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Dieses Thema hat 76 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

15.07.2025 00:18
Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

oder: Der Humor in den Wallace-Filmen

Eine der letzten Diskussionen im Regisseure-Thread hat mich dann doch dazu verleitet, einmal einen genaueren Blick auf dieses Thema in den Filmen zu werfen. Da ich allerdings noch nicht weiß, wie oft und wie schnell ich dazu komme, mir einen Film vorzunehmen, ist das erst einmal mehr oder weniger eine lose Reihe, die höchstwahrscheinlich unregelmäßig ergänzt wird. Wäre ich Gubanov (schmerzlich vermisst!) hätte ich wahrscheinlich auch passendes Artwork dazu gemacht. Aber so muss es ohne gehen. Eine chronologische Besprechung erscheint mir bei diesem Unterfangen passend. Daher geht es los mit:

Der Frosch mit der Maske oder: Wie belieben?

Gleich diese Sichtung war schon eine kleine Überraschung. Trotz einer Herangehensweise, die ernsthafter ist als ich sie in Erinnerung hatte, und die mit nur sehr wenigen Entspannungsmomenten aufwartet, strahlt der Film doch eine gewisse Leichtigkeit aus. Das liegt zum einen natürlich an den gut aufgelegten Schauspielern, die in sämtlichen Rollen mit Elan und sehr präzise bei der Sache sind, zum anderen aber auch an den Rollen und dem Dialogbuch.

Schenkelklopfer und Slapstick sucht man vergeblich. Stattdessen erfolgt der Humor aus den Charakteren heraus, formt sie und macht sie greifbar. Das beginnt schon bei Lord und Lady Farnsworth, dem klassischen alten Ehepaar mit dominanter Gattin, die gleich zu Beginn des Films eine humorige Spitze gegen ihren Mann austeilt. Weiter geht es mit Inspektor Elk, der sowohl im Gespräch mit dem Ehepaar als auch später mit allen anderen Spielpartnern eine trockene Gemütsruhe zur Schau stellt und quasi als Running Gags einige prägnante Catchphrases bringen darf (schlechte Akustik, der sympathische Balder).

Die Einführung weiterer Figuren gelingt ebenso gut. Sei es Gordons Sonnyboyhumor in jugendlicher, leicht aufmüpfiger Prägung oder der kaltschnäuzige Oneliner des Frosches nach Genters Tod (eines Bondschurken würdig!). Selbst der gute Philo Johnson hat freundlich-humorvolle erste Zeilen zu bewältigen. Da ist die skurrile Reserviertheit des Butlers (auch er mit - später - Catchphrase) am Ende nur eine humorige Einfärbung unter vielen. Sicher bei der Figur des Butlers prägender als bei anderen Rollen, die noch einige weitere Facetten zeigen dürfen, aber letztendlich trägt Arent im Frosch die Komik und Entspannung nicht hauptsächlich und erst recht nicht alleine.

Die einzige Szene, die wirklich in hohem Maße auf Lacher ausgerichtet zu sein scheint, ist dann auch das herrlich absurde Theoretisieren während des Kampftrainings. Überhaupt hatte ich das Gefühl dass die Macher versucht haben, durch die charakterliche Herangehensweise an den Humor möglichst britisch zu wirken. Meiner Meinung nach ist ihnen das durch treffsicheres Understatement mit einem Schuss Exzentrik auch wunderbar gelungen. Ein Film des leisen, aber zielgenauen Humors zum Wohlfühlen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

15.07.2025 21:15
#2 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Der rote Kreis oder: Dann nehmen wir einen neuen.

Da das Drehbuch auch hier von Egon Eis stammt, verwundert es nicht, dass der Humor sehr ähnlich zum Frosch charakterbezogen angelegt ist und der ernsthafte Grundton dominiert. Auch hier ist der Chefermittler in seiner ersten Szene nicht auf den Mund gefallen und kontert den Angriff der Presse auf sich mit einer schlagfertigen Spitze, während Thalia über den ganzen Film hinweg eine erfrischend selbstbewusste Frechheit an den Tag legt, die die Mundwinkel nach oben zieht.

