Zahlreiche Romane von James Hadley Chase wurden verfilmt. Neben den überwiegend internationalen Produktionen, entstanden auch einige deutsche, bzw. mit deutscher Beteiligung hergestellte Filme (Kino & TV), z.B.:
An einem Freitag um halb zwölf (D/F/I) Mord am Canale Grande (F/D/I) Wartezimmer zum Jenseits Ein Sarg aus Hongkong (D/F) Die Katze im Sack (TV) Lotosblüten für Miss Quon (D/F/I) Lohngelder für Pittsville (D/US) (TV)
Ich habe 2020 den Regisseur Alvin Rakoff zu AN EINEM FREITAG UM HALB ZWÖLF interviewt. Hier nochmal, was er zu Chase und seine Involvierung in die Produktion sagte:
Der Film basiert auf einem Roman von James Hadley Chase, der zur Drehzeit noch lebte, er war damals 55 Jahre alt. War er in die Produktion involviert oder bekamen Sie irgendeine Rückmeldung durch ihn?
James Hadley Chase war nicht in die Produktion involviert. Sie hat ihn gar nicht interessiert und er war sehr distanziert und kalt. Normalerweise trifft man einen Autor, bevor man sein Buch verfilmt. Das wollte er aber nicht. Wir hatten nur ein paar Gespräche am Telefon. Ein seltsamer Mann. Er nahm lediglich das Geld und fertig. Ich denke, er war einer jener Autoren, die dachten, dass eine Verfilmung das eigene Werk zerstört. Vielleicht dachte er, sein Buch ist ein Meisterwerk. Vielleicht hatte er recht. Ich glaube, der Film war besser als das Buch. (lacht)
@ Prisma "Fleisch der Orchidee" habe ich ebenfalls gesehen. Dass er auf einem JHC-Roman beruht, hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm.
@ Georg Verfilmungen gab es ja schon seit den 1950er Jahren und Chase soll oft unzufrieden und enttäuscht gewesen sein. Ich denke, dass er sich später bewusst herausgehalten und nur noch kassiert hat.
Zitat von Giacco im Beitrag #1Zahlreiche Romane von James Hadley Chase wurden verfilmt. Neben den überwiegend internationalen Produktionen, entstanden auch einige deutsche, bzw. mit deutscher Beteiligung hergestellte Filme (Kino & TV), z.B.:
An einem Freitag um halb zwölf (D/F/I) Mord am Canale Grande (F/D/I) Wartezimmer zum Jenseits Ein Sarg aus Hongkong (D/F) Die Katze im Sack (TV) Lotosblüten für Miss Quon (D/F/I) Lohngelder für Pittsville (D/US) (TV)
Kann jemand die Liste ergänzen?
Ergänzen kann ich die Liste leider nicht, aber vielen Dank dafür. Die Katze im Sack soll nach Kriminallexikon einer der gelungensten Chase-Romane sein, will ich demnächst im Urlaub lesen. Werde mir dann auch mal die Verfilmung ansehen, die kann man ja günstig gucken.
Ich habe vor einiger Zeit mal einen 3-Fach-Sammelband von James Hadley Chase durchgeschmökert. Zahle oder stirb ist ein trotz viel Gangster-Getue teilweise in England spielender Roman mit leicht Wallace-haften Zügen. Unter dem Titel Wartezimmer zum Jenseits in Deutschland in Schwarzweiß verfilmt, hält er sich sogar noch recht nahe an seine Vorlage. Der Sarg aus Hongkong dagegen in Farbe hat nur mehr wenig mit dem Buch gemeinsam, die künstlerischen Freiheiten sind da schon recht hoch, ähnlich wie bei den Wallace-Filmen. [/]Alibi auf Tonband[/i] wurde schon in den Fünfzigern in Frankreich unter dem Titel Im Rausch der Sinne von Henri Vernieul verfilmt. Nach der Vorstellung des Streifens her im Forum ist die Grundfabel wohl beibehalten, wobei das Ende sogar noch pointierter herüberkommt.
Im Allgemeinen sollen die Chase-Bücher sehr unterschiedlich in ihrer Qualität sein.
Bin ja selbst nicht so der "Schmöker"-Typ und kenne keinen Roman von J.Hadley Chase. Deshalb bedanke ich mich für Deine persönlichen Einschätzungen und bin schon gespannt auf Dein Urteil zu "Die Katze im Sack".
René Brabazon Raymond wurde in London als Sohn eines Kolonialoffiziers geboren. Er genoss eine gute Schulbildung, später arbeitete er vorrangig im Buchhandel und heiratete. Er hatte einen Sohn. Im Krieg diente er bei der Luftwaffe. Nachdem er sich als erfolgreicher Schriftsteller etabliert hatte, zog er mit seiner Frau in den 50er Jahren nach Frankreich und später in die Schweiz, wo er bis zum Lebensende blieb. Sein vorrangiges Ziel als Autor war es, harte Gangstergeschichten zu schreiben, obwohl er fast nie in den USA war. Sein Hintergrundwissen eignete er sich vor allem über Lesestudien an. Der erste Roman Keine Orchideen für Miss Blandish wurde kurz vor Beginn des zweiten Weltkriegs veröffentlicht und war ein Überraschungserfolg. Er erreichte wegen der vielen gefühllos beschriebenen Morde, Gewalt- und Perversionen eine gewisse Berüchtigkeit. Es sollten noch etliche Bücher folgen, fast hundert an der Zahl, die auch außerhalb Amerikas spielten. Der Autor schrieb unter einigen Pseudonymen, doch James Hadley Chase ist das bekannteste. Beeinflusst von Autoren wie James M. Cain handeln viele seiner Krimis von Versicherungsbetrügern, Gattenmördern oder Ganoven, die ein todsicheres Ding drehen wollen. Wobei natürlich alles anders kommt als geplant und es am Ende nur Verlierer gibt, also die Noir-Richtung. Doch Chase hat auch einige klassische Detektivgeschichten der harten Schule zu Papier gebracht. Stellvertretend hierfür sei etwa der Roman Tote sind einsam von 1949 genannt, wo der Westküsten-Detektiv die kleptomanische Frau eines Geschäftsmannes beschatten soll und unversehens in einen Fall voll Mord, Gewalt und Erpressung gerät. Bekannt geworden sind durch Verfilmungen auch Zahle oder stirb von 1955 oder Ein Sarg aus Hongkong (1962). In ersterem legt sich ein junger Held mit den Mördern seines Freundes, einer Erpresserorganisation, an, wobei die Spur von London nach Italien führt. In dem anderen Buch wird ein Privatschnüffler aus LA in eine Falle gelockt und muss zur Lösung des Falles nach Hongkong reisen, infolge ihn die Ermittlungen zuletzt wieder in die Heimat zurückführen. Alles das ist mit recht viel Action und Leichen garniert.
Buchbesprechung: Die Katze im Sack
Originaltitel: Lay Her Among The Lilies Erscheinungsjahr: 1950
Hauptpersonen:
Viktor "Vic" Malloy - Inhaber einer Ermittlungsagentur Jack Kerman - sein Partner Paula Bensinger - seine Sekretärin und heimliche Chefin Janet Crosby - brave Tochter eines Millionärs aus erster Ehe Maureen Crosby - weniger brave Tochter aus zweiter Ehe Douglas Sherrill - sehr zwielichtiger Lebemann Dr. J. Salzer - Inhaber eines Sanatoriums für Begüterte Mrs. Salzer - seine vielseitig talentierte Ehefrau Manfred Willet - erstklassiger Anwalt Captain Brandon - grantiger Polizeichef Tim Mifflin - netter Polizeibeamter Sergeant McGraw und Hartsell - weniger nette Polizisten Mike Finnegan - Ex-Boxer und Kneipenbesitzer Schwester Guerney - gelangweilte Krankenpflegerin Anona Freedlander - verschollene Krankenschwester Eudora Drew - habgierige Ex-Dienstbotin Benny Dwan - Mann fürs sehr Grobe Bland und Quell - Pfleger
sowie jede Menge andere Polizisten, Zeugen, Killer, Opfer, Ganoven, Pflegepersonal, Bedienstete, Sekretärinnen, Bekannte ...
