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Dieses Thema hat 135 Antworten
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Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

20.12.2024 11:12
#106 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Neues Filmförderungsgesetz verabschiedet -
Bedingungen : Zentral gesteuert
Pflichten : Geschlechtsgerechtigkeit, Inklusion, Antidiskriminierung auch bei Minderheiten

https://www.ard-text.de/index.php?page=412

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

20.12.2024 11:53
#107 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Schön, dass es grundsätzlich erst einmal doch noch eine Einigung gibt - vor allem wegen der Verlängerung der Filmabgabe.
Zum Hintergrund: Beschlossen wurde das neue Filmförderungsgesetz mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP - also "alter Ampel".
Stärkere Zentralisierung und "automatisierte Vergabe" klingt erst einmal gut, weil bei Letzterem zumindest theoretisch persönlicher Geschmack (oder politische Einstellung) von Jurys weniger ins Gewicht fällt.
Die Bundesfilmförderung wird nun unter dem Dach der FFA gebündelt und es wurden schnellere und transparentere Förderverfahren versprochen - warten wir ab.
Steueranreizmodell und Investitionsverpflichtung sind nun aber wohl noch nicht Teil des Beschlusses, sondern weiterhin Zukunftsprojekte. Die wirklichen Reformen müssten also künftig erfolgen.
Die FDP hat wohl die Streichung eines geplanten Diversitätsbeirats und Anforderungen an eine nachhaltige Filmförderung zur Bedingung für eine Zustimmung gemacht. So selten ich der (heutigen) FDP zustimme, aber das finde ich tatsächlich vertretbar.
Solange es als "nachhaltig" gilt, vor etlichen Jahren produzierte, noch immer tadellos funktionierende HMI-Scheinwerfer mit hohem Wirkungsgrad an Sets zu verbieten, damit an ihrer Stelle neu produzierte Einweg-LED-Scheinwerfer mit (zur Zeit häufig noch) qualitativ schlechterem Licht (und teilweise mehr Strombedarf für ähnliche Lichtleistung) eingesetzt werden, denke ich, dass man die Vorgaben erst einmal wirklich sinnvoll aufstellen und prüfen muss, bevor man sie zur Verpflichtung (und Bedingung für Förderung!) macht.
Ohnehin haben sich ja die meisten Produzenten, bzw. Auftraggeber wie Netflix diesen Vorgaben, wie von mir bereits erwähnt, vor vielen Jahren freiwillig angeschlossen, so dass eine zusätzliche Zementierung im Filmförderungsgesetz nicht zwingend notwendig ist.
Ein Diversitätsbeirat dürfte aus meiner Sicht nur eine beratende Funktion haben und nicht etwa bereits getroffene Förderentscheidungen wieder einkassieren wegen erwähnter "Geschlechtsgerechtigkeit, Inklusion und Antidiskriminierung". Ich kann mir gut vorstellen, dass eher Letzteres geplant war.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

04.02.2025 13:54
#108 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #7
Dem bekannten Schauspieler Rolf Schmipf reicht seine Rente nicht. Was machen später die vielen vielen jungen
unbekannteren Schauspieler einmal, wenn Sie keinen Ehepartner mit "normalen Einkommen" haben?!
https://web.de/magazine/unterhaltung/sta...rsheim-38963888


Katharina Jacob "geht es mit ihrer Rente ja noch ganz gut" :-)
https://www.focus.de/kultur/stars/800-00...64b0ee49b6.html
Was wohl dem der nicht so viele gute Rollen hatte ...

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
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Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

04.02.2025 13:55
#109 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Ingo Naujocks spricht es aus, viel Licht doch ...
https://www.radiowmw.de/artikel/ingo-nau...le-2230895.html

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
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Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

06.02.2025 12:14
#110 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #109
Ingo Naujocks spricht es aus, viel Licht doch ...
https://www.radiowmw.de/artikel/ingo-nau...le-2230895.html


Das lässt sich ja im Grunde auf jedes Branchentreffen beziehen - sei es die "Grüne Woche" der Landwirtschaft, die "Dach+Holz" und Co. Eine Branche feiert sich selbst und verkauft sich nach außen so gut wie möglich.
Und die Treffen im Hintergrund (eigentlich der zentrale Pfeiler, nur eben nicht sehr öffentlichkeitswirksam) bei Festivals finden primär zwischen Produzenten, Verleihern, Autoren und Co statt. Schauspieler sind primär da um dem Ganzen nach Außen etwas Glamour zu verleihen und es attraktiver für ein "normales" Publikum zu machen - denn:
Die Berlinale ist ein Publikumsfestival, so dass man für Otto Normal natürlich auch Stars wie Clooney und Co da hin karren muss.
Und ohne ihm zu nahe treten zu wollen: internationale Co-Produktionen und Autorenfilme sind auch nicht sein Terrain. Rollen für Vorabendserien werden nicht auf Filmfestivals vergeben - da hat er Recht.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

07.02.2025 13:19
#111 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Das mag so sein, doch deshalb ist so etwas nicht gerechtfertigt und auch im Vergleich wird es nicht Positiv

Ich schaue seit ca. 50 Jahren intensiv TV, inzweischen Linear Tv. So gibt es in der Tat außer den unmmengen von Krinis, Arztserien
Telenovellas etc ab und an mal ein paar ganz wenige gute neue Filme, auch Reihen, doch leider wird auch hier taktiert.


