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  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum13.04.2018 19:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Die zweite Kugel

    Episode 255 der TV-Kriminalserie, BRD 1996. Regie: Horst Tappert. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Philipp Moog (Pfarrer Figges), Oliver Hasenfratz (Konrad Kahlert), Götz Hellriegel (Valentino), Dirk Galuba (Johannes Kahlert), Lambert Hamel (Dr. Stanz), Peter Bertram (Veronese), Werner Asam (Oberkellner Mayer), Ursula Ludwig u.a. Erstsendung: 5. Januar 1996, ZDF.

    Zitat von Derrick: Die zweite Kugel
    Die Mafia verlangt Schutzgelder nicht nur von Spaghettitempeln, sondern auch von italienischen Gastronomen, die sich in München auf bayerische Biertradition verlegt haben. Der „Veronese“ führt ein solches uriges Lokal und weigert sich, weiter zu zahlen. Des Nachts erhält er Besuch von Jung-Mafioso Valentino und seinem Münchner Kumpel Konrad, die die Küche des Unwilligen in Brand setzen wollen. Doch der Veronese überrascht sie – er ist bewaffnet. In einem Handgemenge entreißt Konrad ihm die Waffe und erschießt ihn. Dummerweise wird er selbst dabei verwundet – eine Kugel bleibt im Arm stecken. Um vom Arzt nicht bei der Polizei verpfiffen zu werden, beschließt Konrad, seine Geschichte einem Pfarrer unter Beichtgeheimnis zu erzählen und diesen für einen verschwiegenen Arzt sorgen zu lassen ...


    Beichtgeheimnis à la „Dem Mörder eine Kerze“ und „Anruf in der Nacht“ trifft auf Schutzgelderpressung à la „Tod eines Italieners“ und „Nach acht langen Jahren“. Einfach nur zwei typische Handlungsstränge miteinander zu kombinieren und darauf zu hoffen, dass die Mischung ungewöhnlich genug ausfällt, um als neue Idee durchzugehen, kann – wie man am Beispiel von „Die zweite Kugel“ feststellt – auch nach hinten losgehen. Tatsächlich klaffen in Reineckers Drehbuch so frappierende Logiklöcher, dass man sich fragt, warum Tappert sie, als er für diese Folge auf dem Regiestuhl Platz nahm, nicht zu stopfen versuchte. Das Verhalten des jungen Konrad Kahlert gibt dem Zuschauer ebenso Rätsel auf wie das planlose Vorgehen der Mafia, die ausgerechnet den harmlosesten und verschwiegensten Zeugen zu beseitigen versucht.

    Das Besondere an der Folge ist, dass sie immer wieder zwischen den Ereignissen aus Sichtweise der Gangster und ihren Beratungen auf der einen sowie Derricks Ermittlungen auf der anderen Seite hin- und herwechselt. Durch den Wissensvorsprung, dass man als Zuschauer den Täter kennt, wird eine interessante Struktur ermöglicht, die Derrick auf ganz eigenen, für den Mörder nicht nachzuvollziehenden Wegen auf die richtige Fährte führt. Dem Schützen begegnet der Oberinspektor folglich erst in der 52. Minute – eine interessante Variation. Tappert erlaubte sich den Scherz, in dieser Szene wie ein Geist plötzlich aufzutauchen und dem jungen Tunichtgut damit einen gehörigen Schrecken einzujagen.

    Oliver Hasenfratz spielt diesen egoistischen Drückeberger mit großem Ausdruck – vielleicht manchmal sogar überengagiert. Man wird sich als Zuschauer weder ganz darüber klar, inwiefern er seine Tat zu bedauern bereit ist, noch, warum er überhaupt den Abzug betätigt hat. Die Mordszene ist zwar eindringlich und ziemlich hart inszeniert, gibt inhaltlich aber ebenso Rätsel auf wie das windig erklärte plötzliche Auftauchen des „Toten“ in der Aufklärungsszene (man habe ein Double engagiert, heißt es da bloß lapidar). Leider erhält Hasenfratz außerdem wenige bereitwillige Gegenspieler. Lambert Hamel ist eine rühmliche Ausnahme. Als Doktor obliegt ihm die schwierige Aufgabe, zwischen Hilfsbereitschaft und Bürgerpflicht abzuwiegen. Der Pfarrer achtet hingegen nur auf das Erstgenannte und bleibt deshalb eindimensional – zumal die Idee, ausgerechnet „Bürschchen“ Philipp Moog als Pfaffen zu besetzen, wohl einer durchzechten Nacht entsprungen sein muss. Am schlimmsten gerieren sich jedoch die „Italiener“ der Folge, die mit Götz Hellriegel und dem altbefürchteten Peter Bertram ‘mal wieder gar gruselig unitalienisch besetzt sind.

    Da wollte jemand zu viele Ideen in eine Folge packen: „Die zweite Kugel“ hat vereinzelte reizvolle Momente, scheitert jedoch an einem verworrenen, unrealistischen Plot und Besetzungen, die das Gefühl, dass sich die Geschichte vielleicht doch so zugetragen haben könnte, nicht unbedingt unterstützen. Der Von-Zeit-zu-Zeit-Regisseur Tappert hätte eine stärkere Vorlage gebraucht. 3 von 5 Punkten.



