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Dieses Thema hat 76 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

18.07.2025 18:32
#16 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von MrTwelve im Beitrag #15
Könnte vielleicht sogar sein Auftritt im "Rächer" für heutige Durchschnittszuschauer der Wallace-Reihe ungewohnt ernst wirken?


Das halte ich für möglich. Obwohl eine vertraut-joviale Art manchmal trotzdem schon durchscheint.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

19.07.2025 23:06
#17 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Die Bande des Schreckens oder: Was wäre Britannien ohne seine Fotografen?

Lässt man den Rächer als Konkurrenzprodukt einmal außen vor, so haben wir nun erstmalig eine Drehbuchvorlage, die nicht von Egon Eis stammt, was man auch direkt merkt. Das Zusammenspiel der Charaktere scheint mehr auf die Geschichte als auf Geplänkel fokussiert zu sein, der Humor etwas schärfer von der Handlung abgegrenzt.

Nichtsdestotrotz findet man auch hier natürlich einige nette Spitzen und Bonmots. Da stechen vor allem Longs nonchalante und später auch cool-energische Art, der neckisch ungezwungene gegenseitige Umgang von Long und Nora sowie Mrs. Revelstokes schonungslose und über den Dingen stehende Offenheit hervor. Doch haben wir nun auch zum ersten Mal mit dem Fotografen eine rein komische Rolle, die im Grunde nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt und deren Fehlen nichts Wesentliches ändern würde. Ihre klare Funktion zeigt sich vor allem durch eine absurd-komische Eigenart, die sich als Running Gag durch den ganzen Film zieht, und einer prägnanten Catchphrase ("Das macht Freude"). Letztere findet sich dank Wallace etwas weniger plakativ auch bereits bei Wetter Long ("Ich wette dagegen"). Ebenfalls zum ersten Mal ändert sich ohne die Eis'schen Dialoge auch die Rolleninterpretation von Arent. Edwards ist klar von James und Haggett unterscheidbar.

Ansonsten ist über den gesamten Filmverlauf immer mal wieder etwas eingestreut. Seien es die humoristisch aufbereitete Geistererscheinung durch den ähnlich aussehenden Diener, zeitgenössische oder selbstreferentielle Anspielungen ("nur nicht nervös werden", "was wäre Britannien ohne seine Fotografen" [Heirat von Antony Armstrong-Jones und Prinzessin Margaret 1960], "meine Freunde nennen mich Blacky") oder die albern absurden Auftritte von Edwards im Finale, die die wirklich nervenzerrende Atmosphäre im Hotel wirksam aufbrechen. Der erste Schritt zur bekannten Wallace-Formel ist mit diesem Film jedenfalls gemacht.

Schließen möchte ich in der Kategorie "Humor am Wegesrand" noch mit einem Zitat aus dem Besprechungsthread.

Zitat von Ray im Beitrag Bewertet: "Die Bande des Schreckens" (1960, 3)
Welchen Moment ich jedoch recht nett fand, der mir aber nicht mehr in Erinnerung war, war jener, in dem Long Nora aus dem Essenssaal im Golfhotel herauszieht, um sie wegen des Rings auszufragen und diesen Eingriff in ihre Privatssphäre mit dem Ausspruch rechtfertigt, dass es in der Sache "keine Privatangelegenheiten" mehr gäbe. Im gleichen Moment sieht und hört man im Hintergrund einen Mann und eine Frau eingehakt und vergnügt die Treppe in Richtung Hotelzimmer hinaufsteigen...



Sehr fein beobachtet!

Savini Offline



Beiträge: 1.023

20.07.2025 08:58
#18 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #17
Doch haben wir nun auch zum ersten Mal mit dem Fotografen eine rein komische Rolle, die im Grunde nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt und deren Fehlen nichts Wesentliches ändern würde. Ihre klare Funktion zeigt sich vor allem durch eine absurd-komische Eigenart, die sich als Running Gag durch den ganzen Film zieht, und einer prägnanten Catchphrase ("Das macht Freude"). (...) Edwards ist klar von James und Haggett unterscheidbar.

