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 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 720

05.02.2025 13:39
Der goldene Hades (1929) Zitat · Antworten

Der goldene Hades

Originaltitel: The Golden Hades
Erscheinungsjahr: 1929


Hauptpersonen:

Peter Corelly – von der New Yorker Kriminalpolizei
Frank Alwin – Theaterschauspieler
Wilbur Smith – Kriminalbeamter
George Bertram – eigenwilliger Millionär
Jose Bertram – seine schöne Tochter
Professor Cavan – Gelehrter für Mythologie
Mr. Flint – Polizeichef
Tom Scatwell – gefährlicher Ganove
Sam Featherstone – sein Komplize
Fatty – kleiner Gauner


Handlung:

Frank Alwin ist ein talentierter Schauspieler in einem New Yorker Theater. Nach Ende der Aufführung eines Kriminalstückes schenkt er einer Kollegin ein Bündel vermeintliches Falschgeld aus dem Fundus, doch bald stellt sich heraus, dass es sich um echte Dollar gehandelt hat. Sein Freund Wilbur Smith von der Kriminalpolizei klärt ihn darüber auf. Auch über die seltsamen Stempel auf den Scheinen, in goldgelber Farbe, die den Gott Hades, oder auch auf römisch Pluto, darstellen sollen. Es hatte schon verschiedene Fälle gegeben, bei denen Menschen eher durch Zufall in den Besitz solcher Banknotenbündel mit stattlichen Summen gekommen waren. Kurz danach wurde ihnen das Geld von Unbekannten wieder abgenommen, durch List oder auch mittels Gewalt. Eine Frau war sogar erschossen worden.
Die beiden Freunde holen das verschenkte Geldbündel wieder zurück. Kurz darauf wird Alwin brutal niedergeschlagen und entführt. Er findet sich mit schlimmen Kopfverletzungen in einer unterirdischen Behausung wieder. Obwohl seine beiden vermummten Entführer weiterhin recht ordentlich mit ihm umgehen, ist sein Schicksal ungewiss.
Wilbur Smith macht sich entschieden auf die Suche nach seinem Freund, nimmt eine Spur auf und findet sich wenig später übel zugerichtet halbtot im Krankenhaus wieder. Mit den Gangstern scheint nicht gut zu Spaßen zu sein.
Nach diesem neuerlichen Zwischenfall gibt es für den Polizeichef Flint nur eine Alternative. Der berühmte Kriminalist Peter Corelly wird auf die Affäre angesetzt. Wie sich herausstellt, hat der schon längst Fährte aufgenommen. Ein Kleinganove, „Fatty“, ist in die Sache verwickelt worden, und in Folge wird Miss Jose Bertram wegen Besitz von Falschgeld vom Hausdetektiv einer Buchhandlung festgehalten. Die junge Dame ist nicht irgendwer, sondern die Tochter des reichen Bankiers George Bertram. Nach einem verbalen Schlagabtausch fassen der herbeigerufene Peter und Jose Zuneigung füreinander. Leider ist die junge Frau irgendwie tiefergehend in die Sache verstrickt. Corelly sichert ihr trotzdem auch privates Engagement zu. Seine Recherchen führen ihn zu Professor Cavan, einem wohlhabenden Gelehrten und Experten für antike Mythologie mit Butler und Dienerschaft. Der Herr gibt sich leider ziemlich zugeknöpft.
Aber die Ereignisse rollen weiter, plötzlich taucht in einer unerwarteten Situation Frank Alwin wieder auf, verwahrlost und auf der Flucht und trotzdem als Retter…
Nach und nach werden die Geheimnisse um den goldenen Hades aufgeklärt. Ein unzugänglicher „Tempel“ auf dem Grundstück des etwas verschrobenen Millionärs Bertram spielt dabei ebenso eine Rolle wie ein Italiener namens Guiseppe Gatti, der bei Cavan die Fenster repariert und Corelly zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch die Identität eines ominösen Mannes namens „Rosie“ wird geklärt sowie die der anderen Burschen, die die Verschwörung um den goldenen Hades bilden. Und natürlich wird auch mal wieder die junge Dame des Stückes vor ihrer Zwangsheirat mit einem ganz üblen Burschen bewahrt, denn ihr Herz schlägt ja wie stets lieber für den Vertreter von Recht und Ordnung…


