Burkard (Hans Dannhof), Philipp Brammer (Albert Dannhof), Natali Seelig (Erika Dannhof), Günter Clemens, Gabriele Dossi u.a. Erstsendung: 2. Februar 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Einen schönen Tag noch, Mörder
    Achtung, Absturzgefahr! Weil der Buchhalter Dannhof seinen Vorgesetzten Walter Kottler bezüglich der desolaten Situation seines Bauunternehmens nicht länger zu decken bereit ist, kommt es mitten auf einer Baustelle zum Streit zwischen den Männern. Kottler stürzt Dannhof kurzerhand in die Tiefe. Der Vorfall wird zwar von Zeugen beobachtet und ein junger LKW-Fahrer gibt bei der Kripo zu Protokoll, dass Kottler Dannhof ermordet habe; er wird dann aber von seinem Vater, der ebenfalls in Kottlers Betrieb arbeitet, dazu angehalten, seine Aussage zurückzuziehen. Alles sei nur ein harmloser Unfall gewesen. Ist Derrick bereit, diese Pille zu schlucken?


    Mitte der 1990er Jahre setzte sich München auf dem Areal des ehemaligen Flugplatzes Riem die großzügig angelegte Neue Messe auf die „grüne Wiese“. Die Großbaustelle mit ihren immensen Ausschachtungen ist der imposante Schauplatz dieser „Derrick“-Episode, welche unterm Strich aber leider nicht mit dem Wow-Faktor ihrer Location mithalten kann. An der Grundidee (Bauchef in Geldnöten stößt bedenkenträgerischen Buchhalter in die Grube) ist nichts auszusetzen, wenngleich die unsaubere Finanzierung von Geschäften sicher nicht das innovativste Mordmotiv aller Zeiten ist. Auch Volker Lechtenbrink in der Rolle des überheblichen Fieslings, für den die Bilanzen seines Betriebs unwesentliche Größen sind, solange er sich selbst keine Fehler einzugestehen braucht, weiß durchaus zu überzeugen.

    Problematisch gestalten sich jedoch sowohl die praktisch nicht vorhandenen Ermittlungen sowie die altbekannte Unart, einem nervenstrapazierend anklagenden Hinterbliebenen wie Philipp Brammer eine derart große Rolle einzuräumen. Gegen den Täter wird quasi nicht kriminalistisch, sondern moralistisch vorgegangen, was die Folge wie eine vorhersehbare Hexenjagd wirken lässt und ihr die Spannung raubt. Brammer zeigt sich als Sohn des „verunfallten“ Buchhalters aufmüpfig, unbelehrbar und – gemessen am nicht abgeschlossenen Stand der Untersuchung – rechtlich sogar klipp und klar verleumdend. Derrick belehrt ihn: „‚Mörder‘ können Sie nicht sagen, solange nicht bewiesen ist, dass er einer ist“, wovon sich Dannhof junior natürlich von nichts abhalten lässt. Die Zeigefinger-Quote wird auch durch seine depressive Schwester sowie den Vater-Sohn-Konflikt unter den Zeugen (dem Alten, der an Arbeitsplatz und Firmenloyalität festhält, und dem Jungen, der sagen will, was er wirklich gesehen hat) nicht unbedingt gesenkt. Allzu deutlich fallen die Gut-Böse-Kontraste aus, wodurch der Krimi bei allem Anspruch, für Aufrichtigkeit zu plädieren, naiv und konstruiert wirkt.

    Bei solchen Stoffen verschlimmert die Personalie Weidenmann oft das Problem, da der Regisseur nichts tat, um die überdeutliche Drehbuch-Moral abzuschwächen oder ablenkendes Karacho in die Story zu injizieren. Was Weidenmann sehr gut gelang, ist die Umsetzung der Mordszene, die ungeschminkt den Fall und Aufprall Dannhofs in der Baugrube in Zeitlupenaufnahme zeigt. Andererseits hätte er aus dem tollen Schauplatz darüber hinaus noch mehr herausholen und die Story damit auflockern können. Zugute gekommen wäre es der Folge wohl auch, auf die belastende Aussage des jungen Hasinger (ähnlich enervierend wie Brammer, nur mit Topfhaarschnitt und Hobbitgesicht: Stefan Kolosko) gleich zu Beginn zu verzichten, um damit die Ermittlungen offener zu gestalten und Derrick wenigstens den Hauch einer Chance zu geben, selbstständig Beweise gegen Kottler zu sammeln. Das Finale wäre in weniger getragener und dafür kriminalistisch stichhaltigerer Form auch überzeugender gewesen. Was hier letztlich als großer Schlusstwist präsentiert wird (zwei Augenzeugen ändern ihre Aussagen), ist in Anbetracht des Fallverlaufs noch nicht unbedingt ein glaubwürdiges Belastungsmittel. Aber nun gut: Wir wollen es Derrick ersparen, sich noch länger die Zähne an diesem eher undankbaren Fall auszubeißen ...

    Dem Mörder einen schönen Tag wünschen zu müssen, weil man ihn zwar kennt, aber nicht fassen kann, ist eigentlich eine „schön“ ärgerliche Vorstellung. In dieser Folge wird dem Zuschauer das Nachvollziehen dieses Sinnbilds schwer gemacht, weil sich Recht und Gerechtigkeit ausgerechnet auf der Seite zweier unsympathischer Jungdarsteller befinden, die 60 Minuten „Derrick“ zu einer Geduldsprobe machen. Das ist schade, weil die Folge sonst (Idee für den Fall, Tatort, Mörderdarsteller) über einige Meriten verfügt. Daher gerade noch 3 von 5 Punkten.

  • Edgar Wallace AusstrahlungenDatum07.10.2018 21:48
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Edgar Wallace macht wieder einen Auftritt in einem der dritten Programme. Der RBB verhilft ein paar zuletzt nicht so oft gezeigten Titeln zu einer Ausstrahlung:

    27.10., 20:15 Uhr: Das Geheimnis der gelben Narzissen
    27.10., 22:00 Uhr: Das Rätsel der roten Orchidee
    27.10., 23:20 Uhr: Die Tote aus der Themse

  • Der Tod läuft hinterher (1967, TV)Datum07.10.2018 21:02
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #50
    alles Faktoren, weswegen ich diese Mehrteiler außer vielleicht dem "Messer" und "Wie ein Blitz" jedem Durbridge jederzeit vorziehen würde.

