Zitat von Savini im Beitrag #45Ganz streng genommen gibt es auch im Buch einen Nachbarn, der den Mörder nach der Tat durch den Garten gehen sah; aber das sind wirklich nur ein paar Sätze.
Ah, spannende Info. Und Beleg dafür wie lange ich schon keinen Wallace-Roman mehr gelesen habe. Aber in anderen Fällen hätte man den Charakter entweder weggelassen oder einen Kleindarsteller dafür besetzt.
Zitat von Savini im Beitrag #45Ehrlich gesagt, ist für mich eher der "Fälscher" der "nüchternste" Film der Reihe bzw. der mit dem geringsten Humoranteil ("leise" finde ich in dieser Hinsicht z. B. eher den "Kreis").
"Nüchtern" heißt für mich in dem Zusammenhang nicht "geringster Humoranteil". Ich beziehe das auch auf die Gesamtatmosphäre, die ich in den "Narzissen" modern-distanzierter finde als im eher märchenhaften "Fälscher", in dem es zwischen den Charakteren etwas mehr menschelt. Den "Kreis" würde ich eher als pointiert beschreiben.
Zitat von Count Villain im Beitrag #46Ah, spannende Info. Und Beleg dafür wie lange ich schon keinen Wallace-Roman mehr gelesen habe.
Sollte dir der "Banknotenfälscher" irgendwann unterkommen, wäre es sicher interessant, wie der Vergleich zwischen Roman und Drehbuch aus deiner Sicht ausfällt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #46Aber in anderen Fällen hätte man den Charakter entweder weggelassen oder einen Kleindarsteller dafür besetzt.
Sicherlich; es wäre wirklich interessant, ob die hysterische Note und der erneute Auftritt am Ende schon im Drehbuch standen oder man dies etwas änderte, um Arent unterbringen zu können.
Zitat von Savini im Beitrag #45Ganz streng genommen gibt es auch im Buch einen Nachbarn, der den Mörder nach der Tat durch den Garten gehen sah; aber das sind wirklich nur ein paar Sätze.
Der Nachbar im Buch gibt dem Inspektor einen Hinweis auf einen Schuss mit einem Schalldämpfer, da er solche Entwicklungen noch aus dem Krieg kannte. Tatsächlich findet Bourke dann ja auch eine Schalldämpferpistole bei dem bewusstlosen Peter, abweichend zum Film. Ebenso stellt der Nachbar, glaube ich zumindest, fest, dass er zum Tatzeitpunkt eine Person im Garten von Radlow gesehen hat, die sich "aufrecht und rasch" bewegte. Konnte also nicht der angeblich halbverrückte und abwesend-betäubte Peter sein. Eddi Arents Rolle ist also durchaus nicht so an den Haaren herbeigezogen. Natürlich hat man etwas zu viel des Guten hineingeben. Durch seine hektische Aktion mit dem Umkippen des Schrankes ist er ja abweichend zum Buch der Auslöser zum Auffinden der versteckten Dokumente. Aber ich finde, das ist ein grober Logikschnitzer. Denn wieso hätte der Anwalt seine Schriftstücke hinter dem Arbeitszimmerschrank verstecken sollen? Blödsinn!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #48Aber ich finde, das ist ein grober Logikschnitzer. Denn wieso hätte der Anwalt seine Schriftstücke hinter dem Arbeitszimmerschrank verstecken sollen? Blödsinn!
Wenn der Zeitungsartikel (aus dem hervorgeht, dass es zwei Personen namens Alexander Wellerson gab) auf dem Schreibtisch gelegen hätte, wäre er vom Mörder sicher entfernt worden, ebenso wie die ersten sechs Seiten des Berichts. Ganz so abwegig erscheint es auch nicht, dass ein Anwalt ein wichtiges Beweisstück gesondert aufbewahrt. Viel eher könnte man fragen, ob es aus Sicht von Dr. Wells so sinnvoll war, Radlow zu töten; jenseits von seinem Bericht und dem Zeitungsartikel waren der Tod des leiblichen Vaters von Peter Clifton und die erneute Heirat seiner Mutter doch sicher auch durch Unterlagen im zuständigen Standesamt dokumentiert.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #48Aber ich finde, das ist ein grober Logikschnitzer. Denn wieso hätte der Anwalt seine Schriftstücke hinter dem Arbeitszimmerschrank verstecken sollen? Blödsinn!
