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  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Balduin, der Trockenschwimmer (Le petit baigneur)

    Komödie, FR / IT 1967. Regie: Robert Dhéry. Drehbuch: Robert Dhéry, Pierre Tchernia, Albert Jurgenson, Michel Modo, Claude Clément, Jean Carmet. Mit: Louis de Funès (Balduin Fourchaume [i.O. Louis-Philippe Fourchaume]), Andréa Parisy (Marie-Béatrice Fourchaume), Franco Fabrizi (Marcello Cacciaperotti), Robert Dhéry (André Castagnier), Jacques Legras (Henri Castagnier), Colette Brosset (Charlotte Castagnier), Michel Galabru (Scipio), Pierre Tornade (Leuchtturmwärter), Pierre Dac (Minister), Henri Génès (Bauer) u.a. Uraufführung (FR): 22. März 1968. Uraufführung (BRD): 22. Mai 1968. Eine Produktion Les Films Corona Paris, Les Films Copernic Paris, Fonoroma und Selenia Cinematografica Rom.

    Zitat von Balduin, der Trockenschwimmer
    Als der cholerische Werftbesitzer Fourchaume seinen Konstrukteur André Castagnier entlässt, ahnt er noch nicht, dass dessen neuestes Boot, „der kleine Sausewind“, einen wichtigen Preis gewann und sich nun großer, sehr einträglicher Nachfrage erfreut. Um den Großauftrag des Italieners Cacciaperotti erfüllen zu können, muss Fourchaume seinen Angestellten wieder auftreiben und sich mit ihm versöhnen, obwohl ihm Castagnier und dessen tollpatschige Familie aufs Ärgste missfallen. Beim Versuch, sich bei den rothaarigen Landeiern lieb Kind zu machen, geht alles schief, was schiefgehen kann: Ein Verwandter wird verletzt, Fourchaumes Luxuswagen beschädigt und schließlich kommt es sogar zu einer gefährlichen Einholjagd zu Wasser ...


    „Jetzt wird erstmal brav gestorben und dann baue ich den ‚Sausewind‘ allein.“

    Warum seine Angestellten ihn als „cholerische Kanalratte“ bezeichnen, wird dem Zuschauer schnell klar, wenn er die ersten Szenen mit Balduin Fourchaume betrachtet: Nach einer furios missglückten Schiffstaufe verfolgt dieser seinen Chefkonstrukteur Castagnier wutentbrannt und mit einer Schaufel bewaffnet quer übers Werftgelände und durch die Büros, zerreißt den Arbeitsvertrag seines Angestellten und schlägt wüst auf dessen Boot ein. Louis de Funès erhält hier gleich zu Beginn des Films die Gelegenheit, richtig aufzudrehen und seinen Zuschauern mit seiner völlig überspitzten Figur Lachsalven abzuringen. Dass Fourchaumes übler Jähzorn nur kurze Zeit später auf ihn zurückfallen wird, ahnt man sofort – das typische Strickmuster der Louis-Filme, die ihren Hauptcharakter nur zu gern in selbstgestellte Fallen tappen ließen, hatte sich eben bereits ausreichend etabliert. Und so muss der kleine Franzose mit dem großen Ego auch hier wieder die Suppe auslöffeln, die er sich selbst eingebrockt hat, bei Dummköpfen um Vergebung bitten und sich auf waghalsige Abenteuer einlassen, nur um den von ihm beendeten Status quo wiederherzustellen.

    Gerade zu Beginn des Films serviert der Regisseur Robert Dhéry, der auch in der wichtigen Rolle des André Castagnier zu sehen ist, ausgesprochen komische Kost. Das von der Sektflasche verursachte Loch im Schiffsrumpf, die Irrfahrt aufs Land und der Gottesdienst in der maroden Kirche sind haarsträubend witzige Momente, deren Skurrilität Dhérys Gespür für Feinheiten sowie das Timing von Darstellern wie Louis de Funès, Jacques Legras oder Henri Génès verdeutlicht. Andererseits hoben Rezensenten beispielsweise im Filmdienst hervor, dass „Balduin, der Trockenschwimmer“ „jedoch das zu Anfang eingeschlagene Tempo nicht halten kann“. In diesem Punkt ist der sonst oft so unnachsichtigen zeitgenössischen Kritik leider beizupflichten: Der Film zieht sich letztlich vor allem in der langen Sequenz auf dem Bauernhof von Schwager Scipio beträchtlich, zumal das Geschehen sich immer weiter in klamaukige Richtung lehnt und damit stellenweise recht dümmlich erscheint. Colette Brosset und Michel Galabru sind für diesen Stimmungsumschwung nicht gerade unschuldig. So muss man schlussfolgern, dass aus dem Film mehr hätte werden können, wenn man das anfängliche Niveau beibehalten und den geschäftlichen Verwicklungen um Fouchaume, Castagnier und Cacciaperotti mehr Raffinesse verliehen hätte.

    Eine kuriose Geschichte rankt sich zudem um die Synchronisation des Films, denn obwohl zwei Vertonungen mit Stammsprecher Gerd Martienzen (von 1968 bzw. 1976) existieren, musste für die hiesige Auswertung meist die 1970er-DEFA-Synchro mit Willi Narloch verwendet werden, da die Westfassungen mysteriöserweise „verlorenen gingen“. Die Kinowelt-DVD präsentiert zwar auch eine Martienzen-Fassung, die sich allerdings wie ein Schweizer Käse anhört und eine ganze Menge Szenen mit französischem O-Ton auffüllen muss. Das lenkt manchmal vom unbeschwerten Filmvergnügen ab, aber zeigt dem an die deutschen Fassungen gewohnten Louis-Fan auch einmal die Wirkung des nicht übersetzten Originals. Letztlich funktioniert bei de Funès’ speziellem Witz so viel über Körpersprache und Mimik, dass der Unterschied nicht entscheidend und selbst das wortgenaue Verständnis nicht immer notwendig ist.

    Was als sehr witziges Abenteuer im Turbomodus beginnt, entwickelt sich stellenweise zu einer übereifrigen Albernheit. Die Grundidee aber ist ausgesprochen gelungen und auch Regie und Musik überzeugen. 3,5 von 5 Punkten.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum26.10.2018 12:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Mädchen im Mondlicht

    Episode 259 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Jürgen Goslar. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Peter von Strombeck (Ingo Wegener), Lara Joy Körner (Linda), Diana Körner (Anna Schuster), Christine Buchegger (Frau Bossler), Henry van Lyck (Herr Bossler), Udo Vioff (Robby Proske), Peter Bertram (Kallek), Gaby Herbst (Sabine Spardel) u.a. Erstsendung: 10. Mai 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Mädchen im Mondlicht
    Der Mord an Herrn Bossler scheint lediglich ein geschäftliches Ärgernis für den von ihm betriebenen Nachtclub zu sein. Weder das Personal noch seine Ehefrau zeigen Anzeichen von Trauer, als er erstochen aufgefunden wird. Bossler nahm nur auf seine eigenen Bedürfnisse Rücksicht und brachte damit eine ganze Menge Leute gegen sich auf. Diese kennen sich offenbar alle gegenseitig: Ein fürs Viertel zuständiger Sozialarbeiter, die Witwe, die Garderobiere und deren Tochter sowie der Barpianist könnten alle in den Fall verwickelt sein. Den Schlüssel zur Lösung muss Derrick diesmal in einem Gemälde suchen, das Frau Bossler just zur Mordzeit malte. Es zeigt das „Mädchen im Mondlicht“ ...


    Nach neun Jahren und der letzten, sehr überzeugenden Arbeit „Die Nacht des Jaguars“ leistete sich Urgestein Jürgen Goslar noch einmal einen Schwanengesang auf dem „Derrick“-Regisseursstuhl und brachte mit „Mädchen im Mondlicht“ eine recht ansehnliche Folge zuwege, die zwar auch typisch für die Spätphase der Reihe ist, aber ebenso den einen oder anderen Wink in Richtung der „Derrick“-Klassiker enthält. Diese Mischung zeigt sich bereits in der Auftaktszene: Sie taucht mit greller Neonwerbung und aufreizenden Tänzen sofort tief ins Erotikclub-Milieu ein, das Reinecker in den 1990er Jahren zunehmend gern thematisierte; es tummeln sich in eben jenem Club aber auch altbekannte Darstellerikonen wie Udo Vioff und Diana Körner, sodass sich sofort ein vertrautes Sehgefühl einstellt. Während Vioffs Rolle als melancholischer Barpianist etwas verloren wirkt, erhält Körner einige schöne Szenen, in denen vor allem das Zusammenspiel mit ihrer Tochter Lara Joy Körner, die hier auch ihre Filmtochter verkörpert, gut zur Geltung kommt. Lara als das titelgebende „Mädchen im Mondlicht“ ist zwar eine jener typischen überhöhten Mädchenidealgestalten, die in Reinecker-Stoffen immer wieder herbeifabuliert werden, doch durch ihre zupackende Art, im Sozialtreff von Ingo Wegener mitzuhelfen, wirkt die junge Frau weniger abstrakt oder entrückt als vergleichbare „Unschuldsengel“.

    Es wird viel Wert darauf gelegt, den Unterschied zwischen dem moralisch verwerflichen Etablissement des Herrn Bossler und dem idealistischen Tun von Ingo Wegener und Linda Schuster herauszulegen, doch darüber vergessen Goslar und Reinecker dankenswerterweise auch den Mordfall nicht. Derricks Ermittlungsmethoden sind zwar eigen (er hängt sich sofort an dem ihn faszinierenden Porträt des „Mädchens im Mondlicht“ auf), aber führen zu einer erfolgversprechenden, emotional spannenden Kulmination der Geschehnisse. Zwischendurch werden immer wieder wehmütige Momente eingestreut (Derrick nachdenklich auf der Hackerbrücke oder Lindas vergeblicher Versuch, einem Obdachlosen zu helfen), die das düstere Flair der Episode unterstreichen, welches dann in der niederschmetternden Aufklärung noch einmal besonders herausgearbeitet wird. So ist „Mädchen im Mondlicht“ sicher keine leicht verdauliche oder irgendwie erbauliche „Derrick“-Folge, sondern eine, die den Weltschmerz ihres Autors wie eine Monstranz vor sich herträgt – aber das Gesamtkonzept geht durchaus auf.

    Wie auch sonst so oft ist die große Rolle von Peter von Strombeck eher Geschmackssache: Mittlerweile zu alt, um einen rebellischen Jugendlichen zu spielen, drückt er nun als selbstgerechter „Helfer der Armen“ etwas zu stark auf die Tränendrüse. Umso beeindruckender gerät die Darstellung von Christine Buchegger, die als Witwe Bossler wunderbar geheimnisvoll und zweideutig wirkt. Man merkt sofort, dass sie die Wahrheit kennt und darf sich fragen, wie Derrick ihn ihr zu entlocken plant. Er entscheidet sich für zahlreiche nachdrückliche Verhöre mit allen Verdächtigen – teils im Büro, teils in Privatwohnungen –, was der Folge ein zwar wortlastiges, aber engagiertes und durch die Verwendung von Rückblenden auch dynamisches und ergreifendes Finale verleiht.

