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  • Grand PrixDatum03.03.2019 19:07
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Wir schätzen wieder viele Beiträge ähnlich ein; das beginnt bei einer hohen Position für die isländischen Auswahl "Hatrið mun sigra" von Hatari. Das ist gewagt und künstlerisch für ESC-Verhältnisse einigermaßen anspruchsvoll, ein Lied der Kontraste, das tlw. hart und kompromisslos ist, tlw. auf einer sehr erfolgreichen Retro-Welle schwimmt. Ob es zugänglich genug ist für den aktuell prognostizierten 4. Platz der Bookies wage ich aber zu bezweifeln; selbst der mainstreamkonformere ungarische Beitrag im letzten Jahr schaffte den Cut ins Finale nur äußerst knapp, was Island ja ohnehin schon immer ziemliche Schwierigkeiten bereitet. "Hatrið mun sigra" könnte sich also einreihen in die traurige Riege der unverdienten Semi-Rausflieger.

    Portugal ist quasi Salvador-Teil 2: die musikgewordene Hipster-Neuinterpretation von "Des Kaisers neue Kleider". Conan Osíris sollte bedenken, dass sein quasi nicht vorhandenes Lied "Telemóveis" nicht allein dadurch besser wird, dass er es im Morgenmantel performt. In der ESC-Bubble sollte es aber genug Zuredner geben, sodass der Schwindel wie im Märchen erstmal ganz gut funktionieren dürfte ...

    Bei Norwegen stellt sich eine gewisse schlagerselige Schunkelstimmung ein, die mich unwillkürlich an das Zeitalter lettischer Disneyland-Piraten erinnert. Der Act "Spirit in the Sky" von KEiiNO ist in etwa so billig, wie der Titel vermuten lässt, aber wird im Laufe des Songs so eingängig, dass man sich seiner Faszination nicht entziehen kann. In einem schwachen Jahr reicht's aktuell für meine Top-5.

    Belgiens Eliot mit "Wake up" und Moldaus Anna Odobescu mit "Stay" rechtfertigen tatsächlich keine expliziten Urteile; das sind Midtable-Lieder, die niemanden stören, aber vergessen sind, sobald sie verklingen. Die Interpreten dürften auch entsprechend wenig dazu beitragen, sie einprägsamer zu machen. Ähnliches gilt für Finnlands DJ-Nummer "Look away" von Darude & Sebastian Rejman, die ähnlich wie Norwegen vor zwei oder Polen im letzten Jahr wirkt: glatt und langweilig. Zudem ist der Chorus einfallslos hoch zehn. Aber immerhin hat das Lied etwas mehr Drive als die vorgenannten Titel.

    Mein Ranking:

    12 Pkt.: Mahmood - Soldi
    00 Pkt.: (MARUV - Siren Song)
    10 Pkt.: Hatari - Hatrið mun sigra
    08 Pkt.: KEiiNO - Spirit in the Sky
    07 Pkt.: Bilal Hassani - Roi
    06 Pkt.: Kate Miller-Heidke - Zero Gravity
    05 Pkt.: Ester Peony - On a Sunday
    04 Pkt.: Eliot - Wake Up
    03 Pkt.: D-Moll - Heaven
    02 Pkt.: Anna Odobescu - Stay
    01 Pkt.: Darude & Sebastian Rejman - Look away

    00 Pkt.: Victor Crone - Storm
    00 Pkt.: Michael Rice - Bigger than Us
    00 Pkt.: Jurijus - Run with the Lions
    00 Pkt.: S!sters - Sister
    00 Pkt.: Leonora - Love Is Forever
    00 Pkt.: Zala Kralj & Gašper Šantl - Sebi
    00 Pkt.: Miki - La venda
    00 Pkt.: Lake Malawi - Friend of a Friend
    00 Pkt.: Joci Pápai - Az én apám
    00 Pkt.: Carousel - That Night

    00 Pkt.: Roko - The Dream
    00 Pkt.: Conan Osíris - Telemóveis
    00 Pkt.: Jonida Maliqi - Ktheju tokës

    Nach meinem Ranking muss ich immer noch feststellen, dass das Jahr einfach bisher völlig unerreichte Mengen Ausschuss im Teilnehmerfeld hat und meine Top-10 nach wie vor mindestens fünf, sechs Beiträge aufweist, die ich in einem starkeren Feld nicht mit der Kneifzange anfassen würde. Wirklich hörbar sind nur Italien und Island sowie die zurückgezogene Ukraine.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum26.02.2019 00:51
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #23
    - Borsche zu alt und kraftvoll für seine Rolle, auch wenn an seinem Spiel nichts auszusetzen ist (ein paar Jahre weiter und Eddi Arent hätte Lord Chelford spielen können, dann vielleicht anfangs etwas liebenswürdig-versponnener als bei Borsche)

    Für den Harry aus dem Buch passt Borsche wirklich nur mit größerer Fantasie. Hier wäre jemand wie Hannes Messemer eine originalgetreuere Besetzung gewesen. Arent sehe ich zu keinem Zeitpunkt in der Rolle (die auch keineswegs liebenswürdig-versponnen angelegt ist); er hätte auch nicht die darstellerische Kapazität dafür gehabt.

  • Grand PrixDatum26.02.2019 00:44
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Wow, dieses Jahr ist echt nicht mein Ding. Da habe ich neben "Soldi" endlich einen zweiten Favoriten und was passiert? MARUV wird nach Streitigkeiten mit dem ukrainischen Sender wegen eines üblen Knebelvertrags doch nicht nach Tel Aviv fahren. Echt schade! Momentan stehen die Optionen im Raum, dass die Ukraine entweder jemand anderen schickt oder für dieses Jahr komplett ausscheidet. Dass sich die EBU einmischt, ist leider nicht zu erwarten, obwohl sich UA:PBC mit dieser Aktion echt ins Abseits geschossen hat.

    Und nebenbei erfahre ich dann auch noch, dass in Litauen (ausgerechnet ) eine richtige Burner-Ballade im Rennen war (Monika Marija - Criminal). Die hat's natürlich auch nicht geschafft ...

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Meine Güte: Hier im Thread herrscht ja ein echtes Servierwagen-Trauma vor. Wenn wir alle darin übereinstimmen, dass wir das nicht lustig finden, dann war es vielleicht auch genau das: gar nicht lustig gemeint ...

    Zitat von Wallacefreund im Beitrag #11
    H. Nielsen spielt den aufbrausenden US-Amerikaner, erinnert mich ein wenig an Fröbes Auftritt im Bogenschützen. Finde seine Darbietung ebenso wie in der"Tür"gut. [...] A. Berber spielt ordentlich, kommt aber an seiner Glanzleistung aus den Augen nicht annähernd heran. Fand ihn auch in der Tür besser, hat hier seinen schwächsten Wallace Auftritt.