Handlung:
Orchid City ist eine aufstrebende (fiktive) Stadt in der Nähe von San Francisco und Los Angeles. Eine Menge Millionäre gibt es dort. Grund genug für Vic Malloy, zusammen mit seinen Angestellten Jack Kerman und Paula Bensinger das Unternehmen Universal Services zu gründen und seinen Anteil am Reichtum abzubekommen. Die Firma hat ihre Büros im Orchid Building und kümmert sich um alles Mögliche, solange es noch halbwegs legal ist, Detektivarbeit eingeschlossen. Offenbar läuft die Sache seit einigen Jahren ganz gut. Da findet sich im Büro zufällig ein über ein Jahr alter Brief wieder auf. Inhalt: die vermögende Janet Crosby befürchtet, ihre leichtlebige Schwester Maureen werde erpresst. Anzahlung von 500 Dollar liegt bei. Doch kurz nachdem sie den Brief schrieb, erlag die junge Frau angeblich einem Herzleiden. Malloy ist der Ansicht, das Geld müsse doch noch verdient werden. Erste Nachforschungen ergeben wahrlich mysteriöse Dinge. Eine Woche vor ihrem Tod hatte sich Janet von ihrem Verlobten Douglas Sherrill getrennt. Ein Zufall? Und der Tod des alten Familienpatriarchen Crosby liegt auch noch nicht lange zurück, angeblich ein Unfall beim Gewehrreinigen. Vic Malloy will die erbbegünstigte Schwester Maureen sprechen, doch die scheint verschwunden zu sein, obwohl sie angeblich auf dem Familienanwesen betreut wird. Immer wieder trifft der Detektiv auf den Namen des ominösen Dr. Salzer, der bei allen seltsamen Begebenheiten seine Hände im Spiel zu haben scheint. Die nette Krankenschwester Guerney verschwindet spurlos, gerade als sie Vic ein paar gute Hinweise geben will. Damit teilt sie das Schicksal ihrer Vorgängerin namens Anona Freedlander, ebenfalls seit den Todesfällen im Hause Crosby verschollen. Eine ehemalige Zofe im Hause Crosby wird in ihrer schäbigen Wohnung endgültig zum Schweigen gebracht, auch kurz vorm "Auspacken". Der grobschlächtige Killer heftet sich nun an Malloys Fersen und bringt den in arge Bedrängnis, aus der sich der Schnüffler mit knapper Not befreien kann. Doch auch Dwan, der Totschläger, muss schließlich das Zeitliche segnen... Das Tempo in Malloys Ermittlungen und dem seiner beiden Partner (und Freunde) ist dauerhaft hoch. Da muss selbstverständlich jede Menge "Treibstoff", also Whisky, konsumiert werden. Doch Malloy kann nicht nur trinken, prügeln und schießen, sondern auch gute Fragen stellen und verhandeln. Er befragt einen kauzigen alten Doktor über Janets Tod, wird vom missgünstigen Polizeichef Brandon beschimpft und unverhohlen bedroht und sucht sich schließlich Unterstützung beim noblen Anwalt Willett, der als Vermögenstreuhänder der Crosbys fungiert und einigen Einfluss besitzt. Im Hintergrund, das wird klar, geht es um Millionen und Abermillionen. Unterstützung im Polizeihauptquartier findet Vic bei dem wohlgesonnenen Beamten Mifflin, in der Gaunerwelt kann er sich auf den boxenden Kneipenbesitzer Mike Finnegan verlassen. Tipps kriegt er von allen Seiten. Immer mehr gerät die fadenscheinige Familiengeschichte der Crosbys ins Zwielicht. Wo ist die leichtlebige Maureen verblieben? Hat Douglas Sherrill, der Besitzer eines Casinoschiffes auf dem Meer ist, sich als Erpresser betätigt? Und immer wieder Dr. Salzer... Malloy hat eine Begegnung mit einer skurrilen dicken Frau, die gerne Pflaumen ist und die er später nochmal wiedersehen wird. Ein weiterer Zeuge in spe wird spektakulär entführt, ein anderer kurz vor dem Eintreffen des Detektivs umgebracht. Jedes Mal fliegt dem Privatermittler ein gehöriger Batzen Blei um die Ohren. Er hat sich jetzt ernsthaft unbeliebt gemacht, zwei korrupte Polizisten nehmen ihn unsanft in die Mangel, doch Rettung naht von unerwarteter Seite. Malloy lernt nun doch noch die betörend schöne Maureen kennen, der er letztlich nicht so recht über den Weg traut, aber er wird bald darauf in Dr. Salzers Sanatorium verschleppt, ein Ort ohne Wiederkehr, wenn es nach seinen Feinden geht... Der hartgesottene Viktor Malloy meistert alle Hindernisse auf seinem Weg, die Wahrheit doch noch zu finden, wobei er immer wieder durch seine Partner und Freunde unterstützt wird. Stückchen für Stückchen fügt der ambitionierte Puzzlespieler alle offenen Enden zu einem Gesamtbild zusammen. Schließlich will er "die Katze aus dem Sack lassen", wie er immer wieder betont. Nicht nur Unmengen Alkohol und Avancen umwerfender Ladies sind auf diesem Wege zu verdauen, sondern auch noch Entführungen, Schießereien und halsbrecherische Kletterpartien zu bestehen. Am Ende steht wieder die Erkenntnis, dass die ewige Gier nach den Dollars kein großes Glück gebracht hat, denn übrig geblieben ist kaum einer der ganzen Bagage, nur der mittlerweile ziemlich lädierte Held des Stückes muss der nicht sonderlich fähigen Polizei die dringend benötigte Aufklärung geben.
Bewertung:
Um das Jahr 1950 schrieb Hadley Chase eine Miniserie von drei Büchern über die Fälle der Universal Services, schön schnodderig in bester hard-boiled-Manier erzählt vom Inhaber Vic Malloy. Der vorliegende Titel ist der letzte der Trilogie. Es gelingt ihm hier wirklich gut, an die "Großen" des Gewerbes anzuknüpfen. Seine Schreibe ist nicht so emotionslos wie die von Hammett, hat aber auch nicht den Weltschmerz von Chandler. Die Fälle sind nicht so extrem verwickelt wie die McDonalds und auch nicht so unernst wie die Latimers. Im Grunde ist die Fabel geradlinig konzipiert, doch es gibt schon etliche Überraschungen und Verästelungen auf dem Weg zur Wahrheit aufzudecken, daneben sorgen die genreüblichen Klischees und jede Menge Action für des Lesers vergnügliche Unterhaltung. Obwohl scheinbar jeder hier Dreck am Stecken hat und das Ende entsprechend kompromisslos ausfällt, ist der Ton doch nicht so verzweifelt trostlos wie bei manch anderem Chase-Roman. Immerhin hat Malloy sogar noch eine recht hohe Geschäftsmoral, und er und seine Belegschaft können davon immer noch gut leben. Anleihen an die Klassiker des Genres sind durchaus auffällig, etwa die Entführung des Ich-Erzählers in ein als Irrenhaus genutztes Privatsanatorium oder das Einschleichen auf ein vor der Küste ankerndes Schiff, welches von der Unterwelt als Glücksspieldomäne genutzt wird. Chandlers Leb wohl, mein Liebling lässt grüßen. Doch bei Chase geht alles um einige Potenzen härter und knalliger zu. Der Held wird zusammen mit einem blutdürstigen Verrückten in eine Zelle gesperrt, ein Wärter wird massakriert und der Ausbruch verläuft als filmreifes Spektakel. Auch das Fast-Finale auf dem Dream Ship ist furious, die Befreiung von Paula Bensinger, der guten Seele der Agentur, gerät zu einer wilden Schießerei und einer Massenpanik, da der lasterhafte Kahn auch noch zu brennen anfängt. Paula ist eine attraktive, couragierte und bemerkenswert emanzipierte Figur, die dem ständig faulenzenden Paul Kerman und auch ihrem nicht minder den Müßiggang liebenden Chef gerne ordentlich Feuer unterm Gesäß macht. Ansonsten entsprechen die Damen des Romans dem üblichen Noir-Bild: je hübscher und verführerischer, desto verschlagener und berechnender sind sie, geldgierig sowieso, aber auch die weniger attraktiven und intelligenteren sehen gerne die Dollars rollen. Aber es gibt auch liebe, arglose Geschöpfe, gleich zu Beginn kann der gewiefte Detektiv eine gelangweilte Klischee-Blondine in Schwesterntracht vernaschen, die gleichwohl mit dem Hochprozentigen ihrer Herrschaft als auch den eigenen körperlichen Vorzügen recht verschwenderisch umgeht. Eigentlich ein guter Start in den neuen Fall für Mr. Malloy, doch bald wird die Sache finsterer. Die Welt ist nicht perfekt in der Stadt der Millionäre, alle haben Leichen im Keller, gerade auch die Reichen, und die Polizei sieht zu, ihr Stück vom großen Kuchen abzubekommen, vom unverhohlen korrupten Chef Brandon angefangen bis zu den niederen Dienstgraden herunter. Der "häßliche" Polizist hat hier die Namen McGraw oder Hartsell, üble Kreaturen, die gerne Menschen misshandeln oder auch Schlimmeres tun, gedeckt durch ihre Dienstmarke. Chases Text schwankt ein wenig zwischen der Schilderung solcher eher düsterer Passagen und dann wieder humoristischen Einschüben, die sich vor allem durch ironische Slapstick-Dialoge der Detektive untereinander oder mit allerlei verschrobenen Figuren äußern. Der Roman bietet eine Fülle von Charakteren, wenngleich die Handlung etwas episodenhaft wirkt und in den Verdacht geraten könnte, eine Aneinanderreihung von immer aktionsreicheren Szenen zu sein. Doch der Kitt durch eine gut gestrickte Kriminalhandlung ist fest genug, um das Gelesene nur auf seine "harten" Anteile zu reduzieren. Dabei wird an Leichen nicht gespart, nur der Erzähler entgeht immer wieder wundersam allen Anschlägen. Es hat schon was von Mr. Durbridge an sich - kaum taucht ein Zeuge auf, ist er auch schon tot oder verschwunden. Im Prinzip hat der Hauptübeltäter im Hintergrund eigentlich stets eine unblutige Klärung der Geschichte bevorzugt, doch wenn man es mit wenig zartbesaiteten Handlangern zu tun hat, können halt schon mal die Köpfe rollen. Nach einer mehr als halsbrecherischen Kletterpartie auf ein gut geschütztes Anwesen kann Vic Malloy die wahren Zusammenhänge der Todes- und Vermisstenfälle in und um die Familie Crosby klären. Man wünscht ihm förmlich, dass nach den bestandenen Abenteuern zuhause ein guter Schluck auf ihn wartet.