Dennoch ist nicht nur die Inszenierung spürbar anders als beim Erstling, sondern auch die Darbringung des Humors unterscheidet sich im Team Roland/Menge von Reinl/Bartsch. Alles wirkt hanseatisch nüchterner und gerade Menge scheint im Umgang und Dialog der Charaktere untereinander seine spitze, pointierte Handschrift hinterlassen zu haben.

Die unleugbare Verbindung zum Vorgänger ist dagegen - heutzutage selbstverständlich - Arents Sergeant Haggett. Es wirkt beinahe so als hätte der Butler tatsächlich in den Polizeidienst gewechselt (wie es Parker am Ende der Orchidee vorhatte), so sehr ähneln sich die beiden Figuren in ihrer Ausdrucksweise, ihren trockenen Kommentaren und distanziertem britischen Understatement. Was die Schaffung einer leicht skurrilen und sofort wiedererkennbaren Wallace-Atmosphäre natürlich mehr als begünstigt. Hier wird diese steife Korrektheit allerdings mehrmals konterkariert, als sich Haggett im Bürohaus von zwei vorbeikommenden Damen ablenken lässt und sich später als kitzlig herausstellt. Zwei Szenen, in denen er auf erfrischende Weise gezielt aus der Rolle fallen darf. Zudem ist Haggett über weite Strecken des Films auch nicht bar jeden Verdachts (man denke nur an Sergeant Balder im Vorgängerfilm). Es war zu dem Zeitpunkt in der Reihe noch möglich, auch den humorigen Charakter noch glaubhaft in der Schwebe zu halten.

Was bleibt noch? Ein paar kleine Schmunzler, die man im Vorbeigehen mitnehmen kann, oder auch nicht (z. B. der Polizist, der den Hut zieht als Marls Leiche abtransportiert wird; der entlassene Häftling, der das Etui mitgehen lässt, während sich der Direktor selbst lobt; Saebischs kleines Kabinettstückchen mit Zeitungsschlagzeile, Hut und Zigarre im Bahnabteil). Und nicht zu vergessen die wohl treffsicherste Pointe aller Wallacefilme als Schlusssatz! Well done!

DanielL Offline




Beiträge: 4.192

15.07.2025 22:50
#3 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Hallo Count,

eine schöne Idee – ich werde den Thread mit Interesse verfolgen. Nur an den Titel „Entspannung durch Hochspannung“ muss ich mich noch gewöhnen, da dieses Versprechen für mich eher dafür steht, dass auch ein spannender Krimi zu entspannender Unterhaltung für den Zuschauer führen kann. Was die Filmhandlung betrifft, bin ich aber ganz bei dir, wenn du im weiteren Verlauf von Entspannungsmomenten sprichst. Das Aufbrechen der Kriminalfilmhandlung war sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Merkmal im Erfolgsrezept der Reihe.

Was mir spontan zum Frosch noch einfällt: Fuchsberger und Arent bilden in leisen Ansätzen ein Buddy-Duo, auch wenn die Gewichtung nicht gleichwertig ist. Der smarte Gentleman und sein Butler als Sidekick, der steif wirkt, aber mit trocken-zurückhaltender Komik agiert. In ihrer Konstellation nehmen sie fast ein wenig Bruce Wayne und Alfred vorweg, bei denen es ebenfalls immer wieder zu humorvollen Auflockerungen in der Interaktion kommt. Und zu guter Letzt trainieren die beiden ja sogar gemeinsam Karate – wie später Inspektor Clouseau und sein Diener, wobei dort allerdings wirklich ungezügelte Slapstick-Momente entstehen.

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 1.979

15.07.2025 23:06
#4 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Schöne Idee, die Filme einmal geballt aus dieser Perspektive zu beleuchten! Vielen Dank auch für die ersten beiden Beiträge - werde auch die nachfolgenden mit Interesse lesen.

Savini Offline



Beiträge: 1.016

15.07.2025 23:25
#5 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #3
Was mir spontan zum Frosch noch einfällt: Fuchsberger und Arent bilden in leisen Ansätzen ein Buddy-Duo, auch wenn die Gewichtung nicht gleichwertig ist. Der smarte Gentleman und sein Butler als Sidekick, der steif wirkt, aber mit trocken-zurückhaltender Komik agiert. In ihrer Konstellation nehmen sie fast ein wenig Bruce Wayne und Alfred vorweg, bei denen es ebenfalls immer wieder zu humorvollen Auflockerungen in der Interaktion kommt. Und zu guter Letzt trainieren die beiden ja sogar gemeinsam Karate – wie später Inspektor Clouseau und sein Diener, wobei dort allerdings wirklich ungezügelte Slapstick-Momente entstehen.