    Zu Hans Nielsen habe ich noch nichts geschrieben. Mir hat er diesmal auch deutlich besser in der Rolle des in die Ecke gedrängten Mr. Tilling gefallen, als ich es von früheren Sichtungen her in Erinnerung hatte. Nichtsdestoweniger halte ich an der Behauptung fest, dass Nielsen mit dieser Rolle (und auch mit der als Anwalt Haveloc in der "Tür") einigermaßen sträflich unterfordert war und er dementsprechend zwei im Rahmen seiner illustren Filmografie eher schwache Auftritte zu verbuchen hat. Das liegt aber gewiss nicht daran, dass er nicht überzeugen würde, sondern eher daran, dass er zu viel mehr imstande gewesen wäre, wenn man ihn im Wallace-Rahmen denn gelassen hätte. Das war leider nicht der Fall.

    Bei der Berber-Rolle ist eher Umgekehrtes zu konstatieren. Da war dann eben sehr schnell eine schauspielerische Glasdecke erreicht, die Vohrer in den "Augen" sehr geschickt z.B. durch eine weitgehend dialogfreie Anlage der Rolle umschifft hatte. Aber andererseits krankt auch Berbers Chiko an einer Flachheit, die in den kommenden Filmen von einer Vielzahl der Charaktere Besitz ergreifen wird. Er ist einfach keine so interessante, runde Figur mehr wie zu "blinder Jack"-Zeiten, sondern mehr ein erwartbares Stück Inventar. Ähnliche Entwicklungen lassen sich in den Jahren 1963/64 auch bei den Kinski-Rollen konstatieren - und spätestens in der Farbära dann gleichfalls bei so ziemlich allen anderen Figuren auch.

    Interessant beim Lesen der Bewertungen zum "Tuch" ist, wie ausgeglichen hier sehr stark positive und eher kritische Meinungen vorgetragen werden. Das hat man doch eher selten - hier liegt also wirklich mal ein echt polarisierender Film vor.

  • Grand PrixDatum23.02.2019 22:34
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Die Ausbeute des heutigen Abends ist auch durchwachsen, aber wenigstens haben wir mit der Ukraine einen guten Song dazugewonnen. MARUV und ihr "Siren Song" trösten auch ein bisschen über das Scheitern von Aly Ryan hinweg; die beiden Acts sind sich ja doch ziemlich ähnlich. Insofern ist den Ukrainern viel Erfolg zu wünschen. Ungarn sendet wieder Joci Papai und im Gegensatz zu seinem ersten Song, der immerhin noch eingängig war, ist der zweite eine einzige Schlaftablette. Echt übel = zero points. Dänemarks Leonora mit "Love Is Forever" haut in die Zoe-Kerbe und will mit Niedlichkeitsfaktor punkten. Könnte klappen oder gewaltig danebengehen. Mal sehen. Mehrsprachigkeit ist ein Plus. Aber insgesamt ist der Beitrag höchstens nett - und "nett" ist die kleine Schwester von ... Bleibt noch Litauen: Die passen sich gut in diesen Jahrgang ein mit einer unauffälligen Ballade, aber immerhin sind sowas wie eine Melodie und ein Thema erkennbar. Das ist zwar auch langweilig, aber reicht immerhin fürs Mittelfeld.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Das indische Tuch

    Kriminalfilm, BRD 1963. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson, Georg Hurdalek (Romanvorlage „The Frightened Lady“, 1933: Edgar Wallace). Mit: Heinz Drache (Frank Tanner), Corny Collins (Isla Harris), Elisabeth Flickenschildt (Lady Emily Lebanon), Hans Clarin (Lord Edward Lebanon), Klaus Kinski (Peter Ross), Richard Häußler (Dr. Amersham), Siegfried Schürenberg (Sir Henry Hockbridge), Gisela Uhlen (Mrs. Tilling), Hans Nielsen (Mr. Tilling), Eddi Arent (Richard Maria Bonwit), Ady Berber (Chiko), Alexander Engel (Reverend Hastings), Wilhelm Vorwerg (Lord Francis Percival Lebanon), Eberhard Junkersdorf (Double des Halstuchmörders), Rainer Brandt (Stimme am Telefon) u.a. Uraufführung: 13. September 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Das indische Tuch
    Als der Hausherr des Schlosses Marks Priory, der 28. Lord of Lebanon, stirbt – angeblich an einem Herzinfarkt –, wird die geldgierige Verwandtschaft von einem ungewöhnlichen Testament überrascht: Die zerstrittenen Familienmitglieder sollen sechs Tage und Nächte gemeinsam auf dem Schloss ausharren, um die Bekanntgabe des letzten Willens zu erwarten. Zu allem Überfluss geht über dem Schloss ein schwerer Sturm nieder, der jede Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt abbricht. Ein schwarzes Schaf nutzt diese Gelegenheit aus, um die potenziellen Erben nacheinander mit indischen Seidentüchern zu erdrosseln und den eigenen Anteil an der Hinterlassenschaft von mehr als einer Million Pfund damit drastisch zu erhöhen. Wie viele Anwesende wird der schnelle Tod treffen, bevor Testamentsverwalter Frank Tanner den Mordfall löst?


    „Und wenn einer hier stirbt?“ – „Dann hat er Pech gehabt: Leichen sind nicht erbberechtigt.“

    Nach dem Rekordjahr 1961 steht 1963 mit viereinhalb Krimis in Bezug auf die Produktivität der Edgar-Wallace-Reihe an exponierter zweiter Stelle. Die Macher bei der Rialto-Film – zumal ihnen Artur Brauners CCC bereits einen Starttermin im Februar weggeschnappt hatte – mussten folglich im Akkord arbeiten, um den selbstgewählten engen Zeitplan zu erfüllen und den maximalen Profit aus dem gut eingespielten Geschäft mit prickelnder Angst und kreativen Morden zu schlagen. „Das indische Tuch“ ist der erste Wallace-Film, dem man seine Fließband-Entstehung in fast jeder Beziehung anmerkt, und damit ein Wegbereiter für die Art Unterhaltung, die dem erwartungsfrohen Publikum in den kommenden Jahren immer wieder in relativ unveränderter Zusammensetzung angeboten werden sollte. Das merkt man ganz prominent an der mittlerweile selbstsicher eingespielten, selbst zur Marke gewordenen Alfred-Vohrer-Inszenierung mit ihren ironischen Untertönen und ihrer effektiven Spannungsmache; aber auch in anderen Bereichen treten Anzeichen von Routine unübersehbar auf: Überwältigende Teile von Besetzung und Stabmitgliedern waren zuvor bereits mit Wallace-Filmen in Kontakt gekommen (lediglich die drei in diesem Bereich nicht sonderlich langlebigen Personalien Corny Collins, Hans Clarin und Georg Hurdalek stießen neu hinzu), die Mühe, ein authentisches schottisches Schloss-Setting zu erschaffen, hielt sich in baulich sehr engen Kammerspielgrenzen und der Umgang mit der Wallace’schen Buchvorlage entsprach auch nicht mehr dem Qualitätsbewusstsein der ersten Serienstunde.