ARD Sendeplatzverwertung / Sendeplatzverfall


Ein Begriff für hochwertige Filme oder Reihen die an einem bestimmten Sendeplatz hier Freitagabend ARD hohe Einschaltquoten beschert hat und ohne viel zu investieren
mit billigen Nachfolgefilmen gefüllt wird.

Nachfolgefilm "Schon tausendmal berührt von 2022" ARD Freitag 17.01.2015

Drehbuchautorin Judith Westermann, 29 durfte mal bei einen Fernsehfilm auch Regie führen.
Studium an der HFF und Universidad del Cine in Buenos Aires/Telenovelas
Erfahrungen: Seit 2012 ein Kurzfilm, Drehbücher, Streaming Drehbuch

Besetzung
Leo Reisinger, bekannt aus "Toni, männlich Hebamme" auf diesem Sendeplatz
Inez Bjørg David aus der der Seifenoper (so Wikipedia) "Verbotene Liebe"
Benedikt Zimmermann, zuvor drei Filme/Serienfolgen.
Elena Uhlig aus Traumschiff, Soko, Wanderhure und weiteren "Filmen"

usw.

Nach 14 Minuten musste ich, weil einfach zuu flach, abschalten.

Man hat sich zurecht einen guten Sendeplatz zur Primetime erschaffen und so sieht
dann wohl die Zukunft aus : Sendeplatzverwertung.

So spielt man Streaming weiter in die Hände

Gruss
Havi17

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Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

10.02.2025 09:45
#112 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Das vermischt aber ja ganz viele Dinge. Auf der Berlinale treffen sich internationale Filmschaffende, um beispielsweise über europäische Co-Produktionen zu verhandeln. Auch Buchrechte gehen dort über den Tisch oder Heimkino-Labels haben dort Treffen mit Rechteinhabern - es wird also beispielsweise auch über Veröffentlichungen alter Filme gesprochen. Und das öffentlichkeitswirksame Programm ist rein (Kino-)Film-orientiert. Das hat mit Fernsehspielen und Sendeplätzen im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen also 0,0 zu tun.

Für das, was Du ansprichst, hat man 1991 die Cologne Conference ins Leben gerufen, die mittlerweile aber auch in "Film Festival Cologne" umbenannt wurde. Dort ging es anfangs primär um TV-Formate, heutzutage auch viel um Streaming, bzw. internationale Kinostars werden auch dort mittlerweile gern eingeladen und Kinofilme gezeigt.

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

Ein Begriff für hochwertige Filme oder Reihen die an einem bestimmten Sendeplatz hier Freitagabend ARD hohe Einschaltquoten beschert hat und ohne viel zu investieren mit billigen Nachfolgefilmen gefüllt wird.


Klingt vielleicht komisch, aber ein "seichter" TV-Film ist ebenso teuer (oder billig?) wie ein anspruchsvoller. Wir sind hier wieder beim Ur-Thema Drehbuch. Wenn niemand für gute Drehbücher zahlt, gibt es auch keine. Da kann der Anspruch eines Senders noch so hoch sein. Es gibt schlichtweg keinen Nachwuchs mehr im Drehbuch-Bereich. Selbst an meiner ehemaligen Filmhochschule wurde der Studiengang "Drehbuch" nach einem Testballon wieder eingestellt, weil es nur drei Absolventen gab. Und Du und ich argumentieren mit Qualität, der Sender mit Quote. Wenn der seichte Film viel eingeschaltet wurde, hat der Sender aus seiner Sicht Alles richtig gemacht.

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

Drehbuchautorin Judith Westermann, 29 durfte mal bei einen Fernsehfilm auch Regie führen.
Studium an der HFF und Universidad del Cine in Buenos Aires/Telenovelas
Erfahrungen: Seit 2012 ein Kurzfilm, Drehbücher, Streaming Drehbuch

Aus diesem Teil werde ich nicht ganz schlau. Soll das ein Hinweis auf mangelnde Qualifikation sein?
Aus den bekannten Gründen (Kino ist utopisch, Streaming setzt nur auf bekannte Pferde) finde ich es gut und richtig, wenn wenigstens noch Fernsehsender Nachwuchskräfte auf den Regiestuhl setzen. Frau Westermann hat den Sender scheinbar mit ihren beiden eigenen Regiearbeiten 2012 und 2017 davon überzeugt, dass sie Regie führen kann und in den Jahren vor 2020 jedes Jahr einen TV-Film geschrieben.
Das kann man Alles als "Klüngel" bezeichnen, aber großartig anders kann man es kaum machen. Natürlich kann man Sönke Wortmann oder Leander Haußmann sämtliche Filme drehen lassen, aber nur gestandene Regisseure und Regisseurinnen vom Streaming abwerben oder von den Privatsendern geht nicht. Man muss schon auch durchlässig sein für Hochschulabsolventen oder Leute, die bisher "nur" Kurzfilme vorzuweisen haben. Und man unterschätze nicht die Arbeit von Drehbuchautoren! Es ist keinesfalls so, dass die Autoren im stillen Kämmerlein ihr Buch schreiben und dann verkaufen, in der Regel sind sie während der Produktion noch eingebunden für Fragen und Änderungen. Wenn da die Zusammenarbeit also über drei Jahre schon gut funktioniert hat und Frau Westermann noch ein erfolgreiches Regiestudium sowie zwei auf dem freien Markt entstandene Kurzfilme unter eigener Regie vorweisen konnte, ist an dem Schritt doch Nichts auszusetzen? Anders war es beispielsweise bei Wolfgang Petersen doch auch nicht? Er hat Film studiert, Kurzfilme gedreht, hier und da Theaterstücke inszeniert und wurde dann quasi direkt vor der Haustür vom NDR für ein paar "Tatorte" engagiert.

