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Dieses Thema hat 76 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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MrTwelve Offline




Beiträge: 67

13.08.2025 12:58
#61 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Die einzige Möglichkeit, die noch bleiben würde, wäre gewesen, Eddi Arent nur in 2-3 Szenen auftreten zu lassen (ähnlich wie im "Fälscher"), vielleicht im Zusammenspiel mit Joachim Fuchsberger, und diese exklusiv für Deutschland zu drehen.
Natürlich hätten diese Szenen auch irgendwie Relevanz für die Handlung haben müssen und dies hätte wiederum ein Umschreiben des Drehbuchs erfordert... Wie schon geschrieben, man kann langsam nachvollziehen, warum Arent nicht dabei war.

Gruß, Jonas

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

17.08.2025 16:51
#62 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Könnte es sein, dass man sich beim "Fälscher" damals schon bewusst war, dass man sich beim Organisten fragen kann "ist es Arent oder nicht?" und er auch deshalb eine "sowie"-Nennung bekommen hat? Beim nächsten Film ist er nämlich wieder ganz brav eingereiht.

Die seltsame Gräfin oder: Lieber schlafe ich auf dem Friedhof!

Wo die beiden Vorgänger schon sehr zurückgenommen waren und man den Humor mit der Lupe suchen musste, braucht man hier schon fast ein Mikroskop. Man hat noch nicht mal einen jovialen Siegfried Lowitz, bei dem man sich geborgen fühlen kann, während des Alptraums, den Miss Reedle in dem Film durchleiden muss. Wobei Brigitte Grothum mit ihrer natürlichen Herzlichkeit und Bodenständigkeit in meinen Augen die Idealbesetzung ist und es leicht macht, mit ihr mitzufühlen. Oliver Kalkofe sagte mal in einer Doku sinngemäß "Wenn man Eddi Arent sieht, kann man aufatmen, dann weiß man, in dem Moment kann nichts Schlimmes passieren". Ein Ausspruch, der in meinen Augen auf diesen Film nicht zutrifft, bleibt die Rolle des Selwyn doch fast bis zum Schluss mysteriös. Und auch die Eigenheiten der Figur wirken eher exzentrisch als lustig. Hier ist es am ehesten Arents leicht exaltiertes Spiel, dass den Humor dennoch zum Vorschein bringt. Zudem darf er mal wieder eine Catchphrase von sich geben.

Am ehesten Anker für den Zuschauer ist da noch Edith Hanckes Lizzy Smith, die mit einnehmender Herzlichkeit verkörpert wird. Überdies das einzige Mal, dass die weibliche Hauptdarstellerin einen Sidekick haben darf. Doch auch sie bietet keine Sicherheit, muss hilflos daneben stehen und wird sogar beinahe selbst noch Opfer. Der im Titel erwähnte Ausspruch lässt allerdings genauso schmunzeln wie ihr Stellung halten unter der Bettdecke. Auch erwähnenswert die beiden kurzen Einschübe mit Alexander Engel als "Irrem", der einfach nur seine Ruhe haben will. Bis sich auch bei ihm die Tragik offenbart.

Immer eine sichere Bank ist natürlich Joachim Fuchsberger, dessen Mike Dorn allerdings für einen Großteil der Handlung dazu verdammt ist, nur reagieren zu können. Anders als Jane Leigh-Clifton wird es Margaret Lois Reedle also auch von Seiten der Gesetzeshüter nicht einfach gemacht. Volltreffer natürlich wieder Fuchsbergers selbstreferentielles "nur nicht nervös werden" bei einer Entfesselungsnummer, die man sich auch in einer Gameshow vorstellen könnte.

Konsequenterweise gibt es am Ende dann trotz Arents Mitwirkung und sogar zwei potentiellen Liebespaaren auch weder einen Schlussgag noch irgendeine Form von Romanzenseeligkeit, wenn man mal von der Entscheidung absieht, ausgerechnet das zuckrigste Stück des Films als Schlussmusik zu verwenden. Wahrhaft durchleben wir hier gerade eine ernste Phase in den Rialto-Verfilmungen. Oder besser gesagt "durchlebten", denn nun sollte es wieder ganz anders kommen. Dazu jedoch später an dieser Stelle mehr.