    Natürlich bringt der Mangel an Innovation auch positive Auswirkungen mit sich: Wenn sich mit der kommentierenden Schnitttechnik von Hermann Haller gewissermaßen der Vorhang über der Theaterbühne Marks Priory erhebt, birgt dies ein ungeheures Maß an Vertrautheit und lässt im Zuschauer das Gefühl aufkommen, hier einen der klassischsten Wallace-Filme zu sehen, der so ziemlich alle erwartbaren Kriterien erfüllt und durchaus auch von der Erfahrung der Mitwirkenden profitiert. Tempo und Atmosphäre sind von Anfang an stimmig; der gruselige Mord an Lord Lebanon, die omnipräsente Klaviermusik nach Motiven von Chopin, die gegeneinander aufgebrachte Adelsfamilie mit ihren unterschiedlichen Charakteren, das no escape-Szenario und die rasche Dezimierung der Anwesenden, die mit ständigen falschen Verdachtsmomenten verknüpft wird, taugen zu bester Unterhaltung. Die Schauspieler sind rollentypisch besetzt, wobei „Das indische Tuch“ das höchste Niveau vielleicht dadurch verpasst, dass man zugkräftige Namen wie Elisabeth Flickenschildt, Siegfried Schürenberg, Gisela Uhlen und Ady Berber schon in besseren Darstellungen gesehen hat. Sehr überzeugend hingegen gebärden sich ein ausnahmsweise selbstironisch eingestellter Heinz Drache, der mehr red herrings hinterherläuft als in jedem anderen Film, ein schnodderig-undurchsichtiger Klaus Kinski, ein peinlich berührter Richard Häußler und ein verhuscht-sensibler Hans Clarin.

    Dem Buch sind nur einige wenige Aspekte entnommen – das wenig rühmliche, mit Geisteskrankheit verbundene Ende des Lebanon-Stammes dürfte die wesentlichste Parallele darstellen. Eine derartige kreative Freiheit stellt ein Novum innerhalb der Reihe dar, was insofern bedauerlich ist, als ein Film wie „Der schwarze Abt“ vermutlich mehr davon profitiert hätte als ausgerechnet die ohnehin schon gelungene Erzählung „Das indische Tuch“. Die Inspiration, die man sich bei Agatha Christies „Zehn kleinen Negerlein“ nahm, ist unverkennbar und mithin nicht gerade das einfallsreichste Ruhmesblatt für die im Schnitt sehr starke Wallace-Filmografie des Drehbuchautors Harald G. Petersson. Nichtsdestoweniger ist das Drehbuch solide konzipiert, was vor allem auf die stark ausgeprägte Whodunit-Note, die guten, einprägsamen Charaktere sowie die geschmierten Dialoge zurückzuführen sein dürfte. Humor ist erneut sehr ausschweifend vertreten und schwankt zwischen genialen, trockenen Onelinern und (glücklicherweise nicht sehr häufigem) plumpem Klamauk. Alles in allem stimmt die Mischung, wenngleich die Zunahme der nicht ernstzunehmenden Momente gegenüber den frühen Filmen schon sehr ins Auge fällt.

    Ausgleichendes Moment für diese Scherze stellen die ikonischen und mit beträchtlichem Einfallsreichtum entstandenen Mordszenen dar, in denen das Publikum das Geschehen aus der Perspektive des Mörders verfolgt. Um die große Scope-Kamera unterzubringen, mussten die Hände des Halstuchmörders in diesen Einstellungen von zwei verschiedenen Personen gedoubelt werden, was einen beinahe unwirklichen optischen Effekt erzielt. Zusammen mit der prägnanten Mordmethode, dem Vohrer’schen Erfahrungsschatz darüber, wie viel Gewalt man auf der Leinwand zeigen durfte, und den abwechslungsreichen Gelegenheiten, zu denen der Killer zuschlägt, entstanden hiermit einige der eindrucksvollsten Todesmomente der Schwarzweiß-Ära (vor allem jene von Mrs. Tilling, Sir Henry und Lady Lebanon). Sie werden noch dadurch intensiviert, dass das charakteristische Klavierspiel passgenaue filmische Untermalung und inhaltlicher Kunstgriff zugleich ist – so gelingt selbst in einer „Popcorn-Produktion“ wie dieser eine teilweise erstaunliche Verknüpfung von Inszenierung und Handlungsebene, ohne dass wie in späteren Filmen Stil ohne Substanz geboten wird.

    Auch wenn die Frische der ersten Wallace-Jahre abhanden gekommen sein mag und das Drehbuch mit einer allzu rigiden Umarbeitung eines guten Romans aufwartet, so überzeugt „Das indische Tuch“ als mustergültiger Wallace-Stoff ohne größere Webfehler. Als solider Ensemblefilm in Kammerspiel-Manier angelegt, ist es eine große Freude, Frank Tanner und den Erben bei ihrer Suche nach dem Mörder über die Schulter zu schauen. Leider erhalten namhafte Mitwirkende wie Elisabeth Flickenschildt aber nur unzureichend Gelegenheit, die ganze Palette ihres Könnens auszuspielen.

  • Grand PrixDatum23.02.2019 11:42
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ein erwachsener Mann, der seinen Vater anhimmelt - sorry, das ist doch kitschig hoch zehn. Man hat weder vorher noch hinterher jemals etwas von Michael Schulte gehört, also warum muss er einen dann bei seinem einen großen Moment ausgerechnet mit Infos zu seinem Familienleben beglücken und welche Connection glaubt er, damit aufbauen zu können? Aber gut, den europäischen Jurys und Zuschauern scheint es ja - warum auch immer - nahegegangen zu sein.

    Nach Vätern machen wir also mit Schwestern weiter, die nicht weniger plastikhaft daherkommen, weil sie nichtmal Schwestern sind. Erinnert mich an die t.A.T.u.-Fakelesben, aber ohne deren ordentliche Songs. Den S!sters drücke ich im Gegensatz zu dir deshalb ausdrücklich nicht die Daumen - ein Platz unter den Flop-3 im Finale dürfte ein Ergebnis sein, das Act und Song gerechter wird.

