DER ADLER VOM VELSATAL (AT: DER WILDERER VOM VELSATAL - WA) Prod.: H.D.-Film, Berlin (Hans Deppe) BRD (1957) - R: Richard Häussler - DE: 8.1.1957 - FSK 12 - V: Europa Darsteller: Claus Holm, Renate Ewert, Ilse Steppat, Kurt Heintel, Waltraud Haas, Richard Häussler, Sepp Rist, Stanislav Ledinek, Ralf Wolter, Irene Norden
Schmuggel und Wilderei sorgen im beschaulichen Velsatal für Unruhe. Toni Erlbacher, der Erbe vom Adlerhof, möchte die umschwärmte Gina heiraten. Doch sein Vater ist gegen die Beziehung, denn Ginas Mutter Coletta genießt als Wirtin der Grenz-Schänke einen zweifelhaften Ruf. Außerdem soll sie mit der Schmugglerbande unter einer Decke stecken. Matteo, der heimliche Wilderer, war einst mit Toni befreundet, doch mittlerweile sind beide Rivalen, denn auch Matteo bemüht sich um die Gunst von Gina. Als er bei einem seiner Beutezüge vom Förster Strobl überrascht wird, erschießt er ihn und legt falsche Fährten, die auf Toni als Täter hinweisen. Dadurch gerät Toni unter Mordverdacht und wird verhaftet.
Heimatfilme standen in den 1950er Jahren weit oben in der Gunst des Kinopublikums. In "Der Adler vom Velsatal" wird die übliche Berg- und Natur-Idylle durch eine Kriminalhandlung aufpoliert. Gedreht wurde 1956 im Großglockner-Gebiet in den österreichischen Alpen. Die Atelieraufnahmen entstanden in den Berliner CCC-Studios. Für Richard Häussler, der in erster Linie als Schauspieler tätig war und sich auch hier als solcher präsentiert, sollte es die letzte Regiearbeit werden. Er wirkte etwas später in ein paar Wallace-Krimis mit (Die seltsame Gräfin, Das indische Tuch, Zimmer 13), starb aber bereits 1964. Häussler inszenierte routiniert und solide, während Kameramann Werner M.Lenz die imposanten Naturkulissen effektvoll in Szene zu setzen wusste. Später war Lenz kameratechnisch für die erfolgreichen Kolle-Aufklärungsfilme verantwortlich und führte Anfang der 70er selbst Regie. Der "Adler" ist zwar nicht mehr als ein typischer Vertreter der damaligen Heimatfilmwelle, präsentiert aber ein interessantes Darstelleraufgebot. Claus Holm als Toni Erlbacher steht zwischen zwei Frauen und gerät schuldlos in den Verdacht, ein Mörder zu sein. Renate Ewert bringt als heißblütige, aber ehrbare Gina ein paar ansprechende Farbtupfer in die biedere Bergwelt und Ilse Steppat, die ihre Mutter spielt, darf wieder mal so richtig auftrumpfen. Einerseits hinterhältig und ohne Skrupel, will sie zugleich für ihre Tochter, die sie aus ihren dunklen Geschäften heraushält, nur das Beste. Stanislav Ledinek gehört zur Schmugglerbande und Kurt Heintel als Matteo entpuppt sich als Wilderer und böser Mordbube. Als der Heimatfilm in den 1970er Jahren ein Revival erlebte (wenn auch in leicht modernisierter Form), sorgte der Kora-Verleih für eine Wiederaufführung des Films unter dem Titel "Der Wilderer vom Velsatal".
Danke für de Vorstellung des Films. Habe ihn mir jetzt auch angesehen. Durchaus spannend gemacht mit Sinn für dramatische Akzente. Auch schön, einige Wallace-Gesichter mal in anderen Rollen und anderem Ambiente zu erleben.
Mittlerweile habe ich den Film auch gesichtet. Die Story ist für einen Heimatfilm der damaligen Zeit gar nicht schlecht und teilweise auch gefühlt etwas (nur etwas!) neben den üblichen Handlungsmustern, gerade auch die Anlage und das Schicksal der von Renate Ewert gespielten Figur sind schon recht ungewöhnlich in diesem Kontext. Sie hat überhaupt recht viel Spielzeit und sieht durchaus hinreißend aus. Für Ewert Fans ein Muss! Positiv empfand ich auch, dass der Film im letzten Drittel nochmals ordentlich an Fahrt aufnimmt und so das Interesse des Zusehers bis zum Ende bannen kann, ganz im Gegensatz zu vielen ähnlichen Produktionen. Ralf Wolter habe ich ehrlich gesagt nicht erkannt… Ilse Steppat trumpft ordentlich in einer für sie irgendwie typischen Rolle auf. Auch die anderen Darsteller sind solide bis gut.
Bei allem Lob hat mich die visuelle Umsetzung allerdings eher enttäuscht, hier hätte ich mir noch etwas interessanter in Szene gesetzte und urigere Motive gewünscht. Wobei dies sicher auch durch die vielen später entstandenen Filme beeinflusst ist und der Film in seiner Entstehungszeit sicher beeindruckend bzw. zufriedenstellend war, zumal es auch für heutige Zuschauer einige sehr gelungene Szenen gibt. Manche Jagd und Wildererszenen wirken etwas statisch, auch bestimmte Punkte (Schützenfest) werden etwas blutleer „abgewickelt“. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass irgendetwas misslungen wäre…Insgesamt also auch von mir eine Empfehlung, mit leichten Abstrichen für Leute die primär nur wegen Landschaftsaufnahmen bzw. uriger Szenen schauen. Da gibt es sicher gelungenere Beiträge.