Die Katze im Sack lässt sich wirklich gut lesen, ein spannender, unterhaltsamer Thriller aus der Zeit, als Schnüffler noch richtig harte Jungs mit dem Herz auf dem rechten Fleck waren. Realistische Schilderung, ironische Überhöhung, kriminalistische Suche und schlichtweg haltloser Kintopp bilden eine gutverdauliche Mischung.
Leseexemplar:
Deutsche Buch-Gemeinschaft ; Veröffentlichung 1964 ; ca. 220 Seiten
Die Übersetzung von E. und W.W. Elwenspoek ist meines Erachtens sehr ordentlich, ein Lizenzdruck des Ullstein-Verlages, der offensichtlich keine oder nur kaum Kürzungen beinhaltet. Gelegentliche Unsauberkeiten im Textfluss, die wohl an den Übersetzern liegen, kann man verzeihen. Die Geschichte ist relativ lang geraten.
Verfilmung:
Der routinierte Kriminalfilm-Regisseur Jürgen Roland steht für eine zweiteilige TV-Schwarzweißproduktion aus dem Jahre 1965 verantwortlich, die insgesamt knapp 2,5 Stunden dauert und sehr stark an den Roman von J.H. Chase angelehnt ist. Dessen Schaffen zeichnet die böse Welt meist als großes Haifischbecken, in dem nicht unbedingt die Brutalsten und Rücksichtslosesten, aber doch auf jeden Fall die Abgebrühtesten mit sparsam dosierter Moral überleben können. Ist demgegenüber schon der Vorlagestoff der Verfilmung nicht ganz so pessimistisch angelegt, so hat diese den Schwerpunkt eindeutig noch mehr auf eine gewisse humoristische Grundhaltung gelegt. Für die Besetzung der Rollen hat man einiges an Geschütz aufgefahren. Die Hauptrolle des Detektivs Vic Malloy wird von Hans Lothar als schnodderiger, gewitzter aber trotzdem manchmal fast schon unbeholfen agierender Bursche präsentiert. Sein Partner Paul Kerman (Helmut Förnbacher) ist vorrangig an weiblichen Rundungen interessiert, was durchaus auch auf die Buchfigur zutrifft. Die taffe und immer mal lustige Paula Bensinger wird gespielt von Hanne Wieder. Ansonsten erwähnenswert noch Heinz Engelmann als Inspector Brandon (was einer regelrechten Degradierung zur Romanfigur gleichkommt); Renate Ewert spielt die verführerische und unberechenbare Maureen Crosby. Wallace-Veteran Harry Wüstenhagen ist hier eher ungewohnt als rauher Boxprofi Finnegan zu sehen. Hela Gruel hat den Part der pflaumenessenden und gewissenlosen Mrs. Salzer abbekommen. Auch die andern Darsteller machen ihre Sache gut. Im Film zieht Universal Services gerade in seine neuen Räumlichkeiten im Hochhaus ein, als man den schicksalhaften Brief wiederfindet, der alles ins Rollen bringt. Das Geschehen folgt dem Buch im Großen und Ganzen recht getreu, wenngleich es hin und wieder ein paar Abweichungen gibt, die zum Ende hin größer werden. Manches ist sicher mit dem Zeitgeschmack zu erklären, anderes schlichtweg mit begrenzten finanziellen Mitteln. Es treten weniger Personen auf als in der Vorlage, manche Handlungen mehrerer Charaktere wurden auf wenige konzentriert, einiges wurde weggelassen. Für eine gemütliche Mini-Fernsehserie der mittleren Sechzigerjahre konnte es natürlich keine bestechlichen und brutalen Cops geben, die Sache verliert sich hier in ein paar vagen Andeutungen. Folterungen und blutige Tötungen hat man lieber auch gleich ganz weggelassen. Ein brennendes Casinoschiff hätte das Budget wohl zu sehr belastet, und zu drastische Schießereien wären damals wohl nicht angemessen gewesen. Erwähnenswert ist die gute Krimimusik zur dramatischen Untermalung sowie auch die geschickt eingeschnittenen Szenen, die wohl tatsächlich im sonnigen Kalifornien gedreht worden sind, wenngleich es hier nur um fahrende Autos und ähnliche Dinge geht. Ob ich der Handlung ohne Kenntnis des Buches hätte folgen können, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber spannend und witzig sind die Erlebnisse des Hans Lothar und seiner Kumpel bei diesem leider wohl in Vergessenheit geratenem Zweiteiler der guten alten Zeit auf jeden Fall.
Tote sind einsam - You're Lonely when You're Dead (1949)
Vic Malloy und seine Kollegen von Universal Service sind in einem heiklen Fall tätig. Zuerst soll Malloy die junge Ehefrau Anita des vermögenden Industriellen Cerf beschatten. Stiehlt sie aus krankhaftem Trieb oder steckt anderes dahinter? Die Mitarbeiterin Dana Lewis übernimmt den Auftrag und wird wenig später ermordet. Anita Cerfs Brillantenhalsband wird in ihrer Wohnung gefunden. Dabei bleibt es nicht, je mehr Malloy tiefer in die Sache einsteigt, desto schlimmer wird es. Cerf hat eine verbitterte Tochter, die im Rollstuhl sitzt. Steht die in einer Beziehung zu dem Torwächter Caesar Mills, einem handgreiflichen Schönling ? Nicht nur die schöne Anita Cerf kreuzt in Malloys Bungalow auf, sondern auch die nicht weniger attraktive Gail Bolus, ehemalige Geliebte von Mills. Eine Frau mit vielen Geheimnissen. Malloy und seine Mitarbeiter stoßen auf einen Fernglas-Voyeur, einen Frauenheld, einen Kunstschützen, einen Berufsgangster, einen Schmuddelfotografen, einen Showmaster und auf viele weitere Personen, die meisten in der Halbwelt ansässig oder darunter. Es gibt weitere Morde, der feindselige Polizeichef Brandon will von Malloy Einzelheiten über seinen Auftrag erfahren, doch der ist an seine Verschwiegenheitsklausel gebunden, die er seinen Klienten garantiert. Das macht die Sache nicht grade leichter für ihn. Am Ende steht er alleine einem gefährlichen Mehrfachmörder gegenüber, die Chancen stehen schlecht, doch trotzdem ist das Glück auf seiner Seite.
Auf ca. 200 Seiten erlebt das Unternehmen von Viktor Malloy und seinen Mitstreitern allerlei Aufregungen, immerhin zwei von ihnen überleben den Fall nicht. Das stachelt die anderen, besonders Paula Bensinger und Jack Kerman, zu besonderem Einsatz an. Malloy hat bei diesem ersten niedergeschriebenen Abenteuer noch nicht mal eine eigene Waffe, er verlässt sich lieber auf seine Fäuste. Tatsächlich teilt er ganz schön aus, muss aber auch nicht zu knapp einstecken. Er überlebt die letzte Zeit des Falles nur durch den konstanten Genuss einer Mischung von Whisky und Aspirin in erheblichen Mengen, um notorischen Schlafmangel und eine vermutete Gehirnerschütterung auszugleichen. Immer tiefer verstrickt er sich in eine dunkle Affäre, wobei es auch bei ihm um Kopf und Kragen geht. Nicht nur ist ein mysteriöser Killer mit einer Fünfundvierziger unterwegs, auch die Polizei würde den missliebigen Detektiv gerne endgültig aus dem Verkehr ziehen. Der Unbeugsame deckt allerlei Beziehungen auf, die auch in die Vergangenheit zurückreichen. Wie immer, so ist es auch diesmal ein Wust von unschönen Gefühlen, maßlose Gier, Hass und unerfüllte Sehnsucht nach Liebe, die alle Protagonisten, reich oder arm, diesseits oder jenseits des Gesetzes, antreiben. Es ist eine harte, einfallsreiche Story, bei der man sicher wieder manches Klischee bemängeln könnte, besonders Chase' etwas einseitiges Frauenbild. Ebenso wie das arg zurechtkonstruierte Ende der Geschichte, das den Helden auch diesmal wieder gegen alle Wahrscheinlichkeit lebend aus allem hervortreten lässt. Trotz allem, ein guter lesenswerter und dichter Krimi.