    Heute Abend entscheiden dann Dänemark, Ungarn, Litauen und die Ukraine ihr Lied. Ich verfolge keine anderen Vorentscheide dieses Jahr (scheint auch besser so zu sein), aber wenigstens eines dieser Länder - looking at you, Ukraine! - sollte doch wohl etwas Vernünftiges schicken.

  • Grand PrixDatum22.02.2019 22:47
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Nö, letztes Jahr lief nach dem Motto mit dem blinden Huhn und dem Korn und war mehr fremdschämig als irgendwas anderes. Und diese schöne Tradition setzt sich (vermutlich ohne den unerklärlichen einmaligen Punkterfolg) dieses Jahr fort.

    Ich bin froh, nur die letzten Minuten der Ergebnisverkündung gesehen und ansonsten keine Zeit in diese tragische Veranstaltung investiert zu haben. Da zieht der NDR einmal eine Sendung mit halbwegs ordentlichen Beiträgen auf (allein: wo bleiben die deutschen Texte?) und dann gewinnt zielsicher das schwächste aller Lieder.

    Mein Ranking der Studio-Fassungen:

    (5,0 Pkt.) Aly Ryan - Wear Your Love
    (4,0 Pkt.) Makeda - The Day I Loved You Most
    (3,5 Pkt.) BB Thomaz - Demons
    (3,0 Pkt.) Lilly Among Clouds - Surprise
    (3,0 Pkt.) Linus Bruhn - Our City
    (2,5 Pkt.) Gregor Hägele - Let Me Go
    (2,0 Pkt.) S!sters - Sister

  • Gus Backus gestorbenDatum22.02.2019 22:36
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Na gut, als Sänger würde ich ihn nun nicht gerade bezeichnen. Vielleicht eher als Unterhalter.

  • Grand PrixDatum22.02.2019 22:35
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Und es ist wie jedes Jahr: Deutschland blamiert sich mal wieder im Mai. Da kann man sich doch nur an den Kopf greifen.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum21.02.2019 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    ..., der ja bekanntlich die Lexikondefinition von "vertrauenswürdig" ist.

  • Grand PrixDatum21.02.2019 20:41
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Auch in meinen Augen ist das künftige Teilnehmerfeld am letzten Wochenende um kein großes Highlight bereichert worden. Rumänien gefällt mir von allen Neuentscheidungen noch am besten, auch wenn es sicher nur ein Mittelfeld-Song ist; er findet sich in meinem aktuellen Ranking wegen der schlechten Qualität der bisherigen Beiträge auf Platz 3 wieder. Slowenien, Lettland und Kroatien kann man für meinen Geschmack sofort vergessen; das sind Nummern zum Einmal-Hören ohne jeden Wiedererkennungswert.

    Auch Estland entschied sich diesmal für ein Mainstream-Lied, das wie ein Melodifestivalen-Semifinalist klingt und, oh Wunder, auch von einem Schweden gesungen wird, der wie eine Mischung aus Benjamin Ingrosso und Robin Bengtsson aussieht (sich aber "Crone" schreibt). "Storm" ist absolut harmlos und nur semi-eingänglich; wie ich schon vor zwei oder drei Jahren schrieb, sollte Komponist Stig Rästa sich lieber entweder auf seinem "Goodbye to Yesterday"-Erfolg langfristig ausruhen oder wieder ähnliche Qualität statt ständiger mittelmäßiger Präsenz im estnischen Vorentscheid liefern. Kurioserweise hatte er ausgerechnet letztes Jahr einen vergleichsweise starken Beitrag im Rennen, wurde da aber nicht gewählt. Naja.

    Für den morgigen deutschen Vorentscheid darf man gespannt sein, wie sich Aly Ryans "Wear Your Love" live anhört und ob das Rentnerpublikum der ARD darauf anspringt (vermutlich nicht). Das wäre ein ziemlich guter Kandidat für ein so dröges ESC-Jahr wie dieses.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum21.02.2019 19:14
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich verstehe die Kritik an der Szene nicht. Wenn es wie ein echter Anschlag aussehen sollte, musste der ungebetene Gast sich doch in jedem Fall erstmal seinen Weg ins Bett erschlängeln, bevor Sutton ihn töten konnte. Und wenn ihr wüsstet, da kommt gleich eine Mamba zu mir gekrochen, wärt ihr dann nicht nervös?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Hafenpolizei (Folgen 5 bis 8)

    Regie: John Olden. Drehbuch: Erich Engels, Gustav Kampendonk, Günter Dönges. In den Hauptrollen: Jochen A. Blume, Herbert A.E. Böhme, Josef Dahmen, Til Kiwe, Horst Michael Neutze und Günther Böse. Gaststars (Folge 5): Ricklef Müller, Edeltraud Elsner, Gerd Andresen, Günter Lüdke, Jochen Schmidt u.a. Gaststars (Folge 6): Bruno Dietrich, Wolfgang Condrus, Norbert Skalden, Antje Roosch, Stephan Schwartz u.a. Gaststars (Folge 7): Heinz Kühsel, Helmuth Rudolph, Verena Wiet, Günter Meisner, Heidi Kabel u.a. Gaststars (Folge 8): Katrin Schaake, Brigitte Skay, Werner Bruhns, Ralph Persson, Karl-Heinz Gerdesmann u.a. Erstsendungen: 4., 11., 18. und 25. November 1963. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft für das Norddeutsche Werbefernsehen.

    #05: Der große Zufall — Bei einem Überfall auf das Geschäft eines Schiffsausrüsters wird der Ladenbetreiber erschossen. Die beiden Täter fliehen; nur ein angetrunkener Augenzeuge kann sie identifizieren. Beim Abgleich der Zeugenaussage mit der Verbrecherkartei stellt sich heraus: Einer von ihnen ist Bruno Thiel. Aus purem Zufall sieht Brunos Schwester, bei der der Verbrecher abgetaucht ist, die Fahndungsmeldung in der Tagesschau ... | Hier haben wir es erneut mit einer Episode zu tun, bei der Tempo und Spannung stimmen. Obwohl mit Günter Lüdke als Schluckspecht-Zeuge das Potenzial zum Overacting besteht, entwickelt sich die Folge zügig und zielstrebig und gerade die Konfrontation des flüchtigen Raubmord-Komplizen mit seiner Schwester stellt einen sehenswerten, knisternden Höhepunkt dar. Sowohl Thiel als auch sein Spezi präsentieren sich als „harte Hunde“, die – einmal aufgespürt – maximale Gegenwehr leisten und mit vollem Einsatz überwältigt werden müssen. Die Episode spielt zwar nur etwas alibihaft am oder auf dem Wasser, aber das macht sie letztlich nicht weniger gelungen.