Daneben fiele mir hier als möglicher Vergleich ((wie früher schon erwähnt) das Verhältnis zwischen Lord Peter Wimsey und seinem Butler Bunter ein; ob man beim Schreiben des Drehbuchs daran dachte?
Im Roman "Der Frosch mit der Maske" gibt es zu James bekanntlich keine Entsprechung; und Richard Gordon ist dort kein reicher Hobbydetektiv, sondern ein Beamter.

Ist das, was die beiden im Film trainieren, nicht eher Judo?
Ich glaube, man baute den Kampf entweder ein, weil Fuchsberger "physische" Szenen bekanntlich sehr lagen, oder weil die Szene, in der Herr und Diener über den Fall diskutieren, ansonsten zu langweilig wirken würde.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

16.07.2025 09:49
#6 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Freut mich, dass meine Idee und dieser Thread Anklang finden. Fühlt euch frei, gerne auch Diskussionen zu meinen oder auch eigenen Beobachtungen zu starten.

Zitat von DanielL im Beitrag #3
Nur an den Titel „Entspannung durch Hochspannung“ muss ich mich noch gewöhnen, da dieses Versprechen für mich eher dafür steht, dass auch ein spannender Krimi zu entspannender Unterhaltung für den Zuschauer führen kann.


Ja, die Titelwahl war sehr spontan. "Humor in den Edgar-Wallace-Filmen" alleine erschien mir nicht griffig genug. Und so oder so ähnlich ist das doch auch mal in Trailern oder auf Werbemitteln benutzt worden, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt. Außerdem klingt "Entspannung zwischen Hochspannung" auch ein bisschen holprig.

Zitat von DanielL im Beitrag #3
Was mir spontan zum Frosch noch einfällt: Fuchsberger und Arent bilden in leisen Ansätzen ein Buddy-Duo, auch wenn die Gewichtung nicht gleichwertig ist.


Stimmt. Und wird in späteren Filmen bestimmt auch noch einmal Thema werden. Im Frosch fing es auf jeden Fall schon an mit dieser Kombo.

Zitat von Savini im Beitrag #5
Ich glaube, man baute den Kampf entweder ein, weil Fuchsberger "physische" Szenen bekanntlich sehr lagen, oder weil die Szene, in der Herr und Diener über den Fall diskutieren, ansonsten zu langweilig wirken würde.


Es bereitet in gewissem Sinne auch schon die Kampfszene im Hinterhof und die spätere Flucht vor. Die gute Physis der beiden kommt dann nicht aus heiterem Himmel. Und wie schon gesagt, wer würde gleichzeitigen Denksport erwarten während man sich auf die Matte wirft. Humor entspringt sehr oft dem Ungewöhnlichen und Unerwarteten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

16.07.2025 20:58
#7 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Der Rächer oder: Ich möchte mal wissen, wer hier wen stört!

Ich war erst am Überlegen, ob ich den Flow der Rialto-Produktionen tatsächlich unterbrechen sollte. Aber so ein Blick zur damaligen zeitgenössischen Konkurrenz ist in der Chronologie natürlich auch spannend. Was bietet uns also das Trio Kampendonk, Katscher und Anton?

Zuallererst fällt ins Auge, dass eine bewusst auflockernd interpretierte Rolle im Stile eines Butler James oder Sergeant Haggett fehlt. Zu diesem frühen Zeitpunkt der deutschen Krimiwelle hatte sich solch ein Charakter noch nicht als festes Stammpersonal etabliert. Vielleicht ist das einer der Mitgründe, warum der Rächer von vielen Zuschauern noch als behäbig und altbacken angesehen wird. Andererseits mag dies auch ein Vorteil sein, denn auch in den späteren Krimis waren solche Charaktere nicht immer treffsicher geschrieben oder gespielt. Man denke nur an nervige Howlands oder grenzdebile Juhnkes. Von daher ist dem Film auch etwas erspart geblieben und wir haben vermutlich den ernsthaftesten Wallace der Frühphase gefunden. Am nächsten an eine solche Figur heran kommt da am Anfang des Films noch der exzentrische Longvale, der vermeintlich als komischer Alter etabliert wird.