    Das ist ja gewissermaßen die ewige Gretchen-Frage der deutschen Krimimehrteiler. Und ich bin mir nach "Der Tod läuft hinterher" nun nicht mehr ganz so sicher wie früher, dass meine Entscheidung pro Durbridge ausfallen würde ...

  • Der Tod läuft hinterher (1967, TV)Datum07.10.2018 20:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es wurden eben nicht alle Sechzigerkrimis auf den Musikgeschmack von Schwarzseher ausgelegt. Sowas aber auch! - Ich selbst muss feststellen, dass mir der Score zu „Der Tod läuft hinterher“ mittlerweile besser gefällt als früher.



    Der Tod läuft hinterher (Teil 3)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Edward Morrison), Marianne Koch (Mary Hotkins), Elisabeth Flickenschildt (Edna Stone), Gisela Uhlen (Myrna Collins), Pinkas Braun (John Evans), Josef Meinrad (Gaston), Alwy Becker (Alice Morrison), Friedrich Joloff (Donald Rutley), Gisela Dreyer (Jenny), Reinhard Glemnitz (Piccaud) u.a. Erstsendung: 30. Dezember 1967. Eine Produktion der InterTel für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Tod läuft hinterher (Teil 3)
    Obwohl Gilberts Handlanger ihn in eine todsichere Falle gelockt haben, lassen sie Edward Morrison im letzten Moment doch noch laufen. Dieser findet heraus, dass die Hafenspelunke in Boulogne ebenso wie das Malibu in London und ein exklusiver Club in Paris von Gilbert betrieben wird – mit dem Zweck, Rauschgift umzuschlagen, das in großen Mengen von einem Mittelsmann aus Arabien angekauft wird. Mit dessen Hilfe setzt Edward in Paris die letzten Puzzleteile zusammen: Er findet seine Schwester Alice wieder und kann die Gangsterorganisation um Gilbert vollständig sprengen. Doch wer ist der große Unbekannte, der mit seinen Verbrechen ein Millionenvermögen gemacht hat?


    Marodierungserscheinungen in Gilberts scheinbar perfektem Syndikatskonstrukt erleichtern Edward Morrison in Teil 3 das Vorankommen. Die Schritte, die er auf seine Schwester Alice und die Geheimzentrale von Gilbert zugehen kann, werden immer größer, weil der Kralshüterin Myrna Collins plötzlich die Muffe geht und sie eines milderen Urteils wegen mit Edward gutzustellen versucht oder der Rauschgiftlieferant Rutley aus persönlichen Gründen seinem wichtigen Abnehmer in den Rücken fällt und mit kompromittierenden Dokumenten ganze illegale Handelsketten offenlegt, bevor er sich mit einem Auslandsflug selbst in Sicherheit bringt. Reinecker betont im Finale von „Der Tod läuft hinterher“ ganz eindeutig die Nachteile einer Verbrecherorganisation gegenüber einem Einzeltäter, welcher sich nur auf seine eigene Einschätzung der Lage verlassen muss, anstatt verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen. „Es hat schon früher Gelegenheit gegeben, Sie zu beseitigen. Ich war immer dafür“, gibt Edna Stone mit der Offenheit einer verbrieften Verliererin Edward gegenüber zu – und aus dem Mund von Elisabeth Flickenschildt hört sich diese Zeile geradezu wehmütig an. „Aber einer war immer dagegen: Gilbert.“

    Wenngleich die Enthüllung, bei wem es sich um den Unbekannten im Hintergrund handelt und wer ihm aktiv helfend zur Seite stand, personell für einen geübten Krimizuschauer nicht besonders überraschend sein mag, so wurde sie doch dramaturgisch äußerst geschickt eingefädelt. Die Hinführung zum letzten Showdown ist mit einer Verfolgungsjagd durch Paris, einem Wettlauf durch ein Grand Hotel und der Erkundung des unheimlichen Fabrikhallen-Unterschlupfs von Gilbert ganz großes Kino und verrät das erzählerische Talent von Herbert Reinecker und Wolfgang Becker, die hier wirklich atemlose Unterhaltung geschaffen haben und den Spannungshöhepunkt perfekt auszukosten verstehen. Für Edward Morrison ist das Ende ernüchternd und befreiend zugleich, doch zum Reflektieren und für einen Trost durch Mary Hotkins lässt man ihm keine Zeit, bevor die Abspann-Credits einsetzen. Das Gefühl für Timing und die Konzentration aufs Wesentliche machen „Der Tod läuft hinterher“ damit trotz langer Laufzeit zu einem absolut kurzweiligen Vergnügen.

    Auch der letzte Teil wartet noch einmal mit neuen charismatischen Schauspielern bzw. einer Rückkehr bereits geschätzter Rollendarstellungen auf. So übernehmen Reinhard Glemnitz und Gisela Dreyer zwei tragische kleine Helferrollen, welche die unangenehmen Auswirkungen des Rauschgifthandels sehr treffend skizzieren und auf Edward wie auch auf das Publikum großen Eindruck machen, obwohl sie letztlich nur kleine Rädchen in Gilberts Getriebe sind. Ein betont mysteriöses Große-Welt-Flair verbreiten hingegen Friedrich Joloff und Thomas Astan, deren Rollen sich nur kurz in den Handlungsverlauf einmischen, aber vielleicht sogar die größeren Schurken als Gilbert selbst sind. Sie symbolisieren die oft in Reinecker-Krimis getätigte Aussage, dass man einzelne Drogenringe vielleicht ausheben kann, das Problem aber nie wirklich an seiner Wurzel zu fassen bekommt. Nicht nur wegen Morrisons persönlicher Enttäuschung, sondern auch deshalb wohnt dem Finale ein bitterer Beigeschmack inne. Schließlich ist noch einmal zu betonen, wie brillant der mittlerweile alles auf eine Karte setzende Joachim Fuchsberger im Zusammenspiel mit Gisela Uhlen und Elisabeth Flickenschildt funktioniert – gerade nachdem die beiden eleganten Verbrecherdarstellerinnen bemerken, dass ihnen die Felle davonschwimmen. Vor allem die Wortwechsel zwischen Flickenschildt und Fuchsberger werten die Schlussszenen ebenso wie der Darsteller des Gilbert noch einmal merklich auf und kaschieren kleinere logische Schwächen sowie eventuell unbefriedigende Aspekte aufs Beste.