Die Zeitung liegt unter der Vorderseite des umgekippten Schranks und beim Fallen sind die Türen aufgegangen. Sie klemmt zwischen einer der Schranktüren, deren Scharnieren gerissen sind, und dem Schrank. Befand sich also darin und nicht dahinter. Gerade eben noch einmal überprüft.
Mir kam es immer so vor, als wären die Papiere hinter den Schrank geklemmt gewesen. Im Roman hat aber nach meiner Erinnerung der Zeitungsartikel irgendwie im Nachlass von Dr. Wells gesteckt, der ihn zufällig beim Renovieren in einer alten Zeitung gefunden hatte.
Natürlich hätte man das alles mit den zwei Ehemännern durch Überprüfen der standesamtlichen Daten herausbekommen können. Aber hier kann man wohl wirklich gelten lassen, dass niemand einen Grund hatte, das zu tun, weil es einfach keinen Verdacht gegeben hat.
Ansonsten ist es eine durchaus interessante Diskussion, die ihr da gerade führt. Dicker Daumen nach oben !
Zitat von Count Villain im Beitrag #38Das Geheimnis der gelben Narzissen oder: Der sicherste Ort auf der Welt.
Anscheinend war die Reihe zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht soweit, dass man als deutsche Produktionsgesellschaft auch international Arent bzw. eine Arent-typische Figur durchdrücken konnte oder wollte. Selbst Ling Chus chinesische Weisheiten fühlen sich nicht wirklich an wie eine entspannte Auflockerung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man es mit einem Charakter zu tun hat, der weder vor Folter noch Blutrache zurückschreckt.
Als ich die "Narzissen" das letzte Mal gesehen habe, hatte ich bei Ling Chus ersten Szenen auch erst den Eindruck, er sei diesmal der Comic Relief anstelle von Arent. Aber wirklich vergleichen lässt sich das nicht, das ist schon ein ziemlicher Unterschied.
Zitat von Count Villain im Beitrag #38Seine klugen Sprichworte dienen eher dazu, den Charakter mit dieser Marotte glaubhaft - teilweise auch stereotyp - als Asiaten zu definieren, und umschreiben zudem oftmals auf pointierte Weise sehr ernste Angelegenheiten. Da müsste man eigentlich auch noch einmal den Roman zur Hand nehmen, um zu vergleichen, wie Ling Chu dort ausgestaltet ist.
Zitat von Savini im Beitrag #39Denn dort war man es durch Charlie Chan gewohnt, dass ein chinesischer Detektiv so redete; das hiesige Publikum kam mit dieser Figur dagegen erst in den 70ern in Kontakt.
Entspricht eben der damaligen generellen Darstellung von Asiaten, bzw. wie man sich diese damals in Europa vorstellte.
Zitat von Count Villain im Beitrag #38Das ist nicht das, was das Publikum mittlerweile erwartet und - glücklicherweise? - auch nicht das, was es in Zukunft bekommen wird.
Beim ersten Sehen kamen mir die "Narzissen" als Wallace-Film auch total ungewohnt vor - wahrscheinlich, weil ich da noch zu sehr an Vohrers Stil gewohnt war.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Der Fälscher von London oder: Verzeihen Sie, Sir, darf ich mich entfernen?
Das scheint nun wirklich der Punkt zu sein, an dem man sich sagte: Ohne Arent geht es nicht.
Wobei die Tatsache, dass Eddi Arent nur in zwei kurzen Szenen vorkommt und der Film weitestgehend ohne ihn erzählt wird, doch eher zeigt, dass es doch auch ohne ihn geht (nichts gegen Arent!).
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Doch wie sieht es davor aus? Hat man Arent oder generell humoristische Einschübe in dem Film vermisst? Erstaunlicherweise nicht.
Eben.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Immerhin erhielt Arent für diesen gefühlten Gastauftritt in den Credits erstmalig (?) eine "sowie" Nennung.
Interessant, dass dies gerade bei einem Film passierte, in dem er kaum zu sehen ist!
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Dies mag an der Bildgestaltung liegen,
Oh ja, die haben Reinl und Löb hier richtig gut hinbekommen, handwerklich erstklassig. Eine der großen Stärken des Films.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Hatte ich die "Narzissen" in Sachen Humor als den nüchternsten Wallace bezeichnet, so würde ich den "Fälscher" als den Wallace-Film mit dem leisesten Humor benennen wollen.
Manchmal ist weniger eben mehr - und bei "Fälscher" ist es definitiv so.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #52Entspricht eben der damaligen generellen Darstellung von Asiaten, bzw. wie man sich diese damals in Europa vorstellte.