    #06: Die Ausbrecher — Zwei jugendliche Verbrecher übertölpeln die Wachen der Haftanstalt auf der Hamburg vorgelagerten Insel Hahnöfersand und schwimmen nächtens der ersehnten Freiheit entgegen. Ihr Drang, zu Kleidung und Geld zu kommen sowie in der Menge unterzutauchen, bringt die Flüchtigen in mehrere brenzlige Situationen. Auch ihre früheren Komplizen, auf die sie in Hamburg treffen, wollen ihnen nicht weiterhelfen. An die Polizei verpfeift sie jedoch ein ganz anderer, ungewöhnlicher Augenzeuge ... | Ein authentisches Hamburger Setting, ein Sprecherkommentar bezüglich der Jugendhaftanstalt aus dem Off sowie der aus „Die blaue Mütze“ und „In der Nacht zum Dienstag“ bekannte Wolfgang Condrus – unweigerlich muss man sich bei dieser „Hafenpolizei“-Folge ans „Stahlnetz“ erinnert fühlen. Ganz klar die treibende Kraft der sehr spannenden, wenn auch unkompliziert geradlinigen Vorgänge ist Bruno Dietrich, dem man den mit allen Wassern gewaschenen Schurken ohne Weiteres abkauft. Gen Ende kommt auch der junge Stephan Schwartz sehr prominent zum Einsatz – etwas weniger flapsiger Kinderhumor wäre in seinem Falle sicher mehr gewesen, doch immerhin erkennt der desillusionierte Zuschauer bereits, wo Schwartz’ Lausejungenfigur vermutlich über Kurz oder Lang ihre Zelte aufschlagen wird: ebenfalls auf Hahnöfersand ...

    #07: Der blaue Brief — Der Ganove Johnny hat ohnehin schon Probleme mit der Polizei. Sein Kabinettstück gelingt ihm aber, als ihm der von zu Hause ausgerissene Schuljunge Michael in die Finger gerät. Mit dem Versprechen, ihm falsche Papiere für eine Anstellung im Hafen zu besorgen, führt Johnny den Jungen in eine gefährliche Abhängigkeit, wobei er auch vor Einbruch, Gewalt und Erpressung nicht zurückschreckt ... | Auch wenn die ARD zwei „Hafenpolizei“-Folgen mit prominenten Kinderrollen hintereinander sendete, so könnten diese unterschiedlicher nicht sein: Bewegte sich der ausgekochte Kiezjunge in „Die Ausbrecher“ noch absolut selbstsicher durchs halblegale Hafenmilieu, so gerät der naive Michael hier in einen unberechenbaren Strudel, der ihn beinah das Leben kostet. Günter Meisner liefert als berechnender und reaktionsschneller Berufsverbrecher, der überall Gewinn wittert und keine Skrupel kennt, ein Kabinettstück (teilweise auch mit sehr harten, ungemütlichen Untertönen) ab. Demgegenüber spielen die Polizeibeamten diesmal eher kleine Rollen; sie reagieren nur und müssen sich am Ende auf einen glücklichen Zufall berufen. Folglich eine markante, inhaltlich aber nicht ganz überzeugende Episode.

    #08: Die Party — Zwei geschäftstüchtige junge Männer verlassen sich ganz auf ihren Charme und einen falschen skandinavischen Akzent, um eine ganze Reihe junger Frauen in eine amouröse Falle zu locken: Unter der Versprechung, sie auf eine Bootsparty einzuladen, knöpfen die Schurken ihren Opfern kleine Geldbeträge ab. Aus Scham schaltet kaum ein Betrugsopfer die Polizei ein ... | Gyula Trebitsch ging mit großem Gespür an die Produktion der „Hafenpolizei“-Folgen, denn er erkannte, dass sich ein lapidares Drehbuch wie in diesem Fall mit einer gespickten Besetzung ausgleichen ließ. Insbesondere ein im Vergleich zu seinem „Stahlnetz“-Auftritt in „Rehe“ im folgenden Jahr erstaunlich jung wirkender Werner Bruhns bleibt als charismatischer Betrüger in Erinnerung, während die naiven Frauenrollen ihre Darstellerinnen – unter ihnen Katrin Schaake und Brigitte Skay – wenig fordern. Ein wenig unglücklich ist die alberne Zuspitzung im Finale, in dem Kriminalobersekretär Koldehoff von überzeichneten Halbstarken übel mitgespielt wird, weil sie ihn für einen Komplizen der Verbrecher halten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Hafenpolizei (Folgen 1 bis 4)

    Regie: John Olden. Drehbuch: Erich Engels, Gustav Kampendonk, Günter Dönges. In den Hauptrollen: Jochen A. Blume, Herbert A.E. Böhme, Josef Dahmen, Til Kiwe, Horst Michael Neutze und Günther Böse. Gaststars (Folge 1): Peter Lehmbrock, Owen Williams, Joachim Rake, Klaus Höhne, Lore Schultz u.a. Gaststars (Folge 2): Richard Münch, Klaramaria Skala, Heinz Theo Branding, Horst Beck, Helga Münster u.a. Gaststars (Folge 3): Rolf Nagel, Ingrid Stenn, Charlotte Schellenberg, Fritz Steidl, Katharina Brauren u.a. Gaststars (Folge 4): Friedrich Georg Beckhaus, Frank Straass, Reinhold Nietschmann, Tschang der Dsai, Katharina Mayberg u.a. Erstsendungen: 7., 14., 21. und 28. Oktober 1963. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft für das Norddeutsche Werbefernsehen.

    #01: Marihuana — Wegen eines schiefgegangenen Raubmordes flieht der Matrose Jack Miller an Bord eines Frachtschiffs von Toronto nach Hamburg. Er kann zwar identifiziert und auf Grundlage eines Funkspruchs an Bord interniert werden, entkommt aber in Hamburg im Gewirr des Hafenviertels. Dort scheint er gute Kontakte zu haben, denn ein örtlicher Marihuanahändler hilft ihm beim Untertauchen – bis die beiden in einen gefährlichen Streit geraten ... | Die Auftaktepisode zur Serie „Hafenpolizei“ überzeugt mit Wendungsreichtum und einer gewissen Härte, die Peter Lehmbrock als drahtiger Verbrecher mit schneller Reaktionsgabe gegen seine Verfolger und Feinde gnadenlos ausspielt. Es wird zwar nicht ganz klar, warum Miller sich in Hamburg so gut auskennt und offenbar makelloses Deutsch spricht, und auch die heiße Ware, die sein Kontaktmann mit sich herumträgt, sieht verdächtig wenig nach Marihuana aus. Aber dem hohen Tempo und der angenehmen Spannung ist das nicht abträglich. Lehmbrock erweist sich als verschlagener Wiesel, während Owen Williams eine beachtliche Performance als sein Hamburger Spezi ablegt. Solider Einstieg!