Das sehe ich nicht ganz so: James trug eigentlich auch nichts zur Handlung bei und diente seinem Herrn lediglich als Stichwortgeber, außerdem hatte auch er eine Catchphrase ("Gigantisch, Sir!"). Allerdings sind Klamauk-Faktor und Absurdität hier schon deutlich stärker vertreten.
Immerhin darf Edwards an einer Stelle dem falschen Bobby gegenüber erstaunlich schlagfertig sein ("Stichwort "komische Figuren").
Zitat von Count Villain im Beitrag #17
"meine Freunde nennen mich Blacky"

Dazu meinte mein Vater mal trocken: "Ich dich auch!"

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

20.07.2025 09:55
#19 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Ich sehe James dramaturgisch durchaus als wichtige Figur an. Zum einen unterstützt seine Rolle als Butler Richard Gordons Auftreten als reicher Erbe, dient ihm in vielen Szenen als Anspielpartner, bildet mit ihm wie schon von Daniel bemerkt eine Frühform des Buddy-Gespanns und macht die Schlägereien am Ende glaubwürdiger, wenn Gordon sie nicht ganz alleine bewältigen muss.

Ich habe auch nicht behauptet, dass Edwards nicht schlagfertig sei. Aber er hat im Gegensatz zu den Eis-Figuren nicht mehr diese steife, britische Korrektheit mit der er seine Pointen setzt. Er wirkt nahbarer.

Und letztendlich ist meine Besprechungsreihe natürlich subjektiv, auch wenn ich mich um Neutralität bemühe.

Savini Offline



Beiträge: 1.023

20.07.2025 18:16
#20 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #19
Ich sehe James dramaturgisch durchaus als wichtige Figur an. Zum einen unterstützt seine Rolle als Butler Richard Gordons Auftreten als reicher Erbe, dient ihm in vielen Szenen als Anspielpartner, bildet mit ihm wie schon von Daniel bemerkt eine Frühform des Buddy-Gespanns und macht die Schlägereien am Ende glaubwürdiger, wenn Gordon sie nicht ganz alleine bewältigen muss.

Gordon als Millionenerbe (und Neffe des Polizeichefs) wäre im Prinzip nicht nötig gewesen, da es sich ja um Hinzudichtungen der Verfilmung handelt (darauf wies seinerzeit bereits Joachim Kramp hin). Ob man es so machte, um das Ende "märchenhafter" wirken zu lassen? Bei den Wallace-Romanen gehört eine Millionenerbschaft bei der weiblichen oder (manchmal auch) männlichen Hauptfigur zum Standard, der "Frosch" dürfte einer der wenigen "berühmten" Romane ohne dieses Motiv sein.
Ein Stichwortgeber war bei Gordon zwar sinnvoll, aber nicht unverzichtbar: Dass die Einbrüche die Handschrift von Harry Lyme tragen und dieser seinen Tod nur vorgetäuscht haben könnte, hätte auch Elk gegenüber Sir Archibald ansprechen können (er scheint ja unabhängig davon auch einen solchen Verdacht zu haben). Auch dass Gordon eine Kamera einbaut, wäre auch ohne den Dialog mit James darstellbar gewesen (sein Motiv wäre auch nicht schwer zu erraten gewesen).
Wären im Keller später nur zwei oder drei Bandenmitglieder gewesen, wäre der Ausbruch später auch vorstellbar.
Um nicht missverstanden zu werden: James empfinde ich keineswegs als aufgeklebt oder störend; und er erleichtert manche Darstellungen durchaus. Es ist nur so, dass seine Rolle nicht zwingend nötig war und man durch ihre Einführung beim Publikum eine gewisse Erwartungshaltung für den weiteren Verlauf der Reihe etablierte.
Zitat von Count Villain im Beitrag #19
Ich habe auch nicht behauptet, dass Edwards nicht schlagfertig sei. Aber er hat im Gegensatz zu den Eis-Figuren nicht mehr diese steife, britische Korrektheit mit der er seine Pointen setzt. Er wirkt nahbarer.