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

Besetzung
Leo Reisinger, bekannt aus "Toni, männlich Hebamme" auf diesem Sendeplatz
Inez Bjørg David aus der der Seifenoper (so Wikipedia) "Verbotene Liebe"
Benedikt Zimmermann, zuvor drei Filme/Serienfolgen.
Elena Uhlig aus Traumschiff, Soko, Wanderhure und weiteren "Filmen"

Wo ist da der Unterschied zu früher?
Man besetzt Schauspieler, die man aus schmalzigen Romanzen kennt für eine schmalzige Romanze? Na nu! War es Zufall, dass Heinz Drache in "Der Rächer" zu sehen war und in Durbridges "Das Halstuch" und danach auch als Ermittler in den Rialto-Wallace-Filmen zu sehen war? War es eine mutige Wahl für die Produzenten Joachim Fuchsberger und Eddi Arent in einem Film wie "Feuer frei auf Frankie" zu besetzen oder dachte man sich, das Zielpublikum damit zu treffen?

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

Nach 14 Minuten musste ich, weil einfach zuu flach, abschalten.

Ja, also ein schwacher TV-Film. Ich würde (ohne ihn gesehen zu haben) auf schwaches, anspruchsloses Drehbuch und mangelnde Ambitionen tippen.
Wieso greifst Du einen Film von 2020 heraus? Wenn ich mir einen beliebigen TV-Film von 1974 rausgreife, ist die Chance hoch, dass ich den auch keine 14 Minuten aushalte.
Wenn ich "Romanze" lese + die von Dir genannte Besetzung würde ich ohnehin nicht einschalten.

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

Man hat sich zurecht einen guten Sendeplatz zur Primetime erschaffen und so sieht dann wohl die Zukunft aus : Sendeplatzverwertung.

Den Sendeplatz hat sich das Publikum geschaffen. Aus Sicht des TV-Senders (der ja Analysen rauf und runter macht) scheinen Freitags seichte Romanzen am besten zu laufen. Die Leute kommen aus einer anstrengenden Arbeitswoche und wollen anspruchslos unterhalten werden, viele Männer schauen parallel das Top-Spiel der Bundesliga - voilá.

Zitat von Havi17 im Beitrag #111

So spielt man Streaming weiter in die Hände


Streaming gibt's auch beim Öffentlich-Rechtlichen. Wenn ich suchen würde, würde ich jede Woche in der Mediathek einen Fernsehfilm finden, den ich wohl sehen könnte. Will, bzw. kann ich aber nicht. Zeitmangel und Priorität auf Kinofilme.
Ich finde es eine etwas vermessene Anspruchshaltung im linearen Fernsehen zu jeder Sendezeit und auf jedem Sendeplatz etwas zu erwarten, was einem zu 100 Prozent gefällt. Dann ist man nämlich wirklich beim Streaming besser aufgehoben...

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

11.02.2025 19:21
#113 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Ich denke da ist etwas mißverstanden worden und qualitative, quantitative Vergleiche miit früher machen heutigen Fakten auch nicht besser.

Es gibt sehr wenige und immer weniger gute TV Filme abseits von Krimis, ich schaue mir diese an und erlaube mir das mit meiner TV Erfahrung zu beurteilen.
Fast ausschließlich auf dem Sendeplatz "Freitag Abend ARD", liefen auch gute bis sehr gute neue also aktuelle TV Filme.
Nunmehr wird dieser Sendeplatz mißbraucht, so wie im Beispiel "Schon tausendmal berührt" geschehen. Und es liegt nicht am Drehbuch, sondern
an den fade geführten Schauspielern, das hat mit Qualifikation zu tun. Das Leute anspruchslos unterhalten werden wollen möchte ich stark bezweifeln.
Solche Filme werden auch beim ARD Streaming nicht besser und unterstützen Streaming Anbieter mit einem breiteren, deshalb nicht besseren Angebot.

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

18.09.2025 19:48
#114 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Traurig !

Entscheidung des NDR - Julia Ruhs und der Streit um Meinungsvielfalt im ÖRR

... auch wenn das einigen Linken nicht gefällt...
https://web.de/magazine/politik/inland/j...t-oerr-41395268

Gruss
Havi17

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Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

19.09.2025 12:12
#115 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #114
Traurig !