    „Mädchen im Mondlicht“ erschien gemeinsam mit „Der zweite Mord“ (#173) Ende der 1990er Jahre auch in Buchform beim Moewig-Verlag als Doppelband. Die zwei auf den Originaldrehbüchern basierenden Erzählungen wurden allerdings nicht von Herbert Reinecker selbst, sondern vom vielbeschäftigten EUROPA-Hörspielautor H.G. Francis (Hans Gerhard Franciskowsky) niedergeschrieben.

    Stark dramatisierter, aber nicht übermäßig theatralischer Spät-„Derrick“ um den Verlust von Unschuld und die Gefahren realitätsfremden Idealismus’. Gute Darsteller(-innen) und eine einfühlsame Regie lassen über einige eher zweifelhafte inhaltliche Konstruktionen milde hinwegblicken. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Ich freue mich sehr über eure Rückmeldungen und die beachtliche Teilnahmebereitschaft. Man liest heraus, dass es vielen so gegangen ist, dass in letzter Zeit andere Dinge oder einfach andere Filme im Mittelpunkt standen und Edgar Wallace ein wenig in den Hintergrund rückte. Schön, dass wir dem gemeinsam Abhilfe schaffen wollen.

    Organisatorisch würde ich vorschlagen, jeweils an einem Samstag mit den Diskussionen zu einem Wallace-Film zu beginnen und diese für die Wochenfrist in einem separaten Themenstrang hier im Wallace-Bereich durchzuführen. So findet man den jeweiligen Thread leicht und kann auch "mal eben" etwas beisteuern, ohne zuerst 10 Seiten alter Beiträge durchklicken zu müssen. Im Anschluss, wenn dann der nächste Film an die Reihe kommt, können die Beiträge der Vorwoche dann im Filmbewertungsbereich mit den jeweils existenten Themen verschmolzen werden.

    Was den Zeitablauf angeht, schlage folgenden Plan vor. Er enthält keine Pausenwochen, um zum gewohnten Sommertermin 2019 mit der Besprechungsreihe für einen EW-Grandprix fertig zu werden. Falls doch Verschnaufpausen zwischendurch gewünscht werden, können wir aber sicher noch nachjustieren. Sinnvoll ist nur, dass wir uns vorher einen Zeitplan ausmachen, sodass das Projekt sich nicht nach der Hälfte verläuft. Wenn jemand zwischenzeitlich länger nicht da ist, kann derjenige auch bei Bedarf noch "nachliefern" - es ist ja nicht so, als wären alle anderen Besprechungsthreads nun für acht Monate geschlossen.

    ab 10.11.18: Der Frosch mit der Maske
    ab 17.11.18: Der rote Kreis
    ab 24.11.18: Der Rächer

    ab 01.12.18: Die Bande des Schreckens
    ab 08.12.18: Der grüne Bogenschütze
    ab 15.12.18: Die toten Augen von London
    ab 22.12.18: Das Geheimnis der gelben Narzissen
    ab 29.12.18: Der Fälscher von London

    ab 05.01.19: Die seltsame Gräfin
    ab 12.01.19: Das Rätsel der roten Orchidee
    ab 19.01.19: Die Tür mit den 7 Schlössern
    ab 26.01.19: Das Gasthaus an der Themse

    ab 02.02.19: Der Fluch der gelben Schlange
    ab 09.02.19: Der Zinker
    ab 16.02.19: Der schwarze Abt
    ab 23.02.19: Das indische Tuch

    ab 02.03.19: Zimmer 13
    ab 09.03.19: Die Gruft mit dem Rätselschloss
    ab 16.03.19: Der Hexer
    ab 23.03.19: Das Verrätertor
    ab 30.03.19: Neues vom Hexer

    ab 06.04.19: Der unheimliche Mönch
    ab 13.04.19: Das Rätsel des silbernen Dreieck
    ab 20.04.19: Der Bucklige von Soho
    ab 27.04.19: Das Geheimnis der weißen Nonne

    ab 04.05.19: Die blaue Hand
    ab 11.05.19: Der Mönch mit der Peitsche
    ab 18.05.19: Der Hund von Blackwood Castle
    ab 25.05.19: Im Banne des Unheimlichen

    ab 01.06.19: Der Gorilla von Soho
    ab 08.06.19: Der Mann mit dem Glasauge
    ab 15.06.19: Das Gesicht im Dunkeln
    ab 22.06.19: Der Teufel kam aus Akasava
    ab 29.06.19: Die Tote aus der Themse

    ab 06.07.19: Das Geheimnis der grünen Stecknadel
    ab 13.07.19: Das Rätsel des silbernen Halbmonds

  • Der gläserne Turm (1957)Datum24.10.2018 21:25
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Hier noch ein kurzer Nachtrag zum „gläsernen Turm“: Es handelt sich dabei offenbar wieder um ein Beispiel für Filme, die dem Genrefreund super gefallen, aber bei der Filmkritik mit Pauken und Trompeten durchfallen. Die Kritik aus dem Film-Dienst ist jedenfalls ein herzhafter ganzseitiger Verriss, wie er im Bilderbuch steht. Wer weiß, ob der Kritiker gerade Eheprobleme oder einfach nur schlecht zu Mittag gegessen hatte? Er spricht jedenfalls von Kitsch, Pathos, Kolportage, zweifelhaften Moralbegriffen, Oberflächlichkeit und Theatralik und lässt kein gutes Haar an der Produktion. Dass seine eigenen Ausführungen dabei auch nicht gerade naturalistisch klingen, wollen wir ihm dabei gar nicht erst vorhalten …

    Zitat von „6332. Der gläserne Turm“ in: Filmdienst (45/1957), S. 465
    Der Film geht am Ernst der Auseinandersetzung vorbei mit der Tendenz, durch gekünstelten Spiel- und Ausstattungsaufwand über seine innere Leere und moralische Richtungslosigkeit hinwegzutäuschen. […] Von Gewissen ist in diesem verlogenen Seelenreißer freilich nicht die Rede. Es würde auch zu sehr die aufgedonnerte Theatralik stören, die hier in knischender Verbissenheit als Kunst angeboten wird. Nun denn: Die Fotografie bietet kunstgewerbliche Bilder für eine mittlere Ausstellung. Die Phrase realisiert sich im Bild. Wirkliches Leben ist da partout unmöglich, und das Spiel der Akteure gleicht sich der Unnatur an, die diesen Film unnachsichtig beherrscht.

  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)Datum24.10.2018 20:55
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    @Georg: Ich kann dir nur vollends zustimmen. Was die logischen Schwächen von "11 Uhr 20" angeht, so habe ich einige davon bei meinen älteren Besprechungen angeführt. Ich stellte mir die gleichen Fragen - und auch die, warum der Titel so explizit auf die eigentlich völlig irrelevante Todeszeit abhebt - beim aktuellen Sehen erneut. Da laufen einige Fäden ins Leere - und insgesamt hat mich das Endergebnis auch nicht so mitgerissen, dass ich jetzt den Elan hätte, nachzulesen, ob das im Roman genauso ist.

    @Ray: Kurioserweise haben sich die Eindrücke zu den beiden Mehrteilern, an die ich mich so gut wie gar nicht mehr erinnern konnte - "Babeck" und "11 Uhr 20" - fast 1:1 bestätigt. Bei "Der Tod läuft hinterher" würde ich sagen, dass ich diesmal noch deutlich mehr als bei vorherigen Sichtungen überzeugt und positiv überrascht war. Ich denke wirklich, dass man es dabei mit einem der stärksten Mehrteiler der 60er-Jahre zu tun hat (auf einem Niveau mit "Melissa", "Wie ein Blitz" oder "Die Gentlemen bitten zur Kasse"). Die anderen beiden sacken dann aber jeweils kontinuierlich ein bisschen ab.

  • Alibi (1955)Datum24.10.2018 20:48
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Löblich ist die Neu-Veröffentlichung auf jeden Fall und jedem, der den Film noch nicht kennt, sei "Alibi" allerwärmstens ans Herz gelegt. Aber ein schönes Cover geht anders. Leider hat sich Filmjuwelen von seinem kohärenten Schwarz-Weiß-Rot-Stil für Krimiklassiker verabschiedet - dabei wäre der auch bei "Alibi" sehr passend gewesen.

  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)Datum21.10.2018 22:15
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    11 Uhr 20 (Teil 3: Tod in der Kasbah)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Friedrich Joloff (Dr. Arnold Vogt), Peter Carsten (Korska), Nadja Tiller (Maja Korska), Esther Ofarim (Miriam), Götz George (Muller), Paul Hoffmann (Johnston), Jochen Busse (Henk) u.a. Erstsendung: 11. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 3: Tod in der Kasbah)
    Auch nachdem klar ist, welche Beweggründe Minotti, Muller und Vogt dafür haben, einander nach Leben und Dokumenten zu trachten, ist Thomas Wassem noch immer fest entschlossen, den genauen Schuldigen für die Morde an Korska und seiner Frau zu entlarven. Die Verbrecher wollen hingegen nicht zulassen, dass der neugierige Wassem das Geschäft ihres Lebens durchkreuzt, und schicken ihn daher auf einen Spießrutenlauf: Unter anderem muss er sich vor mehreren maskierten Messermännern in Sicherheit bringen, die ihn abends in der Kasbah angreifen. Auch die Sängerin Miriam, die mehr weiß, als dem Haupttäter lieb ist, muss ihr Leben lassen. Sie fertigt zuvor jedoch Kopien der allentscheidenden Unterlagen an, die Thomas Wassem schließlich in die Lage versetzen, Vogt ein schwerwiegendes Geständnis abzuringen. Doch dieses ist nur ein Teil der ganzen Wahrheit ...