    #02: Mord an Bord — Die Umtriebe des ersten Offiziers Wilbert auf der Holmsund konnten ja nicht lange gut gehen ... Der versoffene Seemann machte sich an Bord und an Land an jeden Rock heran, dessen er habhaft werden konnte, und verfeindete sich daraufhin sowohl mit einem Matrosen als auch dem Kapitän des Schiffes. Nun muss die Polizei klären, wer ihn erschlagen hat. Mit einer Falle wollen die Beamten den Täter aus der Reserve locken ... | Wilbert ist ein richtig unangenehmer Charakter, dessen Ende man nicht nur des Episodentitels wegen von Anfang kommen sieht. In den Rollen seiner Widersacher sieht man einen jovialen Horst Beck und einen pflichtbewussten Richard Münch, die beide sehr passend besetzt sind. Auch die Polizisten schärfen in dieser Episode ihr Profil; insbesondere Herbert A.E. Böhme als Koordinator und Jochen Blume mit seinem Wunsch, den Mordfall wegen der zu Hause wartenden Kartoffelpuffer schnell zu einem Ende zu bringen, bauen ihre Charaktere aus. Die Aufnahmen von Bord des Schiffes wirken etwas trist, aber dafür lässt auch diese Folge dem Zuschauer keine Gelegenheit, sich zu langweilen.

    #03: 100’000 Mark — Das Mitleid, das die Beamten der Hafenpolizei mit dem Schiffbrüchigen Paul Diedrichs haben, verwandelt sich bald in Argwohn. Diedrichs hat im Nordseewasser seine Frau verloren, auf ihr Leben zuvor aber in einem äußerst kompromittierenden Zusammenhang eine wertvolle Versicherung abgeschlossen. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Frau nicht aus Versehen zu Tode kam – zumal Diedrichs’ Pensionswirtin von einer angeblichen Affäre munkelt ... | Diese etwas unspektakuläre Geschichte um Versicherungsbetrug und womöglichen Mord zeichnet sich weniger durch hohe Spannung als vielmehr durch ihre verschmitzte Machart aus, die einen klaren Vorabendserien-Duktus durchschimmern lässt. Kriminaler Koldehoff (Josef Dahmen), der Seelenqualen leidet, weil er wegen Vor-Ort-Ermittlungen ein Fußballspiel verpasst, und die komödiantisch angelegte Rolle von Katharina Brauren sprechen in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache. Sonderlich prominent besetzt ist die Folge auch nicht, aber man interessiert sich dennoch recht eifrig dafür, welche Hintergründe Rolf Nagel dazu bewogen, sich seiner Filmfrau zu entledigen und eine fremde Selbstmörderin bei der Identifikation der Leiche für sie auszugeben ...

    #04: Der chinesische Koch — Bei dem flüchtigen Verbrecher, der in Düsseldorf eine Bank überfiel, handelt es sich um einen Matrosen, der sich prompt nach Hamburg verdrückt. Bevor der Mann, der eine auffällige Tätowierung am Handgelenk trägt, anheuert, will er gern noch einiges von seinem neuen Reichtum loswerden und zieht damit die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich. Mithilfe einer Zeugin kann die Spur bis zum Bankräuber und seinem Komplizen, einem chinesischen Koch, verfolgt werden ... | Anfangs wird hohes Tempo vorgelegt, doch die Suche nach dem Matrosen verliert als simpel gestrickte Jagd auf einen bekannten Täter bald ihren Reiz. Da müssen Kleindarsteller ausgleichend einspringen und den Zuschauer bei der Stange halten: So geben sich in dieser Folge zum Beispiel Frank Straass als Ganovenkomplize, Rudolf Fenner als Unterweltkenner und Christa Siems als Barfrau die Ehre. Der kleine, unauffällige Beckhaus ist zudem eine treffende Besetzung für den Hauptschurken, denn dieser zeichnet sich eher durch flinke Beine als durch ein kluges Köpfchen aus. Sein Sonnen-Tattoo als Wiedererkennungsmerkmal wird gut ausgenutzt; sein titelgebender Bekannter, der chinesische Koch, taucht dagegen erst spät auf und bleibt bedauerlich blass.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum17.02.2019 00:18
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Danke, @Mr. Wooler, für die Blumen. Es freut mich besonders, zu lesen, dass wir einen ähnlichen "Derrick"-Geschmack haben. Da geht die Palette ja teilweise doch ziemlich weit auseinander, wie man jetzt auch wieder an den Ranglisten von @Ray sieht. Du bist bei deinen Sichtungen auch ziemlich schnell vorangekommen. Ich hoffe, ich schaffe meine restlichen Reviews noch, bevor du in den 270er-Bereich kommst.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum17.02.2019 00:12
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Den "Abt" hatte ich auch fragwürdig in Erinnerung, um es freundlich zu formulieren. Und trotz einer vergleichsweise positiven Überraschung bei der gestrigen Sichtung liegt es nahe, dass ich einigen deiner Kritikpunkte nach wie vor zustimme. Energischen Widerspruch muss ich diesmal jedoch gegen die Fuchsberger-Kritik einlegen: Seine Rolle im "Abt" ist wirklich etwas ganz Besonderes und eigentlich ein echtes Fest für Blacky-Fans. Aus drei Gründen:

    1. Er spielt am Anfang ganz stark als zwielichtige Person auf. Seine ersten Szenen mit Dieter Borsche und Klaus Kinski sind echtes Gold. Völlig ungewohnt, aber richtig gut! Er zeigt sich kaltschnäuzig, hintertrieben und wie jemand, der schon in alle Geheimnisse eingeweiht ist - für den sonst so korrekten Ermittler eine ungewöhnliche Ausgangslage, aus der er viel macht.

    2. Ungefähr zur Mitte des Films kommt dann der große Moment, als Fuchsberger sich nach dem Kampf mit Arent die Abt-Maske vom Gesicht zieht. Da zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt ist, dass es zwei Äbte gibt, musste das Publikum damals im Kino und seitdem auch jeder Erstseher vermuten, dass Fuchsberger diesmal einen Mörder spielt. Das ist so ein krasser Moment; für mich eindeutig die Szene des Films. Ich kann mich noch an meinen Schock während meiner ersten Sichtung erinnern.

    3. Einen weiteren hervorragenden Moment hat Fuchsberger im Finale, als Dieter Borsche - wie Patrick so schön geschrieben hat - Amok läuft. Fuchsberger und Borsche spielen miteinander verwandte Charaktere. Dick Alford stellt sich also unbewaffnet vor seinen mit Gewehr ausgerüsteten wahnsinnigen Vetter, nimmt die Hände hoch und versucht, ihn unter Einsatz seines Lebens zu beruhigen. Auch das ist ungeheuer intensiv.