Sicher sind solche Eindrücke eine subjektive Sache; aber "nahbar" (oder z. B. "bodenständig") fiele mir eher in Bezug auf Haggett ein. Er ist riskiert durchaus subtile Spitzen gegenüber Vorgesetzten und ist in seinem Fach durchaus kompetent, was ihn als Polizeibeamten durchaus glaubwürdig macht; anders als z. B. jemand, der von Berufs wegen Leichen fotografiert, obwohl er dabei regelmäßig ohnmächtig wird.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

21.07.2025 10:22
#21 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Die Frage ab wann eine Figur nötig oder unnötig für einen Film ist, könnte sicher seitenweise eine eigene Diskussion füllen (auch mal ein spannendes Thema). Die Übergänge sind wahrscheinlich fließend und die Grauzone groß. Im relativen Vergleich kam mir Edwards jedenfalls für den eigentlichen Kriminalfall unnötiger vor als James. Wobei ich damit seine Funktion gar nicht in Abrede stellen will. Wie schon erwähnt kann der Zuschauer gerade im Finale durch ihn kurz aufatmen und sich daran erinnern, dass er in eine Filmwelt eingeladen wurde, die ihn hauptsächlich unterhalten möchte.

Gut, ob "nahbar" jetzt das richtige Wort ist, darüber lässt sich streiten und ist sicher auch Definitionssache. Edwards zeigt sich auf jeden Fall emotionaler/offenherziger und weniger trocken-reserviert als James und oftmals Haggett. Ich habe es jedenfalls beim Anschauen als etwas größeren Bruch in Arents Rollen empfunden. Der erste größere Schritt in Richtung Spaßmacher vom Dienst.

Savini Offline



Beiträge: 1.023

21.07.2025 15:10
#22 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #21
Die Frage ab wann eine Figur nötig oder unnötig für einen Film ist, könnte sicher seitenweise eine eigene Diskussion füllen (auch mal ein spannendes Thema). Die Übergänge sind wahrscheinlich fließend und die Grauzone groß.

Natürlich. Es ging mir auch nur darum, dass James sicher manche Darstellungen vereinfachte bzw. flüssiger wirken ließ. Auch wenn seine Rolle nicht zwingend nötig war, wirkt sie auch nicht aufgeklebt oder störend, was man bei Edwards teilweise sagen könnte.
Zitat von Count Villain im Beitrag #21
Im relativen Vergleich kam mir Edwards jedenfalls für den eigentlichen Kriminalfall unnötiger vor als James.

Dem stimme ich absolut zu.
Zitat von Count Villain im Beitrag #21
Edwards zeigt sich auf jeden Fall emotionaler/offenherziger und weniger trocken-reserviert als James und oftmals Haggett.

Das lässt sich natürlich damit erklären, dass seine Figur durch zwei emotionale Aspekte charakterisiert wird: Die Leidenschaft für das Fotografieren einerseits und den Abscheu vor Leichen andererseits.

Mal sehen, was du demnächst zu Spike Holland schreiben wirst! Bei dessen Rolle bzw. deren Einsatz ist mir neulich nämlich auch etwas aufgefallen. Aber damit warte ich erstmal, bis der "Bogenschütze" an der Reihe ist.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

22.07.2025 10:12
#23 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #22
Mal sehen, was du demnächst zu Spike Holland schreiben wirst! Bei dessen Rolle bzw. deren Einsatz ist mir neulich nämlich auch etwas aufgefallen. Aber damit warte ich erstmal, bis der "Bogenschütze" an der Reihe ist.


Eigentlich war mein Plan für gestern Abend anders, aber jetzt hast du mich neugierig gemacht.

Der grüne Bogenschütze oder: Da wird gerade der nächste Wallace-Film gedreht!

Ich weiß nicht, ob es wirklich an Schnitzler liegt oder mittlerweile schon eine feste Vorgabe der Reihe war: Der Arent-Charakter mit der Haupt- oder sogar einzigen Funktion der Auflockerung. Zwar kommt Spike Holland bereits im Roman vor, aber wirklich viel zur Handlung beitragen tut er ebenso wie Edwards nicht. Zudem sind beide der bildhaften Aufnahme verpflichtet. Edwards der Fotographie, Holland dem Film. Was ich allerdings Roland und Menge anrechne, ist das Durchbrechen der 4. Wand, das auf diese Weise einmalig in der Reihe ist. Zu Beginn wird damit durch die Gegenschnitte von Arent und Wüstenhagen noch intelligent gespielt, später wird es deutlicher ("Pst!", Schlussgag). Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl dass Holland den Zuschauer damit sehr humorig - andere würden sagen: albern - durch den Film führt. Aber was ist das eigentlich für ein Film? Was tischt uns Roland da eigentlich auf? Dazu später mehr.