    Nachdem Teil 2 von „11 Uhr 20“ hauptsächlich in der Sahara angesiedelt war, kehrt Teil 3 wieder in das städtische Umfeld von Tunis zurück, was beim Drehstab wohl für einige Erleichterung gesorgt haben dürfte. Hatten Becker und Co. in der Wüste Hitze und Trockenheit zu finden gehofft, so wurden sie von schweren Überschwemmungen und Stürmen heimgesucht, die nicht nur das Drehen einiger Szenen deutlich erschwerten, sondern die NMF-Leute teilweise auch von der Außenwelt abschnitten. Vielleicht ist darin einer der Gründe für den schleppenden (womöglich nicht so wie gewünscht ausgefallenen?) zweiten Teil zu suchen, denn sobald die Kasbah zum Hauptschauplatz avanciert, steigt auch die Spannung wieder spürbar an. Die letzten 70 Minuten liefern zwar keine spektakulären Überraschungen mehr und entsprechen teilweise der bereits erwähnten Strategie, mit endlosen Anschlägen auf Thomas Wassem Sendezeit zu schinden, werden aber immerhin wieder stärker von der Frage nach dem Wer und Warum angetrieben. Zudem weitet sich im urbanen Umfeld das Figurenensemble wieder auf, was den hoch in allen Abspännen gelisteten Damen Christiane Krüger, Nadja Tiller und Esther Ofarim endlich einmal etwas mehr Aufmerksamkeit garantiert – wenngleich ihre Rollen sicher dennoch weit von weiblichen Hauptrollen entfernt sind. Krüger hätte sicher das Zeug dazu gehabt, wird aber eher für einen tragischen Ausgang zurückgehalten; auch das rabiate Ende der Sängerin Miriam (Ofarim) entfaltet eine ergreifende Wirkung.

    Reinecker nutzt zur Aufklärung diesmal im Gegensatz zu „Der Tod läuft hinterher“ oder „Babeck“ kein Showdown-Finale. Da Wassem keine Beweise, sondern lediglich Druckmittel in der Hand hat, ist er auf umfangreiche Geständnisse angewiesen, die in dynamischen Rückblenden erzählt werden und Gila von Weitershausen sowie Peter Carsten (Korska) noch einmal kurzfristig eine Bühne einräumen. Man muss sich natürlich fragen, wie kriminalistisch nachhaltig es ist, dass sich Fuchsberger die Lösung einfach nur von den Mitwissern erzählen lässt, nachdem er die prinzipielle Verdächtigengruppe schon viel früher eingegrenzt hatte – einen großen Kombinationserfolg kann er jedenfalls selbstständig hier nicht landen. Diesbezüglich erweist sich das Drehbuch als fauler als in den bisherigen Mehrteilern; der letzte Eindruck ist aber dennoch positiv, weil Wassem immerhin ein als Notwehr getarnter Moment der Rache am Mörder seiner Frau gegönnt wird. Fuchsberger schließt hier den Bogen zu seinem aufgewühlten, wütenden Auftreten zu Beginn des Mehrteilers.

    Eine ansprechende Begleitung zu den südländischen Aufnahmen des Mehrteilers bietet die Musikuntermalung von Peter Thomas, die zwar bei Weitem nicht die Einprägsamkeit seiner Arbeit zu „Babeck“ erreicht, aber dafür noch ein Stück treibender, aufpeitschender ausfällt. Ein wenig erinnert sie an eine orientalische Version der Sam-Spence-Vertonung von „Wie ein Blitz“ – damit verraten beide Scores ihre Zeitherkunft nur zu deutlich. Ergänzend werden dem musikalisch geneigten Zuschauer zwei sehr unterschiedliche Vokalstücke (beide nicht aus Thomas’ Feder) präsentiert – Donna Summers „Black Power“ und die von Ofarim gesungene Volksweise „Black Is the Color of My True Love’s Hair“. Gerade letztere bleibt längere Zeit hängen und verleiht dem so rauhen Mehrteiler eine wehmütige, nachdenkliche Seite.

    Inhaltlich und in Bezug auf sein Durchhaltevermögen bleibt „11 Uhr 20“ eindeutig hinter den anderen beiden Reinecker-Mehrteilern zurück. Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, nicht nur Schauplätze und Darsteller, sondern auch Story-Grundkonstrukt und Rollentypen zwischen den drei Krimis stärker zu variieren. Das allerdings recht starre Konstrukt, das sie sich alle teilen, hätte ein nochmaliges Aufwärmen ein Jahr später dann nicht mehr erlaubt, sodass es trotz allen Bedauerns in Ordnung geht, dass man nach „11 Uhr 20“ die großen Ringelmann-Dreiteiler einstellte. „11 Uhr 20“ überzeugt zwar noch durch einen starken Joachim Fuchsberger sowie die exotische Machart, aber ist eindeutig mindestens 30, vielleicht eher 45 Minuten zu lang – eine ungewohnte Nachlässigkeit gerade bei Wolfgang Becker. 3 von 5 Punkten.

  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)Datum20.10.2018 21:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Vadim Glowna (Lassowski), Götz George (Muller), Friedrich Joloff (Dr. Arnold Vogt), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Anthony Steel (Carlsson), Hans-Michael Rehberg (Schmoll), Nadja Tiller (Maja Korska), Esther Ofarim (Miriam) u.a. Erstsendung: 9. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)
    Die Polizei in Istanbul findet die verschwundene Leiche aus dem Auto der Wassems und stellt fest, dass es sich dabei gar nicht um Dr. Vogt, sondern um den Lastwagenfahrer Korska handelt, der für Muller und Dr. Vogt gearbeitet hat. Muller, Carlsson und Minotti verschwinden zum gleichen Zeitpunkt aus Istanbul – Thomas Wassem reist ihnen nach Tunis hinterher, wo er auch die Bekanntschaft von Korskas Frau und Schwager macht. Während Maja Korska mit Minotti in Verbindung steht, versucht ihr Bruder Lassowski, Thomas Wassem bei seiner gefährlichen Jagd nach den Hintermännern zu helfen. Gemeinsam überwältigen sie nicht nur Muller, sondern schlagen sich auch quer durch die Sahara zum echten Dr. Vogt durch. Dieser nimmt am Südrand der Wüste sensible geologische Versuchsbohrungen vor, für die verschiedene Interessenten über Millionenbeträge und Leichen gehen ...


    Die zügige Entwirrung der im ersten Teil noch unlösbar scheinenden Verwicklungen in Istanbul überrascht den Zuschauer ebenso wie die unvermittelte Verlagerung des Geschehens nach Tunis und in die menschenfeindliche Wüstenhitze. Damit einher geht eine unverkennbare Änderung der filmischen Prioritäten: Was wie alle anderen Reinecker-Dreiteiler als Mordrätsel begann, entwickelt sich auf einmal in Richtung eines Abenteuer- oder Actionstreifens, bei dem es eher auf die Verfolgung und Unschädlichmachung bereits bekannter Gegner ankommt als auf Kombinationsgabe und Befragungen. So besteht der zweite Teil von „11 Uhr 20“ im Wesentlichen daraus, dass Wassem den ausgemachten Schurken Muller, Minotti und Vogt nachstellt und dabei von einer Falle in die nächste tappt. Ob eine Drahtschlinge im Schlafsaal, verschiedene Schusswechsel mit Muller oder das Beinahe-Verdursten allein in der Sahara – man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier einfach nur Lehrbuchweisheiten aus der Kategorie „Wie stellt man den Protagonisten vor gefährliche Herausforderungen“ wie Perlen an einer Kette aufgereiht werden, um die notwendige Laufzeit zu füllen. Die Dichte neuer Erkenntnisse hält sich nämlich in engen Grenzen: Während bei „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ immer neue Wendungen für Unterhaltsamkeit sorgten, macht „11 Uhr 20“ zwar gleich zu Beginn des zweiten Teils eine 180-Grad-Drehung, verläuft dann für die übrigen 60, 65 Minuten überraschungslos ab.

    Natürlich muss man attestieren, dass Joachim Fuchsberger alle Challenges mit Bravour meistert; „11 Uhr 20“ forderte dem 42-jährigen Schauspieler gerade körperlich Vieles ab. Hervorzuheben ist insbesondere die atmosphärische Kampfsequenz mit dem verschlagenen Hans-Michael Rehberg, in der sich die beiden Mimen zunächst um die todbringende Drahtschlinge und anschließend um eine in Brand geratene Öllampe balgen. Regisseur Becker versteht es, in solchen Momenten immer wieder einmal den Adrenalinspiegel hochkochen zu lassen, verschenkt die Wirkung solcher Szenen jedoch mit erheblich zu viel Leerlauf zwischendurch. Es ist daher erstaunlich, dass gerade dieser eher auf Schau- und Actionwerte konzentrierte Mehrteiler und nicht die deutlich komplexeren Vorgänger für eine nachträgliche Übertragung in Romanform ausgewählt wurde.

    Zitat von Volker Helbig. Herbert Reineckers Gesamtwerk: Seine gesellschafts- und mediengeschichtliche Bedeutung. Wiesbaden: DUV, 2007. S. 288
    Ab 1970 wendet sich Reinecker mit einer bislang nicht gekannten Intensität dem Buchmarkt zu [...]. 11 Uhr 20 erscheint noch im Jahr 1970 als Kriminalroman im Münchner Gersbach-Verlag, wobei diesem Band noch jeder äußere Verweis auf den gleichnamigen dreiteiligen Fernsehfilm fehlt [...]. Ein expliziter Produktverbund findet erst mit der zweiten Auflage statt, die dem Roman zu seinem eigentlichen Erfolg verhilft: 1973 bringt der Goldmann-Verlag eine wesentlich weiter verbreitete Taschenbuchversion auf den Markt, die vorderseitig den Hinweis führt: „Das aufsehenerregende Fernsehspiel – jetzt als Taschenkrimi!“ 11 Uhr 20 ist ein für Reinecker-Verhältnisse recht aktionsgeladener, stark vom amerikanischen Detektivroman beeinflusster sowie mit Exotik- und Abenteuerelementen durchsetzter Krimi, der in Istanbul und Tunis spielt und in dem die ermittelnde Hauptfigur Thomas Wassem als Ich-Erzähler fungiert.


    Während Bruhns und Steel sowie Krüger und Tiller in diesem Teil nur verhältnismäßig kleine Posten bekleiden, schlägt hier nun die Stunde von Vadim Glowna und Götz George. Glowna gibt den loyalen, zu einfachen (brutalen) Lösungen neigenden Ko-Ermittler mit naiver Gutgläubigkeit, sodass es schade ist, dass er bereits im gleichen Teil wieder abserviert wird. Umso gefährlicher stellt sich das Unterfangen natürlich für Wassem dar, der sich nicht dauerhaft auf Unterstützung verlassen kann. George dagegen bietet das beeindruckende Arsenal eines durchtriebenen Opportunisten auf, der – sobald andere die Oberhand über ihn haben – geradezu hündisch winselt, dann aber zu geradezu enervierender Selbstsicherheit zurückfindet, sobald er glaubt, wieder Oberwasser zu haben. Insgesamt ist sein Herr Muller sicher kein cleverer Strippenzieher und hat sich mit dem Unterfangen, in das er sich eingelassen hat, eindeutig übernommen – seine Gefährlichkeit entspricht vielmehr der eines in die Enge getriebenen Tieres.