    Mit nur wenigen Spitzenfolgen und einem eher überschaubaren Punktschnitt von 3,4 pro Folge reiht sich „Derrick Collector’s Box 17“ relativ weit hinten in die „Derrick“-Hall of Fame ein. Die enthaltenen Episoden sind zum allergrößten Teil dem Jahrgang 1995 zuzuordnen, der sich als schwächer als der Vorjahresschub erweist und dennoch sauber und in überwiegendem Maße befriedigend gemacht ist. Am meisten bedauern muss man, dass Derrick mental nur mehr wenig gefordert wird und manchmal seine Fälle eher wie ein Hexenmeister mit sechstem Sinn löst. Die Sujets gefielen mir allerdings sehr gut; Box 17 hält sich von sumpfigen Schwabinger Lokalitäten und Drogenpuffgeschichten für die Reinecker-Verhältnisse angenehm fern. Haugk lieferte mit „Anruf aus Wien“ zudem einen wirklich starken, Weidenmann mit der „Teestunde“ einen ausgesprochen distinguierten Fall. Überraschend schwach dagegen die beiden Folgen, die Hauptdarsteller Tappert auf der anderen Seite der Kamera „verbrach“.

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 244 | Anruf aus Wien (Haugk)

    Platz 02 | ★★★★☆ | Folge 246 | Teestunde mit einer Mörderin? (Weidenmann)

    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 248 | Kostloffs Thema (Haugk)
    Platz 04 | ★★★★★ | Folge 254 | Mitternachtssolo (Ashley)
    Platz 05 | ★★★★★ | Folge 250 | Eines Mannes Herz (Weidenmann)
    Platz 06 | ★★★★★ | Folge 253 | Herr Widanje träumt schlecht (Weidenmann)

    Platz 07 | ★★★☆★ | Folge 252 | Die Ungerührtheit der Mörder (Ashley)
    Platz 08 | ★★★☆★ | Folge 241 | Nachtgebete (Grädler)

    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 242 | Abendessen mit Bruno (Weidenmann)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 245 | Ein Mord, zweiter Teil (Weidenmann)
    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 251 | Dein Bruder, der Mörder (Tögel)
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 247 | Ein Mord und lauter nette Leute (Grädler)
    Platz 13 | ★★★★★ | Folge 255 | Die zweite Kugel (Tappert)

    Platz 14 | ★★★★★ | Folge 243 | Katze ohne Ohren (Tappert)

    Platz 15 | ★☆★★★ | Folge 249 | Derricks toter Freund (Grädler)

  • Zukunft der CCC Studios HaselhorstDatum13.04.2018 18:55
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Du hättest zwei Stunden eher nachfragen müssen. Ich war am Mittwochnachmittag anderweitig in Spandau und hätte mal vorbeifahren können, habe deinen Beitrag aber erst gelesen, als ich schon wieder auf dem Rückweg war.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bis Donnerstag, 19. April:

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bis Mittwoch, 18. April:

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum11.04.2018 23:20
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Mitternachtssolo

    Episode 254 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Udo Samel (Thomas Randel), Susanne Uhlen (Inge Prasko), Winfried Glatzeder (Benjamin Prasko), Michael Zittel (Gus Doppler), Peter Krüger (Conny Kieler), Edgar Walther (Arthur Bolz) u.a. Erstsendung: 15. Dezember 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Mitternachtssolo
    Buchprüfung in einem offenbar schlampig geführten Nachtklub. Geschäftsführer Prasko muss Besitzer Bolz Rede und Antwort stehen, als dieser in den Akten Hinweise auf Unterschlagungen entdeckt. Im Wortgefecht zückt Prasko eine Waffe, ein Schuss löst sich, der Besitzer ist tot. Beim Versuch, die Leiche vom Tatort fortzuschaffen, wird Prasko vom Wachmann Randel ertappt. Dieser hat den Mörder nun in der Hand. Randel – ein kläglicher Versager bei Frauen – hat nur einen Wunsch: Prankos aufreizende Frau soll ihm morgens den Kaffee ans Bett bringen. Aus der kuriosen „Zwangsbekanntschaft“ erwächst bald eine unwahrscheinliche Freundschaft ...


    Nach einem so beiläufig wie möglich abgehandelten Mord entwickelt sich eine recht abstruse, aber auch anheimelnde Dreiecksgeschichte, die den Umgang gänzlich unterschiedlicher Charaktere mit Mord aufzeigt. Der cholerische Egoist Prasko tut alles, um seine Haut zu retten, geht dafür sowohl über Leichen als auch über das Wohl seiner Frau. Mit Winfried Glatzeder darf sich Prasko einer glänzenden Besetzung rühmen – der Schauspieler versteht sich bestens auf die Verkörperung schmieriger Typen, die sich für den Nabel der Welt halten. Prasko ist in dieser Form zwar ein rechtes Ekel, steht aber auf verlorenem Posten, weil die anderen Beteiligten und Mitwisser nicht gar so abgekartet sind wie er. So macht er bisweilen einen einsamen, mitleiderregenden Eindruck – zum Beispiel, als er nach Absage seiner „Freunde“ Herrn Bolz’ Leiche allein unter größter Kraftanstrengung durch den Klub zerrt, aber nicht weit kommt, weil er alsgleich entdeckt wird. In diesem Moment schlägt des Wachmanns große Stunde – Udo Samel gibt hier ein absolutes Kabinettstück, das seine total weltfremde, unrealistische Rolle richtiggehend greifbar macht. Sein Spiel ist hintergründig und doch aufrichtig; obwohl er Frau Prasko umkreist wie eine Biene die Blüte im Hochsommer, hegt er offenkundig keine schmutzigen Hintergedanken, sondern will einfach – wie es bei Reinecker schon 20 Jahre früher hieß – „einen Anteil am Leben“.

    Zwischen beiden Männern steht Frau Prasko alias Susanne Uhlen. Uhlen sagte über Ringelmann-Produktionen in der „Derrick“-Jubiläumsdokumentation „Mein Name ist Derrick“:

    Zitat von Susanne Uhlen in „Mein Name ist Derrick“, Quelle
    Ich kenne Ringelmann schon seit vielen Jahrzehnten, [...] ich habe als Kind schon bei ihm gedreht. Er hat mich immer wieder genommen. Es ist für uns eine Ehre, auch einmal nur zwei oder drei Drehtage bei ihm zu haben, weil man ganz genau weiß, dass er sehr treu ist und einem dann ein Jahr später eine größere Rolle gibt. Die Bücher sind immer gut, immer interessant, und man hat mit großartigen Kollegen zu tun.


