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Dieses Thema hat 9 Antworten
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Film- und Fernsehklassiker international  
Gubanov

20.12.2016 21:45
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Antworten



Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (Scream and Scream Again)

Horrorfilm, GB 1970. Regie: Gordon Hessler. Drehbuch: Christopher Wicking (Buchvorlage „The Disorientated Man“, 1966: Peter Saxon). Mit: Vincent Price (Dr. Mabuse / Dr. Browning), Alfred Marks (Superintendent Bellavel), Christopher Matthews (Dr. David Sorel), Marshall Jones (Konratz), Uta Levka (Krankenschwester Jane), Christopher Lee (Fremont), Michael Gothard (Keith), Judi Bloom (Helen Bradford), Peter Cushing (Benedek), Judy Huxtable (Sylvia) u.a. Uraufführung (GB): Januar 1970. Uraufführung (BRD): 23. April 1971. Eine Produktion von Tigon Films für Anglo-Amalgamated Film Distributors.

Zitat von Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse
Ein Mädchenmörder, der seinen Opfern das Blut aussaugt, hat auch das Hausmädchen des Mediziners Dr. Mabuse getötet. Die Polizei findet ihn zwar verdächtig, doch eine Undercover-Aktion bringt die Ermittler auf die Spur des bullenstarken Keith, der für die Taten verantwortlich ist. Sie versuchen vergeblich, Keith festzunehmen, der sich wiederholt befreien kann, auf Dr. Mabuses Landsitz flieht und dort sein endgültiges Ende in einer Säuregrube findet. War Keith Dr. Mabuses Instrument? Und welche Pläne verfolgt der Forscher in seinem abgelegenen Labor?


Dass Vincent Price, der ehemalige Star des Hollywood-Grusels, in den Sechziger- und Siebzigerjahren sich gern auch bis zum hohen Haaransatz in Untiefen der Europloitation hineinwagte, wenn Geld und Publikumserfolg mit tradierten Schockeffekten winkten, ist wohlbekannt – sein gemeinsamer Auftritt mit den ähnlich gelagerten Hammer-Legenden Christopher Lee und Peter Cushing in „Scream and Scream Again“ hat es aber besonders in sich. Der Film versucht sich an einer kruden Mischung aus plakativen Morden, science-fiction-artiger Horror-Backstory und kruden politischen Untertönen und mischt alle diese Zutaten zu einer abseitigen, gerade deshalb unterhaltsamen, aber keineswegs leicht verdaulichen Speise zusammen. Man scheute sich ebenso wenig vor einer kaum verhüllten „Hommage“ an die Nazis wie vor dem Klischee des Gott spielenden Arztes, der – irgendwie sowohl für die gute als auch für die böse Seite – Menschenmaschinen in Superlativen erschafft.

Nur die deutsche Filmfassung bewirbt dieses verrückte Erlebnis, das allerdings gegenüber der Romanvorlage, in der Außerirdische ihre Hand mit im Spiel haben, wenigstens ein Stückweit rationalisiert wurde, unter dem Mabuse-Banner, was in Anbetracht der Tatsache, dass seit den „Todeskrallen“ zum Zeitpunkt der hiesigen Kinoauswertung des Gordon-Hessler-Films bereits sieben Jahre verstrichen waren und das Endprodukt nur wenige Assoziationen mit den Klassikern der Sechzigerjahre zulässt, einigermaßen verwunderlich wirkt. Ein Werbeeffekt konnte zwar erzielt werden – allerdings nur um den Preis offenkundigen Etikettenschwindels, zumal die Einführung der sonst so mysteriösen Figur von Norbert Jacques in der Synchronfassung eher ungeschickt herüberkommt. Jedenfalls lässt sich der Inspektor gleich zu Beginn mir nichts, dir nichts bei Dr. Mabuse anmelden, befragt ihn zum Leichenfund und scheint von der Erfahrung seiner deutschen Kollegen mit Medizinern dieses Namens nicht die geringste Kenntnis zu besitzen. Wie sollte er auch anders reagieren, da in der Originalfassung Vincent Price’ Figur den Allerweltsnamen Browning trägt?



