Man kommt man so einer Betrachtung (einmal mehr) nicht ohne Phasen aus. So wie man "Frosch mit der Maske" oder "Die Bande des Schreckens" als "Inbegriff" der dänischen Anfangsphase sehen kann, sind "Die toten Augen von London" und "Das Gasthaus an der Themse" wohl der Inbegriff der "Hamburg"-Phase. Für die Berliner-Phase eignen sich dann Filme wie "Der Zinker", für die späte Farb-Phase eigentlich jeder beliebige Vohrer-Film mit der sich im Grunde nur wiederholenden Formel.
Eine solche Einteilung ist mir dann doch zu kleinteilig, zumal es dann noch immer genügend Filme gibt, die nicht so in diese Phasen passen, wie eben der erste Mönch, der Abt, der Fälscher oder die deutsch-britischen Koproduktionen.
Zitat von Lord Low im Beitrag #17Eine solche Einteilung ist mir dann doch zu kleinteilig, zumal es dann noch immer genügend Filme gibt, die nicht so in diese Phasen passen, wie eben der erste Mönch, der Abt, der Fälscher oder die deutsch-britischen Koproduktionen.
Ja, die fallen dann nochmals raus. Aber "gröber" geht's kaum. Wenn "Das Gasthaus an der Themse" nicht als der eine, absolut exemplarische Wallace-Film taugt und die von mir genannten Phasen zu kleinteilig sind, wo trifft man sich dann? "Der unheimliche Mönch", "Der Mönch mit der Peitsche", "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" sind ja wiederum keine Filme, wo man (bei Entfernung des "Wallace"-Siegels") eine Verwandtschaft zu "Der Hexer", "Die seltsame Gräfin" oder "Der Fälscher von London" sehen würde. Es gibt nicht den einen exemplarischen Wallace-Film. Es gibt kein einziges Element, was sich durch alle Filme zieht - es gibt nur zahlreiche Faktoren, die in unterschiedlicher Ausprägung in allen Filmen in unterschiedlicher Zusammenstellung auftauchen und sie somit (mehr oder weniger) als Reihe erscheinen lassen, selbst, wenn man sich Marken wie die "Schüsse" oder die immer recht ähnlich gestalteten Filmplakate wegdenkt. Das funktioniert aber nur in der chronologischen Betrachtung. "Der Frosch mit der Maske" und "Die Tote aus dem Themse" haben scheinbar Nichts gemein, mit Kenntnis der Entwicklungsschritte dazwischen, gehören sie aber zusammen - variiert "Die Tote" doch Themen der vielen Filme zuvor und bietet Gesichter wie Siegfried Schürenberg, Werner Peters, Uschi Glas und andere. "Das Gasthaus an der Themse" hatte aber natürlich allein aufgrund der Zuschauer-Resonanz weitreichende Wirkung auf die weitere Reihe. Man machte einige Faktoren aus, die für diesen Erfolg prägend waren und versuchte diese in der Folge immer wieder zu variieren. Vohrers Regie mit spleenigen Einfällen, Eddi Arents (mal mehr, mal weniger) komische Momente, Kinski als Karikatur eines Irren, Nebel, kostümierter Serienmörder, mysteriöse Musik (hier Böttcher, später oft Thomas). Vieles davon weist aber auch bereits "Der grüne Bogenschütze" auf, der aber nicht einmal die Hälfte der Zuschauer ziehen konnte. Die exemplarische "Superformel" gibt es dann eben doch nicht.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 "gröber" geht's kaum. Wenn "Das Gasthaus an der Themse" nicht als der eine, absolut exemplarische Wallace-Film taugt und die von mir genannten Phasen zu kleinteilig sind, wo trifft man sich dann?
Ich sehe vor allem drei Phasen.
1. B&W-Phase 2. Frühe Farb-Phase 3. Italienischer Übergang zum Giallo
Natürlich kann man dann noch weiter unterteilen, aber das muss dann immer mit verschiedenen Kriterien erfolgen.
