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 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 733

30.08.2025 22:22
Lotterie des Todes (1933) Zitat · Antworten

Lotterie des Todes

Originaltitel: The Green Pack
Erscheinungsjahr: 1933


Hauptpersonen:

Dr. John Thurston - mäßig erfolgreicher Arzt
Mrs. Thurston - seine Ehefrau
Jaqueline Thurston - seine schöne Tochter
Louis Creet - vermögender Privatmann
Larry Deans - gutaussehender Abenteurer
Mark Elliott - Goldsucher Nr.2
Tubby Storman - Goldsucher Nr.3

sowie

Monty Carr - Spielclubbesitzer
ein portugiesischer Inspektor


Handlung:

Jaqueline Thurston verbringt den Abend in Begleitung des reichen Lebemannes Louis Creet in Monty Carrs Spielcasino in London. Leider ist ihr Fortuna nicht hold, sie setzt buchstäblich alles auf eine Karte - und verliert. Jaqueline hat vorher schon Geldsorgen gehabt, aber jetzt sitzt sie komplett in der Tinte. Carr besteht auf Begleichung der verlorenen 1000 Pfund. Jaquelines Vater ist Arzt, ebenfalls in Geldsorgen und, wie sich herausstellt, wirtschaftlich sehr von Louis Creet abhängig. Das Geschäft des Doktors läuft nicht gut, er hat sich verschuldet und seine Frau braucht dringend Geld wegen ihrer schlechten Gesundheit. Dazu kommen noch die Eskapaden seiner Tochter, von denen er nichts ahnt und das soll auch nach Jaquelines Willen unbedingt so bleiben. Der wesentlich ältere Louis Creet, der sie schon länger umschmeichelt hat, macht Jaqueline ein klassisches unmoralisches Angebot. Ihre Spielschulden sollen beglichen werden, dafür erwartet der lüsterne Spender allerdings Gegenleistungen. Und, nach einigem Geziere der entrüsteten Dame, bekommt er die auch. Allerdings entlässt er seine Gespielin hinterher nicht in die Freiheit, sondern will das kleine Verhältnis weiterführen, auch wenn er hier Wortbruch begeht.
Doch währenddessen, viele Kilometer entfernt, hat sich Wichtiges ereignet. Ein Mann namens Larry Deans war vor einiger Zeit für Creet ein Konkurrent um die Hand und sonstige Person der begehrten Jaqueline gewesen, jünger, männlicher, hübscher, aber eben auch arm wie eine Kirchenmaus. Der intrigante Louis hatte seinen Nebenbuhler auf ungewöhnliche Art von dannen geschickt. Er lieh ihm und zwei Kameraden Geld für eine Expedition ins ferne Afrika, wo eine ominöse Goldmine gefunden werden soll. Obwohl er nicht an den Erfolg der Sache geglaubt hatte, muss Creet nun zu seiner Verwunderung hören, dass die Mine tatsächlich existiert. Larry Deans hat nämlich zusammen mit seinen Kumpels Mark Elliott und Tubby Storman an der Westküste des schwarzen Kontinents in irgendeiner portugiesischen Kolonie nach vielen Mühen und Strapazen und einer gehörigen Dosis Glück eine stark edelmetallhaltige Probe mitgebracht und will die Mine zur Ausbeutung bei den Behörden anmelden. Da will der habgierige Louis nicht zurückstehen. Er lädt die Thurstons mit dem Doktor als Leibarzt einschließlich der widerstrebenden Tochter mit auf die Reise nach Afrika ein, wobei er immer wieder die junge Jaqueline in heimlichen Momenten bedrängt.
Die drei Goldsucher haben sich in einem afrikanischen Hotel einquartiert und die Reisenden aus England stoßen dazu. Leider werden auch hier die Befürchtungen Larry Deans' zur Gewissheit. Creet will sie um ihren Anteil an der Mine betrügen und mit ein paar Brotkrumen abspeisen. Der unsympathische Geizhals macht sich drei erboste Gegner, er gab zwar die nötigen Moneten für das Unternehmen, doch die Knochen hinhalten mussten die anderen, die nun auf eine Viertelung der geplanten Ausbeute hofften, wie es auch vorher mündlich vereinbart war. Wilde Drohungen werden ausgestoßen, auch Dr. Thurston bekommt jetzt eine Vorstellung vom wahren Charakter des vermeintlichen Gönners, nur Mrs. Thurston lebt immer noch in ihrer heilen Welt, wie es scheint.
Mehr und mehr verrennt sich der egozentrische Creet in die eigene Bösartigkeit, kaum einer in der kleinen Gruppe, der ihn nicht verabscheut. Schließlich beschließen die drei geprellten Abenteurer Larry, Mark und Tubby, das Schicksal in Gestalt eines kleinen grünen Kartenstapels entscheiden zu lassen. The green Pack wird ihnen von Dr. Thurston zur Verfügung gestellt, und wer das Pik-Ass zieht, soll die Welt von einem großen Widerling befreien. Wenig später wird Luis Creet erschossen...
Auch hier gibt es eine halbwegs befriedigende Auflösung, irgendwie typisch für Edgar Wallace, und die goldene Zukunft kann beginnen.