Gibt es denn trotzdem etwas auf der Habenseite? Durchaus! Selbstverständlich werden ein paar passende Wortspiele mitgenommen ("er wirkte nervös und vollkommen kopflos" - übrigens bereits von Wallace so geschrieben, ebenso wie das Zusammenschlagen der Köpfe von Michael und Ruth - und "es wird sie den Kopf kosten") und das Filmteam an einigen Stellen leicht überspitzt dargestellt, wie man es archetypisch in vielen Filmen findet, in denen Dreharbeiten Thema sind. Aber das eigentliche Pfund, mit dem der Film wuchert, ist Brixans eloquent-forsche Art samt zwitscherndem Auto. Heinz Drache ist hier in einem derartigen Maße Sympathieträger, wie er es in keinem anderen Wallace mehr sein sollte. Und das Ende nimmt bereits ähnliche finale Szenen von Roger Moores Interpretation von James Bond vorweg, in denen er bei Zärtlichkeiten mit dem Bondgirl erwischt wird.

Natürlich findet man auch hier den "Humor am Wegesrand" (man könnte schon eine eigene Kategorie daraus machen). Die eingeschlafene Sekretärin in Staines' Büro zum Beispiel. Oder man achte einmal auf die Garderobiere in der Szene mit Ruth und der Mendoza. Das Wechseln auf Freundlichkeit, die stillen Warnungen, die Erleichterung als die Mendoza wieder geht, oder auch später wie sie bei Ruths Aufbruch an ihr herumzupft. Mimik und Gestik sind auf den Punkt! Solche kleinen Nebenrollen werden mitunter viel zu wenig gewürdigt.

Aus heutiger Sicht etwas unfreiwillig komisch ist - trotz aller Bedrohlichkeit - natürlich Bhag. Aber da wollen wir mal nicht zu sehr durch die moderne Brille schauen und diesen Kopf auf seinem Rumpf belassen. Letztendlich gilt für den Humor des Films dasselbe wie auch für den Film generell: Näher am Roman-Wallace als die Rialtos, damit dann aber auch weiter von der gerade entstehenden Wallace-Film-Marke entfernt.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.394

17.07.2025 22:45
#8 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Toller Thread, sehr interessant mal den Fokus ausschließlich darauf zu legen.
Nach der heutigen Sichtung des Zinkers auf 3Sat bin ich schon gespannt auf Deine Ausführung zu diesem Werk. Hier gibt es diesbezüglich wirklich reiche Ernte: Arent, Windeck, Schürenberg und gar nicht zuletzt Drache trumpfen richtig auf und die Dichte weitgehend gelungener Gags ist wirklich erstaunlich hoch. Deplatziert und nicht zündend ist eigentlich nur (wieder mal) der allerletzte Schlussgag mit dem Satz des verstorbenen Gatten. Ansonsten finde ich den Film unter diesem Aspekt schon fantastisch. Ich freue mich bereits sehr auf Deine weiteren Beiträge zum Thema,

Savini Offline



Beiträge: 1.016

17.07.2025 22:51
#9 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #2
Die unleugbare Verbindung zum Vorgänger ist dagegen - heutzutage selbstverständlich - Arents Sergeant Haggett. Es wirkt beinahe so als hätte der Butler tatsächlich in den Polizeidienst gewechselt (wie es Parker am Ende der Orchidee vorhatte), so sehr ähneln sich die beiden Figuren in ihrer Ausdrucksweise, ihren trockenen Kommentaren und distanziertem britischen Understatement. Was die Schaffung einer leicht skurrilen und sofort wiedererkennbaren Wallace-Atmosphäre natürlich mehr als begünstigt. Hier wird diese steife Korrektheit allerdings mehrmals konterkariert, als sich Haggett im Bürohaus von zwei vorbeikommenden Damen ablenken lässt und sich später als kitzlig herausstellt. Zwei Szenen, in denen er auf erfrischende Weise gezielt aus der Rolle fallen darf. Zudem ist Haggett über weite Strecken des Films auch nicht bar jeden Verdachts (man denke nur an Sergeant Balder im Vorgängerfilm). Es war zu dem Zeitpunkt in der Reihe noch möglich, auch den humorigen Charakter noch glaubhaft in der Schwebe zu halten.