1. Strikt nach Chronologie 2. Nach Schauspielern 3. Nach Produktionsort 4. Nach Nähe an der Wallace-Vorlage
Und man kann bestimmt auch noch andere Kriterien finden.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 "Der unheimliche Mönch", "Der Mönch mit der Peitsche", "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" sind ja wiederum keine Filme, wo man (bei Entfernung des "Wallace"-Siegels") eine Verwandtschaft zu "Der Hexer", "Die seltsame Gräfin" oder "Der Fälscher von London" sehen würde.
Fälscher ist schon ein sehr ungewöhnlicher Wallace-Film, auch wenn ich ihn gerne mag.
Mit Hexer und Gräfin sehe ich aber durchaus Gemeinsamkeiten. U. a. die Themen Irrenanstalt oder Mädchenheime.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 Kinski als Karikatur eines Irren
Finde ehrlich gesagt nicht, dass Gubanov irre ist. Klar ist es Kinski, der an sich irre ist, aber die Figur ist es nicht. In allen Wallace-Filmen davor und danach (auch in der Hand) war Kinski irrer als im Gasthaus.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 "gröber" geht's kaum. Wenn "Das Gasthaus an der Themse" nicht als der eine, absolut exemplarische Wallace-Film taugt und die von mir genannten Phasen zu kleinteilig sind, wo trifft man sich dann?
Ich sehe vor allem drei Phasen.
1. B&W-Phase 2. Frühe Farb-Phase 3. Italienischer Übergang zum Giallo
Da hast Du natürlich vollkommen recht - schwarz/weiß und Farbe ist die gröbste Unterteilung, die möglich ist. Aber stilistisch sind sich beispielsweise "Der Hexer" und spätere Farbfilme dann doch näher, als man denkt. Es ist kompliziert...
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 Kinski als Karikatur eines Irren
Finde ehrlich gesagt nicht, dass Gubanov irre ist. Klar ist es Kinski, der an sich irre ist, aber die Figur ist es nicht. In allen Wallace-Filmen davor und danach (auch in der Hand) war Kinski irrer als im Gasthaus.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #18 Kinski als Karikatur eines Irren
Finde ehrlich gesagt nicht, dass Gubanov irre ist. Klar ist es Kinski, der an sich irre ist, aber die Figur ist es nicht. In allen Wallace-Filmen davor und danach (auch in der Hand) war Kinski irrer als im Gasthaus.
Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Die Figur ist als vermeintlich irre angelegt... flackernde Augen, durchdringende Stimme, Auftauchen in unpassenden Momenten, usw. - die Figur wird zwielichtig und unberechenbar gezeichnet, damit die Erhüllung seiner eigentlichen Identität den Zuschauer überrascht. Das liegt nicht etwa daran, dass Kinski privat "irre" gewesen sein mag. Man höre sich auch seine Stimme später im Film am Telefon an - Kinski klingt hier völlig anders und so sehr "Otto Normal", wie es einem Kinski halt möglich ist. Da ging es natürlich einerseits darum ihn nicht direkt erkennbar zu machen, aber es zeigt ja eben auch, dass "Gubanov" eine Kunstfigur ist und der Polizist diese nur spielt. Dass er sich also am Ende eben nicht als Bösewicht entpuppt ist eine Variante - nicht mehr.
Zitat von Lord Low im Beitrag #17Eine solche Einteilung ist mir dann doch zu kleinteilig, zumal es dann noch immer genügend Filme gibt, die nicht so in diese Phasen passen, wie eben der erste Mönch, der Abt, der Fälscher oder die deutsch-britischen Koproduktionen.
"Der unheimliche Mönch", "Der Mönch mit der Peitsche", "Die blaue Hand" und "Im Banne des Unheimlichen" sind ja wiederum keine Filme, wo man (bei Entfernung des "Wallace"-Siegels") eine Verwandtschaft zu "Der Hexer", "Die seltsame Gräfin" oder "Der Fälscher von London" sehen würde. Es gibt nicht den einen exemplarischen Wallace-Film. Es gibt kein einziges Element, was sich durch alle Filme zieht - es gibt nur zahlreiche Faktoren, die in unterschiedlicher Ausprägung in allen Filmen in unterschiedlicher Zusammenstellung auftauchen und sie somit (mehr oder weniger) als Reihe erscheinen lassen, selbst, wenn man sich Marken wie die "Schüsse" oder die immer recht ähnlich gestalteten Filmplakate wegdenkt.