Nicht nur in Europa; auch in amerikanischen Filmen fiel dieDarstellung asiatischer Figuren bis in die 60er oft extrem stereotyp aus. Es ging mir auch nur darum, dass bestimmte Darstellung damals speziell im englischsprachigen Raum etabliert waren und man daran merkt, dass das Drehbuch dieses Films von dort stammt.
Zitat von Count Villain im Beitrag #44Immerhin erhielt Arent für diesen gefühlten Gastauftritt in den Credits erstmalig (?) eine "sowie" Nennung.
Interessant, dass dies gerade bei einem Film passierte, in dem er kaum zu sehen ist!
Es wäre natürlich interessant, ob manche Wallace-erfahrenen Zuschauer sich damals beim ersten Sehen gefragt haben, wo er denn bleibe.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #52Beim ersten Sehen kamen mir die "Narzissen" als Wallace-Film auch total ungewohnt vor - wahrscheinlich, weil ich da noch zu sehr an Vohrers Stil gewohnt war.
Ich war überrascht, als mir durch die in Joachim Kramps Buch dokumentierte Chronologie bewusst wurde, wie relativ früh die "Narzissen" entstanden sind - ich hatte sie zuvor etwas später eingeordnet (speziell wegen der deutlich größeren Unterschiede zur Romanvorlage).
Zitat von MrTwelve im Beitrag #52Als ich die "Narzissen" das letzte Mal gesehen habe, hatte ich bei Ling Chus ersten Szenen auch erst den Eindruck, er sei diesmal der Comic Relief anstelle von Arent. Aber wirklich vergleichen lässt sich das nicht, das ist schon ein ziemlicher Unterschied.
Das stimmt schon, beim ersten Sehen des Films oder nochmaligen Sehens nach längerer Pause kann man tatsächlich leicht den Eindruck bekommen so eine Art Buddy-Gespann vor sich zu haben wie Fuchsberger/Arent zuvor in "Frosch" und "Augen". Im weiteren Verlauf schwenkt das allerdings um und der Charakter wird zwielichtiger und vielschichtiger. Bei meiner Besprechung habe ich wahrscheinlich zu sehr die Figur als Ganzes gesehen und es deshalb nicht explizit herausgestellt, sondern nur impliziert.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #52Wobei die Tatsache, dass Eddi Arent nur in zwei kurzen Szenen vorkommt und der Film weitestgehend ohne ihn erzählt wird, doch eher zeigt, dass es doch auch ohne ihn geht (nichts gegen Arent!).
Ja und Nein. Einerseits funktioniert der Film vorher tatsächlich auch ohne ihn sehr gut, andererseits ist die Rolle so klein, dass man sich fragt, warum man dafür ausgerechnet Arent besetzen musste. Außer dass man ihn tatsächlich dabeihaben wollte. Und - wenn man mal ehrlich ist - die Tollpatschigkeit und die Besetzung mit Arent macht die Figur doch erst so memorabel. Außerdem ist es zwar nicht sehr elegant, aber schon irgendwie eine geniale Idee, einen Ein-Szenen-Roman-Charakter mit einem wichtigen Plotpoint (Auffinden der Zeitung) und etwas direkterem Humor zu verbinden.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #52Wobei die Tatsache, dass Eddi Arent nur in zwei kurzen Szenen vorkommt und der Film weitestgehend ohne ihn erzählt wird, doch eher zeigt, dass es doch auch ohne ihn geht (nichts gegen Arent!).
Ja und Nein. Einerseits funktioniert der Film vorher tatsächlich auch ohne ihn sehr gut, andererseits ist die Rolle so klein, dass man sich fragt, warum man dafür ausgerechnet Arent besetzen musste. Außer dass man ihn tatsächlich dabeihaben wollte. Und - wenn man mal ehrlich ist - die Tollpatschigkeit und die Besetzung mit Arent macht die Figur doch erst so memorabel.
Das ist wahr. Wenn ein unbekannter Kleinstdarsteller, der ganz normal gespielt hätte, in der Rolle besetzt worden, hätte man sich später wohl nicht mehr so sehr dran. erinnert.