Entscheidung des NDR - Julia Ruhs und der Streit um Meinungsvielfalt im ÖRR

... auch wenn das einigen Linken nicht gefällt...
https://web.de/magazine/politik/inland/j...t-oerr-41395268

Ein spannendes Thema, das aber zu komplex ist, um es in Kindergarten-Manier in Form von "Rechts-Links"-Grabenkämpfen zu führen.
Ich empfehle auch deutlich, einfach einmal die offizielle Pressemitteilung des NDR zu lesen und erst in zweiter Linie journalistische Beiträge, die sich dem Thema dann einordnend und meinungsmachend widmen.
--> https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mittei...ungndr-246.html
Wenn ich mir nämlich nur diese Mitteilung durchlese, dann ist es eine normale Pressemitteilung, die es so und ähnlich schon zu hunderten Formaten gab und ich kann mir auf dieser Basis nicht erklären, warum es ein solches Medienecho gibt.
Fakt ist: Der Plan für die Sendung sah immer vor, dass im Falle einer erfolgreichen Pilot-Phase die Folgen-Zahl erhöht wird und zusätzlich (!) zu Julia Ruhs auch andere Moderatoren eingesetzt werden. So läuft das übrigens bei so gut wie allen Formaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die von verschiedenen Sende-Anstalten im Wechsel produziert werden - seien es nun Morgenmagazine oder andere. Dass ein Moderator oder eine Moderatorin zwischen den Produktionsorten "springt" ist dann doch eher selten, viel mehr erkennt man häufig bei Formaten welcher Sender heute produziert, weil auch der Moderator/die Moderatorin wechselt. Wer Einblick in Sender-Arbeit hat, weiß, wie wichtig gerade den jeweiligen Landesanstalten ein eigenes Profil und Wiedererkennbarkeit im ARD-Hauptprogramm ist. Das wird schon deutlich, wenn man sich anschaut, wie prominent die Auslandskorrespondenten das Mikrofon mit dem ARD- und darunter gut sichtbaren jeweiligen Landes-Anstalts-Logo präsentieren. Ein Blick auf Julia Ruhs Werdegang macht deutlich, wo sie herkommt. Sie hat fast ausschließlich für den BR gearbeitet. Ich konnte leider nicht feststellen, in welcher Form die Pilotfolgen von "Klar" produziert wurden - ob der NDR eigenverantwortlich ein oder zwei Folgen produziert hat, der BR dann entsprechend ebenfalls ein oder zwei, oder ob man für die Pilotphase gemeinsam produziert hat, um Kosten und Personalaufwand zu sparen. Dass der NDR für seine Ausgaben (dauerhaft!) ein BR-Gesicht einsetzt, hätte mich extrem überrascht.
Ein großes Presseecho wert gewesen, wäre es, wenn der NDR seinen Ausstieg aus dem Format verkündet hätte - oder noch schlimmer, die weitere Zusammenarbeit mit dem BR an die Forderung gekoppelt hätte, dass auch dort Julia Ruhs nicht moderiert. So, wie sich die Pressemitteilung darstellt, passiert aber nur das, was wahrscheinlich zum Start des Projekts schon feststand. Ansonsten hätte der BR es ja auch von Beginn an komplett allein mit seiner Moderatorin produzieren können.
Diese Pressemitteilung zu finden, war übrigens gar nicht einfach, so groß ist mittlerweile die Anzahl der Meldungen zu dem Thema aus journalistischer Brille und damit eingehender Einordnung und Bewertung. Das äußert sich schon in formal falschen Headlines, die von "Absetzung" sprechen. Wahrscheinlich ging die Meldung schon vor der offiziellen Pressemitteilung über Julia Ruh oder ihr Umfeld an die Öffentlichkeit, es gibt ja keine Entlassung, Absetzung oder sonstiges, Julia Ruh hatte aber möglicherweise insgeheim noch darauf gehofft, bei Fortführung des Formats bei zwei Sendeanstalten abkassieren zu dürfen. Aber drei Folgen waren vereinbart, drei wurden produziert und drei wurden gesendet - über mehr gab es keine Verträge, die nun irgendwie außergewöhnlich gekündigt werden. Der BR möchte künftige Folgen wieder mit Julia Ruh produzieren, der NDR möchte eben für seine Ausgaben jemand anderes vor der Kamera stehen haben - Alles legitim, oder etwa nicht?
Kritik würde ich wie gesagt äußern, wenn der NDR sich komplett aus dem Projekt "Klar" gezogen hätte oder die Redaktion rauswirft.
Leider bleibt bei vielen Beiträgen, die ich so überflogen habe, der Eindruck, dass es (bei den Printmedien) sehr wenig Kenntnis über die Entstehung von TV-Magazinen gibt. Möglich auch, dass man bewusst so eine Welle macht, weil man sich in Konkurrenz zum Bewegtbild sieht und hier einmal die Chance besteht einem Sender "einen reinzuwürgen".
Einmal völlig unabhängig von der Persönlichkeit Julia Ruhs: Normalerweise erarbeitet eine Redaktion Themen und Beiträge, die dann von unterschiedlichen Teams produziert und am Ende vom Moderator/der Moderatorin präsentiert und anmoderiert werden. In einigen Fällen (Plasberg, Böhmermann, Klamroth, Welke...) wirken Moderatoren auch selbst bei der Redaktionsarbeit mit, aber wer glaubt, dass Welke die Gags bei der Heute-Show oder Böhmermann seine zynischen Bemerkungen oder Songtexte selbst schreiben oder sich Plasberg/Klamroth vor jeder Sendung "hart aber fair" allein überlegen, über welches Thema sie reden wollen, ist hochgradig naiv und sollte zu Medienthemen lieber schweigen.