Savini Offline



Beiträge: 1.015

18.08.2025 11:28
#63 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #62
Oliver Kalkofe sagte mal in einer Doku sinngemäß "Wenn man Eddi Arent sieht, kann man aufatmen, dann weiß man, in dem Moment kann nichts Schlimmes passieren". Ein Ausspruch, der in meinen Augen auf diesen Film nicht zutrifft, bleibt die Rolle des Selwyn doch fast bis zum Schluss mysteriös. Und auch die Eigenheiten der Figur wirken eher exzentrisch als lustig. Hier ist es am ehesten Arents leicht exaltiertes Spiel, dass den Humor dennoch zum Vorschein bringt. Zudem darf er mal wieder eine Catchphrase von sich geben.

Wobei die Catchphrase eine Hinzudichtung der Verfilmung ist, da Selwyn (als eine der wenigen Arent-Rollen) im Buch ebenfalls vorkommt und ansonsten relativ kongenial dargestellt: ein durch die von seiner Mutter ausgehende Unterdrückung neurotischer Mensch, der erst durch den Kontakt mit den beiden weiblichen Hauptfiguren immer mehr aufblüht und am Ende auf eigenen Füßen steht.
Interessant wäre natürlich, ob die Rolle vom Drehbuchautor von vornherein auf Arent zugeschnitten wurde oder ob man das erst später tat (etwa durch die Catchphrase). Das man einige schwache Versuche machte, Selwyn verdächtig erscheinen zu lassen (haben seine Experimente etwas mit dem einstürzenden Balkon oder dem Tod des Butlers zu tun?) könnte dafür sprechen. Wobei ich die Rolle trotzdem nie als "mysteriös" empfunden habe; 1961 dürfte auch kaum ein Zuschauer ernsthaft damit gerechnet haben, dass eine Arent-Rolle etwas Übles im Schilde führen könnte.
Zitat von Count Villain im Beitrag #62
Konsequenterweise gibt es am Ende dann trotz Arents Mitwirkung und sogar zwei potentiellen Liebespaaren auch weder einen Schlussgag noch irgendeine Form von Romanzenseeligkeit, wenn man mal von der Entscheidung absieht, ausgerechnet das zuckrigste Stück des Films als Schlussmusik zu verwenden.

Das ursprünglich vorgesehene und offenbar auch gedrehte Ende sah allerdings eine Form von "Schlussgag" vor, der im Vollenden der Catchphrase bestanden hätte (siehe die in einer späteren Aufklage von Kramps Buch und bei deutscher-tonfilm zitierte Passage aus dem Drehbuch). Ob man das schnitt, weil ein solcher Satz aus Selwyns Mund unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter pietätlos erschien?
Zitat von Count Villain im Beitrag #62
Wahrhaft durchleben wir hier gerade eine ernste Phase in den Rialto-Verfilmungen. Oder besser gesagt "durchlebten", denn nun sollte es wieder ganz anders kommen. Dazu jedoch später an dieser Stelle mehr.

Mir ist neulich auch aufgefallen, dass mit den "Narzissen", dem "Fälscher" und der "Gräfin" direkt nacheinander drei Filme herauskamen, die sich innerhalb der Reihe durch einen relativ niedrigen Humoranteil auszeichnen.
Laut einer von Christos Tses zitierten Aussage Helmuth Ashleys bekam dieser von Waldfried Barthel den Auftrag, die "Orchidee" als Persiflage zu drehen (was er dann auch tat).
Falls diese Geschichte zutrifft: Könnte das vielleicht eine Reaktion darauf gewesen sein, dass drei Filme hintereinander eher ernst ausgefallen waren?