Dame mit beschränkter Haftung - Hit and Run (1958)
Chester Scott arbeitet seit zwei Jahren in der gutgehenden Werbeagentur von Roger Aitken in Kalifornien. Er ist ein harter Arbeiter und im Begriff, die Karriereleiter ganz weit nach oben zu erklimmen. Sein Chef hat sich ein Bein gebrochen und lädt seinen fleißigen Angestellten zu sich nach Hause ein, wo er ihm die Möglichkeit offeriert, Teilhaber und Leiter seiner geplanten Zweigstelle in New York zu werden. Eine gewaltige Chance für Chester, doch auf dem Heimweg läuft ihm das erste Mal die schöne junge Frau seines Chefs, Lucille, über den Weg… Das Schicksal nimmt seinen Lauf, die verführerische Person lässt sich von dem seiner Leidenschaft verfallenen Angestellten heimlichen Fahrunterricht geben und macht ihm jede Menge Hoffnungen, doch eines Tages kommt es zum Streit und sie braust mit Scotts Auto alleine davon. Wenig später ist der Wagen zerbeult, Lucille muss gestehen, einen Unfall gehabt zu haben. Aber es wird schlimmer und schlimmer, das Unfallopfer ist tot und war zudem noch Polizist ! Chester verspricht seiner Angebeteten, sie aus allem herauszuhalten. Bald kommt es zu seltsamen Vorfällen in seiner Umgebung, und ein Erpresser meldet sich. Chester kommen immer mehr Zweifel an Lucilles Version der Geschichte. Er taucht ab zum Bodensatz der Stadt, trifft sich mit der Geliebten des getöteten Polizisten und hat bald eine Leiche am Hals. Bei der soll es nicht bleiben, der unfreiwillige Held verwickelt sich immer tiefer in eine dunkle Affäre. Am Ende hängt sein eigenes Leben am seidenen Faden, denn entweder wird er als Mörder verurteilt oder ein Mann im Hintergrund versucht ihn komplett von der Bildfläche verschwinden zu lassen…
Der Roman ist mit ca. 120 Seiten einer der kürzeren Sorte. Aus der Sicht des Protagonisten erzählt, entwickelt die Geschichte nach einem romantischen Vorgeplänkel bald eine immer bedrohlicher werdende Dynamik. Wie eigentlich stets bei Chase, kommt das Opfer in den Fängen einer begehrenswerten Frau gar nicht richtig „zum Zuge“, dafür geht es ihm umso mehr an den Kragen. Die schöne Lucille entpuppt sich immer mehr als intrigante Lügnerin, aber sie muss noch jemanden hinter sich haben. Ist es der Bursche namens Oscar, ein übler Erpresser, der sich an Scott heranmacht ? Währenddessen zieht die Polizei ihr Netz immer mehr zusammen, obwohl es Chester erst mal gut gelingt, den Überprüfungen zu entgehen. Er lernt Leutnant West kennen, eigentlich ein sympathischer Kerl. Dagegen war der überfahrene Polizeibeamte offenbar keine Zierde seiner Gilde. Und irgendwie gibt es da noch einen Gangster mit Namen Sam Galgano, eine berüchtigte Größe der Unterwelt. Nach den ersten Schocks bewahrt Chester seine Ruhe und forscht selber nach. Es gelingt dem Autor doch recht glaubhaft, die Beklemmung und Ernüchterung, aber auch zunehmende Wut des Unschuldigen in dieser bösen Angelegenheit darzustellen. Keiner scheint der zu sein, als der er sich ausgibt, und das Opfer der Machenschaften verstrickt sich heillos darin. Das erinnert vom Plot stark an eine Geschichte von Francis Durbridge, nur halt mehr amerikanisch. Es geht um Erpressung und Mord und einen Täter, der am Ende jedes Maß verliert. Der Schluss ist ein Schwachpunkt der Story, ein aufmerksamer Kollege ruft die Polizei an, der Freund und Helfer erscheint, und alles wird wieder so leidlich gut… Ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte.
An einem Freitag um halb Zwölf - The World in my Pocket (1959)
Vier Männer, mehr oder weniger Kleinkriminelle, sitzen an einem Spieltisch. Frank Morgan, mutmaßlicher Anführer und erfahrener „Knastologe“, stellt den anderen einen gewagten Plan vor. Die Lohngelder einer abgelegenen Forschungsstation in Kalifornien werden jeden Freitag im gepanzerten Spezialfahrzeug eines modernen Transportunternehmens transportiert. Eine Million Dollar – eine gewaltige Summe ! Diese soll vom Ganovenquartett geraubt werden. Die anderen sind der rücksichtslose und großmäulige Bleck, der junge zögernde Ex-Boxer Kitson sowie der ängstliche aber begabte Tresorknacker Gypo. Der Plan zum Überfall stammt von einer Außenseiterin, der jungen attraktiven Ginny, wobei vermutet wird, dass sie auch nicht die eigentliche Urheberin ist. Trotz vieler Bedenken einiger Teilnehmer nimmt man die Sache in Angriff, durch einen Raubzug in einem Nobellokal wird das Spesengeld beschafft, dann werden die nötigen technischen Vorbereitungen für den Tag X getroffen. Immer mehr kristallisieren sich die widerstrebenden Charaktereigenschaften der Mitglieder der Clique heraus, nur die Aussicht auf ein Fünftel der Beute für jeden und eine gewisse Führungsstärke Morgans hält alle zusammen. Dann ist es so weit, der Überfall beginnt, es ist halb zwölf auf einer einsamen Gebirgsstraße. Einiges geht schief, zwei Wachmänner sterben, aber auch unter den Gangstern gibt es ein erstes Opfer. Trotzdem wird der Plan weiterverfolgt, wobei es immer wieder Komplikationen gibt. Die kleine Gemeinschaft droht an inneren und äußeren Konflikten zu zerbrechen, zudem hat die Polizei die Spur aufgenommen, und ein kleiner Junge kann entscheidende Hinweise geben. Es geht einem verhängnisvollen Ende entgegen, der Traum vom großen Glück erweist sich letztlich als Alptraum ohne Wiederkehr.
Chase‘ recht bekanntes Werk ist wohl unter heist einzustufen. Vier unterschiedliche Männer, die letztlich durch eine attraktive und zu allem entschlossene Frau in ihr Schicksal gelenkt werden. Sie ist partner in crime und Objekt der Begierde, hat auch eine Vorgeschichte, wie der Leser am Ende erfährt. Der Plan zum Raubzug ist sehr verwegen, der abgebrühte Morgan hat einen kritischen Blick auf sein Team. Ginny ist äußerlich eiskalt, aber trotzdem mit Skrupeln behaftet, Kitson ist ein Neuling, der nur wegen der Frau mitmacht, Gypo nervlich kaum belastbar, und auch der brutale Bleck verliert im entscheidenden Moment die Kontrolle über sich… Im Grunde wäre der Coup mit einem stabileren Mitarbeiterstab vielleicht durchführbar gewesen, doch hier sind die Charaktere zu gegensätzlich. Eigentlich haben die Räuber keine reale Chance, und manche wissen das auch. Morgan und Bleck sind abgebrühte Kriminelle, die den Schritt zum Mord zu gehen bereit sind, doch die anderen hätten unter anderen Umständen vielleicht nützlichere Mitglieder der Menschheit werden können. Offene Gesellschaftskritik mag dem Autoren fern gewesen sein, doch auch hier ist es wieder wie oft die Gier nach Geld mit der Hoffnung, dann alle Probleme los und jemand Wichtiges zu sein, die die Protagonisten antreibt. Ausbrechen aus Armut und Hoffnungslosigkeit mit dem Ziel, „die Welt in der Tasche“ zu haben. Chase beschreibt nüchtern die Gefühle und Sehnsüchte der Beteiligten, ohne in Kitsch abzugleiten. Der Geldraub geht erst mal gut vonstatten, obwohl es kaltblütig eingeplante Opfer gibt. Ein umgebauter Wohnanhänger spielt eine große Rolle, mit dem dann auch die Flucht vor der Polizei einigermaßen glückt. Immer mehr geht schief. Aufregend bis zum Schluss bleibt es, man bangt schon fast mit dem Pärchen mit, das sich da herausgebildet hat, doch für sie alle scheint es schon zu spät zu sein… Ein spannender Roman ohne viel Schnörkel ist der Titel auf jeden Fall.
