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Dieses Thema hat 30 Antworten
und wurde 1.187 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
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Havi17 Online




Beiträge: 3.905

26.12.2025 20:45
Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Als ich heute bei RTL Nitro hängenblieb, wohl weil die ÖR fast nichts mehr an Filmen für die wenigen Festtage zu bieten hatten, gingen mir einige Gedanken durch den Kopf.
Die ÖR sind von der Nähe zum Zuschauer unter die Privaten gerutscht, ungeachtet von Qualität. Etwas anderes - Ich sehe bei meinen Kurzen eine intensive Nutzung von
Plattformen wie Youtube mit diversen Youtuber-Beiträgen, so wie früher Radio im Hintergrund. Ich stelle fest, dass die Gestaltung bei Filmunterbrechungen jetzt gerade
bei RTL Nitro ähnlich ist. Man darf das auch Konsumzwang und Verhalten nennen.

Zurück zum Gasthaus. Ich habe mir das Gasthaus lange ohne Ton angesehen, so wie früher Stummfilme im TV. Ich begab mich in den Flow, der aus den vielen Bildern
entsteht. Bildwechsel ca. 10 Sekunden. Immer wieder toll eingestellte Montagen, die meine visuelle Aufmerksamkeit fordern und schon so, ohne Ton, keine Langeweile
entstehen lassen. Ein Flow, der es gerade beim Gasthaus besonders schafft, eine Atmosphäre zu verinnerlichen und so durch die Handlung zu gleiten. Nur unterbrochen
von spannenden Momenten durch dagegen prophane Krimi-Anteile. Das Besondere am Gasthaus ist, dass dieses in diversen Diskussionen als Schnittmenge für den Begriff
"Edgar Wallace Film" verwendet wurde und wird. Im Mittelpunkt zurecht von Gubanov präferiert.

Eine Entwicklung für mich, die in den 80er Jahren begann, Edgar Wallace Filme zu sehen und sammeln. Statistiken erstellen etc. Natürlich auch andere Verfilmungen
im Stil von "Edgar Wallace", oder sage ich besser Gasthaus ? Dazu später mehr. Damals auch die Goldmannn Bücher dazu gelesen. Leider vieles vergessen, doch
in letzter Zeit wieder ganz bestimmte, Dank der Motivation durch Savini. Und das mit einem anderen Interesse und Blick.

Mir stellten sich folgende Fragen:
1. Warum bin ich weg vom Gasthaus, sehe mir immer wiederkehrend andere Wallace Filme an
2. Ist das Gasthaus der Inbegriff von Edgar Wallace Film und warum
3. Ist auch der Roman Gasthaus der Inbegriff von Edgar Wallace
4. Kann ich Ordnung in ein großes kulturelles Feld "Edgar Wallace" bringen, das man lange „gefühlt“, aber nie ganz benannt hat.
5. Ich als Zuschauer früher und heute

Ich habe dazu einige Fragen an KI gestellt um ein möglichst großes Spagat über diese Fragestellungen zu machen. Ich denke es sind einige wichtige Denkansätze
dabei, wobei ich die Literaten um Savini herum besser als mich geeignet sehe insbesondere dazu Stellung zu nehmen.


KI schreibt zu meinen Fragen und dem erwähnten Flow gerade im Gasthaus

- Rhythmische Montage
Schnitte folgen einem inneren visuellen Rhythmus
Dauer der Einstellungen (z. B. ~10 Sekunden) ist bewusst gewählt. Erzeugt Flow, Spannung und Aufmerksamkeit. Funktioniert auch ohne Ton
Der Rhythmus entsteht durch Bildfolge, Komposition, Bewegung, Kontrast.

- Assoziative Montage.
Bilder stehen nicht logisch, sondern assoziativ zueinander. Der Zuschauer ist aktiv gefordert, Bedeutung selbst herzustellen. Verhindert Langeweile, weil das Gehirn ständig „mitarbeitet“
Klassisch bei Eisenstein, später bei Arthouse-Filmen.

- Attraktionsmontage (Sergei Eisenstein).
Sehr wichtig für dein „forderndes Bild“-Gefühl. Jedes Bild ist für sich stark, auffällig, „attraktiv“.