Zum Großteil präsentiert ein Moderator/eine Moderatorin fremde Arbeit, es wird vielleicht hier und da mundgerecht umformuliert oder man lässt (bei etwas freieren Formaten, die nicht aus einer Aneinanderreihung von Stücken/Beiträgen bestehen) seine eigene Meinung einfließen, bzw. präsentiert auch eigene Rechercheergebnisse, aber man ist das Gesicht für eine kollektive, redaktionelle Arbeit. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass Julia Ruhs Name im Zusammenhang mit "Autorenschaft" in einschlägigen Portalen nur bei der Folge "Migration: Was falsch läuft" aufgeführt wird, bei den anderen beiden nicht.
Wenn ich dann lese, dass es in der Redaktion von "klar" (die ja im Sinne der Meinungsvielfalt und der Zielsetzung ein explizit konservatives, alternatives Format zu bieten, eben nicht mit "links-grünen" Journalisten besetzt ist) große Kritik an Julia Ruhs in Punkto "mangelnde journalistische Sorgfalt" gab und die Zusammenarbeit sich schwierig gestaltet haben soll, dann klingt es für mich tatsächlich eher danach, dass es nicht (wie bei Kimmel in den USA) eine von Regierungsseite forcierte und von Sender-Chefs durchgesetzte Absetzung ist, sondern - zusätzlich zum gewünschten eigenen Profil für den Sender - der Wunsch nach Veränderung auch aus der eigenen Redaktion kam. Wer weiß, was da hinter den Kulissen lief. Es sind teilweise eine dreistellige Anzahl an Leuten an einer Sendung beteiligt, allein in der Redaktion in jedem Falle eine zweistellige Anzahl. Wenn es da im Hintergrund so sehr knirschte, dass die Wahl bestand zwischen einem neuen (!) Vertrag mit Julia Ruhs und gleichzeitigem Austausch von einer handvoll Mitarbeitern, der Sender mit der redaktionellen Arbeit aber soweit zufrieden war, kann ich absolut nachvollziehen, wenn man sich dann "nur" für einen Austausch des präsentierenden Gesichts entscheidet, zumal ja in dem Wissen, dass dieses Gesicht beim Partner-Sender weiter moderieren wird!
Geradezu lustig finde ich dann im verlinkten web.de-Artikel die Tatsache, dass man Zuschauerzahlen präsentiert, diese dann aber völlig falsch einordnet.
Wenn sich die YouTube-Zugriffe innerhalb von nur drei Folgen von 550.000 über 250.000 runter auf 50.000 bewegen und zeitgleich die Mediatheken-Zugriffe von 130.000 über 30.000 runter auf 14.500 gehen, ist das eine verheerende Entwicklung, angesichts derer ich mich eher frage, warum der NDR und (!) BR das Format überhaupt weiterführen. So gesehen finde ich es dann schon etwas speziell, dass das Medien-Echo zu Stefan Raabs (gerechtfertigter) Absetzung eher aus "joa, verständlich" bestand und hier bei einem simplen Vertragsablauf bei einer Sendung, die weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit lief, eine riesige Welle veranstaltet wird. Vielmehr ist es doch NDR und BR hoch anzurechnen, dass sie im Sinne der Meinungsvielfalt auch ein absolutes Nischenformat mit geringen Zuschauerzahlen leben lassen?
Bevor irgendeine Bewertung möglich ist, bleibt nun also abzuwarten, wen der NDR als Moderator/Moderatorin seiner "Klar"-Ausgaben präsentiert und ob sich inhaltlich (!) etwas ändert - wovon ich persönlich nicht ausgehe, wenn im Hintergrund das Personal das selbe bleibt.
Dass CDU und CSU sich nun überbieten in den Forderungen nach "Druck auf die Sendeanstalten" macht mir dann angesichts dessen, was zeitgleich in den USA passiert, dann doch eher Sorgen.
Julia Ruhs flimmerte mit dem Format "Klar" zwischen April und Juli ganze drei Mal über die Bildschirme, dass es nun ganze zwei Monate gar keine Folge mehr gab, scheint niemand bemerkt zu haben?
Nun flimmert sie künftig sogar in noch mehr Folgen mit dem selben Format über die Bildschirme, nur der NDR setzt für seine zusätzlichen (!) Folgen ein anderes Gesicht ein.
Ich sehe es in Punkto Meinungsvielfalt sogar als besser an, wenn es zwei unterschiedliche Gesichter im Wechsel gibt: So lässt sich Kritik an dem Format nicht mehr auf die Person Julia Ruhs kanalisieren. Wenn nicht (nur) Julia Ruhs die Inhalte präsentiert, geht es vielleicht tatsächlich - wie vom NDR gewünscht - um die tatsächlichen Inhalte.
Sendungen wie "Nuhr" laufen übrigens unbeirrt weiter, auch in der Rubrik "Meinung" bei den "Tagesthemen" kommen regelmäßig auch rechte Stimmen zu Wort. Ich sehe das Problem also nicht, weil keinerlei Entlassungen wegen unliebsamer Meinungen oder Ähnlichem festzustellen sind.