In der deutschen Verfilmung von 1961 hat man sich sehr stark an den Handlungsablauf des Buches gehalten. Was man als sehr positiv erachten kann. Die Auswahl der Akteure vor der Kamera spiegelt dieses Bemühen auch wider. An Nadja Tiller als nach außen hin abgebrühte Ganovin mit immer mehr in den Vorschein tretenden menschlichen, weiblichen, Schwächen kann man nichts aussetzen. Ihr Schicksal als deutsches Vertriebenenkind des Weltkrieges ist glaubhaft hinzugefügt worden. Der eigentliche Boss des Unternehmens Frank Morgan wird durch den amerikanischen Schauspieler Rod Steiger souverän dargestellt. Ihm nimmt man den erfahrenen schweren Jungen sofort ab. Kitson, der geschlagene Boxer, der die hübsche Ginny anbetet, ist eine Rolle für Jan Bannon, einem schottischen und recht vielbeschäftigten, aber eher wenig bekannten Schauspieler. Irgendwie sieht der genauso aus, wie er im Roman beschrieben wird. Er bleibt aber im Film etwas blass, sicher auch durch dramaturgische Änderungen im Handlungsablauf, in der literarischen Vorlage hat er schon eine sehr präsente Rolle. Jean Servais spielt Gypo, im Buch ein fetter und nervöser Italiener mit Schlangenphobie, der für den jungen Kitson freundschaftlich-väterliche Gefühle entwickelt, überhaupt gutmütig aber sehr nervös ist, das schwächste Glied in der Kette. Weder körperlich noch charakterlich wird er im Film so extrem dargestellt. Dagegen stellt Peter van Eyck für den großspurigen und skrupellosen Bleck eine fast schon ideale Verkörperung dar. Im Buch ein wahrlich widerwärtiger Unsympath, der den schwächeren Gypo gerne schikaniert, der gutaussehenden Ginny ständig an die Wäsche will, im Dauerclinch (auch körperlich) mit seinem Kontrahenten Kitson liegt und selbst von dem ihm eher gewogenen Morgan zunehmend kritischer gesehen wird. Im Film kommt er noch einiges positiver rüber, etwa wenn er dem durch den Schlangenbiss sterbenden Gypo helfen will, was er im Buch nicht tut und statt dessen auf den mitleidigen Kitson losgeht. Ausstattungstechnisch wird in Bewertungen immer gerne das „Panzerfahrzeug“ kritisiert, dem man den Holzaufbau (oder welches Material da sonst verwendet wurde) so deutlich ansieht. Tja, ist nun mal kein gelacktes Hollywoodprodukt, der Spezialwagen ist ansonsten im Prinzip so ausgeführt wie im Buch. Ein kleines Fahrzeug, bei dem nicht unbedingt die Fahrerkabine hermetisch geschlossen ist, allerdings der Aufbewahrungsraum für das Transportgut stark gepanzert wurde. Ich finde, gar nicht schlecht gemacht. Im Grunde gibt es zwei wesentliche filmische Änderungen zum Geschriebenen. Einmal wurde die Handlung von USA nach Südfrankreich verlegt, was dem Ganzen aber eher zugute kommt und keine Auswirkungen auf den Handlungsfaden hat. Vielleicht wurden dramaturgisch die Lohngelder für den US-Stützpunkt deswegen als Anklang an das Buch eingefügt. Ein wesentlicher Bruch ist eher eine Abweichung personeller Struktur. Der amerikanische Gaststar Rod Steiger sollte wohl bis zum Schluss eingesetzt werden. Deswegen ist es nicht Frank Morgan, der in der Mitte des Filmes sein übles Verbrecherleben aushaucht, sondern der offenbar eher verzichtbare Kitson. Das hat schon Auswirkungen. Der Buch-Leser fragt sich bei der Lektüre, ob der souveränere Morgan die ganze Bande vielleicht noch besser im Zaum gehalten hätte und das Projekt doch geglückt wäre. So brachen die Antipathien zwischen Kitson und Bleck ungebremst aus, und der langsam durchdrehende Gypo hatte gar kein Regulativ mehr. Im Film fällt das dann flach. Ginny muss zur Tarnung mit dem ihr abscheulichen Bleck poussieren und ein Hochzeitspaar vorspielen. Dieser Part geht eigentlich und glaubwürdiger an Kitson, wobei sich da sogar eine kleine Romanze zu entspinnen anfängt. Nicht zuckerig-süß, sondern glaubwürdig, beide könnten sich sogar eine gemeinsame Zukunft ohne Millionen vorstellen. Das gibt dem Un-Happy-End dann sogar eine aussöhnende Note, denn wer weiß schon, welche Welten es sonst noch gibt? Sicher lässt sich aber feststellen, dass es sich um eine richtig gute und gelungene Adaption eines Krimis von Hadley Chase handelt.
Der letzte Krimi von Chase vor seinem Tod. Es geht um Dirk Wallace, der mit seinem Kumpel Bill Anderson bei der florierenden Detektei Acme arbeitet. Sie sollen herausbekommen, ob jemand die geistig zurückgebliebene Tochter Angela der steinreichen verwitweten Mrs. Thorsen erpresst. Bald schon treffen sie auf die üblichen Mysterien. Angela ist gar nicht so andersartig wie von ihrer Mutter behauptet und hat einige seltsame Freunde. Der farbige Butler der Thorsens, Mr. Smedley, ist von seiner Frau getrennt und säuft. Sein hünenhafter Sohn und ehemaliger Gärtner im Thorsen-Haushalt Hank betreibt einen Club im weniger vornehmen Teil der Stadt, in welchem rassistischerweise Weiße keinen Zutritt haben. Trotzdem begibt sich Wallace regelmäßig dorthin, macht im zweifelhaften Etablissement eine Menge Stunk und sprengt es gelegentlich in die Luft… Denn es hat sich einiges ereignet. Der verstoßene Sohn der Thorsens sollte einen großen Batzen Geld erben, seine Schwester Angela (die regelmäßig eine Menge Dollars zu Hank bringt) schleppt einen Typen an, der gar nicht der Bruder Terry ist. Dirk Wallace macht sich unbeliebt, und auf seine Lebensabschnittsgefährtin wird ein grausamer Anschlag verübt. Zusammen mit seinem Partner Bill kündigt Dirk seinen Job und zieht einen Racheplan durch. Neben einer Menge Schmiergeld kommt auch mal ein Schneidbrenner zum Einsatz, um verstockte Zungen zu lockern. Und auch mal eine Bombe. Besonders wichtig sind auch immer wieder die Hinweise von Spitzeln, besonders eines verfressenen Originals am Hafen. Neben Hank und der verlotterten Millionärstochter trifft der Held des Stückes bald auch auf einen Widerling namens Minsky, einem Protege des Mafiavertreters vor Ort, Walinski. Der letztere warnt ihn vor weiterem Vorgehen, doch Wallace will seine Rache. Walinskis superattraktive Sekretärin spielt offenbar auch ihr eigenes Spiel und plant mit Wallace zusammen ein Finale, das beide befriedigen soll, denn auch sie ist von unschönen Rachgedanken besessen. So geht denn alles auf ein notwendiges Ende zu, die Gerechtigkeit wird so gut wie möglich wieder hergestellt, nebenher werden auch die Familiengeheimnisse der Thorsens aufgeklärt.
Die ganze Geschichte ist zugegebenermaßen nicht so spannend, dass sie den Leser unbedingt an der Stange hält. Zumal sie bald in eine Racheaktion des Detektiv-Helden abdriftet. Reiche Leute haben eine Menge Dreck am Stecken und chaotische Familienverhältnisse, das weiß man jetzt wieder mal. Irgendwie wirkt alles wie zum x-ten Male aufgewärmt, daran kann auch der plötzliche Schwenk zur Mafia und ihren „ehrenwerten“ Geschäften nichts ändern. Das Essen spielt diesmal eine große Rolle, Zeit für das Verspeisen von endlosen Menüs scheint immer zu sein. Und die Frauen sind wieder mal gefährlich und durchtrieben bis sonst wohin – oder eben arme Opfer. Nein, Chase‘ literarische Endvorstellung muss man definitiv nicht unbedingt gelesen haben.