    Die Frage, die sich am Ende des zweiten Teils von „11 Uhr 20“ stellt, ist, ob sich eigentlich überhaupt noch relevante Fragen stellen. Der Fall wirkt dank der Erläuterungen Friedrich Joloffs einigermaßen klar und die Rollen der Verbrecher sogar noch eindeutiger als in „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“.

  • 11 Uhr 20 (1969/70, TV)Datum19.10.2018 21:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)

    Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Gila von Weitershausen (Maria Wassem), Konrad Georg (Herr Konrad), Götz George (Muller), Anthony Steel (Carlsson), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Ann Smyrner (Helga Kessler), Karl Walter Diess (Brocca), Muzaffer Tema (Polizeioffizier) u.a. Erstsendung: 8. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

    Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)
    An ihrem letzten Urlaubstag geben die Istanbul-Touristen Thomas und Maria Wassem auf dem Postamt nur rasch ein Telegramm in die Heimat auf. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehren, sitzt darin die Leiche des deutschen Ingenieurs Dr. Vogt. Um diplomatische Verwicklungen mit den türkischen Behörden zu vermeiden, beschließen die Wassems, sich des Toten unbemerkt zu entledigen – allerdings passiert dabei ein schrecklicher „Unfall“, bei dem auch Maria Wassem stirbt. Ihr Ehemann gerät unter Verdacht, sie umgebracht und die Geschichte mit Vogt nur erfunden zu haben, denn der Leichnam des Mannes verschwindet auf mysteriöse Weise. Es gibt aber eine Spur: die Tänzerin, die jetzt im Hotelzimmer des Ermordeten wohnt. Über sie und den Hotelier Brocca gerät Wassem an Vogts Berufskollegen Muller sowie den schießwütigen Nachtclubkönig Carlsson ...


    Nach den in den klassischen Krimiländern angesiedelten Mehrteilern „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ wagten Helmut Ringelmann, Herbert Reinecker und Wolfgang Becker den Clou, die bisherige Grenze für Mehrteilerschauplätze auszutesten und „11 Uhr 20“ in Istanbul anzusiedeln. Zahlreiche Aufnahmen vor Ort sowie die Mitwirkung einiger türkischer Darsteller in kleineren Rollen verleihen dem ersten Teil des Mordkomplotts ein exotisches Flair und setzen zudem ein klares Zeichen bezüglich des unverminderten Aufwands, den Ringelmanns Neue Münchner Fernsehproduktion in die Auftragsarbeiten fürs ZDF investierte: Man wollte mit den Dreiteilern in der ersten Liga des Fernsehkrimis mitspielen und auch die zunehmend technisch ausgefeilten Durbridge-Krimis ausstechen. Bestandteil dieser Strategie war auch, noch vor „Wie ein Blitz“ (Ausstrahlung im April 1970, drei Monate nach „11 Uhr 20“) die Farbära für die mehrere Abende füllenden Fernsehspiele einzuläuten. Kameramann Rolf Kästel nutzte deren Wirkungspotenzial sehr ansprechend aus: Neben einer im Ganzen eher gedeckten Farbpalette warmer Sonnentöne stechen einige attraktive Akzente heraus, die in gewisser Weise auch schon die langsam anklingenden Siebzigerjahre verraten: knallrote Titeltafeln, Carlssons ebenso unverkennbar roter Chevrolet oder eine ins tiefe Lila schillernde Nachtstimmung.

    Optische Leckerbissen und die atemberaubende inhaltliche Entwicklung gehen allerdings Hand in Hand: Das tragische und bedrohliche Dilemma von Thomas Wassem wird nicht nur schneller, ungeduldiger zur Sprache gebracht als etwa jenes von Manfred und Marianne in „Babeck“, sondern ist auch deshalb umso effektiver, als man den Helden den Tod seiner Ehefrau fast leibhaftig miterleben lässt. Im Gegensatz zu Edward Morrison oder Marianne Hohmann, die aufgrund eigener Abwesenheit erst nachträglich vom Verschwinden ihrer Verwandten erfahren und daraufhin erst einmal klären müssen, was überhaupt geschehen ist, hat Wassem von Anfang an tödliche Gewissheit und somit eine umso stärkere Motivation. Die Szene, in der Maria Wassem stirbt, sowie jene, die ihrem Tod vorausgehen, werden von Joachim Fuchsberger und Gila von Weitershausen sehr sympathisch und glaubwürdig umgesetzt, sodass auch der Zuschauer ein ernsthaftes Interesse an der Aufklärung des Todesfalls erhält, wohingegen man z.B. Alice Morrison nur von einem Foto her kannte und deshalb nicht gar so eng mit Edward Morrison in Allianz stand. Man sieht Thomas Wassem daher großzügig nach, dass er sich den türkischen Behörden auf illegale Weise entzieht; offenbar versuchte man hier, dem Sonnyboy Fuchsberger ein raueres, eigensinniges Rollenimage zu verpassen (er ist es zum Beispiel auch, der den Fund der Leiche Dr. Vogts von Anfang an vertuschen will und seine Frau dazu anhält, dessen Taschen zu durchsuchen). Die möglichen Konflikte, in die er als Tourist im islamischen Land mit Ämtern und Justiz geraten kann, sowie das abschreckende Niveau türkischer Gefängnisse werden mehrfach offen angesprochen, auch wenn die offiziellen Stellen bei den Dreharbeiten in Istanbul laut damaliger Schilderungen vom Dreh sehr bedacht darauf waren, dass die Türkei nicht negativ dargestellt wird.

    Während Edward Morrison in „Der Tod läuft hinterher“ und Manfred Krupka in „Babeck“ vom ersten Teil an mit einer weiblichen „Assistentin“ ausgestattet wurden, verzichtete man aus naheliegenden Gründen darauf, Wassem nach dem Tod seiner Frau eine solche an die Seite zu stellen. Der Protagonist agiert eher als Einzelkämpfer und stellenweise wundert es, wie frei er sich bewegen kann, obwohl die Zeitungen seine Fahndungsbilder in ganz Istanbul verbreiten. Eine nicht ganz so zentrale, aber vergleichbare Aufgabe als Unterstützer des Privatermittlers erfüllt Konrad Georg als gutmütiger, aber hasenfüßiger Mitarbeiter des deutschen Konsulats auf darstellerisch beeindruckende Weise. Wer ihn eher aus bestimmenden oder abstoßenden Rollen kennt, wird sich über Georgs Wandlungsfähigkeit wundern. Eher die von ihm immer wieder abbonierte Rolle des Schurken aus der zweiten Reihe verkörpert Karl Walter Diess, der sich in einer immerhin kuriosen Besetzung als einheimischer Hotelrezeptionist Brocca frühe Ringelmann-Sporen verdient. Ebenfalls in ihr typisches Fach schlagen Götz George und Werner Bruhns als undurchsichtige Hintermänner mit sehr unterschiedlichen Methoden; einen dazu passenden Auftritt, gefährlich wie eine Klapperschlange, liefert auch Anthony Steel als kaltblütiger Herr Carlsson. Neben dem Mord an Maria Wassem ist der Moment, in dem Carlsson seinen Handlanger abserviert, der wohl schockierendste des ersten Teils – beide Szenen sprechen eine deutlich härtere Sprache als z.B. die eher wohligen Deduktions-„Spiele“ bei Francis Durbridge.

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum19.10.2018 21:38
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Du beziehst dich offenbar auf den Grabbericht über Erich Fiedler auf Seite 5. Danke für die Hintergrundinformation - es ist interessant, dass Fiedler zunächst eine 20 Jahre ältere Frau hatte, die dann 28 Jahre vor ihm starb, und dass seine (ich vermute: anschließende) Freundin / Lebensgefährtin ebenfalls wie er im Grab der Ehefrau mitbestattet wurde.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum17.10.2018 17:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Frühstückt Babette mit einem Mörder?

    Episode 258 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Eberhard Itzenplitz. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Christoph Bantzer (Walter Kamrau), Anette Hellwig (Babette König), Michèle Marian (Kirsten Kamrau), Heidy Forster (Frau Scholz), Frank Behnke (Magnus Kölner), Helmut Pick (Herr Tscheka), Jutta Bunk, Tanja Dressler u.a. Erstsendung: 5. April 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Frühstückt Babette mit einem Mörder?
    Noch bevor Magnus Kölner ins eiskalte Seewasser springen kann, wird er von einer Kugel aus einem Jagdgewehr mit Zielfernrohr niedergestreckt. Seine intime Freundin Kirsten Kamrau verfällt in Panik, denn sie ist sich sicher: Den Schuss kann nur ihr gehörnter Gatte Walter abgegeben haben! Sie lässt sich von Oberinspektor Derrick nach Hause begleiten, um das Wichtigste zu packen, denn sie fürchtet, Walter Kamrau könne es auch auf sie abgesehen haben. Derrick glaubt der Frau, hat aber keine Beweise gegen den mutmaßlichen Täter in der Hand. Das ändert sich, als die Haushaltshilfe Babette bei Walter Kamrau aufkreuzt. Womöglich würde es ihm ausreichen, diese anstelle seiner Ehefrau umzubringen?!


    Irgendwie passt der ungelenke Titel „Frühstückt Babette mit einem Mörder?“ zu dieser Folge, denn auch Handlung, Schauspiel und Inszenierung stellen sich als einigermaßen sperrig heraus. Der Zuschauer hätte sich direkt gewundert, wenn zwischen den Eheleuten, die das zum gefühlten 258. Mal als Kulisse verwendete Hochschloss Pähl bewohnen, alles im Reinen gewesen wäre. Von nichts könnte bei Walter und Kirsten Kamrau weniger die Rede sein – nicht nur die Affäre der Frau, sondern ein wirklich bis in sämtliche Grundfesten erschüttertes Vertrauensverhältnis macht es den Eheleuten unmöglich, auf normale Weise miteinander zu kommunizieren. Die Folge steigt mit dem unvermittelten Mord an Liebhaber Kölner ein und sofort darauf beschuldigt die hysterische Frau ihren Mann, woraufhin sie von der Bildfläche verschwindet und diese einem in seiner Psychose richtiggehend lähmenden Christoph Bantzer überlässt. Bantzer ist der Dreh- und Angelpunkt des Falles; leider hat er hier eine so manirierte Art an sich, dass er – ebenso wie die relativ spät eingeführte Titelheldin Babette – nicht den geringsten Anflug von Realitätsnähe besitzt. Beide Gestalten wirken wie Karikaturen ... konzipiert nur, um möglichst starke Kontrate zueinander aufzuweisen. Er, der eigenbrödlerische, weltfremde, gruselige Schlossherr; sie, die lebensfrohe, patente, attraktive Putzkraft. Das ist doch etwas sehr simpel gestrickt.