    Tatsächlich versprach Frau Uhlen nicht zu viel, denn ihre Rolle ist kein geringeres Faszinosum als die von Samel. Das zunächst kalt-verachtende Gangsterliebchen an Praskos Seite wandelt sich im Laufe der Filmhandlung zu einer mitleidvollen und später sogar aufrichtig zugeneigten Freundin Randels, was der Beziehung zwischen ihr und dem Loser eine romantische Naivität verleiht. Zugleich kommt Frau Prasko so manche hochamüsante Knallerzeile über die Lippen, die den Zuschauer ob ihrer Unverblümtheit gut unterhalten wird. (Unverblümt übrigens auch ihr halbtransparentes Shirt, das sie, nachdem klar wird, dass Randel nicht mit ihr schlafen will, gegen einen ganz und gar unerotischen Tomboy-Look tauscht.) Hinzu kommt, dass die Geschichte mit einem Schlag in die Magengrube endet – eine sehr angenehme Abwechslung, die der Folge und ihren Figuren zusätzliche Wucht verleiht.

    So wird aus einem windigen Krimi ein sehr unterhaltsames Beziehungsdrama. Ob das die zu bevorzugende Domäne von Oberinspektor Derrick ist, muss jeder selbst feststellen, aber ich fühlte mich ausgesprochen angesprochen. Dazu trug neben Ashleys diesmal besonders einfühlsamer Regie auch die herrliche 90er-Musik bei, die zu Beginn im „Klub Prasko“ gespielt wird. Das mittlerweile etwas überstrapazierte, aber kultige „Back for Good“ von Take That wird sogar noch geschlagen von der One-Hit-Wonder-Band The Connells, deren „‘74-‘75“ leider ein wenig kurz kommt.

    Wir bewegen uns weitab von Wahrscheinlichkeiten oder kriminalistischer Logik. Stephan und Harry enttarnen den Mörder bereits in der ersten Befragung daran, ob er Eis in den Whiskey nimmt oder nicht (!) – eine Schlussfolgerung, die Sherlock Holmes entweder vor Neid erblassen oder im Grab rotieren lassen würde. Da der Schwerpunkt aber auf der niedlichen Geschichte zwischen Frau Prasko und dem stocksteifen Sonderling Randel liegt, fällt das wenig ins Gewicht. Hier wuchern vielmehr extrem motivierte Gastdarsteller und eine passende Regisseurswahl. Gute 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Bis Dienstag, 17. April:

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Das heutige Rätsel darf bis Montag, 16. April, gelöst werden.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Hey, da sind wir ja wirklich ziemlich d'accord - mit Ausnahme der wenigen genannten Folgen und vielleicht auch "Als die Blumen Trauer trugen". Ganz klar ist hier Wolfgang Beckers Stärke und eine vergleichsweise schwache Phase für Theodor Grädler.

  • SWR-Mitschnittdienst wird eingestelltDatum09.04.2018 19:03
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Abgesehen davon, dass es eigentlich eine ziemliche Frechheit ist, Mitschnittpreise in der gegenwärtig üblichen Höhe zu verlangen, wo man doch eine allgemein zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Anstalt (in welchem Sinne auch immer) ist, sind solche Abschaffungen, wie sie jetzt beim BR und SWR passieren, natürlich ein Mittelfinger ins Gesicht von Liebhabern älterer, seltener Produktionen. Ein alternatives digitales Archivsystem wäre wünschenswert; indes wird es wohl noch ziemlich lange ein Wunschtraum bleiben.

  • Kirmes (1960)Datum09.04.2018 18:57
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Zitat von Prisma im Beitrag #3
    ... falls man sie denn überhaupt zu Gesicht bekommt.

    Diese Möglichkeit bietet sich bei "Kirmes" z.B. im Rahmen der Helmut-Käutner-Retrospektive "Querläufer" im Berliner Zeughauskino am Mittwoch, 6. Juni, 20 Uhr. Es wird auch eine ganze Reihe anderer mehr oder weniger forenrelevanter Filme - vor allem Dramen und Zeitgeschichtliches - gezeigt. Siehe hier.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Heute das erste Bilderrätsel. Ich nehme Vorschläge bis Sonntag, 15. April, entgegen.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum08.04.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Worüber wird denn hier eigentlich diskutiert? Hier gibt es einen Neuling, der am zweiten Tag seiner Mitgliedschaft eingeschnappt ist, und das soll dann der Anlass für "Verleugnung kontroverser Denkweisen" sein? Das ist schon eine gewagte Brücke. Davon abgesehen scheint Uli einen Knick in der Optik zu haben: Er beschwert sich über einen Mangel an Reaktionen; ich sehe aber eine ganze Reihe von Antworten auf sein Ausgangsposting, z.B. in den Beiträgen #141, #142 und #144. Was will man sich auch mehr erwarten? Uli hat weder eine direkte Diskussionsfrage gestellt noch gibt es zu der Szene mehr zu sagen als "Stimmt, du hast Recht, das ist unlogisch".

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Einige Filme möchte ich im Zuge des Grandprix noch einmal auffrischen. Deshalb hier ein Update des älteren Berichts.