Zuerst sei nicht nur Spike Holland gewürdigt, sondern auch sein unterhaltsames Geplänkel mit Sergeant Higgins. Ich weiß nicht, ob es damals in Deutschland bekannte Komiker-Duos gab, aber so eines hätte man für die beiden Rollen besetzen können. Und gäbe es Holland nicht, wäre Higgins sicher die typische Arent-Rolle gewesen. Weiterhin erwähnenswert: Wüstenhagens süffisante - oder sollte man sogar sagen süffige - Spielweise sowie Bellamys amüsante Bärbeißigkeit. Zudem wartet der Film mit einer ordentlichen Portion Stummfilmhumor auf. Seien es die Polizisten bei der Durchsuchung im Keller, Savini im Maschinenraum des Schiffs, Higgins Pose für die Kamera oder das Ehepaar Savini, die im Finale Lacy abziehen, obwohl ihnen das Wasser bis zum Hals steht und am Ende lächeln als wären sie die Unschuld in Person.

Aber zurück zu meinen Fragen und meiner eigentlichen Erkenntnis der Sichtung. Ich glaube nicht, dass bereits beim dritten Film der Rialto-Reihe das Ziel oder die Vorgabe war "wir parodieren uns jetzt selbst". Dafür war es nach den bisherigen erfolgreichen Krimi-Reißern eigentlich noch zu früh. Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass Roland/Menge gesehen haben, was für ein Stoff ihnen vorlag, nämlich eine erschreckend nüchtern-reale Story (über Jahre eingesperrte Frau) mit einer heillos anachronistischen Mörderfigur, und daraufhin entschieden, die Absurdität nicht nur bewusst, sondern auch gezielt auf die Spitze zu treiben. Sei es der Anfang, wo sich Holland über die Grundsituation des nachfolgenden Films lustig macht, wie er später Valerie und Featherstone vor dem klischeehaft überzeichneten Gangster rettet (und nein, das macht seine Figur nicht dramaturgisch notwendig, in anderen Filmen hätte das der Inspektor an dieser Stelle selbst gekonnt) oder nach dem Mord an Creager aufgegriffenen wird und der polizeilichen Ermittlung beiwohnt - die garantiert nicht war wie beim Stahlnetz! Trotz Hollands selbstreferentieller Aussage. Auch hier sind die teetrinkenden Polizisten im Haus des Opfers wahlweise albern oder herrlich britisch-skurril.

Dass man nicht den ganzen Film ins Lächerliche oder in die Parodie/Persiflage ziehen wollte, zeigt sich dann aber im dritten Viertel des Films, das sich erstaunlich ernsthaft darstellt: Verschleppung Valeries auf das Schiff, versuchte Vergewaltigung mit anschließendem Mord (da scheint der Kiez- und Hamburg-Filmer durch), wie Bellamy seine Feinde nach und nach einkassiert und auch die Darbringung von Bellamys Hintergrundgeschichte, die die tragische Seite seiner Figur ans Licht bringt. Erst beim Finale mit der übertrieben wirkenden Gegenwehr Bellamys und der damit notwendigen beinahe schon militärischen Erstürmung seines Schlosses, dreht man in Sachen komischen Konterkarierens wieder voll auf und betont die Absurdität von Wallace' Vorlage.

Und auch wenn ich weiß, dass viele den - oftmals herausgeschnittenen - Nachklapp nicht mögen, schließt er doch wunderbar die Klammer zum Anfang. Holland hat uns in den Film eingeführt und er entlässt uns auch wieder. Und das ist bei einem sympathischen Darsteller wie Herrn Arent doch eigentlich ein schönes Gefühl.

Savini Offline



Beiträge: 1.023

22.07.2025 11:58
#24 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Eigentlich war mein Plan für gestern Abend anders, aber jetzt hast du mich neugierig gemacht.

Danke für deine Mühe!
Der Punkt, um den es mir geht, ist zwar nicht darunter; aber den kann ich ja bei Gelegenheit ergänzen.

Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Ich weiß nicht, ob es wirklich an Schnitzler liegt oder mittlerweile schon eine feste Vorgabe der Reihe war: Der Arent-Charakter mit der Haupt- oder sogar einzigen Funktion der Auflockerung. Zwar kommt Spike Holland bereits im Roman vor, aber wirklich viel zur Handlung beitragen tut er ebenso wie Edwards nicht. Zudem sind beide der bildhaften Aufnahme verpflichtet. Edwards der Fotographie, Holland dem Film.