    Leider kann sich Eberhard Itzenplitz in seiner ersten von fünf „Derrick“-Regieverpflichtungen nur unzureichend profilieren. Spannung kommt nur in einer einzigen Szene auf, die dafür wirklich recht gut gelungen ist. Derrick führt Walter Kamrau zum See – direkt an jenen Platz, an dem der Schütze mit der Jagdwaffe gestanden haben muss. Er drückt Kamrau ein Gewehr in die Hand; dieser legt es an, peilt direkt auf Harry, der – wie zuvor das Mordopfer – auf dem Steg am See steht, und drückt ab ... Davon abgesehen versinkt die Episode in gepflegter Langeweile, von der auch die sehr düstere Musik von Eberhard Schoener oder die tatsächlich einmal wieder recht soliden polizeilichen Kombinationen nicht ablenken können. Zu künstlich wirken die Figuren, zu herbeigeredet die Motive und Wendungen. Kamrau scheint es nur darauf anzukommen, irgendwen zu töten, weil ... ja weil er halt ein Psycho ist. Überraschungen bezüglich seiner Täterschaft kommen nicht vor und obwohl die Titelgebung einen Whodunit suggeriert, werden außer Kamrau nie ernsthafte andere Verdächtige aufgebaut. So präsentiert sich dann auch der Schluss völlig unspektakulär: Man hätte sich bei so offener Bedrohungslage wenigstens ein wüstes Finale zwischen Kamrau und Babette erhofft, aber auch das bleibt – zugunsten eines lauen Lüftchens und einer saloppen Schlusszeile – aus.

    Die mädchenhafte Babette bringt einen frischen Wind in das Schloss, in dem nicht nur die Waffen gebührend angestaubt sind. Das bedeutet auch, dass Anette Hellwig völlig zeitgeistig daherkommt – einschließlich lächerlicher Kleinmädchenfrisur und Regenbogenbekleidung sowie eines, sagen wir: mutigen Musikgeschmacks. Nachdem sie für Kamraus Küche ein Radio besorgt hat, läuft dort ausgerechnet „Push the Feeling on“ von den Nightcrawlers. – Man fragt sich, ob es nicht möglich gewesen wäre, die hölzernen Dialoge zwischen Kamrau und Derrick oder zwischen Kamrau und Babette im Mittelteil zu kürzen, um die Bedrohung im Finale auszubauen und schlussendlich auch Frau Kamrau noch einmal ins Bild zu rücken. So bleibt ein unvollständiger, teilweise auch ungekonnter Eindruck zurück – eine Folge, die nicht ärgerlich, aber einfach schwach ist.

    „Frühstück mit dem Mörder“, wie dieser Fall z.B. in Finnland und Italien genannt wurde, wäre wohl ein einfacherer Episodentitel gewesen, hätte aber vielleicht zu sehr an den 1964er-Film „Frühstück mit dem Tod“ erinnert. Auch dieser „Derrick“ bemüht sich auf klassischem Terrain, vermischt es aber mit so kruden Psycho-Elementen, dass selbst ein Schauspieler wie Christoph Bantzer zum Scheitern verurteilt ist. Auch sonst wird wenig Neues geboten – daher nur 2,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #20
    Quasi als Einstimmung für die kommenden Edgar Wallace-Wochen möchte ich mir erstmals die Ondra-Lamac-Wallace-Verfilmungen der 1930er-Jahre ansehen.

    Hui, hier wird gewissermaßen vorgeglüht. Sehr löblich! Von den drei deutschen 30er-Jahre-Wallaces ist "Der Zinker" - als Krimi - sicher der beste, wobei "Der Doppelgänger" daneben noch ordentliche Lustspielqualitäten hat.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Meine Rankings zu den einzelnen Boxen trugen nur die Überschrift „Zwischenwertung“. Hier nun also die „Endwertung“, in der ich versucht habe, alle 97 Folgen in einer Liste unterzubringen. Ist gar nicht so einfach, wenn man teilweise über fünf Jahre zurückdenken muss. Aber die Unterschiede bei Qualität oder Unterhaltungsfaktor sind ja teilweise doch recht beträchtlich.


    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 43 | Traum eines Wahnsinnigen (Becker)
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 08 | Der Tod fährt 1. Klasse (Becker)
    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 29 | Der Moormörder (Becker)
    Platz 04 | ★★★★★ | Folge 61 | Der Geigenspieler (Grädler)
    Platz 05 | ★★★★★ | Folge 13 | Auf dem Stundenplan: Mord (Grädler)
    Platz 06 | ★★★★★ | Folge 80 | Der Segelbootmord (Becker)
    Platz 07 | ★★★★★ | Folge 74 | Mit den Augen eines Mörders (Grädler)
    Platz 08 | ★★★★★ | Folge 52 | Das Ende eines Humoristen (Grädler)
    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 21 | ... wie die Wölfe (Staudte)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 88 | Die Kusine (Ashley)

    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 57 | Das Komplott (Staudte)
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 34 | Der Tote von Zimmer 17 (Becker)
    Platz 13 | ★★★★★ | Folge 63 | Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S. (Becker)
    Platz 14 | ★★★★★ | Folge 96 | Der Held des Tages (Haugk)
    Platz 15 | ★★★★★ | Folge 87 | Der Mord an Dr. Winter (Schaaf)
    Platz 16 | ★★★★☆ | Folge 32 | Die Anhälterin (Staudte)
    Platz 17 | ★★★★☆ | Folge 65 | Sommerpension (Goslar)
    Platz 18 | ★★★★☆ | Folge 49 | Ein Amoklauf (Becker)
    Platz 19 | ★★★★☆ | Folge 20 | Messer im Rücken (Staudte)
    Platz 20 | ★★★★☆ | Folge 79 | Jähes Ende einer interessanten Beziehung (Grädler)

    Platz 21 | ★★★★☆ | Folge 07 | Keiner hörte den Schuss (Becker)
    Platz 22 | ★★★★☆ | Folge 67 | Tod eines Buchhändlers (Grädler)
    Platz 23 | ★★★★☆ | Folge 10 | Schrei vor dem Fenster (Haugk)
    Platz 24 | ★★★★☆ | Folge 97 | Tod im Transit (Grädler)
    Platz 25 | ★★★★☆ | Folge 84 | Am Rande der Ereignisse (Grädler)
    Platz 26 | ★★★★☆ | Folge 40 | Der Tod des Herrn Kurusch (Grädler)
    Platz 27 | ★★★★☆ | Folge 70 | Die Nacht mit Lansky (Ode)
    Platz 28 | ★★★★☆ | Folge 45 | Schwester Ignatia (Haugk)
    Platz 29 | ★★★★☆ | Folge 01 | Toter Herr im Regen (Becker)
    Platz 30 | ★★★★☆ | Folge 06 | Die Pistole im Park (Becker)

    Platz 31 | ★★★★☆ | Folge 94 | Mord nach der Uhr (Weidenmann)
    Platz 32 | ★★★★★ | Folge 54 | Blinde Spiele (Grädler)
    Platz 33 | ★★★★★ | Folge 19 | In letzter Minute (Becker)
    Platz 34 | ★★★★★ | Folge 86 | Ein Mord auf dem Lande (Grädler)
    Platz 35 | ★★★★★ | Folge 02 | Das Messer im Geldschrank (Becker)
    Platz 36 | ★★★★★ | Folge 68 | Domanns Mörder (Becker)
    Platz 37 | ★★★★★ | Folge 26 | Die kleine Schubelik (Tressler)
    Platz 38 | ★★★★★ | Folge 64 | Ein Mädchen nachts auf der Straße (Grädler)
    Platz 39 | ★★★★★ | Folge 91 | Der Tod des Apothekers (Braun)
    Platz 40 | ★★★★★ | Folge 42 | Ein rätselhafter Mord (Staudte)

    Platz 41 | ★★★★★ | Folge 27 | Anonymer Anruf (Käutner)
    Platz 42 | ★★★★★ | Folge 81 | Der Liebespaarmörder (Braun)
    Platz 43 | ★★★★★ | Folge 39 | Als die Blumen Trauer trugen (Haugk)
    Platz 44 | ★★★★★ | Folge 11 | Die Schrecklichen (Brynych)
    Platz 45 | ★★★★★ | Folge 23 | Tödlicher Irrtum (Becker)
    Platz 46 | ★★★★★ | Folge 59 | Der Tod von Karin W. (Grädler)
    Platz 47 | ★★★★★ | Folge 55 | Rudek (Regnier)
    Platz 48 | ★★★★★ | Folge 46 | Überlegungen eines Mörders (Haugk)
    Platz 49 | ★★★★★ | Folge 05 | Ein Mädchen meldet sich nicht mehr (Grädler)
    Platz 50 | ★★★☆★ | Folge 14 | Das Ungeheuer (Haugk)

    Platz 51 | ★★★☆★ | Folge 35 | Lisa Bassenges Mörder (Staudte)
    Platz 52 | ★★★☆★ | Folge 30 | Besuch bei Alberti (Staudte)
    Platz 53 | ★★★☆★ | Folge 90 | Noch 10 Minuten zu leben (Grädler)
    Platz 54 | ★★★☆★ | Folge 17 | Parkplatz-Hyänen (Brynych)
    Platz 55 | ★★★☆★ | Folge 50 | Der Tennisplatz (Grädler)
    Platz 56 | ★★★☆★ | Folge 60 | Die Nacht, in der Basseck starb (Staudte)
    Platz 57 | ★★★☆★ | Folge 04 | Die Tote im Dornbusch (Tressler)
    Platz 58 | ★★★☆★ | Folge 28 | Drei Tote reisen nach Wien (Haugk)
    Platz 59 | ★★★☆★ | Folge 78 | Schwierigkeiten eines Außenseiters (Braun)
    Platz 60 | ★★★☆★ | Folge 58 | Schwarzes Dreieck (Grädler)

    Platz 61 | ★★★☆★ | Folge 76 | Sein letzter Coup (Ashley)
    Platz 62 | ★★★☆★ | Folge 83 | Das goldene Pflaster (Becker)
    Platz 63 | ★★★☆★ | Folge 41 | Kellner Windeck (Ode)
    Platz 64 | ★★★☆★ | Folge 24 | Eine Kugel für den Kommissar (Ode)
    Platz 65 | ★★★☆★ | Folge 93 | Ein Playboy segnet das Zeitliche (Becker)
    Platz 66 | ★★★☆★ | Folge 03 | Ratten der Großstadt (Grädler)
    Platz 67 | ★★★☆★ | Folge 95 | Eine Grenzüberschreitung (Braun)
    Platz 68 | ★★★☆★ | Folge 66 | Herr und Frau Brandes (Lindtberg)
    Platz 69 | ★★★★★ | Folge 44 | Die Tote im Park (Staudte)
    Platz 70 | ★★★★★ | Folge 82 | Traumbilder (Ashley)