    Der grüne Finger (Send for Paul Temple)

    Kriminalfilm, GB 1946. Regie: John Argyle. Drehbuch: John Argyle, Francis Durbridge (Vorlage, 1938: Francis Durbridge). Mit: Anthony Hulme (Paul Temple), Joy Shelton (Steve Trent), Tamara Desni (Diana Thornley), Jack Raine (Sir Graham Forbes), Beatrice Varley (Miss Marchment), Hylton Allen (Dr. Milton), Maire O’Neill (Mrs. Neddy), Michael Golden (Dixie), Richard Shayne (Chefinspektor Dale), Edward V. Robson (Inspektor Merritt) u.a. Uraufführung (GB): 23. Dezember 1946. Uraufführung (D-West): 9. November 1947. Eine Produktion von Butcher’s Film Service.

    Zitat von Der grüne Finger
    Eine Reihe aufsehenerregender Juwelendiebstähle wirft ein unvorteilhaftes Licht auf Scotland Yard. Als sogar ein Polizist bei einem der Coups erschossen wird, ruft die Presse laut nach Privatdetektiv Paul Temple. Er soll den Behörden unter die Arme greifen! Ein rätselhafter als Selbstmord getarnter Mord verkompliziert die Angelegenheit und sorgt für Interesse auf Temples Seite. Er macht die Bekanntschaft der Schwester des Toten, die eine engagierte Reporterin ist. Gemeinsam wollen Paul Temple und Steve Trent dem Geheimnis des „grünen Fingers“ auf die Schliche kommen ...


    Der Durchbruch gelang Francis Durbridge nicht mit den hierzulande so beliebten Fernsehmehrteilern, sondern mit Radio Serials um den Kriminalschriftsteller und Amateurdetektiv Paul Temple, die zwar nach einem ähnlichen Strickmuster funktionierten, aber durch die kontinuierlichen Hauptfiguren einen noch stärkeren Seriencharakter aufwiesen und auch eine etwas ausgeprägtere Tendenz in Richtung Action und Abenteuer besaßen. Temple kämpfte selten gegen kriminelle Einzeltäter wie etwa einen Halstuchmörder – seine Gegner waren gut strukturierte Verbrecherbanden mit einem großen, unbekannten Strippenzieher. Dies verband seine Paul-Temple-Fälle ebenso mit bekannten Edgar-Wallace-Krimis (zum Beispiel „Der rote Kreis“, „Der Frosch mit der Maske“ oder „Das Gasthaus an der Themse“) wie der Umstand, dass Temple gute Beziehungen zum großen Scotland-Yard-Apparat pflegt, der oft in Gestalt von Sir Graham Forbes repräsentiert wird.

    Obwohl auch die Temple-Stoffe stark auf Cliffhanger setzten (die deutschen Radiohörer können davon ein Lied singen, denn Durbridge hielt sie zwischen 1949 und 1967 in zwölf Fällen in Atem), erachteten auch die Kinoproduzenten den populären Schnüffler für umsetzungswert. Für Butcher’s Film Service entstanden in den späten 1940ern und frühen 1950ern vier Spielfilme, deren Auftakt wie auch 1938 beim BBC-Radio „Send for Paul Temple“ bildet. In Deutschland kam der Streifen als „Der grüne Finger“ in die Kinos, allerdings ist die Synchronisation verschollen. Für die DVD-Veröffentlichung wurde eine neue angefertigt, die sich durchaus hören lassen kann.



    Wer mit Paul Temple den eleganten Radiostil eines René Deltgen verbindet, wird in Anthony Hulme keine identische Entsprechung finden, sondern einen zupackenden jungen Helden vom Schlage eines fuchsbergeresken Draufgängers. Dass er in schicken Autos unterwegs ist und seinen Diener aus den Vorlagen mitbringt, lenkt nicht davon ab, dass der Produzent offenbar auf Nummer sicher gehen und einen typischen aktiven Strahlemann verpflichten wollte. Dies passt aber auch gut ins Gesamtbild, weil „Der grüne Finger“ seine Faszinationskraft vor allem aus dem Kennenlernen von Temple und seiner zukünftigen Frau Steve Trent zieht. Hulme und Joy Shelton weisen eine gute Chemie auf und sorgen dafür, dass der Film für diejenigen, die an Temples Privatleben interessiert sind, ein Muss ist. Die Serie von Juwelendiebstählen, hinter denen ein Bösewicht mit dem illuster-dümmlichen Namen „der Diamentenschurke“ steckt, bleibt hingegen eher formelhaft und uninteressant, wenngleich Durbridge es der geschickten Einbindung geheimnisvoll klingender Wirtshausnamen für einen gewissen Ratefaktor zu sorgen.

    Die Handlung wird über weite Strecken stringent erzählt, allerdings mischen sich immer wieder kleine Längen ein, wenn es den Figuren mehr auf altmodisch britische Höflichkeit als auf eine rasche Vermittlung des Handlungsverlaufs ankommt. Die Zeit, die dafür draufgeht, hätte für eine bessere Charakterisierung der Schurken verwendet werden können, denn vor allem die eigentlich so faszinierende Tamara Desni (bekannt aus der 1937er-Edgar-Wallace-Verfilmung „The Squeaker“) kommt leider sehr kurz. Auch hätte man gern mehr Szenen mit dem Arzt Dr. Milton (Hylton Allen) oder dem Gangster Dixie (Michael Golden) gesehen. Einen mehr als präsenten Eindruck hinterlässt hingegen Beatrice Varley, die als kauziger Wirtshausgast und selbstsichere Hobbyermittlerin sowohl für den Humor verantwortlich ist als auch Temple tatkräftig zur Seite springt.

    Ein jugendlicher Paul Temple angelt sich seine Steve und zerschlägt nebenbei eine gefährliche Diebesbande. Stärker könnte Durbridges Seriendetektiv nicht in Szene gesetzt werden. Was 1946 den Möglichkeiten des cineastisch auf der Insel Machbaren entspricht, wirkt heute etwas angestaubt, aber nicht reizlos. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018: Wer weiß es? / Wer erkennt es?