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

18.08.2025 12:35
#64 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #63
Das ursprünglich vorgesehene und offenbar auch gedrehte Ende sah allerdings eine Form von "Schlussgag" vor, der im Vollenden der Catchphrase bestanden hätte (siehe die in einer späteren Aufklage von Kramps Buch und bei deutscher-tonfilm zitierte Passage aus dem Drehbuch). Ob man das schnitt, weil ein solcher Satz aus Selwyns Mund unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter pietätlos erschien?


Wobei ich den Schlusssatz aus dem Drehbuch so pietätlos gar nicht finde. Da sich herausstellt, dass die Gräfin im Grunde nicht minder krank ist (wenn auch auf andere Art) als Bresset, kann ihr Tod auch als eine Art Erlösung für sie gesehen werden.

Zitat von Savini im Beitrag #63
Wobei die Catchphrase eine Hinzudichtung der Verfilmung ist, da Selwyn (als eine der wenigen Arent-Rollen) im Buch ebenfalls vorkommt


So wenig sind es in dieser Phase der Filme gar nicht: Spike Holland, Diener Sunny/Sergeant Harvey, Nachbar, Selwyn Moron. 4 von 7 und diese sogar noch aufeinanderfolgend.

Savini Offline



Beiträge: 1.015

18.08.2025 14:37
#65 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #64
So wenig sind es in dieser Phase der Filme gar nicht: Spike Holland, Diener Sunny/Sergeant Harvey, Nachbar, Selwyn Moron. 4 von 7 und diese sogar noch aufeinanderfolgend.

Wobei nur Spike Holland und Selwyn Moron in der Romanvorlage relativ große Parts haben. Harvey und der Diener Sunny haben selbst zusammen (und erst recht jeweils für sich allein) im Roman bei weitem nicht so viele Auftritte und Dialogstellen wie der Assistent im Film; und der Nachbar im "Banknotenfälscher" wird nur mit wenigen Sätzen erwähnt. Danach gab es eigentlich nur noch den Reporter Harras als eine aus der Buchvorlage übernommene (und dort relativ präsente) Figur.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

18.08.2025 15:39
#66 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #65
und der Nachbar im "Banknotenfälscher" wird nur mit wenigen Sätzen erwähnt.


Womit er dann sogar ziemlich originalgetreu in den Film übernommen wurde.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

27.08.2025 17:54
#67 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Das Rätsel der roten Orchidee oder: Denn jetzt weiß ich endlich ganz genau, wie es gemacht wird!

War der zurückgenommene Humor der Vorgängerfilme tatsächlich der Grund, wieder in die entgegen gesetzte Richtung zu gehen? Sah man eventuell sogar den "Bogenschützen" als Erfolgsfilm an, dem es nachzueifern galt? Dachte man die Erwartung der Zuschauer auf diese Weise besser zu erfüllen? Oder lag es am Gangster-Sujet, das man erst einige Jahre später mit Jerry Cotton härter auf die Leinwand bringen sollte? War das Drehbuch zu brav geraten und zu anachronistisch? Einige Rezensenten aus diesem Forum merkten bereits an, die Masche mit den Erpresserbriefen wirke aus der Zeit gefallen. Wir werden es nie genau erfahren. Fakt ist jedenfalls, dass wir es nun mit einem Film zu tun haben, der sich sehr ernst dabei nimmt, sich nicht ernst zu nehmen.