    Platz 71 | ★★★★★ | Folge 18 | Dr. Meinhardts trauriges Ende (Verhoeven)
    Platz 72 | ★★★★★ | Folge 16 | Tod einer Zeugin (Brynych)
    Platz 73 | ★★★★★ | Folge 25 | Der Mord an Frau Klett (Haugk)
    Platz 74 | ★★★★★ | Folge 12 | Die Waggonspringer (Grädler)
    Platz 75 | ★★★★★ | Folge 62 | Ein Funken in der Kälte (Staudte)
    Platz 76 | ★★★★★ | Folge 33 | Lagankes Verwandte (Becker)
    Platz 77 | ★★★★★ | Folge 73 | Tod eines Landstreichers (Goslar)
    Platz 78 | ★★★★★ | Folge 89 | Sturz aus großer Höhe (Braun)
    Platz 79 | ★★★★★ | Folge 75 | Im Jagdhaus (Reinhardt)
    Platz 80 | ★★★★★ | Folge 47 | Tod eines Schulmädchens (Grädler)

    Platz 81 | ★★★★★ | Folge 92 | Fährt der Zug nach Italien? (Grädler)
    Platz 82 | ★★★★★ | Folge 69 | Ein Anteil am Leben (Haupt)
    Platz 83 | ★★★★★ | Folge 09 | Geld von toten Kassierern (Tressler)
    Platz 84 | ★★★★★ | Folge 71 | Spur von kleinen Füßen (Grädler)
    Platz 85 | ★★☆★★ | Folge 85 | Warum es ein Fehler war, Beckmann zu erschießen (Braun)
    Platz 86 | ★★☆★★ | Folge 36 | Tod eines Ladenbesitzers (Staudte)
    Platz 87 | ★★☆★★ | Folge 51 | Fluchtwege (Becker)
    Platz 88 | ★★☆★★ | Folge 72 | Drei Brüder (Grädler)
    Platz 89 | ★★☆★★ | Folge 22 | Tod eines Klavierspielers (Kehlmann)
    Platz 90 | ★★☆★★ | Folge 48 | Toter gesucht (Grädler)

    Platz 91 | ★★★★★ | Folge 53 | Mykonos (Goslar)
    Platz 92 | ★★★★★ | Folge 38 | Grau-roter Morgen (Grädler)
    Platz 93 | ★★★★★ | Folge 56 | Tod eines Hippiemädchens (Grädler)
    Platz 94 | ★☆★★★ | Folge 77 | Ohne auf Wiedersehen zu sagen (Goslar)
    Platz 95 | ★☆★★★ | Folge 31 | Ende eines Tanzvergnügens (Staudte)
    Platz 96 | ★☆★★★ | Folge 15 | Der Papierblumenmörder (Brynych)
    Platz 97 | ★★★★ | Folge 37 | Die andere Seite der Straße (Grädler)



    Damit ergeben sich für die Regisseure, die an mindestens drei Episoden beteiligt waren, folgende Durchschnittspunktzahlen:

    Platz 01 | 4,25 Punkte pro Folge | Wolfgang Becker (18 Folgen)
    Platz 02 | 4,00 Punkte pro Folge | Dietrich Haugk (8 Folgen)
    Platz 03 | 3,83 Punkte pro Folge | Helmuth Ashley (3 Folgen)
    Platz 04 | 3,83 Punkte pro Folge | Erik Ode (3 Folgen)
    Platz 05 | 3,65 Punkte pro Folge | Theodor Grädler (27 Folgen)
    Platz 06 | 3,63 Punkte pro Folge | Wolfgang Staudte (12 Folgen)
    Platz 07 | 3,50 Punkte pro Folge | Georg Tressler (3 Folgen)
    Platz 08 | 3,42 Punkte pro Folge | Michael Braun (6 Folgen)
    Platz 09 | 3,00 Punkte pro Folge | Zbynek Brynych (4 Folgen)
    Platz 10 | 2,75 Punkte pro Folge | Jürgen Goslar (4 Folgen)

    Am meisten überzeugen konnten mich Episoden von Wolfgang Becker und Theodor Grädler. Diese beiden Regisseure machen die Top-8 meines Rankings komplett unter sich aus. Auch Haugk war fast immer eine sichere Bank. Eintagsfliegen unter den „Kommisar“-Regisseuren dagegen waren Ulrich Haupt, Helmut Käutner, Michael Kehlmann, Leopold Lindtberg, Charles Regnier, Gottfried Reinhardt, Johannes Schaaf, Michael Verhoeven und Alfred Weidenmann.



    Über alle Folgen hinweg hatte ich außerdem ein fortlaufendes Ranking der überzeugendsten Ermittler laufen. Verrechnet man die von jedem der regulären Hauptdarsteller erzielten Abstimmungen mit der Gesamtzahl der jeweiligen Auftritte, erhält man ein klares Bild davon, welche Ermittler mich über die gesamte „Kommissar“-Serie hinweg am meisten angesprochen haben. Das Resultat: Ich stimme ganz klar für die junge Generation – beide Kleins schneiden hervorragend ab, wobei Erwin sich prozentual deutlich absetzt. Die erfahreneren Herren folgen dann in dichtem Abstand zu Harry, wobei der Kommissar durch Dauerpräsenz oder Hartnäckigkeit punktet, Robert durch Korrektheit oder Strenge und Walter meist recht unauffällig bleibt.

    Platz 01 | 09 von 27 Fällen (33 %) | Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)
    Platz 02 | 18 von 66 Fällen (27 %) | Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    Platz 03 | 25 von 97 Fällen (26 %) | Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    Platz 04 | 23 von 96 Fällen (24 %) | Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    Platz 05 | 22 von 94 Fällen (23 %) | Inspektor Walter Grabert (Günter Schramm)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum15.10.2018 18:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Ruth und die Mörderwelt

    Episode 257 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Maria Becker (Ruth Mommsen), Oliver Hasenfratz (Ullrich Bonte), Franjo Marincic (Ludwig Hinz), Walter Renneisen (Hugo Voss), Peter Kuiper (Wirt Alex), Lis Verhoeven (Frau Bonte), Udo Thomer (Herr Bonte), Erland Erlandsen (Arthur Mommsen) u.a. Erstsendung: 8. März 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Ruth und die Mörderwelt
    Eigentlich sollte er nur Schmiere stehen. Weil der Einbruch seines Komplizen in die Villa des alten Ehepaars Mommsen aber schiefläuft und Herr Mommsen erschossen wird, muss Ullrich Bonte plötzlich die trauernde Witwe trösten. Er ahnt nicht, dass diese ihn längst durchschaut hat und weiß, dass er am Einbruch beteiligt war. Sie beschließt, damit auf ihre Weise umzugehen, und stellt den naiven jungen Gauner auf die Probe. Stephan Derrick und Harry Klein sind derweil den organisierten Hintermännern des Raubmords auf der Schliche und stoßen auf einen Versicherungsangestellten, dessen Klienten nicht zum ersten Mal bestohlen werden ...


    Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

    Ein nicht unwesentlicher Teil der Episode wickelt sich beinah in Echtzeit in der Tatnacht ab – das Vorspiel zum Einbruch, die Straftat selbst, das Hilferufen der alten Frau Mommsen, die Tatortuntersuchung der Polizei und die Rückkehr von Ullrich Bonte zu seiner Familie nehmen mehr als die Hälfte von „Ruth und die Mörderwelt“ ein und formen zusammen einen sehr angenehmen, flüssigen Einstieg. Helmuth Ashley zeigt die Hauptcharaktere in diesen Szenen aktiv in Aktion und Interaktion, anstatt wie oft in Reinecker-Krimis nur statisch in der 1:1-Befragung mit der Polizei. Ein solcher etwas sedierterer Teil schließt sich ab Minute 30 dann aber unvermeidlich an, wobei tatsächlich weniger Derrick und Harry mit ihren Ermittlungen im Fokus stehen, sondern Frau Mommsen, die dem jungen Strolch auf unkonventionelle Weise Reue einimpft. „Überlassen Sie mir den Jungen“, weist die zwar gebrechlich, aber sehr willensstark erscheinende Maria Becker den Oberinspektor an, der daraufhin zusammen mit Harry rätselt, was der Plan der Alten sein könnte. Die Skepsis der beiden ist verständlich, denn nicht selten hatten sie es schon mit Selbstjustiz zu tun, von der Frau Mommsen indes weit entfernt ist.

    Ihr geht es darum, Ullrich Bonte seine eigene Dummheit vor Augen zu führen – sie weicht dem Studenten, der ihr Enkel sein könnte, nicht mehr von der Seite und gibt ihm auf die Art, die der altersphilosophierende Reinecker für eine intellektuelle hält, durch die Blume zu verstehen, dass sie ihn zutiefst verachtet. Maria Becker legt die Rolle so doppelbödig an, dass man sich über die Gefühle von Frau Mommsen nie abschließend im Klaren sein kann. Ist sie gekränkt, wütend oder von einem stoischen Galgenhumor ergriffen? Sie serviert jedenfalls einige sehr trocken-amüsante Momente, welche die Folge auflockern und Beckers schauspielerische Würde beweisen, weil sie die Rolle nicht der Albernheit preisgeben. Dass Reinecker großen Wert darauf legt, dass die Mommsens Juden sind, die unter den Nazis die Schrecken des Lagerlebens kennengelernt haben, fügt ihrer Performance eine tragische Ebene hinzu und verleiht dem etwas kruden Titel von der „Mörderwelt“, mit der sich Ruth Mommsen bestens auskennt, Gewicht. Ihr Gegenspieler Ullrich Bonte ist im Vergleich dazu zwar ein Fliegengewicht, aber der sonst oft flatterige Oliver Hasenfratz ruft hier eine wirklich beachtliche, ernstzunehmende Leistung ab. Seine Erschütterung über den Mord, den sein Komplize begeht, sowie der Nachdenkprozess, den Ruth Mommsen ankurbelt, machen Ullrich Bonte (wenngleich er nicht frei von den typischen Studenten-Klischees ist) zu einer dreidimensionalen Figur, die Hasenfratz verantwortungsvoll umsetzt.

    Die Episode hätte mit einigen wenigen Verbesserungen folglich ein Höhepunkt der späten Ära werden können. Neben der dynamischen ersten Hälfte und den überzeugenden Hauptdarstellern sind vor allem die schönen lauen Münchner Nachtaufnahmen, die sehr adrette Mommsen-Villa sowie die Besetzung des gaunervermittelnden Kaschemmenwirts mit Peter Kuiper als deutliche Pluspunkte hervorzuheben. Leider muss andererseits konstatiert werden, dass Reinecker die Krimi-Komponente über die Philosophierereien von Ruth Mommsen prompt vergisst, was die Folge teilweise ins Hanebüchene führt. Die Frage, warum Bonte den Einbrecher nicht über Funk warnte, als das Licht im Schlafzimmer anging, bleibt ebenso offen wie der Grund für den völlig überzogen erscheinenden Selbstmord am Ende. Auch das Vorgehen von Derrick und Klein, die über den Versicherungsmakler auf die Spur der Einbruchsserie kommen, hätte genauer beleuchtet werden müssen, um mehr als ein Vorwand für ihre abermals eher mauen Polizeiaktivitäten zu sein.