    Der aller Wahrscheinlichkeit nach bestbesetzte TV-Krimi der 1960er Jahre überzeugt durch einen straffen, fast hypnotisch-sogartigen Aufbau, der das Interesse an der Aufdeckung des Verschwindens von Alice Morrison nach und nach in astronomische Höhen anwachsen lässt. Indem man dem profilierten Joachim Fuchsberger bei der Verbrecherjagd über die Schulter schauen darf, bahnt man sich den Weg durch ein delikates, leichengepflastertes Verbrecherkonstrukt typischer Herbert-Reinecker-Manier. Für Freunde klassischer Krimiunterhaltung ein immer wieder lohnendes Must-See ohne wesentliche Abstriche. 5 von 5 Punkten.

  • Edgar-Wallace-SchauplätzeDatum07.10.2018 14:58
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Diese Seite mit der Behauptung ist mir auch bekannt. Aber allein schon die Rahmendaten (1950er - Wallace - Berlin) passen nicht recht zusammen.

    Edit: Ich kannte nicht die genaue von dir verlinkte, sondern diese Seite mit den gleichen Informationen zu derselben Villa. Man findet dort noch ein weiteres Foto, das direkt von der Straße aus gemacht wurde und auch Tor, Zaun und Zufahrt zeigt.

  • DVD Tausch/VerkaufDatum07.10.2018 14:13
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Nachdem ich sie nochmals eingestellt hatte, enden die o.g. Auktionen nun endgültig in ca. anderthalb Stunden. Wer noch auf der Suche nach den "Merkwürdigen" oder "Unheimlichen Geschichten" ist, sollte zugreifen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Etwas anderes wurde auch, soweit ich weiß, nie behauptet. @Jan: Kann es sein, dass du bzgl. eines ungewohnten Hamburg-Ausflugs bei den typischen Berliner Farb-Wallace-Filmen den "Gorilla" mit dem "Glasauge" verwechselst, für das tatsächlich Szenen im Hamburger Hafen gedreht worden sein sollen?

    @florian oder Hamburg-Experte @Marmstorfer: Ist Hamburg Hauptbahnhof für die Auftaktszene gesichert (ggf. mit genaueren Angaben, wo im Komplex) oder könnte es wirklich, wie von Jan beschrieben, auch Altona sein?

  • Der Tod läuft hinterher (1967, TV)Datum06.10.2018 21:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Tod läuft hinterher (Teil 2)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Edward Morrison), Marianne Koch (Mary Hotkins), Elisabeth Flickenschildt (Edna Stone), Friedrich Schoenfelder (David Stone), Ernst Fritz Fürbringer (Inspector Brown), Josef Meinrad (Gaston), Marianne Hoppe (Madame Brassac), Walter Richter (Monsieur Brassac), Stanislav Ledinek (George), Christiane Schröder (Marylin Stone) u.a. Erstsendung: 28. Dezember 1967. Eine Produktion der InterTel für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Tod läuft hinterher (Teil 2)
    Edward Morrison kann den Anruf seiner Schwester bis zu einem Landhaus zurückverfolgen, das dem Fabrikanten Stone gehört. Weil er von der Polizei aufgehalten wird, kommt Edward aber zu spät und findet den Unterschlupf verlassen vor. Es stellt sich heraus, dass Stones Frau Edna die Agentur Miller betreibt, über die die Malibu-Bar mit Tänzerinnen versorgt wird. Alice unterhält offenbar ein Verhältnis mit Mr. Stone. Ein Großteil der mittlerweile schwer belasteten Nachtclub-Besetzung verschwindet in einer Nacht-und-Nebel-Aktion spurlos, doch es gelingt Edward und Mary, der Tochter eines ermordeten Informanten, ihre Spur bis zur französischen Hafenkneipe Le Marignan zu verfolgen. Immer deutlicher wird, dass Edwards Neugier ihn in Teufels Küche bringt ...


    Wenngleich Fuchsberger die Nachforschungen noch immer mit unbegrenzter Wissbegier und Ungeduld dominiert, gewinnt auch Marianne Koch an seiner Seite zunehmend an Präsenz und Charakter. Im Gegensatz zu Edward Morrisons Aufregung über Alice’ Ableben bzw. Abwege trauert Mary Hotkins still um ihren Vater, beteiligt sich an der Schnüffelei jedoch mit ebensolcher Überzeugung. Sie wagt sich in Edna Stones Tanzagentur und damit mitten in die Höhle der Löwin, wendet bei Zeugenbefragungen ihren untrüglichen Instinkt an und setzt darüber hinaus ihren Kopf durch, als es darum geht, an Edwards Seite die Spur in Frankreich weiterzuverfolgen. In der heruntergekommenen Kneipe, in der sich die Mädchen und die Verbrecher herumtreiben, stellt Mary ihre Abgebrühtheit unter Beweis, was Koch im Zusammenspiel mit Fuchsberger und Ledinek zu einer engagierten und amüsanten Leistung verleitet. Fuchsberger darf demgegenüber im Umgang mit verschiedenen Gangsterschergen seine raue Seite demonstrieren und sich einige brandgefährliche Raufereien liefern.