Mal meine persönliche Meinung eingeworfen: Wenn ein amerikanischer Präsident nach Kritik an seiner Person über eigens bei der "Federal Communications Commission" eingesetztes Personal Druck auf einen Fernsehsender ausübt und dieser dann - von der Chefetage aus! - eine Sendung absetzt, ist das eine völlig andere Hausnummer, als das, was nun in Deutschland (viel zu) heiß diskutiert wird.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

19.09.2025 17:22
#116 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Und da ist das neue NDR-"Klar"-Gesicht auch schon:
https://www.sueddeutsche.de/medien/tanit...-ndr-li.3315143
Da solche Personalien (Vertragsgestaltung und Co) immer einige Zeit benötigen, wird das im Hintergrund bereits mehr oder weniger beschlossen gewesen sein, die frühen Berichte der "Welt" (informiert von Julia Ruhs oder Umfeld?) haben den NDR aber dann scheinbar zu einer Pressemitteilung genötigt, in der sie ihre neue Moderatorin noch nicht verkünden konnten. Das hätte vielleicht den Sturm in den Medien schon im Keime erstickt.

Julia Ruhs ist jedenfalls nächstes Jahr erneut in drei Folgen "Klar" zu sehen, dafür nur eben auch zusätzlich in drei Folgen dann Tanit Koch für den NDR.
Tanit Koch war Chefredakteurin der "BILD" und "RTL" sowie Autorin für "Focus" und 2021 Leiterin der Wahlkampfkommunikation für den Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet und muss sich daher wohl kaum ein "links-grün"-Etikett anheften lassen.

Ohne sie sonst weiter zu kennen, wirken Julia Ruhs' aktuelle Äußerungen zur Thematik übrigens auf mich eher unprofessionell. "Dass ich ‚Klar‘ für den NDR nicht mehr moderieren darf, ist ein Armutszeugnis." und beim Bayerischen Rundfunk werde sie "weiterhin das machen, was beim NDR offenbar unmöglich ist" klingen für mich nach persönlicher Kränkung, weil man einen lukrativen Job nicht bekommen hat. Solche (möglicherweise auch einfach unbedachten) Äußerungen in irgendeinem Podcast würde ich mir auf einem Markt, wo es nur eine überschaubare Anzahl an potentiellen Arbeitgebern gibt und man in der Regel als Freelancer unterwegs ist, eher verkneifen. Welcher potentielle Arbeitgeber (oder auch der ihr eigentlich gewogene BR) möchte immer im Hinterkopf haben, dass es bei einer Trennung, aus welchen Gründen auch immer, womöglich zu einer Schlammschlacht kommt?

Und noch zwei (abschließende?) Gedanken zum ganzen Thema:
Julia Ruhs stand nach der ersten Ausgabe von "Klar" in der Kritik, durfte aber weitersenden - NDR und BR haben sich (teils gegen die eigene Belegschaft!) hinter sie gestellt - wie ich es im Übrigen durchaus richtig finde und auch bei anderen Journalisten, Moderatoren und Redakteuren, egal welcher Couleur bei Angriffen von außen erwarte. Die zweite und dritte Folge wurden scheinbar ohne großes Medienecho weggesendet. Da nun also "Cancel Culture" zu implizieren, wie es einige Medien tun, finde ich weit hergeholt. Der Moment dafür wäre nach der ersten Folge gewesen. Jetzt, wo es der Öffentlichkeit quasi gar nicht egaler sein könnte, einen Vertrag auslaufen zu lassen und auf eine andere (zumal ebenfalls konservativ geprägte!) Personalie zu setzen, fällt für meine Begriffe in den Bereich "normale betriebliche Entscheidung".

Und weil medial der (ziemlich Hufeisen-mäßig blöde) Vergleich auch teilweise bemüht wird: die aktuelle Fernseh-Saison in den USA (September-August) ist gerade erst angelaufen und Jimmy Kimmels Vertrag wäre erst nächstes Jahr im August ausgelaufen. Unbefriedigende Zuschauerzahlen hin oder her: Ihn mit laufendem Vertrag vom Sender zu nehmen, noch dazu offensichtlich nach Druck durch die Regierung, ist eine völlig andere Situation. Um diesen schrägen Vergleich mit Julia Ruhs irgendwie hinzubiegen, hieße das, Julia Ruhs hätte beispielsweise in der dritten "Klar"-Sendung zum Thema "Corona" sämtliche Spahn-Skandale fein aufgearbeitet und einen Untersuchungsausschuss gefordert, Spahn dann über den Rundfunkrat ihre Absetzung gefordert und NDR und BR das gesamte Format eingestellt.

Anders herum hätte ich es als "betriebliche Entscheidung" durchgehen lassen, wenn wir nun August hätten, Jimmy Kimmel die kritisierten Äußerungen in seiner letzten geplanten Sendung getätigt und der Sender schlicht entschieden hätte den Vertrag nicht zu verlängern, zumal er ja (Stichwort Zsuchauerzahlen) durchaus finanzielle Gründe dafür gefunden hätte.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

20.09.2025 11:34
#117 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Und genau das schreibt zurecht der Journalistenverband dazu. Eindeutiger geht es nicht.
https://www.tagesschau.de/inland/djv-kri...on-ndr-100.html

Und als Ablösung eine ehemalige Bild Chefredakteurin (nicht J. Reichelt) zu nehmen, also Axel Springer, bestätigt den Vorwurf

Gruss
Havi17

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Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

20.09.2025 12:59
#118 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #117
Und genau das schreibt zurecht der Journalistenverband dazu. Eindeutiger geht es nicht.
https://www.tagesschau.de/inland/djv-kri...on-ndr-100.html