Das verbindende Element ist für mich der große Unbekannte, der unheimlich und mächtig im Hintergrund agiert und meist recht spektakulär enttarnt wird.
Zitat von Lord Low im Beitrag #19 Fälscher ist schon ein sehr ungewöhnlicher Wallace-Film, auch wenn ich ihn gerne mag.
Nach meinem Empfinden sind die Bücher, die ja auch angeschnitten wurden hier, in ihrer Atmosphäre und Machart (um nicht zu sagen Schema) sich etwas ähnlicher als die Filme - altmodischer, unspektakulärer. Und das trotz der großen Menge an Bänden. Das Buch zumindest reiht sich ganz gut ein in die Reihe, den Film finde ich jetzt auch nicht so fremd. Da fielen mir eher die Narzissen ein.
Zum Thema Wallace-Vorlieben im Laufe der Zeit kann ich beisteuern, dass ich mir offenbar weitgehend treu geblieben bin, auch wenn man natürlich manches rationaler sieht und viele Effekte naturgemäß ihre Wirkung eingebüßt haben. Habe jetzt nochmal meine Aufzeichnungen anlässlich der Erst- bzw. Zweitsichtung als Jugendlicher anno 1997/98 angeschaut und siehe da, meine auch heute noch bestehende Zuneigung zum grünen Bogenschützen äußerte sich bereits damals in der Benotung „1+“, das hatten damals sonst offenbar nur der rote Kreis, die toten Augen und die Narzissen erzielt. Auch diese Filme schätze ich nach wie vor sehr. Ich war selbst überrascht, dass ich das damals bereits so klar formuliert hatte. Das Gasthaus dagegen wurde damals eher als Durchschnitt betrachtet, „lebt von einer inneren Spannung, die nicht jedem gefällt.“ Hier würde ich heute aus vernünftiger Würdigung der gelungenen Melange aus Wallace-Inhalten etwas höher gehen. Der beste Wallace-Film war oder ist es für mich aber zu keinem Zeitpunkt. Oftmals sind es ja meines Erachtens gelungene atmosphärische Einzelszenen, die gar nicht mal sehr raumgreifend lang sein müssen, um einem Film die nötige Stimmung und Anmutung zu verleihen und diesen so entsprechend aufzuwerten und zu tragen, da die Wirkung in die restlichen Szenen reinhallt. Der Frosch beispielsweise wird für mich durch sehr gelungene Einzelszenen sehr aufgewertet, alleine die kurze Szene mit dem nächtlichen Treffpunkt bei den Eichen. Geändert hat sich tatsächlich grundlegend bei mir nur die inzwischen deutlich positivere Haltung zu den späten Giallos, die ich jetzt eher goutieren kann, auch wenn ich einzig die Stecknadel so richtig gelungen finde von den Edgar Wallace Giallos.
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #23Zum Thema Wallace-Vorlieben im Laufe der Zeit kann ich beisteuern, dass ich mir offenbar weitgehend treu geblieben bin, auch wenn man natürlich manches rationaler sieht und viele Effekte naturgemäß ihre Wirkung eingebüßt haben. Oftmals sind es ja meines Erachtens gelungene atmosphärische Einzelszenen, die gar nicht mal sehr raumgreifend lang sein müssen, um einem Film die nötige Stimmung und Anmutung zu verleihen und diesen so entsprechend aufzuwerten und zu tragen, da die Wirkung in die restlichen Szenen reinhallt. Der Frosch beispielsweise wird für mich durch sehr gelungene Einzelszenen sehr aufgewertet, alleine die kurze Szene mit dem nächtlichen Treffpunkt bei den Eichen.