    Ob es unbedingt nötig ist, die Handlung von England nach Frankreich zu verlegen, sei dahingestellt – der unverkennbare Aufwand, Außenaufnahmen an Originalschauplätzen sowohl in London als auch in Boulogne anzufertigen, spricht aber sowohl für die Anstrengungen der InterTel als auch für die Hochglanz-Wirkung von „Der Tod läuft hinterher“. Wolfgang Becker findet eine gelungene Balance, die Auslands-Settings umfangreich zu präsentieren und sie dennoch dem Zuschauer gegenüber nicht aufdringlich zu bewerben. Auch das Spannungslevel hält sich beachtlich hoch, wenngleich der stringente und klare Ablauf des ersten Teils zunehmend durch eine angestrengte Lauerhaltung der Figuren ersetzt wird. Wie Fuchsberger und seine Gegner einander mit böser Absicht umschleichen, erkennt man sehr schön an der subtilen Bedrohlichkeit von Josef Meinrad, dessen hintertriebene Darstellung des Wirts Gaston neben der von Elisabeth Flickenschildt als herzloser Mädchenhändlerin die vielleicht schillerndste des Mehrteilers ist. Auch die Szenen im Le Marignan spitzen sich trotz beachtlicher Länge zu regelrechten Duellen von Westernqualität zu, woran das unauffällige, aber effektive Auftreten von Walter Richter und Filmehefrau Marianne Hoppe nicht unschuldig ist.

    Bei all diesen wirklich brillanten Darstellerleistungen und dem aufwühlenden Handlungsverlauf ist weder der große Publikumserfolg der Produktion noch der Umstand verwunderlich, dass das ZDF-Publikum den „Kommissar“ im Wesentlichen der Stärke von „Der Tod läuft hinterher“ verdankt. Eine gewisse stilistische Kontinuität ist schließlich auch nicht zu verleugnen.

    Zitat von Volker Helbig. Herbert Reineckers Gesamtwerk: Seine gesellschafts- und mediengeschichtliche Bedeutung. Wiesbaden: DUV, 2007. S. 268f
    Als erstes entsteht das dreiteilige Kriminalspiel Der Tod läuft hinterher (1967), es folgen Babeck (1968) und schließlich 11 Uhr 20 (1970). [...] Diese Produktionen erreichen pro ausgestrahlter Einzelfolge etwa 25 Millionen Zuschauer und zählen zu den sogenannten „Straßenfegern“. Aufgrund der über mehrere Tage hinausgezögerten Rätselspannung kommt es in der Öffentlichkeit zu eifrigen Spekulationen bezüglich der Täterfrage. Bereits nach dem großen Erfolg von Der Tod läuft hinterher (1967) erhält Ringelmann die Möglichkeit, eine umfangreichere Serie für das ZDF zu produzieren. Gemeinsam mit Reinecker entwickelt er das Projekt Der Kommissar. Diesmal sollen in sich abgeschlossene, jeweils 60-minütige Einzelfälle aneinandergereiht werden. Die Serie geht im Januar 1969 auf Sendung.

  • Der Tod läuft hinterher (1967, TV)Datum05.10.2018 18:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Nachdem mir die Durbridge-Mehrteiler beim Wiedersehen Anfang des Jahres so gut gefallen haben und es auch zu einigen interessanten Diskussionsanstößen kam, möchte ich mir an diesem und den kommenden Wochenenden auch die drei „Konkurrenzprodukte“ des ZDF – „Der Tod läuft hinterher“, „Babeck“ und „11 Uhr 20“ – nochmal vornehmen. Zwar gibt es auch zu diesen Produktionen bereits Besprechungen von mir; die Sichtungen sind aber schon ziemlich lang her. „Der Tod läuft hinterher“ habe ich noch am präsentesten in Erinnerung, wohingegen ich die anderen beiden Dreiteiler nur jeweils einmal (noch zu Schulzeiten) gesehen habe. Es handelt sich also in zwei von drei Fällen fast wieder um Neuentdeckungen.



    Der Tod läuft hinterher (Teil 1)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1967. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Edward Morrison), Marianne Koch (Mary Hotkins), Gisela Uhlen (Myrna Collins), Pinkas Braun (John Evans), Yvonne Monlaur (Janet Winters), Gerd Baltus (Harry Brenton), Ernst Fritz Fürbringer (Inspector Brown), Josef Meinrad (Gaston), Wolfgang Engels (Sam Hotkins), Jan Hendriks (Dan Low) u.a. Erstsendung: 27. Dezember 1967. Eine Produktion der InterTel für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von Der Tod läuft hinterher (Teil 1)
    Nach mehrmonatigem Aufenthalt in Südamerika kehrt der Ingenieur Edward Morrison nach London zurück. Er ist überrascht, von seiner Schwester Alice nicht am Flughafen abgeholt zu werden und findet heraus, dass sie tot ist – angeblich habe sie Selbstmord begangen, indem sie sich vor einen LKW warf. Edward will das nicht glauben und befragt die Augenzeugen, die auffällig nervös reagieren. In Alice’ Wohnung hat sich die Tänzerin Janet Winters einquartiert, die anscheinend mehr über die Hintergründe weiß, aber nicht mit der Sprache herausrücken will. Sie steht unter dem Druck ihrer Arbeitgeber in der dubiosen Malibu-Bar, die offenbar auch Alice in ihren letzten Wochen oft besuchte. Kaum ist Edward auf diese heiße Spur gestoßen, kommt es zu zwei weiteren Todesfällen. Alice dagegen meldet sich auf einmal quicklebendig per Telefon ...


    Mit den Durbridge-Krimis und so klangvollen Titeln wie „Gesucht wird Mörder X“, „Zu viele Köche“, „Die Katze im Sack“, „Die Gentlemen bitten zur Kasse“, „Der dritte Handschuh“ und „Flucht ohne Ausweg“ hatte die ARD bis 1967 die ganz klare Oberhand im Geschäft mit den Mehrteiler-Krimis im deutschen Fernsehen. Die ZDF-Konkurrenz konnte sich zwar auch bereits mit kleineren Erfolgen wie „Diamanten sind gefährlich“ oder „Das Millionending“ an die Materie herantasten, doch ein Großprojekt wie „Der Tod läuft hinterher“ hatte es im zweiten Kanal bis dahin noch nicht gegeben. Um den Rückstand aufzuholen, verpflichteten die Senderoberen auf dem Lerchenberg als Gegengewicht zu Dauerschreiber Durbridge den namhaften Drehbuchautor Herbert Reinecker, der in einigen Filmen der 1950er Jahre sowie jüngst seit 1964 in der Edgar-Wallace-Kinofilmreihe Erfahrungen im Krimibereich gesammelt hatte. Reinecker verfasste einen gerade im Vergleich zu seinen eher stereotypen Wallace-Scripts sehr ambitionierten Stoff, dessen druckvolle und problemorientierte Spannungsmache man bereits dem ersten Teil des Mehrteilers unverkennbar ansieht. Der Autor griff mit dem Verschwinden zweier junger Frauen sowie der generalstabsmäßigen Strukturierung der Verbrecherhierarchien (bezahlte oder eingeschüchterte Lakaien, gewalttätige Handlanger, ruchlose Halbweltbosse und ein unbekanntes Oberhaupt mit Decknamen „Gilbert“) auf für ihn typische Erzählmuster zurück und kombinierte diese mit der spannungsförderlichen Idee, mit dem Bruder der angeblich Verstorbenen einen indirekt Geschädigten (und nicht wie bei Durbridge einen Inspektor oder einen fälschlich Verdächtigten) zum Protagonisten des Mehrteilers zu machen.