Und als Ablösung eine ehemalige Bild Chefredakteurin (nicht J. Reichelt) zu nehmen, also Axel Springer, bestätigt den Vorwurf


Da kann ich nicht ganz folgen, bzw. das müsstest Du etwas ausführen. Der Journalistenverband wertet die Kommentare von Linnemann und Co eindeutig als Einmischung. Und die Bsetzung der Stelle mit einer ehemaligen BILD-Mitarbeiterin siehst Du als Bestätigung dafür, weil Dir die Personalie, wie von der Union diktiert erscheint? Verstehe ich das richtig?
An dieser Lesart finde ich zu erst einmal schwierig, dass der NDR um der Union zu gefallen ja einfach nur Julia Ruhs weiterbeschäftigen hätte müssen und Tanit Koch da vielleicht aufgrund der Verbindung zu Laschet etwas näher scheint, aber sich grundsätzlich ja nicht extrem von Ruhs unterscheidet.
Und ich würde noch einwerfen, dass solche Personalien eben nicht innerhalb von einem Tag geklärt werden. Dass der NDR einen Tag nach der Pressemitteilung auf Druck der Union Tanit Koch kontaktiert und sie direkt als Nachfolgerin präsentiert halte ich für unmöglich. Die Besetzung wird intern schon mindestens wochenlang vorbereitet gewesen sein und daher mit den Unions-Äußerungen Nichts zu tun haben.
Die Nennung von Julian Reichelt verstehe ich in diesem Zusammenhang erst recht nicht wirklich. Der Mann wird erstens kaum einen gut bezahlten Geschäftsführerposten bei NIUS aufgeben um drei mal im Jahr eine Nischensendung bei einer Landesanstalt wie dem NDR zu übernehmen und hat nun oft genug nachgewiesen, dass er zentrale journalistische Grundsätze nicht einhält und wäre für ein Magazin, dass sich ohnehin bereits gegen solche Vorwürfe erwehren musste so etwas wie der Sargnagel.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.899

06.11.2025 09:28
#119 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Ingrid van Bergen

"Es geht ihr wie vielen einst großen deutschen Schauspielern. Sie hat nur eine kleine Rente." Eine Pflegerin oder ein Seniorenheim könne sie sich nicht leisten, erzählt Schnitzler.
https://web.de/magazine/unterhaltung/sta...lindet-41559910

Du arbeitest in deinem Beruf. Dann kommt eines Tages dein Chef und sagt : Du bist jetzt über 50 wir besetzen deine Stelle nicht mehr mit dir, kannst jetzt gehen.
Früher sorgten Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren etc. dafür, dass alte Schauspieler noch eine Rolle bekamen die vom Drehbuchautor eigens so geschrieben wurde.
Ja natürlich früher schrieben Drehbuchautoren noch die Geschichte für den Schauspieler der länger davor schon mit dem Regisseur ausgesucht wurde.
Da gab es keine Produzenten die eigenmächtig pur nach Quotengesicht die Besetzung entschieden.

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
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Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.112

07.11.2025 15:26
#120 RE: Licht und Schatten Mainstream TV Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #119
Ingrid van Bergen

"Es geht ihr wie vielen einst großen deutschen Schauspielern. Sie hat nur eine kleine Rente." Eine Pflegerin oder ein Seniorenheim könne sie sich nicht leisten, erzählt Schnitzler.
https://web.de/magazine/unterhaltung/sta...lindet-41559910

Du arbeitest in deinem Beruf. Dann kommt eines Tages dein Chef und sagt : Du bist jetzt über 50 wir besetzen deine Stelle nicht mehr mit dir, kannst jetzt gehen.
Früher sorgten Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren etc. dafür, dass alte Schauspieler noch eine Rolle bekamen die vom Drehbuchautor eigens so geschrieben wurde.
Ja natürlich früher schrieben Drehbuchautoren noch die Geschichte für den Schauspieler der länger davor schon mit dem Regisseur ausgesucht wurde.
Da gab es keine Produzenten die eigenmächtig pur nach Quotengesicht die Besetzung entschieden.