- Schnitte
Erzeugen mentale Spannung. Der Zuschauer wird emotional und kognitiv aktiviert„Jede Einstellung ist ein Angriff auf die Wahrnehmung.“

Fazit : Visuelle Narration. „Rhythmische, assoziative Bildmontage zur Erzeugung von Spannung durch visuelle Attraktion.


Passen Flow von Roman und Film zueinander ?
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Nein – wenn man 1:1 denkt. Ein Romanflow lässt sich nicht direkt übersetzen. Deshalb scheitern viele Verfilmungen.
Roman beschreibt, Film zeigt (zu viel) . Roman deutet, Film erklärt (zu konkret). Roman lässt Leerstellen, Film füllt sie
Ergebnis: Flow-Verlust, besonders für Leser des Romans.

Ja – wenn man äquivalent denkt. Eine gute Verfilmung fragt nicht. „Wie sieht das im Buch aus, sondern:„Was macht der Flow im Buch – und wie erreiche ich denselben Effekt filmisch?“
Dann entsteht Flow-Äquivalenz, nicht Flow-Kopie.


Ist der Roman phantasievoller?
*************************************

Ja – aber auf eine bestimmte Weise.Der Roman ist offener. Er erzeugt mehr mögliche Bilder. Er aktiviert individuelle Imagination. Der Roman ist phantasievoller im Möglichkeitsraum.

Kann der Film einen „besseren“ Flow erzeugen? Ja – aber anders.Der Film kann visuelle Assoziationen präziser rhythmisieren, Bilder emotional aufladen, einen ununterbrochenen Wahrnehmungsfluss erzeugen,
durch Montage etwas leisten, was Sprache nicht kann. Der Film kann einen intensiveren, dichteren Flow erzeugen – aber auf Kosten der Offenheit.

Idealfall: Wenn man den Roman nicht illustrativ, sondern assoziativ-rhythmisch verfilmt:
- Starke Einzelbilder, ca. 8–12 Sekunden, wenig Erklärung, Bildwechsel als Denkimpuls. Zuschauer muss Sinn aktiv herstellen.
Dann passiert etwas Entscheidendes: Der Zuschauer wird ähnlich gefordert wie der Leser.


Wallace Filme via Romane = Destillationen einer Wirkung, nicht einer Vorlage!
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Ist „Das Gasthaus an der Themse“ DIE Schnittmenge? : Filmisch: Ja. Eindeutig..
Der Film "Das Gasthaus an der Themse" gilt nicht zufällig als einer der zentralen Wallace-Filme, weil er Raum + Bedrohung perfekt bündelt. Keine überbordende Handlung braucht, stark über Atmosphäre funktioniert
ikonische Bilder liefert, genau diesen rhythmischen Flow erlaubt, über den wir gesprochen haben. Er ist ein idealer Träger des filmischen Wallace-Mythos. Das Gasthaus an der Themse ist eine ideale Projektionsfläche für Wallace !

Es gibt keinen kanonischen „Wallace-Roman“, wie es den „Wallace-Film“ gibt. Dies ist eine Frage an Savini & Co.

Der entscheidende Gedanke (das eigentliche Spagat). Die Schnittmenge liegt nicht im Text, sondern im Potenzial. Die Filme haben aus vielen Romanen einen Wallace erschaffen. Das Gasthaus ist der Roman,
der am wenigsten Widerstand gegen diese Konstruktion leistet. Deshalb wirkt er filmisch „richtiger“ als andere, ikonischer,„mehr Wallace“, obwohl er es literarisch nicht stärker sein muss.
Das Gasthaus ist nicht der typischste Wallace-Roman – aber der Roman, aus dem sich der typischste Wallace-Film machen ließ.


Ordnung in ein großes kulturelles Feld bringen, das man lange „gefühlt“, aber nie ganz benannt hat.
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Ein rote Faden, den ich suche, ist kein Urteil, sondern ein Ordnungsprinzip.
Die endlosen Diskussionen über:„Was ist der beste Wallace-Film?“„Welcher Roman ist der typischste?“„Warum fühlt sich das Gasthaus so zentral an?“, sind deshalb so dauerhaft, weil alle über dasselbe
sprechen, aber auf verschiedenen Ebenen: Erinnerung, Atmosphäre, persönlicher Erstkontakt, mediale Prägung, Flow-Erfahrung.