    Begleitend zum Durbridge-Grandprix wollen wir eure Kenntnis der Durbridge-Materie und insbesondere der 60er-Jahre-Mehrteiler testen. Wer sich als eingefuchster Profi erweist, hat die Chance, ein Exemplar des Buches „Paul Temple: Die verschollenen Fälle“ zu gewinnen. Was müsst ihr dafür tun? Punkte sammeln!

    Das Spielprinzip ähnelt dem des Adventskalenders: Jeden Tag werden hier im Thread Bildausschnitte bzw. Fragen zu Durbridge-Themen gestellt. Wer die richtige Lösung kennt oder weiß, aus welchem Mehrteiler das gezeigte Bild stammt, schickt mir eine PM mit dem Lösungsvorschlag. Dafür habt ihr 7 Tage Zeit; am 8. Tag wird die Auflösung hier im Thread gepostet.

    Für alle Quizfragen bzw. Bilderrätsel, die in der Woche der ersten Wertungsrunde gestellt wurden, gibt es 1 Punkt. Ab der zweiten Wertungsrunde werden jeweils 2 Punkte ausgespielt usw. Damit sind insgesamt 70 Punkte zu erreichen (7*1 + 7*2 + 7*3 + 7*4). Wer die höchste Summe erzielt, ist der glückliche Gewinner des Durbridge-Buches.

    Das heutige Rätsel ist – ähnlich wie zu Beginn bei „Wer wird Millionär“ – eine Sortieraufgabe. Ihr dürft es bis Samstag, 14. April, per PM an mich lösen.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Francis-Durbridge-Grandprix 2018: Wertungsrunde 1

    Alle Teilnehmer – und womöglich noch Teilnehmer in spe – begrüße ich zum Francis-Durbridge-Grandprix, in dem wir die Mehrteiler, Film- und Fernsehproduktionen aus der Feder des King of Cliffhanger bewerten werden. Durbridge ist dabei mehr als nur die ARD-Straßenfeger; es entstanden Kinofilme mit seinen Figuren, sein berühmter Radiodetektiv Paul Temple schaffte ebenfalls den Sprung auf die Leinwand und das Fernsehen vergaß ihn auch nach Ende der Mehrteiler-Produktionen nicht. Vielleicht gelingt es uns in den kommenden Wochen, diese gesamte Breite seines Film- und TV-Schaffens hier abzubilden.

    Dabei soll es uns um die Bewertung von insgesamt 28 Produktionen gehen. Ob wir für alle ein kritisches Minimum an Werterstimmen zusammenbekommen, werden die vier Wertungsrunden zeigen, die heute beginnen. In jeder Wertungsrunde werden 7 Durbridge-Krimis zur Bewertung stehen und in fünf Kategorien mit je 5 bis 1 Punkten eingeschätzt werden. Bei diesen Kategorien handelt es sich um:

    • Darsteller – Ist die Besetzung überzeugend? Gibt es zugkräftige Hauptdarsteller und glaubwürdige Verdächtige? Stimmt die Chemie zwischen den Schauspielern? Verkörpern sie Durbridges Figuren auf einprägsame Weise?
    • Drehbuch / Story – Hier geht es um Durbridges Talent für komplizierte Handlungsstrukturen. Schafft der profilierte Krimischriftsteller ein herausforderndes Rätsel oder verheddert er sich in seinen eigenen falschen Spuren? Wie logisch und eingängig ist die Story? Gibt es einen überzeugenden „mysteriösen Gegenstand“?
    • Inszenierung / Spannung – Auch die filmische Umsetzung des Durbridge-Stoffs möchte gut geglückt sein. Verstand es der Regisseur, die Vorlage ansprechend umzusetzen? Gibt es durchgängig hohe Spannung oder handelt es sich beim Film um eine Schlaftablette? Ist die Atmosphäre ansprechend? Sind insgesamt hohe Produktionswerte zu verzeichnen?
    • Wendungen / Cliffhanger – Ein typisches Merkmal von Durbridge-Krimis sind die Cliffhanger, mit denen die einzelnen Folgen der Mehrteiler enden. Aber auch in seinen Kinofilmen sind sie oft noch als herausragende Wendungen mitten im Filmverlauf zu spüren. Wie stark sind die Cliffhanger? Verleiten sie dazu, unbedingt weitersehen und dem Geheimnis auf den Grund kommen zu wollen?
    • freie Wertung – Hier könnt ihr nochmal eine eigene Einschätzung der Produktion abgeben, ohne an bestimmte Kategorien gebunden zu sein. Nutzt die freie Wertung, um andere Wertungsaspekte auszubalancieren oder weitere Elemente (z.B. Ausstattung oder Musik) zu berücksichtigen.
    Die erste Wertungsrunde des Francis-Durbridge-Grandprix startet heute und dauert bis Samstag, den 14. April 2018. Alle Teilnehmer erhalten von mir per PM das Wertungsformular, das sie bitte bis zu diesem Datum vollständig ausfüllen. Das Abschicken der Wertungen bestätigt ihr bitte hier im Thread mit einer kurzen Meldung. Die folgenden Filme stehen in der ersten Wertungsrunde zur Debatte:
    • Kein Alibi für eine Leiche (TV 1986, mit Peter Fricke, Peter Bongartz, Barbara Rudnick)
    • Die Kette (TV 1977, mit Harald Leipnitz, Uschi Glas, Herbert Fleischmann)
    • Der elegante Dreh (TV 1979, mit Walter Faust, Annelise Matschulat, Klaus-Martin Boestel)
    • Wie ein Blitz (TV 1969/70, mit Ingmar Zeisberg, Peter Eschberg, Albert Lieven)
    • Die Schlüssel (TV 1964, mit Harald Leipnitz, Albert Lieven, Dagmar Altrichter)
    • Piccadilly null Uhr zwölf (Kino 1963, mit Hanns Lothar, Helmut Wildt, Ann Smyrner)
    • Paul Temple: Der grüne Finger (Kino 1946, mit Anthony Hulme, Joy Shelton, Tamara Desni)