Was ich noch überlegt habe: 1961 kamen ganze sieben Filme mit Eddi Arent ins Kino. Gut, einige werden wohl bereits 1960 worden sein, aber vielbeschäftigt war Arent in dem Jahr dennoch. Wollte man ihn 1961 bei der Rialto vielleicht schon in lustigen Rollen als feste Konstante in der Reihe etablieren, konnte dies aufgrund von Terminschwierigkeiten Arents aber nicht vollständig? Sodass man die "Narzissen" notgedrungen ohne ihn machte und ihn im "Fälscher", als Kompromiss vielleicht, zwar dabeihatte, aber nur in einer sehr kleinen Rolle? Dass er in dem Film bereits eine Sondernennung im Vorspann hatte, könnte dafür sprechen, dass Eddi Arent schon als Bestandteil der Wallace-Serie angesehen wurde.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #55Was ich noch überlegt habe: 1961 kamen ganze sieben Filme mit Eddi Arent ins Kino. Gut, einige werden wohl bereits 1960 worden sein, aber vielbeschäftigt war Arent in dem Jahr dennoch. Wollte man ihn 1961 bei der Rialto vielleicht schon in lustigen Rollen als feste Konstante in der Reihe etablieren, konnte dies aufgrund von Terminschwierigkeiten Arents aber nicht vollständig? Sodass man die "Narzissen" notgedrungen ohne ihn machte und ihn im "Fälscher", als Kompromiss vielleicht, zwar dabeihatte, aber nur in einer sehr kleinen Rolle? Dass er in dem Film bereits eine Sondernennung im Vorspann hatte, könnte dafür sprechen, dass Eddi Arent schon als Bestandteil der Wallace-Serie angesehen wurde.
Das mit dem letztgenannten Punkt würde ich auch so sagen. Dass er bei den "Narzissen" nicht dabei war, hing wohl schlicht damit zusammen, dass deren Drehbuch in Großbritannien entstand, bei Autoren, die nicht genau mit den (damals noch im Entstehen begriffenen) Prinzipien der Rialto-Serie vertraut waren; außerdem fanden die Dreharbeiten in Großbritannien statt, was möglicherweise ein zusätzliches Hindernis war.
Stimmt. Man hätte natürlich, wenn der Film ohnehin in zwei Fassungen für Deutschland und Großbritannien gedreht wurde, Szenen mit Eddi Arent in einer lustigen Rolle exklusiv für Deutschland drehen können. Ähnlich wie mit Schürenberg in der "Nonne". Natürlich hätte dafür das Drehbuch entsprechend angepasst werden müssen, und Arent hätte auch nach Großbritannien reisen müssen. Beides war wohl unter den Bedingungen, unter denen der Film entstand (siehe hier: Bewertet: "Das Geheimnis der gelben Narzissen" (1961, 6) (12)), zeitlich nur schwer oder gar nicht möglich. Wenn man das so überlegt, überrascht Eddi Arents Fehlen in den "Narzissen" gar nicht mehr so...
Zitat von MrTwelve im Beitrag #57Stimmt. Man hätte natürlich, wenn der Film ohnehin in zwei Fassungen für Deutschland und Großbritannien gedreht wurde, Szenen mit Eddi Arent in einer lustigen Rolle exklusiv für Deutschland drehen können. Ähnlich wie mit Schürenberg in der "Nonne".
Das wäre allerdings sehr schwierig gewesen, da Arent meistens "durchgehende" Rollen spielte, die in relativ vielen Szenen präsent waren und mit verschiedenen Figuren Interaktion hatten. Das hätte bedeutet, extrem viel neu schreiben und separat drehen zu müssen und wäre ein viel zu großer Aufwand gewesen. Bei der "Nonne" fiel das im Vergleich erheblich leichter, da Sir John bei seinen drei Szenen ja allein mit Cooper-Smith interagierte.
Ob das ausgerechnet bei den "Narzissen" ein Hinderungsgrund gewesen wäre? Immerhin musste man für drei Hauptdarsteller auch schon Szenen doppelt drehen.
Es geht hier übrigens in wenigen Tagen, spätestens nächste Woche weiter.
Zitat von Count Villain im Beitrag #59Ob das ausgerechnet bei den "Narzissen" ein Hinderungsgrund gewesen wäre? Immerhin musste man für drei Hauptdarsteller auch schon Szenen doppelt drehen.
Allerdings hätte man für eine Arent-Rolle das Drehbuch auch umschreiben und eventuell auch an der Figurenkonstellation etwas ändern müssen. Das wäre vermutlich ein noch größerer Aufwand gewesen, als Szenen doppelt zu drehen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #59Es geht hier übrigens in wenigen Tagen, spätestens nächste Woche weiter.