Du sprichst da in der Tat wichtige Einzelheiten, Einzelszenen eben an, die bei mir der entscheidende Punkt sind mir einen Film nochmals anzuschauen. In der Tat bin ich meinen Favoriten über die Jahre treu geblieben, doch im Gegensatz zu Dir schaue ich mir einige Wallace nicht mehr an, bzw. hat es einer "Unheimlich Mönch" sogar inzwischen auf die Bestenliste geschafft. Es würde mich interessieren, ob es bei Euch allen besondere Einzelszenen gibt, die eine ähnliche Wikung erreicht haben einen Wallace nochmals und nochmals anzuschauen?
Eine interessante Frage. Vielleicht fällt mir da noch mehr zu ein, aber hier erst einmal ganz spontan: Bei der Gräfin freue ich mich jedes Mal auf das Finale. Die Wallace-Filme sind bisweilen schon ab und an ins Kammerspiel abgerutscht, aber nie so intensiv wie hier. Auch das Ende der Codys in der Tür ist immer ein düster-morbid-tragisches Spannungs-Highlight. Alleine meine vielen benutzten Adjektive zeigen schon die atmosphärische Komplexität dieser Szene.
Die Tür ist auch ein gutes Beispiel für das was ich versuche zu umreißen. Der Film wartet aus meiner Sicht mit einer Fülle von atmosphärisch so gelungenen Einzelszenen (auch die Szenen in der Wohnung des Inspektors seien als Beispiel angeführt) auf, dass ich über mögliche Mängel des Gesamtkonstrukts leicht hinwegsehen kann. Gehört für mich auch zu den ganz großen Filmen und gefällt mir aus dem genannten Grund auch besser als das Gasthaus.
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #26Die Tür ist auch ein gutes Beispiel für das was ich versuche zu umreißen. Der Film wartet aus meiner Sicht mit einer Fülle von atmosphärisch so gelungenen Einzelszenen (auch die Szenen in der Wohnung des Inspektors seien als Beispiel angeführt) auf, dass ich über mögliche Mängel des Gesamtkonstrukts leicht hinwegsehen kann. Gehört für mich auch zu den ganz großen Filmen und gefällt mir aus dem genannten Grund auch besser als das Gasthaus.
Hoffentlich wirst du nach diesem Beitrag nicht von Joachim Kramps Geist heimgesucht!
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #26Die Tür ist auch ein gutes Beispiel für das was ich versuche zu umreißen. Der Film wartet aus meiner Sicht mit einer Fülle von atmosphärisch so gelungenen Einzelszenen (auch die Szenen in der Wohnung des Inspektors seien als Beispiel angeführt) auf, dass ich über mögliche Mängel des Gesamtkonstrukts leicht hinwegsehen kann. Gehört für mich auch zu den ganz großen Filmen und gefällt mir aus dem genannten Grund auch besser als das Gasthaus.
Die "Tür" ist für mich auch ein schwer zu greifender Film. Während der Sichtung gibt es extrem viel, was mir wirklich sehr, sehr gut gefällt, aber der lückenhafte Einstieg, die nicht vorhandene Balance zwischen Augenzwinkern und echter Tragik/Mobidität machen es mir unmöglich von einem "großen Film" zu sprechen. Ich möchte in vielen Situationen spontan applaudieren, bin am Ende des Films aber immer wieder enttäuscht. Die tollen Einzelteile finden nie wirklich zusammen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #29Die "Tür" ist für mich auch ein schwer zu greifender Film. Während der Sichtung gibt es extrem viel, was mir wirklich sehr, sehr gut gefällt, aber der lückenhafte Einstieg, die nicht vorhandene Balance zwischen Augenzwinkern und echter Tragik/Mobidität machen es mir unmöglich von einem "großen Film" zu sprechen. Ich möchte in vielen Situationen spontan applaudieren, bin am Ende des Films aber immer wieder enttäuscht. Die tollen Einzelteile finden nie wirklich zusammen.
In Sachen stilistischer Unausgewogenheit finde ich allerdings "Zimmer 13" oder vor allem den "Mann mit dem Glasauge" sehr viel krasser. Wenn man die Wallace-Epigonen einbezieht, wäre der "Henker von London" ein weiteres Beispiel (das wurde in einem anderne Forum auch schon moniert).
Aber über die "Tür" können wir auch gerne in einem anderen Thread diskutieren, falls du Zeit und Lust haben solltest.