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum08.04.2018 09:00
    Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Derrick: Herr Widanje träumt schlecht

    Episode 253 der TV-Kriminalserie, BRD 1995. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Gudrun Landgrebe (Agnes Voss), Eleonore Weisgerber (Gerda Widanje), Edwin Noël (Kergel), Julia Brendler (Dina), George Lenz (Hans), Henry van Lyck (Widanje), Philipp Moog (Dr. Dahlau), Dirk Galuba (Victor Eppler) u.a. Erstsendung: 17. November 1995, ZDF.

    Zitat von Derrick: Herr Widanje träumt schlecht
    Seine Frau ist heilfroh, dass er tot ist: Herr Widanje liegt erschossen auf seiner eigenen Schwelle – getötet von einer Person, die ihn aus dem Haus heraus erschoss. Frau Widanje erhält von einer guten Freundin, einer mit Derrick bekannten Psychologin, ein Alibi. Frau Dr. Voss versorgt den Oberinspektor dann auch mit Videobändern, die die Abgründe des Herrn Widanje offenlegen: Dieser pflegte seine andauernden Vergewaltigungsfantasien nämlich nicht selten in die Tat umzusetzen. Sowohl bei seiner Gattin als auch bei der Tochter seines Angestellten Kergel ...

    Zitat von G. Walt: „Herr Widanje träumt schlecht“ bei Zauberspiegel Online, Quelle
    Er träumte nicht wirklich schlecht. Er träumte nur davon Frauen zu vergewaltigen und das war eben schlecht. Für ihn war es die reinste Wonne.


    Das paradoxe Wortspiel, das Reinecker zum Titel der Episode erhebt, kennzeichnet sowohl die abstoßende Selbstverständlichkeit, mit der der Ermordete seinen Lüsten nachgeht, als auch die einhellige Bewertung seiner Macke durch die übrigen Handlungsträger. Obwohl völlig mit sich selbst im Reinen und deshalb ein ganz beruhigter Schläfer, war Herr Widanje doch ein Mann, der seine Feinde wie an einer Perlenschnur aufzieht. Seine Besetzung mit dem schon immer zwielichtigen, aber nie wirklich bedrohlichen Henry van Lyck fällt deshalb etwas enttäuschend aus und man wünscht sich, er und „Derrick“-Veteran Dirk Galuba, der als Widanjes Prokurist zu sehen ist, hätten die Rollen getauscht. Mit Galuba als Titelfigur wäre für den nötigen Sleaze mit Sicherheit gesorgt gewesen ...

    Dabei sind schmutzige Details gar nicht das Anliegen der Alfred-Weidenmann-Folge. Sie konzentriert sich in sauber-gesittetem Rahmen auf die psychologischen Auswirkungen des Widanje-Triebs, die vor allem von Gudrun Landgrebes Psychologin Dr. Agnes Voss in Worte gepackt werden. Ihr zweiter und leider schon letzter „Derrick“-Auftritt konfrontiert den Oberinspektor nach „Die Ungerührtheit der Mörder“ zum zweiten Mal in unmittelbarer Folge mit einer mit Derrick recht vertrauten Psychologin, die bis zur Halskrause in den Fall verstrickt ist. Landgrebe legt ihr Spiel ruhig und konzentriert an und kann sich deshalb als wichtige Informationsquelle profilieren, obwohl letztlich durchscheint, dass sie nicht die volle Wahrheit preisgibt. Neben ihr fallen der altgediente Edwin Noël, der vorsichtig aufmüpfige George Lenz und die zurückhaltende Julia Brendler positiv auf, während Eleonore Weisgerber als verheult durch die Szenerie schlafwandelndes Ehephantom etwas zu dick aufträgt und Philipp Moog als junger Staatsanwalt ein wenig deplatziert wirkt.

    Einen Sonderstatus reklamiert die Folge insofern, als der Täter nicht eindeutig benannt wird und sich Derrick am Ende der einstündigen Laufzeit in einer Sackgasse wiederfindet. Die Spuren des Falles Widanje laufen, obwohl ein Geständnis vorliegt, ins Leere, was den Ausgang der Episode ungewohnt offen gestaltet. Das Publikum, das sich von einem Krimi eigentlich abschließende Klarheit erwartet, wird hier bewusst hingehalten – ein Stilmittel, das nach dem jahrzehntelangen Dauererfolg des Oberinspektors nun ganz bewusst von Reinecker eingesetzt wird, um Realitätsnähe zu schaffen (vgl. auch „Offener Fall“ oder „Eines Mannes Herz“). Derrick fällt dazu das dienstbeflissene Fazit: „Es gibt immer wieder Fälle, die nie ganz gelöst werden. Es bleiben immer wieder offene Fragen. Und ich werde immer wieder versuchen, sie zu beantworten.“ Vorbildlich!