Fangen wir klassischerweise mal wieder mit Eddi Arent an, der hier zum zweiten Mal eine Diener-Rolle Eis'scher Prägung geben darf. Und wiewohl Butler James aus dem "Frosch" noch durchscheint, greifen in diesem Film die Stilmittel der Übertreibung und Zuspitzung. Zeigt sich Parker doch fast durchgehend als versnobter und herrischer als seine Arbeitgeber. Die Verdachtsmomente gegen ihn werden auch so mit dem Holzhammer eingestreut, das seine Unschuld höchstens beim ersten Sehen überrascht und der einzige Geniestreich seine tatsächliche Demaskierung als Gangsterchef gewesen wäre. Hier kann ich Savini nur zustimmen, dass "1961 [...] kaum ein Zuschauer ernsthaft damit gerechnet haben [dürfte], dass eine Arent-Rolle etwas Übles im Schilde führen könnte". Zumal er an zwei, drei Stellen auch etwas herumhampeln darf und als Running Gag stets auf der Suche ist, wie man es nun richtig macht (die Antwort darauf scheint übrigens genauso wie im Folgefilm zu lauten: "weil die Beteiligten sich selbst erledigen"). Mittlerweile gehören Arent und Kinski auch so fest zum Inventar, dass sie nicht nur jeweils eine Sondernennung mit Rollennamen in den Credits haben, sondern auch eine für die Handlung absolut unnötige gemeinsame Szenen spendiert bekamen. Die allerdings in der Gesamtbetrachtung der Reihe tatsächlich sehr ikonisch ausfällt.

Wen haben wir neben Parker noch als humoristische Auflockerung? Wobei man sich fragen kann, ob man das überhaupt humoristische Auflockerung nennen kann, wenn doch der gesamte Film als Persiflage konzipiert ist, wo an allen Ecken und Enden mit Überhöhung und Überspitzung gearbeitet wird. Auffallen tun jedoch insbesondere Cora Minelli und Oberst Drood, die als Blondinenklischee bzw. mit selbstbewusst-militärischem Aktionismus besonders in Erinnerung bleiben. Coras Zurückfallen in Gangstersprache sorgt sicher nicht nur bei ihrem Mann für die entsprechende Reaktion. Größtenteils könnte man sogar meinen hier die Blaupause für Sophie Hardys Rolle im Hexer und die spätere Miss Finlay als naives Dummchen vor sich zu haben, wenn nicht doch ihre Szenen am Ende noch eine gewisse Tiefe der Figur aufzeigen würden.

Die Schauspieler und Charaktere sind jedoch nur einzelne Fische im großen Teich der Komik. Zeigt sich die Persiflage doch vor allem in der Inszenierung und - besonders stark - in der musikalischen Untermalung (Peter Thomas hat das Memo auch bekommen!). Wohingegen die Schauspielerführung sich noch im Rahmen eines gängigen Wallace-Films bewegt, sind es vor allem wiederkehrende Bildgestaltungen, die in dieser Hinsicht auffallen. So zieht sich zum Beispiel an sich völlig unnötige Duplizität wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Angefangen bei den drei Anwälten über das spiegelbildlich abgefilmte formale Treffen der Gangsterbanden bis zu Tetleys Verhaftung im Flugzeug, wo man Staatsbeamte an identischer Hut- und Schirmablage erkennt. Auch Peter Thomas hat sich bei diesem Film besonders ausgetobt. Überall findet sich verspielte Musik, die oftmals auch als die Szene verstärkender Soundeffekt daherkommt. Exemplarisch seien genannt Minellis Betreten des Schiffs, der eingebaute Big Ben in der Titelmelodie, Parkers Lesen des Erpresserbriefs, Parker mit dem Silbertablett, Oberst Droods Jagdhörner, Parkers schwerbewaffnetes Patrouillieren mit militärischen Trommeln, der deutsche Schlager aus der Musikbox, Edwin Tanners Lustspielmusik-Thema, der schwelgerische Abschluss des Gangstertreffens. Selbst in den Spannungsmomenten wird auf überdeutliche Dramatik gesetzt - was aus Krimisicht dann allerdings nur im Finale wirklich effektiv ist. Aber was soll's? Reiner Krimi war sowieso nicht die Intention und man sieht es wirklich selten so deutlich, dass Musik und Inszenierung einer gemeinsamen Vision so kohärent folgen wie hier und sich dabei auf einmalige Weise ergänzen.