Ehrlich gesagt, sehe ich zwischen beiden Figuren gewisse Unterschiede: James war die Karikatur eines britischen Butlers (bzw. dessen, was das deutsche Publikum 1959 darunter verstand), trat betont "steif" auf und diente in einigen Szenen schlicht als Stichwortgeber für Richard Gordon.
Haggett dagegen wirkt (soweit man davon bei einer Figur in dieser Reihe überhaupt sprechen kann) vergleichsweise bodenständig, besonders durch seine ebenso trockenen wie subtilen Spitzen gegenüber Vorgesetzten wie Parr und Sir Archibald. Er agiert oft auf eigene Faust und erscheint dabei relativ kompetent, wenn er etwa Marl beschattet, ohne (!) dass seine Verkleidung durchschaut wird und versucht, dessen Mörder zu erwischen, was ohne seine Schuld scheitert (gleiches gilt auch zu Beginn für die Verfolgung von Lady Dorringham im Auto), Foyant unbemerkt bis nach Südfrankreich verfolgt und schließlich sogar Yale stellt.
Mir erzählte jemand mal, dass Arent in einer "Stahlnetz"-Folge mit Saebisch als Ermittler eine ähnlich angelegte Assistenten-Rolle hatte.
Übrigens dürfte dies einer der wenigen Wallace-Filme sein, in dem man ihn ohne Bowler sieht; auch hat er hier noch eine andere Frisur als den späteren Bürstenschnitt.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.394

17.07.2025 22:55
#10 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Schürenberg ist im Zinker auch noch viel rationaler und nicht so übertrieben wie sonst zum Teil, er gibt hier eher den bodenständigen Widerpart zu den anderen (vor allem zu Arent) und wirkt aber auch in dieser Funktion bereits überragend witzig.

Savini Offline



Beiträge: 1.016

17.07.2025 23:04
#11 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #10
Schürenberg ist im Zinker auch noch viel rationaler und nicht so übertrieben wie sonst zum Teil, er gibt hier eher den bodenständigen Widerpart zu den anderen (vor allem zu Arent) und wirkt aber auch in dieser Funktion bereits überragend witzig.

Wobei Schürenberg auch bei seinen ersten beiden Auftritten als Sir John trotz teilweise aufblitzender humoristischer Elemente noch nicht die spätere Karikatur war.
Ich hatte vor einiger Zeit ja in einem anderen Thread etwas darüber geschrieben, wie sich diese Rolle im Laufe der Reihe veränderte.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

18.07.2025 00:00
#12 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Schürenbergs Entwicklung wird auch noch sehr spannend werden, ja.

Zitat von Savini im Beitrag #9
Ehrlich gesagt, sehe ich zwischen beiden Figuren gewisse Unterschiede:


Ich schrieb ja auch "beinahe".
Beide wirkten auf mich eher steif, reserviert, korrekt, mit gepflegter Ausdrucksweise und betont britisch. Dass Haggett ein paar Mal aus diesem Muster ausbricht, ist mir ebenfalls aufgefallen. Und trockene und subtile Spitzen werden generell mehr verteilt als im Frosch, was ich auf Menge zurückführe. Auf jeden Fall empfand ich das als jene von Arents Sergeant-Rollen, die der James-Rolle noch am ähnlichsten ist.

Savini Offline



Beiträge: 1.016

18.07.2025 09:02
#13 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #12
Beide wirkten auf mich eher steif, reserviert, korrekt, mit gepflegter Ausdrucksweise und betont britisch.

Gut, das trifft allerdings auf die weitaus meisten der folgenden Arent-Rollen zu - mal mehr, mal weniger.
Zitat von Count Villain im Beitrag #12
Und trockene und subtile Spitzen werden generell mehr verteilt als im Frosch, was ich auf Menge zurückführe.

Tja, auch dazu hätte uns sicher Joachim Kramp etwas sagen können, dem sowohl Eis´ als auch Menges Drehbuch vorlagen (er beschreibt in seinem Buch ja die Unterschiede im letzten Drittel der Handlung).
Zitat von Count Villain im Beitrag #12
Auf jeden Fall empfand ich das als jene von Arents Sergeant-Rollen, die der James-Rolle noch am ähnlichsten ist.