    Spannende, optisch ansprechende und exzellent besetzte Episode, die nur daran scheitert, dass ihr Weltweisheiten-Gehalt durch die Decke schießt. Das hindert sie zwar daran, inhaltlich optimal abzuliefern, wirkt sich aber andererseits immerhin positiv auf die diesmal sehr plastisch wirkenden Figuren aus. Gute 3,5 von 5 Punkten.

  • Babeck (1968, TV)Datum14.10.2018 21:35
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Es ist ja zwingend nötig, dass die nachträglich eingefügte Rollstuhl-Rolle die Auflösung maßgeblich verändert hat. Vermutlich nicht unbedingt zum Besseren. Interessant wäre, zu erfahren, wie sie ursprünglich ausgesehen hätte. Wäre der letztliche Hauptschurke einfach direkt als Babeck entlarvt worden oder hätte es einen anderen "Schmierenkomödianten" gegeben, der als Sündenbock für Manfred und Marianne herhalten muss?

    Dass Martin Held das Angebot nicht annahm, finde ich sehr schade. Ich kann ihn mir sehr gut in der Rolle vorstellen. Vielleicht war er verhindert? Seine sonst sehr arbeitsame Filmografie weist 1968 ein gähnendes Loch auf - evtl. ein größeres oder mehrere Theaterengagement(s).

    Zu den belastenden Unterlagen, mit denen Dr. Brenner erpresst wird: Seine Haushälterin (Helma "Rehbeinchen" Seitz) sagt in Teil 1 ziemlich deutlich, dass Brenner im Krieg tief in üble Machenschaften verwickelt gewesen sein muss, weil danach einige Patienten sich weigerten, sich von ihm behandeln zu lassen. Womöglich war er KZ-Arzt?

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Ein Jahr ohne Sonntag: Gerüchte

    Episode 3 der TV-Familienserie, BRD 1969. Regie: Claus Peter Witt. Drehbuch: Horst Pillau. Mit: Karin Baal, Götz George, Nicky Makulis jr., Florian Halm, Katharina Brauren, Witta Pohl, Christa Siems, Edgar Bessen, Hans-Peter Korff, Hans Musäus, Paul Edwin Roth u.a. Erstsendung: 5. März 1970, NDR Werbefernsehen. Eine Produktion der Studio Hamburg Atelierbetriebsgesellschaft.

    Zitat von Ein Jahr ohne Sonntag (3): Gerüchte
    Die exorbitante Telefonrechnung stottert Ina Sonntag mit Sparbuch und Kürzungen beim Haushaltsgeld ab. Zu ihrer größten Sorge wächst sich unterdessen das lose Mundwerk der Hausmeistergattin aus, die ihr am laufenden Band Verfehlungen und Affären nachsagt. Eifrig von der Kioskbesitzerin gegenüber unterstützt, besprechen die beiden Klatschfrauen jeden Herrenbesuch in der Sonntag-Wohnung. Als Ina mit ihrem Nachbarn zum Tanzen ausgeht, bleibt das ebenso wenig unbemerkt wie ihr angeblicher Flirt mit einem Polizisten, der jedoch in Wahrheit ihr Bruder ist. Als bei Sonntags Geburtstag gefeiert wird, treffen die „Hausfreunde“ aufeinander ...


    „Vielleicht ist es ja auch ganz etwas anderes. Ich komme schon dahinter.“

    Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde! Bereits in der zweiten Episode klang die Veranlagung der gelangweilten Altfrauen (Christa Siems, Katharina Brauren) an, ihre Nachbarin neidvoll durch den Kakao zu ziehen, indem sie jede Kleinigkeit, die sie vor dem Sonntag’schen Haus beobachten, analysieren und interpretieren. Hier nun wächst sich dieser Drang geradezu ins Böshafte aus, was vor allem Christa Siems ausnutzt, um ihre Rolle als Klatschbase genüsslich auszubauen. Sie drängt sich damit ganz in den Mittelpunkt der Episode, was leider so weit führt, dass ihre Beobachtungen am Fenster wichtiger genommen werden als die vermutlich deutlich sehenswertere Geburtstagsfeier in der Wohnung zwei Geschosse darüber. Man sieht zwar die Gäste mit Blumen und Geschenken zu Ina Sonntag hinaufgehen (was natürlich sofort Anlass zu weiteren Spekulationen bietet), verbleibt aber gezwungenermaßen an Siems’ Seite, anstatt Baals Gastgeberqualitäten genauer kennenzulernen. Das ist auch deshalb schade, weil mittlerweile ein ansehnlicher Stamm an Freunden und Bekannten eingeführt wurde, die man gern genauer kennenlernen würde. Edgar Bessen lässt sich als gutmütiger Bruder von Karin Baal foppen, während Hans-Peter Korff und Witta Pohl bereits wie Profis miteinander streiten und man sich bei Paul Edwin Roth noch immer nicht sicher ist, ob es sich bei seiner Rolle nun um einen verlässlichen Freund oder einen selbstsinnigen Filou handelt. – Gesonderte Erwähnung verdient die Ausstattung, welche die Studiowände mit gar scheußlichen grellbunten Mustertapeten im Sechzigerjahrestil und die beiden Tratschschwestern Siems und Brauren mit ähnlich üblen Kittelschürzen und Blusen versah. Als würde uns ihr Geläster nicht schon genug Schauer über den Rücken laufen lassen!

    Gaststar: Edgar Bessen, der spätere Kommissar Glockner bei TKKG, lässt (auch hier schon in Polizeiuniform) die Gerüchteküche wild brodeln

  • Babeck (1968, TV)Datum14.10.2018 14:30
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 3: Tödliche Geschäfte)

    Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Curd Jürgens (Mann im Rollstuhl), Senta Berger (Susanne Stefan), Karl John (Hohmann), Charles Regnier (Kaminsky), Katrin Schaake (Marita Jung), Walter Morath (Mendozza), Friedrich Joloff (Mazzini), Jan Hendriks (Bleriot) u.a. Erstsendung: 29. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 3: Tödliche Geschäfte)
    An Bord der Calasetta begegnen Manfred Krupka und Marianne Hohmann zum zweiten Mal dem undurchsichtigen Geschäftsmann Mazzini, der gegen Babeck arbeitet, aber über alle Hintergründe bestens informiert ist. Obwohl Mazzini ihnen das Leben rettet, gehen Manfred und Marianne nicht auf sein krummes Angebot ein. Sie versuchen weiterhin, der Wahrheit auf aufrichtige Weise näherzukommen. Marianne lässt sich nicht einmal von ihrem Vorhaben abhalten, als ihr Vater sie plötzlich kontaktiert und eindringlich bittet, nach München zurückzukehren und die Sache zu vergessen. Zu pikant sind die Ermittlungen mittlerweile geworden: Die Calasetta wird zur Verschiffung illegaler Waren genutzt – doch welche sind das? Auf einem von Babeck gegebenen Ball bietet Manfred Krupka noch einmal alles auf, um die tödlichen Geschäfte zu durchkreuzen ...


    Obwohl Herbert Reinecker immer wieder illustre Mordmotive erfand, steht hinter seinen Bildschirmmorden doch meist nur eine von wenigen übergeordneten Einflussgrößen – in diesem Fall ist es die bloße Geldgier, die Männer zu skrupellosen Geschäftemachern mit dem Tod werden lässt. Vom plumpen Mord am Scherenschleifer in der verschlafenen Siedlung am Starnberger See bis hin zum mondänen genuesischen Palais mit seinen Verbindungen zu illegalen Handelspartnern aus aller Welt ist es ein gewaltiger Gedankensprung – doch die geschickt angedrehte Eskalationsschraube lässt das immer größere Anwachsen der kriminellen Energie plausibel und folgerichtig erscheinen. Zumindest bis hin zu einem Knackpunkt kurz vor Ende des Falles, als die Irrungen um die sicher geglaubte Identität von Babeck mit einem letzten Twist eine geradezu mystische Qualität erhalten. Diese Überraschung hätte Reinecker durchaus einsparen können – ohne sie hätte man den Fall sauberer aufwickeln und leichter verstehen können. Immerhin blendet die atemberaubende Inszenierung der letzten Filmminuten die logischen Bedenken bis auf ein Minimum aus; welcher der vorbelasteten Herren nun der „richtige“ Babeck ist, ist letztlich einigermaßen unwichtig. An die Stelle eines Whodunit treten moralschwangere Entscheidungen, mit Gangstern zu kooperieren oder sie auffliegen zu lassen, selbst in angebotene Geschäfte einzusteigen oder sie als asozial abzulehnen. In der Beantwortung dieser Fragen zeigt Reinecker vor allem den Kontrast zwischen alter und junger Generation auf:

    Zitat von Tom Zwaenepoel. Dem guten Wahrheitsfinder auf der Spur. Würzborg: Königshausen & Neumann, 2004. S. 160
    Im Dreiteiler Babeck (1968) gibt es einige formale Merkmale populären Erzählens, wie etwa ein optisch interessantes Setting (Oberschicht, Unterwelt) und moralische Zuordnungen bei den Figuren; Tod sühnt geschehenes Unrecht. Gegen Ende der Babeck-Handlung spitzt sich der moralische Konflikt zum Generationenkonflikt zu, der im Jahr der Studentenbewegung (1968) ein beliebtes Thema in den Medien und in der Bestseller-Literatur ist.


    Manfred und Marianne sind als junge Protagonisten die einzigen aufrichtigen Figuren, die mehrfach angebotenes Geld ausschlagen, um ohne Vorbehalte weiter ermitteln zu können. Gerade zwischen Marianne und ihrem Vater sowie zwischen den Figuren von Senta Berger und Curd Jürgens, die sich als miteinander verwandt entpuppen, entbrennen Vater-Tochter-Konflikte, die alters- und sozialisationsbedingte Unterschiede in der Gewichtung von Recht und Unrecht erkennbar werden lassen. Vor allem Curd Jürgens trumpft als scheinbarer Strippenzieher mit gebieterisch distinguierter Aura stark auf („Hier gelten die Maßstäbe, die ich setze. Das ist der höchste Luxus.“), um sich schlussendlich als jammernder Verlierer eines unerwarteten Kräftemessens auf nicht weniger eindrucksvolle Weise zu verabschieden. Dass er eigentlich eine andere Rolle hätte spielen sollen und man den Mann im Rollstuhl seiner kurzfristigen Verletzung wegen erst im letzten Moment ins Drehbuch hineinschrieb, mag der Grund für das etwas verunglückte Ende sein, macht sich sonst aber wenig bemerkbar. Karl John legt seine geheimnisumwitterte Rolle dagegen pragmatischer und mit weniger Pathos an; man hätte sich von ihm einen Hauch jener Abseitigkeit gewünscht, die er noch in Peter Lorres „Der Verlorene“ an den Tag legte.