Die Veränderung von einem Reporter für ein Printmedium zu einem von der Wochenschau passt natürlich zum Film besser; aber es wäre natürlich interessant, ob es Zufall ist, dass beide Arent-Figur mit einer Kamera unterwegs sind.
Eine Gemeinsamkeit (und das wäre der bewusste Punkt) besteht noch darin, dass sowohl Edwards als auch Holland keine durchgehenden Rollen sind, sondern immer mal wieder längere Zeit aus der Handlung verschwinden und ihre Auftritte nach längerer Zeit sie fast wie einen deus ex machina wirken lassen. So wird nicht klar, wieso Holland plötzlich in der "Shanghai-Bar" auftaucht, um Valerie und Featherstone zu retten. War er nur zufällig vor Ort, um für einen Bericht zu recherchieren? Ähnlich zufällig ist er nachts mit seinem (damals bereits) uralten Auto unterwegs, um sich ein Geplänkel mit Sergeant Higgins zu liefern, bevor er diesen dann doch mitnimmt. Danach verschwindet er erneut aus dem Film, um bei der Schießerei vor dem Schloss wieder aufzutauchen. Dazu gleich noch etwas.
Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Weiterhin erwähnenswert: Wüstenhagens süffisante - oder sollte man sogar sagen süffige - Spielweise sowie Bellamys amüsante Bärbeißigkeit. Zudem wartet der Film mit einer ordentlichen Portion Stummfilmhumor auf. Seien es die Polizisten bei der Durchsuchung im Keller, Savini im Maschinenraum des Schiffs, Higgins Pose für die Kamera oder das Ehepaar Savini, die im Finale Lacy abziehen, obwohl ihnen das Wasser bis zum Hals steht und am Ende lächeln als wären sie die Unschuld in Person.

Das sind alles kleine Details, die für den Film nicht unbedingt nötig wären, aber ganz gut verdeutlichen, dass er sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Es wäre wirklich interessant, ob diese Sachen von Menge eingefügt wurden, weil er meinte, die Grundgeschichte mit dem kostümierten Rächer sei zu albern für einen "ernsthaften" Krimi. Was das Durchbrechen der 4. Wand angeht, so meinte Joachim Kramp mal, dieses sei typisch für Roland/Menge. Neben Anfang und Ende tut Arent das ja auch kurz bei seinem Auftritt in der Bar mit seinem "Pst!"-Zeichen in Richtung Kamera.
Zitat von Count Villain im Beitrag #23
wie er später Valerie und Featherstone vor dem klischeehaft überzeichneten Gangster rettet (und nein, das macht seine Figur nicht dramaturgisch notwendig, in anderen Filmen hätte das der Inspektor an dieser Stelle selbst gekonnt)

Wobei ich es hier als amüsante Abwechslung empfunden habe, dass hier nicht der Inspektor die rettende Funktion hat. Auch hier wäre die Frage, ob die Szene schon bei Schnitzler so ablief oder nicht.
Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Dass man nicht den ganzen Film ins Lächerliche oder in die Parodie/Persiflage ziehen wollte, zeigt sich dann aber im dritten Viertel des Films, das sich erstaunlich ernsthaft darstellt: Verschleppung Valeries auf das Schiff, versuchte Vergewaltigung mit anschließendem Mord (da scheint der Kiez- und Hamburg-Filmer durch), wie Bellamy seine Feinde nach und nach einkassiert und auch die Darbringung von Bellamys Hintergrundgeschichte, die die tragische Seite seiner Figur ans Licht bringt. Erst beim Finale mit der übertrieben wirkenden Gegenwehr Bellamys und der damit notwendigen beinahe schon militärischen Erstürmung seines Schlosses, dreht man in Sachen komischen Konterkarierens wieder voll auf und betont die Absurdität von Wallace' Vorlage.