Ich versuche nicht, recht zu haben..Ich versuche, eine Karte zu zeichnen, auf der all diese Perspektiven Platz haben.
Warum die Frage nach der Schnittmenge so wichtig ist. Es gibt keine objektive Mitte. Aber es gibt Stabilitätskerne. Und "Das Gasthaus an der Themse ist einer davon"
Nicht weil es „das Beste“ ist, sondern weil es am wenigsten Reibung erzeugt zwischen Roman, Film und Erinnerung. Das ist keine ästhetische, sondern eine systemische Eigenschaft.


Warum weg vom Gasthaus
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Hat man diesen Flow verinnerlicht, sucht man unbewusst Reibung. Der starke, fast „reine“ Flow des Gasthauses wird zur inneren Norm, zum Vergleichsmaßstab, zum „Wallace-Gefühl an sich“
Andere Filme wirken dann sperriger, dialoglastiger, fragmentierter, weniger zwingend


Das Alter, warum schaue ich nun anders ? Früher, später
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Als junger Zuschauer sucht man Spannung, Rhythmus, Ereignis
Der junge Blick ist zentriert: Held, Handlung, Spannung.

Als älterer Zuschauer sucht man Struktur, Nuance, Zwischentöne, Haltungen => Den Menschen
Später : Du schaust nicht mehr entlang, sondern quer.

Warum man im Alter anders schaut : Das ist kein bloßer Gewöhnungseffekt – es ist eine kognitive Verschiebung.
a) Der Fokus wird breiter, nicht schwächer. Mit zunehmendem Alter sinkt das Bedürfnis nach ständiger Reizsteigerung, wächst die Fähigkeit zur peripheren Wahrnehmung. Man achtet mehr auf Nebenfiguren,
Nebensätze, Pausen, Unausgesprochenes. Man schaut nicht weniger aufmerksam, sondern anders aufmerksam.

Der reife Blick ist dezentriert: Raum, Rhythmus, Nebensächlichkeiten, Brüche. Und genau dafür eignen sich viele Wallace-Filme plötzlich besser als das Gasthaus.
Man schaut im Alter anders. Und plötzlich sind es nicht mehr die stärksten Bilder, sondern die tragfähigsten. Viele Wallace-Filme, die früher „zweitrangig“ wirkten, sind genau das: Tragfähig.
Beziehung. Beziehung ist funktional! Du hast etwas gewonnen, was vielen verloren geht: Du brauchst keine Dauerreize mehr Du lässt Leerräume zu. Du hältst Ambivalenz aus.

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Savini Offline



Beiträge: 1.034

26.12.2025 23:22
#2 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Einerseits ein interessanter Beitrag, andererseits frage ich mich, ob ein eigener Thread hier wirklich nötig war. Hätte man das nicht auch im Thread über den Film posten können?

Havi17 Online




Beiträge: 3.905

28.12.2025 15:43
#3 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Bei den Fragestellungen geht es hauptsächlich um die Edgar Wallace Filme und die Edgar Wallace Romane, deshalb an dieser Stelle.
Mich würde Eure Einschätzung dazu interessieren.

Gruss
Havi17

Havi17 Online




Beiträge: 3.905

31.12.2025 22:46
#4 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Hier nochmal meine Fragen an Euch

1. Das Gasthaus ist wohl der Inbegriff von Edgar Wallace Film. Wenn ja, warum aus eurer Sicht?
2. Ist auch der Roman Gasthaus der Inbegriff von Edgar Wallace Romanen ? Welcher Roman hat die größte Schnittmenge von Elementen des typischen Edgar Wallace Romans? Oder trifft das garnicht zu ?
3. Welche Erzählmuster, Figurentypen sind typisch bei Edgar Wallace Romanen ?
4. Hat sich Eure Vorliebe für bestimmte Wallace Filme über die Jahre verändert, welche wurden für euch später interessant oder interessanter ?

Danke

Gruss
Havi17

Count Villain Online




Beiträge: 4.774

01.01.2026 00:55
#5 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #4
1. Das Gasthaus ist wohl der Inbegriff von Edgar Wallace Film. Wenn ja, warum aus eurer Sicht?


Er vereint als einziger Film die prägnantesten und am meisten beschäftigten Schauspieler (plus Regisseur) der Reihe: Arent, Schürenberg, Kinski und Fuchsberger. Hinzu kommt eine ikonische Gesangseinlage sowie das typische Wallace-Thema einer ahnungslosen Erbin. Dann noch ein Gespür für Atmosphäre und eine beinahe optimale Mischung aus originärem Wallace und eigenen, modernisierenden Motiven.