John Barrats Ratten - Figure It Out for Yourself (1950)
Der Auftrag, die verlotterte Tochter eines Millionärs nach Hause zurückzubringen, endet für Vic Malloy fast mit einem Stich in den Bauch. Gerettet wird er von einem gewissen Nick Perelli, kein Tugendbold, aber sympathisch. Bald schon kann sich Malloy revanchieren, denn Perelli wird aufgrund untergeschobener „Beweise“ verdächtigt, den Ehemann Dedrick der superreichen Serena Marshland entführt zu haben, wobei der Chauffeur Souki erschossen wurde. Vic ist in den Fall involviert, Dedrick hatte ihn kurz vorher telefonisch noch um Hilfe gebeten. Er übergibt zusammen mit Serena das Lösegeld, doch der Entführte bleibt verschwunden. Vic stellt auf eigene Rechnung Nachforschungen an und trifft bald auf eine Zeugin, die allerdings prompt ermordet wird. Allerlei Gestalten kreuzen seinen Weg, ein schadenfroher Schwiegervater, ein bestechlicher Hausdetektiv, ein gewitzter Anwalt, leichte Mädchen, geheimnisvolle schießwütige Ladies, etliche Rauschgiftschmuggler, ein Unbekannter mit weißem Filzhut und vor allem John Barrat. Das ist eine besonders fiese Type, verderbt, rachsüchtig und sadistisch. Weitere Zeugen sterben, auch Malloy muss sich schlagkräftig seiner Haut erwehren. Sein Versuch, zusammen mit dem befreundeten Polizisten Mifflin eine Falle zu stellen, geht schief, und plötzlich findet er sich alleine und gefesselt im Gängelabyrinth eines verlassenen Bergwerkes wieder… Gänsehaut pur, denn es geht nochmal richtig heftig zur Sache. Nach vielen überstandenen Gefahren kann der Detektiv noch eine überraschende Aufklärung geben, und schon ist die Affäre abgeschlossen.
Der zweite Fall von Universal Service beinhaltet auf ca. 170 Seiten eine mitreißende Story, die anfangs im üblichen Gleis verläuft. Überraschende Wendungen, hübsche Damen und natürlich eine Anzahl von Leichen gibt es da, auch wendet sich Malloys Auftraggeberin plötzlich gegen ihn. Der Polizeichef und die meisten „Bullen“ sind gehässig und kontraproduktiv. Für Informationsbeschaffung gibt der Ermittler eine Menge Cash aus, denn die Welt ist gierig. Doch Perelli droht die Todesstrafe. Malloys Mitarbeiter Kerman wird sogar nach Paris geschickt (was sich aber als Flop erweist). Dafür arbeiten Vic und Sekretärin Paula sehr eng zusammen, wobei sie sich hier in der zweiten Hälfte gegenseitig das Leben retten und doch so nahe kommen wie sonst nie in der ganzen Reihe. Die letzten siebzig Seiten haben es in sich, denn mit der Verlagerung des Geschehens in das aufgegebene Bergwerk kommen regelrechte Fantasy-Elemente oder bessergesagt handfester Horror ins Spiel. Die Dunkelheit birgt ein schauriges Geheimnis. Was ist Barrats bösartige Rachevorstellung? Man verfolgt atemlos die Suche von Vic und der helfenden Paula nach einem Ausgang aus der Mine, verfolgt von Heerscharen menschenfressender Riesenratten… Ein Rauschgiftlager wird gefunden, und dann geraten sie auch noch in den Konflikt zweier verfeindeter Banden mit wilden Schießereien und anstrengenden Hetzjagden. Die Oberverbrecher erleiden ein grausiges, fast biblisches Ende. Malloy muss aber noch zurück ins Haus der Marshlands, hier werden einige Identitäten neu benannt und ein kaltblütiger Mörder entlarvt, irgendwie bleibt die Logik ein wenig auf der Strecke, doch der Leser hat einige vergnügliche Schmökerstunden gehabt. Darauf einen guten Whisky.
Unter den Fans von Hadley Chase scheinen sich die drei Detektiv-Abenteuer der Viktor-Malloy-Reihe eines gewissen Kultstatus‘ zu erfreuen. Zu Recht, wie ich finde. Der erste Band Tote sind einsam erzählt noch eine recht konventionelle Hardboiled-Story mit viel Prügelei, Mordopfern und auch einem gewissen dezenteren Action-Anteil, besonders am Ende. Mit John Barrats Ratten erweitert sich das ähnlich gelagerte Strickmuster durch eine gut beschriebene Grusel-Episode, ebenso ist der Actionfaktor einiges erhöht. Den Abschluss bildet Die Katze im Sack, wobei es neben den zahlreichen Verstrickungen auch durchgängig jede Menge Knallerei, Tod und Zerstörung gibt, fast schon parodistisch versammelt. Eigen ist allen Geschichten die bildhafte, saloppe Sprache, die Unmenge an Nikotin und Alkohol, natürlich auch die umwerfend schönen und gefährlichen Frauen, die stets mit irgendwelchen Hintergedanken im Privatbungalow des Helden auftauchen und ihn in noch ärgere Bedrängnis bringen. Und sicher kann man sein, dass alle Zeugen, die mit Malloy Kontakt hatten, besser vorher noch ihr Testament gemacht haben sollten. Und die Reichen haben stets zerrüttete Verhältnisse zuhause und jede Menge Leichen im Keller und sonstwo. Usw. usw. Aber letztlich sind es sehr unterhaltsame Fiktionen, die sich der Vielschreiber da ersonnen hat. Ich würde da eine klare Empfehlung für die Krimilesefreunde geben.
Chad Winters, ein gutaussehender Bankangestellter Anfang Dreißig, ist ein notorischer Weiberheld und in großen Geldnöten. Der charakterschwache Taugenichts soll nun wegen Faulheit auch seinen ungeliebten Job verlieren, doch als letzte Chance wird ihm die Betreuung des sehr großen Vermögens der Erbin Vestal Shelley übertragen. Die junge launische und tyrannische Frau ist der Schrecken der ganzen Bank. Winters gelingt es, die zwar sehr reiche, aber auch einsame unattraktive Vestal mit seinen halbseidenen Vorschlägen und seinem skrupellosen Charme zu beeindrucken. Sie verliebt sich in ihn, der doch nur Verachtung für sie spürt. Auf Anraten einer Geliebten heiratet Chad die glückliche Millionenerbin. Er versucht jetzt, Einfluss auf ihr Vermögen zu bekommen, doch dann fallen ihm die versteckten, aber reichlichen Reize der Sekretärin Eve Dolan ins Auge – das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Die gar nicht so unscheinbare Eve will die heimlichen Treffen beenden, denn Vestal ist misstrauisch und eifersüchtig. Irgendwann und irgendwie reift in Chad, wie er glaubt, der Gedanke, seine verhasste Frau zu beseitigen und den Großteil ihrer 70 Millionen zu erben, wie es nach Eves Aussage im Testament stehen soll. Ein komplizierter Plan entsteht, der den beiden Verschwörern ein Alibi geben soll und bei dem ein Tonband eine große Rolle spielt. Eines Tages verunglückt Vestal mit dem Auto, während Chad und Eve augenscheinlich ein Diktat aufnehmen… Sergeant Leggit, ein alter Freund von Vestal, nimmt hartnäckig die Ermittlungen auf und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten. Wird er die Mörder überführen?
Der vorliegende Roman ist im Grunde keine erbauliche Lektüre, denn es fehlt grundlegend an einer Person, mit der der Leser Sympathien hegen könnte. Der Ich-Erzähler Chad ist ein sehr von sich eingenommener und beschränkter Widerling, trotz seines herrischen Getöses von Frauen über Sex leicht zu steuern, andererseits selbst auch sehr manipulativ. Vestal in ihrer naiven Verliebtheit könnte einem fast leid tun, aber sie ist zu abhängigen Menschen oft ebenfalls eine sehr unangenehme Person. Der dritte Teil der unglückseligen Beziehung ist Eve, die sich von der scheinbar verschüchterten grauen Maus immer mehr zur kalt berechnenden femme fatale entwickelt. Auch sie ist hoffnungslos in einen jungen hübschen Mann namens Larry verliebt, den sie mit viel Geld wieder an sich binden will. Allen der Beteiligten ist die maßlose Gier nach Liebe und nach Geld (letztlich zur Erreichung dieses Ziels) gemein, scheinbar eine Ansammlung von Psychopathen. Man hat beim Lesen stets die Vorstellung von etwas widerwärtig Schmierigem. Einzig der harte Cop Sam Leggit wirkt menschlich, seine Freundschaft zur ungleichen Vestal Shelley wahr wohl zutiefst ehrlich gewesen. Und Glorie, die einfältig-bauernschlaue Freundin von Chad, wird wieder seine Nemesis, denn sie zerstört unbewusst sein Alibi… Immer mehr wird Winters in die Enge getrieben, doch er ist ein verschlagener Hund, der nicht so schnell aufgibt, wieder soll ihm hauptsächlich ein Tonband zu einem neuen Alibi zur Flucht verhelfen, aber wird er es schaffen?