    Zwar erscheinen gewisse Handlungselemente offenkundig konstruiert (die Videos der Psychologin, der mit einem Job gekaufte Vater des Vergewaltigungsopfers) – aber dennoch überzeugt das Gesamtbild von „Herr Widanje träumt schlecht“ durch einen interessanten Mord, ein schillerndes Opfer und ein spannendes Täterrätsel. Gudrun Landgrebe liefert eine sehr einnehmende Darstellung ab; hinter ihr reihen sich diesmal erstaunlich viele altbekannte Gesichter, die etwas Nostalgie aufkommen lassen. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar-Countdown: Zwischenwertung Box 2

    Ich kann nur ein wenig entgeistert auf die Zahlen blicken, wenn ich bedenke, dass ich geschlagene dreieinhalb Jahre gebraucht habe, um mich durch die „Kommissar-Kollektion 2“ durchzuackern (Beginn im September 2014). Mehrfach hatte ich die Serie über lange Zeiträume aus der Hand gelegt, um sie dann wieder mit positiver Überraschung zur Hand zu nehmen. Das, was Ringelmann und Reinecker präsentieren, ist nämlich fast durchweg gute Krimi-Unterhaltung mit einigen absoluten Highlights („Der Moormörder“, „Traum eines Wahnsinnigen“), wobei sich in dieser Kollektion stärker als in ihren Vorgängern auch einige wenige wirklich schwache Folgen bemerkbar machen. Meine Rangliste bildet folglich das komplette Spektrum ab – jede mögliche Punktzahl habe ich in den 25 letzten „Kommissar“-Ermittlungen mindestens einmal vergeben. Meine zeitliche Prognose bezüglich eines möglichen „Kommissar“-Grandprix – vom Juni 2013! – muss ich allerdings selbst ob des Vorhabens, mir mit Kollektion 1 nicht so viel Zeit zu lassen, deutlich nach hinten korrigieren:

    Zitat von Gubanov im Beitrag #416
    Mit 97 Folgen? Ein Grandprix-Marathon wäre das. Und bitte erst, wenn ich mit der Serie durch bin. Dürfte so in zirka eins, zwei Jahren der Fall sein.



    Dies ist meine persönliche Hitliste für die Fälle der zweiten Kollektion (Hut ab, Herr Becker!):

    Platz 01 | ★★★★★ | Folge 43 | Traum eines Wahnsinnigen (Becker)
    Platz 02 | ★★★★★ | Folge 29 | Der Moormörder (Becker)
    Platz 03 | ★★★★★ | Folge 34 | Der Tote von Zimmer 17 (Becker)

    Platz 04 | ★★★★☆ | Folge 32 | Die Anhalterin (Staudte)
    Platz 05 | ★★★★☆ | Folge 49 | Ein Amoklauf (Becker)
    Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 40 | Der Tod des Herrn Kurusch (Grädler)
    Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 45 | Schwester Ignatia (Haugk)

    Platz 08 | ★★★★★ | Folge 26 | Die kleine Schubelik (Tressler)
    Platz 09 | ★★★★★ | Folge 42 | Ein rätselhafter Mord (Staudte)
    Platz 10 | ★★★★★ | Folge 27 | Anonymer Anruf (Käutner)
    Platz 11 | ★★★★★ | Folge 39 | Als die Blumen Trauer trugen (Haugk)
    Platz 12 | ★★★★★ | Folge 46 | Überlegungen eines Mörders (Haugk)

    Platz 13 | ★★★☆★ | Folge 35 | Lisa Bassenges Mörder (Staudte)
    Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 30 | Besuch bei Alberti (Staudte)
    Platz 15 | ★★★☆★ | Folge 28 | Drei Tote reisen nach Wien (Haugk)
    Platz 16 | ★★★☆★ | Folge 41 | Kellner Windeck (Ode)

    Platz 17 | ★★★★★ | Folge 44 | Die Tote im Park (Staudte)
    Platz 18 | ★★★★★ | Folge 25 | Der Mord an Frau Klett (Haugk)
    Platz 19 | ★★★★★ | Folge 33 | Lagankes Verwandte (Becker)
    Platz 20 | ★★★★★ | Folge 47 | Tod eines Schulmädchens (Grädler)

    Platz 21 | ★★☆★★ | Folge 36 | Tod eines Ladenbesitzers (Staudte)
    Platz 22 | ★★☆★★ | Folge 48 | Toter gesucht (Grädler)

    Platz 23 | ★★★★★ | Folge 38 | Grau-roter Morgen (Grädler)

    Platz 24 | ★☆★★★ | Folge 31 | Ende eines Tanzvergnügens (Staudte)

    Platz 25 | ★★★★ | Folge 37 | Die andere Seite der Straße (Grädler)

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema



    Der Kommissar: Der Mord an Frau Klett

    Zitat von Der Kommissar: Der Mord an Frau Klett
    Man hat sie weggeworfen wie eine alte Puppe: Die arbeits- und antriebslose Frau Klett, die zur Untermiete bei Nachtklubkellner Wachsner wohnte, wurde zunächst mit mehreren Messerstichen getötet und dann in einem Abfallcontainer entsorgt. Es zeigt sich, dass Wachsner und seine andere Mieterin, Frau Schilp, nach Frau Kletts Tod nun eine Heidenangst haben und falsche Angaben machen. Was ist ihr Geheimnis? Ein zweiter Weg zum Mörder führt über die Familie von Frau Klett, die sich in den letzten Jahren völlig auseinandergelebt hatte. Während ihr Mann sich mit dem Nachahmen von Tierstimmen über Wasser hält, sinnt ihr Sohn nach Rache für den Tod seiner Mutter ...


    Es wird dem Zuschauer dieser Folge schwer gemacht, Mitleid für die Personen des gezeigten schäbigen Milieus zu entwickeln, da diese ihren Platz am unteren Ende der Gesellschaft nicht zu Unrecht einnehmen. Ihnen ist kein höheres Unrecht widerfahren; es ist ihre eigene Kraft- und Charakterlosigkeit, die sie in einem Ellenbogensystem nach unten „durchrutschen“ lässt. Frau Klett, ihr Mann und ihr Sohn gehören zu jenen Menschen, die bass erstaunt sind, wenn man ihnen die Frage stellt, warum sie eigentlich nicht arbeiten – weil sie auf diese Idee aus reiner Bequemlichkeit nie gekommen wären. So schlagen sie sich eher schlecht als recht durchs Leben und finden ihre „Endstation“ entweder auf dem Parkplatz des Tierparks Hellabrunn, unter der Wittelsbacher Brücke oder in der Wohnung von Kellner Wachsner, den Alfred Balthoff derart schmierig-wehleidig und dabei zugleich hinterhältig-verschlagen porträtiert, dass man ihm noch 40 weitere Leidensjahre als Kellner an den Hals wünscht.