Zitat von Havi17 im Beitrag #4
4. Hat sich Eure Vorliebe für bestimmte Wallace Filme über die Jahre verändert, welche wurden für euch später interessant oder interessanter ?


Meine Aufzeichnungen der letzten Wallace-Grandprix' sagen eindeutig: Ja. Klassische, ruhigere und/oder teilweise etwas antiquiert oder nostalgisch wirkende Filme wie die Gräfin, der Rächer, die Tür, der Fälscher und das Tuch haben über die Jahre zugelegt. Zudem hat auch der Halbmond zuletzt einen großen Sprung nach vorne gemacht, weil ich ihn trotz des italienischen Schauplatzes mittlerweile doch ähnlicher zu Wallace finde als die anderen italienischen Koproduktionen. Demzufolge ist die Stecknadel auch gefallen. Ebenfalls abgerutscht sind die Gottliebfilme, die zwar atmosphärisch sind und bis auf die Schlange auch temporeich, aber eben doch auch dramaturgische Schwächen aufweisen, die ich mittlerweile stärker bemerke als früher. Auch gefallen ist der unheimliche Mönch, den ich zwar als Einzelfilm nach wie vor goutieren kann, mir im Zuge der Reihe aber bereits in Farbe gewünscht hätte.

Havi17 Online




Beiträge: 3.905

02.01.2026 12:48
#6 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Das Gasthaus vereint allgemein den Status der typischste Wallace Film zu sein, Die beste oder Einstiegsdroge auch wegen der Schauspieler wie Du schreibst.
Für mich ist es jedoch nicht deshalb der beste Wallace Film. Über die Jahre habe ich mich von diesem Film weit entfernt, vielleicht auch weil die noch
bekannte Auflösung das verhindert und weil der Zuschnitt der Handlung stark darauf abgerichtet ist. In der Gunst gestiegen war für mich "Der unheimliche Mönch",
auch wegen des starken Kommissar-Duos. Doch aktuell nach über 50 Jahren sind es nur noch wenige die mich zum wiederholten anschauen reizen.
Wohl weil die Handlung entweder schon aufgelöst ist, einfach das humorige Spiel der Darsteller mich immer noch inspiriert und ich bestimmte
Schauspieler wie Lieven, Trooger, Wüstenhagen, einfach gerne wiedersehe. Und weil mein Blick und das genaue Zuhören inzwischen bei mir einen Hauptstellenwert
einnehmen. Diese Dinge offenbaren aus meiner Sicht die handwerkliche und auch darstelllerische Qualität. Inzwischen habe ich für mich "den Sack zugemacht"
und "bin nach über 50 Jahren nicht mehr auf der Suche nach neuen herausragenden Filmen, die für mich Meilensteine sind. Vielmehr ist es so, dass ich
meinen Filmhorizont abgesteckt habe in dem sich Filme zwischen den Eckpfählern, den Meilensteinen diese im Vergleich einordnen lassen. Es ist für mich
mühsam geworden aus der immer größer werdenden Masse an Filmen überhaupt noch wirklich gutes bzgl. Thema und Darstellung zu finden.

Gruss
Havi17

Count Villain Online




Beiträge: 4.774

02.01.2026 15:34
#7 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #6
Für mich ist es jedoch nicht deshalb der beste Wallace Film.


Nach dem besten Wallace-Film hast du ja auch nicht gefragt. Ich weiß auch nicht, ob man da überhaupt objektiv einen bestimmen könnte.

Havi17 Online




Beiträge: 3.905

03.01.2026 12:06
#8 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Da gebe ich Dir Recht, jedoch beim Wallace Grand Prix wurde das so herausgearbeitet.

Gruss
Havi17

Havi17 Online




Beiträge: 3.905

03.01.2026 12:51
#9 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Wie sieht das denn bei den Romanen aus, da habe ich gar kein Gefühl. Gibt es da einen typischen Roman, oder typische Stilelemente?

Gruss
Havi17

Savini Offline



Beiträge: 1.034

09.01.2026 14:43
#10 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Lange habe ich überlegt, ob ich zu dieser Diskussion etwas beitragen kann. Zumindest bei einigen Punkten reizt es mich dann doch.