Bewertung:

Das Theaterstück um das grüne Spielkartenpäckchen war sicher eines der letzten Werke, das von Wallace noch vor seinem Tod geschrieben wurde. Den große Erfolg des Werkes hat er gar nicht mehr richtig miterlebt. In Romanform gegossen wurde es ein Jahr später es von Wallace' langjährigem Sekretär Robert Curtis. Wallace soll aber vor seinem Ableben im fernen Hollywood noch die wichtigsten Eckpunkte mit Curtis dazu besprochen haben.
Wie immer bei Theaterstücken des Thriller-Kings, die anschließend noch zu Büchern weiterverarbeitet wurden, kann man ob der Gelungenheit des entstandenen Schmökerstoffes ein wenig im Zweifel sein. So ist es auch hier, wenngleich mit Abstrichen. Irgendwelche liebgewonnene Requisite aus der Gruselfabrik wird man vergeblich suchen, keine Masken, Geheimbünde, abstrusen Mordwaffen oder wenigstens entlaufenen Sträflinge gibt es als Zutat. Vielmehr ist es nur ein sehr kleiner Personenkreis, um den sich die Handlung dreht. Was das Theaterhafte noch unterstreicht. Der Spielclubbesitzer am Anfang und der Polizeiinspektor in der portugiesischen Kolonie am Ende sind die einzigen Nebenfiguren im sich immer mehr zuspitzenden Konflikt. Nun ist Edgar Wallace nicht unbedingt ein Meister der überzeugenden psychologischen Spannungssteigerung, und ein wenig krankt die Geschichte auch daran. Seine Negativfigur ist wie üblich dandyhaft, verweichlicht und jenseits der Fünfzig, aber auch verschlagen, wortbrüchig und zudem noch ein unglaublicher Hypochonder. Oberflächlich weiß er eine Menge Charme zu versprühen. Er ist, im Gegensatz zu den anderen Charakteren, auch vom Aussehen etwas ausführlicher beschrieben.
Die anderen sind nicht so im Gedächtnis bleibend. Die Thurstons, ein Ehepaar, bestehend aus einem etwas weltfremd erscheinenden Arzt, dessen Angetraute nicht gerade eine Geistesleuchte ist und stets Anlass zur Sorge gibt. Töchterchen Jaqueline scheint einen Hang zur Zerstreuung zu haben und nimmt die materiellen Zuwendungen des älteren Galans Creet gerne mit. Ein wenig kann man schon verstehen, dass der sich darüber mokiert, als die Reihe an Miss Thurston ist, mal was zurückzugeben. Natürlich sind Creets erpresserische Methoden nicht die feine englische Art. Dass die junge Maid dann aber tatsächlich mit dem alten Knaben in die Kiste hüpft, ist für Wallace-Verhältnisse eher ungewöhnlich, ebenso, dass die anderen Herren später die Sache durchaus verzeihlich finden. Welche skandalumwitterten Formen hätten die Heldinnen der Folgeromane noch angenommen, die Edgar Wallace geschrieben hätte, wenn er noch länger am Leben geblieben wäre? Man kann es sich nicht ausdenken...
Die Goldsucher sind allesamt im Grunde nette Burschen, Larry Deans sowieso, auch der etwas farblos bleibende Mark Elliott und auch der dickliche Tubby Storman, eine humorvoll angelegte Figur, dem die Sympathie seines Erfinders sicher gewiss war. Jeder hasste den betrügerischen Louis, besonders natürlich Deans, denn da ist ja auch noch die Sache mit Jaqueline. Aber auch die Dame selber hatte guten Grund zur Ermordung des verdorbenen Mannes, genauso wie ihr Vater, der trotz seiner Abhängigkeit von ihm nicht mehr weitermachen wollte wie bisher. Als es den Schurken des Stückes dann nach so drei Vierteln endlich erwischt, ist der Leser nicht allzu traurig, hat er es dem alten Intriganten doch innerlich von Herzen gegönnt. War der Täter einer der drei Männer, der das schicksalhafte Ass gezogen hatte, oder doch jemand anders? Hat er Jaquelines Revolver dazu benutzt ? Wieso ist der verschwunden und wieder aufgetaucht? Oder war es doch ganz anders? Wallace bietet zum Ende eine etwas bemühte Erklärung für alles, die vielleicht doch nicht ganz so stimmig ist wie angedacht, aber trotz eines durchaus vorhandenen Selbstjustiz-Aspektes eine versöhnliche Alterative zur kaltblütigen Hinrichtung darstellt. Für die Goldsucher, das Arztehepaar und selbstverständlich auch das junge Paar Larry und Jaqueline jedenfalls ist zum Schluss alles zum Besten.

Das Buch stellt anfangs ein bisschen verruchte Spielclubatmosphäre dar, später dann afrikanische Exotik und mittendrin einen Mord im kleinen Kreis mit kriminalistischer Tätersuche. Alles Dinge, die Wallace irgendwie wichtig waren. Der Fan wird den letzten Roman, an dem der Meister zumindest noch marginal beteiligt war, sicher auch aus diesem Grunde gerne lesen, was in einem Rutsch vonstatten geht.
Aber ja, der Autor hat mit Sicherheit wesentlicheres auf seinem Gebiet geleistet, zweifellos.


Leseexemplar:

Hier liegt mir die Ausgabe vom Goldmann-Verlag aus dem Jahre 1961 vor, wahrscheinlich sogar die Erstausgabe in Deutschland, übersetzt von Tony Westermayr. Es sind immerhin fast 190 Seiten, die sich aber relativ schnell weglesen, denn der Schriftsatz ist recht großzügig gestaltet. Der deutsche Titel ist wieder mal Unsinn, denn um eine Lotterie geht es nicht.


Verfilmung:

Die Story wurde nur wenig später nach dem Erscheinen des Theaterstückes bzw. des Buches das erste Mal verfilmt, später nach dem zweiten Weltkrieg noch einmal. Für eine Bearbeitung im Rahmen der Wallace-Serie in Deutschland hätte die Geschichte wohl kaum was hergegeben.

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