Bewertung:

Ein ungewöhnlicher Einstieg. Kaum hat man Zeit, mit den beiden vorgestellten Protagonisten etwas warm zu werden, da fallen sie auch schon durch kriminelle Machenschaften wieder vorläufig als Hauptpersonen aus der Handlung heraus. Die Brutalität ihrer Gegner soll sicher nochmal demonstrieren, dass hier amerikanische Verhältnisse herrschen ! Denn der Leser befindet sich ja gerade in New York. Wobei es im Prinzip überhaupt kein Lokalkolorit gibt, die Goldene-Hades-Affäre könnte genauso gut auch in London spielen. Doch Wallace war sicherlich immer noch durch seinen USA-Besuch geprägt.
Die Geschehnisse seiner Geschichte entwickeln ein durchgehend atemberaubendes Tempo, immer passiert etwas, gibt es neue kuriose oder auch bedrohliche Entwicklungen. Es lässt sich wirklich in einem Rutsch lesen. Trotz der überschaubaren Personenzahl und geringeren Buchdicke sind die Verwicklungen relativ zahlreich. Stets spielen die Geldscheine mit den aufgedruckten goldenen Hades-Bildern eine Rolle, die jedoch ihren vorübergehenden Besitzern nur Unglück bringen. Dabei fallen sie auch schonmal einem Finder mit einem abgeschossenen Pfeil vor die Füße.
Nach zwei Dritteln des Buches ist der geneigte Leser über die Identität der Übeltäter im Bilde. Das tut der Spannung kaum Abbruch. Die Konstellation der Gauner Sam, Tom und Rosie zueinander ähnelt sehr derjenigen, die sich der Autor auch schon mal in dem Krimi Die unheimlichen Briefe ausgedacht hatte. Die Burschen kochen auch in ihrem unrühmlichen Triumvirat noch ihr eigenes Süppchen, Ganovenehre gibt es nicht.
Dagegen ist der Gesetzeshüter in Gestalt von Wilbur Smith, aber besonders auch Peter Corelly erhaben über jegliche Unlauterkeit. Da es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht so festgefügte Klassenschranken gibt wie im guten alten England, hat Corelly auch keine Komplexe, mit der Millionenerbin anzubändeln und sie zur Not auch mal zurechtzuweisen.
Was hat Wallace bewogen, den Gott der Unterwelt Hades aus seiner Versenkung zu holen? War es die Vorahnung, dass man bald den Planeten Pluto entdecken sollte? Man weiß es nicht.
Die ganze Auflösung des Rätsels läuft auf einen großen Betrug unter Ausnutzung von finsterem Aberglauben hinaus und ist möglicherweise noch hanebüchener als viele andere Stories des Autors. Es erinnert mit der „sprechenden“ Götzenfigur in einem abgelegenen „Tempel“ sehr stark an die B-Movie-Klassiker mit Charlie Chan, die in der damaligen Zeit bald gedreht werden sollten.
Das Ende kommt kurz und knapp daher, rauchende Colts werden von den positiven Figuren noch in den Händen gehalten, quasi so eine Art alttestamentarischer Ausgleich für erlittenes Ungemach.

Der goldene Hades ist ein gut lesbares, kurzes und natürlich letztlich ziemlich abstruses Werk von Edgar Wallace. Aber klare Leseempfehlung.


Leseexemplar:

Es handelt sich hier um die Goldmann-Jubiläumsausgabe von 1990. Die kommt gerade mal mühselig auf ca. 120 Seiten Text. In der ursprünglichen Fassung mit dem unverwüstlichen Ravi Ravendro als Übersetzer hat man noch ca. 200 Seiten, später eine Schrumpfung der Seitenzahl (möglicherweise anderer Schriftsatz ?), dann in der letzten Gregor-Müller-Bearbeitung noch ein paar Seiten weniger. Keine Ahnung, wie stark die Kürzungen nun sind, oft wirkt die Schreibe ziemlich sprunghaft, was aber auch schon am Original liegen kann.


Verfilmung:

Irgendeine Art von Film scheint nach diesem Buch nicht gedreht worden zu sein, weder in Deutschland noch sonstwo.

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