Zitat von Count Villain im Beitrag #5
Hinzu kommt eine ikonische Gesangseinlage sowie das typische Wallace-Thema einer ahnungslosen Erbin. Dann noch ein Gespür für Atmosphäre und eine beinahe optimale Mischung aus originärem Wallace und eigenen, modernisierenden Motiven.

Gesangseinlagen gab es davor und danach. Hier bezieht sich "ikonisch" wohl in erster Linie auf das spezielle Timbre der Sängerin?
Das Erbinnen-Thema war so oft dabei, dass es diesem Film (oder auch seiner Vorlage) nicht unbedingt etwas "Besonderes" verleihen würde. Was die Atmosphäre angeht, so finde ich viele Filme der Reihe ("Augen", "Abt", "Fälscher", "Zinker") in dieser Hinsicht viel stärker. Worauf genau bezieht sich das mit den "modernisierenden Motiven" jetzt? Auf die erstmals zu hörende Wallace-Stimme am Anfang? Oder darauf, dass das offenbar in den 60ern sehr beliebte Motiv einer Harpune als Mordinstrument eingesetzt wurde?
Zitat von Count Villain im Beitrag #5
Klassische, ruhigere und/oder teilweise etwas antiquiert oder nostalgisch wirkende Filme wie die Gräfin, der Rächer, die Tür, der Fälscher und das Tuch haben über die Jahre zugelegt.

Sind nicht im Grunde alle Filme aus dieser Reihe aus heutiger Sicht "antiquiert" und "nostalgisch"? Außerdem erscheint mir die Auflistung etwas seltsam: Die "Tür" musste in der Vergangenheit oft Prügel einstecken, gerade auch durch Joachim Kramp; insofern waren die deutlich positiveren Urteile im Grand Prix von 2018 eine Verbesserung. Aber der "Fälscher" wurde schon früher gelobt, beim "Tuch" fielen die Urteile auch nicht so geschlossen negativ aus.
Und was die "Ruhe" angeht, so könnte man beim "Fälscher" vielleicht davon sprechen, weil er kaum auf Action setzt und sich mehr auf die Entwicklung des Falles konzentriert; bei der "Gräfin" wird dadurch die emotionale Anteilnahme mit der Hauptfigur gefördert, beim "Rächer" liegt es wohl an der engen Orientierung an der Vorlage, die ebenfalls über weite Strecken eher behäbig erzählt wird. Aber die "Tür" fand ich (trotz Kramps Schelte) nie lahm etc., sondern im Gegenteil sehr zügig und mit gutem Rhythmus erzählt. Und obwohl das "Tuch" sich auf einen Schauplatz beschränkt, sorgen Musik, Dialoge und Spiel dafür, dass er weder statisch noch langweilig wirkt, selbst bei der x-ten Wiederholung.

Savini Offline



Beiträge: 1.034

09.01.2026 14:57
#11 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #9
Wie sieht das denn bei den Romanen aus, da habe ich gar kein Gefühl. Gibt es da einen typischen Roman, oder typische Stilelemente?

Was die Stilelemente angeht, so gibt es dazu einen eigenen Thread. Aber das bzw. den meinst du vermutlich nicht.
Was eine bloße Auflistung angeht, so wird es eventuell schwierig, weil nicht alle Motive, die man stark mit Edgar Wallace assoziiert, in seinen Romanen gleichermaßen vertreten sein müssen, die einmal in den bekannteren Titel. So spielt z. B. das Motiv einer Erbschaft im "Frosch", "Hexer" oder "roten Kreis" keine Rolle, umgekehrt gibt es in zwei der drei genannten Titel eine Verbrecherorganisation, deren Mitglieder ihren Chef und teilweise nicht einmal einander kennen. Und beim "Hexer" wiederum ist das Thema der Selbstjustiz sehr präsent, das auch woanders vorkommt (etwa in den Büchern um die "Gerechten" oder beim "grünen Bogenschützen"), in den "toten Augen" dagegen z. B. fehlt.
Selbst das stark mit Wallace verbundene Motiv der Rivalität zwischen Held und Schurke um die weibliche Hauptfigur (das es natürlich auch in Romanen, Filmen oder Theaterstücken von anderen Autoren und aus anderen Genres gibt) wurde mitunter variiert, indem etwa nicht der zentrale Widersacher ist, der die Heroine begehrt ("Rächer", "Abt", "Hexer").
Insofern dürfte es etwas schwer fallen, hier eine Auflistung nach Punkten zu erstellen, selbst wenn man genügend Elemente auflisten könnte.