    Die tristen Lebensumstände werden leider in einer etwas provokanten Art vor die Kamera gehalten, sodass sie wie gewolltes Beiwerk wirken, was vor allem in den langen Monologen deutlich wird, die Balthoff auf dem Revier vor der Pensionsempfängerin in spe Rehbein hält. Sie bringen weder den Fall voran, noch tragen sie auf positive Weise zum Ausbau bestimmter Figuren bei. Was hingegen gut gelungen ist, ist die Verdeutlichung der Angst, die sich nach Frau Kletts Tod bei Herrn Wachsner und Frau Schilp bemerkbar macht. Schon das dreimalige Klingeln an der Tür – ein untrügliches Zeichen dafür, dass jemand zu Frau Klett will – versetzt sie in Aufruhr. Die Fragen der Polizei beantworten sie fahrig und ausweichend, greifen zu offensichtlichen Lügen und Verschleierungen. Hier wird ein solides Mysterium aufgebaut, das allerdings letztlich in eine Thematik mündet, die man beim „Kommissar“ zu häufig gesehen hat und die hier – auch dank schwacher Hintermänner – wenig beeindruckend wirkt.

    Ebenso wie in „Das Ende des Humoristen“ spielt neben Balthoff auch hier bereits Hanns-Ernst Jäger eine tragisch-abgewrackte Rolle, die der des depressiven Komikers nicht unähnlich ist. Auch diesmal schreckt Jäger vor totaler Selbsterniedrigung nicht zurück und reist schon in seiner ersten Szene weit den Mund auf, um das Schreien eines Esels nachzumachen. Filmsohn Vadim Glowna spult eher unmotiviert das typische Sohn-will-Tod-des-Verwandten-rächen-Programm ab; seine Glanzstunde früher „Kommissar“-Tage ist eindeutig eher in „Auf dem Stundenplan: Mord“ zu verankern. Im Vergleich dazu prägt sich Mordopfer Ursula Klett, gespielt von Else Knott, deutlich mehr ein, weil ihre Fotografie immer wieder gezeigt wird und sie auch ein paar herbe, nicht wirklich vorteilhafte Kurzauftritte in Rückblenden hat.

    Inmitten der Trostlosigkeit sucht das Team um Kommissar Keller nach Zerstreuung und Aufheiterung, nachdem ihnen die übel zugerichtete Leiche im Müllcontainer auf den Magen geschlagen ist. Vielleicht etwas zu verspielt, machen sie aus der Wahrheitsfindung diesmal einen Wettbewerb, in dem der Senior gegen seine Assistenten um den schnellsten Weg zur Lösung antritt. Stellenweise wähnen sich Walter, Robert und Harry uneinholbar weit im Vorsprung – Harry versteigt sich sogar zur Aussage „Es sieht ganz so aus, als sitzt der Chef auf dem falschen Dampfer“, was von Rehbein mit dem Kommentar „Das wäre das erste Mal“ abgebügelt wird. Am Ende müssen die jungen Büßer reuig feststellen, dass die Weisheit ihres Chefs wie üblich keine Grenzen kennt und viele Wege zur gleichen Zeit nach Rom – oder vielmehr in den Nachtklub „Remise“ – führen.

    Die Geschichte einer Verliererin, die ihr Leben verwirkte, als sie an das große Geld kam, wird von Dietrich Haugk erstaunlich unrund präsentiert. Zwar liefert er am Ende ein temporeiches Finale, doch die Folge erweckt in Gänze wenig Anteilnahme oder Mitfiebern. Ein möglicher Grund hierfür ist der eher höhepunktslose Cast, dessen einzelne Mitwirkende man in anderen Folgen eindrucksvoller sah. Die markanten Klänge aus Peter-Thomas-Feder reichen nicht, um dem drögen Plot genug Leben einzuhauchen.

    (3 von 5 Schnapsgläsern)


    Der überzeugendste Ermittler: Kriminalhauptmeister Harry Klein, der ob der Kaltblütigkeit des Mörders Trost bei Rehbein und einem großen Bier sucht
    ||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
    ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
    ||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
    ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
    ||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

    Besprechung 73: Episode 25 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Alfred Balthoff, Hanns-Ernst Jäger, Vadim Glowna, Else Knott, Hilde Volk, Laurence Bien, Siegfried Kretschmer, Ursula Barlen u.a. Erstsendung: 9. Oktober 1970.

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Gern!

  • Foren-Beitrag von Gubanov im Thema

    Morgen geht es los! Ich habe weitere mögliche Interessenten per PM angeschrieben. Es würde mich freuen, wenn hier noch der eine oder andere dazu käme. Für die Übersichtlichkeit habe ich für die oben aufgeführten Produktionen, die im Grandprix zur Bewertung stehen, eine kleine Übersicht mit Links zu Georgs Krimi-Homepage (für Inhalt und Besetzung) sowie zu den deutschen DVD-Auswertungen (falls noch Nachholbedarf besteht) erstellt:

    TV-Krimis von NWRV, WDR und SDR:

    Paul-Temple-Kinofilme:
    Andere Durbridge-Kinofilme:
    TV-Krimis aus Großbritannien und DDR:
    TV-Krimi-Einteiler von ZDF und HR:

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