Nicht unerwähnt bleiben soll natürlich der Humor am Wegesrand. Auch hier darf natürlich auch im Vorbeigehen geschmunzelt werden. Sei es wie Hans Paetsch sich angewidert die Finger abwischt, nachdem er den Erpresserbrief in der Hand hatte, der Papagei des schönen Steve oder Günther Jerschke, der bei der Geldübergabe seinen Hut zieht. Alles in allem ist das natürlich nicht die gewohnte und letztendlich gewünschte Wallace-Mixtur, aber für sich genommen in Sachen humoristischer Herangehensweise doch mehr als nur ordentliche Handwerkskunst und vor allem stets in sich stimmig. Auch wenn es die "Orchidee" in Sachen Pointiertheit nicht mit dem "Bogenschützen" aufnehmen kann. Da hätte es dann wohl tatsächlich noch Wolfgang Menge gebraucht statt nur Egon Eis.

Savini Offline



Beiträge: 1.015

28.08.2025 08:51
#68 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #67
Sah man eventuell sogar den "Bogenschützen" als Erfolgsfilm an, dem es nachzueifern galt?

Das wohl weniger, da der "Bogenschütze" nicht gerade zu den großen Erfolgen der Serie gehört zu haben scheint.
Zitat von Count Villain im Beitrag #67
War das Drehbuch zu brav geraten und zu anachronistisch?

Dazu müsste man natürlich wissen, ob die starken humoristischen Elemente bereits im Drehbuch vorhanden waren oder nicht. Wenn dieses stark bearbeitet worden wäre, würde im Vorspann sicher ein weiterer Name genannt werden.
Zitat von Count Villain im Beitrag #67
Zeigt sich Parker doch fast durchgehend als versnobter und herrischer als seine Arbeitgeber.

Jemand, mi dem ich mich mal über Arents Wallace-Rollen austauschte, meinte, Parker würde sehr deutlich den Grundsatz verkörpern, dass der Butler "der wahre Herr im Hause" sei. Wenn er seine ermordeten früheren Arbeitgeber stolz aufzähle, wirke das etwas morbide.
Zitat von Count Villain im Beitrag #67
(die Antwort darauf scheint übrigens genauso wie im Folgefilm zu lauten: "weil die Beteiligten sich selbst erledigen")

Ebenso wie später z. B. auch beim "Hexer" oder "Buckligen".
Zitat von Count Villain im Beitrag #67
Mittlerweile gehören Arent und Kinski auch so fest zum Inventar, dass sie nicht nur jeweils eine Sondernennung mit Rollennamen in den Credits haben, sondern auch eine für die Handlung absolut unnötige gemeinsame Szenen spendiert bekamen. Die allerdings in der Gesamtbetrachtung der Reihe tatsächlich sehr ikonisch ausfällt.

Gerade weil diese Szene (und auch das dabei ausgestellte Empfehlungsschreiben) für die Handlung völlig überflüssig ist, wirkt sie sehr selbstzweckhaft. Beim ersten Sehen fiel mir gleich auf, dass die beiden hier einen richtigen Dialog haben, was sonst anscheinend nur beim "Tuch" und (außerhalb von Rialto) beim "Dreieck" der Fall (dort aber wesentlich kürzer).
Zitat von Count Villain im Beitrag #67
Sei es wie Hans Paetsch sich angewidert die Finger abwischt, nachdem er den Erpresserbrief in der Hand hatte

Dieses kleine Detail fiel mir neulich bei der Sichtung wieder auf - gerade weil die Rolle so klein ist; manche Schauspieler bauen auch dann noch feien Nuancen ein.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

29.08.2025 12:22
#69 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Die Tür mit den sieben Schlössern oder: Schade, ich hatte ihn vorhin erst vollgetankt.