Count Villain Online




Beiträge: 4.774

10.01.2026 12:17
#12 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #10
Worauf genau bezieht sich das mit den "modernisierenden Motiven" jetzt? Auf die erstmals zu hörende Wallace-Stimme am Anfang? Oder darauf, dass das offenbar in den 60ern sehr beliebte Motiv einer Harpune als Mordinstrument eingesetzt wurde?


Nichts konkretes. Es ist eher die gesamte Anmutung. Man fühlt sich eher in einer Parallelwelt anstatt in die Vergangenheit zurückversetzt. Man spürt schon die 60er Jahre in den Filmen.

Zitat von Savini im Beitrag #10
Außerdem erscheint mir die Auflistung etwas seltsam: Die "Tür" musste in der Vergangenheit oft Prügel einstecken, gerade auch durch Joachim Kramp; insofern waren die deutlich positiveren Urteile im Grand Prix von 2018 eine Verbesserung. Aber der "Fälscher" wurde schon früher gelobt, beim "Tuch" fielen die Urteile auch nicht so geschlossen negativ aus.


Wieso seltsam? Es wurde nach persönlicher Vorliebe gefragt und nicht nach einer generellen Einschätzung.

Zitat von Savini im Beitrag #10
Gesangseinlagen gab es davor und danach. Hier bezieht sich "ikonisch" wohl in erster Linie auf das spezielle Timbre der Sängerin?
Das Erbinnen-Thema war so oft dabei, dass es diesem Film (oder auch seiner Vorlage) nicht unbedingt etwas "Besonderes" verleihen würde.


Auch hier: Es wurde nicht nach dem Besonderen gefragt, sondern warum der Film als Inbegriff gilt. Und gerade das wird doch durch ein (oder mehrere) prägnantes wiederkehrendes Motiv der Reihe unterstrichen.

Savini Offline



Beiträge: 1.034

10.01.2026 18:24
#13 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #12
Wieso seltsam? Es wurde nach persönlicher Vorliebe gefragt und nicht nach einer generellen Einschätzung.

Gut, dann habe ich das wohl missverstanden, weil einige der von dir genannten Filme insgesamt 2018 relativ positiv abschnitten. Verzeihung!

Mir ist noch etwas eingefallen, was beim "Gasthaus" auffällt: Dass es der letzte in Hamburg produzierte Wallace war, ist ja bekannt (1963 wechselte die Rialto komplett nach Berlin); ebenso auch, dass hier letztmalig Egon Eis einen wesentlichen Anteil am fertigen Film hatte (bei den späteren wurden seine Treatments/Drehbuchentwürfe ja nicht mehr verwendet).
Stilistisch fällt auf, dass Alfred Vohrer hier ebenso wie bei den beiden anderen von ihm zuvor gedrehten Filmen mit Musik SEHR sparsam umging; bei vielen Szenen verzichtete er sogar ganz auf eine musikalische Untermalung. Ab dem "Zinker" änderte sich das und es kamen innerhalb desselben Soundtracks (natürlich besonders, wenn dieser von Peter Thomas stammte) auch relativ viele Themen zum Einsatz.

Count Villain Online




Beiträge: 4.774

10.01.2026 18:33
#14 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #13
Gut, dann habe ich das wohl missverstanden, weil einige der von dir genannten Filme insgesamt 2018 relativ positiv abschnitten.


Dass sich das allgemeine Ergebnis da teilweise mit meinem persönlichen Geschmack gedeckt hat, hat mir natürlich damals sehr gut gefallen.

Lord Low Offline




Beiträge: 754

15.01.2026 13:58
#15 RE: Ode to Gubanov Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #4
Das Gasthaus ist wohl der Inbegriff von Edgar Wallace Film. Wenn ja, warum aus eurer Sicht?


Für mich ist Gasthaus zwar auch einer der besten Wallace-Filme. Als "Innbegriff" würde ich den Film aber nicht sehen. "Der unheimliche Mönch", "Der Mönch mit der Peitsche", "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" stehen da schon eher für die gesamte Reihe.

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