    In dieser persönlich involvierten, durch ihre Privatanliegen etwas legereren Ermittlerrolle besticht Joachim Fuchsberger mit intensivem Spiel. Allein an dieser Besetzung ist abzulesen, dass die InterTel und das ZDF bei diesem Projekt klotzten und nicht kleckerten. Stimmen, die Fuchsberger mangelndes schauspielerisches Talent attestieren, sollten genau hinsehen, wie er als Edward Morrison in „Der Tod läuft hinterher“ weit über das unbedingt notwendige Maß hinaus Verbundenheit mit seiner „verunfallten“ Schwester Alice demonstriert und seinen Ermittlungen folglich eine gehetzte, zwingende Komponente verleiht, die die Ereignisse unweigerlich vorantreibt. Morrisons Motivation ist keine professionelle Wissbegier wie bei Blackys früheren Scotland-Yard-Inspektoren, sondern eine direkt greifbare Verzweiflung, die am Ende des ersten Teils ganz besonders heftig aufflammt und für einen exzellenten Cliffhanger sorgt.

    Fuchsbergers Spiel haben sich die anderen Akteure trotz ihrer ebenfalls unverkennbaren Prominenz unterzuordnen, agieren sie doch in den allermeisten Fällen als skeptisch zu beäugende Verdächtige oder Mitwisser, die es nur darauf anlegen, Morrison Steine in den Weg zu legen. Wo sich Durbridge auf einen Hauptverdächtigen einschießt und alle Szenen darauf aufbaut, diesen so unwiderlegbar wie möglich zu kompromittieren, zeigt Reinecker – mit Ausnahme von Morrisons Vertrauter Mary Hotkins (Marianne Koch) – fast ausschließlich Lumpen und Ganoven, verleiht jeder Figur abseitige Qualitäten und erzeugt damit einen allgemeinen „Strudel des Bösen“, dem sich auch Morrison nicht entziehen kann. In dessen Zentrum befindet sich (wie in Reinecker-Stoffen üblich) ein anrüchiges Etablissement, dessen Personal mit Pinkas Braun, Gisela Uhlen, Jan Hendriks und Josef Meinrad besonders eindrücklich besetzt ist. Die später noch jahrzehntelang wie ein Uhrwerk funktionierende Kollaboration zwischen dem Drehbuchautor als Figurenschaffer und Produzent Ringelmann als Figurenbesetzer hat sich hier (nach einer vorherigen Zusammenarbeit bei nur sechs Folgen der „fünften Kolonne“) bereits so gut eingeschliffen, dass die genannten Akteure ihre individuellen Stärken – von messerscharfer Aggression über kühle Strenge bis hin zu unverbindlicher, falscher Freundlichkeit – aufs Genaueste abrufen können und damit ein bis ins Detail überzeugendes Verbrecheruniversum schaffen. In dieses fügt sich auch die zurückhaltendere, aber nicht weniger verstockte Yvonne Monlaur bestens ein, die neben der singenden Kiki Dee eine der hauptsächlichen Nachtclubattraktionen und außerdem noch eine einigermaßen unkooperative, aber letztlich doch hilfreiche Zeugin darstellt.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Das Geheimnis der roten Quaste (Das Rätsel der roten Quaste)

    Kriminalfilm, AT 1963. Regie und Drehbuch: Hubert Frank. Mit: Vivi Bach (Regina Janson), Dietmar Schönherr (Richard Warren), Slavo Schwaiger (Kriminalrat Dr. Marceau), Demeter Bitenc (Monsieur Mantel), Laya Raki (Tänzerin Sylvia), Jose Pengov (Monsieur Duval), Mario di Stella (Rezeptionist Mario), Inge Holzleitner, Xenia Hribar, Dragan Yankovic u.a. Uraufführung (BRD): 8. November 1963. Eine Produktion der Tivoli-Filmproduktion Wien im Europa-Filmring Hamburg.

    Zitat von Das Geheimnis der roten Quaste
    Nicht nur als Journalist, sondern auch als Überbringer einer wichtigen Geheimformel quartiert sich Richard Warren im Hotel Excelsior ein. Dort warnt ihn die Tänzerin Sylvia, bei seinem Unterfangen Vorsicht walten zu lassen. Richard findet sie kurz darauf mit einer tödlichen Schusswunde auf ihrem Hotelzimmer. Weil der Verdacht prompt auf ihn fallen würde und er ohnehin nicht die geringste Absicht hat, in die Fänge der Polizei zu geraten, flieht er geistesgegenwärtig vom Tatort und sucht Unterschlupf bei der Ladenbesitzerin Regina. Er zwingt die selbstbewusste Blondine mit vorgehaltener Waffe, ihn bei sich aufzunehmen. Nach und nach kommen sich Richard und Regina so nahe, dass er ihr sogar die Geheimformel anvertraut. Ob dies eine kluge Idee war?