Keine Experimente mehr! So schien das Credo für diesen Film zu lauten, knüpft er doch beinahe nahtlos an Vohrers Erstling in der Reihe an. Der Kontrast zur "Orchidee" könnte daher kaum größer sein. Insbesondere musikalisch. Man könnte fast meinen, Thomas hätte sich beim Vorgänger so sehr überanstrengt, dass er hier nur auf Sparflamme gearbeitet hat. Allerdings wurde auch bereits in den "Augen" in manchen Szenen gezielt auf Stille gesetzt, um die düstere, ungewisse Atmosphäre zu verstärken. Ebenso auf klassische Musik. Und so ist auch der Humor kein Selbstzweck mehr, sondern setzt dramaturgisch gezielt heitere Akzente und fehlt, wo er stören und der Spannung schaden würde. Erwähnenswert hier die Auflockerungen vor den Leichenfunden in Martins Wohnung und dem Flugzeug oder Arents Auftauchen nach dem nächtlichen Überfall auf Martin als Durchatmen vor bzw. Aufatmen nach einem Schreck. Auch bei den unheimlichen Nachtszenen nach dem Besuch bei den Codys sorgt Arents Anwesenheit dafür, dass es nicht zu gruselig wird (und selbst Drache muss hier nach Arents Kommentar zu dem versenkten Wagen schmunzeln, eine Reaktion die mir durchaus natürlich und nicht gespielt erschien). Als es dann aber nach Sybils Entführung wirklich Schlag auf Schlag geht und auf das Finale zusteuert, wird dem Zuschauer keine Gelegenheit zur Entspannung mehr gegeben. Bis auf einen kurzen Hintergrundgag ist es einzig Martins Sicherheit am Ende, die einem wieder Zuversicht gibt. Erst nach überstandener Gefahr kommt von Arent schließlich der launige Kommentar ("Mündungsschoner").

Überhaupt ist Inspektor Martin besonders erwähnenswert. Trägt er doch gerade am Anfang den Humor des Films noch mehr als Arents Sergeant. Man bedenke nur die einmalige Einführung mit dem Fokus auf der Waffenhand, dem Radiohörspiel und der Wohnungsklingel an passender Stelle. Und anstatt dass der Sergeant hier ein besonderes Hobby hat, ist es hier der Inspektor mit seinen Zauberstücken und seiner Fingerfertigkeit. Auch diese nicht selbstzweckhaft, sondern durchaus im Zuge der Ermittlungen mehrfach verwendet. Das schafft auch im Bereich Humor ein schönes Gleichgewicht zwischen den beiden Ermittlern. Überdies funktioniert nicht nur das komödiantische Zusammenspiel zwischen Arent und Drache, sondern auch zwischen Arent und Schürenberg hier bereits vorzüglich. Auch Martins schnodderig-direkte Art, die anfangs noch Fuchsbergercharme aufweist, später aber immer eigenständiger wird, ist für den ein oder anderen Schmunzler gut. Humorvoller Umgang der Charaktere untereinander statt Überspitzung, auch hier sind wir wieder back to basics. Arent darf sogar seine Catchphrase aus dem "Frosch" wiederholen! Und er erhält als einziger die besondere "und"-Nennung im Vorspann, was ihn noch mehr als Kinski zum unverzichtbaren Inventar und heimlichen Star der Reihe macht.

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll Mr. Cody als Paradebeispiel eines untergebutterten Ehemanns, was eventuell etwas überdeutlich, im Zusammenspiel mit der Eiseskälte von Mrs. Cody allerdings ein wirkungsvolles Stilmittel ist. Auch abseits der Schauspieler finden sich viele kleine Vohrer-typische Ideen wie die Armleuchter in der Gruft, das Playback-Orgelspiel oder der pikante Frauenstuhl Codys mit dem Plattenspielerfach zwischen den Schenkeln, in das Ady Berber beherzt-wühlend hineingreifen darf. Am Wegesrand findet sich zudem der pikierte Blick Nielsens, als Martin das Dekoobjekt als Aschenbecher benutzt sowie der Umgang Arents mit diversen Hüten (Sir Johns wird pfleglich behandelt, Havelocks achtlos weggeworfen). Arent, Schürenberg, Vohrer, Wallace, diese Kombination sollte auch in Sachen Humor Zukunft haben. Bleibt sonst noch etwas zu sagen? Ach ja! Vorsicht... auf dem Heimweg!