Ich lasse mich leider zu leicht triggern - obwohl ich ja weiß, dass keinerlei Diskussion gewünscht wird, bzw. keine Antworten kommen...
"Früher war Alles besser" klingt immer nett, aber allein der Blick auf die Filmreihe, die unserem schönen Forum den Namen gibt, sollte zu denken geben. Fuchsberger (08/15 und einige Heimatfilme) oder Heinz Drache (das erste Rialto-Wallace-Engagement erfolgte nach dem Konkurrenzprodukt "Der Rächer" und dem immensen Erfolg von "Das Halstuch") waren keine Quoten-Entscheidungen?
Und welcher Wallace-Drehbuchautor hatte jemals mit Besetzungen zu tun? Das "Wallace" kann man dabei sogar ganz streichen - die Fälle sind (gerade in Deutschland) extrem selten. Vielmehr sind es (neben Regisseuren) auch früher schon die Produzenten gewesen, die "Gefälligkeitsrollen" vergeben haben - oftmals aber auch nicht ganz uneigennützig. Wer länger nicht mehr beschäftigt war, ist günstig zu bekommen und gerade bei Filmreihen für ein eher jüngeres Publikum konnte man beispielsweise durch Besetzung von einstigen UFA-Stars vielleicht auch ein älteres Publikum in die Kinos locken.
Und letztlich hinkt Der Vergleich leider sehr, Schauspieler bei Film und Fernsehen sind nicht festangestellt, als Freiberufler nicht mehr gebucht zu werden ist etwas Anderes als eine fristlose Kündigung. Und mit dem Hinweis auf die "50-Jahre-Schwelle" wird es dann gar lächerlich. Natürlich hätte man beispielsweise Elisabeth Flickenschildt auch 1962 nicht mehr in der Rolle der Leila Smith in "Das Gasthaus an der Themse" besetzt. Auch Karin Dor, Karin Baal oder Brigitte Grothum hatten ihre Besetzung natürlich (auch) ihrem jugendlichen Alter zu verdanken und bekamen solche Rollen in den 70ern/80ern nicht allein deswegen nicht mehr, weil es diese Art von Filmen nicht mehr gab.
Das Grundproblem ist, dass jederzeit Massen an jungen Schauspielern für die typischen Rollen gesucht werden, die Zahl der möglichen/verfügbaren Rollen in Filmen aber mit jedem Altersjahr sinkt. Vollbeschäftigung für sämtliche Schauspieler, die mit 20-30 die jugendlichen Liebhaber gespielt haben ist für alle nicht mehr möglich, wenn sie 70 werden. Diese Schauspieler prügeln sich dann um wesentlich weniger Rollen oder sind dann bereits im Ruhestand - sofern sie es sich leisten können.
Man könnte da nun also grundsätzlich rangehen und sagen "Kunst/Kunsthandwerk und Kapitalismus sind keine gute Paarung", aber es einfach abzuwälzen auf heutige Produzenten ist zu kurz gedacht. Schau Dir einmal an, wie viele Schauspieler auch in den 60ern oder 70ern schon unter den selben Problemen litten. Beim Europa-Label in Hamburg rannten die Schauspielstars in den 70ern und 80ern trotz "mickriger" Gagen die Türen für jede noch so kleine Rolle ein - nicht, weil man den Hals nicht voll kriegen und Reichtümer anhäufen wollte, sondern weil die paar lange zurückliegenden Drehtage bei Kino und Fernsehen und ein paar Wochen Theatertouren nicht auf Jahrzehnte hinaus zum Überleben reichten.
Entweder schaffen es Schauspieler in den "fetten Jahren" mit zig Haupttrollen riesige Summen anzusparen (so gut wie keiner), sind auf Charakterrollen abonniert und wachsen mit dem Alter in neue Rollen (nur wenige) oder schaffen es mit zusätzlichen Standbeinen wie festen Theaterengagements (Lohnsteuer-Beschäftigung und Rentenpunkte!) oder Synchron- und Hörspiel-Arbeiten sich ganz solide über Wasser zu halten (einige). Die meisten verlassen den Schauspielerberuf aber bereits in jungen Jahren, wechseln in die Lehrtätigkeit, führen selbst Regie oder bekommen die hier geschilderten Probleme.
Und Ingrid van Bergen hatte sogar viele Standbeine, neben Kino und Fernsehen gab es viele Theaterengagements, sie hat Hörspiele gesprochen und einige Rollen synchronisiert (beispielsweise Honor Blackman und Kathleen Turner).
Das Problem der Altersarmut und der Pflegesituation ist dann noch einmal ein weitaus größeres, das sich nicht nur auf den Sektor Medienwelt beschränkt. Da sind wir eher beim Kernthema "zunehmende Privatisierung von Gemeinwesen" und nachranging auch bei Benachteiligung von Frauen - Stichwort "Ehegattensplitting" und Co. Gerade (Ehe-)Frauen bekommen im Alter häufig Probleme, wenn der Partner nicht mehr lebt und man das eigene Einkommen zu Gunsten zeitweiser Steuervorteile immer schön klein gerechnet oder gehalten hat und so nur wenige Rentenpunkte ansammeln konnte. Bei Ingrid van Bergen dürfte die 4-5jährige Zwangspause aufgrund ihrer Haft zudem nicht gerade geholfen haben, was ihr Schicksal (wie das von Heinz Hoenig, der sich nicht/zu spät für die gesetzliche Krankenversicherung entschieden hat, wie letztens schon thematisiert) zu einem Einzelfall macht.
Merkwürdig finde ich auch immer, dass es bei Malern, Schriftstellern oder Musikern oft heißt sie hätten sich ja für die "brotlose Kunst" entschieden und das Risiko der Altersarmut bewusst in Kauf genommen, bei Schauspielern sind es dann aber immer aufsehenerregende Fälle - wohl weil man zum ein oder anderen Betroffenen einstmals auf die große Leinwand heraufgeschaut hat. Letztlich geht es so aber auch vielen Leuten, die sich beispielsweise bis zur Rente in der Logistik den Buckel kaputt geschuftet haben nicht anders. Einige Schauspieler:innen, Maler:innen, Musiker:innen und Co können im Vergleich dazu aber vielleicht zumindest auf ein phasenweise glamouröseres Leben und das ein oder andere bleibende Werk zurückblicken.
Man darf also solche Berichte lieber dazu zum Anlass nehmen den Pflegesektor, sowie das Rentensystem zu kritisieren als auf Produzenten einzuprügeln, die nicht anders handeln als ihre gefeierten Vorgänger wie Brauner und Co.

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