    Klar, zwischendurch gibt es drehbuchbedingt einige eher laue Momente, z.B. mit Grit Böttcher. Aber die halten sich eigentlich in Grenzen, wenn man bedenkt, dass das Drehbuch von Johannes Kai stammt, dem Autor des schwülstigen Liebesdramas, das wir "Fälscher von London" nennen.

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum16.02.2019 21:43
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Und analog zum Affenfinale aus der "Tür" noch die Gretchenfrage an die Hobbybiologen zum "Abt": Sind die Fledermäuse echt?

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum16.02.2019 21:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Edgar Wallace: Der schwarze Abt (Le crapaud masqué)

    Kriminalfilm, BRD / FR 1963. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Johannes Kai, Franz Josef Gottlieb (Romanvorlage „The Black Abbot“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Dick Alford), Grit Böttcher (Leslie Gine), Dieter Borsche (Lord Harry Chelford), Charles Regnier (Inspektor Puddler), Eva-Ingeborg Scholz (Mary Wenner), Werner Peters (Fabian Gilder), Harry Wüstenhagen (Arthur Gine), Eddi Arent (Kriminalassistent Horatio W. Smith), Klaus Kinski (Butler Thomas Fortuna), Alice Treff (Lady Chelford), Friedrich Schoenfelder (Dr. Loxon), Kurd Pieritz (Mr. Smooth) u.a. Uraufführung (BRD): 5. Juli 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin und der Les Films Jacques Leitienne Paris im Constantin-Filmverleih München.

    Zitat von Der schwarze Abt
    Schon seit Langem erzählt man sich, dass in der Abtei von Fossaway ein Geist in Gestalt eines schwarz vermummten Abtes sein Unwesen treiben soll. Das Messer, das dort den Jagdhausbesitzer Smooth tötete, wurde aber eindeutig von menschlicher Hand geführt! Während sich Lord Harry Chelford von dem unangenehmen Zwischenfall nicht von seiner manischen Suche nach dem sagenumwobenen Schatz in der Abtei abhalten lässt, bezahlen einige seiner Konkurrenten, die sich das verborgene Gold lieber selbst unter den Nagel reißen wollen, ihre Habgier mit ihrem Leben. Harrys Vetter Dick Alford hat alle Hände voll damit zu tun, die aus dem Ruder gelaufene Situation vor der Polizei ins rechte Licht zu rücken und gleichzeitig zu verhindern, dass Leslie Gine, die ihm sehr nahe steht, sich mit einer Heirat mit dem wahnsinnigen Lord ins Unglück stürzt ...


    „Chelford Manor hat einiges zu bieten: seit Monaten ein Gespenst und jetzt auch noch eine Leiche.“

    Zum ersten Mal seit dem „grünen Bogenschützen“ nahmen sich die Verantwortlichen der Rialto-Film wieder eines Wallace-Romans an, in dessen Mittelpunkt eine „übernatürliche“ und beinah märchenhaft verkleidete Gestalt steht. Hatte die Filmreihe bis dato zwar zahlreiche Variationen des facettenreichen Detektivkrimis ausprobiert, sich dabei im Wesentlichen aber hart, modern und thrillig präsentiert, so markiert der „Abt“ mit seinem schwarzgewandeten mittelalterlichen Kapuzenschurken eine Abkehr von dieser geradlinigen Machart hin zum klamottigen Klischee, was in den Folgejahren immer stärker an Präsenz gewinnen würde. Im Zusammenhang mit der Produktion wird folglich oft das Wort „Geisterbahn“ verwendet, was etwas abfällig wirkt, in Anbetracht der formelhaften Spannungselemente (ein Mörder, der wie ein angebliches Gespenst auftritt, ein verborgener Schatz, Familienwahnsinn und eine Tote, die niemals gestorben ist) durchaus über Berechtigung verfügt. Tatsächlich hätte aus dem „schwarzen Abt“ auch unter einer derartigen Prämisse ein gelungener Film werden können, sofern man einen im Horror-Bereich versierteren Regisseur gewählt und seitens der Rialto keine FSK-12-Freigabe als Richtwert für die Produktion vorgegeben hätte. Mit Franz Josef Gottlieb im Regiestuhl und einem Drehbuch, das tunlichst davor zurückschreckt, sein eigenes Potenzial auszukosten, wirkt der Film jedoch ausgesprochen harmlos und trotz fachkundiger Aufmachung einigermaßen hausbacken. Es genügt eben nicht, einen lauen Film mit optisch atemberaubenden Scope-Bildern aus ungewöhnlichen Perspektiven anzureichern und allein davon auf einen guten Gesamteindruck zu schlussfolgern.

    Gottliebs Kardinalfehler ist es, trotz der eigentlich perfekt dafür ausgelegten Rahmenbedingungen keinerlei wirklich unheimliche Momente zu schaffen. Allein schon die Auftaktsequenz des gleichnamigen Kinderhörspiels (!) von Europa ist gruseliger als jede Szene in der „schwarzer Abt“-Verfilmung. Zudem timte der Spielleiter wichtige Szenen einfach nicht richtig, sodass sie zwar attraktiv aussehen, aber zur Hälfte ihren Reiz für den Zuschauer verlieren. Szenen wie Mary Wenners Suche nach dem Schatz an der Seite wechselnder Begleiter oder auch die abschließende Jagd nach dem irre gewordenen Lord Chelford ziehen sich teilweise wie Kaugummi, weil die oberste Devise offenbar nicht war, stofflich straff zu agieren, sondern möglichst viel von den Abteiruinen und dem Höhlenlabyrinth zu zeigen. Obwohl „Der schwarze Abt“ nur knappe 85 Minuten läuft, kommt es deshalb durchgängig immer wieder zu Längen, die sich auch aus der insgesamt zu geringen Anzahl der handelnden Charaktere ergeben. Das isolierte Landschloss-Setting bringt den Zuschauer um typische Wallace’sche Verbrechergestalten, wie sie sonst so gern eingesetzt wurden, und lässt einige Figuren (vor allem den vorwitzigen Kriminalassistenten) deplatziert wirken. Um einen Ausgleich zu schaffen, legte man die Fuchsberger-Figur angenehm doppelbödig an – eine willkommene Herausforderung für den bereits oft beanspruchten Hauptdarsteller, der hier mit großer Bravour eine andere, undurchsichtige Seite zeigen darf. Dick Alford belügt die Polizei, vertuscht Spuren, agiert im Verborgenen und die Szene, in der er sich als Abt die Kapuze vom Kopf zieht, dürfte dem damaligen Kinopublikum und noch jedem Erstseher des Films den Atem stocken gelassen haben. Allein die Enthüllung, dass Fuchsberger unter der Kostümierung steckt, ist den Aufwand wert, zwei Äbte durch die Szenerie geistern zu lassen, zumal die (erst später präzisierte) Unterscheidung zwischen einem guten und einem bösen Abt hier für den Zuschauer mehr Sinn ergibt als im „grünen Bogenschützen“. Auch die Enttarnung der jeweiligen Kapuzenträger erfolgt genau zu den richtigen Zeitpunkten im Film: die erste als Aha-Moment, um den gestreckten Mittelteil etwas goutierbarer zu gestalten, und die zweite gerade rechtzeitig, um anschließend auf den bei Lord Chelford durchgebrochenen Wahnsinn als Leitmotiv für den Rest des Films umzuschwenken. Dieser und der Familienschatz stellen im Endeffekt interessantere Motive dar als eine lapidare Whodunit-Frage, sodass dem Drehbuch zumindest in dieser Hinsicht nicht das Geringste vorzuwerfen ist.