Savini Offline



Beiträge: 1.015

29.08.2025 15:22
#70 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Der Kontrast zur "Orchidee" könnte daher kaum größer sein. Insbesondere musikalisch.

Stilistisch finde ich ehrlich gesagt den Bruch zwischen "Gräfin" und "Orchidee" extremer, abgesehen von der Musik. Der Humor z. B. ist bei der "Tür" zwar nicht so extrem wie bei der "Orchidee" vertreten, aber zumindest deutlich stärker als bei der "Gräfin".
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Man könnte fast meinen, Thomas hätte sich beim Vorgänger so sehr überanstrengt, dass er hier nur auf Sparflamme gearbeitet hat. Allerdings wurde auch bereits in den "Augen" in manchen Szenen gezielt auf Stille gesetzt, um die düstere, ungewisse Atmosphäre zu verstärken.

Mir fällt bei Vohrers ersten drei Beiträgen auf, dass dort insgesamt die Musik relativ sparsam eingesetzt wurde, also auch beim "Gasthaus", dessen Soundtrack bekanntlich von Martin Böttcher stammt. Viele Szenen kommen entweder ganz ohne Musik aus oder diese ist nur sehr dezent. Erst ab dem "Zinker" änderte sich das.
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
(und selbst Drache muss hier nach Arents Kommentar zu dem versenkten Wagen schmunzeln, eine Reaktion die mir durchaus natürlich und nicht gespielt erschien)

Laut Chrstos Tses war Arents Kommentar eine Improvisation, die vom begeisterten Vohrer mit "Gebt ihm ´ne Mark!" kommentiert wurde. Insofern kann es gut sein, dass Draches Reaktion wirklich "spontan" war und im Film blieb.
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Erst nach überstandener Gefahr kommt von Arent schließlich der launige Kommentar ("Mündungsschoner").

Ob eine unter einer künstlichen Hand versteckte Waffe wohl auch Vohrers Idee war, weil er das origineller fand, als einfach eine Pistole zu ziehen? 1962 war der Anblick einer Prothese für viele Zuschauer sicher nicht so ungewohnt (der Krieg lag weniger als 20 Jahre zurück).
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Und anstatt dass der Sergeant hier ein besonderes Hobby hat, ist es hier der Inspektor mit seinen Zauberstücken und seiner Fingerfertigkeit. Auch diese nicht selbstzweckhaft, sondern durchaus im Zuge der Ermittlungen mehrfach verwendet.

Wobei es auch in der Romanvorlage schon so ist, dass Dick Martin als Sohn eines Gefängnisdirektors von verschiedenen Verbrechern kleine Tricks zum Diebstahl gelernt hat und diese im Laufe der Handlung einsetzt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Arent darf sogar seine Catchphrase aus dem "Frosch" wiederholen! Und er erhält als einziger die besondere "und"-Nennung im Vorspann, was ihn noch mehr als Kinski zum unverzichtbaren Inventar und heimlichen Star der Reihe macht.

Ob Kinski hier nicht mit "und" aufgeführt wurde, weil sein Auftritt in diesem Film sehr kurz ausfällt?
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll Mr. Cody als Paradebeispiel eines untergebutterten Ehemanns, was eventuell etwas überdeutlich, im Zusammenspiel mit der Eiseskälte von Mrs. Cody allerdings ein wirkungsvolles Stilmittel ist.

Hier entsprechen die Figuren, ihr Verhältnis zueinander und sogar das Aussehen nahezu 1:1 der Buchvorlage.
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Am Wegesrand findet sich zudem der pikierte Blick Nielsens, als Martin das Dekoobjekt als Aschenbecher benutzt

Das ist mir bisher nie aufgefallen, obwohl ich den Film oft genug gesehen habe.
Zitat von Count Villain im Beitrag #69
sowie der Umgang Arents mit diversen Hüten (Sir Johns wird pfleglich behandelt, Havelocks achtlos weggeworfen)

Ein herrliches kleines Detail, bei dem ich mir auch vorstellen könnte, dass es beim Dreh improvisiert wurde.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

29.08.2025 15:55
#71 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #70
Laut Chrstos Tses war Arents Kommentar eine Improvisation, die vom begeisterten Vohrer mit "Gebt ihm ´ne Mark!" kommentiert wurde. Insofern kann es gut sein, dass Draches Reaktion wirklich "spontan" war und im Film blieb.