Die Story wurde 1957 von Henri Verneuil als Verfilmung in die Kinos gebracht, hierzulande unter anderem unter dem Titel Im Rausch der Sinne. Handlungsort ist nun Frankreich. Den männlichen Helden mimte Henri Vidal, seine Ehefrau und Opfer in spe stellte Isa Miranda dar, und letztlich fiel die Rolle der intriganten Sekretärin Eve der bezaubernden Mylene Demongeot zu. Die Namen der Hauptfiguren waren großteils anders, aber auch in der Handlung gibt es kleinere und größere Abweichungen. Die millionenschwere Ehefrau ist kein häßliches junges Entlein, sondern eine gereifte Frau, wesentlich älter als ihr neu angetrauter Gatte. Sie hat ein streng gehütetes Familiengeheimnis, welches zum Ende an Bedeutung gewinnt. Ihre scheinbare Nebenbuhlerin Eve macht sich nicht wie im Roman absichtlich unscheinbar, sondern darf fortwährend ihre Reize ausspielen. Mylene Demongeot gibt der Figur durchaus etwas Intrigantes, aber nicht so Eiskaltes wie im Buch. Auch der männliche Übeltäter erscheint nicht ganz so grundfalsch wie sein literarischer Widerpart, alle wirken eher schicksalhaft getrieben. Und der Kriminalkommissar ist ein fröhlicher Franzose und nicht so ein harter Brocken wie der US-Polizist im Buch, der seinen Gegner unbedingt in die Todeszelle verfrachten will. Der Film baut den Spannungsbogen systematisch bis zum sorgfältig vorbereiteten Mord auf. Während Eve, die zweifelhafte Komplizin, die eingeladenen „Zeugen“ unterhält und sich um das getürkte Arbeitsgespräch im Nebenraum kümmert, muss Chad (im Film Philippe) seine Frau ermorden, wobei das Ganze wie ein Autounfall auf einer steilen Küstenstraße aussehen soll. Ihm unterlaufen kleine Fehler, im Buch sind es eine verlorene Radmutter und Sand im Schlauch, im Film klemmt er den Mantel ein und stürzt selbst fast in die Tiefe. Eine besonders verstörende Passage im Roman ist die versuchte Flucht des halbbetäubten Opfers aus dem Wagen, wobei der Mörder ihr verzweifelt folgt und sie grausam erschlägt. Dieser Teil ist in meiner Buchausgabe komplett weggekürzt, im Film nur sehr glattgebügelt vorhanden. Die beiden Schuldbeladenen geraten in Folge aneinander, der unerwartete Knockoutschlag (The sucker punch) lässt für den Mörder nicht lange auf sich warten, er ist nicht der einzige skrupellose Liebesheuchler, und ein klingelndes Telefon wird zum Verräter. Die Einführung eines verstoßenen Sohnes der Getöteten und gleichzeitig Haupterben ist ein neues Element im Film, eine zusätzliche Pointe, die die Glaubwürdigkeit der Geschichte nicht unbedingt erhöht. Aber letztlich läuft es aufs Gleiche hinaus. Am Ende liegen die beiden Täter gegenseitig erschossen auf dem Anwesen, mahnend baut sich im Hintergrund die mondäne Luxusvilla auf, ein Symbol materiellen Reichtums, Ursache allen Übels (?). Die literarische Vorlage kommt doch etwas abweichend und einiges finsterer daher, Chad Winters ist mittlerweile ein dreifacher von Rache und Angst getriebener Mörder, er versucht hinterhältig seine Flucht zu planen, wird aber sozusagen von einer höheren Instanz seiner Strafe zugeführt. Welche Variante nun besser ist, kann nur der Geschmack des einzelnen entscheiden, sehr noir sind beide Versionen.
Ein Sarg aus Hongkong - A Coffin from Hongkong (1962)
Der ziemlich heruntergekommene Privatdetektiv Nelson Ryan bekommt in seiner Heimatstadt Pasadena City in Kalifornien durchs Telefon von einem unbekannten Mandanten einen wenig geschätzten Auftrag zur Überwachung von dessen Ehefrau. Aber er braucht das Geld. Doch es war alles nur eine Finte, er findet später in seinem Büro eine ermordete Chinesin, und erschreckenderweise deuten die Indizien auch noch auf ihn als Täter hin. Leutnant Retnick von der Polizei ist ein unangenehmer Geselle, allerdings lässt er Ryan die Chance, seine Unschuld zu beweisen. Die Tote war die Schwiegertochter Jo-An des einflussreichen Millionärs Jefferson, dessen Sohn Herman kürzlich in Hongkong tödlich verunglückte und dessen Sarg sie gerade überführt hatte. Ryan soll in Jeffersons Auftrag die Hintergründe aufklären und reist deshalb nach einem überstandenen Mordversuch nach Hongkong. Er steigt in dem Hotel ab, in dem Jefferson Junior mit Frau gewohnt hatte, ein recht und schlecht getarntes Bordell, wo er auf die nette Leila trifft. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen ist die Gute unbekümmert redselig, was ihr gar nicht bekommen soll. Immer wieder kreuzt der Touristenführer Wong Nelsons Weg, und er trifft auf die Spur von Herman Jeffersons Freund Belling sowie auf das Geschwisterpaar Enford, die schöne Stella sowie deren undurchsichtigen Bruder Harry, die beide auf einem schönen Anwesen wohnen. Ryan wird bei einem Ausflug zu Stella unter Feuer genommen, eine Falle der Lady? Er kommt in weitere Gefahr, doch die Geschichte in Hongkong klärt sich schließlich auf, aber die endgültige Klärung der Affäre erfolgt dann wieder zuhause, wo er den Mörder des chinesischen Mädchens überführen und sich selber rehabilitieren kann.
Der einzige Roman mit dem Protagonisten Nelson Ryan zeigt einen Helden von eher Marlow-typischen Format, einsam, ärmlich und weit jenseits der Jugend. Seine sozialen Kontakte beschränken sich auf Plaudereien mit dem Chemiker vom Nachbarbüro oder dem chinesischen Koch um die Ecke, die Frauen laufen ihm, genau wie der Erfolg, auch nicht unbedingt hinterher. Er ist intelligent, mit eigener Moral, sarkastisch - besonders im Umgang mit dem schmierigen Polizisten Retnick -, und im Notfall auch schlagfertig mit den Fäusten. Der Auftrag des reichen Jefferson ist ein Glück für ihn und bietet ihm zuhause und auch in Hongkong eine gewisse Protektion. Doch er steht den Verhältnissen im Hause seines Klienten kritisch gegenüber, der verlorene Sohn entpuppt sich immer mehr als spezielles „Früchtchen“, und die bezaubernde Sekretärin Janet West hat wohl auch ihre dunklen Geheimnisse. Die Verlagerung des Geschehens nach Hongkong gibt Hadley Chase die Möglichkeit zu einer gelungenen Beschreibung dieser pulsierenden farbigen Stadt, wobei er die Schattenseiten nicht ausspart. Traurige Einwandererschicksale, Prostitution an jeder Ecke, Rauschgiftkriminalität, skrupellose Glücksritter und die stets im Hintergrund agierende Macht der alteingesessenen und unbarmherzigen Mafiabanden. Es gelingt ihm, die schmutzigen und verwickelten Machenschaften des vielleicht nicht ganz so toten Jefferson-Sprösslings und seiner Komplizen aufzudecken, wobei ihm auch die örtliche Polizei aus der Klemme helfen muss. Der Schlussteil des Buches lässt ihn durch einen sehr unwahrscheinlichen Zufall auch noch den unbekannten Mörder von Jeffersons Schwiegertochter in Pasadena enttarnen, obwohl ihn der geneigte Leser schon die ganze Zeit über am liebsten geradezu mit der Nase draufstoßen möchte. Dieser Patzer stört vielleicht ein wenig in einer sonst sehr gelungenen Story.