    Im Jahr 1963 war die Edgar-Wallace-Welle auf ihrem Kult-Höhepunkt und die James-Bond-Reihe gerade nach Deutschland gekommen. Beide zu verbinden, versuchte offenbar „Das Geheimnis der roten Quaste“, das stilistisch einen ganz eigenwilligen Weg fährt und damit in seiner prinzipiellen Kreativität schon einmal vielen Vertretern der Wallace-Epigonenschaft einige Schritte voraus ist. Man merkt dem von Hauptdarstellerin Vivi Bach produzierten Film einen Anspruch an, das Publikum auf ungewohntem Wege zu erreichen und mehrere Stilrichtungen – vor allem die des Kriminal-, Agenten- und Liebesfilms – unter einen Hut zu bringen. Entsprechend kurios ist im Ergebnis der Handlungsverlauf, der zunächst mit einem Mordfall startet, sich dann als Romanze weiterentwickelt und schließlich (nach frühzeitiger Aufklärung) in verschiedenen Irrungen um eine chemische Formel gipfelt. Diese verschiedenen Versatzstücke werden nicht immer auf überzeugende Weise zusammengebracht und wirken nicht selten unlogisch, naiv oder überhetzt, was sicher auch der Kürzung der bundesdeutschen Fassung um ca. 20 Minuten gegenüber dem österreichischen Original zuzuschreiben ist. Andererseits ist fraglich, ob eine erheblich längere Laufzeit dem Film gut getan hätte, denn er scheint nicht die Substanz zu haben, sich für viel länger als die letztlich auf DVD präsentierten 70 Minuten zu tragen.

    Regisseur und Autor Hubert Frank, der später Meisterwerke wie „Muschimaus mag’s grad heraus“, „Unterm Röckchen stößt das Böckchen“ oder „Taifun der Zärtlichkeit“ verantwortete, drehte mit der „Quaste“ seinen Debütfilm, der anderen Titeln seiner Filmografie um mehrere Jahre vorauseilt. Entsprechend wirkt das Gebotene zwar einerseits recht ambitioniert (interessante Licht- und Schattenspiele, ungewöhnlicher Handlungsverlauf), wurde jedoch andererseits oft ungelenk in Szene gesetzt. Für manche Unebenheiten – zum Beispiel warum sich Regina so schnell mit dem Eindringling in ihrer Wohnung arrangiert – werden später (mehr oder weniger einleuchtende) Erklärungen gefunden. Die Dialoge zeichnen sich durchaus durch eine ordentliche Qualität aus und profitieren von einer hochwertigen Nachsynchronisation, in der außer Dietmar Schönherr niemand mit eigener Stimme zu hören ist. Vor allem die Nachvertonung Vivi Bachs durch Ursula Heyer stellt eine immense Erleichterung dar, weil dank ihr Bachs Figur nicht mit amüsantem Akzent radebricht, sondern tatsächlich ernstgenommen werden kann. Das ist für ihre zentrale Rolle immens wichtig – gerade weil weder sie noch Schönherr von Haus aus wirkliche schauspielerische Schwergewichte sind, was sich durchaus auch in der einen oder anderen Szene bemerkbar macht. Dennoch entwickelt sich zwischen ihnen ein gutes Zusammenspiel, das über die Längen des Mittelteils stellenweise hinwegtröstet und das Ende tatsächlich ein wenig tragisch macht.

    Größtes Problem von „Das Geheimnis der roten Quaste“ dürften die sehr begrenzten finanziellen Mittel der Produktion gewesen sein, die sich in einem dezidierten B-Film-Charme niederschlagen. Außer den beiden Hauptdarstellern zählt keiner der mitwirkenden Mimen zu den bekannten Kinonamen des deutschsprachigen Markts, sodass man hier auf das Kuriosum trifft, dass die Synchronisation (z.B. mit Siegfried Schürenberg auf Slavo Schwaiger und Harry Wüstenhagen auf Demeter Bitenc) prominenter besetzt ist als der eigentliche Film. Schwaiger, Bitenc und Raki liefern zwar solide, aber diese Rollen hätten mit vertrauten Fieslingsgesichtern noch um ein Vielfaches eindrucksvoller ausfallen können. Die Aufnahmen entstanden in der slowenischen Mittelmeerstadt Piran, die zwar pittoresk wirkt, aber ebenfalls das angespannte Budget verrät. Sowohl der Ausflug in die Welt der Agenten als auch die wohl fürs Finale beabsichtigte emotionale Schwere erreichen aufgrund der allseits waltenden Semi-Professionalität nur ein leidliches Niveau, das durch einige offensichtliche Füllsequenzen (z.B. die umfangreichen erotischen Tänze von Laya Raki) nicht gerade angehoben wird. Auch wenn der Begriff „Machwerk“ sicher die positiven Ansätze der „roten Quaste“ aus dem Blick lässt, sucht man echten cineastischen Anspruch dennoch vergeblich. In allen drei Genres, in denen sich die Produktion versucht, erzielt sie nur mittelmäßige Erfolge, sodass sie auch im Wallace-Epigonenreich nicht zu den starken Vertretern gezählt werden kann. Eine Sichtung ist der Film aber allemal wert und wird dabei vielleicht manchen Zuschauer mit niedrigen Erwartungen verblüffen.

    Dass eine Mischung aus Krimi- und Spionagefilm aus deutschsprachigen Billigschmieden immer gefährlich ist, stellen filmische „Problemkinder“ wie „Das Geheimnis der chinesischen Nelke“ oder „Die Rote Hand“ nachdrücklich unter Beweis. Gegenüber diesen Streifen kann sich die „rote Quaste“ in positivem Sinne behaupten. Sie erscheint zwar ähnlich blauäugig, zeichnet sich aber immerhin durch eine gewisse Originalität aus. Trotz eines Schlagers bringt Vivi Bach nicht das althergebrachte Unterhaltungsfilm-Gusto in den Film, sondern wollte offenkundig etwas Anderes, Düstereres schaffen. Mit einem weniger durchschnittlichen Team und einer aufwendigeren Produktion wäre ihr das vielleicht auch besser gelungen. 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Dieser Thread hat mich nun auch dazu angehalten, endlich einmal den Filmtipp eines Forumsmitglieds zu sehen, den ich schon (zu) lange auf dem Schirm hatte. Es hat sich gelohnt:



    Die Akte Odessa (The Odessa File)

    Spionagethriller, GB / BRD 1974. Regie: Ronald Neame. Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein (Romanvorlage, 1972: Frederick Forsyth). Mit: Jon Voight (Peter Miller), Mary Tamm (Sigi), Maximilian Schell (Eduard Roschmann), Derek Jacobi (Klaus Winzer), Klaus Löwitsch (Gustav Mackensen), Hannes Messemer (General Glücks), Shmuel Rodensky (Simon Wiesenthal), Maria Schell (Frau Miller), Peter Jeffrey (David Porath), Ernst Schröder (Werner Deilmann) u.a. Uraufführung (GB): 17. Oktober 1974. Uraufführung (BRD): 7. Februar 1975. Eine Produktion von Domino Productions und Oceanic-Filmproduktion für Columbia Pictures.