Zudem man das Versenken eines Autos auch ungerne mehrfach dreht.

Zitat von Savini im Beitrag #70
Ob Kinski hier nicht mit "und" aufgeführt wurde, weil sein Auftritt in diesem Film sehr kurz ausfällt?


Arent wurde diese Ehre trotz Kleinstrolle im Fälscher allerdings zuteil.

Zitat von Savini im Beitrag #70
Das ist mir bisher nie aufgefallen, obwohl ich den Film oft genug gesehen habe.


Ich finde es auch spannend, was man alles entdecken kann, wenn man sich die Filme mal mit einem bestimmten Hintergedanken anschaut statt nur zu konsumieren.

Savini Offline



Beiträge: 1.015

29.08.2025 16:43
#72 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #71
Arent wurde diese Ehre trotz Kleinstrolle im Fälscher allerdings zuteil.

Natürlich; aber beim "Fälscher" gab es insgesamt nicht so viele Wallace-typische Namen und Gesichter (abgesehen von Karin Dor, Siegfried Lowitz und vielleicht noch Ulrich Beiger).

Savini Offline



Beiträge: 1.015

31.08.2025 09:51
#73 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #69
Überdies funktioniert nicht nur das komödiantische Zusammenspiel zwischen Arent und Drache, sondern auch zwischen Arent und Schürenberg hier bereits vorzüglich. (...) Arent, Schürenberg, Vohrer, Wallace, diese Kombination sollte auch in Sachen Humor Zukunft haben.

Es überrascht mich etwas, dass du in deinem Beitrag nicht genauer auf Siegfried Schürenberg als Sir John eingegangen bist. Er gab hier nicht nur seinen Einstieg in der Rolle, sondern setzte scon erste Akzente: Vorgesetzte hatte es vom "Frosch" an in vielen Filmen der Reihe gegeben, aber diese waren lange Respektpersonen ohne Anflug von Humor (und teilweise dadurch langweilige Figuren). Hier finden sich erste Ansätze zu einer humorvollen Note, wenn Sir John sich in einer Szene kurz mehr für den Ausgang eines Fußballspiels als für den begangenen Mord interessiert. Natürlich ist seine Rolle hier noch in erster Linie Chef, aber ein erster Schritt zur Umdeutung ist getan.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 713

31.08.2025 20:56
#74 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #70
Laut Chrstos Tses war Arents Kommentar eine Improvisation, die vom begeisterten Vohrer mit "Gebt ihm ´ne Mark!" kommentiert wurde. Insofern kann es gut sein, dass Draches Reaktion wirklich "spontan" war und im Film blieb.

Wahrlich ein ikonischer Moment. Irgendwie genau das, was ich mir unter englischem Humor vorstelle.

Ansonsten finde ich das verschrobene alte Fossil in der Leihbibliothek sehr witzig, der dort offensichtlich sein ganzes Leben verbringt und mit der Zeit etwas -hm- wunderlich geworden ist.
"Miss Läääänsdauuun" quäkt er auf des Inspektors Nachfrage herum, ansonsten grunzt und grimassiert er ja lieber. Das ist immer eine meiner Lieblingsstellen im Film.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.765

24.11.2025 10:30
#75 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Eine kurze Zwischenmeldung von mir: Ich habe dieses Projekt nicht vergessen und hoffe, dass es hier noch vor Weihnachten weitergehen kann. Aber in den letzten Wochen und im Moment halten mich verschiedene Krankheitsfälle bei den Arbeitskollegen und ein Unfall im Familienkreis auf Trab, so dass ich bisher noch nicht wieder die nötige Ruhe für eine detaillierte Filmsichtung gefunden habe.

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