Es ist wohl kein Zufall, dass Holland in diesem Abschnitt wieder völlig abwesend ist. Was seine Präsenz während des Kampfes um das Schloss angeht, so meine ich, dass Roland in einer Dokumentation erwähnt hat, dass im Drehbuch ursprünglich eine Schlacht mit hunderten von Polizisten und/oder Soldaten beschrieben wurde, was Budget udn Zeitplan gesprengt hätte. Darum habe man hier den Reporter eingebaut, um das Publikum davon abzulenken, dass nur eine Handvoll Polizisten tatsächlich zu sehen ist.
Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Und auch wenn ich weiß, dass viele den - oftmals herausgeschnittenen - Nachklapp nicht mögen, schließt er doch wunderbar die Klammer zum Anfang. Holland hat uns in den Film eingeführt und er entlässt uns auch wieder. Und das ist bei einem sympathischen Darsteller wie Herrn Arent doch eigentlich ein schönes Gefühl.

Wobei ich gestehen muss, dass ich bis zum Erscheinen von Joachim Kramps Buch nie den Verdacht hatte, dass hier etwas fehlen würde, anders als bei manchen anderen Stellen.

Jenseits der der bewussten ist die unfreiwillige Komik hier auch nicht zu verachten! Dabei denke ich neben Valeries Entführung durch den (falschen) Bogenschützen und Bellamys Ende (er hat ein Gewehr im Anschlag und lässt dieses trotzdem fallen) vor allem an die Ermordung Creagers, die für mich schon als Kind eine absolute Lachnummer war.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

22.07.2025 12:27
#25 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #24
Eine Gemeinsamkeit (und das wäre der bewusste Punkt) besteht noch darin, dass sowohl Edwards als auch Holland keine durchgehenden Rollen sind, sondern immer mal wieder längere Zeit aus der Handlung verschwinden und ihre Auftritte nach längerer Zeit sie fast wie einen deus ex machina wirken lassen.


Dass Holland in der "ernsten Sequenz" lange fehlt, habe ich ebenfalls bemerkt. Ich hatte das jetzt nur nicht explizit erwähnt. Aber dieser Vergleich mit Edwards ist mir tatsächlich nicht aufgefallen. Daher danke für den Hinweis!

Zitat von Savini im Beitrag #24
Es ist wohl kein Zufall, dass Holland in diesem Abschnitt wieder völlig abwesend ist. Was seine Präsenz während des Kampfes um das Schloss angeht, so meine ich, dass Roland in einer Dokumentation erwähnt hat, dass im Drehbuch ursprünglich eine Schlacht mit hunderten von Polizisten und/oder Soldaten beschrieben wurde, was Budget udn Zeitplan gesprengt hätte. Darum habe man hier den Reporter eingebaut, um das Publikum davon abzulenken, dass nur eine Handvoll Polizisten tatsächlich zu sehen ist.


Das kann ich mir sehr gut vorstellen!

Unfreiwillig komisch oder zumindest irritierend ist natürlich auch Valeries Aufzug bei ihrem nächtlichen Besuch des Schlossgeländes.

Savini Offline



Beiträge: 1.023

22.07.2025 12:44
#26 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #25
Dass Holland in der "ernsten Sequenz" lange fehlt, habe ich ebenfalls bemerkt. Ich hatte das jetzt nur nicht explizit erwähnt. Aber dieser Vergleich mit Edwards ist mir tatsächlich nicht aufgefallen. Daher danke für den Hinweis!

Keine Ursache! Natürlich hattest du seine Abwesenheit schon erwähnt; ich wollte nur unterstreichen, dass seine Auftritte nach einiger Zeit dann etwas von einem Deus ex machina haben. Bei Edwards kommt natürlich hinzu, dass dieser eine komplette Erfindung der Drehbuchautoren war, weshalb sie beim Einsatz dieser Figur noch "freier" verfahren konnten.
Es zeugt wirklich von Fingerspitzengefühl, Holland bei vielen "dramatischen" Szenen wegzulassen; bei späteren Filmen war das leider nicht so selbstverständlich der Fall (Beispiele müssen sicher nicht genannt werden).
Zitat von Savini im Beitrag #24
Unfreiwillig komisch oder zumindest irritierend ist natürlich auch Valeries Aufzug bei ihrem nächtlichen Besuch des Schlossgeländes.

Morgenmantel, Pyjama und Pantoffeln sind dafür wirklich eher ungeeignet!
Apropos: Hollands kurzer Auftritt in ihrem Schlafzimmer war auch nicht unbedingt nötig und sollte wohl nur betonen, dass die vorherigen Ereignisse mit dem erschossenen Wachhund kein Traum waren, wie mancher Zuschauer ansonsten vielleicht wegen des plötzlichen Szenenwechsels kurz denken könnte.

