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 Aktuelle Filme (DVD, Kino, TV)
Fabi88 Offline



Beiträge: 4.141

10.04.2026 16:51
Fabian und die mörderische Hochzeit (2026) Zitat · Antworten

Da dieser für Netflix produzierte Film ja zumindest halbwegs in unser Ressort fällt und ich durchaus positiv überrascht war, erstelle ich nach Ewigkeiten auch mal wieder einen eigenen Thread.
Ich versuche über den Inhalt nicht zu viel zu verraten, handelt es sich doch um einen waschechten Whodunit!

Für den "Wixxer"-Inspektor, "Kein Mucks"-Moderator und ausgewiesenen Krimi- und Wallace-Fan Bastian Pastewka ist hier wohl ein Traum in Erfüllung gegangen, als er für diesen Film als deutsche Poirot-(oder zeitgemäß eher Benoit Blanc-)Version angefragt wurde.
Die Variante, die man sich hier überlegt hat, nämlich einen berufsmäßigen Betrüger zufällig in einer von der Außenwelt abgeschlossenen Villa landen zu lassen, in der schließlich ein Mord unter den Gästen aufgeklärt werden muss, sorgt für einen sympathischen Einstieg.
Wir erleben Pastewka zuerst als Masseur, dann als Immobilienmakler, schließlich als Fotograf, ehe er sich ausgerechnet als BKA-Beamter ausgibt und nach einem Mord schließlich den Erwartungen der anderen Gäste entsprechend ermittelt.
Dass seine wirklichen Ziele dabei rein monetärer Art sind und er sich eigentlich nur das Kunstobjekt krallen möchte, dass parallel zum Mord eine große Rolle spielt, macht das Ganze dramaturgisch recht interessant.
Es macht durchaus Freude anzuschauen, wir kommen dem eigentlich Charakter der Figur (die im Grunde immer "namenlos" bleibt) aber auf diese Weise nie wirklich nahe.
Pastewka spielt "jemanden, der immer jemanden spielt". Das bietet Pastewka natürlich die Möglichkeit in viele verschiedene Rollen zu schlüpfen, aber warum seine Betrügerfigur es schafft, als Makler hochseriös zu wirken, hochintelligent in Poirot-Manier einen komplexen Fall zu deduzieren, technisch versiert den Strom zu kappen und durch technische Gerätschaften das Mobilfunknetz zu stören, aber als Fotograf trottelig durch die Gegend tapst und kaum ein halbwegs sauberes Foto schießen kann, erschließt sich nicht recht und wurde offensichtlich so hingebogen um ein paar mehr Gags einbauen zu können.
Ganz gemäß den offensichtlichen Vorbildern - historisch natürlich so etwas wie die Christie-Verfilmungen mit Peter Ustinov, visuell und humortechnisch aber viel deutlicher den ersten beiden "Knives out"-Filmen - handelt es sich jedoch um einen Ensemble-Film und hier hakt es leider ein wenig.
Während man mit Barbara Philipp, Bernhard Schütz und Ercan Durmaz durchaus bekannte (TV-)Film-Gesichter an Bord hat, wurden die anderen Rollen mit (zumindest mir) unbekannten Gesichtern besetzt. Die ein oder andere Schauspielleistung ist da leider nicht hundertprozentig auf den Punkt. Obwohl alle Charaktere eigentlich als Karikaturen, zumindest überspitzte Typen angelegt sind, werden viele nie wirklich greifbar.
"Unverbrauchte" Gesichter zu wählen, halte ich grundsätzlich für die richtige Entscheidung - auch wenn Star-Ansammlungen wie bei Christie ebenfalls ihren Reiz haben - aber das Drehbuch gibt einigen von ihnen zu wenig Material an die Hand, so dass es bei der ein oder anderen Figur so scheint, als wäre sie nur da um das Bild zu füllen.
Was grundsätzlich aber wiederum überzeugt, ist die visuelle Seite. Zwar schreit fast Alles "wir machen Szenenbild und Kostüme einfach genauso wie beim ersten "Knives out", okay?", aber das ist dann zumindest wirklich gut umgesetzt worden.
Auch die Kameraarbeit von Paul Pieck ist ohne Einschränkungen gelungen. Das Setting lässt dankenswerterweise die Arbeit mit farbigem Licht sowie ein paar eingestreute visuelle Spielerein zu und man hat sich getraut im Grading (Farbkorrektur) einen markanten Filmlook zu schaffen, der in ein paar guten Momenten mehr nach Kino als Fernsehen aussieht.
Dass der Kriminalfall selbst gut konstruiert, aber so oder ähnlich auch schon 100x in Literatur und Kino präsentiert wurde, kann man dem Film kaum vorwerfen. Dass ein Whodunit (noch dafür produziert für den schnellen Konsum bei einem Streamingdienst) das Genre nicht neu erfinden kann, liegt auf der Hand. Was Whodunit-Fans eher stören dürfte, ist, dass nur ein paar der Rätsel sich durch aufmerksames Schauen vom Zuschauer selbst lösen lassen und die Auflösung am Ende zum Teil auf Hinweisen basiert, die der Zuschauer kaum oder gar nicht präsentiert bekommen hat.
Unter dem Strich steht ein Film, der von der reinen Prämisse, Szenenbild und Kameraarbeit durchaus auch Potential für eine Kinoauswertung gehabt hätte, jedoch teilweise beim Drehbuch und stärker dann bei Besetzung und Inszenierung seine TV-Film/Streaming-Herkunft offenbart. Für einen verregneten Sonntagnachmittag gute Unterhaltung, aber - sofern man nicht totaler Pastewka-Fan ist - Nichts, woran man sich in fünf Jahren noch lebhaft erinnert.
Der Verzicht auf Stars (neben Pastewka), der Dreh mit lettischer und litauischer Crew und andere Aspekte weisen auf ein enges Budget hin. Daher ziehe ich eher den Vergleich zu ARD- und ZDF-Fernsehfilmen und früheren RTL- und Sat1-Eventfilmen als zu Kinofilmen. Und da schlägt sich der Film dann doch ganz gut.

Interessant sind übrigens die Produktionshintergründe. Gedreht wurde in Lettland und ein Teil dann noch in Litauen unter dem sogenannten "Lithuanian Film Tax Incentive", was sich scheinbar recht nah an dem auch als "Stupid German Money" bekannten Medienfonds-Modell bewegt, dass als Steuersparmodell bis 2005 vor allem ansonsten eher unfinanzierbare Hollywood-Projekte oder Direct-to-DVD-Filme ermöglichte. Das litauische Programm ermöglicht eine Steuerrückerstattung von bis zu 30 % der in Litauen getätigten Produktionskosten. Dabei handelt es sich um eine Steuergutschrift, bei der private Geldgeber (eben auch Unternehmen wie MGM, bzw. Amazon Prime) in eine Filmproduktion investieren und im Gegenzug ihre Körperschaftssteuer senken können. Dieses Modell nutzten auch bekannte Serien wie "Chernobyl" von HBO.

P.S.: Mir ist bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass man hinter dem Titel der Kategorie "Aktuelle Filme" auch mal "Streaming" in Klammern ergänzen könnte.

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