Wobei es natürlich etwas schwer fällt, Arents Butler- und Assistenten-Rollen direkt miteinander zu vergleichen, da sie etwas unterschiedliche dramaturgische Funktionen haben.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

18.07.2025 09:39
#14 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #13
Gut, das trifft allerdings auf die weitaus meisten der folgenden Arent-Rollen zu - mal mehr, mal weniger.


Das werde ich dann ja in den nächsten Wochen vermutlich noch feststellen.

Zitat von Savini im Beitrag #13
Tja, auch dazu hätte uns sicher Joachim Kramp etwas sagen können, dem sowohl Eis´ als auch Menges Drehbuch vorlagen (er beschreibt in seinem Buch ja die Unterschiede im letzten Drittel der Handlung).


Ah, danke dir. Das beantwortet meine Frage im "Der rote Kreis"-Filmbesprechungs-Thread. Ich habe tatsächlich schon jahrelang nicht mehr in den Wallace-Fachbüchern geschmökert.

MrTwelve Offline




Beiträge: 69

18.07.2025 18:16
#15 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #1
Der Frosch mit der Maske

Da ist die skurrile Reserviertheit des Butlers (auch er mit - später - Catchphrase) am Ende nur eine humorige Einfärbung unter vielen. Sicher bei der Figur des Butlers prägender als bei anderen Rollen, die noch einige weitere Facetten zeigen dürfen, aber letztendlich trägt Arent im Frosch die Komik und Entspannung nicht hauptsächlich und erst recht nicht alleine.


Genau. Eddi Arent ist hier noch nicht der Comic Relief wie in den späteren Filmen, aber ich finde, man merkt in dem Film schon das komödiantische Potential, das in ihm steckt. Kein Wunder, dass er gleich im nächsten Film wieder besetzt wurde.
Gleiches gilt auch für sein Zusammenspiel mit Joachim Fuchsberger. Da merkt man schon, dass die beiden zusammen gut als, wie es hier im Thread bezeichnet wurde, "Buddy-Duo" funktionieren.
Aus heutiger Sicht verwundert es den Zuschauer nicht, wenn er den "Frosch" sieht und dort Fuchsberger und Arent im Zusammenspiel sowie Arent in einer komödiantischen Rolle sieht. Gibt es ja auch in vielen anderen Edgar-Wallace-Filmen. Aber dieser Film hat erst den Grundstein dafür gelegt.

Zitat von Count Villain im Beitrag #7
Der Rächer

Zuallererst fällt ins Auge, dass eine bewusst auflockernd interpretierte Rolle im Stile eines Butler James oder Sergeant Haggett fehlt. Zu diesem frühen Zeitpunkt der deutschen Krimiwelle hatte sich solch ein Charakter noch nicht als festes Stammpersonal etabliert. Vielleicht ist das einer der Mitgründe, warum der Rächer von vielen Zuschauern noch als behäbig und altbacken angesehen wird. Andererseits mag dies auch ein Vorteil sein, denn auch in den späteren Krimis waren solche Charaktere nicht immer treffsicher geschrieben oder gespielt. Man denke nur an nervige Howlands oder grenzdebile Juhnkes. Von daher ist dem Film auch etwas erspart geblieben und wir haben vermutlich den ernsthaftesten Wallace der Frühphase gefunden. Am nächsten an eine solche Figur heran kommt da am Anfang des Films noch der exzentrische Longvale, der vermeintlich als komischer Alter etabliert wird.


Wenn der "Rächer" ein paar Jahre später entstanden wäre, wer weiß, vielleicht hätte man dann auch versucht, eine komische Figur in Richtung Eddi Arent einzubauen?
Ansonsten ist es hier auch so: Heinz Drache und Siegfried Schürenberg in einem Wallace-Film dürften den heutigen Zuschauer nicht verwundern. Aber als er 1960 rauskam, waren die beiden in der Rialto-Reihe noch gar nicht etabliert. Und bei Schürenberg sollte es auch noch einige Jahre dauern, bis er die Karikatur des Vorgesetzen spielen sollte.
Könnte vielleicht sogar sein Auftritt im "Rächer" für heutige Durchschnittszuschauer der Wallace-Reihe ungewohnt ernst wirken?

Gruß, Jonas

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