    Ähnlich wie für die meisten Wallace-Filme gilt: „Der schwarze Abt“ lebt ganz immens von seinen hervorragenden Darstellerleistungen. Stärker noch als in manch anderem Film fällt die Besetzung auf absolut überzeugende Weise mit den Eigenschaften der Charaktere zusammen. Fuchsberger als selbstsicherer, etwas schnodderiger Anführer, Kinski als krimineller Butler, Peters als schmieriger Betrüger und Wüstenhagen als verbrecherischer Anwalt in Nöten sind ein erprobtes Quartett, das sich wahrlich sehen lassen kann. Ergänzt wird es durch hervorragende Gastleistungen von Dieter Borsche, Eva-Ingeborg Scholz und Charles Regnier. Letzterer steigerte sich gegenüber seiner hölzernen Darstellung in „Der Fluch der gelben Schlange“ merklich und verdient damit seinen Inspektor-Parr-ähnlichen Ruhm als Einmal-Ermittler. Auf der kritischeren Seite fügen Grit Böttcher und Eddi Arent keine Gründe hinzu, sich den „schwarzen Abt“ ihretwegen anzusehen. Die Hauptdarstellerin verschuldet ihre schwache Leistung zwar nur bedingt selbst, weil ihre Rolle bereits hoffnungslos naiv angelegt ist, setzt dem mit ihrer Art des Spiels aber auch nichts Eigenständiges entgegen. Und dass Arent unter Gottlieb keine guten Momente hatte, bestätigt sich in allen drei fraglichen Filmen – wobei seine Rolle im vorliegenden Film vermutlich noch der am wenigsten fürchterliche der drei misslungenen Auftritte ist.

    Während man dem „Abt“ im darstellerischen sowie im Kamera- und selbst im Musik-Bereich wenige Vorwürfe machen kann, künden die Kulissen des Films bereits von der neuen Berliner Sparsamkeit des neuen Architektenduos Wilhelm Vorwerg und Walter Kutz, die von hier an bis ins Jahr 1968 allen Wallace-Filmen ihren gleichförmigen, teilweise grotesken, teilweise poppigen, teilweise billigen Stil aufprägten. Rückschritte in der Qualität der Ausstattung ergeben sich nicht nur hinsichtlich der eher spärlich eingerichteten Innenräume von Chelford Manor, sondern vor allem in Bezug auf die Abteiruinen, deren Künstlichkeit nur schwer verborgen werden kann. Ihr gewollt ruinöser Zustand bei gleichzeitigem Vorhandensein einer dünnen, hellen Kiesschicht auf tellerflacher pflanzenfreier Unterlage verrät eine eher suboptimale Ausgestaltung dieses zentralen Schauplatzes. Zusammen mit den liegengelassenen Chancen für echte Schreckmomente wirft dieses Versäumnis ein eher bedauerliches Licht auf den Film.

    Auf dem Papier muss „Der schwarze Abt“ wie ein perfekter Wallace-Film ausgesehen haben: Die spektakuläre Mörder-Gestalt, zur Abwechslung willkommene Gothic-Elemente in einer sonst eher thrillergeprägten Reihe und eine erlesene, typgerechte Besetzung sprechen für die Professionalität der Rialto. Doch dann gingen Regie und Kulissenbauer zu lasch zu Werke und zogen aus einer großen Chance nur geringen Nutzen. Zwar zeigt sich der „Abt“ somit in einzelnen Momenten gelungen, bleibt aber im Gesamteindruck weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum15.02.2019 22:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @brutus: Na denn, welcome back! Ich denke auch, dass es eine gewisse Nostalgie ist, von der der "Zinker" lebt, weil ich ihn auch schon zu einem ganz frühen Zeitpunkt auf VHS hatte (Gasthaus und Hexer aber noch vorher). Nichtsdestoweniger - und das geht ja auch aus deinen und Florians Zeilen hervor - ist es nicht nur die Verklärung, die uns bei 5 Punkten landen lässt. Der Film hat einfach eine bärenstarke Atmosphäre, Inszenierung und Besetzung.

    @Count Villain: Danke! Ich kann die Einwände gegen die zweite Filmhälfte halt in keinster Weise nachvollziehen. Für mich ist der "Zinker" von Anfang bis Ende ultrakurzweilig und ich wüsste nicht, auf welche konkreten Szenen man hätte verzichten bzw. was man Besseres an deren Stelle hätte hinzufügen sollen. Der Schlangenanschlag auf Sutton ist allen Unkenrufen zum Trotz eine ziemlich beeindruckende Szene (und gar nicht so unlogisch wie vorgeworfen, denn wegen der Polizei und Spurensicherung im eigenen Hause hätte Sutton die Schlange weder selbst irgendwo deponieren noch an einem anderen Ort als direkt auf seinem Kopfkissen erschlagen können, um glaubhaft zu bleiben) und wird außerdem noch so geschickt mit Harras' Aktivitäten im Garten der Villa verbunden, dass sie für meine Begriffe nicht viel weniger als ikonisch ist. Danach kommen die Subplots um Millie Trent und Paul Mulford ins Spiel, die beide dazu dienen, die Verbrecherfigur zu einem runden Charakter auszubauen, und außerdem das altbekannte Schreibmaschinenindiz einbringen. Es greift da einfach jedes Rädchen ins andere und einen dieser Handlungsstränge zu straffen würde gleichzeitig bedeuten, alle anderen flacher und uninteressanter zu machen.

    Deshalb bleibe ich dabei, dass Dramaturgie und Handlungsfortlauf im "Zinker" auch zum Ende hin echt bravourös sind. Petersson ist für mich neben Eis und Stemmle der begabteste Wallace-Drehbuchautor.

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