    Für Manfred und Marianne endet das Abenteuer „Babeck“ noch unrunder als für den Zuschauer; warum beide nach der Erschießung des falschen Babeck plötzlich davon absehen sollten, die gesammelten Informationen der Presse zukommen zu lassen, um zumindest den Rest der „sauberen“ Geschäftsleute einer Strafe zuzuführen, wird nicht klargemacht. Vielleicht hätte Reinecker einige dehnende Szenen vor dem Finale fortlassen und die gewonnene Zeit stattdessen in ein erläuternderes Wrap-up am Ende investieren sollen.

    „Babeck“ beginnt biederer als „Der Tod läuft hinterher“ und endet zum Ausgleich mit einem deutlichen Mehr an Grandezza und politischer Schwere. Diese baumelt am Ende leider etwas unzufriedenstellend in der Luft, was selbst durch die exzellenten Schurkendarsteller nicht verhindert werden kann. „Babeck“ ist dennoch ein starker, nervenzehrender Krimi auf hohem Niveau, allerdings mit einigen Schwächen im Vergleich zum Vorgänger und mir daher nur mehr gute 4 von 5 Punkten wert.

  • Thema von Gubanov im Forum Edgar-Wallace-Forum

    Liebe Edgar-Wallace-Freunde,

    ich stelle fest, dass ich in den letzten Jahren kaum mehr Edgar-Wallace-Filme gesehen habe und mich mittlerweile die Lust ereilt, das doch wieder einmal zu tun. Da die Anzahl der Filme doch ziemlich beeindruckend ist und ich gern endlich einmal ordentliche, einheitliche Besprechungen zu den Filmen schreiben würde, dachte ich daran, dass es vielleicht dem Spaß und dem Durchhaltevermögen zuträglich sein könnte, wenn wir uns gemeinsam die Wallace-Filme aufs Neue vornehmen.

    Im Jahr 2005 wurden hier im Forum im Wochenrhythmus die Bewertungsthreads zu den Rialto-Filmen eröffnet und das ganze Forum schaute quasi synchron die Wallace-Reihe einmal von vorn bis hinten durch. Was haltet ihr davon, so eine ähnliche Großaktion nochmal zu wiederholen? Unter dem Banner "Wallace der Woche" könnten wir uns wöchentlich einem Film widmen, Meinungen dazu austauschen, offene Fragen diskutieren, neue Perspektiven entdecken und uns auch nochmal richtig schön in die Haare bekommen, falls unsere Urteile voneinander abweichen.

    Ich würde euch deshalb gern zu einem solchen Projekt einladen, wäre aber erstmal gespannt, ob ihr euch vorstellen könnt, sowas auch mitzumachen - ggf. natürlich auch mit Kommentaren und Meinungen "aus der Erinnerung". Ich dachte daran, im November zu beginnen, sodass wir bei 36 Filmen im Juli 2019 mit der Aktion fertig wären - pünktlich zu einem Edgar-Wallace-Filmgrandprix (der letzte wird dann nämlich schon wieder genau fünf Jahre her sein).

    Was meint ihr?

  • Babeck (1968, TV)Datum13.10.2018 20:50
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Babeck (Teil 2: Das Geheimnis der Calasetta)

    Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1968. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Helmuth Lohner (Manfred Krupka), Cordula Trantow (Marianne Hohmann), Senta Berger (Susanne Stefan), Curd Jürgens (Mann im Rollstuhl), Friedrich Joloff (Mazzini), Wolfgang Völz (Fasold), Paul Albert Krumm (Hiebler), Kai Fischer (Caroline), Charles Regnier (Kaminsky), Paul Verhoeven (Körner) u.a. Erstsendung: 28. Dezember 1968. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen und den Österreichischen Rundfunk.

    Zitat von Babeck (Teil 2: Das Geheimnis der Calasetta)
    Weingarten kann seinen Plan, Krupka zu töten, nicht umsetzen und wird im Gegenzug von Babecks Handlangern ermordet. Krupka hat mittlerweile herausgefunden, dass der Reporter Hohmann vermutlich noch lebt. Seine Spur führt in die Chérie-Bar, wo Krupka dem Barmann Fotos aus Genua zum Kauf anbietet. Dieser ist sehr interessiert und will sie mit Profit an Babeck weiterveräußern. Durch diesen Trick kommt der Ermittler mit den Hintermännern des Clans in Kontakt, doch ausgerechnet der zentrale Babeck erweist sich als ausgesprochen schlüpfrige Gestalt. Können Krupka und Marianne Hohmann seiner habhaft werden, wenn sie der Barbesitzerin Susanne Stefan persönlich nach Genua folgen? Nur um Haaresbreite entgehen sie dem nächsten Attentat im Schnellzug ...


    Was das Malibu für „Der Tod läuft hinterher“ war, ist die Chérie-Bar für „Babeck“. Statt Pinkas Braun, Gisela Uhlen, Josef Meinrad und Jan Hendriks treiben sich diesmal Senta Berger, Paul Albert Krumm, Kai Fischer und Wolfgang Völz auf und hinter der Bühne herum und bringen Krupka in die eine oder andere gefährliche Situation. Im Nachtclub spielt Wolfgang Becker erneut seine inszenatorische Stärke aus und lässt das Etablissement zu einem gefährlichen Sündenbabel mit magnetischer Faszination werden. Fischer tanzt mit gleich zwei Schlangen, Krumm verstellt Lohner den Ausweg und der Name Babeck wird verheißungsvoll durch die Kulissen geflüstert. Der absolute Hauptgewinn dieser Szenen sowie der gesamten Mehrteiler-Besetzung ist allerdings Senta Berger, deren kühle Eleganz so beherrscht und wohldosiert wirkt, dass sie ganz offensichtlich in eine ganz andere Liga gehört als die offensichtlichen Klein- und Großschurken der Reinecker’schen Krimiwelt. Sie für einen Krimimehrteiler zu gewinnen, war ein einmaliger Clou, zu dem man Ringelmann nur gratulieren kann. Musikpapst Peter Thomas und Spezialist Wolfgang Becker widmen ihr mit „Vergiss mich, wenn du kannst“ einen spektakulären Gesangsauftritt, dessen groovige Melodie auch in allen anderen Szenenuntermalungen wieder auftaucht. Thomas, der sich um 1968 herum auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand, schuf damit in meinen Augen (oder vielmehr: Ohren) den besten Krimi-Song der Sechzigerjahre, den man sich immer und immer wieder anhören muss.

    Während man sich an Helmuth Lohners Art mittlerweile gewöhnt hat (er schlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes vor allem in der groß aufgezogenen Jagd- und Kampfszene auf der Baustelle recht ordentlich), vermisst man bei Cordula Trantow noch immer eine nennenswerte Eigeninitiative. Freilich ist fraglich, inwiefern das der Schauspielerin angelastet werden kann oder nicht vielmehr Autor Herbert Reinecker dafür verantwortlich gemacht werden muss, der Marianne Hohmann fast ausschließlich hinter Manfred Krupka herlaufen oder Hilfsdienste für ihn verrichten lässt. Marianne Koch hatte ein Jahr zuvor – sicher auch aufgrund ihres Prominenzbonus – die im Vergleich attraktivere Rolle erhalten. Als sehenswerter Umbruch in der Mitte des Mehrteilers gestaltet sich die Zugfahrt der beiden Ermittler nach Genua, wo sie über Susanne Stefan näher an Babeck und an den vermissten Hohmann-senior heranzukommen gedenken. Das geplante Attentat im Eisenbahntunnel von Brixen verfehlt seine spannungssteigernde Wirkung nicht, wenngleich man sich für den Pistolenschützen in spe eine beeindruckendere Besetzung als ausgerechnet den schwerfälligen Biedermann Paul Verhoeven hätte vorstellen können. Auch der Schauplatzwechsel nach Italien tut dem Krimi gut, lässt er doch erkennen, dass es abermals um einen internationalen Schwindel geht, der hier von Babecks Gehilfen mit allen Mitteln gedeckt werden soll. Genua strahlt förmlich gegenüber den etwas tristen München-Aufnahmen, doch sollte man sich von der einladenden Fassade nicht blenden lassen ...

    Die Idee, den einzelnen Episoden des Mehrteilers individuelle Titel zu geben, ist ein weiterer Pluspunkt von „Babeck“, denn sie machen zusätzlich gespannt auf den kommenden Handlungsabschnitt und brechen die abstrakte Natur der relativ aussageschwachen Haupttitel effektiv auf (schließlich geben weder „Der Tod läuft hinterher“ noch „Babeck“ oder „11 Uhr 20“ viel über die jeweiligen Produktionen preis). Gerade die Untertitel „Ein Sarg aus Genua“ und „Das Geheimnis der Calasetta“ erhöhen die Neugierde des Zuschauers, zumal Manfred und Marianne eine Menge geschickter Kombinationen anstellen müssen, bevor sie kurz vor Ende des zweiten Teils überhaupt auf den Namen des Schiffs Calasetta stoßen. Der insgesamt höhere Anteil detektivischer Arbeit in Teil 2 unterscheidet „Babeck“ von „Der Tod läuft hinterher“, welcher sich mit voranschreitender Laufzeit zunehmend intuitiver gestaltete, während „Babeck“ nach einem in dieser Hinsicht schwächeren Auftakt nun wirklich sehr solide Krimikost bietet. Man kann sich freilich nur zu gut denken, worin das Geheimnis der Calasetta besteht, doch die verbleibenden ungeklärten Fragen um Hohmann sowie um Babeck und sein „Unternehmen“ reichen mehr als aus, um dem letzten Teil gespannt entgegenzublicken.

  • Falschmünzer am Werk (1950)Datum13.10.2018 11:03
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Da hast du aber wirklich ein vergessenes Thema wieder entstaubt. Anfang letzten Jahres hatte ich mir die DVD zusammen mit der Schwester-VÖ "Wer fuhr den grauen Ford?" ebenfalls zugelegt, aber bislang keinen der beiden Filme gesehen. "Falschmünzer am Werk" erhält ja eher bescheidene Kritiken. Auch deine ist nicht gerade überschwenglich und @Percy Lister hatte den Film ebenfalls gesehen, aber aus Enttäuschung keinen Review geschrieben.

    Mal sehen, ob ich mich jetzt auch 'mal herantraue. Niedrige Erwartungen sind manchmal keine so schlechte Sache.

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