Obwohl der Film mit Price, Lee und Cushing wirbt, bekommt man die großen Stars gar nicht so häufig zu Gesicht. Price wird immerhin das eindrucksvolle Finale zugestanden, doch Lee und vor allem Cushing, der mit einem dreiminütigen Einszenenauftritt abgespeist wird, waren leicht unterbeschäftigt. Die Ermittler Alfred Marks und Christopher Matthews sowie die Bösewichte Marshall Jones und Michael Gothard nehmen vergleichsweise größere Rollen ein und füllen diese ansprechend aus, auch wenn die Verfolgungsjagd auf den übermenschlich starken Keith nach einer gewissen Weile ermüdend wirkt. Fürs Wiederaufwecken sorgt Uta Levka, die mit steinernem Blick und kalter Bosheit als Krankenschwester agiert, von der ihre Patienten – wie sie schnell merken – wenig Hilfe zu erwarten haben.

Wenig überzeugend wirkt die Einbindung der hanebüchenen politischen Komponente, die mit den Ereignissen auf dem Anwesen von Dr. Mabuse nur mit viel Mühe in Einklang gebracht werden kann. Immerhin sorgt die Parallelhandlung für einen hohen Bodycount – ein Merkmal, auf das der Film offenkundig stolz ist, da er gleich mit mehreren aufeinanderfolgenden Todes- bzw. Verstümmelungsszenen beginnt. Man kann Gordon Hessler keine Pingeligkeit attestieren, doch die Glaubwürdigkeit diverser Zusammenhänge und Wendungen sollte man besser nicht allzu genau hinterleuchten (bzw. es gerade doch tun, denn dann treten so amüsante Widersprüche zu Tage wie etwa in dieser IMDb-Diskussion). Überliefert ist in diesem Zusammenhang auch Price’ Eingeständnis, er habe nicht den blassesten Schimmer, worum es in „Scream and Scream Again“ überhaupt gehe.

Makel im Inhaltlichen macht die auf schmalem Budget gedrehte Produktion durch ihre engagierten Mitarbeiter und das kernig-unsensible Zeitgefühl der Jahrzehntenwende wett. Ein ausgezeichneter, manchmal sogar etwas übereifriger Soundtrack schadet dem bunten, lauten und überkandidelten Vergnügen auch nicht; allerdings kann man es partout nicht ernst nehmen. Wenn man sich dann überlegt, dass eigentlich gerade in der Mabuse-Tradition die Idee eines substanzielleren, gesellschaftsbewussteren Krimis mitschwingt, ist das Schindluder, das man hierzulande mit dem Namen im Nachhinein trieb, nicht unbedingt vorteilhaft.

Trashiger Fernverwandter der CCC-Reihe, der erst in seiner Eindeutschung dem Mabuse-Kosmos beitrat. Als reiner Horrorfilm taugt „Scream and Scream Again“ nur zu Mittelmaß, sodass die Konnotationen, die der Name Mabuse mitbringt, für diese zweitklassige Produktion nur profitabel sein können. Die groß beworbenen Horrorstars muss man teilweise mit der Lupe suchen; dafür werden Leichen, nackte Frauen und Verstöße gegen die political correctness groß geschrieben. Als Kuriosum sehenswert mit Abstrichen. 2,5 von 5 Punkten.

[ Eine weitere Besprechung des Films findet sich in diesem Thread. ]


Themen Überblick
Betreff Absender Datum
Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Benny21.01.2005 16:26
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Reinhard24.01.2005 22:19
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Peitschenmönch24.01.2005 22:29
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Benny25.01.2005 08:20
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Benny26.01.2005 00:06
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Christopher26.01.2005 13:51
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Peitschenmönch26.01.2005 16:16
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Falk Ahnert28.01.2005 16:43
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Reinhard31.01.2005 22:55
RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Gubanov20.12.2016 21:45
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