Noch kurz etwas zu Savini: Dass er dem Gauner Lacy einen großen Teil von dessen Geld stiehlt und dies später (mit Unterstützung durch seine Frau) vertuscht, findet sich natürlich bereits in der Romanvorlage.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

22.07.2025 13:09
#27 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #26
Es zeugt wirklich von Fingerspitzengefühl, Holland bei vielen "dramatischen" Szenen wegzulassen; bei späteren Filmen war das leider nicht so selbstverständlich der Fall (Beispiele müssen sicher nicht genannt werden).


Mein Beispiel wäre die gelbe Schlange. Da stört mich Arent im Finale extrem. Aber dazu komme ich hoffentlich noch irgendwann.

Savini Offline



Beiträge: 1.023

22.07.2025 15:09
#28 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #27
Mein Beispiel wäre die gelbe Schlange. Da stört mich Arent im Finale extrem. Aber dazu komme ich hoffentlich noch irgendwann.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf.
Und natürlich darauf, ob eventuell andere Mitglieder noch etwas zu den letzten Beiträgen zu sagen haben.

MrTwelve Offline




Beiträge: 73

23.07.2025 11:28
#29 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #23

Der grüne Bogenschütze oder: Da wird gerade der nächste Wallace-Film gedreht!

Ich weiß nicht, ob es wirklich an Schnitzler liegt oder mittlerweile schon eine feste Vorgabe der Reihe war: Der Arent-Charakter mit der Haupt- oder sogar einzigen Funktion der Auflockerung. Zwar kommt Spike Holland bereits im Roman vor, aber wirklich viel zur Handlung beitragen tut er ebenso wie Edwards nicht.


Interessant ist, dass Jürgen Roland sich einerseits von den vorangegangenen Reinl-Filmen in einigen Punkten bewusst absetzte (z. B. Wussow statt Fuchsberger), andererseits Elemente aus diesen Filmen direkt übernommen hat, wie eben z. B. den Rollentyp von Eddi Arent.
Gut, ich weiß jetzt nicht, inwieweit das vielleicht Vorgabe vom Produzenten oder Verleih war.

Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Ich glaube nicht, dass bereits beim dritten Film der Rialto-Reihe das Ziel oder die Vorgabe war "wir parodieren uns jetzt selbst". Dafür war es nach den bisherigen erfolgreichen Krimi-Reißern eigentlich noch zu früh. Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass Roland/Menge gesehen haben, was für ein Stoff ihnen vorlag, nämlich eine erschreckend nüchtern-reale Story (über Jahre eingesperrte Frau) mit einer heillos anachronistischen Mörderfigur, und daraufhin entschieden, die Absurdität nicht nur bewusst, sondern auch gezielt auf die Spitze zu treiben.


Sehe ich auch so, für Selbstparodien war es noch zu früh, zumal die Reihe ihren Stil in dieser Zeit ja erst entwickelt hat. Der Bogenschütze war halt der erste Versuch, einen Wallace-Film humorvoll zu inszenieren. Und von den Übertreibungen der späteren Filme á la Sir Arthur z. B. noch weit entfernt.

Zitat von Count Villain im Beitrag #23
Und auch wenn ich weiß, dass viele den - oftmals herausgeschnittenen - Nachklapp nicht mögen, schließt er doch wunderbar die Klammer zum Anfang. Holland hat uns in den Film eingeführt und er entlässt uns auch wieder. Und das ist bei einem sympathischen Darsteller wie Herrn Arent doch eigentlich ein schönes Gefühl.


Wirklich störend fand ich das auch nicht, weil es eben auch zum Rest des Films (besonders zum Anfang) passt.

Gruß, Jonas

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

23.07.2025 15:10
#30 RE: Entspannung durch Hochspannung Zitat · Antworten

Jürgen Roland "hat hier voll vom Leder gezogen". Wer seine Regiearbeiten, seine Treue zur Realität kennt, durfte ihn verstehen, dass er für die FSK Vorgaben, darüber wurde schon ausführlich berichtet, eine vom Humor perfekte Vorlage geschaffen hat, sicher auch inspiriert von den Eddie Contantine Filmen. Wow! Ist eben nur etwas für Menschen die wirklich guten Humotr verstehen, das sind leider die Wenigsten.

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

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