Nur wenige Zeit nach dem Erscheinen des Kriminalromans entschied man sich in Deutschland im Zuge der damals populären Krimi-Agenten-Abenteuer- Welle für eine Verfilmung. Im Jahre 1964 spielte der stets elegante Heinz Drache die Hauptfigur. Er erinnert in seiner Person kaum an den müden und am Existenzminimum herumschrammenden Nelson Ryan der literarischen Vorlage. Sein erfundener Buddy-Kumpel und Angestellter Bob Tooley alias Ralf Wolter ist eine gutgemeinte Version der damals unvermeidlichen Humorzugabe, obwohl er handlungstechnisch kaum irgendeinen größeren Gewinn darstellt. Die Handlung wurde als Ausgangsbasis nach London verlegt, was irgendwie sogar besser passt, vielleicht wegen Hongkongs damaligem Status als britische Kronkolonie. Man folgt dem Roman lange Zeit in der Gestaltung des Drehbuchs recht nahe. Ein Bösewicht hinter einer Maske oder eine heimtückische Ertränkungskammer sind da gewisse Variationen des damaligen Zeitgeschmackes. Ebenso die Vermeidung allzu deutlicher erotischer Anspielungen oder die Rettung des Detektivs aus höchster Not durch einen kleinen dankbaren Jungen. Letzteres ist großer Blödsinn, wenn man es mal genau nimmt. Die meisten Personen aus dem Buch tauchen auch im Film auf, manchmal unter anderem Namen. Zu der schönen Stella hat Ryan ein besonderes Verhältnis, sie landen letztlich im Bett und er hilft ihr für eine weitere Existenz mit eigenem Geld weiter. Das bleibt filmisch eher vage und oberflächlich, ist alles nicht so düster gehalten. Die Produzenten haben sich entschieden, das Finale in Hongkong anzusiedeln, als gröbere Änderung. Das führt dazu, dass nicht nur der „Sarg aus Hongkong“ immer nur im Off besprochen wird, sondern auch die Aufklärung des Mordes in Ryans Londoner Büro so ganz nebenbei abgehandelt wird und fast untergeht. Das verhindert für den Zuschauer leider einen erneuten Auftritt der blonden Sabina Sesselmann in ihrer Rolle als nicht unverdächtige Sekretärin des alten Jefferson vor sowie eine stimmigere Erklärung der gesamten Angelegenheit. Irgendwie ein beträchtlicher Schnitzer. Man hat hier lieber auf eine brennende Dschunke gesetzt und Schurken, die sich am Ende gegenseitig abmurksen, eben mehr Action und die Exotik des fernöstlichen Schauplatzes in den Vordergrund gerückt. Trotz guter Ansätze bleibt es eher ein Durchschnittskrimi.
Die atemberaubend schöne rothaarige Lorelli trifft den brutalen, durch eine Kriegsverletzung entstellten Gangster Crantor in London, wo sie ihm Anweisungen ihres gemeinsamen Bosses, der sogenannten „Schildkröte“ gibt. Derweil begegnet der Globetrotter Don Micklem zusammen mit Chauffeur und Assistenten Harry Mason der befreundeten Mrs. Ferenci, die ihnen von der bizarren Drohung der Schildkröte gegen ihren Ehemann Guido berichtet. Der denkt nicht daran, Erpressungsgeld zu zahlen, und wird prompt in seinem Hause von dem Messerwerfer Shapiro umgebracht, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Nun will Micklem die Mörder zur Rechenschaft ziehen, eine Hatz mit Inspektor Dickes durch die Unterwelt beginnt, doch der Auftragskiller wird „rechtzeitig“ ebenfalls umgebracht. Ebenso seine Freundin, zu der Don schon Kontakt aufgenommen hatte. Offenbar muss es bei dem Verbrechersyndikat Verbindungen nach Italien geben, da bei Opfern und auch Tätern ein starker Bezug auf dieses Land vorliegt. Micklems Sekretärin (und wohl auch mehr) Marian kann einen Hinweis auf Siena geben, wohin die Handlung nun auch verlegt wird. Don schleicht sich in die Villa des mysteriösen Asconi ein und wird dort festgesetzt. Hier ist das Hauptquartier der weltweit tätigen Organisation, voller Geheimkammern und unterirdischer Gänge. Die Komplizen der Schildkröte sind etwa der hünenhafte Schwarze Carlos, der durchtriebene Felix, der teuflische Dr. Englemann und andere Lakaien des Oberhauptes, die sich gegenseitig misstrauen und Intrigen spinnen. Im dramatischen Finale wird es für alle recht eng, denn der Boss will reinen Tisch machen, aber es geht natürlich alles nochmal gut aus.
Eine eher ungewöhnliche Geschichte für Chase. Kein Ich-Erzähler, sondern verschiedene Personen und Handlungsebenen, mit eigenen Gedanken. Die Mischung ist eigenartig, harte Gangster-Klischees, einige Agenten-Zutaten und Handlung im regnerischen England und sonnigen Italien. Es gibt vieles, was sogar an Wallace erinnert: eine seltsame Erpresserorganisation, die eigentlich harmlose Schildkröten als Drohung zumeist an Italiener verschickt. Die darauf fußende Spur nach Siena ist ziemlich zurechtfabriziert, irgendwie auch wallace-ähnlich, ebenso natürlich das burgartige Anwesen des Obergangsters mit der ausgiebig genutzten Möglichkeit, alle seine Feinde im Keller zu ertränken. Haben da Vierte Plage, Grüner Bogenschütze usw. Pate gestanden? Bei einem der ersten Cromwell-Romane von Victor Gunn gab es übrigens auch einen Messerwerfer als Auftragsmörder, der schließlich selbst umgebracht wurde. Alsconi, die Schildkröte, ist ein rücksichtsloser Bursche. Die anderen Typen sind auch nicht ohne, freilich sehr klischeebehaftet, aber voller interessanter Intrigen, da sie am Ende alle selber ihr Schäfchen ins Trockene bringen wollen. Es gelingt dem Autoren gut, durch das Verwirrspiel in den Gewölben der Verbrecherfestung die Spannung zu halten und durch die Flutung der Anlagen nochmal die Schraube gehörig anzudrehen. Lorelli, die nach außen Eiskalte und von allen Begehrte, ist die heimliche Verbündete des privat ermittelnden Micklems, doch eine Liebesgeschichte gibt es bei ihnen wohl kaum, der Don mag seine brave Sekretärin wohl doch lieber. Das Ende der Mär kommt einigermaßen abrupt. Der Roman ist sicher kein Meisterwerk, aus verschiedenen Blickwinkeln jedoch recht interessant.
Im Jahre 1964 wurde der Stoff unter dem Titel Wartezimmer zum Jenseits von Alfred Vohrer verfilmt. Möglicherweise wegen der oben aufgezeigten Wallace-Zutaten? Immerhin hat der Film ja aus irgendwelchen Gründen auf der Edgar-Wallace-Collection Platz gefunden. Es ist schon das zweite Abenteuer von Micklem, ein Jahr vorher hatte er eine Kalte-Kriegs-Agenten-Affäre bei einer Mission to Venice überstehen müssen, aber das ist wohl zu viel Politik fürs simple Unterhaltungskino gewesen, deswegen wurde wohl das Folgebuch favorisiert. Dabei lehnt sich die Fabel des Filmes stark an den Stoff des Romans an. Götz George ist ein strahlender Don Micklem ohne Fehl und Tadel, Hans Clarin als Freund Harry Mason mit piepsiger Stimme war bestimmt kein ehemaliger Kommandosoldat wie die Buchfigur. Klaus Kinski darf als Shapiro wieder mal einen Killer mimen und natürlich vorzeitig den Löffel abgeben. Hildegard Knef mit fast vierzig Jahren, hm, irgendwie eine Fehlbesetzung für die junge rothaarige superattraktive Lorelli der Vorlage. Aber dort ist sie auch nicht die Geliebte der "Schildkröte" Asconi, sondern die von Gehilfen Felix, dem karrieregeilen Schönling ohne Herz, den Pinkas Braun gar nicht so schlecht auf seine eigene Art spielt. Ansonsten sticht von den Helfern noch Carlos hervor, seine Rolle ist im Film zurückhaltender als im Roman, und Jan Hendriks ist auch kein "riesiger Neger", der allen anderen ständig Furcht einjagt. Carl Lange als Crantor, der entstellte Gangster, ist neben Götz George in seiner Heldenrolle wohl die authentischste Figur. Bleibt noch der Oberboss übrig. Alsconi, der komplett skrupellose Chef, der alle verrät, wenn es um die eigene Haut geht. Wie alle Sadisten sich selbst gegenüber eher wehleidig, wird er als korpulentes Kerlchen beschrieben, dass seine mehrere Kontinente umfassende Erpresserorganisation betreibt, um irgendwelche familiären Rachegedanken weiterzuspinnen, die auf eine jahrhundertealte Fehde in Siena zurückgehen. Der Filmbösewicht dagegen will seine Gefesseltheit an den Rollstuhl durch Rausch an der eigenen Macht kompensieren, und er hat seine Zentrale nach Triest verlegt. Aber Richard Münch kommt schon so richtig böse rüber. Am Beginn wird nicht Micklems guter Freund, sondern reicher Erbonkel abgemurkst, und die Handlung in London geht durchaus ihre eigenen Wege, wenngleich Shapiro als Messermann geblieben ist. In Italien folgt man dem Handlungsschema des Buches enger, das "Wartezimmer zum Jenseits" mit herabsenkbarer Decke ist eine geschickte Variation der Überflutungsanlage aus Chase' Phantasiewerkstatt. Die Dame fährt am Ende nach Crantors Unschädlichmachung von dannen, genau wie im Kriminalroman, und dann ist Schluss. Wenn einem der Film nicht so recht gefällt, so liegt das sicher auch daran, dass es eben kein Wallace ist, sondern ein eher abweichender Chase.