    Zitat von Die Akte Odessa
    Aus Zufall wird der freie Reporter Peter Miller auf den Selbstmord eines alten Mannes aufmerksam – augenscheinlich nicht mehr als eine Zwei-Zeilen-Story. Ein befreundeter Polizist überlässt Miller das Tagebuch des Toten, das den Suizid in anderem Licht erscheinen lässt: Darin schildert der Jude die schrecklichen Ereignisse im Konzentrationslager von Riga und die Untaten des Lagerleiters und „Schlächters“ Eduard Roschmann. Die Zeilen bewegen Miller dazu, Jagd auf Roschmann zu machen. Seine Motivation geht soweit, sich vom israelischen Geheimdienst anwerben zu lassen, um Roschmann und die ihn umgebende Organisation „Odessa“ auszuheben. Damit macht sich Miller, der unter dem Decknamen Kolb operiert, Todfeinde ...


    Die Verfilmung des gleichnamigen Romanerfolgs von Frederick Forsyth stellt ein spannendes Konglomerat aus Vergangenheitsdrama, düsterem Thriller und Spionagefilm dar, dessen Ausgangslage – eine Bedrohung Israels durch von Ägypten beauftragte, aber von Altnazis entwickelte Bomben – eine interessante zusätzliche Motivation zur in offenen Bildern umgesetzten Leidensgeschichte des alten Juden Salomon Tauber darstellt. Die Untaten im Konzentrationslager schienen dem deutschen Verleiher offenbar auch 1974 noch zu sensibel gewesen zu sein, sodass für die deutsche Schnittfassung einige Szenen herausgenommen wurden, die die genauen Vorgehensweisen Roschmanns illustrieren. Derart aufgerüttelt, bleibt der Zuschauer bei den folgenden Ereignissen ebenso beharrlich am Ball wie der Journalist Peter Miller, der durch seine Nachforschungen schnell ins Fadenkreuz der „Odessa“ gerät. Die „Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen“ erweist sich ähnlich wie in kritischen deutschen Aufarbeitungsfilmen als eine Vereinigung von Männern, die es durch mangelnde Entnazifizierung, strenge Disziplin und Beutevermögen aus dem Krieg auch in der bundesrepublikanischen Gesellschaft wieder in zentrale Positionen (u.a. in Polizei, Staatsanwaltschaften und Unternehmertum) geschafft haben und die daher einigermaßen ungefährdet agieren können.

    Der Film schildert die Suche nach Roschmann, dem man in der Rückblende bereits in der beeindruckenden Gestalt Maximilian Schells begegnet, mit kleinteiliger Genauigkeit. Für jeden Vorstoß, der Miller gelingt, schlägt ihm die „Odessa“ wiederum ein Schnippchen – nach dem Motto „zwei Schritte vor und einer zurück“ ergibt sich auf diese Weise ein spannender Kampf eines Einzelnen gegen ein perfides Netzwerk, das die Produktion mit großteils deutschen Mimen besetzte. Als Odessa-Vertreter hinterlassen z.B. Hannes Messemer, Günter Meisner, Ernst Schröder, Hans Caninenberg und Klaus Löwitsch angemessen verschlagene Eindrücke. Gerade im Spiel von Günter Meisner, der nicht selten in internationalen Produktionen als Nazi zu sehen war, funkelt echte Begeisterung für die alte Sache durch und macht seinen Ein-Szenen-Auftritt damit zu einem beunruhigenden Höhepunkt im frühen Verlauf des Films. Ein weiteres Highlight besteht in jener Szene, in der auf Miller ein Anschlag in der Hamburger U-Bahn verübt und er vor einen in eine Station einfahrenden Wagen gestoßen wird. Der Stunt sieht eindrucksvoll und brandgefährlich aus.

    Der Kampf Davids gegen Goliath bleibt bis zum Ende hin faszinierend, was einerseits der dauerhaften Präsenz des charismatischen Jon Voight als Peter Miller zuzuschreiben ist; andererseits auch der Einführung der Figur des Passfälschers Klaus Winzer, der eine Akte über alle Zweitidentitäten der Odessa-Mitglieder angelegt hat. Derek Jacobi ist eine der sympathischen Randfiguren, um die man sich ebenso große Sorgen macht wie über den Protagonisten und die belastenden Beweisstücke. Auch Millers Freundin wird gut in die Handlung integriert und schwebt immer wieder in Gefahr (u.a. in einer beeindruckenden Szene im alten Elbtunnel). Und während viele Spannungsmomente sich allein auf die stille Wirkung ihrer Bilder verlassen, tönt hin und wieder ein selbstbewusster Soundtrack von Andrew Lloyd Webber durch die Boxen.

    Da „Die Akte Odessa“ so zielstrebig auf eine Konfrontation zwischen Miller und Roschmann hinarbeitet, hätte die finale Auseinandersetzung der zwei Gegner leicht die aufgebaute Spannung verpuffen lassen und das Publikum enttäuschen können. Tatsächlich aber kreierten die Macher ein überzeugendes, wortreiches Duell zwischen den beiden Antagonisten, in dem beide – mehr oder weniger überraschend – ihre Masken fallen lassen. Schell läuft hier noch einmal zur Hochform auf und zeigt sich als wortgewandter Opportunist, der mehrere Strategien ausprobiert, um sich heil aus der bedrohlichen Lage herauszuwinden. Für Voight alias Miller behielt sich Forsyth indes eine clevere Wendung vor, die seinem Charakter auf den letzten Metern eine spannende Facette hinzufügt. Ob diese allerdings ausreicht, um Roschmann legitim aus dem Weg räumen zu dürfen? In einem Punkt bringt dieser schließlich die sinnvollere Argumentation vor, während sich Miller in seiner Antwort als ebenso eigenmächtiger Richter über Menschen besserer und schlechterer Qualität entpuppt:

    Zitat von Maximilian Schell und Jon Voight in „Die Akte Odessa“
    „Sie haben mich einen Mörder genannt. Wenn Sie jetzt mich umbringen, sind Sie ebenfalls ein Mörder. Wo ist der Unterschied?“ – „Ich würde keinen Menschen umbringen.“


    Trotz überbordender Länge entwickelt sich aus dem trostlosen Einstieg eine von Anfang bis Ende hochspannende Jagd nach einem Kriegsverbrecher. Jon Voight zeigt sich engagiert und wandlungsfähig und trägt die meisten Szenen im natürlichen Zusammenspiel mit einem abwechslungsreichen und authentischen Nebendarsteller-Cast. 5 von 5 Punkten – dass sich „Die Akte Odessa“ zu einer Art Kultfilm entwickelt hat, ist leicht nachvollziehbar.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die Kritik an der Erkenntlichkeit der Masken scheint mir doch etwas generalisiert. Wie auch @Percy Lister würde ich davon ausgehen, dass man zwar manche, aber eben nicht alle Verkleidungen auf Anhieb erkennen kann, z.B. den Pater oder den Hausmeister. Ich kann auch @Ray und @patrick zustimmen: Der Whodunit ist bei so zentralen Wallace-Filmen oder -Epigonen, die man nicht nur alle paar Jahre sieht, um sich dann wieder aufs Neue überraschen zu lassen, sondern die man praktisch wie seine Westentasche kennt, eh nur beim ersten Sehen relevant. Meine Sicht hatte ich auch bereits in der ausführlichen Besprechung dargelegt:

    Zitat von Gubanov im Beitrag #61
    Dem Film wird oft vorgeworfen, er sei zu voraussehbar, weil seine Täterauflösung sich wie im „Hexer“ auf Maskeraden des Hauptschurken verlässt, ohne ihn dabei jedoch von einem anderen Schauspieler doubeln zu lassen. Natürlich sorgt dieses ungewohnte Fairplay (obgleich unterstützt von gelungenen Nachsynchronisierungen) dafür, dass es dementsprechend einfach erkennbar ist, wer da ein falsches Spiel spielt. Aber dies tut dem Film für mein Dafürhalten kaum Abbruch: Zu viele Ablenkungsmanöver schickte der Wallace-Ur-Drehbuchautor Egon Eis ins Rennen, um die Zuschauer mit kleineren und größeren Rätseln abseits des Weges abzulenken. Ist Richard Irvine noch am Leben? Kooperierte Muriel mit dem Syndikat bzw. welche Verbindungen dazu hatte ihr Mann? Wer steckt hinter dem geheimniskrämerischen Inspektor Conway? Welcher Helfershelfer bediente sich der Haupttäter und wie wird er sich ihrer entledigen? Und hinter wie vielen Masken versteckt er sich überhaupt? Während nämlich einige wirklich leicht zu durchschauen sind, dürfte selbst der gewiefteste Zuschauer vielleicht nicht jede einzelne auf Anhieb erkannt haben. Das Mit-Aufspüren gerät so zur aktiven Involvierung des Publikums und auch der Clou, dass Eis die Täterfigur aus dem Roman gegenüber dem Film veränderte, hatte sich in „Das Gasthaus an der Themse“ bereits als erfolgreicher Kniff erwiesen.

    Man sollte sich nicht zuletzt fragen: Was wäre denn die Alternative gewesen? Dass Falconettis Rollen wie bei "Hexer" oder "Fantomas" von anderen Schauspielern gespielt werden? Das wäre in diesem Fall kaum aufgegangen, weil der Täter sich so vieler Identitäten bedient und obendrein nicht einmal mit seiner einen großen charakteristischen "Hauptmaske" (der des Clubbesitzers) enttarnt wird. Folglich wäre es ohne konstruierte Erläuterungen oder Geständnisse letztlich überhaupt nicht nachvollziehbar gewesen, wer alles "echt" und wer nur ein Alias von Falconetti war. Zudem wäre diese Herangehensweise auch ein Stückweit unfair gegenüber dem Zuschauer gewesen, der laut klassischer Krimiregeln eigentlich immer ein Anrecht darauf hat, die Indizien zum Erraten des Täters während des Lesens / Sehens offen dargelegt zu bekommen.
    Zitat von Georg im Beitrag #65
    P.S.: Noch ein Regiefehler, der mir aufgefallen ist: am Ende entdeckt die Polizei die Utensilien, die der Täter zur Verkleidung benützt hat, darunter auch eine Schnur, die der Mönch als Gürtel trägt. In der nächsten Einstellung hat der Täter genau diese Verkleidung an - samt Schnur, die gerade vorhin von Scotland Yard gefunden wurde!

    Netter Fund. Hoch lebe das Ersatz-Zingulum!

  • Die Männer vom K3 (1988-2003, TV)Datum03.10.2018 08:19
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Nachdem die zweite Staffel bereits seit November 2017 erhältlich ist, hatte ich bereits befürchtet, dass der Rest nicht mehr auf Silberling erscheint. Jetzt ist aber bei Thalia und Studio Hamburg zu lesen, dass "Die Männer vom K3 - Staffel 3.1" doch bald ihr DVD-Debüt feiern wird - und zwar am 14.12.2018. Genauere Infos gibt es noch nicht. Mal sehen, wie viele Folgen enthalten sein werden bzw. auf wie viele Editionen man die dritte Staffel aufteilt. Nach 8 in der ersten und 7 in der zweiten verfügt die dritte und letzte Season immerhin über ganze 23 Episoden.

    http://presse.studio-hamburg-enterprises...-dezember-2018/

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Mittlerweile ist ein dritter Film unter diesem Banner erschienen, "Mord ohne Mörder". Es handelt sich um einen halb übernatürlichen Krimi von 1955 mit Orson Welles in der Hauptrolle.

Inhalte des Mitglieds Gubanov
Beiträge: 15528
Geschlecht: männlich
Seite 3 von 50 « Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 50 Seite »
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen